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Deutlicher Rückgang inländischer Stromeinspeisung

Die Bedeutung von Strom aus Erneuerbaren Quellen hat 2024 weiter zugenommen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, wurden im vergangenen Jahr in Deutschland nach vorläufigen Zahlen 431,5 Mrd. kWh Strom ins Netz eingespeist, das waren 3,6 % weniger als 2023. Der Anteil der Erneuerbaren Energiequellen belief sich auf 59,4 % und lag damit um 3,4 Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau. Die nachhaltige Stromerzeugung legte um 2,3 % auf den neuen Höchstwert von 256,4 Mrd. kWh zu.

Ein neues Maximum erreichte auch die Photovoltaik. Laut Destatis wurden aus Sonnenenergie 59,5 Mrd. kWh eingespeist; das waren 10,4 % mehr als im Vorjahr. An der gesamten Stromproduktion erreichten die Solaranlagen damit einen Anteil von 13,8 %, was der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2018 ist. Spürbar mehr Strom wurde zudem aus Wasserkraft gewonnen. Hier legte die Einspeisung um 10,3 % auf 20,4 Mrd. kWh zu. Bezogen auf die Gesamterzeugung lieferte die Wasserkraft 4,7 %.

Leicht zurückgegangen ist die durch Windkraft erzeugte Strommenge. Laut Bundesamt wurden aus dieser Quelle 136 Mrd. kWh und damit 1,4 % weniger ins Netz geleitet. Der Anteil der Windkraft an der Gesamterzeugung legte dessen ungeachtet von 30,8 % auf zuletzt 31,5 % zu. Damit waren die Windräder auch 2024 die wichtigste Energiequelle der inländischen Stromerzeugung.

Weiter an Bedeutung verloren hat die Kohle. Der Anteil des Kohlestroms an der Gesamterzeugung ging 2024 auf den neuen Tiefststand von 22,5 % zurück. Mit 97,2 Mrd. kWh wurden 16 % weniger Strom aus Kohle eingespeist als noch 2023. Ausgeweitet wurde hingegen die Verstromung von Erdgas. Laut Destatis wurden von den Gaskraftwerken 64,1 Mrd. kWh geliefert; das entsprach einem Plus von 4,6 %. An der Gesamtproduktion machte der Gasstrom 14,9 % aus. Nicht mehr an der Stromeinspeisung beteiligt war 2024 die Kernkraft. Ihr Anteil hatte sich bereits 2023 auf nur noch 1,5 % belaufen.

Deutlich ausgeweitet wurde Destatis zufolge der Import von Strom. Im Vorjahresvergleich legte die im Ausland bezogene Strommenge 2024 um 17,9 % auf 81,7 Mrd. kWh zu. Zugleich verringerten sich die Exporte um 7,8 % auf 55,4 Mrd. kWh. Laut den Statistikern hat Deutschland somit im zweiten Jahr in Folge mehr Strom importiert als exportiert; der Importüberschuss legte dabei von 9,2 Mrd. kWh auf 26,3 Mrd. kWh zu.

Nach Angaben des Bundesamtes ist seit 2018 ein deutlicher Rückgang der inländischen Stromeinspeisung von mehr als 23 % zu beobachten. Bis 2022 hat ein Exportüberschuss bestanden.

Möglichkeiten der Reduktion kritisch beurteilen

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Deutschland verfolgt in seinem Klimaschutzgesetz das Ziel, bis 2045 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Dafür müssen die Emissionen aller Bereiche bis 2030 um 65 % gegenüber 1990 reduziert werden. Der Weltklimarat der Vereinigten Nationen (IPCC) stellt regelmäßig die weltweiten Treibhausgasemissionen zusammen. Aktuell werden aus dem Bereich Land- und Forstwirtschaft (inklusive verbundener Landnutzungsänderungen) netto 23 % Kohlenstoffdioxid-Äquivalente aller anthropogenen Treibhausgase freigesetzt (12 Gt CO2eq).

In einem Interview von „top agrar“ mit dem QS-Chef Dr. Alexander Hinrichs am 14. Januar erwähnte dieser, dass Landwirte um den CO2-Fußabdruck ihres Betriebes nicht herumkämen, da große Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft, zum Beispiel die Meiereiindustrie oder die Schlachtunternehmen, entsprechend regulatorischen Vorgaben zu ihren Klimaleistungen berichten müssen. Die CO2-Emissionen von landwirtschaftlichen Betrieben sind ein wichtiger Bestandteil dessen.

Obwohl die weltweiten Rinderbestände von zum Beispiel 1,098 Milliarden im Jahr 1990 auf 944 Millionen im Jahr 2024 gesunken sind (Statista 2024) und der gleiche Trend auch in Deutschland zu verzeichnen ist, kombiniert mit einer gestiegenen Produktivität, bleibt als große globale Aufgabe, die Treibhausgasemissionen zu senken.

Methanbildung beim Wiederkäuer

Die Hauptnahrung von Wiederkäuern ist pflanzliches Material, das zum größten Teil aus Gerüstsubstanzen, vor allem Hemizellulose und Zellulose, besteht. Bei der bakteriellen Fermentation dieser Kohlenhydrate im Pansen entstehen vor allem die kurzkettigen Fettsäuren Essig-, Propion- und Buttersäure. Den Hauptanteil der gesamten Menge an Fettsäuren bildet Essigsäure.

Während die Essigsäuresynthese Wasserstoff freisetzende Reaktionsschritte umfasst, sind die Propionsäure- und Buttersäuresynthese von Wasserstoff verbrauchenden Reaktionsschritten gekennzeichnet. Das bedeutet: Je mehr Essigsäure entsteht, desto mehr entsteht auch Wasserstoff. Mit größerer Wasserstoffkonzentration würde der Partialdruck im Pansen ansteigen und damit das Gasvolumen zu groß werden. Daher muss der Wiederkäuer zur Aufrechterhaltung der Verdauungsprozesse den gebildeten Wasserstoff aus dem Pansen entfernen.

Dies geschieht vor allem über Wasserstoff konsumierende Bakterien, die methanogenen Archaeen, die aus Wasserstoff (H2) und Kohlenstoffdioxid (CO2) oder aus Wasserstoff, Methanol oder Methyl­aminen letztlich Methan (CH4) bilden (Methanogenese: CO2 + 4 H2 CH4 + 2 H2O und 1 H2 + Methanol oder Methylamine CH4).

Methan ist also ein natürliches, von den Methanogenen hergestelltes Nebenprodukt, vor allem beim Abbau von Kohlenhydraten. Daher geht der größte Einfluss auf die Methanbildung von den Kohlenhydraten aus und hier hauptsächlich von den Hemizellulosen. Indem der Wiederkäuer (hemi-)zellulosereiche Nahrung verdauen und veredeln kann, stellt er hiermit keine Nahrungskonkurrenz zum Monogastrier, also auch dem Menschen, dar. Diesem Vorteil steht als Nachteil gegenüber, dass eben diese (hemi-)zellulosereiche Nahrung zu einer Methanbildung führt. Das verdeutlicht einen großen Zielkonflikt.

Der Einsatz von 3-NOP hat in zahlreichen Fütterungsversuchen mit Rindern zu einer verringerten Methanemission geführt.

Reduzierung von Methan

Methan bleibt etwa zwölf Jahre in der Atmosphäre. Obgleich die Lebensdauer von CH4 deutlich kürzer als die von CO2 ist, ist sein Treibhauspotenzial größer. Daher erproben internationale und nationale Wissenschaftler verschiedene Strategien, um die Methanproduktion von Wiederkäuern zu senken.

