Mähdrescher bei der Getreideernte, Menschen, die sich in Folientunneln um ihr angebautes Gemüse kümmern, die Landschaft am Westensee im Abendlicht – das sind nur einige Motive, die die beiden Künstler Werner Klein und Dr. Wolfgang Meyer-Hesemann in Bildern und Fotos eingefangen haben. Ein Jahr lang haben beide einen konventionellen und einen ökologischen Landwirtschaftsbetrieb malend und fotografierend begleitet. Unter dem Titel „Kunst-Land-Wirtschaft“ ist nun in der Galerie für aktuelle Kunst in Achterwehr eine Auswahl der Eindrücke zu sehen.
Foto: Iris Jaeger
Dabei war den beiden wichtig, keinen künstlerisch verklärten Blick auf das Thema zu haben, sondern die Realität abzubilden und die Motive so auszuwählen, dass das Thema transportiert wird. „Die landwirtschaftlichen Betriebe müssen sich mit wachsenden Herausforderungen auseinandersetzen und gehen dabei unterschiedliche Wege. Um festzuhalten, worin sich für außenstehende Betrachter die Wirtschafts- und die damit verbundenen Lebensweisen unterscheiden, begleiteten die beiden Künstler fotografierend und malend die beiden Höfe in Blumenthal und Kiel-Russee“, lautet die Ausstellungsbeschreibung. Bei der Vielzahl an Fotos und Skizzen, die im Laufe des Jahres zusammenkamen, war es keine leichte Aufgabe, eine Auswahl zu treffen und sich auf wenige Motive zu reduzieren, die trotzdem die Vielfalt und Charakteristik der beiden unterschiedlich wirtschaftenden Betriebe sowie die dort geleistete Arbeit widerspiegeln.
Foto: Iris Jaeger
„Den Auslöser zu drücken, dauert nur einen Bruchteil von Sekunden, die Auswahl der Motive, die man verwenden möchte, ist sehr aufwendig“, bestätigt der Fotograf Dr. Wolfgang Meyer-Hesemann. Und auch beim Malen stand Werner Klein vor den Fragen: „Welche Farben wähle ich? Für welchen Formen entscheide ich mich? Das Licht und die Atmosphäre einzufangen und wiederzugeben, das war herausfordernd“, so Klein.
So unterschiedlich die Herangehensweisen auch waren, so reizvoll stellte sich für beide das Thema dar. „Wenn man über einen so langen Zeitraum regelmäßig die Betriebe besucht, die Menschen kennenlernt und die Arbeit, die sie leisten, miterlebt, das war schon beeindruckend. Ich habe unendlich viel über Landwirtschaft gelernt, das war toll“, erzählt Meyer-Hesemann. Technik zu malen war für Werner Klein eine neue Erfahrung. „Ich habe mich da hineingefuchst, und mir macht es richtig Spaß, Trecker zu malen“, so der Künstler.
Es ist bereits das dritte gemeinsame Projekt, in dem die beiden ein gemeinsames Thema in den verschiedenen Darstellungsformen Fotografie und Malerei bearbeiten und ausstellen. Beim ersten Mal ging es um das Thema „Bach und Baum am Westensee“, beim zweiten Mal wählten sie das Gut Bossee für ihre Motive aus. Die Region um den Westensee ist dabei das zentrale Element ihrer Projekte und bestimmend für die Themenauswahl.
Foto: Iris Jaeger
„Zu Kunst und Landwirtschaft gibt es nicht viel. Und wir haben uns überlegt, dass man eigentlich mehr über die Landwirtschaft machen müsste“, erklären beide ihren Ansatz für die Auswahl des Themas.
Dann ging es an die Suche nach zwei Höfen, die auf verschiedene Weise wirtschaften. Die Wahl fiel auf den Hof Wittschap in Kiel-Russee, der nach strengen Demeter-Richtlinien biologisch-dynamisch unter anderem Gemüse anbaut, solidarische Landwirtschaft sowie eine Pferdepension und einen Höfeladen betreibt. „Ich kenne den Hof, da ich dort mein Gemüse einkaufe“, erklärt Meyer-Hesemann.
Die Wahl eines konventionellen Betriebes gestaltete sich etwas schwieriger: „Manche Landwirte, die wir angefragt hatten, äußerten Vorbehalte, dass wir da herumlaufen und fotografieren, aus Angst, vorgeführt zu werden“, berichtet Werner Klein. Auf den Hof Reimers in Blumenthal brachte sie dann ein Bekannter, der auch als Autor für das Bauernblatt tätig ist, Götz Heeschen. Die Familie Reimers betreibt konventionell einen Milchviehbetrieb mit Ackerbau und bietet Bauernhofpädagogik an.
Foto: Iris Jaeger
Neben der Herausforderung der Motivauswahl für die Ausstellung stand auch die Frage nach einer angemessenen Präsentation im Raum. „Ich habe mich dazu entschieden, die Fotos in Blöcken aufzuhängen, sodass die Betrachter der Reihe nach die Bilder durchgehen können, anstatt einzeln mit ihnen konfrontiert zu werden“, so Meyer-Hesemann. Des Weiteren habe er die Bilder nicht gerahmt, sondern sie direkt an der Wand angebracht. „Das hat den Vorteil, dass da kein reflektierendes Glas davor ist und man eine direktere Wirkung der Bilder hat.“ Auch die gemalten Werke von Werner Klein sind überwiegend blockweise zu erleben. Ergänzt werden die Arbeiten durch Schwarz-Weiß-Fotografien von Dietmar Fiedler, dessen Bilder noch einmal eine ganz andere Intensität zeigen.
Die Ausstellung ist bis zum 9. August jeweils donnerstags und sonntags von 17 bis 20 Uhr in der Galerie für aktuelle Kunst, Inspektor-Weimar-Weg 19 in Achterwehr zu sehen. Begleitend zur Ausstellung finden zusätzliche Veranstaltungen statt. Weitere Informationen dazu und zur Ausstellung finden sich unter
www.kulturregion-westensee.de




