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Gedeckter Gartentisch für Vögel

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Schon der Name mancher Gehölze, wie Vogelbeere und Vogelkirsche, weist daraufhin, welch große Bedeutung manche Bäume und Sträucher als Nahrung für Vögel haben können. Mit geeigneten fruchtreichen, heimischen Gartengehölzen lässt sich das natürliche Nahrungsangebot im Garten erheblich steigern.

Die winterliche und inzwischen vielerorts sogar ganzjährige Vogelfütterung ist bei vielen Gartenbesitzern beliebt. Schöner und nachhaltiger ist jedoch die Bereitstellung eines natürlichen, möglichst ganzjährigen Nahrungsangebots für die gefiederten Gartenbewohner. Hierbei spielen Bäume und Sträucher eine besondere Rolle. Mit einer entsprechenden Vielfalt und einer geeigneten Auswahl fruchttragender Gehölze lässt sich die Vogelwelt das ganze Jahr über auf natürliche Weise unterstützen.

Gehölze stellen als Solitäre oder in Gruppen nicht nur das Gerüst des Gartens dar, sondern schaffen auch besondere Blickpunkte, interessante Lichtwirkungen sowie Sonnenschutz. Zudem können sie im Zusammenspiel mit Hecken aus Gehölzen für geeignete Sicht-, Betretungs- und Windschutzverhältnisse sorgen.

Der Haussperling, auch Spatz genannt, ist unser häufigster Gartenvogel und ernährt sich gern von Beerenfrüchten an Sträuchern und in Hecken, hier an einem Bocksdorn. Foto: Daniel Hugenbusch
Die Amsel ist ein häufiger Gartengast, der auch gern Beerenfrüchte von Sträuchern wie diesem Weißdorn verzehrt. Foto: Hans-Dieter Reinke
Ein Haussperling auf Nahrungssuche im Weißdornstrauch Foto: Hans-Dieter Reinke


Für die Vogelwelt erfüllen Gehölze zahlreiche wichtige Funktionen. Sie bieten Nistplätze sowie Schutz- und Versteckmöglichkeiten, insbesondere in dornigen Sträuchern. Darüber hinaus dienen die in Hecken und Bäumen lebenden Insekten, die Blüten der Gehölze sowie später vor allem Samen und Früchte als Nahrung. Mitunter bleiben die Früchte einiger Sträucher und die Samenstände bis weit in den Winter hinein am Gehölz haften  – genau dann, wenn in strengen Wintern schnell Nahrungsmangel auftreten kann.

Vielfalt des Fruchtangebots heimischer Sträucher

Im Folgenden werden einige wichtige heimische Gartengehölze vorgestellt, die mit ihren Früchten ein wertvolles zusätzliches Nahrungsangebot für Vögel im Garten bereitstellen.

Das bei Vögeln beliebteste Gehölz in Natur und Garten ist die Vogelbeere (Sorbus aucuparia), die auch als Eberesche bezeichnet wird und sowohl strauch- als auch baumförmig wachsen kann. 63 heimische Vogelarten ernähren sich von der Eberesche. Hinzu kommen 31 Säugetierarten, die ihre Früchte ebenfalls nutzen. Die reifen roten Früchte erinnern an kleine Äpfel und finden auch Verwendung in Küche und Medizin der Menschen. Als sogenannte Wintersteher bleiben die Früchte oft bis in den Winter hinein am Baum hängen und stellen dann eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel dar.

Im Gegenzug unterstützen die Vögel die Verbreitung der Eberesche, da die Samen häufig unverdaut ausgeschieden werden und so an neuen Standorten keimen können. Die rote Färbung vieler Früchte ist für Vögel besonders attraktiv, da sie diese Farbe gut wahrnehmen und dadurch angelockt werden. Auf diese Weise wird die Samenverbreitung durch den Fruchtverzehr gefördert.

Andere Arten der Gattung Sorbus, wie die Mehlbeere (Sorbus aria), der Speierling (Sorbus domestica) oder die Oxelbeere (Sorbus intermedia), eignen sich ebenfalls als vogelfreundliche Fruchtgehölze für den heimischen Garten.

Die glänzend schwarzen Beeren des Schwarzen Holunders sind für zahlreiche Vogelarten eine wichtige Nahrungsquelle. Foto: Hans-Dieter Reinke

Mit seinen schwarzen Früchten ist der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) bei Vögeln nahezu ebenso beliebt wie die Vogelbeere. Hier finden 62 Vogelarten Nahrung. Auch für den Menschen besitzt der Holunder mit seinen weißen Blüten und schwarzen Beeren große Bedeutung. Die Beeren werden unter anderem für Säfte, Gelees und Marmeladen genutzt. Früher hieß es nicht ohne Grund, mit dem Holunder habe man die Apotheke im Garten.

Der nahe verwandte Traubenholunder (Sambucus racemosa) mit seinen roten Früchten ist deutlich seltener anzutreffen, wird von Vögeln jedoch fast ebenso gern genutzt.

Die kleinwüchsigen und teilweise rankenden Beerengehölze wie die Waldhimbeere (Rubus idaeus), die Wildbrombeere (Rubus spec.), die wilde Rote Johannisbeere (Ribes rubrum), die wilde Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) oder die Wilde Stachelbeere (Ribes uva-crispa) sind ebenfalls wertvolle Nahrungspflanzen für Vögel. Dies gilt gleichermaßen für ihre Kulturformen. Allerdings entsteht hier häufig eine Konkurrenz zwischen der menschlichen Nutzung und den hungrigen Gartenvögeln. Einige Früchte sollte man den Vögeln jedoch durchaus zur Erntezeit überlassen.

Die roten Früchte des Weißdorns ernähren viele Vögel, sogar bis in den Winter hinein. Foto: Hans-Dieter Reinke

Die beiden heimischen Weißdornarten Ein- und Zweigriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna und Crataegus oxyacantha) zählen aufgrund ihrer reichen Produktion roter Beerenfrüchte zu den wichtigen Nahrungspflanzen für Vögel. Die Früchte bleiben häufig lange am Strauch haften. Zudem bietet das dichte und dornige Geäst guten Schutz. Weißdorn ist daher auch eine beliebte Heckenpflanze. In regelmäßig geschnittenem Zustand bildet er allerdings deutlich weniger Blüten und Früchte, sodass einige frei wachsende Exemplare bei ausreichendem Platzangebot wesentlich mehr Vogelnahrung liefern.

Neben zahlreichen anderen Hartriegelarten in unseren Gärten sind zwei heimische Vertreter besonders wertvolle Vogelnährgehölze. Von beiden Arten ernähren sich jeweils mehr als 20 Vogelarten. Der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea) verdankt seinen Namen der roten Herbstfärbung seiner Blätter sowie den roten Zweigen. Seine holunderähnlichen Steinfrüchte sind schwarzblau.

Die roten Früchte der Kornelkirsche, auch als Gelber Hartriegel bezeichnet, locken viele Vogelarten an. Foto: Hans-Dieter Reinke

Der Gelbe Hartriegel (Cornus mas), besser bekannt als Kornelkirsche, ist als früh blühendes Gartengehölz sehr beliebt, da er die ersten Insekten und Blütenbesucher des Jahres mit Pollen und Nektar versorgt. Die kirschähnlichen Früchte werden nicht nur von Vögeln geschätzt, sondern finden auch vielfältige Verwendung in der Küche.

Die Früchte des Gewöhnlichen Schneeballs verbleiben lange bis in den Winter am Strauch und stellen dann eine wichtige Vogelnahrung dar. Foto: Hans-Dieter Reinke

Auch die Gattung Viburnum mit ihren Schneeball-Arten bietet zahlreiche interessante Gartenpflanzen mit vogelfreundlichen Früchten. Heimisch ist neben dem Wolligen Schneeball (Viburnum lantana) mit zunächst roten und später schwarzen Steinfrüchten auch der Gewöhnliche Schneeball (Viburnum opulus). Dessen rote Früchte werden zunächst weniger gern gefressen. Da sie jedoch lange am Strauch verbleiben, dienen sie später – wenn andere Fruchtquellen knapp werden – vielen Wildvögeln als wichtige Winternahrung.

Die interessanten Früchte des heimischen Pfaffenhütchens werden von vielen Vogelarten gern ge­fressen. Foto: Hans-Dieter Reinke

Eine besonders auffällige Frucht trägt das Europäische Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), auch Gewöhnlicher Spindelstrauch genannt. Von seinen Früchten ernähren sich 24 Vogelarten. Besonders Rotkehlchen zeigen Interesse an den Samenmänteln, die von September bis Oktober aus den reifen Fruchtkapseln hervortreten. Die Früchte der als giftig geltenden Pflanze erinnern an die Kopfbedeckung katholischer Geistlicher. Daher erhielt die gesamte Pflanzengattung ihren Namen.

Dornige Schlehengehölze bieten den Vögeln nicht nur Nahrung bis in den Winter, sondern auch Schutz- und Nistmöglichkeiten. Foto: Hans-Dieter Reinke
Auch die Früchte des Sanddorns sind bei Vögeln beliebt, das Gehölz dient zudem als Nistplatz. Foto: Hans-Dieter Reinke


Auch Schlehe und Sanddorn sind durch ihre lange Fruchthaftung bis weit in den Winter hinein für zahlreiche Vogelarten interessant. Rund 20 Vogelarten suchen an diesen Dornengehölzen nach Nahrung. Gleichzeitig stellen sie durch ihren stacheligen Wuchs wichtige Schutzgehölze dar. Als Gartenhecken eignen sich beide Arten allerdings nur eingeschränkt, da sie dazu neigen, sich in angrenzende Grün- und Beetflächen auszubreiten.

Die Gewöhnliche Berberitze, auch Sauerdorn genannt, wird gern zur Heckenpflanzung verwendet. Die vitaminreichen, säuerlichen Früchte werden von Vögeln gefressen. Foto: Hans-Dieter Reinke

Eine weitere wichtige Strauchart für etwa 20 Vogelarten ist die Gemeine Berberitze mit ihren länglich-eiförmigen, scharlachroten Früchten und gelben Blüten im Frühjahr. Ihre mit Blattdornen bewehrten Zweige machen sie zugleich zu einem wertvollen Schutzgehölz. Auch als Heckenpflanze ist sie gut geeignet.

Nadelgehölze, Bäume und Rosen als Vogelnahrung

Unter den Nadelgehölzen sind vor allem der Wacholder mit seinen dunklen Beeren sowie die Eibe hervorzuheben, die sowohl als Solitärbaum als auch als Heckengehölz Verwendung findet.

Von den baumförmig wachsenden Arten sind insbesondere die Traubenkirsche (Prunus padus) und die Vogelkirsche (Prunus avium) zu nennen. Bereits ihre Namen weisen auf die Bedeutung ihrer Früchte für die Vogelwelt hin.

Rosen mit ihren Hagebuttenfrüchten, wie hier an einer Hundsrose, können eine wichtige Vogelnahrung bis in den Winter sein. Foto: Hans-Dieter Reinke

Auch Obstgehölze und Streuobstbestände beziehungsweise Obstgärten, insbesondere mit Wildbirne und Holzapfel, stellen wichtige Nahrungsquellen für Wildvögel dar. Ebenso sind die Hagebutten zahlreicher Rosenarten wertvolle Nahrungsergänzungen. Vor allem die Hundsrose (Rosa canina) bietet mit ihren lange am Strauch haftenden Früchten bis weit in die kalte Jahreszeit hinein Nahrung. Auch die Essigrose (Rosa gallica), die Zimtrose (Rosa majalis) und die Bibernellrose (Rosa pimpinellifolia) eignen sich mit ihren ungefüllten Blüten und Hagebutten als Nahrungspflanzen.

