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Erdmandelgras sorgt für Ärger in Hackfrüchten

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Das Erdmandelgras (Cyperus ­esculentus) ist eine Wärme liebende, mehrjährige Pflanze und gehört zur Familie der Sauergräser. Seine Verbreitung ist auf dem Vormarsch. Welche Maßnahmen können zur Bekämpfung ergriffen werden?

Erdmandelgras kann eine Wuchshöhe von zirka 1 m erreichen, die Blätter sind v-förmig und hellgrün bis grau, der Stängel ist dreikantig, markhaltig und ohne Knoten. Die Heimat dieses Sauergrases ist Ostafrika. Als Neophyt konnte sich die Pflanze bereits auf allen Kontinenten verbreiten, mittlerweile sind in Niedersachsen rund 200.000 ha befallen. Dieser Artikel ist daher auch für Schleswig-Holstein interessant.

Besonders unter nassfeuchten Bedingungen kann sich das Erdmandelgras rasch vermehren. Es nutzt dabei eine besonders effektive Technik, sich zu verbreiten: Einerseits werden Mandeln als Überdauerungsorgan gebildet, hiervon ausgehend werden vegetative Nebentriebe über die Ausbildung von Rhizomen entwickelt. Die Keimfähigkeit der Mandeln ist mehrere Jahrzehnte gegeben. Andererseits gibt es noch die generative Vermehrung über die Samenbildung, die aber im Vergleich zur Vermehrung über Mandeln und Rhizome einen deutlich geringeren Teil ausmacht. Die Mandeln des Erdmandelgrases befinden sich im Bodenhorizont bei zirka 10 bis 15 cm, sind 3 bis 5 mm groß und braun gefärbt. Die im Boden vorhandenen Mandeln keimen ab einer Bodentemperatur von 8 bis 10 °C im Frühjahr vornehmlich in den oberen 15 Bodenzentimetern, vereinzelt auch in bis zu 100 cm Tiefe.

Die größten Ausbreitungsmöglichkeiten hat das Erdmandelgras in Beständen mit Hackfrüchten wie Zuckerrübe, Mais und Kartoffeln. In diesen Früchten läuft das Wachstum des Erdmandelgrases mit der Kultur parallel, sodass die Konkurrenz um Nährstoffe, Wasser und Licht intensiv ist und die Ertragseinbußen hoch sind. Hingegen ist das Wachstum des Sauergrases in konkurrenzstarken Winterraps- und Wintergetreidebeständen deutlich gehemmt, mit Ausnahme von lückigen Beständen oder Fahrgassen.

Aus den primären Knospen der Knollen entstehen Mutterpflanzen. Nach wenigen Wochen wachsen aus den Mutterpflanzen unterirdische, 6 bis 60 cm lange Rhizome, die bis zu 33 Internodien haben können. Am Ende dieser Rhizome bilden sich Tochterpflanzen. Mit zunehmender Tageslänge und Wärme werden zunächst viele Tochterpflanzen gebildet. Zum Ende der Vegetationszeit bei Tageslängen unter zwölf Stunden werden an abwärtsgerichteten Rhizomen die Knöllchen gebildet. Sie stellen die Überdauerungsorgane dar und können Temperaturen bis zu –15 °C überstehen. Die oberirdischen Pflanzenteile und die Rhizome sterben bei 0 °C im Herbst und Winter ab. Über die Anzahl der pro Pflanze gebildeten Knöllchen gibt es unterschiedliche Angaben in der Literatur.

Eigene Erhebungen zeigen, dass sich aus einer Mandel in nur acht Wochen sieben Tochterpflanzen bilden konnten.

Die Blüten sind gelb bis bräunlich und bilden Ährchen. Das Erdmandelgras blüht von August bis September, bei günstigen Bedingungen auch schon ab Juli. Danach werden die 1 bis 1,5 mm großen Samen gebildet. Verglichen mit den Mandeln sind sie vergleichsweise klein und oft mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Die Kulturform des Erdmandelgrases kommt auf allen Kontinenten vor und wird nach wie vor in Spanien zur Gewinnung seiner Mandeln angebaut. Diese Form unterscheidet sich durch ihre Frostempfindlichkeit von der problematischen Unkrautform. Das Erdmandelgras kann mit dem Knolligen Zyperngras (Caperus rotundus) verwechselt werden. Die Knöllchen sind bitter. Sie werden in der Mitte der Rhizome gebildet und nicht endständig. Zwei weitere Pflanzen, mit denen das Erdmandelgras verwechselt werden kann, sind das Hohe Zyperngras (Cyperus longus) und die Behaarte Segge (Carex hirata). Das Hohe Zyperngras hat dickere Rhizome ohne Knöllchen. Die Behaarte Segge weist eine leichte Behaarung auf den Blättern auf und bilden keine Knöllchen. Es gibt männliche und weibliche Blüten bei der Behaarten Segge.

Schwierige Bekämpfung von Erdmandelgras

Aufgrund der besonderen Vermehrungsstrategie des Erdmandelgrases ist eine nachhaltige und vollständige Bekämpfung fast unmöglich. In erster Linie muss die Verschleppung durch Maschineneinsatz und Ernteprodukte auf Nachbarflächen verhindert werden. Das Erdmandelgras wird sehr leicht durch die Bodenbearbeitung aus den Befallsnestern in Bearbeitungsrichtung mitgenommen. Alle Geräte, die auf mit Erdmandelgras befallenen Flächen eingesetzt werden, sowie das Schuhwerk müssen komplett von anhaftenden Bodenteilchen und Knöllchen sowie gegebenenfalls Samen noch an Ort und Stelle auf der Befallsfläche gereinigt werden. Befallene Flächen müssen immer zuletzt bearbeitet und beerntet werden. Besondere Vorsicht gilt bei überbetrieblichem Maschineneinsatz und für Lohnunternehmer.

