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„Energiesystem und Wirtschaftsstandort gefährdet“

Das Bundeskabinett hat in der vergangenen Woche die Novelle des EEG 2027 sowie das Netzanschlusspaket beschlossen. Der Bundesverband WindEnergie (BWE) warnt vor den Risiken für die Zukunft des Energiesystems und des Wirtschaftsstandorts.

Trotz breiter Vorschläge und Positionen aus der Praxis habe es seit den Leaks im Februar und dem Referentenentwurf kaum Änderungen der Gesetzentwürfe gegeben. Noch nie zuvor habe laut BWE die Bundesregierung den Sachverstand der Praxis so ignoriert wie mit dieser EEG-Novelle und dem Netzanschlusspaket. Der Verband teile den Anspruch, die Systemeffizienz zu steigern und die Systemkosten zu senken. Dies werde mit diesen Gesetzen jedoch nicht gelingen.

Der im Koalitionsvertrag angekündigte verlässliche Rahmen für den Ausbau Erneuerbarer Energien werde mit den geplanten Regelungen nicht geschaffen. Der BWE fordert deshalb im parlamentarischen Verfahren deutliche Nachbesserungen. Er kritisiert zudem, dass die breite Kritik zum Netzanschlusspaket ausgeblendet worden sei und das Gesetz nun wie ein Blockadeinstrument wirke.

Entwürfe stehen Koalitionsvertrag entgegen

„Deutschland braucht mehr Erneuerbaren Strom. Was wir stattdessen bekommen, sind weniger Ausbauperspektiven“, kritisiert BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek. Der Koalitionsvertrag bekennt sich zu einem beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien als Grundlage für Wachstum, Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie. „Die aktuellen Entwürfe für EEG und Netzpaket werden diesem Anspruch nicht gerecht. Sie gefährden die Zukunft unseres Energiesystems, den Wirtschaftsstandort Deutschland und unsere Klimaziele gleichermaßen“, erklärt Heidebroek.

Der BWE appelliert an Bundestag und Bundesrat, die Gesetzentwürfe im parlamentarischen Verfahren grundlegend nachzubessern. Es gelte, die Direktbelieferung für den industriellen Mittelstand aufzunehmen, Power-Purchase-Agree­ments (PPA) zu ermöglichen und die verbindliche Überbauung von Netzverknüpfungspunkten zu gewährleisten. Eine europarechtlich mögliche Ausgestaltung der Contracts for Difference (CfD) mit Marktwertkorridor und Wechselmöglichkeit zwischen CfD und PPA seien zur Umsetzung der Rechenzentrumsstrategie und der Chemieagenda der Bundesregierung nötig. Zusätzliche Bürokratie in Form komplexer Pachtenbegrenzung oder Zusatzregelungen bei der Kommunalabgabe widerspreche dem Anspruch der Bundesregierung, die Wirtschaft von Bürokratie zu entlasten. Massive Risiken entstünden durch das Netzanschlusspaket. Der Redispatch-Vorbehalt stelle ein klares Verhinderungsinstrument dar, sei europarechtlich unzulässig und werde zu Klagen führen. In Kombination mit der überstürzten Einführung einer bundesweiten Wirkleistungsbegrenzung werde dies zum Bumerang für Investitionen, so der BWE.

Die Bundesregierung begründet ihre Pläne damit, dass sie die Systemkosten senken und Energie bezahlbarer machen wolle. Tatsächlich bewirkten die vorgesehenen Eingriffe jedoch das Gegenteil: Sie gefährdeten laut BWE Investitionen in den kostengünstigen Ausbau Erneuerbarer Energien, hielten Abhängigkeiten von fossilen Importen aufrecht und trieben somit die Gesamtkosten des Energiesystems in die Höhe. Impulse für die Digitalisierung und den schnelleren Netzausbau fehlten ebenfalls. Freiheiten für einen marktlichen Ausbau seien nicht zu finden. Vorschläge des BWE und anderer, wie die Systemkosten gesenkt und Versorgungssicherheit und Investitionssicherheit gestärkt werden könnten, seien ignoriert worden. „Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie legt hier Gesetze vor, die das im Klimaschutzprogramm vereinbarte zusätzliche Ausschreibungsvolumen ins Leere laufen lassen. Was nun im Kabinett beschlossen wurde, ist ein Vertrauensbruch”, resümiert Heidebroek.

Auf Kritik folgt weitere Verschlechterung

Auch aus Sicht des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) stellt der Kabinettsbeschluss eine Verschlechterung gegenüber den schon kritisch bewerteten Referentenentwürfen dar. Die fachliche Expertise der Branche sei in einem sehr kurzen, intensiven Beteiligungsprozess zunächst angefordert, dann aber augenscheinlich ignoriert worden, so der BEE. Der Bundestag sei jetzt gefragt, deutliche Nachbesserungen vorzunehmen, um Arbeitsplätze und Wertschöpfung nicht zu gefährden.

BEE: Ausbauziele nicht mehr zu erreichen

Ursula Heinen-Esser, BEE-Präsidentin: „Die Erneuerbaren sichern Wertschöpfung vor Ort, mehr als 430.000 Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette, Investitionen von deutlich über 30 Mrd. € und wirken dämpfend auf die Energiepreise. Mit den beschlossenen Gesetzen in ihrer jetzigen Form sind nicht nur die Ausbauziele nicht mehr zu erreichen, sie laufen auch den erklärten Zielen des Koalitionsvertrages zuwider. Die Branche plädiert seit Jahren für ein zeitgemäßes, flexibles Energiesystem, das neue Geschäftsmodelle ebenso ermöglicht wie ein stärker marktorientiertes Wirtschaften. All das wird mit den nun vorliegenden Beschlüssen nicht erreicht.”

Aus Sicht des Fachverbands Biogas besteht ebenfalls Anpassungsbedarf: „Dieser Kabinettsentwurf setzt sichere, heimische Bioenergieleistung im Gigawattbereich aufs Spiel und bedeutet das Ende für zahlreiche Biogasanlagen. Dabei könnten allein durch die Flexibilisierung des Anlagenbestands bis 2030 12 GW gesicherte, flexible und Erneuerbare Leistung bereitgestellt werden. Dafür brauchen wir ein deutlich größeres Ausschreibungsvolumen, die Anhebung des Flexzuschlags und eine Verlängerung des Vergütungszeitraums”, so Horst Seide.

