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Emilio betreibt ein kleines Restaurant im italienischen Ort Bibbiano südwestlich von Parma. Die Region Emilia-Romagna ist weltbekannt für gutes Essen: Parmaschinken, Parmesan, Mortadella oder Spaghetti bolognese haben hier ihr Zuhause. Emilio schlachtet und zerlegt seit 30 Jahren Tiere. Während man im simpel gehaltenen Gastraum bei paniertem Schweinespeck auf seine Bestellung wartet, kann man „Das große Buch des Fleisches“ von Arthur le Caisne studieren, das hier ausliegt. Es führt viele Rassen, Zuschnitte und Zubereitungstechniken auf – deutsche Rinder- oder Schweinerassen sucht man in dem Buch allerdings vergeblich.
So weit, so erwartbar. Etwas unerwartet aber, dass Emilio im Gespräch auf einfachster sprachlicher Ebene erklärt, er schätze und verarbeite Fleisch von deutschen Rindern, die „rosso-bianco“, also rot-weiß seien. Schätzungsweise meint er das Fleckvieh, das als Zweinutzungsrind auch bei uns ein Liebling der guten Gastronomie ist.
Was hat das mit heimischen Tierhaltern zu tun? Ganz einfach: In einer Region, die den Geschmack sozusagen erfunden hat, wird deutsches Rindfleisch serviert – nicht, weil es ökologisch erzeugt, regional aufgezogen oder unter Tierwohllogo gemästet wurde. Sondern weil es fein marmoriert, saftig und zart ist. Geschmack überzeugt. In Deutschland stammt das meistverkaufte Rindfleisch von Jungbullen, die 18 Monate im Stall gehalten werden und deren Fleisch kurz nach dem Schlachten und Zerlegen „frisch“ auf dem Markt kommt. So lautet die Werbung. Schon der geringe Fettanteil würde Emilio vom Kauf abhalten.
Der Verzicht auf die Fleischreifung tut ein Übriges. Denn „frisch“ ist bei Rindfleisch kein Geschmacksmerkmal, sondern Zeichen eines möglichst schnellen und damit kostengünstigen Warenumschlags im Schlachthof.
Fett macht das Fleisch zart, saftig und schmackhaft. Tierhalter selbst entscheiden sich für die eigene Kühltruhe meistens gegen das marktgängige Jungbullen-Konzept. Doch beim deutschen Kunden entscheidet das Portemonnaie über den Einkauf – in Italien ist es der Gaumen. Während man bei Emilio Variationen von lecker eingelegten Zwiebeln als Beilage bekommt, treibt uns das „Zwiebelleder“ die Tränen in die Augen. Der ständige Blick ins Portemonnaie verdirbt den guten Geschmack.
Heute versucht die Fleischbranche, den Kauf über den Kopf zu steuern: Herkunft und Haltung der Tiere sollen zum Kauf anregen. Beides ist objektiv überprüf- und vergleichbar. Es appelliert an Verstand und Moral: Wenn ich schon Fleisch esse, dann soll das Tier zumindest gut gelebt haben. Das ist nicht falsch, aber es lässt das Produkt nicht besser schmecken und hat selbst einen asketischen Beigeschmack. Es gibt in Deutschland gute, wirtschaftsgetragene Systeme, die sicherstellen, dass unsere Nutztiere es besser haben als je zuvor. Es fehlen aber Systeme, die den Menschen glücklich machen und ihm über den Schmerz des „Zwiebelleders“ hinweghelfen.
Hierzulande streitet man über das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz; in Italien gilt: „L‘amore passa attraverso lo stomaco“ – Liebe geht durch den Magen. Dolce Vita und (funktionierende) deutsche Systeme zusammen – das wäre ein echter Mehrwert.
Die Aufzucht der Kälber legt den Grundstein für leistungsstarke und gesunde Milchkühe von morgen. Dabei spielt unter anderem das Wachstum innerhalb der ersten sechs Lebensmonate eine wichtige Rolle. Kälber, die frühzeitig große tägliche Zunahmen erreichen, zeigen sich oft in ihrem späteren Leben als Milchkuh leistungsstärker und langlebiger. Dieser Effekt wird auch als metabolische Programmierung bezeichnet. Erreichen die Kälber während der Tränkephase zum Beispiel tägliche Zunahmen von mehr als 800 g, kann genau dieser Effekt beobachtet werden. Bleiben die täglichen Zunahmen unter 800 g, zeigt sich im späteren Verlauf der Aufzucht kompensatorisches Wachstum, währenddessen die Unterschiede zumeist wieder aufgeholt werden. Dennoch erreichen diese späteren Milchkühe mitunter nicht die gleiche Leistung.
Vor diesem Hintergrund erprobte das Lehr- und Versuchszentrum (LVZ) Futterkamp der Landwirtschaftskammer ein abgewandeltes Tränkeverfahren. Bisher wurden die Kälber über die ersten 77 Lebenstage mit einer Milchaustauscherqualität getränkt. Ziel der Erprobung war es, die Tränkephase auf 105 Tage zu verlängern und während der Abtränkphase (ab dem 63. Lebenstag) auf einen Milchaustauscher mit reduziertem Magermilchanteil zu setzen, der gleichzeitig einen Anteil an pflanzlichem Protein enthielt. Das pflanzliche Protein sollten die Kälber in dieser Lebensphase bereits verwerten können.
Das schwarzbunte Kuhkalb erreichte tägliche Zunahmen von 1.121 g.
Ablauf des Tränkeversuchs
Für die Erprobung wurden die Tränkeaufnahmen und die Gewichtsentwicklung aller von April 2024 bis Januar 2025 geborenen Kälber berücksichtigt. Zusätzlich wurde die Gesundheit der Kälber betrachtet, die durch sogenannte Gesundheitschecks (Projekt „InnoRind“) dreimal wöchentlich bewertet wurde. Zur Einteilung in die Vergleichsgruppen „Versuch“ und „Kontrolle“ wurde die Aufzucht innerhalb der ersten 14 Lebenstage zugrunde gelegt. Hier unterschieden sich die Gruppen durch die Aufzucht im Einzeliglu (Kontrollgruppe) beziehungsweise in der frühen Gruppenhaltung (Versuchsgruppe). Innerhalb dieser Aufzuchtphase wurden die Kälber der Kontrollgruppe mittels Eimertränke zweimal täglich mit je 7 l Vollmilch getränkt. Die Kälber der Versuchsgruppe wurden während der ersten beiden Lebenstage ebenfalls über den Tränkeeimer mit Kolostrum versorgt und dann in die frühe Gruppenhaltung entlassen, wo sie am Tränkeautomat mit Milchaustauschertränke (Normi Plus) versorgt wurden. Am 15. Lebenstag wurden alle Kälber in den Holsteiner Kälberstall des Lehr- und Versuchszentrums Futterkamp umgestallt und gleichermaßen mit Milchaustauschertränke versorgt. Die Tränkephase ließ sich anhand der eingesetzten Milchaustauscher in drei Abschnitte einteilen. Während in Abschnitt 1 (Normi First Class: 15. bis 52. Lebenstag) und Abschnitt 3 (Normi Com: 63. bis 105. Lebenstag) je ein Milchaustauscher vertränkt wurde, wurden zur Änderung diese beiden unterschiedlichen Zusammensetzungen über zehn Tage miteinander verschnitten, um einen abrupten Wechsel und dessen Auswirkungen zu vermeiden.
Insgesamt wurden je Gruppe Daten von 55 Kälbern für die Auswertung berücksichtigt, die sich, wie in Tabelle 1 aufgeführt, auf Beef-on-Dairy-Kreuzungen und schwarzbunte Kälber aufteilten.
