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Die Frage, ob sich Alternativen zum Diesel rechnen, stellen sich derzeit viele Landwirte angesichts hoher Preise und unsicherer Versorgungslage. Das Technologie- und Förderzentrum (TFZ) Straubing hat hierzu den Online-Rechner „Alberto“ (Alternative Betriebsenergien Rechner für Traktoren online) entwickelt, mit dem sich die Wirtschaftlichkeit alternativer Kraftstoffe abschätzen lässt.
„Alternative Antriebsenergien wie Rapsöl, Biodiesel, HVO, Biomethan und elektrischer Strom können zum Teil von der Landwirtschaft selbst erzeugt werden und so die Versorgung mit Nahrungsmitteln sicherer und klimafreundlicher machen“, so Dr. Johannes Ettl, wissenschaftlicher Mitarbeiter am TFZ. Er entwickelte „Alberto“, der Landwirten eine Kalkulationshilfe zu alternativen Antriebsenergien bietet. Das Online-Tool berücksichtigt dabei die Bedingungen auf dem jeweiligen landwirtschaftlichen Betrieb. Kosten für Mehrinvestitionen in Maschinen und Infrastruktur, für Wartung und Kraftstoff beziehungsweise Ladestrom können entweder aus den Voreinstellungen übernommen oder frei gewählt werden. Zudem weist der Rechner eingesparte Treibhausgas-Emissionen aus und macht den Beitrag zum Klimaschutz deutlich. Der Online-Rechner „Alberto“ wurde im Rahmen des Projekts „Umland“ erstellt. Es wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus gefördert. Dabei demonstrieren und erproben die Wissenschaftler verschiedene Konzepte zur Nutzung Erneuerbarer Antriebsenergien für Land- und Forstmaschinen im praktischen Betrieb.
Für eine enge Verzahnung der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) mit der EU-Wiederherstellungsverordnung sprechen sich der Wissenschaftliche Beirat für Biodiversität und Genetische Ressourcen (WBBGR) beim Bundeslandwirtschaftsministerium und der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) aus. „Die GAP 2028 bis 2034 sollte als Chance für die Wiederherstellungsverordnung verstanden und genutzt werden“, heißt es in einem Gutachten, das beide Räte in Berlin vorgelegt haben.
Darin kritisieren die Expertengremien den Vorschlag der EU-Kommission, in der neuen Förderperiode keine bindenden Finanzvorgaben mehr für Umweltausgaben zu machen. Eine stabile und auskömmliche Finanzierung sei jedoch essenziell, wenn die Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung primär auf freiwilliger Basis erfolgen solle. In der GAP-Förderung müsse es daher einkommenswirksame Anreizkomponenten geben. Deswegen sei in der Ausgestaltung der neuen GAP-Förderperiode ein verbindliches Mindestbudget auf europäischer Ebene für umweltbezogene Zahlungen festzulegen, fordern die Wissenschaftler.
„Notwendige Reaktion“
Die beiden Räte plädieren für eine agrarräumlich angepasste Förderung innerhalb der GAP. So könnten regionalisierte Prämienhöhen, eine Ergebnisorientierung und kooperative Ansätze einen richtungsweisenden Beitrag leisten, um die Ziele der Wiederherstellungsverordnung zu erreichen. Notwendig sei dabei, die finanziellen Mittel auf wirksame Agrarumweltmaßnahmen zu konzentrieren: „Bei geeigneter Programmierung und Umsetzung können Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen effektiv umweltfreundliche landwirtschaftliche Praktiken fördern und damit zum Erhalt oder zur Wiederherstellung von Lebensräumen beitragen.“
Der Wissenschaftliche Beirat Biodiversität und der Sachverständigenrat betonen in ihrem Gutachten ausdrücklich den Zusammenhang zwischen der Zukunft der Landwirtschaft und dem Erhalt der biologischen Vielfalt. „Schädlingsregulation sowie Nährstoff- und Wasserkreisläufe sind für die Nahrungsmittelproduktion und damit für die Ernährungssicherung sowie für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe von entscheidender Bedeutung“, so WBBGR und SRU. Beide Räte verwahren sich zugleich gegen eine wachsende Kritik an der Wiederherstellungsverordnung. Sie sei aus deren Sicht „eine notwendige Reaktion auf den anhaltenden Biodiversitätsverlust“.
Gesellschaftliche Akzeptanz
Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) begrüßte das Gutachten. „Die europäische Politik muss gerade in Zeiten knapper Kassen für gesellschaftliche Akzeptanz der Agrarförderung sorgen“, erklärte die Vorstandsvorsitzende des Bio-Spitzenverbandes, Tina Andres. Deutschland müsse sich bei der Verteilung der GAP-Milliarden dafür einsetzen, dass diese an Umweltleistungen seitens der Empfänger geknüpft würden. Andres unterstützt ausdrücklich die Forderung, darüber hinaus Anreize zu finanzieren. Die Landwirtschaft könne ihrer Verantwortung für die Umwelt nicht zum Nulltarif gerecht werden.
Die BÖLW-Vorsitzende hob hervor, dass der Ökolandbau in der Stellungnahme als „sinnvoller Baustein einer abgestimmten und ganzheitlichen Strategie in der Agrarumweltpolitik“ gewürdigt werde. „Mit einer stärkeren Förderung des Ökolandbaus würde Deutschland also aus wissenschaftlicher Sicht seiner umweltpolitischen Verantwortung gerecht“, stellte Andres fest.
Im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhabens „Klimafitte Böden“ hat die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW Kiel) gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern, der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und der Gewässerschutzberatung Nord, erfolgreich einen Feldtag zum Thema „Silomaisaussaat im Direktsaatverfahren“ in Brammer in der Nähe von Nortorf durchgeführt.
Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) nutzte die Gelegenheit, den Bescheid für das durch das Kompetenzzentrum klimaeffiziente Landwirtschaft ihres Ministeriums geförderte Projekt persönlich zu überreichen. Sie betonte in ihrer Ansprache, dass ein wesentlicher Schlüssel zur Anpassung pflanzenbaulicher Bewirtschaftungssysteme an die Auswirkungen des Klimawandels im Boden liege. Den zunehmenden Extremwetterereignissen könne ihrer Auffassung nach nur mit veränderten Bewirtschaftungssystemen begegnet werden, die die Bodenfruchtbarkeit gezielt förderten. Dies sei wesentliches Ziel des Projektes, und sie hoffe, dass am Ende konkrete Empfehlungen für die Etablierung reduzierter Bodenbearbeitungssysteme auf verschiedenen Standorten in verschiedenen Betriebsstrukturen für Praxis und Beratung in Schleswig-Holstein bereitgestellt werden könnten.
Bodenprofil (vergleyter Pseudogley) am Standort Brammer. Foto: Prof. Conrad Wiermann
Klimafolgen auf den Standorten sichtbar
Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer, Ute Volquardsen, unterstrich die Notwendigkeit zur Anpassung und Veränderung im Pflanzenbau, um den Herausforderungen der bereits sichtbaren und der zukünftig zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen. Gerade auf den schwierigen Standorten der Marsch sind bereits jetzt Ertragsstagnationen bis hin zu Ertragsdepressionen zu beobachten, die ihre Ursache unter anderem in der mangelnden Bodenstruktur dieser Standorte haben. Die theoretischen Zusammenhänge wurden von Prof. Conrad Wiermann von HAW Kiel eingeordnet und an einem vor Ort präparierten Bodenprofil erläutert. Ziel zukünftiger Bodenbearbeitungssysteme müsse es seiner Meinung nach sein, die bodeninternen Strukturierungsprozesse zu nutzen, um die Ressourcen (unter anderem Wasser, Nährstoffe) des Unterbodens erschließen und effizient nutzen zu können. Sinnbildlich steht die Tätigkeit des Regenwurms in diesem Zusammenhang: Er durchmischt organische und mineralische Bodenpartikel, strukturiert den Boden in ein weit verzweigtes Röhrensystem und stabilisiert diese Struktur durch seine Ausscheidungen. Von Ebba Nagel (HAW Kiel) wurde anschließend das Projekt in seinem Aufbau und seinen Aktivitäten näher vorgestellt: In jedem Naturraum sind bereits Leuchtturmbetriebe eingerichtet, die verschiedene Bewirtschaftungssysteme, Betriebstypen und auch Erfahrungsstände repräsentieren. Auf den Flächen dieser Betriebe werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, von Bodenuntersuchungen über Ertragserfassungen bis hin zu Drohnenbefliegungen zur Erfassung von Daten im sichtbaren, nahinfraroten und thermalen Spektralbereich (RGB-, multispektrale und thermale Aufnahmen).