Der Stand der verfügbaren Strategien zur Verringerung des CH4-Ausstoßes und deren Chancen und Hindernisse beziehungsweise Risiken werden in zwei Übersichtsartikeln von Beauchemin et al. (2022) und Lileikis et al. (2023) gut beschrieben.

Ein großer Effekt geht von leistungs- und effizienzsteigernden Maßnahmen aus, da hiermit die notwendige Tierzahl verringert werden kann und demnach neben einer Methanreduzierung je Produkteinheit auch eine grundsätzliche Methanmengenreduzierung verbunden ist. Letzteres gilt auch, wenn aufgrund längerer Nutzungsdauer der Tiere weniger Jungrinder gehalten werden müssen.

Neben diesen Aspekten werden unter anderem Möglichkeiten der Rationsgestaltung (Grobfutter: Kraftfutterverhältnis, Futterart und -qualität, Fettzusätze, sekundäre Pflanzeninhaltstoffe), der Einsatz von Algen, ätherischen Ölen, Probiotika, Nitraten und 3-Nitro­oxypropanol (3-NOP) beschrieben, die ein mehr oder weniger großes Methanreduktionspotenzial darstellen. Gerade auf dem Einsatz von 3-NOP zur Methanreduzierung liegen große Hoffnungen.

3-Nitrooxypropanol (3-NOP)

3-NOP ist eine synthetische organische Verbindung, die von Duval und Kindermann entwickelt und im Jahr 2012 als potenter Methanhemmer patentiert wurde. Seit April 2022 ist 3-NOP in der EU zugelassen. Seine molekulare Struktur ähnelt der von methyliertem Coenzym M (Methyl-CoM). Das Coenzym M hat eine große Bedeutung im letzten Schritt der Methanbildung. Die letzte Reaktion im Methanogeneseweg, nämlich die Übertragung von Wasserstoff auf Methyl, wird durch das Enzym Methyl-CoM-Reduktase (MCR) katalysiert. Genau hier wirkt 3-NOP, indem es die Methyl-Coenzym-M-Reduktase inaktiviert. Das geschieht durch molekulares Andocken von 3-NOP an der Bindungsstelle von Methyl-Coenzym M (Duin et al. 2016).

Versuche mit 3-NOP

Eine der ersten mit 3-NOP durchgeführte Studien war die von Wissenschaftlern der PennState University (Hristov et al. 2015). 48 Kühen mit einer Leistung von mehr als 40 kg am Tag wurden über eine Versuchsdauer von zwölf Wochen abwechselnd 0, 40, 60 oder 80 mg 3-NOP/kg Trockenmasse (TM) gegeben. Die ermittelten Methanmengen beliefen sich bei den Kontrolltieren auf 481 g pro Kuh und Tag. Bei der Gabe von 40, 60 oder 80 mg 3-NOP/kg TM verringerten sich die Methanausscheidungen auf 363, 333 beziehungsweise 319 g pro Kuh und Tag, also um 25, 31 beziehungsweise 34 %.

Vor allem in den vergangenen Jahren sind zahlreiche weitere Untersuchungen, wiederholt von Wissenschaftlern derselben Universität, zum Beispiel von Melgar et al. (2020) oder Pitta et al. (2022), aber auch in den Niederlanden (van Gastelen et al. 2020, 2022, 2024), in Deutschland (Schilde et al. 2021) oder Dänemark (Kjeldsen et al. 2023) veröffentlicht worden, um nur einige Studien zur Wirksamkeit von 3-NOP bei Wiederkäuern zu nennen.

Viele dieser Einzelversuche wurden bereits in einigen Metastudien, zum Beispiel von Dijkstra et al. (2018), Kim et al. (2020) und Kebrab et al. (2022), zusammengefasst und damit ein gewisser Trend aufgezeigt. Mit einer 3-NOP-Gabe von zirka 80 mg/kg TM bei Milchkühen und zirka 140 mg/kg TM bei Mastrindern scheint eine um zirka 30 % geringere Methanausscheidung verbunden zu sein.

Jede Fütterungsstrategie zur Reduzierung der Methanogenese kann auch die Symbiose zwischen den einzelnen Mikroben beeinträchtigen.

Wo bleibt der Wasserstoff?

Wie bereits erwähnt, ist die Essigsäurebildung im Pansen eines Wiederkäuers die vorherrschende aller Säuresynthesen. Und hierbei wird Wasserstoff freigesetzt. Eine zu hohe H2-Konzentration in der Pansenflüssigkeit würde das Gasvolumen und damit den Partialdruck im Pansen unphysiologisch erhöhen. Daher muss H2 entfernt werden, und zwar hauptsächlich über Wasserstoff konsumierende Bakterien, die methanogenen Archaeen.

Die Methanogenese ist also für den Wiederkäuer eher ein Mittel zum Zweck. Man könnte auch sagen, dass die Bildung von Methan ein notwendiges Übel ist, ein „Übel“, weil dem Wiederkäuer mit diesem Gärgas auch Energie verloren geht, „notwendig“ aber, um H2 aus dem Pansen zu entfernen.

Wenn nun aber durch die Zugabe von 3-NOP die Methanogenese gehemmt wird, ist die Frage, wo der Wasserstoff abbleibt. Gibt es bisher nicht identifizierte alternative Stoffwechselwege, die den Wasserstoff einfangen können, wenn er von den Methanogenen im Pansen verschont bleibt?

Diesen Fragen ging insbesondere eine Untersuchung von Pitta et al. (2022) nach. Bisherigen Hinweisen von Hristov et al. (2015) und Melgar et al. (2020) zufolge waren zwar während der 3-NOP-Supplementierung von Milchkühen über einen Zeitraum von 15 Wochen die CH4-Emissionen dauerhaft um 26 bis 30 % reduziert, aber sowohl gasförmiger H2, der in Atemproben über GreenFeed-Stationen gemessen wurde, als auch die Konzentration an gelöstem H2 im Pansen stiegen von der Woche eins bis neun progressiv an, um anschließend bis zur 15. Versuchswoche wieder abzufallen. Dies wurde als Hinweis auf eine gewisse H2-Dynamik gewertet.

In der PennState University durchgeführte Untersuchungen von Pitta et al. (2022) gaben dann die Erklärung dafür. Bei der von den Autoren als erste Phase beschriebenen Reduktion der Methanbildung kommt es in den ersten Wochen nach einer 3-NOP-Zufütterung zu einem Konzentrationsanstieg von H2. Dieser wiederum könnte dazu führen, dass mehr wasserstoffsensible Hydrogenasen gebildet werden.

Hydrogenasen sind Enzyme, die in vielen Mikroorganismen vorkommen und eine wichtige Rolle im H2-Stoffwechsel spielen. Werden also aufgrund eines Wasserstoffanstiegs und des damit einhergehenden höheren Partialdrucks im Pansen mehr bestimmte Hydrogenasen gebildet, kann die H2-Konzentration im Pansen wieder sinken. Das wäre die zweite Phase dieser H2-Dynamik.

Die Wissenschaftler fanden ebenfalls heraus, dass die Verschiebung des Partialdrucks mit einem Ethanolanstieg im Vormagen einherging. Das deutet darauf hin, dass die Menge an freigesetztem H2 in Wasserstoff produzierenden Bakterien unter gehemmter Methanogenese tatsächlich reguliert wird. Weiterhin zeigten die Untersuchungen bei der Fütterung von 3-NOP eine Abnahme des Essigsäureanteils und eine Zunahme des Buttersäureanteils in der Pansenflüssigkeit.

Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die infolge der Gabe von 3-NOP gehemmte Methanbildung zu mehreren Veränderungen im Laufe der Pansenfermentation führt.

Was ist zu berücksichtigen?

Gerade in jüngerer Zeit sind zahlreiche Studien mit Milchkühen und einige mit Mastrindern durchgeführt worden, um den Einfluss von 3-NOP auf die Methanbildung zu quantifizieren. Bis auf ganz wenige Studien ist hierbei oftmals die kurze Versuchsdauer (mitunter Tage bis wenige Wochen) zu beachten, des Weiteren die vielfach sehr geringe Tierzahl. Auch wurden viele Studien in einem „Cross-over-Design“ durchgeführt. Dies bedeutet, dass in einem ersten Versuchsabschnitt eine Tiergruppe die entsprechende Behandlung erfährt, in diesem Fall also eine 3-NOP-Zugabe. Die andere Tiergruppe dient als Kontrollgruppe und erhält keinen Zusatz beziehungsweise in der Regel ein Placebo.

Nach diesem Versuchsabschnitt gibt es eine Pause, die sogenannte Washout-Periode. Diese wird von den verschiedenen Versuchsanstellern unterschiedlich lang gehandhabt. Auf jeden Fall aber müsste die Zeitdauer dieser Periode sicherstellen, dass im Anschluss daran keine der Behandlungen noch weiterwirkt. Bei einem Wiederkäuer ist diese Einschätzung deutlich schwieriger als bei einem Monogastrier.

Im zweiten Versuchsabschnitt tauschen dann die Tiergruppen die Behandlungen, also die Futterrationen. Die Gruppe, die in der ersten Versuchsphase die Behandlung, also die Ration mit 3-NOP, erhielt, bekommt nun die Kontrollbehandlung, also die Ration ohne den Zusatz, und umgekehrt.

Solch ein Cross-over-Design hat den Vorteil, dass alle teilnehmenden Tiere beide Behandlungen (nacheinander) erhalten und somit als ihre eigenen Kontrollen dienen können. Dadurch wird die Anzahl an auswertbaren Tieren (mathematisch) verdoppelt und die Variabilität zwischen den Versuchstieren reduziert. Ein derartiger Versuchsansatz sollte aber nur dann gewählt werden, wenn sichergestellt ist, dass die Wirkungen einer entsprechenden Behandlung, in diesem Fall mit 3-NOP, schnell abklingen, wenn der Futterzusatz nicht mehr verabreicht wird.

Nicht zuletzt sei darauf hingewiesen, dass bei sehr vielen Versuchen wenig detaillierte Informationen über den Gesundheitszustand der Versuchstiere publiziert wurden.

Fazit

Mittlerweile haben bereits zahlreiche Untersuchungen zum Einsatz von 3-NOP stattgefunden und einen methanmindernden Effekt nachgewiesen. Dennoch bescheinigen selbst Fachleute sich ein begrenztes Wissen über die funktionelle Rolle von Archaeen und über die Wechselwirkungen zwischen Bakterien und Archaeen im Pansen.

Jede Strategie zur Reduzierung der Methanogenese kann jedoch die symbiotische Beziehung zwischen Archaeen und anderen Mikroben stören, was möglicherweise – vielleicht auch erst längerfristig – Auswirkungen auf die Pansenfermentation der Tiere haben könnte.

Daher ist ein besseres Verständnis der Auswirkungen von Methanminderungsstrategien auf die Beziehung des Mikrobioms und deren selektive Hemmung von mikrobiellen Genen/Enzymen, die die Methanerzeugung steuern, notwendig, bevor Futterzusätze in landwirtschaftlichen Betrieben empfohlen werden können. 

Dänemark gibt die Marschrichtung vor

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Die Ferkelpreise steigen seit Anfang Februar kontinuierlich an, obwohl auf dem Schlachtschweinemarkt erst seit dieser Woche freundlichere Tendenzen erkennbar sind. Dies führt zwar regional zu erheblichen Preisdiskussionen, doch letztendlich bestimmen auch auf dem Ferkelmarkt Angebot und Nachfrage den Preis. Das Angebot auf dem Ferkelmarkt wird aktuell als durchschnittlich bis eher klein eingestuft und somit passen hier Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Die Nachfrage kann aktuell oftmals nicht in vollem Umfang gedeckt werden, denn bezogen auf die vergangenen zwei Jahre befinden sich die Ferkelpreise noch immer auf einem relativ niedrigen Niveau. So ist mit Blick auf die Saisonfigur und die Nachfragesituation mit weitersteigenden Preisen zu rechnen.

Steigendes Interesse an dänischen Ferkeln

Die dänischen Hoch-Status-Ferkel sind nicht nur in Deutschland sehr beliebt, sondern auch polnische Schweinemäster greifen verstärkt auf dänische Ferkel zurück, da diese Tiere relativ unproblematisch die anschließende Mastperiode durchlaufen. Die polnische Importmenge lag im abgelaufenen Jahr mit 7,29 Millionen Tieren nur knapp hinter der deutschen Importmenge von 7,43 Millionen Ferkeln. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres übertraf die polnische Importmenge die deutsche Nachfrage sogar sehr deutlich. Dies ist aber auch auf einen deutlich freundlicheren Schlachtschweinemarkt ab Anfang Februar in Polen und den Schlachtschweinestau in Deutschland in diesem Zeitraum zurückzuführen. Trotzdem könnte sich die Angebotssituation langfristig weiter verschärfen, denn die Zahlen zu den Bestandsentwicklungen in der EU sprechen eine eindeutige Sprache: Während die Schweinebestände insgesamt EU-weit nur um 0,7 % zurückgegangen sind, ist die Anzahl der Sauen mit 3,3 % deutlich stärker gesunken. Da dies mit Leistungssteigerungen kaum kompensiert werden kann, werden noch stärkere Bestandsabbauten die Folge sein.

Lysin-Strafzölle werden nicht ohne Folgen bleiben

Wie lange der Preisanstieg für die Ferkel noch Bestand hat, hängt aber auch noch von weiteren Faktoren ab. Da zieht natürlich eine freundliche Schlachtschweinepreisentwicklung die Ferkelnachfrage nach oben, aber auch die Entwicklung der Futterkosten spielen für das Aufstallverhalten der Schweinemäster eine Rolle. Und gerade da ziehen dunkle Wolken am Himmel auf. Grund sind die ab dem 15. Januar von der EU verhängten Strafzölle von immerhin bis zu 84 % auf Einfuhren der essenziellen Aminosäure Lysin aus China. Dies ist ein Schutzzoll für den letzten verbliebenen Lysin-Hersteller in Europa, die französische Avril-Gruppe. Der restliche Markt wird durch chinesische Hersteller abgedeckt. Auf diese chinesischen Importe wird der Markt allerdings auch weiter angewiesen sein, sodass die Zölle vollständig auf die Produktpreise umgelegt werden. Der Preis ist das eine, von diesen Strafzöllen geht aber auch die Gefahr einer deutlichen Verknappung dieser Aminosäure aus. Denn mit einem Marktanteil der Chinesen von etwa 70 % und ohne Bezugsalternativen spielt die EU hier mit dem Feuer. Die Kosten dafür tragen erst einmal die hiesigen Schweinehalter. Bleibt zu hoffen, dass diese Schutzzölle dann auch ihre Wirkung zeigen und zum Wiederhochfahren der von den Chinesen in die Knie gezwungenen europäischen Lysin-Produktion führen.