Auch die häufig in Gärten anzutreffenden Kartoffelrosen bieten Vögeln mit ihren Hagebutten eine wichtige Nahrungsquelle. Foto: Hans-Dieter Reinke

Die häufig in Gärten gepflanzte Kartoffelrose (Rosa rugosa) besitzt ebenfalls für Vögel attraktive Früchte. Sie ist jedoch keine heimische Art, entkommt immer wieder aus Gärten und breitet sich in der Natur invasiv aus.

Eine gute Zeit für Gehölzpflanzungen ist neben dem Herbst auch das Frühjahr. Dann lassen sich neue Solitär-, Allee- und Heckenpflanzungen gut planen und umsetzen. Die Ergänzung neu anzulegender oder umzugestaltender Gartenbereiche mit attraktiven Vogelnährgehölzen bereichert nicht nur die Biodiversität und die Insektenvielfalt, sondern schafft zugleich zusätzliche natürliche Nahrungsquellen für die Vogelwelt  – eine wertvolle Ergänzung zur klassischen Winterfütterung am Vogelhäuschen.

Milchpreisvergleich

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Die abgelieferte Milchmenge ist über den Monat August hinweg deutlich zurückgegangen. Da sie im vorigen Jahr um diese Zeit allerdings angestiegen ist, nähern sich die beiden Kurven deutlich an. Auch die Inhaltstoffe waren im abgelaufenen Monat weiterhin auf einem relativ niedrigen Niveau.

Die Milchauszahlungspreise entwickelten sich dabei den sechsten Monat in Folge leicht fester. Die meisten Meiereien haben ihre Auszahlungspreise leicht angehoben, der Rest beließ die Grundpreise unverändert. Zehn von 15 in unserem Milchpreisvergleich aufgeführten Meiereien haben ihren Auszahlungspreis um knapp 1 bis maximal 2 ct angehoben. Der Durchschnittspreis liegt nun bei 37,70 ct/kg und damit um 0,86 ct über dem Vormonatsniveau. Die Spanne bewegt sich nun zwischen 35,20 und 40 ct/ kg und ist folglich nach oben hin enger geworden. Genauso hat sich auch die Spanne in Süddeutschland bewegt. Hier werden jetzt zwischen 33,96 und 40,40 ct/ kg gezahlt. In Ostdeutschland liegt der Auszahlungsgrundpreis zwischen 33,50 und 38,70 ct/ kg. Hier hat sich die Spanne komplett nach oben verschoben. Bei den westdeutschen Meiereien liegt die Spanne im Bereich von 33,00 bis 38 ct/kg und hat sich somit entgegen dem Trend nach unten hin leicht verkleinert. Im Durchschnitt werden im Norden somit die besten Preise ausbezahlt. Allerdings lagen zu Redaktionsschluss noch nicht alle Meldungen aus den anderen Bundesländern vor.

Die anziehenden Preise haben bei den Einkäufern und Händlern unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Während Industrierahm zuerst deutlich zulegte, sind hier aktuell wieder fallende Kurse zu verzeichnen. Abgepackte Butter ging trotz der Sommerferien sehr gut in den Markt. Jetzt nach den Ferien zog die Nachfrage sogar noch etwas weiter an. Der sehr gute Absatz ist allerdings auch auf das weiterhin extrem niedrige Preisniveau zurückzuführen. Anders sieht es mit Blockbutter aus. Hier üben sich Käufer und Händler aktuell in starker Zurückhaltung. Aufgrund des niedrigen Fettgehaltes in der angelieferten Milch zogen die Preise hier aber trotzdem auf sehr niedrigem Niveau leicht an. Der Käsemarkt entwickelte sich dagegen etwas freundlicher. Hier war die Nachfrage den ganzen Sommer über sehr hoch, da sich das deutsche Preisniveau im europäischen Vergleich sehr wettbewerbsfähig zeigte. Durch die hohe Nachfrage und die gleichzeitig sinkende Milchanlieferung stehen derzeit so gut wie keine Mengen für kurzfristige Abschlüsse zur Verfügung. Die Preise steigen daher kontinuierlich an, allerdings auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit. Verglichen mit den beiden Vorjahren ist das Preisniveau aber immer noch sehr niedrig. Genau umgekehrt ist es beim Milchpulver. Hier liegen sowohl Magermilch- als auch Molkenpulver weit über dem Niveau der beiden Vorjahre. Nachdem die Handelsaktivitäten in der zweiten Augusthälfte deutlich Fahrt aufgenommen hatten, hat sich die Marktsituation inzwischen deutlich beruhigt. Allerdings steht auch im Pulverbereich fast keine Ware mehr für kurzfristige Abschlüsse zur Verfügung. Daher kommt es aktuell trotz ruhiger Geschäftsaktivitäten zu weiter steigenden Preisen bei Magermilch- und Molkenpulver.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bewertet den weltweiten Milchmarkt monatlich in ihrem sogenannten FAO-Milchpreisindex. Dieser setzt sich aus den internationalen Preisnotierungen für Butter, Käse, Mager- und Vollmilchpulver zusammen. Im August ist er nun erstmals seit Juni 2025 wieder angestiegen. Grund dafür sind die festeren Notierungen in der EU, die den saisonalen Milchmengenanstieg und den damit einhergehenden Preisrückgang in Ozeanien deutlich überlagern. Dort belasten nicht nur die steigenden Milchmengen (+7,4 % über Vorjahr), sondern auch der massive Konkurrenzdruck aus den USA die Preise. In den USA wurde die Milchproduktion im Vergleich zum Vorjahr durch Bestandsaufstockungen deutlich ausgeweitet (+2,2 % über Vorjahr). Somit drängt auch deutlich mehr Milch auf den Weltmarkt. Aber auch diese Marktsituation wird durch die EU-weiten Rückgänge der Milchanlieferung kompensiert, sodass es zu steigenden Preisen auf dem Weltmarkt kommt.

Menschen unterstützen, zurück ins Leben zu finden

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Als Genesungsbegleiterin wird Dr. sc. agr. Hélène Gibaud bald Menschen unterstützen, zurück ins Leben zu finden. Seit Oktober 2025 absolviert die Agraringenieurin beim Kieler Fenster, einem Netzwerk sozialpsychiatrischer Einrichtungen, eine einjährige Ausbildung zur zertifizierten
EX-IN-Genesungsbegleiterin. EX-IN ist eine Qualifizierung für Menschen, die mit ihren eigenen psychischen Krisen- und Genesungserfahrungen andere Betroffene auf ihrem Weg der Heilung unterstützen.

Auf einmal waren sie da, schlichen sich in das Leben von Hélène Gibaud: körperliche Schmerzen. Bis zu diesem Tag im Jahr 2016 war bei ihr von außen betrachtet alles im Lot. Als junge Frau war sie aus Frankreich der Liebe wegen zum Studium der Agrarwissenschaften an die Kieler Christian-Albrechts-Universität gekommen. Nach dem Studienabschluss arbeitete sie in verschiedenen Bereichen, heiratete, bildete sich weiter fort, promovierte und machte sich als Inhaberin eines Fachübersetzungs- und Dienstleistungsbüros mit den Schwerpunkten Agrarwirtschaft, Agrarpolitik und Biowissenschaften selbstständig. Mit viel Freude organisierte sie unter anderem Fachreisen für Züchter, die sich über die Fleischrinderzucht in Frankreich informieren wollten. Neben ihrer Selbstständigkeit wurde sie 2010 Mutter eines Sohnes.

Diagnose Depression

„Mein Körper zeigte mir mit den plötzlich auftretenden Schmerzen Grenzen auf. Mir wurde klar, dass ich etwas in meinem Leben ändern musste“, blickt sie zurück. Nach einer Auszeit entschied sie sich deshalb, in eine psychiatrische Tagesklinik zu gehen. „Erst hier kam ich meiner tiefgreifenden Erschöpfung auf die Spur, die ich bis dahin nicht bewusst wahrgenommen hatte. Als ich vom behandelnden Arzt mit der Diagnose ‚Depression‘ konfrontiert wurde, kam das bei mir im Kopf gar nicht richtig an. Ich musste erst lernen, damit umzugehen“, erzählt sie.

Der Genesungsweg gleicht dem Besteigen einer Düne. Jeder Schritt im losen Sand ist schwer, doch am Ende wartet das Licht.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Nach dem mehrwöchigen Aufenthalt in der Tagesklinik schloss sie auf ärztliche Empfehlung hin eine weiterführende ambulante Psychotherapie an. „Diese machte ich auch in Verantwortung für meinen Sohn und meinen Mann“, meint sie nachdenklich. Die Inhaberschaft ihres Unternehmens hatte sie mittlerweile aufgegeben und Berufliches reduziert. Fortan konzentrierte sie sich hauptsächlich auf die Familie und ihren Genesungsweg. „Die Psychotherapie war für mich ein Meilenstein. Ich konnte gut annehmen, was die Therapeutin mir sagte und widerspiegelte, und lernte langsam, wieder in mich hineinzuhören und mich zu spüren. Das Fühlen war mir in der Depression ganz verloren gegangen“, erklärt sie.

Ihr innerer Kompass, der sie während ihrer psychischen Erkrankung manches Mal verlassen hatte, stellte sich allmählich wieder ein. Selbstzweifel, die sie begleitet hatten, nahmen ab, und ihr angeknackstes Selbstwertgefühl baute sich wieder auf. Sie reflektierte mit therapeutischer Hilfe Ereignisse aus Kindheit und Jugend und nahm dabei alte Glaubenssätze und Verhaltensmuster in den Blick, von denen sie sich löste. Schritt für Schritt, mit erlebten Höhen, Tiefen und Herausforderungen spürte sie, wie sie psychisch gesundete. Die körperlichen Schmerzen blieben, traten aber in den Hintergrund und verloren an Wirkmacht. Hélène Gibaud erkannte: „Mich gut zu fühlen, heißt für mich nicht, symptomfrei zu sein.“

Dann war auf ihrem acht Jahre dauernden Genesungsweg der Punkt gekommen, an dem sie sich innerlich so gefestigt fühlte, einen beruflichen Neuanfang zu wagen. „Mit dem Wissen um meine Fähigkeiten und Ressourcen kristallisierte sich heraus, dass ich im sozialen Bereich rund um die landwirtschaftliche Familie tätig sein will“, so die 52-Jährige.

Erfahrungswissen teilen

Durch eine Internetrecherche entdeckte sie die EX-IN-Ausbildung zur Genesungsbegleitung. Die Abkürzung EX-IN steht dabei für „Experienced Involvement“, sprich „Einbeziehung Erfahrener“. Im Mittelpunkt steht die Idee, dass Psychiatrie-Erfahrene ein einzigartiges Erfahrungswissen besitzen, das anderen Betroffenen in akuter Behandlung und danach Orientierung geben, Hoffnung stiften und neue Zugänge eröffnen kann. In einer instabilen Lebenssituation stehen sie ihnen auf Augenhöhe zur Seite, ermutigen und bringen persönliche Erfahrungen ein.

