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Sortenvielfalt im Ökomaisanbau

Landessortenversuch Ökosilomais
Von Dr. Elke Grimme, Anna Schwinger, Landwirtschaftskammer SH
Der Ökomais ist vergangenes Jahr gut durch die kritische Phase vom Auflaufen bis zum Vierblattstadium gewachsen, danach war der Pflanzenwuchs sehr verhalten (Foto vom 25. Juni 2024). Fotos: Dr. Elke Grimme

Für die diesjährige Maisaussaat im Frühjahr stehen Landwirten, die nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus wirtschaften, 104 verschiedene Maissorten zur Verfügung, die ökologisch erzeugt wurden (laut Deutschem Maiskomitee). Ökosaatgut ist für den Maisanbau unter ökologischen Bedingungen vorgeschrieben.

Nach EU-Vorgabe ist Maissaatgut für den ökologischen Landbau in Kategorie I eingestuft. Das bedeutet, dass für den Anbau von Silo- und Körnermais unter Ökobedingungen nur Saatgut aus ökologischer Erzeugung eingesetzt werden darf, da ausreichend Ökosaatgut dieser Kultur zur Verfügung steht. So werden in den aufgeführten abgestimmten und länderübergreifend angelegten Ökolandessortenversuchen Silomais ausschließlich Sorten geprüft, die von den Züchtern ökologisch vermehrt angeboten werden (siehe Tabelle 1). Aktuelle Übersichten zur Verfügung stehender ökologisch vermehrter Maissorten sind unter www.organicxseeds.de und tabellarisch unter https://t1p.de/1jjd2 zu finden.

Feldaufgang ist entscheidend

Wichtig für den Maisanbau unter ökologischen Bedingungen sind ein schneller Feldaufgang und eine zügige Jugendentwicklung. Lange Feldaufgangsperioden fördern Erkrankungen durch verschiedene pilzliche Erreger wie Fusarium-, Phytium- und Rhizoctonia-Arten. Schadbilder sind Nekrosen, Fäulnis und Verdrehungen des Keimlings und der jungen Maispflanze. Hinzu kommen Befall mit tierischen Schaderregern, zum Beispiel Larven der Saaten- oder Wurzelfliege, Fritfliege, und Vögel. Zur Eiablage werden von Saaten- oder Wurzelfliegen besonders Flächen nach Kleegras- oder Zwischenfruchtumbruch und frisch gepflügte Flächen mit hohem Anteil an organischen Rückständen wie Stallmist bevorzugt. Körner werden angebohrt und keimende Samen beschädigt. Fritfliegenbefall tritt vermehrt auf, wenn kühle Witterung das Wachstum der jungen Maispflanzen bis zum Vierblattstadium deutlich verzögert. Die erste Generation legt ihre Eier im Ein- bis Zweiblattstadium des Maises ab, die Larven schlüpfen wenige Tage später und können sich bis zum Vegetationskegel der Maispflanzen durchfressen, wenn der Pflanzenwuchs deutlich verlangsamt ist. Der günstigste Aussaattermin liegt in einer anhaltend warmen Witterungsphase, in der der Mais zügig und ungehindert über das Vierblattstadium hinauswachsen kann und keinen Schaden durch die Fritfliege mehr nimmt. Auch Schadvögel haben nach dem Vierblattstadium kaum noch Interesse an den Maispflanzen. Überwiegend treten Krähen, Fasane und Kraniche als Schadvögel im Mais auf, deren Fraßschäden in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Runde, tiefe Hacklöcher entlang der Maisreihe mit ausgepickten Keimpflanzen sind charakteristisch.

In der Jugendphase hat Mais besonders im Anbau unter ökologischen Bedingungen eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern. Dieser Konkurrenzschwäche des Maises ist nur mit vorbeugender und direkter Beikrautregulierung beizukommen. Mehrmaliges Striegeln im richtigen Unkrautstadium längs und quer zur Reihe vor, zur und nach der Aussaat bis zum Auflaufen ist ratsam. Im weiteren Vegetationsverlauf werden mit Hackgeräten (Schar-, Stern-, Rollhacken) die Zwischenreihen im Mais bearbeitet, in der Reihe durch Anhäufeln mit Rollhacke die Unkräuter verschüttet.

Den Juli benötigten die Maispflanzen zur Massebildung (Foto vom 15. Juli 2024).

