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Zum zweiten Mal fand eine Aktionswoche zum Thema „Vielfalt Pferd“ statt. In ganz Deutschland wurden Möglichkeiten geschaffen, um Pferde den Menschen näherzubringen. Inzwischen haben 1.400 Aktionen stattgefunden, und der Verein Vielfalt Pferd erreichte allein auf Instagram mehr als eine Million Aufrufe. Schon im zweiten Jahr ist aus der Idee eine starke Bewegung für Pferde geworden.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 1.021.722 Aufrufe verzeichnete der Verein Vielfalt Pferd in den vergangenen 30 Tagen allein auf Instagram. Knapp 700.000 davon erzielte allein die zweite bundesweite Aktionswoche Vielfalt Pferd. Fast 24.000 Menschen interagierten mit den Beiträgen. Das sind gewaltige Zahlen, ein klares Statement für das Pferd. Noch wichtiger ist, was hinter diesen Zahlen steht: Hunderte Menschen, Vereine, Betriebe, Unternehmen und Organisationen haben sich bundesweit dafür eingesetzt, Begegnungen mit Pferden fühlbar, erlebbar und sichtbar zu machen. Tausende Menschen haben Pferde berührt, sie erfahren und etwas über sie gelernt.
Auch das Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp, Kreis Plön, nahm an der Aktionswoche teil. „Wir haben mitgemacht, weil wir Kindern die Möglichkeit geben wollten, Pferden zu begegnen und die vielen Facetten rund um das Pferd kennenzulernen“, erklärte Carla Brohme von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.
Viel los in Futterkamp
Sie und ein Team, zu dem auch die Auszubildenden und Fachpraktiker des Berufsbildungszentrums Plön im Beruf Pferdewirt gehörten, hatten zahlreiche Mitmachaktionen und spannende Einblicke organisiert. Vom Ponyparcours über Voltigieren und Kutschfahrten bis hin zu Hobby-Horsing, Bodenarbeit, Kinderschminken und spielerischen Wissensstationen rund ums Pferd war alles dabei. „Besonders hat uns gefreut, mit wie viel Begeisterung die Kinder die Ponys und die verschiedenen Stationen erlebt haben und wie gemeinschaftlich dieser besondere Tag gestaltet wurde“, so Brohme.
Der Malwettbewerb läuft noch bis Freitag, 16. Oktober. Auf einer Vorlage können Bilder rund ums Pferd eingesendet werden.Foto: Nadja Worschech
Auch die Nürnberger Versicherung beteiligte sich an der Aktionswoche. Nadja Worschech, Zielgruppenkoordinatorin Pferdesport, sagte: „Unser Malwettbewerb läuft bundesweit noch bis Mitte Oktober. Es gibt tolle Preise zu gewinnen, und alle Einsendungen werden Ende Dezember beim Internationalen Festhallenreitturnier Frankfurt ausgestellt.“ Bis Freitag, 16. Oktober, kann man noch mitmachen. Die Malvorlage kann hier heruntergeladen werden, wie übrigens auch eine Anleitung zum Basteln eines Socken- oder Steckenpferdes, ein Pferderätselheft und mehr.
Bundesweite Aktionen
Florian Wagner und Regina Singelnstein waren als Möhri-Ride-Botschafter unterwegs.Foto: Delia Will
Darüber hinaus gab es noch weitere bundesweite Aktionen, darunter der One Million Möhri Ride. Hier sammelten Menschen im September gemeinsam Kilometer beim Reiten, Führen oder Fahren. Jeder Kilometer wurde durch Spender unterstützt und verwandelte sich so in konkrete Hilfe für den Pferdeschutz.
Insgesamt waren 702 Reiterinnen und Reiter dabei, mehr als 37.000 km wurden gesammelt, und das Spendenvolumen überstieg 31.500 €. Das gesammelte Geld wird für Pferde in Not eingesetzt. Dafür gibt es auch sogenannte Stallpartner. Sie nehmen Pferde auf, geben ihnen die individuell nötige Pflege und vermitteln sie weiter. Einen dieser Partner hat das Projekt in Fitzbek, Kreis Steinburg, und einen im Norden Hamburgs.
Aus Schleswig-Holstein nahmen noch weitere Pferdemenschen an der Aktion teil. Mit dabei waren beispielsweise die Familie Moormann mit ihrem Stutenhof Waterdiek in Tökendorf, Kreis Plön, das Fjordgestüt Klosterhof in Landscheide, Kreis Steinburg, und Anne Reich-Dultz aus Belau, Kreis Plön.
Wo aus dem Acker geklaubte Steine zur Einfriedung von Feldern und Weiden aufeinandergeschichtet wurden, entstanden die ersten Trockenmauern. In terrassierten Hanglagen dienten und dienen sie bis heute zur Stabilisierung. Darüber hinaus sind begrünte Trockenmauern als naturnahes gestalterisches Element zur Abgrenzung von Gartenebenen und Sitzplätzen beliebt.
Weil die Steine ohne Mörtel aufeinandergeschichtet werden, bieten die Zwischenräume Platz zur Bepflanzung. Allerdings stellen die klimatischen Bedingungen besonders auf der Südseite von Mauern hohe Ansprüche an das Ertragen von sommerlicher Hitze und winterlichen Temperaturschwankungen. Der Erdboden hinter Steinfugen bleibt oft lange feucht und kühl, während sich die Luft über den Steinen in der Sonne schnell erwärmt. Stein speichert die Sonnenwärme noch nach Sonnenuntergang und erwärmt sich im Frühjahr besonders schnell, insbesondere in nach Süden exponierten Lagen.
Pflanzen, die hier gedeihen, wachsen von Natur aus in steinigen bis felsigen Böden, wie sie vorzugsweise in gebirgigen Regionen vorkommen. Sie stammen aus den Alpen, den Pyrenäen oder dem Himalaja. Aber auch felsige Küsten und Inseln – die ja oft nichts anderes sind als Spitzen von Unterwassergebirgen – bringen Pflanzen hervor, die mit wenig Wurzelraum auskommen.
Unterschiedlichem Kleinklima gerecht werden
Mauerpflanze ist nicht gleich Mauerpflanze. Die verschiedenen Bereiche und Himmelsrichtungen bieten unterschiedliche Mikroklimazonen und entsprechend Platz für unterschiedliche Bedürfnisse. Dabei dient das Material Stein als Verstärker: Die Sonnenseite einer Mauer erwärmt sich stärker als die Umgebung, während es auf schattigen Nordseiten besonders kühl und häufig auch feucht ist.
Silberraute wächst gern auf der Mauerkrone.Foto: Anke Brosius
Auf der Mauerkrone ist Platz für lichthungrige Pflanzen wie Rosmarin-Seidelbast (Daphne cneorum). Der Zwergstrauch wird nur 20 bis 30 cm hoch, bildet aber mit der Zeit breite, überhängende Matten und überzieht sich von Ende April bis Mai mit zahlreichen rosafarbenen, stark duftenden Blüten. Die Silberraute (Artemisia schmidtiana) ‚Nana‘, bildet mit ihren feinen, tief eingeschnittenen Blättern silbrigweiße Polster, die auch im Winter grün sind. Die Silberraute bevorzugt sonnige, nicht zu trockene Plätze, ist aber etwas empfindlich gegen Winternässe. Ein Klassiker auf der Mauerkrone ist die Dachwurz (Sempervivum tectorum). Sempervivum-Arten kommen ebenso wie der genügsame Mauerpfeffer (Sedum acre, S. album) mit sehr wenig Erde aus und vertragen auch längere Trockenperioden.
Die Dachwurz beansprucht kaum Wurzelraum. Foto: Anke BrosiusLiebt Fels- und Mauerspalten: Spanisches Gänseblümchen Foto: Anke Brosius
Auf der Sonnenseite fühlen sich insbesondere Pflanzen südlicher Herkunft wohl, etwa Löwenmäulchen und Spornblumen, deren rote, rosa oder weiße Blütentriebe an Mauern weit herabhängen. Katzenpfötchen (Antennaria dioica) blühen im Frühsommer über silbrigen Laubmatten rosarot. Das Spanische Gänseblümchen (Erigeron karvinskianus) stammt ursprünglich aus Australien und liebt wintermildes Klima und nicht zu trockene Sommer. Dann blüht es ausdauernd vom Frühsommer bis zum Herbst.
Die Schleifenblume, auch Schneekissen (Iberis sempervirens), ein bis zu 30 cm hoher Halbstrauch, blüht im Mai schneeweiß und ist trotz der mediterranen Herkunft bei uns ganz winterhart. Sehr kompakt bleibt die Felsen-Schleifenblume (Iberis saxatilis), die in Fels- und Mauerspalten niedrige Polster bildet.
Im Schatten gedeihen Gelber Lerchensporn und das zierliche Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), dessen Samenstände sich immer vom Licht abwenden, um die Samen in dunklen Felsspalten und Mauerritzen auszustreuen. Für die schattige Nordseite von Mauern eignen sich besonders Farne wie die Mauerraute, auch Mauer-Streifenfarn (Asplenium ruta-muraria), und der Braunstielige Streifenfarn (Asplenium trichomanes), der es feucht, schattig und kühl liebt. Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium) gedeiht sogar noch im tiefen Schatten.
Lerchensporn versamt sich gern.Fotos: Anke BrosiusZimbelkraut fühlt sich auch an schattigen Plätzen wohl. Foto: Anke BrosiusAnspruchsloses Paar für Schattenseiten: Streifenfarn mit Rispensteinbrech Foto: Anke BrosiusDer Hirschzungenfarn hat es gern kalkhaltig. Foto: Anke Brosius
Ganz anspruchslos ist der Rispen-Steinbrech (Saxifraga paniculata). Er verträgt Sommertrockenheit ebenso wie feuchtere und halbschattige Standorte. Wie bei Sempervivum-Arten sterben die Rosetten nach der Blüte ab. Durch beständige Bildung neuer Ausläufer bleiben jedoch keine Lücken zurück.
