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Landluft, Leidenschaft und viele Ideen

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Dieses Interview mit Julia Kortum dreht sich um Chancen, Heraus­forderungen und die Zukunft des Landtourismus in Schleswig-Holstein.

Wer schon einmal in einem Hofcafé Kuchen gegessen, im Heu übernachtet oder einen Kindergeburtstag zwischen Hühnern und Ponys gefeiert hat, der weiß: Landtourismus ist viel mehr als nur „ein Bett im Bauernhaus“. In Schleswig-Holstein kümmert sich der Bauernhofurlaub & Landtourismus Schleswig-Holstein e. V. (BL.SH) darum, dass diese Erlebnisse nicht nur schön, sondern auch professionell sind. Wir haben mit Julia Kortum, Geschäftsführerin des BL.SH, über Geschichte, Aufgaben und Zukunftsprojekte gesprochen.

Fangen wir mal ganz vorn an: Wie ist der Verein überhaupt entstanden?

Mit Leidenschaft für die Zukunft des Landtourismus: Julia Kortum, Geschäftsführerin des BL.SH

Julia Kortum: Der Verein – damals die Arbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof e. V. – wurde 1990 von zehn LandFrauen gegründet, die sich zum Ziel gesetzt haben, dieses neue touristische Segment „Bauernhofurlaub“ für Schleswig-Holstein zu vermarkten.

Was genau verstehen Sie unter Landtourismus?

Der Landtourismus bezeichnet ein touristisches Segment mit Urlaubs-, Gastronomie- und Freizeitangeboten im dörflich-ländlichen Umfeld. Dabei steht der Erlebnis-Charakter auf oder in der Nähe eines Agrarbetriebes im Vordergrund. Gerade in den ländlichen Räumen kommt der Landtourismus einem Wirtschaftsmotor gleich. Wir als BL.SH arbeiten mit einem weit gefassten Landtourismus-Begriff, um den zahlreichen Betrieben ein „Vereinszuhause“ anbieten zu können. So gehören neben dem eigentlichen Kernprodukt der Beherbergung unbedingt auch Bauernhofcafés, Hofläden, Heuherbergen, Direktanbieter, Pony- und Reiterhöfe, Obsthöfe, Erlebnishöfe, Landgasthöfe, die KäseStraße und weitere regionale Produzenten zu unseren Mitgliedern. Dies zahlt sich auch positiv in Richtung potenzieller Urlauber aus. Denn der Gast wünscht sich nicht nur die Übernachtung auf einem Bauernhof, sondern interessiert sich für regionale Produkte und Erlebnisse.

Was macht diese Vielfalt aus Ihrer Sicht so besonders?

Alle Betriebe stärken die regionalen Wertschöpfungsketten in den ländlichen Räumen Schleswig-Holsteins, und dahinter stehen echte, authentische Anbieter. Außerdem spiegelt sich in dieser Vielfalt der Begriff „Regionalität“ wider, deretwegen viele Gäste gerne nach Schleswig-Holstein kommen: Regionale Angebote und Erlebnisse sind voll im Trend!

Was ist das Hauptziel Ihrer Arbeit?

Unsere Mission ist die Stärkung des Landtourismus in Schleswig-Holstein.

Nach außen hin bedeutet das, dieses Segment für potenzielle Gäste sichtbarer zu machen und im Sinne einer Interessenvertretung für dieses einzutreten.

Nach innen hin möchten wir die Anbieter bei der Optimierung ihres landtouristischen Angebotes im Marketingbereich unterstützen, um sie fit für die Zukunft zu machen. Durch unser starkes Netzwerk regen wir Know-how-Austausch und Wissenstransfer an. Auch wenn die Künstliche Intelligenz (KI) einem inzwischen viele Fragen beantworten kann, geht doch nichts über Formate, in denen die Anbieter miteinander oder voneinander lernen können. Irgendein Betrieb stand vielleicht schon vor der gleichen Herausforderung und durch den Austausch erhält man nicht nur wertvolle Tipps, sondern auch das Zutrauen, es ebenfalls zu schaffen.

Wie sieht Ihre Arbeit im Alltag konkret aus, welche Aufgabenfelder deckt der BL.SH konkret ab?

Der BL.SH ist für alle Betriebe, die sich unter dem landtouristischen Dach einfinden möchten, ein Ansprechpartner. Dabei gehören Wissenstransfer und Know-how-Austausch zu unseren zentralen Handlungsfeldern. Mit Workshops, Webinaren, Branchentreff, Besichtigungstouren oder digitalen Stammtischen greifen wir wichtige Themen und Trends auf.

Gerade läuft unser vom Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz gefördertes Projekt „4seasons – Saisonverlängerung leicht gemacht“. Inhaltlich greifen wir mit dem Projekt aktuelle Herausforderungen im Landtourismus auf: Wir bauen den sich abzeichnenden „digitalen Stau“ auf den Höfen ab, indem wir in Workshops Wissen zu digitalem Marketing vermitteln, ob Beherbergungsbetrieb, regionaler Produzent oder Erlebnishof. Wenn ich im Netz weder Sichtbarkeit noch Reichweite habe, werde ich über kurz oder lang von potenziellen Kunden nicht mehr gefunden. Daneben spielt in dem Projekt die Auseinandersetzung mit der eigenen Zielgruppe und entsprechenden Angeboten eine ganz wesentliche Rolle, was sich positiv auf die Qualitätssicherung auswirkt. Und zu guter Letzt wollen wir mit dem Projekt die Höfe für kooperatives Marketing sensibilisieren. Daneben ist ein weiteres wichtiges Handlungsfeld bei uns die Beratung. Beliebt ist bei unseren Mitgliedern zum Beispiel unser Hof-Check, in dem wir gemeinsam mit dem Betrieb Entwicklungspotenziale erarbeiten.

Sie arbeiten eng mit den LandFrauen in Schleswig-Holstein zusammen – wieso passt das so gut?

Nicht nur die Gründung des Vereins geht auf die LandFrauen zurück, auch unsere Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen auf den Höfen sind meist immer noch die Frauen, vor allem im Bereich der Beherbergung, der Hofcafés oder Hofläden. Was früher vielleicht einmal als „Beschäftigungsmöglichkeit“ für die Frau des Hofes begonnen hat, ist inzwischen ein Betriebszweig, der den landwirtschaftlichen Betrieb stützt und ein professionelles und umfängliches Tätigkeitsfeld darstellt; durch den Homeoffice-Charakter überaus familienfreundlich und lukrativ.

Wie sieht die Zusammenarbeit praktisch aus?

Da häufig immer noch die Initiative für Landtourismus auf den Höfen von Frauen ausgeht, stehen wir den regionalen LandFrauenverbänden immer gern für Informationsveranstaltungen zur Verfügung, eine ideale Möglichkeit, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Der Verein arbeitet ohne institutionelle Förderung. Wie geht das?

(lacht) Das fragen wir uns auch täglich … nein, im Ernst: Natürlich wäre eine institutionelle Förderung wünschenswert und ehrlich gesagt auch notwendig. Aber wo nix ist, ist auch nix zu holen. Insofern finanziert sich der Verein seit Beginn allein durch die Mitgliedsbeiträge und generiert durch seinen starken Kooperationspartner Landsichten.de Provisionen, die für ein kleines Spielgeld sorgen.

2020 haben wir aus der finanziellen Lage aber auch Konsequenzen gezogen und den Verein umstrukturiert: weg vom Themenmarketing hin zum Themenmanagement. Entsprechend wichtig ist es, dass wir alle Landtourismus-Anbieter und die Ressourcen bündeln, um damit gemeinsam auf den Landtourismus einzuzahlen.

Abgesehen davon brennt unser Verein für das Thema, also nicht nur der Vorstand, sondern auch die Mitglieder. In der Geschäftsstelle greifen wir viele Ideen mit Low-Budget-Lösungen auf und kommen zu erfreulichen Ergebnissen.

Welche Veränderungen erleben Sie im Landtourismus beziehungsweise mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich konfrontiert?

Den digitalen Stau sprach ich schon an und ich befürchte, dass wir aufgrund der rasanten digitalen Entwicklung immer mehr Anbieter und Abieterinnen am Markt verlieren werden, die nicht bereit sind, den digitalen Weg richtig einzuschlagen.

Das Erstarken des Internets vor Jahren brachte seinerzeit viele Anbieter und Abieterinnen dazu, sich allein um das Marketing kümmern zu wollen, also ohne Vereins- oder andere Netzwerkstrukturen. Unsere Umstrukturierung war unter anderem auch eine Antwort darauf, da unsere Mitglieder uns den Auftrag für das Themenmanagement (vorher Themenmarketing) gegeben haben – auch weil weiterhin keinerlei finanzielle Mittel von Landesseite in Aussicht standen. Der definitiv richtige Schritt, dennoch dürfen wir heute ein Resultat begreifen: Wenn niemand mehr allgemeine Werbung für den Landtourismus Schleswig-Holstein macht, dann tauchen zwar zum Beispiel für die Beherbergung viele Höfe in Trefferlisten auf, aber losgekoppelt vom Thema Landtourismus und von der Erlebnisqualität, die unser Segment so auszeichnet und von anderen abhebt. Gäste gelangen also eher zufällig auf den Bauernhof.

Bei Airbnb können wir derzeit gut beobachten, welchen Stellenwert Erlebnisse im Urlaub haben und noch mehr haben werden und dass diese kommuniziert werden müssen. Wir sehen es daher als eine spannende Herausforderung an, dies zukünftig wieder mit kooperativem Marketing zu beantworten, und arbeiten in unserem angesprochenen Projekt darauf hin.

Was macht am meisten Freude?

Mir bringen die Hof-Checks immer ungemeinen Spaß. In einer zirka zweistündigen Zoom-Sitzung oder auch live vor Ort durchleuchte ich mit dem Anbieter das Angebot und wir finden immer spannendes und wichtiges Entwicklungspotenzial für den Hof. Wenn ich dann Feedback erhalte, was alles davon umgesetzt wurde, freue ich mich sehr, unterstützt zu haben.

Außerdem ist unser Landgezwitscher.SH, der Branchentreff für Landtourismus, in jedem Jahr das Highlight. Mir werden dann immer die Vielfalt, die positive Energie der Anbieter und Anbieterinnen und die Tatkraft der vielen Frauen bewusst … Was die alles in ihrem Alltag bewegen, ist unglaublich!

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Landtourismus in Schleswig-Holstein?

Der BL.SH wünscht sich, als Netzwerkknotenpunkt von den vielen Facetten im Landtourismus wahrgenommen und genutzt zu werden. Je mehr Anbieter und Anbieterinnen wir unter unserem Dach versammeln können, umso stärker werden wir und umso differenzierter können wir auch die vielen Facetten bedienen. Total abgedroschen, aber immer noch wahr: Nur gemeinsam sind wir stark!

