Start Blog Seite 4

Neue Formate erfolgreich umgesetzt

0

Fünf Wochen intensives Lernen wurden für die neun Teilnehmer am Vorbereitungslehrgang auf die Prüfung zum Fischwirtschaftsmeister „Kleine Hochsee- und Küstenfischerei“ mit einer Bescheinigung über das erfolgreiche Ablegen der Prüfung belohnt.

Fischereibiologie, Bewirtschaftung des fischereilichen Lebensraums, Behandlung und Vermarktung der Fischereierzeugnisse, Fischereitechnik und Arbeitswirtschaft, Wirtschaftslehre, Rechnungswesen, Rechts- und Sozialwesen, Berufsausbildung und Mitarbeiterführung: In allen diesen Bereichen konnten die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden.

In der Zeit vom 6. bis zum 24. Januar 2025 konnten an der Fischereischule in Rendsburg als Modul die Prüfungsanforderungen im wirtschaftlichen und rechtlichen Teil erstmalig zeitlich eigenständig unterrichtet und mit der schriftlichen Prüfung beendet werden. Die mündlichen Prüfungen für diesen Teil wurden gemeinsam mit den übrigen Prüfungsteilen Anfang Februar 2026 absolviert. Das zweite Modul des Vorbereitungslehrgangs folgte dann für die angehenden Fischwirtschaftsmeister vom 5. Januar bis zum 6. Februar 2026.

Die Vorbereitungen auf die Prüfungsanforderungen im Teil „Berufsausbildung und Mitarbeiterführung“ belegten die Teilnehmer in diesem Jahr gemeinsam mit 14 Anwärtern zum Forstwirtschaftsmeister. Sie wurden interdisziplinär durchgeführt und mit schriftlichen Prüfungen abgeschlossen.

Die weiteren fachspezifischen Unterrichtseinheiten mit dazugehörigen Prüfungen sowie die mündlichen und praktischen Prüfungsteile in der „Berufsausbildung- und Mitarbeiterführung“ erfolgten in der Durchführung getrennt beziehungsweise stehen in der Forstwirtschaft noch aus.

Über den erfolgreichen Abschluss freuen sich:
Karl Bissa, 23942 Dassow; Moritz Dürkoop, 23568 Lübeck; Hauke Giertz, 23568 Lübeck; Jesper Jacobsen, 23568 Lübeck; Paul Kaitschick, 23568 Lübeck; Leif Rönnau, 24235 Stein; Tüge Thomsen, 25821 Vollstedt; Jan Witt, 23568 Lübeck; Marcus Manuel Wöster, 24340 Eckernförde.

Die Landwirtschaftskammer sowie der Prüfungsausschuss gratulieren den Absolventen zu ihrem erfolgreichen Abschluss und wünschen ihnen für ihren weiteren Lebensweg viel Erfolg sowie allzeit eine gesunde Heimkehr von See.

Mit Erbsensuppe das Klima schützen

0

Welche Chancen und Herausforderungen bringt eine Reduktion der Klimawirkung des Agrar- und Ernährungssystems? Diese Leitfrage stand über der Hochschultagung der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät (AEF) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), die am Dienstag stattfand.

AEF-Dekan Prof. Tim Diekötter betonte die Bedeutung der Tagung als Forum zum Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis, Politik, Beratung und interessierter Öffentlichkeit. Dieser sei gerade in der heutigen Zeit unverzichtbar. Die Agrar- und Ernährungswissenschaften stünden im Zentrum vieler gesellschaftlicher Debatten. Diskussionen sollten nach Diekötters Überzeugung faktenbasiert erfolgen und differenziert sein. Er forderte weitere Dialogformate nach dem Vorbild der Zukunftskommission Landwirtschaft. Das gegenseitig gewachsene Vertrauen sei zu pflegen, damit man nicht wieder in alte Grabenkämpfe verfalle.

Effizienzgewinne statt Extensivierung

Tim Diekötter, Foto: Sven Tietgen

In der Plenumsdebatte, die von Stefanie Wetekam, Geschäftsführerin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, moderiert wurde, stellte Prof. Henning Kage klar: „Klimawandel ist Realität.“ Treibhausgas (THG)-Minderungsziele seien vor diesem Hintergrund unstrittig. Über den Zeithorizont der Zielerreichung werde jedoch diskutiert. Innerhalb der deutschen Landwirtschaft sei die Tierproduktion für 31 % der THG-Emissionen verantwortlich, die Pflanzenproduktion für 23 % und die Moornutzung für 42 %, wobei die Moore nur 10 % der Flächen ausmachten. Kage erklärte: „Unter Berücksichtigung von Flächenbedarf und indirekten Landnutzungsänderungen ist das Niveau der aktuellen Düngeverordnung nah am Optimum.“ Es gebe dennoch THG-Reduktionspotenzial, das gehoben werden könne. Das entscheidende Werkzeug sind für den Ackerbauexperten Effizienzgewinne, nicht Extensivierung, auch mit Blick auf den steigenden Nahrungsmittelbedarf der wachsenden Weltbevölkerung.

Für Prof. Uwe Latacz-Lohmann ist Klimaschutz in der Landwirtschaft eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die gemeinschaftlich finanziert werden müsse. Das Budget der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) reiche als Finanzierungsquelle bei Weitem nicht aus, um die hohen Anpassungskosten zu decken. Chancen sieht er in einer Teilintegration der Landwirtschaft in den EU-Emissionshandel. „Anfangen könnte man mit der Moornutzung“, so der Agrarökonom. Landwirten auf Moorstandorten könnte man Emissionsberechtigungen geben. Diese könnten dann entscheiden, ob sie weiterwirtschaften oder die Emissionsberechtigungen verkaufen wollten. Er sprach sich zudem dafür aus, den Mehrwertsteuersatz für tierische Produkte auf 19 % anzuheben. Das senke den Konsum und damit auch THG-Emissionen. Mit Blick auf die schrumpfenden Tierbestände in Deutschland spare dies in den nationalen Bilanzen zwar Emissionen ein. Sofern sich die Nachfrageseite nicht ändere, drohten jedoch Leakage-Effekte, also dass sich die Produktion unter möglicherweise schlechteren Bedingungen ins Ausland verlagere.

Prof. Karin Schwarz unterstrich die These, dass eine stärker pflanzenbasierte Ernährung ein hohes Potenzial besitze, THG-Emissionen zu senken und zusätzlich ernährungsbedingte Krankheiten zu reduzieren. Viele Fleischersatzprodukte würden jedoch unter hohem Energieeinsatz produziert und enthielten oft viele Zusatzstoffe. Als besonders vorteilhaft ist aus ihrer Sicht die Erbse zu nennen, die sowohl im Anbau als auch bei einer einfachen Verarbeitung, etwa als Suppe, nur wenige THG-Emissionen verursache.

Resilienz steigern

Klaus-Peter Lucht, Foto: rq

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) will die Branche dabei unterstützen, resilienter gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu werden. Ihr sei es dabei wichtig, dass Politik die Ideen und Erkenntnisse der Wissenschaft nutze. Sie betonte: „Mein Ziel ist, dass wir es schaffen, die Innovationskraft der Hochschule mit den Menschen und Betrieben zu verbinden.“ Kritik hatte die Ministerin für GAP-Vorschläge der EU-Kommission im Gepäck. Die Landesregierung sei sich einig, dass Umweltleistungen der Landwirtschaft auch honoriert werden müssten.

Umweltressortchef Tobias Goldschmidt (Grüne) machte seine Position deutlich: „Mittel- und langfristig werden die Arten- und die Klimakrise unsere größte Herausforderung sein.“ Daher gelte es, Agrarökosysteme zu erhalten. Beim Kampf gegen den Klimawandel nachzulassen, würde noch höhere Folgekosten bedeuten, zum Beispiel mit Blick auf den Meeresspiegelanstieg und die Deichsicherheit. Er bescheinigte den Sektoren Landwirtschaft und Energie, bei der Erreichung der Klimaziele „on Track“ zu sein. Es schade aber auch nicht, sinnvolle Ziele überzuerfüllen, so Goldschmidt.

In der Diskussion meldete sich Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, zu Wort. Er betonte die große Bedeutung der Tierhaltung für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum. Die Betriebe seien bereit, mit Effizienz und sinnvollen Maßnahmen zum Klimaschutz beizutragen. Flächentausch sei für den Verband ein vorstellbares Instrument. Hier forderte Lucht mehr Beweglichkeit von der Stiftung Naturschutz als größter Flächeneigentümerin im Land. 