In den Alpen zu Hause ist die Kleinblütige Akelei. Foto: Anke Brosius
Bei der Pflanzung gilt es auch die Gesteinsart zu berücksichtigen. So bieten Mauern aus Kalkstein gute Standorte für kalkliebende Pflanzen wie Hirschzungenfarn und Zimbelkraut. Auch manche Alpenpflanzen wie die Kleinblütige Akelei (Aquilegia einseleana) und die Alpennelke (Dianthus alpinus) wachsen gern auf Kalkuntergrund, während andere, etwa Rosmarin-Seidelbast oder Katzenpfötchen, als ausgesprochen kalkmeidend gelten. Die Spinnweb-Hauswurz (Sempervivum arachnoideum) wächst von Natur aus auf sauren Silikatgesteinen.
Solange der Boden kühl und feucht genug ist, gedeihen diese alpinen Pflanzen in voller Sonne. Andernfalls bevorzugen sie Felswinkel und Nischen, in denen sie vor der Mittagssonne geschützt sind. Ein feuchtes Bodenklima schaffen insbesondere Tuffsteine vulkanischer Herkunft, weil deren Poren Feuchtigkeit lange halten und in den Boden abgeben.
Auch Pflastersteine bieten Fugen
Nicht nur in der Senkrechten, auch in der Ebene werden „Steinwüsten“ durch Bepflanzung aufgelockert.Ein gepflasterter Hof wirkt lebendiger, wenn es zwischen den Ritzen hier und da auch grünt und blüht. Die Fugen zwischen Pflastersteinen oder zwischen Mauer und gepflastertem Weg werden von vielen Pflanzen als Lebensraum angenommen. Thymian benötigt nur wenig Wurzelraum und fühlt sich in Mauerritzen ebenso wohl wie zwischen Pflastersteinen, wo niedrige, Polster bildende Arten auch ziemlich trittfest sind. Auch kleinblütige Nelken wie die Pfingstnelke (Dianthus gratianopolitanus) oder die Heidenelke (Dianthus deltoides) fühlen sich zwischen Steinfugen wohl und bilden dichte Polster.
Blütenreiche Thymianblättrige MauermiereFoto: Anke Brosius
Sehr flach wächst die Mauermiere (Paronychia kapela), die nur wenige Zentimeter hohe, bläulich-grüne Polsterflächen bildet. Auffällig ist allerdings die durchscheinende weiße Blüte im Frühsommer. Die Mauermiere ist sehr anspruchslos und gedeiht zwischen Trittplatten wie auch auf sonnigen Mauerkronen. Im Herbst färben sich die Matten orange bis rotbraun.
Besonders gut gedeihen häufig aus Samen gezogene Pflanzen, zumal solche, die sich ihren Standort selbst ausgesucht haben. Wenn im nahen Umfeld vielfältige Wildstauden wachsen, werden Steinrefugien mit der Zeit meist auch ohne menschliches Zutun besiedelt. Sicherer ist es, einige Exemplare der gewünschten Arten zu pflanzen, die sich dann verbreiten dürfen. An schwer zugänglichen Stellen wie sehr schmalen Ritzen klappt das oft am besten, wenn die Mutterpflanzen im Topf neben den ausgesuchten Standort gestellt werden.
Besiedelt auch schmalste Spalten: die HängepolsterglockenblumeFoto: Anke BrosiusFelsensteinkraut findet zwischen Pflastersteinen seinen Platz. Foto: Anke Brosius
Ein schönes und wüchsiges Paar, das aber nie lästig fällt, bilden Hängepolsterglockenblume (Campanula poscharskyana) und Zimbelkraut an sonnigen wie schattigen Mauern. Im Schatten versamen sich Farne und Gelber Lerchensporn, an sonnigeren Plätzen auch die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), die sich wie C. poscharskyana auch durch Ausläuferbildung ausbreitet. Felsensteinkraut (Aurinia saxatilis, früher Alyssum saxatile) versamt sich reichlich und blüht dann im April bis Mai leuchtend gelb. Auf und in Mauern gepflanzt können die wintergrünen Triebe bis zu 1 m lang herabhängen, die Sorte ‚Compactum‘ bleibt kürzer. Auch das Spanische Gänseblümchen und die Kronen-Lichtnelke (Silene coronaria), die gern auf Mauerkronen und in Pflasterfugen wächst, siedeln sich an immer wieder neuen Plätzen an.
Trockenmauern möglichst schon beim Bau bepflanzen
Unregelmäßig geformte Natursteine sind zwar eine Herausforderung beim Maueraufbau. Gleichzeitig bieten sie aber durch die zwangsläufig entstehenden Zwischenräume auch am meisten Raum zur Bewurzelung. Verwendet man regelmäßig geformte Steine, etwa alte Ziegelsteine, empfiehlt es sich, gezielt Lücken in der Wand zu lassen. Wenn Pflanznischen eine Verbindung zum dahinterliegenden Erdboden haben, gedeihen hier auch Stauden und Kleinsträucher, die anspruchsvoller hinsichtlich Wasser und Nährstoffbedarf sind.
Am einfachsten ist es, die Pflanzen schon beim Bau einer Trockenmauer einzusetzen. Bei nachträglicher Bepflanzung sind die Lücken meist nicht groß genug für ganze Topfballen. Dann kann man die Wurzelmatten auftrennen, die Ableger tief in die Wand schieben und mit Erde auffüllen. Alternativ kann man passende Stauden auch aus Samen anziehen und als Sämlinge einsetzen, oder man stopft gleich Erdklumpen mit Samen in die Zwischenräume und wartet ab, was da aufgehen möge.
Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Pflanzen nicht zu dicht zu setzen. Zum einen können die Pflanzenpolster und -teppiche beachtlich groß werden, zum anderen bieten Lücken Möglichkeiten zur Versamung. Nicht zuletzt gilt es auch, optisch ein Gleichgewicht zwischen Pflanze und Stein zu halten, damit die schöne Mauer nicht ganz unter dem Bewuchs verschwindet. Die besten Jahreszeiten zur Mauerbegrünung sind Frühjahr und Herbst, wenn das Wetter noch mild, aber nicht zu trocken ist. Bis sie sich etabliert haben, müssen auch sonst trockenheitsunempfindliche Pflanzen bei Bedarf gewässert werden.
Thymian hat sich zwischen Treppenstufen ausgesät. Foto: Anke Brosius
Ein Handelsabkommen zwischen der EU und den Philippinen rückt in greifbare Nähe. Wie EU-Handelskommissar Maroš Šefcovic kürzlich in Brüssel erklärte, sei jetzt eine „substanzielle Einigung“ gelungen. Das Abkommen soll der EU besseren Zugang zu seltenen Erden sichern und dem heimischen Agrarsektor erhebliche Vorteile bringen. Die technischen Details werden in den nächsten Wochen verhandelt; Beobachter erwarten finale Ergebnisse im November.
Am Ende seiner Pressekonferenz geriet Šefcovic regelrecht ins Schwärmen. Nach der Einigung mit den Philippinen werde die EU Handelsverträge mit Drittländern abgeschlossen haben, die mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung abdeckten. Keinem anderen Staatenverbund sei dies bisher gelungen.
Im Anschluss stellte ein Kommissionssprecher klar, dass das Abkommen beispielsweise Zollpräferenzen für wichtige Agrar- und Lebensmittelexporte der EU vorsehe. Offizielle Details wurden zwar nicht genannt, doch aus Kommissionskreisen verlautete, dass Zollermäßigungen für den Schweinefleischsektor geplant seien. Zudem solle es Marktliberalisierungen für Produkte wie mechanisch entbeintes Geflügelfleisch, Rindfleisch, sämtliche Milchprodukte, Olivenöl, Wein und Spirituosen geben. Die Handelsexperten der Brüsseler Behörde weisen zudem darauf hin, dass auf den Philippinen ein starkes Exportinteresse an verarbeiteten Agrarprodukten besteht. Als Beispiele werden Süßwaren, Wein, Spirituosen sowie verschiedene Lebensmittelzubereitungen und ausgewählte Obst- und Gemüsesorten genannt. Sensible EU-Sektoren wie Reis, Rindfleisch, Zucker, Ethanol, Knoblauch und Bananen sollen hingegen von den Zugeständnissen an den Inselstaat ausgenommen bleiben.
Ein weiterer Kernpunkt des Abkommens ist laut dem Kommissionssprecher der Schutz geografischer Herkunftsbezeichnungen: Fast 200 geschützte EU-Produkte sollen demnach auf den Philippinen vor Nachahmung geschützt werden.
Die Einigung auf ein Handelsabkommen wird im Agrarsektor begrüßt. Die Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Stefanie Sabet, wertet die vorläufige Übereinkunft als wichtigen Schritt. Nach ihrer Einschätzung stärke dies die Handelsbeziehungen der EU im asiatischen Raum.
