Start Blog Seite 4

Kontrolliert ans Limit

0

Um das Zusammenspiel von Mensch und Fahrzeug besser kennenzulernen und die Fahrkünste zu verfeinern, absolvierte eine kleine Gruppe motivierter Autofahrerinnen und Autofahrer auf dem ADAC-Verkehrsübungsplatz in Boksee ein Fahrsicherheits-Intensivtraining.

Schon zu Beginn wurde deutlich, dass es dabei nicht nur um spektakuläre Fahrmanöver ging, sondern vor allem um grundlegende Fragen der Verkehrssicherheit: Wie alt sind die Reifen, wann wurde der Reifendruck zuletzt kontrolliert, und in welchen Situationen im Straßenverkehr kommt Unsicherheit oder Überforderung auf?

In einer kompakten Theorieeinheit wurden diese Aspekte aufgegriffen, eingeordnet und die oftmals unterschätzte Bedeutung für die tägliche Praxis auf der Straße betont. Auf dem Platz startete die Gruppe zunächst mit einer Slalom-Einheit, die eindrucksvoll zeigte, wie stark sich Geschwindigkeit auf die Fahrzeugbeherrschung auswirkt. Was sich bei 30 km/h noch recht entspannt fahren ließ, wurde bei 50 km/h bereits zu einer anspruchsvollen Aufgabe – insbesondere wenn parallel Kopfrechenaufgaben zu lösen oder die Nebelschlussleuchte zu bedienen war, um typische Ablenkungen im Straßenverkehr zu simulieren. In diesem Zusammenhang legte der Trainer großen Wert auf die korrekte Lenkradhaltung. Entscheidend sei, dass der Airbag-Bereich frei bleibe, damit das Sicherheitssystem im Ernstfall ungehindert eingreifen könne.

Der Kurs brachte die Fahrzeuge an physikalische Grenzen. Foto: Emil Pfeffer

Die nächste Übung konzentrierte sich auf die Gefahrenbremsung. Zunächst wurden die Sitze korrekt eingestellt, um auch in kritischen Situationen die Sicherheit des Fahrers zu gewährleisten. Besonders anschaulich war anschließend der direkte Vergleich der Bremswege bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten, der den Teilnehmenden eindrücklich vor Augen führte, wie rasant die Bremsstrecke mit zunehmender Geschwindigkeit ansteigt. Zugleich zeigte sich, dass Ganzjahresreifen beim Bremsweg gegenüber Sommerreifen unter den auf dem Platz herrschenden Bedingungen klare Vorteile besaßen.

Im weiteren Verlauf wechselte die Gruppe auf einen speziell beschichteten Teil der Anlage, dessen Asphalt in seiner Beschaffenheit Glatteis nachempfunden ist. Dort wurde zunächst festgestellt, wie groß die Unterschiede der Bremswege im Vergleich zu regulärem Asphalt bei identischer Geschwindigkeit tatsächlich waren. Die Ergebnisse verdeutlichten, wie trügerisch vermeintlich geringe Geschwindigkeiten bei winterlichen Straßenverhältnissen sein können. Ergänzend wurde das Bremsen mit der Handbremse trainiert, um das Verhalten des Fahrzeugs in solchen Extremsituationen besser einschätzen zu können und eine sichere Reaktion zu trainieren. Mithilfe programmierbarer Wasserstrahlen und plötzlich hochklappender Hindernisse wurden anschließend auf beiden Belägen, regulärem Asphalt und „Glatteis“-Beschichtung, unerwartete Situationen wie etwa ein Wildwechsel simuliert. Die Teilnehmenden mussten innerhalb von Sekundenbruchteilen bremsen oder ausweichen, ohne dabei die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren. Eine besondere Platte im Boden konnte dem Auto zudem einen seitlichen Stoß versetzen, sodass das gezielte Gegenlenken beim Ausbrechen des Fahrzeugs geübt werden konnte. Diese kontrollierte Überraschung sollte die Teilnehmenden auf Szenarien vorbereiten, in denen ein Fahrzeug dem Fahrenden nicht mehr gehorcht, etwa auf nasser oder verschmutzter Fahrbahn. Ein weiterer Übungsabschnitt war einer Fahrbahn mit unterschiedlichen Oberflächenbeschaffenheiten auf den beiden Spuren gewidmet, wie sie etwa bei Laubansammlungen, Schneematsch oder Fahrbahnverschmutzungen auftreten können. Die Teilnehmenden erfuhren, wie sich das Fahrzeug unter solchen Bedingungen verhält und welche Arbeit moderne Assistenzsysteme, etwa ABS und ESP, im Hintergrund leisten, wenn eine Gefahrenbremsung eingeleitet wird.

Die Fahrerinnen und Fahrer stehen an ihren Autos bereit. Foto: Emil Pfeffer
Fahrzeuge auf nassem Untergrund zu manövrieren, birgt völlig andere Vorraussetzungen und Gefahren. Foto: Emil Pfeffer
Auf nassem Untergrund und von Wasserfontänen umzingelt, drehten die Teilnehmenden ihre Runden über den Platz. Foto: Emil Pfeffer
Die Fahrzeuge der Teilnehmer stehen aufgereiht auf dem ADAC-Verkehrsübungsplatz in Boksee. Foto: Emil Pfeffer


Teil des Trainings: auf nasser Straße die Kontrolle behalten. Foto: Emil Pfeffer

Zum Abschluss rückte das Thema Kurvenfahrt in den Vordergrund. Auf einer Fahrbahn, die einer Acht mit unterschiedlichen Kurvenradien nachempfunden war, sollten die Teilnehmenden die Geschwindigkeit schrittweise erhöhen, bis spürbar wurde, wann das Fahrzeug an seine physikalischen Grenzen stößt und der Fahrer aktiv eingreifen muss. Dies sollte als praxisnahe Simulation typischer Situationen wie eines zu schnellen Abfahrens von einer Autobahn oder unterschätzter Kurven auf Landstraßen dienen.

In der letzten Übung wurde eine Kurve mit glattem Asphalt befahren, um die Teilnehmenden erleben zu lassen, an welchem Punkt das Auto wegrutscht und wie man dabei die Kontrolle behalten kann. Insgesamt war das Training auf der ADAC-Fahrsicherheitsanlage sehr gelungen. Die Teilnehmenden konnten ihre eigenen Fahrfertigkeiten erweitern, zugleich wichtige Kenntnisse über Fahrphysik und moderne Sicherheitstechnik vertiefen und nicht zuletzt das Vertrauen in das eigene Fahrzeug stärken.

Die Landwirtschaft hält die Hallig zusammen

0

Wer auf der Honkenswarf (auf Langeneß lässt man das „t“ von „Warft“ weg, um die plattdeutsche Ausdrucksweise zu pflegen) wirtschaftet, betreibt keine Landwirtschaft im klassischen Sinne. Es ist ein Kampf mit den Elementen, ein Ringen um Futtergrundlagen und ein Spagat zwischen Landschaftspflege und Naturschutzvorgaben. Auf der Hallig Langeneß führen Vater Honke, Mutter Britta und ihre Söhne Nils und Tade Johannsen einen Familienbetrieb unter Außendeichbedingungen.

Die extremen Standortbedingungen ernähren keine Hochleistungsrasse. In den 1970er Jahren hielt der Betrieb noch Schwarzbunte, schwenkte in den 1980ern auf Rotbunte um und begann 1996 mit der Kreuzung hin zum Fleckvieh. Johannsens verzichten bis auf den Zuchtbullen auf Zukäufe.

