Start Blog Seite 4

Landjugend bringt junge Stimmen nach Berlin

0

Mitglieder der Arbeitskreise Jugend macht Politik (AK Jumpo) und Agrar beim Bund der Deutschen Landjugend (BDL) trafen sich Ende März in Berlin. Mit dabei waren auch fünf Vertreterinnen und Vertreter des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein (LJV). Für den AK Jumpo reisten die stellvertretenden Landesvorsitzenden Sören Schatt und Lasse Helmer an. Im AK Agrar engagierten sich Laura Stolley aus dem Agrarausschuss sowie die ehemaligen Ausschussmitglieder Wiebke Wendt und Malte Blöcker.

Die Arbeitskreise bieten jungen Menschen aus dem ländlichen Raum eine wichtige Plattform, um ihre Anliegen sowohl politisch als auch agrarfachlich einzubringen. Ziel ist es, die Stimmen der Jugend hörbar zu machen und in politische Prozesse einzuspeisen. Zum Auftakt des AK Jumpo stand ein Input zum Thema Social-Media-Verbot für Jugendliche auf der Agenda. Die Teilnehmenden diskutierten intensiv und kamen zu dem Ergebnis, dass ein pauschales Verbot nicht zielführend sei. Stattdessen brauche es präventive Maßnahmen, mehr Medienbildung und klare Regeln für Plattformen, um junge Menschen besser zu schützen.

Landjugendliche treffen Abgeordnete

Ein weiterer Programmpunkt, an dem beide Arbeitskreise teilnahmen, war ein Vortrag zum Thema Resilienz. Die Referentin vermittelte grundlegende Zusammenhänge und gab Einblicke in gesellschaftliche Herausforderungen, unter anderem anhand des sogenannten Operationsplans Deutschland der Bundeswehr. Dabei wurde deutlich, welche Aufgaben sowohl zivile als auch militärische Strukturen in Krisenzeiten übernehmen. Ein zentraler Höhepunkt der drei Tage war der Parlamentarische Abend des BDL. Selten kommen so viele junge Engagierte aus dem ländlichen Raum und Bundestagsabgeordnete in dieser Form direkt miteinander ins Gespräch. Statt klassischer Frontalveranstaltung wurde bewusst auf kleine Gesprächsrunden gesetzt: An mehreren Tischen diskutierten die Teilnehmenden auf Augenhöhe und im engen Austausch.

Inhaltlich standen zentrale Zukunftsfragen des ländlichen Raums im Mittelpunkt. Beim Thema Rechtsextremismus in der Landwirtschaft berichteten die Landjugendlichen von konkreten Erfahrungen aus ihren Regionen. Dabei wurde deutlich, dass rechtsextreme Akteure gezielt versuchen, Anschluss im ländlichen Raum zu finden und landwirtschaftliche Themen für ihre Zwecke zu nutzen. Die Landjugend setzt hier bewusst auf Aufklärung, klare Abgrenzung und starke Netzwerke – machte aber auch deutlich, dass dieses Engagement politische Rückendeckung und verlässliche Unterstützung benötigt.

Zentrale Zukunftsfragen des ländlichen Raums standen auf dem Programm in Berlin. Foto: Laura Stolley

Ein weiteres großes Thema war die Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume. Herausforderungen wie eingeschränkte Infrastruktur, mangelnde medizinische Versorgung, schwacher Nahverkehr oder digitale Defizite wurden offen angesprochen. Einigkeit bestand darin, dass politische Zielsetzungen zwar vorhanden seien, es jedoch oft an konsequenter Umsetzung fehle. Besonders wichtig sei es, Wertschöpfung und Arbeitsplätze auf dem Land zu stärken, um jungen Menschen Perspektiven in ihrer Heimat zu bieten. Auch die Situation der Jugendverbandsarbeit wurde diskutiert. Die Landjugend machte deutlich, dass verlässliche Förderstrukturen notwendig seien, um eigenständiges Engagement junger Menschen langfristig zu sichern. Dabei wurde betont, dass Jugendarbeit Freiräume und Vertrauen brauche statt immer stärkerer bürokratischer Vorgaben.

Im agrarischen Bereich standen insbesondere die wirtschaftlichen Herausforderungen im Weinbau sowie die schwierige Hofnachfolge im Fokus. Steigende Kosten, unsichere Erlössituationen und hohe Einstiegshürden erschweren vielen jungen Menschen den Weg in die Landwirtschaft. Die Teilnehmenden machten deutlich, dass es hier dringend verlässliche politische Rahmenbedingungen und Planungssicherheit brauche.

Highlight Auswärtiges Amt

Auch der Umgang mit Sozialen Medien wurde intensiv diskutiert. Die Landjugend sprach sich gegen Verbote aus, forderte jedoch mehr Verantwortung von Plattformen sowie eine stärkere Sensibilisierung im Umgang mit digitalen Inhalten. Gleichzeitig wurde betont, dass auch politische Akteure eine Vorbildfunktion trügen und bewusst mit Informationen umgehen sollten. Neben politischen Diskussionen bot das Programm auch Einblicke in Bundesinstitutionen. Ein besonderes Highlight war der Besuch im Auswärtigen Amt. Dort stellten sich Mitarbeitende den Fragen der Landjugendlichen und ermöglichten einen direkten Einblick in die Arbeit des Ministeriums.

Die drei intensiven Tage in Berlin haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig die Beteiligung junger Menschen an politischen Prozessen ist. Die Landjugend Schleswig-Holstein nimmt viele Impulse mit nach Hause und wird sich weiterhin aktiv für die Interessen des ländlichen Raums einsetzen.

Frischer Wind zwischen den Meeren

0

Die Kreisverbände der LandFrauen (KLFV) sind das Bindeglied zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen. Sie vermitteln Informationen über Fort- und Weiterbildungen und übergreifende Veranstaltungen und regen den Austausch und die Vernetzung untereinander an. Was aber ist das Besondere der LandFrauen im jeweiligen Kreis, wie zeigt sich das Gesicht der Kreisverbände? Dazu hat Tonio Keller, früherer Redakteur beim Bauernblatt, alle zwölf Kreisverbände bereist – heute: der KLFV Rendsburg-Eckernförde, zu dem auch Kiel gehört.

Frischen Wind will der „runderneuerte“ Vorstand in die Kreisarbeit bringen. „Infolge der Corona-Zeit und durch mehrere Wechsel im Vorstand hat manches brachgelegen“, berichtet die neue Kreisvorsitzende Sandra Röschmann. „Ich habe den Eindruck, dass auch die LandFrauen an der Basis aktiver werden, mehrere Ortsvereine melden Mitgliederzuwächse.“ Vielleicht ist eine gewisse Durststrecke überwunden.

Der neue Kreisvorstand (v. li.): Doris Bracker, Katrin Matthießen, Sandra Röschmann, Claudia Jagstorf, Elke Briesemeister, Anna Riesenberg
Foto: Meike Philipsen

Im Januar traten die erste Vorsitzende Meike Philipsen, Geschäftsführerin Angela Hutzfeld und Beisitzerin Doris Voß aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl an. Sandra Röschmann rückte von der zweiten zur ersten Vorsitzenden auf, neue zweite Vorsitzende ist Elke Briesemeister, Geschäftsführerin Anna Riesenberg – der KLFV Rendsburg-Eckernförde hat als Einziger noch satzungsgemäß eine Geschäftsführerin. Claudia Jargstorf führt weiterhin die Kasse, Doris Bracker ist weiterhin Beisitzerin, Katrin Mat­thießen kam als Beisitzerin neu in den Vorstand. Doch Posten werden nicht so wichtig genommen: „Wir sind ein Team, wir entscheiden als Team“, bringt es Röschmann auf den Punkt. „Teamvorstand – das schreckt weniger ab“, findet Briesemeister, „damit kann man auch für das Vereinsengagement werben.“

Bereisung im großen Kreis

Um die Verbindung zur Basis zu stärken, sind demnächst Bereisungen vorgesehen. Ein großes Vorhaben: Mit 21 Ortsvereinen ist der Kreisverband einer der größten im Land, reicht von Schwansen bis Hanerau-Hademarschen, von Erfde bis Kiel. Ja, der OV Bargen-Erfde gehört, obwohl außerhalb der politischen Kreisgrenze, zum KLFV, ebenso die LandFrauen in Kiel. Weitere Vorhaben sind die Überarbeitung der Homepage und „endlich wieder Kreisversammlungen“, so Röschmann und Briesemeister.

Die Aktivitäten auf Ortsebene sind vielfältig. Ein paar Beispiele: Der OV Hamdorf lädt zum „White Dinner“ am Eiderstrand im Mai ein. Die LandFrauen aus Nortorf und Umgebung brechen Ende Mai zu einer kulinarischen Fahrradtour unter dem Motto „Genuss pur entlang schimmernden Seen“ auf. Der OV Hüttener Berge veranstaltet eine Modenschau am Donnerstag, 16. April, in Alt Duvenstedt und nimmt im Juni an einer „sozialen Straßenführung“ in Kiel teil: Ehemalige Obdachlose erzählen, wo und wie sie damals gelebt haben. Vernetzung wird auch auf Ortsebene gepflegt, so treffen sich regelmäßig die OV Legan, Hademarschen, Todenbüttel, Hohenwestedt und Nortorf.