Auch der Aushub aus Gräben sowie Überschwemmungen können zu einer Verbreitung auf benachbarte Flächen beitragen. Alle Personen, die auf der befallenen Fläche arbeiten, müssen über bekannte Befallsherde informiert werden, damit sie ihre Einsatzplanung darauf ausrichten können. Das Erdmandelgras verschleppt sich nicht nur über Mandeln, sondern auch über Samen. Vögel nehmen die Samen auf und über deren Ausscheidungen verbreitet sich das Schadgras.

Verschleppung vorbeugen – Hygiene beachten

Von herausragender Bedeutung zur Vorbeugung eines Befalles mit Erdmandelgras ist die Betriebshygiene. Grundsätzlich sollte eine weitere Ausbreitung des Erdmandelgrases über Maßnahmen zur Feld- und Maschinenhygiene verhindert werden, wobei die Reinigung von Erntemaschinen wie Kartoffel- oder Rübenrodern im Spätherbst leichter gesagt als getan ist. Maschinen sind nach einem Einsatz auf der Befallsfläche gründlich zu reinigen, ein „Abrütteln“ reicht nicht. Statt der Verwendung von Druckluft ist eine Reinigung durch intensives Abwaschen mit viel Wasser eindeutig zielführender. Es darf kein Substrat von Befallsflächen auf nicht befallene Flächen gelangen. Ernteprodukte (zum Beispiel Zuckerrüben, Möhren) und Pflanzgut (zum Beispiel Kartoffeln, Gemüsepflanzen, Blumenzwiebeln und -knollen, Baumschulerzeugnisse und Zierstauden) müssen ebenfalls kontrolliert werden.

Größere Befallsflächen sollten zuletzt geerntet werden und langfristig sollte geprüft werden, ob die Fruchtfolge auf den Befallsflächen umgestellt werden kann. Das bedeutet, statt Hackfrüchten eher eine Getreide-Raps-Fruchtfolge zu fahren. Tritt Erdmandelgras in Zuckerrüben oder Mais auf, kann mechanisch durch flaches Hacken im Rübenzwischenraum versucht werden, das Erdmandelgras abzuschneiden und damit die Pflanzen zu schwächen.

Was kann man dagegen tun?

Sind erst einzelne Ecken einer Fläche betroffen, lassen sich Einzelpflanzen händisch tief ausgraben (bis unter die Pflugsohle von 30 cm) und im Restmüll vernichten. Etwas größere Befallsstellen sind zeitnah auszukoffern, bevor weitere Rhizome gebildet werden, und ebenfalls zu vernichten. Befallsstellen sollten markiert und im kommenden Jahr nachkontrolliert werden.

Die Bodenbearbeitung bei Erdmandelgrasbefall wird mit dem Ziel durchgeführt, Knollen auszugraben, sie auszutrocknen und damit auszuhungern (Schwarzbrache). Eine zweijährige Schwarzbrache kann die Knöllchen um bis zu 90 % bekämpfen. Hierbei ist darauf zu achten, dass keine zu tiefe Bearbeitung erfolgt. Es sollte möglichst keine Pflugfurche auf Befallsflächen geben. Sollte diese jedoch erforderlich sein, sollte besser im Frühjahr gepflügt werden, da über Winter Knöllchen in den oberen Bodenschichten absterben können. Flächig begrenzte Stellen kann man brachliegen lassen (Schwarzbrache).

Die Entwicklung vom Erdmandelgras wird bei starker Beschattung gehemmt. In lückenlosen, kräftigen Grünlandbeständen, die mehrmals geschnitten werden, sind die Knöllchenbildung und die Bildung von Tochterpflanzen vermindert oder ganz unterbunden. Fruchtfolgen mit stark beschattenden Pflanzen wie Hanf, Wintergerste und Mais sollten daher bevorzugt werden, die Fahrgassen stellen jedoch immer ein Problem dar. Der Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüsekulturen (beziehungsweise Wurzelgemüse) ist nicht zu empfehlen, besser sind Getreide, Mais und Grasanbau. Eine Dauerbegrünung sollte mindestens zwei bis drei Jahre andauern.

Erdmandelgras gehört zu den Sauergräsern. Daher haben die typischen Gräserherbizide keine nachhaltige Wirkung gegen die Pflanze. Der Einsatz von Glyphosat nach der Ernte und gegebenenfalls vor der Saat ist jedoch möglich. Vorteile von Herbiziden zeigen sich eher bei späteren Anwendungsterminen, wenn das Sauergras ausreichend Blattmasse besitzt. Die wesentliche Frage, ob es nach der deutlichen Kontrolle des Sprosses des Erdmandelgrases zu einem Wiederaustrieb aus intakten Mandeln kommt, wird derzeit noch in Versuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen geprüft.

In Mais sind Kombinationen von Mesotrione plus Terbuthylazin und Mesotrione plus Pyridate, gefolgt von Thiencarbazone effektiv. Auch die Vorlage von Thiencarbazone, gefolgt vom ein- bis zweimaligen Einsatz von Mesotrione plus Pyridat hat gute Wirkungen gezeigt. Eine sehr späte Aussaat (ab Anfang Juni) und vorherige wiederholte mechanische Bearbeitung (Egge) sind sinnvoll.

In Getreide sind florasulamhaltige Herbizide zu bevorzugen. Nach der Ernte sollte eine Stoppelbearbeitung in Verbindung mit glyphosathaltigen Mitteln erfolgen. Besonders sollte auf Befall in den Fahrgassen geachtet werden.

