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Start der Sommerblumensaison

Der Frühling kommt, und es juckt allen Pflanzenfreunden in den Fingern. Am 30. April gab nun die Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Ute Volquardsen, den Startschuss für die diesjährige Saison der Beet- und Balkonpflanzen sowie Sommerblumen.

Auf dem Blumenhof Pein in Halstenbek, einer familiengeführten Einzelhandelsgärtnerei, konnten Betriebsinhaber Werner Pein, Tochter Vivian Pein, Inga Balke für den Wirtschaftsverband Gartenbau Norddeutschland sowie Ute Volquardsen zahlreiche Pressevertreter begrüßen. In Bild und Ton wurde dabei festgehalten, wie die Ehrenvertreter im Anschluss Kübel bepflanzten und Werner Pein diese dem Bürgermeister der Gemeinde Halstenbek, Jan Krohn, zur weiteren Verwendung vor dem Halstenbeker Rathaus spendete. Unter den dabei verwendeten Pflanzen war auch die rosafarbene Petunie ,Zarte Marte‘, die von einem Gremium aus Zierpflanzenbauexperten zur Pflanze des Jahres im Norden 2026 gekürt wurde. Der Blumenhof Pein und viele andere familiengeführte Einzelhandelsgärtnereien in Schleswig-Holstein nehmen dabei an der Zertifizierung „Im Norden gewachsen“ teil, einem Zertifizierungssystem für lokal produzierte Zierpflanzen, das im Rahmen des Gütezeichens Schleswig-Holstein auditiert wird.

Kleinsolter Turniertage

Bereits im sechsten Jahr luden die Veranstalter zu den Kleinsolter Turniertagen auf der Anlage der Familie Blunck im Kreis Schleswig-Flensburg ein. Mit Prüfungen von Klasse E bis S, Kreismeisterschaftswertungen, dem Kuschel Cup und einer Dreisternepremiere war für sportliche Höhepunkte gesorgt.

Der Turnierauftakt gehörte traditionsgemäß den jungen Pferden, und die zeigten sich von ihrer besten Seite. Ein besonderes Ausrufezeichen setzte Melanie Klein: Das dritte Jahr in Folge gewann sie die Dressurpferdeprüfung der Klasse S, diesmal mit dem siebenjährigen Denicio und der Note 8,0. Dahinter reihten sich Niklas Müller mit Ibiza’s Boy sowie Kerstin Rabeler mit Donna Lucia RA ein.

Der Sonnabend begann mit viel Wind und einem Gänsehautmoment: Der Kuschel Cup startete in seine fünfte Saison. Knapp 30 Nachwuchstalente eröffneten den Tag mit tollen Ritten. Für große Emotionen sorgte Helene Marie Schlüter, die sich mit Petit Cherry Blossom und einer 8,2 den Sieg sicherte – Freudentränen inklusive. Die flossen auch bei der zweitplatzierten Enya Lynn Zitzmann. Dahinter rangierte Emily-Pauline Dau. Die besten drei sicherten sich damit ihre Finaltickets.

Am Nachmittag wurde es anspruchsvoll. Im St. Georg Special setzte sich Morlin Jochimsen mit Inspire durch. Gastgeberin Luisa Erichsen glänzte nicht nur mit Platz zwei im Sattel von Sweet Remember, sondern wurde auch mit dem Fairnesspreis für pferdegerechtes Reiten ausgezeichnet. Dahinter folgte Ken-Christian Horst mit seinem Wallach Dareios del Cuore.

Das große Highlight des Turniers war die Intermediaire II auf Drei­sterneniveau. Hier zeigte die Flensburgerin Leonie Ottmar eine beeindruckende Leistung und dominierte das Starterfeld gleich doppelt: Sieg mit Don Horatio (72,081 %) und Platz zwei mit De Luca. Auf Rang drei komplettierte Melanie Klein das starke Ergebnis mit Floris Grey, mit dem sie ebenfalls die 70-%-Marke knackte: ein würdiger Abschluss für einen hochklassigen Turniertag.

Bei strahlendem Sonnenschein, vollen Rängen und bester Stimmung wurde der Sonntag zu einem echten Fest. In der S*-Dressur schrieb Gastgeberin Luisa Erichsen ihre ganz persönliche Geschichte. Mit ihrer achtjährigen Sweet Remember sicherte sie sich ihren ersten Sieg in der schweren Klasse, und das vor heimischem Publikum. Ein Moment, der nicht nur sie, sondern auch viele Zuschauer sichtlich bewegte.

Neben all den sportlichen Erfolgen blieben vor allem die Atmosphäre, die stilvollen Siegerehrungen, das gute Miteinander und die vielen kleinen Details in Erinnerung. „Im Vorfeld ist es immer viel Organisation. Ohne unser Team und unsere Stallgemeinschaft wären die Kleinsolter Turniertage nicht zu stemmen“, sagte Veranstalterin Gisela Blunck-Erichsen. „Viele aus den eigenen Reihen sind Helfer, Sponsor und Unterstützer zugleich. Jeder packt mit an. Auch freuen wir uns über den großen Zuspruch der Reiter, die nicht nur die guten Bedingungen und die tolle Atmosphäre loben, sondern auch mit Sponsoring unterstützen. Wir wissen, dass das alles in diesen Zeiten nicht selbstverständlich ist.“

Quotenende führte zu Mehrproduktion

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Nach dem Ende der EU-Milchquotenregelung zum 1. April 2015 kam es zu einer Steigerung der Milchproduktion. Zwischen 2015 und 2024 erhöhten sich die Kuhmilchanlieferungen in der gesamten Europäischen Union um mehr als 7 %. Allerdings gab es in den wichtigen Produktionsländern Deutschland, Österreich und Frankreich unterschiedliche Entwicklungen. Wie diese aussehen, zeigt eine Analyse der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), der österreichischen Agrarmarkt Austria (AMA) und der französischen Agrarbehörde FranceAgriMer.

