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Zwischen langem Atem und Schnappatmung

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„Wir brauchen einen langen Atem, um Dinge auch im Sinne der Landwirtschaft zu regeln“, erklärte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bei der Eröffnung der Norla am Donnerstag vergangener Woche in Rendsburg. Bei dieser Aussage könnte man meinen, dass Günther erst kürzlich die Amtsgeschäfte übernommen hat und nicht schon seit 2017 Ministerpräsident dieses Landes ist.

Wahr ist, dass die CDU in den vergangenen Jahren dem Grünen-Koalitionspartner große Teile der Politik für die Landwirtschaft und die ländlichen Räume überlassen hat, obwohl die dort lebenden Menschen mehrheitlich konservativ gewählt haben. Das erzeugt vielerorts schon länger Schnappatmung. Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Christopher Vogt, beschreibt es so: „Das neu geschaffene CDU-geführte Landwirtschaftsministerium war eine teure, aber wirkungslose Beruhigungspille. Denn mit dem grünen Umweltminister als Gegenspieler haben die Landwirte leider häufig das Nachsehen gehabt.“

Zugegeben, es haben sich auch Dinge in die richtige Richtung entwickelt: die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern auf angefrorenen Böden ist zu begrüßen, aber auch aus Umweltschutzgründen sinnvoll. Die Aufstockung der Entschädigung von Gänsefraßschäden ist angesichts der Hilflosigkeit betroffener Betriebe eine Notwendigkeit, ebenso die Klarstellung, dass bei unsachgemäßer Knickpflege nicht automatisch ein Vorsatz angenommen wird. Die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht lässt zumindest Deichschäfer zukünftig hoffentlich wieder besser schlafen. Häufig entsteht jedoch der Eindruck eines politischen Gegengeschäfts.

Neue Bewirtschaftungseinschränkungen wie die Ausweisung neuer Naturschutzgebiete oder Pflanzenschutzmittel-Verbote bremsen die „Jubelstürme“ über Erleichterungen oft aus. So tritt die Branche auf der Stelle.

Dabei wird die Luft auf vielen Betrieben aufgrund angespannter Marktlagen immer dünner. Vor allem die Tierhaltung steht unter Druck. Zu Recht forderte Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), daher beim Landesbauerntag, dass das Perspektivpapier zur Zukunft der Tierhaltung auch mit Leben gefüllt werden müsse.

Das Mega-Thema, das aber alle Landwirtinnen und Landwirte umtreibt, ist: zu viel Bürokratie. Das zeigte etwa die „Wünsche- Wand“ am Norla-Stand des BVSH. Beim Bürokratieabbau ist tatsächlich ein „langer Atem“ gefragt. Erste Erleichterungen bei Stallumbauten und Dokumentations- und Berichtspflichten sind bereits erzielt – bitte mehr davon.

Die Norla bot ausreichend Gelegenheit zum „Landluft“ holen vor dem Start in den Wahlkampf zur Landtagswahl. Nirgendwo anders kann man sich besser über die Belange der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes informieren. Bemerkenswert waren vor diesem Hintergrund die Besuche von Sozialministerin und Grünen-Spitzenkandidatin Aminata Touré sowie erstmals von Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne). Besser spät als nie.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb

Naturschutz in der Praxis erleben

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Wie lassen sich Waldbewirtschaftung, Artenschutz und die Anforderungen des europäischen Naturschutzrechts miteinander verbinden? Eine Veranstaltung des Bildungszentrums für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (BNUR) in Zusammenarbeit mit den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) Ende August gab darauf aus unterschiedlichen Blickwinkeln Antworten. Von den Prioritätenkonzepten des Landes über den Schutz von Seeadler und Schwarzstorch bis hin zu den Ansprüchen von Fledermäusen wurde deutlich: Erfolgreicher Naturschutz im Wald braucht Fachwissen, konkrete Ziele und vor allem die Zusammenarbeit der Beteiligten.

Wer sich mit Naturschutz im Wald beschäftigt, merkt schnell, wie vielfältig die Anforderungen sind. Lebensräume sollen erhalten, gefährdete Arten geschützt und gleichzeitig Wälder bewirtschaftet und weiterentwickelt werden. Genau diese unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen, war eine der Stärken der Veranstaltung. Die verschiedenen Fachvorträge bauten aufeinander auf und spannten den Bogen von den rechtlichen Grundlagen bis zur Umsetzung im Wald.

Von der FFH-Richtlinie zur konkreten Maßnahme

Den fachlichen Einstieg bildeten die europäische FFH-Richtlinie und ihre Konsequenzen für den Naturschutz in Schleswig-Holstein. Dabei wurde bei den Ausführungen von Tanja Berlin aus dem Landesamt für Umwelt deutlich, dass die Vorgaben aus Brüssel keineswegs nur abstraktes Naturschutzrecht darstellen. Über die verschiedenen Anhänge der FFH-Richtlinie ergeben sich konkrete Verpflichtungen zum Schutz bestimmter Arten und Lebensräume.

Eine besondere Rolle spielen dabei die Prioritätenkonzepte Schleswig-Holsteins. Ihr Ansatz ist ebenso nachvollziehbar wie praxisorientiert: Nicht überall können gleichzeitig sämtliche denkbaren Maßnahmen umgesetzt werden. Deshalb wird zunächst betrachtet, bei welchen Arten und Lebensräumen besonderer Handlungsbedarf besteht und wo Maßnahmen besonders wirksam eingesetzt werden können.

Die Prioritätenkonzepte verbinden dazu unterschiedliche Ebenen. Neben erforderlichen Verbesserungsmaßnahmen innerhalb von FFH-Gebieten werden auch Maßnahmen außerhalb dieser Gebiete betrachtet, wenn sie für den Erhalt einer Art notwendig sind. Ziel ist es unter anderem, Schutzmaßnahmen besser zu koordinieren, landesweit einen Überblick über Schutzgüter und Handlungsbedarf zu gewinnen und begrenzte Mittel möglichst zielgerichtet einzusetzen.

Interessant war dabei auch der Blick auf die praktische Umsetzung. Zunächst werden vorhandene Daten ausgewertet und Schwerpunktgebiete ermittelt. Anschließend erfolgt eine Vorauswahl möglicher Maßnahmenflächen. Geeignete Flächen werden gemeinsam mit Eigentümern und Bewirtschaftern betrachtet und konkrete Maßnahmen abgestimmt. Danach folgen Umsetzung, Dokumentation und schließlich die Überprüfung, ob die angestrebten Ziele tatsächlich erreicht wurden.

Gerade aus Sicht eines Teilnehmenden wurde an diesem Punkt deutlich, wie entscheidend der Austausch mit den Menschen vor Ort ist. Ein fachlich überzeugendes Konzept allein reicht nicht aus. Naturschutzmaßnahmen müssen auch zu den jeweiligen Flächen und ihrer Nutzung passen.

Großvogelschutz: Rücksicht und Zusammenarbeit

Besonders anschaulich wurde es beim Thema Großvogelschutz, welcher von Kai-Martin Gercke aus der Projektgruppe Seeadlerschutz vorgetragen wurde. Arten wie Seeadler, Schwarzstorch, Kranich und Fischadler stellen besondere Anforderungen an ihre Lebensräume. Die Projektgruppe Seeadlerschutz Schleswig-Holstein beschäftigt sich intensiv mit ihrem Schutz und zeigte, welche Entwicklung durch kontinuierliche Arbeit möglich ist.

Am Beispiel des Seeadlers wurde dies besonders eindrucksvoll. Die Entwicklung des Bestandes in Schleswig-Holstein seit Ende der 1960er-Jahre zeigt einen deutlichen Aufwärtstrend. Aus nur wenigen Brutpaaren hat sich über Jahrzehnte wieder eine beachtliche Population entwickelt. Dieser Erfolg ist jedoch kein Grund, beim Schutz nachzulassen.