Auch die Solarenergie sieht ihre Interessen in besonderem Maße berührt. Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, erklärt: „Wenn der Bundestag im Herbst nicht grundlegend nachbessert, drohen Umsatzeinbrüche in Milliardenhöhe, der Verlust Zehntausender Solarjobs und eine deutlich längere Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft von immer teurer werdenden Energieimporten.“ 

Kabinett beschließt Energiereformen

Die Bundesregierung hat zentrale energiepolitische Reformen auf den Weg gebracht: Ende Juli passierten die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und das sogenannte Netzpaket das Kabinett. Mit beiden Vorhaben will das federführende Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) nach eigenen Angaben die Energiewende kosteneffizienter gestalten.

Ressortchefin Katherina Reiche (CDU) sprach von einem „Paradigmenwechsel“ bei den Erneuerbaren Energien. „Erstmals seit Einführung der Förderung berücksichtigen wir beim Ausbau systematisch auch, wo neue Anlagen für das Stromnetz sinnvoll sind“, sagte die CDU-Politikerin. Orientiere sich der Zubau stärker am Netz, ließen sich Redispatch-Kosten von jährlich 3 Mrd. € vermeiden. Am Ziel, den Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix bis 2030 auf 80 % zu steigern, hält die Regierung gleichzeitig fest.

Fokus auf günstigeren Freiflächenanlagen

Beim Solarausbau will das BMWE den Fokus künftig auf die vergleichsweise günstigeren Freiflächenanlagen legen. Ein Kernstück der EEG-Novelle ist daher die Neuregelung der Förderung für kleine Dach-PV-Anlagen: Ab 2027 fällt sie zunächst für drei Jahre deutlich geringer aus als bisher, bevor sie ganz ausläuft. Kleine Dach-PV-Anlagen seien gemäß BMWE auch ohne Förderung rentabel. An die Stelle der festen Einspeisevergütung tritt dann ein Direktvermarktungssystem.

Für große, geförderte Erneuerbare-Energien-Anlagen sollen durch neu eingeführte sogenannte Differenzverträge (Contracts for Difference) in Phasen hoher Strompreise „Übergewinne“ abgeschöpft werden, wodurch die Förderkosten gesenkt werden sollen. Ausgenommen davon sind Biomasseanlagen.

Gespart wird im neuen EEG auch bei Agri- und Moor-PV: Der Bonus für diese „besonderen Solaranlagen“ soll laut Gesetzentwurf auf das „notwendige Maß“ verringert werden. Das BMWE will zudem einen Pachtdeckel für durch das EEG geförderte Windenergieanlagen einführen, um deren Projektkosten „spürbar“ zu verringern und dadurch den Förderbedarf zu begrenzen. Laut Reiche dürfte dies die Kosten pro Windenergiestandort um 35.000 € senken.

Redispatch-Vorbehalt und höherer Maisdeckel

Zentraler Teil des Netzpakets ist, dass Erneuerbare-Energie-Anlagen in überlasteten Netzgebieten künftig keine Entschädigung mehr erhalten, wenn sie wegen Netzengpässen abgeregelt werden. Dieser umstrittene „Redispatch-Vorbehalt“ wurde gegenüber einem im Frühjahr geleakten Arbeitsentwurf allerdings abgeschwächt. Das BMWE erwartet dennoch, dass durch das neue Instrument die Systemkosten sinken werden. Laut Reiche solle dadurch allerdings nicht der Ausbau der Erneuerbaren ausgebremst werden. Zudem würden Netzbetreiber in Engpassregionen verpflichtet werden, das Netz „deutlich schneller auszubauen“, erklärte sie.

Laut Reiche solle auch die Bioenergie im Stromsystem der Zukunft eine Rolle spielen. Laut dem Gesetzentwurf soll dafür die installierte Leistung von Biomasseanlagen bis 2030 von 8,5 auf 9,5 GW steigen. Ab 2027 werden die Ausschreibungsmengen für Biogas in Gesamtsumme angehoben. Das Volumen beträgt dabei zunächst jährlich 1.000 MW, ab 2029 dann 750 MW und ab 2031 nur noch 500 MW. Gänzlich gestrichen wird dagegen das Ausschreibungssegment für Biomethananlagen. Das BMWE begründet dies zum einen mit den zuletzt nahezu ausgebliebenen Geboten in diesem Segment, zum anderen damit, dass die „wertvolle Bioenergie“ künftig in anderen Sektoren benötigt werde.

Ferner soll die Anschlussförderung für Güllekleinanlagen verlängert werden und der sogenannte Maisdeckel um 5 %-Punkte auf 30 Masseprozent angehoben werden.

Nachbesserungen im Parlament erhofft

Der Beschluss der Bundesregierung stieß in der Erneuerbare-Energien-Branche erwartungsgemäß auf starke Kritik. Die geplante EEG-Novelle riskiere „sehenden Auges den schrittweisen Abbau gesicherter, heimischer Bioenergieleistung im Gigawattbereich“, sagte die Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie, Sandra Rostek. Ihr zufolge seien die Ausschreibevolumina für den Biogasanlagenbestand „de facto ein Sterbepfad“. Die Zielmarke von 9,5 GW installierter Leistung im Jahr 2035 entspreche bereits der heutigen Leistung der Bioenergie im Stromsektor. Bei gleichzeitig steigenden Flexibilitätsanforderungen sinke die Strommenge deutlich, Hunderte Anlagen müssten stillgelegt werden.

Dass die Biomethan-Ausschreibung komplett entfalle, sei insbesondere angesichts der „umfangreichen Förderung von Erdgaskraftwerken nicht vermittelbar“, so Rostek. „Wir setzen nun auf die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, den Kabinettsentwurf im parlamentarischen Verfahren zu korrigieren“, erklärte sie. Auch der Biogasrat+ kritisierte die gestrichene Biomethan-Ausschreibung scharf: Die im Gesetz vorgebrachte Begründung sei „irreführend und sachlich nicht begründet“.

BSW: „Fatales Signal“ für Energiewende

Auf Nachbesserungen im Parlament hofft auch der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). Nach Einschätzung des Verbandes stelle Reiches Gesetzgebung ein „fatales Signal“ für die Energiewende und den Wirtschaftsstandort Deutschland dar. „Die vorgesehenen Einschnitte gefährden Investitionen in Milliardenhöhe und setzen Zehntausende Arbeitsplätze entlang der solaren Wertschöpfungskette aufs Spiel“, sagte Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Kritisch sei vor allem die Neuregelung für kleine PV-Anlagen.

