Auswertungen von Laboranalysen von Heu und Heulage für die Pferdefütterung zeigen die Tendenz, dass die Grünlandbestände häufig zu spät geschnitten werden. Das macht sich durch zu geringe Gehalte an Rohprotein und praecaecal verdaulichem Rohprotein sowie hohe Gehalte an Rohfaser bemerkbar. Parallel zum Sinken des Futterwerts steigt die Keimbelastung in physiologisch älteren Pflanzenbeständen.
Labore wie die Landwirtschaftliche Kommunikations- und Servicegesellschaft mbH in Lichtenwalde veröffentlichen regelmäßig Ergebnisse zu den untersuchten Heuchargen der vergangenen Jahre (https://t1p.de/pferdeheuchargen). Neben dem allgemeinen Trend zu späten Ernteterminen zum Ende der Gräserblüte bis hin zu komplett überständigem Gras werden die Flächen häufig nicht oder stark reduziert gedüngt, was sich ebenfalls negativ auf den Proteingehalt auswirkt. Für die Rationsplanung und eine bedarfsgerechte Fütterung der Tiere sind somit die Inhaltsstoffangaben in Futterwerttabellen, die sich auf den optimalen Erntetermin beziehen, nicht aussagekräftig; eine eigene Laboranalyse ist unerlässlich. Unter Umständen ist es erforderlich, eine zusätzliche Komponente als Proteinquelle zu verwenden, um bei reiner Heufütterung eine Unterversorgung zu vermeiden.
Vorteile einer frühen Ernte
Durch eine Ernte im optimalen Nutzungsstadium der Gräser kann dem entgegengewirkt werden. Der für die Pferdefütterung erforderliche Rohfasergehalt von 25 bis 32 % in der Trockenmasse (TM) wird erreicht, sobald sich die Gräser in der Blüte befinden. Die Landwirtschaftskammer veröffentlicht als Orientierung die Ergebnisse der Reifeprüfung Grünland für die Heustandorte auf der Homepage (https://t1p.de/gruenland-reifepruefung) und via Instagram. Die Kenntnis der eigenen Bestände und ein Begehen der Flächen sind jedoch unverzichtbar, um rechtzeitig auf die Ernte vorbereitet zu sein. Je nach Wetter und Wahl der Konservierungsform reicht für die Ernte ein Zeitfenster von bis zu drei Tagen aus (Silage oder Heulage), für Bodenheu ist eine längere Schönwetterperiode erforderlich.
Während der Konservierung reduziert sich die Zahl der epiphytischen Mikroorganismen, die in der Natur auf den Pflanzen leben, im Optimalfall tritt Keimruhe ein. Da physiologisch ältere Pflanzen stärker mit Hefen und Schimmelpilzen besiedelt sind, wirkt sich ein früherer Erntezeitpunkt auch positiv auf die Mikroflora aus: Es müssen weniger Schadkeime unschädlich gemacht werden.
Konservierungsprinzip Silierung
Bei der Silierung wandeln Milchsäurebakterien, die natürlich auf den Pflanzen vorkommen, Zucker zu Milchsäure und geringen Mengen Essigsäure um, dadurch sinkt der pH-Wert ab, und Schadkeime werden gehemmt (siehe Abbildung). Voraussetzung ist ein konsequenter Luftabschluss, also anaerobe Bedingungen, der möglichst fest gepresste Ballen wird hierfür mit Stretchfolie umwickelt. Silagen mit einem TM-Gehalt von 45 bis 50 % sind durchaus auch für die Pferdefütterung geeignet, sofern der Rohfasergehalt den Anforderungen entspricht. So konserviertes Futter zeichnet sich durch deutlich geringere Zucker- und Fruktangehalte aus. Bei TM-Gehalten von über 50 bis 75 % handelt es sich um Heulage (Gärheu oder Haylage).