Der Grund liegt in der Futterakzeptanz: Zugekaufte Rinder fressen das salzhaltige Gras nur mit spitzen Zähnen. Die Honkenswarf remontiert daher aus der eigenen Nachzucht. Selektiert wird auf genetische Hornlosigkeit. Dies dient sowohl dem Arbeitsschutz als auch der Sicherheit der Feriengäste.

Gemolken wird nur ein halbes Jahr lang – von Ostern bis Oktober. Im Winter stellt der Betrieb die Milchproduktion komplett ein, da in den tourismusfreien Monaten kein Absatzmarkt für Frischprodukte existiert.

Die Leistung der sieben Milchkühe liegt bei 2.500 bis 3.000 l pro Kuh. Es handelt sich um klassische Doppelnutzung. Die Wertschöpfung erfolgt über eine handwerkliche Veredelung auf dem Hof. Jeden Abend und Morgen fallen 60 l Rohmilch an. Diese wird umgehend separiert. Die Magermilch wird noch kuhwarm an die Kälber verfüttert.

Internationale Anerkennung

Der Sahneertrag wird gekühlt, angesäuert und nach zwei bis drei Tagen Reifezeit in Handarbeit zur „weltweit einzigen“ Halligbutter verarbeitet, wie Britta Johannsen mit einem Augenzwinkern betont. 2025 wurde der Betrieb vom Restaurantführer „Gault & Millau“ für die aromatische, sattgelbe Butter zum Produzenten des Jahres gekürt, eine Anerkennung auf hohem Niveau – und ein Geheimtipp.

Der Verkauf erfolgt überwiegend über die eigene Ladentheke an Feriengäste und Tagesausflügler. Ein Versand findet nur in den kühlen Monaten ab September statt, um Qualitätsverluste auszuschließen.

Die Versorgung mit Trinkwasser war historisch das Nadelöhr der Halliglandwirtschaft. Das Grundwasser ist auf Langeneß seit jeher unbrauchbar, da versalzen. Frühere Generationen mussten Regenwasser in Fethingen – künstlich angelegten Süßwasserteichen – und Zisternen auffangen. Der Durchbruch gelang 1964 mit dem Bau einer Wasserleitung, die vom Festland über die Nachbarhallig Oland bis nach Langeneß verlegt wurde.

Auslöser war die schwere Sturmflut von 1962, als die Süßwasservorräte der Halligen komplett versalzten und Trinkwasser mühsam per Schiff überbracht werden musste. Heute wird die Honkenswarf über eine Stichleitung aus einem unterirdischen Speicherbehälter auf der Nachbarwarft versorgt. Dieser füllt sich in den Nachtstunden auf und sichert die Versorgung von Mensch und Vieh auf der Hallig.

Da die Landwirtschaft unter diesen Bedingungen kein existenzsicherndes Einkommen mehr bieten kann, arbeitet Honke zwei Tage die Woche beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), „damit irgendjemand meine Sozialversicherung übernimmt“. Er hat auch zwei Bagger zu laufen und fährt die Halligkutsche. Seit Langem hat der Betrieb den Tourismus als Standbein etabliert. Die Familie vermietet Ferienwohnungen an Selbstversorger.

Da es auf Langeneß keinen Lebensmittelhändler gibt, organisiert Britta die Versorgung: Sie nimmt die zweimal wöchentlich eintreffenden Online-Bestellungen vom Edeka-Festlandsdienst entgegen, lagert sie in hofeigenen Kühlräumen, damit ihre Urlauber auch bei einer autofreien Anreise eine voll bestückte Küche vorfinden. Über die Förderung eines Markttreffs auf der Warf Treuberg durch das Land freuen Johannsens sich deshalb sehr. Die alte Warf wurde durch eine größere und vor allem höhere ersetzt. Neben dem Laden sollen ein Gesundheitszentrum, Wohnungen und ein Bauhof entstehen.

Tägliche Gezeitenplanung

Ist das Beschaffen von Betriebsmitteln, Ersatzteilen oder Baumaterial auf dem Festland eine Sache von Minuten, erfordert auf der Honkenswarf all dies eine strategische Planung. Der Arbeitsrhythmus wird von Gezeitenkalender, Fahrplan der Fähre und den Arbeitszeiten des LKN diktiert. Denn die Lorenbahn des LKN bringt über den Schienenstrang durch das Watt eine Unabhängigkeit vom Fährschiff, doch die private Nutzung richtet sich streng nach den Dienstzeiten des Landesbetriebs.

Unter optimalen Bedingungen dauert die Fahrt zum Festland und weiter zum Baumarkt nach Niebüll etwa eine Stunde. Doch der logistische Aufwand ist immens. Auf dem Festland steht ein betriebseigenes Fahrzeug bereit; jede Schraube, jeder Sack Zement muss vom Auto in die Lore und wieder ins Auto gewuchtet werden. „Auch jede Fährfahrt beginnt mit einer langen Erledigungsliste“, erklärt Honke. Erhöht die Fährgesellschaft die Frachtpreise, steigen die Kosten für Güter und Futtermittel.

15 Mal im Jahr Land unter

Auch das Phänomen „Land unter“ ist für Familie Johannsen Alltag. Zwischen 12 und 15 Mal pro Jahr bricht die Nordsee über das Grünland herein. Die Bewältigung dieser Überflutungen teilt das Wirtschaftsjahr in zwei Phasen: Ab Anfang November herrscht eine gewisse Routine. Die Maschinen stehen winterfest im Schuppen oder auf dem Festland, die Tiere im schützenden Stall. In dieser Zeit kann das Hochwasser die Familie kaum überraschen.

Arbeitswirtschaftlich schwierig sind Überflutungen im Sommer. Dann befinden sich die Erntemaschinen im Einsatz, die Rinder grasen auf den Salzwiesen. „Ein schwerer Sturm im Sommer bedeutet drei Tage harte Arbeit unter extremen Bedingungen“, berichtet der Landwirt. Die Tiere müssen auf die Warft getrieben, Traktoren und Geräte in Sicherheit gebracht werden. Das Heu kann wegtreiben, und die Flächen sind für zwei Wochen nicht befahrbar.

Die Flächen der Honkenswarf liegen mitten im Naturschutzgebiet und grenzen an den Nationalpark Wattenmeer. Damit unterliegt der Betrieb strengen Umweltauflagen. Seit 1986 regelt das Halligprogramm die Bewirtschaftung und die Ausgleichszahlungen.

Doch was bis in die 1990er Jahre hinein noch im partnerschaftlichen Dialog entwickelt wurde, hat sich laut Honke zu einem vordiktierten Verordnungsgerüst entwickelt. Seit Mitte der 1980er Jahre ist der Einsatz von Mineraldünger verboten.

Zudem verbietet das Regelwerk jegliche Bodenverbesserung durch Nachkalken. Weil die Nährstoffabfuhr nicht ausgeglichen wird, degeneriert die Grasnarbe. Minderwertige, vom Vieh verschmähte Pflanzenarten wie Zahntrost und Melde breiten sich aus und verdrängen die robusten Salzwiesengräser.

Verheerende Gänseschäden

Gleichzeitig explodierten die Populationzahlen der Nonnen-, Ringel- und Graugänse. Zwischen 25.000 und 40.000 Vögel rasten alljährlich auf Langeneß und fressen das junge Grünland im Frühjahr kahl. Die Folgen sind verheerend: Johannsens ernten einen Grasschnitt pro Jahr. Ein zweiter Schnitt oder eine nennenswerte Weidenutzung sind unmöglich.

