Spanien ächzt unter dem niedrigen Schweinepreis. China baut Bestände ab. Die USA feiern dagegen Produktionsrekorde, Brasilien ebenso. Und wie sieht es in Deutschland aus? Die wirtschaftliche Lage ist dramatisch, doch es bleibt verdächtig ruhig im Stall. Einer Umfrage von „Top Agrar“ zufolge halten Schweinehalter wenig von Demonstrationen – es wäre auch die Frage: gegen wen? Die Preisbildung passt nicht mehr zu den Kostenstrukturen. Eine Angebotssteuerung wie im Geflügelsektor sehen viele Schweinehalter dennoch kritisch.
Währenddessen strickt die Regierung am staatlichen Tierhaltungskennzeichen. Als gäbe es keine drängenderen Probleme, als ein funktionierendes System der Wirtschaft zu ersetzen. Gleichzeitig droht Gefahr vom Handel: Weil der Absatz von Fleisch aus höheren Haltungsstufen stockt, kassiert der Handel teils seine ambitionierten Tierwohlziele ein. Umsatzstarke Aktionsware stammt nach wie vor fast ausschließlich aus Haltungsstufe 1. Gibt es denn gar keine Hoffnung? Dänemark strebt die Selbstversorgung an, die Niederlande haben ein Stickstoffproblem, im Osten grassiert die Afrikanische Schweinepest (ASP). Wir sehen in der Tendenz sinkende Bestände bei unseren Nachbarn – und damit weniger Schlachtungen und Ferkelimporte. Dass Tönnies seine Pläne für einen Schlachtstandort im spanischen Aragon nie umgesetzt hat, spricht Bände.
Während Experten für die EU mit einem weiter schrumpfenden Markt rechnen, soll die Nachfrage besonders in Afrika und Zentralamerika weitersteigen. Werden deutsche Lieferanten diese Nachfrage bedienen? Bei den Kostenstrukturen wohl eher nicht, zumal Haltungsform und Herkunft auf dem Weltmarkt keine Argumente sind. Dann schon eher der CO2-Fußabdruck – und auch das vor allem in der EU.
Die Vorlage einer Tierwohlstrategie und eines Proteinplans durch die EU-Kommission könnten Licht am Ende des Tunnels bedeuten, wenn der Tunnel nur nicht so lang wäre! Die Kommission sucht die Trendwende bis zum Jahr 2040. Dass sie aus dem Topf der Gemeinsamen Agrarpolitik finanziert werden soll, macht einen Erfolg nicht wahrscheinlicher. Zudem werden die Fristen der deutschen Tierschutznutztierhaltungsverordnung spätestens 2036 eine staatlich verordnete Marktbereinigung der Sauenbetriebe forcieren.
Was bleibt? Das Angebot muss zur Nachfrage passen, der Preis zur Kostenstruktur. Nischen sind zu nutzen. Der Hinweis des westfälischen Bauernverbandspräsidenten Hubertus Beringmeier, die Entwicklung auf den Märkten gefährde die heimische Ernährungssicherheit, ist richtig – aber politisch wenig wirksam. Besser wäre es, die Fristen für die Sauenhalter zu verschieben und eine Regelung zu finden, wie man Tierhalter mit bereits umgebauten Ställen dann nicht nachträglich abstraft. Und auch wenn es schwerfällt, muss das Thema Integration auf den Tisch.
Der Strukturwandel geht indes weiter: Im Zehnjahresvergleich ist der Schweinebestand in Deutschland um mehr als 22 % geschrumpft. Trotzdem gibt es Betriebe, die investieren. Auch das Bundesprogramm zum Umbau der Tierhaltung verzeichnete mit 635 Investitionsanträgen überraschend viel Zuspruch – gerade aus der Sauenhaltung. Hier braucht es weiter eine solide Förderung. Es bleibt trotzdem sauschwer. Die deutsche Schweinehaltung ist nichts für Feiglinge.




