Ob von einem Grünlandbestand gute Erträge bei hoher Futterqualität erzielt werden können, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Neben standörtlichen Gegebenheiten und der Witterung, die nur begrenzt oder nicht beeinflussbar sind, spielen insbesondere die Bewirtschaftung und das Nährstoffmanagement eine zentrale Rolle. Eine bedarfsgerechte Düngung stellt sicher, dass den Pflanzen die benötigten Nährstoffe in der richtigen Menge und zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Sie bildet damit eine wesentliche Grundlage für leistungsfähige Bestände, eine effiziente Nährstoffausnutzung und stabile Grünlanderträge.
Gerade in der ersten Vegetationshälfte wird im Grünland ein Großteil des jährlich erzeugten Futters gebildet. Entsprechend hoch ist in dieser Phase der Nährstoffbedarf der Bestände. Mit Ablauf der Sperrfristen und einsetzendem Gräserwachstum sollte die Nährstoffversorgung so ausgerichtet sein, dass die Pflanzen rechtzeitig und bedarfsgerecht versorgt werden. Voraussetzung hierfür sind befahrbare Böden sowie eine angepasste Düngestrategie, die den Bedarf des Bestandes berücksichtigt und Nährstoffverluste vermeidet.
Stickstoffversorgung auf dem Grünland
Vor der Ausbringung wesentlicher Nährstoffmengen ist auch im Grünland eine schriftliche Düngebedarfsermittlung für Stickstoff (N) und Phosphor (P) zu erstellen. Sie bildet die fachliche und rechtliche Grundlage der Düngung und ist schlag- oder bewirtschaftungseinheitsspezifisch durchzuführen. Der ermittelte Düngebedarf stellt dabei eine verbindliche Obergrenze dar, die im weiteren Jahresverlauf nicht überschritten werden darf. Ziel der Düngebedarfsermittlung ist es, den Nährstoffbedarf der Bestände realistisch abzubilden und eine angepasste, effiziente Nährstoffversorgung sicherzustellen.
Als Grundlage für die Düngebedarfsermittlung im Grünland wird zunächst das Ertragsniveau der vergangenen fünf Jahre herangezogen. Maßgeblich ist dabei der durchschnittliche Trockenmasseertrag in dt TM/ha, der die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Bestandes abbilden soll. Innerhalb der N-Gebietskulisse ist hierfür der Durchschnitt aus den Jahren 2015 bis 2019 als feste Berechnungsgröße vorgegeben. Um den Düngebedarf realistisch zu ermitteln, ist es daher sinnvoll, die Erträge schlagspezifisch zu erfassen. Hierfür können vorhandene Fuhrwerks- oder mobile Achslastwaagen genutzt werden. Alternativ liefern die Vermessung des Silos oder Bestandsbeurteilungen zum Erntetermin hilfreiche Anhaltspunkte. Ausgehend vom ermittelten Durchschnittsertrag wird ein standort- und nutzungsspezifischer Basiswert für den Stickstoffbedarf des Grünlandes festgelegt. Dieser Basis-N-Bedarf bildet die rechnerische Grundlage der Düngebedarfsermittlung. Weicht das betriebsindividuelle Ertragsniveau von den in den Richtwerten zugrunde gelegten Erträgen ab, sind entsprechende Zu- oder Abschläge in kg N/ha vorzunehmen. Zusätzlich ist der Rohproteingehalt der Grünlandaufwüchse zu berücksichtigen. Liegen die gemessenen Rohproteingehalte ober- oder unterhalb der in der Düngeverordnung definierten Richtwerte, wird der Basis-N-Bedarf entsprechend angepasst. Die hierfür erforderlichen Untersuchungsergebnisse müssen betrieblich dokumentiert vorliegen. Eine exemplarische Düngebedarfsermittlung für Stickstoff im intensiv genutzten Schnittgrünland (vier Schnitte, 100 dt TM/ha, Rohprotein 17 %) ist in der Tabelle auf Basis der „Richtwerte für die Düngung“ dargestellt.