Konnte Honkes Vater den Futterbedarf seiner Tiere früher mit 30 bis 50 ha Eigenland decken, müssen Nils, Tade und ihr Vater heute 60 bis 70 ha Fläche abernten, um ausreichend Grundfutter für die 50 im Winter verbleibenden Rinder zu bergen. Der Ertrag ist auf ein historisches Tief von drei Rundballen pro Hektar geschrumpft.

Die vom Land gezahlte Gänseprämie deckt diesen Verlust bei Weitem nicht ab. Ohne die solidarische Hilfe von Nachbarn und Berufskollegen, die den Johannsens pachtfrei Flächen zur Nutzung überlassen, wäre eine Betriebsaufgabe unausweichlich. Der Landwirt stellt klar: „Wären auf Langeneß noch mehr Landwirte aktiv, müsste man aus purem Futtermangel darum losen, wer seine Tiere behalten darf.“

Der Meeresspiegelanstieg ist für die Familie kein Fremdwort. Zwar registriert Honke keine höhere Anzahl an „Land unter“-Ereignissen, wohl aber einen Anstieg des Normalhochwassers. Einen deutlichen Beleg liefert der Lorendamm. Britta berichtet: „Lagen die Schienen früher bei einer Bauhöhe von 50 cm tideunabhängig trocken, wird dies heute erst durch die bauliche Erhöhung auf 1,50 m garantiert.“

Die letzte Verstärkung auf der Honkenswarf wurde 1996 durchgeführt. Nils und Tade wollen den Betrieb fortführen, fordern dafür aber bauliche Sicherheit. Die Familie hat einen Antrag auf eine erneute Warfverstärkung beim Land eingereicht. „Wird der Ringwall nicht verstärkt, drückt uns das Wasser in den kommenden Jahrzehnten in die Wohnräume“, warnt Honke. In den Flutjahren 1962 und 1976 und 1980 stand das Wasser 60 cm hoch im alten Friesenhaus von1875. „Ein Leben und Wirtschaften ist ab dem Moment unerträglich, wo man im Winter im Haus nicht mehr sicher ist und im Sommer um seine Futterflächen bangen muss.“

Küstenschutz-Dienstleister

Die Familie auf der Honkenswarf versteht sich nicht als Subventionsempfänger, sondern als Dienstleister für den Küstenschutz. Die Trittverdichtung durch die Rinderklauen sorgt dafür, dass die unbedeichten Flächen bei Sturmfluten nicht vom Meer weggespült werden. Die Landwirtschaft hält die Hallig buchstäblich zusammen.

Aus diesem Grund haben Johannsens klare Forderungen: Starre Stichtage wie beim Halligprogramm müssten durch eine praxisnahe Flexibilität ersetzt werden. Mache ein extrem nasser März das Befahren der Flächen vor dem 1. April unmöglich, müsse die Gülleausbringung unbürokratisch um 14 Tage verlängert werden können. Um dem Ertragsverfall des Grundfutters entgegenzuwirken, fordern sie die Möglichkeit der Aufkalkung. Anträge auf Warfverstärkungen sind die Lebensversicherung für Nils und Tade.

Der Idealismus der Familie ist groß, der Zusammenhalt eng, und die Junglandwirte steht bereit, das Erbe im Wattenmeer fortzuführen. Doch die Politik muss die Rahmenbedingungen so gestalten, dass die Bewirtschaftung nicht in einer Betriebsaufgabe endet.

Tade Johannsen hält die Betriebslore instand.
Honke (li.) und Nils Johannsen mit dem Grasertrag des ersten und einzigen Schnitts
Britta Johannsen mit der preisgekrönten Halligbutter

Schweinehaltung – nichts für Feiglinge

0

Spanien ächzt unter dem niedrigen Schweinepreis. China baut Bestände ab. Die USA feiern dagegen Produktionsrekorde, Brasilien ebenso. Und wie sieht es in Deutschland aus? Die wirtschaftliche Lage ist dramatisch, doch es bleibt verdächtig ruhig im Stall. Einer Umfrage von „Top Agrar“ zufolge halten Schweinehalter wenig von Demonstrationen – es wäre auch die Frage: gegen wen? Die Preisbildung passt nicht mehr zu den Kostenstrukturen. Eine Angebotssteuerung wie im Geflügelsektor sehen viele Schweinehalter dennoch kritisch.

Währenddessen strickt die Regierung am staatlichen Tierhaltungskennzeichen. Als gäbe es keine drängenderen Probleme, als ein funktionierendes System der Wirtschaft zu ersetzen. Gleichzeitig droht Gefahr vom Handel: Weil der Absatz von Fleisch aus höheren Haltungsstufen stockt, kassiert der Handel teils seine ambitionierten Tierwohlziele ein. Umsatzstarke Aktionsware stammt nach wie vor fast ausschließlich aus Haltungsstufe 1. Gibt es denn gar keine Hoffnung? Dänemark strebt die Selbstversorgung an, die Niederlande haben ein Stickstoffproblem, im Osten grassiert die Afrikanische Schweinepest (ASP). Wir sehen in der Tendenz sinkende Bestände bei unseren Nachbarn – und damit weniger Schlachtungen und Ferkelimporte. Dass Tönnies seine Pläne für einen Schlachtstandort im spanischen Aragon nie umgesetzt hat, spricht Bände.

Während Experten für die EU mit einem weiter schrumpfenden Markt rechnen, soll die Nachfrage besonders in Afrika und Zentralamerika weitersteigen. Werden deutsche Lieferanten diese Nachfrage bedienen? Bei den Kostenstrukturen wohl eher nicht, zumal Haltungsform und Herkunft auf dem Weltmarkt keine Argumente sind. Dann schon eher der CO2-Fußabdruck – und auch das vor allem in der EU.

Die Vorlage einer Tierwohlstrategie und eines Proteinplans durch die EU-Kommission könnten Licht am Ende des Tunnels bedeuten, wenn der Tunnel nur nicht so lang wäre! Die Kommission sucht die Trendwende bis zum Jahr 2040. Dass sie aus dem Topf der Gemeinsamen Agrarpolitik finanziert werden soll, macht einen Erfolg nicht wahrscheinlicher. Zudem werden die Fristen der deutschen Tierschutznutztierhaltungsverordnung spätestens 2036 eine staatlich verordnete Marktbereinigung der Sauenbetriebe forcieren.

Was bleibt? Das Angebot muss zur Nachfrage passen, der Preis zur Kostenstruktur. Nischen sind zu nutzen. Der Hinweis des westfälischen Bauernverbandspräsidenten Hubertus Beringmeier, die Entwicklung auf den Märkten gefährde die heimische Ernährungssicherheit, ist richtig – aber politisch wenig wirksam. Besser wäre es, die Fristen für die Sauenhalter zu verschieben und eine Regelung zu finden, wie man Tierhalter mit bereits umgebauten Ställen dann nicht nachträglich abstraft. Und auch wenn es schwerfällt, muss das Thema Integration auf den Tisch.

Der Strukturwandel geht indes weiter: Im Zehnjahresvergleich ist der Schweinebestand in Deutschland um mehr als 22 % geschrumpft. Trotzdem gibt es Betriebe, die investieren. Auch das Bundesprogramm zum Umbau der Tierhaltung verzeichnete mit 635 Investitionsanträgen überraschend viel Zuspruch – gerade aus der Sauenhaltung. Hier braucht es weiter eine solide Förderung. Es bleibt trotzdem sauschwer. Die deutsche Schweinehaltung ist nichts für Feiglinge.