Ein tolles Erlebnis und ein großes Vergnügen – Bauernhofurlaub in Schleswig-Holstein

Info

Einmal im Monat stellen wir an dieser Stelle unsere Kooperationspartner vor, die mit uns LandFrauen für Gemeinschaft, Stärke und Zusammenhalt auf dem Land stehen.

Markt für Ökolebensmittel 2025 auf Rekordniveau

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Die Verbraucher haben 2025 deutlich mehr Biolebensmittel gekauft als im Vorjahr. Für den Ökomarkt lasse sich ein kräftiges Umsatzwachstum von etwa 8 % erwarten, heißt es in einem Marktbericht des Deutschen Bauernverbands. Das wäre eine Steigerung weit über der Inflationsrate. Die Preise für Nahrungsmittel insgesamt waren im November dem Statistischen Bundesamt zufolge um 1,2 % höher als im Vorjahresmonat. „Damit ist die Absatzflaute des Inflationsjahres 2022 endgültig überwunden“, so der DBV. 2025 dürfte der Umsatz mit Biolebensmitteln laut Bauernverband die Marke von 18 Mrd. € klar überschritten haben. Das wäre auch eine Verdoppelung des Umsatzes innerhalb von zehn Jahren. Wachstumstreiber seien 2025 erneut die Bioeigenmarken der Handelsketten gewesen. Bei den Absatzkanälen habe neben den Supermärkten und Drogeriemärkten aber auch der Naturkostfachhandel nach langer Durststrecke wieder zu den Gewinnern gezählt. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) bezeichnete die Zahlen des Bauernverbands als „nicht unrealistisch“. Schon 2024 war der Biogesamtumsatz nach Angaben des BÖLW um 5,7 % gestiegen und erreichte mit 17 Mrd. € einen Rekordwert. Damit ließ die Branche den Dämpfer des Krisenjahres 2022 weiter hinter sich.

… aber nicht auf deutschen Feldern?

Die Bioproduktion in Deutschland bleibt jedoch hinter der anziehenden Nachfrage zurück. Die Umstellungsbereitschaft in der Landwirtschaft sei 2025 erneut äußerst verhalten gewesen, so der Bericht des Bauernverbands. Der BÖLW hatte schon zu Jahresbeginn darauf hingewiesen, dass das heimische Angebot der Nachfrage hinterherzuhinken drohe – mit der Gefahr, dass der Handel sie nur durch Importe befriedigen kann. Denn die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland wuchs 2024 nur leicht um 1,3 % auf 1,91 Mio. ha – damit wurde in Deutschland auf 11,5 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche biologisch produziert. Im Jahr davor waren es 11,4 % gewesen. Das Ziel eines Bioanteils von 30 % bis 2030, das die Koalition von der Vorgängerregierung übernahm, bleibt weit entfernt.

Die Umstellung von konventionell auf Bio ist für Landwirte eine große Entscheidung mit jahrzehntelangen Folgen. Zudem ist diese Umstellung mit erheblichem Arbeitsaufwand wegen der umfangreichen Zertifizierungen verbunden. Dazu fragen sich viele Bauern, was Bio ihnen tatsächlich bringt. Unrealistische Absichtserklärungen der Politik verursachen eher Verunsicherung, weil der Markt diese Mengen von 30 % der Fläche aktuell gar nicht aufnehmen kann. Auch sind die Verarbeitungskapazitäten und die Logistik nicht auf ein derartiges explosionsartiges Wachstum eingestellt.

Stabile Erzeugerpreise für Bioprodukte

Ein weiteres Thema ist die Absatzsicherheit. Diese bietet nun das gegenwärtig stabile Wachstum des Biomarkts mit übrigens auch relativ stabilen Preisen. Beispielsweise geht der aktuelle Preisverfall für konventionelle Milch am Markt für Biomilch vorbei. Diese blieb bis Ende letzten Jahres halbwegs stabil bei etwas unter 70 ct, während konventionelle Milch Richtung 40 ct unterwegs ist. 

Warum Stammzellspenden leben retten

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Es gibt Momente im Leben, die man nie vergisst. Für mich begann alles im Juli 2011. In unserem Dorf hatte die Feuerwehr gemeinsam mit der Organisation DKMS eine große Typisierungsaktion organisiert. Ein Grundschulfreund meines Bruders war an Blutkrebs erkrankt – plötzlich kam das Thema ganz nah. Damals ließ auch ich mich typisieren, ohne zu ahnen, welche Bedeutung dieser Schritt viele Jahre später haben würde.

Laut DKMS hat etwa jede/-r Hundertste der mehr als 13  Millionen potenziellen Lebensretter bereits gespendet oder wird irgendwann spenden. Dennoch ist nicht jeder Treffer garantiert: Es gibt Menschen, die zwölf „Matches“ haben, und es gibt leider auch welche, die kein passendes Match für ihre Gewebemerkmale finden. Was viele nicht wissen: Jede fünfte registrierte Spenderin oder jeder fünfte registrierte Spender fällt während der Vorbereitung auf die Spende aus – aus gesundheitlichen, beruflichen oder persönlichen Gründen. Damit die DKMS im Ernstfall keine wertvolle Zeit verliert, fragt sie alle zwei Jahre Gesundheits- und Kontaktdaten per Mail ab. Ein kleiner Aufwand, der im entscheidenden Moment Zeit spart.

In Gesprächen mit Freunden und Bekannten erfuhr ich immer wieder, dass sie schon einmal in der engeren Auswahl standen. Auch bei mir gab es 2016 eine erste Anfrage – danach hörte ich jedoch nichts mehr. Diesmal war es anders.

Ich stand gerade bei den Kälbern und tauschte das Wasser, als mein Handy klingelte. Ein Anruf der DKMS aus Tübingen: Ich sei sehr wahrscheinlich ein Match für eine an Blutkrebs erkrankte Person. Meine Emotionen überwältigten mich: Ich hatte Tränen in den Augen und bekam sofort eine Gänsehaut am ganzen Körper.

Die folgenden 47 Tage bis zur tatsächlichen Spende vergingen wie im Flug. Zuerst wurden meine Gewebemerkmale über Blutproben genauer bestimmt. Eine Woche später kam die Nachricht: Ich kam als Stammzellspenderin für die betroffene Person infrage. Ab da ging alles Schritt für Schritt, immer in Ruhe. Ein fester Ansprechpartner erklärte mir jeden Ablauf, beantwortete Fragen und nahm mir Unsicherheiten.

Voruntersuchung und Spende fanden in der Charité in Berlin statt. Bei der Voruntersuchung wurde ich gründlich durchgecheckt: Blut und Urin, Ultraschall, EKG – alles, um sicherzugehen, dass ich fit für die Spende war. Immer wieder dachte ich: „Bitte lass nichts dagegensprechen.“ Ich wollte diese Chance unbedingt wahrnehmen.

Die DKMS organisierte alles, inklusive Anreise und Unterkunft für meine Begleitperson. Auch mein Vater als mein Arbeitgeber erhielt den Verdienstausfall und die Kosten für eine Ersatzkraft vollständig erstattet.

Die Voruntersuchung und die eigentliche Stammzellspende fanden in der Berliner Charité statt. Foto: Birka Thöming

Das Immunsystem der Empfängerperson wurde bereits zwei Wochen vor der Spende komplett heruntergefahren und die eigenen Stammzellen vollständig abgetötet. Danach lebte die Person nur noch mit meinen Stammzellen und war folglich auf meine Spende angewiesen – ein beeindruckender Prozess. Mir durfte in dieser Zeit nichts passieren und ich durfte auf keinen Fall krank werden. Deshalb habe ich mich in den zwei Wochen vor der Spende privat vollständig unter Quarantäne gesetzt.

Vier Tage vor der Spende begann ich, mir zweimal täglich einen hormonähnlichen Wirkstoff zu spritzen, der die Produktion von Stammzellen anregte. Bekannte Nebenwirkungen sind Kopf- und Gliederschmerzen. Bei mir äußerte sich das vor allem durch ein Ziehen im Rücken, unangenehm, aber gut auszuhalten.

Angefragt war eine periphere Stammzellspende – das Verfahren, das bei etwa 90 % aller Spenden eingesetzt wird. Dabei werden die Stammzellen direkt aus dem Blut herausgefiltert, während das übrige Blut zurückfließt. Ein Blutverdünner wird hinzugefügt, bei mir jedoch nur in geringer Menge, da mein Körper ausreichend Stammzellen produziert hatte.

Der Spendentag selbst war überraschend entspannt. Morgens um 7.45 Uhr sollte ich da sein, kurz nach 8 Uhr war ich angeschlossen. Die Schwestern waren herzlich, aufmerksam und sorgten dafür, dass ich mich wohlfühlte. Gegen 13 Uhr war die Spende abgeschlossen, und am Nachmittag kam der erlösende Anruf: Es waren genügend Stammzellen gesammelt worden, ich musste nicht erneut erscheinen.

Zwei Tage später erfuhr ich, dass meine Spende in Deutschland geblieben ist. Ein erwachsener Mann über 30 Jahre erhielt meine Stammzellen. Mehr erfahre ich vorerst nicht, doch in zwei Jahren könnten wir mehr voneinander erfahren, wenn es von beiden Seiten gewünscht ist. In mir bleibt die tiefe Hoffnung, dass die Spende ihm die zweite Chance schenkt, die er dringend braucht.

Jetzt bin ich für zwei Jahre für die Spende gesperrt und werde danach wieder in den Topf aufgenommen. Doch die Erinnerung an diesen Moment und die Gewissheit, dass Hoffnung eine zweite Chance bekommt, begleiten mich immer.

Am Ende möchte ich sagen: Bitte lass dich registrieren. Die Anmeldung über die DKMS-Webseite ist unkompliziert und dauert nur wenige Minuten. Als Landjugendliche zeigen wir jeden Tag, dass wir Verantwortung übernehmen – für unsere Höfe, unsere Dörfer und füreinander. Vielleicht bist genau du das Match, das einem Menschen und seiner Familie Hoffnung und Leben zurückgibt. Manchmal braucht es nicht viel, um Großes zu bewirken – nur die Bereitschaft zu helfen.

Ein Set zur Typisierung kannst du dir unkompliziert unter dkms.de/registrieren zuschicken lassen.

Im Schlaraffenland für feinste Buchbindekunst

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Christiane Rux ist Buchbindemeisterin und Restauratorin aus Passion. In ihrer Lübecker Werkstatt bindet sie nach alter Handwerkstradition Chroniken, Fachzeitschriften, Broschüren und Bücher ein. Ebenso bereitet sie historische Publikationen wieder auf. Daneben fertigt sie Mappen, Kassetten und Schuber.

Ein bisschen versteckt in zweiter Reihe zur Straße hin liegen die Räumlichkeiten von Christiane Rux. Beim Betreten kommt der Besucherin als Erstes Werkstatthund Caleb schwanzwedelnd entgegen. Während sein Frauchen gleich jede Menge Fragen beantworten wird, macht es sich der Labrador vor dem warmen Ofen gemütlich und hält ein Nickerchen.

Den Buchrücken eines Lieblingsbuches restaurieren zu lassen, ist auch für den Privathaushalt erschwinglich.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Auf dem großen Arbeitstisch stapeln sich derweil für die Buchbindemeisterin verschiedene Aufträge. Auch hat sie dort Arbeitsproben aus ihrem vielfältigen Schaffen bereitgelegt. Momentan ist sie dabei, ein historisches Buch, das fast auseinanderfiel, wieder zum Leben zu erwecken, damit sein Besitzer bald wieder nach Herzenslust darin blättern kann. Der Kunde brachte ihr eine Prachtausgabe mit dem Titel „Bismarck-Denkmal für das deutsche Volk“, erschienen im Jahr 1895. Das Buch hat einen Einband mit reicher Ornamentik.

Jedoch nagt besonders am Buchrücken, der die beiden Buchdeckel verbindet und die Seiten, den Buchblock, zusammenhält, der Zahn der Zeit. Deshalb hat sie das gute Stück bereits vorsichtig in seine Einzelteile zerlegt, um es mit Sorgfalt aufzuarbeiten. Da das mit Trocknungsunterbrechungen einige Zeit in Anspruch nehmen wird, kann sie an diesem Tag nicht alle Arbeitsschritte chronologisch demonstrieren. Routiniert beginnt sie einige Teile aus Karton abzumessen, auf die passende Größe zuzuschneiden und sauber mit Leim zu bestreichen, um sie miteinander zu verbinden.

Mit Pinsel und Falzbein

Mit Pinsel, Leim, Schere und Falzbein, das ihr zum präzisen Falten und Glattstreichen von Papier und Karton dient, hantiert sie mühelos und leicht. Jeder Handgriff sitzt. Man kann nur erahnen, wie viel handwerkliches Geschick, Präzision, Konzentration und Erfahrung dafür vonnöten sind. Zum vorläufigen Abschluss legt sie die nun wieder durch einen Buchrücken verbundenen hinteren und vorderen Einbände zum Trocknen unter Spanholzplatten. „Bei der Restauration ist es von Bedeutung, den zeitgemäßen Charakter eines Werkes zu erhalten. Es geht nicht darum, ein jahrhundertealtes Buch so zu erneuern, dass es aussieht, als wäre es gerade aus dem Buchhandel gekauft. Ich möchte ihm wieder zu seinem ursprünglichen Glanz verhelfen“, erklärt sie. So wenig wie möglich, so viel wie nötig, sei ihr Credo bei der Restaurierung. „Da jedes Buch seine eigene Geschichte hat, beispielsweise Kriegswirren und mehr erlebt hat, dürfen diese Spuren durchaus als Teil seiner Bedeutung sichtbar bleiben“, betont sie. Trotzdem müssten mit klassischen Techniken der Zerfall gestoppt sowie Beschädigungen weitestgehend entfernt werden.

Das historische Buch erhält einen neuen Buchrücken.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Lebhaft berichtet sie, wie viel Freude es bereite, wenn sie nach der Erledigung eines Auftrags in die zufriedenen Gesichter ihrer Kunden schaue. „Diese wissen das traditionelle Handwerk und meine individuelle, aufwendige Arbeit zu schätzen“, unterstreicht die 64-Jährige. Neulich kam beispielsweise eine ältere Dame mit einer Bibel zu ihr, die sie als junges Mädchen zur Konfirmation geschenkt bekommen hatte. Viele Emotionen hingen an der Heiligen Schrift, die dringend einer Aufarbeitung bedurfte. Als die Kundin ihre Bibel aus Jugendtagen schließlich wieder heil in den Händen hielt, war sie überglücklich, schrieb später sogar eine Dankesmail. Neben der Restaurierung emotional wertvoller Erinnerungsstücke, bibliophiler Schätze oder von Büchern aus Universitäten, Archiven und Bibliotheken versieht die Meisterin Chroniken, Gesetzessammlungen, Fachzeitschriften, Broschüren und Speisekarten mit stabilen, neuen Einbänden. Zudem werden Doktorarbeiten, Fotoalben, Gästebücher, Notizhefte oder Kinderzeichnungen von ihr mit fachkundiger Hand eingebunden. Sie streicht über den neuen Einband einer Speisekarte für ein Travemünder Restaurant und ist sich sicher: „Mit solch einem schönen Einband sieht die Karte gleich viel ansprechender und edler aus.“

Frau in Männerdomäne

Rux kann sich keinen faszinierenderen Beruf vorstellen als den der Buchbinderin. Mit Begeisterung und Leidenschaft leitet sie nun schon seit knapp vier Jahrzehnten ihr Unternehmen. „Ich habe eine sehr erfüllende Arbeit“, bemerkt sie. Dabei hatte sie es in ihrem Berufsleben nicht immer einfach. Bei einem Pausenkaffee blickt sie auf die Anfänge zurück. „Mit 15½ Jahren verließ ich die Volksschule. Es stand für mich fest, dass ich ein Handwerk erlernen wollte. Dabei dachte ich an die Schneiderei. Aber das war nichts für mich.“

Die Fadenheftung ist teurer als die Klebebindung und kostet mehr Zeit. Dafür ist ein Buch mit Fadenheftung langlebiger und hat ein besseres Aufschlagverhalten.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Mutter Edith, gelernte Druckerin und Setzerin, brachte stattdessen die Buchbinderei ins Spiel. Rux begann ihre Ausbildung in einer Lübecker Buchbinderei – als Frau in einer Männerdomäne. Trotz manch widriger Umstände biss sie sich durch, bestand 1980 als beste Gesellin in Schleswig-Holstein ihre Ausbildung. Fünf Jahre arbeitete sie danach im ehemaligen Lehrbetrieb, bildete sich parallel in der Hand- und Pressvergoldungstechnik, Geweberestaurierung und Einbandkunst fort. Sie entschied sich ebenso, die Meisterprüfung zu absolvieren und belegte neben der täglichen Werkstattarbeit einen Meisterkurs an der Abendschule.

Doch die Arbeitsbedingungen belasteten sie zunehmend. Deshalb kam die Gesellin auf die Idee, sich selbstständig zu machen. Das wäre im Normalfall allerdings wegen der Meisterpflicht erst nach Abschluss der Meisterprüfung möglich gewesen. „Mit einer Ausnahmegenehmigung der Handwerkskammer konnte ich nach einigen Hürden am 10. April 1986 meine eigene Buchbinderei eröffnen. 1990 legte ich meine Meisterprüfung ab. Die Weiterbildung zur Restauratorin bestand ich 1998“, erzählt sie. Mit der Gründung einer Familie und der Geburt von zwei Söhnen war die Selbstständigkeit manches Mal eine Herausforderung. Unterstützung erhielt die junge Mutter von ihren Eltern, die im Geschäft tatkräftig mit anpackten. Oft ging es für Rux am Abend, wenn die Kinder schliefen, ein weiteres Mal in die Werkstatt. „Weil ich es wollte, bekam ich alles immer gut unter einen Hut“, resümiert sie. Heute sind die Kinder längst aus dem Haus, und sie kann sich ganz ihrer Passion widmen.

Die alten Bleibuchstaben verwendet Christiane Rux für Prägungen. Foto: Silke Bromm-Krieger

Bei einem Werkstattrundgang zeigt sie, mit welchen historischen Maschinen und Gerätschaften sie jeden Tag umgeht. Diese wurden von Buchbindern schon um die Jahrhundertwende genutzt, ob alte Buchpressen, große und kleine Schneidemaschinen oder Nut- und Perforiermaschinen. Sie veranschaulicht an einem Gerät die traditionelle Fadenheftung, bei der die Seiten mit Garn vernäht werden, was die Bindung deutlich stabiler und langlebiger macht, aber auch teurer als die Klebebindung ist. Danach zeigt sie an einer Heißprägemaschine, wie sie einen Namen auf ein handgefertigtes Notizbuch druckt. Für den Einband wählte sie ein Marmorpapier aus eigener Herstellung.

Stundenlang könnten wir noch tiefer in die spannende Welt des Buchbindehandwerks eintauchen, doch mittlerweile ist Werkstatthund Caleb wieder hellwach und zeigt seinem Frauchen mit einem freundschaftlichen Stupser ans Knie, dass er nach draußen will. Also beenden wir den Rundgang und verabschieden uns in der Gewissheit, dass Hunde und Bücher die besten Freunde des Menschen sind. Weitere Infos unter www.buchbinderei-rux.de

Fadenheftung
Foto: Silke Bromm-Krieger
Zum Schutz wertvoller Bücher fertigt Christiane Rux passende Schuber an.
Foto: Silke Bromm-Krieger
In der Werkstatt von Christiane Rux stehen viele alte Gerätschaften wie diese Buchpresse.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Mit einer Heißprägemaschine druckt die Buchbinderin einen Namen aufs handgefertigte Notizbuch.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Pinselauswahl für das Leimen der Bücher
Foto: Silke Bromm-Krieger
Der über hundert Jahre alte Pappschneider leistet gute Dienste.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Historische Bleiletter, noch heute im Einsatz, atmen Geschichte.
Foto: Silke Bromm-Krieger


Bundesweit mehr Biomasse verstromt

Im Jahr 2025 wurde in Deutschland mehr Strom aus Biomasse erzeugt als im Jahr davor. Wie Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) zeigen, belief sich die Stromproduktion aus Biomasse auf rund 41,1 TWh, nach 37 TWh im Jahr 2024. Davon wurden etwa 36 TWh in das öffentliche Stromnetz eingespeist, während 5,1 TWh im Eigenverbrauch genutzt wurden.

Insgesamt stagnierte im Berichtsjahr der Anteil der Erneuerbaren Energien am in das öffentliche Stromnetz eingespeisten Strommix. Er lag, wie bereits 2024, bei 55,9 %. Stärkster Nettostromerzeuger blieb die Windkraft, gefolgt von der Photovoltaik. Letztere steigerte ihre Stromproduktion um 21 % und überholte damit erstmals die Braunkohle.

Der Anteil der Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern blieb 2025 gegenüber dem Vorjahr weitgehend konstant. Rückgänge in der Braunkohlestromerzeugung wurden durch eine zunehmende Nutzung von Erdgas ausgeglichen. Gleichzeitig sank der Importanteil am deutschen Strommix im Jahresvergleich.

Ausbauziele verfehlt

In Summe produzierten die Erneuerbaren Energiequellen Solar, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie laut ISE im Jahr 2025 rund 278 TWh, wovon 256 TWh in das öffentliche Stromnetz eingespeist und 22 TWh von den Produzenten selbst verbraucht wurden. Die Erzeugung aus Erneuerbaren Energien stieg gegenüber dem Vorjahr um 6 TWh. Dennoch verfehlt die Erneuerbare Nettostromerzeugung deutlich den für 2025 angestrebten Wert von 346 TWh.

Trotz eines witterungsbedingten Rückgangs blieb die Windkraft mit 132 TWh der wichtigste Nettostromerzeuger. Die Produktion lag damit aufgrund einer mageren Windausbeute um 3,2 % unter dem Vorjahresniveau. Auf Onshore-Wind entfielen rund 106 TWh, während Offshore-Anlagen etwa 26,1 TWh erzeugten. Der Ausbau der Windenergie blieb deutlich hinter den politischen Zielvorgaben zurück: Bis Ende 2025 war eine installierte Leistung von 76,5 GW vorgesehen, tatsächlich erreicht wurden jedoch nur 68,1 GW. Photovoltaikanlagen erzeugten im Jahr 2025 insgesamt rund 87 TWh Strom.

Marktbarrieren abbauen

Trotz der positiven Erzeugungsentwicklung bei der Photovoltaik warnt der Bundesverband Solarwirtschaft vor einer rückläufigen Dynamik des Ausbaus. Eine Verschlechterung der regulatorischen Rahmenbedingungen müsse unbedingt vermieden werden, mahnte der Branchenverband.

Zwar sei die Stromerzeugung aus Solaranlagen deutlich gestiegen, das Ausbautempo habe sich im Jahr 2025 jedoch verlangsamt. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Carsten Körnig, appellierte an die Bundesregierung, weitere Marktbarrieren abzubauen. Gleichzeitig dürften die Förderbedingungen keinesfalls wieder verschlechtert werden, mahnte er.

Winterausstellung „Die Zwei Jahreszeiten“

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Als Dr. Dörte Beier, die Leiterin des Stadtmuseums Schleswig, vor etwa eineinhalb Jahren die Naturfotografien von Dieter Damschen auf dem Naturfestival in Lünen sah, wollte sie diese unbedingt in der großen Ausstellungshalle des Museums zeigen. Dieser Wunsch ist nun Wirklichkeit geworden. Die Winterausstellung „Die Zwei Jahreszeiten“ ist bis zum 15. März 2026 in einer eigens für das Museum konzipierten Schau zu sehen.

Beim Internationalen Naturfotofestival in Lünen werden neben Vorträgen zu den Themen Natur und Fotografie sowie einem großen Fotomarkt auch die besten Naturfotografinnen und -fotografen mit dem Titel „Naturfotograf des Jahres” der Gesellschaft für Naturfotografie (GDT) ausgezeichnet.

Dieter Damschen präsentiert seinen Bildband „Die Zwei Jahreszeiten“
Foto: Lydia Bernhardt

Im Jahr 2024 fiel diese Ehre dem 1970 in Moers am Niederrhein geborenen Dieter Damschen zu. Sein Siegerbild „Winterhochwasser im Auwald” ist nun auch in der Winterausstellung des Stadtmuseums Schleswig zu sehen. Dieter Damschen hat diese eigens für das Museum konzipierte Schau „Die zwei Jahreszeiten” genannt, denn für ihn sind Herbst und Winter die Jahreszeiten, in denen er reichlich Motivation und Motive in den Naturlandschaften findet. „Die Ausstellung lädt zum Genießen und Wohlfühlen ein”, sagt Dr. Dörte Beier, die Leiterin des Stadtmuseums. Es sei eine besonders gelungene Auswahl kontemplativer Bilder, die sich in den Museumräumen besonders gut machten.

Dieter Damschen wuchs als junger Mann auf einem Bauernhof am Niederrhein auf. Damals empfand er seine Umgebung als wenig inspirierend. Mit etwa zwölf Jahren entdeckte er bei einer Vogelstimmenwanderung die „Reichhaltigkeit der Natur” für sich. „Mit 14 Jahren bekam ich von meinem Onkel Manfred, der selbst fotografierte, zur Konfirmation meine erste Kamera“, erinnert sich der Fotograf. Es handelte sich um eine analoge Kompaktkamera von Revue mit einem 28-mm-Fixfokus-Objektiv. Doch damit stieß er schnell an seine fotografischen Grenzen. Deshalb legte er sich noch im selben Jahr eine Spiegelreflexkamera, eine Minolta X-300, zu.

Seit 1991 fotografiert er mit verschiedenen Nikon-Kameras, seit etwa 2004 digital. Auch wenn sich sein Kameraequipment den Zeiten angepasst hat, eines ist geblieben: die Freude, allein draußen zu sein und die Vielfalt der Naturlandschaften für sich zu entdecken. Dabei sind der Herbst und der Winter seine liebsten Jahreszeiten.

Stimmungsvoll, melancholisch, im Wechselspiel der Jahreszeiten und des Lichts – so zeigen sich die Landschaftsbilder des Naturfotografen.
Foto: Dieter Damschen

Wenn die Tage kürzer werden, die Blätter ihre Farbe verändern und im Morgengrauen feuchtkalter Nebel über die Wiesen zieht, dann beginnen für Dieter Damschen die beiden schönsten Jahreszeiten. Es sind die Momente der „leisen Töne”, der „melancholischen Stimmungen” und des „Abschieds, Aufbruchs und Verharrens”, die ihn immer wieder in ihren Bann ziehen. „Es ist das meditative Draußensein, das Erleben an sich“, erklärt Dieter Damschen seinen heutigen künstlerischen Antrieb.

Seit seinem Umzug ins Wendland bei Hannover im Jahr 2003 streift Dieter Damschen durch die noch unberührte Region entlang der Elbe zwischen Boizenburg und Wittenberge. Sie bildet den räumlichen Schwerpunkt seiner fotografischen Aktivitäten. Immer wieder rücken die hier noch zu findenden Kraniche in den Mittelpunkt seines Schaffens. Ihrem Ruf folgend, zeigen seine Aufnahmen deshalb häufig die großen grauen Vögel. Die minimalistischen Arbeiten des Naturfotografen mit eigenem Verlag, die er selbst als „Dokumente” bezeichnet, wurden vielfach bei nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet, zuletzt 2024 mit dem Titel „Naturfotograf des Jahres” in Lünen. Neben dem Gewinnerbild „Hochwasser im Auwald” sind aktuell 45 weitere Landschaftsbilder im Stadtmuseum Schleswig auf mehreren Ebenen des Hauses ausgestellt. Tiere beziehungsweise Vögel sind als „in die Landschaft eingebettet“ abgebildet. Der Fotoband „Die Zwei Jahreszeiten“ wird ebenfalls ausgestellt. Weitere Informationen unter www.stadtmuseum-schleswig.de

Foto: Dieter Damschen
Foto: Dieter Damschen
Foto: Dieter Damschen
Foto: Dieter Damschen


Wenn die Nussbäume in den Wald kommen

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Es ist zunächst verwirrend, wenn man beginnt, sich mit den für den Wald geeigneten Nussbäumen zu beschäftigen. Stichworte wie Hybrid-Bäume, 12 m Pfahlwurzel, 1 cm Dicken- und 2 m Höhenzuwachs im Jahr, Himalaya-Herkünfte, Wertästung, Saat oder Pflanzung, wertvollstes Laubholz in nur 60 bis 80 Jahren mit Zieldurchmessern von 50 bis 70 cm. Das alles wurde bei einem Seminar der Interessengemeinschaft Nuss (IG Nuss) in Mecklenburg-Vorpommern mit Leben gefüllt. Eine Region, die sich von der hiesigen nicht so sehr unterscheidet.

Auf einer bewaldeten Insel im Plauer See setzen Alt-Waldbesitzer Jobst Blome und sein Freund und forstlicher Berater Dr. Hans-Jochen Meyer-Ravenstein seit 25 Jahren in engagierter Pionierarbeit die Anreicherung des heute gut 200 ha großen Waldbesitzes mit verschiedenen Nussbäumen, aber auch Vogelkirsche, Esskastanie und Wildbirne um. Seit 2018 werden die Erfolge und Rückschläge in einem zweitägigen Seminar der IG Nuss interessierten Waldbesitzern und Forstleuten vorgestellt und diskutiert. So auch im Juli dieses Jahres, als sich 18 Waldbesitzer und Forstleute auf dem Plauer Werder trafen. Fast zwanzig Waldbilder wurden vorgestellt und durch einen abendlichen Vortrag mit Informationen zum forstlichen Nussanbau ergänzt.

Die Einbringung von Nussbaumarten erfolgt auch mit Blick auf zunehmende Temperaturen durch den Klimawandel. Für die Zukunft sollen Kulturen im Wald auf dem Plauer Werder vermieden werden, die frühe Fruktifikation, oft nach wenigen Jahren und der hier geringe Rehwildbestand, lassen auch von den meisten Nussbäumen eine gute natürliche Verjüngung erwarten. Entsprechend erfolgt der Anbau in Kleinflächen (Störungen), Femeln, Gruppen oder Nestern über den Wald verteilt. Da die Fixierung auf Wertentwicklung und Zuwachs eine intensive Betreuung (frühe Wert­ästung und frühe Freistellung) erfordert, wird angeraten, eine kontinuierliche personelle Betreuung über die ersten 20 bis 30 Jahre sicherzustellen.

Die Wald-Walnuss

Die licht- und wärmeliebende Walnuss (Juglans regia) wurde auf dem Plauer Werder vor 20 Jahren zunächst mit wild gesammelten Walnüssen von Obstbäumen ausgesät. Da die Walnuss seit der Jungsteinzeit in Europa kultiviert wird, ist die Herkunft für den forstlichen Anbau bedeutend. So haben sich in den letzten Jahren die Herkünfte 26 und 120 sowie die Himalaya-Herkunft Dachigam (Meyer-Ravenstein: „fantastische geradschäftige Qualität in einem Bestand bei Zürich“) als empfehlenswert herausgestellt.

Vorgestellt wurde ein Walnuss-Jungwuchs mit Esskastaniengruppen nach Abtrieb von Aspe und Mulchen, gepflanzt in 2005 mit einjährigen Sämlingen. Nach mehrmaligem Freischneiden und Auskesseln sowie Kalkung wurden die Zukunftsbäume ab 2014 ausgesucht und mit der Wertästung (per Hand bis 2,5 m) begonnen.

Die Schwarznuss

Beeindruckender Schwarznuss-Bestand wurde 2010 durch Saat entlang einer Straße auf ehemaligem See­boden angelegt. Der Stockausschlag treibt aus den Durchforstungswurzelstöcken.

Die nordamerikanische Schwarznuss (Juglans nigra) ist ein Waldbaum, der durch ein wertvolles dunkles Holz (Tropenholzersatz), schnelles Wachstum und eine beeindruckende Pfahlwurzelbildung besticht. Um die Pfahlwurzelbildung nicht zu unterbrechen, sollte die Schwarznuss nur per Saat (ohne grüne Schale) vermehrt werden. So haben einjährige Schwarznusssämlinge bereits eine meterlange Pfahlwurzel und eine Wurzelgrabung bei einem Altbaum, so wusste Meyer-Ravenstein zu berichten, wurde bei 12 m Tiefe eingestellt. Zwar ist die Schwarznuss ein Baum der Hartholzaue mit relativ hohen Ansprüchen an Standortgüte und Wasserversorgung und könnte dort die absterbende Esche ersetzen, sie wächst jedoch auch auf anderen gut versorgten Waldstandorten. Höhentriebe in der Jugend von 2 m und eine rasche Durchmesserentwicklung (1 cm/anno) beeindrucken bei dieser Baumart. So wurde eine Schwarznusssaat auf ehemaligem Seeboden der Herkunft Steinerwald (Forstamt Lampertsheim) aus dem Jahr 2010 vorgestellt, die nach standortbedingt aufwändiger Kulturpflege und einmaliger Kalkung nach nur acht Jahren zur Z-Baum-Vorauslese anstand und seitdem bis 2024 in vier Schritten bis 8 m wertgeästet wurde. Erste Brennholzdurchforstungen erfolgten 2021 und 2023. Neben der Schwarznuss sind in geringerem Maße auch Butternuss (Juglans cinera) und Mandschurische Nuss (Juglans mandschurica) in den Flächen vertreten.

Wüchsig: Dr. Hans-Jochen Meyer-Ravenstein zeigt eine Schwarznuss-Saat vom Herbst 2020, die jedermann recht klein aussehen lässt.

Kreuzung Intermedia-Nuss

Intermedia-Nuss, eine Kreuzung aus Wal- und Schwarznuss, gepflanzt 2012: Der starke Zuwachs und die Ästung bedingen einander.

Diese Hybridnuss (Juglans intermedia) geht aus der natürlichen Kreuzung von Wal- und Schwarznuss hervor und verbindet die positiven Eigenschaften der beiden Mutterbaumarten mit höherer Wuchsleistung (Heterosiseffekt). Also ein ausgesprochen interessanter Forstbaum, der seine Hybrideigenschaften jedoch nur selten vererbt. Daher kombiniert Dr. Meyer-Ravenstein oft Schwarz- und Walnuss auf gleicher Fläche für künftige Hybriden aus Naturverjüngung. Neben französischen Herkünften, ist die Intermedia-Sorte „Reni“ mit früher Kernbildung die Hybridnuss der Wahl zur Pflanzung als einjähriger Sämling. Auf einem mäßig nährstoffversorgten, aber grundwassernahen Standort beeindruckte ein 19-jähriger Nusshybrid mit einem Brusthöhendurchmesser von über 30 cm. Einmischung in Gruppen oder Femeln durchaus in Weitverbänden von 6 x 6 oder 8 x 8 m. „Wald sollte so angelegt sein, dass kommende Generationen noch Entscheidungsmöglichkeiten haben“, so Meyer-Ravensteins Plädoyer für Mischbestände.

Anspruchslose Baumhasel

Diese bis Mitte des 19. Jahrhunderts noch in Süddeutschland vorkommende Baumart, die seit vielen Jahren wegen ihrer Anspruchslosigkeit und Hitzetoleranz als Stadtbaum bei uns eingeführt ist, bietet als wertvoller Nutzholzbaum viel Potenzial für unsere Wälder. Auf einem relativ trockenen Westhang mit sogenannter Staubsand-Braunerde beeindruckten zwei Baumhasel-Pflanzungen aus 2007 und 2012 im Verband 3 x 3 m angelegt, um den qualitativ schlechten Kiefernvorbestand umzubauen. Meyer-Ravenstein wies darauf hin, dass die Baumhasel im Halbschatten der Kiefern besser gewachsen seien und jetzt im Alter 18 einen cm pro Jahr zuwachsen. Die Baumhasel ist gut geeignet gerade für schwache Standorte und ausgesprochen geradwüchsige und wipfelschäftig. Die Saatgutversorgung ist noch relativ ungeregelt, auch wipfelschäftige Straßenbäume können beerntet werden.

Weitere Baumarten

Beispiel für vorauseilende Ästung in einer Kirschenkrone.
Fotos: Rainer Städing

Die Wildkirsche wird zusammen mit den Nussbäumen auf dem Plauer Werder eingebracht. Während die Herkunft „Lensahn“ weniger befriedigt, zeigen die Herkünfte Knechtsteden und Westerwinkel deutlich bessere Wuchsform. Beigemischt wurde von den nussähnlichen Hickory-Arten die Schindelborkige Hickory (Höhenzuwachs bis 1,5 m/Jahr) und in Gruppen Esskastanien. Aus der Aussaat einer vorgefundenen echten Wildbirne hat sich eine rege Saatgutnachfrage entwickelt und die nicht wenigen wipfelschäftig wachsenden Wildbirnen werden wertgeästet. Auch je eine Gruppe ungarischer „Schiffsmastenrobinien“ und der Lindenblättrigen Birke mit guten Wuchsformen auf schwächerem Standort wurden gezeigt.

Saat oder Pflanzung?

Die derzeit vielerorts stattfindende Renaissance der Saat spielt mit Blick auf den Erhalt der Pfahlwurzelbildung eine wichtige Rolle. Für die Schwarznuss ebenso wie für die Butternuss oder die Mandschurische Nuss ist Herbst-Saat bald nach der Ernte das Mittel der Wahl, wenn man weiß, dass ein Schwarznuss-Sämling im ersten Jahr eine meterlange Pfahlwurzel bildet. Nach einem Saatversuch von Schwarznüssen mit und ohne Schale, plädiert Meyer-Ravenstein für Saat ohne die keimhemmende grüne Schale. Im Versuch keimten 90 % der entschalten Nüsse, aber nur 5 % der mit Schale ausgesäten Nüsse. Grundsätzlich wurde zum leichteren Auffinden und zur besseren Pflege entlang gespannter Schnüre gesät. Der Saatverband betrug auf den meisten Flächen 2 x 2 m. Eine dichtere Saat von Schwarznuss (2 x 0,5 m), um die natürliche Astreinigung als Alternative zur Ästung zu beobachten, brachte durch frühe Ausfälle (Kolkraben zogen die Sämlinge heraus) keine eindeutigen Ergebnisse.

Für Walnuss, Intermedia-Nuss sowie die Baumhasel wurde auf der Veranstaltung aus verschiedenen Gründen die Pflanzung einjähriger Sämlinge empfohlen. Baumhasel-Nüsse sollten bei Eigenernte nicht aus dem „Igel“ gesammelt werden, sie sind zumeist taub. Da die meisten der genannten Arten nicht verbissen werden, ist nur der Fegeschutz von Bedeutung, außer bei der deutlich verbissgefährdeten Baumhasel. Bei Verwendung geschlossener Wuchshüllen sollten die Pflanzen der Juglans-Arten mindestens gleich hoch sein, wie die Hülle.

Einige Jahre nach der Saat beziehungsweise Pflanzung wurde mit einer Kalkgabe von 150 bis 200 g je Pflanze gearbeitet, da die Böden pH-Werte zwischen 4 und 5 hatten.

Interessant sind die gewählten Waldverbände, ob beim Baumhasel im 3 x 3 m Verband oder bei den Nussarten bis zu 9 x 8 m. Die Hybridnuss sieht Meyer-Ravenstein in kostengünstigen Pflanzabständen von 7 x 7 oder 10 x 10 m mit Einzelschutz. In Frankreich sind so mehrere tausend Hektar landwirtschaftlicher Flächen aufgeforstet worden.

Auf den gesehenen Flächen wurden die genannten Arten durchaus miteinander gemischt. Hier gibt es sicher noch Experimentierbedarf, ebenso wie bei den Pflanz- und Saatverbänden.

Ankommende Naturverjüngung weiterer Laub- und Nadelbaum­arten wurde integriert und bei entsprechender Qualität gleichermaßen wert-geästet.

Wert-Ästung aber richtig

Beginn der (Vor)Auswahl von Zukunftsbäumen im Alter von sieben bis acht Jahren, ab 6 m (wipfelschäftiger) Baumhöhe. Die anschließende erste Ästung erfolgt per Hand auf zunächst 2,5 m Höhe, dann mit Leitern in drei Schritten auf vier, sechs und schließlich acht Meter Höhe. Geästet wird mit Astsägen mit japanischer Zahnung bis zu einem Astdurchmesser von maximal fünf Zentimeter. Darüber wird das Infektionsrisiko aufgrund der langen Überwallungszeit als zu hoch eingeschätzt.

Wichtig ist der Erhalt des sogenannten Astringes bei der Ästung, daher wird stets „vor dem Auge“, geästet, also von der Leiter aus und nicht mit Ästungsgestänge.

Die „vorauseilende Ästung“ wird als Vorgriff in höhere Bereiche angewandt, um rechtzeitig stärkere Äste zu entnehmen, die später die Grenze von fünf Zentimetern überschreiten würden.

Licht und Schatten

Die beschriebenen Nussarten decken ein breites Standortspektrum ab. Die Schwarznuss braucht gut bis mittel nährstoffversorgte, wasserdurchlässige Böden. Obwohl vom Ursprung ein Baum der Hartholzaue mit Überschwemmungstoleranz lohnen Anbauversuche auch auf anderen Standorten. So empfiehlt Meyer-Ravenstein auch verlehmte Sande auf ihre Eignung zu testen. Walnuss, Hybridnuss und Hickory benötigen eine gute Nährstoffversorgung und wasserdurchlässige Böden, bei warmem „Weinbauklima“, werden also mit der Klimaerwärmung überall interessanter. Hungerkünstler unter den Nussbäumen ist dagegen die Baumhasel, die mit trockenen und nährstoffärmeren Situationen zurechtkommt.

Volles Licht benötigen Schwarz-, Wal-, Intermedia-Nuss, die Baumhasel wächst auch im Halbschatten und Hickory ist in der Jugend schattenertragend.

Auch hier sollten nach dem Gesetz des Örtlichen die Grenzen des Anbaues ausgetestet werden, um weitere Erfahrungen zu sammeln.

Zuwachs

Während Hickory zunächst etwa fünf Jahre lang bei geringem Höhenwachstum die Wurzel ausbildet, dann aber mit Trieben bis 1,5 m beeindruckt, legen die anderen Nüsse normalerweise gleich ein starkes Höhenwachstum vor, das bis zu 2 m pro Jahr betragen kann. Entsprechend gut können ausgefallene Leittriebe kompensiert werden. Durchmesser-Zuwächse von 1 cm pro Jahr werden erreicht, bei den Nusshybriden noch mehr, wenn die Freistellung der Zukunftsbäume zeitig und konsequent erfolgt.

Die frühe Auswahl der Zukunftsbäume und der rechtzeitige Ästungsbeginn sind unabdingbar, um astreine Stämme zu erziehen. Für Meyer-Ravenstein sind die ersten 20 bis 30 Jahre entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg des Nussanbaues.

Da alle beschriebenen Arten starken Stockausschlag bilden, wie an den Wurzelstücken entnommener Bäume zu sehen war, lohnt der Rückschnitt bei Beschädigungen. Stockausschlag kann darüber hinaus eine interessante Rolle in der Zwischenschicht oder auf einen Trieb vereinzelt für die nächste Waldgeneration spielen. Auch dazu gibt es sicher noch waldbauliche Erfahrungen zu sammeln.

Es bleiben Risiken

Während Baumhasel deutlich Verbiss gefährdet ist, sind die anderen Nussbaumarten „nur“ vor Fegen und Schlagen durch das Schalenwild zu schützen. Starke Rot- oder Damwildvorkommen sind eher ein Ausschlussgrund für den forstlichen Nussanbau. Die unverholzten langen Triebe der Schwarznuss können im Sommer bei Sturm und Regen abbrechen, Windschutz ist daher von Vorteil. Ein Wipfelbruch kann durch fachgerechten Rückschnitt gut „repariert“ werden. Während Saat von Baumhasel gerne von Mäusen gefressen wird (daher besser pflanzen), gibt es für die Saat der Schwarznuss kein Risiko durch Mäuse oder Schwarzwild.

Wurzelverletzungen erhöhen die Gefahr von Hallimaschbefall. Neben diesem Pilz gibt es noch weitere Risiken etwa durch die Walnußfruchtfliege, den TCD-Pilz, bakteriellen Waldnussbrand, Blattfleckenkrankheit, Pilze und Viren sowie Insekten, Schnecken sowie durch Schalenwild.

Vermarktung

Der forstliche Nussanbau verbindet die Vorteile des Laubbaum-Anbaus mit der schnellen Ertragserwartung der Nadelbäume. Im Nutzungszyklus der Eiche kann man dreimal Nussbäume ernten. Der Zuwachs der Intermedia-Nuss ist vergleichbar mit dem der Pappel. Ziel sind wertvolle Furnierabschnitte mit einem Durchmesser von 50 bis 70 cm in 60 bis 80 Jahren. Das dunkle und harte Nussholz hat einen hohen Marktwert und kann Preise von 700 € aufwärts bis hin zu 3.500 € je Festmeter (fm) erzielen. Für Schwarznussabschnitte der Dimensionen 1b/2a (15 bis 25 cm) aus Vornutzug werden Erlöse von 400 bis 500 €/fm berichtet.

Weitere Vornutzungen sind der Verkauf von Schwarznüssen als Saatgut. Das Sammeln von Walnüssen hat sich dagegen als unpraktikabel erwiesen.

Nuss-Ertragstafeln werden derzeit über Versuchsflächen im Revier durch die Hochschule in Eberswalde (HNEE) erstellt.

IG Nuss

Die Interessengemeinschaft Nuss teilt sich auf in die Sektion Frucht (Walnussanbauer) und die Sektion Holz (Forst). Rund 300 Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum haben sich in der IG Nuss zusammengefunden. Neben Regionaltagungen wird einmal jährlich eine zwei bis drei tägige Exkursion für Mitglieder organisiert.

Auf der empfehlenswerten Homepage www.ig-nuss.de sind ausführliche Baumartensteckbriefe ebenso zu finden, wie Bezugsquellen für Saatgut und Pflanzmaterial.

Weitere Beiträge zu den Nussbaumarten von den Fachleuten der forstlichen Versuchsanstalten sind etwa über www.waldwissen.net abrufbar.

Forstbetrieb Blome, Alt-Schwerin

Der Forstbetrieb Jasper Blome Land&Forst in Alt-Schwerin liegt auf dem Plauer Werder, einer Insel im Plauer See. Der Wald wurde 1996 von der BVVG im Rahmen von Restitutionsansprüchen erworben. Die Waldfläche beträgt heute 213 ha, davon 37 ha Erstaufforstungen. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgeforstete Grundmoräne war vorher Weideland und ist überwiegend mit Laubwald guter Qualität (Buche, Stiel- und Roteiche mit zum Teil Saatgutbeständen) bestockt. Pappel, späte Traubenkirsche und Fichte wurden weitgehend beseitigt, auch die Kiefer soll ersetzt werden. Das Einbringen von Nussbäumen, Wildkirsche und weiterem Wildobst neben Douglasie, Küstentanne und Lärche wird angestrebt. Weißtanne aus Altbäumen verjüngt sich hervorragend. Die Standorte reichen von Auebereichen auf Seehöhe bis zu trockeneren Bereichen auf 95 m über NN und 35 m über dem Seespiegel. Die durchschnittlichen 600 mm Jahresniederschlag sanken in den vergangenen Jahren auf bis zu 350 mm ab, werden aber durch das günstige Mikroklima der Seeumgebung teilweise kompensiert.

Der Forstbetrieb beteiligt sich an den beiden Stufen des Förderprogrammes Klimaangepasstes Waldmanagement.

Fazit

Die wärmeliebenden Nussbäume mit ihren zum Teil äußerst tief reichenden Pfahlwurzeln sind mit Blick auf den Klimawandel in weiten Teilen Deutschlands interessant zur kleinflächigen Einbringung in die Wälder. Die Möglichkeit zu säen beziehungsweise Weitverbände anzulegen, reduzieren die Kulturkosten, die Kulturpflege und Ästung dürfen jedoch nicht vernachlässigt werden. Das wertvolle dunkle Holz kann in kurzen Zeiträumen produziert werden, bei guter Vermarktungserwartung.

Für Dr. Meyer-Ravenstein ist die Sicherung der Kulturpflege in den ersten fünf Jahren und die rechtzeitige Wertästung bis zum Alter 20 Grundvoraussetzung für den Nussanbau, um nicht Brennholz durch zu starke Astbildung zu produzieren. In großen Revieren mit hoher Personalfluktuation kann diese Kontinuität nicht gegeben sein. Den Anbau in Dam-, Rotwild und Muffelrevieren sieht er problematisch.

Die waldbaulichen Möglichkeiten durch Mischung der Nussbäume miteinander sowie mit Esskastanie, Kirsche oder Wildobst wurden auf dem Seminar gut dargelegt, sind aber sicherlich noch vielfältig auszuprobieren. Oft ist die Schwarznuss eine interessante Alternative zur absterbenden Esche.

Wer sich für die Bereicherung seiner Wälder mit Nussbäumen interessiert, dem rät Meyer-Ravenstein mit gut erreichbaren Kleinflächen zu beginnen, um Erfahrungen mit diesen spannenden Baumarten zu sammeln.

Stickstoff kommt aus Russland

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Die Vereinigten Staaten haben große Mengen ihrer Stickstoffdünger im vergangenen Jahr aus Russland bezogen. Nach Angaben der Tageszeitung Kommersant stieg die gelieferte Menge an Harnstoff von Januar bis August 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 31 % auf mehr als 1,5 Mio. t. Damit stellte Russland etwa 35 % der rund 4,3 Mio. t Harnstoff, die von den USA im betrachteten Zeitraum insgesamt importiert wurden.

Grundlage für die rege Einfuhr von russischen Stickstoffdüngern dürfte der Preis sein. Russland war nicht unter die erhöhten Importzölle gefallen, die Washington in der ersten Jahreshälfte gegen die wichtigsten Lieferanten von Stickstoffdüngemitteln verhängt hatte. Laut Kommersant mussten die russischen Exporteure zudem nach neuen Absatzmöglichkeiten suchen, seit die EU zum 1. Juli 2025 zusätzliche Zölle auf die Einfuhr von Düngemitteln aus Russland eingeführt hat.

Zölle ausgesetzt

Am 13. November hatte US-Präsident Donald Trump überraschend bekannt gegeben, die Importzölle auf wichtige Düngemittel – einschließlich Harnstoff – abzuschaffen. Nach Einschätzung des globalen Finanzdienstleistungsunternehmens StoneX markiert dies einen „Wendepunkt in der Agrarhandelspolitik“. Damit dürfte die Attraktivität des US-Marktes als Abnehmer wieder deutlich steigen.

„Die im ersten Halbjahr 2025 eingeführten Zölle haben zu erheblichen Marktverzerrungen geführt. Landwirte sahen sich in den vergangenen Jahren mit einigen der schlechtesten Handelsbedingungen konfrontiert, belastet durch sinkende Agrarrohstoffpreise und gleichzeitig gestiegene Produk­tionskosten“, erklärte Tomás Pernías, Marktanalyst bei StoneX. Die Aussetzung der Zölle dürfte dieses Ungleichgewicht etwas abmildern. Laut Darstellung von StoneX hatten internationale Lieferanten während der Geltungsdauer der US-Zölle ihre Lieferungen an Düngemitteln auf Märkte ohne Zollbelastung verlagert, was das inländische Angebot in den USA verringert und dort zu anhaltend hohen Preisen beigetragen habe. Mit dem Wegfall der Zölle sei in den Vereinigten Staaten nun ein Rückgang der Düngerpreise zu beobachten. Andererseits erhöhe sich bereits der Bedarf an Nachschub, was wiederum preistreibend wirke.

Bewegung bei Kalidünger

Für Bewegung am US-Düngermarkt könnte auch die Aufhebung der Sanktionen gegen belarussische Kalidünger sorgen. Die USA erlaubten am 15. Dezember wieder den Handel mit dem Kali-Riesen Belaruskali, dessen Händler Belarusian Potash Company (BPC) und der BPC-Tochtergesellschaft Agrorozkvit. Dies erfolgte als Gegenleistung für einen größeren Gefangenenaustausch. Die USA stellten die Aufhebung weiterer Sanktionen in Aussicht, sobald sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern normalisieren.