In Zuckerrüben ist ausschließlich Conviso One wirksam (nur in toleranten Sorten). Flaches Hacken im Reihenzwischenraum schneidet das Erdmandelgras ab und schwächt die Pflanze.

Fazit

Die Verschleppung von mit Mandeln verseuchter Erde ist zu verhindern, Maschinen sind zu reinigen.

Einzelpflanzen ausgraben und entsorgen

Ausbaggern kleiner Befallsstellen auf 30 cm Tiefe, Erde entsorgen

kleine Teilflächen für zwei bis drei Jahre aus der Produktion nehmen

Flächen mit starkem Befall: Schwarzbrache oder späte Maisaussaat mit vorheriger häufiger flacher Bodenbearbeitung

gegebenenfalls zwei bis drei Jahre als Grünland nutzen mit häufiger Mahd

Jede Stimme hat ihren Preis

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Die Bundestagsabstimmung zur Verfassungsänderung und damit zum Finanzpaket ist historisch. Der neue Bundestag ist schon gewählt, aber in bisheriger Zusammensetzung wurde am Dienstag rund 1  Bio. € für Verteidigung und Infrastruktur abgesegnet. Im Grundgesetz soll die Einrichtung eines Sondervermögens in Höhe von 500  Mrd.  € „für zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur und für zusätzliche Investitionen zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045“ ermöglicht werden.

Wird damit die Klimaneutralität bis 2045 als Staatsziel in die Verfassung geschrieben? Die Formulierung sorgt für Wirbel. Verfassungsund Umweltrechtler geben eine Einordnung, die Formulierung sei nur eine neue finanzrechtliche Vorschrift. Für das Sondervermögen Infrastruktur werde geklärt, dass ein Teil der Mittel für Klimaschutz verwendet werden müsse und somit zweckgebunden sei. Zu einem verbindlichen Staatsziel werde die Klimaneutralität bis 2045 damit nicht. Dennoch ist diese letzte Entscheidung des Bundestags der 20. Wahlperiode zum Schluss noch ein ganz großer Erfolg der Grünen, die nicht Teil der kommenden Bundesregierung sein werden. Auf den letzten Drücker und im Schatten der Schuldendebatte haben sie es geschafft, ein konkretes grünes Politikziel bei der neuen Regierung zu positionieren und zu verankern.

Nach dem Motto „Jede Stimme hat ihren Preis“ wurden mit lehrbuchreifer Verhandlungstaktik Union und SPD Zugeständnisse in der Klimapolitik abgerungen, die zuvor in der Ampel-Koalition nicht möglich waren. Es war ein tiefer Blick in den Abgrund für Kanzlerkandidat und Wahlsieger Friedrich Merz (CDU), die Sorge vor einem abschlägigen Abstimmungsverhalten der Grünen war alarmierend. Die nächste Hürde steht Merz und seinem bayerischen CoKanzler Markus Söder (CSU) am Freitag bevor. Für die geplante Grundgesetzänderung muss der Bundesrat zustimmen, auch hier kommt es auf die Stimmen grün mitregierten Länder an. Den bislang erzielten Erfolg werden die Verhandlungsführer der Grünen nicht mehr riskieren wollen. Damit erhält eine kommende schwarz-rote Regierung einen grünen Grundton und die künftigen Koalitionspartner haben gesehen, was passieren kann, wenn der Schwanz mit dem Hund wackelt. Mechthilde Becker-Weigel

Chance für Umbau der Tierhaltung?

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Der Deutsche Bauernverband (DBV) meldet Ansprüche der Landwirtschaft an das Infrastrukturpaket an. „Bei den Zukunftsinvestitionen müssen zwingend die Infrastruktur im ländlichen Raum, die Landwirtschaft und auch der Umbau der Tierhaltung berücksichtigt werden“, so DBV-Präsident Joachim Rukwied zu dem Sondervermögen Infrastruktur von 500 Mrd. €, für das der Bundestag am Dienstag mit einer Grundgesetzänderung den Weg frei gemacht hat.

Rukwied verwies zugleich auf die große Verantwortung und Verpflichtung der Politik, die mit der Entscheidung einhergehe: „Dieses Sondervermögen eröffnet enorme Spielräume, die ausschließlich zum Wohl der nachfolgenden Generation und im Sinne der deutschen Wirtschaft genutzt werden dürfen.“ Ohne strukturelle Reformen sei die Wirksamkeit dieses Sondervermögens „mehr als fraglich“, gab der Bauernverbandspräsident zu bedenken.

Wald braucht verlässliche Finanzierung

Die Familienbetriebe Land und Forst bestehen darauf, dass der Wald angemessen berücksichtigt wird. Sie haben dabei die 100 Mrd. €, die aus dem Infrastrukturpaket in den Klimaschutz fließen sollen, im Auge. Der Verbandsvorsitzende Max von Elverfeldt wies darauf hin, dass die Wälder in Deutschland rund 8 % der nationalen CO2-Emissionen kompensierten. „Diese Leistung muss sich in der Mittelverteilung des Klima- und Transformationsfonds widerspiegeln“, mahnte von Elverfeldt. 8 Mrd. € für den Wald seien eine notwendige Investition in Klimaschutz und Versorgungssicherheit. Eine verlässliche Finanzierung sei erforderlich, um Waldumbau und Wiederbewaldung dauerhaft sicherzustellen. Neben der Finanzierung für den Wald müsse laut von Elverfeldt aus dem Infrastrukturpaket auch die Infrastruktur im ländlichen Raum gestärkt werden. Notwendig seien Investitionen in eine flächendeckende digitale Anbindung, insbesondere den flächendeckenden Ausbau von 5G, ferner den Ausbau von Verkehrswegen sowie in eine verlässliche Daseinsvorsorge in den Bereichen Bildung, medizinische Versorgung und Energieinfrastruktur.