Sozialarbeiterin Barbara Birk (li.) und Genesungsbegleiterin Ava Anna Johannson leiten den aktuellen EX-IN-Kurs beim Kieler Fenster.
Foto: Kieler Fenster

„Dabei befähigt die EX-IN-Qualifikation zur Übernahme bezahlter Arbeit im Bereich der Sozialpsychiatrie. Hier ergänzen und bereichern Psychiatrie-Erfahrene professionelle Teams um die Betroffenenperspektive“, informiert Sozialarbeiterin (B.A.) Barbara Birk vom Kieler Fenster. Mit Genesungsbegleiterin Ava Anna Johannson leitet sie momentan den ersten Kieler EX-IN-Kurs mit 20 Teilnehmenden. „Darüber hinaus ist der Kurs ebenfalls sehr gut geeignet, um sich selbst zu stabilisieren und eine bessere Teilhabe im Leben zu erwirken“, ergänzt sie. Der auch von Hélène Gibaud besuchte Kurs wird in diesem Herbst abgeschlossen sein.

Mittlerweile ist die Ausbildung, die zwölf Module, zwei Praktika, ein Portfolio und eine Abschlusspräsentation umfasst, so weit fortgeschritten, dass bereits das zehnte Modul unter dem Thema „Krisenintervention“ auf dem Stundenplan steht. „Die Teilnehmenden haben zum Teil schon ihre Praktika absolviert und bereiten sich nun auf ihre Abschlusspräsentation vor. Die Stimmung und die Beteiligung sind weiterhin großartig“, freut sich Barbara Birk. Eine Sache möchte sie noch anmerken: „Die Ausbildung kostet etwa 3.600 €. Für Menschen, die ohne eine feste Finanzierung daran teilnehmen, initiierten wir deshalb einen Aufruf bei der gemeinnützigen Online-Spendenplattform betterplace.org.“ So hätten einige Teilnehmende ein Teilstipendium erhalten können.

Positives bewirken

Hélène Gibaud ist noch beeindruckt von ihrem kürzlichen Praktikum in der psychosomatischen Fachklinik Simbach am Inn. Dort baute Karen Hendrix, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, eine „Grüne Gruppe“ auf. Sie schuf damit ein stationäres Therapieangebot, das die Belastungen und die Situation der Grünen Berufe besonders versteht, sind doch die Hintergründe und Auslöser von psychischen Erkrankungen bei Menschen aus der Landwirtschaft oft spezifisch, ob Erschöpfung, Existenzangst, Selbstausbeutung oder Generations- und Partnerschaftskonflikte.

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. (Verfasser unbekannt)
Foto: Silke Bromm-Krieger

Als Mitglied des behandelnden Teams nahm Hélène Gibaud auch an Gruppentherapien für die Patienten teil. „Ich war verblüfft, wie viel Gewicht mein Gesagtes hatte. Es wurde von den anderen nicht infrage gestellt. Alle wussten, ich hatte Ähnliches erlebt, das verbindet“, bemerkt sie. Eine Begegnung mit einer Patientin berührte sie besonders. Die Frau war während einer Musiktherapie-Stunde in eine akute psychische Krise geraten und verließ den Raum. Gibaud gesellte sich zu ihr. Mit ihrer empathisch zugewandten Anwesenheit vermittelte sie der Patientin das Gefühl, nicht allein zu sein. Sie stand ihr unterstützend zur Seite, das zu reflektieren und in Worte zu fassen, was soeben geschehen war. Dadurch konnte die Frau sich innerlich wieder fangen. Dieses Erlebnis zeigte Hélène Gibaud eindrucksvoll, was sie als Genesungsbegleiterin bewirken kann. „Außerdem ist es mir wichtig, psychische Erkrankungen aus der Tabuzone zu holen. Sie können jede und jeden treffen“, betont sie.

Ihre Zwischenbilanz der Ausbildung fällt durchweg positiv aus. „Wir haben nützliche Tools an die Hand bekommen, wie wir andere Betroffene stärken können. Gleichzeitig ist in unserer Kursgemeinschaft das individuelle Erfahrungswissen der Einzelnen zu einem wertvollen Wir-Wissen aller geworden“, unterstreicht sie. Wie es für sie nach der Ausbildung weitergehen wird, weiß sie noch nicht genau. „Eine Tätigkeit bei einer sozialen Organisation im Bereich der Prävention und Krisenintervention für Menschen aus der Landwirtschaft kann ich mir gut vorstellen.“ Mehr Informationen gibt es unter
www.kieler-fenster.de sowie unter www.ex-in.de

Info

Die nächste EX-IN-Qualifizierung beim Kieler Fenster beginnt im Dezember. In Lübeck ist über die LebensArt Weiterbildung gGmbH ein Kurs ab September geplant. Weitere Informationen unter
www.ex-in-lebensart.de

In Neumünster bietet die Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie (DGSP) ebenfalls Kurse an. Infos unter www.dgsp-sh.de

Interessierte, die die Kosten nicht selbst tragen können, sollten prüfen lassen, ob eine Förderung zum Beispiel durch die Agentur für Arbeit, das Jobcenter, die Eingliederungshilfe oder die Deutsche Rentenversicherung möglich ist.

Es war einmal …

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Es war einmal … so beginnen wohl die meisten Märchen. Sie erzählen von Hexen und bösen Stiefmüttern, von furchteinflößenden Drachen und tapferen Rittern, von guten Feen, unglücklicher Liebe oder vergifteten Früchten.

Über Jahrhunderte erzählte man diese Geschichten – nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch um Erfahrungen, Werte, Warnungen und Lebensweisheiten von Generation zu Generation weiterzugeben. Heute ist die Kunst des Märchenerzählens fast eingeschlafen. Mit einem ganzen Tag zum Thema „Kräutermärchen als traditionelle Wissensvermittlung“ möchte der Aufbaukurs Kräuterkunde dieser Entwicklung entgegenwirken.

Zwanzig Frauen trafen sich im Wildpark Eekholt, um den Kräutermärchen wieder auf die Spur zu kommen. Sie alle haben bereits die Qualifizierung Kräuterkunde erfolgreich absolviert und wollten ihr Wissen im Aufbaukurs vertiefen. An diesem Fortbildungstag ging es vor allem darum, die alte Technik des freien Erzählens für sich zu entdecken, zu üben und selbst erste Geschichten rund um das eigene Kräuterwissen zu erfinden.

Treue am Wegesrand

Sonja Truhn und Dr. Astrid Hadeler (v. li.) vermitteln Kräuterwissen auch über Märchen.

Zu Beginn des Seminars erzählte Sonja Truhn von der Alten Märchenschule in Rickling ein berührendes Märchen über eine junge Frau, die auf die Rückkehr ihres Geliebten wartet. Er ist in den Krieg gezogen und hatte ihr versprochen wiederzukommen. Doch die Jahre vergehen, ohne dass er heimkehrt. Das Mädchen bleibt ihm treu und wartet Tag für Tag am Weg – so lange, bis es schließlich in eine Blume mit himmelblauen Blüten verwandelt wird: die Wegwarte. Noch heute wächst sie an Wegen und Straßen und richtet ihre blauen Blüten sehnsüchtig dem Himmel entgegen. Sonja Truhn ist mit Leib und Seele Erzählerin. Sie malt Bilder in die Köpfe ihrer Zuhörer, schafft magische Räume, knüpft eine Verbindung in eine andere Welt und verhilft so den Menschen zu einem Ausflug aus dem Alltag. „Heute muss ich mich sehr zurücknehmen, damit ich nicht den ganzen Tag selbst erzähle“, schmunzelte sie. Sie erzählt am liebsten aus dem Moment heraus, bezieht den Ort und die jeweiligen Zuhörer gern ein. „Wenn ich an einem Ort bin, den ich noch nicht kenne, brauche ich ein paar Minuten, um den passenden Platz für meine Geschichte oder mein Märchen zu finden. Dafür habe ich eine Spürnase.“ Es scheint fast selbstverständlich, dass genau neben der Erzählerin eine Wegwarte wuchs.

Pflanzen erspüren

Kathrin Brücker hat sich den Schmetterlingsflieder für ihre Übung ausgesucht.

Sonja Truhn weiß, wie man Märchen erzählt. In kleinen Übungen vermittelte sie den Frauen, sich selbst zurückzunehmen, aufmerksam zu sein und zuzuhören – Eigenschaften, die in der schnelllebigen Welt mitunter ins Hintertreffen geraten.

Ein Beispiel: Die Frauen bekommen die Aufgabe, sich im Medizinalgarten des Wildparks eine Pflanze auszusuchen und zu erspüren, was diese zu sagen hat. „Viele Frauen erzählen aus der Gewohnheit heraus, was sie über diese Pflanze wissen. Aber das ist gar nicht gefragt“, erklärt Dr. Astrid Hadeler. „Es geht darum, die Pflanze bewusst wahrzunehmen und wertzuschätzen. Und zu schauen, was sie mitteilen möchte.“ Zugegeben, das mag sich etwas skurril anhören. Aber es geht darum, die Wahrnehmung zu schärfen, offen zu sein und bewusst – nur dann kann ich auch Geschichten erkennen, Kräutermärchen erzählen und so die traditionelle Wissensvermittlung der Ahnen aufgreifen. „Die eine kann das besser als die andere. Und eine Dritte überlegt erst, worauf sie sich einlässt.“ Kathrin Brücker geht zielsicher zur Pflanze ihrer Wahl, breitet ihre Arme aus und sagt: „Ich bin der Schmetterlingsflieder und sehr gesellig. Ich lade euch alle zu mir ein.“ Betrachtet man die vielen Schmetterlinge und Hummeln, die sich dort tummeln, scheint diese Einladung dankend angenommen zu werden. Mit Übungen wie dieser und kurzen Geschichten wärmen sich die Teilnehmerinnen auf, und dann geht es selbst ans Erzählen.

„Heutzutage werden Märchen von Erwachsenen häufig abgetan, weil sie etwas für Kinder sind. Dabei wird vergessen, dass sie von alters her dazu dienten, Wissen zu vermitteln“, erzählt Dr. Astrid Hadeler, die den Kurs für das Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein gemeinsam mit Dr. Gaby Brüssow-Harfmann vom LandFrauenVerband Schleswig-Holstein leitet. „Inzwischen ist es sogar wissenschaftlich belegt, dass man sich Fakten, die in eine Geschichte eingebunden sind, viel besser merkt.“ In Geschichten erzählte Informationen bleiben leichter im Gedächtnis, weil sie einen verständlichen Zusammenhang schaffen, innere Bilder und Gefühle auslösen und neues Wissen mit bereits Bekanntem verbinden.

Neue Pflanzenschutztechnik spart Herbizide

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Neue Pflanzenschutztechnik wie Spot- und Patchspray ­kann große Mengen Pflanzenschutzmittel – vor allem Herbizide – ­einsparen. Je nach Kultur und Anwendung sind der Technik ­jedoch ­Grenzen ­gesetzt. Auch die Flächenleistung von Spezialgeräten liegt signifikant unter der ­Flächenleistung herkömmlicher flächiger Applikation. Können autonom arbeitende Geräte die Arbeitswirtschaftlichkeit der ­Spezialisten verbessern?