Vom faszinierenden Reiz der Unterwasserwelt

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In Schleswig-Holstein gibt es rund 240 Museen. Davon werden einige nur durch ehrenamtliches Engagement am Leben erhalten wie das Tauchermuseum Flensburg. Als Privatinitiative von Gerda und Peter Kopsch im Oktober 2016 eröffnet, seit Mai 2018 von einem gemeinnützigen Verein unter Vorsitz von Peter Kopsch geführt, ist es das einzige öffentliche Museum dieser Art in ganz Deutschland.

An diesem Freitagmorgen sind die Eheleute Kopsch im Tauchermuseum schon früh auf den Beinen. In wenigen Tagen wird hier eine Schülergruppe im Rahmen einer Ferienaktion zu einem Bastelevent erwartet, und es gibt noch jede Menge zu tun. „Seit März 2022 sind wir in der Batteriestraße 63 Untermieter der Firma Dantronik. Diese hat das Gebäude kürzlich schon verlassen, weil es in etwa anderthalb Jahren abgerissen werden soll“, berichtet Peter Kopsch. Bis es so weit sei, dürfe das Tauchermuseum die komplette Fläche allein weiternutzen.

Danach müsse es ebenfalls umziehen. „Wir hoffen sehr, dass es uns gelingen wird, eine neue Bleibe zu finden und das Museum zu erhalten“, wünscht sich der agile Senior. Doch nun werden erst einmal die frei gewordenen Räumlichkeiten mit Leben gefüllt. Während Ehefrau Gerda (79) geschäftig im Hintergrund werkelt, zeigt der 85-Jährige bei einem Rundgang seine auf 90 m2 zusammengetragenen Sammlerschätze aus aller Welt, die eng mit seinem privaten und beruflichen Werdegang verbunden sind. 

Zuerst führt der frühere Rettungstaucherausbilder bei der Berufsfeuerwehr Flensburg in einen Raum mit Kompressoren. Sie werden verwendet, um Tauchflaschen mit Atemluft zu füllen. Für einen sicheren Tauchgang sind sie unerlässlich. Zu jedem Kompressor weiß Kopsch die technischen Details. Speziell freut er sich über einen sogenannten vierstufigen K-14-Verdichter aus dem Hause Bauer, der restauriert und voll funktionstüchtig als Spende über Museumsförderin und Tauchpionierin Erika Bayer (1931-2023) den Weg hierherfand.

Weiter geht’s in einen langen Flur, der an den Wänden dicht mit Exponaten rund ums Tauchequipment, die Unterwasserwelt und die Tauchhistorie bestückt ist. Besonders fällt eine Harpunensammlung ins Auge. Harpunen waren einst treue Begleiter von Sporttauchern, gebaut für Präzision und Abenteuer. Mit dem Aufkommen des Tauchsports in den 1950er Jahren waren sie sehr gefragt, um damit auf Fischjagd zu gehen. „Doch der österreichische Tauchpionier, Meeresforscher und Umweltschützer Hans Hass protestierte erfolgreich gegen dieses sinnlose Töten. Danach wurden Harpunen immer seltener verwendet“, weiß Kopsch. Er traf Hass (1919-2013) sogar persönlich und kann in einer Vitrine Originalstücke aus dessen Nachlass präsentieren, die ihm als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurden.

Umweltschützer und Meeresforscher Hans Hass setzte sich erfolgreich gegen die Fischjagd mit Harpunen ein. Foto: Silke Bromm-Krieger

Nach einigen Schritten erreichen wir das Herzstück des Museums, einen großen Ausstellungsraum, in dem eine Vielzahl von Exponaten, eine Fachbibliothek mit Lesebereich und eine Fotowand auf die Besucher warten. In der „Dräger-Ecke“ gibt es Tauchgeräte des Lübecker Unternehmens zu sehen, die Technikgeschichte atmen und anhand derer man nachvollziehen kann, wie sich die Tauchtechnik über Jahrzehnte rasant verändert hat. Zudem sind überall an markanten Stücken QR-Codes angebracht, die über das Smartphone weiterführende Informationen auf Deutsch, Englisch und Dänisch bereithalten. Doch bevor wir die Besichtigung fortsetzen, legen wir an diesem warmen Vormittag eine kleine Trinkpause ein. Willkommene Gelegenheit für Kopsch, Erlebnisse und Anekdoten aus seinem bewegten Leben zum Besten zu geben.

Ein Blick in den großen Ausstellungsraum mit einer Vielzahl an Exponaten rund ums Tauchen. Foto: Silke Bromm-Krieger

Als er mit 15 Jahren die Schule verließ, wollte der Vater, dass er eine Lehre als Betonbauer machte. Sein Sohn hatte zwar anderes im Sinn, aber folgte. Nach der Gesellenprüfung mit 18 Jahren äußerte er den Wunsch, auf Wanderschaft zu gehen oder sich freiwillig als Kampfschwimmer bei der Bundeswehr zu melden. Doch der Vater legte sein Veto ein. „Damals wurde man erst mit 21 Jahren volljährig. Für meine Pläne hätte ich seine Unterschrift gebraucht. Die bekam ich nicht“, blickt er zurück. Also blieb der zu dieser Zeit in Berlin Wohnende zunächst im Baugewerbe. Dabei war es schon längst um ihn geschehen. Er hatte eine Leidenschaft entdeckt, die ihn fortan nie wieder loslassen sollte: das Tauchen.

Besucher können ein Foto von sich im Taucherhelm machen. Foto: Silke Bromm-Krieger

„Mein älterer Bruder Wolfram nahm mich erstmals 1956 zum Tauchen in den Tauchverein DUC Berlin mit. Meinen ersten 20-minütigen Tauchgang, nur in Badehose, absolvierte ich im 5 m tiefen Sprungbecken des Berliner Olympiastadiums bei 14 °C Wassertemperatur“, erzählt er und verrät schmunzelnd, dass er sich anschließend völlig unterkühlt für zwei Stunden unter die heiße Dusche stellen musste.

Das tat der Liebe zum Tauchen jedoch keinen Abbruch. Bald darauf fand sein erster Freiwasser-Tauchgang in einem Trockentauchanzug im Wannsee statt. Kopsch machte die nötigen Tauchscheine und nahm auch mit Erfolg an Wettkämpfen im In- und Ausland teil. Jahrzehnte später wird er beispielsweise über 40-mal Deutscher Meister im Strecken- und Flossentauchen geworden sein sowie 1970 Vizeweltmeister im Streckentauchen und Flossenschwimmen bei den Internationalen Weltmeisterschaften in Paris.

