Sie werden bei Login in den Shop auch automatisch auf der Bauernblatt-Website eingeloggt und können sich dann zukünftig mit dem gleichen Passwort auf beiden Websites anmelden.
Kurz vor der Silomaisernte gilt es, unter der großen Auswahl an angebotenen Maissorten wieder einen Blick auf hierzulande empfohlene Silomaissorten zu werfen.
Die Landwirtschaftskammer bietet fachlich neutrale Beratung zu Silomais-Sortenempfehlungen, die auf den Vorjahresergebnissen der Landessortenversuche beruhen. Ein zusätzlicher Schwerpunkt der diesjährigen Feldführungen liegt auf der Etablierung von Untersaaten im Mais und Zwischenfrüchten nach Mais per Drohnensaat.
Haben regional geprüfte Sorten in den Vorjahren hohe und stabile Leistungen erzielt, wird eine entsprechende Anbauempfehlung für die Sorten ausgesprochen. Es lohnt sich, die Gelegenheit für Informationen zu aktuell empfohlenen Sorten zu nutzen, in Verbindung mit dem Austausch mit Praktikern, Beratern, Züchtern, Interessierten und dem Saatguthandel. Für den anstehenden Saatgutkauf können die gesammelten Informationen als Entscheidungshilfe dienen und Frühbezugsrabatte genutzt werden. Zum Zeitpunkt der mittlerweile schon zu den klassischen Begehungen der Versuchsfelder zählenden Feldführungen ist der Verkauf von Maissaatgut für die kommende Aussaat im Frühjahr 2027 im Gang. Wenn auch die diesjährigen Leistungspotenziale der Prüfsorten noch nicht vorliegen, können ertragssichernde Eigenschaften wie Kältetoleranz, Jugendentwicklung und Standfestigkeit auf dem Acker ausgemacht werden. Der optische Eindruck von Pflanzenlänge, Stängeldicke, Blattmasse und weiteren Auffälligkeiten lässt aber keinen Schluss auf die diesjährige Sortenleistungen zu.
Einsatz der Drohnensaat beurteilen
Per Drohnensaat ausgebrachte Untersaaten und Zwischenfrüchte werden vorgestellt. Foto: Dr. Elke Grimme
Zudem bieten Feldführungen praxisnahe Einblicke in den Maisanbau auf der Geest und zeigen auf dem jeweiligen Standort die Anpassungen von Silomaissorten an vorherrschende Wuchsbedingungen während der Vegetation. Witterungsstress und Grenzen der getroffenen Pflanzenbau- und Pflanzenschutzmaßnahmen in der Fläche können betrachtet werden. Düngungsversuche werden auf beteiligten Standorten vorgestellt. Auch die Etablierung von Untersaaten im Mais und Zwischenfrüchten nach Mais per Drohnensaat werden vorgeführt. Untersaaten und Zwischenfrüchte fördern Bodenfruchtbarkeit und Humusaufbau, binden Nährstoffe und schützen vor Erosion und Nitratauswaschung. In der Praxis erschweren jedoch insbesondere die notwendigen Abstände zur Herbizidanwendung ihre Etablierung. Die Drohnensaat eröffnet ein neues Saatfenster: Sie ermöglicht die Aussaat auch dann noch, wenn der Mais für herkömmliche Technik längst zu hoch ist. Ende Juli wurden dazu nach betriebsüblichem Pflanzenschutz vier Varianten – Wickroggen, Erbsentriticale, Lundsgaarder Gemenge und Gras – per Drohne ausgesät. Bei den Feldführungen können die Bestände verglichen und Chancen und Grenzen der späten Drohnensaat beurteilt werden.
Maisanbaufläche in Schleswig-Holstein
Nach den vorläufigen Ergebnissen der Bodennutzungshaupterhebung vom 30. Juli des Statistikamtes Nord für Hamburg und Schleswig-Holstein werden in Schleswig-Holstein auf rund 649.000 ha Ackerfrüchte angebaut. Der Silomais behauptet mit 170.300 ha Anbaufläche (9 % Zuwachs zum Vorjahr) seine Position als flächenstärkste Ackerkultur in Schleswig-Holstein.
Die Feldführungen Silomais der Landwirtschaftskammer finden bei jedem Wetter statt.
In der Kremper Marsch im Kreis Steinburg liegt der Hof Obendeich, auf dem Jana Bornholdt groß geworden ist. Nach langen Lehrjahren bei Harm Thormählen in Kollmar und einem prägenden Aufenthalt bei François Mathy in Belgien hat sie hier gemeinsam mit ihrem Mann Arne Bornholdt einen eigenen Zucht- und Ausbildungsstall aufgebaut.
Pferde spielten schon in Jana Bornholdts Kindheit eine große Rolle. „Meine Zwillingsschwester und ich bekamen zu unserem fünften Geburtstag einen Haflingerhengst geschenkt, Manu, noch ein Haflinger vom richtig alten Schlag, ein Mädchentraum“, erinnert sie sich. Aus dem einen Pony wurden mit der Zeit drei, und zweimal in der Woche kamen auch weitere Kinder aus dem Dorf zum Ponyreiten auf den Hof Obendeich. Dieser wurde damals nur noch als Resthof geführt.
„Meine Großeltern hatten noch einen landwirtschaftlichen Betrieb“, berichtet Bornholdt. Ihr Großvater, Ernst Engelbrecht-Greve (CDU), war viele Jahre Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein und blieb seinem Hof parallel zur politischen Karriere treu. Doch mit zunehmendem Alter wurde klar, dass keins seiner Kinder den Betrieb weiterführen würde, und so wurde er Ende der 1970er Jahre eingestellt. Ihren Großvater lernten die Schwestern noch kennen, die Landwirtschaft nicht mehr. Das tat ihrer Liebe zu den Pferden keinen Abbruch.
Schnell wurden allerdings die unterschiedlichen Charaktere der Zwillingsschwestern auch im Sattel deutlich: Jana, die Springreiterin, und Kathrin, die Dressurreiterin. Beide waren ehrgeizig, und mit zwölf Jahren bekamen sie ihr erstes Großpferd, die Oldenburger Stute Wilma. Weil die Möglichkeiten auf dem heimischen Hof bald nicht mehr ausreichten, wechselten die Schwestern zum Reitstall Zimmer im nahe gelegenen Kollmar.
Als die Oldenburger Stute der Familie verletzungsbedingt aus dem Sport ausschied, war Jana etwa 15 Jahre alt. Ihr Vater schlug vor, bei Harm Thormählen vorbeizufahren. Die beiden kannten sich von früher. Thormählen hatte tatsächlich eine passende Stute in Kommission: eine achtjährige Lavall II-Tochter, bereits bis 1,40 m platziert. Die Familie kaufte sie, doch das Pferd erwies sich als schwierig, und man wandte sich erneut an Thormählen. „Für ihn war vor allem die Abstammung interessant, und er nahm die Stute in die Zucht“, erinnert sich Bornholdt.
Jung zu Harm Thormählen
Gleichzeitig fragte der berühmte Züchter, ob die damals 16-jährige Jana Lust hätte, bei ihm zu reiten. „So bin ich zu Harm gekommen“, lacht sie heute. Was als Reiten neben der Schule begann, wurde schnell mehr. „Dort kam ich zum ersten Mal wirklich mit der Pferdezucht in Berührung. Angefangen hat es mit den Geburten, aber sehr schnell interessierten mich auch die Abstammungen“, erzählt Bornholdt. Harm habe sein Wissen wie kaum ein anderer vermitteln können.
Sie verbrachte fortan jede freie Minute auf dem Hof, nach der Schule, in den Ferien, bei der Strohernte und beim Fohlenbrennen, und erhielt früh Thormälens Vertrauen, auch seine wertvollen Hengste zu reiten. Durch die vielen verschiedenen jungen Pferde habe sie erst so richtig reiten gelernt. Die Jungpferdeausbildung vom Anreiten bis zum ersten Parcours ist bis heute das, was ihr am meisten Spaß bringt. Trotzdem entschied sie sich gegen eine Ausbildung zur Pferdewirtin und arbeitete nach dem Abitur erst einmal zwei Jahre lang bei Thormählen.