Sind Eier nun knapp oder nicht?

In den vergangenen Wochen ist immer wieder von Versorgungsengpässen bei einzelnen Eierkategorien und teilweise sogar von Rationierungen im Lebensmitteleinzelhandel zu lesen. Zuletzt berichtete unter anderem die „Bild“-Zeitung über Rationierungen bestimmter regionaler Kategorien beim Discounter Netto.

Fakt ist, dass es in den vergangenen Monaten immer wieder Lieferengpässe gab, besonders bei zertifizierten KAT-Eiern sowie Freiland- und Bioeiern. Dies ist eine unmittelbare Folge der Aviären Influenza (Vogelgrippe), der europaweit viele Legehennenbestände zum Opfer fielen. Sie konnten auch nicht gleich wieder neu aufgestallt werden, da die Verfügbarkeit von Junghennen aus dem gleichen Grund ebenfalls eingeschränkt war.

Parallel dazu traten in den vergangenen Wochen und Monaten in der Nähe von Berlin (ein Fall) und in Polen einige Fälle der vogelgrippeähnlichen Newcastle-Krankheit auf. Dies hat die Lage zusätzlich angespannt. Da sich aktuell aber die Nachfrage nach Eiern im saisonbedingten Nachfragetief befindet, entschärfte sich die Situation in den letzten zwei Wochen wieder. Jetzt dürfte in den Supermärkten wieder ausreichend Ware aller Kategorien zur Verfügung stehen. Entsprechend befinden sich die Spotmarktpreise aktuell auf einem sehr niedrigen Niveau, wie es im vergangenen Jahr knappheitsbedingt nicht zu verzeichnen war, wohl aber in den Jahren davor. Die Preise auf dem Spotmarkt werden derzeit allerdings auch zusätzlich durch ein erhebliches Angebot an Käfighaltungsware aus Osteuropa unter Druck gesetzt. Diese Eier landen dann hauptsächlich in der verarbeitenden Industrie. Bei einem Wiederanstieg der Nachfrage nach dem Sommerloch werden qualitativ hochwertige Kategorien also wieder gesucht und eventuell knapp werden, während bei Verarbeitungsware ein gewisser Mengendruck aus Osteuropa bleiben wird.

Turnierdurchführung bei sommerlicher Hitze

Während die Turniersaison läuft, hat der Norden schon zwei Hitzewellen zu verzeichnen, sowie mit 39,1 °C in Grambek, Kreis Herzogtum Lauenburg, die höchste je gemessene Temperatur in Schleswig-Holstein. Nach Schätzungen von Meteorologen könnte noch in diesem Jahr die Grenze von 40 °C geknackt werden. Die hohen Temperaturen haben auch Auswirkungen auf Pferde – vor allem beim Sport.

Mit einem verantwortungsvollen Umgang, angepassten Abläufen, geeigneter Infrastruktur und modernen Kühlmöglichkeiten lassen sich hohe Temperaturen für Pferde und Menschen deutlich besser bewältigen. Das ist wichtig für die Turnierplanung. „Der Schutz der Pferde hat für alle Beteiligten oberste Priorität“, betont Dr. Henrike Lagershausen, Leitung Veterinärmedizin und Tierschutz bei Pferdesport Deutschland. „Gleichzeitig ist es wichtig, die tatsächlichen Auswirkungen von Hitze auf Pferde fachlich einzuordnen.“

Pferde verfügen über ausgeprägte Mechanismen zur Wärmeabgabe während körperlicher Belastung. Hierzu zählen insbesondere eine hohe Schweißproduktion sowie eine verstärkte Hautdurchblutung, die den Abtransport von Wärme unterstützen. Bei intensiver Muskelarbeit können Pferde vorübergehend Körperkerntemperaturen von mehr als 40 °C erreichen und dabei weiterhin leistungsfähig sein.

Maßnahmen aus Sicht des Tierschutzes sind insbesondere dann angezeigt, wenn Ausdauerleistungen gefordert werden und gleichzeitig eine hohe Luftfeuchtigkeit das Schwitzen als wichtigsten Kühlmechanismus des Pferdes deutlich beeinträchtigt. Bei vielen abgesagten Veranstaltungen spielen jedoch nicht allein Aspekte des Pferdewohls eine Rolle. Ebenso müssen die Belastungen für Reiterinnen und Reiter, Helfer, Offizielle, Ehrenamtliche und Zuschauer berücksichtigt werden.

Zu den geeigneten Maßnahmen gehören unter anderem die Verlegung von Prüfungen in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden und die Nutzung schattiger Bereiche für Prüfungs- und Vorbereitungsplätze, soweit die örtlichen Gegebenheiten dies zulassen. Auf Siegerehrungen kann verzichtet werden oder die Teilnahme ist freiwillig. Unter Umständen lassen sich Prüfungsanforderungen reduzieren, beispielsweise durch die minimale Anzahl geforderter Hindernisse oder die Verkürzung von Geländestrecken innerhalb der zulässigen Regularien. Standzeiten auf Pferdetransportern und Anhängern sollten vermieden werden.

Wichtig ist eine umfassende Wasserversorgung, etwa durch Wasserschläuche zum Tränken und Abspritzen der Pferde. Vorbereitungsplätze können beispielsweise durch Sprinkleranlagen leicht berieselt werden. Bei der schnellen und effektiven Abkühlung nach der Belastung helfen Cool-down-Zonen mit Ventilatoren und Wasser.

Lagershausen appelliert an Veranstalter, Richter, Offizielle, Teilnehmer und Pferdebesitzer, die Wetterentwicklung aufmerksam zu verfolgen und situationsgerecht zu handeln. Entscheidend sei eine verantwortungsvolle Einschätzung der jeweiligen Situation und die Bereitschaft, Abläufe flexibel anzupassen. Sie sagt: „Wo Belastungen reduziert, Kühlmöglichkeiten geschaffen und die Bedürfnisse von Pferden und Menschen gleichermaßen berücksichtigt werden, können Veranstaltungen auch bei sommerlichen Temperaturen sicher durchgeführt werden.“ Pferdesport Deutschland

Sommer-Phlox bevorzugt feuchten Halbschatten

0

Der Hohe Sommer-Phlox bietet mit verschiedenen Wuchshöhen und unterschiedlichen Blütezeiten viel Gestaltungspotenzial. Der facettenreiche Flor in tollen Farben begeistert entweder Ton in Ton oder kontrastreich kombiniert. Und für eher trockenere und sandigere Standorte lohnt sich ein Experiment mit den alten Sorten des Züchters Karl Foerster.

Der Sommer-Phlox (Phlox paniculata), manchmal auch als Stauden-Phlox bezeichnet, führt sich leider manchmal wie eine Diva auf. Bei schwankender Wasserversorgung, Nährstoffmangel oder auch einem nicht ganz optimalen Standort kann die Staude schon einmal in Stress geraten. Das äußert sich in einer höheren Anfälligkeit für typische Phlox-Krankheiten wie Mehltau oder in einem Befall mit Älchen. Diese saugen an den Blättern, die dann verkümmern. Da der Sommer-Phlox aus den Auwaldgebieten Nordamerikas stammt, bevorzugt er einen feuchten Halbschatten. Im Garten gibt man der Staude daher am besten einen absonnigen bis lichtschattigen, eher kühlen Standort mit lehmigem, humosem und nährstoffreichem Boden.

