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BUND-Kritik am Pflanzenschutz widerlegt

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat einen Faktencheck zum Mangel an Pflanzenschutzmitteln in Deutschland veröffentlicht und spricht von einer stabilen Zahl an Wirkstoffen. In der Praxis sieht die Welt anders aus. Wir sprachen mit Helge Treuherz, verantwortlich für die Fachbereiche Pflanzenschutz und Getreidesaatgut, Trede & von Pein GmbH.

Der BUND behauptet in einem aktuellen Papier, die Zahl der verfügbaren Wirkstoffe in Deutschland sei über die letzten zwei Jahrzehnte stabil geblieben. Wie bewerten Sie diese Aussage?

Ich muss ehrlich sagen, dass mich diese Papiere immer wieder erstaunen, da sie in vielen Punkten schlicht schlecht recherchiert sind. Sie spiegeln die Praxis nicht oder nur bedingt wider. Es wird oft mit einer vermeintlichen Wirkstoffvielfalt argumentiert, die aber nur die halbe Wahrheit ist.

Schauen wir uns das beim Weizen an: Im Januar 2021 hatten wir 42 zugelassene fungizide Wirkstoffe in der BVL-Datenbank; im Januar 2026 waren es nur noch 36. Das ist bereits ein Nettoverlust von sechs Wirkstoffen. Wenn man diese 36 verbliebenen Stoffe weiter aufdröselt, fallen vier biologische Wirkstoffe und drei Beizmittel heraus. Rechnet man Wirkstoffe ab, die gar nicht vermarktet werden oder im konventionellen Anbau wie Schwefel keine Rolle spielen, landen wir bei gerade einmal 26 Wirkstoffen netto. Das ist nicht viel.

Der BUND verweist auf die hohe Zahl der zugelassenen Pflanzenschutzmittel. Suggeriert das nicht doch eine enorme Auswahl?

Genau das ist der Punkt: Es wird eine Vielfalt suggeriert, die faktisch nicht existiert. Nehmen Sie den Wirkstoff Azoxystrobin: Dafür gibt es 53 verschiedene Handelspräparate. Am Ende ist es aber überall das Gleiche. Von echter Vielfalt kann da keine Rede sein. Wir erleben einen ständigen Verlust an echten Wirkmechanismen, während neue Wirkstoffe nur extrem selten um die Ecke kommen. Dass der BUND hier von Stabilität spricht, ist wohl eine Frage der statistischen Interpretation, die an der Realität der Landwirte vorbeigeht.

Ein weiteres Argument des BUND ist das Verbot der Neonicotinoide. Trotz der Warnungen vor Ertragseinbrüchen bei Mais und Zucker gab es Rekordernten. Hat die Fachwelt hier umsonst gewarnt?

Bei Mais und Zuckerrüben mag sich das Verbot weniger drastisch ausgewirkt haben. Aber schauen Sie sich den Raps an – dort erleben wir einen deutlichen Rückgang der Erträge. Wenn der BUND den Raps in seiner Argumentation ausspart, vermittelt das ein falsches, vielleicht sogar bewusst einseitiges Bild.

Zudem muss man eines klarstellen: Rekordernten werden nicht durch Pflanzenschutzmittel gemacht, sondern durch die Natur selbst. Pflanzenschutz kann, wie ich es schon im Studium gelernt habe, lediglich Ertragsverluste verhindern, aber keine Erträge steigern. Dieser Grundsatz gilt unverändert. Wenn die Natur uns eine Missernte beschert, kann auch die Chemie das nicht retten.

Oft werden Dänemark oder die Niederlande als Vorbilder genannt, die mit deutlich weniger zugelassenen Mitteln teilweise höhere Erträge erzielen. Können wir von den Nachbarn lernen?

Dieser Vergleich hinkt an mehreren Stellen. Dass die dänischen Erträge generell höher seien als im norddeutschen Raum, wage ich zu bezweifeln. Und die Niederlande sind ein Spezialfall: Dort dominieren Tulpen, Zwiebeln und Sonderkulturen, bei denen massiv mit Notfallzulassungen und betrieblichen Genehmigungen gearbeitet wird. Wir dürfen nicht vergessen, was passiert, wenn kein wirksamer Schutz möglich ist.

Die Geschichte zeigt uns mit der Kraut- und Knollenfäule in Irland im 19. Jahrhundert, was Totalausfälle bedeuten. Ohne Pflanzenschutz ist eben nicht alles besser. Die Ernährungssicherheit ist ein hohes Gut.

Sie erwähnen den Ökolandbau als Partner, von dem man lernen kann. Wir müssen uns definitiv mehr Kooperationen aneignen. Aber man muss auch ehrlich bleiben: Die größten Player im ökologischen Kartoffelanbau sind Kupfer und Schwefel. Auch dort gibt es mittlerweile Minimierungsstrategien. Das zeigt: Auf der anderen Seite ist das Gras nicht unbedingt grüner.

Ein kritisches Thema ist der Wegfall bewährter Wirkstoffe wie Flufenacet. Wie bewerten Sie das?

Flufenacet ist der tragende Baustein der Gräserbekämpfung im Getreide. Wir suchen seit Jahren nach Alternativen, aber die Rechnung ist erschreckend: Ein Landwirt, der bisher für 100 ha Weizen etwa 60 l eines flufenacethaltigen Mittels benötigt hat, wird in Zukunft für die gleiche Fläche 300 bis 400 l anderer Mittel einsetzen müssen. Ob das im Sinne des Umweltschutzes ist, ziehe ich stark in Zweifel.

Den Schritt des Verbots kann ich fachlich nicht nachvollziehen, da es sich um ein Bodenherbizid handelt, das bis zur Ernte längst abgebaut ist. Wenn ein Mittel über 20 Jahre sicher im Gebrauch war, ist schwer zu begründen, warum es plötzlich seine chemischen Eigenschaften so verändert haben soll, dass es untragbar wird.

Was halten Sie von Forderungen nach einer Pestizidabgabe und einer Anwendungsbeschränkung auf „Notfälle“?

Das halte ich nicht für zielführend. Wer definiert den Notfall? Innovationen entstehen nicht in einem engen Korsett, sondern durch fachliche Begleitung und Offenheit. Eine engmaschige Kontrolle ist zu begrüßen, aber sie muss fachgerecht sein. Heute dauert das Prozedere bei Zulassungen so lange, dass die Zahl der Notfallzulassungen explodiert. Selbst Fachleute wie ich haben Mühe, da noch den Überblick zu behalten.

Welche Technologien könnten den chemischen Pflanzenschutz in Zukunft entlasten?

Die größten Chancen sehe ich bei CrispR/Cas. Es ist ein Widerspruch, weniger Pflanzenschutz zu fordern und zugleich neue Züchtungsmethoden zu verhindern. Robotertechnik sehe ich eher im arbeitsintensiven Gemüsebau, da uns dort schlicht das Personal fehlt.

Spotspraying ist ein toller Ansatz, um gezielter zu arbeiten, wird aber noch fünf bis sieben Jahre brauchen, bis es Stand der Technik ist. Bei Biostimulanzien wurde leider zu viel versprochen. Sie können den chemischen Pflanzenschutz nicht ersetzen, sondern nur flankieren. Eine gestärkte Pflanze steckt kleine Probleme leichter weg, aber gegen eine echte Epidemie hilft das nicht.

Was würden Sie den Kritikern vom BUND gern mitgeben?

Ich würde mich freuen, wenn man vor Veröffentlichungen mit den Betroffenen spricht. Ich lade den BUND herzlich zum offenen Austausch ein, um die Praxis kennenzulernen, mit der wir täglich zu tun haben. 