In ihrer Zeit bei Harm Thormählen bildete Jana Bornholdt unter anderem Capriccio aus. Mit dem Wallach war sie erfolgreich in der Youngster Tour. Foto: Stefan Lafrentz
Während dieser Zeit ging Bornholdt für einige Monate nach Belgien zu François Mathy, der dort einen der renommiertesten internationalen Turnier- und Handelsställe betreibt. So begegnete sie einem anderen Pferdetyp als dem, den sie aus Holstein kannte. „Die Pferde konnten wahnsinnig springen, aber die Rittigkeit und das Reitgefühl waren anders. In dieser Zeit habe ich erst richtig gemerkt, was für rittige und gut konstruierte Pferde wir in Holstein haben.“
Vor allem aber öffnete der Aufenthalt ihren Blick für den internationalen Springsport. „Ich habe gelernt, dass die Welt viel größer ist als Holstein und dass wir uns selbst nicht so wichtig nehmen dürfen“, erklärt sie. „Die anderen machen es ebenfalls ziemlich gut. Die Pferde waren vielleicht nicht immer die schönsten Typen, aber sie hatten viel Einstellung und eine sehr gute Technik.“
Auch sportlich war die Zeit in Belgien wertvoll. Bornholdt nahm Harm Thormählens Stute Cortina von Cardino-Calando I mit und startete mit ihr unter anderem bei der Sunshine Tour. Nach ihrer Rückkehr ritt sie erneut für Harm Thormählen, bevor sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau machte und dann in die Immobilienbranche wechselte.
Einstieg in die Zucht
Nach der Hochzeit mit Arne Bornholdt und der Geburt ihrer heute neunjährigen Tochter Emelie begann sie, in Harm Thormählens Büro zu arbeiten und parallel die eigene Zucht aufzubauen. Die hatte mit dem Verkauf des von ihr ausgebildeten Wallachs Capriccio von Come-On aus der Kleinen Cera begonnen. Als Dankeschön für ihre Arbeit mit Capriccio schenkte Thormählen ihr die Hälfte an einem Acodetto-Stutfohlen.
Geplant war, dass Bornholdt die Stute aus dem Stamm 104A ausbilden und später verkaufen sollte. Doch nach einem Unfall im Jährlingsalter blieb Abba körperlich beeinträchtigt. Trotzdem zeigte sie beim Springen außergewöhnliche Qualitäten. „Sie hatte eine unglaubliche Einstellung, viel Mut und scheinbar grenzenloses Vermögen. Irgendwann konnte sie ihre Einschränkungen jedoch nicht mehr ausgleichen.“ Aus Sorge, dass die Stute nach einem Verkauf überfordert werden könnte, entschieden Jana und Arne Bornholdt sich für einen anderen Weg. „Arne hatte die Idee, auch die zweite Hälfte zu kaufen. Harm hat sie uns günstig überlassen, und mit dieser Stute haben wir angefangen zu züchten.“
Die Grundsätze ihrer Zucht beschreibt Jana Bornholdt mit wenigen Worten: „Klein und fein. Individuell und vor allem mit Zeit.“ Sie erklärt: „Ich habe jeden Zyklus meiner Stuten im Kopf. Für mich geht es nicht um die Masse, sondern um die individuelle Betreuung. Ich habe gelernt, meinem eigenen Gefühl zu vertrauen und nicht zu viel darauf zu hören, was andere sagen.“
Besonders viel Freude bereitet ihr die Auswahl der Hengste. „Andere junge Züchter können auf der elterlichen oder großelterlichen Zucht aufbauen. Wir haben bei null angefangen“, sagt sie. Bei ihren Anpaarungsentscheidungen geht sie weit über den Blick auf Abstammung, sportliche Erfolge oder aktuelle Modetrends hinaus. „Ich schaue mir die Stute zunächst sehr genau an und möchte sie vor allem vom Wesen her wirklich kennen. Anschließend versuche ich herauszufinden, wie der Hengst charakterlich ist. Natürlich beschäftige ich mich auch intensiv mit dem Körperbau, weil ich den für sehr wichtig halte.“
Dass sie immer wieder Fohlen verkauft, auch die guten, gehört zu ihrem Konzept. „Anders können wir diese Passion gar nicht finanzieren“, weiß sie. „Mir macht es am meisten Spaß, mich intensiv mit wenigen Pferden zu beschäftigen und ihnen die nötige Zeit zu geben.“ Heute hat Bornholdt jeweils etwa vier bis fünf Pferde in Arbeit, beispielsweise den von ihr gezogenen und als Fohlen an den irischen Olympiareiter Cian O‘Connor verkauften Wallach Haaland von Highway aus einer Casall-Mutter. Die Stute hat sie nicht mehr, aber das Fohlen ließ O‘Connor für die Aufzucht und Ausbildung bei ihr.
Heimat auf dem Familienhof
Dass ihre Zukunft einmal auf dem Hof Obendeich liegen würde, hatte die heute 40-Jährige lange Zeit nicht bewusst geplant. Der Resthof war nicht mehr landwirtschaftlich genutzt worden. „Wenn ich ganz tief in mich hineinhöre, war der Wunsch wahrscheinlich schon immer da. Ich konnte mir ein Leben hier vorstellen, hatte aber keinen klaren Plan, wie das einmal aussehen könnte.“
Konkreter wurde die Idee erst gemeinsam mit ihrem Ehemann, der selbst aus der Landwirtschaft stammt, jedoch als Ingenieur arbeitet, und neben Verständnis für ihre Leidenschaft auch viel praktisches Geschick mitbringt. Für Jana ist klar, dass ohne Arne die Zucht und der Stall zu Hause nicht entstanden wären. „Er hat hier jede Box und jeden Zaun gebaut. Ich mache alles am Pferd und er alles andere. Ich habe den allergrößten Respekt, dass er diesen täglichen Pferdewahnsinn so mit mir durchzieht. Das ist alles andere als selbstverständlich, wenn man selbst nicht aus dieser Welt stammt“, erzählt sie.
Inzwischen stehen etwa 25 Pferde bei ihnen, vom Absetzer bis zum Reitpferd. Bornholdt bietet einen Rundumservice an. Dabei sind ihr kleine Gruppen wichtig. Zusätzlich bewirtschaftet das Ehepaar etwa 30 der 86 ha und macht sowohl Heu als auch Stroh selbst. Arnes Vater Ernst Bornholdt ist dabei eine große Hilfe. Er kümmert sich zusammen mit Arne um die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen. „Wir haben also einen richtigen Familienbetrieb. Anders wäre es auch gar nicht möglich“, stellt Jana Bornholdt klar.
Ausgehend von der gemeinsam übernommenen Acodetto-Stute entwickelte sich die Zucht langsam weiter. Abba brachte schon einen Hengstanwärter: Cardoso von Comme il faut, der bei einem Unfall verstarb. Die heute ebenfalls in der Zucht eingesetzte Lotta II entstand aus einer Anpaarung mit Diarado. Sie und die zugekaufte Urenkelin der berühmten Fein Cera, Fairness von Chupamint-Contender (Stamm 3615), sind die Herzenspferde ihrer Besitzerin. Im nächsten und übernächsten Jahr sollen dann auch die Töchter der beiden in die Zucht gehen, denn Abba ist inzwischen in Rente.
Aus der Lotta haben Bornholdts eine einjährige Tochter des Epleaser van‘t Heike. Eine zweijährige Tochter der Fairness von Don VHP wird im nächsten Jahr zum ersten Mal gedeckt. Ein oder zwei Hengste hat Bornholdt dafür schon im Kopf. Ein bisschen Zeit bleibt noch, bis sie sich entscheiden muss. „Auf die Fohlen freue ich mich besonders. Es ist die dritte selbst gezogene Generation“, sagt sie mit Züchterstolz in der Stimme.