Dorfkerne sanieren, Wegebau fördern

Auch die Landgesellschaften betrachten das in Aussicht gestellte Infrastrukturpaket als Chance für das Land. Es müsse auch zur notwendigen Modernisierung ländlicher Infrastrukturen zur Verfügung stehen. „Das geplante Sondervermögen Infrastruktur von 500 Milliarden Euro sollte zu einem angemessenen Teil in ländliche Räume gehen“, so der Vorsitzender des Bundesverbandes der gemeinnützigen Landgesellschaften (BLG), Christopher Toben. Er nannte Investitionen in die Sanierung von Dorfkernen und Kleinstädten, den ländlichen Wegebau und in die Entsiegelung bis hin zu wasserbaulichen Einrichtungen. Ähnlich wie bei der Bahn bestehe hier oft ein erheblicher Sanierungsstau, der jetzt beseitigt werden müsse. Der BLG-Vorsitzende schlägt vor, die Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und Küstenschutzes (GAK) sowie die Städtebauförderung gezielt und langfristig aufzustocken. Parallel dazu müssten Genehmigungsverfahren vereinfacht und beschleunigt werden. „Die Menschen in den ländlichen Räumen erwarten Signale, dass die Bundespolitik das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse nachdrücklich verfolgt“, betonte Toben. age

Union und SPD geben sich engen Zeitplan

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Die 16 Arbeitsgruppen von CDU, CSU und SPD starten dieser Tage mit ihren Verhandlungen. Sie sollen innerhalb einer Woche je ein vierseitiges Papier vorlegen. Darin sind neben den Vorschlägen auch deren jeweilige haushalterische Konsequenzen in diesem und den Folgejahren auszuweisen. Sollte in einzelnen Punkten kein Einvernehmen erzielt werden, gehen diese zur Klärung in die übergeordnete Steuerungsgruppe. Bereits am 24. März soll ein erster Entwurf für einen schwarz-roten Koalitionsvertrag vorliegen.

Über Landwirtschaft wird zusammen mit den Themenfeldern Ernährung, Umwelt und ländliche Räume verhandelt.

Fachpolitiker am Verhandlungstisch

Verhandlungsführer der Union ist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Steffen Bilger. Für die CDU verhandeln die Bundestagsabgeordneten Albrecht Stegemann und Hermann Färber, die Europaparlamentarierin Christine Schneider, der niedersächsische Landtagsabgeordnete Dr. Marco Mohrmann sowie Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Sven Schulze. Für die CSU sind der bayerische Bauernverbandspräsident und Ministerkandidat Günther Felßner sowie der Agrarsprecher der Landesgruppe, Artur Auernhammer, im Boot. Anstelle der ursprünglich vorgesehenen Umweltsprecherin Anja Weißgerber hat die CSU die oberpfälzische Abgeordnete und Nebenerwerbsbäuerin Martina Engelhardt-Kopf nominiert. Unverändert ist die SPD-Verhandlungsgruppe geblieben. Sie wird angeführt von der Bundestagsabgeordneten Dr.  Franziska Kersten und als ihrem Stellvertreter dem Umweltsprecher der Fraktion, Carsten Träger. Hinzu kommen die Bundestagsabgeordneten Isabel Mackensen-Geis, Nadine Heselhaus und Helmut Kleebank, die Europaabgeordnete Maria Noichl sowie Mecklenburg-Vorpommerns Ressortchef Dr. Till Backhaus.

Strukturelle Probleme angehen

Seine Forderung nach einem Politikwechsel für die Landwirtschaft hat der Deutsche Bauernverband (DBV) bekräftigt. „Wir brauchen deutliche Veränderungen mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit, echten Bürokratieabbau und eindeutige Erleichterungen für die Wirtschaft“, erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen von CDU, CSU und SPD. Für Rukwied ist die im Sondierungspapier angekündigte Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückvergütung „ein erster wichtiger Schritt“. Dem müssten aber weitere Punkte zwingend folgen. Zweifel hat der DBV-Präsident im Hinblick auf den künftigen Kurs der angestrebten schwarz-roten Koalition: „Unser Sektor ist in großer Sorge, dass die zukünftigen Koalitionäre mit der Diskussion um das Milliardenpaket die Lösung der strukturellen Probleme aus dem Auge verlieren.“ Nicht hilfreich sei beispielsweise eine im Grundgesetz festgeschriebene Klimaneutralität. Dies gelte auch für das Festhalten an solchen Vorhaben, „mit denen die Ampel schon gescheitert ist“.

Bedeutung der Genossenschaften betont

Auch die genossenschaftlichen Spitzenverbände wandten sich noch einmal an die künftigen Koalitionäre. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), der Bundesverband Volksbanken Raifeisenbanken (BVR) und der Mittelstandsverbund – ZGV drängen auf einen Neustart in der Wirtschaftspolitik. Dazu gehörten eine Senkung der Steuer- und Abgabenlast, spürbarer Bürokratieabbau, die Straffung und Streichung von Berichtspflichten sowie die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes. Ferner müssten die Stärkung und Förderung von Genossenschaften verbindlich im Koalitionsvertrag verankert werden. Genossenschaften brauchten einen zentralen Ansprechpartner in der Bundesregierung. Dafür geeignet sei ein eigenes Genossenschaftsreferat im Bundeswirtschaftsministerium. Die Verbände heben die enorme wirtschaftliche Bedeutung von Genossenschaften, genossenschaftlich orientierten Unternehmen und Kooperationen in Deutschland hervor. Die Zahl dieser Unternehmen in Deutschland liege bei mehr als 7.000, die der Genossenschaftsmitglieder bei 22  Millionen. Die Gesamtzahl der Beschäftigten im genossenschaftlichen Bereich belaufe sich auf über eine Million. Der Gesamtumsatz betrage 1,46 Bio. €. Genossenschaften leisteten große Beiträge zum wirtschaftlichen Erfolg ländlicher Räume und deren gesellschaftlicher Stabilität.