Die Natur kennt keine Nulltoleranz

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Natur ist wunderschön und verstörend brutal. Natur ist verschwenderisch und darin äußerst effizient. Was Natur nicht hat, ist eine Nulltoleranz. Es widerspricht den Gesetzen der Natur, auf feste Grenzwerte, möglichst Nulltoleranzen zu setzen. Denn Natur ist ein Kompromiss, oft ein erkämpfter und auf jeden Fall ein instabiler. Schon morgen können sich Umstände ändern, die Kompromisslinie verschiebt sich. Es ist alles im Fluss.

Und hier kommen die Büro-Naturschützer ins Spiel: Landwirtschaft ohne „Pestizide“, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) es in seinem „Faktencheck“ fordert, weil diese gefährlich seien und nicht benötigt würden? Die Natur widerspricht. Gerade Pflanzen setzen auf art­eigene Gifte, weil sie keine Beine haben und vor Insekten oder Pilzsporen nicht weglaufen können. Die Faktenlage klärt Pflanzenschutzexperte Helge Treuherz im Interview.

Kompromisse überall – nur nicht bei den meinungsstarken NGO. Der BUND fordert eine „Pestizidabgabe“ und die Beschränkung des chemischen Pflanzenschutzes auf Notfälle. Der Ausbau des Ökolandbaus ist eine weitere Forderung. Diese wird allerdings nicht durch stete Wiederholung Wirklichkeit, sondern durch Kunden, die kaufen. Doch ob die Ware absetzbar ist, interessiert den BUND nicht. Er handelt nach dem Motto: Wer nur einen Hammer als Werkzeug hat, der behandelt jedes Problem als Nagel. Es ist der beliebte Tanz um die Nulltoleranz.

Bewusst unterschlagen wird, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Gefahr und dem Risiko. In einfachen Worten: Es wäre gefährlich, einem Tiger im Park zu begegnen. Das Risiko geht zum Glück gegen null. Leider ist Risikobewertung kein Lehrfach beim BUND. Starre und damit einfache Forderungen sprechen entweder für intellektuelle Faulheit oder große Geldgier. Sie füllen das eigene Portemonnaie, aber widersprechen der Natur. Sie helfen dem Menschen, Kontrolle auszuüben. Und das ist in Maßen und von den richtigen – staatlichen – Institutionen in Ordnung!

Es wirkt wie Ironie, wenn der BUND Forderungen gegen Umwelt und Natur erhebt. Aber es stellt den Landwirt vor ein unlösbares Dilemma: Das eine soll er nicht – das andere kann er in der Praxis nicht. Die Büro-Naturschützer melden sich gern mit einfachen Rezepten zur Verbesserung der (Um-)Welt. Sie sollten zweierlei bedenken:

Die Natur macht immer noch die strengsten Gesetze. Wer dauerhaft den Boden malträtiert, der schießt sich schließlich aus dem Rennen.

Es gibt einen weiteren Bereich, gegen dessen Gesetze man besser nicht handelt: den Markt, also wir alle. Wir strafen schlechte Qualitäten ebenso ab wie hohe Kosten und kaufen am Ende Brotgetreide im Ausland.

Es bleibt der beste Kompromiss, denen, die der Natur täglich unsere Lebensmittel abringen, mehr Vertrauen entgegenzubringen – damit sie ihre Aufgabe noch besser erledigen. Das Wissen, das Können und das Wollen sind da; es braucht das Dürfen.

Vier Künstlerinnen, vier Orte, vier Positionen

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Frisch ausgezeichnet mit dem Gütesiegel „Zertifiziertes Museum“ (Ausgabe 6) startet die Herbert-Gerisch-Stiftung in Neumünster in das neue Ausstellungsjahr und feiert Jubiläum: Anlässlich des 25-jährigen Bestehens hat die Stiftung für 2026 ein besonderes Jubiläumsprogramm zusammengestellt – bei freiem Eintritt für das gesamte Jahr, außer für Veranstaltungen.

Gemälde von Inge Pries
Foto: Iris Jaeger

Bis zum großen Jubiläumsfest am 10. Mai ist es noch etwas hin, doch bleiben die Ausstellungsräume bis dahin nicht leer. Mit vier Künstlerinnen aus Neumünster und der weiteren Umgebung beginnt das Jubiläumsjahr mit einer spannenden Ausstellung, die auch räumlich an vier Orten auf dem Stiftungsgelände stattfindet: in der Villa Wachholtz, der Remise, in der Galerie und im Souterrain. Mit Inge Pries, Anja Kowalik, Kristin Grothe und Monika Rathlev habe man vier Ausstellerinnen, die unterschiedlicher in ihrer Kunst nicht sein könnten. Und doch sei es gelungen, deren Positionen in einer Ausstellung zusammenzuführen, erklärte die Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, Brigitte Gerisch-Hölk, bei der Vorstellung des Jahresprogrammes. „25 Jahre Herbert-Gerisch-Stiftung sind ein lang gelebtes Leben, und doch erscheint es uns allen hier, die über die Zeit mitgeholfen und mitgewirkt haben, wie ein einziger Tag“, so Gerisch-Hölk. Ihrem 2016 verstorbenen Mann sei es zu verdanken, dass er seinerzeit mit Ende 70 den Mut und die Idee gehabt habe, eine Stiftung zu gründen, mit Fokus auf Skulpturen und zunächst internationaler Ausrichtung, blickte Brigitte Gerisch-Hölk auf die Stiftungsjahre zurück.

Stoffcollage von Anja Kowalik
Foto: Iris Jaeger

2001 wurde die Stiftung gegründet. Fachlich begleitet durch Prof. Herwig Guratzsch und Prof. Christoph Brockhaus entstand der erste Teil des Skulpturenparks im privaten Garten des Stifterpaares. Im Laufe der Jahre wurden die Villa Wachholtz und der Harry-Maasz-Garten restauriert, der zeitgenössische Skulpturenpark integriert und mit Pfauenhaus, der Remise, dem roten Bungalow, dem Souterrain und der Galerie-Terrasse weitere Ausstellungsflächen für Wechselausstellungen, Leihgaben, Neuanschaffungen und Schenkungen geschaffen. Im vergangenen Jahr wurden 500 m2 Gelände an der Schwale zugekauft. Gekrönt wurde die Stiftungsarbeit mit der vor Kurzem erfolgten Zertifizierung. Aktueller Stand: 41 Künstler mit einem Skulpturenbestand von 53 Arbeiten im Außenbereich, international, aber auch regional: „Die Arbeit in den vergangenen Jahren hat uns gezeigt, wie wichtig auch die regionale Kunst für uns und für die Menschen, die hier leben, ist“, so die Vorstandsvorsitzende. In der aktuellen Ausstellung „4 Orte – 4 Positionen“ sei es gelungen, vier regionale Künstlerinnen und deren verschiedene gestalterische Positionen zu vereinen und ihnen durch die Zuweisung von vier verschiedenen Gebäuden dennoch einen individuellen Raum zu bieten, in dem sie sich frei entfalten und die Arbeiten präsentieren könnten.

Arbeit von Kristin Grothe
Foto: Iris Jaeger

In der Villa sind die Arbeiten von Inge Pries zu sehen – zum Teil großformatige Gemälde, die sich zwischen Erinnerung und Imagination bewegen. In ihren Werken verarbeitet Pries Gesehenes, Realität und Gegewart mit Fantasie und Fiktion und verknüpft sie mit Bezügen zur Kunstgeschichte und kunsthistorischen Darstellungen. In dünnen Ölfarblasuren trägt sie auf, übermalt, erinnert, verarbeitet und spielt mit Licht, Form, Farben. Natur und Tiere spielen ebenso eine Rolle wie Kleidung. Ihre Bilder wirken oft mythisch, mystisch mit zum Teil surrealistischen Elementen.