Jana und Arne Bornholdt gucken nun gespannt auf die Werdegänge ihrer vierbeinigen Nachzuchten. Die ältesten im Sport sind sechs Jahre alt. Andere werden folgen. Auch der zweibeinige Nachwuchs ist schon am Start. Neben Tochter Emelie, die jede freie Minute im Sattel eines ihrer beiden Ponys sitzt, gibt es noch den siebenjährigen Tom. Er verbringt seine Zeit am liebsten auf dem Trecker.
Der Qualitätsausschuss der Landwirtschaftskammer verlieh in seiner 271. Sitzung zwei neuen Produkten das Gütezeichen „Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein“.
Als langjähriges Gütezeichen-Unternehmen wurde der Meierei Holtsee das Qualitätszeichen für ihren Bärlauch-Käse verliehen. Der milde Schnittkäse aus heimischer Milch bekommt durch die Kräuter ein würziges, gut abgestimmtes Aroma. Die Vermarktung erfolgt als Selbstbedienungsware im halbpfündigen Block im Lebensmitteleinzelhandel und natürlich auch in der „Käsekiste“ in Holtsee.
Christina und Tim Lohmann setzen bei einem Teil ihres Milchviehbestandes in Groß Rheide auf die Erzeugung von Heumilch g. t. S. Foto: Sandra van Hoorn
Ganz neu im Gütezeichen ist der Betrieb Heurecka aus Groß Rheide. Familie Lohmann hat sich dort im Norden Schleswig-Holsteins auf die Produktion von Heumilch g. t. S. spezialisiert. Dabei steht „g. t. S.“ für „garantiert traditionelle Spezialität“ im Herkunftsschutz der EU. Damit wird die Art der Herstellung unabhängig von der Region geschützt. Das gilt in Schleswig-Holstein genauso wie im Alpenraum, der Ursprungsregion der Heumilch. Die Fütterung erfolgt ganzjährig mit Heu und wird durch weitere betriebseigene Komponenten wie Ackerbohnen und Lupinen ergänzt. Silierte, gentechnisch veränderte Futterbestandteile sind ausgeschlossen. Nach der Abfüllung in der Meierei Horst wird die Milch von den Lohmanns an etwa 40 Verkaufsstellen im Lebensmitteleinzelhandel Schleswig-Holsteins ausgefahren. Die Nachfrage nach der hochpreisigen Traditionsmilch entwickelt sich positiv. Auf Beschluss des Qualitätsausschusses darf sich die Heurecka-Milch jetzt zusätzlich mit dem grün-blauen Gütezeichen Schleswig-Holstein schmücken.
Der Qualitätsausschuss der Landwirtschaftskammer setzt sich aus Vertreterinnen und Vertreter der Land- und Ernährungswirtschaft, des Lebensmitteleinzelhandels und -handwerks, der Politik und des Verbraucherschutzes zusammen und steht unter dem Vorsitz von Kammerpräsidentin Ute Volquardsen. Bereits seit 60 Jahren zeichnet der Qualitätsausschuss verantwortlich für die Steuerung der Gütezeichenarbeit und die Verleihung des traditionsreichen Qualitätssiegels „Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein“. Die Anpassung der Qualitätskriterien an die Anforderungen der neuen EmpCo-Verordnung war ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung.
Sechs Tage lang stand Warendorf ganz im Zeichen des deutschen Pferdenachwuchses. Bei den Bundeschampionaten präsentierten sich rund 930 junge Pferde und Ponys aus deutscher Zucht in 56 Prüfungen der Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Knapp 40.000 Besucher erlebten auf dem Gelände des Bundesstützpunkts Reiten hochklassigen Sport und vielversprechende Nachwuchspferde.
Im Bundeschampionat der dreijährigen Hengste hatte Nicole Derlin aus Travenbrück, Kreis Stormarn, ihren Hannu Haakon ins Rennen geschickt. Der zweite Reservesieger der Trakehner Hengstkörung kam auf den vierten Platz. Teile des Publikums waren mit der Bewertung, insbesondere für den Schritt, nicht einverstanden und taten dies auch mit Pfiffen kund. Sie hatten ihn weiter vorn gesehen.
Dressur- und Reitponys überzeugen
Im Championat der sechsjährigen Dressurponys siegten Dating’s Smiley A von Dating AT-Mad Max, Reservesieger seiner Körung beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg, und seine Reiterin Catharina Sophie Dirksen. Foto: Equitaris
Im Championat der sechsjährigen Dressurponys siegten Dating’s Smiley A von Dating AT-Mad Max und seine Reiterin Catharina Sophie Dirksen. Der erste Reservesieger seiner Körung beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg überzeugte Richter und Publikum gleichermaßen. Züchter und Besitzer kommen aus Nordrhein-Westfalen.
Die Silbermedaille verdienten sich Proud Day Max von Dreidimensional I AT NRW-Rocketti und Lilli von Helldorff. Der Hengst wurde gezüchtet von Karin Stolz aus Hitzhusen, Kreis Segeberg, und ebenfalls in Neumünster gekört. „Bereits seine Urgroßmutter ist bei uns geboren“, berichtete seine begeisterte Züchterin und verrät, dass die Eltern der Reiterin ihre besten Freunde sind. „Als Lilli ihn direkt nach der Geburt sah, kündigte sie gleich an, ihn übernehmen zu wollen“, erzählte Stolz.
Auf Rang drei platzierte sich ebenfalls ein Hengst aus Schleswig-Holstein, Champagner zum Frühstück von HJK Crazy Dream-Coldplay mit seiner Reiterin Lynn Sophie Soddemann. Der Hengst stammt aus der Zucht von Kristin Rosenbaum aus Malente, Kreis Ostholstein. Sie hatte schon den Vater als Fohlen gekauft und die Mutter selbst gezogen. „Er ist ein sehr sympathischer und freundlicher Hengst“, erzählte sie und freut sich, dass er es mit seiner neuen Besitzerin Kerstin Klose so gut getroffen hat.
Für das Finale der fünfjährigen Dressurponys hatten sich auch Amy Carlotta Reinfandt und Steendieks Douglas Deluxe von Steendieks Morgensterns Dalai-FS Chambertin qualifiziert. Der Hengst stammt aus der Zucht und dem Besitz von Peter Böge aus Schönhorst, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die Reiterin vom Reit- und Fahrverein Höllnhof Schülp hatte schon im vergangenen Jahr einen Tierschutzpreis des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) erhalten und bekam ihn auch in diesem Jahr. Dieser Sonderehrenpreis wird Reiterinnen und Reitern verliehen, die sich während der gesamten Vorbereitungszeit sowohl im Umgang als auch beim Reiten besonders pferdefreundlich verhalten.
Der beste vierjährige Reitponyhengst der Qualifikation schaffte es auch im Finale ganz nach vorn: Danny deVito holte Gold für das Zuchtgebiet Schleswig-Holstein und verwies alle auf die Plätze. „Danny deVito ist ein kompletter Hengst, der sehr gut mitmacht und sich auf seine Reiterin konzentriert“, so der Richterspruch zum neuen Bundeschampion von FS Daddy Cool-Quaterback’s Junior aus der Zucht von Besitzerin Julia Voigt aus Löptin, Kreis Plön. Der Fuchsfalbe wurde von Nazila Natasha Lotz vorgestellt und siegte in der Dressurponyprüfung der Klasse A mit einer Gesamtnote von 8,34. Für seine „fleißige und taktsichere Trabtour mit viel Schwungentfaltung“ gab es die 8,3 und für den „sicher balancierten Galopp mit viel Abdruck“ die Wertnote 8,5. Auch für den Gesamteindruck sprang eine 8,5 für den neuen Bundeschampion heraus. Julia Voigt wurde für diesen Erfolg außerdem mit dem BMLEH-Ehrenpreis für Züchter geehrt.