15 Euro Mindestlohn existenzbedrohend

Mit Blick auf den im Sondierungspapier anvisierten Mindestlohn in Höhe von 15 € sprach DBVGeneralsekretär Bernhard Krüsken auf dem Milchforum in Berlin (siehe Seite 14) von einer existenzbedrohenden Entscheidung der Parteispitzen für den heimischen Obst- und Gemüsebau, sollte dies so umgesetzt werden. Ausdrücklich begrüßte Krüsken hingegen die Ankündigung, die Agrardieselvergünstigung wieder einzuführen. Das werte man auch als Zeichen, dass Anliegen der Landwirtschaft ernst genommen würden. Im Agrarumweltschutz erwartet der Bauernverband seinem Generalsekretär zufolge einen Schwenk von der Verbots- in eine kooperationsorientierte Politik. Neue Weichenstellungen seien für die Tierhaltung notwendig. Im Baurecht müsse es eine planungsrechtliche Privilegierung von Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls geben. age

Erfolg und Zufriedenheit als Basis

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Die Marktforschungsagentur Rheingold Salon fertigte 2021 im Auftrag des Deutschen Bauernverbandes (DBV) eine Studie mit dem Titel „Zukunfts-Bauer“ an. Eine wichtige Erkenntnis daraus war, dass sich Landwirtschaft und der Rest der Gesellschaft weitgehend voneinander entfremdet haben. Der DBV gründete als Konsequenz die Initiative ZukunftsBauer, um über das Selbstverständnis, das Rollen­verständnis und die Kommunikation von Landwirtinnen und Landwirten zu reflektieren. Der aktuelle Stand der ZukunftsBauer-Initiative war am Donnerstag (13. März) Thema eines Workshops des ­Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH)
in Rendsburg.

Jörg Struve aus Nübel, Kreis Schleswig-Flensburg, bezeichnete den von Kathrin und Matthias Mehner (Andreas-Hermes-Akademie) moderierten Workshop als „eine rundum gelungene Sache“. Der Schweinehalter ist als Vertreter des BVSH Teil der ZukunftsBauer-Arbeitsgruppe auf Bundesebene. „Der Staffelstab liegt jetzt bei den Landesverbänden, das Thema weiter mit Leben zu füllen“, erklärte Struve.

Initiative ist bekannt

Er berichtete gegenüber dem Bauernblatt von einer hohen Motivation der Teilnehmer. Jeder habe zu Beginn des Workshops persönliche Beispiele aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit vorgetragen. Danach hätten Kathrin und Matthias Mehner die Teilnehmer auf den aktuellen Sachstand gebracht und die Kernpunkte der Rheingold-Studie herausgearbeitet.

Jörg Struve, Foto: rq

„Die Bekanntheit des ZukunftsBauern in der Branche ist gut“, betonte Struve. Viele könnten die Inhalte nachvollziehen. Ihnen fehle aber die praktische Umsetzung, was bei diesem theoretischen Ansatz auch logisch sei. Jeder Bauer sei daher selbst gefragt, die ZukunftsBauer-Themen für sich individuell in die Praxis umsetzen. Struve stellte klar: „Ein ZukunftsBauer kann sich auch auf Kostenführerschaft konzentrieren.“ Es gehe um Zukunftsfähigkeit. Die wichtigsten Faktoren, die einen ZukunftsBauern ausmachten, seien vor diesem Hintergrund Erfolg und Zufriedenheit. Der Schweinehalter berichtete aus eigener Erfahrung: „Wer sich auf das Thema einlässt, kann persönliche und berufliche Orientierung gewinnen.“

Es geht weiter

Am Ende des Workshops hatte die Teilnehmer die Gelegenheit zum Austausch mit Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU), Louisenlund-Schulleiter Peter Rösner sowie Ludwig Hirschberg (BVSH-Vizepräsident) und Michael Müller-Ruchholtz (stellvertretender BVSH-Generalsekretär). „Das Gespräch am Abend war angenehm und respektvoll. Das Thema Kommunikation stand im Vordergrund“, schilderte Struve. Er empfand es als große Wertschätzung, dass sich der Minister fast drei Stunden Zeit für die Diskussion nahm.

Klar sei gewesen, dass man an einem Seminartag nicht alle Themen ausführlich besprechen könne. Die Gruppe wolle daher weitermachen. Das nächste Treffen ist für Mai anvisiert. Neue Teilnehmende sind laut Struve herzlich willkommen. 

Manege frei und willkommen im Zirkuszauber aus Sand

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Die Winterruhe ist vorbei, die ehemalige Bootshalle im ­Fischereihafen in Travemünde ist wieder zum Leben erwacht. Berge von Spezialsand sind erneut in Form gebracht und laden zu einem unbeschwerten Besuch in den Zirkus ein.

Die Tore zur Sandskulpturen-Ausstellung in Lübeck-Travemünde sind seit dem vergangenen Wochenende wieder geöffnet. Wo im vergangenen Jahr Sagenhelden, Feen, Kobolde oder Zauberer ihr Unwesen trieben, bringen im siebten Jahr der Ausstellung Clowns die Besuchenden zum Lachen, Artisten, Akrobaten oder auch meterhohe Stelzenläufer die Betrachter zum Staunen und Feuerspucker den Sand zum Schweifen. Die 3.500 Quadratmeter große Ausstellungsfläche hat sich in eine einzige Zirkusmanege verwandelt, in der auch Tiere und Magier nicht fehlen.

