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Spannende Geschichten mit Lokalkolorit

In Schleswig-Holstein gibt es rund 240 Museen. Darunter befinden sich auch Heimatmuseen, die nur durch ehrenamtliches Engagement am Leben erhalten werden wie das Seebadmuseum Travemünde. Ehrenamtliche bringen hier den Besuchern die Geschichte des Seebads näher. Dank verschiedener Hörstationen, Filme, Exponate und Installationen können Interessierte hautnah in das alte Travemünde mit all seinen Facetten eintauchen.

Das Casino Travemünde blickt auf eine wechselvolle Historie zurück.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Über das historische Travemünde kursieren spannende Geschichten. So sorgte der Schriftsteller Franz Kafka im Juli 1914 für einen Skandal, als er es wagte, barfuß am Strand spazieren zu gehen. Literaturnobelpreisträger Thomas Mann bezeichnete Travemünde als sein Ferien- und Kindheitsparadies, in dem er die glücklichsten Tage seines Lebens verbrachte. Er empfing dort Eindrücke, die ihn und sein Werk nachhaltig prägten. Unerwähnt soll ebenfalls nicht bleiben, dass mit der französischen Besatzung 1806 bis 1813 das Glücksspiel nach Travemünde kam. Im mondänen Nightclub La Belle Époque des Spielcasinos, dem „Monte Carlo des Nordens“, waren in den 1950er und 1960er Jahren Promis wie Sophia Loren und Marlene Dietrich oder Mitglieder der High Society wie Reeder und Milliardär Aristoteles Onassis zu Gast.

Doch gibt es über den Ort weit mehr zu entdecken, und genau dafür bietet sich ein Besuch im Seebadmuseum an. Gegenüber der St. Lorenz-Kirche, nur wenige Schritte vom Hafen entfernt, liegt es in der Torstraße. Dort, wo sich der Charakter des alten Travemündes mit fein herausgeputzten Häuserreihen wohl am längsten erhalten hat, lädt es in der Hausnummer 1 zur Besichtigung ein. Im Gesellschaftshaus – dem Veranstaltungs- und Gemeindezentrum des 1913 eingemeindeten östlichen Stadtteils von Lübeck – pflegt und bewahrt es im Erdgeschoss auf 185 m² die Heimat- und Erinnerungskultur.

Ehrenamtlich geführt

An einem Junitag ist das Bauernblatt zu einem Rundgang mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des 2003 gegründeten gemeinnützigen Travemünder Heimatvereins, Niels Hartwig, verabredet. „Seit 2007 betreibt unser Verein das privat initiierte Seebadmuseum ehrenamtlich ohne öffentliche Fördermittel. Wir sind rund 200 Mitglieder mit 26 Ehrenamtlichen, die sich aktiv in die Vereinsarbeit einbringen“, erklärt der 65-Jährige. Dadurch sei es möglich, Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 11 bis 17 Uhr, sicherzustellen. Nur im Januar und Februar mache das Museum Winterpause.

Ein Bild vom Gründer Siegfried Austel hängt im Seebadmuseum.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Wir betreten den Eingangsbereich, in dem die diesjährige Sonderausstellung untergebracht ist. Sie hat den traditionsreichen, vor einiger Zeit aufgegebenen Schlossereihandwerksbetrieb Lüders zum Thema. Direkt gegenüber dem Museum in der Torstraße 6 hatte er seinen Sitz. „Lüders zählt zu den ältesten Travemünder Betrieben. Im Mittelalter hatte er sogar die hochangesehene Funktion einer Waffenschmiede inne“, taucht Hartwig in die Firmengeschichte ein.

Weiter geht’s in den nächsten Raum, der sich inhaltlich um den Beginn des Badelebens und die 1802 errichtete erste Seebadeanstalt Travemündes dreht.

Doch wie passt dort das Porträt eines freundlich lächelnden Herren mit prächtigem Schnauzbart hinein, das über einem Durchgang an der Wand hängt? Niels Hartwig verrät, dass es sich dabei um ein Bild des Vaters des Seebadmuseums handle, Siegfried Austel. Er war Initiator und langjähriger Vorsitzender des Travemünder Heimatvereins. Der selbstständige Friseur und Barbier sammelte bereits zehn Jahre vor Eröffnung des Museums Exponate, stets das Ziel vor Augen, dass es ihm einmal gelingen werde, ein solches ins Leben zu rufen.

Durch seinen tatkräftigen Einsatz und das Engagement zahlreicher Unterstützer ging das Herzensprojekt tatsächlich in Erfüllung. Im November 2022 legte das Travemünder Urgestein sein Lebenswerk in jüngere Hände. Mittlerweile ist der Ehrenvorsitzende des Heimatvereins, Bürgerpreisträger und Träger der Ehrennadel des Landes 90 Jahre alt und nimmt noch immer Anteil an „seinem“ Museum.

Baden ist gesund

Aber zurück zur Historie des Badelebens: Die Zeit der Seebäder startete um 1751 in England. Maßgeblichen Einfluss auf die britische Badekultur hatte der Mediziner Richard Russell (1687-1759). Er gründete das erste Seebad Europas in Brighton. Deutsche Ärzte übernahmen seine Ideen. Sie stellten im ausgehenden 18. Jahrhundert die gesundheitsfördernde Wirkung des Meeres heraus. Auf Anregung seines Leibarztes Professor Samuel Gottlieb Vogel ließ der Herzog von Mecklenburg-Schwerin, Friedrich Franz I., 1793 Bade- und Kuranlagen in Bad Doberan/Heiligendamm errichten. Es machte fortan als erstes deutsches Seebad von sich reden. 1797 gründete das Hannoveraner Herrscherhaus das Nordseebad Norderney. An dritter Stelle folgte 1802 Travemünde mit der ersten bürgerlichen Gründung einer Seebadeanstalt.

Niels Hartwig freut sich, dass das Museum originale Bademode ab 1900 zeigen kann. Seine Mitstreiter und er entwickeln das Museumskonzept stetig weiter.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Mit der Entwicklung der Seebäder wurde bald eine eigene Bademode aus der Taufe gehoben. Anfangs badete man vor fremden Blicken geschützt unter den Markisen von Badekarren in sittsamer Bekleidung, bis in den freizügigeren 1920er Jahren der Badeanzug in Mode kam. In den 1930er Jahren stellte allerdings der „Zwickelerlass“ sicher, dass die Badekleidung keine unzüchtigen Einblicke gewährte. Ab 1949 hielt schließlich der Bikini Einzug. Die immer zahlreicher werdenden Badegäste in Travemünde veränderten die Struktur des Ortes. Hotels und Gasthöfe entstanden, Straßen wurden ausgebaut, Geschäfte des gehobenen Bedarfs eröffnet, Handwerker und Händler von Luxusartikeln siedelten sich an, Dienstleistungen gewannen an Bedeutung. Der Tourismus nahm Fahrt auf. Das Angebot an Musik- und Sportveranstaltungen sowie Freizeitaktivitäten wuchs. Gleichfalls fanden Angebote zur Gesundheitsförderung wie Massagen und medizinische Bäder reges Interesse.

Die Fischerei war damals eine der wichtigsten Erwerbsquellen der Travemünder.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Im nächsten Museumsraum steht im vorderen Teil ein anderes Thema im Fokus: die Fischerei. „Fischfang und Schifffahrt waren über Jahrhunderte die Haupterwerbsquelle der Travemünder. Ein kaiserliches Privileg von 1188 bestätigte bereits das Fischereirecht auf der Trave und Ostsee“, so Hartwig. Für 1568 findet sich die erste Erwähnung, dass fünf gewerbliche Fischer hier lebten und in der Ostsee fischten. Seit den 1960er Jahren verlor die gewerbliche Fischerei aber an Bedeutung.

Im hinteren Teil sieht man Exponate und Fotos der Fortbewegungsmittel, mit denen in vergangenen Jahrhunderten Touristen und Sommerfrischler nach Travemünde kamen. Ob mit Pferd, Kutsche, Segelschiff oder Dampfschiff, ab 1882 mit der Bahn, ab 1914 per Flugzeug, später auch mit Bus und Automobil, sie dokumentieren eindrucksvoll, wie bedeutend das Seebad als internationales Ferienziel einmal war. In den 1950er und 1960er Jahren reisten rund 30 bis 40 % der Besucher aus dem Ausland an. Heute sind es noch etwa 5 %.

Faszinierende Facetten

Weitere Exponate und Infotafeln der Schau widmen sich den unterschiedlichsten Themen, zum Beispiel dem Schriftsteller Thomas Mann oder den Flüchtlingen aus den Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg. Infos über die ansässigen Werften, archäologische Artefakte, Sturmfluten und Großbrände gibt es ebenso. Außerdem werden der Lübeck-Travemünder Reitclub von 1883, die Travemünder Liedertafel von 1843 und die Maschinenfabrik und Schiffswerft von Alfred Hagelstein namens Hatra vorgestellt, die 1973 ihre Tore schloss. „Baumaschinen von Hatra waren legendär, sie sind bis heute im Einsatz“, sagt Hartwig und weist auf das ausgestellte Modell eines Radladers hin, mit dem die Maschine bei der Kundschaft vorgestellt wurde.