Denn Großvögel benötigen nicht nur geeignete Horstbäume. Entscheidend ist ebenso das Umfeld. Störungen während sensibler Brutzeiten können den Bruterfolg gefährden. Waldbewirtschaftung, Freizeitnutzung und Naturschutz müssen deshalb gerade im Umfeld besetzter Horste gut aufeinander abgestimmt werden.

Dass trotz positiver Bestandsentwicklungen weiterhin Gefahren bestehen, zeigte der Blick auf dokumentierte Todesursachen bei Greifvögeln. Wildtiere bewegen sich in einer vom Menschen intensiv genutzten Landschaft. Umso wichtiger sind Kenntnisse über Vorkommen, Brutplätze und sensible Zeiträume.

Auch der Schwarzstorch verdeutlichte, wie anspruchsvoll Artenschutz sein kann. Seit Jahren stagniert sein Bestand in Schleswig-Holstein bei nur wenigen Brutpaaren. Anders als sein bekannter Verwandter auf Hausdächern ist der Schwarzstorch auf ruhige, strukturreiche Waldlebensräume angewiesen und reagiert empfindlich auf Störungen. Schutzmaßnahmen müssen deshalb weit über den eigentlichen Horstbaum hinausgedacht werden.

Für die Praxis blieb vor allem eine Erkenntnis hängen: Erfolgreicher Großvogelschutz funktioniert nicht gegen Landnutzer und Waldbewirtschafter, sondern nur gemeinsam mit ihnen.

Was Fledermäuse im Wald wirklich brauchen

Eine Braune-Langohr-Fledermaus liegt in einem Fledermauskasten.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Fledermäuse. Der Vortrag von Matthias Göttsche aus dem Arbeitskreis Fledermaus brachte spannende Informationen zutage. Rund 15 der etwa 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten sind auch in Schleswig-Holstein heimisch. Viele von ihnen sind eng an Gehölze und Wälder gebunden.

Dabei wurde schnell deutlich, dass „Wald“ aus Sicht einer Fledermaus nicht gleich Wald ist. Unterschiedliche Arten benötigen unterschiedliche Strukturen. Baumhöhlen und Spalten dienen als Quartiere, doch mindestens ebenso wichtig sind geeignete Jagdhabitate.

Vorgestellt wurden unter anderem Arten, die bevorzugt an Waldstrukturen und Offenbereichen jagen, andere nutzen besonders den Bereich unterhalb der Baumkronen oder orientieren sich an Gewässern und feuchten Waldstandorten. Entscheidend ist deshalb eine strukturelle Vielfalt. Alte Bäume, Höhlenbäume, Totholz, gestufte Waldränder, Lichtungen, Gewässer und unterschiedliche Altersklassen schaffen zusammen ein Mosaik, von dem verschiedene Fledermausarten profitieren können. Gerade diese Beispiele machten anschaulich, dass Biodiversität nicht allein über die Zahl vorhandener Baumarten beschrieben werden kann. Entscheidend ist ebenso, welche Strukturen ein Wald bietet.

Naturschutz als Teil der Waldbewirtschaftung

Habitatbaum im Wahlsdorfer Holz Foto: Peer Rosenhagen

Zum Abschluss rückte die praktische Waldbewirtschaftung in den Mittelpunkt. Am Beispiel der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten zeigte Dr. Katharina Mausolf von den SHLF, wie Naturschutzaspekte systematisch in die Bewirtschaftung integriert werden können.

Dazu gehören unter anderem Habitatbäume und Totholzstrukturen, die gezielt erhalten werden. In den Landesforsten gibt es bereits eine große Zahl ausgewiesener Habitatbäume. Hinzu kommen Naturwaldflächen, auf denen sich Wälder ohne reguläre forstliche Nutzung entwickeln können, sowie Altholzbestände und weitere Elemente eines Biotopverbundes.

Bemerkenswert war dabei, dass Naturschutz nicht als einzelnes Zusatzprojekt dargestellt wurde, sondern als Bestandteil der langfristigen Waldentwicklung. Gerade alte und strukturreiche Wälder sind für zahlreiche Arten von besonderer Bedeutung. Gleichzeitig müssen Wälder unter sich verändernden klimatischen Bedingungen stabil und anpassungsfähig bleiben.

Die vorgestellten Prioritäten der Landesforsten verdeutlichten deshalb einen umfassenden Ansatz: Bewirtschaftung gemischter, alter und strukturreicher Dauerwälder, Integration von Stilllegungsflächen und weiteren Naturschutzelementen, Förderung von Totholz, Verbesserung des Wasserhaushaltes sowie die Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Forschung.

Damit schloss sich der Kreis zum Beginn der Veranstaltung. Aus rechtlichen Vorgaben und wissenschaftlichen Erkenntnissen müssen letztlich Maßnahmen entstehen, die auf der Fläche funktionieren.

Nach den Vorträgen ging ins Wahlsdorfer Holz der Försterei Ahrensbök. Hier konnte der zuständige Revierförster Götz Mentz eindrückliche Praxisbeispiele zu den am Vormittag bearbeiteten Themen präsentieren und zeigen, wie es in der Praxis funktionieren kann.

Viele Impulse für die eigene Arbeit

Für die Teilnehmer lag der besondere Mehrwert der Veranstaltung in genau dieser Verbindung von Theorie und Praxis. Die einzelnen Beiträge behandelten sehr unterschiedliche Themen, ergänzten sich aber zu einem Gesamtbild: Artenschutz im Wald ist komplex, lässt sich aber mit fundiertem Wissen und klaren Konzepten in die Bewirtschaftung integrieren.

Besonders wertvoll waren die konkreten Beispiele. Die Entwicklung des Seeadlerbestandes zeigte, dass langfristige Schutzbemühungen messbare Erfolge bringen können. Beim Schwarzstorch wurde dagegen deutlich, dass Erfolge keineswegs selbstverständlich sind. Die Fledermäuse wiederum machten anschaulich, wie stark einzelne Arten auf ganz bestimmte Strukturen innerhalb eines Waldes angewiesen sind.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass erfolgreicher Naturschutz Kooperation voraussetzt. Landesbehörden, Forstbetriebe, Naturschutzorganisationen, Flächeneigentümer, Bewirtschafter und Wissenschaft bringen unterschiedliche Kenntnisse und Perspektiven ein. Werden diese zusammengeführt, können Lösungen entstehen, die sowohl fachlich sinnvoll als auch praktisch umsetzbar sind.

Fazit

Am Ende der Veranstaltung blieb nicht nur eine Fülle neuer Informationen, sondern vor allem ein geschärfter Blick für die Zusammenhänge. Wer künftig durch einen Wald geht, sieht vielleicht nicht mehr nur Bäume und Bestände, sondern auch Habitatbäume, mögliche Quartiere, Jagdräume, Horststandorte und Totholzstrukturen. Die Veranstaltung vermittelte nicht nur Wissen, sondern machte verständlich, warum bestimmte Maßnahmen notwendig sind und welchen konkreten Beitrag sie zur Artenvielfalt leisten können.

Grünes Sofa auf der Norla

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Die 76. Norla ist erfolgreich am Sonntag zu Ende gegangen. In der Kammer-Halle ging es um Innovationen, die Ausbildung und ein völlig neues Format wurde etabliert.

Unter dem Motto Menschen, Meinungen, Landwirtschaft nahmen prominente Schleswig-Holsteiner auf unseren grünen Sofas Platz und beantworteten teilweise auch persönlich Fragen rund um den Agrarsektor. Wer es verpasst hat, die Interviews sind auf dem Instagram-Kanal der Landwirtschaftskammer SH zu finden.

