Noch vor wenigen Jahren war er ein eher seltener Gast in Schleswig-Holstein, wenn auch nicht gern gesehen: der Maiszünsler. Mittlerweile hat er sich deutlich ausgebreitet und ist weiter in den Norden vorgedrungen. Nun wurde auch die Bekämpfungsschwelle an den ersten Standorten in Schleswig-Holstein überschritten.
Für die Landwirte bedeutet das: Befall ermitteln, vorbeugende Maßnahmen einleiten und gegebenenfalls über einen Einsatz von Nützlingen im nächsten Jahr nachdenken.
Ertrag und Qualität in Gefahr
Der Maiszünsler ist nicht nur lästig, er kann auch deutliche Ertrags- und Qualitätseinbußen verursachen. Auch wenn es hierzu noch keine Ergebnisse aus Schleswig-Holstein gibt, wird aus anderen Bundesländern von Ertragseinbußen von 25 bis zu 30 % berichtet. Dabei ist die Höhe des wirtschaftlichen Schadens neben der Anzahl der Larven pro Pflanze beziehungsweise dem Anteil der befallenen Pflanzen auch von den Witterungsbedingungen abhängig. Zum einen wird die Wasser- und Nährstoffversorgung durch den Fraß der Larven beeinträchtigt. In Zeiten zunehmender Trocken- und Hitzeperioden kann sich der unterbrochene Assimilattransport bemerkbar machen. Zum anderen beeinträchtigen die Fraßgänge, Ein- und Ausbohrlöcher die mechanische Stabilität der Maispflanze und führen mitunter zum Abknicken der Stängel. Solange dies im oberen Stängelbereich geschieht, ist der Schaden gering. Gerade bei stärkeren Winden oder Stürmen, die für Schleswig-Holstein typisch sind, können die Pflanzen im unteren Bereich abbrechen und in der Ernte nicht mehr erfasst werden.
Hinzu kommt ein zunehmender Pilzbefall mit dem vermehrten Auftreten des Maiszünslers. Besonders problematisch in diesem Zusammenhang ist der Befall mit Fusarienpilzen, der vor allem bei Einbohrlöchern am Kolben auch optisch gut sichtbar ist. Höhere Toxinbelastungen, die die Futterqualität erheblich mindern können, sind die Folge. Auch ein vermehrtes Auftreten von Maisbeulenbrand wurde bei einem Zünslerbefall beobachtet.
Befall im Blick behalten
Das Auftreten des Maiszünslers wird in Schleswig-Holstein mittels Pheromonfallen seit mehreren Jahren vom Pflanzenschutzdienst überwacht. Dabei wurden männliche Falter bereits in fast allen Kreisen gefunden. Pheromonfallen allein sind jedoch nicht aussagekräftig genug. Diese Feststellung wurde auch in diesem Jahr beim Maiszünsler-Monitoring gemacht. Abbildung 1 zeigt die Anzahl der gefangenen Falter an den Monitoringstandorten sowie den Anteil befallener Pflanzen mit typischen Symptomen wie abgeknickten Stängeln, Bohrmehl oder Fraßgängen vor der Ernte. Dabei wurde zum Teil auch an Standorten ohne Fänge in den Fallen im Juni oder Juli vor der Ernte ein Befall der Pflanzen festgestellt. Umgekehrt konnte an anderen Standorten trotz vorheriger Falterfänge kein Befall bonitiert werden. An acht Standorten wurden Falter gefangen, an sieben Standorten wurde Befall festgestellt. An zwei Standorten wurde sogar die Bekämpfungsschwelle überschritten.
Vor, während oder nach der Maisernte ist es wichtig, den Befall zunächst festzustellen. Starke Befallssymptome wie abgeknickte Stängel fallen schnell auf, aber nicht immer ist der Befall äußerlich so leicht zu erkennen. Dabei sollte man auch Ausschau nach Einbohrlöchern und Fraßmehl halten, nicht nur im Stängel, sondern auch am Kolben. Gelegentlich wird man schon beim Abschneiden einer augenscheinlich gesunden Pflanze von einer Larve im unteren Halmabschnitt überrascht. Nach der Ernte kann ein Aufschneiden der Stoppeln Aufschluss über die Befallssituation und das weitere Vorgehen geben.
An den ersten Standorten im Kreis Herzogtum Lauenburg wurde die Bekämpfungsschwelle nun überschritten. Sie dient als Orientierung für einen möglichen Einsatz von Schlupfwespen im Folgejahr, sofern in der näheren Umgebung erneut Mais angebaut wird. Die Bekämpfungsschwelle gilt im Silomais als überschritten, wenn 30 % der Pflanzen einen Befall zeigen oder 30 bis 40 Larven in 100 Pflanzen gefunden werden. Um dies zu ermitteln, sollten an mehreren Stellen im Bestand insgesamt mindestens 25 Pflanzen entnommen werden, aufgeschnitten und gründlich untersucht werden.