Ein originaler Roulette-Kessel, zwischen 1800 -1820, Dauerleihgabe des St. Annen-Museums, Lübeck
Foto: Silke Bromm-Krieger

Ein paar Meter weiter wird auf das Casino eingegangen. Ein originaler Roulette-Kessel zeugt von seiner bewegten Vergangenheit. Daneben gibt es Wissenswertes über den früheren innerdeutschen Grenzverlauf auf dem Travemünder Priwall, einer Halbinsel zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg.

Am Ende spricht Hartwig über die Travemünder Woche: „Sie ist nach der Kieler Woche das zweitgrößte Segelsportereignis der Welt und hat sich aus kleinen Anfängen um 1890 zu einem alljährlichen Highlight entwickelt.“ Zum Abschied erwähnt er, dass das Seebadmuseum bei der langen Nacht der Museen am 29. August dabei sein wird. „Im nächsten Jahr feiern wir dann unser 20. Jubiläum“, kündigt er an. Weitere Informationen unter
www.heimatverein-travemuende.de

Eisverkauf am Strand, um 1950
Foto/Repro: Silke Bromm-Krieger
Badegast im Strandkorb, ohne Jahresangabe
Foto/Repro: Silke Bromm-Krieger
Schriftsteller Thomas Mann (1875-1955) verbrachte in Kindheit und Jugend glückliche Sommerferien in Travemünde.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Um 1910 saß der Impressionist Ulrich Hübner (1872-1932) am Ufer der Trave und schuf diese Ansicht von Travemünde.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Die 1919 gegründete Maschinenfabrik und Schiffswerft von Alfred Hagelstein hieß Hatra und wurde 1973 geschlossen.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Am historischen Segelevent nahm damals sogar Kaiser Wilhelm II. aktiv teil. Zur 136. Travemünder Woche 2025 kamen 540.000 Besucher.
Foto: Silke Bromm-Krieger


Der Riese stolpert, aber er fällt nicht

Wer die Zukunftsfähigkeit des deutschen Schweinemarktes verstehen will, darf den Taktgeber für den EU-Schweinemarkt nicht aus dem Blick verlieren: Spanien. Auf der Mitgliederversammlung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) berichtete Dr. Pedro Gonzalez Añover, Berater bei AG Porcine, über Entwicklungen im südlichen EU-Mitgliedstaat.

Der europäische Schweinemarkt wird von zwei Ländern dominiert: Spanien hält einen Marktanteil von 24 %, dicht gefolgt von Deutschland mit 20 %. Damit endeten die Gemeinsamkeiten, berichtet Dr. Pedro Gonzalez im bayerischen Herrieden. Denn die strukturellen Kennzahlen der Länder trieben seit Jahren auseinander. Sei der deutsche Sauenbestand auf 1,4 Millionen Tiere abgeschmolzen, so melde Spanien mit der geografischen Konzentration im Nordosten und im südlichen Murcia einen Sauenbestand von 2,6 Millionen Tieren. Ziehe man davon 300.000 Ibérico-Sauen ab, verblieben immer noch 2,3 Millionen „weiße“ Sauen. Mit einem Gesamtviehbestand von rund 33,6 Millionen Schweinen komme Spanien auf einen Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch von 200 %.

Große Bedeutung

Die Fleischbranche habe eine große Bedeutung für die Volkswirtschaft der Iberischen Halbinsel, berichtete der Berater: Sie erwirtschafte 25 Mrd. € Umsatz und sichere über 415.000 Arbeitsplätze; allein der Exportwert mache 2,7 Mrd. € aus. Interessant: Während in Deutschlands Schlachtbranche die beiden größten Unternehmen auf einen Marktanteil von 50 % kommen, braucht es in Spanien die fünf wichtigsten Betriebe, um 45 % Marktanteil zu erreichen.

Bis 1995 Importeur

Spanien trat 1986 der EU bei und war bis zur Tilgung der Klassischen Schweinepest im Jahr 1995 Nettoimporteur. Der Aufstieg zum europäischen Exportmeister beruhe laut Gonzalez auf der vertikalen Integration. 70 % der Schweinefleischerzeugung seien integriert. Es dominierten große, meist in Familienbesitz befindliche Agrarkonzerne. Diese „Integratoren“ kontrollierten die Wertschöpfungskette von Mischfutterwerken über die Genetik und Ferkelproduktion bis hin zum Schlachthof und teilweise den Lebensmitteleinzelhandel.

Geheimnis der Integration

Das Geheimnis des rasanten Wachstums liege in einer risikominimierenden Aufteilung der Investitionslast zwischen Konzernen und Landwirten. Anhand einer Bespielrechnung von 100.000 voll integrierten Sauen erklärte er das System: Der Integrator investiere 158 Mio. € für die Tiere, die Genetik, die Futtermittelproduktion, Medikamente, die Logistik sowie in das Management und die Fachberatung. 500 kooperierende Landwirte trügen mit 875 Mio. € den größeren Anteil. Sie finanzierten und bauten die Ställe. Durch diese Aufteilung bleibe der Fremdkapitalbedarf für die Integratoren verhältnismäßig schlank. Sie profitierten von Skaleneffekten und könnten ihr Kapital in Schlachthöfe, Markenbildung und den globalen Vertrieb investieren.

Vorteil der Absicherung

Dem Landwirt bietet das Modell eine wirtschaftliche Absicherung. Er trägt kein Marktrisiko, muss sich nicht um schwankende Preise oder den Vertrieb sorgen. Er konzentriert sich auf das Herdenmanagement und die Tierhaltung. Der Landwirt verantwortet die Arbeitskräfte vor Ort, die Energie- und Heizkosten sowie die ordnungsgemäße „Gülleentsorgung“, wie Gonzalez es formulierte.

Aus der Praxis berichtete er von zwei Vertragsarten zwischen Landwirt und Integrator, die in der Regel auf fünf Jahre geschlossen werden und sich danach automatisch jährlich verlängern: Im traditionellen System besitze der Sauenintegrator die Tiere, liefere das Futter, die Medikamente sowie das Sperma und organisiere den Transport. Dem Landwirt würden 16 bis 17 € je abgesetztem Ferkel gezahlt; dieser Wert sei allerdings kürzlich nach oben angepasst worden.

In der Mast belege der Integrator den Stall alle fünf Monate neu, liefere Futter und Medikamente, organisiere die Impfungen und den Transport. Der Landwirt erhalte ein festes Entgelt von rund 16 € pro schlachtreifem Schwein mit 115 kg Lebendgewicht. Im Flatdeck werde mit rund 27 € pro Platz und Jahr kalkuliert.

45 € je Mastplatz

Im neuen System zahlten die Integratoren eine feste Pauschale von 45 € pro Mastplatz und Jahr, unabhängig von der Zahl der Durchgänge. Dieses System habe in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Professionalisierung und zu einer erleichterten Hofnachfolge geführt.

Lange Zeit habe die spanische Exportmaschine funktioniert. Als Russland im Jahr 2014 ein Importverbot für europäisches Schweinefleisch verhängt habe, habe Spanien neue Kanäle in Asien geöffnet. Ab 2018 habe das Land vom Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China profitiert. Inzwischen sei der chinesische Markt übersättigt. Die chinesischen Schlachtschweinepreise bewegten sich auf europäischem Niveau. Wer heute Mengen bewegen wolle, müsse den Blick nach Mexiko, auf den derzeit größten Importeur, richten, der allerdings vor allem aus den USA bedient werde.

2021: PRRS-Katastrophe

Neben der globalen Abkühlung kämpfe Spanien mit zwei Krisen im eigenen Land. Der erste Schlag habe die Erzeugung 2021 mit dem Auftreten des hochpathogenen PRRS-Virusstammes Rosalia getroffen. Die Mortalität sei gestiegen, die Leistung eingebrochen: Im Schnitt seien zwei bis drei Ferkel weniger pro Sau und Jahr abgesetzt worden.

Insgesamt fehlten durch die PRRS-Krise zehn Millionen schlachtreife Schweine, was zu einer Unterauslastung der Schlachthöfe geführt habe. Um die Kapazitäten zu sichern, hätten die Integratoren massiv Ferkel aus den Niederlanden und Mastschweine aus Frankreich importiert. Die Produktionskosten seien durch die Folgen von Rosalia um 11 ct/kg gestiegen.

2025: ASP-Einbruch

Ein weiterer Schlag sei im November 2025 erfolgt: der Ausbruch der ASP im Wildschweinebestand im Herzen der Produktion, der Region Katalonien. Die letzten positiven Befunde stammten laut Gonzalez vom 18. Juni dieses Jahres. Glück im Unglück: Es sei kein Schlachthof betroffen. Zwar habe Spanien Regionalisierungsabkommen mit Drittländern abgeschlossen. Aber Japan, wohin Spanien einst 300.000 t Schweinefleisch exportiert habe, habe seine Importe trotzdem auf ein Fünftel der Menge reduziert. Auch auf den Philippinen seien die Absätze eingebrochen. Zwar versuche die Branche, neue Märkte wie Vietnam zu erschließen, doch das könne die Verluste nicht kompensieren.

