Start Blog Seite 4

Klarkommen in Krisen

0

Die Unsicherheit über die Zukunft ist bei vielen Menschen derzeit mit Händen zu greifen. Die Häufung von Krisen vor unserer Haustür ist ungewöhnlich hoch. Wie bereitet sich Schleswig-Holstein vor, wenn die Krise mit der Tür ins Haus fällt? Das Bauernblatt hat die CDU-Landtagsabgeordnete Rixa Kleinschmit dazu gefragt. Sie ist im Krisenfall weiteres Mitglied des Notausschusses auf Landesebene.

Frau Kleinschmit, im Katastrophenfall kommt es auf Sie an. Wie sorgt Schleswig-Holstein in Bezug auf die Ernährungssicherheit vor, wie werden Landwirte heute und im Krisenfall eingebunden?

Rixa Kleinschmit: Die Landwirtschaft hat immer gezeigt, dass sie im Krisenfall eine tragende Säule ist. Blicken wir zuletzt auf die Waldbrände sind es die Landwirte, die mit ihren Maschinen und ihrer Arbeitskraft sofort zur Stelle sind. So war es auch bei der Ostseesturmflut oder im Ahrtal. Das ist großartig und verdient unseren größten Dank.

Wir haben bereits im letzten Jahr im Landwirtschaftsministerium eine Stelle zur Koordination derLand- und Ernährungswirtschaft geschaffen. Hier geht es nicht nur um Nahrungsmittel, sondern auch um Schnittstellen und Koordination. Wir dürfen nicht erst im Ernstfall überlegen, wer wofür zuständig ist. Die Ketten müssen vorher stehen.

Wie scharf ist der Blick in Kiel dafür, dass die heimische Agrar- und Ernährungswirtschaft eine kritische Infrastruktur ist?

Sehr scharf. Uns ist sehr bewusst das in Krisenzeiten besonders die Ernährung der Bevölkerung, aber auch die Versorgung mit Strom und Wasser elementar sind. Ich gehe davon aus, dass wir in schweren Lagen im urbanen Raum vor wesentlich höheren Herausforderungen stehen als im ländlichen Raum. Das liegt auch am pragmatischen Umgang und dem Miteinander auf den Dörfern.

Wir haben in Schleswig-Holstein die Kampagne „KommKlar SH“ ins Leben gerufen. Hierbei wird dafür geworben, dass sich jeder Bürger und jede Bürgerin in Schleswig-Holstein mindestens 72 Stunden selbst versorgen kann, damit sich unsere Blaulichtorganisationen auf die konkrete Krise konzentrieren können.

Auf unseren landwirtschaftlichen Betrieben sehe ich aber hier kaum Probleme, im Gegenteil. Ich bin mit den Geschichten aus der Schneekatastrophe 1978/79 aufgewachsen, bei denen meine Großmutter mit ihren Vorräten die nahegelegene Marinestation mitversorgt hat. Dieses Mindset haben wir immer noch auf den Betrieben.

Europa litt im Sommer unter einer Dürre. Wie wirken sich derartige Wetterverhältnisse auf die Agrar- und Sicherheitspolitik aus?

Blicken wir auf die Landwirtschaft müssen wir auch über Klimaanpassung sprechen. Wir haben in den letzten Wochen eine Klimaanpassungsstrategie veröffentlich. Diese beinhaltet auch Punkte zur Landwirtschaft. Hier müssen wir besonders unsere Züchtung in den Blick nehmen.

Wir brauchen Sorten, die mit geänderten Temperaturen, aber auch mit geänderten Niederschlagsmengen und -zeiten klarkommen. Dies ausschließlich mit konventioneller Züchtung zu erreichen, dauert zu lang. Wir brauchen auch die neuen Züchtungsmethoden. Ebenso muss es bei der Entwicklung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln schneller gehen. Wir können nicht Jahre verstreichen lassen, bis wir gegen neue Schadorganismen vorgehen können, während sich diese übers ganze Land ausbreiten.

Hier greifen Sicherheits- und Agrarpolitik ineinander, da ohne eine resiliente Agrarwirtschaft im Krisenfall auch die Sicherheit nicht aufrechtzuerhalten ist.

Der Bauernverband fordert, die Lebensmittelversorgung krisenfest aufzustellen. Wie diskutieren die Kieler Koalitionspartner die konträren Themen Ernährungssicherung und Umwelt- sowie Klimaschutz?

Ich bin nicht der Ansicht, dass es konträre Themen sind. Ich finde es sogar gefährlich, wenn diese Themen gegeneinandergestellt werden, und das ist es auch nicht, was ich auf den Höfen höre. Aber es stimmt, viele Diskussionen drehen sich um theoretische und kleinteilige Problemstellungen.

Das verschreckt und es droht die Gefahr der Verlagerung von Produktion ins Ausland. Damit schwächen wir unsere Ernährungssicherheit und helfen weder Umwelt- noch Klimaschutz. Oft wird ja vergessen, dass in anderen Teilen der Welt zu schlechteren Standards für Mensch, Tier und Natur produziert wird.

Wenn wir über Bevölkerungsschutz sprechen, geht es auch um Logistik. Wo liegen im Ernstfall die Nadelöhre der Lebensmittelversorgung?

Es kommt sehr darauf an, um welchen Krisenfall mit welchem Ausmaß es sich handelt. Es macht einen Unterschied, ob es sich um Wetterextreme oder langanhaltende Stromausfälle handelt. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist elementar, wie insbesondere Produkte mit geringer Lagerfähigkeit zur Weiterverarbeitung gelangen.

Für die Versorgung der Bevölkerung wiederum ist die Meldekette in die andere Richtung wichtig: Wo liegen die Produkte und wie kommen sie zu den Menschen? Ich durfte vor einiger Zeit am Einsatzkräfteempfang des Landes zu Ehren der Menschen, die sich haupt- und ehrenamtlich diesen Themen widmen, teilnehmen. Es hat mich sehr berührt und beruhigt zu hören, wie eng die Organisationen vernetzt sind.

Schleswig-Holstein gilt im Nato-Konzept als zentrales Aufmarsch- und Drehkreuzgebiet, um im Bündnisfall Truppen und Material an die Ostflanke zu verlegen. Welche Rolle nimmt dabei die Landwirtschaft ein?

Die Landwirtschaft ist in so einen Fall Teil der nationalen Resilienz und Versorgungssicherheit und muss aufrechterhalten werden. Bei großen Truppenbewegungen muss auch über Lagerungs- und Abstellflächen nachgedacht werden. Aus verständlichen Gründen sind viele dieser Pläne nicht öffentlich und wir können alle nur hoffen, dass sie nicht zum Tragen kommen.

Brauchen wir angesichts veränderter Bedrohungslagen eine Renaissance der dezentralen Bevorratung und Verarbeitung? Und wer soll das bezahlen?

Natürlich muss sowas diskutiert werden. Vor dem Hintergrund knapper Haushaltslagen muss man aber so ehrlich sein und klare Prioritäten setzen: Was ist elementar und was „nice-to-have“? Ich würde es unterstützen, wenn wir im Bereich der Verarbeitung Standorte zum Ausweichen hätten.

Schauen wir von oben auf unser Land, dann haben wir mit dem Nord-Ostsee-Kanal eine Wasserstraße, die nur an ein paar Stellen überquert werden kann. Würde hier etwas geschehen, hätten wir automatisch ein großes Problem für die Produzenten auf der anderen Seite.

Welche Mittel gibt es, um landwirtschaftliche Betriebe krisensicher umzurüsten?

