Die schlechte Erlöslage bei Getreide und Kartoffeln hat in Verbindung mit zu erwartenden Steuernachzahlungen für die in den vergangenen drei Jahren doch guten Gewinne die Liquiditätslage in vielen Betrieben deutlich verschlechtert. Deswegen rücken die Finanzierungsangebote für Maschinenkäufe wieder stärker in den Fokus. Wie Landwirte prüfen können, ob die Angebote auch wirklich günstig sind, beschreibt folgender Artikel.
Damit die Kaufentscheidung bei knapper Liquidität doch leichterfällt, kann beim Kauf fast immer auch ein Finanzierungsangebot in Anspruch genommen werden, selbst für nicht mehr ganz junge Gebrauchte. Diese Angebote zeichnen sich fast immer durch konkurrenzlos günstige Zinssätze (0 % bis 2,49 %) aus. Weil aber auch die Maschinenhersteller und -händler nichts zu verschenken haben, sollten diese Kreditangebote im Vergleich zu Hausbank- oder Eigenkapitalfinanzierungen beurteilt werden. Wie so ein Vergleich aussehen kann, wird an zwei nachfolgenden Beispielen gezeigt.
Schlepperfinanzierung über drei Jahre
Sind beim eigenen „Großen“ nach zwölf Jahren neue Reifen und große Inspektionen fällig oder könnte vielleicht demnächst ein Reparaturmarathon drohen und beim Händler wird gerade ein fast neuer Vorführschlepper angeboten, gibt es aktuell eine günstige Gelegenheit zum Tausch.
Nach dem ersten Orientierungsgespräch mit dem Händler soll der Neue 188.600 € kosten, der Alte würde für 38.800 € in Zahlung genommen. Für die Zuzahlung von 149.800 € gibt es ein Finanzierungsangebot der Hersteller-Bank mit 0 % Zinsen bei drei Jahren Laufzeit und zwölf vierteljährlich zu zahlenden Raten in Höhe von 12.483,33 €. Der quartalsweise Kapitaldienst wurde vom Betrieb gewünscht, Händlerbanken bieten aber fast immer auch Modelle mit monatlicher, halbjährlicher oder jährlicher Ratenzahlung an.
Wie in den Spalten 3 bis 5 der Tabelle 1 anhand von Tilgung und Rest-Valuta nach jeweils drei Monaten gezeigt wird, ist die Rate so bemessen, dass der Kredit bei 0 % Zinsen nach 36 Monaten abbezahlt ist. Aber ist das wirklich günstig? Diese Frage kann aus mehreren Richtungen diskutiert werden.
Hausbank-Kredit als sinnvolle Alternative?
Wenn man das Geld nicht hat, bietet sich auch eine Finanzierung mit einem Kredit der eigenen Hausbank an. Hier führt das Orientierungsgespräch mit der Bank zu einem Angebot mit 4,25 % Zinsen bei drei Jahren Laufzeit und vierteljährlicher Kapitaldienstzahlung. Zu finanzieren sind in diesem Fall 142.150 €, weil der Händler die Frage, was am Preis verhandelbar sei, wenn man die Finanzierung selbst organisiere, mit einem Nachlassangebot von 7.650 € beantwortet hat und den Alten unverändert für 38.800 € in Zahlung nimmt.
In den Spalten 6 bis 8 der Tabelle 1 ist der Tilgungsverlauf für den Bankkredit dargestellt, der als Annuitätendarlehen aufgenommen wird, weil dem Betrieb eine niedrige Anfangsbelastung und konstante Raten wichtig sind. Die Kapitaldienstraten werden dann 12.666,57 € betragen, damit der Kredit nach 36 Monaten abbezahlt ist. Moment mal: 12 x 12.666,57 € statt 12 x 12.483,33 €? Ja, genau, das sind 12 x 183,24 €, also in der Summe 2.198,86 € mehr als die Raten an den Händler. Also scheidet diese Option zunächst aus, denn im Gespräch wurde deutlich, dass bei dem kleinen Kreditvolumen der Zinssatz nicht verhandelbar ist.