Die Blüten von ‚Peppermint Twist‘ erinnern farblich an Zuckerstangen. Foto: Karin Stern
‚Weiße Wolke‘ zeigt reinweiße ­Blüten. Foto: Karin Stern
Sommer-Phlox ‚Eva Cullum‘ bildet rosafarbene Blüten mit rotem Auge. Foto: Karin Stern


Die Sorte ‚Kirmesländer‘ wurde von Karl Foerster gezüchtet. Foto: Karin Stern

Erfahrungsgemäß sind die alten Sorten des Züchters Karl Foerster besser an trockenere und sandigere Böden angepasst. Sie vertragen auch ein paar Sonnenstrahlen mehr. ‚Düsterlohe‘ passt als eine der dunkelsten violetten Sorten schön zu gelben Blüten wie denen der Kandelaber-Königskerze (Verbascum olympicum). Die lachsrosafarbenen Blüten mit dem weißen Auge von ‚Eva Foerster‘ machen sich gut zu Funkien (Hosta) und Hortensien (Hydrangea). Ausgesprochen attraktiv wirken auch verschiedene Sorten nebeneinander, beispielsweise die Kombination aus ‚Kirmesländer‘ und ‚Rosa Pastell‘.

Doch auch am optimalen Standort bleibt Sommer-Phlox ein wenig wankelmütig. Die Blüte fällt je nach saisonaler Witterung von Jahr zu Jahr unterschiedlich aus. Wer gut mit solchen Überraschungen leben kann, wird am Sommer-Phlox seine Freude haben. Der Blühtermin streckt sich je nach Sorte von Ende Juni (‚Chione‘) bis Ende September (‚Herbstwalzer‘). Die Farben der opulenten, bis 120 cm hohen Blütenkuppeln umfassen eine Palette von reinem Weiß über Rosa und Lila bis hin zu Orange und Rot. Sogar Blautöne (wenn auch nicht ganz rein) sind mit Sorten wie ‚Blue Paradise‘ und ‚Donau‘ zu bekommen, doch ist diese Blütenfarbe nur selten zu sehen. Sie entwickelt morgens und abends die größte Leuchtkraft. Zudem bietet Sommer-Phlox weitere Vorteile, denn er ist sicher winterhart und langlebig. Lediglich alle fünf bis sieben Jahre sollte im Frühjahr oder Herbst eine Teilung vorgenommen werden. Nur die vitalen Randstücke werden erneut eingepflanzt.

Die hohen Sorten des Sommer-Phloxes eignen sich gut zur Gestaltung des Hintergrundes. Foto: Karin Stern
Große Flächen lassen sich mit Hohem Sommer-Phlox und Wasserdost pflegeleicht gestalten. Foto: Karin Stern


Gartengestalter verwenden Sommer-Phlox gern im Beethintergrund. Hier wirkt er fantastisch neben kerzenartig blühenden Stauden wie Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum) oder Ziergräsern wie Reitgras (Calamagrostis). Die etwas kahlen Füße des Sommer-Phloxes lassen sich prima mit Storchschnabel (Geranium) kaschieren. Im Bauerngarten macht er ebenfalls eine gute Figur. Seine großen Blüten unterstreichen die hier vorherrschende Üppigkeit. Auch als Zaungucker gefällt er zusammen mit farblich abgestimmten Stockrosen. Für Präriepflanzungen empfiehlt sich besonders die Sorte ‚Bright Eyes‘. Sie gilt als sehr anpassungsfähig und steckt auch regenarme Sommer gut weg. Die Blüte zeigt sich von Juli bis in den September hinein und verströmt einen zarten Duft.

Die weißblühenden Sorten haben eine aufhellende Wirkung. Foto: Karin Stern

Bei der Wahl der Pflanzpartner bieten sich vor allem Stauden an, die ein ähnliches Farbspektrum wie die gewählte Sorte aufweisen. Zur Auswahl stehen hier das zarte Schleierkraut ‚Rosenschleier‘ (Gypsophila paniculata), Storchschnabel (Geranium grandiflorum), Scheinsonnenhut (Echinacea purpurea) oder die Karpaten-Glockenblume (Campanula). Doch auch die prächtigen Blüten der Königslilie (Lilium regale) oder des Staudenmohns (Papaver orientale) bieten sich als Begleiter an. Mutige probieren die Kombination mit gelb blühenden Stauden wie Sonnenhut (Rudbeckia) oder Sonnenauge (Heliopsis) zu pastellfarbenen Sorten des Sommer-Phloxes aus.

‚Nora Leigh‘ punktet mit panaschiertem Laub. Foto: Karin Stern

Tipp: Niedrige Stauden in direkter Nachbarschaft wie Funkien (Hosta) oder Taglilien (Hemerocallis) sorgen beim Sommer-Phlox nicht nur für „schattige Füße“, sondern stützen ihn zudem ein wenig ab. An exponierter Stelle können die hohen Stängel bei Wind knicken. Staudenstützen geben den Blütenkuppeln Halt.

Duftnessel und Sommer-Phlox ergänzen sich hier farblich. Foto: Karin Stern

Sortenempfehlungen für Sommer-Phlox:

‚Freudenfeuer‘: rötlich-orangefarbene Blüte von August bis September, 80 cm
‚Blue Paradise‘: „blauester“ Phlox, Blüte von Juli bis August, 80 cm
‚Schneerausch‘: reinweiße Blüte von Juli bis August, 100 cm
‚Uspech‘: violette Blüte mit weißem Stern von Juli bis September, 80 cm
‚Wildfang‘: weiß-rosafarbene Blüte von Juli bis August, 100 cm
‚Württembergia‘: rosa Blüte von Juni bis Juli, 90 cm, für Bauern­gärten

Milchpreisvergleich

0

Die anhaltend hohen Temperaturen führen zu einer sinkenden Milchanlieferung. Auch die Inhaltstoffe sind deutlichzurück gegangen. Die Milchauszahlungspreise tendieren dabei in unterschiedliche Richtungen. Die meisten Meiereien haben ihre Auszahlungspreise allerdings unverändert gelassen. Zwei Meiereien haben ihre Auszahlungspreise um 1 bis 2 ct nach unten korrigiert, während vier Meiereien ihren Auszahlungspreis um 1 bis 2 ct angehoben haben.

Der Durchschnittspreis liegt nun bei 36,01 ct/kg und damit um 0,27 ct über dem Vormonatsniveau. Die Spanne bewegt sich aber immer noch zwischen 30,20 und 40 ct/kg und bleibt damit unverändert zum Vormonat. Auch in Süddeutschland ist die Spanne unverändert geblieben. Hier werden weiterhin zwischen 31,46 und 40,40 ct/ kg gezahlt. In Ostdeutschland liegt der Auszahlungsgrundpreis zwischen 31,50 und 38,20 ct/ kg. Hier hat sich die Spanne somit erneut nach oben hin vergrößert. Bei den westdeutschen Meiereien liegt die Spanne im Bereich von 33 bis 38,40 ct/kg und hat sich somit etwas verkleinert.

