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Stehende Kleingewässer als Senken und Quellen

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Stehende Kleingewässer sind oft enger mit ihrer Umgebung verbunden, als es auf den ersten Blick erscheint. Ob Pflanzenschutz­mittel aus angrenzenden Flächen in ein Gewässer gelangen, hängt nicht nur davon ab, welche Wirkstoffe eingesetzt werden. Ebenso wichtig sind die Wasserwege, über die das Gewässer mit seinem Umfeld verbunden ist, etwa Bodenwasser, Drainagen oder das oberflächennahe Grundwasser. Über diese Verbindungen können Pflanzenschutzmittel und ihre Transformationsprodukte, also Abbau- und Umwandlungsprodukte, in Kleingewässer eingetragen, dort zeitweise gespeichert und unter bestimmten Bedingungen wieder weitergegeben werden. Untersuchungen an zwei stehenden Kleingewässern im norddeutschen Tiefland zeigen, wie stark solche hydrologischen Verbindungen die Befunde im Wasser prägen können.

Für Landwirtschaft, Beratung und Gewässerschutz sind die genannten Zusammenhänge relevant, weil Rückstände häufig nicht auf eine einzelne Anwendung oder einen einzelnen Eintragspfad zurückgeführt werden können. Vielmehr wirken Bewirtschaftung, Niederschläge, Bodenfeuchte, Stoffeigenschaften und die Wasserwege am Standort zusammen.

Kleine Gewässer mit großer Bedeutung

Stehende Kleingewässer wie Weiher, Teiche oder kleine Seen gehören in vielen deutschen Agrarlandschaften zum Landschaftsbild. Für Deutschland wird ihre Zahl auf mehr als 300.000 geschätzt. Im norddeutschen Tiefland prägen sogenannte Sölle, eiszeitlich entstandene Senken mit offener Wasserfläche, vielerorts die Landschaft. Viele dieser Gewässer sind flach, verändern sich im Jahresverlauf stark und fallen vorübergehend teilweise oder vollständig trocken. Gerade ihre Vielzahl und diese Dynamik machen sie ökologisch wertvoll. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, dienen als Trittsteine zwischen Habitaten und tragen zur Strukturvielfalt der Agrarlandschaft bei. Gleichzeitig sind sie Teil des Wasser- und Stoffhaushalts: Sie halten Wasser zurück, speichern Stoffe zeitweise und stehen mit Boden, Grundwasser und angrenzenden Ackerflächen in Verbindung. In der Gewässerüberwachung werden solche Systeme jedoch weniger systematisch betrachtet als größere Seen und Fließgewässer. Besonders Einträge von Pflanzenschutzmitteln und ihren Transformationsprodukten aus dem Umfeld können sich in kleinen Gewässern schnell bemerkbar machen.

Zwei Fallbeispiele aus Schleswig-Holstein

Wie diese Zusammenhänge konkret aussehen können, zeigen zwei intensiv untersuchte Kleingewässer in Schleswig-Holstein. Beide liegen in einer konventionell bewirtschafteten Ackerlandschaft in einer jungmoränengeprägten Region mit flachem Relief, unterschiedlichen Böden und oberflächennahem Grundwasser.

Über zwei Jahre hinweg wurden Pflanzenschutzmittel und Transformationsprodukte in den Gewässern, im oberflächennahen Grundwasser, in angrenzenden Böden und an einem Standort auch in einer zufließenden Drainage untersucht. Ergänzt wurden die Messungen durch hydrologische Untersuchungen und Informationen zu den auf den benachbarten Flächen eingesetzten Wirkstoffen. Diese Kombination ist wichtig, da eine einzelne Wasserprobe zwar zeigt, ob ein Stoff im Gewässer vorhanden ist, aber nur begrenzt erklärt, auf welchem Weg er dorthin gelangt ist.

Mit dem sogenannten Tracer-Verfahren wurden mit speziellen Farbstoffen zum Beispiel die Fließwege des Wassers gemessen.

Auf den ersten Blick wirkten die beiden Gewässer ähnlich: klein, von einem schmalen Grünstreifen eingefasst und in Ackerflächen eingebettet. Im Wasserhaushalt zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede. Ein Gewässer war über ein Drainagenetz stärker an schnelle Zu- und Abflüsse gekoppelt und verhielt sich zeitweise wie ein Durchflusssystem. Das andere war stärker vom Austausch mit dem oberflächennahen Grundwasser geprägt, mit längeren Verweilzeiten und ausgeprägteren saisonalen Schwankungen des Wasserstands.

Wasserwege entscheiden über Einträge

Ob Pflanzenschutzmittel ein Kleingewässer erreichen, hängt nicht allein von der Entfernung zur behandelten Fläche ab. Direkte Einträge über Abdrift oder Oberflächenabfluss sind grundsätzlich möglich. In den beiden untersuchten Gewässern spielten jedoch vor allem Drainagen und oberflächennahes Grundwasser eine wichtige Rolle.

Am drainagebeeinflussten Standort waren Feld und Gewässer vergleichsweise schnell miteinander verbunden. Nach Niederschlägen konnte Wasser aus dem Schlag rasch in Richtung Gewässer transportiert werden. Am anderen Standort verlief der Austausch über das oberflächennahe Grundwasser langsamer, konnte dafür aber länger anhalten und Einträge zeitlich verzögern. Zusätzlich veränderten schwankende Wasserstände, Zu- und Abflüsse sowie sinkende Grundwasserstände im Jahresverlauf die Verbindung der Gewässer mit ihrem Umfeld. Für die Bewertung eines Kleingewässers reicht deshalb der Blick auf den unmittelbaren Gewässerrand nicht aus. Je nach Standort können Drainagen, oberflächennahes Grundwasser und Bodenspeicher wesentlich mitbestimmen, wann und in welchen Konzentrationen Stoffe auftreten.

Stoffeigenschaften prägen die Befunde

Die unterschiedlichen hydrologischen Bedingungen spiegelten sich auch in den gemessenen Konzentrationen wider. Hohe Konzentrationen im Oberflächenwasser traten vor allem dann auf, wenn nach einer Anwendung Niederschläge fielen, die Böden zunehmend feucht waren und Stoffe in Richtung Gewässer transportiert wurden. Am drainagebeeinflussten Standort zeigten sich unter solchen Bedingungen kurze, teilweise ausgeprägte Belastungsspitzen. Im stärker grundwassergeprägten Gewässer hielten Konzentrationen dagegen länger an.

Welche Stoffe auf welchem Weg transportiert werden, hängt auch von ihren Eigenschaften ab. Weniger mobile Wirkstoffe, die stärker an Bodenpartikel gebunden werden, wurden am drainagebeeinflussten Standort vor allem im Zusammenhang mit schnellen Drainageabflüssen sichtbar. Die Drainage kann dabei wie eine Abkürzung wirken und Stoffe rasch in Richtung Gewässer transportieren. Dazu gehörten beispielsweise Diflufenican, Tebuconazol und Prothioconazol. Letzteres zeigt diesen Zusammenhang besonders deutlich, da es vergleichsweise kurzlebig ist. Wird der Wirkstoff im Gewässer nachgewiesen, spricht dies für einen schnellen Eintrag nach der Anwendung. Mobilere Herbizide wie Flufenacet oder Metazachlor können dagegen leichter in tiefere Bodenschichten verlagert werden und von dort auch über das Grundwasser in Gewässer gelangen.

