Neun Bundesländer, mehr als 2.000 Teilnehmer und 613.945 mit Pferd zurückgelegte Kilometer, das ist die Bilanz des diesjährigen Cups der Bundesländer, einer Veranstaltung, die zugunsten der örtlichen Reit- und Fahrwege ins Leben gerufen wurde und bei immer mehr pferdebegeisterten Menschen Anklang findet. Alle diesjährigen Einzelsieger waren zum ersten Mal dabei.
Nachdem der Cup 2021 durch den Verein Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein ins Leben gerufen wurde, haben sich immer mehr Bundesländer angeschlossen. „Für das kommende Jahr ist die Tendenz noch steigend“, erklärt Stacy Bradtke, eine der Initiatorinnen aus Schleswig-Holstein. Dank der unterschiedlichen Sparten der Reiter, Fahrer, Säumer und Kids ist für jeden etwas dabei. Ganz egal ob Einsteller, Selbstversorger oder Reitbeteiligung.
„Unsere Landkreise haben es in diesem Jahr besonders spannend gemacht“, berichtet Bradtke. Während in den vergangenen Jahren die führenden schleswig-holsteinischen Landkreise zur Mitte der Veranstaltung schon recht klar gewesen seien, habe es in diesem Jahr bis zum Schluss ein regelrechtes Kopf-an-Kopf-Rennen gegeben. Niemand wollte den anderen Landkreisen etwas schenken, denn die Siegerlandkreise nach Gesamt- und Durchschnittskilometern erhalten jeweils ein beachtliches Preisgeld. Finanziert wird das aus dem Überschuss der Teilnahmegebühr. Unabhängig davon, wie viele Kilometer man zurücklegt, tut man mit der Teilnahme am Cup also etwas Gutes.
Siege für Segeberg und Lauenburg
Am Ende konnte sich der Kreis Segeberg bei den Gesamtkilometern durchsetzen. Hier wurden 26.152 km zurückgelegt. Die Marke von 20.000 km knackten außerdem Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde auf den Plätzen zwei und drei. Im Kreis Herzogtum Lauenburg wurden mit 307,84 km die meisten durchschnittlichen Kilometer gesammelt. Mit etwas Abstand folgten Nordfriesland und Segeberg. Insgesamt legten die Teilnehmer aus Schleswig-Holstein innerhalb der 17 Cupwochen 151.777 km zurück und holten sich damit den eindeutigen Sieg nach Gesamtkilometern im Cup der Bundesländer. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sammelten jeweils mehr als 80.000 km. In der Wertung nach Durchschnittskilometern siegte Baden-Württemberg mit 316,61 km vor Sachsen und Rheinland-Pfalz. Hier lag Schleswig-Holstein mit 224,52 km auf Rang acht.
Doch auch die einzelnen Teilnehmer aus dem Norden hatten die Chance auf einen Sieg. In allen Sparten werden die ersten drei Plätze mit den meisten Kilometern geehrt. Bei den Fahrern ist das Thomas Talis aus Leck, Kreis Nordfriesland. Er und sein Beifahrer waren zum ersten Mal dabei. Ein Fahrerkollege hatte vom Cup erzählt, und da Talis seine Welsh-B-Ponys „eh bewegen muss“, meldete er sich an. Ursprünglich waren 1.000 km angepeilt, doch dann kamen die ersten Rankings. „Wir waren von Anfang an vorn mit dabei, und dann packt einen schon irgendwann der Ehrgeiz“, erzählt der pensionierte Soldat.
Also wurden auch Gespanne ausgeliehen, Talis fuhr nach Niedersachsen und sammelte dort mit einem Kollegen Kilometer, fuhr ein-, zwei- und vierspännig, im Tandem und in der Troika. Etwa fünfmal die Woche war er unterwegs, manchmal fünf Stunden lang. „Mit dem Gespann kommen schnell 25 km zusammen“, berichtet er. Habe man erst einmal angespannt, sei es egal, ob man noch eine Extraschleife fahre.
