Bad Bramstedt ist seit 1910 anerkannter Kurort und besitzt auch einen Kurpark, der einerseits durch die dortige Kneippanlage und den Park der Sinne geprägt ist. Andererseits finden wir dort auch eine weitläufige Parkanlage mit geschwungenen Wegen, einem Fließgewässer, einer Teichanlage und einer interessanten Mischung aus mächtigen Altbäumen, seltenen Gehölzen und zahlreichen jungen und weiteren artenreichen Gehölzen.
Am Gesundbrunnen in Bad Bramstedt befindet sich die Stelle, an der 1681 die erste Heilquelle des Ortes entdeckt wurde und den Ursprung des Kurortes bildete. Heute ist Bad Bramstedt anerkannter Luftkurort und traditionsreiches Moorheilbad in Schleswig-Holstein und besitzt zahlreiche spezialisierte Fach- und Rehabilitationskliniken. Im Herzen des Holsteiner Auenlandes gelegen, gilt Bad Bramstedt mit seinen sechs Auen und über 20 Brücken auch als das kleine „Venedig des Nordens“. Wichtige Grünanlagen des Ortes sind durch die Lage an Auen und Fließgewässern geprägt. An der Drei-Auen-Brücke des Bad Bramstedter Kurparks fließen die Schmalfelder Au und die Ohlau zusammen und bilden den Fließgewässerbereich der Hudau, die ihrerseits im Zusammenfluss mit der Osterau bei Bad Bramstedt die Bramau ausbildet. Die Bramau fließt über die Stör in die Elbe und weiter in die Nordsee. Vor allem die Hudau prägt das Kurparkgebiet und bildet in weiten Bereichen die Nordgrenze des Parkareals.
So dienen Teile der Parkanlage als Überflutungsfläche, und in manchen feuchten Zeiten können Wege überschwemmt sein. Dann muss man auf die höher gelegenen Bereiche ausweichen, was aber auch einen Teil des Parkkonzeptes darstellt, in dem stehendes Wasser und Überflutungsräume als wertvolle, dynamische Lebensräume für Tiere und Pflanzen betrachtet werden.
Der Park der Sinne und Kneippanlagen
Im Zentrum der Bad Bramstedter Kurparkanlage steht die Kneippanlage mit dem Garten der Sinne, der sich nahe der Köhlerhofbrücke über die Hudau befindet. Die 2006 in Zusammenarbeit mit dem Kneippverein des Ortes entwickelte Anlage bezieht sich auf die fünf Säulen der Kneipptherapie: die Ordnungstherapie, die Ernährungstherapie, die Bewegungstherapie, die Hydrotherapie und die Phytotherapie. In verschiedenen Themenräumen werden Aspekte der ganzheitlichen Betrachtungsweise von Körper, Geist und Seele nach den Ideen von Sebastian Kneipp (1821-1897) dargestellt. Er war ein katholischer Priester, der als Hydrotherapeut und Naturheilkundler bekannt geworden ist und dessen Wasserkuren und Kneipp-Medizin noch heute populär sind. Es gibt in Deutschland Kneipp-Kurorte und über 1.000 Kneippvereine, aber auch weitere in Europa und sogar weltweit.
Verschiedene Themengärten beschäftigen sich mit der Kneipp‘schen Lehre, in deren Zentrum die Wassertherapie steht. „Das Wasser ist das allererste, vorzüglichste und allgemeinste Heilmittel für den menschlichen Körper“, sagte Kneipp einst. In dem Garten des Wassers gibt es eine aus vielen Kneippanlagen bekannte Wassertretanlage und ein Armtauchbecken mit kaltem Wasser (zwischen 6 und 12 °C). Man kann Ruhephasen auf den Bänken und eine kleine Pause an der terrassierten Böschung der vorbeifließenden Hudau einlegen.
Auf der anliegenden Rasenfreifläche im Garten der Bewegung sind freie Bewegungstherapien auch für Gruppen möglich. Die Info-Tafeln der Ernährungstherapie sind im Park der Sinne aktuell nicht zu sehen. Dafür geht es weiter mit dem Garten der Heilkräuter, der angeordnet ist nach sieben unterschiedlichen Krankheitsrichtungen. Gegen jedes Leiden ist ein Kräutlein gewachsen und ermöglicht Linderung und Heilung bei leichten Beschwerden ohne die oft gravierenden Nebenwirkungen sonstiger Heilverfahren. Hier finden sich beispielsweise Hopfen, Lavendel, Schnittlauch, Salbei, Frauenmantel, Erdbeere, Küchenschelle und zahlreiche weitere Kräuter mit unterschiedlichen Heilwirkungen.
Im Garten des Tastens sollen neben dem Tastsinn auch weitere Sinne des Menschen angesprochen werden, und er stellt einen Beitrag zur Bewegungstherapie dar. Zentrales Element ist ein Barfußpfad, wo auf verschiedenen Untergründen wie Feldsteinen unterschiedlicher Größe, Schotter, Holzspänen und Fichtenzapfen das Tastempfinden der Füße trainiert werden kann. Kleine Gehölze wie Ginster, Schmetterlingssträucher, Blauregen, aber auch Gräserhorste lockern das Ganze in den einzelnen Themengärten etwas auf.
Der Garten des Lebensrhythmus unterstützt in seiner Gestaltung die Ordnungstherapie. Vom Zentrum, dem Lebensmittelpunkt, weitet sich die Flächenanordnung spiralförmig aus. Die sich auflösende Stelenreihe bildet den Übergang zum weiteren Bereich des Kurparks.