Keine Wildschweinbejagung

Hinzu komme ein Politikum bei der Seuchenbekämpfung: Während das konservativ regierte Aragonien rigoros durchgreife, werde im links-grün regierten Katalonien eine Bejagung von Wildschweinen politisch blockiert, weshalb die Lage im Wildbestand nicht unter Kontrolle sei.

Die Folgen träfen dem Spanier zufolge auch deutsche Schweinehalter. Vor dem ASP-Ausbruch habe das spanische Lebendgewicht (LG) bei 1,35 €/kg notiert, Spanien fast durchgehend bessere Erzeugerpreise als Deutschland erlebt. Nach dem ASP-Ausbruch seien die Lebendpreise auf 1 €/kg LG gefallen.

Im ersten Halbjahr seien die Integratoren mit einem Minus von 34 ct/kg tief in die Verlustzone gerutscht. Fleisch, das nicht mehr nach Asien abfließe, verbleibe im europäischen Binnenmarkt. Gonzalez schätzte, dass 25 % mehr spanisches Schweinefleisch in der EU drängten. Spanien habe in den vergangenen Monaten massiv Marktanteile in Osteuropa gewonnen.

Weitere Konzentration

Über die Zukunftsaussichten herrscht laut Gonzalez große Ungewissheit. Während mittelgroße Integratoren in Spanien bei einem Andauern der Krise vor dem Ruin stünden, würden große Konzerne von den beteiligten Banken hindurchgetragen. Spanien stehe vor einer weiteren Marktkonzentration. Hoffnung auf eine Erholung der Preise machte Gonzalez erst für 2027.

Währenddessen stellten sich die spanischen Großkonzerne darauf ein, die deutschen Kriterien für Tierwohl der Haltungsform 2 zu bedienen, um in die deutschen Lieferketten einzudringen. Auch laufen in Spanien Versuche zum freien Abferkeln, orientiert an der deutschen Gesetzgebung. Nach höheren Haltungsstufen sieht Gonzalez dagegen keinerlei Bestrebungen.

Wachstum gedeckelt

Immerhin: Ein weiteres Wachstum sei auch in Spanien durch strenge Umweltauflagen gedeckelt. Ställe, die heute noch gebaut würden, basierten auf Genehmigungsanträgen, die vor sechs Jahren eingereicht worden seien.

Als Schwäche bezeichnete Gonzales die Abhängigkeit vom Finanzsektor. Die Schulden seien höher als in Deutschland, angesichts steigender Zinsen verschlechtere sich damit die Lage. Auch sei die Unternehmensnachfolge bei großen Integratoren schwierig, oft setze man auf einen professionellen Vorstand außerhalb der Familie. sh

Dr Pedro Gonzalez Anover, AGPorcine, Foto: sh

Trumps Frist wird wohl eingehalten

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Das Europaparlament hat dem rechtlichen Rahmen für die künftigen Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA zugestimmt. Mit einer Mehrheit von deutlich über zwei Dritteln votierten die Abgeordneten vergangene Woche für die politische Übereinkunft zwischen den Co-Gesetzgebern und der EU-Kommission. Jetzt muss noch der Rat sein Einverständnis geben.

Die von US-Präsident Donald Trump gesetzte Frist, das auch als Turnberry-Deal bezeichnete Abkommen spätestens bis zum 4. Juli zu ratifizieren, dürfte damit erreichbar sein. Mitte Mai hatte er damit gedroht, den Deal andernfalls platzen zu lassen.

Die Grundlage für Dialog

Das Rahmenabkommen soll als Grundlage für den weiteren Dialog mit den USA dienen. Ein Ziel: Neue Zollspiralen sollen verhindert und bestehende Zölle reduziert werden. Bei gemeinsamen Herausforderungen soll enger zusammengearbeitet werden. Aus verschiedenen Brüsseler Kreisen ist allerdings zu hören, dass auf einem anderen Blatt steht, ob sich US-Präsident Donald Trump an die Absprachen halten wird.

Konkret geht es um zwei Gesetze. Eine Verordnung ist wesentlich umfangreicher. Sie wird daher als Hauptverordnung betitelt. Diese soll die verbleibenden Zölle auf US-Industriegüter beseitigen und den amerikanischen Herstellern und Erzeugern einen bevorzugten Marktzugang gewähren. Profitieren sollen nicht als sensibel bewertete Agrarprodukte sowie bestimmte Meeresfrüchte. Der zweite Gesetzestext konzentriert sich auf die Verlängerung der Zollaussetzung für US-Hummerimporte. Eingeschlossen sind verarbeitete Hummer.

In der Hauptverordnung werden sogenannte Sonnenscheinklauseln eingeführt. Das bedeutet, dass der zentrale Rechtsakt über Einfuhren von Industrie- und Agrarprodukten am 31. Dezember 2029 ausläuft. Vor diesem Datum wird die Europäische Kommission eine umfassende Bewertung der Auswirkungen des Abkommens sowie der Veränderungen der Handelsmuster mit Drittländern vornehmen. Die Geltungsdauer der Verordnung kann auf Vorschlag der Kommission verlängert werden.

Schutzmechanismus

Darüber hinaus verständigten sich die Gesetzgeber auf einen Schutzmechanismus für den Fall, dass die den USA gewährten Zollpräferenzen zu einem Anstieg der Einfuhren führen und der heimischen Wirtschaft, einschließlich des Agrarsektors, ernsthaften Schaden zuzufügen drohen. Die Kommission kann zudem von sich aus oder auf der Grundlage von Informationen eines oder mehrerer Mitgliedstaaten oder des Europäischen Parlaments eine Untersuchung einleiten.

Darüber hinaus wird die Brüsseler Behörde dem Parlament und dem Rat vierteljährlich über Veränderungen des Handelsvolumens und -wertes im Rahmen des Abkommens berichten. age

Nein des Schweizer Nationalrates

EFTA-Mercosur-Abkommen

Mit einem klaren Nein hat der Schweizer Nationalrat gegen das Abkommen der EFTA-Staaten mit den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay gestimmt. Strittig waren bis zuletzt die Themen Umwelt und Menschenrechte. Ein weiterer Grund dürfte sein, dass sich die Mitglieder der großen Parlamentskammer bezüglich ausreichender und verbindlicher Ausgleichsmaßnahmen für die Landwirtschaft nicht einig wurden. Versucht wurde, per Antrag einen auf acht Jahre befristeten Kreditrahmen für die Bauernbetriebe in Höhe von 955 Mio. € für die Jahre 2028 bis 2035 durchzusetzen, allerdings vergeblich.

Der Bauernverband schlug als Alternative vor, die Mittel für die Strukturverbesserungen aufzustocken. Die Kasse des dafür wichtigen „Fond de Roulement“ sei fast leer. Dieser gebe zinslose, aber zurückzuzahlende Darlehen. Dieses Geld sollte vor allem dazu dienen, dass sich die Schweizer Landwirtschaftsbetriebe weiterentwickeln und die künftigen Herausforderungen besser meistern können. Die Ausgleichsmaßnahmen sind schon seit Langem ein wesentlicher Knackpunkt des Abkommens. Laut Bauernverband (SBV) führt das Mercosur-Abkommen zu zusätzlichen Importen aus Ländern mit völlig anderen Produktionsbedingungen. Das erhöhe den Druck auf die entsprechenden heimischen Märkte.

Nach dem Scheitern im Nationalrat liegt es dem SBV zufolge nun bei der kleinen Parlamentskammer, dem Ständerat, eine mehrheitstaugliche Lösung zu finden und verbindliche Abfederungsmaßnahmen zu definieren, damit das Abkommen in Kraft treten kann. Klar sei allerdings: ohne verbindliche Entschädigung werde der landwirtschaftliche Berufsstand das Abkommen wohl nicht unterstützen können.

Die EFTA‑Länder Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein hatten sich am 2. Juli 2025 auf das Vertragswerk geeinigt; es wurde am 16. September 2025 unterzeichnet. Allerdings ist es noch nicht in Kraft, weil nicht nur die Ratifizierung in der Schweiz aussteht, sondern auch in den übrigen EFTA-Ländern. Wie üblich muss jeder beteiligte Staat das Abkommen einzeln annehmen. age

Brücke zwischen Schule und Landwirtschaft

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Der Landjugendverband (LJV) Schleswig-Holstein begleitet die Bildungsoffensive Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (BiLEV) bereits seit ihrer Entstehung. Vertreter des Landesvorstandes und des Agrarausschusses brachten sich gemeinsam mit weiteren Akteuren aus Landwirtschaft, Bildung und Politik in die Entwicklung des Projektes ein. Die Bildungsoffensive verfolgt Ziele, die eng mit den Anliegen des LJV verbunden sind: junge Menschen für Landwirtschaft, Ernährung und den ländlichen Raum zu sensibilisieren und zu begeistern.

Beim BiLEV-Mitmachtag Anfang Juni auf dem Milchviehbetrieb von Annika und Christoph Jacobsen in Osterrönfeld machte sich Bundesjugendreferent Thore Groth erneut ein Bild davon, wie die Bildungsangebote in der Praxis funktionieren. Rund 60 Lehrkräfte aus ganz Schleswig-Holstein waren der Einladung gefolgt.

