Die Vertreter der Rinderzucht Schleswig-Holstein eG (RSH) sind am 4. März in das Congress-Center der Holstenhallen Neumünster geladen worden, um sich über das Ergebnis des abgeschlossenen Geschäftsjahres (GJ) 23/24 sowie die Perspektiven im laufenden Jahr zu informieren. Pünktlich begrüßte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Claus Solterbeck, die erschienenen 57 von 76 Vertretern sowie die zahlreichen Gäste aus Politik, Wissenschaft, Verbänden, befreundeten Organisationen und ehemalige Wegbegleiter der RSH. Vor Einstieg in die weitere Tagesordnung wurde aller verstorbenen Mitglieder und ehemaliger Mitarbeiter mit einer Schweigeminute gedacht.
Geschäftsführer Olaf Weick berichtete über den Jahresabschluss 2023/24 und informierte, dass die Zahl der Rinder haltenden Betriebe in Schleswig-Holstein dem weiterhin rückläufigen Bundestrend gefolgt sei, sodass auch die RSH einen Rückgang um 4 % auf nunmehr 3.728 Mitglieder zu verzeichnen habe.
Die Bilanzsumme der RSH hat im Vergleich zum Vorjahr von 18,7 auf 18,5 Mio. € leicht abgenommen. Der operative Umsatz zeigte sich hingegen sehr positiv und erreicht 24,3 Mio. €. „Die Umsatzentwicklung im Zuchtviehhandel hat das Betriebsergebnis positiv beeinflussen können“, bilanzierte Weick seine Erläuterungen zur Umsatzentwicklung.
Die Erlöse im Bereich Besamungsdienstleistung und Spermaverkauf kamen auf insgesamt 14,6 Mio. €. Die notwendige Anpassung der Erstbesamungsgebühr sowie die Einführung einer Einsatzpauschale wurden zum 1. September 2023 umgesetzt und haben trotz sinkender Inanspruchnahme der Besamungsdienstleistung zur kostendeckenden Erhöhung des Umsatzvolumens geführt. Im Bereich der Spermavermarktung konnte das Umsatzvolumen bei geringerer Absatzmenge, trotz eines durchschnittlich gestiegenen Verkaufspreises je Portion, sowohl im eigenen Zuchtgebiet als auch an andere Stationen nicht ganz das Vorjahresniveau halten.
Eine erfreuliche Entwicklung der Umsatzerlöse war im Zuchtviehhandel zu verzeichnen. Die Steigerung von 6,7 auf 7,6 Mio. € ist sowohl ein Ergebnis der starken Nachfrage im In- und Ausland insbesondere nach Fleischrindern als auch auf die positive Resonanz des neuen Auktionskonzeptes zurückzuführen. Insgesamt wurden über 7.300 Tiere über die Absatzkanäle der RSH verkauft. Das sind rund 860 mehr als im Vorjahr.
Die Umsätze der Handelsware valutieren per Stichtag auf 1,1 Mio. € und sind mit einer positiven Entwicklung des Brunst- und Gesundheitsmonitoringsystems Afimilk zu erklären.
Unter Berücksichtigung von Steuern ergibt sich daraus im Geschäftsjahr 2023/24 ein Jahresüberschuss in Höhe von 147.015,81 €.
Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat
Nach Verlesung des zusammengefassten Prüfberichtes mit uneingeschränktem Bestätigungsvermerk durch Volker Lukrafka vom Genoverband e. V. wurde der Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat für die Verwendung des Jahresüberschusses vorgestellt. Bei Hinzuziehung des Gewinnvortrages aus dem Geschäftsjahr 2022/23 von 123.624,36 € soll der Bilanzgewinn von 270.640,17 € auf neue Rechnung vorgetragen werden. Die Beschlüsse zur Verwendung des Bilanzgewinns wie auch zur Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat erfolgten einstimmig.