Nachlieferung aus dem Bodenvorrat
Neben dem Ertragsniveau und den Rohproteingehalten ist bei der Düngebedarfsermittlung die Stickstoffnachlieferung aus dem Boden zu berücksichtigen. Abhängig vom Humusgehalt können insbesondere humusreiche, anmoorige oder moorige Standorte erhebliche Mengen an pflanzenverfügbarem Stickstoff freisetzen. Entsprechend sind Abschläge auf den ermittelten N-Bedarfswert vorzunehmen, um die bodenbürtige N-Nachlieferung sachgerecht abzubilden. Zusätzlich ist die Nachlieferung aus organischen Düngergaben des Vorjahres zu berücksichtigen. Hierfür werden pauschal 10 % der im Vorjahr ausgebrachten organischen Gesamtstickstoffmenge als Abschlag angesetzt. Diese Nachlieferungen tragen zur Versorgung des Bestandes bei und sind zwingend in die Düngebedarfsermittlung einzubeziehen.
Auswirkungen von Leguminosen
Eine weitere Stickstoffquelle stellen die im Bestand vorhandenen Leguminosen dar. Durch ihre Symbiose mit Stickstoff fixierenden Knöllchenbakterien tragen sie zur Stickstoffversorgung des Grünlandbestandes bei. Entsprechend müssen die Ertragsanteile der Leguminosen in den jeweiligen Bewirtschaftungseinheiten geschätzt und bei der Düngebedarfsermittlung durch Abschläge auf den N-Bedarfswert berücksichtigt werden. Da sich Leguminosen im zeitigen Frühjahr häufig noch schwächer entwickelt zeigen, empfiehlt sich die Schätzung des Leguminosenanteils insbesondere nach dem ersten Schnitt. Zu diesem Zeitpunkt sind Rot- und Weißklee in der Regel gut erkennbar und können realistisch bewertet werden. Der Leguminosenanteil ist am Ertragsanteil festzumachen und nicht am Pflanzenbedeckungsgrad, der leicht zu einer Überschätzung des Ertrags der Leguminosen führen würde.
Nach Vornahme aller Zu- und Abschläge ergibt sich der schlagspezifische N-Bedarfswert, der mit den im weiteren Jahresverlauf durchgeführten Düngemaßnahmen nicht überschritten werden darf. Befindet sich die Fläche innerhalb der N-Gebietskulisse, ist der ermittelte N-Bedarfswert auf Betriebsebene zusätzlich um 20 % zu reduzieren. Eine Verschiebung von Stickstoffmengen zwischen Kulturen ist möglich, sofern der verringerte gesamtbetriebliche Düngebedarf für die Flächen in der N-Kulisse eingehalten wird und die schlagspezifische N-Obergrenze nicht überschritten wird. Insbesondere für Flächen innerhalb der N-Kulisse ist ein exaktes Nährstoffmanagement von besonders hoher Priorität, um die reduzierte N-Menge und die flächenspezifisch begrenzte Auslegung der organischen Düngung auf 170 kg N/ha möglichst effizient auszunutzen und Verluste, zum Beispiel in Form von Auswaschung, zu reduzieren.
Verlustarme Ausbringtechnik
Stickstoff ist der maßgebliche Nährstoff für Wachstum und hohe Trockenmasseerträge im Grünland. Gleichzeitig können bei unsachgemäßer Ausbringung oder ungünstigen Witterungsbedingungen Verluste in Form von Ammoniakemissionen oder Nitratauswaschung auftreten. Diese Verluste wirken sich nicht nur negativ auf die Umwelt aus, sondern stehen den Pflanzen auch nicht mehr zur Verfügung. Neben der bedarfsgerechten Bemessung der Stickstoffgaben kommt daher der Ausbringtechnik eine entscheidende Bedeutung zu. Emissionsarme und streifenförmige Ausbringverfahren wie Einschlitzen oder Schleppschuhsysteme reduzieren gasförmige Verluste deutlich und erhöhen die Stickstoffeffizienz. Seit dem 1. Februar 2025 sind auf Grünland die streifenförmige Aufbringung oder das direkte Injizieren in den Boden flüssiger Wirtschaftsdünger verpflichtend anzuwenden. Eine breitflächige Verteilung ist seitdem nicht mehr zulässig. Darüber hinaus sollten die Ausbringungstermine an die Witterungsbedingungen angepasst werden. Kühles, feuchtes Wetter sowie bedeckter Himmel begünstigen die Infiltration der Nährstoffe in den Boden und tragen zur weiteren Verringerung von Stickstoffverlusten bei. Auch durch Ansäuerung der Gülle, insbesondere bei Gaben zum zweiten oder dritten Schnitt, kann der NH3-Verlust deutlich reduziert werden.