Medaillensegen in der Vielseitigkeit
Bei den fünfjährigen Vielseitigkeitspferden holten Holsteiner alle Medaillen, allen voran Chesalico von Chezarro-Colman aus der Zucht von Anneliese Siebert aus Hamdorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde. Der Wallach aus dem Stamm 242 überzeugte über alle drei Teilprüfungen hinweg und holte den Titel. Im Sattel des jungen Talents saß die frischgebackene Mannschaftsweltmeisterin Malin Hansen-Hotopp, die auch den Tierschutzpreis erhielt. Sie wuchs in Maasbüll, Kreis Schleswig-Flensburg, auf und lebt mit ihrer Familie in Mecklenburg-Vorpommern. Richterin Monika Schnepper fand für den Sieger besondere Worte: „Er ist der Prototyp eines Vielseitigkeitspferdes. Immer konzentriert, mit viel Übersicht und dynamischem Abfußen.“
Chesalico von Chezarro-Colman aus der Zucht von Anneliese Siebert aus Hamdorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde, setzte sich an die Spitze der fünfjährigen Vielseitigkeitspferde. Seine Reiterin Malin Hansen-Hotopp erhielt den Tierschutzpreis. Foto: Equitaris
Die Silbermedaille ging an Carbolin von Clarimo-Quinar aus dem Stamm 2543, gezogen von Klaus Thiedemann aus Oesterwurth, Kreis Dithmarschen. Carbolin war schon früh Julia Krajewski ins Auge gefallen. Die Olympiasiegerin entdeckte den Nachwuchssportler auf einer Holsteiner Auktion. Auch über die Bronzemedaille durfte sich Krajewski freuen. Sie saß im Sattel eines weiteren ehemaligen Holsteiner Auktionspferdes, ChrisTonic von Crack-Dinken. Der Schimmel wurde von Manfred Johannsen aus Tornesch, Kreis Pinneberg, gezogen und gehört zum Stamm 569.
Für noch eine Medaille aus Holsteiner Sicht sorgte Luci von Clarimo-Lord Z aus der Zucht von Max-Hermann Johannsen aus Hörup, Kreis Schleswig-Flensburg. Im Sattel saß Carlota Jade Korang Seitz. Die Reiterin vom Thomsen-Team aus Großenwiehe, Kreis Schleswig-Flensburg, pilotierte die Stute auf den Silberrang bei den sechsjährigen Vielseitigkeitspferden. „Ein Pferd, das seine Aufgabe heute sehr gut angenommen und gelöst hat. Ein wirklich interessantes Pferd – leichtfüßig, gleichmäßig und energisch“, kommentierte Thies Kaspareit. Mit einer 8,5 für das Springen konnte Luci in der Holsteiner-Kernkompetenz besonders überzeugen.
Zweimal Gold, einmal Silber im Parcours
Der Holsteiner Wallach Cadoc von Casall-Diamant de Semilly siegte unter Sophie Hinners bei den fünfjährigen Springpferden. Gezüchtet wurde er von Klaus-Jürgen Pöhlmann aus Owschlag, Kreis Rendsburg-Eckernförde.Foto: Equitaris
Cadoc von Casall-Diamant de Semilly, vorgestellt von Sophie Hinners, war in beiden Umläufen der Beste der fünfjährigen Springpferde. Mit der Note 9,3 beendete der Holsteiner Wallach den ersten Umlauf, in dem Cadoc mit „einer tollen Runde in hohem Gleichmaß seine Aufgabe absolvierte“, so der Kommentator Peter Teeuwen. Er erläuterte die Richterurteile. Im zweiten Umlauf wurde Cadoc noch besser: „Dieses Pferd will alles richtig machen, besticht durch seine Springmanier, seine Rittigkeit“, schwärmte Teeuwen. Eine 9,5 gab es für den zweiten Umlauf, insgesamt also ein überzeugender neuer Bundeschampion. Sein Züchter Klaus-Jürgen Pöhlmann aus Owschlag, Kreis Rendsburg-Eckernförde, konnte den Sieg vor Ort miterleben und nahm vor Freude strahlend die Glückwünsche entgegen.
Der Holsteiner Wallach Clarimero von Clarimo-Catoki und sein Ausbilder Alexander Schill waren das schnellste fehlerfreie Paar im Stechen der siebenjährigen Springpferde. Foto: Equitaris
Bei den siebenjährigen Springpferden zogen acht Paare in das Stechen um den Sieg ein. Der Holsteiner Wallach Clarimero und sein Ausbilder Alexander Schill waren das schnellste fehlerfreie Paar in der Springprüfung der Klasse S**. Clarimero ist ein Sohn von Clarimo-Catoki, in seinen Adern fließt bestes Holsteiner-Springblut. Gezogen wurde er in Niedersachsen. „Ich bin unglaublich dankbar für die Saison, die wir bisher hatten, und für diesen unglaublichen Erfolg – das Sahnehäubchen auf einer Menge harter Arbeit, Hingabe und Unterstützung von so vielen Menschen hinter den Kulissen“, sagte Schill.
Sechs Paare erreichten das Stechen im Finale der achtjährigen und älteren Springpferde. Dort sicherte sich Hendrik Dowe mit dem Westfälischen Hengst Unglaublich den Sieg. Zweitschnellster Bewerber im Stechen war Paul FB, ein neunjähriger Wallach von Perigueux-Grey Top. Im Sattel des braunen Hannoveraners saß Luisa Himmelreich aus Neumünster. „Er hat mega gekämpft, und ich bin superhappy, dass wir uns so weit nach vorn gekämpft haben“, freute sich Himmelreich über ihren Paul. Dass die beiden ganz vorn mitmischen können, kam für sie nicht überraschend: „Paul ist immer gut. Er will eigentlich immer null springen, wenn ich gut reite.“ pm
Hellgelbe und zitronengelbe Blüten sind optische Frischekicks fürs Beet. Mit Beginn der herbstlichen Pflanzzeit kann man sich die Schönheiten in den Garten holen.
Das Brandkraut (Phlomis russeliana) ist mit seinen hellgelben, übereinanderstehenden Blütenquirlen ein toller Blickfang. Die Wirkung verstärkt sich mit dem Massenauftritt in der Gruppenpflanzung. Auf der Suche nach passenden Begleitern bleibt man im gelben Farbspektrum. Die kühlen Gelbtöne der Schafgarbensorten ‚Credo‘ oder ‚Hella Glashoff‘ passen ausgezeichnet in die Nachbarschaft. Zu empfehlen sind auch ‚Sunny Seduction‘ oder ‚Summer Fruits Lemon‘. Schafgarbe und Brandkraut passen nicht nur farblich zusammen, sie legen auch die gleichen Ansprüche an den Tag. Beide bevorzugen einen sonnigen Standort mit nicht zu trockenem und ausreichend nährstoffhaltigem Boden.
Die ungewöhnliche Blütenform des Brandkrauts fällt ins Auge.Foto: Karin SternBei der Wahl der Tagliliensorte achtet man auf Wuchshöhe und Blütengröße. Foto: Karin Stern
Hier gefällt es auch der Taglilie (Hemerocallis), die eine interessante Auswahl gelb blühender Hybriden bietet. ‚Corky‘ (bis 80 cm hoch) und ‚Atlas‘ (bis 100 cm hoch) überzeugen mit einer üppigen Blüte von Juni bis Juli. Wer eher großblütige Sorten bevorzugt, wählt unter ‚Augustfreude‘ und ‚Easy Ned‘. Eine Art Traumpartnerschaft entsteht, wenn die Komplementärfarbe Violett ins Spiel kommt. Mit blühender Katzenminze (Nepeta) in der Nachbarschaft wirken die gelben Blüten noch reiner und leuchten geradezu auf.
Die Kerzenblüten der Fackellilie öffnen sich von unten nach oben. Foto: Karin Stern
Auch unter den beeindruckenden Fackellilien (Kniphofia) finden sich Sorten mit spritzig-gelbem Flor. Die neongelben Blütenkerzen von ‚Limelight‘ haben eine tolle Fernwirkung. Von Juli bis Anfang September bringt diese Sorte mit 130 cm hohen Stielen einen Hauch von Exotik ins Beet. ‚Bee‘s Lemon‘ ist nicht minder schön, bleibt aber mit 70 cm Höhe etwas niedriger. Mit nur 40 cm ist ‚Little Maid‘ der Winzling im Sortiment. Diese Sorte passt ebenso gut zu Rosen wie zu Ziergräsern und Steppensalbei.