Die Philippinen sind Nettoimporteur von Lebensmitteln, weshalb Sabet die deutsche Landwirtschaft als verlässlichen Partner für die Versorgung mit hochwertigen Erzeugnissen ins Spiel brachte. Erst im Frühjahr hatten die Philippinen ihren Markt wieder für deutsches Schweinefleisch geöffnet. Vor diesem Hintergrund begrüßt die DBV-Generalsekretärin ausdrücklich, dass sich die handelspolitischen Rahmenbedingungen nun weiter verbesserten. age
Russland stoppt Getreidezölle
Die russische Regierung hat die Exportzölle auf Getreide bis Ende 2026 ausgesetzt, und zwar rückwirkend zum 1. September 2026. Dies betrifft die Lieferung von Getreide an Staaten, die nicht Mitglieder der Eurasischen Wirtschaftsunion sind. Diese Entscheidung ist eine direkte Folge der massiven Exportprobleme Russlands durch die Einschränkungen des Seeverkehrs auf dem Schwarzen und dem Asowschen Meer. Die verminderten Getreideausfuhren haben am Inlandsmarkt zu einem Anstieg des Angebots geführt, verbunden mit einem Rückgang der Preise. Der Generaldirektor des Instituts für Agrarmarktstudien (ICAR), Dmitri Rylko, sprach von einer „Bewegung in die richtige Richtung“. Darüber hinaus müsse der Kreml nun mit Interventionskäufen von Getreide beginnen, kurzfristige Kredite der Landwirte umstrukturieren und nach neuen Exportkanälen suchen, erklärte Rylko gegenüber der Plattform Agroinvestor.
Der Internationale Getreiderat hat angesichts der Transportprobleme seine Prognose für die Weizenexporte Russlands nach unten korrigiert. In seinem September-Bericht geht er für das gesamte Wirtschaftsjahr 2026/2027 von 41,5 Mio. t aus; das sind 3,7 Mio. t weniger als der Wert im August-Bericht. age
Brasilianer hoffen auf 2027
EU-Einfuhrstopp für Rindfleisch
Roberto Perosa Foto: Abiec
Brasiliens Rindfleischexporteure hoffen darauf, im kommenden Jahr wieder auf den EU-Markt liefern zu dürfen. Das hat der Präsident des Branchenverbandes Abiec, Roberto Perosa, heimische Medien wissen lassen. Er setzt auf eine zügige Wiedererlangung der EU-Listung und darüber hinaus auf eine Übergangsregelung.
Dafür hat der Verband laut Perosa kürzlich in Brasília einen Vorschlag vorgelegt, der bislang allerdings noch nicht öffentlich erläutert wurde. Ziel einer Übergangsregelung ist es, das Geschäft noch vor Ablauf des zweijährigen Produktionszyklus in der Rinderhaltung wieder aufzunehmen. Denn vor allem die lange Spanne von der Geburt bis zur Schlachtung bereitet der brasilianischen Rindfleischbranche aktuell Sorgen. Der Grund: Die EU schreibt vor, dass Rinder während ihrer gesamten Lebenszeit keine antimikrobiell wirksamen Wachstumsförderer erhalten dürfen. age
Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Schleswig-Holstein brachte in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Konstnärsnämnden (Komitee für Künstlerstipendien) den Keramikkünstler Masayoshi Oya erst nach Lübeck auf den Hof Rienhoff und anschließend nach Flensburg. Vom 18. bis zum 26. September war seine Ausstellung mit dem Namen „Still, in clay“ („Ruhe, aus der Erde“) in den Räumlichkeiten der Galerie haptik im Brasseriehof zu bewundern.
„So bunt haben wir japanische Keramik noch nie erlebt. Der skandinavische Einfluss ist deutlich spürbar“, erzählten die Galeriebesitzer Thorsten und Kathrin Held, die sich seit einigen Jahren mit japanischer Keramik beschäftigen. Und richtig, kennt man sich mit japanischer Keramik etwas aus, weiß man: Knallige Farben sind für japanische Künstler ungewöhnlich.
Die knallig bunte, von Skandinavien inspirierte Glasur ist für japanische Künstler ungewöhnlich. Mit ihrer glatten Oberfläche laden die Tassen zum Anfassen ein. Foto: Patrick Mühling
Gänzlich befreit von dem für Japan typischen und durch das Streben nach Perfektion eingeschränkten Stil, baut der Keramikkünstler Masayoshi Oya seit seiner Berührung mit Schweden eine Brücke zwischen den in seinem Heimatland erlernten handwerklichen Fähigkeiten und den skandinavischen Einflüssen seiner neuen Heimat Schweden, in der er seit fast 20 Jahren lebt.
Bei den Ausstellungsobjekten handelt es sich überwiegend um Gebrauchsgegenstände: Geschirr, Teller, Tassen und Gefäße in verschiedenen Größen.
Neben dem einfacheren Design, das von vertikalen Linien lebt, kombiniert dieses Muster die vertikalen Linien zusätzlich mit horizontalen, wellenförmigen Pinselstrichen. Foto: Patrick Mühling
Seine neuesten Werke kombinieren dabei nahezu perfekt geformte, weiße Keramik mit skandinavischer Farb- und Formensprache und der Gelassenheit des Nordischen. Der weiße Ton wird zu einer Leinwand für seine von Hand gemalten grafischen Muster und selbst entwickelten Glasuren.
Das Konzept Wabi-Sabi
Wabi-Sabi (侘び寂び) ist ein ästhetisches Konzept aus Japan, das die Schönheit des Unvollkommenen, Vergänglichen und Schlichten beschreibt. Statt Perfektion zu suchen, geht es darum, Alterung, Gebrauchsspuren, Unregelmäßigkeiten und Vergänglichkeit anzunehmen. Ein rissiger Keramikbecher kann also gerade wegen seiner Unebenheiten und Geschichte schön sein. Diese Denkweise findet sich üblicherweise in der Form und der Haptik japanischer Keramik wieder.
Dieses ungewöhnliche Werk kombiniert eine Vase mit einer aus mehreren Materialien gebastelten Auflage, die zum Teil verglast ist. Die Auflage hält trotz der Form bombenfest. Foto: Patrick Mühling
Oberflächen sind oftmals bewusst nicht lackiert und bleiben rau, haben sichtbare und spürbare Erhöhungen, Ecken oder Kanten. Masayoshi Oya entdeckte die Welt der Keramik durch Zufall. In der Schule meldete er sich für einen Holzarbeitskurs an, der nie stattfand. Der eingeplante Lehrer ging noch vor dem Start des Kurses in den Ruhestand.
Der Ersatz für ihn war ein Keramiker. Noch in diesem Kurs bemerkte Oya seine Verbundenheit mit dem Material und beschloss, dass er mit Keramik arbeiten wolle. Ein Großteil Oyas jüngster Werke setzt auf handgedrehtes, weißes Porzellan mit klassischer, geradliniger Form und bedient sich der Wabi-Sabi-Philosophie, indem er seine Verzierungen bewusst unperfekt gestaltet: Die von Udon-Nudeln inspirierten, bunten Linien, die die Werke zieren, sind nicht gerade und in einem Strich gezogen.
Japanische Kalligrafie
Die handgemalten Linien und die Glasur verraten dem Betrachter offen, dass bei der Anfertigung mehrfach angesetzt wurde. Eine Homage an die Kalligrafie. Foto: Patrick Mühling
Bei der Anfertigung dieser Verzierungen nutzte er eine Technik, die an traditionelle japanische Kalligrafie (, shodou) erinnert, bei der japanische Sprache mit dem Pinsel kunstvoll auf Papier gemalt wird. Ungleich der deutschen Schreibschrift, die von gleichmäßigen Linien lebt, die in einem Zug gezogen werden, setzt der japanische Kalligraf mehrfach an und konstruiert Schriftzeichen aus einzelnen Strichen.
Beim Betrachten der Keramikstücke fällt die Ähnlichkeit mit der Kalligrafie durch die klar erkennbaren Start- und Endpunkte der Linien auf, was sich ebenfalls mit den Fingern erfühlen lässt.
„Jeder Lackierer würde sich im Grabe umdrehen, weil es nicht gleichmäßig ist“, sagte Thorsten Held schmunzelnd.
Für Oyas Keramik funktionieren diese unperfekten Linien jedoch und verleihen der Gebrauchskunst eine gewisse Einzigartigkeit, die man so nicht im Laden findet. Besonders gut erkennt man den Kalligrafie-Ansatz bei einer weißen Schale, die ein kreisförmiges Linienmuster trägt.
Anhand der stärkeren Sättigung der schwarzen Farbe an einigen Stellen der Linien erkennt man, wo Oya den Pinsel angesetzt und wo er ihn abgesetzt hat.
Oya absolvierte ein Praktikum in der schwedischen Glasmanufaktur Kosta Boda. Aus seiner Faszination für das Material ging das Werk „Stugan I“ (zu Deutsch: „Häuschen“) hervor. Foto: Patrick Mühling
„Im Vergleich zu weißem Alltagsgeschirr aus Hartporzellan gehen Masayoshis Keramiken eher in Richtung Statement. Während das eine dezent im Hintergrund verschwindet und das Getränk oder das Gericht in den Vordergrund stellt, ist es bei diesen Tellern und Tassen genau andersherum.“
Diese Muster und Farbgebung stechen unter den anderen Exemplaren der Ausstellung heraus. Der Schaffensprozess erscheint auf den ersten Blick wie Aquarell. Foto: Patrick Mühling
Zu „Ruhe, aus der Erde“ gehört ebenfalls ein Teller- und Tassenset, das sich von den anderen Objekten optisch ein wenig abhebt. Das Geschirr hat eine klare Farbkomposition und ist von großen Farbfeldern geziert. An Malerei Interessierte erinnern die türkis- und orangefarbenen Muster vielleicht an Aquarell.
Wie Oya diese Glasur hergestellt hat, hat der Künstler noch nicht verraten. Denkbar wäre allerdings, dass er die Glasur stark verdünnt und dann mit einem Pinsel bewusst so aufgetragen hat, dass sie lief.
Bei den Farben lässt sich eine gewisse Transparenz erkennen, wie sie bei dünn aufgetragener keramischer Farbe oder Glasur entstehen kann.