Großes Interesse aus Praxis und Beratung
Die knapp 100 Besucher konnten anschließend den praktischen Einsatz von fünf Direktsaatmaschinen begutachten. Auf der mit Zwischenfrüchten und seit zirka fünf Jahren pfluglos bewirtschafteten Fläche von Landwirt Ole Rohwer wurde von Prof. Helge Stephan der Einsatz verschiedener Direktsaatmaschinen koordiniert. Ziel der Veranstalter war es, die Bandbreite technischer Lösungen für die Direktsaat anhand verschiedener Maschinen zu veranschaulichen. Die vorgestellten Maschinen unterschieden sich nicht nur in ihrer Arbeitsbreite und Bauweise, sondern hauptsächlich in der Ausgestaltung der Säaggregate beziehungsweise der Kombination der Werkzeuge und Andruckrollen. Es wurden Maschinen mit Scheibenscharen, mit und ohne Undercut, Zinken- und Crossslotschare gezeigt. Nach einer kurzen Herstellerpräsentation der jeweiligen Maschinenkonzepte wurden pro Maschine zwei Bahnen Mais gedrillt und Dünger unter Fuß ausgebracht. Von den zahlreichen Besuchern konnten dann die Ausgestaltung des Säschlitzes, die Ablagetiefe und -genauigkeit der Saatkörner beziehungsweise des Düngebandes, die hervorgerufenen Bodenbewegungen sowie die verbleibende Mulchschicht bewertet werden. Neben der Präsentation der Direktsaatmaschinen stand der Austausch zwischen Praktikern, Beratern, Wissenschaftlern und Herstellern im Mittelpunkt des Feldtages. Praktiker mit unterschiedlichem Kenntnis- und Erfahrungsstand nutzten die Gelegenheit zum Austausch mit Beratern und Herstellern. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse konnten diskutiert und analysiert werden. Auch das Projekt erfuhr zahlreiche neue Impulse und Ideen, sodass alle Beteiligten am Ende feststellen konnten, dass sich die manchmal lange Anfahrt aus anderen Landesteilen gelohnt hatte.
Die Direktsaatmaschinen im praktischen Einsatz: Claydon Evolution F3Die Direktsaatmaschinen im praktischen Einsatz: Agrisem Boss HD 3-16.7Die Direktsaatmaschinen im praktischen Einsatz: Horsch Maestro 12 TXDie Direktsaatmaschinen im praktischen Einsatz: Väderstad SeedhawkDie Direktsaatmaschinen im praktischen Einsatz: Novag T-ForcePlus 450CT.18
Wie geht es jetzt weiter?
Die Datenerhebung auf den Projektflächen in allen Landesteilen wird nun intensiv weitergeführt. Zur Ernte werden Ertragserhebungen durchgeführt, sodass im Herbst erste Vergleiche zwischen den unterschiedlichen Bewirtschaftungssystemen vorliegen werden. Für die Zukunft sind weitere Feldtage, Vortragsveranstaltungen und Beiträge beziehungsweise Berichte in unterschiedlichen Fachmedien geplant. Aktuelle Informationen zum Projektgeschehen, erste Ergebnisse und geplante Veranstaltungen können auf der Homepage (https://www.klimafitteboeden.de) und dem Instagramkanal (https://www.instagram.com/klimafitte_boeden/) eingesehen werden.
Die Grundfutterernte hat begonnen, die Futterbestände 2026 werden einsiliert, und Futterumstellungen stehen bevor. Im Zusammenhang mit der Futterkonservierung und den folgenden Rationsanpassungen gewinnen die Betrachtung von Clostridien und die damit verbundenen Krankheitsbilder beim Rind an Bedeutung.
Clostridien sind vielfältig, fast überall vorhanden und oft gefährlich. Sie sind grampositive, anaerobe, Sporen bildende Bakterien. Klinisch werden Clostridien nach ihrem Hauptwirkungsort im Organismus differenziert. Nachfolgend wird hauptsächlich Bezug auf Krankheitserscheinungen des Clostridium perfringens (Typ A-E) genommen, wobei eine genaue Diagnostik bei Krankheitsverdacht unbedingt notwendig ist. Clostridien besitzen die Fähigkeit, Toxine zu bilden, und sind deshalb epidemiologisch von großer Bedeutung. Clostridium perfringens lässt sich natürlicherweise sehr häufig im Darmtrakt gesunder Tiere nachweisen. Klinisch krank wird das Tier, sobald sich die Darmflora durch die Clostridien verändert. Dies wird einerseits durch sehr eiweißreiche oder stärkereiche Futterkomponenten hervorgerufen, andererseits durch eine sehr hohe Aufnahme an Clostridien über das Futter.
Diffuses Krankheitsbild
Clostridien führen bei einer Überbesiedlung zu einem Toxineintrag in den Organismus. In welcher Symptomatik sich dieser zeigt, hängt stark von dem individuellen Tier und der gesamten Herdengesundheit ab. Typischerweise zeigen sich bei durch Clostridien erkrankten Tieren Leistungsabfall, Durchfall, Appetitlosigkeit. Auch haarlose Stellen oder Eiterbeulen an dafür eher untypischen Körperpartien, zum Beispiel an der Schulter oder am Becken, können auftreten. Schreitet der Toxinbefall ungebremst voran, ist der Krankheitsverlauf oftmals tödlich.
Multifaktorielle Ursachen
• Organische Wirtschaftsdünger: Durch mit Erde oder Wirtschaftsdünger verschmutztes Grünfutter gelangen Clostridien in den Silostock. Sind die Bedingungen für die Vermehrung günstig, nimmt ihre Zahl drastisch zu und ermöglicht zudem unerwünschte Buttersäuregärung und den Silageverderb. Im Kreislauf passieren die Clostridensporen den Verdauungstrakt unbeschadet, werden mit dem Kot wieder ausgeschieden und gelangen mit der Gülleausbringung erneut auf der Fläche. Die Kontamination von Frischgras mit Clostridien ist abhängig vom Sporengehalt der Gülle, dem Ausbringungszeitpunkt und den Niederschlägen. Eine Unterbrechung des Sporenzyklus und die Vermeidung des Schadkeimeintrags sind maßgeblich.
• Erdeintrag und Eisengehalte: Tief eingestellte Mähwerke und nachfolgende Arbeitsgeräte sind die Hauptursachen für Erdeintrag in die Silage. Zur Bewertung des Verschmutzungsgrades werden Rohasche-, Eisen- und Sandgehalte analysiert. Während Gehalte über 100 g Rohasche je 1 kg Trockenmassen (TM) generell als kritisch gelten, muss das Vegetationsstadium differenziert betrachtet werden: Stängelreiches Material gilt bereits ab 80 bis 90 g als belastet. Da Eisen und Sand mineralische Anteile besser abbilden, stoßen diese Parameter auf Humus- und Moorstandorten an ihre Grenzen.
• Vorerkrankung durch geschwächte Stoffwechsellage: Begünstigend für die Erkrankung durch Clostridien ist zum Beispiel eine azidotische Stoffwechsellage oder eine Pansenfermentationsstörung der Tiere. Ebenso sind immunschwache Tiere besonders anfällig.
Futterqualität prüfen
Um Hinweise zur hygienischen Futterqualität zu erhalten, gilt es, nach der Sinnesprüfung eine analytische Untersuchung vorzunehmen. In Verdachtsfällen sollte eine mikrobiologische Untersuchung in Auftrag gegeben werden.
Die Ration auf dem Futtertisch sollte hygienisch ebenso einwandfrei sein wie das Futter im Silostock.