EM Vielseitigkeit der Junioren und Jungen Reiter

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Für den deutschen Vielseitigkeitsnachwuchs hat sich die weite Anreise nach Segersjö in Schweden gelohnt: Sie holten viermal Gold, Silber und Bronze. Unter den Reitern waren auch der Fehmaraner Mathies Rüder, der mit gleich zwei goldenen Medaillen nach Hause fuhr, und Iliane Hannalisa Hein, die Gold und Silber mit zurück nach Boren, Kreis Schleswig-Flensburg, brachte.

„Wir hatten eine tolle Woche in Schweden, mit sehr guten Bedingungen, und sportlich hat es auch gut gepasst“, resümierte Mathies Rüder. „Mit zwei Goldmedaillen nach Hause zu fahren ist ein ganz besonderes Gefühl.“

Der 21-Jährige war mit seinem schwedischen Warmblut Hjoptimus sehr gut ins Turnier gekommen. Mit seiner persönlichen Bestleistung setzte er sich gleich zu Beginn auf den zweiten Platz der Jungen Reiter und blieb danach im Gelände fehlerfrei. Doch das abschließende Springen stellte sich als anspruchsvoll heraus. Nur drei Reitern gelang eine Nullrunde. Unter ihnen war auch Rüder, der seine Erfahrung im Parcours voll ausspielen konnte. Er gewann im Springen schon Große Preise und im vergangenen Jahr sein erstes Weltranglistenspringen. Mit 23,7 Minuspunkten beendete er die EM als einziger mit seinem Dressurergebnis und durfte sich als Europameister feiern lassen.

Teamkollegin Pita Schmid aus Sachsen holte Bronze, der Hesse Carl Voigt kam auf Platz vier. So gewannen die Jungen Reiter Mannschaftsgold mit 30 Punkten Abstand zu den zweitplatzierten Briten.

Bei ihren ersten Europameisterschaften holten Iliane Hannalisa Hein und Akeby’s Quemiro Silla Gold mit der Mannschaft und Silber im Einzel. Foto: FEI/Kim C Lundin

Bei den Junioren schaffte Jona Isabell Heine aus Ammersbek, Kreis Stormarn, mit Chantilly Nullrunden im Gelände und Springen und beendete ihre EM-Premiere auf Platz sechs. Die anderen deutschen Starter waren sogar noch besser. Die Rheinländerin Teresa Leowald setzte sich direkt an die Spitze, dicht gefolgt von der amtierenden Deutsche Meisterin, Iliane Hannalisa Hein mit Akeby’s Quemiro Silla. Damit übernahmen die Junioren direkt die Führung und gaben sie nicht wieder her. Mit vier fehlerfreien Runden im Springen – lediglich ein Zeitfehler kam hinzu – bewiesen die vier ihre Dominanz und sicherten sich unangefochten die Goldmedaille. Auch in der Einzelwertung blieben die deutschen Paare vorn: Gold für Leowald und Silber für Hein.

„Es war eine tolle Woche mit einem bombastischen Team“, befand die Vizeeuropameisterin und freute sich, dass „Smoky“, wie sie ihren Wallach aus der Familienzucht nennt, sich von einem ängstlichen Fohlen zu einem so tollen Vielseitigkeitspartner entwickelt hat. Auch ihre Mutter Susan Hein ist stolz auf die beiden: „Iliane hat eine mentale Entwicklung zu einem selbstbewussten, mündigen Athleten hingelegt“, findet sie. Nach dem Geländeritt schwärmte Iliane dann auch: „Das ist wie fliegen. Smoky war so toll, ich konnte den Geländeritt richtig genießen.“

Tafeltrauben – süß und fruchtig

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Speziell für den Verzehr gezüchtete Tafeltrauben sind ein ganz besonderer Genuss. Auch wenn der Norden Deutschlands nicht unbedingt als Weinanbaugebiet bekannt ist, gedeihen die frostharten Weinreben auch hier. Und mit ein paar Tricks lassen sich besonders große und süße Trauben ernten.

Wer den Anbau von Weintrauben ausprobieren möchte, wählt am besten eine der unten aufgeführten Sorten der Tafeltraube. Wichtigste Voraussetzung ist ein warmer, vollsonniger Standort, der ausreichend Wind- und Frostschutz bieten sollte. In Frage kommt dafür zum Beispiel eine geschützte Hauswand Richtung Südosten oder Südwesten. Der pH-Wert des Boden liegt im Idealfall zwischen 5 und 7,5. Eine lockere, tiefgründige und wasserdurchlässiger Beschaffenheit des Bodens ist ideal. Tipp: Keinesfalls in verdichteten oder mit Bauschutt durchsetzen Boden pflanzen. Im Zweifel besser in einem großen, sehr standfesten Kübel kultivieren.

In der laublosen Zeit ist die Erziehungsform gut erkennbar. Foto: Karin Stern

Trauben bilden sich an den einjährigen Trieben, die zweijährigem Holz entspringen. Daher ist der entsprechende Schnitt eine weitere Einflussgröße hinsichtlich des Ertrags. Ungeschnitten können die Triebe starkwüchsiger Sorten schon mal 10 m Länge erreichen. Um das Fruchtwachstum zu fördern, nehmen Sie einen kräftigen Rückschnitt des Fruchtholzes bereits im Spätwinter vor. Hier sind der sogenannte Zapfenschnitt und der Streckerschnitt zu unterscheiden, in Abhängigkeit von der Wuchskraft der jeweiligen Sorte. Zudem sind weitere Schnitte im Frühjahr und Sommer notwendig, um das Längenwachstum zu begrenzen.

Eine Bodenbedeckung aus Mulch hält die Feuchtigkeit im Erdreich. Foto: Karin Stern

Düngung und Wasserversorgung beeinflussen ebenfalls den Ertrag. Weintrauben weisen keinen hohen Feuchtigkeitsbedarf auf, sollten aber dennoch bei andauernder Trockenheit etwas Wasser erhalten. Erkundigen Sie sich beim Kauf der Pflanze nach einer Düngeempfehlung für Ihre Sorte. Stickstoff setzen Sie am besten vorsichtig ein, denn ein Zuviel davon begünstigt vor allem die Blattentwicklung und damit auch Blattkrankheiten.

Zudem kann es sinnvoll sein, einen zu starken Fruchtbehang bereits im Juni herauszuschneiden. Die verbleibenden Trauben (etwa zehn Stück pro Pflanze beziehungsweise zwei Fruchtstände pro Trieb) werden in der Folge besser mit Nährstoffen versorgt, entwickeln sich größer und reichern mehr Zucker an. Ebenfalls im Juni gilt es, alle aus dem alten Holz austreibenden Wasserschosser an ihrer Basis herauszuschneiden. Sie stehen in direkter Konkurrenz zu den Fruchttrieben. Im Juli und August brechen Sie die aus den Haupttrieben entspringenden Seitentriebe heraus. Das ist vergleichbar mit dem Ausgeizen bei Tomaten. Diese Triebe nehmen den Trauben Licht und Sonne weg. Schneiden Sie dabei auch störende Blätter weg, die Schatten auf die Trauben werfen. Tipp: Bei jedem Arbeitsgang immer auf Krankheiten oder Schädlinge achten und die befallenen Blätter gleich über die Mülltonne entsorgen.