Aktuell machen sich viele Gemeinden und Städte vermehrt auf den Weg, um entsprechendes Gerät anzuschaffen. Oft gab es das Grundverständnis, dass der örtliche Landwirt mit seinen Maschinen schon aushelfen wird und die Feuerwehr ja auch noch da ist.

Kommt es zu größeren Lagen, muss diese sich aber um ihre Kernaufgaben kümmern und die landwirtschaftlichen Betriebe brauchen ihre Maschinen selber. Obwohl es wünschenswert wäre, ist mir aktuell kein entsprechendes Förderprogramm bekannt.

Zum Gesamtbild gehört aber auch, dass bei gewissen Tierhaltungssystemen, z.B. mit automatischer Futter- und Wasserversorgung, bereits heute ein Notstromaggregat vorgeschrieben ist.

Was braucht es und was tut das Land, damit die Wertschöpfungskette im Krisenfall funktioniert?

Nachdem wir uns viele Jahre, mit Ausnahme von Unwettern, sehr sicher fühlen durften, hat das Thema Bevölkerungsschutz in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit bekommen. Der nationale Warntag hat uns kürzlich daran erinnert. Schleswig-Holstein hat im Jahr 2025 die Taskfore Zivile Verteidigung gegründet.

Ein Schwerpunkt ist die Versorgungssicherheit, ein anderer die Erfassung der kritischen Infrastruktur. Es kommt auf die Art der Krise an, aber ich würde zwischen der Versorgung der Bevölkerung und der unveränderten Aufrechterhaltung der Wertschöpfungskette unterscheiden. Aus meiner Sicht muss nach der Notwendigkeit der Produkte und Verderblichkeit der Ware priorisiert werden.

Landwirte verfügen über schweres Gerät, Treibstofflager und Ortskenntnis – sie sind eine schlafende Reserve für den Katastrophenschutz. Wie sieht eine Einbindung im Krisenfall praktisch aus?

Ich weiß von dieser stillen Reserve und ich bin mir sicher, dass die Verantwortlichen für diese Pläne es auch wissen. Dass aber viele dieser Pläne nicht öffentlich sind, ist auch verständlich.

Wo besteht auf Landesebene dringender Handlungsbedarf in der Ernährungssicherheit? Wie weckt man das Bewusstsein für Gefahren?

Ich bin froh, dass wir mit dem letzten Haushalt eine Stelle im Landwirtschaftsministerium schaffen konnten, damit insbesondere die Fragen der Verfügbarkeit und der Standorte in einer Hand liegen.

Ich denke aber, dass der größte Handlungsbedarf bei jedem von uns liegt. Und damit meine ich uns alle als Bürgerinnen und Bürger.

So ist die Notfallvorsorge in den letzten Jahren verloren gegangen: Habe ich im Fall eines dreitägigen Stromausfalls alles im Haus? Ich empfehle allen, sich eine entsprechende Liste des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe anzusehen. Wenn wir uns in der Krise drei Tage ohne Strom versorgen können, entlasten wir die Helfer enorm.

Was fehlt ihnen in Bezug auf das Thema Ernährungssicherheit? Was wünschen Sie sich von Bürgern, Bauern und Politikern?

Mir fehlt das klare Bekenntnis von Bürgern und Politikern, dass wir ohne unsere Landwirte nichts zu Essen auf dem Teller haben. Im Krisenfall ist das elementar. Wir haben sicherlich alle keine Vorstellungen davon, wie es allein in einer Stadt wie Rendsburg nach drei Tagen ohne Strom aussehen würde. Und von den Bäuerinnen und Bauern wünsche ich mir, dass wir uns weiterhin auf sie verlassen dürfen. sh

Rixa Kleinschmit (r.) im Gespräch über Ernährungssicherheit mit dem CDU-Europaparlamentarier Niclas Herbst auf Gut Farve. Foto: sh

Heimische Käse mit Bestnoten

0

Im Lehr- und Versuchszentrum für Milchwirtschaft (LVZM) der Landwirtschaftskammer in Bad Malente fand am 9. September die jährliche Käseprüfung statt.

Zusammen mit ­ehemaligen Absolventen des Malenter Lehrzentrums beurteilten die Auszubildenden über 40 Käsesorten aus zwölf schleswig-holsteinischen Betrieben. In der Käseprüfung werden Aussehen, Geruch und Geschmack der einzelnen Sorten gemäß der vorliegenden Spezifikation und den Vorgaben der Käseverordnung bewertet. Dabei kommt es nicht auf den eigenen Geschmack an. Ausschließlich objektive Qualitätsparameter gilt es zu ermitteln und zu bewerten. Die Schülerinnen und Schüler profitieren dabei von der Ausbildung und Erfahrung der ehemaligen Absolventen.

Prüfer Dirk Jaschner (Meierei Holtsee; v. li.) erklärte Stephanie Wetekam (Geschäftsführerin LKSH) und den Auszubildenden Baran Coskun (Sonac GmbH) und Sofia Wagner (Danisco) die Methodik zur sensorischen Prüfung verschiedenster Käsesorten. Foto: Sandra van Hoorn

Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, stellte fest: „Die Milcherzeugung ist eine der wichtigsten Sparten der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft. Mit der Weiterverarbeitung der Milch in den heimischen Molkereien bleibt die Wertschöpfung in der Region. Von der überregional vermarktenden Genossenschaftsmeierei bis zur kleinen Hofkäserei mit saisonaler Produktion gibt es in Schleswig-Holstein alle Beispiele. Die heutige Käseprüfung zeigt die große Bandbreite des Sortimentes aus den schleswig-holsteinischen Käsereien. Vom jungen Schnittkäse über den aromatischen Weichkäse bis zum würzigen Hartkäse findet hier jeder seinen Lieblingskäse. Gleichzeitig bietet die Prüfung den Auszubildenden der Milchwirtschaft die Möglichkeit, unter Anleitung erfahrener Prüfer die eigenen sensorischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.“

Das Lehr- und Versuchszentrum für Milchwirtschaft in Malente ist eine zentrale überbetriebliche Ausbildungsstätte für die Molkereiwirtschaft. Dort erwerben angehende Milchtechnologinnen und Milchtechnologen sowie Milchwirtschaftliche Laborantinnen und Laboranten fundierte Kenntnisse in modernen Produktions- und Analysemethoden. Beide Ausbildungswege eröffnen jungen Menschen sichere Zukunftsperspektiven, vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten und attraktive Karrierechancen. Meike von Bergen, Leiterin des LVZM in Bad Malente, betonte anlässlich der Prüfung: „Ein guter Käse lässt sich nicht beschleunigen. Man kann die Milch noch so sorgfältig auswählen, die Kulturen perfekt einsetzen, bei der Herstellung alles richtig machen – am Ende braucht ein guter Käse etwas, das sich technisch nicht ersetzen lässt: Zeit. Und vielleicht ist das auch eine ganz passende Beschreibung für das, was wir hier in Malente tun. Denn auch aus einer guten Ausbildung wird nicht über Nacht Erfahrung. Es braucht Wissen, Übung, Neugier – und immer wieder Menschen, die bereit sind, ihr Können an die nächste Generation weiterzugeben.“

Die maximale Qualitätszahl 5,0 erreichten zahlreiche Sorten, eine Übersicht findet sich im Internet auf lksh.de

Für die Auszubildenden des LVZM ist die gemeinsame Käseprüfung mit den ehemaligen Absolventinnen der Schule ein wichtiger Bestandteil der schulischen Ausbildung. Foto: Sandra van Hoorn

Ernährung ist eine Frage der europäischen Sicherheit

0

Die Kampagne Agrill ruft in diesem Jahr zum „Ernte-Agrill“ auf: Landwirte laden an den Grill ein, um angesichts multipler Krisen auf die Bedeutung der Ernährungssicherheit durch eine resiliente heimische Landwirtschaft aufmerksam zu machen. Auf Gut Farve, Ostholstein, teilten der CDU-Europaabgeordnete Niclas Herbst und die CDU-Landtagsabgeordnete Rixa Kleinschmit (siehe kommende Ausgabe) ihre politische Sicht auf die Ernährungssicherheit mit dem Bauernblatt.