Nach der Begrüßung durch Ina Abel vom Landwirtschaftsministerium durchliefen die Teilnehmenden sechs Praxisstationen entlang der Wertschöpfungsketten „Vom Korn zum Brot“ und „Von der Milch zum Käse“. Die Angebote wurden von verschiedenen Betrieben und Partnern aus dem BiLEV-Netzwerk gestaltet und zeigten, wie sich Themen aus Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz fächerübergreifend in den Unterricht integrieren lassen.

Für Dr. Vera Plähn von der Europa-Universität Flensburg ist ein solcher Tag weit mehr als ein Hofbesuch. „Das ist kein Ausflug, das ist Unterricht“, machte sie deutlich. Die Angebote seien eng an die Lehrpläne angebunden und würden bewusst vor- und nachbereitet. Gleichzeitig sollen die teilnehmenden Lehrkräfte ihre Erfahrungen in die Schulen tragen und dort als Multiplikatoren wirken.

Gastgeber Christoph Jacobsen stellte für die Veranstaltung seinen Milchviehbetrieb mit rund 180 Kühen zur Verfügung und führte die Teilnehmenden in der Mittagspause über den Hof. Aus seiner Sicht leisten solche Besuche einen wichtigen Beitrag dazu, Landwirtschaft transparent zu machen und das Verständnis für die tägliche Arbeit auf den Betrieben zu stärken. Gerade Kinder und Jugendliche aus städtischen Regionen hätten häufig nur bruchstückhafte Vorstellungen von Landwirtschaft. Umso wichtiger seien direkte Einblicke in die Praxis.

Weitere Betriebe im Land gesucht

Für den LJV Schleswig-Holstein passt die BiLEV hervorragend zu den eigenen Zielen: Landwirtschaft sichtbar machen, Verständnis fördern und junge Menschen für den ländlichen Raum begeistern. Gleichzeitig möchte der Verband insbesondere junge Landwirtinnen und Landwirte für eine Beteiligung an der Bildungsoffensive gewinnen. Als junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter können sie Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe vermitteln, wie moderne Landwirtschaft heute funktioniert und welche Perspektiven der ländliche Raum bietet.

Der BiLEV-Katalog umfasst 204 Bildungsangebote von 133 Betrieben in ganz Schleswig-Holstein. Foto: Thore Groth
Für Landwirt Christoph Jacobsen dienen die Besuche dazu, Landwirtschaft transparent zu machen. Foto: Thore Groth
Ziel der BiLEV ist es unter anderem, das Verständnis für die Landwirtschaft zu fördern. Foto: Thore Groth


Der aktuelle BiLEV-Katalog umfasst inzwischen 204 Bildungsangebote von 133 Betrieben in ganz Schleswig-Holstein. Entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette können sich weitere Höfe und agrarische Unternehmen als außerschulische Lernorte einbringen. Für jede durchgeführte Veranstaltung erhalten die beteiligten Betriebe eine Aufwandsentschädigung von 400 €. Die Angebote werden gemeinsam mit der Europa-Universität Flensburg entwickelt und begleitet. Zudem werden interessierte Betriebe durch Qualifizierungsangebote auf ihre Rolle als außerschulischer Lernort vorbereitet. Niemand muss also als fertige „Lehrkraft“ starten; gefragt sind vor allem die Erfahrungen und Einblicke aus der Praxis.

Realistische Einblickein die Landwirtschaft

Die Angebote sind eng an die Lehrpläne angebunden und zeigen, dass Landwirtschaft weit mehr Anknüpfungspunkte bietet als nur für den Biologieunterricht. Auch Mathematik, Wirtschaft, Politik, Geografie oder Ernährungsbildung lassen sich unmittelbar mit den Themen verbinden. Noch wichtiger als die finanzielle Unterstützung sei jedoch die Möglichkeit, jungen Menschen einen realistischen Einblick in die moderne Landwirtschaft zu geben und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Über den Agrarausschuss und die zahlreichen Kontakte in die landwirtschaftliche Praxis möchte der LJV auch künftig als Multiplikator wirken und interessierte Betriebe mit den Verantwortlichen der BiLEV vernetzen. Denn wer Verständnis für Landwirtschaft schaffen möchte, muss Landwirtschaft erlebbar machen – am besten direkt dort, wo Lebensmittel entstehen.

Land bleibt auf Kurs zum klimaneutralen Industrieland

Die Energiewende legt in Schleswig-Holstein weiter zu: Allein im Jahr 2025 wurden Solar- und Windkraftanlagen mit einer Leistung von 1,5 GW neu in Betrieb genommen. Gleichzeitig sanken die Treibhausgas (THG)-Emissionen Schleswig-Holsteins im Jahr 2025 gegenüber 1990 um rund 38 %, gegenüber dem Vorjahr um rund 1 %. Damit sind die gesetzlich verankerten Klimaschutzziele für 2030 und 2040 weiterhin erreichbar.

Zugleich macht der Bericht deutlich, dass vor allem in den Bereichen Wärme und Verkehr zusätzliche Anstrengungen vom Bund erforderlich sind, um das Minderungsziel von 57 % bis 2030 zu erreichen Dies sind die zentralen Ergebnisse des neuen Energiewende- und Klimaschutzberichts 2026, den die Landesregierung vorgelegt hat.

Klimaschutzminister Tobias Goldschmidt (Grüne) verdeutlicht: „Das Ziel erfordert jetzt eine konsequente Umsetzung unserer Klimaschutzmaßnahmen im Land. Gerade im Bereich Verkehr und Gebäude ist die Politik aus Berlin allerdings ein echtes Risiko. Statt in die fossile Richtung zu blinken, muss die Bundesregierung jetzt alles tun für eine beschleunigte Energiewende.“

Mit dem Energiewende- und Klimaschutzbericht dokumentiert die Landesregierung den aktuellen Stand bei der Erreichung der Energie- und Klimaschutzziele des Landes, stellt aktuelle Daten zur Entwicklung der THG-Emissionen und der Erneuerbaren Energien bereit und schreibt die Maßnahmen des Klimaschutzprogramms 2030 fort.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien bleibt ein zentraler Treiber der Energiewende in Schleswig-Holstein. Allein im Jahr 2025 wurden gemäß Marktstammdatenregister rund 800 MW zusätzliche Windenergieleistung an Land und rund 700 MW Photovoltaik netto zugebaut. Damit verfügt Schleswig-Holstein inzwischen über rund 9,9 GW installierte Windenergieleistung an Land – so viel wie kein anderes Flächenland bezogen auf seine Landesfläche. Mit rund 600 kW installierter Windenergieleistung je Quadratkilometer weist Schleswig-Holstein bundesweit die höchste Windenergiedichte auf. Aktuell sind zudem bereits Anlagen mit einer Leistung von 2,7 GW genehmigt und in der Umsetzung. Im Genehmigungsverfahren befinden sich weitere 2,3 GW Windenergieleistung. Damit ist Schleswig-Holstein auf einem guten Weg, das Ausbauziel von 15 GW Wind an Land bis Anfang der 2030er Jahre zu erreichen.

Auch die Solarenergie wächst weiterhin dynamisch: Im Jahr 2025 wurden rund 700 MW neue PV-Leistung netto zugebaut. Gemeinsam mit dem Ausbau der Windenergie rückt das Land seinem Ziel von mindestens 45 TWh Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien bis 2030 Schritt für Schritt näher.

Beim Ausbau von Speichern wurden ebenfalls deutliche Fortschritte erzielt. Seit Anfang 2022 wurden mehr als 80.839 Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von rund 645 MW in Betrieb genommen. Damit wird die Integration von Erneuerbarer Energie in das Energiesystem weiter verbessert.

Die Entwicklung der Treibhausgasemissionen zeigt ein differenziertes Bild. Besonders die Energiewirtschaft und die Industrie tragen weiterhin maßgeblich zur Emissionsminderung bei, auch die Landwirtschaft ist auf gutem Weg zur Erreichung ihres Minderungsziels. Zugleich bleibt deutlich, dass insbesondere in den Bereichen Gebäude und Verkehr zusätzliche Fortschritte erforderlich sind, um die Klimaschutzziele für 2030 zu erreichen.

Der Bericht ergänzt das schleswig-holsteinische Klimaschutzprogramm 2030 um weitere konkrete Maßnahmen. Im Bereich der Wärmewende wird das Land künftig die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung durch ein Quartierswärmemanagement unterstützen. Zusätzlich soll ein Kommunalfonds Gemeinden bei investiven Wärme- und Effizienzprojekten in der Startphase entlasten.

Im Verkehrssektor wurde die Landestrategie Elektromobilität fortgeschrieben. Darüber hinaus stehen Mittel des Landes für zusätzliche Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität zur Verfügung. Im Jahr 2025 wurden in Schleswig-Holstein mehr als 15.000 batterieelektrische Pkw neu zugelassen. Damit entfiel rund jede fünfte Neuzulassung (22 %) auf ein vollelektrisches Fahrzeug. Im ersten Quartal 2026 sind es bereits über 30 %. Schleswig-Holstein ist damit im Vergleich der Bundesländer Spitzenreiter mit dem höchsten Anteil von batterieelektrischen Fahrzeugen an den Pkw-Neuzulassungen. Für die Transformation der Industrie wird das Maßnahmenpaket zum Wasserstoffhochlauf erweitert. Zudem wurde das Projekt Carbon2Business von Holcim als erstes strategisches Projekt Deutschlands im Rahmen des europäischen Net-Zero Industry Act anerkannt.