Kranke Blätter sollten so schnell wie möglich entfernt werden. Foto: Karin Stern

Für die Neupflanzung einer Weinrebe bietet sich der April an. Containerware kann noch bis in den Sommer hinein gepflanzt werden. Das Pflanzloch sollte etwa 50 cm tief sein (Sohle ebenfalls lockern). Setzen Sie die Pflanze etwas schräg zum Spalier ein und achten Sie darauf, dass die Veredelungsstelle oberhalb der Erde liegt. Wer mag, kann aus einer Weinrebe locker eine 6 m breite Spalierpflanze ziehen. Die im Handel angebotenen Tafeltrauben sind mit ihren zwittrigen Blüten allesamt selbstfruchtbar. Eine Pflanze ist also ausreichend, um Trauben ernten zu können. Frühe Sorten reifen bereits im August, späte gegen Ende September oder gar Anfang Oktober. Der richtige Erntezeitpunkt ist an der sortentypischen Beerenfarbe und natürlich auch am Geschmackstest erkennbar. Leider sind auch Vögel und Wespen sehr an den süßen Beeren interessiert. Vogelschutznetze halten nur Vögel fern, Wespen schlüpfen durch die Maschen.

Ein solch dichter Blätterteppich macht die Pflanzen sehr anfällig für Mehltau. Foto: Karin Stern

Wer noch eine nichtresistente Sorte im Garten hat, kennt das Problem mit Mehltau. Die Beerenhaut platzt auf, ein weißer Belag überzieht die Blätter (Echter Rebenmehltau) oder sie sterben vorzeitig ab und die Beeren vertrocknen (Falscher Mehltau). In beiden Fällen sind infiziertes Laub und kranke Beeren über die Mülltonne zu entsorgen. Vorbeugend hilft das Auslichten der Ranken, damit das Laub schneller abtrocknet und weniger gefährdet ist. Eine Alternative besteht in der Neupflanzung einer pilzfesten Sorte.

Empfehlenswerte, weitgehend pilzfeste Traubensorten (Auswahl):

Lakemont: grüne Trauben, kernarm, mittelgroße Früchte
Phoenix: gelbe Trauben, mittelgroß, muskatähnliches Aroma
Muscat bleu: blaue Trauben, hervorragender Geschmack, sehr robust
Romulus: grüne Trauben, starkwüchsig, weitgehend kernlose Früchte
Venus: blaue Trauben, groß und kernarm, sehr winterhart
Vanessa: rosafarbene Trauben, kernarm, große Früchte, tolerant gegen Pilzkrankheiten
Frumoasa Alba: gelbe Traube, kernarm, sehr aromatisch

Tafeltrauben lassen sich auch an einer Pergola ziehen. Foto: Karin Stern
Als Kletterhilfe wurde hier ein hölzernes Gerüst an der Klinkerwand befestigt. Foto: Karin Stern
Mit der richtigen Sortenwahl legt man den Grundstein für eine gute Ernte. Foto: Karin Stern
Reifende blaue Trauben. Foto: Karin Stern
An einer nach Süden ausgerichteten Mauer fühlt sich die Tafeltraube wohl. Foto: Karin Stern
Mit Hilfe einiger Bambusstangen lassen sich die Triebe fächerförmig aufleiten. Foto: Karin Stern
Bei Reihenpflanzung im Garten sind die Reben auf ein Stützgerüst aus Draht angewiesen. Foto: Karin Stern
Baumschulen bieten auch Weinreben für Topfkultur an. Foto: Karin Stern


Von Moorvernässung bis Hotel Mama

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Die Kreisverbände der LandFrauen (KLFV) sind das Bindeglied zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen (OV). Was aber ist das Besondere der LandFrauen im jeweiligen Kreis, wie zeigt sich das Gesicht der Kreisverbände? In dieser Bauernblattserie werden alle zwölf Kreisverbände und der OV Lübeck vorgestellt – heute: der KLFV Schleswig.

Der KLFV Schleswig umfasst das Gebiet des gleichnamigen Altkreises, denn die LandFrauen haben die politische Vereinigung der Kreise Flensburg-Land und Schleswig nicht mitgemacht. Der Altkreis war ein Binnenkreis fast ohne Meeresküste, wenn man von dem Zipfel Schleimünde absieht. Zum Gebiet gehören ein Teil von Angeln sowie die Eider-Treene-Sorge-Region. Und gerade die bereitet der Landbevölkerung einige Sorgen. Hier soll das größte Projekt des Landes zur Wiedervernässung ehemaliger Moorgebiete stattfinden.

Neben zahlreichen Informationsveranstaltungen der Landesregierung und des Bauernverbandes informieren auch die LandFrauen über dieses Thema, zum Beispiel im Gemeindehaus Stapel in diesem Jahr. Bereits 2023 hatten sie eine Begehung mit dem Kreisbauernverbandsvorsitzenden Klaus-Peter Dau in dem Gebiet unternommen. „Es betrifft nicht nur die Landwirte dort, sondern auch die Allgemeinbevölkerung“, sagt die KLFV-Vorsitzende Sylke Messer-Radtke, die zugleich Vizepräsidentin des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein ist, „es können auch Kreisstraßen von zeitweiser Überflutung betroffen sein, etwa zwischen Tetenhusen und Meggerdorf.“

Lesung und Filme über den Norden

Auch mit der Gesundheit insbesondere im Alter beschäftigen sich die LandFrauen, etwa mit einer jährlichen Veranstaltung in der Familienbildungsstätte in Schleswig, die zum Teil auf Plattdeutsch stattfindet, dieses Jahr zum Thema „Plötzlich pflegebedürftig – was nun?“. Auch mit dem Arbeitskreis Frauengesundheit des Kreises wird eng kooperiert. Im Februar besuchen sie regelmäßig ein Seminar in der Akademie Sankelmark, in diesem Jahr zum Thema „KI – Fluch oder Segen?“, das vom „Schwester-KLFV“ Flensburg aus dem Jahr vorher übernommen wurde.

Vorstellung der Herzkissen-Aktion des OV Süderbrarup auf dem Landmarkt in Schloss Got­torf Fotos: KLFV

Anlässlich des 100. Geburtstages von Siegfried Lenz hat Dr. Maren Ermisch einen Vortrag über den Schriftsteller mit Lesung und Fotografien in der Waldkapelle Tetenhusen gehalten. Der Gottorfer Landmarkt in Schleswig wurde mit einem Stand als Informationsplattform genutzt.

Im September wird seit 2022 zum Kinoabend im „Kapitol“ in Schleswig eingeladen – „bestbesucht“, etwa jüngst die Verfilmung von Dörte Hansens Bestseller „Mittagsstunde“ oder in diesem Jahr der Amrum-Film von Fatih Akin. Jedes Jahr findet eine Arbeitstagung statt, alle zwei Jahre in Form einer Dorfbereisung, die der besuchte Ortsverein organisiert. Einmal im Sommer lädt die Kreisvorsitzende Messer-Radtke die Ortsvorstände zu sich zum Kaffee im Garten ein, um den Austausch zu pflegen.

Auch auf Ortsvereinsebene geschieht viel. Die OV Süderbrarup und Kappeln nähen Herzkissen für Brustkrebspatientinnen – eine Aktion mit der Landjugend. Die wird von den KreisLandFrauen auch beim Berufswettbewerb unterstützt. Der OV Ekebergkrug besucht die Mühle Anna und Schloss Glücksburg. Der OV Tetenhusen bietet Kurse zu Selbstverteidigung und Erster Hilfe an. Eine Modenschau in der „Traumklamotte“ in Viöl plant der OV Börm im September. Im November diskutieren die Land-Grazien im Dörps­treff in Börm zu der Frage „Häusliche Gewalt auf dem Dorf – gibt‘s das überhaupt?“. Der OV Süderbrarup bereiste Anfang Juni mehrere Tage den Spreewald, der OV Mittlere Treene fährt im August nach Bremen. „Algen – gesunde Wirkstoffe aus dem Meer“ lautet ein Vortrag beim OV Kropp im November.

Junge LandFrauen – peppig und preppig

Auch die Jungen LandFrauen sind im Kreisteil Schleswig aktiv. Im vergangenen Jahr gab es zwei ­Meal-Prep-Veranstaltungen (Vorkochen, um Zeit, Geld und Kalorien zu sparen), einen Dorfflohmarkt, die Besichtigung der Geestfrisch Meierei, die Teilnahme an der landesweiten Baumpflanz-Challenge und den beliebten Adventskalender-Tausch.