Herkömmliche moderne Pflanzenschutztechnik mit möglichst kleinen Teilbreiten oder sogar Einzeldüsenschaltung ist mithilfe von durch Drohnen generierten Unkrautkartierungen (Offline-Technologie) in der Lage, Spotspray mit großer Schlagkraft durchzuführen. Wie groß die Einsparungen bei der zweiten Splittingmaßnahme im Mais sein können, ist in der Abbildung und der Tabelle dargestellt. Attraktiv ist das relativ günstige absätzige Verfahren mit vorgelagertem Drohnenüberflug auch, weil die benötigte Pflanzenschutzmittelmenge vor der Applikation feststeht und somit Restmengen verhindert werden können. Ein Nachteil ist der etwas zeitintensive Vorlauf.

Sogenannte Consumer-Drohnen, zum Beispiel von der Firma DJI, sind relativ günstig zu bekommen. Die mit den Kameras gesammelten Daten können mit unterschiedlicher Software in Applikationskarten umgewandelt werden.

Profi-Modelle wie die Drohne von SAM-Dimension werden inklusive der Analyse-Software und des Services angeboten, sind hoch entwickelt und spezialisiert und daher auch deutlich kostenintensiver. Nach dem Drohnenüberflug müssen die Daten ausgewertet werden. Die Applikation ist dann meist am nächsten Tag möglich.

Ob auch mit Consumer-Drohnen befriedigende oder gute Ergebnisse zu erzielen sind, versucht die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein derzeit unter anderem in Streifenversuchen im Mais zu ergründen.

Kilter und Farming GT sind autonome Einheiten, die hochpräzise Pflanzenschutzmittel ausbringen. Der Farming GT entfernt zusätzlich Unkraut durch autonomes Hacken. Fotos: Dr. Wolfgang Pfeil (li.), Cord Ladiges 

Geht es online schneller?

Schneller, da ohne vorangegangenen Drohnenüberflug, kann online operierende Technik mit auf dem Gestänge montierten Kameras im Spotsprayverfahren applizieren. Diese Technik eignet sich gut für Lohnunternehmen, die die gleichen Mittel und Mittelkombinationen auf mehreren großen Flächen nacheinander ausbringen müssen, da vor der Überfahrt nicht bekannt ist, wie groß die Einsparung sein wird. Hierdurch können sonst große Restmengen zustande kommen. Darüber hinaus ist die Online-Technik kostspielig und muss daher große Flächenleistungen über das Jahr erbringen.

Consumer-Drohne DJI Mavic 3 (li.) und professionelles Drohnensystem von SAM-Dimension (r.). Fotos: Dr. Wolfgang Pfeil
Dammann-Truck beim Patchspray auf Basis einer drohnengenerierten Karte. Das Gerät hat am Ende des Gestänges Einzeldüsenschaltung (kleines Bild). Im mittleren Teil betragen die Teilbreiten 3 m. Fotos: Dr. Wolfgang Pfeil

Reife Spezialleistung – aber auch praktikabel?

Selbst bei 25-cm-Einzeldüsenschaltung ist der kleinste Spot zirka einen Viertelquadratmeter groß. In der Tabelle ist die Beziehung zwischen Spotgröße und Einsparungsmöglichkeit gut zu sehen. Je schmaler der Einzelspot ist, desto größer ist das Potenzial, Pflanzenschutzmittel zu sparen und Boden sowie Kulturpflanze zu schonen. Daher wurden von unterschiedlichen Unternehmen Spezialgeräte mit Einzeldüsenschaltung von 4 bis 10 cm entwickelt. Diese Geräte waren zunächst Spezialisten für einzelne Kulturen wie Grünland, Zwiebeln, Gemüse oder andere Sonderkulturen. Da die Geräte mehr und mehr KI-basiert arbeiten, kommen jedoch immer mehr Kulturen hinzu. Die Geräte ermöglichen eine hohe Selektivität und kleinräumige Applikation. Dennoch bleibt die Flächenleistung aufgrund der erhöhten Präzision, der geringeren Arbeitsbreite und der begrenzten Geschwindigkeiten auf reduziertem Niveau. Der Arbeitszeitaufwand für den Fahrer ist dadurch deutlich erhöht. Beispiele für diese Spezialisten sind der RumboJet880, ein Grünland-Spezialist, der vor allem auf Ampfer spezialisiert ist. Der KI-basierte Rumex RXF900 wurde, wie der Name schon erahnen lässt, zunächst auch für die Ampferbekämpfung entwickelt, wird allerdings für weitere Kulturen trainiert und kann wie der ARA von Ecorobotix mittlerweile auch in Ackerbaukulturen eingesetzt werden. Die Arbeitsbreiten werden zwar immer weiter vergrößert, trotzdem sind diese Spezialisten in der Flächenleistung limitiert.

RumboJet880, Rumex RXF900 und ARA von Ecorobotix (v. li.). Fotos: Dr. Wolfgang Pfeil, Rumex GmbH, Cord Ladiges

Präzision ganz ohne Fahrer

Seit einigen Jahren wird auch an und mit vollkommen autonom agierenden Geräten gearbeitet. Die hier gezeigten Geräte sind marktreif und bereits teilweise in der Praxis im Einsatz. Der FarmDroid FD20 drillt Zuckerrüben RTK-GPS-gestützt selbstständig aus und bekämpft über die Vegetation kontinuierlich Unkräuter. Anfänglich arbeitete dieses System ausschließlich mechanisch und wurde vor allem im Ökolandbau eingesetzt. Mittlerweile werden Geräte auch mit Spotspray- und Bandapplikationstechnik ausgerüstet, damit die Wirkung noch besser und der Einsatz für den konventionellen Anbau attraktiver wird. Eine Besonderheit des FarmDroid ist, dass das Gerät von externen Energiequellen nahezu unabhängig arbeitet, da ein großes Solarmodul für die Energieversorgung sorgt. Weiterhin ist interessant, dass die Technik gänzlich ohne Kamerasysteme auskommt. Jeder Ablageort der Samen ist im Gerät so genau gespeichert, dass beim Hacken wie beim Spotspray keine Kameraerkennung nötig ist. Appliziert wird nur ein kleiner Spot an der Kulturpflanze oder ein Band in der Reihe. Hierdurch ergeben sich Pflanzenschutzmitteleinsparungen von über 90 % in Zuckerrüben, was sich auch günstig auf Ertrag und Qualität auswirkt. Trotz der sehr geringen Geschwindigkeit von unter 1 km/h schafft das Gerät bis zu 6,5 ha in 24 Stunden.

Der FarmDroid mit Spotsprayeinheit und grünem Abdriftschutz. Farming GT arbeitet KI-gestützt mechanisch und chemisch. Hier ist die Applikationseinheit zu sehen. Fotos: Dr. Wolfgang Pfeil, Cord Ladiges (r.)

Farming GT ist ebenfalls ein autonomes Hackgerät, das zusätzlich mit Applikationseinheiten bestückt werden kann. Anders als der FarmDroid kommt beim Farming GT moderne KI-gestützte Kameratechnologie zum Einsatz, die Kultur und Unkraut erkennt und unterscheiden kann. Betrieben wird der Farming GT über ein Hybridsystem mit einem effizienten Dieselmotor, der Batterien für die Elektromotoren auflädt. Bei einer Flächenleistung von bis zu 10 ha in 24 Stunden bei zirka 2 km/h verbraucht das Gerät 15 bis 20 l Diesel.

Der Kilter AX1 ist ein Applikationsgerät, das mit einem Totalherbizid wie Pelargonsäure eine sehr exakte Tropfenapplikation auf die Unkräuter durchführt, die eher an einen Tintenstrahldrucker erinnert als an herkömmliche Applikationsdüsen. Wohin die Tropfen appliziert werden, entscheidet eine KI- und kameragestützte Software. Aufgrund der sehr genauen Applikation mit bis zu 6 x 6 mm kleinen Spots, die jegliche Kulturpflanzenteile und auch zum sehr großen Teil die freie Bodenoberfläche ausspart, können Einsparungen von bis zu 95 % erreicht werden. Die tatsächliche Einsparung hängt bei allen genannten Systemen natürlich vom Unkrautdruck auf der Fläche ab. Das Einsatzgebiet ist aktuell vor allem Gemüse in Reihenkulturen. Der Antrieb läuft über ein Benzinaggregat. Die maximale Flächenleistung wird zwar mit 1 ha je Stunde angegeben, im Praxisbetrieb sind es etwa 5 bis 7 ha am Tag.

Der Kilter AX1 ist ein reines autonomes Applikationssystem. An diesem Dummy ist unter Schwarzlicht gut zu erkennen, wie randscharf das Gerät die Tropfen des systemischen Herbizids appliziert. Alle hier gezeigten autonomen Pflanzenschutzgeräte sind Spezialisten, die mit herkömmlicher Pflanzenschutztechnik nicht direkt vergleichbar sind. Sie können aber neben den Pflanzenschutzmitteleinsparungen auch erheblich die Handarbeit in den Kulturen verringern. Foto: Dr. Wolfgang Pfeil

Schöne neue Welt mit neuen Anforderungen

Neben den autonomen Geräten besteht auch die Möglichkeit, herkömmliche Pflanzenschutztechnik durch autonome Zugmaschinen wie den Agxeed fahren zu lassen. Hierdurch kann der hohe Arbeitsaufwand vor allem bei den Spezialgeräten deutlich verringert werden, wodurch auch Kosten eingespart werden können. Für alle autonom fahrenden Geräte gelten besondere Anforderungen, die eingehalten werden müssen. Die Geräte fahren zwar selbstständig, können jedoch rechtlich die Verantwortung nicht übernehmen. Das bedeutet, dass weiterhin der sachkundige Anwender, der das Gerät befüllt und aktiviert, verantwortlich ist. Weiterhin ist bei allen Spotspray-Techniken, ob autonom oder vom Fahrer gesteuert, die Präzision der Applikation genau zu überprüfen. Wenn beispielsweise die GPS- und RTK-GPS-Daten nicht sauber verarbeitet werden oder die Ventilschließzeiten der Spritztechnik nicht kurz genug sind, können die Systeme nicht befriedigend arbeiten. Der Anwender der neuen Techniken benötigt entsprechendes Know-how und die Motivation, sich auch zeitintensiv mit der Materie zu beschäftigen. Während die Geräte fahren und applizieren, muss ein sachkundiger Anwender in Reichweite sein, um eventuelle Probleme beheben zu können. Weitere rechtliche Einschränkungen sind je nach Anwendungsgebiet vom sachkundigen Anwender in Erfahrung zu bringen und einzuhalten.

Das Julius-Kühn-Institut hat im Juni eine neue Richtlinie zur Prüfung der sich rasant entwickelnden Technik veröffentlicht. In der Richtlinie 1-1.8 „Anforderungen an autonom fahrende Applikationssysteme (AAS)“ werden Prüfkriterien zur Einhaltung der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz formuliert. Bei autonomer Betriebsart muss das Gerät selbsttätig die Einhaltung von Betriebs- und Umweltparametern überwachen und die Parameter an die externe Bedienperson übermitteln. Weiterhin muss diese eine funktionsfähige Fernsteuerung zur Überwachung bereithalten.

Fazit

• Unterschiedlichste Hersteller haben effiziente Geräte für viele Einsatzgebiete auf den Markt gebracht. Hier wird natürlich nur ein Teil besprochen.