Entwicklung der THG-Emissionen nach Sektoren 1990 bis 2024, Vorjahresschätzung für Emissionen 2025 und Minderungsziel 2030 Grafik: MEKUN

Es grünt so grün im Grünland

Für manch einen ist Grünland mit Sicherheit einfach nur grün. Tatsächlich ist die Kenntnis der dort vorkommenden Pflanzenarten aber unabdingbar, um feststellen zu können, ob die Zielsetzung für die Fläche mit dem Bestand zusammenpasst. Soll qualitativ hochwertiges Futter für Milchkühe produziert werden, müssen die vorkommenden Gräser, Kräuter und Leguminosen einen entsprechenden Futterwert aufweisen. Ist ein vielfältiger und resilienter Bestand angestrebt, sollte auch hier überprüft werden können, ob diese Vielfalt überhaupt gegeben ist.

Befinden sich die Gräser im blütenlosen Zustand, muss man teilweise ganz genau hinsehen, um herauszufinden, mit welcher Art man es zu tun hat. Merkmale wie das Blatthäutchen, Blattöhrchen oder die Blattform sind einige der Indizien für die Bestimmung.

Am 16. Juni fand auf der Versuchsstation der Landwirtschaftskammer in Schuby ein Seminar zur Pflanzenbestimmung im Grünland statt. Die Teilnehmenden hörten zunächst zwei Vorträge zu den Grünlandversuchen auf der Station, aktuellen Geschehnissen aus dem Sortenprüfwesen, zu grundlegenden Fakten zur Grünlandwirtschaft und Bestandesansprache und schließlich zu den Grundlagen der Gräser- und Pflanzenbestimmung im Grünland. Bei ersten praktischen Übungen an ausgestochenen Grassoden wurde sich mit verschiedenen Bestimmungsschlüsseln vertraut gemacht. Anschließend ging es in den Gräsergarten der Versuchsstation. Dort sind verschiedene Gräserarten in Reinkultur in Parzellen und auch einige Mischungen angelegt. Durch unterschiedliche Schnittzeitpunkte können die Gräser sowohl im blütenlosen als auch im Blütenstadium bestimmt werden. Darüber hinaus konnten in den angelegten Mischungen auch diverse Kräuter und Leguminosen begutachtet werden.

Das Seminar findet in leicht abgewandelter Form und unter ähnlichen Titeln jedes Jahr statt. Auch nächstes Jahr können Interessierte feststellen, dass Grünland ganz und gar nicht einfach nur grün ist.

Erster Zweisternesieg für Janine Rijkens

Die Breitenburger Reitertage boten zum 74. Mal an drei Turniertagen Springsport auf höchstem Niveau und spannende Entscheidungen. Reiter und Pferde trotzten der großen Hitze.

Sportlicher Höhepunkt des Turnierwochenendes war der mit 5.000 € dotierte Große Preis in Memoriam an Breido Graf zu Rantzau. Insgesamt 30 Paare stellten sich dem Parcours über 1,45 m. Lediglich sieben von ihnen beendeten den ersten Umlauf fehlerfrei und qualifizierten sich für das Stechen.

Zu den Finalisten gehörte auch Hannes Ahlmann aus Reher, Kreis Steinburg, der mit der Cascadello-Tochter Cosima schon die Youngster-Springprüfung der Klasse S gewonnen hatte. Im Stechen des Großen Preises setzte er mit der neunjährigen Kasuarina HHL in 31,89 s eine starke Marke und wurde Zweiter. Auch die Pinnebergerin Janne Friederike Meyer-Zimmermann und E-Maitresse TVH Z flogen förmlich durch den Parcours. Mit einer Zeit von 32,01 s belegten sie am Ende den dritten Platz.

Den Sieg sicherte sich Janine Rijkens mit ihrem KWPN-Wallach Mattie. Das Paar hatte bereits während der gesamten Saison mit hervorragenden Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. „Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel, weil es unser erster Erfolg in einem Zweisternespringen ist“, freute sich die Elmshornerin. „Wir hatten in den vergangenen Stechparcours nicht immer das nötige Glück, aber heute war es auf unserer Seite.“ Auf die Frage, wie sie ihren Erfolgspartner Mattie beschreiben würde, musste Rijkens nicht lange überlegen: „Er ist einfach perfekt.“

Für Janne Friederike Meyer-Zimmermann sind die Breitenburger Reitertage eng mit der Erinnerung an Breido Graf zu Rantzau verbunden. „Breido war ein sehr direkter Mensch. Vielleicht kam nicht jeder mit dieser Art zurecht, aber ich habe sie immer geschätzt“, erklärte sie. Obwohl sie einen erheblichen Teil ihrer Saison auf internationalen Turnieren verbringt, versucht sie, die Veranstaltung fest in ihrem Kalender einzuplanen: „Es ist wichtig, die traditionsreichen Turniere im Land zu unterstützen.“

Ein weiterer Höhepunkt war die Ermittlung der Kreismeister des Reiterbundes Steinburg. In der kleinen Tour starteten die Reiterinnen der Leistungsklassen vier und fünf, während die große Tour für die Leistungsklassen drei und vier ausgeschrieben war. Hanna Kampen sicherte sich mit Karla Kolumna den Kreismeistertitel in der kleinen Tour. Sie verwies Lucy Mohr mit Kayleen und Mia Sophie Biemann mit Cayenne auf die Plätze zwei und drei. In der großen Tour durfte sich Pamina Caroline Bengtsson mit Silent Pepper über die Goldmedaille freuen. Silber ging an Katrin Magens mit Clooney. Katharina Först und Unique komplettierten das Podium.

Im Rahmen der Ehrung richtete die erste Vorsitzende des Reiterbunds Steinburg, Lena Marie Dühring, ihren Dank an die zahlreichen Menschen, die zum Gelingen der Kreismeisterschaften und der gesamten Veranstaltung beigetragen hatten. „Hinter diesen Turniertagen steckt eine enorme Gemeinschaftsleistung. Viele Helfer sind seit Tagen im Einsatz, übernehmen Verantwortung und sorgen dafür, dass trotz Hitze und eines umfangreichen Programms alles funktioniert.“

Sonja Wilke, erste Vorsitzende des Reitvereins Breitenburg, zog am Ende der Veranstaltung ein positives Fazit. Auch sie wusste das Engagement der ehrenamtlichen Helfer zu schätzen. „Trotz der großen Hitze waren sie jeden Tag hier, haben angepackt und uns an allen Stellen unterstützt. Nur durch diesen Einsatz ist es möglich, eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen“, sagte sie. Ebenso unverzichtbar sei die Unterstützung der zahlreichen Sponsoren. Ihr besonderer Dank galt Moritz Graf zu Rantzau, der dem Verein die historische Anlage für die Veranstaltung zur Verfügung stellte: „Es ist keineswegs selbstverständlich, dass wir diesen besonderen Turnierplatz jedes Jahr nutzen dürfen. Dafür sind wir der Familie zu Rantzau sehr dankbar.“ pm

Genügsam und nostalgisch

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Löwenmäulchen wurden wegen ihrer Blühfreudigkeit und ihrer relativ geringen Ansprüche schon früh in Bauerngärten gezogen. Heute gibt es eine große Anzahl an Sorten in vielen Farben. Ein wenig Mühe macht das jährliche Vorziehen. Am richtigen Standort und mit etwas Glück können Löwenmäulchen aber auch überdauern und so über Jahre hinweg Blütenfülle bringen.

Löwenmäulchen gehören zur Familie der Rachenblütler (Scrophulariaceae). Die etwa 35 bis 40 Arten der Gattung Antirrhinum sind teils im Mittelmeerraum, teils in Nordamerika beheimatet. Unser Gartenlöwenmäulchen stammt von Antirrhinum majus, dem Großen Löwenmäulchen, ab. Dessen wilde Verwandte sind im westlichen Mittelmeerraum zu finden, insbesondere auf der Iberischen Halbinsel, in Marokko und Frankreich, wo sie vorzugsweise in Felsspalten und auf trockenen Geröllhalden wachsen.

Sonnenliebendes Paar: Löwenmäulchen mit Oregano
Bei der Selbstaussaat entstehen oft bunte Mischungen.

In mitteleuropäischen Bauerngärten wurden Löwenmäulchen schon früh als ausdauernde Schnittblumen gepflanzt. Seit dem 15. Jahrhundert entstanden durch Züchtung zahlreiche Sorten. Heute sind Löwenmäulchen in vielen Sorten und Schattierungen von Weiß, Gelb, Rosa, Orange und Rot zu haben, sowohl in leuchtenden Farben wie auch in Pastelltönen. Besonders reizvoll sind bunte Mischungen verschiedenfarbiger Löwenmäulchen. Es gibt aber auch etliche zweifarbige und changierende Züchtungen, die auch Pflanzungen aus nur einer Sorte lebhaft erscheinen lassen.