Die zentralen Analyseparameter umfassen die TM und den pH-Wert. Während Milch- und Essigsäure den Siliererfolg sowie die Stabilität anzeigen, dienen Buttersäure, Ethanol und Ammoniak-Stickstoff als Indikatoren für Fehlgärungen und mikrobiellen Proteinabbau. Unabhängig von der standortbedingten Clostridienlast sollten immer und kontinuierlich der Erntevorgang sowie der anschließende Silierprozess technisch optimal ablaufen. Für eine schnelle Milchsäuregärung ist der Trockenmassegehalt des Anwelkfutters zwischen 30 und 40 % optimal.
Wenn bekannt ist, dass der Standort einer hohen Clostridenlast ausgesetzt ist, gilt es alle Maßnahmen zur korrekten Futtergewinnung und Gesunderhaltung, insbesondere der Darmgesundheit, der Herde einzuleiten. Zusammen mit der tierärztlichen Bestandsbetreuung sollte ein betriebsindividueller Maßnahmenplan erstellt werden. Die Impfung kann auf Standorten mit hoher Clostridenlast sinnvoll sein. Für Rinder stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung. Hinsichtlich einer unterstützenden Rationsgestaltung gilt es, sowohl die Verfügbarkeit von ausreichender Struktur zu gewährleisten als auch Eiweißüberhänge zu reduzieren. Hier müssen die herdenindividuellen Besonderheiten berücksichtigt und die Rationsgestaltung danach ausgerichtet werden.
Der Krankheitsdruck sollte möglichst detailliert dokumentiert werden. Insbesondere Rationsumstellungen sollten beobachtet werden, auch in Zeiten, in denen keine Symptomatik und Herdengesundheitsprobleme auftreten.
Fazit
Clostridien stellen eine vielschichtige Gefahr für die Herdengesundheit dar. Sie besitzen die Fähigkeit, verschiedenartige Toxine zu produzieren, die wiederum unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen. Die Kenntnis über die standortbedingte Clostridienlast, die dazugehörige Prävention sowie die enge Zusammenarbeit mit der Bestandsbetreuung und das optimale Ausrichten der Ernte- und Siliertechnik sind wichtige Stellschrauben im Management.
Die militärische Eskalation im Nahen Osten ist von besonderer Relevanz für die globale Versorgung mit Düngemitteln. Aus den Ländern am Persischen Golf kommen 20 bis 30 % der weltweiten Düngemittel-Importe. Insbesondere Ammoniak und Harnstoff sind betroffen – daneben auch Schwefel zur Produktion von Phosphatdüngern. Die EU-Düngemittelproduzenten sind zudem auf Importe von Erdgas angewiesen, die einen Anteil von 70 bis 80 % an den Produktionskosten für Stickstoffdünger ausmachen. Da die Produktion in Europa im weltweiten Vergleich sehr teuer ist, sinkt seit 2023 der Grad der Selbstversorgung mit Stickstoffdüngern. Aufgrund dauerhafter Schließungen von Anlagen schrumpften die Produktionskapazitäten laut EU-Kommission bereits um 9 %.
Für die Landwirtinnen und Landwirte hat dies stark gestiegene Düngerpreise zur Folge. Die Kosten sind gegenüber 2024 durchschnittlich um 70 % gestiegen. Auch die Preise für Phosphatdünger seien von dieser Entwicklung betroffen, so die EU-Kommission. Gleichzeitig sind die Getreidepreise verhältnismäßig niedrig.
Mit dem Düngemittel-Aktionsplan reagiert die oberste EU-Behörde nun. Der Plan sieht eine kurzfristige Unterstützung für Landwirte vor, unter anderem über die Agrarreserve und ein neues Liquiditätsinstrument. Über den genauen Umfang der Hilfen erfährt man allerdings noch wenig. Für die heimische Düngemittelindustrie soll es möglicherweise Entlastungen im Emissionshandel geben, die aber an Bedingungen wie den Umstieg auf sauberere Produktionsverfahren geknüpft werden sollen. Konkret nennt die Kommission ihre Ziele: mehr europäische Produktion, saubereres Ammoniak, Handelskorridore mit Afrika und dem Nahen Osten, strategische Düngemittelvorräte und die Einstufung von Düngemitteln als krisenrelevantes Gut.
Positiv kann man Kommissionpräsidentin Dr. Ursula von der Leyen (CDU) und ihrem Team also zugutehalten, dass die Relevanz der Düngemittelversorgung erkannt, die Probleme richtig benannt und Maßnahmen zur Verbesserung der Situation beschrieben wurden. Dass der Plan kurzfristige Wirkung entfaltet, darf jedoch bezweifelt werden.
Die europäischen Bauernverbände und Genossenschaften (Copa/Cogeca) organsierten am Dienstag eine Protestaktion in Straßburg.Foto: Copa/CogecaDie europäischen Bauernverbände und Genossenschaften (Copa/Cogeca) organsierten am Dienstag eine Protestaktion in Straßburg.Foto: Copa/Cogeca
Entsprechend verhalten fallen die Reaktionen der Branche aus. Der Industrieverband Agrar spricht noch wohlwollend von einem „richtigen Signal“. Der Deutsche Bauernverband (DBV) bewertet den EU-Plan als „wichtigen Schritt“, mahnt aber auch sofortige Entlastungen vor der Herbstaussaat an. Positiv sieht der DBV die geplante Erweiterung der Renure-Regelung (Aufbereitung von Wirtschaftsdüngern) auf Gärreste. Gegenüber der DBV-Forderung, den CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) komplett auszusetzen, zeigte sich die Kommission aber unnachgiebig. Sie hält an dem bereits reduzierten Aufschlag von 1 % fest.
Trotzdem belegt der Plan der EU-Kommission, dass Brüssel die Düngemittelverfügbarkeit als sicherheitsrelevant einstuft. Ein wichtiges Element für mehr Unabhängigkeit von Importen ist der flexiblere Einsatz von organischen Düngemitteln. Die Tierhaltung nimmt diesbezüglich eine Doppelfunktion ein. Sie dient mit der Erzeugung von Fleisch, Milch und Eiern der Ernährungssicherheit und ist gleichzeitig ein wichtiger Düngerlieferant. Wer die Abhängigkeit von Düngemittelimporten reduzieren möchte, stärkt demnach am besten auch die Tierhaltung.
Die Vermarktung der neuen Ernte beginnt auf vielen Betrieben längst vor dem ersten Drusch. Besonders bei Raps wird ein erheblicher Teil der Ware bereits früh über Vorkontrakte oder feste Liefervereinbarungen abgesichert. Die Ölsaat verlässt in Norddeutschland häufig direkt zur Ernte die Betriebe und wird nur vergleichsweise selten langfristig eingelagert. Auch Wintergerste wird vielfach früh vermarktet. Sie ist meist die erste Kultur im Ernteablauf und muss auf vielen Betrieben den Lagerraum für den nachfolgenden Weizen räumen. Nur ein Teil des Getreides wird daher tatsächlich über mehrere Monate eingelagert.
Neben der betrieblichen Strategie spielen wirtschaftliche Gründe eine zentrale Rolle. Viele Betriebe benötigen unmittelbar nach der Ernte Liquidität für Betriebsmittel, Pachten oder Investitionen. Entsprechend wird häufig eine gestaffelte Vermarktung vorgenommen: Ein Teil der Ware wird vorab kontrahiert oder direkt ab Feld verkauft, während lagerfähige Partien später vermarktet werden sollen.
Herausforderungen in der Erntelogistik
Zugleich verändern sich jedoch die Rahmenbedingungen in der Erfassung und Logistik fortschreitend. Gerade in Norddeutschland stoßen viele Landhandelsstandorte während der Ernte an personelle und technische Grenzen. Lange Öffnungszeiten bis in die späten Abendstunden oder Anlieferungen am Wochenende, wie sie in engen Erntefenstern auf den Betrieben häufig notwendig wären, lassen sich unter den heutigen Rahmenbedingungen vielfach kaum noch darstellen. Arbeitszeitregelungen, fehlendes Personal und steigende Betriebskosten setzen den Erfassungshandel zusätzlich unter Druck.