Junge LandFrauen aktiv

Stark vertreten mit etwa 180 Mitgliedern sind im Kreis auch die Jungen LandFrauen (JLF). Sie sind Mitglieder in ihrem jeweiligen Ortsverein, aber als Gruppe dem Kreisverband untergeordnet, haben ein eigenes Orga-Team, in dem Sandra Röschmann selbst dabei ist. Zu ihren Aktivitäten gehören eine Kanutour auf der Schwentine, Stand-up-Paddling am Bistensee oder eine Führung in einem Hegelehrrevier bei Noer mit den JLF Plön. Diese Veranstaltungen sind auch für Ältere offen. Zum Kinoabend komme sogar regelmäßig eine 85-Jährige zu den Jungen LandFrauen, sagt Röschmann.

Dass der KLFV Rendsburg-Eckernförde noch nicht, wie viele Ortsvereine, sein 75-jähriges Bestehen feiern kann, liegt übrigens daran, dass er – so wie die politischen Kreise im Zuge der Kreisreform – 1971 durch die Zusammenlegung der Kreisverbände Rendsburg und Eckernförde entstand. Die Wurzeln der LandFrauenarbeit im Kreis reichen jedoch weit zurück.

KLFV Rendsburg-Eckernförde

21 Ortsvereine

zirka 4.000 Mitglieder

– Aukrug

– Bargen-Erfde

– Bordesholm

– Dänischenhagen

– Eckernförde

– Flintbek

– Gettorf

– Hamdorf

– Hanerau-Hademarschen

– Hohenhude

– Hohenwestedt

– Hohn

– Hüttener Berge

– Kaltenhof-Osdorf

– Kiel

– Legan

– Nortorf

– Rendsburg-Ost

– Rendsburg u. U.

– Schwansen

– Todenbüttel

Moderate Wirkung der Rationszusammensetzung

0

Während der Trächtigkeit von Rindern erfolgt wegen der speziellen Struktur der Plazenta keine Übertragung von Makromolekülen über diese auf das Kalb. Zu solchen Makromolekülen zählen auch die Immunglobuline. Daher kommt das Kalb ohne ein funktionierendes Immunsystem auf die Welt, und es muss eine passive Immunität vom Muttertier auf das Kalb unmittelbar nach der Geburt durch das Kolostrum erfolgen. Aus diesem Grund ist Kolostrum reich an Immunglobulinen, insbesondere an IgG, was für die Immunabwehr des neugeborenen Kalbes essenziell ist.

Das neugeborene Kalb kann nur dann einen effektiven Schutz gegen Infektionen erlangen, wenn es möglichst schnell nach der Geburt ausreichend Kolostrum aufnimmt.

Kolostrum: Möglichst viel und schnell

Allgemeinen Empfehlungen zufolge sollten Holsteinkälber zwischen 3 und 4 l hochwertiges Kolostrum (IgG-Konzentration über 50 g/l) möglichst unmittelbar nach der Geburt, aber auf jeden Fall innerhalb der ersten vier Lebensstunden erhalten. Nach Aussage von Godden et al. (2019) sollten Kälber mindestens 150 bis 200 g IgG aufnehmen; für eine ausreichende Übertragung der passiven Immunität sei aber eine Menge von mehr als 300 g IgG besser.

Diese Aussagen implizieren sehr deutlich, dass die Immunglobulinversorgung eines Kalbes immer die Kombination aus der Kolostrumqualität und der tatsächlich aufgenommenen Menge an Kolostrum ist.

Zahlreiche fütterungs-, haltungs- und kuhassoziierte Faktoren beeinflussen beide Merkmale – die Kolostrummenge und die -qualität. Das Ausmaß der Einflussnahme dieser Faktoren aber ist sehr unterschiedlich.

Aktuelle kanadische Feldstudie

Daher zielte eine Feldstudie in der kanadischen Provinz Québec darauf ab, vor allem Einflüsse der Fütterung und ferner der Haltung trockenstehender Kühe sowie kuh­individueller Faktoren auf die Menge und Qualität der Kolostralmilch zu identifizieren.

Dafür wurden Daten von 347 Mehrkalbskühen aus 51 Holstein-Herden analysiert. Jeder Betrieb wurde zwischen März 2023 und Februar 2024 in der Regel zweimal besucht, einmal vor und einmal nach der Kalbung der entsprechenden Kühe. In manchen Betrieben erfolgten auch zwei Besuche vor der Abkalbung.

Während des ersten Betriebsbesuchs wurden von den Kühen, die sich zehn bis 21 Tage ante partum (a. p.; vor der Geburt) befanden, das Körpergewicht mittels Maßband geschätzt, die Körperkondition nach der fünfstufigen Skala von Ferguson et al., 1994 beurteilt und Blutproben für die Bestimmung der NEFA-und Ketonkörper (ßHB)-Konzentrationen genommen. Nach der Abkalbung dieser Kühe erfolgten die Dokumentation der Kolostralmilchmenge und eine Beprobung des Erstkolostrums bezüglich Brix-Prozentwert (mittels Brix-Refraktometer) und IgG-Konzentration.

Charakteristik der Betriebe

Mit der großen Anzahl an Praxisbetrieben verband sich der Wunsch nach zahlreichen und auch unterschiedlichen Ernährungs- und Kolostrum-Management-Praktiken. Das betraf unter anderem auch die der Kolostrumprobensammlung.

Die in diese Studie einbezogenen Betriebe hatten eine mittlere Herdengröße von fast 128 (Standarddifferenz SD: 91) melkenden Kühen. Sie variierte zwischen 40 und 560 laktierenden Kühen (Median: 90 laktierende Kühe). Die Herdendurchschnittsleistung betrug 11.000 kg (SD = 847) Milch pro Kuh, die mittlere Zwischenkalbezeit 396 (SD = 12) Tage und die mittlere Trockenstehdauer 61 (SD = 20) Tage. Insgesamt wurden 494 trockenstehende Kühe zwischen einem und 33 Tagen a. p. in diese Untersuchung einbezogen. Aufgrund von fehlenden Kolostrumproben oder Rationsinformationen belief sich der auswertbare Datensatz dann letztlich auf 347 Kühe (Tabelle 1).

Die Ergebnisse

Je Betrieb wurden zwischen drei und zwölf Kühe (durchschnittlich 6,5) einbezogen, die durchschnittlich 13 Tage a. p. 745 kg wogen und eine Körperkonditionsnote von 3,13 aufwiesen. Ihre mittlere Trockenzeitdauer betrug 60 Tage.

Die Menge an Erstkolostrum belief sich im Durchschnitt bei 5,9 kg, und die erste Melkung erfolgte im Mittel 4,3 Stunden nach der Abkalbung (Tabelle 2). Die IgG-Konzentration im Erstkolostrum lag mit durchschnittlich 56,1 mg/ml (SD = 23,7) in einem sehr guten Bereich, wobei es zwischen den Herden eine große Varianz gab.

In der Literatur wird vielfach als „gut“ ein Brix-%-Wert von mehr als 22 % angesehen. 69 % der Proben fielen in diese Kategorie.

Futterrationen der Trockensteher

Die Futterration für die trockenstehenden Kühe in den letzten Wochen vor der Abkalbung (Vorbereiterration, Close-up) bestand im Mittel der 51 in die Untersuchung einbezogenen Betriebe aus 35,3 % Heu (inklusive Stroh; Stroh wurde in zehn Herden angeboten), 21,7 % Maissilage und 18,3 % Grassilage und beziehungsweise oder Leguminosen-Silage – bezogen auf die Trockenmasse. Der mittlere Kraftfutteranteil betrug 23 % (der Gesamt-TM-Aufnahme). Als eiweißreiche Konzentrate für die Eiweißergänzung wurden in 22 Herden Sojaprodukte und in drei Herden Rapsprodukte eingesetzt sowie in fünf Herden kommerzielle Proteinergänzungen (eiweißreiche Vormischungen).

Die Zusammensetzung der Trockensteherration in den letzten Wochen vor der Kalbung hatte nur einen moderaten Einfluss auf die Kolostrumqualität und -quantität.

Die Variation der Rationsgestaltung war zwischen den Betrieben erwartungsgemäß sehr groß, was sich dann auch in den Rationseckwerten zeigte. Wichtig ist, dabei zu erwähnen, dass die unterstellten Trockenmasseaufnahmen aus den Rationsberechnungen stammten, nicht aber exakt ermittelt wurden.

So zeigten die berechneten Futterrationen einen durchschnittlichen Rohproteingehalt von 14,1 % (SD = 2,1 %), einen Energiegehalt von 1,43 Mcal/kg (umgerechnet 5,98 MJ/kg; Anmerkung: Grundsätzlich lässt sich der US-amerikanische Energiegehalt nicht mit dem deutschen Energiegehalt vergleichen, auch wenn Mcal in MJ umrechenbar ist, da sich die ausgewiesenen Energiegehalte dort immer auf ein Ernährungsniveau von 3 bis 4 beziehen, die bisherigen NEL-Gehalte in Deutschland aber auf ein Ernährungsniveau von 1.), einen aNDF-Gehalt von 47,0 % und einen Stärkegehalt von 13 %, bezogen auf die TM-Basis (Tabelle 3).

IgG-Konzentration im Kolostrum

In dieser Studie wurden die IgG-Gehalte in der Kolostralmilch mittels ELISA analysiert. Dabei zeigten sich für Zweitkalbskühe höchst signifikant geringere kolostrale IgG-Konzentrationen (45,0 mg/ml) im Vergleich zu Kühen in der dritten Abkalbung (55,1 mg/ml) beziehungsweise der vierten oder weiteren Kalbung (58,2 mg/ml).

Erwartungsgemäß wurde darüber hinaus ein statistisch signifikanter und enger negativer Zusammenhang zwischen der kolostralen IgG-Konzentration und der Zeit zwischen der Kalbung und der ersten Melkung (Kolostrumgewinnung) beobachtet.

Im Durchschnitt gaben die Mehrkalbskühe dieser Studie 5,9 kg Erstkolostrum.