Im Garten lassen sich Löwenmäulchen vielseitig mit anderen sonnenliebenden Sommerblumen und Stauden kombinieren. Je nach Farbe passen sie gut zu Ringelblumen, Tagetes, Kosmeen, Jungfer im Grünen, Zinnien und Rittersporn. An Trockenmauern harmonieren sie mit mediterranen Kräutern wie Lavendel, Helichrysum (Currykraut) und Ysop.

Beliebte Hummelpflanze

Neben „Löwenmaul“ sind „Kalbsmaul“ und „Froschgoscherl“ (Froschmaul) regionale Bezeichnungen, die sich auf die auffällige Blütenform beziehen. Kinder (und auch manche Erwachsene) lieben es, die Blüten seitlich zusammenzudrücken, damit die „Mäuler“ sich öffnen. Beliebt sind Löwenmäulchen aber auch bei Insekten. Vor allem Hummeln haben genügend Kraft, die Blüten aufzudrücken, wozu sie auch ihr Gewicht einsetzen. Aber auch einige Wildbienenarten und manchmal auch Honigbienen zwängen sich in die Blüten, um an den Nektar zu gelangen.

Löwenmäulchen „verstecken“ ihren Nektar im Rachen zwischen unterer und oberer Lippe.
Im Schutz einer Mauer überwintern Löwenmäulchen und blühen dann im Folgejahr besonders früh.

Zumeist werden Löwenmäulchen als einjährige Sommerblumen gezogen, eigentlich sind die meisten Sorten aber mehrjährig. Besonders früh und lange blühen Pflanzen, die ab Februar im Haus vorgezogen werden. Alternativ kann man ab März, April direkt ins Freiland säen, auch eine Aussaat bereits im frühen Herbst ist möglich. Insbesondere bei Direktsaat sollte man darauf achten, die feinen Samen nicht zu dicht zu säen (eventuell das Saatgut mit Sand mischen), um sich viel Arbeit mit mühsamem Vereinzeln zu ersparen.

Als Lichtkeimer werden die Samen nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt. Bis zum Aufgehen muss die Aussaaterde entsprechend feucht (nicht nass!) gehalten werden. Die Sämlinge werden in kleine Töpfe pikiert und können ab Mitte April ins Beet gesetzt werden. Kurzzeitige, leichte Spätfröste können die Blätter verfärben, schaden den jungen Pflanzen in der Regel aber nicht. Gegen stärkeren Frost hilft eine vorübergehende Vliesabdeckung.

Luftiger Standort

Der Pflanzabstand sollte 20 bis 30 cm betragen, bei zu dichtem Stand sind Löwenmäulchen anfällig für Mehltau und Rostpilze. Deshalb sollte der Standort möglichst sonnig und luftig, der Boden durchlässig und nicht zu nährstoffreich sein. Ideal sind humose, eher sandige und leicht saure Böden. Eine gute Gabe reifer Kompost, die vor der Pflanzung in den Boden eingearbeitet wird, reicht in der Regel als Dünger aus. Halbschatten ist möglich; mangelt es an Licht, bleiben die Pflanzen allerdings im Wachstum zurück und blühen spärlicher.

Entsprechend ihrer Herkunft vertragen Löwenmäulchen Trockenheit prinzipiell besser als Nässe und gedeihen auch gut auf steinigen Böden und Trockenmauern. Bei anhaltender Trockenheit werden allerdings weniger Blüten gebildet, und an den Blättern kann Rost auftreten. Deshalb sollte man das Gießen in solchen Phasen nicht vernachlässigen.

Klares, reines Rot: ‚Défiance‘
Bei ‚Black Prince‘ ist auch das Laub dunkel gefärbt.

Je nach Sorte und Standort werden Löwenmäulchen 15 bis 90 cm hoch. Werden sie mit einer Höhe von etwa 10 cm pinziert, wachsen die Pflanzen besonders buschig. Andernfalls müssen hohe Sorten an windigen Standorten eventuell gestützt werden. Bei früher Aussaat wachsen Löwenmäulchen im Lauf des Sommers zu kräftigen Pflanzen heran, die vom Frühsommer bis zum Herbst über viele Wochen hinweg blühen, besonders dann, wenn sie regelmäßig geschnitten werden.

Vor allem die niedrigen Sorten gedeihen auch in sonnig stehenden Kübeln und Balkonkästen, müssen dann aber, wie (fast) alle Topfpflanzen, regelmäßig bewässert werden. Weil Löwenmäulchen auf Kalk empfindlich reagieren, werden sie idealerweise mit Regenwasser, sonst mit abgestandenem Wasser gegossen. Sowohl im Kübel wie auch auf dem Beet sollte man wegen der Pilzgefahr darauf achten, beim Gießen nach Möglichkeit die Blätter nicht zu benetzen.

Traditionelle und neuere Sorten

Entsprechend der beliebten Verwendung als Schnittblume sind unter den traditionellen Sorten vor allem hochwachsende zu finden, so etwa die rubinrot blühende ‚Ruby‘, die bereits im frühen 20. Jahrhundert in Saatgutkatalogen beschrieben wurde und 50 bis 90 cm hoch wird. Auch ‚Snowflake‘ (‚Schneeflocke‘), eine reinweiß blühende Sorte bis 80 cm Höhe, ist mindestens seit den 1920er Jahren im Handel. Aus der gleichen Zeit stammt ‚The Rose‘, eine Sorte mit besonders großen, roséfarbenen Blüten.

In Bauerngärten als hohe Schnittblume gezüchtet: ‚Ruby‘
‚The Rose‘ hat besonders große Einzelblüten.

Die Sorte ‚Altgold‘ von 1946 blüht zweifarbig in Altrosa und warmem Gelb, dazu ist die Sorte besonders resistent gegen Löwenmäulchenrost. Zu den hohen Sorten gehört auch ‚Appleblossom‘, die mit ihren Blüten in Weiß und Blassrosa gut in romantische Gärten passt. Die neuere ‚Orange Wonder‘ blüht in Orange- und Rottönen, dazu passt die hellgelbe ‚Canary Bird‘, die sich durch relativ gute Winterhärte (bis −8 °C) und kräftigen Wuchs auszeichnet. Die Pflanzen werden 60 bis 80 cm hoch.

Zu den mittelhoch wachsenden Sorten gehört mit etwa 50 cm Wuchshöhe die alte Sorte ‚Rembrandt‘, deren zweifarbig rot-gelbe Blüten süß duften. Noch etwas niedriger bleibt mit 40 cm ‚Défiance‘, eine reinrot blühende Sorte aus den 1930er Jahren. ‚Black Prince‘ wurde erstmals 1923 in einem englischen Samenkatalog erwähnt. Nicht nur sind ihre Blüten dunkelsamtrot, auch das Laub ist purpurfarben bis schwärzlich, was einen schönen Kontrast mit helleren Blumenfarben ergibt.

Es gibt auch gefüllte Hybriden wie ‚Madame Butterfly‘, deren Blüten aber nicht mehr die typische Löwenmaulform haben (azaleenblütige Löwenmäulchen). Auch die pfirsichrosafarbene ‚Twinny Peach‘ und die blassrosa ‚Twinny Appleblossom‘ (nicht zu verwechseln mit der hohen, ungefüllten, samenfesten Sorte) blühen gefüllt und bleiben dazu mit 25 cm sehr niedrig. Somit eignen sie sich besonders gut für Topfkultur und Blumenkästen. Die ungefüllte Zwergsorte ‚Scarlet‘ wird sogar nur 15 cm hoch und blüht kräftig hellrot.

Blütezeit verlängern

Löwenmäulchen blühen an den Stängeln von unten nach oben auf, wobei die unteren Blüten nach dem Verblühen rasch Samen bilden. Regelmäßiges Entfernen der abgeblühten Blüten lenkt die Kraft in die Bildung neuer Blüten und verlängert so die Blütezeit. Schneidet man Blütenstiele für die Vase, sollte man die Stängel oberhalb einer Verzweigung schneiden. Aus diesen entwickeln sich dann bald neue Blütentriebe. Löwenmäulchen sind haltbare Schnittblumen. Am längsten halten sie sich in der Vase, wenn sich beim Schnitt erst ein Drittel bis die Hälfte der Knospen am Stiel geöffnet hat.

Zweifarbige Sorten wirken auch als Einzelsorte lebhaft: ‚Eldorado‘.
Die zweifarbige Sorte ‚Altgold‘ ist resistent gegen Rostpilze.

Dass Löwenmäulchen oft nur einjährig gezogen werden, liegt daran, dass sie nur einigermaßen milde Winter überstehen. Schon eine kurze, strenge Frostperiode überleben die ursprünglich mediterranen Stauden meist nicht, allerdings kommen kräftige Pflanzen, die im Herbst schon etwas verholzt sind, besser mit niedrigen Temperaturen zurecht. Auch scheinen die traditionellen, samenfesten Sorten in dieser Hinsicht robuster zu sein als die hochgezüchteten F1-Hybriden.