Immer noch erhältlich ist das Buch des KLFV Schleswig „Tschüss – Hotel Mama!“, das jungen Leuten Tipps für den Umzug und für die Zeit in der ersten eigenen Wohnung gibt – für 7,90 € unter sylke.messer.radtke@gmail.com

Importbann greift ab sofort

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Die EU macht ernst. Wie erwartet wird Brüssel ab sofort vorerst kein Rindfleisch mehr aus Brasilien in den gemeinsamen Binnenmarkt lassen. Der Regierung in Brasília sei es bisher nicht gelungen sicherzustellen, dass für den europäischen Markt bestimmtes Fleisch nicht mit antimikrobiellen Wachstumsförderern in Kontakt gekommen sei, teilte eine Sprecherin der EU-Kommission mit. Ausreichende Nachweise seien bisher nicht erbracht worden.

Vorerst gilt der Importbann auch für Geflügelfleisch sowie Honig. Laut der Sprecherin sind gegenwärtig aber noch Experten der EU mit entsprechenden Audits vor Ort beschäftigt, die sich noch einige Tage ziehen könnten. Sollten die Ergebnisse die Brüsseler Behörde zufriedenstellen, dürfte sie beide Erzeugnisse kurzfristig wieder zur Einfuhr zulassen. Nach Angaben der Sprecherin kann es jedoch noch mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate dauern, bis die Resultate der aktuellen Prüfung vorliegen.

Die brasilianischen Behörden haben der Kommissionssprecherin zufolge beim Rindfleisch den Nachweis bislang nicht erbracht, dass die Masttiere über ihre gesamte Lebensdauer hinweg – rund 24 Monate – unbehandelt geblieben sind. Verboten sind sowohl in der EU untersagte Wirkstoffe als auch nach EU-Recht als Reserveantibiotika für die Humanmedizin deklarierte Mittel. Wann der Importbann für Rindfleisch aufgehoben werden kann, ist laut der Sprecherin „aktuell nicht absehbar“.

Laut Zahlen der Statistikbehörde Eurostat hat die Europäische Union im vergangenen Jahr 119.637 t Rindfleisch zu Schlachtgewichtäquivalenten importiert. Das entsprach 26,5 % der gesamten EU-Rindfleischeinfuhren. Zum Vergleich: 2024 waren es 87.603 t. Dies entspricht einem Anstieg innerhalb eines Jahres um rund 37 %. Inwiefern die drei übrigen Mercosur-Staaten Argentinien, Paraguay und Uruguay die nun wegfallenden Importe aus Brasilien kompensieren können, ist unklar. age

Schweiz und China bauen Zölle ab

Überarbeitetes Freihandelsabkommen

Die Schweiz und China haben ihr seit dem 1. Juli 2014 geltendes Freihandelsabkommen überarbeitet. Während nach Angaben des eidgenössischen Departements für Wirtschaft im bestehenden Abkommen fast alle chinesischen Importe in die Schweiz zollfrei erfolgten, war dies nur für knapp die Hälfte der Schweizer Exporte nach China der Fall. Dieses Ungleichgewicht wurde nun behoben. Mittelfristig werden 99,8 % der Schweizer Ausfuhren nach China vollständig zollbefreit, davon 77,5 % ab Inkrafttreten des optimierten Abkommens. Für die restlichen Exporte gilt die Zollbefreiung nach Ablauf einer Abbaufrist von fünf bis maximal zehn Jahren.

Mittelfristig werden 99,8 % der Schweizer Ausfuhren nach China vollständig zollbefreit. Foto: KI

Im Agrarbereich gilt die vollständige Zollbefreiung für Käse sowie Röstkaffee und kaffeebasierte Zubereitungen nach zehn Jahren. Diese Produkte erhielten bislang Teilkonzessionen oder waren ausgeschlossen. Weitere Schweizer Agrarexportprodukte wie Schokolade, Baby- und Kleinkindnahrung, Wein und Trockenfleisch sind bereits unter dem bestehenden Freihandelsabkommen zollbefreit.

Die Schweiz hatte sich bereits im bestehenden Abkommen verpflichtet, keine Importzölle auf Industrieprodukte aus China zu erheben. Das optimierte Abkommen deckt 97,3 % der chinesischen Ausfuhren im Agrarbereich ab, 80,1 % davon zollfrei. Bei den für die Schweiz sensibleren Produkten wurde eine Reduktion oder Beseitigung von Zöllen innerhalb der bestehenden WTO-Zollkontingente unter Berücksichtigung der saisonalen Einschränkungen vereinbart. Dies betrifft beispielsweise diverse Früchte und Gemüse sowie Fruchtsäfte.

Darüber hinaus wurden spezifische Interessen Chinas berücksichtigt, wie etwa Hunde- und Katzenfutter, Sonnenblumenkerne sowie verschiedene Ölsaaten und Samen. Verarbeitete Landwirtschaftsprodukte aus China unterliegen weiterhin dem Preisausgleichsmechanismus. Die Konzessionen seien der Regierung zufolge mit der schweizerischen Agrarpolitik vereinbar. age

Exportprobleme und Geldmangel

gefährden die Herbstaussaat

Ackerbauern in Russland unter Druck

Laut Arkady Zlochevsky sind die Getreidepreise in Russland stark gesunken. Foto: Imago

Die aktuellen Probleme beim Getreideexport lassen in Russland ernste Sorgen um die Ernte 2027 aufkommen. Grund dafür ist laut Darstellung des Portals agroinvestor die anstehende Aussaatperiode für das Wintergetreide, für die vielen Landwirten nun schlicht das Geld fehlt. Arkady Zlochevsky, Präsident der Russischen Getreideunion (RGU), wies darauf hin, dass die Getreidepreise am heimischen Markt bereits stark gesunken seien, weil durch die fehlenden Exporte die neue Ware nicht vom Markt komme.

Um an Geld zu gelangen, müssten die Betriebe zumindest einen Teil ihrer Ernte verkaufen, betonte Zlochevsky. Allerdings zeigten potenzielle Käufer in Erwartung neuer Preistiefs vielfach kein Interesse. Außerdem hätten die Ackerbauern zu wenig Kapazitäten, um die neuen Erntemengen zwischenzulagern. Darüber hinaus seien neue Kredite nur schwer zu bekommen, während die Rückzahlung bereits aufgenommener Gelder weiterlaufe.

„Infolgedessen bleibt nur noch der Bankrott“, brachte es der RGU-Präsident auf den Punkt. Helfen könne hier der Staat, indem er beispielsweise ein Moratorium für die Rückzahlungen von Darlehen verhänge oder zumindest eine zeitliche Verschiebung anordne. Eine weitere Möglichkeit wären die bereits angedachten staatlichen Interventionskäufe.

Das Moskauer Landwirtschaftsministerium dürfte indes alles daransetzen, das Produktionsniveau beim Getreide zu halten. Eine Verkleinerung der Aussaatfläche sei eine Verletzung der Ernährungssicherheit, ein Prozess, der völlig unkontrollierbar sei, warnte der stellvertretende Ressortchef Maxim Borovoy auf einem Branchentreffen. Er gab sich zuversichtlich, dass die Probleme mit den Exporten überwunden würden. Das Ministerium hat bereits staatliche Interventionskäufe von Getreide vorgeschlagen, um Überschüsse vom Markt zu nehmen und den Getreidepreis zu stabilisieren. age

Trump und der Burgerpreis

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Der US-Präsident Donald Trump, bekennender Fast-Food- und Burger-Freund, hatte in seinem Präsidentschaftswahlkampf versprochen, die „zu hohen Lebensmittelpreise“ zu senken. Stattdessen stiegen vor allem die Rindfleischpreise weiter deutlich an: gegenüber Juli 2023 um über 35 %. Nun will er die hohen Hackfleischpreise in den USA mit zollfreien Rindfleischimporten drücken. Auch dies eine überraschende Aktion, hatte er doch in seinem Wahlkampf ebenfalls versprochen, die US-Industrie und Landwirtschaft durch hohe Importzölle vor Billigimporten zu schützen.