Die Staudensonnenblume ‚Capenoch Star‘ wächst etwa 180 cm hoch. Foto: Karin Stern
Etwas höher hinaus will die Stauden-Sonnenblume ‚Lemon Queen‘ (Helianthus-microcephalus-Hybride) mit ihren gut 170 cm langen Stielen. Die reichblütige Sorte punktet mit etwas größeren Einzelblüten als die Art. Als Hintergrundpflanze oder Zaungucker kommt sie bestens zur Geltung. ‚Capenoch Star‘ (Helianthus decapetalus) bildet leuchtend gelbe, einfache Blüten mit einem Durchmesser von etwa 15 cm. Man könnte diese standfeste Sorte als das mehrjährige Gegenstück zur einjährigen Sonnenblume beschreiben. Sie ist eine sehr gute Schnittblume.
Die Wiesenraute ist eine hervorragende Staude für die Hintergrundgestaltung.Foto: Karin Stern
Ebenfalls hoch hinaus wollen die Gelbe (Thalictrum flavum ssp. glaucum) und Hohe Wiesenraute (Thalictrum lucidum). Je nach Standort liegt die Wuchshöhe zwischen 120 und 150 cm. Wiesenrauten schätzen einen nährstoffreichen, frischen Gartenboden und kommen auch noch im Halbschatten zurecht. Etwas mehr Sonne gefällt ihnen aber besser, sofern die Boden ausreichend feucht ist. Die zart- bis sattgelben Blütenwolken schweben je nach Art von Juni bis August sehr charmant in luftiger Höhe und wirken besonders attraktiv vor einem dunklen Hintergrund. Wiesenraute ‚Black Stockings‘ sorgt mit purpurrosafarbenen Blüten für eine tollen Kontrast in der Nachbarschaft. Kerzenknöterich (Bistorta amplexicaulis) und Hoher Sommer-Phlox (Phlox paniculata) übernehmen diese Funktion ebenfalls bereitwillig, bleiben aber etwas niedriger.
Mädchenauge, Königskerze und rot blühende Wicke verbreiten Bauerngartenflair. Foto: Karin Stern
Die Mädchenauge-Hybride ‚Full Moon‘ (Coreopsis) begeistert über Wochen hinweg von Juni bis September mit reichem Flor in Schwefelgelb. Dieser Ton lässt sich mit vielen anderen Farben kombinieren. Ein bodennaher Rückschnitt nach der Blüte fördert den Neuaustrieb und die Lebensdauer der Staude. Etwas kompakter wachsen ‚Zagreb‘ und ‚Moonbeam‘ (Coreopsis verticillata), bleiben aber mit 30 bis 40 cm genauso hoch wie ‚Full Moon‘. Daher eignen sich diese Sorten hervorragend als Einfassungspflanzen oder für den Vordergrund von sonnigen Beeten mit ausreichend feuchtem Boden.
Die verschiedenen Arten der Königskerze unterscheiden sich in Wuchsform und -höhe. Foto: Karin Stern
Die Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum), die Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum) und die Kandelaber-Königskerze (Verbascum olympicum) hingegen bevorzugen einen eher trockenen Boden in sonniger Lage. Die in der Regel zweijährigen Pflanzen samen sich selbst aus und erhalten sich so an zusagenden Standorten selbst. Die Unterschiede liegen in Wuchshöhe, Blütenform und Blühtermin. Beeindruckend sind sie allesamt. Als Pflanzpartner kommen Herz-Zittergras (Briza media), Storchschnabel (Geranium), Schönaster (Kalimeris incisa), Roter Sonnenhut (Echinacea) und die Duftnessel (Agastache) infrage.
Wer eine niedrige Staude für trockenen Boden sucht, ist mit dem Graugrünen Heiligenkraut (Santolina rosmarinifolia ssp. canescens) gut beraten. Die 30 bis 50 cm hohe Pflanze wird manchmal auch als Olivenkraut angeboten. Von Juni bis August zeigen sich die etwa 1 cm großen, sattgelben Blütenköpfe. Sie wirken toll neben Lavendel (Lavandula angustifolia) oder Echtem Salbei (Salvia officinalis).
Die unterschiedlichen Gelbtöne von Fackellilie und Gelber Wiesenraute harmonieren sehr gut miteinander. Foto: Karin SternWenn es um gelbe Blüten geht, darf der Sonnenhut nicht fehlen.Foto: Karin SternDie Staudensonnenblume ‚Soleil d‘Or‘ präsentiert sattgelbe Blüten. Foto: Karin SternIn der Gruppe verstärkt sich die beeindruckende Wirkung des Brandkrauts, das hier von Taglilienblüten umspielt wird. Foto: Karin Stern
Die Wahrscheinlichkeit, dass Brasilien ab dem 3. September vorerst kein Rindfleisch mehr in die Europäische Union einführen darf, steigt. Das Problem: Die Regierung in Brasília konnte bisher nicht sicherstellen, dass für den europäischen Markt bestimmtes Rindfleisch nicht in Kontakt mit antimikrobiellen Wachstumsförderern gekommen ist. Wie eine Sprecherin der EU-Kommission bestätigte, sind bisher keine ausreichenden Nachweise erbracht worden.
Bis zur Deadline wird in Brüssel kaum noch damit gerechnet, dass die Regierung in Brasília es schaffen wird, die Anforderungen der EU zu erfüllen. Einer der Gründe dafür ist, dass die Masttiere in der Regel mit zwei Jahren geschlachtet werden. Kann nicht über den gesamten Zeitrahmen nachgewiesen werden, dass die Rinder nicht mit in der EU verbotenen Wirkstoffen oder nach EU-Recht als Reserveantibiotika deklarierten Wirkstoffen behandelt worden sind, darf das Fleisch nicht in den EU-Binnenmarkt geliefert werden.
Die Sprecherin unterstrich, dass die bisher noch vorläufige Auslistung des bevölkerungsreichsten Mercosur-Staates auf neuen Vorschriften für den Antibiotikaeinsatz in der Veredelung beruhe. Beide Vorgaben sind Teil der novellierten EU-Tierarzneimittelverordnung, die seit dem 28. Januar 2022 gilt und auch Einfuhren aus Drittstaaten erfasst.
Zeitnah EU-Audits zu Geflügel und Honig
Anders als bei Rindfleisch soll die brasilianische Regierung die Nachweise für einen regelgerechten Umgang mit Geflügel und Honig bei der EU-Kommission eingereicht haben. Laut der Sprecherin solle ein Team aus Kommissionsexperten der Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG Sante) der EU-Kommission vor Ort ein entsprechendes Audit durchführen.
Dass der Marktzugang für Geflügel und Honig, vorbehaltlich einer positiven Prüfung, zumindest theoretisch noch möglich ist, liege der Behördensprecherin zufolge an den bei beiden Erzeugnissen deutlich kürzeren Produktionszyklen. Bevor er gewährt werden kann, ist auch noch die Zustimmung der Experten der EU-Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (ScoPaff) vor dem 3. September erforderlich.
Verhandlungen werden intensiviert
Unterdessen hat die brasilianische Regierung eigenen Angaben zufolge die Verhandlungen mit der Europäischen Union intensiviert, um den Marktzugang für tierische Erzeugnisse wiederherzustellen.
Landwirtschaftsminister André de Paula erklärte gegenüber dem brasilianischen Nachrichtendienst für Landwirtschaft, „Canal Rural“, man habe das Thema als „strategisch wichtig eingestuft“. De Paula zufolge habe die Wiederaufnahme Brasiliens in die Liste der EU-zugelassenen Lieferländer für Rindfleisch oberste Priorität. „Dass wir von der Liste gestrichen wurden, ist inakzeptabel“, konstatierte er. Nichtsdestoweniger räumte der Minister ein, dass der Prozess voraussichtlich länger dauern werde. Selbst nach den Anpassungen, um die europäischen Vorgaben zu erfüllen, könnte der bei Rindfleisch längere Produktionszyklus die Wiederaufnahme der Lieferungen verzögern. Mehr Erfolg verspricht sich der Agrarminister bei Geflügel, da hier die entsprechenden Durchlaufzeiten kürzer seien.