Herr Herbst, Sie sind Mitglied im Ausschuss des Europaparlaments für Sicherheit und Verteidigung. Wie scharf ist der Blick im Nato-Hauptquartier und in der EU-Kommission dafür, dass die heimische Agrar- und Ernährungswirtschaft kritische Infrastruktur ist?

Niclas Herbst: In Nato und EU ist das Bewusstsein für die sicherheitspolitische Bedeutung der Ernährung deutlich gewachsen. Die Nato führt eine resiliente Lebensmittel- und Wasserversorgung ausdrücklich als grundlegende Anforderung an die zivile Resilienz. Dahinter steckt die Erkenntnis: Wenn Energie, Transporte, Kommunikation oder Lebensmittelversorgung ausfallen, ist nicht nur die Wirtschaft betroffen, sondern auch die gesellschaftliche und militärische Handlungsfähigkeit beeinträchtigt.

Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, den Auswirkungen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sowie zunehmenden hybriden Bedrohungen haben gezeigt, wie verwundbar komplexe Lieferketten sein können. Die EU betrachtet Ernährungssicherheit und Lebensmittelversorgung deshalb zunehmend als Teil ihrer Krisenvorsorge und strategischen Resilienz. Dabei geht es nicht darum, jeden Betrieb zur kritischen Infrastruktur zu erklären, sondern um die Resilienz des Systems: Von Betriebsmitteln und landwirtschaftlicher Produktion über Verarbeitung und Lagerung bis hin zu Logistik und Handel.

Der Bauernverband fordert, die Lebensmittelversorgung krisenfest aufzustellen. Teilt die EU-Kommission diese Auffassung, oder wird die Landwirtschaft immer noch als Umweltschutzfaktor und weniger als strategischer Sicherheitsgarant wahrgenommen?

Die Landwirtschaft darf nicht auf Umwelt- und Klimapolitik reduziert werden. Sie ist die Grundlage unserer Ernährung und damit ein strategischer Teil unserer gesellschaftlichen Resilienz. Die Kommission verfügt inzwischen über einen europäischen Krisenvorsorgemechanismus für die Ernährungssicherheit, beobachtet Risiken entlang der Lebensmittelkette und hat 2026 einen eigenen Rahmen für Stresstests der europäischen Ernährungssysteme vorgelegt.

Dieser Ansatz muss konsequent weiterentwickelt werden. Ernährungssicherheit beginnt bei der Produktionsfähigkeit unserer eigenen Landwirtschaft. Dafür brauchen wir wettbewerbsfähige Betriebe, verfügbare und bezahlbare Betriebsmittel, verlässliche Lieferketten und ausreichende Verarbeitungskapazitäten. Das bedeutet auch: Wenn wir immer höhere Anforderungen an die europäische Produktion stellen und gleichzeitig immer mehr Produktion und strategische Abhängigkeiten ins Ausland verlagern, schwächen wir damit unsere Resilienz.

Wenn wir über Bevölkerungsschutz sprechen, geht es auch um Logistik. Wo liegen im Ernstfall die logistischen Nadelöhre bei der Lebensmittelversorgung?

Besonders kritisch sind die Energieversorgung, die Verfügbarkeit von Treibstoff und funktionierende Kommunikationssysteme. Ein länger andauernder Stromausfall kann landwirtschaftliche Betriebe, Melk- und Kühlsysteme, Schlachthöfe, Futtermittelwerke und Lebensmittelverarbeitung gleichzeitig treffen.

Hinzu kommen konzentrierte Strukturen in Verarbeitung und Logistik. Fallen einzelne große Standorte oder zentrale Transportwege aus, kann das sehr schnell Kaskadeneffekte in der gesamten Lieferkette auslösen. Deshalb müssen wir Resilienz stärker als Systemfrage betrachten. Es reicht nicht, einzelne Betriebe zu schützen.

Wir müssen wissen, welche Ausfälle an welcher Stelle der Kette welche Folgen haben und wo wir Redundanzen brauchen.

Brauchen wir angesichts veränderter Bedrohungslagen (etwa hybride Kriegsführung, Cyberangriffe auf Stromnetze) eine Renaissance der dezentralen Bevorratung und Verarbeitung? Und wer soll das bezahlen?

Die jüngsten Krisen haben gezeigt, dass eine hohe Konzentration von Produktions- und Verarbeitungskapazitäten Risiken mit sich bringen kann. Deshalb erscheint ein ausgewogener Ansatz sinnvoll: leistungsfähige Großstrukturen kombiniert mit regionalen Reservekapazitäten, dezentralen Lagermöglichkeiten, alternativen Transportwegen und lokalen Verarbeitungsstrukturen. Das gilt nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für kritische Betriebsmittel.

Bei Düngemitteln beispielsweise setzt die Europäische Volkspartei (EVP) auf eine Kombination aus wettbewerbsfähiger europäischer Produktion, diversifizierten Lieferketten, effizienterem Einsatz und alternativen Nährstoffquellen. Die Kommission prüft inzwischen ausdrücklich auch Möglichkeiten strategischer Bevorratung wichtiger Düngemittel und anderer kritischer Inputs.

Die erforderlichen Investitionen dürfen nicht allein von den landwirtschaftlichen Betrieben getragen werden. Wenn eine Investition einen gesellschaftlichen Sicherheitsnutzen hat, muss sich das in den Förderinstrumenten widerspiegeln. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und insbesondere Investitionsinstrumente der ländlichen Entwicklung können hierfür ein wichtiger Hebel sein. Darüber hinaus sollten geeignete nationale und europäische Resilienzprogramme genutzt werden.

Sollten EU-Mittel eingesetzt werden, um Betriebe krisensicher umzurüsten (Notstromaggregate, autarke Wassersysteme)? Aus welchem Topf sollten sie kommen?

Ja, grundsätzlich halte ich das für sinnvoll. Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb im Krisenfall wegen Strom-, Wasser- oder Kommunikationsausfällen nicht mehr arbeiten kann, betrifft das nicht nur den Hof, sondern schnell die Versorgungssicherheit ganzer Regionen.

Deshalb sollten wir gezielt in solche Resilienzmaßnahmen investieren, etwa Notstrom, Wasserversorgung und digitale Sicherheit. Das sind klassische Doppelnutzen-Investitionen: Sie stärken den Betrieb und gleichzeitig die Krisenfestigkeit.

Aus meiner Sicht brauchen wir zur Finanzierung keinen neuen EU-Fonds. Der richtige Weg ist die Gemeinsame Agrarpolitik. Vor allem die Zweite Säule bietet bereits heute Spielraum für Investitionen in Modernisierung und Krisenfestigkeit. Diese Möglichkeiten sollten wir konsequenter nutzen und in der GAP nach 2027 gezielt stärken.

Bevölkerungsschutz liegt in nationaler oder regionaler Verantwortung. Was braucht es, damit die Wertschöpfungskette im Krisenfall grenzüberschreitend funktioniert?