Talis geht es neben dem Fahren an sich vor allem darum, wieder mehr Wege für seine Kutschen zu bekommen. „Mit Fahrwegen ist es nicht so toll bei uns. Wir dürfen zwar die Reitwege mitbenutzen, aber die reichen meist in der Breite nicht für einen Zweispänner“, erklärt er. In Brandenburg und Niedersachsen dürften die Kutschen auf jedem Waldweg fahren, wenn es nicht explizit verboten sei. Das ist in Schleswig-Holstein nicht so.
Fahren für mehr Rücksicht und Wege
Talis und sein Beifahrer sind daher meist auf öffentlichen Straßen unterwegs. Auch hier hat er ein großes Anliegen: Die Menschen aus seiner Umgebung seien sehr rücksichtsvoll gegenüber den Kutschen, aber die Touristen auf dem Weg nach Sylt hätten keine Erfahrung mit Pferden im Straßenverkehr. „Daran müsste gearbeitet werden“, macht er klar und wünscht sich, dass der Cup dabei hilft, dass mehr Rücksicht genommen wird und vielleicht auch einmal ein Förster entscheidet, dass in seinem Wald gefahren werden kann. „Wir müssen ins Gespräch kommen“, findet Talis. Dankbar ist er seinem Beifahrer. „Der will nicht ins Rampenlicht, aber ohne ihn wäre das nicht möglich gewesen. Eine Kutsche oder Pferde kann ich überall kaufen. Beifahrer sind Mangelware“, so Talis, der seit 30 Jahren im Fahrsport unterwegs ist. Nun hofft er, dass er bei der offiziellen Preisverleihung in Bad Segeberg ein paar Gleichgesinnte trifft.
Christine Börner war ebenfalls zum ersten Mal dabei. Sie kam zwei Tage vor Beginn des Cups über Social Media auf die Idee mitzumachen. „Ich reite meistens allein aus. Im Cup reitet man gefühlt zusammen“, erklärt sie ihre Beweggründe. Schnell wurde ihr klar, dass man mit der Teilnahme auch zeigt, dass man etwas schaffen kann, wenn man beharrlich an einer Sache dranbleibt. „Ich wollte den Menschen Mut machen, dass man an etwas glauben und es umsetzen kann“, erklärt Börner, die erst vor ein paar Jahren von Hamburg nach Schönberg, Kreis Herzogtum Lauenburg, gezogen ist.
Intensiv die Jahreszeiten erleben
Ein schöner Nebeneffekt ist, dass sie jetzt viele Menschen aus ihrer Nachbarschaft kennt. „Ich war jeden Tag unterwegs, und wenn ich bei mir reite, muss ich immer erst durch unser Dorf“, erzählt sie.
Mit ihrem Ehemann betreibt sie eine Schule für Bogenschießen in Hamburg. Die vergangenen Monate hätten nur aus Arbeit und Reiten bestanden. Oft sei sie mehrmals am Tag mit dem Hund und einem Pferd zu Fuß aufgebrochen, aber auch im Sattel. Jetzt freuen sich die beiden Connemaraponys und ihre Besitzerin auf eine Sommerpause.
Auf etwa 300 km der beachtlichen 2.500 km, die sie am Ende auf dem Zähler hatte, wurde Börner von ihrer Freundin Christiane Doepner begleitet. Diese hatte für den Cup ihren 30-jährigen Buddy wieder fit gemacht. Zusammen zogen die beiden die gesammelten Kilometer ihres Landkreises so weit hoch, dass Herzogtum Lauenburg an der Spitze der Durchschnittswertung landete.
Für Christine Börner waren die Cupwochen eine eindrucksvolle Zeit. „Man nimmt unglaublich intensiv die Jahreszeiten wahr, vor allem den Frühling. Und es ist eine tolle Gemeinschaftsaktion“, findet sie und plädiert ebenfalls dafür, Rücksicht aufeinander und vor allem auf Pferde im Straßenverkehr zu nehmen.