Laut André de Paula verfolge die Regierung einen ressortübergreifenden Ansatz, der auch das Außenministerium und das Büro von Präsident Lula da Silva einbeziehe. Man werde gegenüber der EU nachweisen, dass sämtliche europäischen Protokolle eingehalten würden. Fast zeitgleich habe Brasília die „Verwendung von leistungsfördernden Zusatzstoffen, die antimikrobielle Wirkstoffe enthalten, welche als für die Human- oder Veterinärmedizin bedeutend eingestuft sind“ verboten, konstatierte der Agrarminister. Konkret geht es dabei laut dem brasilianischen Landwirtschaftsministerium um Avoparcin, Bacitracin, Zinkbacitracin, Bacitracin-Methylendisalicylat und Virginiamycin. Nicht auf der Liste steht zum Beispiel Flavomycin, das in der Humanmedizin nicht verwendet wird.
Laut dem Branchenverband Abiec belief sich der Rindfleischexport der Brasilianer in den ersten sieben Monaten dieses Jahres auf insgesamt 1,97 Mio. t Rindfleisch. Das war knapp ein Zehntel mehr als im Vergleichszeitraum 2025. Neben China, den USA, Russland und Chile zählt die Europäische Union zu den Hauptabnehmern von brasilianischem Rindfleisch. Die EU-Mitgliedstaaten kauften im ersten Halbjahr 2026 zusammen 63.700 t ein, was Abiec zufolge ebenfalls einem Zuwachs von 10 % entsprach.
Wird der EU-Markt nun entlastet?
Für die Rindfleischerzeuger aus der EU stellt sich nun die Frage, ob nur wenige Monate nach dem vorläufigen Start des Handelsabkommens mit dem Mercosur-Block am 1. Mai nun weniger Rindfleisch auf den EU-Binnenmarkt geliefert wird. Einschränkungen der übrigen drei Mercosur-Mitglieder Argentinien, Paraguay und Uruguay wird es jedenfalls nicht geben. Je nachdem, wie die internen Diskussionen über die Verteilung der Rindfleischquote von 99.000 t pro Jahr unter einem präferierten Zollsatz in die EU verlaufen, stehen die Länder jedenfalls bereit, mögliche Lücken aufzufüllen.
In Argentinien dürfen Antibiotika seit 2024 nicht mehr als Wachstumsförderer eingesetzt werden. Bereits 2019 hatte das Land damit begonnen, für den Antibiotikaeinsatz eine Minimierungsstrategie umzusetzen. Das umfasste auch bereits Verbote einzelner Mittel als Wachstumsförderer. Der schrittweise Ausstieg wurde 2024 vollständig vollzogen. Argentinischen Medienberichten zufolge hatten diese Maßnahmen aus Buenos Aires auch zum Ziel, den eigenen Export in die EU abzusichern.
In Paraguay gibt es ein teilweises Verbot für den leistungssteigernden Einsatz antibiotischer Mittel. Tiere, die im freiwilligen Rückverfolgungssystem Sitrap registriert sind, dürfen in keinem Fall entsprechende Wachstumsförderer bekommen. Auch Uruguay hält laut Regierungsangaben die EU-Vorgaben durch ein Rückverfolgungssystem ein. age
Klassische Ackerfrüchte können sich offenbar besser als gedacht an Teilbeschattung durch Solarmodule oder Bäume auf dem Acker anpassen. Das zeigt eine Studie der Universität Hohenheim und des Forschungszentrums Jülich, die in der Fachzeitschrift „European Journal of Agronomy“ erschienen ist.
Untersucht wurde, wie fünf Kulturen auf reale Beschattungsbedingungen durch Agri-PV-Anlagen und Agroforstsysteme physiologisch reagieren. In den Vegetationsperioden 2023 und 2024 wurden an fünf verschiedenen Standorten in Deutschland Feldversuche durchgeführt. Konkret wurde die Photosyntheseleistung von Ackerbohnen, Gerste, Kartoffeln, Kohl und Mais gemessen. Verglichen wurden ihre Werte mit denen von denselben Kulturen auf voll besonnten Flächen.
Anpassung für positive Kohlenstoffbilanz
Alle untersuchten Kulturen zeigten im Vergleich zur vollen Sonneneinstrahlung eine verringerte Dunkelatmung und einen niedrigeren Lichtkompensationspunkt. Das deutet den Forschenden zufolge auf eine physiologische Anpassung hin, die auch bei geringerer Lichtverfügbarkeit eine positive Kohlenstoffbilanz ermöglicht. „Vereinfacht ausgedrückt heißt das, dass die Pflanzen weniger CO2 durch Atmung verloren und gleichzeitig weniger Licht benötigten, um Kohlenstoff zu fixieren, den sie benötigen, um zu wachsen und Früchte zu bilden“, erklärt Erstautorin Jennifer Moore.
Laut Studienleiter Prof. Andreas Schweiger sei bemerkenswert, dass dieser Effekt in allen Kulturen gleichermaßen aufgetreten sei. „Sie verfügen also über eine deutlich größere Anpassungsfähigkeit, als wir bisher angenommen haben“, resümierte er. Das stellt laut den Autoren die Annahme infrage, dass Ackerkulturen in beschatteten landwirtschaftlichen Systemen grundsätzlich in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt seien.
Doch Schatten ist nicht gleich Schatten. Unter den Solarmodulen blieb die Photosyntheseleistung meist vergleichsweise stabil, während sie in den Agroforstsystemen stärker schwankte; das Studienteam vermutet, dass Baumkronen ein unregelmäßigeres Schattenmuster erzeugen als Solarmodule. Kulturpflanzen können sich laut Moore an eine moderate Teilbeschattung gut anpassen. „Bereiche mit dauerhaft starker Beschattung sollten jedoch möglichst vermieden werden.“
Auch zwischen den Kulturarten gab es Unterschiede: Mais als C4-Pflanze erwies sich tendenziell als empfindlicher gegenüber reduzierter Lichtverfügbarkeit als die übrigen, zur C3-Gruppe zählenden Kulturen. „Der C4-Stoffwechsel ist eine Anpassung an heiße und trockene Bedingungen. Bei schwächerem Licht können C4-Pflanzen ihre Photosynthesekapazität nicht ausreizen“, erläuterte Moore.
Kein automatischer Ertragsvorteil
Die Beteiligten schränken jedoch ein, dass diese physiologischen Reaktionen nicht unmittelbar Rückschlüsse auf den Ertrag zulassen. Daten hierzu wurden in der Studie nur lückenhaft erhoben und zeigten je nach Standort und Kulturart kein einheitliches Bild. In den Ergebnissen sehen die Forschenden aber eine Grundlage für die gezieltere Planung von Agroforst- und Agri-PV-Anlagen.
„Wer weiß, welche Kulturen unter welchen Lichtbedingungen ihre Produktivität aufrechterhalten können, kann Sorten und Flächen besser aufeinander abstimmen“, so Schweiger. Darüber hinaus eröffneten die gemessenen physiologischen Kennwerte neue Perspektiven, um schattentolerantere Sorten gezielter zu züchten.
Für die Jury der Strohpuppenaktion ging es am vergangenen Wochenende einmal quer durch Schleswig-Holstein. Fünf Ortsgruppen hatten es mit ihren kreativen Beiträgen in die Finalrunde geschafft und wurden nun vor Ort besucht.
Von Revensdorf über Dellstedt und Barmstedt bis nach Krüzen und Trittau warteten ganz unterschiedliche Ideen, liebevolle Details und jede Menge aus Stroh gefertigter Kunstwerke auf die Reisegruppe.
Mit dabei waren Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht, LandFrauenpräsidiumsmitglied Lena Haase, Bauernblatt-Chefredakteur Dr. Robert Quakernack, Tessa Nafziger für den Agrarausschuss sowie Sören Schatt und Marlies Muxfeldt vom Landesvorstand und Bundesjugendreferent Thore Groth. Fahrer Jörn Maschack brachte die Gruppe sicher durch das schönste Bundesland der Welt.