Deutliche Unterschiede in der Igluphase
Da insbesondere in der ersten Aufzuchtphase (erster bis 14. Lebenstag) Unterschiede im Tränkemanagement vorlagen, wurde zunächst diese Phase bewertet. Die Gewichtsentwicklung begann innerhalb der Kontrollgruppe bei einem mittleren Geburtsgewicht von 41,4 kg. Die Kälber der Versuchsgruppe wiesen ein mittleres Geburtsgewicht von 42,6 kg auf. Untersucht wurden in der Igluphase die Merkmale Tränkeaufnahme, Umstallgewicht und tägliche Zunahmen. Hier zeigte sich in der Kontrollgruppe eine insgesamt höhere Tränkeaufnahme (Abbildung 1). Während die Kolostrumaufnahme innerhalb der ersten 48 Lebensstunden mit 5.117 g (Kontrollgruppe) und 5.113 g (Versuchsgruppe) auf einem nahezu identischen Niveau war, zeigte sich ab dem dritten Lebenstag im Mittel ein deutlicher Unterschied. Mit 9.893 g pro Tag nahmen die Kälber aus der Kontrollgruppe rund 1.000 g mehr Tränke auf als die Versuchsgruppe mit 8.782 g pro Tag. Trotz dieser deutlichen Unterschiede in der Tränkeaufnahme entwickelte sich das Körpergewicht in beiden Gruppen ähnlich, sodass die Kälber beider Gruppen mit einem mittleren Gewicht von 57 kg in die nächste Aufzuchtphase im Holsteiner Kälberstall starteten. Gemessen am mittleren Geburtsgewicht nahmen die Kälber der Kontrollgruppe 1.115 g und die Kälber der Versuchsgruppe 1.037 g pro Tag zu.
Mittlere tägliche Zunahmen über 800 g
Ab dem 15. Lebenstag zeigte sich die Entwicklung der Tränkeaufnahmen anders. Hier nahmen die Kälber der Versuchsgruppe während der Ad-libitum-Phase täglich mehr Tränke auf als die der Kontrollgruppe (Abbildung 2). Im Mittel nahmen die Kälber der Versuchsgruppe während der Ad-libitum-Versorgung 9.351 g Tränke pro Tag auf. Die Kälber der Kontrollgruppe erreichten in dieser Phase tägliche Tränkeaufnahmen von 8.798 g. In der restriktiven Phase während des Abtränkens nahmen die Kälber der Versuchsgruppe im Mittel 6.514 g und die Kälber der Kontrollgruppe 6.377 g auf. Trotz dieser Unterschiede zeigten beide Gruppen vergleichbare tägliche Zunahmen. Im Mittel der gesamten Gruppe nahmen die Kälber der Versuchsgruppe rund 1.073 g je Tag zu, die Kälber der Kontrollgruppe lagen bei einer täglichen Zunahme von 1.087 g. Der Vergleich der Beef-on-Dairy-Kreuzungskälbern mit den schwarzbunten Kuhkälbern zeigt deren Wachstumspotenzial deutlich auf (Tabelle 2).
Insgesamt zeigen sich im Vergleich der Gruppen nur geringe Unterschiede in den täglichen Zunahmen. Dies war aufgrund der nur geringen Unterschiede zwischen den Gruppen in der Aufzuchtphase nicht anders zu erwarten. Es wird dennoch deutlich, dass unabhängig vom Tränke- und Haltungsverfahren innerhalb der ersten 14 Lebenstage mittlere tägliche Zunahmen von deutlich über 800 g in der gesamten Aufzuchtphase erreicht werden können. Es ist also anzunehmen, dass die Kälber die aufgewendeten Ressourcen gut ausnutzen und dieses Wachstum auch nach dem Abtränken beibehalten, ohne in kompensatorisches Wachstum zu verfallen.
77 versus 105 Tage Tränkedauer
Neben den eingesetzten Milchaustauschern hat sich auch die Dauer der Tränke verändert. Bis zur Erprobung wurden die Kälber bis zum 77. Lebenstag getränkt. Es liegt also nahe, hier einmal den Vergleich des alten und des neuen Tränkeverfahrens anzustellen. Dazu wurden die Daten aller weiblichen Kälber aus dem Jahr 2023 (27 Beef-on-Dairy-Kuhkälber, 39 schwarzbunte Kuhkälber) herangezogen und hier die täglichen Zunahmen während der Aufzuchtphase im Holsteiner Kälberstall miteinander verglichen. Der Gruppenvergleich macht deutlich, dass die täglichen Zunahmen im alten Tränkeverfahren mit 999 g je Kalb geringer ausfielen als im neuen. Hier erreichten die Kuhkälber insgesamt tägliche Zunahmen von 1.052 g, für die schwarzbunten Kuhkälber zeigte sich der Unterschied am deutlichsten. Hier waren die täglichen Zunahmen um rund 100 g höher als nach altem Tränkeverfahren. Trotz der Unterschiede wird deutlich, dass auch mit einer kürzeren Tränkephase hohe tägliche Zunahmen erreicht werden können, durch eine verlängerte Abtränkphase jedoch ein weicherer Übergang in die nächste Aufzuchtphase geschaffen werden kann.
Umfassende Gesundheitschecks
Parallel zur beschriebenen Erprobung lief das Projekt „InnoRind“, währenddessen die Kälbergesundheit detailliert beobachtet wurde. Das Augenmerk lag auf den Merkmalen Allgemeinzustand, Husten, Nasenausfluss, Augen, Ohren, Kotverschmutzung und Nabel. Während sich innerhalb der ersten 14 Lebenstage noch ein Unterschied im Merkmal Nasenausfluss (häufiger in der Versuchsgruppe) zeigte, waren in der weiteren Aufzucht insgesamt wenige Auffälligkeiten zu beobachten. Diese verteilten sich zudem gleichmäßig auf Versuchs- und Kontrollgruppe.
Fazit
Mit der beschriebenen Erprobung sollte der Einfluss verschiedener Milchaustauscherrezepturen in verlängerter Tränkephase auf die Tränkeaufnahme und die täglichen Zunahmen untersucht werden. Insgesamt zeigten sich mit über 1.000 g sehr hohe tägliche Zunahmen für alle Kälber. Durch dieses Tränkeverfahren konnten die vorher in kürzerer Zeit erreichten täglichen Zunahmen von über 1.000 g gesteigert werden. Es bleibt zu bewerten, ob sich der Einsatz der Ressourcen als metabolische Programmierung innerhalb der ersten Laktation der an der Erprobung beteiligten Tiere zeigt.
Die Herausforderungen im Ackerbau nehmen auch in Schleswig-Holstein spürbar zu. Schwankende Niederschläge, zunehmende Wetterextreme und steigende Betriebsmittelkosten stellen viele Betriebe vor die Frage, wie sich zukünftig stabile Produktionssysteme etablieren lassen. Hinzu kommt, dass der Boden als wichtigste Produktionsgrundlage im Ackerbau in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts seine Funktionalität verloren hat: Verdichtungen, schlechte Wasseraufnahmefähigkeit, Erosion und Verschlämmung stellen schon längst keine Ausnahme mehr dar.
Vor diesem Hintergrund gewinnt in den vergangenen Jahren ein Ansatz an Aufmerksamkeit, der den Boden bewusst in den Mittelpunkt stellt: die Regenerative Landwirtschaft.
Was bedeutet „regenerativ“?
Der Begriff „regenerativ“ ist nicht einheitlich definiert und wird in der Praxis zum Teil unterschiedlich interpretiert. Im Kern geht es darum, den Boden nicht als Blackbox, sondern vielmehr als lebendiges System zu verstehen und ihn als solches gezielt zu fördern.
Ein zentraler Gedanke dabei ist das sogenannte Soil Food Web, also das Nahrungsnetz im Boden. Darunter versteht man das Zusammenspiel von lebenden Pflanzen, von Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen sowie von Regenwürmern und anderen Bodenlebewesen. Jede Organismengruppe erfüllt dabei wichtige Aufgaben in Bezug auf die Zersetzung organischer Substanz, die Nährstofffreisetzung oder die Bildung stabiler Bodenaggregate. Sie sind also unabdingbar, um Bodenfruchtbarkeit aufzubauen und langfristig zu erhalten.
