Im Sommer herrschen Wohlfühltemperaturen für Hefen und Schimmelpilze im Silo. Werden diese Schadkeime aktiv, folgen Nacherwärmung und Futterverderb. Auch wenn nur kalte Silagen für die Mischration verwendet werden, kann das Futter bis zum Verzehr warm werden, insbesondere wenn Reste weiterverfüttert werden. Der Einsatz von Stabilisatoren kann zu einer Verlängerung der Zeitspanne beitragen.
Aerob stabile Silagen sind die Basis für eine Ration, die gern gefressen wird. Insofern gilt es, das Silomanagement so anzupassen, dass die Silage mit so wenig Luft wie möglich in Kontakt kommt und das Risiko für Verderb verringert werden kann. Mögliche Stellschrauben sind: nur so viel Oberfläche aufzudecken, wie für die nächsten zwei Tage benötigt wird, ein durchgehender Querriegel aus sich überlappenden Kiessäcken auf der Folie am Anschnitt und eine nicht auflockernde Entnahmetechnik. Eine Erhöhung des Vorschubs wäre optimal, ist allerdings in den meisten Fällen nicht realisierbar. Lose Futterreste, wie sie beispielsweise durch Herabrieseln von Maissilage vor dem Anschnitt bei der Entnahme entstehen, sind möglichst sofort mit in den Futtermischwagen zu laden oder aber von der Siloplatte zu entfernen.
Vor der Entnahme ist es unverzichtbar, den Anschnitt auf Temperaturveränderungen zu überprüfen und warme oder sichtbar verdorbene Partien großzügig zu entfernen. Hierzu ist ein Einstechthermometer hilfreich, um das Bauchgefühl zu kontrollieren. Partien, deren Temperatur 5 K über der Silokerntemperatur liegt, gelten als nacherwärmt. Um den Einfluss der Umgebung und der direkten Sonneneinstrahlung gering zu halten, sind diese Messungen idealerweise in den Morgenstunden vorzunehmen.
Das Gärsäuremuster ist für die Stabilität der Silagen entscheidend. Während hohe Milchsäuregehalte für einen niedrigen pH-Wert sorgen, stellen sie mit dem noch vorhandenen Restzucker die Nahrungsgrundlage für die Hefen dar und erhöhen das Risiko für Nacherwärmung. Ein Essigsäuregehalt von 2 bis 3 % in der Trockenmasse reduziert das Risiko, da diese Säure eine hemmende Wirkung auf Hefen hat. Die Kenntnis der Gärqualität erlaubt somit eine erste Einschätzung.
Temperaturkontrolle auf dem Futtertisch
Die den Tieren vorgelegte totale oder partielle Mischration (TMR/PMR) sollte bis zum vollständigen Verzehr kalt bleiben. Das gilt auch für die Futterreste, die gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt einer anderen Tiergruppe, zum Beispiel den Jungtieren, vorgelegt werden. Zur objektiven Kontrolle ist wiederum ein Thermometer zu verwenden. Wenn Temperaturveränderungen festgestellt werden, besteht Handlungsbedarf. Neben dem Verwerfen der erwärmten Futterreste ist zu prüfen, ob eine Erhöhung der Vorlagehäufigkeit umsetzbar ist, also statt einmal täglich zweimal zu mischen und zu füttern. Auch die Hygiene des Futtermischwagens ist unter die Lupe zu nehmen, denn darin verbleibende Futterreste können bereits beim Anmischen die nächste Mahlzeit kontaminieren. Gleiches gilt auch für die Hygiene des Futtertischs selbst. Das Abschieben der Reste sollte sorgfältig durchgeführt werden und bis in die kleinste Ecke reichen. Übersehene Reste in Ecken und Vertiefungen erwärmen sich unausweichlich und erhöhen so auch das Risiko für Nacherwärmung und Verderb des frisch vorgelegten Futters.
Darüber hinaus können spezielle TMR-Stabilisatoren in das Futter eingemischt werden, um die Zeitspanne bis zum Warmwerden der Ration zu verlängern.
Was sind TMR-Stabilisatoren?
TMR-Stabilisatoren sind Zusatzstoffe oder Futtermittelkomponenten, die die aerobe Stabilität einer TMR verbessern, indem sie das Wachstum von Hefen, Schimmelpilzen und anderen unerwünschten Mikroorganismen hemmen. Dadurch wird Nacherwärmung reduziert, die Futterqualität bleibt erhalten, und die Futteraufnahme der Tiere wird unterstützt.
TMR-Stabilisatoren können unterschiedliche Wirkstoffe enthalten, zum Beispiel organische Säuren wie Propionsäure oder Sorbinsäure, Salze organischer Säuren wie Benzoat, Sorbat oder Propionat, aber auch Milchsäurebakterien oder andere mikrobielle Zusätze sowie Enzyme oder spezielle Konservierungsstoffe. Die Stabilisatoren werden im Futtermischwagen je nach Produkt in flüssiger oder fester (pulverförmiger oder granulierter) Form zugegeben und eingemischt. Wenn der regelmäßige Einsatz Bestandteil eines HACCP-Konzeptes ist, ist dieser zu protokollieren.
Stabilisatoren mit DLG-Prüfzeichen
Für drei TMR-Stabilisatoren wurde das Prüfzeichen der DLG verliehen. Das heißt, sie wurden in mehreren Versuchen an unabhängigen Einrichtungen getestet und haben einen Nachweis über die Wirksamkeit erbracht. Seitdem sind sie Bestandteil der kontinuierlichen Überwachungsprüfung (https://t1p.de/dlg-qualitaetssiegel).
Bei den Tests handelt es sich um standardisierte Laborversuche nach genau festgelegtem Protokoll (Video verfügbar unter https://t1p.de/tmr-laborversuch), für die eine praxisübliche TMR für hochleistende Milchkühe verwendet wird. Neben einer Negativkontrolle (ohne Zusätze) läuft immer eine Positivkontrolle mit (mindestens 99,5 % Propionsäure mit 4,5 l/t). Der Stabilisator wird in der empfohlenen Dosierung verwendet. Nach der homogenen Applikation werden jeweils vier Teilproben der TMR in kleinen, wärmeisolierten Kunststoffdosen unter Lufteinfluss für 72 Stunden gelagert und kontinuierlich Temperaturmessungen durchgeführt. Bei Überschreiten der Raumtemperatur um 2 K gilt die Probe als erwärmt. Nach Beendigung des Tests erfolgen eine visuelle Bonitur des Verderbgrades sowie die Bestimmung des pH-Wertes.
Im Beispiel in Abbildung 1 überschritt die unbehandelte Kontrolle nach 31 Stunden die Grenze von 2 K über Raumtemperatur, die mit Propionsäure behandelte TMR der Positivkontrolle wurde im Mittel nach 44 Stunden warm. Die Behandlung mit den Stabilisatoren verzögerte die Nacherwärmung signifikant um zwölf bis 15 Stunden.
Wenn die TMR über die Silagen bereits deutlich mit Hefen belastet ist, kann eventuell auch reine Propionsäure die Nacherwärmung nicht aufhalten. Eine solche Situation zeigte sich in einem Vorversuch zur Wahl der geeigneten Dosierung der Propionsäure für die Positivkontrolle (Abbildung 2). Die unbehandelte Kontrolle überschritt bereits nach knapp 19 Stunden die 2 K über Raumtemperatur, die höchste Dosierung von 4,5 l/t Propionsäure führte nur zu einer Verzögerung von drei Stunden. Die pH-Werte waren nach dem Test in allen Varianten deutlich erhöht (vorher 4,2, nachher 6,4 bis 7,7), was den Milchsäureabbau anzeigt. Die TMR-Proben waren sichtbar verdorben. Auf der Suche nach der Ursache zeigte sich, dass die verwendete TMR einen leicht erhöhten Besatz mit Hefen aufwies (1,6 Mio. KbE/g). Diese stammten mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Maissilage, die aufgrund von Futterknappheit zugekauft und umsiliert worden war. Inwieweit ein anderes Produkt zu einer Verbesserung hätte führen können, darüber kann nur spekuliert werden, es erscheint aber wenig wahrscheinlich.
Futteraufnahme, wenn’s warm wird?
Bei Wärme und ungünstigem Management leidet nicht nur die Futterqualität im Silo und auf dem Futtertisch. Die Kühe selbst sind in dieser Zeit durch die Temperaturen ebenfalls so belastet, dass sie weniger Futter aufnehmen. Die Reduzierung der Futteraufnahme im Zusammenhang mit Hitzestress wird unter anderem durch die Belastung des Immunsystems bedingt. In der Situation des Hitzestresses entsteht vermehrt oxidativer Stress, der physiologische Reaktionen ähnlich dem sogenannten Sickness Behaviour hervorruft. Dies beschreibt den Effekt ausgeschütteter Entzündungsfaktoren auf das Verhalten einer erkrankten Kuh. In vergleichbarer Weise wirkt sich hier auch der Hitzestress aus. Die Futteraufnahme sinkt, da diese Entzündungsfaktoren für Appetitlosigkeit sorgen. Das Immunsystem ist im Dauerlauf. Wird nun noch nacherwärmtes oder verdorbenes Futter aufgenommen, steigt die Belastung an und kann die Türen für zahlreiche Erkrankungen öffnen. Der Keimbelastung aus dem verdorbenen Futter kann nur wenig entgegengesetzt werden.
Fazit
Im Gegensatz zum Menschen benötigen Milchkühe nicht täglich eine warme Mahlzeit, im Gegenteil stellt warm gewordenes Futter sogar ein Gesundheitsrisiko für sie dar. Um die angemischte Ration bis zum vollständigen Verzehr kalt zu halten, sind zunächst mögliche Änderungen in Silomanagement und Fütterungsregime vorzunehmen. TMR-Stabilisatoren, die im Futtermischwagen homogen in der TMR verteilt werden, können das Warmwerden der Ration in vielen Fällen zumindest verzögern.