Von Joldelund in die weite Welt

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Auch wenn die abenteuerliche Reise von Daniel Lorenz schon viele Jahre zurückliegt, so begeistern seine Geschichten über die Zeit der Walz heute immer noch seine Zuhörerschaft. Gefolgt von der Einladung der Lunder LandFrauen kam Daniel Lorenz kürzlich ins Haus des Gastes in Krempel und berichtete den vielen anwesenden Damen mit viel Lebendigkeit, Witz und Empathie von seiner Zeit auf der Walz.

Alles begann für Daniel bereits in der frühen Kindheit, als er Bekanntschaft mit einem Walzbruder machte, seither war er infiziert. Vorher mussten allerdings die Schule beendet und eine Ausbildung gemacht werden. Angedacht war eine Tischlerausbildung, Daniel entschied sich dann aber doch für die Bäckerlehre. Die war schon fast vorprogrammiert, führten seine Eltern doch eine eigene Bäckerei. Nach seiner Ausbildung wählte er den Zivildienst, der ihn vom kleinen Joldelund nach Hamburg führte. Der Wunsch, auf die Walz zu gehen, wuchs und verwirklichte sich nach der Ableistung des Zivildienstes mit dem Treffen eines Wandergesellen aus Trier. Er nahm Daniel unter seine Fittiche und es begann die abenteuerliche Reise, die mindestens drei Jahre und einen Tag andauert, zudem darf während der Walz der Heimatort im Umkreis von 50 km nicht betreten werden. In der typischen Kluft, die aus drei Teilen mit bestimmten Farben besteht, gingen die jungen Männer für drei Monate auf die Probewanderschaft. Da es Daniel so gut gefiel, blieb er bei seinem Vorhaben und machte sich weiter auf in die große weite Welt. Die Walz führte ihn, immer in Begleitung anderer Wandergesellen unterschiedlichster Zünfte, über Wien in die Schweiz. Hier erlernte er einige neue, ihm bisher unbekannte Brot-Herstellungsverfahren. Weiter ging es nach Dubai, dort durfte nicht gearbeitet werden, also erkundete er das Land. Die Reise führte dann nach Australien, durch Neuseeland und Schweden. Von vielen lustigen oder auch emotionalen Erlebnissen aus dieser Reisezeit konnte er den anwesenden Gästen berichten. Eine große Herausforderung war die Abschlussreise von Konstanz bis Kiel, denn die legte er ausschließlich zu Fuß zurück, ohne Geld, Alkohol und Zigaretten. Während seiner gesamten Walz-Zeit hat er gearbeitet, nicht nur als Bäcker, sondern auch in artfremden Berufen, zusätzlich half er in sozialen Projekten handwerklich mit: eine unbeschreibliche Erfahrung. Nach dreieinhalb Jahren Abwesenheit erreichte er schließlich in Gesellschaft diverser Wandergesellen seinen Heimatort Joldelund. Familie, Freunde und die Dorfbevölkerung nahmen ihn mit großem Hallo in Empfang. Gesättigt von den Eindrücken der weiten Welt ist nun Nordfriesland sein Paradies und das Bäckerhandwerk seine Leidenschaft, die er als Bäckermeister in der heimischen Bäckerei auslebt. Ein Buch, das seit Jahren entstehen soll, wird von den begeisterten Zuhörern mit Spannung erwartet.

Erdmandelgras sorgt für Ärger in Hackfrüchten

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Das Erdmandelgras (Cyperus ­esculentus) ist eine Wärme liebende, mehrjährige Pflanze und gehört zur Familie der Sauergräser. Seine Verbreitung ist auf dem Vormarsch. Welche Maßnahmen können zur Bekämpfung ergriffen werden?

Erdmandelgras kann eine Wuchshöhe von zirka 1 m erreichen, die Blätter sind v-förmig und hellgrün bis grau, der Stängel ist dreikantig, markhaltig und ohne Knoten. Die Heimat dieses Sauergrases ist Ostafrika. Als Neophyt konnte sich die Pflanze bereits auf allen Kontinenten verbreiten, mittlerweile sind in Niedersachsen rund 200.000 ha befallen. Dieser Artikel ist daher auch für Schleswig-Holstein interessant.

Besonders unter nassfeuchten Bedingungen kann sich das Erdmandelgras rasch vermehren. Es nutzt dabei eine besonders effektive Technik, sich zu verbreiten: Einerseits werden Mandeln als Überdauerungsorgan gebildet, hiervon ausgehend werden vegetative Nebentriebe über die Ausbildung von Rhizomen entwickelt. Die Keimfähigkeit der Mandeln ist mehrere Jahrzehnte gegeben. Andererseits gibt es noch die generative Vermehrung über die Samenbildung, die aber im Vergleich zur Vermehrung über Mandeln und Rhizome einen deutlich geringeren Teil ausmacht. Die Mandeln des Erdmandelgrases befinden sich im Bodenhorizont bei zirka 10 bis 15 cm, sind 3 bis 5 mm groß und braun gefärbt. Die im Boden vorhandenen Mandeln keimen ab einer Bodentemperatur von 8 bis 10 °C im Frühjahr vornehmlich in den oberen 15 Bodenzentimetern, vereinzelt auch in bis zu 100 cm Tiefe.

Die größten Ausbreitungsmöglichkeiten hat das Erdmandelgras in Beständen mit Hackfrüchten wie Zuckerrübe, Mais und Kartoffeln. In diesen Früchten läuft das Wachstum des Erdmandelgrases mit der Kultur parallel, sodass die Konkurrenz um Nährstoffe, Wasser und Licht intensiv ist und die Ertragseinbußen hoch sind. Hingegen ist das Wachstum des Sauergrases in konkurrenzstarken Winterraps- und Wintergetreidebeständen deutlich gehemmt, mit Ausnahme von lückigen Beständen oder Fahrgassen.

Aus den primären Knospen der Knollen entstehen Mutterpflanzen. Nach wenigen Wochen wachsen aus den Mutterpflanzen unterirdische, 6 bis 60 cm lange Rhizome, die bis zu 33 Internodien haben können. Am Ende dieser Rhizome bilden sich Tochterpflanzen. Mit zunehmender Tageslänge und Wärme werden zunächst viele Tochterpflanzen gebildet. Zum Ende der Vegetationszeit bei Tageslängen unter zwölf Stunden werden an abwärtsgerichteten Rhizomen die Knöllchen gebildet. Sie stellen die Überdauerungsorgane dar und können Temperaturen bis zu –15 °C überstehen. Die oberirdischen Pflanzenteile und die Rhizome sterben bei 0 °C im Herbst und Winter ab. Über die Anzahl der pro Pflanze gebildeten Knöllchen gibt es unterschiedliche Angaben in der Literatur.

Eigene Erhebungen zeigen, dass sich aus einer Mandel in nur acht Wochen sieben Tochterpflanzen bilden konnten.