Besonderer Fokus: Japan
Eine durch Zufall entstandene Leidenschaft für Japan führte dazu, dass die Galeriebesitzer Kathrin und Thorsten Heldt sich intensiver mit diesem Land beschäftigten und dabei Gefallen an japanischer Keramik entwickelten.
Seither stellt diese in ihrer Galerie einen besonderen Schwerpunkt dar. Regelmäßig finden sich zwischen acht und zehn japanische Künstlerinnen und Künstler in den Räumlichkeiten wieder.
Kathrin und Thorsten Held legen besonders viel Wert darauf, die Kunstschaffenden hinter den Werken persönlich kennenzulernen. Ziel ist es, Gedankenprozesse zu verstehen und für die Besucher sichtbar zu machen. Foto: Patrick Mühling
„Wir sind jedes Jahr in Japan und kaufen vor Ort die Waren der Künstlerinnen und Künstler ein“, erzählten die Galeriebesitzer.
„Meine Frau und ich haben eine starke Affinität für die japanische Kultur, aber auch dafür, wie Schönheit in Japan geprägt ist“, so Thorsten Held. Mit der Vernissage im September war Masayoshi Oya der erste japanische Künstler, der seine Werke vor Ort präsentiert hat.
Weitere Eindrücke aus der Galerie
Eine zweifarbige Vase. Absolut untypisch sowohl für japanische als auch für skandinavische Keramik, wurden hier zwei Stilformen kombiniert. Oben: japanisch – fließend, nicht genormt und ohne klare Linien und Trennung. Zudem ist dieser Teil des Bechers texturierter, haptischer. Unten: skandinavisch, eher einfaches Blau, glatte Textur. Ein simples, zugleich effektives Design. Zwei Realitäten, die Oya zusammenzubringen versuchte. Fotos: Patrick MühlingDer Künstler unterschreibt seine Werke mit seinem Spitznamen „Masa“. Kurz für Masayoshi. Die Unterschrift ist kalligraphisch gemalt. Mittlerweile gibt es bereits Kunstschaffende, die seine Werke nachzumachen.versuchen. Einen echten Masayoshi erkennt man am Autogramm auf der Unterseite.Eine quadratische Vase.Schon auf den ersten Blick erkennt man die charakteristische Optik, die an Skandinavien anlehnt. Auch hier: Die Basis, die Keramik ist makellos und nahezu perfekt. Die Linien wirken jedoch gewollt-unsicher. Als hätte jemand Linienführung geübt. Fast, als hätte jemand seine ersten Linien gezogen.Das charakteristische helle Gelb erinnert sofort an Schweden beziehungsweise an Skandinavien. Auf den ersten Blick ist hier kein japanischer Einfluss zu erkennen. Die Perfektion der zugrundeliegenden Keramik verrät dem geübten Auge jedoch japanisches Streben nach Perfektion.Eine texturierte Schale einer anderen Künstlerin in der Galerie. Der Stil mit charakteristisch-japanischer Textur (rau, uneben, stark haptisch) ist ganz anders als die Werke von Masayoshi.Bunte Farben gibt es bei den farbigen Gläsern auch, jedoch sind Stil, Verarbeitung und Schaffensprozess bei Oyas Werken komplett andere.In der Galerie finden sich passend zum Namen haptisch ansprechende Keramiken von unterschiedlichen Keramikern und Keramikerinnen. Viele kommen aus Asien, einige sind jedoch auch lokal ansässig oder aus dem europäischen Ausland.
Das Ehepaar Held möchte japanische Keramikerinnen und Keramiker in Zukunft öfter nach Flensburg bringen. Für dieses Unterfangen existiert bereits ein Ferienhaus auf dem Gelände, das von den Kunstschaffenden genutzt werden könnte. Mehr Informationen zu den einzelnen Werken und zur Galerie finden sich unter www.haptik.de
Hitzestress gefährdet die Gesundheit der Rinder, die Milchleistung und die Fruchtbarkeit. Im Rahmen des grenzüberschreitenden Projekts „ResKuh“ am Oberrhein wurden Maßnahmen entwickelt, um gegenzusteuern. Die Erkenntnisse sind auch für Betriebe im Norden interessant.
In der Projektregion am Oberrhein haben sich in den letzten 100 Jahren die Stunden mit mäßigem Hitzestress für Milchkühe vervierfacht, die mit starkem Hitzestress versechsfacht. Hitzespitzen über 40 °C werden in Zukunft regelmäßiger vorkommen. Deswegen muss bereits beim Bau oder der Renovierung von Ställen auf Hitzeschutzmaßnahmen geachtet werden. Der thermoneutrale Bereich einer Kuh liegt zwischen 4 und 16 °C. Außerhalb dessen startet sie Mechanismen, um die Körpertemperatur zu regulieren. Man spricht dann von Hitzestress. Wie groß die Belastung ist, wird anhand des Temperature-Humidity-Index (THI) eingeschätzt. Er bezieht neben der Lufttemperatur auch die relative Luftfeuchtigkeit ein. Die Einteilung ist wie folgt:
• THI von 68 bis 72: leichter Hitzestress
• THI von 73 bis 77: mäßiger Hitzestress
• THI von 78 bis 83: starker Hitzestress
• ab THI 84: extremer Hitzestress
Starker Hitzestress kann bei hoher Luftfeuchtigkeit schon bei moderaten Temperaturen unter 30 °C beginnen. „Bei einem THI von über 80 wird es sehr schwierig, die Tiere zu managen“, berichtete Patrice Dubois, Direktor des Rhone Conseil Elevage, beim Deutsch-Französischen Milchviehtag in Straßburg. Sein Team brachte in den Projektbetrieben Sensoren in den Ställen an, die das Klima überwachen. Aus den Auswertungen wurden Datenblätter für Landwirte mit Empfehlungen zum Hitzeschutz erarbeitet, aus denen hier zitiert wird. Bei einem THI von 80 bekommen die Betriebe eine Warnung. An sehr heißen Tagen wird dieser Wert am Oberrhein schon um 11 Uhr überschritten. Erst gegen 20 Uhr sinkt er wieder unter 80. „Die Tiere müssen mehr als zehn Stunden bei extremen Temperaturen aushalten“, macht Dubois deutlich. Die Leistungseinbrüche von hitzegestressten Kühen sind mit 1 bis 5 kg Milch pro Tag enorm. Hinzu kommen hitzebedingte Probleme beim Kalben, Eutererkrankungen und Nachgeburtsverhalten. Je nach Gebäudebeschaffenheit kann der THI in zwei benachbarten Ställen um bis zu zehn Punkte variieren, so Dubois‘ Erkenntnis. Der Hitzestress hängt neben den Außenbedingungen aber auch von tierbezogenen Faktoren wie der Milchleistung, dem Alter oder dem Trächtigkeitsstadium ab. Da Milchkühe heute mehr leisten als noch vor zehn Jahren, werden die Grenzwerte gerade neu beurteilt. Die Arbeitsgruppe untersuchte auch, wie Kühe auf den Hitzestress reagieren. Bei starkem Stress steigt die Atemfrequenz auf über 100, die Rektaltemperatur auf über 40 °C. Weitere Symptome sind eine erhöhte Herzfrequenz, reduzierte Futteraufnahme und Apathie.
Eine mechanische Belüftung über Lüftungsschläuche sorgt für gezielte Luftbewegung im Tierbereich und unterstützt die Kühe bei der Wärmeabgabe. Foto: Dr. Imme Dittrich
Offene Gebäude
Schon ab einem THI von 65 muss eine Kühlung der Tiere von außen einsetzen. Das entspricht einer Temperatur von 15 °C. Die einfachste Kühlungsmaßnahme ist der natürliche Luftaustausch. Er wird vor allem durch die Platzierung und die Form des Gebäudes beeinflusst. Am günstigsten sind frei stehende, dem Wind ausgesetzte Ställe, die nicht durch angrenzende Bauten, Hecken oder Böschungen verdeckt werden. Eine schmale, lange Bauform erleichtert die Querlüftung. Damit der Luftzug auf Höhe der Tiere vorbeizieht, sollten tiefliegende Öffnungen an der Längsseite angebracht werden. Kälte ist für Kühe ein viel geringeres Problem als Hitze. Diese Einsicht erfordert ein Umdenken und mehr Mut zu offenen Bauweisen. „Unsere Ställe sind dafür ausgelegt, gut mit Kälte umzugehen. Jetzt müssen wir sie umbauen, um Hitze und starke Schwankungen zu handhaben“, betont Dubois. Allerdings bringt die offene Bauweise neue Herausforderungen mit sich: „Wenn man einen Stall öffnet, muss man gegen die direkte Sonneneinstrahlung angehen.“ Sie kann verringert werden, indem man auf den Sonnenseiten keine lichtdurchlässigen Platten einbaut. In bestehenden Gebäuden hilft Beschattungsfarbe auf den Lichtdurchlässen. Auch Rollläden und Sonnenschutznetze bringen Schatten. Auf offenen Sonnenseiten (Süd-, Ost- und Südwestseite) müssen Dachüberstände die Tiere schützen. Der Begriff „Strahlung“ umfasst allerdings nicht nur die Sonnenstrahlung. Auch Dächer oder Wände strahlen Wärme ab. Diese Strahlungswärme lässt sich durch Baumaßnahmen reduzieren. So sollten der Sonne ausgesetzte Seiten möglichst niedrig gemauert sein. Dächer in niedrigen Gebäuden sollten isoliert werden. In alten Stallgebäuden maß das Team von Dubois teilweise 60 °C unter dem Dach. „Zwischen einem gedämmten und einem nicht gedämmten Dach herrscht ein Temperaturunterschied von locker 30 °C“, so Dubois. Helle Dachfarben fördern die Reflexion der Sonnenstrahlung und reduzieren so die gespeicherte Wärme. Der First sollte offen sein – Lichtkuppeln verstärken den Treibhauseffekt.