Das ist eine der zentralen Fragen. Lebensmittelketten funktionieren längst europäisch, während Krisenmechanismen teilweise noch national gedacht werden. Wir brauchen deshalb abgestimmte Notfallpläne, einen verlässlichen Informationsaustausch und funktionierende grenzüberschreitende Transportkorridore. Ebenso wichtig ist, dass Energieversorgung, Kommunikation und Logistik auch unter Krisenbedingungen funktionieren.

Die Lehre aus den vergangenen Krisen lautet außerdem: Einseitige Grenzschließungen und Exportbeschränkungen können Probleme verschärfen. Gerade in einem Binnenmarkt mit hochgradig verflochtenen Wertschöpfungsketten müssen wir den freien Warenverkehr auch in Krisenzeiten so weit wie möglich aufrechterhalten. Die EU-Kommission verfolgt diesen Ansatz bereits in ihrer Krisenvorsorge für die Ernährungssicherheit. Das sollte künftig noch stärker mit der allgemeinen europäischen Resilienz- und Bevölkerungsschutzpolitik verbunden werden.

Landwirte verfügen über schweres Gerät, Logistik, Treibstofflager und Ortskenntnis – sie sind eine schlafende Reserve für den Katastrophenschutz. Wie wird eine Einbindung praktisch aussehen?

Das Potenzial ist erheblich. Bei Hochwasser, Starkregen, Waldbränden oder anderen Naturereignissen können diese Ressourcen kurzfristig einen großen Unterschied machen. Eine solche Einbindung funktioniert allerdings nur mit klaren Strukturen. Es braucht definierte Ansprechpartner, Alarmierungswege, klare haftungs- und versicherungsrechtliche Rahmenbedingungen, eine angemessene Vergütung und regelmäßige Übungen.

Mein Ansatz wäre deshalb, die Landwirtschaft stärker in die regionale und nationale Katastrophenschutzplanung einzubeziehen. Nicht jeder Landwirt muss zum Katastrophenschützer werden. Aber dort, wo Maschinen, Infrastruktur und Ortskenntnisse im Ernstfall einen konkreten Beitrag leisten können, sollten diese Kapazitäten systematisch erfasst und in die Notfallplanung eingebunden werden.

Wenn Sie einen Runden Tisch zwischen dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz, dem Nato-Militärstab und dem Bauernverband moderieren müssten – welches Missverständnis würden Sie zuerst ausräumen?

Das erste Missverständnis wäre wahrscheinlich, dass beide Seiten die Landwirtschaft aus einer unterschiedlichen Perspektive betrachten. Sicherheitsbehörden sehen zunächst einen Sektor, dessen Ausfall verhindert werden muss. Landwirtes sehen sich zu Recht als Unternehmer und Produzenten, die unter normalen Bedingungen wirtschaftlich arbeiten müssen.

Beides gehört zusammen. Landwirtschaft ist ein Sektor, den wir im Krisenfall schützen müssen. Sie ist aber auch ein Teil unserer Resilienz. Deshalb sollten wir Landwirte nicht erst dann rufen, wenn die Krise bereits eingetreten ist. Wir müssen vorher überlegen, welche Fähigkeiten und Kapazitäten sie im Krisenfall bereitstellen können – und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Betriebe selbst widerstandsfähiger werden.

Ernährungssicherheit ist nicht nur Agrarpolitik. Sie ist zunehmend eine Frage der europäischen Sicherheits- und Resilienzpolitik.

  sh

Ernte-Agrill auf Gut Farve. Auf Einladung von Christian zu Waldeck (2. v. li.) nahmen Niclas Herbst (li.), Rixa Kleinschmit (2. v. r.) und Sebastian Schmidt (r.; Bundestagsabgeordneter, CDU) teil. Foto: sh

Schleswiger Kaltblüter und Shetlandponys auf der Norla

0

Im Rahmen der Norla in Rendsburg hatten in diesem Jahr die ganz kleinen und die ganz großen Pferde ihren Auftritt. Am Sonnabend fand der fünfte Shetty-Cup Nord mit einer bundesoffenen Schau für Shetlandponys sowie einem Führzügel- und Vorführwettbewerb für Kinder statt. Am Sonntag eroberten die Schleswiger Kaltblüter den großen Vorführring.

„Wir züchten unsere Shettys für Kinder. Deshalb ist die Kombination von Zucht- und Sportprüfungen auf einer Veranstaltung eine tolle Sache“, erklärt Hans-Heinrich Ehlers. Der Erste Vorsitzende der Shetlandponyvereinigung betreibt das Gestüt Schalenburg in Bokhorst, Kreis Steinburg, und hat schon viele Kinderponys gezogen. Er organisierte auch in diesem Jahr die bundesoffene Schau für Shetlandponys, Deutsches Partbred-Shetlandpony, Classic-Pony und American Miniature Horse im großen Vorführring der Norla. „Mit 119 teilnehmenden Ponys war das die bundesweit größte Zuchtschau für Shetlandponys“, berichtet Ehlers stolz. Gesamtsieger über alle Klassen wurde Elmhorst Iniesta. Der Hengst stammt aus Bayern und gehört Kai-Udo Thies vom Gestüt Herrenhof in Hüttblek, Kreis Segeberg.

Den Vorführwettbewerb für kleine Kinder gewann Jade Witt mit Krystal vom Treenetal. Foto: Rainer Kohl
Im Reiterwettbewerb des Shetty-Cups und in der Kombinierten Prüfung siegte Elena Heintze mit Jolle. Foto: Rainer Kohl

Auch die Sportwettbewerbe für Kinder waren mit 20 Teilnehmern gut besucht. In den Vorführwettbewerben siegten Jade Witt und Amelie Prieß. Den Führzügelwettbewerb gewann Emily Bendixen. Siegerin im Reiterwettbewerb und in der Kombinierten Wertung wurde Elena Heintze.

Ehlers war am Ende zufrieden. Nur das Wetter sei ein bisschen schwierig gewesen. Grundsätzlich plant er aber, in zwei Jahren den nächsten Shetty-Cup zu ver­anstalten.

Aktion und Präzision

Am Sonntag hatten dann die knapp 30 Schleswiger Kaltblüter ihren Auftritt. Dies wurde unter anderem im Rahmen des Projekts der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) „Erhaltungszucht Schleswiger Kaltblut“ organisiert. Ausgeschrieben waren Wettbewerbe im Fahren mit Ein- und Zweispännern, die gut nachgefragt waren. Ein Teilnehmer fuhr sogar mit einer historischen Feuerwehrkutsche aus dem Schauprogramm und kam auf den zweiten Platz. Ebenfalls zum Programm gehörten Geschicklichkeits- und Gelassenheitsprüfungen, die Schleswiger-Kaltblut-Games. „Hier waren Aktion und Präzision gefragt“, erklärt Jenny Gonell, die beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg für das EIP-Projekt angestellt ist.

Im Rahmen des Schauprogramms wurden die historischen Kutschen des Museumsdorfs Volksdorf in Hamburg gezeigt, es wurde voltigiert, das Schleppen mit den Schleswigern demonstriert und ein Tauziehen zwischen zehn Männern und Frauen der Landjugend sowie zwei Schleswigern ausgetragen. „Die Schleswiger haben gewonnen“, sagt Gonell lachend.

Besondere Atmosphäre

Für die Zuschauer gab es auch etwas zum Mitmachen: Die Stute Infantin und ihr Hengstfohlen Van Helsing wurden über den Tag hinweg immer wieder in die Arena geführt, und es durfte geraten werden, was die beiden zusammen wiegen. Tatsächlich schätzte jemand das richtige Gewicht von 1.111 kg.