Rückblick auf das Jahr 2024

Die Witterung im vergangenen Jahr war nach der Maisaussaat ab der letzten Maidekade durch erhöhte Niederschläge geprägt. Ein verstärkter Aufwand der Beikrautregulierung durch Striegel- und Hackmaßnahmen war vielerorts notwendig, da sich das kühle und feuchte Wetter bis weit in den Juni zog und die jungen Maispflanzen nur verhalten wuchsen. Doch allem voran musste die Befahrbarkeit der Maisflächen gegeben sein. Die Sommermonate Juli, August und September ermöglichten noch eine gute Entwicklung der Maispflanzen, dem Sortentyp angepasste Trockenmasseerträge und Stärkegehalte konnten erzielt werden. 

Der Ökosilomais wurde zur Ernte am 18. Oktober 2024 im Mittel mit einem Trockensubstanzgehalt von 32,3 % der Gesamtpflanze eingefahren.

Abgesprochenes Versuchssortiment

Das Sortiment des Ökolandessortenversuches Silomais wird länderübergreifend mit Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein abgestimmt. Gemittelt über die Versuchsstandorte wird das orthogonale Sortiment als Bezugsbasis der relativen Zahlen angenommen (siehe Tabelle 2). Für die aufgeführte Auswertung vom vergangenen Jahr wurden die Standorte in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gewertet. Der als Lindhöft geführte Versuchsstandort in Schleswig-Holstein liegt auf der in die Ostsee ragenden Halbinsel Dänischer Wohld im Kreis Rendsburg-Eckernförde. In Niedersachsen liegt der Versuchsstandort Bissendorf im Landkreis Osnabrück, Standort Mojenhop gehört zum Landkreis Rotenburg (Wümme). Die Versuchsstandorte liegen auf langjährig ökologisch bewirtschafteten Ackerflächen mit der Bodenart lehmiger Sand. Im Landessortenversuch Ökosilomais werden Maissorten aus der frühen Reifegruppe und als mittelfrüh eingestufte Sorten mit Siloreifezahlen bis S 230 geprüft.

Einjährige Versuchsergebnisse zeigen zwar das Leistungspotenzial der Prüfsorten, sagen aber nichts über die Ertragsstabilität der Sorten aus. So wird an dieser Stelle keine Sortenempfehlung ausgesprochen. Ist in der Ökofütterung der Anteil an Grassilage in der Grundfutterration größer als der Maissilageanteil, kann neben Trockenmasseertrag und Abreife das Hauptaugenmerk auf die Qualitätsmerkmale Energiedichte und Stärkegehalt gelegt werden. Zur Energiegewinnung in der Biogasproduktion ist neben Abreife und Trockenmasseertrag auch die Biogasausbeute interessant. Vor allem ist eine sichere, angepasste Abreife für die Sortenwahl entscheidend. Aufgrund zu erwartender späterer Aussaat im Ökolandbau sind frühe Maissorten mit Reifezahl S 200 bis S 220 für den Anbau zu bevorzugen.

Populationssorte in der Sortenprüfung

Im Ökolandbau werden überwiegend Maishybridsorten angebaut. Alternativ wird in der Sortenprüfung auch eine samenfeste und frei abblühende Populationssorte auf die Leistungsfähigkeit getestet. Seit Inkrafttreten der neuen EU-Ökoverordnung im Januar 2022 ist es möglich, Mais-Populationssorten in Verkehr zu bringen und nachzubauen. Das bedeutet, dass die genetische Vielfalt im wiederholten Nachbau von Populationssorten nicht verloren geht, sondern sich an Standort- und Anbaubedingungen anpassen kann. Maispopulationen enthalten Pflanzen mit unterschiedlichen Eigenschaften wie Pflanzenhöhe, Narbenfäden- und Kolbenfarbe, Resistenzeigenschaften gegen Krankheiten und Schädlinge. Bei Hybridsorten sind die Pflanzen im Bestand genetisch gleich. In dem aufgeführten Sortenversuch wird die Populationssorte ,Tambudzai‘ von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) mitgeprüft. Die Sorte wird als leistungsstarke und genetisch breit aufgestellte mittelfrühe Population mit Silo- und Körnerreife zirka S 230/zirka K 230 beschrieben. Nach bislang vorliegenden Versuchen der LfL „hinken die Populationssorten den Hybridsorten etwas hinterher“, das einjährig aufgeführte Ergebnis in Tabelle 2 aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen bestätigt diese Aussage.

Fazit

Zügiger Feldaufgang und schnelle Jugendentwicklung sind im Maisanbau unter ökologischen Bedingungen entscheidend. So sichern spätere Aussaaten bei anhaltend warmen Bodentemperaturen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Auflaufkrankheiten, Beikräutern und -gräsern und tierischen Schädlingen. Maissorten mit früher Siloreife (S 200 bis S 220) sind wegen sicherer Abreife zu bevorzugen.

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