Einsatz von Schlupfwespen
Der Einsatz von Schlupfwespen (Trichogramma brassicae) wurde in diesem Jahr bereits an einem Standort in der Nähe von Ratzeburg in einem ersten Tastversuch getestet (Abbildung 2). Die Ausbringung der kleinen Kugeln mit ungeschlüpften Trichogramma (220.000 Tiere je Hektar) erfolgte am 17. Juli händisch auf einer Fläche von 1 ha. Die Trichogramma schlüpfen anschließend in mehreren Wellen über zwei bis drei Wochen und parasitieren die Eigelege des Maiszünslers, sodass sich die Larven gar nicht erst entwickeln können. In dem Tastversuch wurde bei starkem Befall ein Wirkungsgrad von etwas über 40 % erreicht. Für ein erstes Ausprobieren, ohne den richtigen Einsatzzeitpunkt wirklich zu kennen, sind die Ergebnisse zufriedenstellend. Die große Herausforderung besteht darin, den richtigen Ausbringungstermin zu finden. Der Einsatz sollte zum Flughöhepunkt der Weibchen erfolgen. Mit den Pheromonen werden jedoch hauptsächlich die Männchen erfasst. Daher erfolgte der Einsatz in diesem Jahr womöglich etwas zu spät beziehungsweise sind bei einem so starken Befall, mit dem absolut nicht gerechnet wurde, sogar schon zwei Einsätze im Abstand von zirka 14 Tagen notwendig, um einen Wirkungsgrad von 70 bis 80 % oder mehr zu erreichen. Dies soll im nächsten Jahr getestet werden, dann allerdings mit dem Einsatz einer Drohne.
Stoppeln konsequent bearbeiten
Was auf jeden Fall nach der diesjährigen Ernte erfolgen muss, ist eine sorgfältige Stoppelbearbeitung. Ziel ist es, die Stängelreste bestmöglich zu zerkleinern, um verbliebene Larven direkt zu töten oder ihnen die Überwinterungsmöglichkeit zu nehmen. Wichtig ist hierbei, dass alle Landwirte an einem Strang ziehen. Werden die Stoppeln nur einer Fläche in der Nachbarschaft trotz Befall nicht ausreichend bearbeitet, tragen alle umgebenden Maisanbauern im nächsten Jahr die Konsequenzen. Bei festgestelltem Befall ist es daher hilfreich, den Kontakt zu den Nachbarbetrieben zu suchen.
Geht es um die geeignete Stoppelbearbeitung, gibt es unterschiedliche Meinungen. Während die einen es für ausreichend erachten, die Stoppeln aufzuschneiden, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu ermöglichen und so die Sterberate der Larven im Winter zu erhöhen, fordern die anderen eine möglichst vollständige Zerstörung der Stoppeln samt Wurzelansatz. Je nach Ziel stehen dafür verschiedene Geräte zur Verfügung, die ihre jeweiligen Vor- und Nachteile haben. Gerade bei stärkerem oder sich aufbauendem Befall sollte es aber das Ziel sein, die bestmögliche Zerkleinerung der Erntereste zu erreichen.
Die Kurzscheibenegge ist dafür nicht das geeignete Gerät, selbst dann nicht, wenn ein strengerer Winter folgt, wie Beobachtungen diese Saison deutlich gemacht haben. So weisen im Umkreis einer letztjährigen Maisfläche mit moderatem Befall, die nach der Ernte mit Kurzscheibenegge und Grubber bearbeitet wurde, Silomaisflächen in diesem Jahr Befallswerte von über 50 % auf. Auch ein Unterpflügen der Erntereste kann hilfreich sein.
Fazit
Der Maiszünsler hat sich in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein weiter in Richtung Nordwesten ausgebreitet. Ertrags- und Qualitätseinbußen drohen. Die Bekämpfungsschwellen für den Einsatz von Schlupfwespen wurden bereits auf ersten Flächen überschritten. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist eine sorgfältige Zerstörung der Erntereste, um den Larven die Überwinterungsmöglichkeit zu nehmen. Wichtig ist es, den Befall stets im Blick zu haben, um entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. Dabei ist die Zusammenarbeit aller Landwirte in einer Region notwendig.
Steckbrief
Schädling & Aussehen
Der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) ist ein Kleinschmetterling. Die Falter sind zimtbraun und haben eine Spannweite von 25 bis 30 mm. Die Vorderflügel sind von gezackten Querstreifen durchzogen. Die Männchen sind dunkler gefärbt als die Weibchen. Die bis zu 30 mm langen Larven sind grau-gelblich mit dunklem Kopf und dunklen Punkten auf den Segmenten.
Schadbild
Sichtbar sind Bohrlöcher und Bohrmehl an Stängeln und Kolbenansätzen. Die Stängel knicken häufig oberhalb oder unterhalb des Kolbens ab. Durch die Unterbrechung der Leitbahnen verkümmern die Kolben. Fraßstellen dienen zudem als Eintrittspforten für Fusarium-Pilze (Toxinbildung).
Lebenszyklus
Die Falter fliegen etwa von Juni bis August. Sie legen ihre Eier an den Blattunterseiten ab. Nach etwa ein bis zwei Wochen schlüpfen die Larven, fressen an Blättern und bohren sich in das Stängelinnere. Mit zunehmender Reife der Pflanzen wandern sie in und an den Pflanzen nach unten, um als ausgewachsene Larven in den untersten Stängelresten zu überwintern und sich im Frühjahr zu verpuppen.
Bekämpfung
• mechanisch: Stoppeln direkt nach der Ernte möglichst stark zerkleinern (zum Beispiel Mulchen) und anschließend tief einarbeiten, um die Überwinterungsmöglichkeiten zu reduzieren
• biologisch: Ausbringen von Trichogramma-Schlupfwespen, zum Beispiel per Drohne, zum Flughöhepunkt der Falter