„Ich werde mich für Planungssicherheit einsetzen“

0

Der Zeitplan einer Landwirtschaftsministerin ist eng getaktet. Trotzdem nahm sich Cornelia Schmachtenberg (CDU) in den ersten 100 Tagen im Amt viel Zeit, um die Menschen und Betriebe im ländlichen Raum besser kennenzulernen. Welche Eindrücke sie dabei gesammelt hat und was sie in der laufenden Legislaturperiode noch erreichen möchte, schilderte sie dem Bauernblatt.

Sie sind mittlerweile mehr als 100 Tage im Amt. Wie gefällt Ihnen der Job als Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein?

Das Amt gefällt mir sehr gut. Es macht Spaß, mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu sein. Gleichzeitig ist es eine große Aufgabe. Aber ich finde, wir haben in den ersten 100 Tagen schon viel erreicht.

Wie sind Sie am Kabinettstisch aufgenommen worden?

Ich bin sehr gut aufgenommen worden. Die meisten Kabinettskolleginnen und -kollegen kenne ich aus dem Parlamentsbetrieb schon seit einigen Jahren.

Zwischen Ihrem Haus und dem Umweltministerium gibt es inhaltliche Schnittmengen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne)?

Wir stehen in ständigem Kontakt, telefonieren regelmäßig und tauschen uns intensiv aus. Dabei diskutieren wir offen unsere Sichtweisen und geplanten Vorhaben. Mein Ziel ist, dass wir gemeinsam noch viele gute Projekte für Schleswig-Holstein auf den Weg bringen.

Wie würden Sie Ihre Strategie für erfolgreiche Politik beschreiben?

Mir ist es wichtig zuzuhören, vor Ort im Austausch zu sein und dass man nicht mit vorgefestigter Meinung in gewisse Themen geht. Natürlich habe ich Ziele und Vorstellungen, wie sich die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein entwickeln sollte, aber es gibt nicht die eine Meinung. Das muss man einfach akzeptieren. Ich habe festgestellt, dass die Ziele verschiedener Interessengruppen häufig gleich sind, die Wege dahin aber oft sehr unterschiedlich gesehen werden.

Mit welchen Erwartungen sind Sie in das Ministeramt hineingegangen? Gab es Überraschungen?

Inhaltlich hat mich wenig überrascht. Ich merke, welche besondere Außenwirkung man als Ministerin hat und wie anders man wahrgenommen wird, obwohl ich persönlich die gleiche Person geblieben bin – nur der Job hat sich geändert.

Sie haben kürzlich den Zukunftspreis Landwirtschaft verliehen, den Ihr Vorgänger im Amt, Werner Schwarz (CDU), initiiert hat. Warum sind solche Preise aus Ihrer Sicht wichtig?

Die Preisverleihung war ein schöner Termin. Wir haben so viele großartige Betriebe in diesem Land. Der Preis ist ein Zeichen der Wertschätzung und zeigt auch, wie erfolgreich der Dialog zur Zukunft der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein war. Der Preis ist also auch als Teil der Umsetzung der 24 Thesen in die Praxis zu verstehen.

Wird es eine Wiederholung des Zukunftspreises geben?

Über die Fortsetzung des Preises diskutieren wir im Moment. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass wir den Zukunftsdialog anders weiterentwickeln. Dazu finden derzeit Gespräche statt.

Die Tierhaltung und insbesondere die Veredlungsbetriebe stehen unter Druck. Das Bundesprogramm zum Umbau Tierhaltung läuft aus, Schlachtstätten schließen, Tierwohlanforderungen steigen. Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten der Tierhaltung in Schleswig-Holstein?

In diesem Sektor passiert im Moment sehr viel, obwohl landwirtschaftliche Betriebe eigentlich Planungssicherheit brauchen. Die ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht in der Form gegeben, wie ich sie mir wünsche. Wir kamen aus einem Prozess mit der Zukunftskommission Landwirtschaft und der Borchert-Kommission, die Lösungsvorschläge erarbeitet haben – diese wurden jedoch nicht umgesetzt. Dass das Bundesprogramm im August ausläuft, ist schade, weil unsere Betriebe Planungssicherheit brauchen. Zudem wissen wir nicht, wie das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz final aussehen wird. Auch das ist nicht gut für die Betriebe. Dazu kommt noch die Schließung des Schlachthofs in Perleberg. Es gibt also viele Ungewissheiten. Ich werde mich für Planungssicherheit einsetzen. Durch die Überführung der Stallbauförderung in die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz ist aber klar, dass wir dafür insgesamt weniger Geld zur Verfügung haben werden.

Sie haben eine Klarstellung für die Düngerausbringung auf leicht überfrorenen Böden vorgenommen. Warum?

Klar ist, dass die Landesdüngeverordnung weiterhin gilt und dass wir auf wassergesättigten, gefrorenen und schneebedeckten Böden nicht düngen dürfen. Die Klarstellung für angefrorene Böden ist fachlich sinnvoll – zum einen zum Schutz des Bodens, zum anderen für eine effizientere Nährstoffaufnahme durch die Pflanzen. Dabei müssen die Böden tagsüber vollständig auftauen und aufnahmefähig sein. Die Betriebe brauchen mehr praxistaugliche Lösungen, auch mit Blick auf die Bundesdüngeverordnung. Klar ist auch, dass wir gewässerschonend arbeitende Betriebe entlasten müssen. Mit der Plattform Endo-SH sind wir in Schleswig-Holstein schon auf einem sehr guten Weg.

Neben der Landwirtschaft melden auch Naturschutz, Infrastruktur und Erneuerbare Energien Flächenbedarf an. Wie navigieren Sie politisch durch die bestehenden Zielkonflikte?

Wichtig ist, dass wir auch hier im Gespräch bleiben. Fläche ist endlich. Ich glaube, wir brauchen eine große Lösung, haben in dieser Legislaturperiode aber nur noch gut ein Jahr. Ein Projekt, das wir noch angehen wollen, ist die Einrichtung von Niederungsbeiräten. Es braucht Plattformen, wo Menschen zusammenkommen, miteinander reden und gemeinsam Lösungen für eine Region finden.

Die Landesregierung hat die Mittel im Rahmen der Wildgänserichtlinie von 350.000 € auf 1,2 Mio. € erhöht. Wie wollen Sie das Wildvogelmanagement zukünftig gestalten?

Es war ein richtiges Zeichen, dass wir die Mittel aufgestockt haben. Die Grünlandentschädigung wurde somit verdreifacht. Mir ist aber auch bewusst, dass Landwirtinnen und Landwirte am liebsten diese Entschädigung nicht hätten, sondern ihre Flächen ordentlich bewirtschaften wollen. Mein langfristiges Ziel ist daher, dass wir ein Bestandsmanagement hinbekommen. Ein entsprechendes Schreiben mit dem Vorschlag, den Schutzstatus der Wildgänse zu verringern, werde ich an die EU-Kommission richten. Es ist einfach für jeden Betrieb eine psychische und wirtschaftliche Belastung, wenn man hinausfährt und alles vollgekotet und abgegrast ist.

Psychisch belastend für Schäfer ist, wenn der Wolf nachts „zu Besuch“ kommt. Die Ausgestaltung der Aufnahme des Raubtiers in das Bundesjagdgesetz wird gerade in Berlin diskutiert. Was sind für Sie die wichtigsten Punkte?

Zunächst finde ich es gut, dass der Wolf außer im Landesjagdrecht auch im Bundesjagdrecht aufgenommen wird. Ich begrüße besonders, dass ein Bestandsmanagement eingeführt werden soll – das schafft Rechtssicherheit. Für das Verständnis solcher Gesetze ist es immer hilfreich, wenn wir einheitlich vorgehen. Die Einrichtung von wolfsfreien Zonen halte ich insbesondere für die Deichgebiete in Schleswig-Holstein für sinnvoll.

Warum dürfen Landwirte hoffnungsvoll sein, dass Sie es schaffen, den Bürokratieabbau spürbar voranzubringen?

Wir werden die Bürokratie, die in den vergangenen 30 Jahren angehäuft worden ist, nicht innerhalb von zwei Jahren los. Das muss uns bewusst sein. Dennoch treibt uns an, dass wir Verfahren so einfach wie möglich gestalten wollen. Deswegen ist die Arbeitsgruppe Entbürokratisierung in meinem Hause so wichtig, so wie das Postfach für Vorschläge aus der Praxis: buerokratieabbau_landwirtschaft@mllev.landsh.de

Wie weit ist die Entwicklung eines Datenportals?