Hinzu kommt, dass sich die Struktur im Landhandel weiter verändert. Kleinere Standorte werden geschlossen oder Kapazitäten auf wenige größere Erfassungsstellen konzentriert. Parallel dazu steigen auf den Betrieben Schlagkraft und Transportleistung kontinuierlich an. Moderne Mähdrescher ernten in kurzer Zeit große Mengen, die anschließend zügig abgefahren und erfasst werden müssen. Nicht jeder Standort kann diese Mengenströme heute noch störungsfrei aufnehmen.
Genau hier entstehen während kritischer Erntephasen vermehrt Engpässe. Wenn Wartezeiten an den Annahmestellen entstehen oder Anlieferungen zeitlich begrenzt werden, gerät die gesamte Erntelogistik unter Druck. Für die Betriebe bedeutet das zusätzliche Transportfahrten, mehr Gespanne und höheren Personalbedarf. Vor allem aber geht wertvolle Zeit verloren. Gerade bei Weizen und Roggen entscheiden oftmals wenige Stunden über Fallzahl, Proteingehalt oder Backqualität. Können günstige Druschbedingungen nicht konsequent genutzt werden, steigen die Risiken für Qualitätsverluste deutlich an. Viele Betriebe reagieren darauf inzwischen mit flexibleren Zwischenlösungen. Temporäre Lagerflächen auf befestigten Betonplatten, mobile Lagerkonzepte oder das Einlagern von Feuchtgetreide gewinnen an Bedeutung, um die Ernte zunächst vom Feld zu bekommen und die Druschlogistik aufrechtzuerhalten. Solche Lösungen verursachen zwar zusätzliche Kosten und erhöhen die Anforderungen an das spätere Handling, sie verschaffen den Betrieben jedoch mehr Unabhängigkeit von den Annahmekapazitäten des Handels.
Die Lagerbelüftungstrocknung ist die energieeffizienteste Form der Gereidetrocknung. Foto: Albert Spreu
Lagerung wird strategisch wichtig
Parallel dazu richtet sich der Blick vieler Marktteilnehmer stärker auf die Terminmärkte. Insbesondere die Notierungen an der Matif in Paris gelten für Weizen und Raps als wichtige Orientierung zur Preisbildung vor der Ernte. Wetterentwicklungen, internationale Warenströme und geopolitische Einflüsse werden dort frühzeitig eingepreist und sorgen teilweise für erhebliche Kursschwankungen.
Damit steigen auch die Anforderungen an eine flexible Vermarktung. Wer Preisbewegungen nutzen und Ware zu unterschiedlichen Zeitpunkten vermarkten möchte, benötigt funktionierende Lager- und Trocknungskapazitäten auf dem Betrieb. Damit werden Getreidetrocknung und Lagertechnik zunehmend zu strategischen Bausteinen moderner Vermarktungsstrategien.
Mit wachsenden Anforderungen an die betriebseigene Lagerung rückt zeitgleich die Energiefrage stärker in den Mittelpunkt. Gerade in Norddeutschland wurde die Energieeffizienz in der Getreidetrocknung über viele Jahre zwar diskutiert, spielte in der Praxis jedoch häufig nur eine untergeordnete Rolle. Der Grund dafür lag vor allem in der Wirtschaftlichkeit. Energieeffiziente Trocknungstechnik war in der Anschaffung meist deutlich teurer, während die Einsparungen auf Gesamtbetriebsebene vergleichsweise gering erschienen.
Ebenso waren Heizöl und Flüssiggas trotz hoher Preise über lange Zeit ausreichend verfügbar, sodass vielerorts an bewährten Systemen festgehalten wurde. Vor allem die klassische Lagerbelüftungstrocknung hat sich deshalb in Norddeutschland stark etabliert. Sie gilt bis heute als das energieeffizienteste Verfahren zur Getreidetrocknung.
Energieeffizienz gewinnt an Bedeutung
Im Gegensatz zu thermischen Hochtemperaturverfahren nutzt die Lagerbelüftung im Wesentlichen das natürliche Wasseraufnahmevermögen der Luft. Dadurch liegen die spezifischen Energieverbräuche deutlich niedriger als bei klassischen Durchlauftrocknern. Damit verbunden bietet das Verfahren weitere Vorteile: geringe Investitionskosten, vergleichsweise einfache Technik und niedrigen Überwachungsaufwand. Gerade für Marktfruchtbetriebe mit großem Weizen- und Rapsanteil ist die Lagerbelüftung daher vielerorts weiterhin die wirtschaftlich attraktivste Lösung. Allerdings besitzt das Verfahren auch klare verfahrenstechnische Grenzen. In der Praxis gelten Getreidepartien oberhalb von etwa 19 % Kornfeuchte und Ölsaaten oberhalb von etwa 12 % Feuchte nur noch eingeschränkt als lagerbelüftungsfähig. Vor allem in küstennahen Regionen treten jedoch regelmäßig höhere Erntefeuchten auf. Eine reine Lagerbelüftung stößt dann schnell an ihre Grenzen.
Schnelltrocknungszellen mit Schrägböden und Mischtraverse. Foto: LM Getreidetechnik
Für Körnermais ist dieses Verfahren praktisch nicht ausreichend. Die Kultur wird in Norddeutschland häufig mit Kornfeuchten zwischen 25 und 35 % geerntet und muss thermisch getrocknet werden. Gleichzeitig gewinnt Körnermais aus pflanzenbaulicher Sicht zunehmend an Bedeutung. Frühreife Sorten, höhere Ertragsstabilität sowie Vorteile in der Fruchtfolge sprechen vielerorts für eine Ausweitung des Anbaus. Damit rückt die Frage nach bezahlbarer Trocknungsenergie sukzessive in den Mittelpunkt. Die Energiekrise der vergangenen Jahre hat gezeigt, wie empfindlich die Wirtschaftlichkeit vieler Trocknungssysteme auf steigende Energiepreise reagiert. Bereits während der Corona-Zeit und nochmals mit Beginn des Jahres 2022 kam es zu sprunghaften Preissteigerungen für fossile Energieträger. Daneben ist ab 2027 durch die Ausweitung des europäischen CO2-Zertifikatehandels mit weiteren Belastungen für Heizöl und Gas zu rechnen. Die Wärmekosten aus Heizöl liegen inzwischen nicht mehr bei wenigen Cent, sondern bewegen sich vielfach bereits im Bereich von 10 bis 11 ct/kWh. Weitere Preissteigerungen gelten als wahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund gewinnen alternative Wärmequellen mit wachsender Dynamik an Bedeutung.
Neue Konzepte für die Trocknung
Besonders dort, wo Biogasanlagen vorhanden sind oder Nahwärmenetze genutzt werden können, bieten sich Systemkopplungen an. Auch Holzfeuerungen auf Basis von Hackschnitzeln werden vielerorts wieder intensiv diskutiert. Technisch lassen sich damit insbesondere stationäre Trocknungsanlagen wirtschaftlich betreiben. Parallel dazu dürfte jedoch auch die Nachfrage nach Hackgut in den kommenden Jahren weiter steigen. Andere Ansätze wie Hochtemperaturwärmepumpen oder direkte elektrische Beheizung spielen in der Praxis bislang kaum eine Rolle. Entweder fehlen marktreife Systeme in den notwendigen Leistungsgrößen, oder die Investitionskosten liegen deutlich über dem wirtschaftlich darstellbaren Bereich.
Damit verändert sich die Betrachtung der Getreidetrocknung grundlegend. Ging es in der Vergangenheit vor allem um ausreichende Trocknungsleistung während kurzer Erntefenster, rücken heute Energieeffizienz, Systemkopplungen und flexible Anlagenkonzepte immer stärker in den Mittelpunkt. Besonders Kombinationen aus thermischer Vortrocknung und anschließender Lagerbelüftung gelten häufig als zukunftsfähige Lösung, um Energieverbrauch, Arbeitsaufwand und Vermarktungsflexibilität miteinander zu verbinden. Perspektivisch dürfte sich die Entwicklung in der Getreidetrocknung weiter beschleunigen. Die Anforderungen an Schlagkraft, Energieeffizienz und Vermarktungsflexibilität steigen gleichermaßen. Zudem werden die Erntebedingungen durch kürzere Druschfenster und stärkere Wetterextreme anspruchsvoller. Damit geraten viele bestehende Anlagen vermehrt an technische und wirtschaftliche Grenzen.