Einen Raum der Stille hat Anja Kowalik in der Remise geschaffen. Neben Stoffcollagen und Gemälden steht ihre raumgreifende Installation im Mittelpunkt. Mit Bezug zum Frauentag widmet sie sich der Frage: „Was benötigen wir Frauen, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Wie gelingt Transformation und das Lösen aus vorgegebenen Strukturen?“. Die verwendeten Stoffreste verweisen auf Tradition, Geschichte, Fürsorge und weibliche Handarbeit. Die Collagen enthalten gebrauchte Materialien und haben einen persönlichen Bezug zu ihr und ihrer Mutter. Die in den Stoffen befindlichen Flecke hat sie mit Fineliner nachgezeichnet und die Fragmente in Bildern neu zusammengesetzt. Die für die Rauminstallation aus Laken gewonnenen Stoffschnüre hat sie in ein Drahtgeflecht gearbeitet, das einerseits Halt und Haltung gibt, andererseits wie ein Korsett einengen kann. Sie lädt die Besuchenden zu einem Dialog über Rollenbilder, Verbundenheit und die Kraft der Transformation ein.

Zeichnung von Monika Rathlev
Foto: Iris Jaeger

Kristin Grothe hingegen beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit dem Verhältnis von Architektur, Landschaft und Zeit. Sie sind in der Galerie zu sehen. Es ist ein Wechselspiel von Raum und Tiefe, Zerstörung und Harmonie. Grothe arbeitet negativ: Anstatt Farbe aufzutragen, trägt sie die zuvor aufgebrachte oder gedruckte Farbe wieder ab, mit Schleifpapier oder Cutter. An einigen Stellen fügt sie Linien wieder mit Fineliner hinzu, schafft Perspektiven und Tiefe mit Kreide. Das Radieren und das Zerstören des Büttenpapiers hinterlassen einzigartige Spuren und Strukturen, Grafiken, die den Blick einfangen und in die Tiefe ziehen.

Monika Rathlev fühlt sich wohl im Souterrain. Dort hat sie einige Jahre Malunterricht gegeben. Jetzt zeigt sie hier an einer Wand aufgereiht ihre gezeichneten Momentaufnahmen von 2023 bis 2025. „Die habe ich bewusst auf dem kleinen Format gezeichnet, um den Blick auf das Wesentliche zu schärfen und weil sie meine Stimmungen in diesen Momenten widerspiegeln.“ An der gegenüberliegenden Wand sind ihre computergenerierten Zeichnungen zu sehen, die sie mit Stift auf einem Computer-Pad zeichnet und dann als Fine-Art-Drucke auf Büttenpapier präsentiert. Darin verbindet sie traditionelle Abstraktionen mit zeitgenössischer Bildsprache.

Weitere Informationen zu der Ausstellung und den kommenden Veranstaltungsterminen unter www.gerisch-stiftung.de

Anja Kowalik
Foto: Iris Jaeger
Kristin Grothe
Foto: Iris Jaeger
Monika Rathlev
Foto: Iris Jaeger
Inge Pries
Foto: Iris Jaeger
Radiertes Büttenpapier
Foto: Iris Jaeger
Gemälde von Inge Pries
Foto: Iris Jaeger
Zeichnung von Monika Rathlev
Foto: Iris Jaeger


Kostenstrukturen in der Tränkephase richtig bewerten

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Die verschiedenen Kostenstrukturen eines Betriebes zu kennen, ist essenziell für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung. Die Kälberaufzucht und somit die Tränkephase ist ein wichtiger Bestandteil der Jungtieraufzucht und entscheidend für die spätere Kuh. Hier werden nicht nur gesundheitliche Grundsteine gelegt, sondern auch oftmals viele Kosten nicht berücksichtigt oder verfälscht wahrgenommen. Im ersten Lebensjahr und vor allem in der Tränkephase wird das Kalb vom eigenen Management und der Umgebung stark beeinflusst.

Ökonomisch ist die Tränkephase deshalb so entscheidend, weil sich negative Ereignisse doppelt auswirken: Einerseits steigen die unmittelbaren Kosten (Medikamente, Tierarzt, Arbeitszeit), andererseits sinkt die Leistung (Zunahmen, Futteraufnahme, Entwicklungsfortschritt). Zusätzlich können Spätfolgen entstehen, etwa durch verzögerte Aufzucht, geringere spätere Milchleistung oder ein erhöhtes Risiko für chronische Probleme.

Die Tränkephase richtig beurteilen

Um die Tränkephase korrekt zu bewerten, ist eine vollständige Kostenerfassung notwendig. In der Praxis besteht die Gefahr, nur die Kosten für Milch beziehungsweise Milchaustauscher und weitere Futtermittel zu erfassen und dadurch zentrale Treiber zu übersehen. Direktkosten für die Fütterung, aber auch Betriebsmittel für die Haltung wie Stroh, Desinfektionsmittel und Stalltechnik müssen berücksichtigt werden. Oftmals werden auch die Kostenblöcke Tiergesundheit und Arbeitskosten, zu denen nicht nur Medikamente, Tierarztkosten, die Tränken der Kälber oder die tägliche Tierkontrolle gehören, sondern auch prophylaktische Maßnahmen, Verluste, Reinigung von Utensilien, Einstreuen oder das Umstellen von Tieren nicht vollständig berücksichtigt. Aber auch die Fixkosten und Abschreibungen von Gebäuden sowie die Ausrüstungen wie Tränkeautomaten gehören in eine realistische Abbildung der Kälberaufzuchtkosten.

Vor allem in den ersten Lebenswochen sind Kälber durch das sich erst aufbauende Immunsystem sehr empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen und Managementfehlern. Das Kolostrummanagement ist daher hier essenziell zum Aufbau des passiven Immunsystems. Je stärker das passive Immunsystem, desto besser wird die immunologische Lücke bis hin zum Aufbau des aktiven Immunsystems überbrückt. Bei gutem Management kann Krankheiten wie Durchfall, Nabelentzündungen oder Lungenproblemen vorgebeugt und entgegengewirkt werden. Dies kann auch einen Einfluss auf das weitere Wachstum, die Vitalität sowie auf das spätere Leistungspotenzial haben.

Kostenrahmen setzen in der Tränkephase

Ein praxistauglicher Ansatz beginnt mit einer klaren Definition des Zeitraums (zum Beispiel Geburt bis Absetzen). Anschließend geht es darum, welche Fragestellungen beantwortet werden sollen. Die Kennzahl „Kosten pro Kalb“ ist für die Buchhaltung hilfreich, greift jedoch inhaltlich zu kurz. Aussagekräftiger ist die Relation zur Leistung (Zunahmen) und zum Ergebnis (gesund abgesetzt). Typische Auswertungsmöglichkeiten und Fragestellungen können sein:

Gesamtkosten pro Kalb in der Tränkephase (Euro pro Kalb)

Kosten pro Tag in der Tränkephase (Euro pro Kalb undTag)

Kosten pro Kilogramm Zunahme (€/kg Zuwachs)

Kosten pro gesund abgesetztem Kalb

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die ehrliche Berücksichtigung von Verlusten. Eine Tränkephase mit niedrigen Futterkosten, aber höheren Ausfällen kann ökonomisch schlechter sein als ein intensiveres System mit stabiler Gesundheit. Die Kombination aus Leistung und Gesundheitsstatus ist entscheidend. Ein günstiges System mit schwachen Zunahmen oder hohen Krankheitsraten ist langfristig selten wirtschaftlich.

Essenziell ist für die Berechnung, nicht nur die Tränkekosten zu berücksichtigen, sondern die Gesamtkosten in der Tränkephase. Nicht nur Tageszunahmen, Absetzgewichte und Absetzalter, sondern auch die Durchfall- und Atemwegserkrankungsraten sowie die Arbeitszeit pro Kalb sollten in der Berechnung mitberücksichtigt werden. Auch Verlustraten, aufgeschlüsselt nach Totgeburten und Altersstufen, gehören in eine vollständige Kostenberechnung.