Wir sind mit der Staatskanzlei und dem Bauernverband im Gespräch, wie wir damit beispielsweise Antragstellungen erleichtern können. Es ist total verständlich, dass nicht jeder Betrieb die gleichen Daten mehrfach eingeben möchte. Ich hoffe, dass wir zu einer guten Lösung kommen werden. Das ist aber kein Projekt, das wir kurzfristig umsetzen können. Wir sind in der Prüfungs- und Konzeptionsphase, die noch bis Herbst dieses Jahres geht.

Wie bewerten Sie die Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Schleswig-Holstein?

Klar ist, dass wir Energiewendeland Nummer eins sind. Wir sind deutschlandweit führend und wollen das auch bleiben. Das ist ein geeintes Ziel in der Koalition. Gerade in der aktuellen weltpolitischen Lage müssen wir unabhängiger werden von Importen – auch bei Energie. Der Ausbau von Windkraftanlagen etwa hat viele finanzielle Mittel in die ländlichen Räume gebracht und eine wirtschaftliche Situation hergestellt, die es so vorher nicht gab. Für die Entwicklung des ländlichen Raums und die Diversifizierung von landwirtschaftlichen Betrieben ist der Ausbau von Erneuerbaren wahnsinnig wichtig. Ich halte auch Biogasanlagen in diesem Gesamtkompendium von Erneuerbaren Energien immer noch für eine zentrale Säule. Es wird ohne Biogasanlagen nicht gehen, und ich werde mich immer dafür einsetzen, dass diese Technik langfristig Perspektive hat.

Wie ist Ihre Strategie, den ländlichen Raum Schleswig-Holsteins stark zu halten, auch mit Blick auf die wahrscheinlich knapperen Mittel, die im Rahmen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik ab 2028 zur Verfügung stehen?

Der Mehrjährige EU-Finanzrahmen ist für die Ausgestaltung und Entwicklung der ländlichen Räume besonders wichtig, und deswegen sehe ich den aktuellen Entwurf, wie er von der EU-Kommission vorgelegt wurde, durchaus kritisch. Die mündliche Zusage, dass 10 % des Budgets an den ländlichen Raum gehen, ist ein erster Etappensieg gewesen. Das Ziel bleibt schließlich, gleichwertige Lebensverhältnisse hinzubekommen.

Planen Sie Änderungen der grundsätzlichen Förderstruktur?

Die AktivRegionen haben sich bewährt, weil es ein großartiger Bottom-up-Ansatz ist. Menschen vor Ort, die die Region kennen, entwickeln die Region ehrenamtlich mit Hauptamtlichen weiter. Die Menschen vor Ort können somit selbst gestalten, was sie für ihre Region gut finden. Dieses System ist auch aus Demokratie-Perspektive wichtig. Daher setze ich mich dafür ein, dass die EU-Gelder unmittelbar in die Regionen fließen.

Die EU-Kommission plant, im Rahmen der zukünftigen Agrarförderung Degression und Kappung einzuführen. Wie steht Schleswig-Holstein dazu?

Im Moment hält die EU noch an Kappung und Degression fest. Wir machen allerdings sehr deutlich, dass wir das anders sehen. Die Umweltleistungen werden schließlich nicht weniger, je größer ein Betrieb ist. Wir versuchen, die Kommission davon zu überzeugen, dass das nicht der richtige Weg ist. Einfluss nehmen wir beispielsweise über die Agrarministerkonferenz sowie im direkten Austausch mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) und EU-Agrarkommissar Christophe Hansen.

Welche europapolitischen Themen beschäftigen Sie neben der Förderpolitik?

Hervorheben möchte ich die Zusammenarbeit mit unserer Partnerschaftsregion Cherson in der Ukraine. Hier hatten wir kürzlich einen zweitägigen Austausch.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in der Verbraucherschutzpolitik?

Im Verbraucherschutz haben wir die Katzenschutzverordnung auf den Weg gebracht. Derzeit läuft die Verbändeanhörung. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass Energy-Drinks nicht mehr an Jugendliche unter 16 Jahren verkauft werden.

Worauf freuen Sie sich in den nächsten Monaten, und ab wann, glauben Sie, müssen Sie mit Blick auf die Landtagswahl 2027 in Richtung Wahlkampf umschwenken?

Ich glaube, dass wir in diesem Jahr noch in Ruhe regieren können. Diese Zeit möchte ich nutzen. Dadurch, dass ich insgesamt nur anderthalb Jahre Zeit in dieser Legislaturperiode habe, möchte ich so viel wie möglich umsetzen. Ich freue mich auf die kommenden Gespräche und darauf, dass wir hoffentlich gemeinsam viel Positives für die Landwirtschaft, den ländlichen Raum, Europa und den Verbraucherschutz umsetzen können.

Am 12. November 2025 erhielt Cornelia Schmachtenberg ihre Ernennungsurkunde von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Fotos: rq

VR Classics: Schauwettbewerb der Reitvereine

0

Im Rahmen der VR Classics in Neumünster fand auch wieder der Schauwettbewerb der Reitvereine statt. Der Sieg ging in diesem Jahr an den Ponyhof Johannsen, der die Jury mit einer Geisterjagd in den Holstenhallen begeisterte.

Seit 1994 ist der Schauwettbewerb der Reitvereine am Donnerstag ein Highlight der VR Classics. Der Publikumsliebling hat in den vergangenen 30 Jahren bereits mit 84 Showteams und 189 verschiedenen Schaubildern begeistert und dabei mehrere Dezibelrekorde gebrochen. Was war da nicht alles dabei: Clownfische und Indianer, Maiskolben, Toreros und Piraten. Der Kreativität der Vereine, Gemeinschaften, Pferde- und Ponyfreunde werden keine Grenzen gesetzt. Limitiert ist nur die Zeit: 6,5 min darf ein Schaubild maximal dauern.

Im vergangenen Jahr waren acht Vereine angetreten. „Das war wegen des Jubiläumsjahres. In diesem Jahr waren im Wettbewerb nur vier dabei“, erklärt Susanne Sager. Sie hat den Schauwettkampf damals initiiert und organisiert ihn bis heute. „Es war wieder eine super Stimmung, und alle hatten viel Spaß“, resümiert sie zufrieden und freut sich über die unterschiedlichen Bilder.

Es sei auch alles gut abgelaufen, allerdings hätten die Breitenburger auf ihre Pferde verzichten müssen, da wegen des winterlichen Wetters in den vergangenen Wochen kein Training möglich gewesen sei. „Die hatten dann ein Holzpferd mit Unterbau dabei, das im Kreis fuhr, und haben darauf voltigiert. Das war eine Megaidee“, berichtet sie. Die Gruppe aus Breitenburg, Kreis Steinburg, wurde von der Jury auf Platz drei gesetzt.

Bunt besetzte Jury

„Für die Jury ist mir immer eine Mischung von verschiedensten Menschen wichtig. Sie sollen beurteilen können, dass alles pferdegerecht abläuft, den Aufwand einschätzen können, aber auch von unterschiedlichen Perspektiven aus auf die Darbietung schauen“, erklärt Sager. In diesem Jahr waren unter anderem die Stadtpräsidentin von Neumünster, Anna-Katharina Schättiger, die Bundesjugendwartin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Heidi van Thiel, Anna Wiatrok für den Sponsor Volksbanken Raiffeisenbanken und der international erfolgreiche Reiter Markus Renzel dabei.

Sie und der Rest der Jury entschieden sich für den Ponyhof Johannsen als Sieger. Vor zwei Jahren hatte das Team um Claudia Stroth und Anne Tiedtke schon einmal den Wettbewerb gewonnen. Sucht man den Stall im Internet, wird man nicht fündig, denn den Ponyhof Johannsen gibt es so gar nicht. Es ist ein privater Reitstall in Katenstedt, Kreis Rendsburg-Eckernförde, und gehört Familie Johannsen, die ihn liebevoll „unseren Ponyhof“ nennt. Stroth und Tiedtke haben dort ihre Pferde zu stehen.

Zum vierten Mal haben sie alle ihre Freunde und Bekannten aktiviert, um ein Schaubild zusammenzubekommen. Sie alle dürfen bei Familie Johannsen in der 60 m langen Reithalle trainieren. „Unsere Schaubilder sind immer in verschiedene Szenen unterteilt, sodass die Leute auch allein proben können“, berichtet Stroth. Erst in den Holstenhallen sind sie dann alle zusammen. „Wir machen vorher nur eine Fußprobe in Neumünster. Dafür suchen wir uns eine ruhige Ecke.“ Besonders wichtig sei es, genau zu besprechen, wer wann in die Halle gehe oder wieder hinaus, denn das Tor sei das Nadelöhr. „Da schwitzen wir immer am meisten“, sagt Stroth. Zum Glück ist auch in diesem Jahr wieder alles gut gegangen.