Analysten erwarten durch die wegfallenden Sanktionen allerdings kaum Auswirkungen auf die globalen Düngemittelpreise. Wenige Tage zuvor hatte Trump in Richtung Kanada gedroht, erhebliche Zölle auf Kali einzuführen.

Die USA hatten bereits im August 2021 Sanktionen gegen Belaruskali verhängt. Am 1. Februar 2022 kündigte Litauen seinen Vertrag mit dem Konzern über die Verschiffung von Kalidünger über den Hafen von Klaipeda, der traditionell praktisch alle belarussischen Kaliexporte abwickelte. Vor dem Inkrafttreten der westlichen Sanktionen hatte Belaruskali jährlich mehr als 10 Mio. t Kaliumchlorid in weltweit 107 Länder exportiert; das entsprach einem Anteil von etwa 20 % am globalen Markt. Mit Beginn der Sanktionen begann der Konzern, Kali über russische Häfen zu exportieren und lieferte auch per Eisenbahn nach China.

Phosphat-Verbote

Angebots- und Preisveränderungen sind unterdessen auch am Markt für Phosphate zu erwarten. Dafür dürfte China sorgen, mit einem Marktanteil von rund einem Drittel der weltweit größte Exporteur von Phosphatdüngemitteln. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg wurden Industrievertreter jetzt von der National Development and Reform Commission aufgefordert, die Phosphat­exporte bis August 2026 auszusetzen. Das soll die Versorgung des heimischen Marktes sicherstellen und die Düngerpreise vor der Frühjahrsaussaat stabil halten. Damit sollen die Landwirte motiviert werden, die Getreideproduktion weiter zu erhöhen.

Dieses faktische Exportverbot könnte nach Einschätzung von Marktexperten die globalen Phosphatpreise in die Höhe treiben, die allerdings seit dem Höchststand von April 2022 deutlich gefallen sind. Neu ist dieses Vorgehen der Volksrepublik nicht. Seit 2021 hat Peking bereits mehrfach vorübergehende Exportstopps beziehungsweise -beschränkungen für Phosphate oder Harnstoff verhängt, was jeweils für spürbare Preisbewegungen sorgte. age

Weniger Getreide erwartet

Coceral-Schätzung für 2026

Das Aufkommen an Getreide in der EU dürfte in diesem Jahr kleiner ausfallen als 2025. Davon geht zumindest der Dachverband der Getreidehändler (Coceral) in seiner ersten Prognose aus. Der Verband rechnet bei einer nahezu unveränderten Anbaufläche mit einer Getreidemenge von 275,58 Mio. t, was ein Minus von 4,1 % wäre. Unterstellt wird, dass der diesjährige Durchschnittsertrag von 58,45 dt/ha um 4,5 % unterschritten wird und auf 55,8 dt/ ha zurückgeht. age

2026 eröffnet mit Frauenpower und einem EU-Zwerg

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Ohne Frauen läuft auf landwirtschaftlichen Betrieben meist nicht viel. Um die Sichtbarkeit der Frauen in der Landwirtschaft zu erhöhen und die Leistungen der Landwirtinnen stärker wertzuschätzen, hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) das Jahr 2026 zum Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt.

Es ist wichtig, dass die FAO mit ihrer Initiative mehr Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenkt. Viel zu lange haben sich Frauen – oft klaglos – im Hintergrund gehalten. Spätestens mit der Studie „Frauen. Leben. Landwirtschaft.” des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) ist jedoch belegt, dass 72 % der Frauen auf den Betrieben an strategisch-unternehmerischen Entscheidungen beteiligt sind, obgleich nur 11 % der Frauen Betriebe leiten. Diese Diskrepanz gilt es weiter aufzulösen.

Ein Werkzeug dafür ist in Schleswig-Holstein das Unternehmerinnen-Netzwerk des Landesbauernverbandes (BVSH), das von den Sprecherinnen Jennifer Müller, Kathrin Rehders und Dagmar Friedrichsen-Jahnke hervorragend mit Leben gefüllt wird. An den Treffen des Netzwerks hat neben vielen anderen Landwirtinnen auch Christine Kühl schon teilgenommen. Im Rahmen der Titelbild-Produktion für die Ausgabe 1/2026 gab sie dem Bauernblatt Einblicke in die Betriebsabläufe auf ihrem Familienbetrieb in Stafstedt, Kreis Rendsburg-Eckernförde, die zeigen, mit welcher Kompetenz und Leidenschaft sie den Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann führt.

Führungskraft entfalten muss im ersten Halbjahr dieses Jahres auch Zypern. Der kleine Inselstaat im äußersten Südosten Europas hat zum Jahreswechsel die EU-Ratspräsidentschaft von Dänemark übernommen.  Die Herausforderungen sind groß. Der Kontinent befindet sich in einer kritischen Phase, in der der Krieg in der Ukraine andauert und Europa vor ernsten geostrategischen Herausforderungen steht.

Zyperns Präsident Nikos Christodoulides stellte kurz vor Weihnachten den Fahrplan für die zypriotische Ratspräsidentschaft vor. Die Landwirtschaft scheint dabei nur eine Nebenrolle zu spielen. In einem einzigen Nebensatz steht, dass Zypern Initiativen ergreifen wolle, um sichere und hochwertige Nahrungsmittel für alle bereitzustellen. Dabei werden im ersten Halbjahr wichtige Pflöcke bei den Verhandlungen über den mehrjährigen Finanzrahmen 2028-2034 eingeschlagen, von denen maßgeblich die zukünftige Ausgestaltung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik abhängt. Es ist also kein gutes Zeichen, dass offenbar vor allem sicherheitspolitische Fragen, die Steuerung der Migration sowie Wettbewerbsfähigkeit im Fokus der Ratspräsidentschaft stehen werden.

Mit Blick auf das Mercosur-Abkommen zwischen der EU und der südamerikanischen Staatengemeinschaft braucht es neben Wettbewerbsfähigkeit auch Transparenz und effiziente Kontrollen. BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht erklärt im Jahresauftaktinterview mit dem Bauernblatt, dass er in einem Abschluss mehr Chancen als Risiken sieht, sofern die Einhaltung gleicher Produktionsstandards sichergestellt sei.

Nicht erstaunen würde es, wenn der Abschluss des Abkommens pünktlich zur 100sten Auflage der Grünen Woche in Berlin gelingt, die traditionell in der zweiten Januar-Hälfte das agrarpolitische Jahr einläutet. Hier hat die Landwirtschaft die Chance, ihre Bedeutung für die Ernährungssicherheit und damit auch für die Sicherheitspolitik zu unterstreichen.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb

„Wir brauchen eine starke Landwirtschaft“

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Einen Rückblick auf die agrarpolitischen Highlights 2025, einen Überblick zu den laufenden Diskussionen sowie einen Ausblick auf die Erwartungen an das neue Jahr gibt Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), im ­Interview.

Im vergangenen November hat Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Landtagsabgeordnete und CDU-Umweltsprecherin Cornelia Schmachtenberg zur neuen Landwirtschaftsministerin ernannt. Wie macht sich die Nachfolgerin von Werner Schwarz (CDU)?

Wir sind schon traurig, dass Werner Schwarz nicht mehr Minister ist. Er hat sich um die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein, Deutschland und Europa sehr verdient gemacht – auch in seiner früheren Funktion als BVSH-Präsident. Er musste im Ministeramt sein Haus neu aufbauen. Das hat anderthalb Jahre in Anspruch genommen und war sicherlich nicht leicht zu organisieren. Nichtsdestotrotz haben unsere landwirtschaftlichen Betriebe auch Ansprüche gehabt. Die sind nur zum Teil bedient worden. Positiv ist, dass er durch Erleichterungen bei der Jagd Bewegung in die Gänsefraßproblematik gebracht hat. Die Antragsabwicklung für Entschädigungszahlungen über die Wildgänserichtlinie ist bei ihm im Haus viel besser gelaufen als über die Weißwangengansrichtlinie im Umweltministerium. Themen wie das Güllefahren auf gefrorenen Böden mit Auftauprognose, was in anderen Bundesländern funktioniert, wurden jedoch noch nicht umgesetzt.

Daniel Günther macht keine Anstalten, etwas an den Ressortzuschnitten zu ändern. Wie soll Ministerin Schmachtenberg mehr politische Kraft entfalten?

Ich durfte sie schon zwei Mal in Koalitionsverhandlungen für die CDU miterleben. Dabei habe ich gemerkt, wie gut sie für die bäuerliche Sache kämpfen kann. Aber im Prinzip hat sie genau die gleiche Ausgangssituation wie Werner Schwarz. Es kommt also viel auf politisches Geschick und auch die Unterstützung der Fraktion an, um etwas für die Landwirtschaft durchzusetzen.

Wie sollte der Ressortzuschnitt ihrer Meinung nach aussehen?

Man hätte die Chance nutzen müssen, zumindest zwei Bereiche aus dem Umweltministerium zu lösen: das sind die Wasserwirtschaft und die Zweite Säule der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik. Cornelia Schmachtenberg ist schließlich auch Europaministerin. Und Wasserwirtschaft ist nun mal ein Mega-Thema in der Landwirtschaft Schleswig-Holsteins mit unseren vielen Niederungen. Wir haben 2027 wieder Landtagswahlen und wenn sie bestehen will, dann muss sie auch liefern.

Wie liefen Ihre ersten Gespräche, seit sie Ministerin ist?

Ich bin sehr dankbar, dass sie sofort den Kontakt zu uns beim Bauernverband gesucht hat. Wenige Tage nach Ihrer Ernennung gab es den ersten Austausch in ihrem Büro. Sie ist ja schon länger eine engagierte Umwelt- und Agrarpolitikerin und kennt unsere Forderungen genau.

Wie bewerten Sie die Abstufung des Schutzstatus des Wolfs und die Aufnahme des Raubtiers ins Bundesjagdgesetz?

Damit ist ein wichtiger Schritt für den Schutz unserer Weidetiere getan.

Die Entschädigungsmittel für Gänsefraßschäden für 2026 wurden durch den Nachtragshaushalt auf 1,2 Millionen Euro aufgestockt. Befriedet das die betroffenen Landwirte?

Ich freue mich über die von der CDU-Fraktion maßgeblich vorangetriebene Mittelaufstockung. Wir fordern aber auch, dass das Grundproblem angegangen wird. Die Populationen müssen schrumpfen. Die jüngsten Erleichterungen beim Jagdrecht helfen. Um aber wirklich etwas zu erreichen, müssen wir die Eier der brütenden Gänse sammeln oder anstechen, auch in Schutzgebieten. Die Erlaubnis dafür sollten neben den Jagdausübungsberechtigten auch Gruppen haben, die angelernt werden und gemeinsam mit den Jagdausübungsberechtigten unterwegs sind.