Anders als in festgelegten Bewirtschaftungssystemen, beispielsweise dem Ökolandbau, stehen in der Regenerativen Landwirtschaft keine konkreten Vorgaben im Vordergrund, sondern vielmehr Prinzipien, die je nach Standort und betrieblichen Gegebenheiten individuell umgesetzt werden können.
Zu diesen Grundsätzen zählen insbesondere:
• eine möglichst dauerhafte Bodenbedeckung durch lebende Pflanzen
• reduzierte Bodenbearbeitung
• vielfältige Fruchtfolgen
• gezielte Förderung von Bodenorganismen
Wie und in welcher Intensität diese Prinzipien umgesetzt werden, kann von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich aussehen. So können die angewendeten ackerbaulichen Maßnahmen von intensivem Zwischenfruchtanbau über Begleitsaaten bis hin zum Agroforst reichen und auch die Tierhaltung einbeziehen.
Exaktversuch zu regenerativen Maßnahmen
Um die tatsächliche Wirkung einzelner Maßnahmen auf die Bodenfruchtbarkeit besser bewerten zu können, wurde im Herbst 2023, unterstützt vom Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur Schleswig-Holstein sowie der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft, auf dem Versuchsfeld Lindenhof der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW Kiel) in Ostenfeld ein Exaktversuch angelegt. Ziel ist es dabei ausdrücklich nicht, ein komplettes „Regeneratives System“ zu testen und zu bewerten, sondern einzelne Bausteine des Regenerativen Ackerbaus unter vergleichbaren Bedingungen zu untersuchen.
Der Versuch ist in sechs Teilflächen angelegt, auf denen die sechs Fruchtfolgeglieder Wintergerste, Winterraps, Silomais, Ackerbohne, Winterweizen und Sommerhafer stehen. Jeder Block ist unterteilt in Parzellen, die weiterhin konventionell und betriebstypisch bewirtschaftet werden (Pflugeinsatz, Phacelia als Zwischenfrucht vor Mais) und Parzellen, die „Regenerativ“ bewirtschaftet werden (kein Pflugeinsatz, möglichst flache Bearbeitung, vielfältige Zwischenfrüchte und Untersaaten, Flächenrotte).
Die Versuchsanlage in Ostenfeld. Foto: Paul Beutin
Praxisfragen im Fokus des Versuchs
Der Versuch orientiert sich bewusst an Fragestellungen aus der Praxis. Im Vordergrund stehen vor allem:
• Bodenfruchtbarkeit: Verbessern sich die physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften des Bodens?
• Wasser- und Nährstoffhaushalt: Lassen sich Unterschiede bei Wasseraufnahme und -speicherung sowie der Nährstoffverfügbarkeit feststellen?
• Umsetzbarkeit der Maßnahmen: Funktioniert die Umsetzung der Maßnahmen, insbesondere des Zwischenfruchtanbaus und der Flächenrotte auch unter norddeutschen Bedingungen?
Weitere Fragestellungen betreffen die Entwicklung der Ertragsparameter, insbesondere die Ertragsstabilität sowie mögliche Einsparungen von Betriebsmitteln. Auf dieser Grundlage soll perspektivisch auch eine vorsichtige wirtschaftliche Einordnung erfolgen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich das Bewirtschaftungssystem zunächst vollständig etablieren kann.
Raps mit abfrierender Begleitsaat. Foto: Ragna-Marleen Fey
Erste Beobachtungen aus dem Versuch
Auch wenn eine abschließende Auswertung noch nicht möglich ist, lassen sich erste Eindrücke aus dem Feld festhalten.
Studentische Arbeiten in dem Versuch haben gezeigt, dass sich schon nach kurzer Zeit der Umstellung eine höhere mikrobielle Aktivität sowie eine stellenweise höhere Regenwurmdichte in den regenerativ bewirtschafteten Parzellen eingestellt haben. Dies hat sich auch in einer aktuellen Erhebung der Regenwurmdichten verschiedener Versuche mit unterschiedlicher Bewirtschaftungsintensität bestätigt (siehe Abbildung; Versuch 5: Versuch zum Regenerativen Ackerbau). Auch erste Strukturunterschiede zeigen sich, beispielsweise rund-krümelige Aggregate und eine stärker angeraute Bodenoberfläche.
Die Erträge liegen in den ersten beiden Ernten bislang auf einem vergleichbaren Niveau wie bei den konventionellen Varianten – ein wichtiger Punkt im Hinblick auf die oft diskutierte Übergangsphase.
Gleichzeitig werden auch Herausforderungen sichtbar: Mit dem dauerhaften Bewuchs geht ein erhöhter Schneckenbesatz einher, und auch der Unkrautdruck stellt einen wichtigen Faktor dar. Insbesondere die reduzierte Bodenbearbeitung und die durch die Untersaaten eingeschränkte Herbizidanwendung erschweren ein konsequentes Eingreifen. Zudem gelingt die Etablierung von Zwischenfrüchten und Untersaaten witterungsbedingt nicht in jedem Jahr zuverlässig, sodass ihre unkrautunterdrückende Wirkung nicht immer gegeben ist.
Bisheriges Fazit und Ausblick
Die bisherigen Beobachtungen zeigen, dass sich bereits in einer frühen Phase Veränderungen im Boden feststellen lassen. Insbesondere die erhöhte biologische Aktivität und erste Verbesserungen in der Bodenstruktur deuten darauf hin, dass die angestrebten Bodenprozesse, beispielsweise der Start des Bodennahrungsnetzes, initiiert werden.
Gleichzeitig wird deutlich, dass die Umsetzung mit praktischen Herausforderungen verbunden ist. Insbesondere Fragen des Unkrautmanagements und der erfolgreichen Etablierung von Zwischenfrüchten und Untersaaten sind entscheidend für den Erfolg im Feld.
Der laufende Versuch wird in den kommenden Jahren weitergeführt, um diese Zusammenhänge unter den Bedingungen Schleswig-Holsteins genauer zu untersuchen. Ziel ist es, belastbare Daten zu liefern und die einzelnen Maßnahmen fachlich einordnen zu können. Des Weiteren können dann auch praxisrelevante Empfehlungen zur Umsetzung einzelner Maßnahmen abgegeben werden.
Bis dahin bleibt festzuhalten: Der Ansatz zeigt erste positive Entwicklungen im Boden, erfordert jedoch eine standortangepasste Umsetzung und Geduld in der praktischen Anwendung.
Wie kann eine alternative Kälberaufzucht in der Praxis funktionieren? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Veranstaltung des Projekts „Fokus Tierwohl“ auf dem Betrieb von Jan Lieske in Hadenfeld, Kreis Steinburg. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen standen Anfang Mai vor allem praktische Erfahrungen aus der kuh- und ammengebundenen Kälberaufzucht im Mittelpunkt.
Den Auftakt machte am Vormittag Dr. Kerstin Barth vom Thünen-Institut. In ihrem Vortrag beleuchtete sie verschiedene Ansätze der alternativen Kälberaufzucht und stellte Forschungsergebnisse sowie Erfahrungen aus dem Versuchsbetrieb Trenthorst vor. Dabei ging sie insbesondere auf Tierwohlaspekte, Arbeitswirtschaft und Herausforderungen in der Praxis ein. Grundlage des Vortrags waren unter anderem Inhalte aus dem Leitfaden „Kuhgebundene Kälberaufzucht in der Milchviehhaltung: Leitfaden für die Praxis“, der weiterhin online abrufbar ist (https://t1p.de/c7es1). Darüber hinaus bietet die Internetseite des Thünen-Instituts zahlreiche weiterführende Informationen zum Thema.