Spotmärkte deutlich freundlicher

Infolge der Hitzewelle und der weiter anhaltenden sommerlichen Temperaturen reagieren vor allem die Flüssigmärkte, da hier ein deutlich niedrigeres Rohstoffaufkommen zu verzeichnen ist. So bewegt sich der Rohmilchpreis auf dem Spotmarkt nun sogar leicht über dem durchschnittlichen Milchpreis. Infolge der knapper werdenden Inhaltstoffe reagierten auch Sahne und Industrierahm mit deutlich positiven Tendenzen. Noch deutlicher zeigte sich allerdings der Anstieg beim Magermilchkonzentrat. Hier werden inzwischen Mehrjahres-Höchststände erreicht. Bei Butter gibt es saisonbedingt keine Impulse, Käse muss trotz sehr guter Nachfrage und geringer Lagerbestände weitere Abschläge hinnehmen. Aber auch hier sind die ganz niedrigen Preise vom Markt verschwunden. Im Pulverbereich verzeichnen die amtlichen Notierungen an der Butter- und Käsebörse leichte Aufschläge, allerdings wird in den Sommermonaten traditionell recht wenig Ware gehandelt. So wurden auch die zuerst deutlich gestiegenen Magermilchpulverkurse an der EEX relativ schnell wieder eingefangen. Deutlichere Effekte werden hier erst erwartet, wenn sich die sommerlichen Temperaturen weiterhin fortsetzen. Deutlich negative Vorzeichen kommen von der Global Dairy Exchange. Hier verlor der Gesamtindex 4,9 %. Zurückzuführen war dies hauptsächlich auf schwächere Kurse im Bereich Pulver und Butter. EU-Ware bleibt aber weiterhin konkurrenzfähig bei einem knapper werdenden Angebot. Entsprechend könnte das Kaufinteresse besonders für das vierte Quartal trotz der Urlaubssaison in den nächsten Wochen wieder deutlich zunehmen. Dabei wird aufgrund des gefallenen Rohstoffaufkommens auch erheblich weniger Handelsvolumen zur Verfügung stehen.

Wie geht es weiter?

Der Ausblick auf die nächsten Monate hängt entscheidend vom weiteren Verlauf des Sommers ab. Bleibt es bei den aktuellen sommerlichen Temperaturen, dürfte sich die angelieferte Milchmenge bei anhaltend niedrigen Inhaltsstoffen relativ schnell weiter nach unten entwickeln.

Dies würde die Handelsaktivitäten deutlich in Schwung bringen und die Verhandlungsposition der Meiereien stärken. Die Marke von 40 ct dürfte dann bereits im Herbst wieder zu knacken sein und nicht erst zum Jahreswechsel. Der ife-Börsenmilchwert sieht diese Marke momentan im September oder Oktober erreicht. Da langfristig gesehen allerdings nicht wieder mit einem so knappen Milchaufkommen wie zu Zeiten der Blauzungen-Krankheit zu rechnen ist und sich die Milchkuhbestandszahlen stabilisieren, sind aus heutiger Sicht langfristig kaum mehr als 45 ct im Durchschnitt der Milchauszahlungspreise der schleswig-holsteinischen Meiereien erreichbar. Die entscheidende Stellschraube, um diese Marktsituation zu verbessern oder zu verschlechtern, ist und bleibt also das Milchaufkommen.

Süße Beeren, edle Tropfen

0

Wer heute den Ingenhof in Malkwitz, Ostholstein, besucht, begegnet einem Betrieb, der weit mehr ist als ein klassischer Erdbeerhof. Erdbeeren, Himbeeren, Ferienwohnungen, Hofladen, Feldcafé und inzwischen sogar Weinbau prägen das Bild des Familienunternehmens. Doch der Weg dorthin war lang und von mutigen Entscheidungen begleitet.

Die ersten Schritte in Richtung touristischem Angebot ging der Hof mit Ferienwohnungen. Bis heute erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Wer in der Hauptsaison Urlaub auf dem Ingenhof machen möchte, muss häufig frühzeitig buchen, da kürzere Aufenthalte von drei oder vier Tagen oft nur schwer möglich sind. Heute führt Melanie Engel den Betrieb. Nach ihrem Studium in Kiel übernahm sie die Verantwortung auf dem Familienhof. Dass mehrere Generationen gemeinsam auf einem Hof arbeiteten und lebten, sei nicht immer einfach, erzählt sie. Gleichzeitig sei genau diese familiäre Struktur eine wichtige Grundlage für die Entwicklung des Unternehmens.

Begonnen hat alles vergleichsweise klein. Auf 5 bis 7 ha wurden Erdbeeren angebaut und über zahlreiche Verkaufsstände vermarktet – von Kropp über Schleswig und Flensburg bis hin zur Westküste. Inzwischen gibt es nur noch fünf Verkaufsstände. Die Gründe sind vor allem wirtschaftlicher Natur: Hohe Standgebühren und zusätzliche Umsatzbeteiligungen machen viele Standorte unattraktiv. Während immer mehr Erdbeerproduzenten auf den Markt drängten, suchte die Familie nach einem Alleinstellungsmerkmal.

Die Chance bot sich im Jahr 2008. Damals konnten in Deutschland umfangreiche Rebanbau- beziehungsweise Rebrechte erworben werden. Innerhalb von vier bis fünf Monaten mussten zahlreiche Voraussetzungen geschaffen werden, um in den Weinbau einzusteigen. Zunächst erhielt der Betrieb Rebrechte für 3  ha, später kamen weitere 4,8 ha hinzu. Wer Wein anbauen will, braucht jedoch Geduld. Rund 35.000 € kostet die Anlage von 1 ha Weinberg, bis Reben, Infrastruktur und Technik stehen. Den ersten vollen Ertrag liefern die Pflanzen erst nach etwa fünf Jahren. Heute wachsen auf dem Ingenhof sieben verschiedene Rebsorten. Die wichtigste Weißweinsorte ist ‚Solaris‘. Insgesamt werden rund 8 ha Wein angebaut. Etwa zwei Drittel der Produktion entfallen auf Weißwein, ein Drittel auf Rotwein. Sogar Weißwein aus roten Trauben wird hergestellt.

Der Wein des Betriebes erregt inzwischen auch überregionale Aufmerksamkeit. Foto: Laura Stolley

Der Weinbau unterscheidet sich deutlich vom Erdbeeranbau. „Im Weinberg könnte man jeden Tag Arbeit finden“, beschreibt die Betriebsleiterin die Situation. Trotz zunehmender Mechanisierung bleibt vieles Handarbeit. Rund 60 % der Trauben werden inzwischen mit einem Vollernter geerntet, der Rest von Hand. Der technische Fortschritt bietet dabei einen entscheidenden Vorteil: Die Trauben können genau zum optimalen Reifezeitpunkt gelesen werden.

Die Weinlese beginnt Mitte September und dauert bis Ende Oktober. Geerntet wird möglichst in den kühlen Morgenstunden, denn die besten Fruchtaromen entwickeln sich, wenn die Trauben noch kalt sind. Je nach Sorte und Jahrgang entstehen zwischen 3.000 und 5.000 l/ha Wein.

Ein wichtiger Baustein des Erfolgs sind sogenannte PIWI-Sorten – pilzwiderstandsfähige Reben. Dennoch kommt der Weinbau nicht völlig ohne Pflanzenschutz aus. Während vier Behandlungen pro Jahr als üblich gelten, werden auf dem Ingenhof bis zu sechs Anwendungen durchgeführt, um die Traubenqualität auf hohem Niveau zu halten, denn die klimatischen Bedingungen im Norden begünstigen verschiedene Pilzkrankheiten. Zudem könnten Leguminosen zwischen den Rebzeilen künftig helfen, den Stickstoffbedarf über Knöllchenbakterien zu decken und den Einsatz mineralischer Dünger zu reduzieren. Nach der Lese beginnt die eigentliche Weinbereitung. Unterschiedliche Hefen prägen die Charakteristik der einzelnen Weine. Bei kontrollierten Temperaturen von etwa 16 °C erfolgt die Gärung. Anschließend wird der Wein steril abgefüllt, damit keine unerwünschten Mikroorganismen die Qualität in der Flasche beeinträchtigen. Die Abfüllung erfolgt meist im Mai. Die Qualität der Weine hat inzwischen auch überregional Aufmerksamkeit erregt. Im Jahr 2023 schaffte es ein Wein des Ingenhofs unter die besten vier eines renommierten Wettbewerbs.