Direkt an der viel befahrenen B 203 präsentierte die Landjugend Dellstedt ihren ganz besonderen Stroh-Trecker der Jury.Foto: Thore GrothStrohpuppenbau im Sonnenuntergang: In Revensdorf war beim Aufbau auch schweres Gerät gefragt. Foto: LJ RevensdorfGute Laune auch in luftiger Höhe: Beim Feinschliff wurde noch einmal Hand an die Ohren gelegt. Foto: LJ RevensdorfDie Landjugend Lauenburg-Süd präsentierte der Jury stolz ihre Strohpuppenkreation. Foto: Thore Groth„Koppelbeats – die Chicks machen Stimmung“: Mit seinem tierischen Ensemble wusste auch der KLV Stormarn zu begeistern. Foto: Thore GrothArbeit macht hungrig, das Ergebnis stolz: Jung und Alt, Landjugend, Junge LandFrauen und Nachwuchs stärkten sich gemeinsam nach getaner Arbeit. Foto: LJ BarmstedtHandarbeit für geübte Finger: Mit viel Geschick wurden in Barmstedt Stroh und Figuren Stück für Stück in Form gebracht. Foto: LJ BarmstedtErster Stopp am frühen Morgen: In Revensdorf wurden der Jury stolz die vier fertigen Strohfiguren präsentiert. Foto: Thore Groth
Am Ende lag ein langer, aber rundum gelungener Tag hinter der Jury: voller neuer Eindrücke, abwechslungsreicher Stopps und vor allem beeindruckender Strohfiguren. Welche Gruppe die Jury schließlich am meisten überzeugen konnte, bleibt allerdings noch geheim. Die Platzierungen werden mit der Siegerehrung am 5. September auf der Norla in Rendsburg bekannt gegeben. Wer noch mehr von der großen Strohpuppen-Tour erfahren möchte, darf gespannt sein: Ein ausführlicher Reisebericht mit vielen Eindrücken von unterwegs erscheint in Kürze.
„Junge komm bald wieder, bald wieder nach Haus …“ – in diesememotionalen Schlager von Freddy Quinn sorgt sich eine Mutter um ihren Sohn, der heimlich zur See gefahren ist. Mit dem Singen dieser Textzeilen enden die aktuellen Aufführungen der Storm-Novelle „Hans und Heinz Kirch“ auf Gut Hanerau in Hanerau-Hademarschen, gespielt von Laiendarstellern aus dem Ort und der Umgebung. Auch in dieser Novelle sorgt sich die Mutter um ihren Sohn, der nicht wie geplant nach einem Jahr von der großen Seefahrt zurückkehrt, sondern erst nach 17 Jahren. Am Donnerstag vergangener Woche feierte das Stück Premiere.
Es ist bereits die siebte Storm-Aufführung seit 2013, als der Ort seinen „Schimmelreiter“ mit viel Hingabe und Engagement in drei aufeinanderfolgenden Jahren spielte und lebte. Und auch die aktuelle Inszenierung der Novelle „Hans und Heinz Kirch“, die der Heimatdichter Theodor Storm an seinem Altersruhesitz in Hanerau-Hademarschen 1882 verfasste, wird mit so einer großen Hingabe und einem Engagement dargeboten, dass man vergisst, dass es sich nicht um professionelle Schauspieler handelt.
Nico Maas als Hans Kirch im ersten Akt – Heinz‘ Kindheit. Foto: Iris Jaeger
Erneut hat es der Hamburger Theaterregisseur Frank Düwel geschafft, die komplexe und thematisch eher schwere Geschichte um die konfliktträchtige Vater-Sohn-Beziehung des Schiffseigners und Kaufmanns Hans Kirch und seines Sohnes und angehenden Schiffers Heinz in eine Theaterfassung zu übertragen, die mit wenigen Worten die Geschichte für jeden nachvollziehbar und lebendig wiedergibt, der Schwere etwas Leichtes verleiht.
Jedem Darstellenden schreibt er dabei die Rolle auf den Leib geschneidert zu. Und auch bei dieser Darbietung in der Hanerauer Gutsscheune sind Bühnenbild und Requisiten minimalistisch gehalten. Zusammen mit dem bis ins letzte Detail ausgeklügelten Lichtdesign und den exakt gesetzten Soundeffekten sorgen sie für eine einzigartige, atmosphärisch dichte Stimmung, die die Tragik der Geschichte intensiv und aufs Wesentliche reduziert in die Seele der Zuschauer trägt. Die sitzen direkt an der Spielfläche und dem Ort des Geschehens. Intensiver kann Theater kaum sein. Unterstützt und begleitet werden die Darstellenden vom Produktionsteam, das für das Gelingen drum herum, strukturierte Abläufe und die Organisation sorgt und ebenfalls aus Bewohnern des Ortes und der Umgebung besteht. Mit professioneller Anleitung wurden ehrenamtlich die Kostüme genäht, für Technik, Bühnenbild, Maske, Verpflegung, Rückzugsräume, Pressearbeit, Regieassistenz, Shuttleservice, Sicherheit und sämtlichen Support gesorgt. Ein Jahr intensiver Vorbereitung, die mit großem Erfolg der Aufführungen und reichlich anerkenndem Applaus des Publikums belohnt wird.
Bewegende Geschichte
In der Geschichte „Hans und Heinz Kirch“ geht es dieses Mal nicht an die Nordsee, sondern nach Heiligenhafen an die Ostsee. „Hans Kirch, Schiffseigner und aufstrebender Kaufmann, hat den Weg bürgerlicher Ehren für seinen Sohn Heinz vorgezeichnet. Schiffer soll er werden, eines Tages das väterliche Geschäft leiten und bis zum Senator aufsteigen – eine Ehre, die der Vater nie erlangte. Heinz ist klug, doch ebenso wild und eigensinnig. Nur widerwillig folgt er dem vom Vater vorgezeichneten Weg, und ein kühles Schweigen bestimmt ihr Verhältnis. Zuneigung findet Heinz nur bei Wieb, der Tochter eines Matrosen. Eine heimliche Freundschaft entspinnt sich zwischen ihnen, die nicht mehr zur Liebe wächst, denn als junger Erwachsener tritt Heinz seine erste große Fahrt zur See an. Ein Jahr lang soll es auf Handelsfahrt nach China gehen. Doch es wird eine ewige Schifffahrt ohne ein Lebenszeichen von Heinz. Erst 17 Jahre später kehrt er zurück, seiner Heimat entfremdet und den Menschen rätselhaft. Schon bald gehen Gerüchte um, und sowohl die Familie als auch die Gesellschaft der Stadt am Meer sind sich nicht einig darüber, ob es der echte Heinz ist, der zurückkehrte. Eine geisterhafte Stimmung breitet sich über der Stadt aus, die in ein hochdramatisches Ende führt“, lautet es in einer Zusammenfassung der Novelle, die zum Teil auf reale Begebenheiten in Storms Leben zurückgeht.
Torben Maaßen als Hans Kirch im zweiten Akt: Heinz‘ Jugend Foto: Iris Jaeger
Sie besticht durch die vielen Naturbilder, das Meer wird zum Spiegel der Gefühle, die Weite der See ein Bild für Sehnsucht, Entfremdung, Hoffnung und Ängste. Storm zeigt auf, wie in der damaligen bürgerlichen Gesellschaft alles auf materiellen Wohlstand und ein hohes Ansehen ausgerichtet ist. Hans Kirch vermag es nicht, ein liebender, verständnisvoller Vater zu sein. Stattdessen fordert er von seinem Sohn Fleiß, Disziplin und die bedingungslose Umsetzung der Zukunftspläne des Vaters. Im Streit gehen die beiden auseinander, als Heinz zu seiner ersten großen Seereise nach China aufbricht und nicht wie geplant nach einem Jahr zurückkehrt. Am Ende der Geschichte mussHans Kirch schmerzlich feststellen, dass er seinen geliebten Sohn, den er zwei Mal verstieß, für immer verloren hat, doch da ist es zu spät, Heinz wird nicht wieder zurückkehren. „Er ist tot […], ich weiß es jetzt gewiß; aber – in der Ewigkeit, da will ich meinen Heinz schon wiedererkennen“, lässt Storm Vater Hans in der Novelle sagen.