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, braucht es eine mechanische Belüftung. Das ist meist ab einem THI von 80 der Fall. Luftgeschwindigkeiten von 1 bis 3 m/s – auf Tierhöhe – können die Wärmeabgabe unterstützen. Die Einstellung der Ventilatoren müsse ans Gebäude angepasst werden, damit nicht zu viel heiße Luft über die Tiere geblasen wird, so Dubois. Alle Gebäudeteile sollten gleich gut belüftet sein. Besonders am Futtertisch und bei den Liegeboxen sind Ventilatoren wichtig, damit die Tiere genügend Futter aufnehmen und lange genug ruhen. Duschen oder Sprühnebel sind stets die letzte Maßnahme und sollten nur in Kombination mit einer mechanischen Belüftung eingesetzt werden, warnen die Experten. Sie bergen sonst die Gefahr, die Luftfeuchtigkeit und damit den Hitzestress für die Tiere noch zu erhöhen. Wie die Autoren betonen, müssten solche energie- und wasserintensiven Methoden immer wirtschaftlich abgewogen werden. In jedem Stall müsse individuell geschaut werden, welche Maßnahmen Erfolg versprechend seien, so Dubois: „Wenn das Kuhverhalten nicht mit der Standardlösung kompatibel ist, brauchen wir Einzellösungen.“
Kälber vor Hitze schützen
Bei Kälbern wirkt sich Hitzestress besonders dramatisch aus. Leiden ihre Mütter an Hitzestress, haben die Kälber häufig ein geringeres Geburtsgewicht, ein geschwächtes Immunsystem und sind später weniger fruchtbar. Sie geben das auch an zukünftige Generationen weiter. Die Milchleistung leidet so nachhaltig. Eine Untersuchung auf Milchviehbetrieben am Oberrhein und im Elsass ergab, dass im Sommer geborene Färsen in ihrer ersten Laktation durchschnittlich eine niedrigere Milchleistung erzielten als im Winter geborene Kälber. Leidet die Mutter während der Trockenstehzeit Hitzestress, wirkt sich das also negativ auf den Start ins Leben aus. Deswegen müssen der Trockenstehbereich und die Abkalbebox möglichst kühl sein. Ohnehin werde den Trockenstehern noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet, bemängelt Dubois.
Ein ausreichend hohes und seitlich offenes Dach schützt Kälberiglus vor direkter Sonneneinstrahlung. Wichtig ist, dass die Luft ungehindert zirkulieren kann und kein Wärmestau entsteht. Foto: Dr. Laura Maxi Stange
Gesunde Kälber vertragen hohe Temperaturen zwar etwas besser als Milchkühe. Die thermoneutrale Zone endet bei ihnen Schätzungen zufolge erst ab 26 °C. Allerdings können sie ihre Körpertemperatur schlechter regulieren. Daher sollten sie ab einem THI von 65 bis 69 engmaschiger überwacht werden, so die Autoren. Hitzegestresste Kälber fressen weniger, die Milchdrüsen entwickeln sich unter Umständen schlechter, und auch das Muskelwachstum kann Schaden nehmen. Das kann sich negativ auf Fleischmenge und Fleischqualität auswirken. Die Pubertät tritt unter Umständen später ein, die Fruchtbarkeit ist beeinträchtigt, und die Kälber werden anfälliger für Infektionen. Nicht zuletzt birgt hoher Hitzestress Lebensgefahr. Im Kälberiglu ist die Temperatur höher als die Umgebungstemperatur, was für Kälber schnell gefährlich werden kann. Für die Unterbringung des Kalbs selbst müssen Kälberiglus inklusive Außenbereich im Schatten platziert sein oder überdacht werden. Abdeckfolien können die Situation wenigstens ein bisschen verbessern, wenn eine richtige Beschattung nicht möglich ist. Alle Öffnungen müssen offen sein, ein erhöhtes Aufstellen der Iglus zum Beispiel auf Backsteinen ermöglicht Luftzufuhr von unten. Eine besondere Empfehlung der Experten ist Sandeinstreu – liegen die Kälber darin, können sie die Körperwärme besser ableiten. Auch Fliegen werden so weniger angezogen als mit organischer Einstreu. Um die Kälber nicht zusätzlich zu stressen, sollten Fliegen wirksam bekämpft und Tränkeimer mit Deckeln oder Haarnetzen vor ihnen geschützt werden. Die Kälber müssen jederzeit nach draußen gehen können. Auch der Einsatz von Ventilatoren ist hilfreich, allerdings sollte die Luftgeschwindigkeit bei Kälbern höchstens 2,5 m/s betragen, bei kleinen Kälbern sogar nur 0,4 bis 0,8 m/s.
Ausreichend Frischwasser zur freien Verfügung ist obligatorisch. Bei Hitze bevorzugen Kälber außerdem flüssiges Futter. Der Milchaustauscher sollte in den Sommermonaten höher konzentriert sein oder größere Mengen gefüttert werden. Zusätzliche Elektrolyttränken gleichen Nährstoffverluste durch Schwitzen aus. Gefüttert werden sollte frühmorgens und spätabends, um die Futteraufnahme zu erhöhen. Weil leichte Kohlenhydrate weniger Körperwärme produzieren, sollte besser hochwertiges Heu oder Grassilage gefüttert werden als Stroh.
Weitere Informationen sind den folgenden Datenblättern zu entnehmen.
„Mit baulichen Maßnahmen dem Hitzestress begegnen“:
Die Kreisverbände der LandFrauen (KLFV) sind das Bindeglied zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen (OV). Was aber ist das Besondere der LandFrauen im jeweiligen Kreis, wie zeigt sich das Gesicht der Kreisverbände? In dieser Bauernblattserie werden alle zwölf Kreisverbände und der OV Lübeck vorgestellt – heute: der KLFV Nordfriesland.
Auf ihren jährlichen Kunsttag und ihren Literaturtag sind die nordfriesischen LandFrauen besonders stolz. Im vergangenen Jahr lud der Kreisverband in Kooperation mit dem Kunstknotenpunkt Nordwest nach Tondern in Dänemark ein, der Geburtsstadt des Möbeldesigners Hans J. Wegner (1914-2007), auch „Meister der Stühle“ genannt. Der Literaturtag, der immer in der NordseeAkademie Leck stattfindet, widmete sich 2025 der Schriftstellerin Helga Schubert (geboren 1940) und ihrem autobiografischen Werk „Vom Aufstehen“, in dem sie die Zwänge des DDR-Regimes verarbeitet. „Die Literaturtage sind nicht nur Lesungen, wir beschäftigen uns auch mit der Biografie der Autorin“, erklärt die Kreisvorsitzende Magret Albrecht. In diesem Oktober soll es um Simone de Beauvoir gehen. Der Kunsttag soll ein Jahr pausieren und ein neues Format entwickelt werden.
Vor allem mit aktuellen Themen im Gesundheitswesen beschäftigt sich der Kreisverband, ist beteiligt am Tag der offenen Tür in Kliniken. Im vergangenen September lud er zu einem Dialogabend zum Gesundheitsnotstand nach Mildstedt ein. Teilgenommen haben die Chefärztin des Klinikums Husum, Lena Jessen, sowie Bundes- und Landtagsabgeordnete. Von der Podiumsdiskussion gemeinsam mit dem KLFV Dithmarschen zur drohenden Schließung des Perinatalzentrums in Heide wurde bereits berichtet (siehe BB 19/2026). „Wir dürfen nicht zulassen, dass zentrale Versorgungsstandorte an der Westküste geschlossen werden!“, ist der Appell. Gesellschaftlich wirken die LandFrauen auch durch ihre Teilnahme am Kreisfrauenforum und ihren Sitz in den drei AktivRegionen im Kreis. „Wir stärken die Demokratie durch unseren Zusammenhalt und unser regionales Engagement“, findet Albrecht.
Ex-MP und Omas zu Gast
Mit 22 Ortsvereinen und knapp 5.000 Mitgliedern gehört der KLFV Nordfriesland zu den größten in Schleswig-Holstein, erstreckt sich von Ladelund bis Friedrichstadt, fünf Ortsvereine zählen über 300 Mitglieder. Auch die Inseln und Halligen gehören zum Einzugsbereich. Zwar haben nur Föhr und Pellworm einen eigenen Ortsverein, doch „Bewohnerinnen der anderen Inseln sind mitunter Mitglied in Festlands-OV, es werden wechselseitig Veranstaltungen besucht“, weiß Albrecht.
Die Veranstaltungen auf Ortsebene sind vielfältig, mitunter schließen sich einige OV dazu zusammen. So lädt der OV Ostenfeld im September zu einer Lesung mit Daniel Schmidt vom Hamburger Kiez in Mildstedt ein. In Langenhorn trat der „Geschichtenmensch“ Enno Kalisch auf. Auf Nordstrand findet regelmäßig ein Mittsommerfest unter Beteiligung der ganzen Gemeinde und der Landjugend statt. In Dunsum auf Föhr gibt es Whisky-Tasting. Mildstedt hatte bereits sowohl den früheren Ministerpräsidenten Peter-Harry Carstensen (CDU) als auch die Omas gegen Rechts zu Gast. Kochen mit Köchen, Basteln, Spiele, Ausflüge und vieles mehr – all das könnte man hier gar nicht abbilden.