Eine Reisigabdeckung bei Frostgefahr erhöht die Überlebenschance. Auch magerer, trockener Boden und ein geschützter Standort im Winter, etwa vor einer Mauer, tragen dazu bei, dass Löwenmäulchen mit höherer Wahrscheinlichkeit überdauern. Sie verholzen dann teilweise und werden dadurch im Folgejahr nochmals kälte­unempfindlicher. Zu Beginn des neuen Austriebs im Frühjahr sollten die vorjährigen, eingetrockneten Triebe der Staude dann entfernt werden. Werden Löwenmäulchen zum Ende der Saison nicht mehr geschnitten, vermehren sie sich auch gern durch Selbstaussaat. Die Samen sind winterhärter als die Pflanzen.

Farbe und Licht in freier Natur

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Mit der Sonderausstellung „Rund um den Schwielowsee – Die Havelländische Malerkolonie“, lädt das Künstlermuseum Heikendorf noch bis zum 30. August ein, die Landschaft rund um den Schwielowsee durch die Augen von 25 bildenden Künstlerinnen und Künstlern zu entdecken. Bei einem Rundgang stellt Museumsleiterin Dr. Sabine Behrens einige der knapp 60 Leihgaben aus dem Museum der Havelländischen Malerkolonie in Ferch vor.

Rund 30 km westlich von Berlin, am Ende des Schwielowsees, liegt der kleine Ort Ferch. Am Rande dieses Fischerdorfes erhebt sich eine hügelige, waldreiche Moränenlandschaft Richtung Havelland. „Ende des 19. Jahrhunderts machten sich Künstlerinnen und Künstler auf den Weg, um dort abseits vom Trubel der Zeit in freier Natur zu malen. Fanden sie doch in diesem Dorf viele ursprüngliche und idyllische Landschaftsmotive“, erzählt Sabine Behrens bei einem Ausstellungsrundgang.

Menschen vom Land bei ihrer Arbeit zu malen, wie es Impressionist Carl Kayser-Eichberg tat, war lange Zeit verpönt.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Damals war es keineswegs selbstverständlich, sich ganzjährig bei Wind und Wetter mit Staffelei und Farbpalette in die Natur zu stellen oder zu setzen, um das zu malen, was man sah: Wasserflächen mit Spiegelungen, wogende Schilfhalme, knorrige Kiefernwälder, schiefe Fischerhäuschen oder Dörfler beim Erledigen des Tagwerks. Im akademischen Kunstbetrieb malte man gewöhnlicherweise in Ateliers und widmete sich Historienbildern oder mythologischen und religiösen Motiven nach genauen technischen Vorgaben hinsichtlich Komposition und Stil. Man malte nichts, was mit dem alltäglichen Leben zu tun hatte, denn die Kunst sollte den Bürgern erhabene Ideale vor Augen führen. Dies empfanden jedoch immer mehr Künstler als ein „akademisches Korsett“, das ihnen zu eng erschien. Und so zog es sie jenseits gesetzter Normen hinaus, dorthin, wo sie freier und unabhängiger arbeiten konnten. Auch Frauen, denen das Kunststudium im wilhelminischen Deutschland verweigert wurde, fanden hier eine Möglichkeit, sich zu verwirklichen.

Deutscher Impressionismus

Die Kunstströmung dieser Malerei nannte sich deutscher Impressionismus, in dessen Mittelpunkt die Freilichtmalerei, auch Pleinairmalerei genannt, stand. Die Landschaft war nicht mehr nur Hintergrund, sondern alleiniges Thema. „Die Erschließung des Umlandes von Berlin und Potsdam durch Eisenbahn und Schifffahrt machten die Seen, den Flusslauf der Havel sowie die Wälder und Wiesen der märkischen Landschaft leichter erreichbar und damit zunehmend zu bildwürdigen Themen für Kunstschaffende“, erläutert die Museumsleiterin weiter. Zudem gab die Gründung der Berliner Secession 1898 dem Impressionismus ein Forum, das auf ein wachsendes Interesse des Publikums stieß.

Seine Anerkennung als Künstlerdorf erhielt Ferch durch die Maler Karl Hagemeister (1848-1933), Gründungsmitglied der Berliner Secession, und seinen Freund Carl Schuch (1846-1903). Sie gelten als Begründer der Havelländischen Malerkolonie. Während Carl Schuch während Sommerbesuchen hier malte, lebte Hagemeister von 1877 bis 1892 dauerhaft in Ferch, danach im nahen Geltow. „Auch wenn mit der Zeit viele Künstler nach Ferch und an den Schwielowsee kamen, bildete sich hier kein fester Zusammenschluss von Malern, wie beispielsweise in der Künstlerkolonie Worpswede. Sie kamen allein oder in kleinen, losen Gruppen“, stellt Behrens heraus. Sie bleibt an einem Bild stehen, das schon beim Betreten der weitläufigen Ausstellungsfläche ins Auge fiel. Es ist von Hans von Stegmann und Stein (1858-1925) in Öl auf Leinwand gemalt und zeigt einen Sommertag im Juli 1894.

Ein Sommertag, Juli, 1894, Öl auf Leinwand, Hans von Stegmann und Stein (1858-1925)
Foto: Silke Bromm-Krieger

Eine Frau sitzt am Feldrand, neben ihr blüht leuchtend der Mohn. Der Maler fängt hier einen flüchtigen Augenblick und das hochsommerliche Licht wunderbar ein und transportiert damit beim Betrachter ein Gefühl von Stille und ländlichem Idyll. Hans von Stegmann und Stein, der zur zweiten Generation havelländischer Maler gehörte, studierte an der Berliner Akademie unter Prof. Eugen Bracht (1842-1921), der an der Hochschule für bildende Künste in Berlin von 1882 bis 1901 lehrte. Mit seinen Schülern unternahm der Dozent regelmäßig Ausflüge nach Ferch und Umgebung, damit sie direkt vor der Natur zeichnen und mit lockerem, breit angelegtem Pinselstrich malen konnten.

Von van Gogh inspiriert

Ein paar Schritte weiter macht Behrens auf ein Gemälde von Theo von Brockhusen (1882-1919) aufmerksam. Auch er ließ sich im Havelland zu lichtvollen und farbprächtigen Bildern anregen. „Sein Werk ‚Blick vom Franzensberg Richtung Werder‘, das in Öl auf Leinwand 1914 entstand, offenbart in seinem Stil die Begeisterung für Vincent von Gogh“, bemerkt sie. Obwohl er ihn nie persönlich kennenlernte, van Gogh starb als er acht Jahre alt war, sei er um 1904 erstmals mit seinen Werken in Kontakt gekommen, die ihn fortan inspiriert hätten. Theo von Brockhusen kam von 1906 bis 1918 regelmäßig nach Baumgartenbrück am Nordufer des Schwielowsees. Er quartierte sich im Gasthaus der Familie Herrmann ein, das bis heute existiert. Hier nahm auch der Dichter und Schriftsteller Theodor Fontane (1819-1898) immer wieder Logie. Er setzte dieser Landschaft durch sein mehrbändiges Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, ein literarisches Denkmal. In der Heikendorfer Schau weist eine mit Büchern und Fotos bestückte Vitrine auf ihn hin.

Ein beachtenswertes Bild ist ebenfalls das vom märkischen Landschaftsmaler Carl Kayser-Eichberg (1873-1964). In seinen Motiven findet sich oft das bäuerliche Leben wieder. Er ist mit einem Ölbild auf Leinwand von 1912 vertreten, das mit „Der Landmann“ betitelt ist und einen Bauern zeigt, der mit dem Schärfen seiner Sense beschäftigt ist. Ländliche Arbeiter boten durch ihre sich wiederholenden Bewegungen draußen in der Sonne ein gutes Studienobjekt, um das Zusammenspiel von Natur, Licht und Mensch unmittelbar festzuhalten.

Malerinnen im Fokus

Vom ersten Ausstellungsraum geht es nun in einen zweiten. Hier haben unter anderen die Werke der einzigen drei Künstlerinnen der Präsentation Platz gefunden: Hanna Schreiber de Grahl (1864-1930), Julie Wolfthorn (1864-1944) und Luise Wacker (1896-?). „Die Lage der Malerinnen im wilhelminischen Deutschland war alles andere als leicht. Ihnen wurde das Studium an den Kunstakademien nicht gestattet. Der Beruf einer Malerin, Grafikerin oder Bildhauerin wurde nicht anerkannt. Deshalb wurde ihnen oft Dilettantismus und ‚Hausfrauenkunst‘ vorgeworfen, denn nach der gängigen Vorstellung waren Geist und Genialität allein das Privileg von Männern“, führt Behrens aus.