Die Blüten sind gelb bis bräunlich und bilden Ährchen. Das Erdmandelgras blüht von August bis September, bei günstigen Bedingungen auch schon ab Juli. Danach werden die 1 bis 1,5 mm großen Samen gebildet. Verglichen mit den Mandeln sind sie vergleichsweise klein und oft mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Die Kulturform des Erdmandelgrases kommt auf allen Kontinenten vor und wird nach wie vor in Spanien zur Gewinnung seiner Mandeln angebaut. Diese Form unterscheidet sich durch ihre Frostempfindlichkeit von der problematischen Unkrautform. Das Erdmandelgras kann mit dem Knolligen Zyperngras (Caperus rotundus) verwechselt werden. Die Knöllchen sind bitter. Sie werden in der Mitte der Rhizome gebildet und nicht endständig. Zwei weitere Pflanzen, mit denen das Erdmandelgras verwechselt werden kann, sind das Hohe Zyperngras (Cyperus longus) und die Behaarte Segge (Carex hirata). Das Hohe Zyperngras hat dickere Rhizome ohne Knöllchen. Die Behaarte Segge weist eine leichte Behaarung auf den Blättern auf und bilden keine Knöllchen. Es gibt männliche und weibliche Blüten bei der Behaarten Segge.

Schwierige Bekämpfung von Erdmandelgras

Aufgrund der besonderen Vermehrungsstrategie des Erdmandelgrases ist eine nachhaltige und vollständige Bekämpfung fast unmöglich. In erster Linie muss die Verschleppung durch Maschineneinsatz und Ernteprodukte auf Nachbarflächen verhindert werden. Das Erdmandelgras wird sehr leicht durch die Bodenbearbeitung aus den Befallsnestern in Bearbeitungsrichtung mitgenommen. Alle Geräte, die auf mit Erdmandelgras befallenen Flächen eingesetzt werden, sowie das Schuhwerk müssen komplett von anhaftenden Bodenteilchen und Knöllchen sowie gegebenenfalls Samen noch an Ort und Stelle auf der Befallsfläche gereinigt werden. Befallene Flächen müssen immer zuletzt bearbeitet und beerntet werden. Besondere Vorsicht gilt bei überbetrieblichem Maschineneinsatz und für Lohnunternehmer.

Auch der Aushub aus Gräben sowie Überschwemmungen können zu einer Verbreitung auf benachbarte Flächen beitragen. Alle Personen, die auf der befallenen Fläche arbeiten, müssen über bekannte Befallsherde informiert werden, damit sie ihre Einsatzplanung darauf ausrichten können. Das Erdmandelgras verschleppt sich nicht nur über Mandeln, sondern auch über Samen. Vögel nehmen die Samen auf und über deren Ausscheidungen verbreitet sich das Schadgras.

Verschleppung vorbeugen – Hygiene beachten

Von herausragender Bedeutung zur Vorbeugung eines Befalles mit Erdmandelgras ist die Betriebshygiene. Grundsätzlich sollte eine weitere Ausbreitung des Erdmandelgrases über Maßnahmen zur Feld- und Maschinenhygiene verhindert werden, wobei die Reinigung von Erntemaschinen wie Kartoffel- oder Rübenrodern im Spätherbst leichter gesagt als getan ist. Maschinen sind nach einem Einsatz auf der Befallsfläche gründlich zu reinigen, ein „Abrütteln“ reicht nicht. Statt der Verwendung von Druckluft ist eine Reinigung durch intensives Abwaschen mit viel Wasser eindeutig zielführender. Es darf kein Substrat von Befallsflächen auf nicht befallene Flächen gelangen. Ernteprodukte (zum Beispiel Zuckerrüben, Möhren) und Pflanzgut (zum Beispiel Kartoffeln, Gemüsepflanzen, Blumenzwiebeln und -knollen, Baumschulerzeugnisse und Zierstauden) müssen ebenfalls kontrolliert werden.

Größere Befallsflächen sollten zuletzt geerntet werden und langfristig sollte geprüft werden, ob die Fruchtfolge auf den Befallsflächen umgestellt werden kann. Das bedeutet, statt Hackfrüchten eher eine Getreide-Raps-Fruchtfolge zu fahren. Tritt Erdmandelgras in Zuckerrüben oder Mais auf, kann mechanisch durch flaches Hacken im Rübenzwischenraum versucht werden, das Erdmandelgras abzuschneiden und damit die Pflanzen zu schwächen.

Was kann man dagegen tun?

Sind erst einzelne Ecken einer Fläche betroffen, lassen sich Einzelpflanzen händisch tief ausgraben (bis unter die Pflugsohle von 30 cm) und im Restmüll vernichten. Etwas größere Befallsstellen sind zeitnah auszukoffern, bevor weitere Rhizome gebildet werden, und ebenfalls zu vernichten. Befallsstellen sollten markiert und im kommenden Jahr nachkontrolliert werden.

Die Bodenbearbeitung bei Erdmandelgrasbefall wird mit dem Ziel durchgeführt, Knollen auszugraben, sie auszutrocknen und damit auszuhungern (Schwarzbrache). Eine zweijährige Schwarzbrache kann die Knöllchen um bis zu 90 % bekämpfen. Hierbei ist darauf zu achten, dass keine zu tiefe Bearbeitung erfolgt. Es sollte möglichst keine Pflugfurche auf Befallsflächen geben. Sollte diese jedoch erforderlich sein, sollte besser im Frühjahr gepflügt werden, da über Winter Knöllchen in den oberen Bodenschichten absterben können. Flächig begrenzte Stellen kann man brachliegen lassen (Schwarzbrache).

Die Entwicklung vom Erdmandelgras wird bei starker Beschattung gehemmt. In lückenlosen, kräftigen Grünlandbeständen, die mehrmals geschnitten werden, sind die Knöllchenbildung und die Bildung von Tochterpflanzen vermindert oder ganz unterbunden. Fruchtfolgen mit stark beschattenden Pflanzen wie Hanf, Wintergerste und Mais sollten daher bevorzugt werden, die Fahrgassen stellen jedoch immer ein Problem dar. Der Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüsekulturen (beziehungsweise Wurzelgemüse) ist nicht zu empfehlen, besser sind Getreide, Mais und Grasanbau. Eine Dauerbegrünung sollte mindestens zwei bis drei Jahre andauern.

Erdmandelgras gehört zu den Sauergräsern. Daher haben die typischen Gräserherbizide keine nachhaltige Wirkung gegen die Pflanze. Der Einsatz von Glyphosat nach der Ernte und gegebenenfalls vor der Saat ist jedoch möglich. Vorteile von Herbiziden zeigen sich eher bei späteren Anwendungsterminen, wenn das Sauergras ausreichend Blattmasse besitzt. Die wesentliche Frage, ob es nach der deutlichen Kontrolle des Sprosses des Erdmandelgrases zu einem Wiederaustrieb aus intakten Mandeln kommt, wird derzeit noch in Versuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen geprüft.

In Mais sind Kombinationen von Mesotrione plus Terbuthylazin und Mesotrione plus Pyridate, gefolgt von Thiencarbazone effektiv. Auch die Vorlage von Thiencarbazone, gefolgt vom ein- bis zweimaligen Einsatz von Mesotrione plus Pyridat hat gute Wirkungen gezeigt. Eine sehr späte Aussaat (ab Anfang Juni) und vorherige wiederholte mechanische Bearbeitung (Egge) sind sinnvoll.

In Getreide sind florasulamhaltige Herbizide zu bevorzugen. Nach der Ernte sollte eine Stoppelbearbeitung in Verbindung mit glyphosathaltigen Mitteln erfolgen. Besonders sollte auf Befall in den Fahrgassen geachtet werden.