Niemand zu alt für die JLF
Sauerteigschulung der Jungen LandFrauen, v. li.: Jessica Jessen und Marie Bielefeldt (JLF), Daniel Lorenzen (Bäckerei Lorenzen, Joldelund) Foto: JLF
Sehr aktiv sind in Nordfriesland auch die Jungen LandFrauen (JLF). Wichtigstes Standbein ist ihr monatlicher Stammtisch, der wechselnd im ganzen Kreis stattfindet. „Da kommen zu 30 % auch Nichtmitglieder“, freut sich Jessica Jessen von den JLF, so könne man viel erklären und aufklären. Darunter sind Frauen aus allen Altersgruppen, der Durchschnitt könne bei 40 Jahren liegen.
„Vielleicht ist die Hemmschwelle bei uns niedriger, manche glauben vielleicht, sie seien zu jung für den Ortsverein“, mutmaßt Jessen. Ansonsten bieten die JLF Grünpflanzenschulung an, Töpfern, Kniffelturnier, Stricken oder Pole- Dance.
Sorgen bereitet dem Vorstand, wenn Ortsvereine aufgelöst werden wie jüngst der OV Eiderstedt. In Ohrstedt bestehe diese Gefahr, Niebüll sei hingegen nach einer Durststrecke auf einem guten Weg. Umgekehrt verzeichnen manche OV starken Zuwachs wie Risum-Lindholm mit 34 Neumitgliedern allein im vergangenen Jahr.
„Das Problem ist meist, die Vorstände zu besetzen“, weiß Albrecht. „Man muss dafür nicht perfekt sein“, betont sie, „wir sind da alle mal reingeschubst worden.“ Und sie appelliert: „Ladet uns ein, wenn ihr Probleme habt, wir helfen gern!“
Die Preisentwicklung der Körnerleguminosen gibt derzeit Rätsel auf. Während die Preise für Soja- und Rapsschrot zuletzt deutlich gestiegen sind, kommt davon bei heimischen Ackerbohnen und Futtererbsen kaum etwas an. Nach Berechnungen auf Basis des Futterwertes wären für Ackerbohnen rund 30 €/ dt und für Futtererbsen etwa 32 €/dt anzusetzen. Tatsächlich liegen die Erzeugerpreise knapp über 20 €/dt. Die Schere zwischen Futterwert und Marktpreis ist damit ungewöhnlich groß. Auch die aktuellen Futtermittelpreise zeigen den gestiegenen Wert von Eiweiß: Die Rapsschrotpreise im Großhandel Hamburg stiegen von 250 €/t im Juli auf 290 €/t im September.
Ein Grund für die schwache Reaktion der Leguminosenpreise liegt in der Struktur des Marktes. Mischfutterhersteller haben einen Teil ihres Eiweißbedarfs über länger laufende Kontrakte abgesichert. Ein kurzfristiger Anstieg der Sojaschrotpreise schlägt deshalb nicht unmittelbar auf die Nachfrage nach Erbsen und Bohnen durch. Hinzu kommt, dass die Vermarktung heimischer Leguminosen für den Handel aufwendig ist. Die Partien sind häufig klein und regional verteilt. Sammlung, Lagerung, Untersuchung und getrennte Erfassung verursachen Kosten. Gleichzeitig fehlen einheitliche Qualitäts- und Erfassungskriterien. Je nach Abnehmer unterscheiden sich Anforderungen etwa an Feuchtigkeit, Besatz, Proteingehalt oder Schädlingsbefall. Schäden beispielsweise durch Erbsenwickler oder Bohnenkäfer beeinträchtigen die äußere Qualität und begrenzen insbesondere höherwertige Absatzmöglichkeiten.
Veggie-Produkte werden importiert
Dabei gibt es durchaus Ansätze für größere Verarbeitungsstrukturen. Die Emsland Group verarbeitet nach eigenen Angaben jährlich rund 120.000 t Erbsen – allerdings stehen dem etwa 2 Mio. t Kartoffeln gegenüber. Hoffnungen auf zusätzliche Absatzmöglichkeiten haben sich zudem teilweise zerschlagen. Nordzucker hat die geplante Leguminosen-Fabrik in Groß Munzel inzwischen aufgegeben. Das Unternehmen begründet dies mit einem langsamer als erwartet wachsenden Markt für pflanzliche Proteine, zusätzlichen Importen und Überkapazitäten in Europa.
Damit zeigt sich auch die Kehrseite des viel beschworenen Veggie-Booms. Zwar wird über mehr heimisches Eiweiß in Lebensmitteln gesprochen, ein erheblicher Teil der pflanzlichen Proteinprodukte und Zutaten wird jedoch importiert. Ein wachsendes Verbraucherinteresse führt daher nicht automatisch zu höheren Erzeugerpreisen für heimische Leguminosen.
Auch in der Fütterung fehlt bislang ein eigenständiger finanzieller Anreiz. Für gentechnikfreie Milch zahlen Meiereien teilweise Zuschläge. Dafür genügt jedoch gentechnikfreies Sojaschrot. Ein zusätzlicher Bonus für den Einsatz heimischer Ackerbohnen oder Erbsen entsteht daraus nicht.
Stickstoff inklusive
Bleibt die Frage, ob Leguminosen ohne Förderung überhaupt wettbewerbsfähig sind. Ein Vergleich allein über Deckungsbeitrag und Verkaufspreis greift allerdings zu kurz. Ackerbohnen und Erbsen binden Luftstickstoff und verursachen weniger Düngerkosten, erweitern enge Fruchtfolgen, verbessern die Bodenstruktur und können den Stickstoffbedarf der Folgekultur reduzieren.
Diese Vorteile gehören auf die Habenseite der Leguminosen. Trotzdem bleibt das Grundproblem bestehen: Wenn ein Produkt mit einem Futterwert von 30 €/dt am Markt 20 €/ dt erlöst, fehlen wirtschaftliche Signale für eine nachhaltige Ausweitung des Anbaus. Solange Verarbeitung, Bündelung und Nachfrage nach heimischem Eiweiß nicht stärker entwickelt sind, dürfte die Förderung für viele Betriebe ein entscheidendes Argument für den Leguminosenanbau bleiben.
Zwischenfrüchte binden Nährstoffe, halten den Boden über Herbst und Winter bedeckt und können so einen wichtigen Beitrag zum Gewässerschutz leisten. Untersuchungen aus dem Beratungsgebiet (BG) 9, Angeln und Schwansen, zeigen: Die Leistung der Bestände unterscheidet sich erheblich. Entscheidend ist nicht nur, was in der Mischung steckt, sondern auch, wie gut sich die Zwischenfrucht entwickeln kann.
Nach der Ernte der Hauptfrucht können im Boden noch pflanzenverfügbare Nährstoffe vorhanden sein. Dies betrifft neben dem gewässerschutzrelevanten Stickstoff auch aus ökonomischer Sicht wertvolle Grundnährstoffe wie unter anderem Kali, Magnesium, Phosphor und Schwefel. Bleibt die Fläche ohne aktiven Bewuchs, steigt insbesondere bei entsprechender Sickerwasserrate und milden Temperaturen das Risiko, dass mineralisierter Stickstoff mit dem Sickerwasser aus dem durchwurzelten Bodenraum verlagert wird. Zudem finden die Grundwasserneubildung und die Mineralisierung der Erntereste besonders in der Winterperiode bei entsprechend milden Temperaturen statt. Ein wachsender Zwischenfruchtbestand setzt genau hier an: Er nimmt Nährstoffe auf und überführt sie zunächst in pflanzliche Biomasse. Damit werden Nährstoffe zeitweise konserviert, statt über den Herbst ungenutzt im Boden zu verbleiben. Sie können nach dem Absterben oder der Einarbeitung der Zwischenfrucht wieder in den Stoffkreislauf zurückkehren und pflanzenbaulich genutzt werden.
Zwischenfrüchte spielen sowohl für den Grundwasserschutz als auch für den Biodiversitätsschutz, zum Beispiel über das Blühangebot, eine zentrale Rolle in der Fruchtfolge. Foto: Lilli Stooß
Zwischenfrüchte als Nährstoffspeicher
Die Wirkung beschränkt sich nicht ausschließlich auf Stickstoff. Zwischenfrüchte nehmen auch Kalium, Phosphor, Schwefel und Magnesium auf. Stickstoff ist ein zentraler Baustein für Proteine und das vegetative Wachstum, während Kalium unter anderem den Wasserhaushalt und zahlreiche Enzymprozesse der Pflanze steuert. Phosphor ist wesentlich für die Energieübertragung und den Stoffwechsel, Magnesium bildet das Zentralatom des Chlorophylls, und Schwefel wird für schwefelhaltige Aminosäuren und damit für die effiziente Proteinsynthese benötigt. Tief und intensiv wurzelnde Arten können zudem Bodenbereiche erschließen, die von der Hauptfrucht nur schwach genutzt oder nicht erreicht wurden. Werden diese Nährstoffe nach der Hauptfruchternte in lebender Biomasse gebunden, bleiben sie zunächst im pflanzlich-bodenbürtigen Kreislauf und stehen nach dem Absterben beziehungsweise der Einarbeitung und Mineralisierung wieder für nachfolgende Kulturen zur Verfügung. Gleichzeitig schützt die Bodenbedeckung vor Erosion, was im Hinblick auf den Oberflächengewässerschutz insbesondere für den Nährstoff Phosphat von besonderer Relevanz ist. Wurzeln sowie oberirdische Biomasse der Zwischenfrüchte liefern einen wichtigen Beitrag für die Humusbildung im Boden. Somit eröffnen Zwischenfrüchte ein ganzes Bündel möglicher Wirkungen: Nährstoffkonservierung, Erosionsschutz, Verbesserung der Bodenstruktur und die Förderung biologischer Prozesse im Boden.