Viel Aufwand, viel Spaß

Nach dem diesjährigen Erfolg wollen die beiden Organisatorinnen sich erst einmal ausruhen. „Jedes Mal nach der Schau sind wir uns sicher, dass wir im nächsten Jahr im Publikum sitzen und nur zuschauen“, lacht Stroth. Doch dann habe eine von ihnen eine Idee, und sie seien doch wieder dabei.

Die Motivation, an dem Wettbewerb teilzunehmen, sei ursprünglich aus einem alten Traum entstanden. „Wir wollten so gern mal in den Holstenhallen reiten“, verrät Stroth. Deshalb lassen es sich die beiden auch nicht nehmen, selbst im Bild mitzuwirken. Tiedtkes Pferd ist immer in der Springquadrille dabei, Stroth mit ihrem Trakehner Schecken in einer Zirkusszene. „Das ist einfach ein tolles Gefühl, in der Halle zu sein“, finden beide. Nun wird erst einmal aufgeräumt und der Erfolg verdaut.

Beim Publikum kamen übrigens die viertplatzierten „Jungs aufs Pferd“ am besten an. Ihr Thema war „Traum von Olympia“. Dafür hatten sie mehrere Olympiareiter mit in die Bahn geholt: Uwe Sauer (Dressur), Karsten Huck (Springen), Hinrich Romeike und Dirk Schrade (beide Vielseitigkeit). Anschaulich demonstrierten sie den Weg vom Führzügelwettbewerb bis nach ganz oben. Zur Unterstützung hatten sie auch Matthies Rüder dabei, der schon an mehreren Nachwuchseuropameisterschaften teilgenommen hat. „Das war sicher das sportlich ambitionierteste Bild“, meint Sager. „Jungs aufs Pferd“ feierte mit dem Publikumspreis auch den 20. Geburtstag.

Die „Jungs aufs Pferd“ gibt es schon seit 20 Jahren. Sie krönten ihr Jubiläum mit dem Publikumspreis. Foto: Thomas Hellmann

Sager selbst gefiel auch der zweitplatzierte Beitrag sehr gut. Die Ponyreitschule im Reitstall Oelixdorf, Kreis Steinburg, führte mit Unterstützung des Haflinger Freundeskreises „Bibi Blocksberg, Hexenkraft in Gefahr“ auf. Es war das bunteste Bild mit den meisten Kindern: 65 Zweibeiner sowie 31 Ponys und Pferde waren dabei.

Beetumrandungen

0

Beeteinfassungen trennen Wege, Einfahrten, Pflasterflächen und Rasen von Rabatten ab. Je nach Art der Gestaltung setzen sie entweder klare Grenzen oder sorgen für sanfte Übergänge. Als Materialien kommen Stein, Metall, Holz, Weide oder auch Pflanzen infrage.

Pflastersteine aus Basalt eignen sich prima zur Beetumrandung. Foto: Karin Stern

Mit dem gewählten Werkstoff entstehen ganz unterschiedliche Eindrücke. Optisch sollte das Material zum Stil des Gartens und der Bepflanzung passen. Eine Einfassung aus Feldsteinen oder Baumstämmen fügt sich prima in den naturnah gestalteten Garten ein. Zu exklusiven Edelrosen passt eine Umrandung aus edlem Granit oder auch Sandstein. Dezent und doch wirkungsvoll kommt eine Einfassung aus Cortenstahl daher. Sie harmoniert nicht nur gut im modern gestalteten Garten, sondern gefällt auch zu Steppenbeeten. Natürliches Flair verbreiten lebende Beeteinfassungen aus verschiedensten Stauden und Gehölzen. Als Kriterien gelten hier vor allem ein kompakter, horstartiger Wuchs ohne Ausläuferbildung und gute Schnittverträglichkeit. Im ländlichen Garten fügen sich Beetabtrennungen aus Weide oder Hasel gut ein. Solche Abgrenzungen werden als Fertigelemente angeboten, können aber auch aus Zweigen selbst geflochten werden. Allerdings sind sie nicht so lange haltbar, da sie durch die Witterung spröde werden. In den Boden gesteckt, faulen sie sogar innerhalb weniger Jahre. Eine wichtige Rolle für die Materialauswahl spielt zudem der praktische Nutzen. Bei Abtrennungen aus Weidengeflecht kann es schon einmal passieren, dass eine Staude aus dem Beet herauswächst oder umgekehrt der Rasen sich in die Rabatte ausbreitet.

Weidengeflecht trennt das Beet vom Weg ab. Die Basaltsteine verhindern, dass der Kies ins Beet gerät. Foto: Karin Stern
Schräg eingebaute Klinkersteine ergeben eine gezackte Kante. Foto: Karin Stern
Weidenruten fallen alljährlich wieder beim Baumschnitt an. Foto: Karin Stern
Aufgeschichtete Feldsteine verbreiten ein natürliches Flair. Foto: Karin Stern
Baumstämme vermodern zwar im Laufe der Zeit, passen aber optisch prima auf große Grundstücke. Foto: Karin Stern


Alte Ziegel in der Doppelreihe finden hier eine Wiederverwendung als Beetumrandung. Foto: Karin Stern

Einfassungen aus Stein sind langlebig und pflegeleicht. Ob Granit, Basalt oder Sandstein – im Baumarkt findet sich eine breite Auswahl an Formen und Größen von schmalen Platten über Mähkanten bis hin zu Steinpalisaden. Diese eignen sich besonders zum Ausgleichen von Höhenunterschieden. Ansprechend wirken auch gebrannte rote Klinkersteine als Einfassung. Sie können entweder flach verlegt oder schräg stehend in den Boden eingebettet werden. Auf diese Weise entsteht eine dekorative Zickzack-Kante. Als Alternative zu Naturstein bietet der Baustoffhandel Betonsteine in verschiedenen Farbtönen an. Tipp: Je nach Geländeform oder Beanspruchung des Weges kann das Verlegen der Randsteine in ein Betonfundament sinnvoll sein.

Neben Weidengeflechten fügen sich auch hölzerne Beetumrandungen prima in naturnah gestaltete Gärten ein. Die Möglichkeiten reichen von unbehandelten Eichenbalken über Lärchenrundhölzer und Minipalisaden bis hin zum Roll-Board aus druckimprägnierter Kiefer und dem Bambus-Fertigelement. Doch Vorsicht, zu dünne Rundhölzer wirken schnell verloren. Andererseits hinterlassen zu dicke Exemplare einen schwerfälligen Eindruck. Für die optimale Wirkung achtet man auf das harmonische Verhältnis von Abtrennung und Größe der einzugrenzenden Fläche. Als Faustregel gilt für waagerecht verlegte Hölzer ein Durchmesser von 15 bis 20 cm und für senkrecht eingearbeitete Rundhölzer ein Durchmesser von 12 bis 15 cm als ideal. Eindrucksvoll kommt eine Beeteinfassung aus Kanthölzern daher. Sie lassen sich in Stärke und Höhe ganz einfach an die Beetgröße anpassen. Tipp: Außer als bündiger Rand lassen sich die Holzstücke auch mit ganz unterschiedlichen Höhen einbauen. Diese individuelle Variante zieht den Blick auf sich. Um Verfallserscheinungen so lange wie möglich aufzuhalten, verwendet man am besten Harthölzer wie Lärche, Eiche, Douglasie oder Robinie. Fichte lässt sich zwar leicht verarbeiten und ist recht günstig, allerdings auch bei Bodenkontakt nicht sehr haltbar.

Eibe ,Renkes Kleiner Grüner‘ ist ein toller Ersatz für Einfassungshecken aus Buchsbaum. Foto: Karin Stern

Einfassungen aus Stauden und Gehölzen müssen durch regelmäßigen Schnitt in Form gehalten werden. Vorteilhaft ist jedoch, dass sie ein Beet sanft und ohne harte Kante auslaufen lassen. Wichtige Kriterien für die Auswahl sind der kompakte, horstartige Wuchs, gute Schnittverträglichkeit und die fehlende Neigung zur Ausläuferbildung. Wer auch im Winter etwas von seiner Wegbegrenzung sehen möchte, pflanzt Immergrüne wie die schwach wachsende Zwerg-Eibe ‚Renkes Kleiner Grüner‘ (Taxus baccata), den Kleinblättrigen Rhododendron ‚Bloombux‘ (Rhododendron micranthum) oder die Japanische Stechpalme ‚Dark Green‘ (Ilex crenata). Buchsbaumzünsler und Buchsbaum-Triebsterben verderben inzwischen vielen Gärtnern die Freude an dieser an sich optimalen Einfassungspflanze.