Donald Trump will nun vor den wichtigen Midterm-Wahlen am 3. November den Burger billiger machen, indem für 90 Tage bis zu 300.000 t Rindfleisch für die Hackfleischproduktion zollfrei ins Land kommen sollen, es soll dann 25 % unter dem aktuellen Marktpreis angeboten werden. Die Regierung argumentiert, die Zollpause verschaffe den Verbrauchern angesichts hoher Lebensmittelkosten schnelle Entlastung. Da vor allem mageres Rindfleisch importiert werden soll, zielt diese Aktion auf den Hackfleischmarkt. Damit will Trump Privathaushalte beim Einkauf entlasten.

US-Rinderbestände sinken drastisch

Ob die angekündigte Preissenkung tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt, ist jedoch offen. Es wird bezweifelt, dass die Importe groß genug sind, um den strukturellen Engpass zu lösen, und befürchtet, dass die Politik für einen kurzfristigen Preiseffekt die langfristige Stabilisierung der US-Rinderproduktion aufs Spiel setzt, denn die Ursachen für die hohen Preise liegen anderswo: Die US-Rinderbestände, am 1. Januar 2026 waren es 86,2 Millionen Rinder und Kälber, sind auf dem niedrigsten Stand seit 1951, seit 75 Jahren. Der historische Tiefstand der US-Rinderbestände resultiert aus extremen Wetterereignissen, wirtschaftlichen Belastungen und biologischen Faktoren. Weite Teile der USA, besonders die Great Plains, leiden seit Jahren unter anhaltenden Dürreperioden. Weil Zukauffutter wie Heu und Mais extrem teuer geworden ist, waren viele Rancher gezwungen, ihre Tiere frühzeitig zu schlachten. Wegen der Dürre wurden über Jahre hinweg massenhaft Färsen geschlachtet, was zu historisch kleinen Kälberjahrgängen führte. Rancher kämpfen zusätzlich mit drastisch gestiegenen Preisen für Futter und Düngemittel, Treibstoff und Energie, Versicherungen und Kreditzinsen. Das Durchschnittsalter der US-Rancher beträgt mittlerweile 58 Jahre. Die körperlich harte Arbeit in Kombination mit dem wirtschaftlichen Risiko hat viele ältere Landwirte dazu bewogen, die guten Viehpreise zu nutzen, also ihre Herde komplett zur Schlachtung zu geben. Letztendlich ist der Rinderzyklus bekanntlich träge. Von der Entscheidung, eine Kuh zu decken, bis zur Schlachtreife des Kalbes vergehen knapp drei Jahre. So dauert der Wiederaufbau der Herden viele Jahre. US-Rancher laufen deshalb Sturm gegen Trumps Idee, Rindfleisch zollfrei zu importieren, da sie fürchten, dass billige Importe die Erzeugerpreise drücken und den mühsamen Wiederaufbau der US-Herden finanziell ausbremsen. Letztendlich ignoriert auch diese Trump-Aktion die wahren Probleme, typisch für alle mit populistischen Parolen an die Macht gekommenen Politiker.

Weltweit sinkende Rindfleischproduktion

Die weltweite Rindfleischproduktion wird in diesem Jahr um 1,1 Mio. t zurückgehen. Die Rückgänge betreffen alle großen Produzenten: Brasilien, die USA, Argentinien, China und die EU. Zwar geht auch der weltweite Verbrauch zurück, aber grundsätzlich sollten auch deutsche und europäische Mastrinderhalter von weiter stabilen Märkten und auskömmlichen Preisen ausgehen können. 

Freiheit mit Meerblick

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Wenn Noah aus dem Fenster seines Klassenzimmers guckt, dann schaut er auf das Meer, auf die Nordsee. Heute, an diesem sonnigen, fast windstillen Herbsttag, blinzelt das glatte Meer im Sonnenschein um die Wette. Noahs Blick reicht bis zum weiten Horizont. Kein Haus, keine Straße, keine Leute, rein gar nichts versperrt ihm die Sicht.

„Letzte Woche hatten wir den ersten Herbststurm, und da überschwemmte das Nordseewasser das Land“, erzählt Noah. Nur noch die zehn Hügel, auf denen die Häuser der Halligbewohner stehen, die sogenannten Warften, ragten aus der Nordsee heraus“, erzählt der zwölfjährige Schüler.

Schule in mini: Auf der Hallig ist die Anzahl der Schüler überschaubar.
Foto: Jörg Böthling

Ob er dann Angst hat? „Nö, eigentlich nicht“, antwortet der Siebtklässler im kleinen Kreis der Schüler, die auf die Schule der Hallig Hooge gehen. Insgesamt vier Mädchen, vier Jungen, vier Geschwisterpaare, fünf Klassen, ein großer Unterrichtsraum – mehr nicht, eine Schule in mini. Überschaubar, jeder kennt jeden ziemlich genau auf diesem Fleckchen Land inmitten der Nordsee. „Wir sind nie genug“, umschreibt Noah den einfachen Umstand, dass nicht viele Kinder auf dem Eiland leben. Viel zu wenige, um beispielsweise eine Fußballmannschaft zu bilden auf der Hallig, wie die Nordseeinseln ohne Seedeich heißen, nur 1 km breit und 4 km lang, größer nicht. Obwohl es an Mitspielern mangele, seien die Halligkinder allesamt sehr sportlich, so Lehrerin Franziska Dost, hätten sie doch auf dem Eiland mit 100 Einwohnern viel Freiraum, um sich ungehindert zu bewegen.

Nach der Schule, am frühen Nachmittag, fährt Noah mit seinem E-Fahrrad gen Westen. Es gibt nur eine einzige Straße, kein Auto kommt ihm entgegen, auch keine Fußgänger, keine Fahrradfahrer. Noah ist allein. Nur ein paar Austernfischer singen ihr Lied: „Liep, liep, liep.“ Ein Reiher steht regungslos im Wassergraben, der entlang der Straße führt. Schon nach ein paar Minuten hat Noah sein Ziel erreicht – dort, wo die Hallig endet, wo eine Steinkante das flache Land vor dem Meer schützt.

Freier Blick von der Schule auf das Wattenmeer
Foto: Jörg Böthling

Von Weitem ist der Leuchtturm auf der Nachbarinsel Amrum zu erkennen. In der Nacht sendet er für die Seefahrer Leuchtsignale. Noah steigt von seinem Rad und zeigt auf den kleinen Strandsteifen, der im Sommer eine der beliebten Badestellen ist. „Jetzt im Herbst sammele ich hier meine Muscheln“, sagt der Junge von Hooge mit strahlendem Gesicht. Herzmuscheln, Plattmuscheln, Miesmuscheln, Austern und die schönen Wellhornschnecken. Das Nordseewasser plätschert sanft am Strand. „Heute Nachmittag haben wir Hochwasser (Flut), hätten wir jetzt Niedrigwasser (Ebbe), würde der Meeresboden trockenliegen“, erklärt Noah, „dann ist hier Watt.“ Ob er sich mit Ebbe und Flut gut auskennt? Der Zwölfjährige gibt eine ehrliche Antwort. „Das Wasser kommt und geht. Das reicht mir zu wissen. Alles andere rund um dieses Thema ist ziemlich schwer zu erklären.“

Da hat Noah vollkommen recht. Daher sei kurz erwähnt, dass Mond und Sonne dafür sorgen, dass das Wasser alle sechs Stunden kommt und geht. Überall auf der Welt ist dies in Küstenregionen zu beobachten. Auf Hooge ist dieses Naturphänomen besonders eindrucksvoll zu erfahren, ist doch auf diesem Eiland in der Nordsee an jedem Punkt das Kommen und Gehen der Nordsee zu beobachten. Und: Je mehr Wind, je mehr Sturm, desto höher läuft das Meer auf. Und manchmal ist die gesamte Hallig unter Wasser, und dann lugen nur noch die Warften aus den Fluten. In solchen Momenten, die mehrmals im Jahr auftreten können, müssen auch die Rinder, Schafe und Pferde von den Weiden rechtzeitig auf die höher gelegenen Stellen gebracht werden. Aber zurück zum bunten Muschelsortiment von Noah. Er lagert es in einem kleinen Schuppen auf der Hanswarft, wo er mit seinen Eltern Frederike und Kai und seinen beiden Brüdern lebt. Würden wir Noah in den Sommerferien besuchen, dann könnten wir ihn als Muschelverkäufer am kleinen Hafen von Hooge erleben.