Kolostrale Brix-%-Werte

Die Brix-Werte wurden mit einem Refraktometer bestimmt. Wie zu erwarten war, sank der Brix-%-Wert des Kolostrums mit längerer Zeitspanne zwischen dem Kalbetermin und dem Zeitpunkt des ersten Melkens. Wie auch bei der kolostralen IgG-Konzentration wurden ähnliche Beziehungen zwischen dem Brix-%-Wert und der Parität gefunden, das heißt Zweitkalbskühe hatten mit durchschnittlich 22,6 % niedrigere kolostrale Brix-%-Werte als Kühe nach der dritten Kalbung (24,1 %) und Kühe mit vier und mehr Kalbungen (24,6 %). Diese Unterschiede waren stets mathematisch signifikant abgesichert. Zwischen den Brix-%-Werten im Kolostrum von Kühen der dritten und mehr als vierten Laktation hingegen wurde dann aber kein Unterschied mehr festgestellt.

Weiterhin zeigte sich ein sehr enger Zusammenhang zwischen der kolostralen IgG-Konzentration, gemessen mit ELISA, und dem Brix-%-Wert, gemessen mit einem Brix-Refraktometer.

Die beiden angewandten multivariablen Regressionsmodelle für die kolostrale IgG-Konzentration und die Brix-Werte führten zu ähnlichen Ergebnissen, einschließlich der gleichen Variablen. Die Autoren schlussfolgern daraus, dass statistische Modelle, die entweder kolostrale IgG-Konzentrationen oder aber Brix-Werte zur Beurteilung von Einflussfaktoren auf die Kolostralmilchqualität verwenden, miteinander verglichen werden können.

Kolostrummenge und weitere Merkmale

Die Zeitdauer zwischen dem Kalben und dem ersten Melken war positiv mit der Kolostrummenge korreliert.

Darüber hinaus deutete eine Trockenstehdauer von 65 Tagen und mehr in Richtung einer höheren Kolostrummenge im Vergleich zu einer Trockenstehdauer von weniger als 51 Tagen, jedoch war dieser Unterschied statistisch nicht abgesichert.

Bezüglich des Einflusses der Rationsgestaltung und folglich der Rationseckparameter ergab sich folgendes Bild: Ein geringerer Gehalt an pflanzlichen Gerüstsubstanzen (NDF) in Kombination mit einem höheren Energiegehalt stand im Zusammenhang mit einem höheren Kolostrumertrag.

Obwohl die Kalbesaison in dem angewendeten multivariablen Modell nicht signifikant war, betrug die Kolostrummenge der Kühe, die im Winter kalbten, durchschnittlich 5,52 (SD = 3,23) kg, die der im Frühjahr gekalbten Kühe 7,17 (SD = 4,47) kg und die der im Sommer gekalbten Kühe 6,07 (SD = 3,98) kg. Die geringste Kolostralmilchmenge wiesen mit 4,71 kg (SD = 2,89) die Kühe auf, die im Herbst kalbten und folglich im Sommer trockenstanden.

Beurteilung der Versuchsbedingungen

Zum einen wurde in dieser Studie nur eine geringe Anzahl von Kühen je Betrieb einbezogen. Zum anderen nahmen die Autoren an beziehungsweise unterstellten, dass zwischen der Blutprobennahme bei den Kühen vor der Kalbung und dem Kalbezeitpunkt keine Rationsveränderung stattfand. Weiterhin wurde im angewendeten statistischen Modell je Betrieb eine Trockenmasseaufnahme unterstellt, die aber nicht auf täglichen Aufzeichnungen basierte und daher mit größeren Unsicherheiten behaftet ist. Die mathematischen Modelle basierten auf Beobachtungsdaten in Praxisbetrieben. Potenzielle oder wahrgenommene Ausreißer wurden aus den Datensätzen nicht entfernt, um alle Situationen der Praxis in die Ergebnisse einzubeziehen.

Diese Einschränkungen müssen bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden.

Fazit

Die in dieser Studie ausgewerteten 347 Mehrkalbskühe aus 51 Holstein-Herden in Kanada hatten durchschnittlich 5,9 kg Erstkolostrum mit einem IgG-Gehalt von 56,1 mg/ml und einem Brix-Wert von 23,9 %.

Zweitkalbskühe wiesen niedrigere kolostrale IgG-Konzentrationen auf als ältere Kühe. Zwischen dem IgG-Gehalt und der Zeit zwischen der Abkalbung und der ersten Melkung wurde erwartungsgemäß eine negative Beziehung beobachtet. Ebenfalls zu erwarten war die positive Beziehung zwischen Zeitdauer bis zum ersten Melken und der Kolostrummenge.

Eine Trockenstehdauer von 65 Tagen und mehr tendierte zu einer höheren Kolostrummenge im Vergleich zu einer Dauer der Trockenstehzeit von 51 Tagen oder weniger.

Das Hauptanliegen dieser Studie war es, die Wirkung der Zusammensetzung von Trockensteherrationen auf die kolostralen IgG-Konzentrationen, die Brix-Werte und die Kolostrummenge zu quantifizieren. Dabei stellten die Autoren fest, dass ein geringerer Gehalt an pflanzlichen Gerüstsubstanzen (ADF, NDF) und folglich ein höherer Energiegehalt in der Trockensteherration a. p. (Vorbereiterration) mit einer höheren Kolostrummenge verbunden war.

Das angewendete Modell, in das Rations-, Kuh- und Herdenmanagementfaktoren eingingen, erklärte jedoch nur 34 % der IgG-Konzentration, 40 % der Brix %-Werte und 51 % der Kolostrummenge. Das bedeutet insbesondere für die Rationszusammensetzung während der letzten Wochen vor der Kalbung einen nur moderaten Einfluss auf die Kolostrumqualität und -quantität. Folglich müssen noch weitere Faktoren, zum Beispiel Stallumgebung beziehungsweise Haltung, ebenfalls Einfluss auf die Menge und Qualität der Biestmilch nehmen.

Ernteprognose 2026/2027 deutlich reduziert

0

Nachdem die globale Getreideproduktion in der Saison 2025/2026 voraussichtlich den historischen Höchstwert von 2,47 Mrd. t erreichen wird, dürfte die darauffolgende Ernte 2026/2027 wegen der Folgen des Iran-Kriegs spürbar kleiner ausfallen, so lautet die aktuelle Prognose des Internationalen Getreiderates (IGC). Es wird ein Rückgang von 53 Mio. t auf rund 2,42 Mrd. t erwartet, der Verbrauch soll um 17 Mio. t auf 2,44 Mrd. t steigen. Die Matif bildet höhere Preise wegen des knapper werdenden Getreideangebots schon ab: Der aktuelle Weizenkurs zur Lieferung im Mai 2026 liegt bei ungefähr 203 €/t, der Termin Mai 2027 ist mit 227 €/t um gut 24 € höher.

N-Dünger werden knapp und teuer

Laut IGC-Bericht sorgt der Krieg im Nahen Osten dafür, dass steigende Düngerpreise sowie höhere Energiekosten weltweit die Ernten schmälern. Bekanntlich wurden über die Straße von Hormus bis zu ihrer Sperrung rund 20 % des weltweit verschifften Rohöls und Flüssigerdgases transportiert. Dazu ist die Region um den Persischen Golf ein Zentrum für die Produktion von N-Düngern wegen der bisher niedrigen Energiekosten. Bis zu 35 % der weltweiten Harnstoffexporte und 30 % der Ammoniaklieferungen stammten von dort. Allein 10 % der weltweiten N-Dünger kommen aus Katar. Dort steht die weltweit größte Industrieanlage für Flüssiggas und Düngemittel. Als nach iranischen Raketenangriffen die Produktion eingestellt wurde, stoppte auch die Produktion Hunderttausender Tonnen wichtiger Düngemittel und -vorprodukte, die Reparatur wird mindestens ein Jahr dauern. Andere Düngemittelproduzenten wie Russland, China, die USA und Marokko verfügen nur über begrenzte Produktionskapazitäten.

Russland verbietet Export von Ammoniumnitrat

Wer meint, dass man den europäischen Markt für russischen Harnstoff öffnen könnte: Russland hat gerade für einen Monat den Export von Ammoniumnitrat verboten, um die inländische Versorgung für die Frühjahrsaussaat zu sichern. Zu allem Überfluss meldet Yara aus Australien, dass wegen technischer Probleme in dem dortigen Werk umfangreiche Reparaturarbeiten notwendig seien. Damit fehlen vorerst weitere 5 % der globalen Produktionskapazitäten.

Versorgung vorerst gesichert, aber dann …

Laut dem IGC dürfte für viele Getreideproduzenten auf der Nordhalbkugel die Düngemittelversorgung für das Frühjahr 2026 gesichert sein. Sollte sich die Krise jedoch weiter verschärfen, könnten besonders Asien und Afrika betroffen sein, weil sie stark auf Düngemittel aus der Golfregion angewiesen sind. Indien etwa bezieht bis zu zwei Drittel seines Stickstoffdüngers aus den Golfstaaten. Die Aussaat während des Monsuns steht bevor; ein Mangel an Düngemitteln könnte zu einem starken Rückgang der Produktion von Reis, Weizen und anderer Grundnahrungsmittel führen, von denen die 1,45 Milliarden Inder leben. Auch Brasilien deckte seinen Stickstoffdüngerbedarf zu etwa 40 % durch Harnstoffimporte aus der Golfregion. Kommt es zu längerfristigen Engpässen, gefährdet das die brasilianische Maisernte. Viele afrikanische Länder setzen jetzt schon weniger Dünger als erforderlich ein. Preissteigerungen könnten dazu führen, dass dort noch weniger Dünger ausgebracht wird, Ernten geringer ausfallen und der chronische Hunger verschärft wird. 

Die Abschlussbehandlung sichert den Ertrag

0

Die außergewöhnlich lange Kälte­periode in den Monaten ­Januar und Februar haben die ­Bestände der Wintergerste und des Winter­roggens auch dank häufiger Schneebedeckung relativ gut überstanden. Dennoch ist von ­einem reduzierten Ausgangsbefall gerade mit Rostkrankheiten und dem Echten Mehltau auszugehen. Neben Sortenwahl und Saattermin bildet der Ausgangsbefall einen wichtigen Multiplikator in der Krankheitsentwicklung, der insbesondere einen ­frühzeitigen Befallsaufbau fördert. Entscheidend für den Krankheitsdruck bleibt dennoch die Witterung in den Monaten April und Mai.

Sowohl der Braunrost im Roggen als auch der Zwergrost in der Wintergerste haben in der jeweiligen Kultur langjährig sowohl in der Befallsstärke als auch bezüglich der Ertragsdepressionen die höchste Bedeutung. Gerade bei einem frühzeitigen Befallsaufbau fallen die Ertragsverluste besonders hoch aus. Strahlungsreiche Witterung in Kombination mit milden Nächten fördert beide Krankheiten. Außerdem müssen vereinzelte Niederschläge hinzukommen, wobei zumindest beim Roggen-Braunrost bereits starker Tau ausreichen kann. Für eine erfolgreiche Keimung der Sporen sind nämlich nur zirka 70 % Blattnässe über einen Zeitraum von zirka sechs bis zehn Stunden nötig. Schwächere Infektionen können bereits bei niedrigen einstelligen Temperaturen erfolgen, weshalb oft Ausgangsbefall im Herbst/Winter oder zum Vegetationsstart im Frühjahr zu finden ist. Für eine rasante Ausbreitung sind jedoch höhere Temperaturen maßgeblich.

Mindestens 15 °C sollten beim Roggen-Braunrost für eine stärkere Infektion vorliegen. Der Temperaturbereich für eine optimale Entwicklung liegt allerdings zwischen 20 und 25 °C in Verbindung mit Nachttemperaturen von über 12 °C. Der Zwergrost in der Gerste ist an milde Temperaturen angepasst, sodass der optimale Temperaturbereich für Infektion und Pilzwachstum bei ungefähr 15 bis 20 °C liegt.

Aktuell findet man Ausgangsbefall von Braunrost im Winterroggen, der dann in ES 30/31 in Kombination mit der Wachstumsregler-Behandlung durch den Einsatz eines tebuconazolhaltigen Produkts gestoppt werden kann.

Rhynchosporium und Niederschläge

Im Krankheitsspektrum sowohl des Winterroggens als auch der Wintergerste spielen die Rhynchosporium-Blattflecken eine wichtige Rolle. Für eine erfolgreiche Infektion sind mindestens zwölf Stunden Blattnässe nötig, und auch die Verbreitung der Sporen erfolgt über Regentropfen, weshalb diese Krankheit für einen stärkeren Befall auf regelmäßige und höhere Niederschläge angewiesen ist.

Speziell in der Wintergerste hat auch die Netzfleckenkrankheit eine Bedeutung, wobei in den letzten Jahren kaum stärkerer Befall auftrat. Eine Ausnahme stellte das Frühjahr 2024 dar, als die Witterungsfaktoren, bestehend aus häufigen Niederschlägen, frühzeitig hohen Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung, für diese Krankheit optimal zusammentrafen. Die Verbreitung erfolgt mit dem Wind, womit eine schnelle Durchdringung der Bestände möglich ist.

Feuchtes Mikroklima und milde, strahlungsarme Witterung sind für die Entwicklung des Echten Mehltaus essenziell. In beiden Kulturen treten spezialisierte Untergruppen auf, die dementsprechend in Gersten- und Roggen-Mehltau unterschieden werden. Ertragsverluste durch den Echten Mehltau waren in den vergangenen Jahren selten.

Rhynchosporium-Blattflecken treten in der Gerste und im Roggen auf, die Anfälligkeit der Sorten spielt dabei eine große Rolle, vor allem in der Wintergerste.

Ramularia kaum greifbar

Die Ramularia-Sprenkelkrankheit hat in den vergangenen Jahren in der Gerste eine hohe Bedeutung erlangt und mündete bei stärkerem Befall in deutlichen Ertragsverlusten. Der Befallsdruck nimmt dabei innerhalb Schleswig-Holsteins von Nord nach Süd zu. Viele Aspekte der Epidemiologie sind weiterhin unklar, weshalb eine Prognose dieser Krankheit enorm schwierig ist. Hohe Ertragsrelevanz scheinen Infektionen der Blattetagen Fahnenblatt und F-1 zu haben, die über windverbreitete Sporen bei milden Temperaturen und langer Blattnässedauer erfolgen. Lang anhaltend starke Sonneneinstrahlung macht dann die Symptome meist in der Milchreife sichtbar.

Ramularia in der Wintergerste nimmt besonders bei starker Sonneneinstrahlung Fahrt auf und kann auch die Grannen befallen.

Große Unterschiede zwischen den Sorten

Sortentoleranzen stellen einen enormen Faktor der Krankheitskontrolle dar. Gerade in der Wintergerste bestehen zwischen den Sorten so große Unterschiede in der Anfälligkeit gegenüber den zuvor beschriebenen Krankheiten, dass man oftmals mit der Sortenwahl den Schwerpunkt und die Intensität des Krankheitsgeschehens festlegt. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein veröffentlicht daher jährlich die aktuellen Krankheitsbonituren der Landessortenversuche in der Winter­gerste.

Hohes Resistenzniveau in der Wintergerste

Resistente Isolate der Krankheitserreger kommen in der Wildpopulation vor oder entstehen durch Mutation. Sie widerstehen den Fungiziden und werden durch wiederholte Anwendungen selektiert, bis sie den Wildtyp verdrängen. Die Anwendungshäufigkeit einzelner Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen ist damit der wesentliche Faktor für Resistenzentwicklungen. Stark fortgeschritten sind die Resistenzen sowohl bei der Netzfleckenkrankheit als auch der Ramularia-Sprenkelkrankheit in der Gerste. Gegen die Netzfleckenkrankheit sind aktuell nur die Wirkstoffe Pyraclostrobin (Beispiel-Produkte: Comet, Balaya) und Trifloxystrobin (Produkte: Delaro Forte, Cayunis) aus der Fungizidgruppe der Strobilurine wirksam. Diese sollten nur in anfälligen Sorten oder bei hohem Befallsdruck zum Einsatz kommen.

Bezüglich der Ramularia-Sprenkelkrankheit sind derzeit nur Kombinationen hochwirksam, die das Kontaktfungizid Folpet (Produkte: Folpan 500 SC, Amistar Max) sowie die Azol-Fungizide Mefentri­fluconazol oder Prothioconazol enthalten. Dabei sollte die Aufwandmenge robust gewählt werden. Ein jährlicher Wechsel der zwei Azole ist zur Resistenzverzögerung sinnvoll.

Die fungizide Abschlussbehandlung sollte im Winterroggen erfolgen, bevor der Pollen das Fahnenblatt abdeckt, dabei muss bestehender Ausgangsbefall von Braunrost auf den unteren Blattetagen ernst genommen werden.

Fokus Abschlussbehandlung

In beiden Kulturen hat die Abschlussbehandlung zum Ährenschieben die höchste Bedeutung, sowohl hinsichtlich des Krankheitsdrucks als auch der Ertragssicherung. Auch der Schutz der Blattetagen F-1 und F-2 ist sinnvoll, wobei in gesünderen Sorten mehr als zwei Behandlungen kaum wirtschaftlich sind. In anfälligen Sorten unter starkem Befallsdruck ist besonders zu berücksichtigen, dass die applizierten Fungizide nur die Blattetagen ausreichend schützen können, die zum Zeitpunkt der Behandlung bereits entwickelt sind.

Die Symptome der Krankheit Rhynchosporium sehen im Roggen etwas anders aus als in der Wintergerste.

Sobald die Blattetage F-2 voll entwickelt ist, muss auf Infektionsbedingungen der Rhynchosporium-Blattflecken geachtet werden. Hier reichen in Abhängigkeit vom Infektionsdruck und der Sortenanfälligkeit 0,4 bis 0,6 l/ha eines prothioconazolhaltigen Produktes (250 g/l Wirkstoffgehalt) aus. Der Echte Mehltau in der Wintergerste wird dabei mit erfasst. Auch auf den Zwergrost (Wintergerste) sowie den Braunrost (Winterroggen) muss geachtet werden. Bei sichtbaren Sporenlagern sind 0,6 bis 0,8 l/ ha eines tebuconazolhaltigen Fungizides (250 g/l Wirkstoffgehalt) – mit der Stoppwirkung – eine wirksame Option.

In der Abschlussbehandlung der Wintergerste sollten sowohl der Blattapparat als auch die Grannen Berücksichtigung finden, sodass die Entwicklungsphase des Ährenschiebens hierfür ideal ist. Empfehlenswert sind die Produkte 1,2 l/ha Revytrex, 1,2 l/ha Pioli + 0,6 l/ha Soratel oder 1,2 l/ha Ascra Xpro, jeweils immer in Kombination mit 1,0 bis 1,5 l/ha Folpan 500 SC, um eine ausreichende Absicherung gegen die Ramularia-Sprenkelkrankheit zu gewährleisten. Nur speziell in für Netzflecken anfälligen Sorten sollten den zuvor genannten Kombinationen 0,5 l/ha Comet/Tomec zugemischt werden oder die Wahl auf 1,5 l/ha Delaro Forte + 1,5 l/ha Folpan 500 SC fallen.

Auch im Winterroggen erfolgt die Abschlussbehandlung idealerweise zum Ährenschieben. Elatus Era (0,8 l/ha) oder Pioli + Soratel (1,4 l/ha + 0,7 l/ ha) sind zu bevorzugende Produkte. Bei höherem Befallsdruck und vor allem bei vorhandenem Ausgangsbefall mit Braunrost ist die Zugabe von 0,8 l/ha Orius notwendig.

Weitere Informationen zu der Wirksamkeit zugelassener Fungizide in der Wintergerste beziehungsweise dem Winterroggen finden sich unter folgenden Links: https://t1p.de/wintergerste beziehungsweise https://t1p.de/winterroggen

Ist die Folgewitterung für den Erreger nicht passend, kann so ein Ausgangsbefall von Netzflecken in der Wintergerste in der weiteren Pflanzenentwicklung verschwinden.

Fazit

Die Witterung und die Sortenwahl entscheiden über die Relevanz von Krankheiten und den Krankheitsdruck im Allgemeinen. Rhynchosporium-Blattflecken spielen unter kühlfeuchten Witterungsbedingungen besonders in anfälligen Sorten eine wichtige Rolle. Zwerg- (Gerste) und Braunrost (Roggen) sind auf strahlungsreiche, warme Witterung angewiesen und können besonders hohe Ertragsverluste verursachen. Mit Ausnahme anfälliger Sorten sind insgesamt mehr als zwei Fungizidbehandlungen nicht wirtschaftlich. Insbesondere in der Wintergerste sollte man das Einsparpotenzial durch Sortentoleranzen nutzen. Auch in Hinblick auf die schwierige Resistenzsituation der Ramularia-Sprenkelkrankheit sowie der Netzfleckenkrankheit in der Gerste ist dieser Aspekt hochrelevant.

Eine österliche Betrachtung des Brüggemann-Altars

0

Am Wochenende begehen wir das wichtigste Fest der Christenheit: Ostern. Wir feiern die Auferstehung Jesu und den Sieg des Lebens über den Tod. Christiana Lasch-Pittkowski, frühere Schleswiger Dompastorin, lädt aus diesem Anlass ein, einen neuen Blick auf ein altbekanntes Kunstwerk zu wagen. Stellt doch der über 500 Jahre alte Brüggemann-Altar die Passion Christi, ohne die es Ostern nie gegeben hätte, eindrücklich dar. Überraschend: Auch mutige Frauen spielen dort eine bedeutende Rolle.

Christiana Lasch-Pittkowski bewundert die große Erzählkraft und die Detailreiche des Brüggemann-Altars.
Foto: Silke Bromm-Krieger

An diesem Nachmittag sind nur wenige Besucher in den Schleswiger St. Petri-Dom gekommen. Eine andächtige Stille begrüßt den Gast. Die perfekte Gelegenheit, an einem herausragenden Kunstwerk der frühen Neuzeit ungestört innezuhalten: dem Brüggemann-Altar. Ursprünglich für die Kirche des Klosters in Bordesholm geschaffen, deshalb auch als Bordesholmer Altar bezeichnet, hat er hier seit 1666 seinen Platz. Wie oft Christiana Lasch-Pittkowski in den 15 Jahren ihrer Tätigkeit als Dompastorin wohl leise staunend vor ihm gestanden hat? Dass sie von ihm begeistert und fasziniert ist und noch immer neue, spannende Facetten an ihm entdeckt, verrät sie im Bauernblatt-Gespräch. Wir nehmen in einer Stuhlreihe vor dem Altar Platz und lassen unseren Blick eine Weile auf ihm ruhen, konzentrieren uns still nur auf das, was wir sehen. In diesem Moment fallen zarte Lichtstrahlen durch die bunten Domfenster in den Chorraum. Sie werfen kleine Schattenflecke auf die 392 individuell geschnitzten Figuren und filigranen Architekturdetails des Retabels. „Manchmal ist der Schattenwurf so, dass ich einige Figuren und Details nicht erkenne, ein anderes Mal sind sie wieder da“, beobachtete die Theologin. Jahrelang habe sie beispielsweise nicht gesehen, dass Judas, der Jesus verraten hatte und sich daraufhin das Leben nahm, in einer Szene im Hintergrund an einem Baum hängend dargestellt sei. „Erst eine Domführerin machte mich später zufällig darauf aufmerksam.“

Einzigartiges Kunstwerk

Der vom Bildhauer und Bildschnitzer Hans Brüggemann zwischen 1514 und 1521 geschaffene Altar wurde teilweise inspiriert von Holzschnitten Albrecht Dürers. Er hat eine Höhe von mehr als 12,60 m und eine Breite von 7 m und zählt zu den einzigartigen Kunstwerken des Landes. Unter anderen zeigt er in zwölf Einzelszenen und zwei zentralen Hauptszenen die Passion Christi, angefangen links außen mit dem Verrat Christi durch den Judaskuss bis rechts unten zur Auferstehung und der Geschichte vom ungläubigen Thomas. In der Mitte sind auf zwei Flächen die Kreuztragung und die Kreuzigung dargestellt. Diese 14 Szenen sollen nun im Fokus der Betrachtung stehen. Die Pastorin beginnt, die Leidens- und Sterbegeschichte Jesu zu erzählen. Er kam auf einem Esel nach Jerusalem, um mit seinen Jüngern das jüdische Passahfest zu feiern. Viele Menschen und Anhänger freuten sich, dass er da war, doch führende jüdische Kreise wollten ihn tot sehen, wobei ihre Motive vielschichtig waren. So warf man ihm Gotteslästerung vor.

Die Hauptszenen der Passion Jesu zeigen die Kreuztragung (unten) und die Kreuzigung (oben) mit der heiligen Veronika und Maria Magdalena. Foto: Silke Bromm-Krieger

In die betreffende Szene steigt Hans Brüggemann mit dem Judaskuss und der Gefangennahme Jesu im Garten Gethsemane ein. „Er hat die Geschichte nicht wortgetreu aus der Bibel nacherzählt, sondern frei eine eigene Bildsprache und Visualisierung für das Geschehene gefunden“, informiert die Pastorin. Seine filigrane und detailreiche Schnitzarbeit öffne eindrucksvoll Szene um Szene den Zugang des Betrachters zum Mitleiden und Miterleben der Passion Jesu.

In den ersten sechs Szenen, die auf der linken Altarseite untereinander in zwei Dreiergruppen angeordnet sind, steht Jesus nach seiner Festnahme gefesselt vor dem Hohepriester Kaiphas, der in Jerusalem der höchste jüdische Repräsentant unter römischer Aufsicht war. Jesus wird verhört, anschließend mit 49 Schlägen gegeißelt und durch das Aufsetzen einer Dornenkrone verspottet. Schließlich präsentiert ihn der römische Statthalter Pontius Pilatus dem Volk, das will, dass er gekreuzigt wird. Pilatus wendet ein, dass Jesus nichts getan habe, kann sich aber der aufgebrachten Menschenmenge nicht erwehren. Symbolisch wäscht Pontius Pilatus seine Hände daraufhin in Unschuld, während Jesus zur Kreuzigung abgeführt wird. „Bei diesen Szenen, die Darstellungen von Gewalt enthalten, fällt auf, dass keine Frauen zugegen sind“, bemerkt die Pastorin. Im Mittelpunkt stehe die Verhöhnung von Jesu durch die anwesenden Männer. „Das ändert sich jedoch, wenn wir im Mittelschrein unten auf die Kreuztragung und darüber auf die Kreuzigung schauen“, so Lasch-Pittkowski.

Mutiges Zeichen

Unter der Last des Kreuzes, das Jesu am Karfreitag zu seinem Hinrichtungsplatz auf dem Berg Golgatha tragen muss, stürzt er zu Boden. Die heilige Veronika tritt herbei und reicht ihm ein Schweißtuch, mit dem er sich das Gesicht abwischen kann. Sie setzt damit ein mutiges Zeichen der Mitmenschlichkeit und Verehrung. Sie nutzt einen kurzen Augenblick, um ihm eine kleine Wohltat zu spenden. „Das, was sie tat, war für Veronika nicht ungefährlich. Immerhin war Jesus ein vermeintlicher Schwerverbrecher auf seinem Weg zur Hinrichtung“, gibt die Pastorin zu bedenken. Bewaffnete Soldaten waren in unmittelbarer Nähe. Dennoch solidarisierte sie sich unerschrocken mit Jesu und stellte ihr eigenes Ansehen und mögliche Konsequenzen ihres Handelns hinter die Menschlichkeit. „Die Heilige Schrift offenbart uns nichts über diese Frau. In der Bibel kommt sie nicht vor“, betont sie. Historisch sei diese Begebenheit nicht gesichert. Im Hintergrund der Szenerie treten zugleich Maria, die Mutter Jesu, und ihre Begleiter aus einem Tor heraus.

Jesu wird ins Grab gelegt.
Foto: Silke Bromm-Krieger

In der Kreuzigungsszene hängt Jesus mit zwei weiteren Verurteilten sterbend am Kreuz, umgeben von Engeln, die sein Blut in Kelchen auffangen. Daneben bricht Maria in den Armen eines Jüngers zusammen. Der Blick fällt ebenfalls auf Maria Magdalena. Sie gehört zum Kreis der Frauen, die Jesus folgen und ihn unterstützen. Mit langen, lockigen Haaren und einem kunstvoll gestalteten Gewand kniet sie vor ihm, hebt flehend ihre Hände zum Gebet empor. Auch sie bringt sich dadurch in Gefahr. Rechts von ihr kommen zwei Reiter mit Pferden bedrohlich nah, doch sie harrt unbeirrt am Kreuz aus. Wir schauen nun zur rechten Altarseite und ihren sechs Szenen. Nachdem Jesus tot vom Kreuz geholt wurde, sieht man, wie Maria ihren Sohn im Schoß hält. Schmerz und Trauer sind ihr ins Gesicht geschrieben. Sie hält die Augen geschlossen und beweint den Sohn.

Berührende Szene

Eine bewegende Szene, in der sich auch andere betroffene Mütter wiederfinden können: Maria trauert um ihren Sohn Jesus.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Erstaunlich, wie es Brüggemann bei seinen Figuren stets gelingt, menschliche Gefühle wie Leid mit der entsprechenden Mimik und Gestik lebendig, wirklichkeitsnah und dazu räumlich dreidimensional darzustellen. Diese eine Maria-Szene berührt die Pastorin besonders. Bei Beerdigungen habe sie ebenfalls schmerzliche Situationen erlebt, in denen eine Mutter ihr Kind betrauern musste. „Es ist gut, dass Maria in dieser Lage nicht allein ist, sondern mitfühlende Menschen um sich hat, auch wenn sie ihren Schmerz nicht mindern können.“ Nach dieser Szene folgen die Grablegung Jesu, eine Darstellung von Christus in der Vorhölle und die Szene der Auferstehung am Ostersonntag. Während seine Bewacher schlafen, steht Jesus zwischen ihnen. Er hält einen Kreuzstab in der Hand, welcher als Zeichen des Triumphes gedeutet werden kann. Hinten in der Szenerie, kaum wahrnehmbar, stehen drei Frauen, die als Erste sein leeres Grab entdeckt hatten. Brüggemann symbolisiert das Grab durch einen Sarg. In der letzten Szene sehen wir die Begegnung Jesu mit seinen Jüngern und dem ungläubigen Thomas, der seine Finger in ein Wundmal Jesu legt, um sich zu überzeugen, dass er tatsächlich auferstanden ist. „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben“, meint Jesus daraufhin, was als Zuspruch an alle späteren Gläubigen verstanden werden kann.

Christiana Lasch-Pittkwoski ist davon überzeugt, dass die 14 Szenen auch heute noch aktuell sind. „Das ist ein starkes Zeichen. Jesus ist nicht im Tod geblieben, Gott hat ihn auferweckt. Er steht vor dem Sarg als Sieger. Wie Jesus gelebt hat, was er getan und wie er die Menschen ermutigt und befreit hat, das geht weiter. Bis heute“, unterstreicht sie. Leid und Schmerz, Gewalt und Trauer seien so dominant in unserer Welt, gerade jetzt wieder. „Aber Ostern sagt: Die Liebe, die Menschenfreundlichkeit und das Gute tragen den Sieg davon. Das gibt immer wieder neue Hoffnung“, resümiert sie.

Literatur

Oliver Auge und andere (Herausgeber): „Der Bordesholmer Altar des Hans Brüggemann“, Imhof Verlag, 49,95 €

ISBN: 9 78-3-73 19 13-13-9

Mit 336 Seiten und 234 Abbildungen ist dieser 2023 erschienene Band zur ­interdisziplinären Tagung zum 500-jährigen Bestehen des Altarretabels eine Fundgrube an Wissen und Forschungsergebnissen.

Der Schleswiger Dom beherbergt seit 1666 den Brüggemann-Altar. Gebaut wurde er ursprünglich für eine andere Kirche.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Am Ostersonntag feiern wir die Auferstehung Jesu, den Sieg des Lebens über den Tod.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Die heilige Veronika reicht Jesus das Schweißtuch. Die Bibel offenbart nichts über diese Frau, die weltweit Kirchen schmückt und für Mitmenschlichkeit steht.
Foto: Silke Bromm-Krieger


Ein Halsband als Litze

0

Mit ein paar Klicks ganze Zäune verschieben: Das klingt für Weidetierhalter traumhaft. Denn Zaunbau ist zeitaufwendig. Kommt schwieriges Gelände hinzu, wie Steillagen, Feucht- oder Schutzgebiete, wird er zur echten Herausforderung. Virtuelle Zaunsysteme könnten hier eine erhebliche Arbeitserleichterung bringen. Beim virtuellen Zaun, englisch Virtual Fence (VF), bekommt das Tier den Stromschlag nicht über die Weidezaunlitze, sondern über ein Halsband. Daran ist eine Box mit einem GPS-Empfänger befestigt, um den Bewegungsradius der Tiere zu beobachten. Auf dem Smartphone wird das Weidegebiet anhand einer Satellitenkarte virtuell eingezäunt. Der „Stromzaun“ kann per Fernwartung an- und ausgeschaltet werden.

Nähert sich das Tier der Grenze, spielt das Halsband zunächst ein akustisches Warnsignal ab. Ähnlich einer Einparkhilfe am Auto erhöht sich die Frequenz der Töne, je näher das Tier dem „Zaun“ kommt. Das akustische Signal ersetzt somit die optische Barriere einer Weidezaunlitze. Ignoriert das Tier diese Warnung, folgt ein elektrisches Signal. Der Stromschlag erfolgt direkt am Hals, ist aber um ein Vielfaches schwächer als bei einem herkömmlichen Elektrozaun. Das System besteht aus drei Warnzonen mit jeweils akustischem und elektrischem Signal. Es wird automatisch ausgeschaltet, wenn dreimal nacheinander beide Signale abgegeben wurden. Das Tier kann sich so zurück zur Herde begeben, ohne erneut Stromschläge zu bekommen. Im Falle eines Ausbruchs wird der Tierhalter über die App informiert. Der Standort des Tieres kann dabei einfach über GPS abgerufen werden. Befinden sich die Tiere im Stall, schaltet sich das System automatisch aus. Dafür werden im Stall Bluetooth-Einheiten angebracht, die den GPS-Empfänger deaktivieren.

Zum Anlernen an das System gibt es einen Lernmodus. Wenn er eingeschaltet ist, hören die Warnsignale sofort auf, wenn sich das Tier zurück zur Weide dreht. Ist dagegen der Zaunmodus aktiviert, bleibt das Signal, bis das Tier die Warnzone verlassen hat und zur ausgewiesenen Weide zurückgekehrt ist. Hat das Tier 20-mal angemessen reagiert, schaltet das System automatisch vom Lernmodus in den Zaunmodus.

Sorge um Tierwohl

Die Technologie ist in Deutschland noch nicht zugelassen, auch wenn sie in vielen Ländern Europas, in Australien und den USA bereits eingesetzt wird. Denn es gibt Bedenken, das Tierwohl könnte dadurch gefährdet sein. Schließlich sind bei Haustieren Halsbänder mit elektrischen Impulsen verboten. Allerdings gibt es zwischen diesen Trainings-Halsbändern und VF-Halsbändern einen wichtigen Unterschied: Bei Erstgenannten wird der Stromschlag über eine Fernbedienung vom Menschen ausgelöst. Dadurch können sie unsachgemäß und zum Schaden der Tiere verwendet werden. Bei VF-Halsbändern dagegen gibt es eine vorprogrammierte automatische Signalfolge, die eine Grenze definiert. Die Tiere haben so die Möglichkeit, die Signalabfolge zu erlernen und sich entsprechend zu verhalten. Dennoch müssen in Deutschland noch einige Fragen geklärt werden. Einige Studien dazu gibt es bereits. Sie alle zeigen, dass die Tiere das System erlernen können. Das zeigt sich daran, dass die Zahl der elektrischen Impulse und auch die der akustischen Signale mit der Zeit abnimmt, je länger die Tiere auf einer Weide sind. Werden sie umgetrieben, erhöht sich die Zahl wieder leicht, weil die neue Zaunlinie erst erkundet werden muss. Beobachtet wurde außerdem, dass manche Tiere wohl das Verhalten ihrer Artgenossen nachahmen und dadurch die virtuelle Grenze einhalten, ohne selbst einen Stromschlag bekommen zu haben. Ausbrüche gab es in den bisherigen Studien kaum. Bei einem Versuch mit Ziegen im Alpenraum in Tirol überquerten zwar zwei Tiere die Zaunlinie, wurden aber vom System wieder erfolgreich zurückgeleitet. In diesem Versuch führten die Mutterziegen allerdings Lämmer mit, die die virtuelle Zaunlinie überqueren durften. Das könnte ihr Verhalten beeinflusst haben.

Untersuchungen zum Stress

Um Beeinträchtigungen des Tierwohls auszuschließen, wurden in den bisherigen Studien verschiedene Indikatoren untersucht, insbesondere die Cortisol-Metaboliten im Kot. Finden sich darin viele dieser Abbauprodukte aus dem Cortisol-Stoffwechsel, weist das auf eine Stressbelastung hin. Außerdem wurden das Verhalten der Tiere beobachtet und ihre Leistung dokumentiert. Ob Färsen, Milchkühe, Schafe oder Ziegen – alle Studien haben gemeinsam, dass das Verhalten und die Leistung in Form von Tageszunahmen oder Milch nicht beeinflusst wurden. Auch ein Anstieg der Cortisol-Metaboliten im Kot konnte nicht festgestellt werden. In einer norwegischen Studie an Schafen wurde zusätzlich zu den genannten Indikatoren die Herzfrequenz dokumentiert. Sie erhöhte sich im Moment eines Stromschlags kurzfristig, sank aber innerhalb von Minuten wieder auf den Normalzustand. Das ist eine erwartbare Reaktion auf einen Stromschlag, die auch bei konventionellen Zaunsystemen entsteht.

Ein Blick in die Zukunft

Die bisherige Forschung zeigt: In VF liegt ein großes Potenzial. Wiederkäuer lassen sich damit gut begrenzen, ohne dass das Tierwohl gefährdet wird. Das System spart Arbeitszeit, macht Zaunverschiebungen flexibler und ermöglicht eine bessere Tierüberwachung aus der Ferne, insbesondere in Kombination mit Drohnen. In Ländern wie Australien und Neuseeland wird VF ganz ohne Außenzäune eingesetzt. In Deutschland mit seinem engen Verkehrsnetz wird weiterhin ein herkömmlicher Elektrozaun als Außenbegrenzung nötig bleiben. Hier liegt das Potenzial darin, Portionsweiden zu unterteilen oder einzelne Bereiche auszuzäunen, zum Beispiel weil sie gerade nachwachsen sollen.

Dr. Dina Hamidi von der Universität Göttingen forscht schon länger zu VF. Sie betonte bei einer Online-Veranstaltung des Grünlandzentrums Niedersachsen-Bremen: „Man muss beim Zaunbau nicht mehr groß und rechteckig denken, sondern kann ganz kleinteilig Quadrate auszäunen. Das ist ein großer Schritt gegenüber dem, was wir aktuell mit Auszäunungen erreichen können. Virtuelles Zäunen hat das Potenzial, Weidesysteme auf nachhaltige Weise neu zu denken.“ Der entscheidende Vorteil sei der Wissenschaftlerin zufolge die schnelle Reaktionsmöglichkeit auf sich verändernde Weidebedingungen wie Überschwemmungen oder Giftpflanzen. Besonders kommt das auf strukturreichen Flächen wie Mooren oder in Berggebieten zum Tragen.

Und die Wirtschaftlichkeit?

Wie aber steht es mit der Wirtschaftlichkeit? In einer Modellstudie an der Universität Hohenheim in Stuttgart, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, wurden ökonomische und managementbezogene Faktoren untersucht, die die Einführung virtueller Zaunsysteme in Milchviehbetrieben beeinflussen. Ergebnisse: Die wirtschaftliche Leistung von VF hängt stark von der Betriebsgröße, dem Weidemanagement und den notwendigen betrieblichen Anpassungen ab. VF kann die Arbeitszeit reduzieren – die wegfallende Zaunpflege beispielsweise spart je nach Betrieb bis zu ein oder zwei Stunden am Tag. Die Rentabilität wird aber begrenzt durch die Investitions- und Anpassungskosten. Es reicht nicht aus, nur die Zäune zu tauschen, auch das Management muss optimiert werden. Für Betriebe mit 150 Kühen und mehr könnte VF kosteneffektiv werden, so die Ökonomen. Kleinere Betriebe dagegen hätten Verluste, weil die Anschaffungskosten sehr hoch sind. Das System wird profitabler, je mehr Weide auf dem Futterplan steht. Werden weitere digitale Technologien mit VF kombiniert, steigen Effizienz und Anwendbarkeit. Landwirte können außerdem Ökosystemleistungen integrieren; zum Beispiel indem sie ein Gebiet für Naturschutzmaßnahmen auszäunen. Die Leistungen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik können hier entscheidend sein, zum Beispiel für Extensivierung (Eco-Scheme 4) oder Biodiversität (Eco-Scheme 5). Nach 2027 könnten sich hier noch Änderungen ergeben. Berücksichtigt werden muss auch, dass die Effizienz der Weidenutzung steigt. Weidereste können um 10 % reduziert werden, so die Stuttgarter Wissenschaftler. Dadurch werden die Grundfutterleistung erhöht und Kraftfutterkosten gespart. Sie zeigen sich optimistisch: Langfristig werden die Technologie- und Datenübertragungskosten für VF sinken, wenn die Systeme weiterentwickelt werden. Dadurch werde es für alle Betriebstypen wirtschaftlich tragfähiger. 


Forschungsprojekt „GreenGrass“

Infos zum Stand der Forschung bei Virtual Fences gibt es unter www.greengrass-­project.de

Der Forschungsverbund „Green­Grass“ versucht, smarte Lösungen für Beweidung zu entwickeln. So sollen mehr Wiederkäuer zurück auf die Weide gebracht werden, um eine nachhaltige Weidewirtschaft zu fördern. Unter anderem wollen die Projektteilnehmer virtuelle Zaunsysteme in Deutschland etablieren.


Pferde im Frühjahr

Im Frühjahr müssen Pferde mit mehreren Umstellungen gleichzeitig zurechtkommen. Es wird wärmer, der erste Weidegang steht bevor. Zusätzlich befinden sie sich im Fellwechsel. Damit die Tiere diese Phase gut überstehen, kann man einiges tun.

Das Frühjahr auf dem Pferdebetrieb ist arbeitsintensiv. Schon vor dem ersten Weidegang gibt es einiges zu tun, um Gesundheitsrisiken zu minimieren. Zunächst einmal muss die Weide auf ihre Hütesicherheit hin überprüft werden. Über den Winter haben Schnee, Nässe und Stürme den Zäunen zugesetzt. Abgebrochene Isolatoren und morsche Pfähle müssen ersetzt, durchhängende Litzen nachgespannt, abstehende Latten wieder angeschraubt werden. Außerdem sollte man den Bewuchs genau anschauen und unerwünschte oder giftige Pflanzen ausreißen oder abmähen.

Das Pferd ist ein Gewohnheitstier. Veränderungen mag es nicht. Das betrifft sowohl die Psyche als auch den Körper. Aus diesem Grund sollten alle Umstellungen behutsam durchgeführt werden. Das gilt insbesondere für die Futterumstellung von Heu auf Weidegras. Eine zu plötzliche Umstellung kann zu gesundheitlichen Problemen führen, darunter harmlosere wie Durchfall oder Kotwasser, aber auch potenziell lebensgefährliche wie Kolik oder Hufrehe.

Nur eine Umstellung

Pferde müssen langsam über mehrere Wochen angeweidet werden, damit das Milieu im Darm die Möglichkeit hat, sich an die veränderte Futterzusammensetzung zu gewöhnen. Im „Praxisratgeber Pferdefütterung“ der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) wird empfohlen, sie über mindestens eine Woche täglich nur 10 min ans Gras zu lassen, bevor die Zeit langsam gesteigert wird, am besten um jeweils 15 min.

Während der Anweidezeit sollte nicht zusätzlich ein anderes Futter umgestellt werden, zum Beispiel das Kraftfutter. Das könnte den Verdauungstrakt überfordern.

Eine besondere Gefahr stellen die Fruktane im Gras dar. Wie man heute weiß, spielen sie eine große Rolle bei der Entstehung von Hufrehe. Fruktane sind langkettige Zucker, die die Pflanzen für das Wachstum brauchen. Je mehr Sonneneinstrahlung es gibt, desto mehr Fruktane werden gebildet. Wenn aber gleichzeitig die Temperaturen niedrig sind, kann die Pflanze nicht wachsen. In diesem Fall werden die Fruktane im Stängel gespeichert.

Manfred Coenen und Ingrid Vervuert raten daher in dem Buch „Pferdefütterung“, hufrehegefährdete Pferde an sonnigen Vormittagen nach kalten Nächten (Temperaturen unter 10 °C) gar nicht auf die Weide zu lassen. Für betroffene Pferde empfiehlt es sich sogar manchmal, sie erst später im Jahr anzuweiden, da die Fruktangehalte sich im Verlauf des Frühjahrs verringern. Auch Maßnahmen, die die Grasaufnahme reduzieren, wie Fressbremsen, kann man einsetzen.

Kurz gefressenes oder gemähtes Gras enthält besonders viele Fruktane. Es ist daher besser, mit dem ersten Weidegang zu warten, bis das Gras mindestens 20 cm Höhe erreicht hat.

Neben den Fruktanen, die im Dickdarm verdaut werden, spielen bei der Entstehung von Verdauungsstörungen und Hufrehe aber auch Einfachzucker eine Rolle, die bereits im Dünndarm verdaut werden können. Der Grasbestand auf der Pferdeweide sollte einen eher niedrigen Gesamtzuckergehalt aufweisen, was sich durch die Ansaat geeigneter Grasmischungen beeinflussen lässt.

Anfangs sollten die Pferde am besten nur für 10 min auf das Gras, damit sich der Magen-Darm-Trakt langsam umstellen kann. Foto: Gisela Ehret

Ausreichend Bewegung

Die meisten Pferde sind beim ersten Weidegang außer sich vor Freude. Sie beginnen zu galoppieren und machen wilde Bocksprünge. So schön das anzusehen ist, so birgt es auch Verletzungspotenzial. Darum ist es wichtig, den Tieren den Winter über Möglichkeiten zur freien Bewegung zu geben. Pferde, die in der kalten Jahreszeit ausreichend Auslauf auf einem wetterfesten Paddock genossen haben, sind beim Weideauftrieb ruhiger. Außerdem ist ihr Bewegungsapparat trainierter, sodass sie auf die Eskapaden vorbereitet sind und sich nicht so schnell verletzen.

Zu Beginn der Weidesaison sollten Pferde nur gemeinsam mit Artgenossen weiden, die sie bereits kennen, damit zu der allgemeinen Aufregung nicht noch Auseinandersetzungen hinzukommen.

Rechtzeitig vor dem ersten Weidegang steht je nach Entwurmungsstrategie auch eine Wurmkur oder eine Kotprobe an, damit die Pferde wurmfrei auf die Koppel gehen und ihre Darmparasiten nicht gleich auf der Weide verteilen.