In den vergangenen Jahren erfreuen sich Beetabtrennungen aus Cortenstahl größerer Beliebtheit. Dabei handelt es sich um einen witterungsbeständigen Baustahl, der nach kurzer Zeit oberflächlich rostet und eine korrosionsbeständige Sperrschicht bildet. Sie schützt die Abtrennung langfristig vor Verwitterung. Dieses Material wird vor allem von Liebhabern antiker Rost-Optik geschätzt. Stählerne Abtrennungen lassen sich mit wenig Aufwand in den Boden einschlagen und eignen sich zur Abgrenzung von Wegen und Beeten gleichermaßen. Die Elemente werden in verschiedenen Höhen und Längen angeboten. Tipp: Manchmal bekommt man auf dem Schrottplatz Bandstahl für wenig Geld – ein toller Ersatz für Cortenstahl.

Abtrennungen aus Cortenstahl passen gut zu modern gestalteten Beeten. Foto: Karin Stern

Preise erneut stark gefallen

0

Die Milchanlieferung in Deutschland ist trotz der kalten Witterung nach wie vor leicht steigend und bewegt sich weiterhin deutlich über dem Niveau der Vorjahre. Der Vorsprung zur Vorjahreslinie hat sich im Vergleich zum letzten Bericht vor einem Monat wieder erhöht und liegt nun bei gut 6 %.

Die Milchpreise für den Abrechnungsmonat Januar sind daher auch noch deutlicher gefallen als in den Monaten davor. Die Meiereien haben ihren Grundpreis um 1,25 bis 10 ct reduziert. Der Durchschnittspreis liegt nun bei nur noch 33,96 ct/kg und damit um 4,94 ct unter dem Vormonatsniveau. Die Spanne bewegt sich zwischen 25,20 und 40,00 ct/ kg und klafft damit hierzulande extrem weit auseinander. In Süddeutschland werden zwischen 37,50 und 45,56 ct/kg gezahlt. In Ostdeutschland liegt der Auszahlungsgrundpreis zwischen 34,00 und 38,19 ct/ kg. Bei den westdeutschen Meiereien reicht die Spanne von 33,68 bis 39,00 ct/kg.

Steile Rallye für Magermilchpulver

Beim Blick auf die einzelnen Teilmärkte stechen zwei Bereiche deutlich hervor. Dies ist zum einen der Fettmarkt. Hier kommen positive Impulse aus dem Industrierahm-, also Sahne-Bereich. Dieser Rohstoff ist weiterhin gesucht, vor allem von Händlern, die sich für den vorderen Bedarf noch nicht mit ausreichenden Mengen versorgt hatten. Gleichzeitig ist die Verfügbarkeit etwas zurückgegangen. Der Butterbereich wird davon auch beeinflusst, dies zeigt sich bisher allerdings nur in steigenden Notierungen für Blockbutter. Die abgepackte Butter verharrt nach wie vor auf ihren Tiefstständen. Zum anderen sticht aktuell der Pulverbereich deutlich hervor. Magermilchpulver sowohl in Futtermittel- als auch in Lebensmittelqualität hat schon fast wieder das Niveau vor dem Preisverfall erreicht. Hier spielt besonders die große Nachfrage auf dem Weltmarkt den Vermarktern in die Karten. Auch Vollmilchpulver profitiert davon, hat sich aber noch nicht in dem Umfang erholt wie das Magermilchpulver. Allerdings besteht hier aktuell ein deutlich gesteigertes Interesse seitens der Schokoladenindustrie. Hier kurbeln gesunkene Kakaopreise die Produktion an. Für Süßmolkenpulver werden sogar neue Höchststände erreicht. Auch Molkenkonzentrat erweist sich aktuell als ein sehr lukratives Geschäft. Lediglich der Käse-Bereich liegt preislich immer noch regungslos am Boden, obwohl die Lagerbestände sehr klein, also jung sind und die Nachfrage als sehr gut bezeichnet wird. Auf dem Rohstoff-Spotmarkt verzeichnet neben dem bereits angesprochenen Industrierahm auch Magermilchkonzentrat einen deutlichen Anstieg. Hier hat sich inzwischen wieder ein hohes Preisniveau etabliert. Rohmilch wird hier aktuell mit 21 ct/kg gehandelt, das ist wieder ein leichter Rückgang zur Vorwoche.

Wie geht es weiter?

Aufgrund des zeitlichen Verzugs des Milchpreises gegenüber den Marktgegebenheiten dürften die Milchauszahlungspreise für den Monat Februar noch unter denen des Januars liegen. Doch spätestens dann dürften die positiven Signale des Milchmarktes zumindest zu einer Bodenbildung des Milchpreises führen. Wann es dann wieder zu einem Anstieg kommt, hängt nahezu ausschließlich an der angelieferten Milchmenge. Alle anderen Marktparameter sprechen bereits für steigende Erzeugerpreise. So sind etwa die Lagerbestände in allen Teilbereichen sehr klein und die Verbrauchernachfrage ungebrochen hoch. Auch der Weltmarkt sendet deutlich positive Signale. Die Global Dairy Trade in Neuseeland schloss mit +3,6 % im Gesamtindex erneut positiv. Besonders Butter konnte mit +10,7 % sehr deutliche Zugewinne verbuchen. Aber trotz aller positiven Signale: Erst mit einer deutlich fallenden Milchmenge kommt die Erzeugerseite wieder ans Steuer.

Alternative Antriebe: Zwischen Drang und Zwang

0

Mehr Unabhängigkeit von schwankenden Energiepreisen und weniger fossile Importe, autarke Energiekreisläufe auf dem Betrieb und reduzierte CO2-Emissionen. Dazu eine mögliche Weiterbetriebsperspektive für Biogasanlagen nach Auslaufen der EEG-Vergütung oder schlicht die Motivation, bestehende Prozesse weiterzuentwickeln. Die Gründe, auch in der Landtechnik auf dem eigenen Hof auf alternative Antriebe und selbst erzeugte Energien zu setzen, sind vielfältig. Die Branche kann dabei mit einem entscheidenden Pfund wuchern, indem sie die benötigten Rohstoffe und Energien selbst erzeugen und in regionalen Wertschöpfungsketten nutzen kann.

So lag die Importabhängigkeit der Bundesrepublik beim Rohstoff Erdöl, aus dem unter anderem Diesel raffiniert wird, laut Statista-Zahlen im Jahr 2024 bei 98 %. Rund 2,1 Mrd. l Diesel sind es, die in der deutschen Landwirtschaft jährlich verbraucht werden und die für 9 % der Treibhausgas-Emissionen des Sektors verantwortlich sind, wie das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe Straubing errechnete. Dem Statistischen Bundesamt zufolge gab die Bundesrepublik 2024 allein für den Import von Rohöl rund 44,72 Mrd. € aus. Das Geld hat vor allem eine bemerkenswerte Eigenschaft: Es fließt aus Deutschland ab. 

Dabei ist die Bereitschaft zur Umstellung auf alternative Antriebe keine Randerscheinung besonders idealistischer Betriebsleiter, sondern auf einem großen Teil der Höfe vorhanden. Dies zeigt eine Umfrage des Verbundprojekts „TrAkzeptanz“. Damit die viel beschriebene Innovationskraft aus der Landwirtschaft heraus in dieser Sache kein Lippenbekenntnis bleibt, gilt es, schrittweise in die Umsetzung zu kommen. Für leistungsintensive Tätigkeiten bei der Bodenbearbeitung oder im Transport wird auch weiterhin so schnell kein Weg an Kraftstoffen mit hoher Energiedichte vorbeiführen. Allerdings gibt es Anwendungsbereiche mit leichtem und mittelschwerem Leistungsbedarf, in denen etwa elektrische Alternativen eine Option sein können (siehe Beitrag „Am Diesel führt oft ein Weg vorbei“). So sind manche Emissionen unvermeidbar, wieder andere hingegen schon – hier kann die Branche vorangehen und Druck aus dem CO2-Kessel nehmen.

In Schleswig-Holstein nutzen Betriebe selbst erzeugten Photovoltaikstrom für elektrisch angetriebene Hoflader, Futtermischwagen oder Spaltenschieber (siehe Bauernblatt, Sonderheft Erneuerbare Energien Juli 2025). Aufbereitetes Biogas kommt in mittelschweren Schleppern oder Lkw zum Einsatz und ersetzt dort nicht unerhebliche Mengen an Diesel. Außer der eigenen Nutzung ist zudem der Verkauf an andere Betriebe via Tankstelle oder Lieferung denkbar. Auch autonom fahrende, solarbetriebene Feldroboter können Baustein einer postfossilen Landwirtschaft sein (siehe Bauernblatt 51/2025).