Unterschätzte wirtschaftliche Effekte

Der Tränkeplan beeinflusst die Kosten direkt über die eingesetzte Milchmenge. Gleichzeitig bestimmt er maßgeblich die Tageszunahmen und die Stabilität des Kalbes. Intensivere Tränkeprogramme erhöhen zwar die Futterkosten, können jedoch zu besseren Zunahmen, robusterer Entwicklung und geringeren Krankheitskosten führen. Wirtschaftlich kritisch ist insbesondere das Absetzen. Wird zu früh oder zu abrupt abgesetzt, kommt es häufig zu Leistungseinbrüchen, höherem Stress und erhöhter Krankheitsanfälligkeit.

Hygiene ist in vielen Betrieben der größte unterschätzte Hebel. Durchfallerkrankungen entstehen häufig durch hohen Keimdruck, falsche Tränketemperaturen oder unzureichend gereinigte Tränkeutensilien. Besonders relevant sind:

konsequente Reinigung von Nuckeln, Eimern und Leitungen

stabile Tränketemperatur

korrekte Anmischung von Milchaustauscher

klare Routinen und Verantwortlichkeiten

Eine Verbesserung der Hygiene reduziert in der Regel nicht nur Medikamentenkosten, sondern auch im weiteren Sinne Arbeitsaufwand und Verluste.

Auch wenn das Kolostrum streng genommen vor der Tränkephase liegt, ist es ökonomisch untrennbar mit ihr verbunden. Ein Kalb mit unzureichender Kolostrumversorgung hat ein deutlich höheres Risiko für Durchfall, Atemwegserkrankungen und Kümmern. Wirtschaftlich relevant sind daher:

Zeitpunkt der ersten Kolostrumgabe

Menge und Qualität des Kolostrums

hygienische Gewinnung und Lagerung des Kolostrums

Gutes Kolostrum-Management ist eine der kosteneffektivsten Präventionsmaßnahmen überhaupt.

Das Thema Atemwegserkrankungen zeigt, dass diese häufig kostenintensiver als Durchfall sind, da sie länger dauern, wiederkehrend sein können und die Leistung nachhaltig reduzieren. Hauptfaktoren sind Zugluft, feuchte Liegeflächen und hohe Ammoniakbelastung. In dem Punkt „Arbeitszeit“ kann über feste Routinen, klare Verantwortlichkeiten und sinnvolle Technik die benötigte Arbeitszeit reduziert oder optimiert werden.

Fazit

Die Tränkephase ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern eine Investitionsphase in die spätere Leistungsfähigkeit des Tieres. Eine seriöse wirtschaftliche Bewertung erfordert daher eine vollständige Kostenerfassung, die neben Futterkosten auch Arbeitszeit, Betriebsmittel, Gesundheitskosten, Verluste und Fixkosten berücksichtigt.

Die wichtigsten Stellschrauben liegen in der Praxis weniger im Einkaufspreis des Milchaustauschers, sondern in Hygiene, Kolostrum-Management, Stallklima sowie einem leistungsorientierten, sauberen Absetzen. Betriebe, die diese Faktoren systematisch optimieren, erzielen meist nicht nur niedrigere Gesamtkosten pro gesund abgesetztem Kalb, sondern auch stabilere Leistungen und geringere Risiken im gesamten Aufzuchtverlauf.

Betriebe für Nmin-Messdienst gesucht

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Der Nmin-Messdienst, der zur Bestimmung des pflanzenverfügbaren Stickstoffs im Boden im Frühjahr dient, wird deutlich ausgeweitet. Landwirtschaftliche Betriebe sind eingeladen, ihre Ackerflächen für die Nmin-Beprobung bereitzustellen und damit zu einer verbesserten Datenbasis beizutragen. Die erweiterten Messergebnisse sollen künftig für eine präzisere und differenziertere Düngeplanung genutzt werden.

Die aktuell jährlich von der Landwirtschaftskammer veröffentlichen Frühjahr-Nmin-Ergebnisse basieren auf der Beprobung von zirka 250 Ackerflächen aus den verschiedenen Naturräumen in Schleswig-Holstein. Die Veröffentlichung erfolgte bisher über die Auflistung von Einzelflächenergebnissen, aus denen sich die Betriebe die für ihren Standort passenden Nmin-Werte in Abhängigkeit von Landschaftsraum und Kulturen auswählen können. Ziel ist es, ab Frühjahr 2027 1.000 Ackerflächen in Schleswig-Holstein zu beproben. Hierdurch steigt die Datenbasis deutlich, sodass verlässlichere Mittelwerte für Kulturen und Fruchtfolgen in den einzelnen Naturräumen zur Verfügung gestellt werden können.

Messwerte direkt betrieblich nutzbar

Selbstverständlich können die Nmin-Analyseergebnisse der bereitgestellten Ackerflächen für die betriebseigene Düngeplanung kostenfrei verwendet werden. Die vorliegenden Analyseergebnisse werden direkt nach Eingang, noch vor der Veröffentlichung der offiziellen Nmin-Werte, zur Verfügung gestellt. Dadurch besteht die Möglichkeit, das individuelle Nährstoffmanagement im Hinblick auf eine bedarfsgerechte und zugleich gewässerschonende Stickstoffdüngung weiter zu optimieren. Die endgültige Auswahl geeigneter Ackerflächen obliegt der Landwirtschaftskammer.

Auswahl der Betriebe und Flächen

Ziel der für dieses Jahr geplanten Flächenakquise ist es, je nach Fruchtfolge drei bis fünf Ackerflächen auf jedem teilnehmenden Betrieb festzulegen, die die regionaltypischen Kulturen und Fruchtfolgen abbilden. Dabei sollen die Flächen, beginnend ab dem Frühjahr 2027, wiederkehrend und möglichst langfristig zur Erfassung etwaiger Trendentwicklungen beprobt werden. Die Verteilung der Betriebe und Standorte in den Hauptnaturräumen richtet sich nach dem Umfang der Ackernutzung in den Regionen unter Berücksichtigung vorhandener Bodengruppen (-arten), Kulturarten sowie der Erkenntnisse aus langjährigen Beprobungsreihen. Eine Ausdehnung des Beprobungsumfanges ist auch im ökologischen Landbau und im Gemüsebau vorgesehen.

Voraussetzung für die Teilnahme

Die Bewirtschaftung der Flächen soll nach guter fachlicher Praxis und unter Anwendung eines gängigen mineralischen und/oder organischen Düngeregimes erfolgen. Des Weiteren sollten die Flächen durch den Probenahmedienstleister möglichst über befestigte Wege gut erreichbar sein. Zusätzlich ist sicherzustellen, dass die festgelegte Probenahmeparzelle auf der Fläche (zirka 10 m x 10 m) vor Probenahme im zeitigen Frühjahr noch nicht gedüngt wurde. Neben Lage und Größe der Fläche sind Angaben zu Haupt- und Vorfrüchten sowie zur organischen Düngung jährlich nach einer Datenabfrage durch die Landwirtschaftskammer zu machen. Zur Sicherung von Betretungsrechten und dem Datenaustausch zwischen Landwirtschaftskammer und Beprobungsbetrieb wird eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnet.

Hintergrund der Ausweitung

Die Ausweitung des Nmin-Messdienstes ist notwendig, um deutlich differenzierte Daten für die Düngebedarfsermittlung in allen Naturräumen bereitzustellen. Eine individuell angepasste Düngung leistet einen wertvollen Beitrag für den Gewässerschutz. In Bezug auf das Östliche Hügelland setzt die Ausweitung zudem eine der Kernforderungen der Zielvereinbarung Landwirtschaft zum Aktionsplan Ostseeschutz 2030 um, die zwischen der Landesregierung und vier landwirtschaftlichen Verbänden geschlossen worden ist (https://t1p.de/3klyp). Die Daten werden, wie auch in der Vergangenheit, nur in anonymisierter Form veröffentlicht, um einen Rückschluss auf die Lage der Fläche und den Betrieb auszuschließen. Diese veröffentlichten, anonymisierten Daten stehen damit Interessierten und der Wissenschaft zur Verfügung und werden auch dem Thünen-Institut für die Erstellung des Wirkungsmonitorings zur Düngeverordnung zur Verfügung gestellt.