Ökologische Vielfalt und Gehölz-Biodiversität
Vom Park der Sinne lohnt sich ein beschaulicher Gang in die übrigen Parkareale, die durch einen wertvollen Baumbestand aus Altbäumen und zahlreichen Gehölz-Neuanpflanzungen charakterisiert sind. Sie werden sorgfältig gepflegt und erhalten. „Der Park verbindet ökologische Vielfalt, landschaftliche Schönheit und Lebensraum für Tiere und Pflanzen“, sagt Markus Bartels, stellvertretender Leiter des Bauhofs, der nicht nur für den Kurpark, sondern auch für die übrigen Grünbereiche der Stadt verantwortlich ist. Mehr als 180 Baumarten sind in den Grünanlagen der Stadt zu finden, die meisten davon im Kurparkbereich. Hier sieht das Pflegekonzept auch vor, dass die große Rasenfläche im Kurpark nur zweimal im Jahr gemäht wird, um Wildkräuter und Blütenpflanzen zu fördern und um die Biodiversität durch unterschiedliche Blühphasen und Wuchshöhen zu erhöhen. „Auch die Überflutungsflächen in Teilen des Parks sorgen für dynamische Lebensräume für Pflanzen und Tiere“, betont Bartels, und so könne es durchaus sein, dass der große Teich oder auch die Hudau gelegentlich über ihre Ufer träten.
Sehr schön ist der Verlauf der dahinplätschernden Hudau, an der es wie auch im übrigen Park immer wieder Bänke zum Verweilen gibt, beispielsweise an einer Stelle, an der eine Sohlgleite eingerichtet wurde. Hier fließt der Bach an größeren Steinen im Wasser zügig entlang. Der vorherige Sohlabsturz, der eine Barriere für wandernde Fischarten und Nahrungsorganismen darstellte, wurde entfernt, sodass Arten wie Lachs, Neunaugen und Meerforellen wieder durchgängig flussauf und -abwärts wandern können.
Neben den heimischen Gehölzen mit alten Eichen, Ulmen, Ahornen, Pappeln, mehrstämmigen Rotbuchen, Linden, Eschen und Hainbuchen fallen die vielen Baum- und Strauch-Neupflanzungen auf, die sich entlang der Wege und Freiflächen erstrecken. „Die Ziergehölze sorgen für saisonale Highlights mit Blüten im Frühjahr, Duft im Sommer und Farben im Herbst“, wie Bauleiter Bartels erklärt. Er erwähnt auch die insektenfreundlichen Bäume wie Linde, Ahorn, Weide und andere, die Wildbienen, Honigbienen und Schmetterlinge unterstützen. So findet man unter anderem den Bienenbaum auf dem Gelände, der von Juli bis September, wenn kaum noch andere Bäume blühen, mit vielen kleinen, weißen Blüten, die in Dolden stehen, besetzt ist und die massenhaft Blütenbesucher anlocken. Wichtig ist auch der Aspekt der frühen Blüte mit dem Silberahorn. Diese Bäume haben im Kurpark bereits 25 m Höhe erreicht und müssen zum Teil durch Baumpflegemaßnahmen mit Seilen in der Krone gesichert werden. Sie blühen intensiv im Februar bis März und sind eine wichtige Bienenweide. Auch die etwa 150 Magnoliensorten in der Stadt und im Kurpark – mit rund 215 Bäumen eine der größten kommunalen Sammlungen in Deutschland – blühen früh im Jahr, ebenso wie die Gehölzrarität des Judasbaumes, einer der schönsten Gehölzblüher, dessen rosa Blüten direkt aus den Ästen oder sogar aus dem Stamm wachsen und reichlich Nektar für Hummeln und Bienen anbieten.
Allein zehn verschiedene fremdländische Eichenarten, darunter Bambusblättrige Eiche, Sumpfeiche oder Schindeleiche, sind entlang der Wege zu finden. Aber auch weitere Besonderheiten wie Riesenmammutbaum, Urweltmammutbaum, Ginkgo, Esskastanie, Trompetenbaum, Tulpenbaum, Flügelnuss oder Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch sind anzutreffen. Eine sehr schöne Herbstfärbung bietet der Kuchenbaum, dessen abgefallene Blätter nach Karamell, Zuckerwatte oder Lebkuchen duften. Eine Beschilderung der vielen Besonderheiten im Park existiert bislang noch nicht, ist aber in nächster Zeit mit informativen QR-Codes geplant. Der stellvertretende Bauhofleiter Bartels zeigt sich insgesamt zufrieden mit den bisherigen Bemühungen und betont, dass Bad Bramstedt beispielhaft sehr gut zeigen könne, wie kommunale Pflanzstrategien gleichzeitig Biodiversität fördern, klimatische Anpassungen erbringen, die Aufenthaltsqualität erhöhen und eine unverwechselbare städtische Identität schaffen können.
An der Drei-Auen-Brücke, wo die Hudau aus dem Zusammenfluss von Ohlau und Schmalfelder Au entsteht, treffen wir auf ein kleines, aber eindrucksvolle Birkenwäldchen aus Himalaja-Birken, wo man die nordische Birkenwaldstimmung auf einer Bank genießen kann. Weitere exotische Birken im Kurpark sind Papierbirken und Schwarzbirken.
Von der Drei-Auen-Brücke aus sind Wanderungen entlang der Schmalfelder Au oder der Ohlau und am Golfplatz wieder zurück möglich. Auch ein Abstecher in die Innenstadt ist lohnend: Es gibt das Torhaus des ehemaligen Bramstedter Gutes, die Maria-Magdalenen-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die Wiebke-Kruse-Figur am Brunnen und den steinernen Roland von 1693, der auch als Wahrzeichen der Stadt gilt. Nicht weit entfernt liegt die Osterauinsel mit einer kleinen Grünanlage am Zusammenfluss von Osterau und Mühlengraben.