Auswirkungen von BTV-3 und MKS im Fokus
„Die Blauzungenkrankheit (BTV-3) hat auch vor Schleswig-Holstein und unserer RSH nicht haltgemacht. Die Station in Schönböken war für die Produktion über Wochen gesperrt und unsere nationale sowie internationale Spermavermarktung kam zeitweise zum Erliegen. Neben der Blauzunge hat uns der bekannte Einzelfall der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Brandenburg stark beeinflusst. Handelswege für Zuchtrinder und Sperma waren geschlossen und wir wissen aktuell noch nicht, wann Deutschland seinen Status der MKS-Freiheit wiedererlangen wird“, begann der Vorstandsvorsitzende Volker Kaack seine Rede zum aktuellen Geschäftsjahr und ergänzte den Wunsch nach klaren politischen Vorgaben mit praktikablen Lösungsansätzen für alle beteiligten Wirtschaftspartner.
Bericht zum laufenden Geschäftsjahr
Er berichtete kurz über die intensive Arbeit der Gremien zur zukünftigen Ausrichtung der Phönix Group und der Möglichkeit einer intensiveren Zusammenarbeit. „Alle Gespräche haben wir vor dem Hintergrund der Anforderungen unserer Mitgliedsbetriebe von heute und morgen geführt“, stellte Volker Kaack deutlich heraus.
Die Auswirkungen des starken Arbeitnehmermarktes sind auch bei der RSH immer stärker zu spüren. Die Stichworte mobiles Arbeiten, flexible Arbeitszeiten, Attraktivität des Arbeitsplatzes und der Ruf nach geregelter Freizeit werden immer wichtiger und sind Voraussetzungen dafür, hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden und sie langfristig an die RSH binden zu können. „Im Namen der Gremien möchte ich mich daher ausdrücklich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie insbesondere dem Betriebsrat für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit und ihr Engagement im Interesse der Rinderhalter in Schleswig-Holstein bedanken. Sie sind das Fundament eines erfolgreichen Unternehmens“ schloss Volker Kaack seine Ausführung zum Personal ab.
Nach einem kurzen Blick auf die verschiedensten Veranstaltungen sowie Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen richtete er einen Appell an die anwesenden Vertreter: „Werden sie aktiv für die RSH als unsere Genossenschaft vor Ort!“
Aktuelles aus den Abteilungen
Abteilungsleiter Bastian Bornholdt gab einen gewohnt lebhaften Einblick in die Bereiche Spermavertrieb, Marketing und Betriebsberatung. Gleichbleibende Erstbesamungszahlen bei gestiegenen Gesamtbesamungen sowie einem Zuwachs verkaufter Spermaportionen im Zuchtgebiet sind direkte Auswirkungen des seit August 2024 bestehenden BTV-Geschehens. Zur Betriebsberatung SVN-Optipro berichtet Bastian Bornholdt über den erfolgreichen Zuschlag der neuen Eler-Förderung bis zum 31. Dezember 2026. Ziel der kostenlosen Beratung sind die Minimierung von Produktionskrankheiten und die Förderung des Tierwohls. „Jeder Betrieb ist aufgerufen teilzunehmen“, beendete er seine Ausführungen.
Ingo Schnoor, Abteilungsleiter Zucht, begann seinen Vortrag mit dem aktuellen Status der Herdentypisierung und stellte das RSH-Genom-Scan-Kennlernpaket als interessanten Einstieg vor. Anschließend gab Ingo Schnoor Informationen aus dem Zuchtprogramm der Rassen Angler und Rotbunt DN sowie die Ergebnisse im gemeinsamen Holstein-Zuchtprogramm der Phönix Group bekannt. Ein Ausblick auf die Verbesserung der Sicherheit in der Zuchtwertschätzung (ZWS) durch Einführung des Single-Step-Verfahrens rundete den Vortrag ab.