Anmeldung und Kontakt

Sofern Interessierte mit einzelnen Betriebsflächen Teil des zukünftigen Nmin-Messdienstes in Schleswig-Holstein werden möchten, können sie ab Montag, 2. März, Kontakt zur Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein aufnehmen. Auf der Webseite https://www.lksh.de/landwirtschaft/­duengung/­nitratmessdienst steht ein Anmeldeformular für die Ackerflächen bereit, das bitte ausgefüllt per E-Mail an nmin-messdienst@lksh.de zu senden ist. Für Rückfragen steht Klaus-Dieter Schlüter telefonisch (Tel.: 0 15 11-4 19 52 26) oder unter: nmin-messdienst@lksh.de zur Verfügung.

Grundfutterqualität in der Pferdefütterung

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Eine bedarfsgerechte Pferdefütterung steht und fällt mit der Qualität des Grundfutters. Heu und Heulage bilden den mengenmäßig größten Bestandteil der Ration und beeinflussen Verdauung, Stoffwechsel und Leistungsfähigkeit unmittelbar. Wer die Versorgung nachhaltig sichern will, muss die gesamte Prozesskette betrachten: vom Pflanzenbestand auf der Weide über den optimalen Erntezeitpunkt und die Konservierung bis hin zur Laboranalyse, deren Interpretation sowie der darauf aufbauenden Rationsgestaltung.

Bereits die Weide selbst erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig. Sie dient der Bewegung, ist Futterquelle und zugleich Fläche für die Nährstoffrückführung über die Ausscheidungen der Tiere. Je nach Nutzung – extensive Standweide, Portionsweide oder kombinierte Nutzung mit Schnitt – unterscheiden sich die Anforderungen an den Pflanzenbestand erheblich. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass Weideflächen zwar als Auslauf geeignet erscheinen, aber hinsichtlich ihrer Futterqualität Defizite aufweisen. Eine unausgewogene Artenzusammensetzung oder ungeeignetes Weidemanagement kann die Qualität des gewonnenen Grundfutters maßgeblich beeinflussen – auch mit möglichen Folgen für den Stoffwechsel der Pferde. Ein allgemeingültiges „Idealgras“ gibt es nicht. Vielmehr ist jede Grünlandnarbe das Ergebnis eines Kompromisses zwischen Standortbedingungen, Nutzungsintensität und den ernährungsphysiologischen Anforderungen des Pferdes. Über gezielte Pflege, Nachsaat und eine angepasste Düngung lässt sich der Pflanzenbestand jedoch aktiv steuern und weiterentwickeln.

Ein zentraler Einflussfaktor für die spätere Futterqualität ist der Erntezeitpunkt. Wird zu früh gemäht, sind Energie- und Zuckergehalte oftmals hoch, während die Strukturwirkung geringer ausfällt. Erfolgt der Schnitt zu spät, nimmt der Rohfaseranteil stark zu, die Verdaulichkeit sinkt, und die hygienische Stabilität kann leiden. Für Pferdeheu und -heulage ist daher ein mittlerer Reifegrad anzustreben, bei dem ausreichend Struktur vorhanden ist, ohne dass wertvolle Inhaltsstoffe in übermäßiger Weise verloren gehen.

Heu oder Heulage richtig bewerten

Bei der Konservierung stehen im Wesentlichen zwei Verfahren im Vordergrund: Heu und Heulage. Heu gilt als besonders strukturwirksames Grundfutter und entspricht in seiner Futterform den natürlichen Fressgewohnheiten des Pferdes. Damit Heu lagerstabil bleibt, muss der Wassergehalt deutlich abgesenkt werden; eine Trockenmasse von mindestens 85 % ist erforderlich, um mikrobielle Aktivität weitgehend zu unterbinden. In Regionen mit wechselhafter Witterung stellt dies eine Herausforderung dar. Mehrere Tage stabiler Schönwetterphasen sind notwendig, um das Futter ausreichend zu trocknen. Intensive Bearbeitung auf dem Feld beschleunigt zwar das Welken, kann jedoch Blattverluste verursachen. Wird der Zielwert nicht erreicht, kann eine technische Nachtrocknung unter Dach Abhilfe schaffen – verbunden mit entsprechendem Energie- und Kostenaufwand.

Die Heulage bietet eine größere Erntesicherheit, da sie mit höheren Restfeuchten eingebracht werden kann. Angestrebt werden Trockenmassegehalte zwischen 45 und 60 %. Die Haltbarkeit beruht auf einem Zusammenspiel aus reduziertem Wassergehalt, milder Gärung und luftdichtem Abschluss in der Folienhülle. Entscheidend sind eine ausreichende Verdichtung der Ballen sowie eine sorgfältige Folierung, damit kein Sauerstoff eindringen kann. Gute Heulage für Pferde zeichnet sich durch eine stabile Gärqualität aus. Sensorisch sollte sie frisch riechen, eine grünliche Farbe aufweisen und eine blattreiche Struktur erkennen lassen.

Qualität und Hygiene sichern

Das Ausgangsmaterial beeinflusst den Konservierungserfolg maßgeblich. Sehr spätes, stark verholztes Futter ist schwieriger zu verdichten und erhöht das Risiko von Luftresten im Ballen. Auch hygienische Kennzahlen sind von Bedeutung: Die Belastung mit Verderbpilzen sollte niedrig sein (unter 1.000 Keime je Gramm ­Frischmasse), Hefen möglichst unter 10.000 Keime je Gramm. Zudem sollte das Futter nach dem Öffnen mehrere Tage stabil bleiben; eine aerobe Stabilität von mehr als vier Tagen gilt als günstig. Erwärmte oder sichtbar beeinträchtigte Partien sind konsequent auszusortieren.

Diese fachlichen Zusammenhänge stehen im Mittelpunkt des Bau- und Energielehrschautages „Grundfutter unter der Lupe“ am 12. März. Die Referentinnen beleuchten praxisnah Qualitätsanforderungen, Stoffwechselzusammenhänge, die Interpretation der Laboranalyse, die Rationsgestaltung und im Praxisteil die korrekte Probennahme. 


Bau- und Energielehrschautag: Grundfutter unter der Lupe

Donnerstag, 12. März,
9 bis 15 Uhr

ab 10 Uhr:

„Qualitätsanforderungen an Heu und Heulage für die Pferdefütterung“,
Dr. Susanne Ohl, LKSH

„Grundfutterqualität und deren Auswirkung auf die Erkrankung am Equinen Metabolischen Syndrom“,
Dr. Meike Eklund, LTZ Augustenberg

„Wie geht es nach der Futteranalyse weiter? – Ein Blick auf die Rationsgestaltung“,
Anna Röwekamp, Equovis GmbH

12.15 Uhr: Mittagsimbiss

13 Uhr: Praxisteil: „Probennahme und Interpretation der Analyse – Wie geht’s richtig?“,
Dr. Susanne Ohl, LKSH,

danach Besuch der Bau- und Energielehrschau

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenfrei.

Ansprechpartnerin:
Hannah Straky,
Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp,
hstraky@lksh.de,
Tel.: 0 43 81-90 09-47


Grünlandstriegel im Fokus der Pflegemaßnahmen

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Eine konkurrenzstarke und leistungsfähige Grasnarbe ist die Grundlage für hohe Erträge und gute Futterqualitäten. Das schleswig-holsteinische Grünland ist geprägt durch sehr unter­schiedliche Standortbedingungen. Technische Fortschritte bei (Nachsaat- und) Striegelgeräten unterstützen Landwirtinnen und Landwirte dabei, die Pflanzenbestände den Zielen entsprechend auszurichten. Der Grünlandstriegel nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein und lässt sich an die verschiedenen Standortverhältnisse und Zielsetzungen anpassen.