• Alle Geräte sind je nach Kultur und Maßnahme in der Lage, Pflanzenschutzmittel einzusparen.

• Der Verzicht auf ganzflächige Applikationen ist aktuell im konventionellen Anbau noch nicht vollständig realisierbar. Bei Nachbehandlungen sind jedoch große Einsparungen möglich.

• Autonome Zugmaschinen können die Arbeitsstunden auf dem Traktor reduzieren und damit die Effizienz der Spezialgeräte erhöhen. Die Arbeit wird sich nun hauptsächlich auf die Justierung und Kontrolle der Geräte konzentrieren.

• Ob große Feldspritzen mit Online- oder Offline-Technologie, gesteuerte oder autonome Pflanzenschutzspezialisten – der sachkundige Anwender muss sich intensiv mit den konkreten Einstellungen seiner Technik beschäftigen und die Applikationsgenauigkeit immer im Auge behalten.

• Auch autonome Geräte brauchen ein Mindestmaß an Beaufsichtigung. Der sachkundige Anwender und Verfügungsberechtigte übernimmt die Verantwortung.

JKI-Richtlinie 1-1.8:
https://tinyurl.com/588hhyj4

3,00 €/l für Diesel bald Realität?

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Die Lage am Rohölmarkt hat sich im Laufe der vorigen Woche weiter verschärft. Der Weltmarktpreis für Rohöl erreichte zu Wochenbeginn knapp die 106 US-$/bbl und war damit so hoch wie zuletzt im Mai dieses Jahres. So preisen die Märkte nun ein, dass der Konflikt im Nahen Osten länger dauern wird und die weltweite Ölversorgung doch massiver beeinträchtigt werden könnte als bisher angenommen. Denn parallel zu der weiterhin stark eingeschränkten Passage durch die Straße von Hormus im Persischen Golf verschärft sich nun auch die Lage im Roten Meer deutlich. Hier haben die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien angegriffen und beschädigt. Diese Pipeline kann bis zu 7 Mio. bbl pro Tag aus dem Osten des Landes an den am Roten Meer gelegenen Hafen Yanbu transportieren. Somit kann Saudi-Arabien 70 bis 80 % seiner Rohölexporte über diese Pipeline zum Roten Meer transportieren und damit die Straße von Hormus umgehen. Nun aber ist diese Pipeline vorübergehend ausgeschaltet. Zusätzlich haben die Huthis die gesamte jemenitische Küste erobert und kontrollieren somit nun auch die Meer­enge von Bab al-Mandab, den für den Welthandel so wichtigen Ausgang des Roten Meeres. Damit bleibt den Saudis nur noch der Export über den Suez-Kanal, wenn die Pipeline wieder in Betrieb ist. Ein riesiger und kostenintensiver Umweg für die Exporte nach Asien.

Diesel von Rohöl abgekoppelt

Die Dieselpreise an den Tankstellen klettern aktuell immer weiter nach oben. Inzwischen sind die Preise für Diesel an der Börse auf einem Rekordhoch, das mit 1.500 US-$/t sogar noch weit über dem bisherigen Allzeithoch vom März 2022 liegt. Rohöl hingegen hat das Niveau von Anfang 2022 noch lange nicht erreicht.

Der Grund für diese Abkoppelung des Dieselpreises vom Rohölpreis hat mehrere Gründe. In erster Linie sind es die weltweit knapp gewordenen Raffineriekapazitäten. Allein in Russland ist derzeit ungefähr die Hälfte der dortigen Raffineriekapazitäten außer Betrieb. Entsprechend exportiert Russland derzeit überhaupt keinen Diesel und kein Gasöl. Gasöl ist die Vorstufe von Diesel beziehungsweise Heizöl. Allein dadurch fehlen dem Weltmarkt aktuell zirka 0,5 Mio. bbl pro Tag. Auch die Golfregion, besonders aber Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait haben zu „normalen“ Zeiten bis zu 1 Mio. bbl pro Tag exportiert. Durch die Sperrung der Straße von Hormus kommt jetzt ein großer Teil dieser Mengen nicht aus dem Persischen Golf heraus. Für Europa wird dadurch Indien als drittgrößter Exporteur nach den USA und Russland besonders wichtig. Diese Schiffe müssen aber durch das Rote Meer, um nach Europa zu gelangen. Und genau das steht durch die Angriffe der Huthis dort derzeit auf der Kippe. Die Alternative für den Welthandel führt einmal um Afrika herum – mit entsprechenden Konsequenzen für die Höhe der Frachtraten.

Hiesige Raffinerien profitieren

Immer wenn eine Ware knapp ist, lässt sich damit sehr viel Geld verdienen. So ist es aktuell auch mit dem Diesel. Die hiesigen Raffinerien brauchen keine billige Konkurrenz aus Russland et cetera zu fürchten und können ihre Margen erheblich ausbauen. Während die Raffinerien im vorigen Jahr noch zu zirka 80 % ausgelastet waren, wird jetzt Volllast gefahren, um auch an den hohen Margen im Dieselexport zu verdienen. Die Exportquote liegt aktuell bei zirka 40 %, im Vergleich zu 29 % im Vorjahr. Eine Entspannung der aktuellen Lage ist derzeit kaum in Sicht, auch wenn es aktuell wieder erste Anzeichen einer iranischen Verhandlungsbereitschaft gibt. Da die weltweiten Vorräte nahezu aufgebraucht sind, werden die Dieselpreise weitersteigen. Die 3-€-Marke für Diesel an den Tankstellen wird somit schon in Kürze Realität, mit entsprechend drastischen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft, wenn die Regierung nicht vorher gegensteuert. 

„Resilienz“ ist der zweite Vorname der Landwirte

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14 Stunden Stromausfall. Das war an einem Sonntag im Juli der Fall, in einem kleinen Dorf im Kreis Steinburg – meinem Wohnort. Ein uraltes Kabel hatte Erdschluss. Die Techniker waren schnell vor Ort, das Hauptpumpwerk der Abwasseranlage wurde mittels Güllewagen geleert. Auch die Menschen hätten in solch einem Fall schnell den Kanal voll, erklärte Oberst a. D. Ralph Thiele auf dem Forum Milch in Schwerte (siehe Seite 14). Seine Befürchtung: Nach drei Stunden würden die Menschen aggressiv werden, nach drei Tagen begännen erste Plünderungen.

Aus dem Materialversagen in meinem Dorf wurde kein Organisationsversagen. Der Bürgermeister war den ganzen Tag vor Ort, löste die Probleme, kommunizierte schnell und transparent. Doch was ist, wenn Politikversagen zur Katastrophe führt? Aus „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin“ wurde in der Ukraine „Es ist Krieg, und wenige kommen zurück“. Seit dem Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig ist auch Deutschland nicht mehr im Frieden.

Schleswig-Holstein gilt als Aufmarschgebiet, sollte es im Osten eskalieren. Ältere Landwirte kennen noch militärische Übungen, bei denen Panzer Flurschäden verursachten und Soldaten Schützengräben aushoben. Lange her und doch bald wieder Alltag? Was es im Krisenfall braucht, ist Resilienz, Widerstandskraft. Im Großen und Ganzen hat die Gesellschaft verlernt, mit Extrembelastungen umzugehen. Doch der ländliche Raum kann Dinge, von denen man träumt in den Großstädten. 2021 im Ahrtal, 2023 bei der Ostsee-Sturmflut und 2026 im Hürtgenwald haben Landwirte bewiesen: „Resilienz“ ist der zweite Vorname unserer Bäuerinnen und Bauern.

Der Verein Agrill startete in diesem Jahr einen bundesweiten Ernte-Agrill mit dem Schwerpunkt Ernährungssicherung. Eine Veranstaltung am 18. August auf Gut Farve zeigte, wie präsent das Thema auf dem Land ist. „Wasser, Nahrung, Wohnen“ seien existenzielle Bedürfnisse, die gesichert sein müssten, erklärte Schleswig-Holsteins Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht in Schwerte. Aber wirksam helfen und Verantwortung übernehmen kann nur, wer die Instrumente dazu in der Hand hat. Seien es das Notstromaggregat, der Trecker mit Allrad und Frontlader, regional verfügbare Lebensmittel – vor allem aber Menschen, die belastbar sind und wissen, was sie tun.

Nach der Friedensdividende kommt die Resilienzdividende. Hoffentlich müssen wir sie nicht einfordern. Aber wenn doch, wird sich zeigen, dass jede Investition in die Widerstandsfähigkeit der Regionen und der Menschen lohnenswert war.

„Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit“, sagte Kurt Schumacher, Gründungsvater der SPD. Der CDU-Europaabgeordnete Niclas Herbst (siehe Seite 12) und die CDU-Landtagsabgeordnete Rixa Kleinschmit (kommende Ausgabe oder jetzt schon im Digitalabo) machen deutlich, dass die Politik begriffen hat: Die heimische Landwirtschaft ist ein unersetzbarer Teil der kritischen Infrastruktur.

Was fehlt, ist die Umsetzung. Will die Politik die Resilienzdividende in der Europäischen Agrarpolitik ebenso wie auf Bundes- und Landesebene gewinnen, muss heute investiert werden: Geld. Und Vertrauen. So brauchen Landwirte deutlich mehr Beinfreiheit. Erhalten und stärken wir die Betriebe. Sonst wird es nicht nur teuer, sondern existenziell.

Photovoltaik im Post-EEG-Zeitalter

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Mit dem schrittweisen Auslaufen des Vergütungszeitraums ihrer PV-Anlagen stehen viele landwirtschaftliche Betriebe vor tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen und Entscheidungen. Während der Betrieb dieser Anlagen bislang durch garantierte Einspeisevergütungen wirtschaftlich attraktiv war, verändert sich die Situation nach dem Auslaufen der Förderung erheblich.

Für viele Betriebe bedeutet dies einen Wechsel vom bisherigen Geschäftsmodell der Stromeinspeisung hin zu einer möglichst effizienten Eigennutzung des erzeugten Solarstroms. Während ältere Photovoltaikanlagen noch Vergütungen von mehr als 40 ct/kWh erhielten, liegt der erzielbare Marktwert nach dem Ende der EEG-Förderung häufig nur noch zwischen 3 und 8 ct/kWh. Angesichts gleichzeitig deutlich gestiegener Strombezugskosten verliert die Einspeisung damit erheblich an wirtschaftlicher Bedeutung.

Nicht nur die Module zählen: Auch Wechselrichter und weitere technische Komponenten sollten bei älteren Photovoltaikanlagen überprüft werden.

Eigenverbrauch wird wichtiger

Gleichzeitig eröffnet diese Entwicklung neue Möglichkeiten. Jede Kilowattstunde, die im eigenen Betrieb genutzt werden kann, ersetzt teuren Netzstrom und erzielt damit einen deutlich höheren wirtschaftlichen Nutzen als die Einspeisung. Gerade landwirtschaftliche Betriebe verfügen häufig über zahlreiche Verbraucher, die sich gut mit der Stromerzeugung einer Photovoltaikanlage kombinieren lassen. Dadurch bestehen vielfach gute Voraussetzungen, den Eigenverbrauch deutlich zu erhöhen und die Energiekosten nachhaltig zu senken. Zudem wird spätestens ab diesem Zeitpunkt die Nutzung elektrischer Verbraucher, beispielsweise von Hofladern, in der Innenwirtschaft sehr interessant.