In Zuckerrüben ist ausschließlich Conviso One wirksam (nur in toleranten Sorten). Flaches Hacken im Reihenzwischenraum schneidet das Erdmandelgras ab und schwächt die Pflanze.

Fazit

Die Verschleppung von mit Mandeln verseuchter Erde ist zu verhindern, Maschinen sind zu reinigen.

Einzelpflanzen ausgraben und entsorgen

Ausbaggern kleiner Befallsstellen auf 30 cm Tiefe, Erde entsorgen

kleine Teilflächen für zwei bis drei Jahre aus der Produktion nehmen

Flächen mit starkem Befall: Schwarzbrache oder späte Maisaussaat mit vorheriger häufiger flacher Bodenbearbeitung

gegebenenfalls zwei bis drei Jahre als Grünland nutzen mit häufiger Mahd

Jede Stimme hat ihren Preis

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Die Bundestagsabstimmung zur Verfassungsänderung und damit zum Finanzpaket ist historisch. Der neue Bundestag ist schon gewählt, aber in bisheriger Zusammensetzung wurde am Dienstag rund 1  Bio. € für Verteidigung und Infrastruktur abgesegnet. Im Grundgesetz soll die Einrichtung eines Sondervermögens in Höhe von 500  Mrd.  € „für zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur und für zusätzliche Investitionen zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045“ ermöglicht werden.

Wird damit die Klimaneutralität bis 2045 als Staatsziel in die Verfassung geschrieben? Die Formulierung sorgt für Wirbel. Verfassungsund Umweltrechtler geben eine Einordnung, die Formulierung sei nur eine neue finanzrechtliche Vorschrift. Für das Sondervermögen Infrastruktur werde geklärt, dass ein Teil der Mittel für Klimaschutz verwendet werden müsse und somit zweckgebunden sei. Zu einem verbindlichen Staatsziel werde die Klimaneutralität bis 2045 damit nicht. Dennoch ist diese letzte Entscheidung des Bundestags der 20. Wahlperiode zum Schluss noch ein ganz großer Erfolg der Grünen, die nicht Teil der kommenden Bundesregierung sein werden. Auf den letzten Drücker und im Schatten der Schuldendebatte haben sie es geschafft, ein konkretes grünes Politikziel bei der neuen Regierung zu positionieren und zu verankern.

Nach dem Motto „Jede Stimme hat ihren Preis“ wurden mit lehrbuchreifer Verhandlungstaktik Union und SPD Zugeständnisse in der Klimapolitik abgerungen, die zuvor in der Ampel-Koalition nicht möglich waren. Es war ein tiefer Blick in den Abgrund für Kanzlerkandidat und Wahlsieger Friedrich Merz (CDU), die Sorge vor einem abschlägigen Abstimmungsverhalten der Grünen war alarmierend. Die nächste Hürde steht Merz und seinem bayerischen CoKanzler Markus Söder (CSU) am Freitag bevor. Für die geplante Grundgesetzänderung muss der Bundesrat zustimmen, auch hier kommt es auf die Stimmen grün mitregierten Länder an. Den bislang erzielten Erfolg werden die Verhandlungsführer der Grünen nicht mehr riskieren wollen. Damit erhält eine kommende schwarz-rote Regierung einen grünen Grundton und die künftigen Koalitionspartner haben gesehen, was passieren kann, wenn der Schwanz mit dem Hund wackelt. Mechthilde Becker-Weigel

Chance für Umbau der Tierhaltung?

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Der Deutsche Bauernverband (DBV) meldet Ansprüche der Landwirtschaft an das Infrastrukturpaket an. „Bei den Zukunftsinvestitionen müssen zwingend die Infrastruktur im ländlichen Raum, die Landwirtschaft und auch der Umbau der Tierhaltung berücksichtigt werden“, so DBV-Präsident Joachim Rukwied zu dem Sondervermögen Infrastruktur von 500 Mrd. €, für das der Bundestag am Dienstag mit einer Grundgesetzänderung den Weg frei gemacht hat.

Rukwied verwies zugleich auf die große Verantwortung und Verpflichtung der Politik, die mit der Entscheidung einhergehe: „Dieses Sondervermögen eröffnet enorme Spielräume, die ausschließlich zum Wohl der nachfolgenden Generation und im Sinne der deutschen Wirtschaft genutzt werden dürfen.“ Ohne strukturelle Reformen sei die Wirksamkeit dieses Sondervermögens „mehr als fraglich“, gab der Bauernverbandspräsident zu bedenken.

Wald braucht verlässliche Finanzierung

Die Familienbetriebe Land und Forst bestehen darauf, dass der Wald angemessen berücksichtigt wird. Sie haben dabei die 100 Mrd. €, die aus dem Infrastrukturpaket in den Klimaschutz fließen sollen, im Auge. Der Verbandsvorsitzende Max von Elverfeldt wies darauf hin, dass die Wälder in Deutschland rund 8 % der nationalen CO2-Emissionen kompensierten. „Diese Leistung muss sich in der Mittelverteilung des Klima- und Transformationsfonds widerspiegeln“, mahnte von Elverfeldt. 8 Mrd. € für den Wald seien eine notwendige Investition in Klimaschutz und Versorgungssicherheit. Eine verlässliche Finanzierung sei erforderlich, um Waldumbau und Wiederbewaldung dauerhaft sicherzustellen. Neben der Finanzierung für den Wald müsse laut von Elverfeldt aus dem Infrastrukturpaket auch die Infrastruktur im ländlichen Raum gestärkt werden. Notwendig seien Investitionen in eine flächendeckende digitale Anbindung, insbesondere den flächendeckenden Ausbau von 5G, ferner den Ausbau von Verkehrswegen sowie in eine verlässliche Daseinsvorsorge in den Bereichen Bildung, medizinische Versorgung und Energieinfrastruktur.

Dorfkerne sanieren, Wegebau fördern

Auch die Landgesellschaften betrachten das in Aussicht gestellte Infrastrukturpaket als Chance für das Land. Es müsse auch zur notwendigen Modernisierung ländlicher Infrastrukturen zur Verfügung stehen. „Das geplante Sondervermögen Infrastruktur von 500 Milliarden Euro sollte zu einem angemessenen Teil in ländliche Räume gehen“, so der Vorsitzender des Bundesverbandes der gemeinnützigen Landgesellschaften (BLG), Christopher Toben. Er nannte Investitionen in die Sanierung von Dorfkernen und Kleinstädten, den ländlichen Wegebau und in die Entsiegelung bis hin zu wasserbaulichen Einrichtungen. Ähnlich wie bei der Bahn bestehe hier oft ein erheblicher Sanierungsstau, der jetzt beseitigt werden müsse. Der BLG-Vorsitzende schlägt vor, die Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und Küstenschutzes (GAK) sowie die Städtebauförderung gezielt und langfristig aufzustocken. Parallel dazu müssten Genehmigungsverfahren vereinfacht und beschleunigt werden. „Die Menschen in den ländlichen Räumen erwarten Signale, dass die Bundespolitik das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse nachdrücklich verfolgt“, betonte Toben. age

Union und SPD geben sich engen Zeitplan

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Die 16 Arbeitsgruppen von CDU, CSU und SPD starten dieser Tage mit ihren Verhandlungen. Sie sollen innerhalb einer Woche je ein vierseitiges Papier vorlegen. Darin sind neben den Vorschlägen auch deren jeweilige haushalterische Konsequenzen in diesem und den Folgejahren auszuweisen. Sollte in einzelnen Punkten kein Einvernehmen erzielt werden, gehen diese zur Klärung in die übergeordnete Steuerungsgruppe. Bereits am 24. März soll ein erster Entwurf für einen schwarz-roten Koalitionsvertrag vorliegen.