Der Herbst 2025 bot gute Bedingungen für den letzten Grasschnitt, sodass die meisten Grünlandbestände mit der angestrebten Länge von 6 bis 8 cm in den Winter gehen konnten. Nach einem milden Dezember brachte der Januar Kälte und Schnee. Länger andauernde Schneephasen können in hohen Pflanzenbeständen zu Problemen führen. Grundsätzlich wird das intensiv bewirtschaftete Grünland zunehmend durch Wetterextreme im Jahresverlauf wie Trockenheit oder Nässe, hohe Nutzungsintensitäten und viele Überfahrten gefordert. Diese Faktoren können zu einem erhöhten Auftreten von Narbenschäden und Bestandslücken führen, die dann mit einem Qualitätsverlust des Aufwuchses einhergehen. Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen nimmt die Bedeutung von regelmäßigen Pflegemaßnahmen mit effizienter Technik weiterhin zu. Das Kernelement stellt hierbei der Grünlandstriegel dar.

Technischer Grundaufbau des Grünlandstriegels

Der eigentlichen Striegeleinheit ist häufig ein Schienenblech zur Einebnung von Erdaufwerfungen wie Maulwurfshaufen oder ähnlichen Unebenheiten vorgeschaltet. Eine gefederte Aufhängung oder eine Parallelogramm-Führung sorgen für eine flexible Anpassung an das Bodenprofil, womit größeren Narbenschäden durch zu starre Schienen vorgebeugt wird. Idealerweise sind die Bleche in den einzelnen Sektionen höhenverstellbar. Pendelnd und einzeln gelagerte Zinkenfelder, flexible Rahmen und Tasträder ermöglichen eine gleichmäßige Bodenanpassung in unwegsamem Gelände. In Kombination mit erhöhter Arbeitsgeschwindigkeit wird die Grundlage für die schlagkräftige Bearbeitung großer Flächen gelegt. Leichte Bauweisen reduzieren die Bodenverdichtung. Der Zinkendruck lässt sich hydraulisch oder mechanisch an unterschiedliche Grasbestände anpassen.

Über eine verstellbare Zinkenneigung kann die Intensität der Bodenbearbeitung variiert werden. Ein flacher Zinkenwinkel sorgt für eine schonende Narbenpflege mit gleichzeitig leichter Belüftung. Ist der Winkel steil eingestellt, wird unerwünschtes Pflanzenmaterial gründlich entfernt, Lücken für die Nachsaat werden geschaffen. Je steiler die Zinkenneigung ist, desto aggressiver wird der Pflanzenbestand ausgekämmt. Außer der Neigung beeinflussen Zinkenlänge (zirka 45 bis 55 cm) und Zinkendurchmesser (zirka 8 bis 12 mm) den Effekt. Wichtig ist vor allem, Verstopfungen des Arbeitsgerätes zu vermeiden. Die Anzahl der Zinkenreihen variiert hierbei nach Gerät. Teilweise werden die Reihen eines Gerätes mit verschiedenen Zinkendurchmessern ausgestattet, um bessere Effekte zu erzielen. Die Flexibilität der Einstellungsmöglichkeiten stellt einen wesentlichen Unterschied des Striegels gegenüber der Wiesenschleppe dar, denn sie ermöglicht eine bessere Wirkung gegen unerwünschte Pflanzen und Verfilzung und eine bessere Anpassung an verschiedene Bodenarten.

Der klassische Einsatzzeitpunkt des Striegels liegt im Frühjahr, es kann jedoch je nach Bedarf die gesamte Vegetationsperiode genutzt werden.

Der Striegel in der Anwendung

Der klassische Einsatzzeitpunkt des Grünlandstriegels liegt im Frühjahr im März oder Anfang April, wenn die Böden abgetrocknet sind und bevor die Pflanzen schossen. Ziel ist dann, abgestorbenes Pflanzenmaterial, Moos oder andere unerwünschte Pflanzen zu entfernen. Außerdem wird durch das Striegeln die Narbe belüftet, mehr Licht gelangt an die Pflanzen, und die Bestockung des Bestandes wird angeregt. Je nachdem wie stark der Bestand verfilzt oder verunkrautet ist, entstehen bei diesem Arbeitsgang mehr oder weniger Lücken. Ist dies der Fall, ist es sinnvoll, diesen Striegelvorgang mit einer Übersaat zu kombinieren, um die entstandenen offenen Stellen im Bestand umgehend wieder mit gewünschten Pflanzenarten zu schließen. Andernfalls bieten diese Lücken neuen Raum für unerwünschte Gräser und Kräuter.

Teilweise führen auch Auswinterungsschäden oder Schädlinge wie Mäuse zu einem lückigen Bestand nach dem Winter. Dann ist eine Nachsaat im Frühjahr ohnehin anzuraten. Nachteilig auf den Nachsaaterfolg können sich in dem genannten Zeitfenster jedoch der wüchsige erste Aufwuchs oder die zunehmend häufiger auftretenden Frühjahrstrockenheiten auswirken. Daher sollte eine erneute Nachsaat im Spätsommer in Erwägung gezogen werden.

Nach dem Winter können Schäden durch Mäuse im Bestand auftreten.

Durch das Striegeln der Grasnarbe können aber auch ganz gezielt Lücken für eine Nachsaat geschaffen werden. Auch dann kann die Nachsaat als oberflächliche Ablage in Form einer Übersaat während des Striegelns erfolgen oder für ein noch sichereres Ergebnis im Anschluss an den Striegelvorgang als Nachsaat in den Bestand eingeschlitzt werden. Soll wie in diesem beschriebenen Fall die Bestandeszusammensetzung deutlich in eine gewünschte Richtung verschoben werden, eignet sich eher der Spätsommer oder Frühherbst als Zeitpunkt für die Maßnahme. Der Boden weist dann meist die gewünschte Feuchtigkeit und Wärme auf, und die Konkurrenz durch die Altnarbe ist geringer.

Grundsätzlich kann der Striegel zur Grünlandpflege in der gesamten Vegetationsperiode zum Einsatz kommen. Wenn im Jahresverlauf Unkräuter aufwachsen oder die Gemeine Rispe muffige Verfilzungen bildet, kann ein Striegeln des Bestandes den Aufwuchs und somit die Futterqualität verbessern.

Stets ist darauf zu achten, dass die Fläche vor der Striegelmaßnahme trocken, jedoch nicht ausgetrocknet ist und der Bestand eine Höhe von 10 bis 15 cm nicht überschritten hat.

Arbeitsgänge sinnvoll kombinieren

Sehr bewährt hat sich Maschinentechnik, die verschiedene Arbeitsgänge kombiniert. Besonders ist das oben beschriebene Striegeln mit kombinierter Nachsaat hervorzuheben. Hierbei schafft der Striegel die notwendigen Lücken in der Grasnarbe, die Nachsaattechnik bringt das Saatgut der Zielpflanzen in diese Lücken ein. Bei der Nachsaat ist die Saatgut­ablage von zentraler Bedeutung für den Erfolg der Maßnahme. Moderne Nachsaatgeräte bewirken, dass das Saatgut gleichmäßig über die gesamte Arbeitsbreite abgelegt wird. Dies geschieht beispielsweise über Prallteller oder pneumatische Systeme. Von Bedeutung ist zudem der exakte Ablageort des Saatkorns. Wird es vor dem Striegelzinken platziert, bewirkt der nachlaufende Zinken eine gute Bedeckung mit Erde. Wenn das Saatkorn nach dem Zinken zum Liegen kommt, erhält es leichter das notwendige Licht. Tendenziell ist die letzte Option besser geeignet, aber beide Methoden bergen gleichzeitig auch Risiken, wie eine zu tiefe Ablage oder die Gefahr der Austrocknung. Bedeutsam für ein erfolgreiches Keimen und Auflaufen der ausgebrachten Saat sind die Faktoren Feuchtigkeit, Licht und ein geringer Konkurrenzdruck durch die Narbe.