Neben dem direkten Eigenverbrauch gewinnen Batteriespeicher zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen es, überschüssigen Solarstrom zwischenzuspeichern und auch außerhalb der Erzeugungszeiten zu nutzen. Dennoch sollte die Dimensionierung sorgfältig erfolgen. Überdimensionierte Batteriespeicher erreichen oftmals zu wenige Vollzyklen pro Jahr und sind wirtschaftlich nicht sinnvoll. Entscheidend ist vielmehr eine an den tatsächlichen Lastprofilen orientierte Auslegung, die auf den Stromverbrauch und die verfügbaren PV-Überschüsse abgestimmt wird. Ebenso wichtig wird künftig ein intelligentes Lastmanagement sein. Viele betriebliche Prozesse lassen sich so steuern, dass sie bevorzugt Zeiten mit hoher Solarstromerzeugung nutzen. Diese Maßnahmen erhöhen den Eigenverbrauch oftmals kostengünstiger als der Bau zusätzlicher Speicherkapazitäten.

Repowering als Alternative

Für viele ältere Photovoltaikanlagen stellt sich darüber hinaus die Frage nach einem Repowering. Moderne Solarmodule erreichen deutlich höhere Leistungen als die vor über zwanzig Jahren installierten Systeme. Durch den Austausch alter Module und Wechselrichter lässt sich die vorhandene Dachfläche wesentlich effizienter nutzen. Gleichzeitig sollte der technische Zustand bestehender Anlagen überprüft werden. Module, Wechselrichter, Unterkonstruktionen und elektrische Schutzsysteme sollten nach jahrzehntelangem Betrieb einer umfassenden technischen Bewertung unterzogen werden, um einen sicheren und wirtschaftlichen Weiterbetrieb zu gewährleisten.

Neben der Wirtschaftlichkeit gewinnt zunehmend auch die Versorgungssicherheit an Bedeutung. Insbesondere Betriebe mit Kühlhäusern, Tierhaltung oder empfindlichen Produktionsprozessen können von einem schwarzstartfähigen Batteriespeicher profitieren. Im Falle eines Stromausfalls ermöglicht dieser den Aufbau eines eigenen Inselnetzes und die Versorgung kritischer Verbraucher wie Kühlanlagen, Lüftung oder Steuerungstechnik. Häufig ist dabei eine gezielte Ersatzstromversorgung ausgewählter Verbraucher wirtschaftlicher als die vollständige Notstromversorgung des gesamten Betriebs.

Betrieb individuell betrachten

Vor diesem Hintergrund ist eine unabhängige technische und wirtschaftliche Beratung sinnvoll. Die optimale Strategie nach dem Ende der EEG-Förderung hängt von zahlreichen betriebsspezifischen Faktoren ab: dem Stromverbrauch, den Lastprofilen, dem technischen Zustand der Photovoltaikanlage sowie den zukünftigen Investitionszielen. Eine fundierte Analyse kann aufzeigen, ob der Weiterbetrieb der Anlage, die Ergänzung um einen Batteriespeicher, ein Repowering oder eine Kombination verschiedener Maßnahmen die wirtschaftlich sinnvollste Lösung darstellt.

So gelingt der optimale Liegebereich

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Die Mehrheit unserer ­Milchkühe wird in Liegeboxenlaufställen gehalten, die sich in den vergangenen Jahrzehnten als platzsparendes Verfahren etabliert haben. Anders als in Bereichen mit freier Liegefläche, die den maximalen Liegekomfort für die Tiere bieten können, müssen Liegeboxen bestmöglich gestaltet werden, um optimale Liegebereiche für die Kuh zu schaffen. Der Liegebox kommt zentrale Bedeutung zu, und das Betriebsmanagement muss immer wieder kritisch hinterfragen, was die Arbeit für die Kuh leichter macht.

Bei den Liegeboxen geht es um mehr, als nur dafür zu sorgen, dass sich Kühe in geordnete Reihen legen. Kühe ruhen normalerweise 10 bis 14 Stunden pro Tag in fünf oder mehr Ruhepausen. Gut konzipierte und geführte Liegeboxen können übermäßiges Stehen reduzieren, effizienteres Wiederkäuen ermöglichen, die Sauberkeit verbessern und Verletzungen minimieren. Es gibt heute viele wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die bestmögliche Boxengestaltung, die Abmessungen und das Design der Boxenbügel. Wie alle Bereiche hat sich auch die Liegebox im Laufe der Jahre entwickelt, sich auch den größer werdenden Tieren angepasst und den Komfort verbessert.

Liegeboxen sollen natürliches, komfortables Liegen ermöglichen und eine Verschmutzung der Tiere verhindern. Damit das gelingt, müssen die Boxenmaße zur Tiergröße passen. 

Es gibt unterschiedlich geformte Boxenbügel, es gibt flexible und bewegliche Boxenabtrennungen, die für Hoch- und Tiefboxen geeignet sind, und unterschiedlichste Oberflächen. Die Liegeboxen sollten es den Milchkühen ermöglichen, sich ohne physischen Kontakt (Kollision oder Reibung) mit den Boxenabtrennungen hinzulegen und aufzustehen. Die Empfehlungen für die Abmessungen der Liegeboxen zielen darauf ab, den Komfort und die Hygiene der Kühe zu optimieren (das heißt die Verschmutzung der Einstreu zu minimieren), das Verletzungsrisiko zu verringern und natürliche Verhaltensweisen zu ermöglichen. Sie sind daher ein Kompromiss zwischen Komfort und Hygiene. Die Empfehlungen für die Abmessungen der Liegeboxen richten sich nach der Größe der Kühe. Wichtige Kuhmerkmale sind die Widerristhöhe, die diagonale Körperlänge und die Breite an den Schultern. Wichtige Maßangaben der Liegeboxen sind darum die Boxenbreite, die Liegefläche/Boxenlänge insgesamt mit Liegefläche und Schwungraum und die reine Liege- und Stehfläche für die Kuh, die Höhe des Nackenriegels und dessen Entfernung von der hinteren Boxenkante sowie die Begrenzung durch ein Bugrohr oder Ähnliches vorn (Abbildung 1).

Zu jeder Liegebox gehören verschiedene Komponenten, die bestmöglich aufeinander abgestimmt sein müssen. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Boxenbügeln, aus denen der Tierhalter wählen kann. Die Boxenbügelform hat entscheidenden Einfluss auf den Boxenkomfort und erfüllt mehrere Funktionen, denn sie:

• bestimmt die seitliche Begrenzung der Liegefläche

• gibt die Liegeposition der Kuh vor – gerade oder eher diagonal

• verbietet oder erlaubt den seitlichen Schwungraum

• bestimmt die Höhe des Nackenriegels

Der wichtigste Teil des Boxenbügels ist der untere Bogen. Hier muss im Kopfbereich mindestens ein Freiraum von 12 bis 15 cm zwischen unterer Kante des Bügels und der oberen Kante des Bugrohres sein. Damit wird ein Einklemmen der Vorderbeine unter dem Boxenbügel vermieden. Der untere Bügel muss aber auch hoch genug sein, denn bei zu niedrigem Bügel können die Kühe die Vorderfüße darüberstellen, was dazu führt, dass sie sich im Boxenbügel einklemmen können. Hohe Bügel können außerdem den seitlichen Schwungraum in die Nachbarbox verhindern, solange sie nicht so hoch sind, dass die Kuh unterhalb Schwung holen kann. Bei Doppelboxen kommt es immer wieder vor, dass die Kuh in der gegenüberliegenden Box den Schwungraum einschränkt (Individualdistanz) und darum der seitliche Raum benötigt wird. Im hinteren Bereich sollte die Höhe des unteren Bügels 25 bis 30 cm über der Boxenoberfläche betragen. Der Bügel sollte gerade sein und nicht schräg abfallen, da diese Bügelform die Kuh zum diagonalen Liegen einlädt.

Für eine gerade Liegeposition der Kuh sollte der Winkel nach oben bei 50 bis 55 cm hinter der Bugschwelle beginnen. Dann ist der Bügel keine Beeinträchtigung mehr für Rücken und Beckenknochen der liegenden Kuh. Da die Bugschwelle 172 bis 182 cm von der hinteren Boxenkante entfernt ist und die Stalllänge variiert, sind unterschiedliche Boxenbügelgrößen erforderlich. Entscheidend sind die Form und die Maße des unteren Bügelbogens, denn er bestimmt die seitliche Begrenzung der Liegefläche, verhindert seitliches Liegen und ermöglicht den seitlichen Schwungraum.

Der Abstand zwischen oberem und unterem Boxenbügel ermöglicht der Kuh beim Verlassen der Box, den Kopf links oder rechts durchzuschwenken. Außerdem bestimmt der offene Durchmesser die Höhe des Nackenriegels.

Der Nackenriegel bestimmt die Standposition der Kuh in der Liegebox. Er ist immer im Weg, wenn die Kuh beim Aufstehprozess nach vorn tritt. Bei korrekten Maßen steht die Kuh auf, stößt leicht an und tritt dann zurück – solange es keine anderen Beeinträchtigungen des Bewegungsablaufs beim Aufstehen gibt (nach Dairyland Initiative, Wisconsin, USA).

Es gibt zahlreiche Literaturstellen, die wichtige Empfehlungen für die Gestaltung von Liegeboxen geben:

• hintere Boxenkante mit 15 bis 20 cm Höhe, keine scharfen Kanten

• Neigung zwischen 2 % und 5 %

• Bugbrett entweder rund oder ohne scharfe Kanten

• Boxenabtrennung mit genügend Platz, um verschiedene Liege-/Beinpositionen zu ermöglichen und Verletzungen von Hüfte und Rippen zu vermeiden (Efsa, 2023)

Liegeboxen müssen aber nicht nur zur Kuh passen und deren Bedürfnisse nach einem optimalen Liegeplatz erfüllen, sie müssen auch gut zu reinigen und zu pflegen sein und sollten länger als zehn Jahre störungsfrei funktionieren.

Einstreu und Boxenpflege

Die Umgebung der Liegefläche hat einen großen Einfluss auf deren Zustand. Der erste Schritt, den eine Kuh in den Stall macht, ist in der Nähe der Stelle, mit der Euter und Zitzen in Berührung kommen, wenn sie sich in eine Ruheposition begibt. Regelmäßiges Entfernen von Kot und Urin aus den Laufgängen kann dazu beitragen, dass weniger Dung auf die Liegeflächenoberfläche gelangt. Eine gute Belüftung ist zu allen Jahreszeiten wichtig, um eine gute Luftqualität zu gewährleisten und den Boden und die Liegeflächen trocken zu halten. Die Einstreu dient zwei Zwecken. Erstens macht sie den Boden weicher, um den Komfort und das Wohlbefinden der Kuh zu verbessern. Zweitens hält sie die Kuh und den Bereich, auf dem sie liegt, sauber. Dies wird am besten erreicht, wenn die Einstreu trocken ist, was auch von den Kühen bevorzugt wird. Der Komfort eines Stalls hängt in hohem Maße von der Art, der Menge und der Qualität der Einstreu im Stall ab. Eine optimale Einstreu sollte eine angemessene Wärmeisolierung oder Kühlung (je nach Temperatur), einen angemessenen Grad an Weichheit, einen angemessenen Grad an Reibung und ein geringes Risiko von Abrieb bieten sowie leicht zu pflegen und zu reinigen sein.