Das Stück ist in fünf Akte gegliedert, neben drei Heinz- und Hans-Darstellern für Heinz‘ Kindheit, Jugend und Erwachsenenzeit, drei Darstellerinnen für Frau Kirch und für Wieb baute Düwel mit Fritz, Heinrich und Jule drei Storm-Geister – über alle Zeiten – in das Stück mit ein, die die Szenerien beobachten, kommentieren und geisterhaft begleiten.
Storm erlebbar machen
„Es ist eine bewegende Geschichte, und beim Lesen musste ich die Novelle das eine oder andere Mal beiseitelegen und durchatmen“, erzählt Frank Düwel. Sie enthalte zwei für die heutige Zeit wichtige Themen: zum einen den Generationenkonflikt zwischen Vater und Sohn, „bei dem man immerzu in die Novelle hineinrufen möchte: Tut euch das nicht an, verzeiht euch, geht nicht im Bösen auseinander, es kann nicht gut enden, denkt an das, was euch verbindet. Zum anderen das Gefühl des Fremdseins in der Heimat nach der Rückkehr des Sohnes von der 17-jährigen Fahrt, verbunden mit der Frage: Wer bin ich?“, so Düwel. Aus der Novelle Theater zu gestalten sei anregend, aber auch mühevoll, die für das Verständnis wichtigen Sätze herauszuarbeiten eine Quälerei. „Und doch können wir die Storm-Dichtungen nie in allen ihren Aspekten auf die Bühne bringen. Aber was wir machen können, ist, Erlebnisse zu kreieren, damit die Zuschauer ihm nahekommen. Und das schaffen wir hier, sowohl für die, die hier spielen, als auch für die, die zuschauen. So kommen alle auf ihre Art im Storm wieder zusammen.“
Das Ensemble des diesjährigen Storm-Festspiels – einige der Darstellenden sind bereits von Anfang an mit dabei. Allesamt sind sie Laiendarsteller, die mit viel Hingabe und Engagement die Novelle „Hans und Heinz Kirch“ spielen. Foto: Henrik Matzen
August 1938: Erst drei Monate zuvor hat Max Stave den Hof seines Vaters übernommen, als er zur Wehrmacht eingezogen wird. Seine Frau Alwine bleibt zurück – mit der gemeinsamen Tochter Elke und den Schwiegereltern.
Das zweite Kind ist bereits unterwegs. Von nun an liegt die Verantwortung für den landwirtschaftlichen Betrieb bei ihr: für den Hof und das Vieh, für die Bankgeschäfte und die Arbeitskräfte ebenso wie für die jungen Mädchen, die im Haushalt helfen. Später kommen weitere Aufgaben hinzu. Wie alle Frauen auf den Höfen versorgt Alwine ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene und kümmert sich um Flüchtlinge. Am 1. September 1939 beginnt mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg.
Alwine Stave übernahm 1938 die Verantwortung für den Hof.
Alwine Stave steht stellvertretend für viele Tausend Frauen, die mit dem Krieg plötzlich vor gewaltigen Herausforderungen standen. Väter, Ehemänner und Söhne wurden eingezogen. Zurück blieben nicht nur Frauen und Kinder, sondern auch Höfe, Werkstätten und Betriebe, die ohne die Männer weitergeführt werden mussten. Und sie wurden weitergeführt – wie das Beispiel der damals 24-jährigen Alwine zeigt. Sie übernahm Aufgaben, die zuvor ihr Mann erledigt und in die sie bis dahin kaum Einblick gehabt hatte. Sie organisierte den Betrieb, versorgte die Arbeitskräfte, erzog ihre Kinder und kümmerte sich um die Landwirtschaft und den Haushalt. Außerdem bildete sie junge Mädchen in Hauswirtschaft aus.
„Es war eben so.“
„Ich habe meine Mutter einmal gefragt, wie sie das alles ertragen hat: den Krieg und die ständige Angst um unseren Vater. Sie hat mir geantwortet, dass es eben so gewesen sei – und dass es den anderen schließlich genauso gegangen sei“, erinnert sich Alwine Staves älteste Tochter Elke Grafe. Vor ihr auf dem Esszimmertisch liegen mehrere Fotoalben. Sie bewahren viele glückliche Erinnerungen – selbst aus einer Zeit, in der das Leben von Angst, schwerer Arbeit und Entbehrungen geprägt war.
Elke Grafe, 1936 geboren, wächst mit drei Geschwistern auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Thienbüttel bei Nortorf auf. Ihre frühen Kindheitsjahre fallen in die Zeit des Krieges. Von Bombenangriffen bleibt die ländliche Region weitgehend verschont. Doch eines Tages greifen Tiefflieger den Milchwagen an, mit dem Alwine unterwegs ist. Sie schießen auf das Gespann. Alwine kommt unversehrt davon, doch bei der kleinen Elke sitzt die Angst tief. „Ich habe jeden Abend den Koffer für meine Puppe gepackt“, erinnert sie sich. „Für alle Fälle.“
Lange Arbeitstage
Die Landwirtschaft in Elke Grafes Kindheit war von schwerer körperlicher Arbeit geprägt. Zwar standen bereits erste technische Hilfsmittel zur Verfügung, doch der Großteil der Arbeiten musste noch von Hand erledigt werden. „Wir hatten einen Mischbetrieb mit 38 ha Land, einen großen Gemüsegarten und 18 Kühe. Für heutige Verhältnisse ist das nicht viel. Damals war es ein gesunder Betrieb“, erzählt sie. Die Arbeitstage waren lang. „Meine Mutter stand morgens um 4.30 Uhr auf, um die Kühe zu melken. Wenn sie damit fertig war, machte sie uns für die Schule zurecht. Wir frühstückten, und sie flocht uns die Zöpfe. Im Sommer gab es eine Mittagsstunde. Nur während der Ernte standen wir direkt nach dem Mittagessen wieder auf – und dann ging die Arbeit weiter.“ Am Abend brachte Alwine Stave den jungen Mädchen, die im Haushalt halfen, verschiedene Handarbeitstechniken bei. „Sie lernten, wie man alles instand hielt oder einen Hohlsaum nähte. Vor allem aber lernten sie, wie man aus beschädigten Dingen noch etwas Neues machen konnte. Aus den unversehrten Ecken eines alten Bettlakens fertigten wir kleine Decken. Meine Mutter arbeitete, bis es Zeit war, ins Bett zu gehen.“ Freizeit im heutigen Sinn gab es nicht. „Wenn meine Mutter am Sonntag mit uns zum Friedhof spazieren ging, hat sie das immer genossen“, sagt Elke Grafe. „Sie sagte dann: ,Dar wüll keen een wat vun mi.‘“
Was Alwine Stave damals als selbstverständliche Pflicht empfand, war eine außergewöhnliche Leistung. Wie viele Frauen ihrer Generation hielt sie unter schwierigsten Bedingungen Familie und Hof zusammen – oft ohne Anerkennung und ohne ihre eigene Stärke hervorzuheben. Ihre Geschichte erinnert daran, welchen entscheidenden Beitrag Frauen während des Krieges leisteten und wie sehr ihr Wirken das Leben auf dem Land geprägt hat. Es waren Frauen wie Alwine, die dafür sorgten, dass der Alltag weiterging.
In den typisch weiblichen Arbeitsbereichen (Kuhstall, Haushalt und Gemüsegarten) hatte Alwine Stave Unterstützung.Fotos: privatDer lange Arbeitstag begann um 4.30 Uhr mit dem Melken der Kühe.Zur Erntezeit packten auf den Feldern alle mit an.Bei der Kartoffelernte kamen einfache Landmaschinen zum Einsatz.
Info
Das Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz blickt auf der Norla ebenfalls auf die Landwirtschaft vor 80 Jahren. Dort kann man Alwine Stave wiedertreffen!