Wie sinnvoll wäre Eigenkapitaleinsatz?
Da der Betrieb in den vergangenen Jahren einige Rücklagen bilden konnte, die aber eigentlich für einen sich abzeichnenden Immobilienkauf genutzt werden sollten, ist die Finanzierung mit Eigenkapital ebenfalls eine zu analysierende Option. Hier wird danach gefragt, wie gut sich das eigene Geld verzinsen würde, wenn die verbliebenen 142.150 € (180.950 € Barkaufpreis – 38.800 € für den Alten) eigenfinanziert würden.
Für die Rückzahlung des Eigenkapitals würde man die Raten aus der Händlerfinanzierung (12 x 12.483,33 €) nehmen. Dann zeigt der in den Spalten 9 bis 11 gezeigte Tilgungs- und Zinsverlauf, dass bei einem Zinssatz von 3,3033 % der Kredit durch zwölf vierteljährliche Raten à 12.483,33 € in 36 Monaten abzahlbar ist. Dieser Zinssatz, der sich in der Situation ergibt, bei der alle Parameter mit Ausnahme des Barzahler-Rabattes von 7.650 € mit der Händler-Finanzierung gleich sind, kann auch als „interner Eigenkapitalzins“ der Maschinenfinanzierung interpretiert werden. Gleichzeitig ist das auch der Zinssatz, der bei der Bank ausgehandelt werden müsste, damit das Hausbankangebot zur Händlerfinanzierung konkurrenzfähig werden kann (deswegen „Gleichgewichts-Zins“ als Überschrift). Als Eigenkapitalzins ist das zwar nicht die Welt, aber immer noch mehr als durch „sichere“ Festgeldanlagen erreicht werden kann.
Und wenn ich noch einmal mit dem Händler rede?
Als dritte Option soll noch diskutiert werden, welchen zusätzlichen Barkauf-Rabatt man beim Händler herausschlagen müsste, damit die bislang unattraktivere Bankfinanzierung mit der Händlerfinanzierung gleichziehen kann. Die Spalten 12 bis 14 der Tabelle 1 zeigen, dass sich ein Betrag von 140.094 € bei 36 Monaten Laufzeit und 4,25 % Zinsen mit zwölf vierteljährlichen Raten à 12.483,33 € abzahlen lässt. Nachverhandeln beim Händler müsste also zusätzlich einen weiteren Preisnachlass von 1.056 € bringen, damit das Finanzieren über die Hausbank gleich attraktiv würde beziehungsweise sich das Eigenkapital mit 4,25 % verzinst. Doch ist das wahrscheinlich? Das hängt stark von den Umständen ab. Rechnet der Händler damit, dass er den neuen Schlepper schnell verkaufen kann, wird das eher nicht klappen. Steht der Neue aber schon einige Zeit auf dem Hof und ist gerade keine Saison, dann könnte der Händler zu größeren Rabatten bereit sein. Warum? Weil er in dem zu verkaufenden Maschinenbestand auch Kapital gebunden hat. Nehmen wir an, dass er den Neuen für 153.000 € ankaufte und für 5.000 € aufhübschte, also 158.000 € gebunden hat, so sind das bei ebenfalls 4,25 % Finanzierungszins zirka 6.720 € Zinsen pro Jahr beziehungsweise 560 € im Monat. Ihn jetzt bar zu verkaufen, ist dann für ihn besser als eine zu erwartende weitere Standzeit von zwei oder mehr Monaten.