Manchen Pferden, vor allem den älteren, machen im Frühjahr die Wetterumschwünge zu schaffen. Wechselt das Wetter abrupt von kalt auf warm, kommt es mitunter zu Kreislaufkoliken. Die Ursache liegt hier nicht im Magen-Darm-Trakt, sondern im Herz-Kreislauf-System. Die Symptome können aber dieselben sein. Eine Kreislaufkolik wird mit kreislaufstabilisierenden Medikamenten und Infusionen behandelt. Um sie zu vermeiden, sollte man Pferde im Frühjahr bestmöglich vor Überhitzung schützen. Sie haben in der Regel das Winterfell noch nicht abgeworfen und schwitzen daher bei wärmeren Temperaturen leichter. Gerade für ältere Pferde muss darum das Training an warmen Frühlingstagen angepasst oder pausiert werden. Bei sehr dichtem Winterfell kann manchmal eine Teilschur Erleichterung bringen.

Krisenresistent werden – aber wie?

0

In einer Krise greifen bewährte Lösungsmuster nicht mehr. Der landwirtschaftliche Abend der Freien evangelischen Gemeinde in Hohenlockstedt brachte hierzu zwei Perspektiven zusammen: die seelische Seite des Menschen durch Diplom-Psychologin Marita Schneider und die betriebswirtschaftliche Praxis von Enno Karstens von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH).

„Irgendwann sind wir alle einmal platt, und es ist gut zu wissen, dass die Krise nicht das letzte Wort hat“, begrüßte Landwirt Eckard Hedt die Gäste des Abends. „Doch wie gehen wir mit Krisen um?“, gab er mit einer Frage an Marita Schneider weiter.

Die Psychologin eröffnete ihren Vortrag mit einer Prise Selbstironie: Landwirte fänden selten den Weg auf die Couch, oft getrieben von dem Vorurteil, man sei „doch nicht bekloppt“, oder der Überzeugung, dass harte Arbeit die beste Ablenkung sei.

Doch ihre zentrale Frage laute: Warum zerbricht der eine an einer schweren Erfahrung, während der andere gestärkt daraus hervorgeht? Die Antwort liege in der Resilienz – der psychischen Widerstandsfähigkeit, die Schneider mit der Fähigkeit einer Sprungfeder verglich. Die verforme sich unter Druck, springe aber danach in die Ursprungsform zurück. Resilienz sei wie ein Muskel trainierbar.

Optimismus lernen

Die Psychologin aus Hohenlockstedt stellte acht Faktoren der Resilienz vor. Optimismus sei kein naives positives Denken, sondern die Zuversicht und Offenheit für eine positive Entwicklung, selbst wenn es gerade schwer sei. Akzeptanz nehme Dinge an, wie sie sind. Schneider zitiert das bekannte Gelassenheitsgebet: die Kraft, Dinge hinzunehmen, die man nicht ändern kann, und den Mut, das Veränderbare anzugehen. Gegen Unabänderliches anzukämpfen, raube wertvolle Energie. Schneider warb um Lösungsorientierung statt Schockstarre oder der Schuldsuche. Die entscheidende Frage sei: „Und was machen wir jetzt?“ Es gehe darum, die Antwort darauf in konkrete Schritte umzusetzen.

Selbstwirksamkeit beschreibe das Vertrauen in die Fähigkeit, selbst etwas bewirken zu können. Wer sich in eine Opferrolle begebe und nur äußere Mächte wie die EU, die Bürokratie oder gar das Schicksal verantwortlich mache, verliere seine Handlungsenergie.

Wichtig sei ein soziales Netzwerk vor Ort. „Menschen sind Beziehungswesen, wahre Freunde zeigen sich in der Krise“, so die Diplom-Psychologin. Dazu gehöre es auch, Unterstützung anzunehmen, statt immer nur stark sein zu wollen.

Zukunftsorientierung bedeute, den Blick nach vorn zu richten. Schneider riet dazu, eine Liste mit Wünschen und Träumen zu führen und diese nicht aufzuschieben. Dazu gehöre die mit dem Wort Selbstregulation umschriebene Fähigkeit, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu steuern, ohne von Wut oder Angst überrollt zu werden. Als achten Punkt führte Schneider die Spiritualität an. Das Vertrauen in eine höhere Macht könne ein „sicherer Hafen“ sein. Wissenschaftliche Studien belegten, dass Glaube und Vertrauen die Genesung bei Krankheiten signifikant beschleunigen könnten, da sie Hoffnung gäben und Stress reduzierten.

Der Ziegelstein

Enno Karstens, selbst aus einer Bauernfamilie stammend, schlug die Brücke zur harten Realität der Betriebswirtschaft. Der Leiter der LKSH-Abteilung Bildung, Betriebswirtschaft, Beratung verdeutlichte, dass wirtschaftliche Probleme oft schleichend begännen und in Krisen mündeten, wenn die eigene Verantwortung nicht aktiv wahrgenommen werde. Landwirte seien „Mengenanpasser“ und hingen extrem von Marktschwankungen ab. Er skizzierte ein Modell verschiedener Krisenstufen, die ein Unternehmen durchlaufen könne.

Es beginnt mit einer Sinn- und Strategiekrise: Hier werden zukünftige Potenziale nicht erkannt, oft gepaart mit der Weigerung, das eigene Geschäftsmodell zu hinterfragen („Das war schon immer so.“). Es endet im schlechten Fall mit einer Rentabilitäts- und Liquiditätskrise: Umsatz- und Gewinneinbrüche führen zu Zahlungsschwierigkeiten und schließlich zur Insolvenz. Der entscheidende Moment in Karstens‘ Ausführungen war aber der Wendepunkt im Krisenverlauf. Funktionierten bisherige Lösungen nicht mehr – sei es, weil Arbeitskräfte zu teuer seien oder die familiäre Unterstützung wegbreche –, stehe der Unternehmer am Scheideweg.

Karstens warnte eindringlich vor der Abwärtsspirale aus Jammern, Anklagen und dem Verharren in alten Mustern, symbolisiert durch den sprichwörtlichen „Ziegelstein auf der Brust“. Der Weg nach oben führe über die emotionale Einsicht, alte Muster loszulassen, um neue Wege zu finden, etwa eine Automatisierung von Arbeiten oder die Delegation von Aufgaben.

Der Berater machte deutlich, dass Betrieb und Mensch in der Landwirtschaft untrennbar miteinander verwoben sind. Er habe Landwirte leise weinen sehen, wenn Kühe den Hof verließen oder Generationenprojekte scheiterten. In solchen Momenten reiche eine rein betriebswirtschaftliche Beratung nicht mehr aus; es bedürfe einer Prozessberatung, die den Menschen begleite.

Karstens hob hervor, dass es oft Mut koste, sich zu öffnen. Die Kooperation mit der landwirtschaftlichen Sozialversicherung „Mit uns im Gleichgewicht“ unterstütze die körperliche und seelische Gesundheit schon im Vorfeld einer Erkrankung. Auch Krisen-Hotlines für Landwirte setzten hier an.

Klar wurde in beiden Vorträgen: Wer handelt, statt nur zu reagieren, bleibt psychisch stabiler. Beide Referenten gaben zu , dass echte Veränderung schwer sei. Manch einer müsse erst im Dreck liegen, bevor er bereit sei, neue Pfade zu beschreiten.

Abkürzungen erwiesen sich oft als Sackgassen; der Weg aus der Krise erfordere Zeit, Übung und das Aushalten in Lernprozessen. Zum Abschluss betonte Karstens, dass Stolz auf die eigene Herkunft und klare Perspektiven für die nächste Generation die Basis für eine zukunftsorientierte Landwirtschaft seien.

Die Bauernhofcafé-Saison startet

Pünktlich zum Start in die neue Saison hat die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ihre neue Broschüre „Gemütlich ­Kaffee trinken und Feiern auf dem Land 2026/2027“ vorgestellt. Präsentiert wurde sie im Rahmen eines Pressetermins in der Landbrauerei Kirschenholz in ­Schillsdorf.

Die Broschüre gilt seit Jahren als beliebter Begleiter für Ausflüge aufs Land. Sie richtet sich gleichermaßen an Einheimische wie Touristinnen und Touristen und lädt dazu ein, die Vielfalt der Bauernhofcafés und Festscheunen im ganzen Land zu entdecken. Kammerpräsidentin Ute Volquardsen betonte die besondere Rolle der Hofcafés: Sie seien Orte der Begegnung, an denen Landwirtschaft erlebbar werde und Menschen eine Auszeit vom Alltag fänden.

In der aktuellen Ausgabe werden 42 Betriebe aus ganz Schleswig-Holstein vorgestellt. Die Bandbreite reicht vom kleinen, familiengeführten Café bis hin zu größeren Betrieben mit Direktvermarktung, Gastronomie und Veranstaltungsangeboten. Neu ist unter anderem die stärkere Betonung von Feiermöglichkeiten, etwa für Hochzeiten oder Familienfeste. Auch zusätzliche Kennzeichnungen, beispielsweise zur Kinderfreundlichkeit, erleichtern die Orientierung.

Ein besonderes Highlight der Veranstaltung war die Präsentation der Torten des Jahres 2026. Die teilnehmenden Betriebe stellten ihre Kreationen vor – von der Stachelbeer-Baiser-Torte bis zur klassischen Eierlikörtorte. Weitere Einblicke in die Betriebe, die Torten des Jahres und die neue Broschüre gibt es im Bauernblatt 15/2026.

Die Broschüre ist ab sofort in den teilnehmenden Cafés, bei Tourist-Informationen, in den Außenstellen der Landwirtschaftskammer sowie online unter www.lksh.de erhältlich.