Vom Hobby zum Beruf

Aber zurück zu den Anfängen. Als er volljährig war, konnte Kopsch endlich an eigene berufliche Ambitionen denken: entweder Kampfschwimmer bei der Bundeswehr werden oder Anheuern bei der französischen Spezialfirma Sogetram, die europaweit Taucherarbeiten aller Art ausführte. „Sogetram meldete sich auf meine Bewerbung als Erstes, und so wurde ich dort Berufstaucher“, bemerkt er. Doch obwohl ihm seine Arbeit gefiel, war ihm nach zwei Jahren klar, dass das ständige Herumreisen zu den verstreuten Einsatzorten nicht mit der Gründung einer eigenen Familie in Einklang zu bringen wäre.

Mittlerweile hatte er eine Freundin, die in Kiel lebte. So wechselte er zur Kieler Taucherfirma Unterwasserkrause, 1965 wurde geheiratet, ein Kind erblickte das Licht der Welt, und es kristallisierte sich schließlich das Ziel heraus, bei der Berufsfeuerwehr Flensburg zu arbeiten und hier eine Rettungstaucher-Sparte aufzubauen. Gesagt, getan. Anfang 1968 trat Kopsch seinen Dienst an und blieb bis zum Ruhestand im Jahr 2000. Er legte die Berufstaucherprüfung, die Tauchlehrerprüfung und die Feuerwehrlehrtaucherprüfung ab. Parallel betrieb er nebenberuflich von 1990 bis 2012 die Förde-Tauchschule Kopsch, ab 1998 mit Shop. In all den Jahren sammelte er von seinen weltweiten Reisen und Tauchabenteuern vielfältige Exponate.

Für die Nachwelt erhalten

Auf Taucherart: Gerda und Peter Kopsch gaben sich am 18. September 1998 unter Wasser das Jawort. Foto: Silke Bromm-Krieger

Als er seine Tauchschule altersbedingt schloss, wollte er, dass seine dort verwahrte Privatsammlung, später ergänzt durch Schenkungen und Dauerleihgaben, für die Nachwelt erhalten bleiben sollte. Die Idee eines öffentlichen Tauchermuseums war geboren und wurde mit Begeisterung in Angriff genommen. Tatkräftig unterstützte ihn dabei seine zweite Ehefrau Gerda. Formvollendet auf Taucherart hatte er ihr am 18. September 1998 in der Flensburger Förde unter Wasser das Jawort gegeben. Kopsch zeigt lächelnd an der Fotowand entsprechende Aufnahmen. Auch einen Videoclip von der Trauung in Neptuns Reich gibt es in der museumseigenen Mediathek.

Zum Ende des Rundgangs betreten wir eine Ausstellungsecke, die der Unterwasserfotografie gewidmet ist. Kopsch hat neben weiteren Kameras auch seinen ersten Unterwasser-Fotoapparat mit Blitzlicht ausgestellt, den er 1960 erwarb.

Der passionierte Taucher hat eine Sammlung unterschiedlicher Unterwasserkameras zusammengetragen. Foto: Silke Bromm-Krieger

Übrigens: Noch heute steigt der Rentner mit Tauchgerät in die Flensburger Förde. Da überrascht es kaum, dass er voller Überzeugung sagt: „Im Wasser fühle ich mich wohler als an Land.“ Er liebe einfach das Dahinschweben und Dahingleiten, die Leichtigkeit im nassen Element und das Eintauchen in eine fremde, faszinierende Unterwasserwelt. Zur Vervollständigung sei erwähnt, dass Peter Kopsch sich unermüdlich auch ehrenamtlich um die Tauchsportgemeinschaft verdient gemacht hat.

So war er 1973 Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des Unterwasserclubs Baltic Flensburg und 1976 Mitbegründer des Tauchsport-Landesverbands Schleswig-Holstein. Er war und ist eben ein „Froschmann mit Pioniergeist“, wie ihn der NDR in einem „Nordtour“-Beitrag treffend bezeichnete. Weitere Informationen unter www.tauchermuseum-flensburg.de

Sylt: Nachhaltige Muschelzucht wird Ausbildungsbetrieb

Die Insel Sylt ist vor allem für ihre langen Sandstrände bekannt und zählt zu den beliebtesten Reisezielen an der deutschen Nordsee.

Die schleswig-holsteinische Insel verbindet exklusive Urlaubsorte mit einer einzigartigen Natur im Unesco-Weltnaturerbe Nationalpark Wattenmeer. Darüber hinaus genießt Sylt einen hervorragenden Ruf für seine kulinarischen Spezialitäten. Insbesondere die Austern der Marke Sylter Royal, die von einem heimischen Fischereibetrieb vor Ort gezüchtet werden, sind deutschlandweit bekannt.

Weniger bekannt ist jedoch, dass auch einige der qualitativ hochwertigsten Miesmuscheln Deutschlands in den Gewässern vor Sylt heranwachsen. Die Nordfriesische Seemuschel GmbH im Süden der Insel ist einer von drei Miesmuschelzucht- und -fischereibetrieben in Schleswig-Holstein. Der Betrieb arbeitet und züchtet diese Meeresdelikatessen in Hörnum auf Sylt und ist an seinen grünen Schiffen gut zu erkennen.

Dredge für die Ernte sowie Sortier- und Abfüllanlagen Foto: Frank Eli

Die Muschelzucht weist in ihrer Arbeitsweise viele Parallelen zur Landwirtschaft an Land auf. Zunächst werden die Saatmuscheln an speziellen Netzkollektoren nahe der Wasseroberfläche gewonnen, bevor sie auf ausgewählten Kulturflächen „gesät“ werden. Dort wachsen sie zwei bis drei Jahre heran, bis sie schließlich geerntet werden können.

Umso erfreulicher ist es, dass diese umweltfreundliche Form der Muschelzucht nicht nur hochwertige Konsummuscheln hervorbringt, sondern künftig auch als Ausbildungsstätte für den Nachwuchs in der Küsten- und Kleinen Hochseefischerei dienen soll.

Aus diesem Anlass waren Mitarbeitende des Fachbereichs Fischerei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein vor Ort, um die Voraussetzungen für die Anerkennung als Ausbildungsbetrieb zu prüfen. Im Rahmen eines informativen Rundgangs an Bord eines Arbeitsfahrzeugs sowie eines ausführlichen Gesprächs mit einem der künftigen Ausbilder erhielten die Verantwortlichen einen umfassenden Einblick in den Betrieb. Besonders beeindruckend war die moderne technische Ausstattung an Bord, die sich von der Brücke über die Arbeitsbereiche unter Deck bis hin zu den Mannschaftskabinen erstreckte.