„Tolle Wettbewerbe, großartige Pferde und unglaublich viele interessierte Zuschauer und Freunde des Schleswiger Kaltblutpferdes sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre“, so Jenny Gonell. Die Springreiterin und Reitlehrerin aus Eckernförde kommt eigentlich nicht aus der Szene, findet aber: „Es war eine tolle Veranstaltung.“ Besonders beeindruckt war sie von den Ehrenpreisen: „Die waren eines Großen Preises bei einem Springturnier würdig.“

Zurückschneiden, aber richtig: Knickpflege im Fokus

0

Seit Jahrhunderten prägen Knicks das Landschaftsbild Schleswig-Holsteins. Die typischen Wallhecken dienten ursprünglich vor allem dazu, einzelne Parzellen voneinander abzugrenzen und Holz als wichtigen Rohstoff zu gewinnen. Auch heute haben Knicks für die Landwirtschaft einen hohen praktischen Wert. Sie bremsen den Wind, schützen angrenzende Flächen vor Bodenerosion und tragen zu einem ausgeglicheneren Kleinklima bei.

Knicks erfüllen jedoch weit mehr als nur diese ursprünglichen Funktionen: Sie leisten einen wichtigen Beitrag zu Klima- und Bodenschutz, fördern den Naturhaushalt und sind ein prägendes Element der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft.

Knicks bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum. Besonders ihre Bedeutung für die Artenvielfalt ist hervorzuheben. In Knicks finden mehrere Hundert Pflanzenarten sowie rund 7.000 verschiedene Tierarten geeignete Lebensbedingungen. Damit gehören Knicks zu den ökologisch besonders wertvollen Strukturen unserer Landschaft. Aufgrund ihrer großen Bedeutung sind sie gemäß Bundes- und Landesnaturschutzgesetz als geschützte Biotope eingestuft.

Damit diese wertvollen Lebensräume langfristig erhalten bleiben, ist eine fachgerechte Pflege unerlässlich. Dazu gehören insbesondere das regelmäßige „Auf-den-Stock-Setzen“ der Gehölze sowie ein sachgerechter seitlicher Rückschnitt. Gleichzeitig müssen die gesetzlich vorgeschriebenen Pflegezeiträume und Schutzvorgaben eingehalten werden.

Seitlicher Rückschnitt: ab 17. September zulässig

Der seitliche Rückschnitt von Knicks ist derzeit vom 17. September bis einschließlich 14. Februar zulässig, in Schaltjahren bis einschließlich 15. Februar.

Dabei darf der Knick senkrecht bis zu einer Höhe von 4 m und seitlich bis zu einem Abstand von 1 m vom Knickwallfuß zurückgeschnitten werden. Bei ebenerdigen Gehölzpflanzungen ist ein Abstand von 1 m zum Wurzelhals der am Rand des Gehölzstreifens stehenden Gehölze einzuhalten.

Ein seitlicher Rückschnitt ist frühestens drei Jahre nach dem „Auf-den-Stock-Setzen“ zulässig. Danach darf er im Abstand von jeweils drei Jahren wiederholt werden.

Knickwallflanken und Schutzstreifen pflegen

Auch die Flanken des Knickwalls benötigen regelmäßige Pflege. Sie dürfen vom 15. November bis einschließlich des letzten Tages des Monats Februar fachgerecht durch Mahd und Mulchen gepflegt werden.

Darüber hinaus ist zum Schutz der Knicks auf Ackerflächen ein 50 cm breiter Schutzstreifen entlang des Knickwallfußes einzuhalten. Dieser Bereich darf weder ackerbaulich genutzt noch mit Kulturpflanzen bestellt, gedüngt oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Die Pflege des Schutzstreifens durch Mahd und Mulchen ist ganzjährig zulässig. Aus Artenschutzgründen sollte dabei der Zeitraum von Mitte Juli bis Ende Februar bevorzugt werden. Ebenso darf der Streifen etwa alle drei Jahre gegrubbert werden. Dies sollte nicht zu tief erfolgen.

Auf Dauergrünlandflächen ist die Anlage eines Schutzstreifens nicht vorgeschrieben.

Der Schutzstreifen trägt dazu bei, den empfindlichen Übergangsbereich zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Knick zu schützen und damit auch die ökologische Funktion des Knicks zu erhalten.

„Auf-den-Stock-Setzen“

Eine zentrale Maßnahme der Knickpflege ist das sogenannte „Auf-den-Stock-setzen“. In Schleswig-Holstein ist diese Pflege frühestens alle 10 Jahre im Zeitraum vom 1. Oktober bis einschließlich des letzten Tages des Monats Februar erlaubt. Dabei werden die Gehölze etwa eine Handbreit über dem Boden zurückgeschnitten. Es ist darauf zu achten, glatte Schnitte auszuführen, damit ein optimaler Neuaustrieb stattfinden kann. Gegebenenfalls ist ein händisches Nachschneiden mit der Motorsäge notwendig.

Überhälter: Wertvolle Bäume im Knick erhalten

Des Weiteren ist darauf zu achten, im vorgegebenen Abstand von 40 bis 60 m Überhälter stehen zu lassen. Als Überhälter gelten Bäume erst ab einem Stammumfang von mindestens 1 m, gemessen in 1 m Höhe über dem Boden. Überhälter dürfen nur im Zuge des Knickens gefällt werden. Erreicht ein Überhälter einen Stammumfang von über 2 m, darf dieser dauerhaft nicht gefällt werden.

Mehrstämmige Überhälter

Sind auf einem Abschnitt keine einstämmigen Überhälter vorhanden, können auch mehrstämmige Bäume als Überhälter gelten, wenn deren zwei kräftigsten Stämme, gemessen in 1 m Höhe über dem Boden, einen Stammumfang von mindestens 1 m betragen. Wenn der Stammumfang der beiden kräftigsten Stämme mehr als 2 m beträgt, gilt der Baum ebenfalls als dauerhaft geschützt.

Hohe Nachfrage nach Knickausgleich!

– Für jeden entfernten Knick (Eingriff) muss ein neuer Knick als Ausgleich angelegt werden.

– Wer eine geeignete Fläche dafür hat, kann solche Kompensationsknicks selbst anlegen und die Ausgleichsmaßnahme anschließend verkaufen.

– Dafür ist zunächst eine Anerkennung durch die Untere Naturschutzbehörde erforderlich. Die Kosten der Anlage müssen selbst getragen werden.

– Die Nachfrage nach Knickausgleich ist derzeit deutlich höher als das Angebot, vor allem im Naturraum Geest.

– Die Landwirtschaftskammer unterstützt bei Beratung, Antragstellung, Umsetzung und Vermarktung von Kompensationsknicks.

Jetzt unverbindlich und kostenlos informieren: Hannah Röhlig hroehlig@lksh.de oder unter 0 45 51-95 98 48.

Fazit

Fachgerechte Pflege schützt den Lebensraum Knick und ist entscheidend, damit Knicks ihre vielfältigen ökologischen Funktionen dauerhaft erfüllen können. Der richtige Rückschnitt trägt dazu bei, die typische Struktur der Knicks zu erhalten und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu sichern.

Der seitliche Rückschnitt ist vom 17. September bis einschließlich 14. Februar, in Schaltjahren bis einschließlich 15. Februar, zulässig. Das „Auf-den-Stock-Setzen“ bleibt weiterhin im Zeitraum vom 1. Oktober bis Ende Februar erlaubt. Für beide Pflegemaßnahmen gelten dabei klare Vorgaben, die zum Schutz der Knicks und ihrer Biodiversität einzuhalten sind.