Laut Bericht waren in den drei Ländern die Milchmengen schon kurz vor dem Ende der Quotenregelung gestiegen. In Deutschland hatte es bereits seit 2007 einen starken Anstieg der Milcherzeugung und
-anlieferung gegeben, der sich bis zum Quotenende fortsetzte. Danach blieb die Milcherzeugung weitgehend konstant und schwankte zwischen 32,5 Mio. t und 33,1 Mio. t pro Jahr.

Parallel zur Milcherzeugung stieg zum Ende der Quotenregelung die Zahl der Milchverarbeitungsbetriebe in Deutschland sprunghaft an. Seitdem ist sie jedoch rückläufig, liegt aber noch über dem Stand von 2015. Auch die Zahl der Kuhmilch-Erzeugerorganisationen zeigte laut Bericht nach dem Quotenende einen Anstieg. Im Jahr 2015 wurden 144 gezählt, worauf ein deutliches Wachstum folgte. Bis 2024 stieg die Zahl auf 179 Erzeugerorganisationen, was einer Erhöhung um rund 24 % entspricht. Das spiegelt die zunehmende Bedeutung von Milcherzeugerorganisationen für Landwirte wider.

Anders sah es in Österreich aus. Dort fehlen Erzeugerorganisationen in der Milchbranche fast völlig. Dies hängt den Marktexperten zufolge mit dem nachgelagerten Bereich zusammen, der in dem Alpenland weitgehend in Form von Genossenschaften organisiert ist. Das Auslaufen der Milchquote hatte in Österreich einen deutlichen Einbruch der Erzeugerpreise, einen vorübergehenden Produktionsanstieg und vermehrte Betriebsaufgaben, Meiereischließungen sowie Anpassungen der Handelsströme zur Folge. Viele dieser Entwicklungen seien jedoch laut Bericht eher auf den allgemeinen Strukturwandel im ländlichen Raum seit dem EU-Beitritt des Landes im Jahr 1995 zurückzuführen.

In den vergangenen drei Jahrzehnten war der österreichische Milchmarkt durch ein deutliches Produktionswachstum gekennzeichnet. Während 1995 eine Gesamtmenge von 2,29 Mio. t Rohmilch angeliefert wurde, waren es 2024 rund 3,58 Mio. t; das war ein Plus von 56 %. 2015 waren 3,10 Mio. t Milch erfasst worden. Allerdings hat die Abschaffung der Quoten den Strukturwandel stark befeuert. Im Jahr 2015 zählte Österreich insgesamt 29.124 Milch liefernde Betriebe; 2024 waren es nur noch 21.557. In den vergangenen drei Jahrzehnten haben fast drei Viertel der Milchviehbetriebe aufgegeben. Im Jahr 1995 waren es noch 83.793.

In Frankreich hatte die Milcherzeugung dem Bericht zufolge 2014 einen Höhepunkt erreicht. Nach dem Auslaufen der Quoten brach die Produktion aufgrund einer Milchpreiskrise ein. Der Standardmilchpreis verzeichnete insbesondere in den Monaten vor dem Quotenende starke Rückgänge und lag im ersten Quartal 2015 um 20 % unter dem des Vorjahreszeitraums. Die Zahl der Milchbauern, die bereits vor dem Quotenende rückläufig war, sank zwischen 2015 und 2024 um rund ein Drittel. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Milchabnahme pro Betrieb an, und zwar um 41 %. Neben einer Erhöhung der durchschnittlichen Herdengröße wirkte sich hier eine Steigerung der Milchleistung pro Kuh aus.

Darüber hinaus begann kurz nach dem Ende der Quote im französischen Milchsektor eine dritte Umstellungswelle hin zur Bioproduktion. Zwischen Januar 2015 und Januar 2022 legte die Zahl der Biomilcherzeuger um fast 40 % zu. Der Anteil von Biomilch an der gesamten Milchanlieferung stieg von 2,3 % im Jahr 2015 auf 5,5 % im Jahr 2022. Allerdings ist dieser Anteil seitdem rückläufig; im ersten Halbjahr 2025 lag er durchschnittlich bei 4,9 %. age

EMB pocht auf Lieferverzicht

Das European Milk Board (EMB) hat an die EU-Kommission appelliert, sofort den freiwilligen Milchlieferverzicht gegen Entschädigung zu aktivieren. Am europäischen und globalen Milchmarkt sei eine neue Eskalationsstufe erreicht, erklärte der Dachverband des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Brüssel. Die Milcherzeugung sei sehr stark gestiegen und lege weiter zu. Die Rekordproduktionsmengen trieben Europa in einen Preiskollaps. Eine solche Entwicklung liege deutlich außerhalb normaler Marktschwankungen und führe direkt in eine neue schwere Krise.

Nach Ansicht des EMB ist der freiwillige Lieferverzicht das zentrale Instrument, um die Milchmengen zu stabilisieren und einen weiteren Preisverfall zu verhindern. Die Mengen müssten herunter, um für stabile Erzeugerpreise zu sorgen, so der Verband. Nur so könne man Perspektiven für die nächste Generation von Landwirten sichern. Schon jetzt gäben immer mehr Betriebe auf. Besonders junge Erzeuger hätten keine Perspektive, wenn Märkte dauerhaft instabil blieben und die Preise sich unter den Produktionskosten bewegten.