Der nötige Bodenschluss kann bei einer Kombination mittels nachlaufender Walzen erzeugt werden. Durch kombinierte Arbeitsgänge werden Arbeitszeit und Flächenüberfahrten eingespart und gleichzeitig der Nachsaaterfolg verbessert. Dennoch gibt es Situationen, in denen eine Trennung der verschiedenen Arbeitsgänge sinnvoll sein kann. Werden beispielsweise gezielt unerwünschte Pflanzen durch den Striegel aus der Narbe entfernt, sollte keine Walze als Nachläufer eingesetzt werden. Diese würde den Bodenschluss der Pflanzenwurzeln wiederherstellen und dadurch den Erfolg der Striegelmaßnahme gefährden. Ein typisches Beispiel hierfür ist das Auskämmen der Gemeinen Rispe. In einem solchen Fall sollte deshalb der Walzvorgang, wenn nötig, mit einigen Tagen Versatz stattfinden. Einige Maschinenhersteller bieten modulare Striegelkombinationen an, bei denen einzelne Arbeitsgeräte ausgebaut werden können. Sie bieten somit den Vorteil, den Einsatz der benötigten Arbeitsschritte situationsbedingt anpassen zu können.

Walzeneinsatz standortabhängig prüfen

Das Walzen als separater Arbeitsgang wird heutzutage nicht mehr als unverzichtbar in der Grünlandpflege betrachtet. Es sollte vielmehr standort- und witterungsabhängig auf den jeweiligen Flächen erfolgen. Die Vorzüge in Hinblick auf den Bodenschluss von Saatgut, das Rückverfestigen aufgefrorener Böden, das Eindrücken von Steinen sowie das Einebnen der Bodenoberfläche durch Glattwalzen sind unbestritten. Da dies jedoch bei ungeeigneten Bodenbedingungen auch das Gegenteil bewirken kann, ist der Einsatz entsprechend abzuwägen. Hier können Profilwalzen je nach Bodenart eine Alternative darstellen, da sie sich besser an wechselnde Bodenprofile anpassen. Hierdurch werden punktuelle Bodenverdichtungen vermieden, während gleichzeitig der Bodenschluss für das Saatgut hergestellt wird. Cambridgewalzen eignen sich besonders für einen schonenden Arbeitsgang auf leichten bis mittleren Böden. Die Crosskillwalzen erzielen einen verhältnismäßig aggressiven Effekt auf den Boden und sind daher weniger für empfindliche Narben brauchbar, sondern vor allem auf schweren Böden. Zwischen den beiden Arten bewegen sich die Prismenwalzen, die am ehesten den „Goldenen Tritt“ der Weidetiere simulieren. Hier werden nur punktuell Bodenverdichtungen bewirkt, sodass Hohlräume zum Luft- und Wasseraustausch erhalten bleiben.

Fazit

Moderne Striegel- und Nachsaattechnik bietet für die Grünlandbetriebe in Schleswig-Holstein praxisnahe Lösungen. Moderne Grünland­striegel bieten deutlich mehr Einstellmöglichkeiten als frühere Generationen. Auf diese Weise können dichte Narben geschont werden, während verfilzte oder lückige Bestände intensiv bearbeitet werden. Unerwünschte Gräser mit flacher Wurzel wie die Gemeine Rispe können effektiv entfernt werden. Eine Schädigung der wertvollen Futtergräser wird dagegen weitestgehend vermieden. Entscheidend bleibt eine standortangepasste Anwendung zum richtigen Zeitpunkt. Richtig eingesetzt, trägt die Technik wesentlich zur Sicherung von Ertrag, Futterqualität und Wirtschaftlichkeit im Grünland bei.

Strahlende Gesichter und viel Applaus

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Strahlende Gesichter, viel Applaus und zahlreiche Glückwünsche: Am 10. Februar wurden im Fachzentrum Hauswirtschaft der Landwirtschaftskammer die Berufsabschlusszeugnisse von Ulrike Brouer, Bildungsreferentin bei der Landwirtschaftskammer, an 14 neue Hauswirtschafterinnen und einen neuen Hauswirtschafter überreicht.

Sie haben den Lehrgang „Erfolgreiche Hauswirtschaft“ berufs- und familienbegleitend über 15 Monate besucht. Im Januar 2026 bestanden sie die Berufsabschlussprüfung erfolgreich – und sind nun geprüfte Fachkräfte. Herzlichen Glückwunsch zu dieser großartigen Leistung.

Bildungsreferentin Ulrike Brouer (r.) bei der feierlichen Zeugnisübergabe.

Die Fachbereichsleiterin Bildung, Dana Ohm, überbrachte die Glückwünsche der Landwirtschaftskammer und würdigte die erfolgreiche Leistung. Sie betonte, die Absolventinnen könnten stolz sein, trotz der permanenten Doppelbelastung von Unterricht, Lernen, Job und Familie den Abschluss geschafft zu haben. Das erfordere schließlich viel Energie, Durchhaltevermögen und Stressresistenz. Die Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Antje Lübcker, sprach im Namen aller Ausschussmitglieder und betonte, dass die Leistungen von den Prüferinnen mit viel Erfahrung, Aufmerksamkeit und fachlicher Kompetenz bewertet worden seien.

Neben dem fachlichen Input entstanden viele neue Kontakte. Die Teilnehmenden sind zusammengewachsen – und auch für die Lehrkräfte sei der Kurs schnell zu etwas Besonderem geworden, so Katja Fiehler, Ausbildungsberaterin bei der Landwirtschaftskammer. Networking ist heute wichtiger denn je – und wenn daraus Freundschaften fürs Leben entstehen, ist das umso schöner.

Ein neuer Lehrgang „Erfolgreiche Hauswirtschaft“ soll am 3. September bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein starten. Informationen können auch dem aktuellen Weiterbildungskalender entnommen werden unter der Rubrik Selbstkompetenz unter folgendem Link: https://www.lksh.de/
fi​leadmin/PDFs/Bildung/Weiterbil​dungska​lender/Weiterbildung_Landwirtschaft_202526.pdf
Seite 39.

Anmeldungen jederzeit unter seminare@lksh.de. oder bei ubrou​er@lksh.de oder kfiehler@lksh.de

Erfolgreich bestanden haben: Gülay Bakindi, Kiel; Anja Bock, Dellstedt; Frauke Bornholdt-Frenzen, Osterhorn; Simone Böttcher Flensburg; Maik Förster, Bordelum; Sandra Helmbrecht, Tetenhusen; Juliane Krause, Mittelangeln/Satrup; Sandra Madauß, Brokstedt; Cindy Petersen, Füsing; Daniela Redeker, Weddelbrook; Anne-Cathrin Riggert-Ortlepp, Lübeck; Halina Sartison, Rickling; Tanja Tams, Schacht-Audorf; Lena Wiese, Bordelum; Karen Wulf, Ascheberg.

Neue Formate erfolgreich umgesetzt

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Fünf Wochen intensives Lernen wurden für die neun Teilnehmer am Vorbereitungslehrgang auf die Prüfung zum Fischwirtschaftsmeister „Kleine Hochsee- und Küstenfischerei“ mit einer Bescheinigung über das erfolgreiche Ablegen der Prüfung belohnt.

Fischereibiologie, Bewirtschaftung des fischereilichen Lebensraums, Behandlung und Vermarktung der Fischereierzeugnisse, Fischereitechnik und Arbeitswirtschaft, Wirtschaftslehre, Rechnungswesen, Rechts- und Sozialwesen, Berufsausbildung und Mitarbeiterführung: In allen diesen Bereichen konnten die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden.