Über Landwirtschaft wird zusammen mit den Themenfeldern Ernährung, Umwelt und ländliche Räume verhandelt.

Fachpolitiker am Verhandlungstisch

Verhandlungsführer der Union ist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Steffen Bilger. Für die CDU verhandeln die Bundestagsabgeordneten Albrecht Stegemann und Hermann Färber, die Europaparlamentarierin Christine Schneider, der niedersächsische Landtagsabgeordnete Dr. Marco Mohrmann sowie Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Sven Schulze. Für die CSU sind der bayerische Bauernverbandspräsident und Ministerkandidat Günther Felßner sowie der Agrarsprecher der Landesgruppe, Artur Auernhammer, im Boot. Anstelle der ursprünglich vorgesehenen Umweltsprecherin Anja Weißgerber hat die CSU die oberpfälzische Abgeordnete und Nebenerwerbsbäuerin Martina Engelhardt-Kopf nominiert. Unverändert ist die SPD-Verhandlungsgruppe geblieben. Sie wird angeführt von der Bundestagsabgeordneten Dr.  Franziska Kersten und als ihrem Stellvertreter dem Umweltsprecher der Fraktion, Carsten Träger. Hinzu kommen die Bundestagsabgeordneten Isabel Mackensen-Geis, Nadine Heselhaus und Helmut Kleebank, die Europaabgeordnete Maria Noichl sowie Mecklenburg-Vorpommerns Ressortchef Dr. Till Backhaus.

Strukturelle Probleme angehen

Seine Forderung nach einem Politikwechsel für die Landwirtschaft hat der Deutsche Bauernverband (DBV) bekräftigt. „Wir brauchen deutliche Veränderungen mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit, echten Bürokratieabbau und eindeutige Erleichterungen für die Wirtschaft“, erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen von CDU, CSU und SPD. Für Rukwied ist die im Sondierungspapier angekündigte Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückvergütung „ein erster wichtiger Schritt“. Dem müssten aber weitere Punkte zwingend folgen. Zweifel hat der DBV-Präsident im Hinblick auf den künftigen Kurs der angestrebten schwarz-roten Koalition: „Unser Sektor ist in großer Sorge, dass die zukünftigen Koalitionäre mit der Diskussion um das Milliardenpaket die Lösung der strukturellen Probleme aus dem Auge verlieren.“ Nicht hilfreich sei beispielsweise eine im Grundgesetz festgeschriebene Klimaneutralität. Dies gelte auch für das Festhalten an solchen Vorhaben, „mit denen die Ampel schon gescheitert ist“.

Bedeutung der Genossenschaften betont

Auch die genossenschaftlichen Spitzenverbände wandten sich noch einmal an die künftigen Koalitionäre. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), der Bundesverband Volksbanken Raifeisenbanken (BVR) und der Mittelstandsverbund – ZGV drängen auf einen Neustart in der Wirtschaftspolitik. Dazu gehörten eine Senkung der Steuer- und Abgabenlast, spürbarer Bürokratieabbau, die Straffung und Streichung von Berichtspflichten sowie die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes. Ferner müssten die Stärkung und Förderung von Genossenschaften verbindlich im Koalitionsvertrag verankert werden. Genossenschaften brauchten einen zentralen Ansprechpartner in der Bundesregierung. Dafür geeignet sei ein eigenes Genossenschaftsreferat im Bundeswirtschaftsministerium. Die Verbände heben die enorme wirtschaftliche Bedeutung von Genossenschaften, genossenschaftlich orientierten Unternehmen und Kooperationen in Deutschland hervor. Die Zahl dieser Unternehmen in Deutschland liege bei mehr als 7.000, die der Genossenschaftsmitglieder bei 22  Millionen. Die Gesamtzahl der Beschäftigten im genossenschaftlichen Bereich belaufe sich auf über eine Million. Der Gesamtumsatz betrage 1,46 Bio. €. Genossenschaften leisteten große Beiträge zum wirtschaftlichen Erfolg ländlicher Räume und deren gesellschaftlicher Stabilität.

15 Euro Mindestlohn existenzbedrohend

Mit Blick auf den im Sondierungspapier anvisierten Mindestlohn in Höhe von 15 € sprach DBVGeneralsekretär Bernhard Krüsken auf dem Milchforum in Berlin (siehe Seite 14) von einer existenzbedrohenden Entscheidung der Parteispitzen für den heimischen Obst- und Gemüsebau, sollte dies so umgesetzt werden. Ausdrücklich begrüßte Krüsken hingegen die Ankündigung, die Agrardieselvergünstigung wieder einzuführen. Das werte man auch als Zeichen, dass Anliegen der Landwirtschaft ernst genommen würden. Im Agrarumweltschutz erwartet der Bauernverband seinem Generalsekretär zufolge einen Schwenk von der Verbots- in eine kooperationsorientierte Politik. Neue Weichenstellungen seien für die Tierhaltung notwendig. Im Baurecht müsse es eine planungsrechtliche Privilegierung von Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls geben. age

Erfolg und Zufriedenheit als Basis

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Die Marktforschungsagentur Rheingold Salon fertigte 2021 im Auftrag des Deutschen Bauernverbandes (DBV) eine Studie mit dem Titel „Zukunfts-Bauer“ an. Eine wichtige Erkenntnis daraus war, dass sich Landwirtschaft und der Rest der Gesellschaft weitgehend voneinander entfremdet haben. Der DBV gründete als Konsequenz die Initiative ZukunftsBauer, um über das Selbstverständnis, das Rollen­verständnis und die Kommunikation von Landwirtinnen und Landwirten zu reflektieren. Der aktuelle Stand der ZukunftsBauer-Initiative war am Donnerstag (13. März) Thema eines Workshops des ­Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH)
in Rendsburg.

Jörg Struve aus Nübel, Kreis Schleswig-Flensburg, bezeichnete den von Kathrin und Matthias Mehner (Andreas-Hermes-Akademie) moderierten Workshop als „eine rundum gelungene Sache“. Der Schweinehalter ist als Vertreter des BVSH Teil der ZukunftsBauer-Arbeitsgruppe auf Bundesebene. „Der Staffelstab liegt jetzt bei den Landesverbänden, das Thema weiter mit Leben zu füllen“, erklärte Struve.

Initiative ist bekannt

Er berichtete gegenüber dem Bauernblatt von einer hohen Motivation der Teilnehmer. Jeder habe zu Beginn des Workshops persönliche Beispiele aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit vorgetragen. Danach hätten Kathrin und Matthias Mehner die Teilnehmer auf den aktuellen Sachstand gebracht und die Kernpunkte der Rheingold-Studie herausgearbeitet.