Neben Wein bleibt der Erdbeeranbau weiterhin ein zentrales Standbein. Auf insgesamt rund 300 ha Betriebsfläche werden etwa 30 bis 35 ha Erdbeeren sowie 2 ha Himbeeren bewirtschaftet. Während der dreimonatigen Erdbeersaison herrscht Hochbetrieb. Rund 50 bis 60 Erntehelfer unterstützen dabei die Arbeit. Vermarktet werden die Erdbeeren nicht nur direkt über Hofladen, Feldcafé und Gastronomie. Ein Teil gelangt über den Großhandel bis nach Süddeutschland und Skandinavien. Früher wurden überreife Erdbeeren zur Weiterverarbeitung an Schwartau geliefert. Aufgrund gestiegener Lohnkosten lohnt sich dieses Geschäft heute jedoch kaum noch. Auch beim Wein setzt der Ingenhof auf Direktvermarktung. Im Lebensmitteleinzelhandel sind die Weine nur selten zu finden. Der Grund: Die Preise überschreiten meist die magische Grenze von 10 € pro Flasche – ein Bereich, in dem sich hochwertige Weine besser direkt an Kunden verkaufen lassen.

Für Melanie Engel und ihre Familie steht fest, dass der Norden Deutschlands großes Potenzial für den Weinbau besitzt. Die klimatischen Bedingungen entwickeln sich zunehmend in eine Richtung, die dem Wein zugutekommt. „Die Zukunft des Weines liegt im Norden“, lautet deshalb die Überzeugung auf dem Ingenhof.

Der Ingenhof zeigt damit eindrucksvoll, wie sich ein landwirtschaftlicher Familienbetrieb immer wieder neu erfinden kann, ohne seine Wurzeln zu verlieren.

Mehr als ein Maschinenlehrgang

0

Erneut ging es für fünf Auszubildende zum Forstwirt des Abschlussjahrgangs der Lehranstalt für Forstwirtschaft (LAF) in Bad Segeberg zu einem Ausbildungsabschnitt nach Schweden. Von Ostern bis Ende Mai wurde am Naturbruksgymnasium Svenljunga und durch den Besuch vieler verschiedener Exkursionspunkte ein ganzes Stück schwedischer Forstwirtschaft gelehrt. Und wieder einmal waren die Teilnehmer begeistert von dieser Möglichkeit, ihren beruflichen und persönlichen Horizont zu erweitern.

In den Abschlussgesprächen mit den fünf „Schwedenfahrern“ zeigten sich diese vor allem davon beeindruckt, dass Forstwirtschaft in Schweden insgesamt eine viel größere Bedeutung hat als in Deutschland. Dies liegt vor allem daran, dass Holz und Holzprodukte für die schwedische Volkswirtschaft von zentraler Bedeutung sind. Entsprechend streng betriebswirtschaftlich orientiert werden die Anlage, Pflege und Ernte von Waldbeständen geplant und umgesetzt. Insbesondere die Leistungen des Waldes im Bereich Natur- und Umweltschutz werden oft weniger durch die Bewirtschaftungsweise, sondern durch abgegrenzte Naturschutzflächen und -maßnahmen gesichert. Andererseits haben aber auch bestimmte Kulturschutzgüter, zum Beispiel Überreste alter Siedlungen, einen gesetzlich gesicherten Schutz. Und der muss bei jeder Arbeit im Wald streng beachtet werden – und zwar für jedes Kulturgut bis hin zu alten Feldbegrenzungen oder Köhlerplatten, die bereits mehrere Hundert Jahre nicht mehr genutzt wurden und im Wald kaum noch zu erkennen sind.

Vielfältiges Programm

Diese und viele andere Rahmenbedingungen wurden in Schweden nicht nur in der Theorie besprochen, sondern auch in der Praxis der manuellen Waldarbeit und der Forstmaschinenführung geübt. Diese praktische Ausbildung mit dem Kurzholzrückezug oder Forwarder ist seit Beginn der Schwedenprojekte der LAF ein wichtiger Bestandteil des Lernaufenthaltes im Ausland. Dabei muss aber betont werden, dass das Erasmus+-Schwedenprojekt kein reiner Maschinenlehrgang im Ausland ist, sondern weit darüber hinausgeht. Daher ergibt sich die Auswahl der Teilnehmenden auch nicht nur danach, ob für ihre Zukunft ein Maschinenlehrgang nützlich wäre, sondern auch nach ihrer grundsätzlichen Eignung, von dem Projekt in seiner Gesamtheit zu profitieren. Hierfür ist es unter anderem natürlich notwendig, die Projektsprache Englisch so weit zu beherrschen, dass man aktiv am Unterricht und an den Diskussionen teilnehmen kann. Wobei alle Teilnehmer regelmäßig feststellen, dass auch hier Übung den Meister macht.

Ein Azubi mit dem Forwarder im Birkenwald – Laubbäume gewinnen in Schweden an Bedeutung. Foto: Dr. Borris Welcker

Der regelmäßige fachliche Austausch zu Fragen des Waldaufbaus und der Waldentwicklung wurde wieder einmal als besonders wertvoll eingeschätzt. Dafür wurde von den Teilnehmern neuer Wald gepflanzt – mit der Erkenntnis, dass schon das Pflanzgut und das Pflanzverfahren in Schweden deutliche Unterschiede zu Deutschland aufweisen –, es wurden Bestände gepflegt und schließlich an der Nutzung im Kahlschlag mitgewirkt. Besondere Erkenntnisse hielt der Wald im nördlichen Dalarna bereit: Während in Deutschland die Zielstärken zur Endnutzung von Laubbäumen über 60, manchmal auch über 80 cm betragen und die Bäume dann zwischen 30 und 40 m hoch sind, stand die Erasmus-Gruppe dort in einem 140-jährigen Kiefernbestand, der mit 17 m Höhe und Baumdurchmessern von 20 bis 25 cm zur Endnutzung anstand. Die Waldgesellschaft des Flachland-Buchenmischwaldes der gemäßigten Zonen unterscheidet sich nun einmal deutlich von der montanen Flechten-Kiefern-Gemeinschaft des borealen Nadelwaldes. Und Flechten haben im hohen Norden auch ihre ganz spezielle ökologische wie auch ökonomische sowie soziokulturelle Bedeutung: An anderer Stelle wurden die Maßnahmen vorgeführt und diskutiert, die der staatliche Forstbetrieb Svea­skog ergreift, um den Ansprüchen der Rentierhaltung der Sami als indigenen Volkes mit besonderen Nutzungsrechten der Landschaft gerecht zu werden. Denn Rentiere brauchen Flechten als wichtigste Nahrungsgrundlage und meiden Kahlschläge.