Auch die Bodenfeuchte wurde gemessen. Sie beeinflusst unter anderem, wie lange Pflanzenschutzmittel im Boden bleiben.

Besonders auffällig waren Transformationsprodukte wie Metazachlor-ESA, Metazachlor-OA und Flufenacet-ESA. Sie fanden sich nicht nur im Gewässer selbst, sondern auch in seinem Umfeld, und das über weite Teile des Untersuchungszeitraums. Teilweise wurden sie auch nachgewiesen, ohne dass für den Untersuchungszeitraum eine Anwendung der zugehörigen Wirkstoffe auf den angrenzenden Flächen dokumentiert war. Pflanzenschutzmittel müssen daher nicht zwingend von der direkt umgebenden Fläche stammen. Sie können auch aus weiter entfernten Bereichen des Zustromgebiets eingetragen oder aus Bodenschichten später wieder mobilisiert werden. Für die Einordnung von Befunden reicht der Blick auf die letzte Anwendung deshalb nicht aus. Ebenso wichtig ist, wie Stoffe im Boden und im Wasser transportiert werden.

Auch die angrenzenden Böden wirken mit

Die angrenzenden Ackerböden sind nicht nur Transportweg, sondern auch Speicher- und Umwandlungsraum für Pflanzenschutzmittel und ihre Transformationsprodukte. In den untersuchten Bodenprofilen fanden sich sowohl aktuell eingesetzte Wirkstoffe als auch ältere Rückstände. Mobile Stoffe und insbesondere mobile Transformationsprodukte wurden eher in tiefere Bodenschichten verlagert. Weniger mobile, stärker an Bodenpartikel gebundene Wirkstoffe blieben häufiger in den oberen Bodenzonen zurück. Das trägt dazu bei, dass Befunde im Gewässer zeitlich sehr unterschiedlich auftreten können. Kurzfristige Konzentrationsspitzen nach Niederschlägen können auf frische Einträge oder schnelle Transportprozesse hinweisen. Länger anhaltende oder zeitversetzte Befunde können dagegen darauf hindeuten, dass Stoffe zuvor im Boden gespeichert, umgewandelt oder in tiefere Schichten verlagert wurden. Bei späteren Niederschlägen oder veränderten Wasserständen können sie erneut mit Bodenwasser, Drainageabfluss oder oberflächennahem Grundwasser in das Gewässer gelangen.

Über zwei Jahre hinweg wurden Pflanzenschutzmittel und ihre Transformationsprodukte in den Gewässern untersucht.

Kleingewässer: Zugleich Senke und Quelle

Zusammengenommen zeigen diese Prozesse, dass Kleingewässer Pflanzenschutzmittel nicht nur aufnehmen, sondern unter bestimmten Bedingungen auch wieder abgeben können. Zunächst können sie als Senken wirken, wenn Wirkstoffe im Wasserkörper verbleiben, im Sediment gebunden oder durch Abbau- und Umwandlungsprozesse verändert werden. Dadurch können Konzentrationsspitzen abgeschwächt und Stoffe vorübergehend im System gehalten werden. Ein Kleingewässer kann jedoch auch zur Zwischenstation werden. Strömt Wasser aus dem Gewässer in Richtung des oberflächennahen Grundwassers ab, wird über Drainagen weitergeleitet oder werden gespeicherte Rückstände erneut mobilisiert, können Stoffe das Gewässer zeitversetzt wieder verlassen. So können sie auch in nachgelagerte Wassersysteme gelangen.

Ob ein Gewässer Stoffe eher zurückhält, durchleitet oder später wieder abgibt, hängt somit vom jeweiligen Standort ab. Entscheidend sind Wasserwege, Verweilzeiten, Stoffeigenschaften und Bewirtschaftung. Je nach Ausprägung dieser Faktoren kann ein Kleingewässer Rückstände eher zurückhalten, weitertransportieren oder zeitverzögert wieder abgeben.

Was das für Schutz und Praxis bedeutet

Aus dieser Doppelrolle ergeben sich mehrere Konsequenzen:

• Einzelne Wasserproben reichen für die Bewertung kleiner stehender Gewässer häufig nicht aus.

• Kurzzeitige Belastungsspitzen nach Niederschlägen oder schnellen Drainageabflüssen können leicht verfehlt werden.

• Zeitverzögerte Einträge lassen sich nur erkennen, wenn das Gewässer gemeinsam mit seinem Standort betrachtet wird.

Für den Schutz der Gewässer kommt es deshalb darauf an, Kleingewässer nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit ihrem Standort zu betrachten. Entscheidend ist nicht nur, dass ein Kleingewässer innerhalb oder an Rand einer landwirtschaftlichen Fläche liegt. Wichtig ist auch, wie eng es über Drainagen, Bodenwasser oder oberflächennahes Grundwasser mit den umliegenden Flächen verbunden ist. Diese Verbindungen beeinflussen maßgeblich, wann und auf welchem Weg Pflanzenschutzmittel im Gewässer auftreten.

Praktische Ansatzpunkte gibt es vor allem dort, wo Eintragspfade beeinflusst werden können. Pufferstreifen, dauerhafte Vegetation am Gewässerrand und eine angepasste Bodenbearbeitung können Abdrift, Oberflächenabfluss und Sedimenteinträge verringern. Bei Einträgen über Drainagen oder oberflächennahes Grundwasser stoßen solche Maßnahmen dagegen an Grenzen. Dann werden Standortkenntnis, Beratung sowie die Wahl von Wirkstoff und Anwendungstermin besonders wichtig, etwa vor angekündigten Starkniederschlägen oder bei bereits wassergesättigten Böden.

Wie weit reichen die Erkenntnisse?

Die Ergebnisse beruhen auf zwei intensiv untersuchten Kleingewässern im norddeutschen Tiefland. Übertragbar sind daher vor allem die beschriebenen Prozesse, nicht jedoch die einzelnen Messwerte. Entscheidend ist die gemeinsame Betrachtung von Gewässer, angrenzenden Böden, oberflächennahem Grundwasser, Drainage und Bewirtschaftung.

Unter vergleichbaren Rahmenbedingungen, etwa bei oberflächennahem Grundwasser, Drainagen oder starken saisonalen Wasserstandsschwankungen, können ähnliche Eintrags- und Transportprozesse auftreten. Das gilt auch für Nährstoffe oder andere potenzielle Schadstoffe, die über ähnliche Wasserwege transportiert werden.

Fazit

Kleingewässer sind aktive Schnittstellen im Stoffhaushalt der Agrarlandschaft. Sie können Pflanzenschutzmittel und ihre Transformationsprodukte aufnehmen, zeitweise zurückhalten und unter bestimmten Bedingungen wieder weitergeben. Welche Rolle ein Gewässer übernimmt, hängt vom konkreten Standort ab. Wasserwege, Verweilzeit, Stoffeigenschaften und Bewirtschaftung bestimmen gemeinsam, ob Rückstände eher gespeichert, weitergeleitet oder zeitversetzt wieder mobilisiert werden. Kleingewässer können damit je nach Standort und Situation Senken, Zwischenspeicher und sekundäre Quellen sein. Befunde im Wasser sollten deshalb standortbezogen eingeordnet werden, da der Blick auf die letzte Anwendung allein nicht immer ausreicht. Gerade weil die vielen Kleingewässer ökologisch wertvolle und naturschutzfachlich relevante Landschaftselemente sind, sollten sie stärker in Beratung, Monitoring und Flächenmanagement berücksichtigt werden. So lassen sich Risiken besser bewerten und der Gewässerschutz gezielter mit der landwirtschaftlichen Praxis verbinden.

Ein Staatssekretär wird Umweltaktivist

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Der „ewige“ Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, dankt ab. Doch noch ist die Zeit nicht reif für einen Nachruf. Flasbarth wechselt lediglich die Seiten. Medienberichten zufolge heuert der 64-Jährige als Chef bei der European Climate Foundation (ECF) mit Sitz in Den Haag an. Für Kritik sorgt der direkte Wechsel aus der Politik in den Umweltlobbyismus. Doch darin hat Flasbarth Übung.

Er formte aus dem mitgliederstarken, aber unscheinbaren Natuschutzbund Deutschland (Nabu) ab 1992 eine schlagkräftige Umweltschutzlobby. Der Erfolg verhalf ihm 2003 zum Posten eines Abteilungsleiters im Bundesumweltministerium und 2009 zum Präsidentenschreibtisch im Umweltbundesamt (UBA). 2013 kehrte er unter Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) als Staatssekretär zurück. Flasbarth ist das 1,5-Grad-Ziel im Pariser Klimaabkommen zu verdanken. Großen Einfluss übte er auf die Energiewende, die Strategie zur biologischen Vielfalt, das Klimaschutzprogramm 2030, das Aktionsprogramm Insektenschutz, das nationale Gentechnik-Moratorium oder kürzlich noch das Thema Düngerecht aus.

Der Mann aus dem Pott scheut keine Provokation. Als Nabu-Chef formulierte er 2001: „Wir betreiben eine Landwirtschaft, die von Agrarökonomen gedacht wird, die von Chemikern bedient wird und der die Biologie abhandengekommen ist.“ 2013 gab das UBA eine Broschüre zum Klimawandel heraus, die klimawandelkritische Journalisten namentlich an den Pranger stellte. Zur Hilfe kam Flasbart das Verwaltungsgericht Halle, das eine Klage mit der interessanten Begründung abwies, das UBA sei nicht zur Neutralität verpflichtet. 2017 initiierte das Umweltministerium unter Flasbarth eine Plakatkampagne mit angeschärften Bauernregeln: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist die Schweinezucht zu klein.“

Auch Josef Tumbrinck wechselte vom Nabu ins Umweltministerium, Jennifer Morgan von Greenpeace International ins Außenministerium, Silvia Bender vom Bund für Umwelt und Naturschutz zu Agrarminister Özdemir. Niemand aber wechselt so nonchalant wie Flasbarth. Jetzt also die ECF. Gefördert durch US-Großstiftungen setzt die Organisation mit 273 Mitarbeitern vor allem auf Europa. Ihre Roadmap 2050 zur Dekarbonisierung der Wirtschaft gilt als einflussreich. Die wichtigste europäische Klimastiftung begleitete den Green Deal und die Klimagesetzgebung mit Analysen und Lobbyarbeit über geförderte Partner. Auch ihretwegen sind Europas Energiepreise deutlich höher als die der USA. Mit einem Jahresbudget von 258 Mio. € finanziert sie Umweltverbände, Denkfabriken, Forschungsinstitute und Bürgerinitiativen. Die ECF unterstützt das Oxford Climate Journalism Network. Sie gründete die Denkfabrik Agora Energiewende mit.

Flasbarth – genauer: das Bundesumweltministerium – förderte die ECF im vorigen Jahr mit knapp 670.000 €. Das ist mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Doch wertvoller ist ein ehemaliger Staatssekretär, der das Ministerium von innen kennt. Flasbart ist ideologisch gefestigt, taktisch versiert und fachlich schwer zu schlagen. Sein Einfluss auf Interessenvertreter und Journalisten ist groß. Für die ECF ist er ein Glücksgriff. Der scheidende Staatssekretär ändert seine Position, sein Einfluss bleibt. Mit dem Wechsel rücken staatliche Klimapolitik und private Unterstützer noch enger zusammen. Demokratie geht anders, doch Kritik an seinem Aktivismus hat Flasbarth noch nie gestört.

Viele Landwirte hätte ihm den zumindest aus Sicht der Umweltlobby wohlverdienten Ruhestand ebenso gegönnt.

Düngeverordnung – aktueller Stand

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Derzeit erreicht die Landwirtschaftskammer täglich eine Vielzahl an Nachfragen zur Weiterentwicklung der Düngeverordnung, insbesondere aufgrund aktueller Presseberichte.

Hintergrund ist, dass sich die Agrarminister der Bundesländer darauf verständigt haben, welcher Weg zur Neuausrichtung des Düngerechts beschritten und weiterverfolgt werden soll. Diskutiert werden verschiedene Varianten mit und ohne die Ausweisung von Roten Gebieten und der Möglichkeit einer Wahlfreiheit der Bundesländer für eine Variante. Für die Praxis in Schleswig-Holstein bleiben die allgemeinen Vorgaben der bundesrechtlichen Düngeverordnung maßgeblich. Die zusätzlichen Anforderungen in den Roten Gebieten werden aktuell nicht vollzogen. Diskutierte Änderungen sind noch keine verbindlichen Vorgaben. Die LKSH begleitet den Prozess fachlich, sofern möglich, verfolgt die Entwicklungen und informiert, sobald konkrete Änderungen und deren Auswirkungen für die Betriebe fest­stehen.

Kaltblüter in Aktion

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Die Meisterschaft des Vereins Schleswiger Pferdezüchter fand in diesem Jahr im Museumsdorf Volksdorf statt und lockte mehr als 2.000 Besucher in den ­Nordosten Hamburgs.

Das Freilichtmuseum zeigt das ländliche Leben und Arbeiten in den Hamburger Walddörfern. Zwischen den historischen Gebäuden werden auf dem Gelände auch alte Nutztierrassen gehalten, darunter vier Schleswiger Kaltblüter, die dort zu zahlreichen landwirtschaftlichen Arbeiten und vor verschiedenen Wagen eingesetzt werden. Auch bei der Vereinsmeisterschaft stellten sie ihre Vielseitigkeit unter Beweis.

Zum Auftakt fand am Morgen ein Umzug durch die umliegenden Straßen statt. Angeführt wurde er von einem historischen Fasswagen der Holsten-Brauerei, gezogen von sechs Schleswigern im original Prunkgeschirr. Es folgten weitere Reiter und Fahrer, die ihre Schleswiger herausgeputzt und mit nach Hamburg gebracht hatten. Die Besucher durften anschließend den ganzen Tag lang die Kaltblüter bei der Arbeit bestaunen, beispielsweise beim Göpeln oder Pflügen, und ihre Fragen stellen. Eine lange Schlange gab es außerdem bei den ebenfalls angebotenen Kutschfahrten.

Die Vereinsmeisterschaft begann traditionsgemäß mit dem Schleppen der Jugendlichen und Anfänger. Auf demselben Parcours, aber mit enger gesteckten Toren, wurde anschließend der Vereinsmeister unter den fortgeschrittenen Teilnehmern ermittelt. Ralf Hohenstein und sein elfjähriger Wallach Janus verteidigten hier ihren Titel. Seine Enkelin Chalotte Hohenstein gewann bei den Jugendlichen.

Ralf Hohenstein und Janus verteidigten ihren Titel bei den Vereinsmeisterschaften. Foto: Florian Wunsch

Auf dem gut präparierten Fahrplatz wurden die Fahrwettbewerbe der Ein- und Zweispänner durchgeführt. In diesem Jahr sollten neben den 14 Toren auch wieder anspruchsvolle und unterhaltsame Sonderaufgaben bewältigt werden. Auf der „Fan-Meile“ beispielsweise musste der Beifahrer absteigen, vor dem Pferd rasseln und anschließend mit einer umgehängten Deutschlandfahne einen Ball zum nächsten Tor dribbeln. Dort ging es dann wieder auf die Kutsche und zügig weiter durch den Parcours. Wenn die Pferde schließlich im Galopp über die Ziellinie liefen, gab es für jedes Team großen Applaus.

Markus Bein gewann diesen Wettbewerb mit dem 20-jährigen Wallach Ampfer. Bei den Einspännerfahrern wurden Anfänger und Jugendliche gemeinsam gewertet. Charlotte Hohenstein konnte mit Janus die einzigen zwei fehlerfreien Fahrten des Tages absolvieren und gewann damit auch diesen Wettbewerb. Zum Abschluss fuhren noch drei Zweispännerteams rasant durch den Parcours. Auch hier war am Ende Markus Bein mit seinem eingespielten Gespann ganz vorn.

Im umfangreichen Showprogramm gaben Ella Baumann und Helene Lutz vom Gut Wulfsdorf eindrucksvolle Einblicke in Natural Horsemanship. Markus und Britta Bein präsentierten das Holzrücken mit Pferden. Anschließend folgte eine Voltigiervorführung mit Schleswiger Kaltblut.

Am Nachmittag wurden durch Claudia Clausnitzer, Leitung der Jungzüchter des Pferdestammbuchs Schleswig-Holstein/Hamburg und aktive Zuchtrichterin, das Vormustern eines Pferdes und dessen Hintergrund erläutert und drei Teilnehmer mit ihren Pferden vorgestellt. Zum Abschluss gab es erstmals einen Geschicklichkeitswettbewerb mit zahlreichen Nennungen.

Spät blühende Stauden

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Mit Stauden, die bis zum Frost blühen, bleiben Beete lange attraktiv. Für sonnige Standorte ist die Pflanzenauswahl groß, doch auch für schattige Bereiche finden sich passende Vertreter.

Dank der Vielzahl an Herbstblühern lässt sich der Garten auch zum Ende der Saison farbenfroh gestalten. Zu den typischen Herbststauden zählen Silberkerze (Cimicifuga) und Myrtenaster (Aster ericoides) mit zarten Blüten, aber auch leuchtende Chrysanthemen und Fetthennen (Sedum) mit markanten Blattstrukturen. Nicht zu vergessen sind wogende Gräser, die heimlichen Stars des Herbstes. Einerseits ist es möglich, ein ausgeprägtes Herbstbeet mit spät blühenden Stauden anzulegen. Andererseits bietet sich die Kombination von spät blühenden Arten mit Frühjahrs- und Sommerblühern an. Durch diese Variante lässt sich ein fortlaufendes Aufblühen in der Rabatte erzielen. Besonders attraktiv wirkt die Einbindung von Ziergräsern, deren schmückende Wirkung sich im Spätherbst besonders entfaltet. Je nach Lage des Beetes kommen unterschiedliche Pflanzen infrage.

Die Silberkerze ist ein wunderbarer Spätblüher für schattigere Bereiche. Foto: Karin Stern
Fetthenne ‚Black Beauty‘ punktet mit farbstarken Blüten und dunklem Laub. Foto: Karin Stern
Die Farbpalette der Chrysanthemen bietet eine reiche Auswahl. Foto: Karin Stern


An sonnigen Standorten haben sich Herbstastern bewährt, zu denen Glattblattastern (Aster novi-belgii) und Kissenastern (Aster dumosus) zählen. Der Übergang zwischen beiden Arten ist sehr fließend. Sie sind nahezu identisch und werden vor allem anhand ihrer Wuchshöhe unterschieden. Pflanzen unter 50 cm Höhe bezeichnet man als Kissenastern. Auch die Myrtenaster und die Raublattaster (Aster novae-angliae) zählen zu den ausgesprochen attraktiven Herbstblühern. Raublattastern ähneln den Glattblattastern sehr, bilden aber einen Wurzelstock ohne Ausläufer und gelten als robuster sowie langlebiger. Leider verkahlen Raublattastern im Laufe der Jahre von unten etwas. Das lässt sich jedoch geschickt kaschieren, indem sie im mittleren oder hinteren Bereich der Rabatte platziert werden. Besonders attraktiv wirken Raublattastern als „Zaungucker“. Die Myrtenastern-Sorten ,Schneetanne‘ und ,Pink Star‘ blühen an sehr standfesten Stielen bis weit in den November hinein, sofern nicht zuvor Frost dem Flor ein Ende bereitet. Tipp: Für die Vase dürfen ruhig einige Stängel geschnitten werden.

Astern zählen zu den unverzichtbaren Spätblühern. Foto: Karin Stern

Mit einer Farbpalette von Zitronengelb über Bronze bis hin zu Ziegelrot und Rosa bringen Gartenchrysanthemen (Dendranthema x grandiflorum) warme Töne ins Herbstbeet. Die Blüten öffnen sich von August bis November. Hohe Sorten und schwere Blütenstände sollten besser abgestützt werden. Besonders attraktiv wirken Gruppenpflanzungen mit unterschiedlichen Sorten. Der wertvolle Spätblüher bevorzugt geschützte, warme Lagen mit nährstoffreichem und durchlässigem Boden. Winterliche Nässe wird nicht vertragen. Die Hohe Fetthenne (Sedum telephium) sollte als farbenfroher Herbstblüher in keinem Garten fehlen. Auf durchlässigen, eher nährstoffarmen Böden stehen die Stiele mit den flachen, schirmförmigen Blütenständen besonders stabil. Kombiniert mit Chrysanthemen und Astern entsteht ein farbenfrohes Herbstbild. Die Sorte ,Herbstfreude‘ beeindruckt mit rostroten Blütenschirmen und ist der bewährte Klassiker unter den Hohen Fetthennen. ,Matrona‘ punktet mit dunklen Stielen und grün-purpurfarbenem Laub. Das dunkelste Blatt bildet ,Karfunkelstein‘ aus, bleibt aber mit 40 bis 50 cm Höhe sehr kompakt.

Herbstschönheiten unter sich: Fetthenne, Japanisches Blutgras ‚Red Baron‘ und Kerzenknöterich Foto: Karin Stern

Auch unter den Gräsern finden sich einige Sonnenkinder, die den Spätherbst wirkungsvoll verschönern. Flammend rot leuchtet das Japanische Blutgras ,Red Baron‘ (Imperata cylindrica). Es entwickelt seinen spektakulären Farbton erst im Laufe des Sommers. Den Winter übersteht das Gras jedoch allenfalls gut geschützt. Daher empfiehlt sich die Kultivierung in flachen Pflanzgefäßen. Völlig unbeeindruckt vom Winter zeigt sich die Purpur-Rutenhirse ,Shenandoah‘ (Panicum virgatum). Sie begeistert nahezu ganzjährig mit bordeauxroten Blattspitzen und legt mit einer intensiven Herbstfärbung noch einmal nach. Auch die verschiedenen Sorten des Chinaschilfs (Mis­canthus sinensis) bringen Struktur ins Beet. Je nach Sorte zeigen sich von August bis zum Frost die bis zu 30 cm langen Blütenrispen in Silber, Cremeweiß, Hellbraun oder Braunrot, teils auch rosa überhaucht. Tipp: Beim Kauf auf Wuchshöhe und Wuchsform achten.

Rutenhirse ‚Shenandoah‘ bringt Struktur und Farbspiel in den Herbst. Foto: Karin Stern
Silberkerzen unterscheiden sich je nach Sorte in Blüten- und Laubfarbe. Foto: Karin Stern

Im schattigen bis halbschattigen Bereich fühlt sich die Oktober-Silberkerze (Cimicifuga simplex) sehr wohl. Wie ihr Name bereits verrät, hat sie im Oktober ihren großen Auftritt. Die langen, hellen Blütenrispen sind im spätherbstlichen Garten unverzichtbar. Sie schweben etwa 150 cm hoch über dem Laub. Dies ist bei der Sorte ,Brunette‘ schwarz-rot gefärbt und bildet einen attraktiven Kontrast zu den rosig-weißen Blütenkerzen. ,Atropurpurea‘ passt mit ihrem grünlich-roten Laub und den weißen Blüten hervorragend zu hellrosa blühenden Herbst-Anemonen. Für die zeitgleiche Blüte empfehlen sich die Sorten ,Prinz Heinrich‘ sowie ,Pamina‘ und ,Rosenschale‘ (Anemone-japonica-Hybride). Sie zählen allesamt zu den spätesten Herbst-Anemonen.

Auch die kleine Lilientraube (Liriope muscari) ist ein überaus apart wirkender Herbstblüher. Von August bis Oktober erscheinen die langen, attraktiven Blütenstände über dem grasartigen Schopf. Die schmucke Staude kommt gut als Einfassungspflanze zur Geltung, ist aber auch im Topf ein attraktiver Blickfang. Wichtig ist ein nährstoffreicher, kalkarmer und humoser Boden im lichten Schatten.

Die Lilientraube ist ein toller Hingucker für den lichten Schatten. Foto: Karin Stern

Praxistaugliche Angebote entwickeln

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Klimaveränderungen, neue Anforderungen an die Flächennutzung und die Suche nach zusätzlichen betrieblichen Möglichkeiten betreffen Land- und Forstwirtschaft gleichermaßen.

Damit wächst auch der Bedarf an Beratung, die über einzelne Fachgebiete hinausblickt. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) entwickelt ihren Forstbereich gezielt weiter und schafft zugleich Strukturen für übergreifende Zukunftsthemen in Land und Forst. Für Waldbesitzende bleibt die bewährte forstliche Beratung und Betreuung erhalten. Gleichzeitig sollen Zukunftsthemen künftig stärker gebündelt und neue Dienstleistungen schneller bis zur Praxisreife entwickelt werden.

Forstberatung bleibt erste Anlaufstelle

Wer Unterstützung bei der Bewirtschaftung des eigenen Waldes benötigt, kann sich weiterhin an die bekannten Ansprechpersonen der LKSH wenden. Die Beratung der Waldbesitzenden, die Begleitung von Fördermaßnahmen, die Forsteinrichtung sowie die forstliche Aus- und Weiterbildung bleiben vollständig bei der Kammer.

In der täglichen Beratung geht es zunehmend darum, Wälder an veränderte klimatische Bedingungen anzupassen und zugleich ihre wirtschaftliche Nutzung langfristig zu sichern. Welche Baumarten eignen sich für einen Standort? Wie lassen sich Risiken verteilen? Welche Pflege benötigen junge Bestände, und welche Fördermöglichkeiten bestehen? Bei diesen und weiteren Fragen begleitet die Forstabteilung die Waldbesitzenden von der Planung über die Pflanzung und Pflege bis zur späteren Nutzung des Holzes.

„Unsere Aufgabe ist es, die Betriebe bei aktuellen Herausforderungen verlässlich zu begleiten und zugleich frühzeitig Lösungen für die Zukunft zu entwickeln“, sagt Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin der Landwirtschaftskammer. Die bestehenden forstlichen Aufgaben bildeten deshalb auch künftig eine tragende Säule der Arbeit.

Acker, Grünland und Wald zusammendenken

Viele Zukunftsfragen lassen sich nicht eindeutig einem einzelnen Fachbereich zuordnen. Ein Beispiel ist Agroforst: Werden Gehölze mit Ackerbau oder Tierhaltung kombiniert, sind neben forstlichem Wissen auch Kenntnisse zu Pflanzenbau, Betriebswirtschaft, Förderung und Vermarktung gefragt. Ähnlich ist es bei Fragen des Klimaschutzes, bei neuen Formen der Landnutzung oder bei der Entwicklung von Ökokonten.

Solche fachübergreifenden Themen werden künftig in der neuen Stabsstelle Zukunft Land und Forst gebündelt. Sie soll das Wissen aus den verschiedenen Abteilungen der Landwirtschaftskammer zusammenführen, neue Entwicklungen frühzeitig aufgreifen und Projekte anstoßen. Auch der Austausch mit Betrieben, Wissenschaft und Wirtschaft soll dort zusammenlaufen.

Bestehende Angebote wie Waldbestattung und Ökokonten werden ebenfalls in der Stabsstelle gebündelt. Das EIP-Innovationsbüro arbeitet weiterhin an der Entwicklung und Begleitung innovativer Projekte und wird sich eng mit der neuen Einheit abstimmen.

Aus guten Ansätzen zu nutzbaren Angeboten

Gemeinsam für die Weiterentwicklung von Land und Forst: Präsidentin Ute Volquardsen, Geschäftsführerin Stephanie Wetekam, Vizepräsident Hans-Caspar Graf zu Rantzau, Stellvertretender Geschäftsführer Bernd Irps und Referent Hans Jacobs (v. li.) im Apfelgarten der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein Fotos: Dr. Laura Maxi Stange

Aus neuen Ideen und Projekten können sich konkrete Dienstleistungen entwickeln, für die es eine Nachfrage am Markt gibt. Um solche Angebote flexibel erproben, entwickeln und aufbauen zu können, gründet die Landwirtschaftskammer die LKSH Innovation Land und Forst GmbH.

Die neue Gesellschaft befindet sich vollständig im Eigentum der Landwirtschaftskammer. Sie entwickelt Dienstleistungen, die dem gesetzlichen Auftrag der LKSH entsprechen. Sie ergänzt deren fachliche Arbeit, ohne die bestehenden Beratungs- und Bildungsangebote zu ersetzen. Welche Dienstleistungen künftig über die GmbH angeboten werden, soll sich am konkreten Bedarf der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe orientieren.

„Innovation ist für uns kein Selbstzweck“, betont Wetekam. „Entscheidend ist der konkrete Nutzen für die Betriebe und den ländlichen Raum. Tragfähige Ideen sollen nicht in Konzeptpapieren enden, sondern ihren Weg in die Praxis finden.“

Mit der Neuaufstellung des Forstbereichs werden auch die Verantwortlichkeiten angepasst. Die Forstabteilung wird kommissarisch von Bernd Irps geleitet. Peer Rosenhagen übernimmt als stellvertretender Abteilungsleiter die fachliche Koordination. Hans Jacobs leitet die neue Stabsstelle Zukunft Land und Forst und wird zugleich zum Geschäftsführer der LKSH Innovation Land und Forst GmbH bestellt.

Fazit

Für die Betriebe und Waldbesitzenden bedeutet die Neuaufstellung vor allem: Die vertraute forstliche Beratung bleibt bestehen. Hinzu kommen neue Möglichkeiten, fachübergreifende Fragestellungen zu bearbeiten und daraus praxistaugliche Angebote für Land und Forst zu entwickeln.

Überschuss wächst

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Der Außenhandel der Europäischen Union im Agrar- und Lebensmittelsektor ist im ersten Halbjahr 2026 ins Stocken geraten. Das zeigen aktuelle Zahlen der EU-Kommission. Danach wurden von Januar bis Juni 2026 Agrar- und Ernährungsgüter im Wert von 117,2 Mrd. € exportiert; das waren 2,2 Mrd. € beziehungsweise 2 % weniger als in der Vergleichsperiode. Dies ist laut der Brüsseler Behörde vor allem auf geringere Ausfuhren von Schweinefleisch und Olivenöl zurückzuführen.

Die Importe der EU lagen im gleichen Zeitraum bei 93,4 Mrd. €, womit der Vorjahreswert um 3,6 Mrd. € oder 4 % unterschritten wurde. Ausschlaggebend waren hier unter anderem geringere Einfuhren von Getreide und Sojakuchen. Dennoch war der Handelsüberschuss der Gemeinschaft in der ersten Jahreshälfte größer als im Vorjahreszeitraum; er erhöhte sich um 1,4 Mrd. € oder 6,2 % auf 23,9 Mrd. €.

Weniger Exporte in die USA

Den größten absoluten Rückgang der Exporte gab es in der ersten Jahreshälfte im Handel mit den USA; verzeichnet wurde ein Minus von 1,74 Mrd. € oder 11 % auf 13,46 Mrd. €. Allerdings waren die Exportvolumina in der Vergleichsperiode – den ersten Monaten des Jahres 2025 – sehr hoch, möglicherweise als Reaktion auf die damals von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle. Um 837 Mio. € beziehungsweise 3 % auf 26,97 Mrd. € gingen im Berichtszeitraum die EU-Exporte in das Vereinigte Königreich zurück, den mit Abstand größten Abnehmer von Agrargütern aus der Gemeinschaft.

Dahinter folgte Japan mit 3,58 Mrd. €; das waren 492 Mio. € oder 12 % weniger als im Vergleichszeitraum. Der Handel mit den Golfstaaten wurde durch die Störung der Seewege in der Straße von Hormus beeinträchtigt, wobei die Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate um 395 Mio. € oder 25 % zurückgingen. Zugelegt haben hingegen die Exporte nach Ägypten, und zwar um 278 Mio. € oder 28 % auf 1,26 Mrd. €. Auch die Ukraine bezog mehr aus der EU; der Gesamtwert von 2,32 Mrd. € war um 247 Mio. € beziehungsweise 12 % höher als im Vorjahr.

Wichtigster Lieferant

Auf der Importseite war im Berichtszeitraum Brasilien der wichtigste Handelspartner der EU. Die Staaten der Gemeinschaft orderten in dem südamerikanischen Land Agrar- und Lebensmittelprodukte im Wert von 9,57 Mrd. €; das bedeutet einen Zuwachs von 425 Mio. € oder 5 %, hauptsächlich aufgrund höherer Sojabohnenimporte. Auch die EU-Importe aus Argentinien legten zu. Hier wurde ein Plus von 281 Mio. € auf 2,85 Mrd. € verbucht; das war ein Zuwachs von 11 %.

Ob zu dieser Entwicklung auch das seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendete EU-Mercosur-Interimshandelsabkommen beigetragen hat, wird von der Kommission nicht erläutert. Zurück gingen die Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich, nämlich um 425 Mio. € oder 5 % auf den Gesamtwert von 7,36 Mrd. €. age

Geflügelfleisch aus Brasilien:

Audit macht den Weg frei

Brasilien dürfte in absehbarer Zeit wieder Geflügelfleisch und Honig in die Europäische Union liefern. Darauf lassen die Ergebnisse eines Audits schließen, die die EU-Kommission am Montag vergangener Woche veröffentlicht hat. Demnach kann das brasilianische System sicherstellen, dass bei der Erzeugung von Ware, die für den Export in die EU bestimmt ist, keine Antibiotika zur Leistungssteigerung eingesetzt werden.

Der rechtliche Rahmen, die Ausbildung der Kontrolleure und die amtliche Überwachung seien geeignet, die erforderlichen Garantien im Sinne des EU-Rechts zu erbringen, heißt es im Prüfbericht. Obwohl die Kontrollsysteme erst vor Kurzem eingerichtet worden seien, arbeiteten sie in beiden Sektoren effektiv. Somit gebe es für die Zertifikate der zuständigen Behörden eine solide Basis.

Abschließend grünes Licht erhält Brasilien allerdings erst, wenn die Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCoPAFF) zustimmen. Sofern keine Sitzung außer der Reihe angesetzt wird, kommt das zuständige Gremium das nächste Mal am 20. und 21. Oktober zusammen. Sollte bei dieser Gelegenheit nicht entschieden werden, bietet sich am 16. und 17. November die nächste Möglichkeit.

Laut dem Prüfbericht ist Brasilien der weltweit größte Exporteur von Geflügelfleisch und das drittgrößte Erzeugerland. 2025 belief sich die Produktion von Hühnerfleisch auf 15,3 Mio. t, davon wurden 5,3 Mio. t ins Ausland verkauft. 2024 importierte die EU den Angaben der Kommission zufolge 286.936 t Schlachtgewicht brasilianisches Geflügelfleisch. Das entsprach 32 % der Einfuhren aus Drittstaaten; Brasilien war damit der bedeutendste Lieferant. Nach dem Ausbruch der Geflügelpest im Mai 2025 hatten mehrere Länder ihre Einfuhren gestoppt, darunter auch die EU.

Die brasilianische Honigproduktion liegt dem Prüfbericht zufolge in der Größenordnung von 67.000 t pro Jahr. Mehr als die Hälfte davon geht in den Export. 2025 wurden in die EU 1.974 t Honig aus Brasilien eingeführt.

Für brasilianisches Rindfleisch dürfte der EU-Markt derweil noch einige Zeit geschlossen bleiben. age

200 Mio. € für den klimaangepassten Waldumbau

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Die Fördermittel für das Förderprogramm Klimaangepasstes Waldmanagement (KWM) werden ab Januar 2027 um mehr als 50 auf 200 Mio. € jährlich aufgestockt.

Ziel des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) ist es, die Förderung der klimaresilienten Waldbewirtschaftung mithilfe des Programms auf mindestens 2 Mio. ha auszuweiten. Private und kommunale Waldbesitzende können seit wenigen Tagen wieder Erstanträge für eine Förderung ab dem 1. Januar 2027 bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) stellen.

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sagte zu dem Förderprogramm: „Unser Wald ist ein Stück Heimat. Ihn für morgen zu schützen, ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die uns alle verbindet. Um leistungsstarke und klimaresiliente Wälder zu erhalten, braucht es eine stabile und verlässliche Förderung für die vielen privaten und kommunalen Waldbesitzer. Mit ihrem Engagement und ihrem großen Interesse am Förderprogramm zeigen sie, dass sie Verantwortung für die Zukunft unserer Wälder übernehmen und sie fit für den Klimawandel machen, und zwar über Jahrzehnte hinweg, als Generationenprojekt. Wir stocken die Mittel für das Programm auf – das ist eine große Chance für den aktiven Waldumbau hin zu klimaresilienten, produktiven und artenreichen Mischwäldern. Das Förderprogramm schafft zusammen mit den GAK-Waldfördermaßnahmen die Voraussetzung dafür, dass unsere Wälder als wichtige Kohlenstoffspeicher erhalten bleiben, wichtige Ökosystemleistungen erbringen und den Nachwachsenden Rohstoff Holz auch kommenden Generationen zur Verfügung stellen können.“

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) ergänzte: „Klimastabile Wälder helfen als natürliche Wasser- und Kohlenstoffspeicher. In heißen Sommern, wie wir sie immer häufiger erleben, sind sie eine natürliche Klimaanlage und kühlen die Umgebung. Damit das so bleibt, müssen wir in den Waldumbau investieren, das ist eine Generationenaufgabe. Viele Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer wollen ihre Wälder aktiv an den Klimawandel anpassen und begreifen die Natur als ihre Verbündete. Mit der Aufstockung des Programms ermöglichen wir deshalb neue Anträge und geben Wald- und Forstbetrieben die Unterstützung, die sie brauchen. Jeder Hektar, der nach den Kriterien des klimaangepassten Waldmanagements bewirtschaftet wird, stärkt die natürlichen Funktionen der Wälder, mit denen sie für ein gesundes Klima sorgen. So sichern wir Wälder als wertvolle natürliche Lebensräume für die Zukunft.“

Herausforderungen durch Klimawandel

Immer häufiger auftretende Extremwetterereignisse, wie Dürre und Starkregen, sowie Insektenkalamitäten und Waldbrände führen zu einem immensen Handlungsbedarf bei der Klimaanpassung der heimischen Wälder.

Mit dem im Jahr 2022 gestarteten Förderprogramm Klimaangepasstes Waldmanagement hat das BMLEH erstmals eine langfristige Förderung geschaffen, die zusätzliche Klimaschutz- und Biodiversitätsleistungen im Wald finanziert und honoriert. Seit dem Jahr 2024 wird das Programm aus dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) durch das BMUKN finanziert. Beide Bundesministerien unterstützen seither gemeinsam Waldbesitzende bei der Anpassung ihrer Wälder an den Klimawandel. Das Programm richtet sich sowohl an Kommunen wie auch an private Waldbesitzende.

Nachfrage durch Waldbesitzer

Das Programm wird von Waldbesitzenden stark nachgefragt und in der Fläche sehr gut angenommen. Deshalb werden über das ANK jetzt weitere Mittel zur Verfügung gestellt. Insgesamt konnte bisher über ein Fünftel des Privat- und Kommunalwaldes in Deutschland erreicht werden. Dies entspricht einer förderfähigen Waldfläche von knapp 1,7 Mio. ha. Davon liegen zirka 60 % im Körperschaftswald und 40 % im Privatwald. Mit der Aufstockung der Mittel sollen künftig mindestens 2 Mio. ha Wald in Deutschland durch die KWM-Förderung klimaresilient bewirtschaftet werden.

Erstanträge für eine Förderung können seit dem 1. Oktober 2026 wie bisher über den Online-Antrag auf der Webseite des Förderprogramms an die FNR gerichtet werden. Die Förderung von Erstanträgen erfolgt ab dem 1. Januar 2027. Alle weiteren Informationen zum Start und zum Ablauf des Antragsverfahrens sind ebenfalls auf der Webseite des Programms zu finden.

Zukunft ist eine innere Entscheidung

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„Die LandFrauen haben mich stark gemacht – durch Seminare, Qualifikationen und ganz besonders durch das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht haben“, erklärt Claudia Jürgensen.

Seit 2015 engagiert sich die Jübekerin ehrenamtlich im Präsidium des LandFrauenVerbandes. Dort macht sie sich für die Vereinsarbeit, vor allem aber für die Gemeinschaft stark. Nun hat sie sich schweren Herzens dazu entschlossen, ihr Amt in der Vertreterinnenversammlung am 24. März niederzulegen.

Seit nahezu zwölf Jahren ist der Kalender von Claudia Jürgensen prall gefüllt mit LandFrauenterminen. „Das ist auch gut so, denn so konnte ich vieles von dem, was die LandFrauen mir gegeben haben, auch zurückgeben“, ergänzt sie. Nach den ersten beiden Jahren im Präsidium folgten sechs Jahre Vizepräsidentinnenschaft. 2023 trat sie zur Wahl der Präsidentin an, nachdem ihre Vorgängerin Ulrike Röhr in ihrer laufenden Amtsperiode ausschied. Dieses Engagement war für Claudia Jürgensen stets selbstverständlich, aber es kostete auch Kraft.

„Während meiner Zeit als Präsidentin hat sich in meinem privaten Umfeld sehr viel verändert“, erzählt sie. „Gemeinsam mit meinem Mann bin ich betriebstechnisch noch einmal durchgestartet, habe meinen Status von der mitarbeitenden Familienangehörigen zur Unternehmerin gewechselt. In diese Zeit fiel leider auch der Abschied von vier mir sehr nahestehenden Menschen. Drei von ihnen habe ich zusammen mit meinem Mann gepflegt. Kurzum: Ich habe bei Pflege und Abschied sehr viel Kraft gelassen und gleichzeitig mit meinem Mann ein Herzensprojekt für unsere zweite Lebenshälfte aufgebaut.“ Und wer Claudia Jürgensen kennt, der weiß, dass für sie die Qualität zählt und nicht die Quantität. Gleich zwei Projekte mit Herzblut zu füllen, ist aus diesem Grund nicht mehr zu schaffen. Deshalb fällte sie ihre Entscheidung, vom Amt der Präsidentin in der laufenden Amtsperiode zurückzutreten.

Bei dieser schwierigen Entscheidung hat ihr eines sehr geholfen: die Zuversicht, dass ihr Frauen nachfolgen werden, die mit genau dem gleichen Herzblut und mit neuen, eigenen Ideen die Verbandsarbeit nach vorn bringen.

„Zukunft ist eine innere Entscheidung“ – das hat der Zukunftsforscher Matthias Horx einmal gesagt, und auch die Präsidentin hat ihre Entscheidung mit Blick in die Zukunft getroffen. „Zum einen geht es mir um die Zukunft des Verbandes, zum anderen um meine persönliche Zukunft“, sagt sie. „Mit meinem vorzeitigen Rücktritt schaffe ich für die Frauen in den nachzubesetzenden Posten die Möglichkeit, in die Vorstandsarbeit hineinzuwachsen – so, wie es vor vielen Jahren auch bei mir gewesen ist.“

Unterwegs an der Flensburger Förde

Auftakt zur Sitzung des Gesamtvorstands

Zur Sitzung des Gesamtvorstands war der LandFrauenVerband Schleswig-Holstein e. V. in diesem Herbst zu Gast bei Neubauer Touristik. Das in Flensburg ansässige Familienunternehmen ist bereits seit vielen Jahren treues Mitglied im Verein zur Förderung der Weiterbildung im LandFrauenVerband Schleswig-Holstein e. V. Bevor die Gremienarbeit begann, stand eine gemeinsame Fahrt entlang der Flensburger Förde auf dem Programm.

Los ging‘s am romantischen Wasserschloss des Ostseebades Glücksburg. Von dort aus schlängelt sich die Straße oberhalb des Wassers durch den herbstlichen Wald. Rechter Hand gibt es immer wieder freie Sichtachsen auf die Ostsee.

Der Gesamtvorstand des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein e. V. zu Gast bei Neubauer Touristik Foto: lfv

Vorbei am historischen Flottenkommando, dem exklusiven Fünf-Sterne-Hotel Alter Meierhof, dessen Küche zu den besten des Landes zählt, passierten wir auch das „Rote Schloss am Meer“. In der heutigen Offiziersschule der deutschen Marine wurde am 23. Mai 1945 das letzte Kapitel des Deutschen Reiches zugemacht: Die britische Besatzungsmacht verhaftete die letzte Reichsregierung unter Großadmiral Karl Dönitz.

Wir durchquerten Hafen und Altstadt und fuhren am Westufer Richtung dänische Grenze. Reiseleiter Knut führte aus, wie die Kultur der Region durch den Nachbarn Dänemark geprägt ist. Bis zu 20 % der Bevölkerung gehören hier der dänischen Minderheit an. Die Region gilt heute als Beispiel für einen konstruktiven Umgang mit nationalen Minderheiten. Die dänische Kultur ist fest verankert: Es gibt dänische Schulen und Kindergärten, Vereine und Theater.

Unser Weg ging nun auf dänischer Seite auf dem Fjordvejen direkt am nördlichen Ufer der Förde weiter. Die Panoramastraße durch die sanfte Hügellandschaft schenkte uns immer wieder malerische Blicke auf das tiefblaue Fördewasser, vorbeiziehende Segelboote und die deutsche Küste im warmen Herbstlicht.

Der Reiseleiter führte uns unterhaltsam und kompetent durch historische Besonderheiten, Landeskunde, Kultur und Wirtschaft der Region an der Flensburger Förde. Die zweistündige Busfahrt hatte beinahe den Erholungswert eines Kurzurlaubs, und so starteten alle frisch und gut gelaunt in die anschließende Gremiensitzung.

Dr. Judith Bühlmeier

Rinderbestände: Können wir mit stabilen Preisen rechnen?

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Die Rinderbestände in der EU laufen in ganz unterschiedliche Richtungen. Die größte „Rinder-Nation“ der EU ist nach wie vor Frankreich. Gleichzeitig ist dies auch das einzige Land in der EU mit erneut deutlich kleineren Rinderbeständen im Vergleich zum Vorjahr. In Deutschland, Polen und Italien setzt eine leicht positive Seitwärtsbewegung ein, während es in Spanien und Irland zu einem deutlichen Bestandsaufbau kommt. Somit stabilisiert sich der Rinderbestand der EU nach langen Jahren des Bestandsabbaus auf einem niedrigen Niveau und kann sogar einen leichten Zuwachs von 400.000 Tieren auf nun 73,4 Millionen verzeichnen. Dies verschafft der Vermarktungs- und Verarbeitungsebene in der EU zwar wieder etwas mehr Planungssicherheit, von einer Trendwende kann aber noch nicht die Rede sein, im Gegenteil. In den aktuellen Prognosen der EU-Kommission wird nach einer kurzen Verschnaufpause weiterhin mit einem strukturwandelbedingten Bestandsabbau gerechnet, wenn auch nicht so stark wie in den vergangenen Jahren.

Trendwende für die weltweiten Bestände

Weltweit gesehen sieht es aktuell in den großen exportorientierten Erzeugerländern sehr unterschiedlich aus. In den USA war zum Jahresbeginn noch ein deutlicher Rückgang von 500.000 Rindern im Vergleich zum Vorjahresstichtag zu verzeichnen. Zum ersten Juli dieses Jahres lagen die Bestandszahlen aber schon wieder 200.000 Rinder über den Zahlen von Juli 2025. Auffällig ist, dass dieser Zuwachs zu einem großen Teil auf Remontierungsfärsen entfällt. Somit sind hier deutliche Anzeichen für einen Wendepunkt im Rinderzyklus vorhanden. Bis dies allerdings in steigenden Schlachtzahlen deutlich wird, werden noch zwei weitere Jahre vergehen. In Brasilien sieht es ähnlich aus. Auch hier werden nach Jahren der Bestandsrückgänge aktuell wieder steigende Tierzahlen gemeldet. Die aktuellen Prognosen des USDA gehen davon aus, dass der brasilianische Rinderbestand im Jahr 2028 wieder auf dem 2024er Niveau von 238 Millionen Tieren ist. Interessant sind auch die deutlichen Bestandsreduzierungen in China. Hier rechnet man aufgrund der fehlenden Rentabilität der Rindfleischproduktion in Kombination mit niedrigpreisigen Importen aus Brasilien erst 2028 mit einer Stabilisierung. Steigerungen scheinen kaum realisierbar. Ähnlich der EU verhält sich die Entwicklung der Rinderbestände in Australien. Hier hat es in diesem Jahr zwar aufgrund der freundlicheren Witterungsbedingungen eine Steigerung gegeben, dennoch rechnet man langfristig aufgrund des Strukturwandels und der schwierigen Klimaverhältnisse mit einem kontinuierlichen Rückgang der Rinderbestände dort.

Was bedeutet das für den ­Rindfleischpreis?

Für 2026 und 2027 wird sich weltweit gesehen die relativ knappe Versorgungslage fortsetzen. Das Preisniveau auf dem Weltmarkt bleibt hoch. Ab dann wird sich das Angebot deutlich ausweiten, was die Preise zunehmend ausbremsen dürfte. Entscheidend für den Weltmarkt ist hier die Entwicklung in Brasilien, dem weltweit größten Rindfleischexporteur. Das bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass dann auch innerhalb der EU mit fallenden Rindfleischpreisen zu rechnen ist, sondern nur dass der Weltmarkt als Preisstütze wegfällt. Der EU-Rindfleischmarkt hat einen Selbstversorgungsgrad von zirka 107 %. Die Drittländer haben einen Marktanteil von gut 7 %. Somit spielt der Weltmarktpreis für die Rinderhalter in der EU keine allzu große Rolle. Die prognostizierten Bestandsrückgänge in der EU dürften eine stabile Preisstütze darstellen.