Jörg Struve, Foto: rq

„Die Bekanntheit des ZukunftsBauern in der Branche ist gut“, betonte Struve. Viele könnten die Inhalte nachvollziehen. Ihnen fehle aber die praktische Umsetzung, was bei diesem theoretischen Ansatz auch logisch sei. Jeder Bauer sei daher selbst gefragt, die ZukunftsBauer-Themen für sich individuell in die Praxis umsetzen. Struve stellte klar: „Ein ZukunftsBauer kann sich auch auf Kostenführerschaft konzentrieren.“ Es gehe um Zukunftsfähigkeit. Die wichtigsten Faktoren, die einen ZukunftsBauern ausmachten, seien vor diesem Hintergrund Erfolg und Zufriedenheit. Der Schweinehalter berichtete aus eigener Erfahrung: „Wer sich auf das Thema einlässt, kann persönliche und berufliche Orientierung gewinnen.“

Es geht weiter

Am Ende des Workshops hatte die Teilnehmer die Gelegenheit zum Austausch mit Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU), Louisenlund-Schulleiter Peter Rösner sowie Ludwig Hirschberg (BVSH-Vizepräsident) und Michael Müller-Ruchholtz (stellvertretender BVSH-Generalsekretär). „Das Gespräch am Abend war angenehm und respektvoll. Das Thema Kommunikation stand im Vordergrund“, schilderte Struve. Er empfand es als große Wertschätzung, dass sich der Minister fast drei Stunden Zeit für die Diskussion nahm.

Klar sei gewesen, dass man an einem Seminartag nicht alle Themen ausführlich besprechen könne. Die Gruppe wolle daher weitermachen. Das nächste Treffen ist für Mai anvisiert. Neue Teilnehmende sind laut Struve herzlich willkommen. 

Manege frei und willkommen im Zirkuszauber aus Sand

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Die Winterruhe ist vorbei, die ehemalige Bootshalle im ­Fischereihafen in Travemünde ist wieder zum Leben erwacht. Berge von Spezialsand sind erneut in Form gebracht und laden zu einem unbeschwerten Besuch in den Zirkus ein.

Die Tore zur Sandskulpturen-Ausstellung in Lübeck-Travemünde sind seit dem vergangenen Wochenende wieder geöffnet. Wo im vergangenen Jahr Sagenhelden, Feen, Kobolde oder Zauberer ihr Unwesen trieben, bringen im siebten Jahr der Ausstellung Clowns die Besuchenden zum Lachen, Artisten, Akrobaten oder auch meterhohe Stelzenläufer die Betrachter zum Staunen und Feuerspucker den Sand zum Schweifen. Die 3.500 Quadratmeter große Ausstellungsfläche hat sich in eine einzige Zirkusmanege verwandelt, in der auch Tiere und Magier nicht fehlen.

Zirkusplakat
Foto: Iris Jaeger

„Unser Anliegen ist es jedes Jahr aufs Neue, den Besuchern hier Freude zu bereiten, sie für eine Weile den Alltag vergessen zu lassen und Schönes darzustellen. Das Thema Zirkus hatten wir noch nicht, und was gibt es Schöneres als einen Besuch der magischen Zirkuswelt?“, erklärt Ausstellungsleiter Oliver Hartmann. Der Zirkusdirektor am Eingang des Rundweges durch die Ausstellung hat eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm. „Na ja, ein wenig mehr Hals hätten sie mir gönnen können“, meint er schmunzelnd. 25 Künstlerinnen und Künstler aus 13 Ländern haben die gut 10.000 Kubikmeter Sand erneut in übergroße Kunstwerke verwandelt, die in ihren Bann ziehen. „Zirkus ist mehr als eine Show, es ist ein Gesamtkunstwerk aus Spannung, Emotionen und Fantasie, das alle Generationen begeistert“, so Oliver Hartmann in einer Pressemeldung.

Modellierwerkzeug
Foto: Iris Jaeger

Nur mithilfe von Modellierwerkzeugen und Wasser sowie ganz viel Kreativität und Hingabe haben die Sandscarver, wie die Sandkünstler genannt werden, an die 110 Skulpturen rund um das Thema Zirkus geschaffen. Die einzelnen Motive werden vom Ausstellungsteam vorgegeben, bei der Umsetzung aber haben die Künstler freie Hand. „Und selbstverständlich dürfen die Scarver auch Vorschläge und ihre Ideen mit einbringen“, erklärt Hartmann.

Einen Tag vor der Eröffnung des Zirkuszaubers aus Sand herrscht noch reger Betrieb in der ehemaligen Bootshalle und es wird noch ordentlich Hand angelegt an den Skulpturen, Feinheiten und Details herausgearbeitet, gesprüht, geklopft, geschabt, geharkt, Sand weggenommen oder hinzugefügt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich einzelne Sandkörner so detailreich formen und in Bilder verwandeln lassen. „Die Motive in den Sand zu kopieren, die Bilder in den Sand zu übersetzen, das ist es, was mich fasziniert“, erklärt die Künstlerin Helena Bangert ihre Motivation. Sie liebt Elefanten, weshalb sie sich unter anderem für die Zirkuselefanten entschieden hat. Sie bis in die feinsten Falten zum Leben zu erwecken, „das ist wirklich toll“, so Bangert.

Helena Bangert verfeinert noch Details am Elefanten
Foto: Iris Jaeger

Und auch kleine politische Seitenhiebe auf aktuelle Geschehnisse in der Welt seien erlaubt, meint Oliver Hartmann. Zum Beispiel bei der Skulptur Nummer zwölf mit der Überschrift „Sprichwort“. „Wer einen Clown will, bekommt auch einen Zirkus“, erläutert der Ausstellungsleiter augenzwinkernd. Aber ansonsten bleibt die Weltlage für einen Moment draußen vor der Hallentür und die Magie entführt in die Welt der Dompteure, Seiltänzer, Messerwerfer oder Pantomimen. Auch dem weltberühmten Zirkus Roncalli, der regelmäßig zu Gast in Lübeck ist, widmet sich die Ausstellung – unter anderem mit einer Hommage an Richard Hirzel, der als Clown „Pic“ Geschichte geschrieben hat. Und auch ein Flohzirkus ist Teil der Szenerie.

Somit heißt es bis zum 9. November: „Manege frei und hereinspaziert“ in den Zirkuszauber aus Sand in Travemünde. Weitere Informationen unter ­sandskulpturen-travemuende.de, weitere Bilder auch unter ­bauernblatt.com

Zirkuszauber aus Sand
Fotos: Iris Jaeger
„Rhönrad“ von Zsolt M. Tóth
Foto: Iris Jaeger
„Luftringe“ von Oleg Masalitin
Foto: Iris Jaeger
„Verbundene Zwillinge“ von Jamie Lauks und Vadim Bandarets
Foto: Iris Jaeger
„Affenfrau“ von Jamie Lauks und Vadim Bandarets
Foto: Iris Jaeger
„Feuerspucker“ von Sven Morawietz
Foto: Iris Jaeger
„Zauberer“ von Konstantin Evdokimov
Foto: Iris Jaeger
Detailansicht aus dem Motiv „Zauberer“
Foto: Iris Jaeger
„Pantomime“ von Evgeniy Polunin
Foto: Iris Jaeger
„Dumbo“
Foto: Iris Jaeger
„Seiltänzerin“ von Iryna Kalyuzhna
Foto: Iris Jaeger
Richard Hirzel, bekannt als Clown Pic aus dem Zirkus Roncalli von Helena Bangert
Foto: Iris Jaeger
„Sprungartisten“ von Sergey Knysh
Foto: Iris Jaeger
Tierische Attraktionen
Foto: Iris Jaeger
„Schlangentänzer“ von Iryna Kalyuzhna
Foto: Iris Jaeger
Eine Wahrsagerin
Foto: Iris Jaeger
Schachtelteufel
Foto: Iris Jaeger