Eine konkurrenzstarke und leistungsfähige Grasnarbe ist die Grundlage für hohe Erträge und gute Futterqualitäten. Das schleswig-holsteinische Grünland ist geprägt durch sehr unterschiedliche Standortbedingungen. Technische Fortschritte bei (Nachsaat- und) Striegelgeräten unterstützen Landwirtinnen und Landwirte dabei, die Pflanzenbestände den Zielen entsprechend auszurichten. Der Grünlandstriegel nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein und lässt sich an die verschiedenen Standortverhältnisse und Zielsetzungen anpassen.
Der Herbst 2025 bot gute Bedingungen für den letzten Grasschnitt, sodass die meisten Grünlandbestände mit der angestrebten Länge von 6 bis 8 cm in den Winter gehen konnten. Nach einem milden Dezember brachte der Januar Kälte und Schnee. Länger andauernde Schneephasen können in hohen Pflanzenbeständen zu Problemen führen. Grundsätzlich wird das intensiv bewirtschaftete Grünland zunehmend durch Wetterextreme im Jahresverlauf wie Trockenheit oder Nässe, hohe Nutzungsintensitäten und viele Überfahrten gefordert. Diese Faktoren können zu einem erhöhten Auftreten von Narbenschäden und Bestandslücken führen, die dann mit einem Qualitätsverlust des Aufwuchses einhergehen. Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen nimmt die Bedeutung von regelmäßigen Pflegemaßnahmen mit effizienter Technik weiterhin zu. Das Kernelement stellt hierbei der Grünlandstriegel dar.
Technischer Grundaufbau des Grünlandstriegels
Der eigentlichen Striegeleinheit ist häufig ein Schienenblech zur Einebnung von Erdaufwerfungen wie Maulwurfshaufen oder ähnlichen Unebenheiten vorgeschaltet. Eine gefederte Aufhängung oder eine Parallelogramm-Führung sorgen für eine flexible Anpassung an das Bodenprofil, womit größeren Narbenschäden durch zu starre Schienen vorgebeugt wird. Idealerweise sind die Bleche in den einzelnen Sektionen höhenverstellbar. Pendelnd und einzeln gelagerte Zinkenfelder, flexible Rahmen und Tasträder ermöglichen eine gleichmäßige Bodenanpassung in unwegsamem Gelände. In Kombination mit erhöhter Arbeitsgeschwindigkeit wird die Grundlage für die schlagkräftige Bearbeitung großer Flächen gelegt. Leichte Bauweisen reduzieren die Bodenverdichtung. Der Zinkendruck lässt sich hydraulisch oder mechanisch an unterschiedliche Grasbestände anpassen.
Über eine verstellbare Zinkenneigung kann die Intensität der Bodenbearbeitung variiert werden. Ein flacher Zinkenwinkel sorgt für eine schonende Narbenpflege mit gleichzeitig leichter Belüftung. Ist der Winkel steil eingestellt, wird unerwünschtes Pflanzenmaterial gründlich entfernt, Lücken für die Nachsaat werden geschaffen. Je steiler die Zinkenneigung ist, desto aggressiver wird der Pflanzenbestand ausgekämmt. Außer der Neigung beeinflussen Zinkenlänge (zirka 45 bis 55 cm) und Zinkendurchmesser (zirka 8 bis 12 mm) den Effekt. Wichtig ist vor allem, Verstopfungen des Arbeitsgerätes zu vermeiden. Die Anzahl der Zinkenreihen variiert hierbei nach Gerät. Teilweise werden die Reihen eines Gerätes mit verschiedenen Zinkendurchmessern ausgestattet, um bessere Effekte zu erzielen. Die Flexibilität der Einstellungsmöglichkeiten stellt einen wesentlichen Unterschied des Striegels gegenüber der Wiesenschleppe dar, denn sie ermöglicht eine bessere Wirkung gegen unerwünschte Pflanzen und Verfilzung und eine bessere Anpassung an verschiedene Bodenarten.