Konkrete Pläne für ein Joint Venture von BDM und Milchindustrieverband für einen Milch­markt-Krisdenindex existieren indes – trotz zuvor anderslautender Meldungen (siehe BB 16/2026) – nicht.

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Wandelröschen wechseln die Farbe

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Die Blüten der Wandelröschen werden gern von Insekten besucht. Fotos: Karin Stern

Das Wandelröschen stammt aus den tropischen Regionen Amerikas. Es wird bevorzugt als Kübel- und Topfpflanze kultiviert, macht aber auch in den Randbereichen von Beeten und Rabatten eine gute Figur. Ein besonderer Hingucker sind Hochstämmchen mit kompakter, reich blühender Krone.

Wer leuchtende Sommerfarben wie Gelb, Orange, Rosa, Karminrot oder Weiß bevorzugt, sollte beim Wandelröschen beherzt zugreifen. Die Blütenstände wechseln ständig die Farbe, was sich in der Bezeichnung „Wandelröschen“ ausdrückt. Die Knospen des jeweiligen Blütenstandes öffnen sich immer von außen nach innen. Daher blühen die letzten Knospen in der Mitte des Blütenstandes gerade auf, wenn sich die äußeren Knospen mit zunehmendem Alter schon wieder farblich verändern. Der jeweilige Farbton wird immer dunkler und kann im Abblühen sogar in eine andere Farbe umschlagen. Da die Blütenköpfe aus einer Vielzahl an Einzelröhrenblüten bestehen, zeigen sich immer wieder neue, ganz individuelle Kompositionen aus meist zwei bis drei Farben. Manche Sorten mit gering ausgeprägtem Farbumschlag wirken hingegen fast einfarbig. Das beeindruckende Schauspiel hält von Mai bis Oktober an. Damit zählt das Wandelröschen zu den Dauerblühern auf Balkon und Terrasse.

Zweifarbiger Blütenspaß mit der Sorte ‚Sonia‘
Das reich blühende Hochstämmchen ist eine Augenweide.

Einen besonders reichen Blüten­flor entwickelt die Pflanze am richtigen Standort und bei optimaler Pflege. Wandelröschen mögen volle Sonne und einen warmen, wind- und möglichst auch regengeschützten Platz. Je schattiger der Standort, desto spärlicher fällt die Blüte aus. Während kühlerer Phasen kann es auch einmal zum Wachstumsstillstand kommen. Steigen die Temperaturen, wächst und blüht das Wandelröschen weiter. Wer laufend Verblühtes entfernt, fördert die Neubildung von Blüten.

Wichtig ist ein hochwertiges, durchlässiges und kalkfreies Kübelpflanzensubstrat (hier sollte man nicht sparen) oder die Auspflanzung in humose, frische, kalkarme und nährstoffreiche Erde. Sinnvoll ist zudem die Gabe eines Langzeitdüngers für blühende Balkonpflanzen. Alternativ empfiehlt sich die flüssige Düngung mit dem Gießwasser bis August. Wandelröschen bevorzugen eine gleichmäßige Wasserversorgung. Da sie etwas kalkempfindlich sind, verwendet man am besten Regenwasser. Tipp: Kein Wasser im Untersetzer stehen lassen, da die tropischen Schönheiten empfindlich auf Staunässe reagieren. In heißen Sommern blühen Wandelröschen besonders üppig. Die Blüten werden gern von Bienen und Schmetterlingen besucht.

Das breite Farbspektrum der Blüten umfasst auch neutrales Weiß.

Der Handel bietet verschiedene Wuchsformen an, sodass für jeden Verwendungszweck die richtige Pflanze zu finden ist. In den letzten Jahren werden verstärkt kompakte, klein bleibende Sorten als Saisonpflanzen angeboten. Sie lassen sich wunderbar mit anderen Topfblühern kombinieren. Hübsch wirken sie auch im Balkonkasten oder als Unterpflanzung für Hochstämmchen. Die zweifarbigen Sorten der Bandana-Serie gelten als die mit den größten Blüten (Sortentipp: ‚Bandana Pink‘). Die Esperanta-Serie hingegen zeichnet sich durch lange Blühzeiten der Einzelblüten und einen reduzierten Samenansatz aus (Sortentipp: ‚Esperanta Compact Red‘ punktet mit leuchtend rot-gelben Blüten, ‚Esperanta Lemon‘ mit hellgelben Blüten). Wer einen bunten Farbenstrauß aus Orange, Gelb, Violett und Rosa bevorzugt, pflanzt ‚Calippo Tutti Frutti‘. Sie ist wohl eine der beliebtesten Sorten.

‚Esperanta Orange‘ zeigt ein klares Orange.
Mit ihrer üppigen Blüte wissen Wandelröschen zu beeindrucken.
Mit kräftigen Farben imponiert die Sorte ‚Colibri‘.

Auch als Hochstämmchen machen Wandelröschen eine tolle Figur. Sie werden im Gegensatz zu den niedrigen Saisonpflanzen mehrjährig gezogen. Den Winter verbringen sie an einem hellen, frostfreien Ort bei 6 bis 10 °C. In dieser Zeit sollte das Substrat nicht vollständig austrocknen. Zu Beginn des Neuaustriebs im März wird es Zeit für den Erhaltungsschnitt. Dafür werden die Triebe des Hochstämmchens auf eine Länge von 10 bis 15 cm eingekürzt. Dies fördert die Bildung kräftiger, vitaler und vor allem blühwilliger Jungtriebe. Alte Triebe sind blühfaul, daher sollte man beim Schnitt keine falsche Zurückhaltung an den Tag legen.

Mit der Düngung beginnt man erst, wenn der Neuaustrieb vollständig entwickelte Blätter aufweist. Tipp: Im Winterquartier kommt es schnell zum Befall mit Spinnmilben oder Grauschimmel. Man sollte daher regelmäßig kontollieren und auch an den Blattunterseiten auf einen Befall mit der Weißen Fliege achten. Vorbeugend kann der fällige Rückschnitt auch schon beim herbstlichen Einräumen vorgenommen werden. Die Vermehrung des Wandelröschens erfolgt ganz einfach über Kopfstecklinge im Früh­sommer.

‚Ponte‘ bringt Rosatöne und Gelb ins Spiel.
‚Esperanta Lemon‘ zeigt einen weniger ausgeprägten Farbwechsel und erscheint fast einfarbig gelb.
‚Herrenhausen‘ leuchtet kraftvoll und auffällig.

Demokratie beginnt nebenan

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Die Rolle der Frauen in Landwirtschaft und Gesellschaft stärken, Demokratie stabilisieren und sich gegen Verein-
nahmungen des ländlichen Raumes durch Rechtsextreme verwahren – das waren die Themen des Forums des Land-
Frauenverbandes (LFV) Schleswig-Holstein am vergangenen Sonnabend. Über 300 Delegierte und Gäste waren ins neue Deula-Schulungszentrum in Rendsburg-Süd gekommen.

„Was wir brauchen in bewegten Zeiten, ist der Schulterschluss. Wir dürfen uns im ländlichen Raum nicht abhängen lassen“, sagte LFV-Präsidentin Claudia Jürgensen. Sie trug wie alle Redner und viele Ehrengäste des Tages die „Awareness-Schleife“ des dlv als Zeichen der Solidarität: Die UNO hat 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt. Dass dieser Schulterschluss auch zur Stärkung der Demokratie unverzichtbar ist, zog sich als roter Faden durch die weiteren Beiträge.

LFV-Präsidentin Claudia Jürgensen: „Wir brauchen einen Schulterschluss.“

Mühsam erkämpfte Gleichberechtigung werde rückgängig gemacht, längst überholt geglaubtes Rollenverständnis der Frau wieder salonfähig, so Jürgensen. „Eure Torten sind der Renner, aber auf Bundesebene ist unser Kuchen politisch“, rief sie den LandFrauen zu.

Wie wichtig die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft ist, strich der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), Klaus-Peter Lucht, heraus. Bei Ausfällen übernähmen die Frauen selbstverständlich die Aufgaben auf dem Hof. Im Zuge der Diversifizierung „werden wir alle Multiunternehmer, das geht nicht ohne Frauen“. Allerdings hinkt Deutschland beim Anteil weiblicher Betriebsleitender hinter anderen EU-Ländern her. Der Bauernverband müsse „jünger und weiblicher“ werden, so Lucht. „Mit Frauen werden die Diskussionen besser, sie bekommen andere Blickwinkel.“ In den Referaten des Hauptamtes des BVSH seien inzwischen mehr Frauen als Männer beschäftigt.

LandFrauen als Vorbilder

Zur Stärkung der Demokratie setzt Lucht, der sich gegen Extremismus, egal von welcher Seite, aussprach, auf die Mitte der Gesellschaft. „Sie muss sichtbar und hörbar sein. Wir können uns nicht leisten, auf demokratisch denkende Menschen zu verzichten.“ Da seien die LandFrauen seit jeher Vorbilder.

Das Gastreferat mit dem Titel „Demokratie beginnt nebenan: Rechtsextremismus im ländlichen Raum erkennen und begegnen“ hielt Lyn Blees von den Regionalen Beratungsteams (rbt) gegen Rechtsextremismus Schleswig-Holstein (www.rbt-sh.de). Deren Beratungen sind dank Förderung kostenlos von vier Büros in Flensburg, Itzehoe, Kiel und Lübeck aus. Zuvor hatte die LFV-Präsidentin das AfD-Strukturpapier „Raus aufs Land“ aus Rheinland-Pfalz erwähnt, in dem aufgefordert worden sei, „den ländlichen Raum einzunehmen“. Man hätte diese Hilfsangebote für ein erfreuliches Konzept halten können, doch diese Leute seien nur darauf aus, Leerräume zu füllen, wo es schlimm aussehe und wo jemand gebraucht werde.

Rechte gehen aufs Land

„Rechtsextreme nutzen den ländlichen Raum als Rückzugs- und Wirkungsraum“, bestätigte Lyn Blees. „Sie finden dort ungestörte Ruhe, Platz und mangelnde Daseinsvorsorge.“ Dies werde umgesetzt durch Immobilienkauf, durch Vereinnahmung von oft einzig verbliebenen sozialen Orten wie Bürgerzentren oder Jugendtreffs oder durch rituelle Feiern fern von belebten Plätzen wie eine Sonnwendfeier am Plöner See oder ein rechtes Wikingertreffen bei Haithabu. Rechtsextreme „kümmerten“ sich um die Anliegen der Bevölkerung, machten sportliche oder gesellige Angebote (Dämmerschoppen, Bratwurststand) oder ließen sich in Vereinsvorstände oder Ortsgremien wählen, um dann nach und nach ihre Inhalte zu propagieren.

Gewalt nimmt zu

BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht: „Mit Frauen werden Diskussionen besser.“

Ein verbindendes Kennzeichen des Rechtsextremismus sei laut Blees die „Ungleichwertigkeitsvorstellung“ von Menschen: „Manche sollen mehr wert sein als andere, es richtet sich gegen das schiere Dasein bestimmter Gruppen.“ Das schlage sich auch nieder in Befürwortung von Diktatur und Verharmlosung des NS-Regimes. In der deutschen Bevölkerung ernteten solche Vorstellungen zwar nur bei 3,3 % komplette Zustimmung, aber bei 20,6 % doch eine teilweise. „Die Ansichten sind gesellschaftlich stark verankert, junge Leute machen da keine Ausnahme.“ Die Folge davon sei die Zunahme rechter Delikte und von Gewalt gegen Migranten oder politische Gegner – zum Beispiel die Brandanschläge auf Büros der demokratischen Parteien in Flensburg Anfang April.

Wie sich dagegen wehren? Sich positionieren für Toleranz, Vielfalt und Gleichberechtigung, wie es etwa der Turnverein Grundhof getan habe, rät Lasse von Bargen von den rbt, und solche Prinzipien in Satzungen verankern. Wenn in Sitzungen rechtsradikale Parolen geäußert würden, die Rede unterbrechen und auf die Tagesordnung verweisen. Bei entsprechenden Sprüchen eine Antwort parat haben, denn „wer schweigt, erweckt den Eindruck, er stimme zu“. Etwa so: „Was meinen Sie genau?“ – „Wann und wo war das?“ – „Was hätte Ihre Meinung für Konsequenzen?“ Wenn einem spontan nichts anderes einfällt, zumindest: „Ich bin nicht dieser Meinung!“

Die anschließenden Fragen aus dem Saal, die eher Ergänzungen waren, zeigten, wie bewusst und ernst den LandFrauen das Thema ist. Eine LandFrau aus Berkenthin empfahl einen Workshop, der ihr bei der Konfrontation mit Parolen geholfen habe. Als Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Schluss das Grußwort hielt, betonte er die Bedeutung der LandFrauen für den demokratischen Zusammenhalt der Gesellschaft (siehe Seite 7). 

Teamarbeit und neue Herausforderungen

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Für 13 Teilnehmende ging es Mitte April hoch hinaus: Beim Kletterseminar in der KletterBar in Kiel konnten sie verschiedene Disziplinen kennenlernen und sich praktisch ausprobieren. Das Seminar war als Teambuilding-Angebot des Landjugendverbandes angelegt und wurde von zwei professionellen Trainern begleitet.

Begonnen wurde um 10 Uhr im Boulderbereich. Spielerisch näherten sich die Teilnehmenden dem Klettern an und sammelten erste Erfahrungen auf Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Beim Bouldern wird ohne Sicherung in Absprunghöhe von bis zu 4 m geklettert, was vor allem Technik und Körpergefühl fördert.

Das Bouldern bis zu 4 m Höhe fördert besonders Klettertechnik und Körpergefühl. Foto: Levke Wieben

Im Anschluss folgte das Seilklettern in Höhen von bis zu 12 m. Die Teilnehmenden lernten, wie sie Klettergurte korrekt anlegen und sich gegenseitig sichern. Geklettert wurde in Dreiergruppen mit klar verteilten Rollen: Kletterer, Sicherer und eine zusätzliche Absicherung durch eine dritte Person. Ein besonderes Highlight war das Erklettern eines künstlichen Baumes. In der Krone angekommen, konnten sich Mutige auf einem Stumpf ausbalancieren – eine Übung, die nicht nur Kraft, sondern auch Vertrauen erforderte.

Nach einer Mittagspause wurde die Höhe weiter gesteigert: Bis zu 16 m ging es nun beim Seilklettern nach oben. Neu hinzu kam der sogenannte Kletterautomat (Autobelay), der das Sichern übernimmt. Dabei wird man nach einem kurzen freien Fall sanft und kontrolliert herabgelassen. Dieses ungewohnte Gefühl erforderte zunächst etwas Überwindung, wurde aber von vielen Teilnehmenden schnell als spannende Erfahrung angenommen.

Zum Abschluss wurde das Außengelände genutzt. Bei sonnigem Wetter wurden weitere Boulder-Routen geklettert, bis schließlich die Kräfte nachließen. Am Ende des Tages waren sich alle einig: Erschöpft, aber zufrieden und mit vielen neuen Eindrücken ging es zurück nach Hause.

Beim Seilklettern ging es unter gegenseitiger Sicherung in Höhen von bis zu 16 m. Foto: Paul Weniger

Raps-Rallye für Vorkontrakte nutzen?

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Die Rapskurse haben in den vergangenen Tagen kräftig zugelegt. An der Euronext Paris stieg der Fronttermin Mai Ende voriger Woche auf 559,50 €/t, nachdem er fünf Tage vorher noch bei rund 508 €/t notierte. Auch der August-2026-Kontrakt konnte zwischenzeitlich die Marke von 500 €/t überwinden, fiel zum Wochenschluss jedoch wieder leicht auf 503 €/t zurück. Auch wenn der Anstieg des Mai-Terminkurses eher börsentechnische Gründe vor dem Auslaufen am 30. April hat, stützten die anhaltenden Spannungen rund um die Straße von Hormus und die daraus resultierenden hohen Rohölpreise vorerst die Nachfrage nach Pflanzenölen für die Biodieselproduktion. Parallel dazu notieren Sojabohnen in den USA nahe einem Zweijahreshoch, während Canola in Kanada ebenfalls deutlich zulegen konnte. Fundamental hat sich am Rapsmarkt dagegen vergleichsweise wenig verändert. Die EU-Ernteprognose wurde zuletzt leicht nach unten korrigiert, gleichzeitig bleiben die Bestände insgesamt ordentlich. Am Kassamarkt zeigt sich weiterhin ein ruhiges Bild, da die alte Ernte weitgehend vermarktet ist und sich der Fokus zunehmend auf die neue Kampagne richtet.

Vorkontrakt 2026: Chance nutzen oder abwarten?

Vor diesem Hintergrund stellt sich für viele Betriebe die Frage, ob das aktuelle Preisniveau bereits für Vorkontrakte der Ernte 2026 genutzt werden sollte. Terminmarktkurse um oder über 500 €/t sind historisch betrachtet attraktiv und ermöglichen trotz gestiegener Betriebsmittelkosten vielfach noch eine Marge. Gerade vor dem Hintergrund hoher Diesel- und Düngerkosten kann eine Teilabsicherung sinnvoll sein, um wirtschaftliche Risiken zu begrenzen.

Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit groß. Die jüngste Rallye ist stark von geopolitischen Faktoren und der Entwicklung der Energiemärkte geprägt. Sollte es zu einer Entspannung im Nahen Osten kommen oder die Rohölpreise nachgeben, könnten auch die Rapskurse schnell wieder unter Druck geraten. Hinzu kommt die hohe Volatilität an den Terminmärkten, die zuletzt immer wieder zu kurzfristigen Rücksetzern geführt hat.

Auf der Angebotsseite sind ebenfalls noch viele Fragen offen. Die Aussaatbedingungen in Nordamerika, die weitere Entwicklung in Australien sowie die Witterung in Europa werden in den kommenden Wochen entscheidend sein. Auch der Sojamarkt bleibt ein wichtiger Taktgeber – insbesondere mit Blick auf die Nachfrage aus China und die Entwicklung der südamerikanischen Ernten.

Gelb leuchtende Ölfelder

Heimische, hübsch blühende Ölfelder sind ein großes Plus in Zeiten der Energiekrise. Im normalen Diesel an deutschen Tankstellen stecken heute in der Regel bis zu 7 % Biodiesel, der aus Raps oder auch aus Altspeisefetten gewonnen wird. Biodiesel hilft den Mineralölunternehmen, die gesetzliche Treibhausgasquote zu erfüllen und CO2-Kosten zu sparen. Ohne Biokraftstoffe müssten mehr CO2-Zertifikate gekauft werden, was Diesel verteuern würde. Das aktuelle Preisniveau bietet eine gute Gelegenheit, zumindest Teilmengen der Ernte 2026 über Vorkontrakte abzusichern. Gleichzeitig spricht die weiterhin hohe Unsicherheit dafür, nicht die gesamte Ernte frühzeitig festzuschreiben. Eine gestaffelte Vermarktung bleibt damit auch in diesem Jahr der sinnvollste Weg, um Chancen zu nutzen und Risiken zu begrenzen.

Fulminante Premiere auf dem neuen Platz

Internationaler Turnier- und Ausbildungsstall und seit Jahrzehnten renommierte Hengststation – der Name Ahlmann aus Reher ist weit über Schleswig-Holstein hinaus bekannt. Nun wartete Hausherr Dirk Ahlmann mit einer Neuerung auf: Der große Ebbe-Flut-Platz ist fertiggestellt, und seine Einweihung wurde im Rahmen des Turniers Ahlmann Masters gefeiert.

„Das ist für mich schwer zu realisieren, ist mit vielen Emotionen verbunden und einer großen Dankbarkeit“, erklärte Dirk Ahlmann zur Eröffnung des Springplatzes. Dieser sei schon lange sein Traum gewesen. Dankbar sei er auch dafür, dass seine Kinder Pheline und Hannes sich entschlossen hätten, in seine Fußstapfen zu treten, und „dass wir diesen Traum nun gemeinsam leben“. Als Würdigung des Starvererbers Cascadello erhielt der neue Ebbe-Flut-Platz mit den Maßen 50 x 100 m den Namen Cascadello-Arena. Um die Qualität des Platzes unter Beweis zu stellen, bat Familie Ahlmann an vier Tagen zum Turnier-Event.

Sportlicher Höhepunkt war der Große Preis am Sonnabend. Von den 32 Startern qualifizierten sich zehn für das Stechen. Rolf-Göran Bengtsson und der Holsteiner Caillan sahen schon wie die sicheren Sieger aus. Sie fegten in der Bestzeit von 37,95 s durch die finale Aufgabe, doch am letzten Hindernis fiel die Stange. Die Dänin Miamaja Lundblad und Crystal Blue markierten mit 38,48 s eine Bestmarke, die nicht mehr getoppt werden konnte. Auf Platz zwei kam Teike Friedrichsen mit Kasanga VA in fehlerfreien 38,61 s, vor Pheline Ahlmann und Carlon SR in 39,38 s.

Vor dem Großen Preis hatte Familie Ahlmann persönlich den Platz betreten, um sich an die Anwesenden zu wenden. „Mit der Cascadello-Arena verfolgen wir eine Vision“, sagte Hannes Ahlmann. „Wir wollen nicht nur den Generationenwechsel bei uns in der Familie einleiten und auf die nächste Stufe heben, damit wir uns als Team mit unseren Schülern und im Sport weiterentwickeln. Sondern wir wollen darüber hinaus der Region etwas zurückgeben, beste Trainings- und Turnierbedingungen für Profis, Amateure und junge Pferde schaffen und so dazu beitragen, dass Holstein seinen Weg zurück an die Spitze des Springsports findet.“

Im Teamwettbewerb „Spiel ohne Grenzen“ traten 20 Mannschaften in Bullenreiten, Hüpfburg, Parcours für Fußgänger und Skifahren an. Am Ende siegte das Team Ritters. Dirk Ahlmann erklärte: „Wenn ich es nicht schaffe, die ländliche Region für unsere Veranstaltung zu gewinnen, dann werde ich es noch weniger schaffen, die Menschen in der Umgebung für den Pferdesport zu begeistern. Ich wollte sie also abholen und zum Mitmachen animieren.“

