Die EU macht ernst. Wie erwartet wird Brüssel ab sofort vorerst kein Rindfleisch mehr aus Brasilien in den gemeinsamen Binnenmarkt lassen. Der Regierung in Brasília sei es bisher nicht gelungen sicherzustellen, dass für den europäischen Markt bestimmtes Fleisch nicht mit antimikrobiellen Wachstumsförderern in Kontakt gekommen sei, teilte eine Sprecherin der EU-Kommission mit. Ausreichende Nachweise seien bisher nicht erbracht worden.
Vorerst gilt der Importbann auch für Geflügelfleisch sowie Honig. Laut der Sprecherin sind gegenwärtig aber noch Experten der EU mit entsprechenden Audits vor Ort beschäftigt, die sich noch einige Tage ziehen könnten. Sollten die Ergebnisse die Brüsseler Behörde zufriedenstellen, dürfte sie beide Erzeugnisse kurzfristig wieder zur Einfuhr zulassen. Nach Angaben der Sprecherin kann es jedoch noch mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate dauern, bis die Resultate der aktuellen Prüfung vorliegen.
Die brasilianischen Behörden haben der Kommissionssprecherin zufolge beim Rindfleisch den Nachweis bislang nicht erbracht, dass die Masttiere über ihre gesamte Lebensdauer hinweg – rund 24 Monate – unbehandelt geblieben sind. Verboten sind sowohl in der EU untersagte Wirkstoffe als auch nach EU-Recht als Reserveantibiotika für die Humanmedizin deklarierte Mittel. Wann der Importbann für Rindfleisch aufgehoben werden kann, ist laut der Sprecherin „aktuell nicht absehbar“.
Laut Zahlen der Statistikbehörde Eurostat hat die Europäische Union im vergangenen Jahr 119.637 t Rindfleisch zu Schlachtgewichtäquivalenten importiert. Das entsprach 26,5 % der gesamten EU-Rindfleischeinfuhren. Zum Vergleich: 2024 waren es 87.603 t. Dies entspricht einem Anstieg innerhalb eines Jahres um rund 37 %. Inwiefern die drei übrigen Mercosur-Staaten Argentinien, Paraguay und Uruguay die nun wegfallenden Importe aus Brasilien kompensieren können, ist unklar. age
Schweiz und China bauen Zölle ab
Überarbeitetes Freihandelsabkommen
Die Schweiz und China haben ihr seit dem 1. Juli 2014 geltendes Freihandelsabkommen überarbeitet. Während nach Angaben des eidgenössischen Departements für Wirtschaft im bestehenden Abkommen fast alle chinesischen Importe in die Schweiz zollfrei erfolgten, war dies nur für knapp die Hälfte der Schweizer Exporte nach China der Fall. Dieses Ungleichgewicht wurde nun behoben. Mittelfristig werden 99,8 % der Schweizer Ausfuhren nach China vollständig zollbefreit, davon 77,5 % ab Inkrafttreten des optimierten Abkommens. Für die restlichen Exporte gilt die Zollbefreiung nach Ablauf einer Abbaufrist von fünf bis maximal zehn Jahren.
Im Agrarbereich gilt die vollständige Zollbefreiung für Käse sowie Röstkaffee und kaffeebasierte Zubereitungen nach zehn Jahren. Diese Produkte erhielten bislang Teilkonzessionen oder waren ausgeschlossen. Weitere Schweizer Agrarexportprodukte wie Schokolade, Baby- und Kleinkindnahrung, Wein und Trockenfleisch sind bereits unter dem bestehenden Freihandelsabkommen zollbefreit.
Die Schweiz hatte sich bereits im bestehenden Abkommen verpflichtet, keine Importzölle auf Industrieprodukte aus China zu erheben. Das optimierte Abkommen deckt 97,3 % der chinesischen Ausfuhren im Agrarbereich ab, 80,1 % davon zollfrei. Bei den für die Schweiz sensibleren Produkten wurde eine Reduktion oder Beseitigung von Zöllen innerhalb der bestehenden WTO-Zollkontingente unter Berücksichtigung der saisonalen Einschränkungen vereinbart. Dies betrifft beispielsweise diverse Früchte und Gemüse sowie Fruchtsäfte.
Darüber hinaus wurden spezifische Interessen Chinas berücksichtigt, wie etwa Hunde- und Katzenfutter, Sonnenblumenkerne sowie verschiedene Ölsaaten und Samen. Verarbeitete Landwirtschaftsprodukte aus China unterliegen weiterhin dem Preisausgleichsmechanismus. Die Konzessionen seien der Regierung zufolge mit der schweizerischen Agrarpolitik vereinbar. age
Exportprobleme und Geldmangel
gefährden die Herbstaussaat
Ackerbauern in Russland unter Druck
Die aktuellen Probleme beim Getreideexport lassen in Russland ernste Sorgen um die Ernte 2027 aufkommen. Grund dafür ist laut Darstellung des Portals agroinvestor die anstehende Aussaatperiode für das Wintergetreide, für die vielen Landwirten nun schlicht das Geld fehlt. Arkady Zlochevsky, Präsident der Russischen Getreideunion (RGU), wies darauf hin, dass die Getreidepreise am heimischen Markt bereits stark gesunken seien, weil durch die fehlenden Exporte die neue Ware nicht vom Markt komme.
Um an Geld zu gelangen, müssten die Betriebe zumindest einen Teil ihrer Ernte verkaufen, betonte Zlochevsky. Allerdings zeigten potenzielle Käufer in Erwartung neuer Preistiefs vielfach kein Interesse. Außerdem hätten die Ackerbauern zu wenig Kapazitäten, um die neuen Erntemengen zwischenzulagern. Darüber hinaus seien neue Kredite nur schwer zu bekommen, während die Rückzahlung bereits aufgenommener Gelder weiterlaufe.
„Infolgedessen bleibt nur noch der Bankrott“, brachte es der RGU-Präsident auf den Punkt. Helfen könne hier der Staat, indem er beispielsweise ein Moratorium für die Rückzahlungen von Darlehen verhänge oder zumindest eine zeitliche Verschiebung anordne. Eine weitere Möglichkeit wären die bereits angedachten staatlichen Interventionskäufe.
Das Moskauer Landwirtschaftsministerium dürfte indes alles daransetzen, das Produktionsniveau beim Getreide zu halten. Eine Verkleinerung der Aussaatfläche sei eine Verletzung der Ernährungssicherheit, ein Prozess, der völlig unkontrollierbar sei, warnte der stellvertretende Ressortchef Maxim Borovoy auf einem Branchentreffen. Er gab sich zuversichtlich, dass die Probleme mit den Exporten überwunden würden. Das Ministerium hat bereits staatliche Interventionskäufe von Getreide vorgeschlagen, um Überschüsse vom Markt zu nehmen und den Getreidepreis zu stabilisieren. age