Schnelltrocknungszelle mit Rührsystem, optimal zur Körnermaistrocknung. Foto: Albert SpreuSatztrocknung von Körnermais. Foto: Albert Spreu
Vor allem bei Investitionen in neue Trocknungs- und Lagertechnik wird deshalb eine ganzheitliche Betrachtung wichtiger. Häufig reicht es nicht mehr aus, lediglich den bestehenden Durchlauftrockner durch ein neues Modell zu ersetzen. Vielmehr müssen Feuchtgetreidemanagement, Zwischenlagerung, Trocknung, Kühlung und spätere Vermarktung als Gesamtsystem verstanden werden. Gerade bei höheren Feuchten oder wechselnden Fruchtarten stoßen einzelne Verfahren oftmals an ihre Grenzen. Deshalb gewinnen Systemkopplungen zunehmend an Bedeutung. Die Kombination aus thermischer Vortrocknung und anschließender Lagerbelüftung bietet oft die Möglichkeit, Energieverbrauch und Trocknungskosten deutlich zu reduzieren und dabei hohe Druschleistungen abzusichern. Insbesondere Betriebe mit perspektivischem Körnermaisanbau sollten geplante Investitionen sorgfältig prüfen und sich frühzeitig fachlich beraten lassen. Körnermais stellt deutlich höhere Anforderungen an Trocknungsleistung, Energieversorgung und Anlagenlogistik als klassische Marktfrüchte. Fehler in der Dimensionierung oder der Verfahrensauswahl wirken sich hier unmittelbar auf Wirtschaftlichkeit und Arbeitsabläufe aus.
Gerade vor dem Hintergrund steigender Energiekosten wird die Wahl des passenden Gesamtkonzeptes zukünftig zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Aber auch klassische Marktfruchtbetriebe stehen immer deutlicher vor der Frage, wie zukünftige Trocknungskonzepte aussehen sollen. Für viele Betriebe dürfte die Lagerbelüftungstrocknung weiterhin die wirtschaftlich sinnvollste Grundlösung bleiben. Daneben zeigt die Praxis, dass in kritischen Jahren zusätzliche thermische Trocknungskapazitäten oder flexible Zwischenlager notwendig werden können, um Qualität und Erntefluss abzusichern. Die Kombination unterschiedlicher Verfahrenstechniken wird daher in Zukunft eher zum Regelfall als zur Ausnahme werden. Klar ist aber auch: Energieeffizienz wird in den kommenden Jahren in allen Bereichen der Landwirtschaft weiter an Bedeutung gewinnen, so auch in der Getreidetrocknung. Steigende CO2-Kosten, volatile Energiemärkte und höhere Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit erhöhen den Druck auf bestehende Systeme. Dennoch bleibt die weitere Entwicklung schwer vorhersehbar. Sollten die Preise für fossile Energieträger wider Erwarten wieder deutlich sinken, ist durchaus davon auszugehen, dass viele landwirtschaftliche Betriebe weiterhin auf vorhandene Trocknungstechnik zurückgreifen und größere Investitionen zunächst zurückstellen werden. Die bestehenden Anlagen sind vielerorts abgeschrieben, technisch etabliert und unter wirtschaftlich entspannteren Rahmenbedingungen weiterhin konkurrenzfähig. Unabhängig davon zeigt sich bereits heute, dass moderne Getreidetrocknung weit mehr ist als reine Konservierungstechnik. Sie entwickelt sich in wachsendem Maße zu einem strategischen Baustein der Betriebsorganisation, der Erntelogistik und der Vermarktung. Genau darin dürfte eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre liegen.
Belüftungsstelen ermöglichen optimale Belüftung, Trocknung und Lagerung. Quelle: Carl von Gehlen Spezialmaschinen
Am Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (LVZ) der Landwirtschaftskammer drehte sich Ende April alles um ein Thema, das in der Schweinehaltung oft unterschätzt wird: die Stalllüftung. Unter dem Motto „Die optimale Lüftung entscheidet“ kamen Teilnehmende aus Praxis, Beratung und Tierarztpraxen zusammen – eine Mischung, die bereits zeigt, wie zentral das Thema für die gesamte Branche ist. Durch den Tag führte Philipp Rohmeier vom Förderkreis Stallklima. Dank des Netzwerks Fokus Tierwohl war die Veranstaltung kostenfrei.
Der Seminartag begann mit einem theoretischen Block, in dem schnell deutlich wurde, dass Stallklima weit mehr umfasst als die Frage, „wie warm oder kalt es ist“. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Lüftung, Heizung, Kühlung und einer funktionierenden Steuerung. Erst wenn diese Komponenten ineinandergreifen, entstehen stabile Bedingungen für Tier und Technik.
Mithilfe von Nebel wurden die verschiedenen Lüftungssysteme veranschaulicht.
Stallklima verstehen
Dabei wurde schnell klar, wie viele Faktoren auf das Stallklima einwirken. Äußere Einflüsse wie Jahreszeiten, tägliche Temperaturschwankungen, Luftfeuchtigkeit, Wind oder Sonneneinstrahlung lassen sich nicht steuern, müssen aber mitgedacht werden. Selbst die Ausrichtung des Stalls spielt eine Rolle, da einzelne Gebäudeseiten unterschiedlich stark aufgeheizt werden. Hinzu kommt die Dämmung, die entscheidet, wie stark sich diese äußeren Einflüsse im Inneren bemerkbar machen.
Neben äußeren Bedingungen beeinflussen vor allem die Tiere selbst das Klima im Stall. Belegdichte, Gruppengröße, Genetik und Leistungsniveau bestimmen maßgeblich, wie viel Wärme und Feuchtigkeit entstehen. Auch Haltungssystem, Fütterung und eingesetzte Technik tragen ihr Teil dazu bei.
Besonders spannend war der Blick auf den physiologischen Hintergrund: Der Wärmehaushalt der Tiere wirkt sich direkt auf Stoffwechsel, Atmung, Kreislauf und Wasseraufnahme aus. Ziel ist es daher, eine Umgebung zu schaffen, in der sich die Tiere im Komfortbereich bewegen – ohne zusätzlichen Energieaufwand zur Temperaturregulation.
Technik und Steuerung
Ein Schwerpunkt lag auf der Lüftungstechnik selbst. In heutigen Schweineställen dominiert die mechanische Lüftung, allen voran die Unterdrucklüftung. Sie gilt als energieeffizient und gut steuerbar – vorausgesetzt, sie ist richtig geplant und eingestellt.
Entscheidend ist dabei die Luftführung. Nur wenn die frische Luft gleichmäßig verteilt und verbrauchte Luft zuverlässig abgeführt wird, funktioniert das System wie gewünscht. Auch unterschiedliche Abluftsysteme und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile wurden beleuchtet. Ein weiterer Punkt: die Bauweise. Materialien mit hoher Wärmespeicherfähigkeit können Temperaturschwankungen abpuffern und so für ein stabileres Stallklima sorgen. Das zeigt, dass Lüftung nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern immer im Zusammenhang mit der gesamten Gebäudehülle steht.
Moderne Klimaregler ermöglichen heute eine automatische Steuerung vieler Parameter und arbeiten mit hinterlegten Temperaturkurven. Trotzdem wurde deutlich betont, dass die Technik nicht das Auge des Tierhalters ersetzt. Gerade nach der Erstbelegung eines Stalls ist es wichtig, Einstellungen regelmäßig zu kontrollieren und gegebenenfalls anzupassen. Auch wirtschaftliche Aspekte kamen zur Sprache. Eine etwas großzügigere Dimensionierung von Lüftungsanlagen verursacht oft nur geringe Mehrkosten, kann sich aber langfristig durch eine effizientere Nutzung auszahlen. Ergänzend wurden Kühl- und Befeuchtungssysteme vorgestellt, die insbesondere in Hitzephasen entscheidend sein können.