Doch solange Landtechnikhersteller ein breites Portfolio an nutzbaren Alternativen aufgrund fehlender politischer Planungs- und Rechtssicherheit vermissen lassen, ein stützendes Händlernetz fehlt und die „richtige“ Felgenfarbe noch immer eine zu große Rolle spielt, werden Maschinen mit alternativen Antrieben weiter ein misstrauisch beäugtes Dasein in der Nische fristen.

Über allem stehen bei einem Umstieg der Faktor der Zuverlässigkeit im betrieblichen Einsatz und die langfristige Planbarkeit in der Finanzierung. Trotz aller Fragezeichen gibt es handfeste Gründe, sich rechtzeitig mit tauglichen Alternativen zum Diesel zu beschäftigen und mit den veränderten Anforderungen Schritt zu halten. Der Druck aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft auf die Energie- und CO2-Kosten wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen.

Am Diesel führt oft ein Weg vorbei

Wie Antriebstechnologien jenseits des Diesels und die landwirt­schaftliche Produktion zusammenpassen und welche Lösungen es schon heute für die Praxis gibt, stand im Mittelpunkt der Tagung „Zukunft bewegen – Alternative Antriebe für eine nachhaltige Landwirtschaft“ des Kompetenzzentrums klimaeffiziente Land­wirtschaft. Rund 100 Gäste kamen dazu in der vorigen Woche in das Bildungszentrum der Deula nach Rendsburg.

Die Frage einer klimafreundlicheren und zugleich wirtschaftlich tragfähigen Ausgestaltung der Landwirtschaft beschäftige die Branche tagtäglich, erklärte Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU). Dies betreffe nicht nur den Klimaschutz, sondern auch Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Perspektiven für den ländlichen Raum. Während andere Wirtschaftsbereiche Prozesse zunehmend dekarbonisierten, seien bestimmte Emissionen der Landwirtschaft unvermeidbar. Ein besonderer Ansatzpunkt, Emissionen zu reduzieren, sei der Ministerin zufolge der Bereich von Energie und Technik. „Elf Prozent der Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft sind auf stationären oder mobilen Energieverbrauch zurückzuführen“, erklärte Schmachtenberg. Alternative Antriebe müssten jedoch wirtschaftlich, praxistauglich und mit einer verlässlichen Infrastruktur versehen sein. Sie gab zu bedenken, dass besonders in Lohnunternehmen teilweise Millionenbeträge investiert würden: „Sie müssen heute Entscheidungen für die Zukunft treffen.“ Betriebe und Aufgaben seien zudem vielfältig, weshalb es unterschiedliche Lösungen brauche.

Obere Reihe (v. li.): Cornelia Schmachtenberg, Bernhard Osterburg und Dr. Edgar Remmele; Untere Reihe (v. li.): Prof. Maximilian Schüler, Oliver Müller und Kevin Mischker. Fotos: jh

Alternativen selbst produzieren

Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten sieht die Ministerin die Politik in der Verantwortung, die Branche bei der Transformation zu begleiten. Schmachtenberg verwies auf ein angekündigtes Programm zur Förderung Alternativer Antriebssysteme bei Landmaschinen des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Auch das Bundesverkehrsministerium habe kürzlich einen Förderaufruf für den Aufbau eines initialen Netzes zur Betankung schwerer Nutzfahrzeuge mit Wasserstoff veröffentlicht. „Die Alternativen zu fossilen Energieträgern können in der Landwirtschaft direkt produziert werden“, so Schmachtenberg. Dieses Alleinstellungsmerkmal sollte ins Auge gefasst werden. „Biogas und Photovoltaik sind Alltag auf landwirtschaftlichen Betrieben“, sagte die Ministerin.

Liefern, was der Sektor hergibt

Zur Entwicklung des Klimaschutzes in der Landwirtschaft erklärte Bernhard Osterburg vom Thünen-Institut, dass die Landwirtschaft als verursachender, aber auch betroffener Sektor vor allem durch die Bindung von Kohlenstoff Teil der Lösung sein könne. So entfielen auf den Sektor Landwirtschaft inklusive Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (Lulucf) im Jahr 2023 THG-Emissionen in Höhe von 108,6 Mio. t CO2-Äq, was 14,7 % der deutschen Gesamtemissionen entspreche. Der Agraringenieur verdeutlichte jedoch auch, dass man Klimaschutz nicht allein in Deutschland organisieren könne. Zwar unterschreite die hiesige Landwirtschaft ihre Ziele nach Bundesklimaschutzgesetz, doch habe sie in den vergangenen Jahren „stark von den Credits gezehrt, die in den ersten Jahren aufgebaut“ worden seien. Die Frage laute daher, wie es künftig weitergehe. „Es ist eminent wichtig, jetzt die Dinge zu tun, die ab 2030 wichtig werden. Alle Sektoren sollten liefern, was sie können“, unterstrich Osterburg. Angesichts der Klimaschutzziele bis 2045 brauche es Maßnahmen wie die Umstellung des mobilen Kraftstoffeinsatzes auf Strom, Biodiesel und HVO. Der Weg einer höheren Bepreisung fossilen Diesels sei schmerzhaft, resümierte er, jedoch lasse sich diese durch Maßnahmen zu mehr Klimaschutz beantworten. „Ohne Rahmensetzung bekommen wir nicht genug Klimaschutz“, betonte Osterburg.

Knapp die Hälfte des Diesels elektrisch ersetzbar

Über den aktuellen Stand und Perspektiven zu alternativen Antrieben in der Landtechnik informierte Dr. Edgar Remmele, stellvertretender Leiter des Technologie- und Förderzentrums im Kompetenzzentrum Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) Straubing. Remmele zufolge ist die Elektrifizierung mobiler Maschinen im niedrigen und mittleren Leistungsbereich machbar und könne bis zu 1 Mrd. l von 2,1 Mrd. l in der deutschen Landwirtschaft verbrauchtem Diesel pro Jahr einsparen. Weiterhin notwendig seien dem Wissenschaftler zufolge auch Kraftstoffe mit hoher Energiedichte, denn Pflanzenölkraftstoffe und Biodiesel „sind verlässlich verfügbare und gut geeignete Energieträger für den mittleren und hohen Leistungsbereich“. Paraffinische Kraftstoffe, zu denen auch HVO zählt, seien gut geeignete, wenn auch teure Energieträger. Besonders bei einer nah gelegenen Biomethananlage beziehungsweise -tankstelle könne Methan aus Erneuerbaren Quellen eine sinnvolle Option sein. Wasserstoff hingegen ist aus Remmeles Sicht noch keine bevorzugte Variante. Die technisch möglichen Antriebsoptionen zwischen 2030 und 2045 für unterschiedliche Arbeitserfordernisse sind auf den Seiten des Kuratoriums für Technik undBauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) abrufbar unter https://t1p.de/bzuar

Bereitschaft zur Umstellung vorhanden

Eine im Rahmen des Verbundprojektes „Trakzeptanz“ unter 1.331 Befragten aus der Landwirtschaft durchgeführte Umfrage der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, davon 70 % Betriebsleiter, zeigte eine hohe Bereitschaft zur Umstellung auf Erneuerbare Antriebsenergien. Die drei wichtigsten genannten Gründe für eine Umstellung waren dabei die größere Unabhängigkeit des Betriebes durch Eigenversorgung, der Faktor „besser für die Umwelt und den Klimaschutz“ sowie der Umstand, dass die Wertschöpfung in der Landwirtschaft bleibt. Die drei meistgenannten Gründe gegen eine Umstellung waren demnach die höheren Anschaffungskosten, eine geringere Einsatzzeit bis zur nächsten Betankung beziehungsweise Aufladung sowie das fehlende Angebot an Traktoren.

Große Zustimmung fand vor allem die Elektrifizierung von Traktoren auf dem Betrieb, gefolgt von Biodiesel, Pflanzenöl und HVO. Die Zustimmung zum Einsatz von Biomethan und Grünem Wasserstoff fiel dagegen etwas geringer aus. Remmele verdeutlichte die lange Dauer, die der Austausch der Fahrzeuge brauche: Bei jährlich etwa 25.000 neu zugelassenen Traktoren für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung in Deutschland könne der Bestand von rund 466.000 Fahrzeugen theoretisch in 18,6 Jahren ausgetauscht sein.