Der Wald ändert sich

Schließlich war auch die Veränderung der Waldgesellschaften im Zuge des menschengemachten Klimawandels ein Thema, das immer wieder durchklang. Wird der Wald in Schweden auch in Zukunft noch so robust sein, dass die herkömmliche Bewirtschaftung aus Kahlschlag, Pflanzung einer Nadelbaumart, wenigen Pflegeeingriffen und erneuter Nutzung im Kahlschlag nach nur 50 bis 150 Jahren ohne langfristige negative Folgen durchzuhalten sein wird? Wie reagieren die gestressten Waldökosysteme in der Zukunft? Wie wird sich der Blick der Öffentlichkeit auf diese intensive Waldbewirtschaftung entwickeln? Schon heute ist deutlich zu erkennen, dass besonders Waldbesucher aus dem urbanen Bereich innerhalb Schwedens und Urlauber aus Mitteleuropa die schwedische Forstwirtschaft zunehmend kritisch wahrnehmen.

Baumveteranen im Fulufjäll-Nationalpark

Dass schwedische Wälder auch anders aussehen können, konnte die Gruppe zum Beispiel bei der Exkusion in den Fulufjäll-Nationalpark mit seinen viele Hundert Jahre alten Baumveteranen feststellen. Auch die Besuche bei Privatwaldbesitzern zeigten, dass „schwedische Forstwirtschaft“ vielfältig sein kann: Private Waldeigentümer achten auch dort oft sehr sensibel auf den Erhalt ihrer Bäume und Waldbestände und haben manchmal für Schweden ganz ungewöhnliche Ideen, wie etwa eine einzelstammorientierte Pflege oder die Beteiligung neuer Baumarten. Und warum nicht einmal Bäume nach deutscher Art mit Bruchstufe fällen? Oder in einem Bestand mit unterschiedlich alten Bäumen arbeiten? Und warum nicht einfach einmal Eiche, Kirsche oder Spitzahorn pflanzen, auch wenn sie dann natürlich gegen den Verbiss von Rehen, Rotwild und Elchen geschützt werden müssen? Denn auch in Schweden bedeutet Wald immer häufiger mehr als Fichte, Kiefer und Birke.

Nach sieben Wochen ging es dann für die Austauschteilnehmer zurück nach Bad Segeberg. Und bei aller Begeisterung für das Gesehene, Erlebte und Gelernte waren sich doch alle einig: Wie schön, die kühlen norddeutschen Laub-Mischwälder wiederzusehen!

Am Anfang steht die Bildung

0

Die Kreisverbände der LandFrauen (KLFV) sind das Bindeglied zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen (OV). Was aber ist das Besondere der LandFrauen im jeweiligen Kreis, wie zeigt sich das Gesicht der Kreisverbände? In dieser Bauernblattserie werden alle zwölf Kreisverbände und der OV Lübeck vorgestellt – heute: der KLFV Flensburg.

Am Anfang steht die Bildung, denn „das Jahr fängt mit Sankelmark an, da warten die Leute drauf“, sagt Elke Thomsen. Sankelmark ist eine Akademie in der Gemeinde Oeversee, wo der KLFV Flensburg traditionell im Januar ein zweitägiges Seminar hält, das er selbst organisiert. Im vorigen Jahr war das Thema „KI – Fluch oder Segen?“, dieses Jahr „Fit ins neue Jahr“. Das Seminar ist für Restplätze allgemein geöffnet. Bei etwa 70 Teilnehmenden ist Schluss, „darüber hinaus ist es nicht mehr gemütlich“. Thomsen bezieht sich auf den Bildungsauftrag des LandFrauenVerbandes, betont aber, dass das Seminar auch zur Stärkung der Gemeinschaft beitrage – nicht zuletzt deshalb zweitägig mit Übernachtung!

Im alten Kreis …

Vorstand des KLFV Flensburg, v. li.: Elke Thomsen (Teamvorstand), Dörte Schlünz (Beisitzerin), Gisela Jürgensen und Ilka Wartenberg (Teamvorstand), Wiebke Köster (Kassenführung), Brigitte Hansen (Schriftführung), Claudia Knorn (Beisitzerin)

Der KLFV Flensburg umfasst das Gebiet des Altkreises Flensburg-Land. LandFrauen, die in der Stadt Flensburg wohnen, sind Mitglieder in benachbarten Ortsvereinen (OV). Der KLFV hat einen dreiköpfigen Teamvorstand. Er setzt sich aus Elke Thomsen, Ilka Wartenberg sowie Gisela Jürgensen, die als Ansprechpartnerin für den Vorstand zeichnet, zusammen. Kassenführerin ist Wiebke Köster, Schriftführerin Brigitte Hansen. Dazu kommen die Beisitzerinnen Dörte Schlünz und Claudia Knorm.

Vollständig lautet der Name des KLFV KreisLandFrauenVerband Schleswig-Flensburg, Kreisteil Flensburg, aber das ist furchtbar umständlich. Die politische Vereinigung der Altkreise Flensburg-Land und Schleswig im Jahr 1974 wurde von den LandFrauen nicht mitvollzogen, entsprechend hat auch der Kreisteil Schleswig einen eigenen KLFV. Die beiden KLFV betreiben allerdings eine gemeinsame Homepage.

Beim Kreiserntedankfest, das neben den Gottesdienstelementen ein übergeordnetes Thema aufgreift – im vorigen Jahr die Frage: „Brauchen wir die plattdeutsche Sprache, oder kann die weg?“ kooperieren die beiden Vereine miteinander. Jetzt freuen sich die Mitglieder auf den KreisLandFrauentag im November, wo Gunnar Green über „Wildes Schleswig-Holstein“ sprechen wird.

… und darüber hinaus

Der KLFV ist Mitglied im „Bündnis Frauen“ des politischen Kreises, was Elke Thomsen nutzt, um Informationen von dort an die OV zu verbreiten. Weiterbildung organisiert der Kreisverband auf Ortsebene, im vergangenen Jahr etwa zum Vereinsrecht, dieses Jahr zum SHZ-Portal „Wir von hier“, wo man Berichte und Ankündigungen einstellen kann. Zusammenarbeit gibt es mit Kirchengemeinden und der Landjugend, zum Beispiel durch Unterstützung beim Berufswettbewerb. Im Weihnachtsdorf in Wanderup bestückt der OV eine eigene Scheune. Die LandFrauen werden auch angefragt von Medien, etwa zu ländlichen Bräuchen, so von der ZDF-Serie „Dr. Nice“. Dänische Kultur sei hingegen kaum im Spektrum vertreten, meint Thomsen, dafür gebe es parallel den dänischen Verband Den slesvigske Kvindeforening.

Sorgen bereitet dem Kreisvorstand die Auflösung von Ortsverbänden wie dem OV Scheersberg im vergangenen Jahr. „Die Ortsvereine haben ungebrochen hohe Mitgliederzahlen, es scheitert an der Besetzung der Vorstände“, klagt Inka Wartenberg. Auch die Jungen LandFrauen im KLFV, die engagiert gestartet waren, lösten sich aus diesem Grund wieder auf. Solche Entwicklung will der Kreisvorstand verhindern, etwa durch Werbung für das Modell Teamvorstand, wo die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wird. Das habe der OV Handewitt, der auf der Kippe stand, aufgegriffen. Auch manche Satzung könne „entrümpelt“ werden. An sich aber sieht Wiebke Köster keine Alternative zum eingetragenen Verein. „Ein Verein schafft Verbindlichkeit und einen sicheren rechtlichen Rahmen und schützt so den Zusammenhalt. Verbindlichkeit wird allerdings gesellschaftlich immer brüchiger.“