Mähdrescherfinanzierung über sechs Jahre
Im zweiten Beispiel ist die Finanzierung für einen Mähdrescher anders gestrickt, weil der sich aus den bei Eigendrusch eingesparten Lohnunternehmerkosten annähernd selbst finanzieren soll. Die Laufzeit der Händlerfinanzierung beträgt deswegen sechs Jahre mit einer jährlichen Rate im Spätsommer. Wegen der längeren Laufzeit und der auch in jedem Jahr späteren Tilgung gibt es die 272.100 € Kredit (338.500 € Kaufpreis – 6.400 € Inzahlungnahme) nicht mehr zum Nulltarif, sondern für immer noch attraktiv erscheinende 1,49 % Nominalzins.
Wie in den Spalten 3 bis 5 der Tabelle 2 dokumentiert, wird unter den genannten Bedingungen ein Kapitaldienst von 47.744,15 € im Jahr erforderlich, um den Kredit in 72 Monaten abzuzahlen.
Die Bewertung dieses Angebots folgt dem gleichen Ablauf wie im Beispiel 1.
Bei Bezahlung mit mitgebrachtem Geld ist das Händlerangebot mit 321.250 € um 17.250 € günstiger und bewirkt einen Finanzierungsbedarf von 254.850 €. Das Finanzierungsangebot der Hausbank liegt bei 4,15 % Zinsen und einer Ratenhöhe von 48.774,06 € im Jahr. Da auch hier die Raten jeweils knapp 1.030 € jährlich höher sind, werden in den sechs Jahren 6.179 € mehr bezahlt. Der Rückzahlungsplan ist in den Spalten 6 bis 8 dargestellt.
Könnte das Barkaufangebot (Zuzahlung 254.850 €) mit Eigenkapital finanziert werden, würden die sechs Einzelraten (47.744,15 € pro Jahr) einem internen Zins von 3,4471 % entsprechen (Spalten 9 bis 11). Auch hier ist es unwahrscheinlich, dass in Nachverhandlungen mit der Hausbank ein um 0,65 % niedrigerer Kreditzins erreicht werden könnte.
In Folgegesprächen mit dem Händler müsste der Kaufpreis durch einen zusätzlichen Preisnachlass von zirka 5.381 € auf 315.869 € (Finanzierungsbedarf: 249.469 €) gedrückt werden, damit bei Ratenhöhen von 47.744,15 € im Jahr eine Rendite von 4,10 % möglich ist.
Tipp für Excel-Affine: Wer ein bisschen Finanzmathematik kann, baut sich das Blatt in Excel nach und kann mit der Funktion „Zielwertsuche“ die Lösungen für die fett gedruckten Werte in eigenen Beispielen errechnen.
Fazit
Kreditangebote für Maschinenkäufe zu beurteilen, ist vergleichsweise einfach möglich. Tabellenkalkulationsbasierte Vergleiche mit Hausbank- oder Eigenkapitalfinanzierungen geben schnell Aufschluss, wo welche Renditen möglich sind und wo wie viel nachverhandelt werden müsste, damit Gleichwertigkeit entsteht.
Fast immer wird bei Maschinenfinanzierungsangeboten mit unnatürlich günstigem Zinssatz die Zinsdifferenz kapitalisiert im Kaufpreis versteckt und selbst bei Barkaufrabatten nicht immer sofort vollständig ausgereicht. Da hat Nachrechnen Sinn, um den Zinsvorteil in einem realistischen Kaufpreisnachlass zu kapitalisieren. Beim Handeln viel Erfolg!
Noch zwei Sätze zur Finanzierungslaufzeit: Wer schon länger mit knapper Liquidität kämpft, wird bei dreijährigen Laufzeiten diese Situation eher verschärfen und sollte nach Laufzeiten von fünf bis sechs Jahren fragen. Wenn aber bei sechsjähriger Laufzeit und hoher Auslastung des finanzierten Objektes die Deckung des Kapitaldienstes nicht erreicht werden kann, sollte die Notwendigkeit der Investition noch einmal auf den Prüfstand, denn das wirtschaftliche Risiko steigt dann deutlich (Fachbegriff: Pay-back-Periode – auf Deutsch: Wann habe ich das Geld wieder heraus?).