Als Rückzugsort sind Kälbernester mit Deckel (im Bild hochgeklappt) sehr empfehlenswert.
Praxis im Ammenstall
Nach dem Mittagessen führte Jan Lieske die Teilnehmenden durch Stall und Weide und berichtete offen über seine Erfahrungen mit der ammengebundenen Kälberaufzucht. Besonders die Fragen, welche Kühe sich als Ammen eignen und wie die Gruppen organisiert werden, standen dabei im Mittelpunkt. Auf dem Betrieb werden 100 Kühe gemolken. Häufig kommen Frischmelkerkühe als Ammen zum Einsatz, denen mehrere Kälber angesetzt werden. Teilweise werden jedoch auch Kühe in späteren Laktationsstadien genutzt. Einige Tiere verbringen sogar die komplette Laktation als Ammen. Nach einiger Zeit erhalten sie erneut Kälber und können so im Verlauf einer Laktation bis zu elf Kälber großziehen. Kühe, die zu Beginn der Laktation als Ammen eingesetzt wurden und ihre Kälber später wieder abgeben, werden anschließend regulär in den Melkstand integriert.
Zu Beginn werden jeweils zwei bis vier Kälber einer Kuh zugeteilt. Diese erste Phase dauert etwa zwei Wochen und findet separat statt, damit sich Kuh und Kälber aneinander gewöhnen können. Anschließend wechseln die Tiere zunächst in kleinere Gruppen. Sind die Kälber etwa anderthalb Monate alt, werden sie gemeinsam mit den Ammenkühen in größere Gruppen integriert. Auch das Absetzen erfolgt schrittweise. Dafür wird die Zahl der Ammen nach und nach reduziert. So betreuen beispielsweise am Ende zwei Ammenkühe noch neun Kälber.
Auswahl der Ammenkühe
Besonders interessant für viele Teilnehmende waren Lieskes Erfahrungen bei der Auswahl geeigneter Ammenkühe. Denn nicht immer lasse sich die Eignung bereits im Melkstand erkennen. „Nur weil eine Kuh im Melkstand ruhig ist, heißt das nicht automatisch, dass sie auch gut mit Kälbern umgehen kann“, berichtete Lieske. Umgekehrt könnten auch temperamentvolle oder im Umgang anspruchsvollere Färsen sehr ausgeprägte Muttereigenschaften zeigen und sich hervorragend um die Kälber kümmern.
Auch stallbauliche Fragen wurden diskutiert. Aktuell werden Ammenkühe und Kälber dauerhaft gemeinsam im großen Tiefstreubereich gehalten. Nach Einschätzung von Jan Lieske wäre in späteren Aufzuchtphasen jedoch auch ein System denkbar, in dem die Kühe Liegeboxen nutzen, während den Kälbern ein separater Rückzugsbereich mit Stroh zur Verfügung steht. Solche Kälberbereiche stehen den Tieren während der gesamten Aufzucht zur Verfügung und fördern die Bildung von „Kindergartengruppen“, in die sich die Kälber zurückziehen können. Interessant waren zudem die Beobachtungen zum Fressverhalten der Kälber. Die ersten Festfutteraufnahmen erfolgen überwiegend direkt neben den Kühen. Erst später nutzen die Kälber zunehmend ihren eigenen Fressbereich am Kälberfuttertisch.
Die Veranstaltung konnte dank der Förderung durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat kostenfrei angeboten werden.
Fazit
Die Veranstaltung zeigte, wie vielfältig die Möglichkeiten der kuh- und ammengebundenen Kälberaufzucht in der Praxis sind. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen bot insbesondere der offene Austausch auf dem Betrieb wertvolle Einblicke in Arbeitsabläufe und Herausforderungen. Deutlich wurde dabei auch, dass erfolgreiche Systeme immer individuell an Betrieb, Tiere und Arbeitsorganisation angepasst werden müssen.
Die schlechte Erlöslage bei Getreide und Kartoffeln hat in Verbindung mit zu erwartenden Steuernachzahlungen für die in den vergangenen drei Jahren doch guten Gewinne die Liquiditätslage in vielen Betrieben deutlich verschlechtert. Deswegen rücken die Finanzierungsangebote für Maschinenkäufe wieder stärker in den Fokus. Wie Landwirte prüfen können, ob die Angebote auch wirklich günstig sind, beschreibt folgender Artikel.
Damit die Kaufentscheidung bei knapper Liquidität doch leichterfällt, kann beim Kauf fast immer auch ein Finanzierungsangebot in Anspruch genommen werden, selbst für nicht mehr ganz junge Gebrauchte. Diese Angebote zeichnen sich fast immer durch konkurrenzlos günstige Zinssätze (0 % bis 2,49 %) aus. Weil aber auch die Maschinenhersteller und -händler nichts zu verschenken haben, sollten diese Kreditangebote im Vergleich zu Hausbank- oder Eigenkapitalfinanzierungen beurteilt werden. Wie so ein Vergleich aussehen kann, wird an zwei nachfolgenden Beispielen gezeigt.
Schlepperfinanzierung über drei Jahre
Sind beim eigenen „Großen“ nach zwölf Jahren neue Reifen und große Inspektionen fällig oder könnte vielleicht demnächst ein Reparaturmarathon drohen und beim Händler wird gerade ein fast neuer Vorführschlepper angeboten, gibt es aktuell eine günstige Gelegenheit zum Tausch.
Nach dem ersten Orientierungsgespräch mit dem Händler soll der Neue 188.600 € kosten, der Alte würde für 38.800 € in Zahlung genommen. Für die Zuzahlung von 149.800 € gibt es ein Finanzierungsangebot der Hersteller-Bank mit 0 % Zinsen bei drei Jahren Laufzeit und zwölf vierteljährlich zu zahlenden Raten in Höhe von 12.483,33 €. Der quartalsweise Kapitaldienst wurde vom Betrieb gewünscht, Händlerbanken bieten aber fast immer auch Modelle mit monatlicher, halbjährlicher oder jährlicher Ratenzahlung an.
Wie in den Spalten 3 bis 5 der Tabelle 1 anhand von Tilgung und Rest-Valuta nach jeweils drei Monaten gezeigt wird, ist die Rate so bemessen, dass der Kredit bei 0 % Zinsen nach 36 Monaten abbezahlt ist. Aber ist das wirklich günstig? Diese Frage kann aus mehreren Richtungen diskutiert werden.
Hausbank-Kredit als sinnvolle Alternative?
Wenn man das Geld nicht hat, bietet sich auch eine Finanzierung mit einem Kredit der eigenen Hausbank an. Hier führt das Orientierungsgespräch mit der Bank zu einem Angebot mit 4,25 % Zinsen bei drei Jahren Laufzeit und vierteljährlicher Kapitaldienstzahlung. Zu finanzieren sind in diesem Fall 142.150 €, weil der Händler die Frage, was am Preis verhandelbar sei, wenn man die Finanzierung selbst organisiere, mit einem Nachlassangebot von 7.650 € beantwortet hat und den Alten unverändert für 38.800 € in Zahlung nimmt.
In den Spalten 6 bis 8 der Tabelle 1 ist der Tilgungsverlauf für den Bankkredit dargestellt, der als Annuitätendarlehen aufgenommen wird, weil dem Betrieb eine niedrige Anfangsbelastung und konstante Raten wichtig sind. Die Kapitaldienstraten werden dann 12.666,57 € betragen, damit der Kredit nach 36 Monaten abbezahlt ist. Moment mal: 12 x 12.666,57 € statt 12 x 12.483,33 €? Ja, genau, das sind 12 x 183,24 €, also in der Summe 2.198,86 € mehr als die Raten an den Händler. Also scheidet diese Option zunächst aus, denn im Gespräch wurde deutlich, dass bei dem kleinen Kreditvolumen der Zinssatz nicht verhandelbar ist.