Perspektivisch möchte der Betrieb seinen eigenen Fachkräftenachwuchs ausbilden und fördern. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein begrüßt dieses Engagement ausdrücklich und freut sich darauf, nach erfolgreichem Abschluss des Anerkennungsverfahrens einen weiteren zukunftsorientierten Ausbildungsbetrieb für die Küsten- und Kleine Hochseefischerei in Schleswig-Holstein anerkennen zu können.

Wer schnarcht, verliert

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In diesem Jahr gab es einen besonderen Grund zum Feiern, denn die Landjugend Bargum zelebrierte am 18. Juli ihr 50-jähriges Bestehen und das 30. Bettenrennen. Um beide Jubiläen gebührend zu feiern, wurde eine große Party mit zweiter Bühne und bunten Programmpunkten organisiert.

Am Dienstag vor der Party begann der Aufbau. Es wurden Lichtpfähle gesetzt, Lichterketten gespannt und die Getränkezelte aufgebaut. In den darauffolgenden Tagen wurden Bauzäune aufgestellt, Wasserleitungen verlegt und die Tresenzelte vorbereitet. Um sich auf die Fete einzustimmen und die Gemeinschaft zu stärken, wurde abends gemeinsam auf dem Fetenplatz gegessen. Ein aus Landjugendmitgliedern bestehendes Team kümmerte sich dabei um die Verpflegung.

Der letzte Schliff

Die Teilnehmenden hatten das Design ihrer Betten teilweise an beliebte Popkulturmotive angelehnt. Foto: Stine Friedrichsen, Merle Ingwersen

Restarbeiten wurden am Freitag noch bis spät in den Abend erledigt. Am Sonnabendmorgen hieß es dann früh aufstehen, um ab 7 Uhr auf dem Fetenplatz zu sein, Brötchen zu schmieren und die Spielestationen für das Bettenrennen aufzubauen. In diesem speziellen Rennen treten Teams aus mindestens sechs Personen gegeneinander an. Dabei müssen sie eine Strecke von etwa 1,3 km zurücklegen, währenddessen Minispiele absolvieren und einen Fragebogen ausfüllen. Die Regeln sind simpel: Das Bett muss mindestens 90 cm breit sein, darf keinen Motor haben, und es muss eine Matratze darin liegen. Im vorletzten Spiel, dem eigentlichen Rennen, treten immer drei Betten gegeneinander an. Insgesamt 47 Betten mit kreativ umgesetzten Themen gingen an den Start. Mit dabei waren unter anderem ein Wicki- und ein Harry-Potter-Bett.

Mithilfe sogenannter Bumper-Bälle können sich die Spieler während des Fußballspiels gefahrlos rammen. Fotos: Stine Friedrichsen, Merle Ingwersen

Während um 10 Uhr die ersten Betten losrollten, fand parallel ein Gottesdienst auf dem Fetenplatz statt. Über den Tag wurden Brötchen, Kaffee und Kuchen verkauft. Auch Eis von der Trollebüller Eismanufaktur konnte erworben werden. Für die kleinen Besucher war eine Kinder-Spielwiese mit Hüpfburg und Spielgeräten aufgebaut. Nebenan konnte man von Landjugendlichen mit Kinderschminke in Schmetterlinge, Hunde und vieles mehr verwandelt werden. Ab 18 Uhr wurde auf der Livebühne Musik gespielt. Aufgetreten sind Ceenot 71, Die Andersons, Beauty and the Beats und DJ Chris Levels, während auf der Hauptbühne Soundvillage auflegte. Trotz des immer wiederkehrenden Regens war die Stimmung der Feiernden nicht unterzukriegen. Bis 4 Uhr tanzten 3.500 Menschen zur Musik und hatten Spaß.

Die Betten wurden von den Teilnehmern aufwendig umgebaut und dekoriert: von Claas über Fred Feuerstein bis hin zu Shaun das Schaaf. Fotos: Stine Friedrichsen, Merle Ingwersen

Ein gelungenes Event

Der Abbau zog sich von Sonntagmittag bis in den Montag. Müde und kaputt, aber zufrieden mit dem, was sie in einer Woche auf die Beine gestellt und den Gästen geboten hat, freut sich die Landjugend Bargum schon auf den nächsten dritten Sonnabend im Juli 2027, wenn es wieder heißt: Bargumer Bettenrennen und Fete.

Gütezeichen-Spende an die Wacken Foundation

Der Gütezeichen-Stand beim Wacken Open Air (WOA) ist für viele Metal-Heads fester Bestandteil des Festival-Erlebnisses. Schon seit über zehn Jahren werden am Stand regionale Spezialitäten verkauft und die Erlöse an die Wacken Foundation gespendet.

Den Spendenscheck in Höhe von 2.025 € übergab die Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Ute Volquardsen, an Arne Blaschke, Geschäftsführer der Wacken Foundation.

Das Angebot am Stand des Gütezeichens reichte vom Glückstädter Matjes über Käse aus Sarzbüttel und Holtsee bis zu den traditionellen Gütezeichen-Pellkartoffeln. In diesem Jahr wurde zur Freude der Besucher zusätzlich ein neues, deftiges und vitaminreiches WOA-Gericht mit Kohlwurst aus dem Rewe-Regional-Programm (Haltungsform 3) und Sauerkrautprodukten des Kohlosseums kreiert. Die Aktion verbindet zwei Anliegen: Sie unterstützt die Wacken Foundation und macht zugleich auf die Vielfalt und Qualität der Lebensmittel aus Schleswig-Holstein aufmerksam.

Mit der vollständigen Spende des Verkaufsgewinns unterstützt das Gütezeichen Schleswig-Holstein die Arbeit der Wacken Foundation. Die Stiftung fördert Nachwuchsmusikerinnen und Nachwuchsmusiker aus dem Rock- und Metalbereich.

Ladelunder Springtage

Zum sechsten Mal lud der Reit- und Fahrverein (RuFV) Wilhelminenhof Ladelund, Kreis Nordfriesland, zu seinen Springtagen. Für die vielfältigen Prüfungen bis zur Klasse S* waren mehr als 1.000 Nennungen eingegangen.

Am ersten Turniertag standen zwei Qualifikationen für die Bundeschampionate in Warendorf auf dem Programm. Antonia-Selina Brinkop aus Neumünster setzte sich in beiden Prüfungen der Klasse M* an die Spitze. Bei den Fünfjährigen gewann sie mit ihrem Holsteiner Vize-Landeschampion Casallon KA mit der Note 8,3. Mit dem Holsteiner Hengst Now or Never siegte sie bei den Sechsjährigen mit einer 8,6.

