Wenn sich vom Frühsommer bis in den Spätherbst kleine, gelbliche Kügelchen am Pferdefell zeigen, ist das ein Hinweis auf die Magendasselfliege. Gelangen die Larven ins Pferd, drohen Entzündungen in Maul und Magen. Zur richtigen Bekämpfung ist der Zeitpunkt der Entwurmung wichtig.
Gegen Dasselfliegen wirken zwar Wurmkuren, doch sie gehören nicht zu den Würmern, sondern zu den Fliegen, genauer gesagt zur Gattung Gasterophilus. Die Art Gasterophilus intestinalis, auch Pferdemagenbremse genannt, ist unter Pferdehaltern besonders bekannt, weil ihre gelblichen Eier auf dem Fell gut sichtbar sind und häufig in großer Zahl auftreten.
Aufgrund ihrer Behaarung erinnern Dasselfliegen an zu klein geratene Hummeln. Beim Anflug geben die knapp 2 cm großen Fliegen ein relativ lautes Summen von sich, das viele Pferde nervös macht. Ihr Lebenszyklus ist durchaus interessant.
Dasselfliegen kleben je nach Witterung von Frühsommer bis Spätherbst ihre Eier an das Pferdefell, meist an Vorderbeine, Brust, Schulter oder Flanke. Lecken oder knabbern die Pferde daran, nehmen sie die Larven auf. Diese bohren sich dann in Zunge, Gaumen oder Mundschleimhaut und bleiben dort für wenige Wochen. In dieser Phase können sich Entzündungen im Maul sowie Kau- und Schluckbeschwerden bemerkbar machen.
Danach wandern die Larven weiter in den Magen und heften sich dort mit ihren starken Mundhaken an die Magenschleimhaut, was zu Magenschleimhautentzündungen mit Geschwürbildung führen kann. Mögliche Symptome sind Koliken, Durchfall oder Gewichtsabnahme. Die Larven verbleiben mehrere Monate im Magen und werden dann, wenn nicht entwurmt wird, pünktlich zur nächsten Weidesaison mit dem Kot wieder ausgeschieden. Im Erdboden verpuppen sie sich, bis nach weiteren vier Wochen die adulten Dasselfliegen schlüpfen. Diese legen direkt nach der Paarung ihre Eier im Pferdefell ab, und der Zyklus beginnt von vorn. Die adulten Tiere sterben kurz nach der Eiablage.
Eier rasch entfernen
Am besten ist es, wenn die Larven gar nicht erst ins Pferd gelangen. Daher sollten die kleinen Eier, die am Pferdefell kleben und gut mit bloßem Auge zu erkennen sind, möglichst schnell entfernt werden. Einfaches Abbürsten oder Absammeln funktioniert allerdings nicht, da die Eier sehr fest am Fell haften. Es gibt jedoch verschiedene andere Methoden, um sie effektiv zu entfernen:
– Spezielle Dasselfliegenmesser haben eine geschwungene, fein gezähnte Klinge. Sie entfernen die Eier zuverlässig und sind mit meist weniger als 10 € sehr preiswert erhältlich.
– Die Eier lassen sich auch mit einem Einmalrasierer abstreifen, ohne dabei unnötig Fell zu entfernen. Dabei ist Vorsicht geboten, denn ein Pferd kann sich jederzeit ruckartig bewegen. Von einfachen Rasierklingen ist dringend abzuraten, da hier ein hohes Risiko für Schnittverletzungen bei Pferd und Mensch besteht.
– Mit einem Noppenhandschuh, Gummistriegel oder Bimsstein kann man über die betroffenen Stellen reiben.
– Mit warmem Wasser und etwas Shampoo können die Eier abgewaschen werden. Bei Bedarf hilft zusätzlich ein Noppenhandschuh, Gummistriegel oder Bimsstein.
Das European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP), ein europäisches Expertengremium für Parasiten bei Haustieren, empfiehlt das Entfernen der Eier mit einem speziellen Dasselmesser oder durch gründliches Waschen der Haare mit warmem, insektizidhaltigem Wasser ausdrücklich, schränkt aber ein: „Allein sind diese flankierenden Maßnahmen jedoch in der Regel nicht ausreichend, um eine gastrointestinale Infektion zu verhindern.“
Gezielt entwurmen
Deshalb ist die anschließende Entwurmung wichtig. Um den Entwicklungszyklus der Dasselfliegen zu unterbrechen, haben sich Wurmkuren mit den Wirkstoffen Ivermectin oder Moxidectin (makrozyklische Laktone) bewährt.
Ganz entscheidend ist dabei der richtige Zeitpunkt, wie Prof. Georg von Samson-Himmelstjerna, Direktor des Instituts für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin an der Freien Universität Berlin, gemeinsam mit Prof. Karsten Feige, Direktor der Klinik für Pferde der Tierärztlichen Hochschule Hannover, im Podcast der Gesellschaft für Pferdemedizin (Folge 27: Endoparasiten) betont: „Dasselfliegen sind von etwa Juni bis Oktober/November aktiv. Nach dem ersten Nachtfrost fliegen sie nicht mehr, dann ist Schluss.“ Während der Wanderung könnten die Larven nicht erfasst werden, diese müssten erst im Magen ankommen, erklärt Feige. Eine zu frühe Wurmkur solle daher vermieden werden.