Wie Talis und Börner war auch Mascha Maleen Ihme zum ersten Mal dabei und gleich Siegerin bei den Säumern. Die angestellte Immobilienmaklerin lebt mit ihrer Familie auf einem Hof in Maasbüll, Kreis Schleswig-Flensburg. Dort stehen auch ihre Islandpferde und vier Einsteller. Im vergangenen Jahr ist eine neue Einstellerin dazugekommen, die beim Cup mitgemacht und die ganze Hofgemeinschaft „angesteckt“ hat.
Ihme sah in der Teilnahme eine gute Möglichkeit, ihre beiden Stuten zu trainieren. Die ältere war aufgrund von Hufproblemen nicht mehr in Form und die zweite, eine ehemalige Zuchtstute, noch nicht eingeritten. Jetzt sind beide Pferde fit, und ihre Besitzerin freut sich, dass sie mit ihrem „neuen Islandpferd“ mehr als sonst zu Fuß im Gelände unterwegs war. „Das war Auslauf für alle“, ist sich Ihme sicher.
Endlich einmal Zeit für sich haben
Bis zum letzten Tag sammelte die Mutter von drei Kindern fleißig Kilometer. Ihr Ziel von 700 km hat sie erreicht. „Ich hatte gar nicht vor, ganz oben zu landen“, sagt sie, denn durch die Kinder und den Hof habe sie wenig Zeit. „Mehr Kilometer wären nicht drin gewesen, stressen wollte ich mich nicht.“
Vor allem aber sei es schön gewesen, wieder einmal etwas für sich zu tun. Begleitet wurde sie dabei häufig von ihrer fünfjährigen Tochter, die dann auf einem der Pferde saß. „Ihr Highlight war, dass ich sie vom Kindergarten abgeholt habe“, berichtet die stolze Mutter. Im nächsten Jahr möchte Lilla bei den Kindern mitmachen.
Diese Wertung konnte in diesem Jahr Lejana Sophie Thiesen gewinnen. Die 13-Jährige reitet schon seit zehn Jahren und ging mit dem Shetlandpony Pumukel an den Start. Auch sie war zum ersten Mal dabei. Lejana lebt mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Norderfriedrichskoog, Kreis Nordfriesland, und führt auch schon die Gästekinder auf ihrem Pony. „Wir haben die Pferde direkt am Haus zu stehen, und Lejana liebt sie sehr, besonders die Isländer“, erzählt ihre Mutter Jessica Thiesen.
Gemeinsam mit ihren Freundinnen Annika und Ida macht Lejana gern Ausritte zum Smeerkrog, denn da gibt es eine kleine Selbstbedienungshütte, in der sie sich ein Eis kaufen können. „Mit den Ausritten und durch das Führen der Gästekinder sind schnell mehr als 670 km zusammengekommen, und alle haben die Nachmittage an der frischen Luft genossen“, berichtet Jessica Thiesen.
Zum Abschied nach den gemeinsamen Cupwochen sind die Veranstalter vom Verein Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein „traurig, erleichtert und einfach sprachlos, im positiven Sinne“. Sie bedanken sich bei allen Teilnehmern „für das harmonische Miteinander, die positive Kommunikation, die Hilfestellungen, die neu entstandenen Freundschaften, spontane Treffen, dass ihr eure Kids bereits für das Gelände sensibilisiert, für eingerittene Pferde, Oldies und ehemals verletzte Pferde, die ihre Runden drehen durften, und für die, die den Cup zum Mutmachen und als Ansporn nutzten. Gemeinsam zeigen wir auf, wie wichtig vernünftige Wege im Gelände sind und wie gut Pferden ein Ausgleich neben Reithalle und Reitplatz tut.“
Der nächste Cup der Bundesländer ist schon geplant und wird Anfang 2027 starten. Die Ausschreibung wird voraussichtlich im Dezember 2026 veröffentlicht.