Vieca Sofie Bade hatte ebenfalls doppelten Grund zu feiern. Sie gewann die beiden wichtigsten Prüfungen am Sonnabend. Im M**-Springen lieferte die 18-Jährige aus Braderup, Kreis Nordfriesland, mit ihrer langjährigen Sportpartnerin Chades of Grey die schnellste fehlerfreie Zeit und platzierte den Holsteiner Wallach Caretto an vierter Stelle. Im ersten schweren Springen des Turniers wurde es Platz eins mit Caretto und Platz zwei mit Chades of Grey.

Den ganzen Sonntag regnete es in weiten Teilen Schleswig-Holsteins. Dennoch verfolgten zahlreiche pferdebegeisterte Zuschauer in Ladelund den Großen Preis und bejubelten die Sieger, Thore Stieper aus Hohenaspe, Kreis Steinburg, und Criminal Blue. Für das Stechen der S*-Springprüfung hatten sich fünf Paare empfohlen. „Meine Stute ist grundschnell“, sagte Stieper. „Ich habe den ersten Sprung nicht so erwischt, wie ich es haben wollte, und dachte: Wenn du hier noch eine Chance haben willst, musst du die Wendung nehmen.“ Er lobte seine Sportpartnerin: „Sie ist ein unheimlich aufmerksames Pferd. Sie macht es mir wirklich leicht. Ich hätte nicht gedacht, dass es reicht, aber manchmal hat man das Glück auf seiner Seite.“ Björn Behrend wurde mit der Holsteiner Stute Klarima-Sofia Zweiter vor Vieca Sofie Bade mit Caretto.

Stieper und Criminal Blue hatten zuvor schon die Punktespringprüfung der Klasse S* gewonnen. Die beiden absolvierten die schwere Aufgabe fehlerfrei und mit großer Souveränität. „Es war ein sehr gerechter Parcours. Man konnte hier und da mal eine schnelle Wendung nehmen, und für die Pferde war es ein super Springen, vor allem als Vorbereitung für den Großen Preis“, so der 21-Jährige.

Jörg Friedrichsen, erster Vorsitzender des RuFV Wilhelminenhof Ladelund, zog am Ende der Springtage ein positives Fazit: „Wir sind rundum zufrieden. Das Wetter hat mitgespielt bis auf heute Nachmittag, aber das sind wir gewohnt. Wir haben guten Sport gesehen und auch die Premiere unseres Showprogramms, des Triple-Fun-Cups mit einem Quadfahrer, einem Springreiter und einem Läufer, kam bei Zuschauern, Teilnehmern und Sponsoren richtig gut an.“ pm

Zier- und Heilpflanze Ballonwein

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Der Ballonwein ist in seinem ursprünglichen tropischen Verbreitungsgebiet aufgrund seiner starken Ausbreitungskraft nicht überall beliebt. In unseren Breiten ist die an sich grazile und dekorative Kletterpflanze jedoch nicht winterhart und kann bedenkenlos zur einjährigen Berankung kleinerer Gerüste, Spaliere und Fassaden verwendet werden, wo der ungewöhnliche Fruchtschmuck die Blicke auf sich zieht.

Der Ballonwein (Cardiospermum halicacabum), auch Ballonrebe oder Herzsame, wird den Seifenbaumgewächsen (Sapindaceae) zugeordnet, einer sehr vielfältigen Pflanzenfamilie, deren Mitglieder vor allem ihr Gehalt an Saponinen verbindet. So gehört zu den Seifenbaumgewächsen beispielsweise die Blasenesche (Koelreuteria), deren aufgeblasene Fruchtkapseln denen des Ballonweins ähneln, aber auch Rosskastanie und sogar Ahorn werden nach neueren, molekularbiologischen Untersuchungen zu den Seifenbaumgewächsen gezählt.

Cardiospermum halicacabum stammt aus tropischen Gebieten Nord- und Südamerikas, Indiens und Afrikas. Heute ist die Rankpflanze weltweit in den Tropen eingebürgert und verwildert. Bei uns ist die – auch von Natur aus nur ein- bis zweijährige – Art dafür nicht ausreichend winterhart. Auch die Samen, die reichlich produziert werden, brauchen zum Keimen tropisch warmes Klima.

Vom Sommer bis zum Herbst bilden sich fortwährend neue Blüten und Früchte. Foto: Anke Brosius

Die doppelt gefiederten Blätter der zierlichen Kletterpflanze sitzen zusammen mit den Ranken wechselständig an den grünen Trieben. Die kleinen, weißen Blüten erscheinen zahlreich ab Juni. Sie sind selbstfruchtbar, werden aber auch von vielerlei Insekten besucht. Nach der Bestäubung bilden sich grüne, ballonförmig aufgeblasene Früchte, die 4 bis 5 cm groß werden und in denen rund 4 mm große, kugelrunde Samen heranreifen. Jede Frucht besteht aus drei Fruchtkammern, die jeweils einen Samen enthalten.

Bei Reife wird die Fruchthülle trocken und braun, und die Früchte fallen ab. Zu diesem Zeitpunkt sind die erbsengroßen Samen dunkelbraun bis schwarz und weisen einen cremeweißen, herzförmigen Fleck auf. Von dieser Zeichnung leitet sich die Bezeichnung „Herzsame“ für die Pflanze ab, was der Übersetzung des botanischen Namens Cardiospermum entspricht. Auch die Früchte haben ein (verkehrt) herzförmiges Aussehen.

Hilfreich bei Hautkrankheiten

Genutzt wird Cardiospermum vorwiegend als Heilpflanze. Vor allem Samen und Wurzeln der Ballonrebe enthalten das Glykosid Cardiospermin, daneben Saponine, Flavonoide und Alkaloide. Sie werden zur Herstellung einer juckreizstillenden, die Haut beruhigenden Salbe verwendet, die insbesondere bei allergisch-entzündlichen Reaktionen, Schuppenflechte und Neurodermitis hilft. Die Blätter werden für ölige Einreibungen bei trockener Haut und rheumatischen Erkrankungen gebraucht. In der Homöopathie wird aus dem blühenden Kraut eine Tinktur hergestellt, die ebenfalls bei Hauterkrankungen wie Ekzemen, Rötungen und Schwellungen, Juckreiz und Neurodermitis sowie bei rheumatischen Schmerzen der Gelenke Anwendung findet. In der traditionellen indischen und afrikanischen Medizin wird Cardiospermum darüber hinaus gegen Verdauungs- und Atemwegsbeschwerden genutzt.