Der Striegel in der Anwendung
Der klassische Einsatzzeitpunkt des Grünlandstriegels liegt im Frühjahr im März oder Anfang April, wenn die Böden abgetrocknet sind und bevor die Pflanzen schossen. Ziel ist dann, abgestorbenes Pflanzenmaterial, Moos oder andere unerwünschte Pflanzen zu entfernen. Außerdem wird durch das Striegeln die Narbe belüftet, mehr Licht gelangt an die Pflanzen, und die Bestockung des Bestandes wird angeregt. Je nachdem wie stark der Bestand verfilzt oder verunkrautet ist, entstehen bei diesem Arbeitsgang mehr oder weniger Lücken. Ist dies der Fall, ist es sinnvoll, diesen Striegelvorgang mit einer Übersaat zu kombinieren, um die entstandenen offenen Stellen im Bestand umgehend wieder mit gewünschten Pflanzenarten zu schließen. Andernfalls bieten diese Lücken neuen Raum für unerwünschte Gräser und Kräuter.
Teilweise führen auch Auswinterungsschäden oder Schädlinge wie Mäuse zu einem lückigen Bestand nach dem Winter. Dann ist eine Nachsaat im Frühjahr ohnehin anzuraten. Nachteilig auf den Nachsaaterfolg können sich in dem genannten Zeitfenster jedoch der wüchsige erste Aufwuchs oder die zunehmend häufiger auftretenden Frühjahrstrockenheiten auswirken. Daher sollte eine erneute Nachsaat im Spätsommer in Erwägung gezogen werden.
Durch das Striegeln der Grasnarbe können aber auch ganz gezielt Lücken für eine Nachsaat geschaffen werden. Auch dann kann die Nachsaat als oberflächliche Ablage in Form einer Übersaat während des Striegelns erfolgen oder für ein noch sichereres Ergebnis im Anschluss an den Striegelvorgang als Nachsaat in den Bestand eingeschlitzt werden. Soll wie in diesem beschriebenen Fall die Bestandeszusammensetzung deutlich in eine gewünschte Richtung verschoben werden, eignet sich eher der Spätsommer oder Frühherbst als Zeitpunkt für die Maßnahme. Der Boden weist dann meist die gewünschte Feuchtigkeit und Wärme auf, und die Konkurrenz durch die Altnarbe ist geringer.
Grundsätzlich kann der Striegel zur Grünlandpflege in der gesamten Vegetationsperiode zum Einsatz kommen. Wenn im Jahresverlauf Unkräuter aufwachsen oder die Gemeine Rispe muffige Verfilzungen bildet, kann ein Striegeln des Bestandes den Aufwuchs und somit die Futterqualität verbessern.
Stets ist darauf zu achten, dass die Fläche vor der Striegelmaßnahme trocken, jedoch nicht ausgetrocknet ist und der Bestand eine Höhe von 10 bis 15 cm nicht überschritten hat.
Arbeitsgänge sinnvoll kombinieren
Sehr bewährt hat sich Maschinentechnik, die verschiedene Arbeitsgänge kombiniert. Besonders ist das oben beschriebene Striegeln mit kombinierter Nachsaat hervorzuheben. Hierbei schafft der Striegel die notwendigen Lücken in der Grasnarbe, die Nachsaattechnik bringt das Saatgut der Zielpflanzen in diese Lücken ein. Bei der Nachsaat ist die Saatgutablage von zentraler Bedeutung für den Erfolg der Maßnahme. Moderne Nachsaatgeräte bewirken, dass das Saatgut gleichmäßig über die gesamte Arbeitsbreite abgelegt wird. Dies geschieht beispielsweise über Prallteller oder pneumatische Systeme. Von Bedeutung ist zudem der exakte Ablageort des Saatkorns. Wird es vor dem Striegelzinken platziert, bewirkt der nachlaufende Zinken eine gute Bedeckung mit Erde. Wenn das Saatkorn nach dem Zinken zum Liegen kommt, erhält es leichter das notwendige Licht. Tendenziell ist die letzte Option besser geeignet, aber beide Methoden bergen gleichzeitig auch Risiken, wie eine zu tiefe Ablage oder die Gefahr der Austrocknung. Bedeutsam für ein erfolgreiches Keimen und Auflaufen der ausgebrachten Saat sind die Faktoren Feuchtigkeit, Licht und ein geringer Konkurrenzdruck durch die Narbe.