In der Zeit vom 6. bis zum 24. Januar 2025 konnten an der Fischereischule in Rendsburg als Modul die Prüfungsanforderungen im wirtschaftlichen und rechtlichen Teil erstmalig zeitlich eigenständig unterrichtet und mit der schriftlichen Prüfung beendet werden. Die mündlichen Prüfungen für diesen Teil wurden gemeinsam mit den übrigen Prüfungsteilen Anfang Februar 2026 absolviert. Das zweite Modul des Vorbereitungslehrgangs folgte dann für die angehenden Fischwirtschaftsmeister vom 5. Januar bis zum 6. Februar 2026.

Die Vorbereitungen auf die Prüfungsanforderungen im Teil „Berufsausbildung und Mitarbeiterführung“ belegten die Teilnehmer in diesem Jahr gemeinsam mit 14 Anwärtern zum Forstwirtschaftsmeister. Sie wurden interdisziplinär durchgeführt und mit schriftlichen Prüfungen abgeschlossen.

Die weiteren fachspezifischen Unterrichtseinheiten mit dazugehörigen Prüfungen sowie die mündlichen und praktischen Prüfungsteile in der „Berufsausbildung- und Mitarbeiterführung“ erfolgten in der Durchführung getrennt beziehungsweise stehen in der Forstwirtschaft noch aus.

Über den erfolgreichen Abschluss freuen sich:
Karl Bissa, 23942 Dassow; Moritz Dürkoop, 23568 Lübeck; Hauke Giertz, 23568 Lübeck; Jesper Jacobsen, 23568 Lübeck; Paul Kaitschick, 23568 Lübeck; Leif Rönnau, 24235 Stein; Tüge Thomsen, 25821 Vollstedt; Jan Witt, 23568 Lübeck; Marcus Manuel Wöster, 24340 Eckernförde.

Die Landwirtschaftskammer sowie der Prüfungsausschuss gratulieren den Absolventen zu ihrem erfolgreichen Abschluss und wünschen ihnen für ihren weiteren Lebensweg viel Erfolg sowie allzeit eine gesunde Heimkehr von See.

Mit Erbsensuppe das Klima schützen

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Welche Chancen und Herausforderungen bringt eine Reduktion der Klimawirkung des Agrar- und Ernährungssystems? Diese Leitfrage stand über der Hochschultagung der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät (AEF) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), die am Dienstag stattfand.

AEF-Dekan Prof. Tim Diekötter betonte die Bedeutung der Tagung als Forum zum Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis, Politik, Beratung und interessierter Öffentlichkeit. Dieser sei gerade in der heutigen Zeit unverzichtbar. Die Agrar- und Ernährungswissenschaften stünden im Zentrum vieler gesellschaftlicher Debatten. Diskussionen sollten nach Diekötters Überzeugung faktenbasiert erfolgen und differenziert sein. Er forderte weitere Dialogformate nach dem Vorbild der Zukunftskommission Landwirtschaft. Das gegenseitig gewachsene Vertrauen sei zu pflegen, damit man nicht wieder in alte Grabenkämpfe verfalle.

Effizienzgewinne statt Extensivierung

Tim Diekötter, Foto: Sven Tietgen

In der Plenumsdebatte, die von Stefanie Wetekam, Geschäftsführerin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, moderiert wurde, stellte Prof. Henning Kage klar: „Klimawandel ist Realität.“ Treibhausgas (THG)-Minderungsziele seien vor diesem Hintergrund unstrittig. Über den Zeithorizont der Zielerreichung werde jedoch diskutiert. Innerhalb der deutschen Landwirtschaft sei die Tierproduktion für 31 % der THG-Emissionen verantwortlich, die Pflanzenproduktion für 23 % und die Moornutzung für 42 %, wobei die Moore nur 10 % der Flächen ausmachten. Kage erklärte: „Unter Berücksichtigung von Flächenbedarf und indirekten Landnutzungsänderungen ist das Niveau der aktuellen Düngeverordnung nah am Optimum.“ Es gebe dennoch THG-Reduktionspotenzial, das gehoben werden könne. Das entscheidende Werkzeug sind für den Ackerbauexperten Effizienzgewinne, nicht Extensivierung, auch mit Blick auf den steigenden Nahrungsmittelbedarf der wachsenden Weltbevölkerung.

Für Prof. Uwe Latacz-Lohmann ist Klimaschutz in der Landwirtschaft eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die gemeinschaftlich finanziert werden müsse. Das Budget der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) reiche als Finanzierungsquelle bei Weitem nicht aus, um die hohen Anpassungskosten zu decken. Chancen sieht er in einer Teilintegration der Landwirtschaft in den EU-Emissionshandel. „Anfangen könnte man mit der Moornutzung“, so der Agrarökonom. Landwirten auf Moorstandorten könnte man Emissionsberechtigungen geben. Diese könnten dann entscheiden, ob sie weiterwirtschaften oder die Emissionsberechtigungen verkaufen wollten. Er sprach sich zudem dafür aus, den Mehrwertsteuersatz für tierische Produkte auf 19 % anzuheben. Das senke den Konsum und damit auch THG-Emissionen. Mit Blick auf die schrumpfenden Tierbestände in Deutschland spare dies in den nationalen Bilanzen zwar Emissionen ein. Sofern sich die Nachfrageseite nicht ändere, drohten jedoch Leakage-Effekte, also dass sich die Produktion unter möglicherweise schlechteren Bedingungen ins Ausland verlagere.

Prof. Karin Schwarz unterstrich die These, dass eine stärker pflanzenbasierte Ernährung ein hohes Potenzial besitze, THG-Emissionen zu senken und zusätzlich ernährungsbedingte Krankheiten zu reduzieren. Viele Fleischersatzprodukte würden jedoch unter hohem Energieeinsatz produziert und enthielten oft viele Zusatzstoffe. Als besonders vorteilhaft ist aus ihrer Sicht die Erbse zu nennen, die sowohl im Anbau als auch bei einer einfachen Verarbeitung, etwa als Suppe, nur wenige THG-Emissionen verursache.

Resilienz steigern

Klaus-Peter Lucht, Foto: rq

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) will die Branche dabei unterstützen, resilienter gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu werden. Ihr sei es dabei wichtig, dass Politik die Ideen und Erkenntnisse der Wissenschaft nutze. Sie betonte: „Mein Ziel ist, dass wir es schaffen, die Innovationskraft der Hochschule mit den Menschen und Betrieben zu verbinden.“ Kritik hatte die Ministerin für GAP-Vorschläge der EU-Kommission im Gepäck. Die Landesregierung sei sich einig, dass Umweltleistungen der Landwirtschaft auch honoriert werden müssten.

Umweltressortchef Tobias Goldschmidt (Grüne) machte seine Position deutlich: „Mittel- und langfristig werden die Arten- und die Klimakrise unsere größte Herausforderung sein.“ Daher gelte es, Agrarökosysteme zu erhalten. Beim Kampf gegen den Klimawandel nachzulassen, würde noch höhere Folgekosten bedeuten, zum Beispiel mit Blick auf den Meeresspiegelanstieg und die Deichsicherheit. Er bescheinigte den Sektoren Landwirtschaft und Energie, bei der Erreichung der Klimaziele „on Track“ zu sein. Es schade aber auch nicht, sinnvolle Ziele überzuerfüllen, so Goldschmidt.

In der Diskussion meldete sich Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, zu Wort. Er betonte die große Bedeutung der Tierhaltung für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum. Die Betriebe seien bereit, mit Effizienz und sinnvollen Maßnahmen zum Klimaschutz beizutragen. Flächentausch sei für den Verband ein vorstellbares Instrument. Hier forderte Lucht mehr Beweglichkeit von der Stiftung Naturschutz als größter Flächeneigentümerin im Land.