Auch das ESCCAP gibt einen günstigen Zeitpunkt an: „Da die Aktivität der Fliegen mit dem Einsetzen der ersten Frosttemperaturen sistiert, sollte eine geeignete Behandlung des Pferdes im Spätherbst (zum Beispiel im frühen November) sämtliche vorhandenen Larven entfernen.“
Zu lange mit der Behandlung zu warten, ist allerdings auch nicht empfehlenswert, da sonst die beschriebenen Magenprobleme auftreten können. Die ESCCAP-Leitlinien empfehlen bei der Aufstallung im November oder Dezember ohnehin eine Entwurmung mit makrozyklischen Laktonen, sowohl für adulte Pferde im Rahmen der strategischen Entwurmung als auch für Jungtiere und Fohlen. (Achtung: Moxidectin ist für Fohlen nicht zugelassen. Packungsbeilage beachten beziehungsweise mit dem Tierarzt besprechen!) Mit dieser Wurmkur werden die Larvenstadien der Dasselfliege zuverlässig eliminiert. Gleichzeitig werden weitere relevante Parasiten wie kleine und große Strongyliden mitbehandelt.
Häufig wird zudem empfohlen, alle Pferde eines Bestandes gegen Dasselfliegen zu entwurmen, um eine erneute Infektion zu verhindern. „Der Entwurmungsplan sollte immer gemeinsam mit dem Tierarzt individuell auf den jeweiligen Betrieb abgestimmt werden“, so die Empfehlung des ESCCAP.
Immer seltener
Feige berichtet aus dem Klinikalltag, dass bei Magenspiegelungen zwar „hin und wieder“ Larven der Dasselfliege entdeckt würden, diese jedoch „nicht das wesentliche Problem oder die Ursache von Magengeschwüren“ darstellten. Insgesamt hätten Dasselfliegenlarven für die Entstehung von Magengeschwüren „im Moment nur eine untergeordnete Bedeutung“. Nichtsdestotrotz können sie insbesondere bei starkem Befall Magengeschwüre, Blutarmut oder in seltenen Fällen sogar einen Magendurchbruch mit nachfolgender Bauchfellentzündung verursachen.
Die Experten Feige und von Samson-Himmelstjerna betonen übereinstimmend, dass Magendasselfliegen bei Pferden „nicht mehr ganz so häufig“ vorkämen. „In den vergangenen Jahren ist die Häufigkeit sehr zurückgegangen“, so der persönliche Eindruck von Samson-Himmelstjerna. Er vermutet, dass die etablierten Entwurmungsprogramme zu diesem Rückgang beigetragen haben.
Dennoch sollten Pferdehalter aufmerksam bleiben und ihre Tiere regelmäßig auf die typischen Eier im Fell absuchen. Denn weiterhin gilt: Die Eier müssen möglichst frühzeitig entfernt werden, bevor die Larven überhaupt ins Pferd gelangen.
Dasselfliegenarten
In Deutschland sind vor allem vier Dasselfliegenarten beim Pferd bekannt, die sich in Häufigkeit und Infektionsweg unterscheiden:
Die beim Pferd am häufigsten vorkommende Art ist Gasterophilus intestinalis. Ihre gelblichen Eier haften bevorzugt an Vorderbeinen, Brust oder Flanke und sind für Pferdehalter gut sichtbar. Die Larven entwickeln sich bereits im Ei und werden vom Pferd durch Ablecken oder Beknabbern aufgenommen, sodass sie über Maul und Rachen in den Magen gelangen.
Gasterophilus nasalis ist ebenfalls weit verbreitet. Diese Art legt ihre Eier an Kinn- und Backenhaaren ab. Die frisch geschlüpften Larven dringen direkt durch die Haut ein, was sich häufig durch aufgeraute oder weißlich verfärbte Haare im Backenbereich zeigt. Anschließend wandern sie zum Maul und werden abgeschluckt, bevor sie sich im Magen weiterentwickeln.
Gasterophilus inermis kommt in Deutschland seltener vor, hinterlässt jedoch ein sehr charakteristisches Bild. Die Larven schlüpfen aus den an den Backen abgelegten Eiern und wandern in der Haut Richtung Maulwinkel. Entlang dieser Strecke entstehen entzündliche Veränderungen, die als „Streifensommerekzem“ bekannt sind. Erst danach gelangen die Larven in das Maul und schließlich in den Magen.
Gasterophilus pecorum kommt in Deutschland seltener und meist nur regional begrenzt vor. Bedeutender Unterschied: Die Eiablage erfolgt nicht am Pferd, sondern auf Grashalmen oder anderen Pflanzen. Beim Fressen werden die Larven aufgenommen und gelangen so in den Verdauungstrakt.