Zirkusplakat
Foto: Iris Jaeger

„Unser Anliegen ist es jedes Jahr aufs Neue, den Besuchern hier Freude zu bereiten, sie für eine Weile den Alltag vergessen zu lassen und Schönes darzustellen. Das Thema Zirkus hatten wir noch nicht, und was gibt es Schöneres als einen Besuch der magischen Zirkuswelt?“, erklärt Ausstellungsleiter Oliver Hartmann. Der Zirkusdirektor am Eingang des Rundweges durch die Ausstellung hat eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm. „Na ja, ein wenig mehr Hals hätten sie mir gönnen können“, meint er schmunzelnd. 25 Künstlerinnen und Künstler aus 13 Ländern haben die gut 10.000 Kubikmeter Sand erneut in übergroße Kunstwerke verwandelt, die in ihren Bann ziehen. „Zirkus ist mehr als eine Show, es ist ein Gesamtkunstwerk aus Spannung, Emotionen und Fantasie, das alle Generationen begeistert“, so Oliver Hartmann in einer Pressemeldung.

Modellierwerkzeug
Foto: Iris Jaeger

Nur mithilfe von Modellierwerkzeugen und Wasser sowie ganz viel Kreativität und Hingabe haben die Sandscarver, wie die Sandkünstler genannt werden, an die 110 Skulpturen rund um das Thema Zirkus geschaffen. Die einzelnen Motive werden vom Ausstellungsteam vorgegeben, bei der Umsetzung aber haben die Künstler freie Hand. „Und selbstverständlich dürfen die Scarver auch Vorschläge und ihre Ideen mit einbringen“, erklärt Hartmann.

Einen Tag vor der Eröffnung des Zirkuszaubers aus Sand herrscht noch reger Betrieb in der ehemaligen Bootshalle und es wird noch ordentlich Hand angelegt an den Skulpturen, Feinheiten und Details herausgearbeitet, gesprüht, geklopft, geschabt, geharkt, Sand weggenommen oder hinzugefügt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich einzelne Sandkörner so detailreich formen und in Bilder verwandeln lassen. „Die Motive in den Sand zu kopieren, die Bilder in den Sand zu übersetzen, das ist es, was mich fasziniert“, erklärt die Künstlerin Helena Bangert ihre Motivation. Sie liebt Elefanten, weshalb sie sich unter anderem für die Zirkuselefanten entschieden hat. Sie bis in die feinsten Falten zum Leben zu erwecken, „das ist wirklich toll“, so Bangert.

Helena Bangert verfeinert noch Details am Elefanten
Foto: Iris Jaeger

Und auch kleine politische Seitenhiebe auf aktuelle Geschehnisse in der Welt seien erlaubt, meint Oliver Hartmann. Zum Beispiel bei der Skulptur Nummer zwölf mit der Überschrift „Sprichwort“. „Wer einen Clown will, bekommt auch einen Zirkus“, erläutert der Ausstellungsleiter augenzwinkernd. Aber ansonsten bleibt die Weltlage für einen Moment draußen vor der Hallentür und die Magie entführt in die Welt der Dompteure, Seiltänzer, Messerwerfer oder Pantomimen. Auch dem weltberühmten Zirkus Roncalli, der regelmäßig zu Gast in Lübeck ist, widmet sich die Ausstellung – unter anderem mit einer Hommage an Richard Hirzel, der als Clown „Pic“ Geschichte geschrieben hat. Und auch ein Flohzirkus ist Teil der Szenerie.

Somit heißt es bis zum 9. November: „Manege frei und hereinspaziert“ in den Zirkuszauber aus Sand in Travemünde. Weitere Informationen unter ­sandskulpturen-travemuende.de, weitere Bilder auch unter ­bauernblatt.com

Zirkuszauber aus Sand
Fotos: Iris Jaeger
„Rhönrad“ von Zsolt M. Tóth
Foto: Iris Jaeger
„Luftringe“ von Oleg Masalitin
Foto: Iris Jaeger
„Verbundene Zwillinge“ von Jamie Lauks und Vadim Bandarets
Foto: Iris Jaeger
„Affenfrau“ von Jamie Lauks und Vadim Bandarets
Foto: Iris Jaeger
„Feuerspucker“ von Sven Morawietz
Foto: Iris Jaeger
„Zauberer“ von Konstantin Evdokimov
Foto: Iris Jaeger
Detailansicht aus dem Motiv „Zauberer“
Foto: Iris Jaeger
„Pantomime“ von Evgeniy Polunin
Foto: Iris Jaeger
„Dumbo“
Foto: Iris Jaeger
„Seiltänzerin“ von Iryna Kalyuzhna
Foto: Iris Jaeger
Richard Hirzel, bekannt als Clown Pic aus dem Zirkus Roncalli von Helena Bangert
Foto: Iris Jaeger
„Sprungartisten“ von Sergey Knysh
Foto: Iris Jaeger
Tierische Attraktionen
Foto: Iris Jaeger
„Schlangentänzer“ von Iryna Kalyuzhna
Foto: Iris Jaeger
Eine Wahrsagerin
Foto: Iris Jaeger
Schachtelteufel
Foto: Iris Jaeger


Landwirtschaft bei Klimazielen insgesamt auf Kurs

Deutschland hat seine Klimaziele im Jahr 2024 eingehalten und befindet sich auf einem Pfad, auch die bis 2030 gesetzlich vorgeschriebenen Emissionsminderungen zu erreichen. Das geht aus den Daten zur Klimabilanz des Umweltbundesamtes (UBA) hervor, die Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck (Grüne) und UBA-Präsident Dirk Messner in Berlin vorstellten.