Die Unterlage und die Einstreu sollten eine bequeme, anpassungsfähige Oberfläche bieten, um die Kuh abzufedern, wenn sie sich in eine Ruheposition begibt und während sie ruht. Um bequem zu sein, sollten der Boden und die Einstreuschichten die Kontaktflächen für Sprunggelenke, Knie, Hüfte, Brustkorb und Schultern abfedern. Die Polsterung wird geschaffen durch eine dicke Schicht (15 bis 20 cm) Einstreu auf einer festen Unterlage (Tiefboxen) oder durch eine Zwischenschicht, eine Polstermatte oder Matratze und 2,5 bis 5 cm Einstreu (Hochboxen). Typische Polsterungsschichten sind Matratzen oder weiche Gummimatten. Matratzen bestehen aus einem elastischen Füllmaterial wie Schreddergummi, Schaumstoff oder Flüssigkeit und einem gewebten Polyethylen- oder filzartigen Geotextilmaterial. Hartgummimatten bieten wenig Dämpfung und können rutschig sein. Weiche Gummimatten bieten einige der gleichen Eigenschaften wie Matratzen. Bei der Auswahl und Verlegung von Matten oder Matratzen sind die Befestigungsmethoden, die Oberflächenbeschaffenheit und die Verdichtung des Matten- oder Matratzenmaterials zu berücksichtigen.

Unabhängig vom Basismaterial ist eine Schicht Einstreumaterial erforderlich; auch auf Matratzen und Matten ist eine Einstreu erforderlich, um saubere und trockene Bedingungen zu gewährleisten und um zusätzliche Polsterung zu bieten, Feuchtigkeit zu absorbieren, die Kühe sauber zu halten und das Bakterienwachstum einzuschränken. Niedrige Kosten und einfache Handhabung sind wünschenswert. Häufig werden Mischungen aus verschiedenen Einstreumaterialien verwendet. Die Auswirkung der Einstreu auf die Gülleverarbeitung sollte ebenfalls berücksichtigt werden.

Für die Einstreu werden verschiedene organische und anorganische Materialien verwendet. Typische organische Materialien sind zum Beispiel Sägemehl, Hobelspäne, Stroh, Strohpellets, Dinkelspelzen (-pellets), Rapsstroh, trockener Pferdemist oder recycelte Feststoffe aus Gülle, deren Einsatz rechtlich nicht eindeutig geklärt ist. Weit verbreitet ist die Mischung aus Stroh und Kalk oder Tonmineralen.

Anorganische Materialien: Sand, Kalk, Gips

Organische Einstreumaterialien können leichter zu hygienischen Beeinträchtigungen führen als anorganische Materialien und müssen daher sehr exakt bewirtschaftet werden. Es wird dringend empfohlen, das verschmutze organische Material mehrmals täglich aus dem hinteren Drittel der Boxen­einstreu zu entfernen und durch frisches Material zu ersetzen. Auch ein Einstreuvorrat im vorderen Teil der Box wird nicht empfohlen.

Anorganische Materialien neigen dazu, die Oberfläche trocken zu halten, indem sie die Feuchtigkeit ableiten, und sind deswegen nicht so empfänglich für Bakterienwachstum. Aber auch die Sandbox lebt von der regelmäßigen Pflege und muss mindestens einmal pro Woche nachgestreut werden. Die Oberfläche des Stalls muss regelmäßig nivelliert werden, um den Kühen einen bequemen Liegeplatz zu bieten.

Sandbettwaben, die im vorderen Bereich oder auch im gesamten Liegebereich der Kuh installiert werden können, helfen dabei, Einstreu in der Box zu halten, und sparen somit gegebenenfalls Einstreumaterial ein. Aber auch die gefüllten Waben müssen regelmäßig übergestreut werden.

Ein ideales Einstreumaterial, das für alle Betriebe gleich gut ist, gibt es nicht, da jeder Betrieb je nach Standort, Bewirtschaftung, Größe und so weiter seine eigenen Besonderheiten aufweist und die Verfügbarkeit bestimmter Materialien wie Sand oder die Art des Betriebs letztlich die Wahl des Landwirts bestimmen.

In Studien wird immer wieder belegt, dass die Einstreutiefe die größte potenziell positive Auswirkung auf das Wohlergehen der Milchkühe hat, da eine tiefere Einstreu in den Liegeboxen, unabhängig von der Art der Einstreu, die Komprimierbarkeit in einem Maße verbessern kann, dass die Art der Einstreu vernachlässigbar ist. Eine tiefere Einstreu wird mit einer längeren Liegezeit und einer geringeren Wahrscheinlichkeit in Verbindung gebracht, dass eine Kuh Verletzungen erleidet oder lahmt. Längere Liegeboxen verlängern nachweislich die Liegezeit und verringern die Häufigkeit von Verletzungen und Lahmheiten. Die Auswirkung der Höhe des Bugbretts auf das Wohlbefinden der Kuh wurde noch nicht eingehend untersucht, aber sie kann in Verbindung mit anderen Stallkomponenten den der Kuh zur Verfügung stehenden Liegeplatz bestimmen. Insgesamt beeinflussen die Komponenten der Liegebox, die Länge des Stalls und die Höhe des Bugbretts sowie deren Kombination das Wohlbefinden der Kühe und müssen berücksichtigt werden, um das allgemeine Wohlbefinden der Kühe in Liegeboxenlaufställen zu verbessern.

Routinearbeit Boxenpflege

Ohne regelmäßige, sachgerechte Pflege der Liegeboxen verschlechtert sich der Liegekomfort, und die Euterhygiene nimmt ab, was die Leistungsfähigkeit der Kühe insgesamt begrenzt. Zwei Mal pro Tag gehört die Boxenpflege zu den Routinearbeiten. Die Tiefboxenpflege stellt die Betriebe immer wieder vor besondere Herausforderungen, da die Pflege aufwendiger, zeitintensiver und körperlich anstrengender ist als die Hochboxenpflege. Für Hochboxen gibt es bereits seit Längerem technische Geräte, die die tägliche Pflege vereinfachen und mehrere Arbeitsschritte in einem kombinieren. Es gibt selbstfahrende Geräte, die im ersten Arbeitsschritt den hinteren Boxenbereich abkehren und im zweiten Arbeitsschritt eine dünne Einstreulage neu aufbringen.

Auch für die Tiefboxenpflege gibt es inzwischen technische Unterstützung in Form von einfachen Boxenkämmen oder Boxen­glättern (Schnecken). Diese Geräte übernehmen das Glattziehen und Auflockern der Liegefläche, aber Verschmutzungen müssen nach wie vor per Hand entfernt werden. Auch das Nachstreuen ist noch immer ein separater Arbeitsgang, der meist mit mechanisch-technischer Unterstützung erfolgt. Eine Ausnahme sind automatische Einstreugeräte.

Wenn große Mengen an Material seltener nachgestreut werden, kann dies zu erhöhtem Einstreuverlust nach dem Befüllen führen, den Komfort verringern und eine unerwünschte Positionierung der Kuh vor dem nächsten Einstreuen verursachen. Hochboxen erfordern häufigere Einstreu, um eine saubere, trockene Oberfläche und eine geeignete Einstreuschicht zu gewährleisten, die Verletzungen der Sprunggelenke verhindert.

In der Praxis lässt sich immer wieder feststellen, dass die richtige und konsequente Boxenpflege für die Kühe und das Funktionieren der Liegebox wichtiger ist als das Einstreumaterial. Ob eine Liegebox sauber und trocken ist, lässt sich einfach an den Kühen ablesen. Die Sauberkeit von Beinen, Bauch und gesamtem Körper spricht eine deutliche Sprache.

Natürlich sollten verbogene oder abgebrochene Boxenbügel umgehend repariert und/oder ersetzt werden, bevor sie die Nutzung des Stalls oder das Wohlbefinden der Kühe beeinträchtigen oder Verletzungen verursachen.

Komfort für bestehende Ställe

Häufig kann der Komfort für die Kühe verbessert werden, indem die Nackenriegelhöhe der tatsächlichen Tiergröße angepasst wird. Auch die Boxenbreite und die Gestaltung des Bugbretts können kuhfreundlich angepasst werden. „Kopfbremsen“, die den Schwungraum der Kühe nach vorn begrenzen, sind mehr als nur ein lästiges Ärgernis, denn sie bremsen die Kuh im wahrsten Sinne des Wortes aus. Kühe reagieren auf das Einstreumaterial, insofern ist ein regelmäßiges Nachstreuen frischer Einstreu wichtig. „Noch nie ist ein Betrieb am Einkauf der Einstreu pleitegegangen“ ist ein geflügeltes Wort unter den Berufskollegen in den USA.

Tipps: Alle Matratzen in Hochboxen ordnungsgemäß einstreuen. Sie sollten immer mit mindestens 3 bis 7 cm Einstreu bedeckt sein, damit die Kühe sauber und bequem liegen. Jedes Mal, wenn die Kühe zum Melken gehen, sollten Kot und Urin aus dem Stall entfernt werden – in Betrieben mit automatischem Melksystem muss ein individuelles Reinigungsintervall gefunden werden.

Die meisten Matratzen (Gummi/Schaumstoff) haben eine maximale Lebensdauer von zehn Jahren. Bis dahin hat sich das Füllmaterial zu einer sehr harten Liegefläche verdichtet. Auch Wasserbetten müssen aus dem gleichen Grund repariert oder ersetzt werden, sobald sie undicht werden.

Liegeboxen müssen passend für die Kühe gestaltet werden, wobei die größten Kühe der Herde die Maße vorgeben. Zu kleine Liegeboxen halten die Kühe vom Liegen ab, da es für sie schwierig ist, sich hinzulegen oder aufzustehen, und sie sich dabei verletzen können.

Tiefboxen müssen immer „voll“ sein. Durch Ein- und Aussteigen der Kühe aus den Boxen wird Material in den Laufgang getragen, sodass in der Box Materialschwund herrscht. Das führt zu Vertiefungen, insbesondere im hinteren Teil der Boxen, in denen sich Feuchtigkeit und Urin ansammeln können, was zu unhygienischen Einstreubedingungen führt.

Boxen müssen sauber gehalten werden.

Boxen sollten ein leichtes Gefälle nach hinten aufweisen. Auch bei der Stallpflege sollte das Einstreumaterial mit einem Gefälle von 2 bis 3 % zum Laufgang geneigt werden.

Fazit

Der Komfort der Kühe, die Arbeitssicherheit, die Produktivität für Kuh und Betreuer und minimale negative Auswirkungen auf die Umwelt sind für jedes Milchproduktionssystem von wesentlicher Bedeutung. Richtig konzipierte, konstruierte und gewartete Liegeboxen sind ein wesentlicher Bestandteil dieses Systems. Laufställe eignen sich für große und kleine Gruppen von Milchvieh. Die Herdenbetreuer müssen durch die tägliche Kontrolle die Bedeutung der einzelnen Komponenten in der Umweltgestaltung der Kühe und dem natürlichen Verhalten der Tiere verstehen sowie die Beziehung zwischen der Kuh und den Liegeboxen ständig beobachten und gegebenenfalls anpassen. Werden Probleme beobachtet, sind rechtzeitige Korrekturmaßnahmen erforderlich.