Der Abteilungsleiter Viehvermarktung und Herdbuch, Dr. Heiner Kahle, ging in seinen Ausführungen auf die Entwicklung der Rindervermarktung im aktuellen Geschäftsjahr ein und klärte die Vertreter über die Tierseuchensituation in der Rindervermarktung in Bezug auf Bovine Virusdiarrhoe (BVD), Blauzungenerkrankung (BTV) sowie die Maul- und Klauenseuche auf. Zum Bereich Zuchtwertschätzung wurden aktuelle Informationen zur gemeinsamen Umsetzung der European Bovine Evaluation (EBE) der EuroGenomics-Länder ergänzt. „Die Einführung einer europäischen Zuchtwertschätzung für die Holsteins ist für 2028 vorgesehen“, gab Dr. Kahle abschließend bekannt.
Dr. Tina Kesselring, Abteilungsleiterin Produktion und Besamung, gab einen kleinen Einblick in die Produktion und Bullenhaltung unter den aktuellen Bedingungen. „Dank der frühzeitigen Impfung haben alle Stationsbullen das Blauzungen-Virus gut überstanden und befinden sich fast komplett wieder in Produktion“, ergänzt sie ihre Ausführungen.
Unter Berücksichtigung der aktuellen Rahmenbedingungen fasste Olaf Weick die eingeleiteten Maßnahmen sowie Entwicklungspotenziale zusammen und unterstützte den Appell, dass jedes Mitglied der RSH zu einer positiven Entwicklung der Genossenschaft beitragen sollte.
Wahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat
Für den Vorstand wurden Hans Andresen (Böklund) sowie Thies Magens (Kollmar) und im Aufsichtsrat Michael Petersen (Taarstedt) im Amt einstimmig bestätigt. Für die turnusmäßig ebenfalls ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglieder Ingwer Martin Carstensen (Lütjenholm) und Klaus Heldt (Groß Schlamin) wurde keine Nachwahl durchgeführt. Der Aufsichtsrat hat auf die sinkende Mitgliederzahl reagiert und das Gremium daher von dreizehn auf elf Mitglieder verringert. Beide ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglieder wurden anschließend von der Versammlung zu Ehrenmitgliedern der RSH ernannt.
Gründung der Phönix GmbH
Olaf Weick stellte die bereits seit vier Jahren vertraglich etablierte Kooperation der Phönix-Partner im Holstein-Zuchtprogramm vor und berichtete, dass die Weiterentwicklung in Form eines gemeinsamen Beteiligungsunternehmens, der Phönix GmbH, fortgesetzt werden solle. Im Fokus stehen eine weitere Bündelung des Know-hows, eine Stärkung der Marktposition, der Erhalt eines breiten Angebots für die Kunden und Mitglieder, zielgerichtetere Investitionen mit einer breiteren Risikoverteilung auf alle Gesellschafter sowie insgesamt eine effizientere Ausschöpfung der vorhandenen Ressourcen in schrumpfenden Märkten. Die Planungen der letzten Monate haben gezeigt, dass die Phönix-Partner die Bearbeitung der Bereiche Durchführung des Holstein- und Beef-on-Dairy-Zuchtprogramms, Bullenbesitz und -haltung, Spermaproduktion und Drittvermarktung von Sperma gemeinsam erfolgreich in einer GmbH bearbeiten können. „Vorstand und Aufsichtsrat der RSH sehen in der Entwicklung der Phönix GmbH einen wichtigen Schritt zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, um auch in Zukunft unseren Mitgliedsbetrieben hochwertige Genetik anbieten zu können“, ergänzte der Vorstandsvorsitzende Volker Kaack die Erläuterungen von Olaf Weick. Die Vertreterversammlung konnte sich nach einer offenen Diskussion dieser Meinung anschließen und gab grünes Licht für diese richtungsweisende Entscheidung.
Versammlungsleiter Claus Solterbeck bedankte sich abschließend bei allen Mitgliedern im Ehrenamt der RSH für ihre Zeit und ihr Engagement für die Belange der Genossenschaft. Im Namen von Vorstand und Aufsichtsrat ging zudem ein Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die geleistete Arbeit sowie an alle anwesenden Vertreter für die sachliche Diskussion zu den aktuellen Herausforderungen der Rinderzucht Schleswig-Holstein eG.