Für Ställe mit Auslauf gelten besondere Anforderungen. Hier müssen unterschiedliche Klimabereiche geschaffen und getrennt gesteuert werden. Eine klare Struktur im Stall ist dabei die Grundlage, um die verschiedenen Zonen sinnvoll zu managen.
Luft sichtbar gemacht
Nach dem Mittagessen ging es in den praktischen Teil: Hygieneschleuse, Duschen, betriebseigene Kleidung anlegen und anschließend direkt in den Stall. Dort wurde es dann anschaulich: Mithilfe eines Nebelgerätes konnten alle Teilnehmenden die Luftführung des jeweiligen Lüftungskonzeptes sehen. Plötzlich war nicht mehr nur Theorie im Raum, sondern konkret zu sehen, wie sich die Luft tatsächlich bewegt.
Die Unterschiede zwischen Verdrängungs- und Strahllüftung wurden dabei besonders deutlich. Während die Verdrängungslüftung mit ruhigen, gleichmäßigen Luftbewegungen arbeitet, zeigte die Strahllüftung deutlich höhere Geschwindigkeiten und gezielte Luftstrahlen, die sich erst im Raum verteilen müssen.
Im Wartestall wurde außerdem der Coanda-Effekt dargestellt. Die Nebelbilder zeigten eindrucksvoll, wie Luftströme aus den Wandventilen an Oberflächen haften und ihnen folgen. Dieses Prinzip wird gezielt genutzt, um Frischluft entlang von Decken oder Wänden zu führen und Zugluft im Tierbereich zu vermeiden. Ganz anders verhielt sich die Luft in Systemen mit diffuser Decke: Hier war kaum Bewegung sichtbar. Genau das ist gewollt – die Luft wird langsam und großflächig eingebracht. Der direkte Vergleich machte deutlich, wie unterschiedlich Lüftungskonzepte funktionieren können.
Besonders praxisrelevant war die Darstellung häufiger Lüftungsfehler. Ein Beispiel ist sogenannte Falschluft: Strömt Luft von einer ungewollten Stelle oder zu schnell ein, verteilt sie sich nicht gleichmäßig, sondern bildet gerichtete Strömungen. Einzelne Stallbereiche werden dann unzureichend versorgt.
Auch das „Abwandern“ von Luft durch Undichtigkeiten wurde demonstriert – ein Problem, das oft unbemerkt bleibt, aber die gesamte Durchlüftung verschlechtern kann. Solche Effekte sind in der Praxis schwer zu erkennen, haben aber direkte Auswirkungen auf die Tiergesundheit und die Leistung.
Ein weiterer Punkt war das Zusammenspiel von Zu- und Abluft. Änderungen in der Abluftrate zeigten unmittelbar, wie empfindlich das System reagiert. Ein ausgewogenes Verhältnis ist entscheidend für stabile Strömungsverhältnisse.
Zum Abschluss des Tages wurde auch der neue Deck-Wartestall mit Außenklimareizen untersucht. Dafür wurde mit geöffnetem sowie geschlossenem Windschutznetz gearbeitet. Der Unterschied war deutlich: Ohne Schutz kam es zu schnellen, windrichtungsabhängigen Luftbewegungen. Mit Windschutz war die Luftführung deutlich langsamer und gleichmäßiger. Die Windbrechlast der Windschutznetze wurde so sehr gut sichtbar.
Fazit
Das Seminar machte deutlich, dass eine funktionierende Stalllüftung weit mehr ist als die richtige Temperatureinstellung am Klimaregler. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Stallbau, Technik, Luftführung und der täglichen Kontrolle durch den Tierhalter. Gerade kleine Fehler in der Luftführung können große Auswirkungen auf Tiergesundheit, Leistungen und das Verhalten der Tiere haben. Besonders wertvoll war der starke Praxisbezug. Durch die Nebelversuche konnten die Teilnehmenden direkt sehen, wie unterschiedlich Lüftungssysteme arbeiten und wo typische Schwachstellen entstehen. Mitgenommen haben die Teilnehmenden vor allem, wie wichtig die regelmäßige Kontrolle der eigenen Lüftungsanlage ist – nicht nur über die Technik, sondern auch über die Beobachtung der Tiere und der Luftbewegungen im Stall. Ebenso wurde deutlich, dass eine gut geplante und sauber eingestellte Lüftung langfristig sowohl Tierwohl als auch Betriebserfolg verbessert.
Die St. Marienkirche steht im Dorf Kirchnüchel im Kreis Plön inmitten einer sanft hügeligen Landschaft 116 m über dem Meeresspiegel. Damit ist sie das höchstgelegene Gotteshaus in Schleswig-Holstein. Anlässlich des Pfingstfestes stellt Pastorin Anja Haustein die frühere Wallfahrtskapelle vor, die erstmalig 1259 erwähnt wurde.
Pastorin Anja Haustein am Flammen-Antependium des Lesepults Foto: Silke Bromm-Krieger
An diesem Sonntag hat sich die St. Marienkirche fein herausgeputzt. Kleine Blumensträuße zieren die Sitzbankreihen. Auf dem Altar stehen duftende Löwenmäulchen und Rosen. Rote Antependien hängen passend zum Anlass am Altar und Lesepult. Eben war das Gotteshaus noch bis auf den letzten Platz besetzt. Sieben aufgeregte Konfirmanden erlebten im Kreise der Familien ihren feierlichen Einsegnungsgottesdienst. Während die „Konfis“ nun zu Hause weiterfeiern, nimmt sich Pastorin Anja Haustein Zeit für eine Führung.
Seit zehn Jahren ist die Geistliche für Kirchnüchel und Blekendorf im Einsatz. Die zwei selbstständigen Kirchengemeinden werden von ihr im Rahmen einer Verbundpfarrstelle betreut und verwaltet. Gemeinsam betreten wir durch die Turmhalle den Kircheninnenraum. Hier ist es nach all dem Trubel herrlich still. Sieben kunstvoll gestaltete Glasfenster lassen Sonnenstrahlen hinein und tauchen ihn in ein warmes Licht. Was für eine friedvolle Atmosphäre!
Blick auf den Altarraum mit Fenstern des Künstlers Max Schegulla Foto: Silke Bromm-Krieger
Anja Haustein lenkt die Aufmerksamkeit auf die ersten beiden Fenster im hinteren Kirchenschiff, die wie die anderen in der Ätz- und Schmelzglastechnik gestaltet sind. Dadurch haben die Farben eine besonders prächtige Strahlkraft. Rechter Hand ist die Berufung des Moses am brennenden Dornbusch, gegenüber Stammvater Noah nach der Sintflut mit den Zeichen der Gnade Gottes in Form einer Taube und eines Regenbogens zu sehen. Es sind Fenster des Künstlers Max Schegulla (1918-2008), die Schiff und Altarraum schmücken. Nach einer Renovierung ab Mitte der 1960er Jahre stiftete der damalige Besitzer des benachbarten Gutes Grünhaus, der Hamburger Bankdirektor Wilhelm Huth, die 1971 fertiggestellten Fenster. „Marc Chagalls Fensterschöpfungen in der Synagoge der Universitätsklinik in Jerusalem inspirierten den Künstler zu diesen Glasgemälden“, weiß die Pastorin. Zunächst sei nur ein Fenster hinter dem Altar geplant gewesen, aber dann kamen Sponsor, Künstler und der damalige Pastor Rudolf Fitzner in einen so fruchtbaren Gedankenaustausch, dass daraus schließlich sieben Fenster mit der Darstellung biblischer Überlieferungen geworden seien. Wir schauen uns die drei Rundfenster an der Südseite des Altarraums an, die an die Verehrung der Mutter Jesu in der St. Marienkirche erinnern.