Wer Knicks fachgerecht pflegt, leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft und ihrer Artenvielfalt. Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben ist dabei nicht nur eine rechtliche Verpflichtung, sondern ein wichtiger Bestandteil des aktiven Naturschutzes.

Nicht ordnungsgemäß durchgeführte Pflegemaßnahmen können Ordnungswidrigkeitsverfahren und Bußgelder zur Folge haben und zudem zu Kürzungen der Agrarzahlungen führen.

Der Fachbereich Umwelt der Landwirtschaftskammer SH steht unter der E-Mail-Adresse knick@lksh.de für weitergehende Beratungen zur Verfügung.

Seid sichtbar, laut und selbstbewusst!

0

„Ihr seid einfach großartig.“ „Ich bin sehr dankbar, dass es euch gibt.“ „Seid stolz auf euch!“ „Ohne euch würde die Wirtschaft nicht funktionieren.“ „Danke an die jungen Nachfolger auf den Höfen.“ „Seid sichtbar, laut und selbstbewusst.“ Das sind nur einige der Nachrichten, die Gäste der LandFrauen im Pavillons am „Wunschbaum“ hinterlassen haben.

Sie alle zeugen von Respekt und Wertschätzung für Frauen in der Landwirtschaft – und genau das war das Ziel der Aktion.

„Unser Pavillon stand im Zeichen des Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft“, fasst LandFrauen-Vizepräsidentin Sylke Messer-Radtke zusammen. „Und dieser Baum voller guter Wünsche, Dank und motivierender Botschaften zeigt, dass wir damit einen Nerv getroffen haben.“ Die Gäste des Pavillons waren aufgefordert, einen von drei verschiedenen Satzanfängen auf Postkarten zu ergänzen und damit ihrer Wertschätzung Ausdruck zu verleihen. „Wir freuen uns sehr, dass so viele Menschen mitgemacht haben.“ Neben Besucherinnen und Besuchern, Familienmitgliedern und Freunden haben auch einige Politikerinnen und Politiker Postkarten geschrieben und an den Wunschbaum geknotet.

Wer weiß es?

Daniel Günther und Claudia Jürgensen haben beim Quiz die richtige Antwort parat – und drücken den Buzzer schneller.

Nach dem offiziellen Presserundgang nach der Eröffnung der Norla bekamen die LandFrauen prominenten Besuch, der auch gleich aktiv werden musste. Bei einem Quiz mit Schätzfragen rund um das Thema Frauen in der Landwirtschaft traten Präsidentin Claudia Jürgensen und Ministerpräsident Daniel Günther gegen die Präsidentin der Landwirtschaftskammer, Ute Volquardsen, und Bauernpräsident Klaus-Peter Lucht an. Beantworten mussten die Teams beispielsweise die Frage, wie hoch der Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ist, die von einer Frau geleitet werden – tatsächlich sind es lediglich 11 Prozent. Beide Teams schlugen sich gut und einigten sich auf ein Unentschieden.

Rallye

Bei der LandFrauen-Rallye erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Wissenswertes über die Arbeit von sechs LandFrauen aus Schleswig-Holstein. Sie erzählten auf großen Leinwänden, die beim Bauernverband, der Landjugend, dem Ministerium (MLLEV) und der Landwirtschaftskammer zu finden waren, über sich und ihren Alltag auf den Höfen. „Unsere Kooperationspartner haben uns erzählt, dass sie auch über unsere Rallye mit Besuchern ins Gespräch gekommen sind“, ergänzt die Vize-Präsidentin. Außerdem zeigte eine kleine Fotoausstellung landwirtschaftliche Projekte des Deutschen LandFrauenverbandes in Ghana und Uganda vor. Wer alle Fragen beantwortet hatte, bekam ein Eis und nimmt nun noch an der Verlosung teil. Zu gewinnen gibt es Reisegutscheine und Karten für das Mitsing-Erlebnis, das am 1. November in der Rendsburger Nordmarkhalle stattfindet.

Eine große Ecke des Pavillons war für die kleinsten Besucher reserviert. Sie konnten mit Wasserfarben, Bunt- und Filzstiften Bilder ausmalen oder auch Kressesamen aussähen. Zu Hause können sie dann beobachten, wie die kleinen Pflanzen wachsen.

Elke Grafe und Sylke Messer-Radtke (v. l.) haben sich über die Landwirtschaft vergangener Zeiten ausgetauscht. Fotos: Dr. Claudia Kleimann-Balke

„Wir blicken zufrieden auf die Norla zurück“, fasst Sylke Messer-Radtke zusammen. „An allen Tagen haben wir Besuch von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bekommen. Wir haben spannende Gespräche geführt und uns intensiv ausgetauscht – und genau dafür ist unser LandFrauen-Pavillon auch da.“

Klaus-Peter Lucht, Ute Volquardsen, Daniel Günther und Claudia Jürgensen (v. li.) schrieben Botschaften für Landwirtinnen.
Foto: Dr. Claudia Kleimann-Balke
Ute Volquardsen steuerte gerne eine Nachricht für den „Wunschbaum“ bei.
Foto: Dr. Claudia Kleimann-Balke
Lena Haase, Cornelia Schmachtenberg und Claudia Jürgensen (v. li.) tauschten sich über aktuelle Themen aus.
Foto: Dr. Claudia Kleimann-Balke
Aminata Touré will sich um die Alterssicherung der Landwirtinnen kümmern.
Foto: Dr. Claudia Kleimann-Balke
Cornelia Schmachtenberg hatte im LandFrauen-Pavillon ein offenes Ohr für die Themen, die LandFrauen bewegen.
Foto: Dr. Claudia Kleimann-Balke
Mikkel hat Kresse gesät und kann zu Hause beobachten, wie sie wächst.
Foto: Dr. Claudia Kleimann-Balke
Ausmalbilder der kleinen Besucher verschönerten den Pavillon.
Foto: Dr. Claudia Kleimann-Balke
Am Landesstand konnten sich die Besucher über die Arbeit des LandFrauenVerbandes informieren.
Foto: Dr. Claudia Kleimann-Balke
Liebevolle Dekoration sorgte für eine schöne Atmosphäre im LandFrauen-Pavillon.
Foto: Dr. Claudia Kleimann-Balke


Frauen gestalten Landwirtschaft

0

Wie gestalten Frauen landwirtschaftliche Betriebe? Welche Wege gehen sie, um ihren Platz im Unternehmen zu finden? Und welche Rolle spielen Austausch und starke Netzwerke? Diesen Fragen widmete sich eine Busfahrt der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein am 14. September durch Dithmarschen.

Im Mittelpunkt standen die Betriebsleiterinnen und ihre persönlichen wie unternehmerischen Erfahrungen. Die Route führte zum Hof Hadenfeldt in Wrohm, zum Hof Hansen in Neuenkirchen und zum Meves-Hof in Eddelak. Die drei Stationen zeigten unterschiedliche Formen der Landwirtschaft und machten sichtbar, wie Frauen Betriebe mit ihren Ideen, Kompetenzen und individuellen Lebenswegen prägen. Dabei ging es um Entscheidungen, Herausforderungen, neue Perspektiven und den Mut, den eigenen Weg zu ­gehen.