Noah hat einen kleinen Verkaufsstand, an dem er seine Muscheln an Touristen verkauft.
Foto: Jörg Böthling

Mit seinem kleinen Verkaufsstand bietet er dann den Touristen, charmant und wahrlich nicht auf dem Mund gefallen, seine Funde an. Mit viel Erfolg, wie sein Vater Kai verrät. Sein Sohn lächelt schelmisch. Kein Wunder, dass Noah als Wahlfach gern Wirtschaft gewählt hätte. Aber nicht nur Muscheln spielen eine große Rolle bei Noah, sondern auch die Haustiere der Familie. Während der Hund Mailo, ein Australian-Shepherd-Bordercollie, in der Wohnung der Hillmanns lebt, sind die beide Kaninchen Tofi und Schnuffel im Stall eines Nachbarhauses untergebracht. Genauso wie die beiden Pferde seiner Mama: Monti, eine sehr hübsche Stute der Rasse Tinker sowie ein süßes Shetland-Pony mit dem Namen Ikarus. Wer Tiere hat, muss auf sie achtgeben, muss sie pflegen, muss sie ausmisten und regelmäßig füttern und tränken.

Lehrer Fabian Lunkeit musiziert mit den Schülern. Der Halliglehrer ist begeistert von seinem Arbeitsplatz.
Foto: Jörg Böthling

Kein Zweifel, die Natur nimmt im Leben von Noah einen großen Raum ein. Für seine Lehrerin Franziska Dost prägten die reiche Naturerfahrung und das behütete Halligleben die Kinder sehr. „Ihre Eigenständigkeit ist ausgeprägt. Auch außerhalb der Schule müssen sie vieles allein mit sich klären und abmachen“, weiß die 31-jährige Pädagogin, die sich mit ihrem Kollegen Fabian Lunkeit den Unterricht in der kleinen Halligschule teilt. Der 40-Jährige ist voll Begeisterung über seinen Arbeitsplatz. „Hier kann ich auf jede Schülerin und jeden Schüler eingehen. Hier haben wir als Schule noch Zeit und Raum, um Lerninhalte von allen Seiten zu beleuchten, und können diese im Detail auch praktisch ausprobieren“, freut sich Lunkeit. Ausnahmsweise hat er seinen Dackel mit in die Schule genommen, sehr zur Freude der Schülerschaft. Jeder nimmt den kleinen Vierbeiner einmal in den Arm, und am Ende liegt der Hund seelenruhig unter dem großen Klassenbildschirm.

Wer Lehrer an einer Minischule wie der auf Hooge ist, muss über den Tellerrand gucken wollen und sollte bereit sein, sich auch außerhalb der eigenen Kernfächer zu engagieren. Ob nun Mathe, Sport, Geografie, Wirtschaft oder auch Kerzenziehen im Werkkeller, es wäre gut, wenn die Halliglehrer von allem etwas verstehen. Oder rasch zur Gitarre greifen können, um das Lied für den anstehenden Laternenumzug zu üben. Lunkeit kann es. Er streicht über die Gitarrensaiten, und seine kräftige Stimme füllt den Raum, obwohl die acht Schulkinder anfänglich – noch nicht ganz textsicher – nur mitsummen.

Noah mit Tinker-Stute Monti – die Haustiere der Familie spielen für ihn eine große Rolle.
Foto: Jörg Böthling

Auch wenn Hooge im Vergleich zu vielen anderen Orten dieser Welt dem Paradies nahekommt, geht es doch nicht immer paradiesisch zu. Auch hier gibt es einen Alltag, auch hier gibt es Langeweile, auch Probleme mit Mitschülern. Und auch das E-Learning am Computerbildschirm mit einer Englischlehrerin, zu dem auch zwei Schülerinnen anderer Halligen zugeschaltet sind, hat seine Tücken. Auch wenn die Verbindung in Ton und Bild klappt – es macht einfach nicht immer Spaß. Das ist auf Hallig Hooge nicht anders als anderswo.

Und Noah, der vor zwei Jahren mit seiner Familie vom Festland nach Hooge gezogen ist, vermisst seine alten Freunde aus der früheren Grundschule. „Manchmal telefoniere ich mit ihnen und spiele mit ihnen übers Internet Playstation. Die fehlen mir manchmal schon“, sagt Noah, als er am Abend seine Kaninchen füttert. Dagegen fehlt es an Nordseekrabben, die er so gern isst, überhaupt nicht. Denn die schwimmen reichlich im Wattenmeer und werden von Fischern rund ums Jahr gefangen. „Dann mag ich die tollen Sonnenaufgänge und -untergänge, die es hier so oft gibt“, schwärmt Noah. Und das Allerwichtigste: „Ich liebe die Freiheit, die ich hier auf der Hallig habe.“

Höherer Hofeswert – höhere Abfindung?

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Wer über die Hofnachfolge nachdenkt, rechnet heute mit anderen Größenordnungen als noch vor wenigen Jahren. Flächen und Gebäude sind im Wert gestiegen, Betriebe sind gewachsen – und seit Anfang 2025 gelten auch für die Abfindung weichender Erben nach der Höfeordnung neue Rechengrößen. Aus dem Einheitswert ist im Zuge der Grundsteuerreform der Grundsteuerwert geworden. Und der kann deutlich höher ausfallen. Steigen dadurch auch die Abfindungen an weichende Erben – und damit die finanziellen Belastungen für Hofnachfolger?

Für die Vererbung landwirtschaftlicher Betriebe gelten in Schleswig-Holstein – wie auch in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg – besondere Regeln. Die Höfeordnung soll dazu beitragen, landwirtschaftliche Betriebe über Generationen als wirtschaftliche Einheit zu erhalten. Ist ein Betrieb Hof im Sinne der Höfeordnung, fällt er im Erbfall grundsätzlich einem Hoferben zu. Die übrigen Erben gehen deshalb nicht leer aus: An die Stelle ihrer Beteiligung am Hof tritt eine Abfindung in Geld. Wie hoch diese Abfindung ausfällt, hängt unter anderem vom jeweiligen Erb-anteil ab. Für die Bewertung des Hofes gelten jedoch besondere Regeln.

Und genau diese Regeln haben sich zum 1. Januar 2025 geändert. Das klingt zunächst nach dem bloßen Austausch zweier Rechengrößen. Tatsächlich ändert die Reform aber mehr – und kann damit auch die Abfindungen deutlich verändern.

Was hat sich geändert?