Im Sektor Landwirtschaft sei man mit Blick auf das Jahr 2030 auf Kurs, sagte Messner. Dort wurden im vergangenen Jahr 1,3 % an Emissionen eingespart. Anders sehe es wiederum bezogen auf die Jahre 2040 und 2045 aus. Klimaneutralität in der Landwirtschaft bedeute, dass man sich dem „schwierigen und polarisierenden Thema Fleischkonsum“ zuwenden müsse. Diese gesamtgesellschaftliche Debatte müsse rechtzeitig geführt werden, um später kommunikatives Chaos zu vermeiden, mahnte der UBA-Präsident.

Was die deutsche Gesamtbilanz angeht, sanken die Treibhausgasemissionen 2024 gegenüber dem Vorjahr um 3,4 % auf 649 Mio. t CO2-Äq. Das Jahresziel wurde im vergangenen Jahr damit sogar deutlich übertroffen: Gesetzlich erlaubt wären 693,4 Mio. t gewesen, so das UBA. In greifbarer Nähe sei außerdem, bis 2030 die Emissionen gegenüber 1990 um 65 % zu mindern – vorausgesetzt, dass die implementierten klimapolitischen Instrumente weiterhin konsequent umgesetzt würden.

Wie Habeck ausführte, sei ein überproportionaler Anteil der Einsparungen auf die Energiewirtschaft und insbesondere auf die Stromerzeugung zurückzuführen. Zur Emissionsminderung geringfügig beigetragen hätten zudem die schwache wirtschaftliche Entwicklung sowie eine verhältnismäßig milde Witterung. Kaum geliefert hätten dagegen der Verkehrs- und der Bausektor. Laut UBA droht daher auch, dass die Vorgaben der EU-Klimaschutzverordnung für 2021 bis 2030 verfehlt und damit Strafzahlungen an andere EU-Staaten fällig werden könnten.

Wälder mittlerweile CO2-Quelle

Sorgen macht Habeck die Klimaschutzfunktion der Wälder. Er bezeichnete es als „dramatischen Befund“, dass Wälder im Landnutzungssektor mittlerweile selbst zu einer Quelle von Treibhausgasen geworden seien, anstatt Emissionen einzusparen. UBA-Präsident Messner zufolge kann mit den jetzigen Instrumenten die Senkenkapazität von Ökosystemen in Deutschland nicht gestärkt werden. Anstatt wie geplant im Jahr 2030 jährlich 30 Mio. t CO2-Äq zu binden, würden dann 32 Mio. t emittiert werden. Zurück bleibe eine Lücke von gut 60 Mio. t.

„Die ehemalige Senke wird zu einer Quelle“, warnte Messner. Durch den fortschreitenden Klimawandel würde sich dieser Effekt zudem verstärken, da die Ökosysteme weiter geschwächt würden. Es brauche daher aus seiner Sicht eine konzertierte Strategie für mehr natürlichen Klimaschutz. Laut UBA schließt das unter anderem mehr Gelder für den Waldumbau, eine Waldmehrung sowie den Aufbau des Holzproduktspeichers ein, etwa durch mehr langlebige Holzprodukte. Außerdem müsse der Humusaufbau durch verschiedene Maßnahmen gefördert werden.

AGDW für Anpassung unrealistischer Ziele

In Reaktion auf die vorgestellten Zahlen plädiert der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), Prof. Andreas Bitter, für niedrigere CO2-Senkenziele im Landnutzungssektor. „Diese aus heutiger Sicht unrealistischen Vorgaben wurden zu einem Zeitpunkt fixiert, da die dramatischen Folgen der Klimakrise im deutschen Wald noch nicht im vollen Umfang absehbar waren“, sagte Bitter.

Trotz zuletzt großer Kalamitäten gebe es in Deutschland historisch höchste Holzvorräte, häufig in instabilen Beständen. Diese „Risikovorräte“ abzubauen sei notwendig, um die Wälder zu stabilisieren und klimaresilient umzubauen. Der durch das Klimaschutzgesetz vorgegebene Vorratsaufbau drohe vor diesem Hintergrund zu einer „waldbaulichen Geisterfahrt“ zu werden, warnte Bitter.

Union und SPD müssten sich daher im Koalitionsvertrag auf eine Reform des Klimaschutzgesetzes einigen. Die Ziele des Landnutzungssektors müssten unter Berücksichtigung der Waldschäden, des Alters der Wälder sowie der Erfordernisse des klimaresilienten Waldumbaus angepasst werden. Dies habe auch der wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium kürzlich empfohlen, so Bitter.

Rukwied: Politikwechsel nicht aus dem Blick verlieren

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Zum Beginn der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD fordert der Präsident des
Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, die Verhandler des Koalitionsvertrags auf, den
notwendigen Politikwechsel auf den Weg zu bringen: „Unser Sektor ist in großer Sorge, dass die
zukünftigen Koalitionäre mit der Diskussion um das Milliardenpaket die Lösung der strukturellen
Probleme aus dem Auge verlieren. Eine Diskussion über eine festgeschriebene Klimaneutralität
im Grundgesetz ist dafür sicherlich auch nicht hilfreich, genauso wie das Festhalten an Vorhaben,
mit denen die Ampel schon gescheitert ist. Es muss jetzt den angekündigten, echten Wechsel
geben. Dafür brauchen wir deutliche Veränderungen mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit,
echten Bürokratieabbau und eindeutige Erleichterungen für die Wirtschaft. Die Wiedereinführung
der Agrardiesel-Rückvergütung ist ein erster wichtiger Schritt, aber weitere Punkte müssen
zwingend folgen.“

Mit Blick auf das im Bundestag verabschiedete Sondervermögen fordert Rukwied auch strukturelle Reformen, um die Wirksamkeit des Sondervermögens sicherzustellen. Bei
den Zukunftsinvestitionen müssten zwingend die Infrastruktur im ländlichen Raum, die
Landwirtschaft und auch der Umbau der Tierhaltung berücksichtigt werden.