Auf den Höfen kamen verschiedene Themen zur Sprache. Dazu gehörten die Rolle im eigenen oder eingeheirateten Familienbetrieb, die Zusammenarbeit zwischen den Generationen und innerhalb der Familie sowie die Entwicklung zusätzlicher Betriebszweige. Die Bandbreite reichte von einer kleinen Direktvermarktung über vielfältige Einkommenskombinationen bis hin zu Angeboten der Sozialen Landwirtschaft und Green Care.
Ebenso wichtig wie die Einblicke in die Betriebe war der intensive Austausch untereinander. Schon während der Busfahrten zwischen den Stationen kamen Landwirtinnen sowie Vertreterinnen aus Beratung, Verbänden und Politik miteinander ins Gespräch, teilten persönliche Erfahrungen und diskutierten über Herausforderungen im Betriebsalltag. Begleitet wurde die Fahrt unter anderem von Impulsgeberin Rixa Kleinschmit, Landwirtschaftsministerin und Schirmherrin Cornelia Schmachtenberg (beide CDU), Kammerpräsidentin Ute Volquardsen und Geschäftsführerin Stephanie Wetekam.

Frauen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Landwirtschaft in Schleswig-Holstein: Rund ein Drittel der Familienarbeitskräfte ist weiblich. Bei den Betriebsleitungen und Geschäftsführungen liegt ihr Anteil jedoch lediglich bei etwa 12 %. Die Busfahrt rückte ihre Leistungen, Perspektiven und unternehmerischen Impulse in den Blick. Zugleich griff sie die Ziele des Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft 2026 auf. Im Zentrum standen Sichtbarkeit, gleichberechtigte Teilhabe, Wissenstransfer und Vernetzung.



Große Unterschiede zwischen Winter- und Sommerportulak

0

Winterportulak führt neben den klassischen Herbst- und Wintersalaten wie Endivien oder Feldsalat eher ein Nischendasein. Kaum erklärbar, denn das pflegeleichte Blattgemüse ist ertragreich, winterhart und lecker. Noch ist Zeit für die Aussaat. Doch am Samenständer sollte die Tüte mit der des fast namensgleichen Sommerportulaks nicht verwechselt werden. Dieser legt ganz andere Ansprüche an den Tag.

Manch einer kennt Winterportulak unter der Bezeichnung Tellerkraut, Kubaspinat oder Poste­lein. Der lateinische Name Montia perfoliata schließt zum Glück jede Verwechslung aus. Das wintergrüne Blattgemüse schmeckt roh als Zugabe zu gemischten Salaten, wie Feldsalat pur mit Dressing zubereitet oder wie Kresse aufs Butterbrot gestreut. Zudem kann man Winterportulak dünsten oder kochen und ihn in allen Rezepten als Ersatz für Spinat verwenden. Neben dem hohen Anteil an Vitamin C, Magnesium, Kalzium und Eisen überzeugt die Pflanze zudem mit einem sehr niedrigen Nitratgehalt. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich für ein Blattgemüse, das in den lichtarmen Wintermonaten reift.

Der schnellwüchsige Winterportulak braucht Temperaturen von unter 12 °C zum Keimen. Foto: Karin Stern

Von der Aussaat bis zur Ernte vergehen bei Winterportulak in Abhängigkeit von der Witterung etwa sechs bis acht Wochen. Die kleinen, glänzenden, sich etwas ölig anfühlenden Samen verlangen bei der Aussaat viel Fingerspitzengefühl. Das ist jedoch die einzige Schwierigkeit während der gesamten Kulturdauer. Da die Samen erst bei Temperaturen von unter 12 °C keimen, erfolgt die Aussaat im Freiland in durchlässigen, frischen bis feuchten Boden am besten ab Anfang September. Die warmen Augusttage wirken sich hemmend auf die Keimung aus. Auch Oktobersaaten sind im Freiland möglich, wenn das Saatbett feinkrümelig vorbereitet werden kann.

Zwischen Phacelia und Kresse hat sich der Winterportulak sehr gut entwickelt. Die Blätter bleiben angenehm sauber. Foto: Karin Stern

Frühbeet- und Gewächshausbesitzer können sogar noch im November die Samen ausbringen und je nach Witterungsverlauf ab Januar ernten. Die Aussaat unter Glas bietet außerdem den Vorteil, dass die Blätter sehr sauber bleiben und sich in der geschützten Umgebung schneller entwickeln. Tipp: Auf abgeernteten Feldsalat- und Kresseflächen im Gewächshaus im Januar und Februar Winterportulak säen. Als Quellkrautgewächs passt er perfekt in die Fruchtfolge, und der Platz wird zudem optimal genutzt.

Während einer Frostphase sollte man keine Blätter schneiden. Foto: Karin Stern

Die Entwicklung der Pflanzen hängt eng mit der Witterung zusammen. Winterportulak braucht zum Wachsen lediglich Temperaturen von 4 bis 8 °C. Treten Frostperioden auf, legen die Pflanzen eine Pause ein und wachsen anschließend bei Plusgraden zügig weiter. Es ist ratsam, sehr flach in Reihen im Abstand von 15 bis 20 cm auszusäen. Die Reihenkultur erleichtert Pflege und Ernte des Blattgemüses. Die breitwürfige Aussaat empfiehlt sich nur im Balkonkasten, wenn unkrautsamenfreie Blumenerde als Substrat verwendet wird.

Winterportulak wächst etwa handhoch. Auf langen Stielen sitzen zunächst spatelförmige, im späteren Kulturverlauf eher tellerförmige, fleischige Blätter. Die Ernte erfolgt, indem Blätter und Stiele mit einem scharfen Messer abgeschnitten werden. Wer dabei das Herz der Pflanzen stehen lässt, kann die Reihen drei bis vier Mal abschneiden, weil sich ständig neue Blätter bilden. Überständige oder hartem Frost ausgesetzte Blätter nehmen eine rötliche Färbung an. Sie schmecken dann roh nicht mehr so gut und sind weniger zart. Das Erscheinen der kleinen, weißen Sternblüten läutet das Ende der Ernte ein. Tipp: Zeigt sich die Blüte, unbedingt den Bestand schnellstmöglich roden. Die Samen entwickeln sich in Windeseile und verbreiten sich im ganzen Garten. Die anspruchslosen Pflanzen kommen ohne jede Düngung aus und sind sehr robust. Schädlinge und Blattkrankheiten treten erfahrungsgemäß nicht auf.

Sommerportulak gedeiht nur in den warmen Monaten. Die Aussaat erfolgt von Mai bis Anfang August. Foto: Karin Stern

Sommerportulak (Portulaca oleracea var. sativa), auf manchen Samentüten auch einfach nur als Portulak bezeichnet, sollte nicht mit dem Winterportulak verwechselt werden. Zwischen beiden Arten besteht weder eine verwandtschaftliche Beziehung, noch gleichen sich die Ansprüche an die Anbautemperaturen. Sommerportulak bevorzugt einen warmen, sonnigen Standort mit lockerem, durchlässigem und eher sandigem Boden, der nicht zu feucht sein sollte. Die Aussaat erfolgt von Anfang Mai bis Anfang August in Sätzen von etwa zwei Wochen Abstand. Je höher die Temperaturen, desto schneller keimt Sommerportulak. Es entwickeln sich zügig etwa 20 cm hohe Pflanzen mit rundlichen, glänzenden Blättern. Sie schmecken etwas säuerlich und lassen sich roh oder gekocht zubereiten. Die Weiterverarbeitung der Blätter oder jungen Triebe ist allerdings bei regnerischem Wetter etwas mühselig, da sie im Freiland stark verschmutzen. Um mehrmaliges, gründliches Waschen kommt man nicht herum. Sommerportulak bildet sehr schnell Blüten. Wie beim Winterportulak reifen die Samen zügig. Wer hier nicht aufpasst und rechtzeitig den Bestand abschneidet, jätet noch Jahre später unerwünschte Nachkömmlinge.