Grundnährstoffe und pH-Wert
Neben der Stickstoffdüngung ist im Grünland auch die Versorgung mit den Grundnährstoffen Phosphor (P), Kalium (K) und Magnesium (Mg) sicherzustellen. Grundlage hierfür bildet die Bodenanalyse, die auf Grünland zur Feststellung des Versorgungszustandes aus einer Probentiefe von 0 bis 10 cm entnommen wird, um den Hauptdurchwurzelungsraum abzubilden. Für Phosphor ist eine Bodenuntersuchung spätestens alle sechs Jahre verpflichtend vorgeschrieben. Anhand der Untersuchungsergebnisse erfolgt eine Einteilung in Gehaltsklassen von A bis E, wobei die Versorgungsstufe C anzustreben ist. Über die Gehaltsklasse, das Ertragsniveau sowie die Bodengruppe werden die empfohlenen Düngegaben für die jeweiligen Nährstoffe abgeleitet. Die entsprechenden Richtwerte sind in der Broschüre „Richtwerte für die Düngung“ der Landwirtschaftskammer dargestellt.
Vegetationsbeginn richtig einschätzen
Damit die ausgebrachten Nährstoffe von den Pflanzen optimal genutzt werden können, sollten sie zum Beginn des anhaltenden Gräserwachstums zur Verfügung stehen. Eine zu frühe Ausbringung erhöht das Risiko von Nährstoffverlusten, während eine verspätete Düngung das Ertragspotenzial der Bestände einschränken kann. Der tatsächliche Vegetationsbeginn variiert dabei in Abhängigkeit von Standort und Witterungsverlauf. Hilfestellung bei der Einschätzung des Vegetationsbeginns findet sich auf der Homepage der Landwirtschaftskammer im Bereich Grünland unter „Grundlagen, Tipps und Beratung“.
Kalkung als Basis
Eine standortangepasste Kalkversorgung ist eine wesentliche Voraussetzung für die effiziente Nutzung der ausgebrachten Nährstoffe im Grünland. Liegt der pH-Wert außerhalb des optimalen Bereiches, können insbesondere Phosphor sowie weitere Nährstoffe im Boden fixiert werden und stehen den Pflanzen nur eingeschränkt zur Verfügung. Der Kalkungsbedarf ergibt sich aus der Bodenuntersuchung und ist abhängig von der jeweiligen pH-Versorgungsstufe, der Bodenartgruppe sowie der Nutzungsintensität der Fläche. Eine regelmäßige Überprüfung des pH-Wertes im Rahmen der Bodenuntersuchung ist daher sinnvoll, um bestehenden Kalkungsbedarf frühzeitig zu erkennen und auszugleichen. Die empfohlenen Kalkmengen sind in den „Richtwerten für die Düngung“ der Landwirtschaftskammer dargestellt und ermöglichen eine standort- und nutzungsgerechte Kalkversorgung des Grünlandes. Auf Grünlandstandorten ist zumeist Kalk mit geringerer Reaktivität ausreichend und sinnvoll.
Fazit
Auch im Grünland ist vor der Ausbringung wesentlicher Mengen an Stickstoff und Phosphor eine schriftliche Düngebedarfsermittlung zu erstellen und als verbindliche Obergrenze einzuhalten. Mit Ablauf der Sperrfristen und einsetzendem Vegetationsbeginn sollten die Nährstoffe bedarfsgerecht und verlustarm ausgebracht werden. Neben einer leistungsfähigen Grasnarbe bilden eine angepasste Ausbringtechnik, die Berücksichtigung standortspezifischer Faktoren sowie eine gesicherte Versorgung mit Grundnährstoffen und Kalk die Grundlage für eine effiziente Nährstoffnutzung, stabile Erträge und eine hohe Futterqualität im Grünland.