Über dem Durchgang zum Mausoleum befinden sich drei Rundfenster, die biblische Geschichten um Jesus und die Gottesmutter erzählen. Foto: Silke Bromm-Krieger
Im linken Fenster findet Maria den zwölfjährigen Jesus im Tempel, im rechten ist sie mit Jesus auf der Hochzeit zu Kana, darüber in der Mitte wird sie mit dem Jünger Johannes unter dem Kreuz Jesu dargestellt. Ein weiteres Fenster vis-à-vis zeigt Jesu Begegnung mit der Samariterin am Jakobsbrunnen. Das Fenster hinter dem Altar ist stark blau getönt, es thematisiert den Gnadenstrom, der vom Thron des Gotteslammes ausgeht. Da die Werke von Max Schegulla nicht gegenständlich, sondern eher abstrakt gestaltet sind, braucht es für eine eingehendere Betrachtung ein geübtes Auge und eine gute Vorstellungskraft. Haustein beginnt voller Begeisterung, die Geschichten aus der Bibel zu erzählen, die den Fenstermotiven zugrunde liegen.
Stundenlang könnte man ihr zuhören, doch es gibt noch so viel mehr zu erkunden. Also widmet sie sich nach einer Weile anderen Objekten. „Als es das Fenster über dem Altar noch nicht gab, stand hier ein alter Kanzelaltar. Nur Fragmente davon blieben erhalten. Zum einen das ehemalige Altarbild von 1867, das vorn in der Turmhalle steht, das Predella-Bild hinter dem Altar und zwei Engel sowie die Altarbekrönung, eine Jahwesonne, die nun unter dem Fenster mit der Noah-Geschichte ihren Platz gefunden haben“, informiert sie.
Ein Kleinod unter den Kunstschätzen in Holstein ist das Mausoleum der Grafen Brockdorff mit einer altarhaften Rückwand. Foto: Silke Bromm-Krieger
Da wir gerade im Altarraum stehen, macht sie außerdem auf das dort Ende des 17. Jahrhunderts in direkter Anbindung entstandene Mausoleum der Grafen Brockdorff auf Kletkamp aufmerksam. Seit Erwerb des Gutes Grünhaus 1635 hatten sie das Patronatsrecht in Kirchnüchel inne. Durch eine Glastür gelangen wir in einen Vorraum, von dem aus man in die ab 1692 erbaute Gruftkapelle schauen kann. Sie ist mit einem schmiedeeisernen Tor verschlossen. Die Gruftanlage für den Grafen Cai Lorenz Brockdorff (1646-1725) war das letzte Werk des Bildhauers Thomas Quellinus (1661-1709). Neben dem Durchgang zum Mausoleum fällt rechts vor dem Altar ein Taufbecken aus Stein und Holz von 1680/90 mit einem Deckel von 1866 in den Blick. Die Pastorin hebt ihn vorsichtig an und erzählt, dass für die Taufen immer noch eine kostbare Taufschale aus Messing eingesetzt werde. Langsam nähern wir uns einem Kleinod, das schon im Mittelalter Gläubige aus allen Himmelsrichtungen anzog. „Es war lange nicht mehr da und wurde erst 1969 aus dem Landesmuseum zurückgeholt“, berichtet sie.
Eine winzige Madonna mit dem Jesuskind zog Pilger in vorreformatorischer Zeit an. Sie suchten bei ihr geistlichen Trost und Heilung von Krankheiten. Foto: Silke Bromm-Krieger
Wir treten zur Nordseite des Chorbogens. Dort hängt eine goldfarbene Mandorla, eine mandelförmige Glorie, an der Wand. In ihr ist eine zarte, nur 7 cm hohe, elfenbeingeschnitzte Madonna mit dem Jesuskind aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts hinter Glas eingefasst, die auf die mittelalterliche Marienverehrung an diesem Ort hinweist. Sie fand wohl einst als Schenkung aus adligem Hause den Weg dorthin. Im Hintergrund der Figur ist das zugehörige perlenbestickte Samtmäntelchen drapiert. Pilger sollen sich früher demütig vor ihr verneigt haben mit der Bitte um Trost, Hilfe oder ein Wunder.
Bis zur Reformation war die St. Marienkirche ein viel besuchtes Wallfahrtsziel. Noch heute lassen sich Besucher von der Ausstrahlung der winzigen Figur berühren. Davon zeugen ergreifende Zeilen, die sie in einem ausliegenden Gästebuch hinterlassen haben. Die Marienkraft und der Friede, der von ihr ausgeht, werden in den Eintragungen positiv hervorgehoben. Eine Besucherin vermerkte, sie spüre im Gotteshaus die Spiritualität vieler Jahrhunderte. Die St. Marienkirche sei ein „wundervoller Kraftort“, schrieb eine andere.
Dass sie auf einem Hügel als Wallfahrtskapelle überhaupt errichtet wurde, hängt mit einer Quelle in der Nähe zusammen, die schon in wendischer Zeit für heilig und heilkräftig gehalten und nach der Christianisierung mit der Jungfrau Maria in Verbindung gebracht wurde. Die sogenannte Marienquelle befindet sich wahrscheinlich südlich gegenüber der Marienkirche hinter dem mittlerweile geschlossenen Gasthaus „Marienquelle“ von 1867 auf einer Weide.
Da wir in Kürze das Pfingstfest feiern, soll auch darüber ein Wort gesagt sein. „Pfingsten gilt als die Geburtsstunde der christlichen Kirche und Anfang der weltweiten Mission. Es ist nach Weihnachten und Ostern das dritte Hauptfest des Kirchenjahres. Mit ihm wird der Heilige Geist gefeiert, der die Jünger Jesu 50 Tage nach dessen Tod am Kreuz ergriffen hat. Dadurch konnten sie neue Sprachen sprechen und Gottes Wort in allen Nationen verbreiten“, erklärt die Pastorin. Gern zeigt sie die vorhandenen pfingstlichen Symbole in der Kirche, die für das Erscheinen des Heiligen Geistes stehen: das Feuer und die Taube.
Laut Anja Haustein gehört zur liturgischen Ausstattung zu Pfingsten ein rotes Altar-Antependium mit einer Taube, die den Heiligen Geist symbolisiert. Foto: Silke Bromm-Krieger
„Zur Konfirmation und zu Pfingsten schmücken wir Lesepult und Altar mit roten Antependien, das Lesepult mit einem Flammenmeer-Motiv und den Altar mit einer Taube“, bemerkt sie. Auch auf dem alttestamentarischen Noah-Bild im hinteren Kirchenschiff ist eine Taube verewigt. Doch die Taube am Altar sieht anders aus, sie ist in Bewegung geraten und stürzt sich geradezu hinab auf die versammelte Gemeinde. „Ich glaube, dass die Darstellungen aus dem alten und neuen Testament miteinander korrespondieren. Die Taube in der Schöpfungsgeschichte steht für Frieden, Versöhnung, Hoffnung und Neuanfang, die Pfingsttaube für Glaube, Gottvertrauen und Liebe“, denkt Haustein laut nach.
Was Pfingsten uns heutzutage sagen könne? „Die Bibel berichtet ja von einem Sprachenwunder. Alle verstanden sich plötzlich, hörten einander zu, trotz unterschiedlicher Herkunft. Dieses ‚Hörwunder‘ wünsche ich mir auch für heute, dass die Menschen sich verstehen und auch bei unterschiedlicher Meinung einander zuhören. Im Namen Gottes sind wir alle eingeladen, aufeinander zuzugehen, offen immer wieder Neues zu entdecken, und in Gemeinschaft Toleranz und Zusammenhalt zu leben.“
Die zweite Landesausschusssitzung (LAS 2) des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein fand am 10. Mai im Detlef-Struve-Haus in Rendsburg statt. Vertreterinnen und Vertreter aus den Kreislandjugendverbänden kamen zusammen, um sich über aktuelle Themen des Verbandes, vergangene Veranstaltungen und kommende Projekte auszutauschen. Neben Rückblicken auf Seminare und Veranstaltungen standen vor allem Zukunftsthemen der Landjugendarbeit im Mittelpunkt.