Dünger: Warten oder vorkaufen?

0

Die Preise für Düngemittel ziehen seit voriger Woche wieder deutlich an. Dies hat je nach Düngerart ganz unterschiedliche Ursachen und entsprechend unterschiedlich ist auch die Preisentwicklung, beziehungsweise die Höhe der Preissteigerung. Beim Harnstoff als „Dünger-Leitwährung“ beispielsweise bewegen sich die Durchschnittspreise für die Landwirtschaft ab Handelslager wieder bei 60 €/dt, vor Kurzem waren es noch 57 €/dt. Der Spotmarkt liegt bereits bei 65 €/dt. Hier kommen aktuell mehrere preisbestimmende Faktoren zusammen. Zum einen hat Indien gerade 1,7 Mio. t vom Weltmarkt genommen und zum anderen stocken die Lieferungen aus der Golfregion wieder erheblich. Im Fokus steht aktuell ägyptische Ware. Hier sichern sich brasilianische Importeure gerade erhebliche Mengen. Da auch die EU ihren Bedarf nicht durch die innereuropäische Produktion decken kann, ziehen die Preise an den Importhäfen der EU deutlich an. Anders sieht es bei KAS aus. Hier kann die EU ihren Bedarf nahezu vollständig selbst decken. Daher zeigen sich hier hauptsächlich die hohen Gaspreise (aktuell so hoch, wie zuletzt zum Jahreswechsel 2022/23) in der EU für die Preissteigerungen verantwortlich.

Schwefel bleibt knapp

Schwefel wird nicht nur für die Herstellung von Schwefeldüngern benötigt, sondern auch in Form von Schwefelsäure für die Herstellung von Phosphatdüngern. Der weltweit größte Exporteur von Schwefel sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Hier werden jährlich mehr als 7,5 Mio. t exportiert. Danach kommt Kasachstan mit gut 6 Mio. t. Diese Mengen werden überwiegend nach Marokko exportiert. Marokko benötigt Unmengen Schwefel für die Verarbeitung seiner Phosphat-Vorkommen für die Düngerproduktion. Und hier liegt das Problem. Gerade die Schwefelmengen aus den VAE kommen aktuell nicht durch die Straße von Hormus. Somit stockt die Lieferkette. Diese Mengen können auch nicht in diesem Umfang auf andere Exportländer verteilt werden. Die Folge ist, dass Phosphatdünger wie beispielsweise DAP preislich derzeit schon bei durchschnittlich 94 €/dt ab Handelslager liegen! Der einzige Düngernährstoff der derzeit in dieser Preisspirale nicht beteiligt ist, ist Kali. Da der Kali-Bedarf aus dem Inland gedeckt werden kann und preislich weder vom Erdgas noch vom Schwefel abhängig ist, bewegt sich das Preisniveau hier in sehr ruhigen und konstanten Bahnen. Der Durchschnittspreis ab Handelslager liegt hier um die 33 €/ dt und bewegt sich seit Monaten mit nur minimalen Schwankungen seitwärts.

Kaufen oder warten?

Berücksichtigt man den aktuellen Füllstand der Gasspeicher in Deutschland, so liegt dieser mit aktuell nur 54 % deutlich unter dem EU-Durchschnitt von derzeit 66 % und auch deutlich unter dem Vorjahres-Füllstand zu dieser Zeit. Damit ist in den nächsten Monaten noch von einem enormen Aufholbedarf und somit von einer hohen Gasnachfrage auszugehen. Auch beim Schwefel wird es, selbst wenn die Straße von Hormus morgen wieder frei wäre, so schnell nicht wieder zu fallenden Preisen kommen. Es sind erhebliche Produktionskapazitäten in der Phosphatproduktion heruntergefahren worden, da die Nachfrage preisbedingt fehlt. Bis diese ganze Produktionskette wieder hochgefahren ist, wird es Monate dauern. Immer vorausgesetzt die Nachfrage steigt deutlich an. Auch davon ist derzeit nicht auszugehen. Aktuell stehen somit alle Vorzeichen auf stabil hohe Preise, sowohl beim Stickstoff, als auch bei den Phosphaten und beim Schwefel. Es macht also durchaus Sinn, zumindest Teilmengen für die Düngesaison 2027 jetzt vorzukaufen. Zum einen aus Gründen der Risikostreuung, aber zum anderen auch vor dem Hintergrund der aktuell etwas erfreulicheren Getreidepreise.

Zwischen langem Atem und Schnappatmung

0

„Wir brauchen einen langen Atem, um Dinge auch im Sinne der Landwirtschaft zu regeln“, erklärte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bei der Eröffnung der Norla am Donnerstag vergangener Woche in Rendsburg. Bei dieser Aussage könnte man meinen, dass Günther erst kürzlich die Amtsgeschäfte übernommen hat und nicht schon seit 2017 Ministerpräsident dieses Landes ist.

Wahr ist, dass die CDU in den vergangenen Jahren dem Grünen-Koalitionspartner große Teile der Politik für die Landwirtschaft und die ländlichen Räume überlassen hat, obwohl die dort lebenden Menschen mehrheitlich konservativ gewählt haben. Das erzeugt vielerorts schon länger Schnappatmung. Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Christopher Vogt, beschreibt es so: „Das neu geschaffene CDU-geführte Landwirtschaftsministerium war eine teure, aber wirkungslose Beruhigungspille. Denn mit dem grünen Umweltminister als Gegenspieler haben die Landwirte leider häufig das Nachsehen gehabt.“

Zugegeben, es haben sich auch Dinge in die richtige Richtung entwickelt: die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern auf angefrorenen Böden ist zu begrüßen, aber auch aus Umweltschutzgründen sinnvoll. Die Aufstockung der Entschädigung von Gänsefraßschäden ist angesichts der Hilflosigkeit betroffener Betriebe eine Notwendigkeit, ebenso die Klarstellung, dass bei unsachgemäßer Knickpflege nicht automatisch ein Vorsatz angenommen wird. Die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht lässt zumindest Deichschäfer zukünftig hoffentlich wieder besser schlafen. Häufig entsteht jedoch der Eindruck eines politischen Gegengeschäfts.

Neue Bewirtschaftungseinschränkungen wie die Ausweisung neuer Naturschutzgebiete oder Pflanzenschutzmittel-Verbote bremsen die „Jubelstürme“ über Erleichterungen oft aus. So tritt die Branche auf der Stelle.

Dabei wird die Luft auf vielen Betrieben aufgrund angespannter Marktlagen immer dünner. Vor allem die Tierhaltung steht unter Druck. Zu Recht forderte Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), daher beim Landesbauerntag, dass das Perspektivpapier zur Zukunft der Tierhaltung auch mit Leben gefüllt werden müsse.

Das Mega-Thema, das aber alle Landwirtinnen und Landwirte umtreibt, ist: zu viel Bürokratie. Das zeigte etwa die „Wünsche- Wand“ am Norla-Stand des BVSH. Beim Bürokratieabbau ist tatsächlich ein „langer Atem“ gefragt. Erste Erleichterungen bei Stallumbauten und Dokumentations- und Berichtspflichten sind bereits erzielt – bitte mehr davon.

Die Norla bot ausreichend Gelegenheit zum „Landluft“ holen vor dem Start in den Wahlkampf zur Landtagswahl. Nirgendwo anders kann man sich besser über die Belange der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes informieren. Bemerkenswert waren vor diesem Hintergrund die Besuche von Sozialministerin und Grünen-Spitzenkandidatin Aminata Touré sowie erstmals von Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne). Besser spät als nie.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb