In der Holsteiner-Zucht gibt es nur selten Züchter ohne familiäre Vorprägung. Corda Petersen ist eine davon. Indirekt führte ihre Reitbegeisterung jedoch dazu, dass ihre Eltern eine Zuchtstute kauften. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Yves Broszat eine kleine Holsteiner-Zucht in Averlak, Kreis Dithmarschen.
Bereits im Alter von vier Jahren saß Corda Petersen zum ersten Mal im Sattel. Später ritt sie als Juniorin erfolgreich Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsturniere. Außerdem nahm sie dreimal an den Deutschen Meisterschaften im Voltigieren teil. Gemeinsam mit ihrer Schwester ritt sie die Pferde des inzwischen verstorbenen Züchters Dirk Hotze aus Brunsbüttel, Kreis Dithmarschen, und stellte dessen Fohlen auf Zuchtschauen vor. „So haben wir unsere Leidenschaft für die Zucht entdeckt“, erzählt sie.
Da Dirk Hotze aufgrund einer Behinderung keinen Führerschein besaß, übernahm Cordas Mutter den Transport seiner Pferde zu Deckstationen und Zuchtschauen. Obwohl sie selbst nicht ritt, entschied sie sich Mitte der 1990er Jahre, eine eigene Zuchtstute zu kaufen, weil sie Pferde sehr mochte. Mit einer Stute aus dem Holsteiner Stamm 2554, auch bekannt als der Hotze-Stamm aus Brunsbüttel, wurde der Grundstein für die heutige Zucht gelegt.
Klare Werte in der Zucht
Der Hof in Averlak wurde bereits von den Eltern erworben, als Corda Petersen und ihre Schwester noch im Turniersport aktiv waren. Heute lebt sie dort und teilt sich mit ihrem Lebensgefährten die tägliche Arbeit rund ums Pferd. „Neben der Zucht sind wir beide in Vollzeit in Schichtarbeit tätig. Unsere Schichten liegen entgegengesetzt, sodass morgens und abends immer einer von uns auf dem Hof ist, um die Pferde zu versorgen“, erklärt die Züchterin.
Für Corda Petersen sind Pferde mehr als Nutztiere. „Mit ihnen habe ich eine große Verantwortung übernommen“, weiß sie. Hatte eine der acht Zuchtstuten beispielsweise eine besonders schwere Geburt, bekommt sie eine Pause und wird nicht sofort wieder gedeckt. Außerdem dürfen alle Zuchtstuten ihren Lebensabend auf dem Hof verbringen. In der Vermarktung geht das Paar realistisch vor. Zwar wird versucht, die Fohlen frühzeitig zu verkaufen, doch nach Petersens Erfahrung lassen sich die Pferde in der aktuellen Marktlage angeritten besser vermarkten. Früher ritt sie ihre Pferde selbst an und stellte sie zur Leistungsprüfung vor. Heute übernimmt dies aus Zeit- und Altersgründen ein Bereiter.
Die Haltung der Pferde orientiert sich an deren natürlichen Bedürfnissen. Täglicher Auslauf an der frischen Luft ist ebenso selbstverständlich wie eine ganzjährige Mineralfutterversorgung. Trächtige Stuten bekommen auch bei Weidegang zusätzliches Futter. Die Jungpferde leben getrennt nach Geschlechtern in Offenställen mit ganzjährigem Paddockzugang, hochwertigem Heu und Weidegang im Sommer.
Nur beste Erfahrungen hat Corda Petersen mit der Haltung in gemischtaltrigen Gruppen gemacht: „In jeder Gruppe steht ein älteres, erfahrenes Pferd, das die Jungpferde erzieht.“ Bei den Hengsten übernimmt diese Rolle ein 19-jähriger Wallach, ihr früheres Reitpferd. „Er bringt Ruhe in die Herde. Unsere Pferde sind dadurch sehr gut sozialisiert und viel besser händelbar.“ Dieses Prinzip wird auch bei den Stuten angewendet.
Junge Zucht mit Erfolg
Mittlerweile werden auf dem Hof vier Holsteiner Stämme gepflegt, wobei der Stamm 2554 den Schwerpunkt bildet. Der Fokus liegt auf der Zucht von Springpferden. Dennoch spielen Bewegung und Rittigkeit eine zentrale Rolle. „Gute Bewegungen machen das Reiten leichter und spannender. Außerdem lässt sich ein Reitpferd mit einem gewissen Chic auf dem breiten Markt einfacher verkaufen“, betont Petersen.
Trotz der vergleichsweise jungen Zucht kann das Ehepaar auf schöne Erfolge zurückblicken: prämierte Fohlen, regelmäßige Teilnahmen am Fohlenchampionat in Dithmarschen, darunter ein Sieg 2023 für Ulixes von Uriko, sowie Zulassungen zum Landeschampionat mit einem vierten Platz für ein Hengstfohlen von Cascadello I–Balous Bellini vor zwei Jahren.
„Wir sind keine klassische Familienzucht, die bereits über Jahrzehnte hinweg selektiert hat. Trotzdem haben wir mit Conrad van de Mispelaere von Connor-Acord II ein sehr schönes Pferd gezüchtet, das unter dem schwedischen Reiter Douglas Lindelöw im Springsport bis 1,50 Meter erfolgreich war. Außerdem haben wir einige Pferde ins Ausland verkauft, die teilweise bis zur schweren Klasse im Springsport gingen“, berichtet die Züchterin.
Besonders stolz ist sie auf die Stute Hope, ein echtes „Stehaufmännchen“: „Hope verlor bei der Geburt ihre Mutter und wurde von einer Islandstute als Amme aufgezogen. Das hat auf der Holsteiner Fohlenschau natürlich für Lächeln gesorgt. Vor drei Jahren verletzte sich Hope schwer an der Brust, trug jedoch gleichzeitig ein Fohlen aus und hatte ein weiteres bei Fuß. Heute ist sie wieder topfit.“
Corda Petersen findet es immer wieder faszinierend zu beobachten, wie sich Körperbau, Charakter und Rittigkeit vererben. Das Herzblut, das sie in jedes Pferd steckt, geben die Tiere auf ihre eigene Weise vielfach zurück.