Bei den in der Pferdehaltung besonders beliebten sehr trockenen Heulagen oder bei gewickeltem Feuchtheu (75 bis 85 % TM) findet aufgrund der geringen Wasserverfügbarkeit meist nur eine gering ausgeprägte, manchmal auch gar keine Milchsäuregärung statt, und dementsprechend wird der pH-Wert nur minimal abgesenkt. Im oberen TM-Bereich beruht die konservierende Wirkung nach der Veratmung des Restsauerstoffs vor allem auf der sich im Ballen ausbildenden Kohlendioxid-Atmosphäre und der geringen Verfügbarkeit von Wasser. Allerdings findet bei sehr trockener Heulage oft nicht genug Restatmung statt, sodass Luftsauerstoff in geringen Mengen im Ballen verbleibt. Wenn durch die mikrobielle Atmung frei werdendes Wasser insbesondere in den Randschichten kondensiert, bieten diese nun etwas feuchteren Schichten in Kombination mit dem noch verfügbaren Sauerstoff noch ausreichend gute Lebensbedingungen, um Schimmelpilzen und Hefen Wachstum zu ermöglichen.
Bis zur Verfütterung ist eine Lagerdauer von acht Wochen einzuhalten, um sicherzugehen, dass die mikrobiologischen Prozesse abgeschlossen sind. Nach dem Öffnen sind Heulagen nur kurz lagerfähig und deshalb möglichst innerhalb von wenigen Tagen zu verbrauchen, bei sommerlichen Temperaturen innerhalb eines Tages. Der einsetzende aerobe Verderb geht meist mit einer deutlichen Temperaturerhöhung einher.
Konservierungsprinzip Trocknung
Eine andere Möglichkeit, Gras zu konservieren, ist die Trocknung, also der Wasserentzug. Bei TM-Gehalten über 86 % handelt es sich um Heu. Bei reiner Bodenheugewinnung wird ein so hoher Trocknungsgrad leider nicht immer erreicht. Für die Produktion von Heu sind eine längere Feldliegezeit und mehr Arbeitsgänge erforderlich. Durch die mechanische Beanspruchung des Ernteguts beim Kehren, insbesondere wenn der Trocknungsgrad steigt, kommt es zu den sogenannten Bröckelverlusten: Die feinen Blätter der Gräser und Kräuter gehen verloren. Da in diesen Pflanzenteilen das meiste Protein enthalten ist, weist Heu einen geringeren Proteingehalt auf als von derselben Fläche erzeugte feuchtere Heulage. Etwa ein bis zwei Stunden vor dem Pressen wird geschwadet, das Pressen erfolgt noch bei Sonnenschein. Die Ballen werden locker gepresst, um eine gute Belüftung zu ermöglichen.
Für die Lagerung ist ein Schutz vor der Witterung erforderlich, hier kommt neben der Hallenlagerung eine Abdeckung mit einem wasserabweisenden, aber luftdurchlässigen Vlies infrage. Eine gute Luftzirkulation ist sicherzustellen, zum Beispiel durch Lagerung auf Paletten, zudem sind Abstände zwischen den Ballen wichtig. In der sogenannten Schwitzphase finden noch Atmungsprozesse der epiphytischen Mikroflora statt, bei denen das Pflanzenmaterial nachtrocknet und entstehendes Wasser über die Luft abgeführt wird. Dabei kann es insbesondere bei zu feucht gepresstem Material zu einer Erwärmung der Heuballen bis hin zu Selbstentzündung kommen, deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle der Ballentemperatur sinnvoll. Diese Schwitzphase dauert bis zu acht Wochen, danach sollte die Keimruhe eingetreten sein, und das Heu darf verfüttert werden.
Probleme mit Lagerpilzen treten häufig dann auf, wenn das Heu zum Zeitpunkt der Ernte noch zu feucht war, die Ballen zu fest gepresst wurden oder die Luftzirkulation während der Schwitzphase nicht sichergestellt wurde, die Feuchtigkeit also nicht abtransportiert werden konnte. Auch Rückbefeuchtung durch Kondenswasser, zum Beispiel als Tropfen von der Decke, oder durch zu hohe Luftfeuchtigkeit im Herbst und Winter kann bei guten Heuqualitäten zu einer späteren Lagerverpilzung führen.
Qualitätsverbesserung durch Zusätze
Betriebe, die sich nicht mit mittelmäßiger Heu- oder Heulagequalität abfinden wollen, überprüfen zunächst das Erntemanagement und die Lagerbedingungen. Bei Heulage kann es beispielsweise helfen, bei einem höheren Feuchtegehalt als üblich zu pressen, sodass tatsächlich noch Silierung möglich ist. Bei TM-Gehalten bis zu 60 % kann auch der Einsatz eines geeigneten biologischen Siliermittels zu einer Qualitätsverbesserung führen. Hierzu hat die Landwirtschaftskammer in den vergangenen Jahren Versuche durchgeführt (https://t1p.de/futter-und-substratkonservierung). Bei höheren Trockenmassegehalten sind nur noch chemische Siliermittel wirksam. Für Heu sind spezielle Konservierungsmittel erhältlich. Für alle Zusätze sind die Einhaltung der empfohlenen Dosierung und eine homogene Verteilung essenziell.
Dichtigkeit der Ballen gewährleisten
Für Heulage oder gewickeltes Heu ist es ratsam, eine hochwertige Stretchfolie einzusetzen und mit mindestens acht Folienlagen zu wickeln. Bei einer geringeren Anzahl besteht das Risiko von Folienverletzungen beim Herabfallen des Ballens auf die Grasnarbe. Eine Reparatur mit Siloklebeband ist nur für die äußerste Lage möglich, die Gasdichtigkeit ist somit nicht garantiert. Gewickelte Ballen sind sofort auf den möglichst befestigten Lagerplatz zu bringen, die meisten Schäden durch Vögel (Krallen und Picken) entstehen in den ersten 24 Stunden bei Verbleib auf der Fläche. Rundballen werden stehend und ohne Seitenkontakt gelagert, um die Dichtigkeit zu gewährleisten und Schimmelbildung vorzubeugen. Vogelschutznetze und ein gutes Schadnagermanagement sind ebenfalls erforderlich.
Sensorische Qualitätskontrolle
Vor der Verfütterung von Heulage und Heu ist es ratsam, einerseits eine Laboranalyse zur Rationsberechnung zu beauftragen, andererseits regelmäßig eine sensorische Überprüfung der Qualität vorzunehmen. Gute Heulage riecht angenehm leicht säuerlich und aromatisch. Gerüche nach Essigsäure (stechend) oder Buttersäure (ranzig) und Röstaromen weisen auf Fehlgärungen hin. Ein muffiger oder fauliger Geruch oder Strukturverlust (Pflanzen sind schmierig/schleimig) zeigen aeroben Verderb an. Hefen sind zunächst als kleine, weiße Pünktchen (etwa so groß wie ein Stecknadelkopf) zu erkennen. Myzelartige Strukturen gehen oft auf Schimmelpilze zurück. Entgegen einer weit verbreiteten Irrmeinung sind weder Milchsäurebakterien noch Siliermittel mit bloßem Auge auf der Silage/Heulage zu erkennen.
Gutes Heu weist einen sehr guten, aromatischen Heugeruch auf und riecht weder muffig noch brandig. Es hat eine ähnliche Farbe (grünlich bis bräunlich) wie das Erntegut und ist rau und steif im Griff. Ideal ist keine oder nur eine sehr geringe Staubentwicklung.
Fazit
Ein früher Erntetermin zu Beginn bis Mitte der Blüte der Gräser ist für die Pferdefütterung anzustreben. Dann entspricht sowohl der Rohfaser- als auch der Rohproteingehalt den Ansprüchen der Tiere, zudem ist die Belastung mit Schadkeimen, die mithilfe der Konservierung reduziert werden muss, deutlich geringer.