Die Güllesaison steht vor der Tür. Was fordern Sie?

Das Ausbringen auf überfrorenen Böden steht ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Vielleicht ist eine Übergangslösung möglich, dass man unter gewissen Verhältnissen zumindest 15 Kubikmeter Gülle pro Hektar ausbringen kann, vielleicht auch mit gesonderten Abstandsregelungen zu Gewässern. Das wäre ein großes Zeichen an die Landwirtschaft. Durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zur Bayerischen Landesdüngeverordnung und die Folgen für alle anderen Bundesländer finde ich es zudem richtig, die Düngegesetzgebung komplett anzufassen. Eine Derogationsregelung, nach der wir auf bestimmten Kulturen bis zu 230 Kilogramm N pro Hektar aus Wirtschaftsdüngern ausbringen dürfen, ist fachlich sinnvoll und spart Mineraldünger. Intensiv genutztes Grünland kann diese Stickstoffmenge problemlos aufnehmen. Viele Landwirte haben zudem in modernste Technik investiert, um effizient Gülle zu transportieren und auszubringen. Das sollte sich in politischem Entgegenkommen widerspiegeln.

Welche Vereinfachungen fordern Sie mit Blick auf das Grünlandmanagement?

In diesem Bereich gibt es einige Doppelregelungen. Hier sind Umwelt- und Landwirtschaftsministerium gefordert. Es muss möglich sein, auch in Niederungen und Schutzgebieten Grünlandnarben zu haben, die für die Milchwirtschaft interessant sind. Ampferbekämpfung muss möglich sein, auch Narbenerneuerung, nicht nur Nachsaat.

Die Flächenkonkurrenz steigt. Das hat unterschiedliche Ursachen. Unter anderem sind 1.000 Hektar neue Naturschutzgebiete geplant. Wie ist Ihre Position dazu?

Wir haben überhaupt kein Problem damit, wenn auf Stiftungsflächen Naturschutzgebiete geplant werden. Die Stiftung besitzt schließlich mehr als 40.000 Hektar im Land. Wir werden aber nicht zulassen, dass wirtschaftende Betriebe verdrängt werden. Wir haben Ministerin Schmachtenberg gebeten, mit Umweltminister Goldschmidt darüber zu verhandeln, die 350 Hektar am Winderatter See wieder rauszunehmen und Flächen woanders in Schleswig-Holstein zu suchen.

Welche Rolle spielt für Sie der Konsens im Dialogprozess zur Zukunft der Landwirtschaft?

Wir haben im Dialogprozess vereinbart, dass wir Maßnahmen in die Betriebe integrieren wollen, um Biodiversität und andere Umweltleistungen zu erbringen. Dafür müssen wir honoriert werden. Wir als Bauernverband fühlen uns da daran gebunden. Beim Umweltminister habe ich das Gefühl, er hält sich nicht daran. Natürlich haben wir eine Biodiversitätsstrategie in Schleswig-Holstein, und auch die Naturwiederherstellungsverprdnung der EU wird gewisse Ansprüche stellen. Innerhalb dieses Projektes muss aber mit Landeigentümern besprochen werden, was geht und was nicht geht.

Wir bewerten Sie die bisherigen Entbürokratisierungsbemühungen?

Wir benötigen eine Plattform, in die alle Daten eines Betriebes eingegeben werden. Entscheidend ist dabei, dass die Daten den Landwirten gehören und dass die zuständigen Behörden uns immer fragen müssen, wenn sie zugreifen wollen. Das Projekt Datenportal von Staatskanzlei und Landwirtschaftsministerium ist hier ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Welche Bedeutung hat die Schließung des Schlachthofs in Perleberg für die Schweinehalter in Schleswig-Holstein?

Wir brauchen ausreichende Schlachtkapazitäten. Es muss auch möglich sein, einen Schlachthof neu zu bauen oder auszubauen. Sonst steigen die Transportkosten. Wir sind durch die sinkende Zahl an Schlachthöfen zudem sehr hellhörig, wenn es darum geht, Auflagen für Tiertransporte zu erhöhen, zum Beispiel eine Verkürzung der erlaubten Transportzeiten. Das darf nicht passieren.

Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz wurde verschoben. Die richtige Entscheidung?

Das staatliche Tierhaltungskennzeichen brauchen wir gar nicht. Wir haben es trotz aller Streitigkeiten mit dem Lebensmitteleinzelhandel geschafft, vernünftige Systeme aufzubauen. Die Haltungsstufen sind beim Kunden bekannt. Und wenn der Markt die höheren Haltungsstufen weniger nachfragt, dann produzieren wir auch Haltungsstufe 1.

Das Programm zum Umbau der Tierhaltung wurde eingestampft. Stallbauten sollen zukünftig über Mittel der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ finanziert werden. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Tierhalter in Schleswig-Holstein?

Ich sehe das total problematisch. Wir hätten ein Bundesförderprogramm gebraucht ohne Kofinanzierung – gerade in finanzschwachen Ländern wie Schleswig-Holstein. Die Abschaffung war ein Fehler von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU).

Wie zufrieden sind Sie darüber hinaus mit der Arbeit des Bundeslandwirtschaftsministers?

Er hat mittlerweile seine Abteilungsleiter ausgetauscht, aber wir merken immer noch bei vielen Papieren aus seinem Haus, dass sie eine grüne Handschrift tragen. Ich bin froh, dass wir die Agrardieselrückvergütung auf dem alten Niveau wiederbekommen. Einige andere Punkte wurden ebenfalls umgesetzt. Eine Risikoausgleichsrücklage ist aber immer noch nicht da. Auch die Düngegesetzgebung muss neu organisiert werden.

Wie bewerten Sie die jüngsten Demonstrationen gegen die Preiskämpfe im Lebensmitteleinzelhandel?

Demonstrationen sind immer eine Möglichkeit, auf ein Thema aufmerksam zu machen. Das muss natürlich immer ordentlich ablaufen. Wir brauchen eine Lieferkette, in der jeder etwas verdient. Wenn man deutsche Lebensmittel haben will, dann muss man auch den entsprechenden Preis dafür bezahlen. Als Verband setzen wir aber in erster Linie auf Gesprächsformate wie in der Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL), um Differenzen zu lösen.

Momentan gibt es jede Menge Diskussionen zum zukünftigen Mehrjährigen Finanzrahmen und der Förderstruktur der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP). Was fordern Sie?

Die Finanzmittel der EU werden von den Nationalstaaten wohl nicht aufgestockt, eher gekürzt. Und es gibt Mittel, die man zusätzlich haben will für Sicherheit, Migration und auch Verteidigung. Gleichzeitig hat die EU während der Corona-Pandemie Schulden gemacht. Und diese Schulden müssen zurückgezahlt werden. Es geht für uns aber nicht ausschließlich um Geld. Grundsätzlich muss das Fördersystem für die Landwirtschaft vereinfacht werden. Die Konditionalität könnte entfallen, wenn man zu Vertragsmustern käme, die die Landwirtschaft in die Lage versetzen, mit öffentlichen Leistungen Geld zu verdienen.

Wie stehen Sie zum Mercosur-Abkommen?

Ich schätze die Vorteile für uns Landwirte als sehr viel größer ein, als die Nachteile, sofern die Bedingungen gleich sind, zu denen produziert wird.

Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt. Wie finden Sie dieses Motto?

Ich finde das Motto super. Im Deutschen Bauernverband haben wir mit Susanne Schulze-Bockeloh bereits eine Vizepräsidentin. In Schleswig-Holstein hat sich mittlerweile ein Unternehmerinnennetzwerk in der Landwirtschaft etabliert, das von Jenny Müller, Kathrin Rehders und Dagmar Friedrichsen-Jahnke super mit Leben gefüllt wird. Wir arbeiten daran, noch mehr Frauen zur Mitarbeit in unseren Gremien zu bewegen. Dafür braucht es passende Strukturen. Wenn sich Frauen im Ehrenamt engagieren, muss der Partner auch mal auf die Kinder aufpassen. Darüber hinaus sind Sitzungen per Video eine Alternative.

Das politische Highlight zu Beginn jeden Jahres ist die Grüne Woche? Was erwarten Sie von der Hauptstadtmesse?

Die Grüne Woche hat sich für mich zu einer sehr politischen Messe entwickelt. Es gibt etliche Formate, in denen wir diskutieren und unsere Anliegen platzieren. Ich hoffe, dass diese Bundesregierung es schafft, endlich vernünftige Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen. Wir brauchen eine starke Landwirtschaft und starke ländliche Räume.

Im Verband Haben Sie mit Michael Müller-Ruchholtz einen neuen Generalsekretär. Wie ist der Übergang geglückt?

Ich bin unserem ehemaligen Generalsekretär Stephan Gersteuer sehr dankbar, dass er den Übergang hervorragend mit vorbereitet hat. Wir haben ja schon sehr frühzeitig bestimmt, dass Michael Müller-Ruchholtz sein Nachfolger wird. Er kennt sich aus im Haus, ist mehr als 25 Jahre im Verband und hat viele Jahre auf der Stellvertreter-Position sehr gute Arbeit gemacht. Wir haben zudem entschieden, dass wir zwei Stellvertreter wollen und freuen uns, dass wir mit Lisa Hansen-Flüh und Dr. Lennart Schmitt eine Agrarierin und einen Juristen für diese Ämter gewinnen konnten.

Seit dem 1. Dezember informiert der BVSH seine Mitglieder in einem eigenen Kanal innerhalb der LandApp SH. Warum dieser Schritt?

Wir brauchen die digitale Kommunikation, um die jüngeren Leute zu erreichen. Die Landfrauen sind dabei, die Landwirtschaftskammer, die Landjugend und jetzt auch wir. Wir wollen Informationen bündeln, damit nicht jeder zig verschiedene Apps haben muss. Die LandApp SH beinhaltet alle wichtigen Informationen aus der Landwirtschaft, Agrar-Termine und Marktdaten. Und wir als Verband müssen digital stattfinden. Wir entwickeln immer mal neue Formate wie zuletzt „Peter fragt …“

Mit welcher Motivation gehen Sie in das neue Jahr?

Meine Arbeit macht mir Spaß. Ich vertrete gerne die Interessen der Berufskolleginnen und -kollegen. Wir haben ein starkes Hauptamt im Bauernverband, das sehr engagiert zuarbeitet. Wir diskutieren mitunter sehr hart im Landeshauptausschuss oder auch im Landesvorstand, aber alle, die dort sitzen, sind immer lösungsorientiert. Wir sind ein Unternehmensverband mit sehr engagierten und innovativen Mitgliedern, die die Arbeit des Verbandes auch für sich selbst schätzen. Das gibt auch mir viel Energie.