Wenn der Schlepper in die Jahre kommt, ist guter Rat teuer, denn aufgrund der Erlöse hat sich die Liquidität der Betriebe teils verschlechtert. Finanzierungen müssen her. Foto: Isa-Maria Kuhn
Wie sinnvoll wäre Eigenkapitaleinsatz?
Da der Betrieb in den vergangenen Jahren einige Rücklagen bilden konnte, die aber eigentlich für einen sich abzeichnenden Immobilienkauf genutzt werden sollten, ist die Finanzierung mit Eigenkapital ebenfalls eine zu analysierende Option. Hier wird danach gefragt, wie gut sich das eigene Geld verzinsen würde, wenn die verbliebenen 142.150 € (180.950 € Barkaufpreis – 38.800 € für den Alten) eigenfinanziert würden.
Für die Rückzahlung des Eigenkapitals würde man die Raten aus der Händlerfinanzierung (12 x 12.483,33 €) nehmen. Dann zeigt der in den Spalten 9 bis 11 gezeigte Tilgungs- und Zinsverlauf, dass bei einem Zinssatz von 3,3033 % der Kredit durch zwölf vierteljährliche Raten à 12.483,33 € in 36 Monaten abzahlbar ist. Dieser Zinssatz, der sich in der Situation ergibt, bei der alle Parameter mit Ausnahme des Barzahler-Rabattes von 7.650 € mit der Händler-Finanzierung gleich sind, kann auch als „interner Eigenkapitalzins“ der Maschinenfinanzierung interpretiert werden. Gleichzeitig ist das auch der Zinssatz, der bei der Bank ausgehandelt werden müsste, damit das Hausbankangebot zur Händlerfinanzierung konkurrenzfähig werden kann (deswegen „Gleichgewichts-Zins“ als Überschrift). Als Eigenkapitalzins ist das zwar nicht die Welt, aber immer noch mehr als durch „sichere“ Festgeldanlagen erreicht werden kann.
Und wenn ich noch einmal mit dem Händler rede?
Als dritte Option soll noch diskutiert werden, welchen zusätzlichen Barkauf-Rabatt man beim Händler herausschlagen müsste, damit die bislang unattraktivere Bankfinanzierung mit der Händlerfinanzierung gleichziehen kann. Die Spalten 12 bis 14 der Tabelle 1 zeigen, dass sich ein Betrag von 140.094 € bei 36 Monaten Laufzeit und 4,25 % Zinsen mit zwölf vierteljährlichen Raten à 12.483,33 € abzahlen lässt. Nachverhandeln beim Händler müsste also zusätzlich einen weiteren Preisnachlass von 1.056 € bringen, damit das Finanzieren über die Hausbank gleich attraktiv würde beziehungsweise sich das Eigenkapital mit 4,25 % verzinst. Doch ist das wahrscheinlich? Das hängt stark von den Umständen ab. Rechnet der Händler damit, dass er den neuen Schlepper schnell verkaufen kann, wird das eher nicht klappen. Steht der Neue aber schon einige Zeit auf dem Hof und ist gerade keine Saison, dann könnte der Händler zu größeren Rabatten bereit sein. Warum? Weil er in dem zu verkaufenden Maschinenbestand auch Kapital gebunden hat. Nehmen wir an, dass er den Neuen für 153.000 € ankaufte und für 5.000 € aufhübschte, also 158.000 € gebunden hat, so sind das bei ebenfalls 4,25 % Finanzierungszins zirka 6.720 € Zinsen pro Jahr beziehungsweise 560 € im Monat. Ihn jetzt bar zu verkaufen, ist dann für ihn besser als eine zu erwartende weitere Standzeit von zwei oder mehr Monaten.
Mähdrescherfinanzierung über sechs Jahre
Im zweiten Beispiel ist die Finanzierung für einen Mähdrescher anders gestrickt, weil der sich aus den bei Eigendrusch eingesparten Lohnunternehmerkosten annähernd selbst finanzieren soll. Die Laufzeit der Händlerfinanzierung beträgt deswegen sechs Jahre mit einer jährlichen Rate im Spätsommer. Wegen der längeren Laufzeit und der auch in jedem Jahr späteren Tilgung gibt es die 272.100 € Kredit (338.500 € Kaufpreis – 6.400 € Inzahlungnahme) nicht mehr zum Nulltarif, sondern für immer noch attraktiv erscheinende 1,49 % Nominalzins.
Wie in den Spalten 3 bis 5 der Tabelle 2 dokumentiert, wird unter den genannten Bedingungen ein Kapitaldienst von 47.744,15 € im Jahr erforderlich, um den Kredit in 72 Monaten abzuzahlen.
Die Bewertung dieses Angebots folgt dem gleichen Ablauf wie im Beispiel 1.
Bei Bezahlung mit mitgebrachtem Geld ist das Händlerangebot mit 321.250 € um 17.250 € günstiger und bewirkt einen Finanzierungsbedarf von 254.850 €. Das Finanzierungsangebot der Hausbank liegt bei 4,15 % Zinsen und einer Ratenhöhe von 48.774,06 € im Jahr. Da auch hier die Raten jeweils knapp 1.030 € jährlich höher sind, werden in den sechs Jahren 6.179 € mehr bezahlt. Der Rückzahlungsplan ist in den Spalten 6 bis 8 dargestellt.
Könnte das Barkaufangebot (Zuzahlung 254.850 €) mit Eigenkapital finanziert werden, würden die sechs Einzelraten (47.744,15 € pro Jahr) einem internen Zins von 3,4471 % entsprechen (Spalten 9 bis 11). Auch hier ist es unwahrscheinlich, dass in Nachverhandlungen mit der Hausbank ein um 0,65 % niedrigerer Kreditzins erreicht werden könnte.
In Folgegesprächen mit dem Händler müsste der Kaufpreis durch einen zusätzlichen Preisnachlass von zirka 5.381 € auf 315.869 € (Finanzierungsbedarf: 249.469 €) gedrückt werden, damit bei Ratenhöhen von 47.744,15 € im Jahr eine Rendite von 4,10 % möglich ist.
Tipp für Excel-Affine: Wer ein bisschen Finanzmathematik kann, baut sich das Blatt in Excel nach und kann mit der Funktion „Zielwertsuche“ die Lösungen für die fett gedruckten Werte in eigenen Beispielen errechnen.
Fazit
Kreditangebote für Maschinenkäufe zu beurteilen, ist vergleichsweise einfach möglich. Tabellenkalkulationsbasierte Vergleiche mit Hausbank- oder Eigenkapitalfinanzierungen geben schnell Aufschluss, wo welche Renditen möglich sind und wo wie viel nachverhandelt werden müsste, damit Gleichwertigkeit entsteht.
Fast immer wird bei Maschinenfinanzierungsangeboten mit unnatürlich günstigem Zinssatz die Zinsdifferenz kapitalisiert im Kaufpreis versteckt und selbst bei Barkaufrabatten nicht immer sofort vollständig ausgereicht. Da hat Nachrechnen Sinn, um den Zinsvorteil in einem realistischen Kaufpreisnachlass zu kapitalisieren. Beim Handeln viel Erfolg!
Noch zwei Sätze zur Finanzierungslaufzeit: Wer schon länger mit knapper Liquidität kämpft, wird bei dreijährigen Laufzeiten diese Situation eher verschärfen und sollte nach Laufzeiten von fünf bis sechs Jahren fragen. Wenn aber bei sechsjähriger Laufzeit und hoher Auslastung des finanzierten Objektes die Deckung des Kapitaldienstes nicht erreicht werden kann, sollte die Notwendigkeit der Investition noch einmal auf den Prüfstand, denn das wirtschaftliche Risiko steigt dann deutlich (Fachbegriff: Pay-back-Periode – auf Deutsch: Wann habe ich das Geld wieder heraus?).