Positiv zurückgeblickt wurde unter anderem auf das Kassenseminar, das Rhetorikseminar sowie das Teamklettern in Kiel. Gleichzeitig warb der Landesvorstand für kommende Veranstaltungen wie den Deutschen Landjugendtag in Hameln, das Teamtraining in Plön, den Strohpuppenwettbewerb oder die bevorstehende Norla in Rendsburg.
Zukunftsthemen der Landjugend standen im Mittelpunkt der LAS 2. Foto: Paul Weniger
Auch die Landjugend Kiel war vertreten und berichtete über die diesjährige Norla-Fete, die erneut in „Kühls Gasthof“ stattfinden wird. Gleichzeitig wurden Ideen und Verbesserungsvorschläge gesammelt, um die Veranstaltung weiterzuentwickeln und noch attraktiver zu gestalten.
Einer der größten Tagesordnungspunkte war das Thema Versicherungen. Der Landesverband prüft derzeit die Möglichkeit, den Kreis- und Ortsgruppen künftig ein umfassendes Versicherungspaket anzubieten. Dieses würde unter anderem Veranstaltungen der Landjugenden absichern, von großen Festen bis hin zu kleineren Gruppenabenden. Die vorgestellten Überlegungen wurden ausführlich diskutiert. Gerade die Möglichkeit, Veranstaltungen unkomplizierter und umfassender absichern zu können, wurde von vielen Teilnehmenden positiv aufgenommen. Ein konkreter Entwurf soll nun weiter ausgearbeitet und zunächst auf der kommenden Landesausschusssitzung vorgestellt werden, bevor später auf der Landesversammlung über eine mögliche Umsetzung abgestimmt wird.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen standen mit einem Gruppenfoto und einer kleinen Teameinheit auch Gemeinschaft und Austausch im Mittelpunkt. Anschließend fand außerdem eine sogenannte Mini-KAS statt. Dabei hatten die Kreisverbände die Möglichkeit, sich ohne Landesvorstand und Geschäftsstelle intern auszutauschen und eigene Themen zu besprechen. Dieses Format wurde insgesamt positiv bewertet.
Zum Abschluss der Sitzung wurden zwei bestehende Projektgruppen (PG) ruhend gestellt. Gleichzeitig entstanden neue Gruppen. Die PG Verbandsentwicklung soll unter anderem Prozesse und Strukturen weiterentwickeln sowie den Landesverband auf Ortsgruppenebene sichtbarer machen.
Eine kurze Teameinheit nach dem Gruppenfoto sorgte für zusätzliches Gemeinschaftsgefühl und frische Ideen. Foto: Paul Weniger
Mit der neuen PG Theater beginnen außerdem die Vorbereitungen für das Theaterstück auf der Grünen Woche 2028 in Berlin, für das Schleswig-Holstein verantwortlich sein wird. Gesucht werden hierfür nicht nur Schauspielerinnen und Schauspieler, sondern auch Helfende für Technik, Organisation und Bühnenbau.
Außerdem wurde die PG Jugendpolitik gegründet. Ziel ist es, als Verband sprachfähiger gegenüber Politik und Öffentlichkeit zu werden und gemeinsame Positionen zu entwickeln. Da die Gruppe dauerhaft und nicht nur projektbezogen arbeiten soll, wurde sie direkt in den Arbeitskreis Jugendpolitik umgewandelt.
Die neuen Gruppen freuen sich ausdrücklich über weitere Interessierte und Mitwirkende aus den Orts- und Kreisgruppen. Die LAS2 zeigte erneut, wie vielfältig die Arbeit des Landjugendverbandes ist: von Bildungsarbeit und Veranstaltungen bis hin zu Zukunftsfragen und neuen Projekten.
Der Fachausschuss für Natur- und Umweltschutz hielt seine turnusgemäße Frühjahrssitzung auf Anregung der Vorsitzenden, Fischwirtschaftsmeisterin Sabine Schwarten, auf dem Betrieb der Familie und Fischzucht Knutzen in Hohenlockstedt ab. Damit vertiefte der Ausschuss seine Diskussionen um Ostsee- und Gewässerschutz aus den vorherigen Sitzungen.
Die Vorsitzende Sabine Schwarten und das Betriebsleiterehepaar Knutzen begrüßten im Beisein der Kammergeschäftsführerin Stephanie Wetekam und der Kammerpräsidentin Ute Volquardsen die Mitglieder des Ausschusses und gaben eine kurze Einführung in die Thematik der Teichwirtschaft sowie in die Struktur des Betriebes.
Stephanie Wetekam stellte sich, ihren bisherigen Werdegang und ihre Vorstellungen zur Weiterentwicklung der Landwirtschaftskammer vor. Zum Thema Natur- und Umweltschutz erwähnte sie insbesondere die Herausforderungen und die damit verbundenen Aufgaben der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH). Natur- und Umweltschutz stellten einen Zukunftsbereich dar, an dem die Landwirtschaft nicht vorbeikomme. Die LKSH müsse weiterhin gute Kooperationen mit Politik, Wissenschaft und Verbänden eingehen, zudem müssten Innovationen begleitet werden.
Ute Volquardsen berichtete anschließend über aktuelle Entwicklungen in der Arbeit der LKSH. In der Abteilung Pflanzenbau, Pflanzenschutz und Umwelt seien einige personelle Neubesetzungen erfolgt sowie erfolgreich Projekte akquiriert und angeschoben worden. Für den neu aufgestellten Nitratmessdienst werden weiterhin Flächen und Flächenbewirtschafter gesucht, die sich an den Messungen beteiligen möchten.
Fachlich machte Richard Bonse den Einstieg in das Thema Ostsee- und Gewässerschutz. Er ist aktiver Landwirt sowie Vorsitzender des Ostseebeirates Eckernförder Bucht und Baltic-Probstei. In den Ostseebeiräten wurden zahlreiche Sitzungen und Termine sowie von der LKSH veranstaltete Feldtage durchgeführt. Derzeit wird ein Maßnahmenkatalog fertiggestellt; zum Ende des Jahres soll ein erster Umsetzungsbericht vorgelegt werden. Verschiedene Maßnahmen wurden nach ihrem N- und P-Einsparungspotenzial bewertet. Die Maßnahmen sind bislang freiwillig. Bonse schloss seinen Vortrag mit dem treffenden Statement: „Wer nicht mitmacht, braucht sich am Ende auch nicht über Ordnungsrecht zu beschweren“, und appellierte zur Teilnahme.
Mit Gewässerschutz und Gewässerqualitäten ging es weiter im Vortrag von Johannes Radtke, Mitarbeiter beim Landesangelverband Schleswig-Holstein, der sich außer um angelspezifische Themen auch um umfangreiche gewässerbiologische Arbeiten kümmert. Der Fokus des Vortrags lag auf der Biodiversität und Qualität der Fließgewässer Schleswig-Holsteins, da diese einen entscheidenden Einfluss auf den Ostseeschutz haben. Radtke stellte die Meerforelle als „Schirmart der Biodiversität“ und ihre Ansprüche an die Lebensraumqualität vor. Wenn diese erfüllt seien, bestehe Lebensraum für zahlreiche weitere Organismen. Teilweise werde mit künstlicher Brut und Besatz im Herkunftsgewässer nachgeholfen. Radtke betonte jedoch, dass dies nur eine Übergangslösung darstelle und der Fokus auf der Wiederherstellung der kleineren Fließgewässer liegen müsse.
Anschließend erfolgte unter Führung der Familie Knutzen ein Rundgang über die Fischzuchtanlage. Der Betrieb umfasst etwa 30 ha Teichfläche, die sehr extensiv bewirtschaftet werden. Vorrangig werden Karpfen gezüchtet und zusammen mit weiteren Fischarten im hofeigenen Laden vermarktet. Zudem besteht eine Angelmöglichkeit für Gäste. Ein großes Problem ist der Fraß durch Prädatoren, der aktuell bis zu 50 % Ertragsverlust in der Teichwirtschaft bedingt. Der Betrieb hat sich durch ein Seminarhaus mit Bildungsangeboten und Veranstaltungen ein weiteres Standbein geschaffen. Abschließend fand eine rege Diskussion statt.