Bei der Umstellung auf Erneuerbare Kraftstoffe entstünden für die Landwirtschaft nicht nur Nachteile, wie Remmele unterstrich: „Man holt sich Wertschöpfung in die Landwirtschaft und hat sichere Energiepreise, wenn man selbst den Rohstoff herstellt und Verarbeiter ist.“ Wenn CO2 und damit der fossile Dieselkraftstoff teurer werde, während die Erneuerbaren von diesem CO2-Aufschlag ausgenommen seien, werde ihre Nutzung im Laufe der Zeit immer günstiger. „Wir müssen da einfach herangehen. Die Landwirtschaft muss sich trauen umzustellen.“

Rechnerisch genügend Erneuerbare vorhanden

Modellszenarien einer postfossilen Landwirtschaft stellte Prof. Maximilian Schüler von der Technischen Hochschule Lübeck vor. Zumindest rechnerisch seien dazu in Schleswig-Holstein genug Erneuerbare Energien vorhanden, doch bestehe die Herausforderung darin, „sie zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu bringen“ – und das zu den richtigen Kosten. In Summe brauche es rechnerisch 89 m2 Photovoltaikfläche pro Hektar, also weniger als 1 %, „um die Energie zu erzeugen, die wir heute als Diesel verbrennen“, rechnete Schüler vor. Diese Möglichkeiten passten zu den Potenzialen der Autonomisierung, Verkleinerung und Elektrifizierung. Dabei gehe es nicht darum, die Umstellung sofort zu vollziehen, aber die derzeitige Abhängigkeit von fossilen Ressourcen werde es „in 100 Jahren nicht mehr geben“, so Schüler.

Förderung durch die Rentenbank

Um dem Hemmnis höherer Anschaffungskosten von Traktoren mit alternativen Antrieben zu begegnen, stellte Oliver Müller von der Landwirtschaftlichen Rentenbank zu Beginn des zweiten Quartals 2026 ein Zeitfenster für eine darlehensbasierte Förderung in Aussicht. „Die Einführung alternativer Antriebstechnologien ist von vielen systemischen, aber auch betriebsindividuellen Faktoren abhängig“, so Müller. Im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums sei ein Anreizprogramm zur Investition in diese Technologien entstanden. Eine angekurbelte Nachfrage könne auch auf der Angebotsseite Anreize schaffen, so Müllers Einschätzung. Gefördert würden nicht nur landwirtschaftliche kleine und mittlere Unternehmen, sondern auch Lohnunternehmer, Maschinenringe und Betriebsgemeinschaften.

Jede vierte Biozwiebel autonom gehackt

Einen Baustein postfossiler Landwirtschaft kann etwa der Betrieb eines solarbetriebenen, autonomen Feldroboters darstellen. Kevin Mischker von der Firma Solar Energie Andresen aus Sprakebüll stellte hierzu den Feldroboter Farmdroid vor (siehe Bauernblatt 51/2025). „Es ist möglich, mit alternativen Antriebstechnologien wirtschaftlich zu sein“, so Mischker. Schon heute werde jede vierte in Deutschland gekaufte Biozwiebel mit dem Roboter gejätet.

Umrüstung in der Praxis und CO2-Preis

„Es geht!“, fasste Horst Seide aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg seine Erfahrungen in der Praxis voller Überzeugung zusammen. Der Landwirt und vormalige Präsident des Fachverbandes Biogas erwirtschaftet inzwischen 80 % seines Umsatzes mit Tankstellen beziehungsweise Erzeugung, Handel und Verkauf von Regenerativem Treibstoff. Als Betreiber von elf Bio-CNG-Tankstellen im Norden erklärte Seide, dass diese nach 15 Jahren inzwischen die „marktbeherrschende Stellung im Betrieb“ eingenommen hätten. Auf dem Hof kommen ein serienmäßiger New-Holland- und ein umgebauter John-Deere-Schlepper 7.250 R für den vollständigen oder teilweisen Betrieb mit CNG zum Einsatz. Auch ein umgebauter Teleskoplader oder der Betrieb der Beregnungen durch Gas sparten auf dem Betrieb erhebliche Mengen Diesel ein. „Je mehr wir THG-Bilanzen rechnen, desto interessanter wird die Technik. Treiber ist die CO2-Bepreisung eines Produktes“, schilderte Seide. 

Der Einladung des Kompetenzzentrums klimaeffiziente Landwirtschaft folgten rund 100 Besucher in das Bildungszentrum der Deula. Foto: jh

Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und Vorsitzende der Plattform Erneuerbare Antriebsenergien in der Land- und Forstwirtschaft, Klaus-Peter Lucht, verwies in der anschließenden Podiumsdiskussion auf die CO2-Einsparpotenziale der Branche. Grundvoraussetzung sei dabei jedoch die Wirtschaftlichkeit. Vor allem in der Tierhaltung gebe es seiner Einschätzung nach Möglichkeiten der Elektrifizierung von Maschinen. Schwankungen in der Politik, auch in Fragen der Besteuerung, seien beim Prozess der Transformation allerdings wenig hilfreich. Lucht verwies auf wachsende Betriebsgrößen und steigende Entfernungen zu den Flächen, hohe Maschinenpreise und Einsatzzeiten. Zudem werfe der Weg zu mehr Gaskraftwerken, wie von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) geplant, den ländlichen Raum zurück. „Es muss sich für uns rechnen, damit wir diesen Weg auch weitergehen können“, erklärte Lucht. 

Hans-Jürgen Kock, Präsident des Lohnunternehmerverbandes Schleswig-Holstein, sieht unter anderem Potenzial in einer Elektrifizierung im Leistungsbereich bis etwa 100 kW, betonte jedoch: „Wenn wir auf den großen Erntemaschinen eine Einsatzsicherheit haben wollen, sehe ich die Chance besonders zwischen Biodiesel und HVO100.“ Die gekauften Maschinen kämen bis zu 20 Jahre lang auf den Betrieben zum Einsatz, veranschaulichte Kock, weshalb es eine Technik brauche, die für verschiedene Baujahre gangbar sei. Tägliche Einsatzzeiten von „mal zehn, mal zwölf und auch mal 20 Stunden erfordern eine flexible Technik“. Zeit zum langen Laden, Tanken oder Umbauen gebe es oft nicht: „Wenn die Arbeit da ist, muss sie gemacht werden“, sagte Kock.


Ein Hörfunkbeitrag zur Veranstaltung ist im „Deutschlandfunk“ erschienen: https://www.deutschlandfunk.de/alternative-antriebe-in-der-landwirtschaft-100.html

Klimaschutz: Berlin füllt Pflichtenheft der Landwirtschaft

Die Bundesregierung treibt die Arbeit an einem neuen Klimaschutzprogramm voran. Wie aus einem vorab bekannt gewordenen Entwurf hervorgeht, ist für die Landwirtschaft eine Senkung der Treibhausgas (THG)-Emissionen aus der Tierhaltung und aus landwirtschaftlichen Böden vorgesehen. Eine zentrale Rolle soll zudem der verstärkten Nutzung Erneuerbarer Energien zukommen.

Laut dem Entwurf des Bundesumweltministeriums (BMUKN) sollen konkret unter anderem die Emissionen aus Wirtschaftsdüngern vorrangig mit einer zielgerichteten Investitionsförderung gesenkt, ein Methanmessprogramm in der Rinderhaltung aufgebaut und einzelbetriebliche Klimabilanzen harmonisiert werden. Auch die pflanzliche Ernährung soll gestärkt werden, genauso wie Biokraftstoffe.

Während die Landwirtschaft laut dem Klimaschutzprogramm auch 2024 mit 61 Mio. t CO2-Äq unterhalb ihrer festgelegten Jahresemissionsmenge von 67 Mio. t CO2-Äq verblieben ist und bis 2030 weiter kein Sorgenkind sein soll, wird die Lage danach anders beurteilt. „Mit Blick auf die aktuellen Projektionsdaten wird deutlich, dass der Landwirtschaftssektor ab 2030 seine THG-Minderungsdynamik steigern muss, um einen angemessenen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele zu leisten“, heißt es im Entwurf. Dennoch erkennt die Bundesregierung an, dass viele der THG-Emissionen der Branche prozessbedingt und daher – anders als in den Energie erzeugenden und verbrauchenden Sektoren – nicht vollständig vermeidbar sind.

Bereits jetzt ist jedoch der Bereich Landnutzung, Landnutzungs­änderung und Forstwirtschaft ­(Lulucf) nicht auf dem Zielpfad: Nach den Ergebnissen der Treibhausgasprojektionen werden die Ziele für diesen Sektor im Jahr 2030 voraussichtlich nicht erreicht. Hier setzt das BMUKN im Entwurf auf die Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz. So sollen unter anderem die Klimaresilienz der Wälder gesteigert oder entwässerte Moorböden wiedervernässt werden.