Für die Nährstoffbindung ist vor allem die gebildete Biomasse von Bedeutung. Ein gut entwickelter Bestand kann entsprechend große Nährstoffmengen aufnehmen. Umgekehrt bleibt die Wirkung eines lückigen oder spät etablierten Bestandes begrenzt. Die Zwischenfrucht sollte daher nicht als bloßer Lückenfüller behandelt werden, sondern als eigenständiges Fruchtfolgeglied, dessen Etablierung über seine spätere Funktion entscheidet.
Zwischenfruchtbestände in der Praxis
Im Beratungsgebiet 9, Angeln und Schwansen, wurden insgesamt 21 Zwischenfruchtdemobestände vierfach wiederholt, je Demoschlag beprobt und die in der oberirdischen Biomasse enthaltenen Nährstoffmengen im Labor bestimmt. Erfasst wurden Stickstoff (N), Kalium als K2O, Phosphor als P2O5, Schwefel als SO3 und Magnesium als MgO. Für einen ersten Eindruck der Bandbreite der Ergebnisse wird nachfolgend bewusst nur der Stickstoffertrag (N-Ertrag) aller Einzelbestände dargestellt (Grafik 1).
Die Einzelwerte für den Parameter N-Ertrag der oberirdischen Biomasse zeigen eine sehr große Spannweite: Die N-Erträge reichen von sehr niedrigen Werten bis zu rund 200 kg N/ha. Damit wird sichtbar, welches Potenzial Zwischenfrüchte zur Nährstoffbindung entwickeln können. Gleichzeitig zeigt die Bandbreite, wie stark die Leistungsfähigkeit einzelner Bestände unter Praxisbedingungen schwankt. Dies ist sowohl aus Sicht des Gewässerschutzes als auch aus ökonomischer Sicht im Hinblick auf Saatgut- und weitere Betriebskosten von Relevanz. Auch Bestände mit vergleichbarer Artenkombination unterscheiden sich hinsichtlich des N-Ertragspotenzials deutlich. Das unterstreicht, dass neben der Mischungszusammensetzung vor allem die tatsächliche Bestandesentwicklung beziehungsweise -etablierung über die Nährstoffaufnahme entscheidet.
Welche Rolle spielt die Zusammensetzung?
In einer zweiten Auswertung wurden die 21 Bestände danach gruppiert, ob sie aus Kruziferen, Leguminosen oder Mischungen aus Leguminosen und Kruziferen beziehungsweise Mischungen aus Leguminosen und Gräsern zusammengesetzt waren. Von den 21 Beständen enthielten fünf Kruziferen, 15 Leguminosen und zwölf Gräser. Da eine Mischung mehrere dieser Merkmale gleichzeitig erfüllen konnte, sind Mehrfachzuordnungen möglich.
Innerhalb der untersuchten Bestände betragen die N-Aufnahmen im Mittel für Bestände mit Kruziferen etwa 50 kg N/ha, für Bestände mit Leguminosen 77 kg N/ha und für Bestände mit Gräsern 81 kg N/ha. Die zusammengefasste Auswertung zeigt damit deutlich, welche Größenordnungen bei der N-Bindung erreicht werden können und wie stark sich die Gruppenmittelwerte unterscheiden. Weiterhin wird das C/N-Verhältnis dargestellt, das das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff in der organischen Substanz beschreibt. Der Parameter kann als Indikator für die Abbaubarkeit der organischen Substanz herangezogen werden. Je enger das Verhältnis, desto schneller kann der in der Zwischenfrucht gebundene Stickstoff nach der Einarbeitung freigesetzt werden. Die vorliegenden Daten deuten im Mittel auf ein enges C/N-Verhältnis, also das Potenzial für eine rasche Umsetzung hin.
Für den Nährstoff Kalium liegen die gemittelten K2O-Erträge auf ähnlichem Niveau: 11 kg/ha in Beständen mit Kruziferen, 15 kg/ha in Beständen mit Leguminosen und 13 kg/ha in Beständen mit Gräsern (Grafik 2). Die oberirdisch gebundenen Nährstoffmengen für P2O5, SO3 und MgO liegen auf vergleichbarem niedrigen Niveau. Die Ergebnisse machen grundsätzlich deutlich, dass Zwischenfrüchte neben Stickstoff auch relevante Mengen an Kalium aufnehmen und über die Vegetationsperiode in der Biomasse binden können.
Bestandesentwicklung entscheidet mit
Wie viel Nährstoffe ein Zwischenfruchtbestand letztlich aufnimmt, hängt eng mit seiner Entwicklung zusammen. Ein früh und gleichmäßig etablierter Bestand verfügt über mehr Zeit zur Bildung von Blatt- und Wurzelmasse und kann dadurch mehr Nährstoffe aufnehmen. Der Saatzeitpunkt wurde in der vorliegenden Auswertung nicht gesondert betrachtet, ist aus pflanzenbaulicher Sicht aber eine wichtige Stellschraube für die Bestandesleistung.
Die Unterschiede zwischen den Einzelbeständen zeigen deshalb auch die Bedeutung des praktischen Managements. Sorgfältige Saatbettbereitung, eine zügige und gleichmäßige Etablierung sowie günstige Wachstumsbedingungen fördern die Biomassebildung und damit die Nährstoffaufnahme. Hinzu kommen Standort, Witterung, Nährstoffverfügbarkeit und der Konkurrenzdruck durch Ausfallgetreide oder Unkräuter.
Für die Beratung bedeutet das: Die Auswahl konkurrenzstarker Arten ist wichtig, ebenso entscheidend ist ein dichter und vitaler Bestand. Ein gut entwickeltes Gemenge kann sein Potenzial zur Nährstoffbindung besonders gut ausschöpfen. Auch vergleichsweise einfache Mischungen können einen hohen Nutzen entfalten, wenn die Etablierung gelingt.
Was bedeutet das für den Gewässerschutz?
Aus Sicht des Gewässerschutzes zählt zunächst, dass nach der Hauptfruchternte möglichst wenig mineralischer Stickstoff ungenutzt im Boden verbleibt. Ein aktiv wachsender Zwischenfruchtbestand nimmt diesen Stickstoff auf und bindet ihn in der Pflanzenmasse. Damit sinkt das Potenzial einer Verlagerung während der Sickerwasserperiode. Die Praxiserhebung aus dem BG 9 zeigt, welche Größenordnungen bei der Nährstoffbindung erreicht werden können.
Für die Praxis lässt sich daraus eine klare Priorität ableiten: Zwischenfrüchte sollten als leistungsfähiges Fruchtfolgeglied etabliert werden. Welche Mischung zum Standort, zur Fruchtfolge und zum betrieblichen Ziel passt, bleibt eine gezielte Entscheidung in Abhängigkeit von der Fruchtfolgegestaltung des jeweiligen Betriebes. Kruziferen, Leguminosen und Gräser bringen unterschiedliche Eigenschaften mit; abfrierende und winterharte Komponenten unterscheiden sich zudem in ihrem Verhalten über Winter und bei der anschließenden Freisetzung der gebundenen Nährstoffe. Im Hinblick auf den Erosionsschutz beziehungsweise N- und P-Einträge in Oberflächengewässer ist eine Bodenbedeckung über Winter eine entscheidende Maßnahme.
Fazit
Zwischenfrüchte können erhebliche Nährstoffmengen über Herbst und Winter in ihrer Biomasse binden. Die 21 untersuchten Bestände aus dem BG 9 zeigen eine große Leistungsbreite und ein deutliches Potenzial zur Nährstoffkonservierung. Besonders bei Stickstoff und Kalium wird das Potenzial sichtbar. Für die Praxis bleibt entscheidend, einen passenden Zwischenfruchtbestand frühzeitig und sicher zu etablieren. Eine gut entwickelte Zwischenfrucht ist sowohl für die Nährstoffbindung als auch für den Gewässerschutz wertvoller als ungenutztes Wachstumspotenzial auf einer brachliegenden Fläche und trägt zusätzlich zum Erosionsschutz bei.
Trotz bester Witterungsbedingungen für die Maisernte fanden sich zahlreiche Kaufinteressenten zur Auktion der RSH eG in Dätgen ein. Die angebotenen Tiere konnten aufgrund der hervorragenden Qualität bei flottem Marktverlauf durch Auktionator Claus-Peter Tordsen zügig zugeschlagen werden.
Gegenüber der August-Auktion war die Preisspitze deutlich breiter bei dieser ersten Auktion des am 1. September beginnenden Geschäftsjahres der RSH. Dreimal gab es Gebote bei 4.000 € oder darüber und sechsmal für 3.000 € und darüber.
Bullen bis 4.000 €
Die Auktion begann mit der dreiköpfigen Kollektion der rotbunten Bullen. Dabei stach der dunkelrot gezeichnete „Simply Red“-Sohn „Feko“ der Zuchtstätte Thomas Schmahl, Milchhof Wesenberg, aufgrund seines überragenden Exterieurs und bemerkenswerter Leistungen auf der Mutterseite deutlich hervor. So war es nicht verwunderlich, dass sich ein hiesiger Käufer diesen Ausnahmebullen für 4.000 € sicherte. Der Durchschnittspreis der rotbunten Bullen betrug 3.000 €. Bei den schwarzbunten Bullen war die Nachfrage verhaltener. Hier wurde von den drei angebotenen Vatertieren nur „Fasco“, ein Sohn von „Diggy Dex“, vermarktet. Er erzielte 3.000 € und stammt aus der Zucht von Karsten Kaack, Ratzbek.
Färsen bis 4.350 €
Die angebotenen weiblichen Tiere wurden flott versteigert. Preissiegerin war dabei die „Redford“-Tochter „Evening“, eine abgekalbte, extrem leistungsbereite schwarzbunte Färse, ebenfalls aus der Zucht von Thomas Schmahl, Wesenberg. Bei einer Einsatzleistung von 47 kg präsentierte sie sich mit bestem Fundament sowie körperstark. Hier fiel nach hartem Bieterduell schließlich bei 4.350 € der Hammer. Eine weitere abgekalbte schwarzbunte Färse, vorgestellt von der gleichen Zuchtstätte, „Diamant“, eine körperstarke „Fangio“-Tochter, gefiel auch durch ihr hervorragendes Fundament bei hoher Einsatzleistung. Sie erreichte 4.000 €. Noch weitere drei schwarzbunte Färsen erzielten Gebote von 3.000 € oder darüber. Der Durchschnittspreis der schwarzbunten Färsen betrug 2.683 €.
Die Rohwedder GbR, Buchholz, stellte mit 3.400 € die teuerste rotbunte Färse. Die „Rambo PP“-Tochter überzeugte durch ihre ebenfalls sehr hohe Einsatzleistung, viel Kraft und Stärke sowie beste Strichplatzierung und nicht zuletzt aufgrund ihrer genetisch homozygoten Hornlosigkeit. Die rotbunten Färsen erzielten durchschnittlich 2.494 €.
Angler und Kreuzungen
Die Kollektion der abgekalbten Angler Färsen erreichte 2.288 € im Mittel. Dabei stellte Volker Asmussen, Dannewerk, mit der besonders harmonischen und genetisch hornlosen „Blavand P“-Tochter „Dusty P“ die teuerste und erzielte für sie 2.600 €. Drei sehr wüchsige und vielversprechende Angler Kälber, geboren Anfang August, angeboten von der Zuchtstätte Michael Petersen, Taarstedt, wurden im Durchschnitt für 467 € verkauft, dabei erreichte „Granate“ (Vater „Claus P“), genetisch hornlos, 550 €.
Drei abgekalbte Kreuzungsfärsen erreichten durchschnittlich 1.967 €.
Fazit
Die Kaufinteressenten nutzen verstärkt die aktuellen Marktchancen zur Bestandsergänzung, was vor dem Hintergrund der zuletzt etwas freundlicheren Milchmarktprognosen sicher betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Dazu bietet die nächste Auktion der RSH eG am 15. Oktober eine weitere gute Gelegenheit. Diese findet im Vermarktungszentrum der RSH eG in Dätgen statt. Angeboten werden Tiere, die ausschließlich aus BHV1- und BVD/MD-freien Betrieben stammen.
Beim Pachtdeckel für Windräder stellen sich die Länder quer. Der Bundesrat forderte am Freitag vergangener Woche in seiner Stellungnahme zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2027), die geplante und bei Eigentümerverbänden unbeliebte Obergrenze für Flächenpachten zu streichen.
Beim Agri-PV-Bonus schwebt den Ländern statt 0,5 ein Wert von 2,5 ct/kWh vor. Auch beim Biogas forderte die Länderkammer deutliche Korrekturen. Für die Jahre 2027 bis 2032 solle das Ausschreibungsvolumen einheitlich bei 2,5 GW liegen. Der Landwirtschaftsausschuss warb dafür, flächenschonende Lösungen gezielt zu stärken, um Konflikten mit der landwirtschaftlichen Produktion entgegenzuwirken.
Ausbauziel für Biomasse bleibt umstritten
Nicht gefolgt ist die Länderkammer einer gemeinsamen Empfehlung des Landwirtschafts- und des Umweltausschusses, wonach statt 9,5 GW installierter Leistung 19,3 GW als Ziel für Biomasseanlagen im Jahr 2035 verankert werden sollten. Die Ausschüsse hatten argumentiert, dass ein bloßes Halten der aktuellen Kapazität angesichts der im Biomassepaket 2025 bereits gekürzten Volllaststunden zu einem Rückgang der tatsächlich erzeugten Strommenge um 35 % führen würde. Die Zielmarke von 9,5 GW entspreche bereits der heutigen Leistung der Bioenergie im Stromsektor, hatte auch das Hauptstadtbüro Bioenergie kritisiert.
Bei der Herbst-Agrarministerkonferenz (AMK) am selben Tag in Würzburg haben die Ressortchefs der Länder ebenfalls einen Beschluss zum Entwurf des EEG 2027 gefasst. Auch sie lehnen den Pachtdeckel für Windenergieanlagen ab und bitten den Bund, auf den Passus sowie die geplanten Sanktionen bei höheren Grundstücksentgelten zu verzichten. Im Beschluss betonen die Agrarressortchefs zudem, dass der Ausbau der PV-Anlagen nicht zulasten landwirtschaftlicher Fläche erfolgen dürfe. Höhere Investitions- und Betriebskosten von Agri-PV- und Moor-PV-Anlagen sowie der zusätzliche Nutzen dieser Anlagen müssten gegenüber klassischen Freiflächenanlagen angemessen berücksichtigt werden. Darüber hinaus setzt sich die AMK dafür ein, verlässliche wirtschaftliche Perspektiven für bestehende und neue Biogas- und Biomethananlagen zu gewährleisten sowie ein eigenständiges Ausschreibungssegment für hochflexible Biomethananlagen vorerst beizubehalten.
Zuvor hatte der Deutsche Bauernverband (DBV) die Agrarminister gebeten, sich für Biogas- und Biomethananlagen einzusetzen, darunter für ausreichend ausgestaltete Ausschreibungsvolumina, wirtschaftlich tragfähige Förderbedingungen sowie die Absicherung bestehender Erzeugungskapazitäten. Konkret will der DBV eine Verdopplung des Ausschreibungsvolumens und einen Flexzuschlag von 150 €/kW. Auch weitere Erneuerbare Energien wie Agri-PV, Dachanlagen und Windkraftanlagen sollten weiterhin zur Wertschöpfung im ländlichen Raum beitragen, so die Verbandsforderung.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte ihren Reformkurs in der ersten Lesung des Gesetzentwurfs im Bundestag am Vortag verteidigt. Es gehe darum, Kosten einzusparen, da diese „explodiert“ seien. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien müsse „marktorientierter, kosteneffizienter und systemdienlicher“ erfolgen, fasste der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium (BMWE), Stefan Rouenhoff (CDU), in seiner Bundesratsrede zusammen.
Widerspruch kam jedoch aus den eigenen Reihen. „Wir müssen Biogas und Bioenergie stärken“, betonte Hans Koller, Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion für das EEG und das Energiewirtschaftsrecht. Er warnte ausdrücklich davor, bei Biogas „etwas zu zerschlagen, was die letzten 20, 25 Jahre aufgebaut worden ist“. Zugleich mahnte Koller auch einen sparsamen Umgang mit landwirtschaftlichen Flächen an. Beim Solarausbau will das BMWE hingegen den Fokus auf die vergleichsweise günstigeren Freiflächenanlagen legen.
AfD will EEG abschaffen
Die AfD-Fraktion forderte mit einem eigenen Gesetzentwurf die komplette Abschaffung des EEG. Auch die Grünen hatten bereits einen eigenen Reformentwurf präsentiert. Ihre Abgeordnete Katrin Uhlig warb im Plenum dafür, diesen zu unterstützen. Sie zeigte sich verwundert darüber, dass Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) in derselben Woche im Kabinett den Fahrplan zur Abkehr von fossilen Energien vorgelegt habe und Kabinettskollegin Reiche nun zwei Gesetze einbringe, „die den Ausbau Erneuerbarer Energien massiv ausbremsen“. Das zweite Gesetz ist das ebenfalls im Bundestag und Bundesrat beratene „Netzpaket“, mit dem der Anlagenzubau mit dem Netzausbau synchronisiert werden soll.
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sieht ebenfalls in beiden Gesetzentwürfen einen „erheblichen Widerspruch“ zu dem von der Bundesregierung entwickelten und bei den Vereinten Nationen in dieser Woche vorgelegten Plan, bis 2045 aus den fossilen Energien auszusteigen. Das weitere parlamentarische Verfahren werde laut BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser zur Richtungsentscheidung über die wirtschaftliche Entwicklung und den Klimaschutz. Aus Verbandssicht müssten beide Gesetze deutlich nachgebessert werden, sonst drohe Stillstand in der Energiepolitik mit erheblichen negativen Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsplätze.
In der separaten Debatte zum Netzanschlusspaket machte die SPD-Fraktion deutlich, dass sie den in der Branche scharf kritisierten Redispatch-Vorbehalt, der Anlagenbetreibern in überlasteten Netzgebieten vorübergehend die Entschädigung bei Abregelung streicht, ebenfalls ablehnt. Die Fraktion setzt laut Nina Scheer stattdessen auf den Ausbau von Speichern. Auch Grüne und Linke halten den Redispatch-Vorbehalt für den falschen Weg. Im Bundesrat fand eine komplette Streichung dieses Mechanismus indes keine Mehrheit.
Beihilferechtliche Genehmigung läuft aus
Dass die Länderkammer und die Abgeordneten im Parlament binnen zwei Tagen über beide energiepolitischen Reformen berieten, ist kein Zufall. Beide Gesetzentwürfe sind als besonders eilbedürftig eingestuft. Hintergrund ist, dass das aktuelle EEG 2023 nur bis Ende 2026 beihilferechtlich genehmigt ist. Um einen nahtlosen Anschluss zu ermöglichen, ist vorgesehen, dass das EEG 2027 am 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Es wird laut Bundesregierung entsprechend angestrebt, davor das beihilferechtliche Verfahren bei der Europäischen Kommission erfolgreich abzuschließen.