Der nötige Bodenschluss kann bei einer Kombination mittels nachlaufender Walzen erzeugt werden. Durch kombinierte Arbeitsgänge werden Arbeitszeit und Flächenüberfahrten eingespart und gleichzeitig der Nachsaaterfolg verbessert. Dennoch gibt es Situationen, in denen eine Trennung der verschiedenen Arbeitsgänge sinnvoll sein kann. Werden beispielsweise gezielt unerwünschte Pflanzen durch den Striegel aus der Narbe entfernt, sollte keine Walze als Nachläufer eingesetzt werden. Diese würde den Bodenschluss der Pflanzenwurzeln wiederherstellen und dadurch den Erfolg der Striegelmaßnahme gefährden. Ein typisches Beispiel hierfür ist das Auskämmen der Gemeinen Rispe. In einem solchen Fall sollte deshalb der Walzvorgang, wenn nötig, mit einigen Tagen Versatz stattfinden. Einige Maschinenhersteller bieten modulare Striegelkombinationen an, bei denen einzelne Arbeitsgeräte ausgebaut werden können. Sie bieten somit den Vorteil, den Einsatz der benötigten Arbeitsschritte situationsbedingt anpassen zu können.
Walzeneinsatz standortabhängig prüfen
Das Walzen als separater Arbeitsgang wird heutzutage nicht mehr als unverzichtbar in der Grünlandpflege betrachtet. Es sollte vielmehr standort- und witterungsabhängig auf den jeweiligen Flächen erfolgen. Die Vorzüge in Hinblick auf den Bodenschluss von Saatgut, das Rückverfestigen aufgefrorener Böden, das Eindrücken von Steinen sowie das Einebnen der Bodenoberfläche durch Glattwalzen sind unbestritten. Da dies jedoch bei ungeeigneten Bodenbedingungen auch das Gegenteil bewirken kann, ist der Einsatz entsprechend abzuwägen. Hier können Profilwalzen je nach Bodenart eine Alternative darstellen, da sie sich besser an wechselnde Bodenprofile anpassen. Hierdurch werden punktuelle Bodenverdichtungen vermieden, während gleichzeitig der Bodenschluss für das Saatgut hergestellt wird. Cambridgewalzen eignen sich besonders für einen schonenden Arbeitsgang auf leichten bis mittleren Böden. Die Crosskillwalzen erzielen einen verhältnismäßig aggressiven Effekt auf den Boden und sind daher weniger für empfindliche Narben brauchbar, sondern vor allem auf schweren Böden. Zwischen den beiden Arten bewegen sich die Prismenwalzen, die am ehesten den „Goldenen Tritt“ der Weidetiere simulieren. Hier werden nur punktuell Bodenverdichtungen bewirkt, sodass Hohlräume zum Luft- und Wasseraustausch erhalten bleiben.
Fazit
Moderne Striegel- und Nachsaattechnik bietet für die Grünlandbetriebe in Schleswig-Holstein praxisnahe Lösungen. Moderne Grünlandstriegel bieten deutlich mehr Einstellmöglichkeiten als frühere Generationen. Auf diese Weise können dichte Narben geschont werden, während verfilzte oder lückige Bestände intensiv bearbeitet werden. Unerwünschte Gräser mit flacher Wurzel wie die Gemeine Rispe können effektiv entfernt werden. Eine Schädigung der wertvollen Futtergräser wird dagegen weitestgehend vermieden. Entscheidend bleibt eine standortangepasste Anwendung zum richtigen Zeitpunkt. Richtig eingesetzt, trägt die Technik wesentlich zur Sicherung von Ertrag, Futterqualität und Wirtschaftlichkeit im Grünland bei.