Klarkommen in Krisen

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Die Unsicherheit über die Zukunft ist bei vielen Menschen derzeit mit Händen zu greifen. Die Häufung von Krisen vor unserer Haustür ist ungewöhnlich hoch. Wie bereitet sich Schleswig-Holstein vor, wenn die Krise mit der Tür ins Haus fällt? Das Bauernblatt hat die CDU-Landtagsabgeordnete Rixa Kleinschmit dazu gefragt. Sie ist im Krisenfall weiteres Mitglied des Notausschusses auf Landesebene.

Frau Kleinschmit, im Katastrophenfall kommt es auf Sie an. Wie sorgt Schleswig-Holstein in Bezug auf die Ernährungssicherheit vor, wie werden Landwirte heute und im Krisenfall eingebunden?

Rixa Kleinschmit: Die Landwirtschaft hat immer gezeigt, dass sie im Krisenfall eine tragende Säule ist. Blicken wir zuletzt auf die Waldbrände sind es die Landwirte, die mit ihren Maschinen und ihrer Arbeitskraft sofort zur Stelle sind. So war es auch bei der Ostseesturmflut oder im Ahrtal. Das ist großartig und verdient unseren größten Dank.

Wir haben bereits im letzten Jahr im Landwirtschaftsministerium eine Stelle zur Koordination derLand- und Ernährungswirtschaft geschaffen. Hier geht es nicht nur um Nahrungsmittel, sondern auch um Schnittstellen und Koordination. Wir dürfen nicht erst im Ernstfall überlegen, wer wofür zuständig ist. Die Ketten müssen vorher stehen.

Wie scharf ist der Blick in Kiel dafür, dass die heimische Agrar- und Ernährungswirtschaft eine kritische Infrastruktur ist?

Sehr scharf. Uns ist sehr bewusst das in Krisenzeiten besonders die Ernährung der Bevölkerung, aber auch die Versorgung mit Strom und Wasser elementar sind. Ich gehe davon aus, dass wir in schweren Lagen im urbanen Raum vor wesentlich höheren Herausforderungen stehen als im ländlichen Raum. Das liegt auch am pragmatischen Umgang und dem Miteinander auf den Dörfern.

Wir haben in Schleswig-Holstein die Kampagne „KommKlar SH“ ins Leben gerufen. Hierbei wird dafür geworben, dass sich jeder Bürger und jede Bürgerin in Schleswig-Holstein mindestens 72 Stunden selbst versorgen kann, damit sich unsere Blaulichtorganisationen auf die konkrete Krise konzentrieren können.

Auf unseren landwirtschaftlichen Betrieben sehe ich aber hier kaum Probleme, im Gegenteil. Ich bin mit den Geschichten aus der Schneekatastrophe 1978/79 aufgewachsen, bei denen meine Großmutter mit ihren Vorräten die nahegelegene Marinestation mitversorgt hat. Dieses Mindset haben wir immer noch auf den Betrieben.

Europa litt im Sommer unter einer Dürre. Wie wirken sich derartige Wetterverhältnisse auf die Agrar- und Sicherheitspolitik aus?

Blicken wir auf die Landwirtschaft müssen wir auch über Klimaanpassung sprechen. Wir haben in den letzten Wochen eine Klimaanpassungsstrategie veröffentlich. Diese beinhaltet auch Punkte zur Landwirtschaft. Hier müssen wir besonders unsere Züchtung in den Blick nehmen.

Wir brauchen Sorten, die mit geänderten Temperaturen, aber auch mit geänderten Niederschlagsmengen und -zeiten klarkommen. Dies ausschließlich mit konventioneller Züchtung zu erreichen, dauert zu lang. Wir brauchen auch die neuen Züchtungsmethoden. Ebenso muss es bei der Entwicklung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln schneller gehen. Wir können nicht Jahre verstreichen lassen, bis wir gegen neue Schadorganismen vorgehen können, während sich diese übers ganze Land ausbreiten.

Hier greifen Sicherheits- und Agrarpolitik ineinander, da ohne eine resiliente Agrarwirtschaft im Krisenfall auch die Sicherheit nicht aufrechtzuerhalten ist.

Der Bauernverband fordert, die Lebensmittelversorgung krisenfest aufzustellen. Wie diskutieren die Kieler Koalitionspartner die konträren Themen Ernährungssicherung und Umwelt- sowie Klimaschutz?

Ich bin nicht der Ansicht, dass es konträre Themen sind. Ich finde es sogar gefährlich, wenn diese Themen gegeneinandergestellt werden, und das ist es auch nicht, was ich auf den Höfen höre. Aber es stimmt, viele Diskussionen drehen sich um theoretische und kleinteilige Problemstellungen.

Das verschreckt und es droht die Gefahr der Verlagerung von Produktion ins Ausland. Damit schwächen wir unsere Ernährungssicherheit und helfen weder Umwelt- noch Klimaschutz. Oft wird ja vergessen, dass in anderen Teilen der Welt zu schlechteren Standards für Mensch, Tier und Natur produziert wird.

Wenn wir über Bevölkerungsschutz sprechen, geht es auch um Logistik. Wo liegen im Ernstfall die Nadelöhre der Lebensmittelversorgung?

Es kommt sehr darauf an, um welchen Krisenfall mit welchem Ausmaß es sich handelt. Es macht einen Unterschied, ob es sich um Wetterextreme oder langanhaltende Stromausfälle handelt. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist elementar, wie insbesondere Produkte mit geringer Lagerfähigkeit zur Weiterverarbeitung gelangen.

Für die Versorgung der Bevölkerung wiederum ist die Meldekette in die andere Richtung wichtig: Wo liegen die Produkte und wie kommen sie zu den Menschen? Ich durfte vor einiger Zeit am Einsatzkräfteempfang des Landes zu Ehren der Menschen, die sich haupt- und ehrenamtlich diesen Themen widmen, teilnehmen. Es hat mich sehr berührt und beruhigt zu hören, wie eng die Organisationen vernetzt sind.

Schleswig-Holstein gilt im Nato-Konzept als zentrales Aufmarsch- und Drehkreuzgebiet, um im Bündnisfall Truppen und Material an die Ostflanke zu verlegen. Welche Rolle nimmt dabei die Landwirtschaft ein?

Die Landwirtschaft ist in so einen Fall Teil der nationalen Resilienz und Versorgungssicherheit und muss aufrechterhalten werden. Bei großen Truppenbewegungen muss auch über Lagerungs- und Abstellflächen nachgedacht werden. Aus verständlichen Gründen sind viele dieser Pläne nicht öffentlich und wir können alle nur hoffen, dass sie nicht zum Tragen kommen.

Brauchen wir angesichts veränderter Bedrohungslagen eine Renaissance der dezentralen Bevorratung und Verarbeitung? Und wer soll das bezahlen?

Natürlich muss sowas diskutiert werden. Vor dem Hintergrund knapper Haushaltslagen muss man aber so ehrlich sein und klare Prioritäten setzen: Was ist elementar und was „nice-to-have“? Ich würde es unterstützen, wenn wir im Bereich der Verarbeitung Standorte zum Ausweichen hätten.

Schauen wir von oben auf unser Land, dann haben wir mit dem Nord-Ostsee-Kanal eine Wasserstraße, die nur an ein paar Stellen überquert werden kann. Würde hier etwas geschehen, hätten wir automatisch ein großes Problem für die Produzenten auf der anderen Seite.

Welche Mittel gibt es, um landwirtschaftliche Betriebe krisensicher umzurüsten?

Aktuell machen sich viele Gemeinden und Städte vermehrt auf den Weg, um entsprechendes Gerät anzuschaffen. Oft gab es das Grundverständnis, dass der örtliche Landwirt mit seinen Maschinen schon aushelfen wird und die Feuerwehr ja auch noch da ist.

Kommt es zu größeren Lagen, muss diese sich aber um ihre Kernaufgaben kümmern und die landwirtschaftlichen Betriebe brauchen ihre Maschinen selber. Obwohl es wünschenswert wäre, ist mir aktuell kein entsprechendes Förderprogramm bekannt.

Zum Gesamtbild gehört aber auch, dass bei gewissen Tierhaltungssystemen, z.B. mit automatischer Futter- und Wasserversorgung, bereits heute ein Notstromaggregat vorgeschrieben ist.

Was braucht es und was tut das Land, damit die Wertschöpfungskette im Krisenfall funktioniert?

Nachdem wir uns viele Jahre, mit Ausnahme von Unwettern, sehr sicher fühlen durften, hat das Thema Bevölkerungsschutz in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit bekommen. Der nationale Warntag hat uns kürzlich daran erinnert. Schleswig-Holstein hat im Jahr 2025 die Taskfore Zivile Verteidigung gegründet.

Ein Schwerpunkt ist die Versorgungssicherheit, ein anderer die Erfassung der kritischen Infrastruktur. Es kommt auf die Art der Krise an, aber ich würde zwischen der Versorgung der Bevölkerung und der unveränderten Aufrechterhaltung der Wertschöpfungskette unterscheiden. Aus meiner Sicht muss nach der Notwendigkeit der Produkte und Verderblichkeit der Ware priorisiert werden.

Landwirte verfügen über schweres Gerät, Treibstofflager und Ortskenntnis – sie sind eine schlafende Reserve für den Katastrophenschutz. Wie sieht eine Einbindung im Krisenfall praktisch aus?

Ich weiß von dieser stillen Reserve und ich bin mir sicher, dass die Verantwortlichen für diese Pläne es auch wissen. Dass aber viele dieser Pläne nicht öffentlich sind, ist auch verständlich.

Wo besteht auf Landesebene dringender Handlungsbedarf in der Ernährungssicherheit? Wie weckt man das Bewusstsein für Gefahren?

Ich bin froh, dass wir mit dem letzten Haushalt eine Stelle im Landwirtschaftsministerium schaffen konnten, damit insbesondere die Fragen der Verfügbarkeit und der Standorte in einer Hand liegen.

Ich denke aber, dass der größte Handlungsbedarf bei jedem von uns liegt. Und damit meine ich uns alle als Bürgerinnen und Bürger.

So ist die Notfallvorsorge in den letzten Jahren verloren gegangen: Habe ich im Fall eines dreitägigen Stromausfalls alles im Haus? Ich empfehle allen, sich eine entsprechende Liste des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe anzusehen. Wenn wir uns in der Krise drei Tage ohne Strom versorgen können, entlasten wir die Helfer enorm.

Was fehlt ihnen in Bezug auf das Thema Ernährungssicherheit? Was wünschen Sie sich von Bürgern, Bauern und Politikern?

Mir fehlt das klare Bekenntnis von Bürgern und Politikern, dass wir ohne unsere Landwirte nichts zu Essen auf dem Teller haben. Im Krisenfall ist das elementar. Wir haben sicherlich alle keine Vorstellungen davon, wie es allein in einer Stadt wie Rendsburg nach drei Tagen ohne Strom aussehen würde. Und von den Bäuerinnen und Bauern wünsche ich mir, dass wir uns weiterhin auf sie verlassen dürfen. sh

Rixa Kleinschmit (r.) im Gespräch über Ernährungssicherheit mit dem CDU-Europaparlamentarier Niclas Herbst auf Gut Farve. Foto: sh