Neue Ideen für die Verbandsarbeit

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Die Bundesjugendreferenten aus den verschiedenen Bundesländern trafen sich Ende Februar im idyllisch gelegenen Tagungskloster am Frauenberg in Fulda. Für den Landjugendverband Schleswig-Holstein nahm Bundesjugendreferent Thore Groth an dem Treffenteil. Ziel war es, aktuelle Herausforderungen der Verbandsarbeit der Landjugendverbände zu diskutieren und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln.

Nach einer überraschend entspannten Anreise mit der Deutschen Bahn bezogen alle Teilnehmer ihre Zimmer und genossen den herrlichen Blick über Fulda, den der Veranstaltungsort bot. Am Nachmittag begann das Treffen offiziell und zunächst standen die Berichte aus den jeweiligen Verbänden im Mittelpunkt. Die Anwesenden stellten exemplarisch ihre Aktivitäten 2024 vor und gaben einen Überblick über das zurückliegende Jahr. Anschließend tauschten sie sich intensiv über Herausforderungen, Erfahrungen und mögliche Lösungsansätze für dargelegte Probleme aus. Das gemeinsame Abendessen bot Gelegenheit, den Tag in geselliger Runde ausklingen zu lassen und kontroverse Themen noch einmal in privaten Gesprächen aufzugreifen.

Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz

Chancen und Risiken von KI, aber auch Demokratieförderung und internationale Zusammenarbeit standen auf der Tagungsagenda. Foto: Thore Groth
Am Frauenberg im osthessischen Fulda trafen sich Ende Februar die Bundesjugendreferenten der Landjugendverbände. Foto: Thore Groth
Über Herausforderungen, Erfahrungen und Lösungsansätze tauschten sich die Tagungsteilnehmer auch beim gemeinsamen Mittagessen aus. Foto: privat


Bei herrlicher Aussicht vom hauseigenen Restaurant aus starteten am Mittwoch alle mit einem köstlichen Frühstück in den Tag. Im Anschluss beschäftigte sich die Gruppe intensiv mit den Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz (KI) und deren möglicher Nutzung in der Verbandsarbeit. In angeregten Diskussionen wurden Einsatzmöglichkeiten analysiert und direkt erprobt. So entstanden Bilder, Musiktitel und sogar Protokolle mithilfe KI-gestützter Programme. Am Nachmittag unternahm die Gruppe einen Rundgang durch Fulda und erkundete die schöne Natur rund um den Klosterberg. Besonders der imposante Fuldaer Dom und die charmante Innenstadt hinterließen bleibende Eindrücke. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen in geselliger Runde und wessen „Social Battery” nach dem langen Arbeitstag noch weitere Gespräche und Eindrücke zuließ, den verschlug es noch auf ein schmackhaftes Guinness in den rustikalen Irish Pub in der Innenstadt.

Engagement und Demokratie fördern

Das bisherige Treffen wertete die Gruppe am letzten Tag aus und arbeitete in Kleingruppen zu verschiedenen Themen wie Engagement- und Demokratieförderung oder internationaler Zusammenarbeit, insbesondere dem Austausch mit dem Nachbarland Frankreich. Nach einer kurzen Präsentationsphase stand die inhaltliche Vorbereitung der anstehenden Treffen mit den Landesbildungsreferenten (ReffTreff) auf dem Programm und die Moderationen und Themen wurden vergeben. Ein weiteres zentrales Thema waren anschließend der Rechtsruck im ländlichen Raum und die Notwendigkeit, eine gemeinsame Position gegen diskriminierende und rassistische Strömungen zu entwickeln – ein sehr herausforderndes und emotionales Thema, dessen Schwierigkeit auch in den unterschiedlichen Gegebenheiten in den Landesverbänden begründet ist.

Nach einem abschließenden Kaffeetrinken traten die Teilnehmenden am Donnerstag ihre Heimreise an. Bundesjugendreferent Thore Groth nutzte die verbliebene Zeit bis zur Abfahrt seines Zuges für einen Rundgang im Kloster und einen Bummel durch die Fuldaer Innenstadt. Anschließend ging es ohne weitere Vorkommnisse mit dem ICE zurück in die schleswig-holsteinische Heimat an der deutsch-dänischen Grenze. Ein lehrreiches Treffen mit vielen neuen Eindrücken und wertvollen Impulsen für die Landjugendarbeit ging damit zu Ende.

Methanreduzierung: Podcast „Gut zu wissen“ auf ntv

Vor dem Hintergrund der Veröffentlichung von Versuchsergebnisse zur Methanreduzierung durch einen Futterzusatzstoff gab die Fachbereichsleiterin Rind, Dr. Imme Dittrich, kürzlich diverse Interviews dazu.

Dem Nachrichtensender ntv waren die Ergebnisse sogar einen Podcast wert. Der ist seit Sonntag abrufbar unter:

https://plus.rtl.de/podcast/wie​der-was-gelernt-der-ntv-podcast-d0uld2aqwi6dt

https://podcasts.apple.com/de/podcast/wieder-was-gelernt-der-ntv-podcast/id1434819309

https://music.amazon.com/pod​casts/b6931e40-5e85-4ef9-87f6-c785039b1f1e/wieder-was-gelernt

https://www.deezer.com/de/show/59140

Oder er ist überall dort erhältlich, wo es Podcasts gibt.

Wer es lieber analog mag: Die Ergebnisse aus dem halbjährigen Versuch wurden im Bauernblatt in Rinder aktuell (Ausgabe 3/2025) veröffentlicht.