Die Familie präsentierte im Rahmen der Veranstaltung ihr aktuelles Hengstlot, inklusive des Ausnahmevererbers Cascadello von Casall-Clearway. An der Hand von Dirk Ahlmann präsentierte sich der 17-Jährige frisch und athletisch. Auch der 90-jährige Besitzer Prof. Bernd Heicke und seine Tochter Claudia Heicke waren dafür anwesend. Ahlmann und sein Mäzen haben gemeinsam eine besondere Idee entwickelt: „Von jeder Stute, die von einem Hengst der Station Ahlmann belegt wird, fließen 10 % der eingenommenen Deckgelder in den Sport zurück“, fasste Dirk Ahlmann zusammen.

In Zukunft soll es auf der Anlage einmal im Jahr ein besonderes Event geben, und der Reitverein Hanerau-Hademarschen wird hier sein Hausturnier durchführen. Außerdem sollen Turniere entstehen, bei denen junge Pferde und Reiter ausgebildet werden können. Ahlmanns wollen Menschen, die neu in den Pferdesport einsteigen, die Basis vermitteln. „Das heißt, wir holen die Nachwuchssportler an der Meldestelle ab, gehen den Parcours ab und begleiten sie während der Prüfungen“, erklärte der Hausherr. So möchte die Familie ihren Teil dazu beitragen, dass der Reitsport weiterhin seine Berechtigung hat. pm

Input der Betriebe ist die Basis der Beratung

Die Ausbildung und Beratung sind wichtige Kernaufgaben der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH). Die Mitglieder des Fachausschusses diskutierten vor Kurzem im Gartenbauzentrum in Ellerhoop lebhaft darüber, wie die Zukunft in diesem Bereich gestaltet werden sollte. Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin der LKSH, sagte unter anderem, dass aus ihrer Sicht weniger Informationen, sondern Entscheidungen bedeutsam seien.

Im Anschluss stellte Frank Möller, Fachbereichsleiter Bildung im Gartenbau, Felix Erbe vor, der seit Kurzem als Ausbildungsberater für die Bereiche Baumschule, Gemüsebau, Friedhofs- und Staudengärtnerei und Zierpflanzenbau zuständig ist und sich bereits sehr gut eingearbeitet habe. „Es macht mir sehr viel Spaß“, sagte der neue Mitarbeiter der Kammer. „Ich wurde sehr gut aufgenommen und freue mich auf die Herausforderungen innerhalb der verschiedenen Fachrichtungen.“

Sorge bereite allerdings, so Frank Möller, weiterhin die Zukunft der Norddeutschen Fachschule für Gartenbau, die seit 20 Jahren besteht. Dort sei es möglich, nach der abgeschlossenen Ausbildung zum Gärtner oder zur Gärtnerin und einer zweijährigen Berufspraxis in den Fachrichtungen Baumschule, Friedhofsgärtnerei, Garten- und Landschaftsbau sowie Zierpflanzenbau sich innerhalb eines Jahres zum staatlich geprüften Wirtschafter zur oder Wirtschafterin in der jeweiligen Fachrichtung weiterzubilden. Allerdings habe die Nachfrage im Laufe der Jahre immer weiter abgenommen, sodass mittlerweile die Schließung diskutiert werde: „Für uns wäre es dramatisch, wenn wir die Fachschule verlieren würden.“

Jörg Fieseler, Unternehmens- und Prozessberater der LKSH im Bereich Gartenbau und Baumschulbetriebe, berichtete im Anschluss über seinen Tätigkeitsbereich, der sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert habe: „Unsere Intention als Berater ist es, unseren schönen Beruf weiterzugeben. Den wenigsten ist zum Beispiel bewusst, wie viel Technik mittlerweile von Bedeutung ist.“ Darüber hinaus sei es wichtig, mit der Zeit zu gehen: „Viele Betriebe setzen zum Beispiel keinen Pflanzenschutz ein, aber Sachkunde in diesem Bereich ist dennoch sehr wichtig.“ Vor allem seien aktuelle Kenntnisse erforderlich, sodass die Kammer jedes Jahr entsprechende Fortbildungen anbiete.

Er berät Betriebe aber auch in Prozessen der Betriebsnachfolge und nannte ein Beispiel aus der Praxis: „Drei Kinder übernehmen einen elterlichen Betrieb, und unsere Erfahrung ist, dass in diesem Fall Streit vorprogrammiert ist.“ Für Jörg Fieseler ist die Beratung eine Herzensangelegenheit: „Der Unternehmer trifft die Entscheidung, und wir kümmern uns um die Verbesserung der Fähigkeiten zur Selbstorganisation.“ Als Berater müsse man offen sein und nicht von oben herab agieren: „Einen Besserwisser will keiner haben. Es gilt daher, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.“

Die Inhalte der Beratung und Ausbildung im Gartenbau müssen sich den aktuellen Herausforderungen in diesen Bereichen anpassen. Die notwenigen Entscheidungen treffen die Unternehmer und Unternehmerinnen, aber es hat sich bewährt, dass der Weg dorthin von den Gartenbauberatern und -beraterinnen der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein begleitet wird, wobei die Kommunikation auf Augenhöhe ein sehr wichtiger Faktor ist. 

In der Sommersaison auf Weidekeratitis achten

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In Australien stellt die hochinfektiöse Augenkrankheit Weidekeratitis, dort bekannt als „Pink Eye“, ein großes Problem in der Rinder­haltung dar. Vor allem Kälber und Jungrinder werden befallen und stehen dann unter erheblichem ­Leidensdruck.

In Europa hat die Weidekeratitis ihre größte Bedeutung in den Höhenlagen der Schweiz. Starke UV-Strahlung begünstigt die Infektion des Erregers durch kleinste Schädigungen des Auges. Durch die Zunahme der UV-Strahlung in Deutschland, es ist eine Steigerung von 10 % zwischen 1999 und 2022 nachgewiesen worden, steigt nicht nur die Sonnenbrandgefahr für den Menschen, sondern auch die Anfälligkeit der Rinderbestände in unserer Region.

Ein tränendes Auge mit einer ausgeprägten Tränenspur entlang der Wange ist erstes Anzeichen einer Infektion. Die Tiere sind lichtscheu und meiden helles Sonnenlicht. Krampfartiges Schließen der Augenlider aufgrund von Schmerzen, eine Rötung und Schwellung der Bindehaut sind weitere Symptome einer beginnenden infektiösen bovinen Keratokonjunktivitis (IBK), auch als Weidekeratitis bekannt.

Erreger und Symptome

Bei fortschreitender Erkrankung entwickelt sich eine bläulichweiße oder graue Trübung der Hornhaut, oft im Zentrum beginnend. Es bilden sich Geschwüre (Ulcera) auf der Hornhaut, die weißlichgelb erscheinen. Rote Gefäße wachsen zur Heilung über die Hornhaut, was dem Auge ein pinkfarbenes Aussehen verleihen kann und der Grund für die Bezeichnung „Pink Eye“ ist. Der Tränenfluss wird schließlich zu schleimig-eitrigem Ausfluss, der die Lider verklebt. Bei einem schweren, unbehandelten Verlauf kann ein großes Geschwür entstehen, das aus dem Auge heraustritt. Eine Erblindung durch die Zerstörung des Augengewebes ist die Folge. Auch wenn es nur bei einer Trübung der Hornhaut bleibt, ist eine deutliche Schädigung der Sehkraft zu erwarten.

Ohrclip zur Fliegenabwehr als Vorsorgemaßnahme ver­ringert den Infektionsdruck.
Foto: Lisa Höper

Das Anfangsstadium ist schwer von einer mechanischen Verletzung, einem Fremdkörper sowie Infektionen des Auges zum Beispiel durch BoHV-1, Pasteurellen, Mycoplasmen, Listerien und Chlamydien, zu unterscheiden. Bei rascher Ausbreitung in der Tiergruppe ist von einer Infektion mit Moraxella bovis auszugehen.

Der Erreger besiedelt die Binde- und Schleimhäute der oberen Atemwege, oft auch bei gesunden Tieren. Das alleinige Vorkommen des Erregers lässt noch nicht auf eine spätere Erkrankung schließen. Ältere Tiere bilden eine Immunabwehr gegen den Erreger aus und erkranken selten.

Die Übertragung des Erregers erfolgt durch Fliegen oder direkten Tierkontakt, er kann aber auch an Staubpartikeln haften. Während das Hauptvorkommen bei Weidetieren mit hoher UV-Belastung und einer hohen Anzahl an Fliegen zu erwarten ist, treten Infektionen auch im Stall und in den Wintermonaten auf.

Aufwendige Behandlung

Die Behandlung ist meist aufwendig und zeitintensiv. Aufstallen, Separieren und Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung sind die ersten Maßnahmen. Eine Behandlungsstrategie wird mit dem Tierarzt festgelegt. Moraxella bovis weist zwar eine Empfindlichkeit gegenüber Tetracyclin auf, die Schwierigkeit besteht aber darin, den Wirkstoff über das Auge an den Erreger zu bringen. Dies gelingt am besten mit antibiotischen Augensalben, die bis zur Heilung mehrfach angewandt werden müssen. Der Aufwand, allein für die ausreichende Fixierung des Kopfes, ist dabei erheblich. Zur Minderung des Leidensdrucks sollten unterstützend schmerz- und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz kommen.

Und wie vorbeugen?

Zur Vorbeugung ist der Einsatz von Insektizid-Ohrmarken und Pour-on-Präparaten zur Fliegenbekämpfung zu empfehlen. Ein Schutz vor UV-Strahlung durch geeignete Schattenplätze ist vorteilhaft.

Impfstoffe gegen Moraxella bovis, die in Australien und der Schweiz zum Einsatz kommen, haben in Deutschland keine Zulassung und könnten durch variierende Erregerstämme nur bedingt schützen. Die Isolierung des Erregers im Bestand und die Herstellung eines Eigenbestandsimpfstoffs kann bei wiederholtem Auftreten der Weidekeratitis eine sinnvolle Maßnahme sein.

Fazit

Die Weidekeratitis ist eine häufige, saisonal auftretende Augenerkrankung beim Rind, die vor allem durch bakterielle Infektionen und begünstigende Umweltfaktoren verursacht wird. Eine frühzeitige Erkennung, gezielte Behandlung und konsequente Präventionsmaßnahmen sind entscheidend, um Tierleid und wirtschaftliche Verluste zu minimieren. Ein gutes Weide- und Hygienemanagement sowie eine effektive Fliegenkontrolle bilden dabei die Grundlage einer erfolgreichen Bekämpfungsstrategie. Die Verwendung eines Eigenbestandsimpfstoffs kann bei erhöhtem Krankheitsdruck eine geeignete Maßnahme sein.

Beginnende Trübung des Auges durch Weidekeratitis. Foto: Josephine Hahn