Die Bestände von Wintergetreide und Winterraps sind geprägt durch die zurückliegenden Wochen eines sehr trockenen, aber auch kühlen Frühjahres. Insbesondere eine lange Phase von sonnigen, warmen Tagen, gleichzeitig aber kalten bis regional oftmals frostigen Nächten hat für eine verhaltene Entwicklung und gebremstes Wachstum gesorgt.
Neben teilweisen Frostschäden in Knospen und Blüten des Rapses sind in den Getreidekulturen häufig Stresssymptome in Verbindung mit Pflanzenschutzmaßnahmen aufgetreten. Gerade viele Winterweizenbestände sind relativ heterogen und müssen neben starken Haupttrieben viele schwächere Nebentriebe für die Ertragsbildung mit ausbilden. Jedoch ist der Druck durch Pilzkrankheiten auf einem insgesamt niedrigen Niveau. Auch die Nährstoffaufnahme blieb längere Zeit gering, bis sich mit den jüngsten Niederschlägen und gestiegenen Temperaturen der vergangenen beiden Wochen die Situation entspannt hat und die applizierten Nährstoffgaben nun besser in den Getreidebeständen, insbesondere durch den Weizen, aufgenommen werden können.
Für den weiteren Vegetationsverlauf wird allerdings noch weiterer Niederschlag benötigt, da jetzt die Phase eines höheren Wasserbedarfs zur Kornfüllung der Kulturen Raps und Gerste, bald auch für den Winterweizen anbricht. Die Bestellung von Sommergetreide, Leguminosen und Rüben wurde durch kurze Niederschlagsphasen im März und April in die Länge gezogen, ist aber abgeschlossen, und die Feldaufgänge sind in Summe zufriedenstellend.
Beim Frühsommer-Empfang der Landesregierung zum Schleswig-Holstein-Musikfestival erfreuten sich die über 900 Besucher an den musikalischen Klängen des Auftaktkonzerts und am kulinarischen Angebot im Garten der Landesvertretung in Berlin. An acht Gütezeichen-Ständen wurden regionale Köstlichkeiten vom Käsesortiment aus Holtsee bis zum Softeis aus Büffelmilch angeboten.
Nach dem Jungpferdegipfel Anfang des Jahres (siehe BB 12/2026) und den daraus resultierenden Änderungen geht die Diskussion um den Start von jungen Pferden im Turniersport weiter. Im Dialogformat „Heiße Eisen“ in Warendorf diskutierten Experten aus Sport, Zucht, Wissenschaft und Ausbildung über Voraussetzungen, Chancen und Risiken eines frühen Turniereinstiegs und darüber, wie sich Förderung und Verantwortung in Einklang bringen lassen.
Gleich zu Beginn des Abends betonte Gastgeber Prof. Martin Richenhagen, es sei keine Lösung, Kritik auszublenden. Der Präsident von Pferdesport Deutschland führte aus, wer den Pferdesport zukunftsfähig gestalten wolle, müsse sich auch mit kritischen Stimmen auseinandersetzen. Entscheidend sei ein sachlicher Austausch, der auf Argumenten, Wissen und gegenseitigem Respekt beruhe. Es gehe nicht darum, ein ganz anderes System zu schaffen. Vielmehr müssten Reiter, Ausbilder, Richter und Veranstalter noch besser befähigt werden, Überforderung zu erkennen, Pferde zu lesen und verantwortungsvoll zu handeln.
In den sachlichen Austausch stieg dann auch gleich Prof. Christine Aurich von der Veterinärmedizinischen Universität Wien ein. Ihre Forschung zeigt: Frühzeitiges, maßvolles Training ist für junge Pferde nicht schädlich, sondern fördert ihre körperliche Entwicklung und Gesundheit. Die weit verbreitete Annahme, Pferde dürften erst belastet werden, wenn ihre Wachstumsfugen geschlossen seien, gelte als überholt – ähnlich wie bei Kindern, die ebenfalls schon Sport treiben, bevor sie ausgewachsen sind. Es komme immer auf das Maß an.
Neben der körperlichen Entwicklung untersuchte Aurich auch die mentale Belastbarkeit. Das Ergebnis: Bereits ab etwa 18 Monaten können Pferde vorsichtig an Aufgaben herangeführt werden. Die Stressreaktion ist individuell und messbar, etwa über Herzfrequenz oder Kortisol. Auffällig ist, dass junge Pferde etwa bei Transporten oft stärker gestresst reagieren als bei körperlicher Arbeit. Laut Aurich ist eine frühe, behutsame Gewöhnung an neue Reize sinnvoll. Der richtige Zeitpunkt für Turniere hänge jedoch stark von der individuellen Entwicklung und dem Umgang mit dem Pferd ab.
Individuell entscheiden
Auch Ingo Pape sprach sich für eine individuelle Betrachtung junger Pferde aus. Der Pferdewirtschaftsmeister, der in Niedersachsen eine Hengststation betreibt, betonte, dass Pferde nicht in Schablonen gepresst werden dürften. Jedes Pferd bringe eigene Eigenschaften, eigene Voraussetzungen und ein eigenes Lerntempo mit. „,Zehn Pferde sind zehn verschiedene Pferde‘, sagte schon Paul Stecken. Es liegt in meiner Verantwortung, meine Pferde entsprechend zu lesen und für jedes den richtigen Weg zu finden“, sagte Pape.
Wilken Treu, Geschäftsführer des Hannoveraner Verbandes, machte deutlich: „Unser Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit auch in der Vorbereitung keine Überforderung stattfindet.“ Ein früheres Auftreten könne sinnvoll sein, solange es richtig gemacht werde. Entscheidend sei, Anforderungen so zu gestalten, dass sie altersgerecht blieben und körperliche Überforderung in jedem Alter vermieden werde. „Man kann es in jedem Pferdealter falsch machen, auf der psychischen und physischen Ebene. Ein Pferd psychisch zu überlasten, geht sehr schnell. Deshalb müssen wir uns diesbezüglich noch deutlicher hinterfragen“, mahnte Treu. Die gesamte Branche müsse sich dieser Verantwortung stellen und konsequent daran arbeiten, schwarze Schafe zu erkennen und das Bild des Sports zu verbessern.
Reitmeister Martin Plewa plädierte dafür, mehr Wissen zu vermitteln und die eigenen Ausbildungsgrundsätze konsequenter anzuwenden. Gesundheit und Gesunderhaltung müssten im Mittelpunkt stehen. Zugleich findet Plewa, dass der Blick für gutes Reiten geschult werden müsse. Seine Idee: Bei den Bundeschampionaten solle vor den Reitpferdeprüfungen die Aufgabe vorgeritten werden. Die Vorreiter sollten demonstrieren, wie ein Pferd richtig und pferdegerecht vorgestellt werden könne. Die Ritte sollten entsprechend kommentiert werden, um auch das Publikum zu schulen. „Das ist ein sehr guter Vorschlag, den wir verfolgen werden“, sagte Dr. Dennis Peiler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und Moderator des Abends.
Laufende Entwicklungen
Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies betonte die Bedeutung positiver Verstärkung und eines bewussteren Umgangs mit jungen Pferden. Ausbildung und sportlicher Erfolg seien nicht dasselbe. Gerade deshalb müsse noch mehr darüber gesprochen werden, wie Lernprozesse gestaltet werden müssten, um jedes Pferd individuell zu fördern. Besonders wichtig sei dabei die differenzierte Betrachtung, worüber gesprochen werde – über die Anforderungen, die Bedingungen und die Umstände. Sie wünschte sich eine kleinteiligere Betrachtung des Ausbildungsweges eines Pferdes.
Abschließend ordnete Peiler die Diskussion in laufende Entwicklungen bei Pferdesport Deutschland ein. Der Jungpferdegipfel zu Beginn des Jahres habe bereits wichtige Impulse gesetzt, Arbeitsgruppen hätten konkrete Anpassungen auf den Weg gebracht. Nun werde in den Reitpferdeprüfungen der Bundeschampionate das Pilotprojekt umgesetzt. Es gehe darum, Erfahrungen zu sammeln, Maßnahmen zu evaluieren und dort nachzuschärfen, wo weiterer Handlungsbedarf bestehe. Ziel sei es, Anforderungen so weiterzuentwickeln, dass junge Pferde nicht überfordert und gleichzeitig bestmöglich auf ihre spätere sportliche Laufbahn vorbereitet würden.
Der Abend in Warendorf machte deutlich: Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den Turnierstart lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind die individuelle Entwicklung, die körperliche und mentale Belastbarkeit, die Gewöhnung des jungen Pferdes, die Ruhe in der Ausbildung, das Vertrauen zum Menschen sowie das jeweilige Umfeld. lh
Das Wohnen im Grünen – wunderbar! Wenn nur die hungrigen Gartenbesucher nicht wären. Lassen sich Rehe und Kaninchen nicht fernhalten, kommt vielleicht die Umstellung auf wildsichere Gewächse infrage.
Johanniskraut ‚Hidcote‘ friert im Winter oft zurück. Der Neuaustrieb erfolgt im Frühjahr.Foto: Karin Stern
Rosenknospen und die zarten Triebe vieler Stauden sowie Sträucher sind auch bei Kaninchen und Rehen sehr beliebt. Haben sie einmal herausgefunden, wo die leckeren Pflanzen wachsen, finden die Tiere zuverlässig immer wieder den Weg in den Garten. Dabei wagen sie sich auch nah an Häuser und Terrassen heran. Eine Abwehrstrategie besteht darin, Hecken aus Pflanzen zu setzen, die die Tiere nicht mögen. Dazu zählt das Johanniskraut ‚Hidcote‘ (Hypericum). Es bildet mit einer Wuchshöhe von etwa 1 m allerdings nur eine niedrige Barriere gegen Rotwild und Hasen. Die schalenförmigen, gelben Blüten zeigen sich von Juni bis Oktober. Die Sträucher sind robust, langlebig und pflegeleicht. Man schneidet sie einfach am Ende des Winters bodennah zurück. Für höhere Hecken eignen sich bei passenden Standortverhältnissen auch Hortensien (Hydrangea) und Säckelblumen (Ceanothus). Beide Gehölze werden erfahrungsgemäß von Wild verschmäht.
An geschützten Standorten kann die Säckelblume stattliche Ausmaße annehmen. Foto: Karin Stern
Doch die Liste der wildsicheren Gehölze ist noch länger. Links liegen gelassen wird der Amerikanische Amberbaum (Liquidambar styraciflua). Mit einer Höhe von 8 bis 20 m eignet er sich für große Grundstücke. Alternativ pflanzt man die nur 4 m hohe Zwergform ‚Gum Ball‘ mit attraktiver Kugelkrone. Im Herbst gibt es die spektakuläre orange-rot-violette Blattfärbung als Zugabe. Daneben gelten auch die 4 m hohe Strauchkastanie (Aesculus parviflora) und der Perückenstrauch (Cotinus coggygria) als „wildsicher“. Die Strauchkastanie fühlt sich in Sonne und Halbschatten auf normalem Gartenboden wohl. Ihre weißen, bis zu 30 cm langen, aufrechten Blütenrispen zeigen sich von Juli bis August. Der frühjährliche Austrieb ist leuchtend rot. Im Herbst nimmt das Laub eine goldgelbe Farbe an. Der Perückenstrauch braucht einen sonnigen, warmen Platz auf gut durchlässigem, kalkreichem Boden. ‚Royal Purple‘ ist eine empfehlenswerte Sorte mit intensiv schwarz-roten Blättern und auffälligen, perückenartigen Fruchtständen. Die Gelbe oder Pontische Azalee (Rhododendron luteum) darf nicht unerwähnt bleiben. Der sommergrüne Strauch schmückt sich mit duftenden, gelben Blüten von Mai bis Juni. Im Herbst zeigt das Laub einen intensiven Gelb- oder Orangeton. Die Pflanze braucht einen nährstoffreichen, sauren Boden. Sie ist nicht zuverlässig wildsicher, treibt nach einem Verbiss jedoch schnell wieder aus.
Der Amberbaum benötigt einen sonnigen und geschützten Standort. Foto: Karin SternDie wunderschöne Blüte der Strauchkastanie zeigt sich von Juli bis August. Foto: Karin SternDer Perückenstrauch bringt mit seiner Blattfarbe Abwechslung in den Gehölzgarten.Foto: Karin SternDie Gelbe Azalee im Hintergrund rechts ist nicht zuverlässig wildsicher. Sie treibt nach einem Verbiss jedoch zügig wieder aus.Foto: Karin Stern
Auch im Staudenreich finden sich viele Arten, die Reh & Co. unbeachtet lassen. Unter den niedrigen Stauden gelten Blutroter Storchschnabel (Geranium sanguineum), Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum), Christrose (Helleborus) und Purpur-Fetthenne ‚Atropurpureum‘ (Sedum telephium) als ungefährdet. Im mittelhohen Bereich empfehlen sich Silberraute ‚Silver Queen‘ (Artemisia ludoviciana), Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium), Himalaja-Wolfsmilch ‚Fireglow‘ (Euphorbia griffithii), Sonnenhut (Rudbeckia fulgida), Lampionblume (Physalis alkekengi) und die vielen Sorten der Trollblume (Trollius x cultorum).
Der Blutstorchschnabel ‚Feu d‘Automne‘ blüht von Juni bis September.Foto: Karin SternSilberraute ‚Valerie Finnis‘ liebt einen sonnigen Platz mit durchlässigem Boden. Foto: Karin SternDie glatten, glänzenden Wedel des Hirschzungenfarns sind ein echter Hingucker.Foto: Karin SternHimalaja-Wolfsmilch ‚Fireglow‘ bevorzugt einen nährstoffreichen, nicht zu trockenen Boden. Foto: Karin SternDie Lampionblume breitet sich gern aus. Foto: Karin Stern
Gestaltungsspielraum lassen die zahlreichen Sorten des Chinaschilfs (Miscanthus sinensis). Sie bieten hohe und niedrige Varianten mit Wuchshöhen zwischen 1 und 3 m. Zu achten ist bei der Sortenwahl auf die verschiedenen Blattzeichnungen und Blütenstände sowie die Wuchsform. Manche Sorten wachsen straff aufrecht, andere hängen malerisch über. Chinaschilf bevorzugt in der Regel einen sonnigen Standort. Nur einige wenige Sorten kommen auch gut im Schatten zurecht. Im Halbschatten fühlt sich der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus) wohl. Die indigoblauen Blüten erscheinen in der Zeit von Juni bis Juli. Alle Teile der Pflanze sind stark giftig. Dies dürfte auch die Abneigung des Wildes erklären, die sich außerdem auf den giftigen Fingerhut (Digitalis purpurea) erstreckt. Für sonnige Bereiche empfiehlt sich die Gold-Garbe (Achillea filipendulina). Dank der breiten Sortenauswahl kann man mit ihr nicht nur farblich spielen, sondern auch mit Blütezeiten zwischen Juni und August sowie einer Nachblüte im September. Nur einige Beispiele: ‚Feuerland‘ blüht leuchtend rot, ‚Parker‘ goldgelb, ‚Heinrich Vogeler‘ schneeweiß und ‚Terracotta‘ orangebraun. Die Wuchshöhen liegen sortenabhängig im Bereich von 80 bis 120 cm.
Das Chinaschilf ‚Kleine Fontäne‘ überzeugt mit einem überhängenden Wuchs.Foto: Karin SternDer giftige Eisenhut wird von Wild nicht angerührt. Foto: Karin SternDer Fingerhut bleibt von Rehen unbehelligt, selbst wenn sie den Zaun überwinden sollten.Foto: Karin Stern‚Parker‘ ist eine robuste, altbewährte Sorte der Goldgarbe.Foto: Karin Stern
Auch wenn alle bisher genannten Pflanzen erfahrungsgemäß von Wild gemieden werden – eine Garantie gibt es leider nicht. Junge Bäume schützt man daher zur Sicherheit mit Kunststoffmanschetten gegen Fege- und Verbissschäden. Ein Zaun oder die dichte, mindestens 170 cm hohe Hecke sind aufwendige, aber recht sichere Maßnahmen gegen unerwünschten Besuch. Mancher Gärtner hat gute Erfahrungen mit einem Produkt namens Wildstopp gemacht. Es enthält Blutmehl und wird auf gefährdete Pflanzen aufgesprüht. Der Geruch verscheucht Pflanzenfresser. Die Wirkung hält nach Herstellerangaben im Sommer bis zu zwei Monate und im Winter bis zu einem halben Jahr an.
Nach über 25 Jahren Verhandlungsdauer kam das EU-Mercosur-Abkommen am 1. Mai 2026 zur vorläufigen Anwendung. Diese vorläufige Version bezieht sich in erster Linie auf den Handel, da das vollständige Abkommen erst noch von sämtlichen Mitgliedstaaten ratifiziert werden muss. Hierdurch ist seit dem 1. Mai die größte Freihandelszone der Welt geschaffen worden. Der Rindfleischbereich hat sich dabei als der sensibelste Bereich des Abkommens herausgestellt.
Dazu beinhaltet es, dass 99.000 t südamerikanisches Rindfleisch zusätzlich zu einem reduzierten Zollsatz von 7,5 %, statt bisher 20 %, in die EU eingeführt werden dürfen. Die bisherigen Einfuhren aus den Mercosur-Staaten beliefen sich auf zirka 200.000 t. Davon fielen bereits 105.000 t unter bisherige Zollermäßigungen. Der Rest wurde bisher zum vollen Zollsatz von 20 % eingeführt. Das neue Zollkontingent begünstigt daher vorerst hauptsächlich ohnehin schon bestehende Importmengen. Der bisherige Marktanteil der Mercosur-Staaten am EU-Rindfleischmarkt von 3,2 % dürfte sich also nur geringfügig nach oben bewegen.
Befürchtungen der Landwirte bestätigen sich
Das Abkommen wurde begleitet von massiven Protesten seitens der Landwirte und Branchenverbände. Kritisiert wurden und werden Auswirkungen auf die Erzeugerpreise in der EU und die unterschiedlichen Qualitätsstandards, insbesondere in Bezug auf die Verwendung von Antibiotika und Wachstumsförderern. Während die Befürchtungen eines Preisverfalls durch deutlich steigende Importmengen größtenteils unbegründet sind, sind die Sorgen der Landwirte in Bezug auf den Bereich Antibiotika und Wachstumsförderer durchaus begründet. Konkret geht es um einen Fall, in dem die EU im Rahmen von Einfuhrkontrollen bereits Anfang März 80 t mit 17-Beta-Östradiol behandeltes Rindfleisch aus Brasilien entdeckt hat. Schon 2024 hat die EU die Maßnahmen der brasilianischen Regierung gegen den Export von hormonbelastetem Rindfleisch als unzureichend kritisiert und entsprechende Empfehlungen ausgesprochen. Diese Vorgaben wurden bisher aber nur unzureichend umgesetzt.
EU reagiert mit Importstopp
Die Konsequenz aus diesem Vorfall in Verbindung mit den deutlichen Lücken in den brasilianischen Kontrollverfahren ist nun, dass die EU Brasilien von der Liste der sicheren Herkunftsländer streicht, trotz Mercosur-Abkommen. Brasilien darf damit – allerdings erst ab dem 3. September 2026 – kein Rindfleisch mehr in die EU liefern, bis es nachweisen kann, dass die EU-Vorgaben eingehalten werden. Dieser Importstopp gilt auch für Geflügel und Honig. Die EU beweist damit, dass sie durchaus in der Lage ist, ihre Vorgaben durchzusetzen. Die Regierung in Brasilien reagierte jedenfalls umgehend und gelobte sofortige Besserung. Wie schnell der mit Abstand größte Rindfleischexporteur der Welt dies auch umsetzt, bleibt abzuwarten. Der Anteil der brasilianischen Rindfleischexporte in die EU an den gesamten Rindfleischexporten des südamerikanischen Landes liegt bei unter 5 %. Von den europäischen Landwirten und Branchenverbänden wird die zumindest vorläufige Verbannung Brasiliens vom hiesigen Markt jedenfalls wohlwollend zur Kenntnis genommen.
Marktlage für die Woche vom 18. bis 24.5.2026
Getreide: Nachdem die US-Regierung mitteilte, dass China US-Agrarprodukte für 17 Mrd. US-$ kaufen werde, stiegen die Kurse in Chicago an, was positiv auf Paris ausstrahlte.
Raps: Wegen der Angst vor neuen kriegerischen Aktivitäten am Persischen Golf stiegen die Rohölpreise, damit zogen die Kurse für Pflanzenöle an, was den Rapspreis deutlich unterstützte.
Futtermittel: Wie zuvor notierte Futtergerste fest und überstieg vereinzelt Futterweizenpreise.
Kartoffeln: Einige Lebensmittelketten teilten mit, dass sie länger als sonst üblich Lagerkartoffeln anböten, solange diese in guter Qualität verfügbar seien.
Schlachtrinder: Nachdem die Preise zuletzt deutlich nachgegeben hatten, stabilisierte sich der Markt, die Preisempfehlungen blieben unverändert.
Schlachtschweine/-sauen: Nach der deutlichen Preiskorrektur bewegten sich Angebot und Nachfrage aufeinander zu, von einer Marktbelebung konnte aber keine Rede sein.
Ferkel: Die Notierungen waren weiter an die Preise des Schlachtschweinemarktes gekoppelt, was die Einstallpreise deckelte.
Milch: Das Milchaufkommen erreichte weiter ein hohes Niveau und legte zuletzt leicht zu.
Schlachtlämmer/-schafe: Ein kleines Angebot traf auf eine ruhige Nachfrage mit stabilen Preisen.
Markttendenz für die Woche vom 25. bis 31.5.2026
Getreide: In Europa wird der Markt weiter durch die schwache Exportnachfrage belastet. Internationale Käufer halten sich in der Hoffnung auf sinkende Preise zurück.
Raps: Niederschläge sorgen für Entspannung, die Blütenbehandlung ist vielerorts beendet. Regional hat der Rapserdfloh trotz mehrfacher Behandlungen Schäden verursacht.
Futtermittel: Mit den höheren Kursen für die Rohware hat sich auch Rapsschrot leicht verteuert.
Kartoffeln: Die Frühkartoffelernte in Deutschland wird immer wieder von Regen unterbrochen, was angesichts des noch geringen Bedarfs jedoch kaum ins Gewicht fällt.
Schlachtrinder: Bei Jungbullen entspannt sich die Lage, die angebotenen Tiere lassen sich überwiegend zu unveränderten Preisen absetzen.
Schlachtschweine/-sauen: Das bevorstehende lange Wochenende sollte für Impulse im Absatz sorgen, insbesondere im Bereich Grillfleisch und Frischware.
Ferkel: Kurzfristig erwarten Marktbeteiligte stabile Preistrends auf abgesenktem Niveau.
Milch: Immer wärmere und sonnigere Tage sollten den Markt für Frischprodukte mit Nachfrageimpulsen versorgen.
Schlachtlämmer/-schafe: Für die kommenden Wochen gehen die meisten Marktteilnehmer von einer ausgeglichenen Situation aus.