Rolle der Landwirtschaft stärker berücksichtigen

Der Deutsche Bauernverband forderte, dass der Klimaschutzplan die Sonderrolle der Landwirtschaft in der Ernährungssicherung und als Teil der Lösung stärker herausstellen müsse. Laut DBV-Generalsekretärin Stefanie Sabet dürften Klimaschutzmaßnahmen der Zukunft „kein Showstopper bei der Wettbewerbsfähigkeit sein oder auf Bestandsreduktion oder Produktivitätsverlust abzielen“. Die geplante Investitionsförderung für Technik oder Maßnahmen zur Umstellung auf Biokraftstoffe finden Anklang beim DBV. Die Zielpfade bei den Kohlenstoffsenken sieht der Verband hingegen kritisch. Hier sei ein produktionsorientierter Ansatz weiterhin nur schwer erkennbar.

Die Familienbetriebe Land und Forst hingegen kritisieren die im Entwurf enthaltene Verordnungsermächtigung zur Anpassung der Waldbewirtschaftung bei Zielverfehlungen. „Hier wird versucht, die gescheiterte Novelle des Bundeswaldgesetzes durch die Hintertür wieder ins Spiel zu bringen“, erklärte der Vorsitzende des Verbandes, Max von Elverfeldt. Die Branchenorganisation wertet dies als massiven Eingriff in das Eigentum und die Bewirtschaftung privater Wälder und fordert, die Passage zu streichen.

Bundesregierung zum Handeln verpflichtet

Das Klimaschutzprogramm soll darlegen, wie die Bundesregierung ihre Klimaziele erreichen will. Zuletzt hatte das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) am 29. Januar entschieden, dass das aktuelle Klimaschutzprogramm 2023 ergänzender Maßnahmen bedürfe, um das nationale Klimaziel einer Senkung der Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um mindestens 65 % bis 2030 zu erreichen. Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die zuvor bereits vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg recht bekommen hatte.

Unabhängig vom BVerwG-Urteil muss die Bundesregierung laut § 9 Absatz 1 Satz 1 Bundes-Klimaschutzgesetz spätestens zwölf Kalendermonate nach Beginn einer Legislaturperiode ein Klimaschutzprogramm beschließen. Da der 21. Deutsche Bundestag sich am 25. März 2025  konstituierte, ist die Frist dafür also bald erreicht. Die DUH kündigte bereits im Januar an, von ihrem Klagerecht Gebrauch zu machen, sollte die Bundesregierung ein ausreichendes Klimaschutzprogramm nicht rechtzeitig beschließen.

Impulse für die Landjugendarbeit

0

Drei Tage lang, vom 11. bis 13. Februar, trafen sich die Bundesjugendreferenten der Landjugendverbände zum jährlichen Koordinierungstreffen im Tagungskloster am Frauenberg in Fulda. Für den Landjugendverband Schleswig-Holstein (LJV) nahm Bundesjugendreferent Thore Groth teil. Ziele des Treffens sind der fachliche Austausch, die gemeinsame Fortbildung und die Weiterentwicklung der Landjugendarbeit auf Bundes- und Landesebene.

Die Anreise nach Fulda verlief in diesem Jahr überraschend reibungslos, was in der Vergangenheit nicht immer selbstverständlich war. Nach gut sechseinhalb Stunden erreichte Thore die neuntgrößte Stadt Hessens, die mit ihren barocken Bauwerken und der Lage in der Rhön beeindruckt. Der anschließende Aufstieg zum über der Stadt thronenden Frauenberg war wie gewohnt schweißtreibend, bot aber zugleich eine eindrucksvolle Kulisse für die Tagung.

Wie demokratische Beteiligung im ländlichen Raum gestärkt werden kann, war eines der Tagungsthemen. Foto: Thore Groth

Pünktlich zum Mittagessen im inklusiv geführten Klostercafé trafen nach und nach die Bundesjugendreferenten sowie Sandra Schlee, Referentin für Jugendpolitik und Bildung beim Bund der Deutschen Landjugend (BDL), ein. In lockerer Runde wurden dann erste Themen gesammelt, die in die Tagesordnung aufgenommen wurden. Diskutiert wurde unter anderem das neue Schutzkonzept des BDL, das derzeit finalisiert wird und bereits umfangreiches Feedback aus den Landesverbänden erhalten hat. Weitere Punkte waren das jugendpolitische Engagement am Beispiel des Arbeitskreises Jugendpolitik, der sich seit Jahren als Erfolgsformat etabliert hat, sowie der Umgang mit Diskriminierung, Rassismus und Rechtsextremismus in den Verbänden. Einigkeit bestand darin, dass die Landjugend offen für alle bleibt und sich klar gegen demokratie- und menschenfeindliche Strömungen positioniert.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf internationalen Austauschformaten, Fördermöglichkeiten und dem Umgang mit internationalen Austauschlandjugendlichen beim Deutschen Landjugendtag sowie deren Begleitung. Der erste Tag klang mit einem gemeinsamen Abendessen in einem indischen Restaurant in Fulda aus.

Der zweite Tag begann bei für das norddeutsche Gemüt fast frühlingshaft anmutenden Temperaturen mit einem Gruppenfoto, bevor Gabriele Rohmann vom Archiv der Jugendkulturen einen Workshop zu Jugendkulturen und Subkulturen leitete. Dabei ging es um Mediennutzung, das Auftreten politischer Gruppen in Sozialen Netzwerken und die Auseinandersetzung junger Menschen mit diesen Inhalten. Neben den vielfältigen Bildungsangeboten des Archivs, wie Graffiti-Workshops und Ausstellungen, standen auch interaktive Elemente auf dem Programm: Die Teilnehmenden analysierten Texte und Liedinhalte und ordneten diese politischen Strömungen zu. Der Tag endete mit einem Besuch der Fuldaer Innenstadt, einem Abendessen sowie einer optionalen Bierprobe in einem gemütlichen Wirtshaus.

Am Freitag stand der Austausch mit Prof. Marion Näser-Lather von der Universität Innsbruck im Mittelpunkt, die online zum Forschungsprojekt „YouReAct – Young People in Remote Regions“ berichtete. Das Projekt untersucht, wie sich soziales Engagement junger Menschen in politisches Engagement überführen lässt und wie demokratische Beteiligung im ländlichen Raum gestärkt werden kann. Feldstudien fanden auch in Schleswig-Holstein statt, unter anderem in Sörup, Dagebüll und Wyk auf Föhr. Erste Ergebnisse zeigen eine ausgeprägte regionale Identität und ein starkes Gemeinschaftsgefühl, gleichzeitig aber Herausforderungen bei Perspektiven und Beteiligungsmöglichkeiten. Auffällig ist die Lücke in der Altersgruppe junger Erwachsener, die für Ausbildung oder Studium wegziehen, aber oft später zurückkehren. Gerade auf Föhr wurde zudem die Sorge um die Auswirkungen des Klimawandels deutlich, die für Inselbewohner eine zentrale Zukunftsfrage darstellt. Weitere Beobachtungen betrafen den Wandel der Dorfgemeinschaften, fehlende Räume für Jugendliche und die Bedeutung von Vereinen und Begegnungsorten. Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Beteiligungsarbeit im Landjugendverband Schleswig-Holstein.

Neben der Weiterentwicklung der Landjugendarbeit gab es auch Gelegenheit, die Fuldaer Innenstadt zu besuchen. Foto: Thore Groth

Im abschließenden Block tauschten sich die Bundesjugendreferenten über ihre Arbeitsschwerpunkte aus, etwa Jugendbeteiligung, Medienkompetenz und Nachwuchsgewinnung für die Vorstandsarbeit. Diskutiert wurde, wie die Landjugend junge Menschen besser für ehrenamtliches Engagement begeistern kann, beispielsweise durch öffentliche Veranstaltungen und zielgruppengerechte Social-Media-Arbeit.

Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen mit Blick über Fulda ging es für Thore schließlich zurück nach Schleswig-Holstein. Die kleine Gruppe nutzte die restliche Zeit für einen abschließenden Stadtspaziergang in Richtung Bahnhof. Drei intensive, lehrreiche und für die Landjugendarbeit wichtige Tage gingen zu Ende. Das Treffen zeigte erneut, wie wertvoll der Austausch auf Bundesebene ist und welche Impulse sich für die Arbeit vor Ort gewinnen lassen, von der Jugendbeteiligung bis zur Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt.