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Eigenkontrolle ergänzt vorgeschriebene Tierkontrollen

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Mutterkühe verwerten für uns Menschen nicht essbare Biomasse und können dazu beitragen, dass artenreiches und wertvolles Grünland nachhaltig erhalten und wirtschaftlich genutzt werden kann. Durch die hohe Anpassungsfähigkeit an Umwelt, Witterung und ihre außerordentliche Raufuttereffizienz gelten Mutterkühe als besonders robust. Tierhalter sind gesetzlich dazu verpflichtet, eine systematische und kontinuierliche Kontrolle der Tiere und ihrer Haltungsumwelt zu gewährleisten.

Die betriebliche Eigenkontrolle ist verpflichtend. Im Tierschutzgesetz (TierSchG) § 11 Absatz 8 sind die Grundlagen der Bestimmungen verankert. Die Eigenkontrolle soll die vorgeschriebenen täglichen Tierkontrollen ergänzen. Sie bietet die Chance, die polarisierende gesellschaftliche Diskussion über das Tierwohl in der Nutztierhaltung sachlich zu bereichern – insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Mutterkuhhaltung in der Bevölkerung bereits ein hohes gesellschaftliches Ansehen genießt.

Welche Ansprüche an die tiergerechte Mutterkuhhaltung erfüllt werden müssen und anhand welcher relevanten Indikatoren das Tierwohl einzuschätzen ist, soll in den folgenden Abschnitten erläutert werden. Grundsätzlich wird hierbei zwischen tierbezogenen Indikatoren, zum Beispiel Körperkondition und Bewegungsbild, und managementbezogenen Indikatoren wie Tränkemanagement und Gesundheitsmonitoring unterschieden.

Tierbezogene Indikatoren

Abhängig von der Rinderrasse, dem Betriebsstandort und weiteren individuellen Gegebenheiten helfen tierbezogene Indikatoren bei der Beurteilung der Herdengesundheit und Leistungsbereitschaft.

Hinteransicht einer Mutterkuh vier Wochen nach der Kalbung: 1 Hüftbeinhöcker, 2 Sitzbeinhöcker, 3 Querfortsätze, 4 Dornfortsätze

Körperkondition

Insbesondere bei einer ganzjährigen Weidehaltung muss die Energieversorgung der Tiere sichergestellt werden. Die Betrachtung der Körperkondition in Abhängigkeit vom Alter und dem Leistungsstatus der Tiere gibt oft verlässliche Rückschlüsse auf ihre Versorgung. Die Beurteilung der Körperkondition sollte grundsätzlich zu festen Zeiten stattfinden. So kann eine Einordnung beispielsweise zum Zeitpunkt des Absetzens der Kälber, zur Besamung und zur Kalbung stattfinden. Sind die Tiere zur Kalbesaison überkonditioniert, können Probleme im Kalbeverlauf die Folge sein. Zum Zeitpunkt des Absetzens der Kälber sollte der Körpersubstanzverlust, der nach dem Kalben eingetreten ist, wieder ausgeglichen sein. Die Benotung der Körperkondition (nach Richards et al., 1986) erstreckt sich über fünf Noten von 1 = stark unterernährt bis zu 5 = stark überfüttert. Bei den meisten Mutterkühen schwanken die Körperkonditionsnoten im Verlauf des Jahres zwischen 2,5 und 3,5.

Die Konditionsbeurteilung wird am Hüftbeinhöcker, Sitzbeinhöcker, an den Querfortsätzen der Lendenwirbel, am Schwanzansatz und an den Rippen visuell oder manuell tastend vorgenommen. Zur Beurteilung der tagesaktuellen Futteraufnahme dient die Pansenfüllung als aussagekräftiger Indikator.

Bewegungsapparat

Jedes einzelne Tier sollte seitlich im Gang beobachtet werden. Die Dokumentation der Beurteilung richtet sich nach dem Locomotion Scoring nach Sprecher et al. (1997) und wird ebenfalls mit fünf Noten bewertet.

Eine lahmfreie Kuh mit der Bewegungsnote 1 hat einen flüssigen, raumgreifenden Schritt, einen geraden Rücken und einen erhobenen Kopf.

Mittelgradig lahm ist das Tier mit der Bewegungsnote 4. Es hat einen gekrümmten Rücken und eine deutlich verkürzte und unregelmäßige Schrittlänge. Es zeigt außerdem eine deutliche Schonung einer oder mehrerer Gliedmaßen und ein Kopfnicken.

Dokumentation schlägt Intuition

Eine regelmäßige Dokumentation tierbezogener Indikatoren schlägt die rein intuitive Wahrnehmung, weil sie Bauchgefühl in messbare Fakten verwandelt. Eine schriftliche Erfassung macht schleichende Veränderungen im Bestand frühzeitig sichtbar. Sie dient im Management als verlässliche Entscheidungsgrundlage, sichert die Objektivität und ermöglicht eine präzise Erfolgskontrolle von Maßnahmen wie einem veränderten Weidemanagement oder einer Änderung der Klauenpflegeroutine.

Hitzestress bei Mutterkühen

Während extremer Hitzeperioden zeigen die Tiere Verhaltensweisen, die als Indikatoren Rückschlüsse auf das Anpassungsvermögen möglich machen. An sehr heißen Tagen sollte eine visuelle Bewertung der Atmungsfrequenz erfolgen. Diese kann mithilfe des Panting-Scores (Score 0-4,5; nach Mader et al., 2016) eingeordnet werden. Bei einer Atemfrequenz von unter 60 Atemzügen pro Minute (Score 0) besteht kein Hitzestress und somit kein gesonderter Handlungsbedarf. Bei 90 bis 120 Atemzügen pro Minute mit zusätzlichem Speichelfluss und gelegentlicher Maulatmung (Score 2,5) sollte zusätzlich kühles Trinkwasser angeboten werden.

Kältestress bei Mutterkühen

Im Winter dient das Haarkleid als Indikator dafür, wie gut oder weniger gut sich die Tiere an sinkende Temperaturen anpassen können. Die Beurteilung sollte zu Beginn des Winters im November stattfinden. Das Winterhaarkleid sollte bei 60 % der Herde auf einem überwiegenden oder vollständigen Anteil des Körpers ausgebildet sein.

Vorgaben beim Witterungsschutz

Die rechtliche Grundlage in der Mutterkuhhaltung bildet die Tierschutznutztierverordung. Bezüglich des Witterungsschutzes für Mutterkühe werden im Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT, Merkblatt 85, 2006) Empfehlungen ausgesprochen, die jedoch nicht rechtlich bindend sind.

Managementbezogene Indikatoren

Managementbezogene Indikatoren beschreiben alle vom Tierhalter gesteuerten Maßnahmen, Kontrollen sowie Dokumentationspflichten, die die Herdengesundheit sichern. Sie ergeben sich im Gegensatz zu tierbezogenen Merkmalen aus den betrieblichen Abläufen.

Wasserverfügbarkeit (Dokumentation und Kontrolle):

festgelegte tägliche Kontroll- und Reinigungsintervalle der Tränken auf der Weide

Managementprotokoll zur Messung der Durchflussrate (mindestens 10-15 l/min in Trogtränken), um Engpässe bei Hitze zu verhindern

Futterverfügbarkeit (Weide- und Rationsmanagement):

Frequenz der systematischen Beurteilung des Ernährungszustandes (Body-Condition-Score – BCS) in kritischen Phasen wie Absetzen oder Abkalbung, um Unterversorgung frühzeitig auszugleichen

vorausschauende Weideplanung (Besatzdichte und Rotationsintervalle), die eine Mindestaufwuchshöhe des Grases garantiert

Schatten (Hitzeschutzmanagement):

Erstellung eines Hitzestress-Notfallplans, der festlegt, ab welchem Temperatur-Feuchtigkeits-Index (THI) zusätzliche Beschattungsflächen oder der Zugang zu Waldstücken bereitgestellt werden müssen

dokumentierte Prüfung der nutzbaren Schattenfläche pro Tier im Hochsommer (Richtwert: zirka 3 bis 4 m² Schattenplatz pro Kuh)

Kälteschutz (Witterungs- und Kälte­management):

festgelegtes Kontrollschema für Windschutzwände und die Trockenheit der Liegeflächen (Einstreumanagement) bei der ganzjährigen Außenhaltung im Winter

Fazit

Mutterkühe leisten durch ihre Robustheit und Raufuttereffizienz einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Pflege und Nutzung von Grünland. Zur Erhaltung der Tiergesundheit müssen gesetzliche Vorgaben zur Eigenkontrolle (§ 11 Absatz 8 TierSchG) erfüllt werden. Eine systematische Überwachung des Tierwohls ist dabei unerlässlich. Die Beurteilung erfolgt über eine Kombination aus management- und tierbezogenen Indikatoren – wie die Körperkondition –, die stets im Kontext der jeweiligen Rasse und der betriebsindividuellen Standortbedingungen betrachtet werden müssen.

Grundfutter heiß begehrt

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Wer Ende Juni den Deutschen Bauerntag in Freiburg besucht hat, konnte es bei der An- und Abreise schon erahnen: Kniehohe Maispflanzen mit eingerollten Blättern deuteten früh auf eine schlechte Ernte im Südwesten hin. In der Zwischenzeit hat sich die Lage verschlimmert. Sogar der eher für Nüchternheit bekannte Deutsche Wetterdienst bezeichnete die Situation im Südwesten und Westen Deutschlands als Trockenheit von „historischem Ausmaß“.

Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) fordert nun zinslose Überbrückungskredite, eine Transportkostenbeihilfe für Futtermittel sowie einen Verzicht auf Kürzungen aus Förderprogrammen, wenn aufgrund der Trockenheit ein vorzeitiger Weideabtrieb erforderlich ist und der Mindestviehbesatz nicht eingehalten werden kann. Auf zahlreichen Maisflächen vertrocknen die Bestände. Teilweise wird bereits Futtermais gehäckselt. In der Tierhaltung müssten Betriebe schon jetzt Winterfutter einsetzen, so der BLHV. Dadurch drohe in den kommenden Monaten Futterknappheit. Gleichzeitig fehlten vielen Betrieben aufgrund der angespannten Marktlage die finanziellen Spielräume, um die zusätzlichen Belastungen aufzufangen. Erste Maßnahmen hat das Stuttgarter Landwirtschaftsministerium ergriffen, so dürfen stillgelegte Flächen zur Futterernte genutzt werden.

Schwer zu schaffen machen Hitze und Trockenheit auch den Zuckerrübenbeständen. Der Verband süddeutscher Zuckerrübenanbauer rechnet mit „gravierend niedrigen“ Zuckerrübenerträgen. Besonders betroffen seien die Anbauregionen Franken, Baden-Württemberg und Hessen-Pfalz. Sogar Bestände auf tiefgründigen Lößstandorten mit sonst guter Wasserversorgung zeigten deutliche Trockenstresssymptome. Zusätzlich breiteten sich Krankheiten wie Syndrome Basses Richesses (SBR) und Stolbur aus.

Dass es in anderen Ländern wie Frankreich, Österreich und der Schweiz nicht viel besser aussieht, verschärft die Gesamtlage. Zur Sicherung der inländischen Futterversorgung hat etwa das Berner Bundesamt für Landwirtschaft die Zölle auf Heuimporte zum 1. August aufgehoben. In einem weiteren Schritt sollen Einfuhrabgaben auf Futtermais gesenkt werden. Nicht überraschend sind daher erste Meldungen, die das Bauernblatt erreichen, dass aus dem Süden bereits Kaufanfragen für Grundfutter bei Betrieben in Schleswig-Holstein eingehen – obwohl auch im Norden zumindest die jüngsten Grünlandschnitte vielerorts dürftig ausfielen.

Das derzeitige Niedrigwasser in den Flüssen erschwere laut Der Agrarhandel (DAH) zudem die Agrarlogistik. Mit seiner Forderung, das zulässige Gesamtgewicht von Lkw von 40 auf 44 t zu erhöhen, ist der DAH beim neuen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) noch nicht durchgedungen. Trotzdem verlagern sich Transporte von Agrargütern von den Flüssen auf Straße und Schiene. Immer mehr Bundesländer lockern etwa das Sonntagsfahrverbot für Lkw.

Während einige Bundesländer und Nachbarstaaten schon Hilfspakete schnüren, zeigt sich die Bundespolitik wieder einmal schwerfällig. Das Bundeslandwirtschaftsministerium plant eines Referentenentwurfs zufolge sogar, EU-Fördermittel in Höhe von mehr als 500 Mio. € zurückzuhalten. Das ist angesichts der angespannten Lage auf vielen Betrieben schwer nachvollziehbar.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb

Landwirtschaft, Denkmalschutz und Tourismus vereint

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Bei einer Sommerexkursion auf Gut Damp erhielten Mitglieder des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein Einblicke in die landwirtschaftliche Praxis und moderne Agrartechnik. Auf dem Programm standen eine Führung über das Gut und ein Besuch der Lehrausstellung von John Deere, bei dem die Teilnehmer Wissenswertes über den technischen Aufbau von Motoren erfuhren. Zum Abschluss ging es zum Grillen auf den Agrarcampus ­Louisenlund.

Der Betrieb hat sich in den vergangenen Jahren von einem klassischen landwirtschaftlichen Betrieb zu einem vielseitigen Unternehmen in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus, Gastronomie und Veranstaltungen entwickelt. Im Bereich Tourismus wurde zunächst mit einer kleinen Gruppe im ehemaligen Kuhhaus gestartet. Während der Corona-Zeit wurden sogar Menüs für die Gäste zum Mitnehmen gepackt. Die Ferienwohnungen waren zu diesem Zeitpunkt bereits fertiggestellt, durften aufgrund der geltenden Einschränkungen jedoch noch nicht eröffnet werden. Im Oktober 2021 konnten schließlich 14 Ferienwohnungen an den Start gehen. Die Wohnungen haben eine Größe von etwa 25 bis 100 m2 und befinden sich allesamt in denkmalgeschützten Gebäuden.

Gastronomie und Jagd

Ein weiterer besonderer Bereich ist die Gastronomie. Das Jagdzimmer ist für den Restaurantbetrieb vorgesehen. Dabei wird großer Wert auf regionale Partner und Produkte gelegt. Zum Angebot gehören unter anderem rund 300 Stück Damwild, die zusätzlich aus anderen Jagden stammen. Auch im Veranstaltungsbereich hat sich der Betrieb breit aufgestellt. Eine Eventlocation bietet Raum für unterschiedliche Veranstaltungen und soll perspektivisch zu einer Destille weiterentwickelt werden. Gefeiert werden kann nach einem Baukastensystem, sodass Veranstaltungen individuell zusammengestellt werden können.

Zum touristischen Angebot gehört außerdem ein Ferienhaus für bis zu 16 Personen. Insgesamt arbeiten mittlerweile rund 60 Personen auf dem Gelände und in den verschiedenen Betriebsbereichen.

Früher wurden Tiere auf dem Betrieb gehalten. Heute liegt der Schwerpunkt auf dem Ackerbau. Foto: Laura Stolley

Von der Tierhaltungzum Ackerbau

Auch landwirtschaftlich hat sich der Betrieb stark verändert. Während früher rund 1.000 Tiere auf dem Betrieb gehalten wurden, liegt der Schwerpunkt heute auf dem Ackerbau. Bewirtschaftet werden rund 580 ha, davon etwa 480 ha Eigenland. Angebaut werden unter anderem Raps, Weizen, Gerste und Zuckerrüben. Rund 80 bis 85 ha entfallen auf Zuckerrüben. Die Aussaat und Ernte der Zuckerrüben werden nicht selbst durchgeführt, während die übrigen Arbeiten weitgehend in Eigenregie erfolgen. Von 2004 bis 2025 bestand eine Zusammenarbeit mit dem Landhandel. Zuvor wurde die Verarbeitung teilweise selbst organisiert.

Ausstellung: John-Deere-Technik

Für mehr Transparenz und eine moderne Dokumentation der landwirtschaftlichen Arbeit setzt der Betrieb auf das John-Deere-Operations-Center. Dadurch könnten Arbeitsabläufe und Maschineneinsätze nachvollziehbar dargestellt und dokumentiert werden. Ein weiterer Bestandteil des Betriebskonzeptes ist die Ausstellung von John-Deere-Technik, insbesondere im Bereich Erntetechnik und Drusch. Dadurch wird Landwirtschaft nicht nur betrieben, sondern gleichzeitig für Besucher erlebbar gemacht.

Besonders interessant ist dabei die Kombination aus moderner Landwirtschaft, Denkmalschutz, Tourismus und regionaler Wertschöpfung. Aus einem ehemaligen Tierhaltungsbetrieb ist ein breit aufgestelltes Unternehmen geworden, dessen Grundlage weiterhin die Landwirtschaft bildet, das gleichzeitig aber durch Ferienwohnungen, Gastronomie, Veranstaltungen und weitere Angebote ergänzt wird.

Das Gut Damp besitzt 14 Ferienwohnungen zwischen 25 und 100 m2 in denkmalgeschützten Gebäuden. Foto: Laura Stolley

Im Anschluss an die Ausstellung von John Deere auf Gut Damp ging der Austausch noch in geselliger Runde weiter. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern des Agrarcampus Louisenlund wurde gegrillt, gegessen und vor allem viel miteinander gesprochen. Dabei standen nicht nur die aktuelle Lage der Landwirtschaft und die Herausforderungen für landwirtschaftliche Betriebe im Mittelpunkt. Auch der Austausch über den Agrarbetriebszweig und die unterschiedlichen Perspektiven auf die Landwirtschaft boten spannende Einblicke. Gleichzeitig erfuhren die Teilnehmenden viel über den Alltag und das Leben im Internat – von der Schule über das Zusammenleben bis hin zu den vielfältigen Möglichkeiten, die Louisenlund seinen Schülerinnen und Schülern bietet.

Nach dem offiziellen Teil bekam eine kleine Gruppe noch die Gelegenheit, die Schulgebäude und verschiedenen Fachräume während einer persönlichen Führung kennenzulernen. So konnte man noch einmal einen ganz anderen Blick auf den Standort und die Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort werfen.

Souvenirs der Eiszeit

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Der Probsteier Erholungsort Stein wird „Lagune des Nordens“ genannt. Natur pur, feiner Sandstrand, blauer Himmel und flaches Wasser laden zum Verweilen ein. Doch auch wer einmal abseits des quirligen Strandlebens auf eine eiszeitliche Entdeckungstour gehen möchte, ist hier willkommen. Das Naturerlebnisangebot „Weg der Steine“ befasst sich mit der Vielfalt der in der Region vorhandenen Gesteine. Im Ort sind zwölf Findlinge aufgestellt, die typisch für Norddeutschland sind.

An diesem heißen Sommertag schallt schon von Weitem Stimmengewirr vom Strand herüber. Hier haben es sich Badegäste, Pöttegucker und Klönschnacker bequem gemacht. Etliche genießen im Wasser eine erfrischende Abkühlung, bevor sie sich wieder aufs mitgebrachte Handtuch oder in den Strandkorb setzen. Ein bisschen abseits vom Trubel bietet die Gemeinde für Genießer von Stille den „Weg der Steine“ an. Was auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen mag – schließlich machen die uralten, stummen Zeugen des Erdplaneten optisch nicht unbedingt etwas her –, entpuppt sich auf den zweiten Blick als sehenswert. Es kommt eben auf den Blickwinkel an.

Horst-Dieter Landeck und Marion Tuchel bringen es in ihrem Buch „Heilsteine vom Ostseestrand“ (Boyens, 2008) treffend so auf den Punkt: „Steine sind keine tote Materie, sie bewegen sich genau wie wir im Kreislauf des Lebens. Sie werden geboren, wachsen und zerfallen, um erneut tief in der Erde wieder eingeschmolzen zu werden und neu zu entstehen. Ein sich stetig wiederholender Kreislauf beginnt. Der Lebenszyklus eines Steins dauert gewöhnlich Millionen oder gar Milliarden von Jahren.“ Mit dieser Erkenntnis können wir Steine als besondere Naturwunder mit einer eigenen, einzigartigen Vergangenheit begreifen. Sie führen uns vor Augen, wie flüchtig doch unser Dasein im Vergleich zur zeitlichen Dimension der Erdgeschichte ist.

Weg der Steine

Auf dem etwa 3 km langen Weg der Steine, der vor rund 20 Jahren angelegt wurde, gibt es zwölf Findlinge. Die Hälfte der Steine ist auf dem Landesschutzdeich platziert. Die anderen sind nah beieinander im Dorf verteilt und führen in ruhige Wohnstraßen. Alle stammen aus Skandinavien und machten sich, während der Eiszeiten in den Gletschern auf ihre lange Reise in unsere Landschaft. Als der Eispanzer schmolz, blieben sie hier liegen. Wir starten am Stein 1. Der gleichkörnige Granit ist nicht nur der erste, sondern auch der größte Findling auf der Route, stammt aus Südschweden und hat ein Alter von 1,8 Milliarden Jahren. Auf ihm wurden das Wappen der Gemeinde und die Jahreszahl 1240 verewigt, die angibt, wann Stein urkundlich erstmals erwähnt wurde. Umrahmt von blühenden Rosen begrüßt der wuchtige Riese in der Ortsmitte Einheimische und Gäste.

Einen Übersichtsplan mit den Findlings-Standorten gibt es in der Gästeinformation und auf einer Infotafel in Sichtweite des zwölften Steins. Foto: Silke Bromm-Krieger

Am Rande des Parkplatzes Steilküste/Ellernbrook steht der zweite Findling. Er ist ebenfalls ein Granit aus Südschweden und 1,8 Milliarden Jahre alt. Auf dem eingelassenen Messingschild wird er als „porphyrisch“ bezeichnet. Das bedeutet, dass er deutlich sichtbare Kristalle der für Granit charakteristischen Minerale Feldspat, Quarz und Glimmer enthält, die in eine feinere bis mittelgroße kristalline Grundmasse eingebettet sind. Solch ein Gefüge bildet sich aus glutflüssigen Schmelzen, aus Magma. Tatsächlich fallen kleinste Einschlüsse in unterschiedlichen Farbnuancen auf, die leicht glitzern. Beim Darüberstreichen spürt man die raue Oberfläche, die durch Sonneneinstrahlung ganz warm geworden ist.

Stein 3: Gneis mit Fremdgesteinsbruchstück Foto: Silke Bromm-Krieger

Von seinem Standort führt ein Fußweg Richtung Strand. An dessen Ende befindet sich auf der linken Seite Stein 3. Seine Beschriftung weist ihn als „Gneis mit Fremdgesteinsbruchstück“ aus. Er ist ein metamorphes Gestein. Was das bedeutet? Gesteine werden in der Geologie anhand ihrer Entstehung in drei Hauptgruppen unterteilt: magmatische Gesteine (Granit, Basalt), Sedimentgesteine (Sandstein, Kalkstein) und metamorphe Gesteine (Gneis, Marmor). Im Infoblatt zum Weg der Steine, das die örtliche Gästeinformation bereithält, wird bemerkt, dass bei Gebirgsbildungen durch die Kollision kontinentaler Platten die Gneise entstanden. Sie sind Gesteine, die unter großer Hitze durch Druck und Bewegung im festen Zustand verformt wurden. Auf dem Gneis ist auf der Nordwestseite ein großer, grauer Einschluss zu erkennen, das Fremdgesteinsbruchstück.

Milliarden Jahre alt

Noch ein paar Schritte weiter geradeaus, und wir erreichen den Beach­club und das Restaurant „Gut Salzig“. Hier steht am Rand des Grundstücks Stein 4, ein Jotnischer Sandstein. Er stammt aus der erdgeschichtlichen Epoche des Jotniums, ist etwa 1,3 Milliarden Jahre alt und gehört zu den Sedimentgesteinen. Wie diese entstehen, auch darüber gibt das Infoblatt Auskunft: „Wenn Gesteine Wind und Wetter ausgesetzt sind, zerfallen sie langsam. Übrig bleibt nur Sand. Dieser besteht aus kleinen, gerundeten Quarzkörnern, die sehr verwitterungsresistent sind. So werden ganze Gebirge abgetragen. Dieser Sand kann durch Druck und Bindemittel wieder verkittet werden. Das Ergebnis ist Sandstein wie beim Findling Nummer 4.“ Einige Meter rechts davon befindet sich der fünfte Stein, ein Grauer Gneis.

Wieder auf dem Weg Richtung Strand erreichen wir ein hübsch angelegtes Rondell. Es ist von einer niedrigen Steinmauer eingefasst, auf der Rosen wachsen. In der Mitte finden wir auf einem Beet inmitten von sanft im Wind schwingenden Gräsern Findling 6. Er ist ein Biotitgneis mit rotem Feldspat, eine häufige Unterart des Gneises. Sein Glimmeranteil besteht überwiegend aus Biotit, einem dunklen Glimmermineral.

Wenn Kinder mit auf Tour sind, können sie sich hier in Sichtweite auf dem im Frühjahr 2023 eröffneten 3.500 m² großen Inklusionsspielplatz austoben. Es ist an der Ostsee der erste Inklusionsspielplatz und bietet abwechslungsreiche, barrierefreie Beschäftigungs- und Bewegungsangebote für Jung und Alt. Ein Besuch lohnt sich.

Gneis, Gabbro und Granit

An dieser Stelle angekommen, haben wir auch fast schon den Strand erreicht. Aber wir biegen rechts auf den Landesschutzdeich ab, auf dem man herrlich spazieren gehen kann. Von dort hat man zudem einen fantastischen Rundumblick in die Natur und aufs Meer. In der Ferne ist die Ostseeidylle Wendtorf mit ihren markanten Bauten, einem Museumshafen und Ferienhäusern im dänischen Stil zu sehen.

Vom Landesschutzdeich kann man eine fantastische Aussicht aufs Meer genießen. Foto: Silke Bromm-Krieger

Die Steine 7 bis 12 sind so verteilt, dass sie neben Sitzbänken angeordnet sind. Wanderer können sich also jederzeit für eine Pause setzen und mit Abstand das bunte Treiben auf der Deichwiese oder am Wasser beobachten. Stein 7 ist ein Gang aus Alkalifeldspat. Gangsteine sind Gesteine, die in Spalten der Erdkruste aufsteigen, aber auf ihrem Weg an die Oberfläche stecken bleiben und dort erkalten.

Stein 10: Orthogneis – er entstand unter hohem Druck und großer Hitze. Foto: Silke Bromm-Krieger

Stein 8 ist der über eine Milliarde Jahre alte Gabbro. Er ist wie Findling 1 und 2 ein magmatisches Gestein und auffällig dunkel. Magmatisches Gestein entsteht, wenn Magma (geschmolzenes Gestein) durch eine starke Abkühlung erstarrt. Solche Gabbros kommen vielerorts in Skandinavien vor. Allerdings sind diese Vorkommen meist sehr viel kleiner als die der Granite. Ein gestreifter Gneis ist Stein 9. Er zeigt einen dünnen, tiefschwarzen Gang, der ursprünglich aus Basalt entstand. Einige Meter weiter steht der zehnte Stein, ein Orthogneis. Solch ein Stein wird unter hohem Druck und großer Hitze im Erdinnern umgewandelt.

Der elfte Stein beinhaltet Gneisfragmente in Feldspat. Die Einschlüsse sind grau, das einschließende Gestein ist rötlich. Langsam nähern wir uns schon dem letzten Stein, einem Granit. Er wurde durch hohen Druck und große Hitze tief in der Erdkruste strukturell verändert, ohne dabei zu schmelzen. Nach einer knappen Stunde sind wir am Ende des Weges angekommen. Jetzt ist die perfekte Gelegenheit, die vielfältigen gastronomischen Angebote der Gemeinde kennenzulernen.

Wie wäre es mit einem leckeren Fischbrötchen vom Fischimbiss Rönnau am Dorfanger? Die schönste Erkenntnis der Tour: Die Steine waren keineswegs langweilig. Sie machten vielmehr Lust, einmal selbst auf Steinsuche am Ostseestrand zu gehen und nach kleineren Exemplaren wie Donnerkeil, Hühnergott, Feuerstein und Co. Ausschau zu halten. Weitere Infos in der Steiner Gäste­information, Dorfring 20 oder unter www.stein-wendtorf.de



Rolf Reinicke: „Steine am Ostseestrand“, Demmler Verlag

Der Autor ist Geologe und möchte Laien ohne komplizierte wissenschaftliche Erklärungen an Gesteine und Fossilien heranführen. Er zeigt und beschreibt die wichtigsten Strandsteine und erklärt, wie sie entstanden sind, woher sie kommen und welche Besonderheiten sie haben.

12 €

ISBN: 978-3-944102-66-5

Sommertour: Ministerin informiert sich über Green Care

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Zum Auftakt ihrer diesjährigen Sommertour besuchte Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) am Montag das Projekt der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) „Green Care“ auf dem Hof Koxbüll in Süderhackstedt.

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) ist Lead-Partner des Projekts und setzt es gemeinsam mit zehn landwirtschaftlichen Betrieben, dem Maschinenring Mittelhol­stein und wissenschaftlicher Begleitung durch die Universität Kassel um.

Auf einem Rundgang über den Betrieb Koxbüll gab Landwirtin Anne Wiencke Einblicke in die praktische Umsetzung des Projekts und erläuterte, welche sozialen und pädagogischen Angebote auf dem Hof umgesetzt werden. Green Care beziehungsweise Soziale Landwirtschaft verbindet die landwirtschaftliche Erzeugung mit sozialen und pädagogischen Angeboten. Damit können landwirtschaftliche Betriebe neue Einkommensmöglichkeiten erschließen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge für Menschen mit Beeinträchtigungen oder pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren im ländlichen Raum leisten. Im Rahmen des EIP-Projektes werden Best-Practice-Beispiele untersucht und Erfahrungen gesammelt, wie sich entsprechende Angebote erfolgreich als eigener Betriebszweig etablieren lassen.

Kammerpräsidentin Ute Volquardsen unterstrich die Bedeutung des Themas: „Die hohe Nachfrage zeigt: Green Care ist ein Zukunftsthema. Jetzt gilt es, die aufgebauten Netzwerke und Beratungsstrukturen über die Projektlaufzeit hinaus nachhaltig zu sichern.“

Bundespferdefestival in Bad Segeberg

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Wie angekündigt veranstaltete der Pferdesportverband Schleswig-Holstein (PSH) in Bad Segeberg ein fröhliches Wochenende mit vielen Reitpferde- und Ponyrassen. Zum zweiten Mal fungierte das Pferdefest des Nordens auch als Gastgeber des Bundespferdefestivals. Etwas mehr als 600 Pferde und Ponys aus ganz Deutschland starteten rund 1.000 Mal in den 90 Wettbewerben.

Auf dem weitläufigen Gelände des Landesturnierplatzes trafen unterschiedlichste Pferderassen, Reitweisen und Disziplinen aufeinander. Flinke Islandpferde, elegante Barockpferde, Westernreiter, Gespannfahrer, Voltigierer und viele weitere Pferdesportbegeisterte zeigten die große Vielfalt rund ums Pferd. Auch Hobby-Horsing, Mounted Games, Bodenarbeit und gebisslose Wettbewerbe gehörten zu dem abwechslungsreichen Programm.

Voltigieren gab es wieder für alle Altersklassen, in Gruppen, im Pas de Deux und im Einzel, mit Kostüm und ohne. Foto: Stabley Team

In diesem Jahr wurde im Rahmen des Bundespferdefestivals auch ein Länderwettbewerb ausgetragen. Die kombinierte Prüfung aus vier Pflichtaufgaben und einem Joker lockte sechs Mannschaften an den Start. Auf den ersten und zweiten Platz kamen die zwei Teams aus Schleswig-Holstein. Die Mannschaften aus Hannover, Hamburg und dem Rheinland hatten das Nachsehen. „Wir können hier vor Ort natürlich aus dem Vollen schöpfen“, stellte Miriam Engel-Zinßius fest. Die Referentin für Breitensport, Vereine und Betriebe des PSH gestand zu, dass es bei einer weiten Anreise schwieriger sei, eine Mannschaft aufzustellen.

Auch in der Working Equitation gibt es eine Führzügelklasse. Hier siegte Jonna Tautz. Foto: Stabley Team

Engel-Zinßius ist hauptamtlich mit der Organisation des Breitensportturniers betraut. An ihrer Seite sind so viele ehrenamtliche Organisatoren und Helfer wie bei keinem anderen Turnier des PSH. „Wir haben sehr aufwendige Prüfungen, zum Beispiel die Gelassenheitswettbewerbe“, erklärte sie. „Dort brauchen wir Menschen, die einen Schirm auf- und zumachen, den Dosensack rütteln und vieles mehr. Dazu die Richter, die Aufpasser an den Abreiteplätzen und die vielen Organisatoren anderer Prüfungen.“ Zum Teil finden die Wettbewerbe auf zehn Plätzen gleichzeitig statt. Mehr als 150 Personen sind an der Durchführung des Turniers beteiligt: manche nur für einen Nachmittag, manche schon beim Aufbau und dann über das ganze Wochenende.

Den gebisslosen Rittigkeitswettbewerb für Fortgeschrittene gewann Lara Penzel vom Reit- und Fahrverein Tellingstedt, Kreis Dithmarschen, mit Luna. Foto: Stabley Team
Auch drei Quadrillenwettbewerbe gehörten zum Programm. Foto: Lina Thiedemann/Rathmann Verlag
Michelle Menger und ihr blindes Scheckpony Amigo gewannen den Wettbewerb „Das alte Pony“. Foto: Lina Thiedemann/Rathmann Verlag
In der Kategorie Pflege- und Musterwettbewerbe gibt es die Prüfung „Fein herausgebracht vorgeführt“. Jette Müller stellte hier erfolgreich den Holsteiner Commander vor. Foto: Stabley Team
Jonna Göttsche siegte im schweren Springwettbewerb im Hobby Horsing. Foto: Stabley Team


Doch die Arbeit lohnt sich, ist das Pferdefestival doch eine Veranstaltung, bei der wirklich jeder mit seinem Pferd mitmachen kann. An den vielen Bodenarbeitsprüfungen können auch Pferde teilnehmen, die nicht mehr geritten oder gefahren werden. Dadurch entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, das auch die Reiter aus den anderen Landesverbänden bemerkt haben. Der Umgangston ist freundlich und hilfsbereit. Da es die Möglichkeit gibt, einen Paddock abzustecken, kann für die Dauer der Veranstaltung in Bad Segeberg gecampt werden. So ist das Wochenende für viele ein Festival mit Pferd.

Carola Körner und Estragon nahmen am Wettbewerb „Das alte Pferd“ teil und wurden Zweite. Foto: Lina Thiedemann/Rathmann Verlag

Farne bringen ruhiges Grün in den Garten

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Die Zeiten, in denen Farne eher stiefmütterlich behandelt wurden und allenfalls in abgelegenen Gartenecken zu finden waren, sind glücklicherweise vorbei. Denn mit ihrem fächerförmigen Wuchs bilden Farne attraktive grüne Ruhepole und erzeugen gleichzeitig eine geheimnisvolle Stimmung in den schattigen Bereichen des Gartens.

Der Streifenfarn kommt gut in Mauer- und Felsspalten zurecht. Foto: Karin Stern
Einige Sorten des Hirschzungenfarns zeigen gewellte Blattränder. Foto: Karin Stern

So bringen der robuste Frauenfarn (Athyrium) oder der Weiche Schildfarn (Polystichum setiferum) mit üppigen Horsten Schwung in Ensembles im lichten Schatten unter Laubbäumen oder -gehölzen. Einige Arten wie Pfauenradfarn (Adiantum pedatum), Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) oder Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris) eignen sich mit ihrem Ausbreitungsdrang prima, um auch größere Schattenflächen zu begrünen. Andere Vertreter hingegen, wie der stattliche Königsfarn (Osmunda regalis), erhalten besser eine Einzelstellung. Hier kommen die majestätischen Wedel am besten zur Geltung. Tipp: Königsfarn kann sehr alt werden und wird mit den Jahren immer mächtiger, daher den Standort sorgfältig auswählen.

Einige Farne können auch problemlos im Kübel kultiviert werden. Foto: Karin Stern

Im Allgemeinen zeigen sich Farne ohnehin sehr langlebig und pflegeleicht, sofern sie optimale Bedingungen vorfinden. Als typische Waldbewohner bevorzugen Farne einen halbschattigen bis schattigen Platz mit feuchtem, humosem Boden. Tipp: Vor der Pflanzung den Ballen kurz in Wasser tauchen, damit er sich vollsaugen kann. Man setzt den Farn etwas tiefer, als er vorher im Topf stand. Anschließend die Erde gut andrücken und mit etwas Rindenmulch bedecken. Das hält die Feuchtigkeit im Boden und vermindert den Gießaufwand. Wer das Herbstlaub einfach unter Bäumen und Sträuchern verrotten lässt, führt auf diese Weise den von Farnen so geschätzten Humus zu. Für Neupflanzungen empfiehlt sich besonders das Frühjahr, auch wenn getopfte Farne generell bei offenem Boden gesetzt werden könnten. Die Pflanzung zu Beginn der Saison bietet dem Farn jedoch ausreichend Zeit, um sich vor dem Winter am neuen Standort zu etablieren.

Eine kleine Gruppe der Farne bevorzugt eher steinigen Boden. Dazu gehören Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium), Rippenfarn (Blechnum spicant), Brauner Streifenfarn (Asplenium trichomanes) und Tüpfelfarn (Polypodium). Die beiden Letztgenannten geben sich sogar mit schmalen Spalten in Mauern zufrieden. Dennoch legt auch diese Gruppe Wert auf ausreichende Bodenfeuchtigkeit und Schatten.

Das silbrig-purpurfarbene Laub des Regenbogenfarns ist im Pflanzenreich schon recht einzigartig. Foto: Karin Stern

Empfehlenswerte Arten für schattige Gartenbereiche (Auswahl):

Gemeiner Wurmfarn (Dryopteris filix-mas): 60 bis 120 cm hoch, gefiederte Wedel bilden aufrechte Horste, optimal als Lückenschließer oder kontrastgebender Begleiter, auch für Kübel.

Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium): 10 bis 40 cm hoch, immergrüner Farn mit ungeteilten Blättern, einige Sorten mit gewellten Wedeln, schön für den schattigen Beethintergrund als Kulisse für Blütenpflanzen, gute Nachbarn sind Funkie, Silberkerze und Schaublatt.

Regenbogenfarn, Brokatfarn (Athyrium niponicum): 40 bis 60 cm hoch, silbergraue Wedel, buschiger, ausladender Wuchs, die Sorte ‚Burgundy Lace‘ ist mit silbrig-purpurfarbenem Laub ein exotischer Hingucker.

Sichelfarn (Cyrtomium fortunei): 40 bis 60 cm hoch, Wedel mit markanten, breit sichelförmigen Blättchen in kräftigem Dunkelgrün, passt toll zu Rhododendron und Azaleen

Straußenfarn, Trichterfarn (Matteuccia struthiopteris): 80 bis 100 cm hoch, große, gleichmäßige Wedeltrichter, breitet sich über kriechende Rhizome aus, die kompakten Rosetten kommen am besten in der Gruppe zur Geltung.

Breitwedel-Dornfarn (Dryopteris dilatata): 50 bis 70 cm hoch, drei- bis vierfach gefiederte Wedel, wintergrün, sehr guter Flächendecker unter Gehölzen oder am Gehölzrand

Pfauenradfarn (Adiantum pedatum): 30 bis 60 cm hoch, guter Flächendecker mit fein gefiedertem, hellgrünem Laub, sternförmig abstehende Wedel, schön am Teichufer oder zu Prachtspiere, Funkie oder Wald-Glockenblume

Rotschleierfarn (Dryopteris ery­throsora): 40 bis 80 cm hoch, stabile, wintergrüne Wedel mit Farbenspiel von Rötlich bis Dunkelgrün, Neuaustrieb zeigt eine rötliche Färbung, schön zu Rhododendron und Schattenstauden, in kleinen Gruppen pflanzen

Flaumfeder-Filigranfarn ‚Plumosum Densum‘ erfreut mit feinem und Laub. Foto: Karin Stern
Der Rotschleierfarn bringt zusammen mit Nelke und rotlaubigem Fächerahorn Farbe ins Spiel. Foto: Karin Stern
Der Sichelfarn zeigt eine interessante Blattform. Foto: Karin Stern
Straußenfarn breitet sich über kriechende Rhizome aus. Foto: Karin Stern


Kleinere Ernte und Probleme im Asowschen Meer

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Das Moskauer Forschungszentrum für Agrarökonomie (Sov­econ) hat seine Prognose für die russische Weizenernte nach unten korrigiert. Erwartet wird von den Marktexperten ein Gesamtaufkommen von 88,3 Mio. t; erst Ende Juni hatte Sovecon seine Schätzung von 90,3 auf 88,9 Mio. t abgesenkt.

Nach Einschätzung der Fachleute ist die Anbaufläche von Sommerweizen kleiner als angenommen; hinzu kommen „schwächere Aussichten“ für die Weizenernte. Im vergangenen Jahr waren in Russland rund 91 Mio. t Weizen vom Halm geholt worden.

Geringere Nachfrage?

Kleiner als bisher erwartet dürften laut Sovecon auch die Weizenexporte ausfallen. Hier wurde die Prognose für das Wirtschaftsjahr 2026/2027 um 1,9 auf 44,6 Mio. t nach unten revidiert. Neben der kleineren Ernte haben die Marktexperten die schwache Nachfrage großer Käufer einberechnet. Sie gehen davon aus, dass etwa Ägypten und die Türkei weniger Weizen zukaufen werden, da sie selbst relativ große Erntemengen erwarten.

Abgesenkt hat Sovecon zudem seine Prognose für den Export von Gerste, und zwar um 0,2 auf 3,2 Mio. t. Abstriche in gleicher Größenordnung wurden an der Ausfuhr von Mais vorgenommen; hier wird eine Exportmenge von 3,6 Mio. t erwartet. Insgesamt beziffert Sovecon die russischen Ausfuhren von Getreide und Hülsenfrüchten für 2026/2027 auf 53,8 Mio. t; zuvor war mit einem Exportpotenzial von 56,1 Mio. t gerechnet worden.

„Logistischer Schock“

Sorgen bereitet den Russen derzeit die Schließung der zivilen Schifffahrt im Asowschen Meer. Diese wurde im Juli wegen ukrainischer Drohnenangriffe auf Tanker und Frachter weitgehend ausgesetzt beziehungsweise stark eingeschränkt. Ukrainische Quellen sprechen von mehr als 100 angegriffenen russischen Schiffen innerhalb weniger Tage. Aus Sicht von Sov­econ ist die Schließung dieses wichtigen Exportweges ein „logistischer Schock“. Gemeldet wurden außerdem ukrainische Angriffe auf die Route durch das Kaspische Meer in den Iran.

Es sei nicht davon auszugehen, dass sich die Situation auf dem Asowschen Meer in den kommenden Wochen normalisieren werde, so die Moskauer Analysten. Dadurch werde mehr Getreide in Russland verbleiben, was den Druck auf den Inlandsmarkt erhöhe und die Weltmarktpreise stütze. Sollte der Seeweg über das Asowsche Meer wieder geöffnet werden, sei allerdings mit einer schnellen Erholung des Exportgeschäfts zu rechnen. Dafür sprächen die niedrigen Inlandspreise, durch die Händler attraktive Exportmargen erzielen könnten. Allerdings seien die Kosten für Versicherung und Fracht gestiegen.

Preise sinken

Von der Plattform Agroinvestor wurde unterdessen gemeldet, dass die inländischen Getreidepreise in Russland weiterhin rapide fallen. Das sei generell nicht ungewöhnlich, wenn die neue Ernte auf den Markt stoße. Hinzu komme nun aber die geringe Nachfrage vonseiten der Exportunternehmen. Dementsprechend gebe es zwar genügend Getreide, aber zu wenige Käufer. Die weitere Entwicklung hängt im Wesentlichen von einer Normalisierung der Schifffahrt ab. age

Ukraine leitet Weizenexporte um

Mykola Gorbatschow Foto: Imago

Die internationale Nachfrage nach ukrainischem Weizen bleibt trotz der Aussetzung der Getreideexporte über die Häfen von Groß-Odessa bestehen. Das meldet die Plattform agrarportal.ua Aufgrund der verstärkten russischen Angriffe bewerten viele Reeder und Versicherer die Sicherheitslage derzeit als kritisch und laufen deshalb die Terminals nicht mehr an. Mittlerweile werden Exportlieferungen über Donauhäfen umgeleitet und anschließend über das rumänische Constanta auf den Weg gebracht.

Nach Ansicht von Marktexperten ist die Donau zwar weiterhin eine wichtige Alternative für die Exporte. Aufgrund begrenzter Kapazitäten, niedriger Wasserstände und höherer Logistikkosten könne sie jedoch die Tiefwasserhäfen von Groß-Odessa nicht vollständig ersetzen. Die Wiederinbetriebnahme der Schwarzmeerhäfen bleibe daher eine entscheidende Voraussetzung für die Rückkehr zu den gewohnten Exportmengen, so die Fachleute.

Der Präsident der Ukrainischen Getreidevereinigung, Mykola Gorbatschow, rechnet für die Donau nur mit einem Maximaldurchsatz von etwa 2,5 Mio. t Getreide, Öl, Mehl und anderer Fracht pro Monat. „Die Donau wird auf die gleiche Weise beschossen wie die Häfen von Groß-Odessa; also wird sie keine vollwertige Alternative sein“, gab Gorbatschow zu bedenken. Zudem sei der Wasserstand der Donau mittlerweile auf dem niedrigsten Niveau seit 30 Jahren, weshalb die Schiffe nur noch zu einem Drittel beladen werden könnten. age

Gemeinsam. Mit Herz und Stimme!

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Noch leere Plätze in der Nordmarkhalle

„Die Bühne ist noch leer, aber bald wird sie sich mit Leben füllen“, freut sich Sven Zimmermann. Vor seinem geistigen Auge ist die Technik bereits aufgebaut, die Scheinwerfer sind auf ihn und seine Mitstreiter Janina Srugis-Reese und Heiko Reese gerichtet.

„Vor allem aber sind die Ränge in der Nordmarkhalle bis auf den letzten Platz mit glücklichen Menschen gefüllt. Denn wir tun hier genau das, was uns allen so viel Spaß bereitet – gemeinsam singen.“

Man kennt das Format als Mitsingkonzert, Rudelsingen oder Sing­Along. Aber egal welchen Namen es trägt, gemeint ist immer das Gleiche: Man kommt mit größtenteils fremden Menschen zusammen und trällert gemeinsam Hits der vergangenen Jahrzehnte. „Die Idee ist nicht neu. Aber sie ist genial, und viele Menschen haben sich bereits in dieses Format verliebt“, weiß Sven Zimmermann. Längst hat er es ebenfalls für sich entdeckt – nur steht er dabei eben auf der Bühne. „Ich bin aber eigentlich gar nicht wichtig“, betont er. „Ich sorge für Hintergrundmusik und Rhythmus. Außerdem mache ich denen Mut, die sich vielleicht erst einmal nicht so richtig trauen, laut mitzusingen.“ Im Laufe eines Konzerts, das ja eigentlich keines ist, weil man nicht zuhört, sondern Teil des Ganzen ist, wird aus Fremden eine singende Gemeinschaft. „So schnell und so einfach schafft das nur Musik“, ergänzt er.

Singen verbindet

Sven Zimmermann, ehemaliges Mitglied der Band Godewind (Gesang, Gitarre, Bass), wird mit Godewind-Urmitglied Heiko Reese und dessen Frau Janina Srugis-Reese (Sängerin und Chorleiterin) gemeinsam durch das Mitsing-­Erlebnis führen. Fotos: Dr. Claudia Kleimann-Balke

Es ist vor allem dieser Gemeinschaftsgedanke, den Sylke Messer-Radtke an Mitsingkonzerten so schätzt. „Singen verbindet, schenkt Freude und macht Spaß“, erzählt die Vizepräsidentin des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein. „Wir dachten uns, so ein Mitsingkonzert wäre auch perfekt für unsere LandFrauen. Und wir können doch alle ein bisschen Leichtigkeit im Alltag gebrauchen.“

Seit einigen Wochen laufen im Hintergrund die Vorbereitungen für das Mitsingkonzert. Veranstaltungsort ist die historische Nordmarkhalle in Rendsburg. Im Obergeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes befindet sich eine große Mehrzweckhalle mit charmanter Atmosphäre. Gut 500 Sängerinnen und Sänger finden dort bequem Platz.

Was wollen wir singen?

Nun geht es an die Auswahl der Lieder. „Ich habe eine Liste mit den 50 meistgesungenen Songs meiner vergangenen Mitsingkonzerte zusammengestellt“, erklärt Sven Zimmermann. „Das sei schon mal verraten: Ihr kennt sie alle!“ Ob man 99 Luftballons steigen lassen möchte, sich ein Bett im Kornfeld wünscht, dem Bossa Nova die Schuld gibt oder an der Himmelstür klopfen möchte – es ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Dabei geht es übrigens nicht darum, besonders schön zu singen oder immer den richtigen Ton zu treffen. Das ist beides zweitrangig. „Es geht ganz einfach darum, Spaß zu haben und gemeinsam etwas Schönes zu erleben“, fasst Sylke Messer-Radtke zusammen. „Deshalb haben wir unserem Mitsingkonzert auch einen passenden Titel gegeben: ,Gemeinsam. Mit Herz und Stimme! Das große Mitsing-Erlebnis.‘ Ich finde, das sind doch genau wir LandFrauen.“

Info

Gemeinsam. Mit Herz und Stimme! Das große Mitsing-Erlebnis.

1. November, 14 bis 17 Uhr in der Nordmarkhalle, Rendsburg

von LandFrauen für LandFrauen und alle, die mitmachen möchten

Tickets 18 € (zuzüglich Vorverkaufsgebühr) über:

landfrauen-sh.de, eventfrog.de

Durchschnittliche Ernte bei hoher Qualität

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Die Wintergerste ist auf den Ackerbaubetrieben in Schleswig-Holstein weiterhin fest etabliert. Auf einer Fläche von rund 72.800 ha wurde die Frucht in diesem Jahr laut Schätzung des Statistikamtes Nord angebaut. Damit bleibt sie in den Ackerbaubetrieben nach dem Winterweizen die zweite große Marktfrucht. Der Grund dafür liegt vor allem in ihrer stabilen Ertragsleistung im Durchschnitt der vergangenen Jahre, auch wenn der inländische Futtermarkt in den vergangenen Jahren eher geschrumpft ist. In den Landessortenversuchen wurden in allen Naturräumen verschiedene Sorten geprüft, um regionalspezifisch Anbauempfehlungen geben zu können.

Nachdem die Wintergerste im Herbst 2025 unter vergleichsweise warmen und relativ trockenen Bedingungen überwiegend gut bestellt werden konnte, ausgenommen spätere Saaten mit bereits feuchteren Böden, setzte ab Oktober landesweit eine ausgeprägte Regenphase mit hohen Niederschlagssummen ein. Dadurch kam es teilweise zu verschlämmten Bedingungen an der Bodenoberfläche sowie häufiger auftretendem Herbizidstress auf Ackerfuchsschwanzstandorten. Durch die im Dezember eintretende Vegetationsruhe fand bis Mitte März keine weitere Entwicklung statt, sodass im Vergleich zu anderen Jahren einige Flächen mit geringerer Bestockung ins Frühjahr gestartet sind. Insbesondere auf den ausgedünnten Flächen kam es in der Andüngung auf eine startbetonte Düngestrategie an, die in aller Regel die erforderliche Bestandesdichte gesichert hat.

Durch einsetzende Trockenheit ab April war auch die anfangsbetonte Düngung überwiegend von Vorteil. Neben Trockenheit war das Frühjahr auch gekennzeichnet durch eine starke Schwankung der Temperaturen zwischen Tag und Nacht, die südlich des Kanals häufig auch in den Minusbereich fielen. Gleichzeitig war das Frühjahr insgesamt geprägt durch einen geringen Krankheitsdruck, selbst in der Kornfüllung spielte Zwergrost nur eine untergeordnete Rolle. Dabei fiel aber an einigen Standorten ein später Befall von Ramularia auf, der einerseits schwer von vorhandenen Blattflecken zu differenzieren war, andererseits aufgrund des Auftretens zum Ende der Kornfüllung ertraglich vermutlich nur geringfügig ins Gewicht gefallen sein dürfte. Zudem spielte die Trockenheit in Verbindung mit der Hitze und regional oftmals nur wenigen Niederschlägen eine bedeutende und kritische Rolle in der Pflanzenentwicklung.

Am Standort Loit kam der Landessortenversuch Wintergerste verhältnismäßig dünn und schwach bestockt aus dem Winter.

Landessortenversuche in den Regionen

Die Landessortenversuche (LSV) Wintergerste wurden in allen Naturräumen mit jeweils zwei beziehungsweise drei Standorten angelegt. Wie gehabt erfolgte die Anlage jeweils zweistufig, wobei in der unbehandelten Stufe 1 auf Fungizide verzichtet wird, um Krankheitsbonituren zu ermöglichen, und der Wachstumsregler weggelassen oder deutlich reduziert wird, um die Lageranfälligkeit einer Sorte charakterisieren zu können, ohne aber die Beerntbarkeit des Versuchs durch Lager zu gefährden. In der behandelten Stufe 2 (ortsübliche Behandlungsintensität) werden nach einem vereinheitlichten Behandlungsplan Fungizid und auch Wachstumsregler appliziert, wobei aber insbesondere Wachstumsreglermengen an die jeweilige Situation angepasst werden. Der LSV am Standort Sönke-Nissen-Koog musste bereits im Frühjahr abgebrochen werden, nachdem Staunässe den Versuch über Winter geschädigt hatte. In Futterkamp führte ein technischer Defekt während der Ernte dazu, dass der LSV nicht in die Wertung miteinbezogen werden konnte. Somit liegen insgesamt LSV-Ergebnisse von fünf Standorten zur Auswertung vor.

Erträge in den Landessortenversuchen

Von den Marschstandorten stand der Standort Barlt für die Auswertung zur Verfügung. Hier wurde ein Ertragsniveau von 105,3 dt/ha im Mittel über die Bezugssorten gefunden (Tabelle 1). Angesichts der verschlämmten Bedingungen aus dem nassen Winterhalbjahr ist dieses Ergebnis zufriedenstellend. Auf der Geest war mit 75,0 dt/ha in Schuby und 100,7 dt/ha am etwas besseren Standort Groß Offenseth ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis erreicht, insbesondere in Anbetracht der trockenen Bedingungen mit Beginn der Kornfüllung (Tabelle 2). Im Östlichen Hügelland lag das Ertragsniveau auf dem südlichen Standort Kastorf bei 108,4 dt/ ha, was in Teilen auch auf die Trockenheit und Hitze in der Kornfüllung zurückgeführt werden kann (Tabelle 3). Am Standort Loit, der weniger durch Trockenstress wie auch durch Hitze geprägt war, lag das Ertragsniveau mit 117,6 dt/ha am höchsten.

Qualitäten in den Versuchen

Das für die Vermarktung wesentliche Merkmal Hektolitergewicht konnte an allen Standorten ermittelt werden und ist in Tabelle 4 dargestellt. Insgesamt befanden sich die Werte auf einem hohen bis sehr hohen Niveau. Die höchsten Werte im Mittel über alle am Standort Barlt geprüften Sorten lagen bei 72,6 kg/hl. Das entspricht bereits einem guten Zweizeiler-Niveau. Mit 67,2 und 67,7 kg/hl wurde in Schuby und in Groß Offenseth ebenso ein sehr gutes Niveau für sandige Standorte erreicht. In Kastorf lag das Hektolitergewicht mit 66,8 kg/ hl im Vergleich am niedrigsten, was in etwa auch Beobachtungen aus der Praxis entspricht, wonach im Südosten von Schleswig-Holstein teilweise die Qualität der geernteten Partien knapp war. In Loit lag bei besserer Wasserversorgung die Qualität mit 70,1 kg/hl ebenso auf einem sehr hohen Niveau. Hinsichtlich des Erreichung der für die Vermarktung kritischen Schwelle von 63 kg/hl waren alle Sorten erfolgreich. Allerdings liegen einzelne Sorten im Vergleich etwas schwächer. So hat in den vergangenen Jahren im Östlichen Hügelland die Sorte ‚SU Majella‘ trotz besserer Einstufung Schwächen gezeigt. Auch die neue Sorte ‚SU Lenoria‘ zeigt im ersten Prüfjahr tendenziell Schwächen.

Empfohlene Sorten für den Anbau

Für den Anbau empfehlen sich nach wie vor Sorten, die in die jeweilige betriebliche und Anbausituation passen sowie hinsichtlich ihrer Vermarktbarkeit sicher sind. Vorausgesetzt, es soll eine Eigenverwertung über den Futtertrog stattfinden, spielt das Hekto­litergewicht eine geringere Rolle. Grundsätzlich sollten Sorten, mit denen gute Erfahrungen gemacht worden sind, weiterhin ihre Anbauberechtigung im Betrieb behalten. Von den aktuell in den Landessortenversuchen geprüften Sorten erhalten die in den Tabellen 5 bis 7 dargestellten eine Empfehlung für den Anbau in den jeweiligen Naturräumen.

Die Kornqualität war in diesem Jahr in den Versuchen durchweg auf einem sehr hohen Niveau.

Die Sorte ‚Esprit‘ erhält mittlerweile aufgrund nachlassender Leistung noch eine auslaufende Empfehlung in allen Naturräumen. Punkten kann sie neben ihren Schwächen bei Zwergrost und einem leichten Rückstand im Ertrag aber mit einer sicheren Kornqualität.

Auch für alle Standorte empfohlen ist ‚Julia‘ aufgrund ihrer konstant hohen Ertragsleistung bei guter Agronomie und guter Gesundheit. Mit leichten Schwächen bei Rhynchosporium und manchmal knappem Hektolitergewicht hat sie jedoch die Resistenz gegen das Gelbmosaikvirus Typ 2 und bietet sich damit einschränkungslos für alle Standorte an.

Auch auf allen Standorten empfohlen ist die neue Sorte ‚KWS Chilis‘, die mit einer Gelbmosaikvirus-Doppelresistenz und der Toleranz gegenüber dem Gelbverzwergungsvirus punktet. Dabei hat sie ein vergleichsweise hohes Ertragspotenzial für einen solchen Sortentyp, zeigt hierfür jedoch ganz klar Schwächen in der Lager- und Strohstabilität, was entsprechend berücksichtigt werden muss. Zudem hat sie ein sicheres Hektolitergewicht.

Auch auf allen Standorten voll empfohlen sind die Hybriden ‚SY Dakoota‘ und ‚SY Loona‘, die über Jahre hinweg konstant hohe Leistung neben der nicht mehr geprüften ‚SY Galileoo‘ gezeigt haben. Gerade ‚SY Loona‘ ist jedoch durch ihre positive Leistung der Trieberhaltung unter Stressbedingungen eher in der Situation, recht dichte Bestände zu erzeugen, was einerseits das Lagerrisiko erhöhen kann und andererseits auf das Hektolitergewicht drückt. Hier sollte die Saatstärke angepasst werden.

Neu in der Empfehlung ist die Sorte ‚SY Colyseoo‘, da sie mit leichten Verbesserungen dem bisherigen Sortentyp der ‚SY Galileoo‘ entspricht, dabei aber mit leicht höherem Leistungsniveau, insbesondere auf der Geest, aber auch in der Marsch.

Weiterhin hat noch die Sorte ‚Goldmarie‘ auf der Geest eine Empfehlung, da sie mit sehr starker Leistung im Ertrag und im Hektolitergewicht überzeugt hat. Dabei muss die höhere Lageranfälligkeit der zweizeiligen Sorte berücksichtigt werden, die gleichzeitig auch weniger empfindlich als andere Zweizeiler auf Wachstumsreglermaßnahmen reagiert.

Die Sorte ‚Charmant‘ hat im Hügelland mit sehr guter Leistung im Ertrag bei akzeptabler Qualität und guter Gesundheit eine Empfehlung, sollte aber trotz mittlerer Standfestigkeit gut mit Wachstumsregler gegen Lager und Strohinstabilität abgesichert werden.

Weiterhin für das Hügelland empfohlen, ist die Sorte ‚RGT Mela‘, die ertraglich sehr interessant ist, aber als längere Sorte auch eher lageranfällig.

Nicht ausdrücklich empfohlen, aber über Jahre hinweg ertragsstabil und trotz ihrer größeren Pflanzenlänge vergleichsweise standfest, ist die Sorte ‚Winnie‘ eine sinnvolle Option für den Anbau im Hügelland.

Von den neu in die Landessortenversuche aufgenommenen Sorten hat bereits im ersten Jahr die Sorte ‚Agathe‘ auf den Geest- und Marschstandorten überzeugt. Insbesondere in der Marsch können die bessere Standfestigkeit und Strohstabilität ein entscheidender Aspekt sein, neben den guten Erträgen und der Kornqualität. Die Sorte bietet sich hier für den Probeanbau an.

Wintergerste ist nach wie vor eine sichere und starke Marktfrucht.

Fazit

Wintergerste bleibt in den Betrieben eine wichtige Kultur und sorgt weiterhin für eine Entzerrung des Erntezeitfensters, ermöglicht durch den frühen Erntezeitpunkt Optionen für einen folgenden Winterraps oder den Zwischenfruchtanbau. Gleichzeitig ist sie über die vergangenen Jahre hinweg vergleichsweise ertragsstabil auf einem hohen Niveau, was ihr die Stellung in den Betrieben sichert. Neben der wirtschaftlichen Anforderung, in Zeiten von schwächelnden Futtermärkten einen guten Absatz zu finden, besteht ein weiteres Problem. Auf vielen schweren Ackerstandorten mit Fokus auf den Marktfruchtanbau und Winterungen könnte der Anbau von Wintergerste ohne den herbiziden Wirkstoff Flufenacet in Zukunft herausfordernder werden. Hier sind Fruchtfolgeanpassungen und alternative Integrierte Konzepte nötig, um bei bestehenden Ungrasproblemen weiterwirtschaften zu können. Hier können auch frohwüchsige, bestockungsstärkere Sorten gegebenenfalls zu späteren Saatterminen einen positiven Beitrag leisten.