Bei Vollreife fallen die Früchte ab. Foto: Anke Brosius

Frühzeitig und warm vorziehen

Die optimale Keimtemperatur für Ballonrebensamen liegt bei 30 °C und mehr. Diese Temperaturen sind bei uns normalerweise kaum erreichbar, mindestens 20 bis 22 °C sollten es allerdings schon sein. Entsprechend ist in den meisten Regionen eine Voranzucht im Haus unabdingbar. Nur in sehr mildem Klima kann man alternativ die direkte Aussaat ins Freiland Ende April bis Mai, wenn der Boden genug erwärmt ist, erwägen.

Im Haus empfiehlt es sich, die Pflanzen ab Februar oder März anzuziehen. Die Samen werden etwa 1 cm tief in kleine Töpfe gelegt. Lässt man sie zuvor einige Stunden in warmem Wasser vorquellen, keimen sie zuverlässiger. Etwas Geduld braucht es trotzdem, denn drei bis vier Wochen können vergehen, bis sich die ersten Keimblättchen zeigen. Nach dem Aufgehen sollten die jungen Pflanzen weiterhin warm und hell stehen; nach den Eisheiligen beziehungsweise nach den letzten Frösten können sie ausgepflanzt werden.

Hinsichtlich Kletterhilfe sind die Ranken nicht wählerisch. Foto: Anke Brosius

Wichtig ist ein geschützter, warmer Standort, der sonnig bis halbschattig liegen kann. Ballonwein bevorzugt durchlässigen, leichten, gern auch sandigen Boden, der allerdings auch nicht austrocknen darf. Staunässe wird nicht vertragen. Der Pflanzabstand sollte 40 bis 50 cm betragen. Bei mäßigem Wasserbedarf gedeiht die Ballonrebe auch gut im Kübel. Weil die Triebe 2 bis 3 m hoch wachsen können, benötigen sie in jedem Fall eine entsprechende Kletterhilfe. Das kann ein Spalier sein; die hübsche Pflanze eignet sich aber auch gut zur Berankung von Trennwänden, Balkongittern und Zäunen oder auch dazu, eine Hauswand neben der Terrasse zu begrünen.

Bei warmer, mäßig feuchter Witterung wachsen die Pflanzen zügig heran. Die ersten Blüten und ballonförmigen Früchte bilden sich meist schon ab Juni oder Juli bei einer Wuchshöhe von 20 bis 30 cm. Die Pflanzen wachsen aber bis zum Herbst weiter und setzen immer neue Blüten und Früchte an, aus denen im trockenen Zustand die gemusterten Samen geerntet werden können.

Die reifen Samen eignen sich nicht nur zur Dekoration, sondern auch zum Basteln von Ketten und Armbändern oder als Spielmaterial für Brettspiele. Die ganzen getrockneten Ballonfrüchte werden in der Floristik für Kränze und Trockensträuße verwendet. Die frischen Blätter werden wie diejenigen vieler tropischer Pflanzen in Afrika und Indien auch als Gemüse genutzt.

Die dekorativen „Herzsamen“ sind vielfältig verwendbar. Foto: Anke Brosius

Nicht mit verwandter Art verwechseln

Nicht verwechseln sollte man den Ballonwein mit dem Großblütigen Herzsamen (Cardiospermum grandiflorum), einer starkwüchsigen, mehrjährigen und teilweise verholzenden Kletterpflanze, die aufgrund ihrer Ausdauer größere Flächen und ganze Hecken überwuchern kann und deshalb auf der EU-weiten Beobachtungsliste invasiver Neophyten steht. Da Cardiospermum grandiflorum allerdings genauso wenig frosthart ist wie Cardiospermum halicacabum, ist die Ausbreitungsgefahr nördlich der Alpen zumindest gegenwärtig wohl als ziemlich gering einzuschätzen. Entsprechend dem Artnamen sind die Blüten des Großblütigen Herzsamens größer, und die ganze Pflanze ist wüchsiger, ansonsten sind sich beide Arten äußerlich sehr ähnlich.

Holsteiner Jungzüchter bei der Weltmeisterschaft

Bei den Weltmeisterschaften für Jungzüchter der World Breeding Federation for Sport Horses (WBFSH) auf dem Niedersächsischen Landgestüt Celle gehörten die Holsteiner Jungzüchter zu den erfolgreichsten Zuchtverbänden. Bewertet wurden die Teilnehmer in den Disziplinen Theorie, Exterieurbeurteilung, Freispringen und Mustern.

Für das beste Holsteiner Ergebnis sorgte das Juniorenteam mit Marta Becker, Lara Bicker, Birte Reimers und Mike Wille. Mit konstant starken Leistungen über alle Prüfungen hinweg wurden sie Vizeweltmeister. Auch die Senioren Gina Knaak, Mirja Matern, Mirja Rudnik und Eva-Maria Speck überzeugten. Sie beendeten den Mannschaftswettbewerb auf Rang acht und trugen gemeinsam mit den Ergebnissen der Junioren entscheidend zum dritten Platz der Holsteiner im Verbändevergleich bei. Ihre guten Resultate in Theorie und Mustern flossen maßgeblich in dieses starke Gesamtergebnis ein.

Die Weltmeisterschaft war auch ein Wochenende des Austauschs und der Gemeinschaft. Der Teamgedanke, die gegenseitige Unterstützung und die gemeinsamen Erlebnisse machten die Tage in Celle für die Holsteiner Jungzüchter zu einer besonderen Erfahrung. pm

Erst umdenken, dann umlegen

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Wer mit der Motorsäge Bäume fällt, trifft Entscheidungen mit unmittelbaren Folgen. Denn jeder Baum ist anders: Wuchsform, Krone, Äste, Stammverlauf, Gesundheitszustand und Umgebung bestimmen, wie sicher eine Fällung ausgeführt werden kann. Deshalb ist die Baumbeurteilung keine Nebensache, sondern die wichtigste Maßnahme vor Beginn der Fällarbeiten. Sie ist die Gefährdungsbeurteilung von Motorsägenführenden. Was dabei nicht erkannt wird, erhöht das Unfallrisiko.