Baum mit Weg, o.J., Öl auf Hartfaser, von Julie Wolfthorn, die im Alter von 80 Jahren im Konzentrationslager Theresienstadt starb.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Als private Einrichtung des 1867 gegründeten Vereins der Berliner Künstlerinnen sei 1868 eine Zeichen- und Malschule für die professionelle Ausbildung von Frauen eingerichtet worden. Es sollten aber noch über 50 Jahre ins Land gehen, bis Künstlerinnen 1919 während der Weimarer Republik zum offiziellen Studium an der Preußischen Kunstakademie in Berlin zugelassen wurden. Dennoch blieb für die Künstlerinnen ein durchschlagender Erfolg aus. Im NS-Regime geriet die Frauenkunst ins Abseits, auch die, die im Havelland in höchster ästhetischer Qualität entstand. „Erst mit dem Erstarken der feministischen Bewegung in den 1970er Jahren wurde das Interesse erneut geweckt“, weiß die Museumsleiterin. Sie bleibt vor Bildern von Julie Wolfthorn stehen. Diese wurde in eine bürgerliche Familie jüdischen Glaubens hineingeboren. Ab 1890 studierte sie Malerei und Grafik in Berlin und München, danach in Paris. Seit 1895 wohnte sie bis 1942 mit ihrer Schwester Luise in Berlin. Ihre Cousine Olga Hempel hatte in Ferch ein Sommerhaus. Sie verlockte die Malerin zu zahlreichen Besuchen am Schwielowsee, wo ausdrucksstarke Bilder entstanden. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Gründungsmitglied Julie Wolfthorn aus dem Vorstand der Berliner Secession ausgeschlossen. Sie bekam Berufsverbot und starb im Alter von 80 Jahren im Konzentrationslager Theresienstadt. Ein Künstlerinnenschicksal, das nachdenklich macht und berührt.

Zum Abschluss weist Sabine Behrens darauf hin, dass bis heute Kunstschaffende an den Schwielowsee kommen. Ein 2002 gegründeter Förderverein Havelländische Malerkolonie und das 2008 eröffnete Museum der Havelländischen Malerkolonie bewahren das kulturelle Erbe dieser Region.

Info

Das Künstlermuseum Heikendorf ist wie das Museum in Ferch Teil des europäischen Netzwerks euroart, das 46 Künstlerkolonien in zwölf Ländern vereint. Ein Ergebnis dieser Kooperation ist die Sonderausstellung. Mehr Infos und Termine für Führungen unter www.
kuenstlermuseumheikendorf.de

Sabine Behrens freut sich, Werke aus einer privaten Leihgabe der Künstlerin Julie Wolfthorn zeigen zu können.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Bauerngehöft am Kornfeld, 1900, Öl auf Leinwand, von Arthur Borghard (1880-1958)
Foto: Silke Bromm-Krieger
Berlin – Das große Fenster an der Havel VI, o.J., Öl auf Leinwand, von Gerhard Graf (1883-1958)
Foto: Silke Bromm-Krieger
Sommer-Seenlandschaft, 1929, Öl auf Sperrholz von Franz Heckendorf (1888-1962)
Foto: Silke Bromm-Krieger


Im Dialog mit dem Konflikt

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„Wie geht es dir?“ – eine alltägliche Frage, oft beiläufig gestellt, selten ausführlich beantwortet. Im Jüdischen Museum Rendsburg ist diese Frage der Ausgangspunkt einer neuen Ausstellung, bei der mehrere Illustrierende in Gesprächen genau hingehört haben und die Geschichten von im Land lebenden Betroffenen des Nahostkonflikts in Bildern lebendig werden ließen.

Antisemitismus, Hass und Rassismus – seit dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und den darauf folgenden Auseinandersetzungen und Krisen ist der Alltag in Deutschland lebender Juden und Muslime davon geprägt. Ihnen eine Stimme zu geben, war der Anlass für dieses Ausstellungsprojekt, bei dem in eindringlichen Comics und persönlichen Erzählungen Menschen ihre Gefühle, Eindrücke, Erlebnisse und Gedanken schildern. „Wie geht es dir“ ist dabei in jedem der Comics die Ausgangsfrage, die die Beteiligten aufgegriffen und in 60 gezeichnete Reportagen übersetzt haben.

Mirjam Gläser vom Jüdischen Museum, Projektmitinitiator und Illustrator Moritz Stetter und Gharder Al Holu
(v. li.) von der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein präsentieren ihre Favoriten der Ausstellung.
Foto: Patrick Mühling

Entstanden ist ein vielstimmiger Raum, der jüdische Perspektiven ebenso sichtbar macht wie die Erfahrungen mit Muslimfeindlichkeit, Rassismus und einer Gesellschaft, in der das Gespräch oft schwerfällt – und gerade deshalb umso wichtiger wird. Es ist ein Mix aus Sprachlosigkeit und Ohnmacht bei den Betroffenen: Der Terrorangriff der Hamas-Miliz auf Israel wirkt bei vielen immer noch nach. In den Medien wird bis heute über diesen Konflikt berichtet, was nach wie vor die Frage aufwirft, wie darüber in Deutschland gesprochen werden kann, ohne sich der Polarisierung hinzugeben.

Um dieses komplexe Thema verarbeiten und darauf aufmerksam machen zu können, ohne selbst Stellung zu beziehen, entstand die Ausstellung mit dem Namen „Wie geht es dir?“. Die Zeichnerinnen und Zeichner Hannah Brinkmann, Nathalie Frank, Michael Jordan, Moritz Stetter, Birgit Weyhe und Barbara Yelin haben das Projekt initiiert und standen dafür in engem Kontakt mit betroffenen Menschen sowie Personen aus ihrem direkten Umfeld: Renommierte gesellschaftliche Akteurinnen und Akteure wie Jouanna Hassoun, Mirjam Wenzel, Meron Mendel und Burak Yilmaz brachen ihr Schweigen und ließen nach intensiven Gesprächen ihre Erinnerungen Bild für Bild entstehen. „Wo zunächst gezögert wurde, zeigte sich schnell, dass gerade diese Gespräche als eine Entlastung empfunden wurden. Dass überhaupt einmal jemand fragt: ,Wie geht es dir‘, sei für viele zentral und erleichternd gewesen“, berichtete Moritz Stetter von seinen Erfahrungen bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung.

Birgit Weyhe thematisiert die Parallelen, die sich zwischen der Judenverfolgung in Nazi-Deutschland und dem Gaza-Konflikt zeigen.
Foto: Patrick Mühling

Die Kunstform Comic, die gesellschaftlich noch immer hauptsächlich mit lustigen Inhalten verbunden wird, hätten die Kunstschaffenden bewusst als Medium gewählt: „Wenn man Text und Bild zusammenfügt, lassen sich komplexe, emotionale Zustände besonders gut abbilden“, so Stetter. Innere Konflikte, Unsicherheit und Zerissenheit ließen sich so für den Betrachter sichtbar machen. Dabei spiele auch der Abstraktionsgrad eine große Rolle. Entscheidend sei gewesen, einen Dialog zwischen den Beteiligten, aber auch mit dem Publikum zu ermöglichen. „Statt weitere Polarisierung zu erschaffen, war es unser Ziel, Empathie zu ermöglichen“, betonte Ghader Al Holu von der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein, die das Projekt mitbetreut hat.

Etwas, das in Anbetracht aktueller Zahlen des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) dringend nötig erscheint. Denn, wie Mirjam Gläser vom Jüdischen Museum erklärte, zeige sich seit der Verschärfung des Nahost-Konflikts ein Anstieg antisemitischer Vorfälle sowie steigende Fälle von antimuslimischem Rassismus. Rassismus, den betroffene Personen aus dem arabischen Sprachraum täglich am eigenen Leib zu spüren bekämen. Al Holu machte während der Führung deutlich, dass sie sich in vielen der Werke wiedererkannt habe. Es gehe um die eigene Identität und den wiederkehrenden Wunsch, nicht als Projektionsfläche für gesellschaftliche Debatten zu dienen. Auch die Erfahrung, die eigene religiöse Zugehörigkeit lange verborgen zu halten, um nicht verurteilt oder angegriffen zu werden, zieht sich durch die Erzählungen vieler der ausgestellten Comics.

Ich schaffe das. Wie schaffe ich das? Wie schaffe ich noch weitere Jahre Deutschland?“ Der Comic zeigt die Zerrissenheit von Betroffenen im Land.
Foto: Patrick Mühling

So beschreibt beispielsweise Amal, eine Deutsch-Palästinenserin, wie sie sich nicht mehr von ihrem Handy losreißen kann. Grund dafür sei die ständige Berichterstattung über Ereignisse aus dem Gaza-Streifen, wo ihre Familie lebte und im Krieg ums Leben kam. Sie lernt die Jüdin Ruth kennen, der sie sich anvertraut und die Amals Erfahrungen verstehen und einordnen kann.

Benji, der sich selbst als jüdischer Berliner betrachtet, kam als Kontingentgeflüchteter nach Deutschland, wo seine Familie ihm beibrachte, seine religiöse Zugehörigkeit zu verbergen. Erst nach der Verschärfung des Gaza-Konflikts outete sich Benji bei seinen Freunden als Jude und erfuhr Verständnis von einem muslimischen Freund, der Rassmismus erlebt hatte. „Diese Ausstellung ist deshalb so wichtig, weil sie die sogenannte Mehrheitsgesellschaft im Land dafür sensibilisiert, wie groß die Bedeutung des Nahostkonflikts für betroffene Personen in Deutschland ist“, betonte Gläser. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Juli zu sehen. Weitere Informationen unter www.jmrd.de