Auslöser der Reform war die Neuregelung der Grundsteuer. Mit dem Wegfall der bisherigen Einheitswerte brauchte auch die Höfeordnung eine neue Bewertungsgrundlage. Zunächst ändern sich dadurch die Wertgrenzen für die Hofeigenschaft (siehe Tabelle 1). Bis Ende 2024 war ein landwirtschaftlicher Betrieb grundsätzlich Hof im Sinne der Höfeordnung, wenn sein Wirtschaftswert mindestens 10.000 € betrug. Zwischen 5.000 und 10.000 € konnte der Betrieb auf Antrag Hof im Sinne der Höfeordnung werden. Seit 2025 gelten hierfür Grundsteuerwerte von 54.000 € beziehungsweise 27.000 €.

Für die Hofnachfolge noch bedeutsamer ist die Änderung des Hofeswertes. Bis Ende 2024 wurde dieser grundsätzlich mit dem Eineinhalbfachen des zuletzt festgesetzten Einheitswertes angesetzt. Seit 2025 beträgt der Hofeswert 60 % des Grundsteuerwertes. Gleichzeitig wurde die Untergrenze verändert, die nach Abzug der den Hof treffenden Verbindlichkeiten für die Berechnung der Abfindung mindestens verbleibt: Statt bislang einem Drittel des Hofeswertes ist es nun ein Fünftel.

Die Reform verändert damit gleich mehrere Stellschrauben der Abfindungsberechnung. Wie sich das konkret auswirkt, zeigt ein einfaches Zahlenbeispiel.

Was bedeutet die Reform in Euro?

Angenommen wird ein landwirtschaftlicher Betrieb mit rund 50 ha Eigentumsfläche, einem bisherigen Einheitswert von 60.000 € und einem neuen Grundsteuerwert von 400.000 €. Der Betrieb weist Verbindlichkeiten von 150.000 € auf. Der Betriebsinhaber ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ein Kind soll den Hof übernehmen. Bei gesetzlicher Erbfolge und Zugewinngemeinschaft entfällt auf den Ehepartner grundsätzlich die Hälfte und auf die beiden Kinder jeweils ein Viertel.

Nach bisherigem Recht ergab sich aus dem 1,5-fachen Einheitswert ein Hofeswert von 90.000 €. Nach neuem Recht werden 60 % des Grundsteuerwertes angesetzt. Der Hofeswert steigt damit auf 240.000 €.
Nach altem Recht übersteigen die Verbindlichkeiten den Hofeswert. Deshalb greift die damalige Untergrenze für den Mindestanspruch: Mindestens ein Drittel des Hofeswertes, hier 30.000 €, ist als Abfindungsbasis anzusetzen.

Nach neuem Recht sieht die Rechnung anders aus. Vom Hofeswert von 240.000 € verbleiben nach Abzug der Verbindlichkeiten noch 90.000 €. Die 90.000 € liegen über dem neuen Mindestanspruch von 48.000 € und bilden deshalb die Abfindungsbasis. Bei einer lebzeitigen Übergabe wird die Versorgung des Ehepartners vielfach über ein Altenteil geregelt. Auch solche den Hof treffenden Verpflichtungen können für die Abfindungsberechnung von Bedeutung sein.

Für das weichende Kind zeigt sich die Wirkung der Reform besonders deutlich: Bei einem Erbanteil von einem Viertel steigt die rechnerische Abfindung in unserem Beispiel von 7.500 € auf 22.500€ – sie verdreifacht sich. Das Beispiel macht damit vor allem eines deutlich: Mit den höheren Hofeswerten gewinnt auch die Frage an Bedeutung, welche Verbindlichkeiten bei der Berechnung berücksichtigt werden können. Doch ist eine solche Verdreifachung auch in der Praxis typisch?

Was wird vom Hofeswert abgezogen?

Vom Hofeswert werden die sogenannten Nachlassverbindlichkeiten abgezogen, die den Hof treffen und vom Hofnachfolger zu tragen sind. Dazu gehören insbesondere betriebliche Schulden. Auch bereits bestehende Altenteilsverpflichtungen – etwa gegenüber der Großelterngeneration – sowie das bei der Hofübergabe vereinbarte Altenteil der Abgeber sind zu berücksichtigen. Altenteilsleistungen werden dabei mit dem heutigen Wert der voraussichtlich noch zu erbringenden Leistungen angesetzt. Wie hoch dieser Wert ausfällt, hängt vor allem von der Höhe der vereinbarten Leistungen und der statistischen Lebenserwartung der Altenteiler ab.

Was zeigt die Praxis in Schleswig-Holstein?

Antworten darauf liefert eine Analyse der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel von rund 1.200 landwirtschaftlichen Betrieben in Schleswig-Holstein. Für jeden Betrieb wurde die Abfindung nach alter und neuer Höfeordnung berechnet. Dabei wurden neben den betrieblichen Verbindlichkeiten auch betriebstypische Altenteilsleistungen berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Unterschied: Der Hofeswert nach neuer Höfeordnung liegt im Durchschnitt beim 3,3-Fachen des bisherigen Hofeswertes. Auch die Abfindungen steigen, allerdings weniger stark: Sie erreichen im Mittel etwa das 2,2-Fache des bisherigen Wertes. Ein wesentlicher Grund dafür ist der erweiterte Abzug der den Hof treffenden Verbindlichkeiten.

Auch nach der neuen Berechnung greift deshalb für fast 90 % der untersuchten Betriebe – wie bereits nach altem Recht – der gesetzliche Mindestwert. Dieser liegt aufgrund der neuen Bewertungsgrundlage allerdings ebenfalls höher als bisher. Die Abfindungen steigen also – aber vielfach deutlich weniger stark, als die neuen Hofeswerte zunächst vermuten lassen.

Was folgt daraus für die Hofnachfolge?

Die Reform der Höfeordnung kann die Abfindungen weichender Erben spürbar erhöhen. Wie hoch die Belastung für den Hofnachfolger tatsächlich ausfällt, hängt jedoch stark von der Situation des einzelnen Betriebes ab. Neben dem Grundsteuerwert spielen insbesondere die bestehenden Verbindlichkeiten eine wichtige Rolle. Auch vereinbarte Altenteilsleistungen können dabei von erheblicher Bedeutung sein.

Die Berechnung nach der Höfeordnung ist dabei nicht mit dem Ergebnis einer geplanten Hofübergabe gleichzusetzen. Sie zeigt vielmehr, was gilt, wenn keine abweichenden Vereinbarungen getroffen werden. In der Praxis wird die Hofnachfolge häufig bereits zu Lebzeiten gestaltet. Dabei können beispielsweise die Versorgung der Übergeber über ein Altenteil und die Abfindungen der weichenden Erben individuell vereinbart werden. Auch die pauschale Berechnung des Hofeswertes mit 60 % des Grundsteuerwertes muss nicht in jedem Fall das letzte Wort sein: Werden Besonderheiten des Hofes durch diesen Wert nicht ausreichend berücksichtigt, sind Zu- oder Abschläge auf Verlangen möglich.

Daneben kann weiteres Vermögen vorhanden sein, das gar nicht zum Hof im Sinne der Höfeordnung gehört. Dazu können beispielsweise ein vermietetes Wohnhaus oder die Beteiligung an einer eigenständigen gewerblichen Biogasgesellschaft gehören. Solche Vermögenswerte werden nicht über einen Zuschlag zum Hofeswert erfasst, sondern müssen bei der Nachfolge gesondert berücksichtigt werden.

Fazit

Höhere Hofeswerte bedeuten nach der Reform häufig auch höhere Abfindungen. Wie hoch diese am Ende ausfallen, entscheidet aber nicht der Grundsteuerwert allein. Verbindlichkeiten, Altenteil, weiteres Vermögen und die Vereinbarungen innerhalb der Familie spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die neue Höfeordnung liefert somit eine neue Rechengröße – eine gute Hofübergabe bleibt jedoch auch künftig mehr als eine einfache Rechenaufgabe.