Vor der Fällung muss der Baum möglichst vollständig angesprochen werden. Ein kurzer Blick vom Arbeitsstandort reicht dabei nicht aus. Stammverlauf, Krone und Umfeld können je nach Blickrichtung unterschiedlich wirken. Besonders bei Laubbäumen sind Schwerpunktlage, Zwiesel, Starkäste oder Totholz nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Deshalb gilt: Abstand nehmen, den Baum möglichst von allen Seiten betrachten und die Fallrichtung erst festlegen, wenn die entscheidenden Merkmale beurteilt wurden. Zu den bewährten Baummerkmalen zählen:

– Baumhöhe

– Baumkrone und Äste

– Stammverlauf

– Gesundheitszustand

– Stammdurchmesser

– Nachbarbäume und Umgebung

Auch die Baumart muss bekannt sein, denn Holzeigenschaften, Fäuleanfälligkeit und das Risiko des Aufreißens unterscheiden sich deutlich.

Baumhöhe bestimmt den Fällbereich

Die Baumhöhe ist eines der wichtigsten Merkmale. Sie muss vor Beginn der Fällarbeiten bekannt sein, damit der Fallbereich festgelegt werden kann. Als Richtwert gilt: Der abzusichernde Fallbereich beträgt die doppelte Baumlänge. Nur mit einer realistischen Einschätzung der Baumhöhe lassen sich Sicherheitsabstände zu Kolleginnen und Kollegen, Stromleitungen, Gebäuden oder Maschinen bestimmen.

Eine einfache Methode ist die sogenannte Stockpeilung. Dabei wird ein gerader Stock mit ausgestrecktem Arm senkrecht gehalten. Durch Veränderung des Standortes werden Stockenden, Baumwipfel und Stammfuß in Deckung gebracht. Anschließend sind wegen der Augenhöhe noch einige Schritte nach hinten einzuplanen. Die Entfernung zum Baum entspricht dann ungefähr der einfachen Baumlänge.

Krone, Äste und Schwerpunkt einschätzen

Der Gesundheitszustand des Baumes – vor allem erkennbar an Stamm und Kronenzustand – zeigt, wie der Baum sicher zu fällen ist. Fotos: SVLFG

Die Krone beeinflusst maßgeblich die Schwerpunktlage des Baumes. Bei Nadelbäumen mit einstämmiger Wachstumsform und regelmäßigen Astquirlen ist die Einschätzung oft einfacher. Die Krone von Laubbäumen dagegen ist sehr variabel. Im belaubten Zustand können Totholz und Schwerpunktlage schwer zu erkennen sein; zugleich lässt sich die Vitalität dann besonders gut beurteilen. Absterbende Laubbäume sollten deshalb im Laub erkannt und markiert werden, damit sie später im laublosen Zustand wiedergefunden werden.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Äste und Astkontakte zu Nachbarbäumen. Greifen Kronen ineinander, kann der Baum hängen bleiben. Ausladende Äste können beim Fallen zurückschleudern oder Baumteile der Nachbarbäume lösen. Bei ausgeprägtem Kronentotholz ist erschütterungsarm zu arbeiten, weil herabfallende Äste eine erhebliche Gefahr darstellen.

Stammverlauf zeigt Spannung und Fällverhalten

Der Stammverlauf gibt wichtige Hinweise darauf, ob ein Baum als Vorhänger, Seithänger oder Rückhänger einzuschätzen ist. Er ist gemeinsam mit der Kronenausprägung entscheidend für die Schwerpunktlage. Risse, Beschädigungen oder Veränderungen am Stamm müssen vor der Fällung erkannt werden. Ebenso wichtig ist die Wahl der Rückweiche und des Rückweichplatzes.

Ist die Schwerpunktlage unklar oder spricht sie gegen eine sichere motormanuelle Fällung, können andere Arbeitsverfahren erforderlich sein, etwa eine seilwindenunterstützte Fällung. Die Baumbeurteilung entscheidet somit auch darüber, welche Technik und welche Arbeitsmittel einzusetzen sind.

Fäule und verminderte Standfestigkeit

Der Gesundheitszustand beeinflusst unmittelbar, wie der Baum geschnitten werden darf. Schäden am Stammfuß, Rindenschäden, offengelegtes Holz, Fruchtkörper von Pilzen, Schleimfluss oder auffällige Wuchsformen können Hinweise auf Fäule sein. Bei Fichten kann ein flaschen- oder glockenartiges Erdstammstück auf Rotfäule hindeuten. Bei Eschen ist das Eschentriebsterben besonders kritisch, weil es mit verminderter Standfestigkeit sowie abgestorbenen, brüchigen Ästen einhergehen kann.

Ist Fäule erkennbar, dürfen Wurzelanläufe nicht seitlich beigearbeitet werden, weil dadurch möglicherweise das verbliebene tragfähige Holz geschwächt wird. Gegebenenfalls sind die Schnitte höher anzulegen. Ein senkrechter Prüfschnitt am Stammfuß kann vor Beginn der eigentlichen Schnittführung Hinweise auf den Zustand im Stamminneren geben.

Werkzeug und Schnittanlage

Der Stammdurchmesser bestimmt die Auswahl der Motorsäge, die Schienenlänge, das Hauungswerkzeug und die Fällhilfe. Auch die Maße der Schnittanlage – Fallkerb, Bruchleiste und Bruchstufe – müssen zum Durchmesser passen. Ungeeignetes oder zu schwach dimensioniertes Werkzeug erhöht die Belastung und kann zu unsicheren Arbeitssituationen führen.

Umgebung nicht vergessen

Eine sichere Fällung endet nicht am Stammfuß. Vor Beginn der Arbeit ist auch das Umfeld zu beurteilen: Kontakt zu Nachbarbäumen, Hindernisse in Fällrichtung, stehendes Totholz, Geländeform, Wege, Gebäude, Maschinen und Personen. Der fallende Baum kann Nachbarbäume mitreißen, Hindernisse hochschleudern oder durch Erschütterung Schadholz lösen. Deshalb gehört die Beurteilung der geplanten Fällrichtung und des gesamten Umfeldes immer zur Baumbeurteilung.

Fazit

Eine fachkundige Baumbeurteilung ist der Schlüssel zu sicherer Waldarbeit. Sie klärt, ob und wie ein Baum gefällt werden kann, welche Arbeitsmethode geeignet ist und welche Gefährdungen für Beschäftigte und Umfeld bestehen. Wer Baumhöhe, Krone, Äste, Stammverlauf, Gesundheitszu-stand, Stammdurchmesser und Umgebung sorgfältig beurteilt, reduziert Unfallrisiken deutlich. Die wichtigste Regel lautet deshalb: Erst beurteilen, dann fällen.