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Teurer Dieselkraftstoff bekommt Konkurrenz

Beim Kauf eines neuen Traktors sollten sich Landwirte mittlerweile gut überlegen, ob sie beim Motor noch auf einen Selbstzünder rein für fossilen Diesel setzen. Dies rät Dr. Edgar Remmele vom Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ).

Angesichts der teils jahrzehntelangen Verweilzeiten von Traktoren auf dem Hof stelle sich die Frage, ob mineralischer Dieselkraftstoff in zehn oder 15 Jahren noch zu bezahlbaren Preisen verfügbar sei, erklärte Remmele bei einem Webinar des Beratungsnetzwerks Land Schafft Energie, bei dem die Frage diskutiert wurde, was „Traktoren morgen tanken“.

Remmele verwies auf die schon jetzt hohen Energiepreise. Aktuell koste Rohöl fast 100 US-$ (88 €) pro 159-l-Fass, und die Tendenz sei aufgrund der geopolitischen Spannungen weiter steigend. Dazu komme die schrittweise Anhebung der CO2-Bepreisung auf etwa 17 ct/l Dieselkraftstoff bis zum Jahr 2026. Daneben könnten Betreiber dezentraler Ölmühlen oder von Biodieselanlagen in Zukunft mit Biokraftstoffen Einnahmen aus dem Verkauf von Treibhausgas-Minderungsquoten erzielen, was einen zusätzlichen Preisvorteil für den Bio­sprit bringe. In der Summe mache dies die biogenen Alternativen immer attraktiver.

Den einen Kraftstoff der Zukunft gibt es Remmele zufolge nicht: „Keine der Dieselalternativen sticht besonders heraus.“ Eine hohe Flexibilität erlaubten die von John Deere gemeinsam mit dem TFZ entwickelten MultiFuel-Motoren, die mit Pflanzenöl, Biodiesel oder fossilem Diesel in Reinform oder in beliebiger Mischung betankt werden könnten. So könne der Landwirt grundsätzlich auf dezentral erzeugte Biokraftstoffe setzen, ohne während vorübergehender Knappheiten bei einem Kraftstoff den Schlepper stehen lassen zu müssen.

Eine andere vielversprechende Neuentwicklung ist aus Sicht von Remmele der Biomethantraktor von New Holland, den es anders als die MultiFuel-Technik bereits zu kaufen gebe. Alternativ könnten Neufahrzeuge mit Selbstzünder von spezialisierten Werkstätten auch auf den Betrieb mit Pflanzenöl umgestellt werden, ohne dass damit Garantieansprüche für den Motor verloren gingen.

Zimmerpflanzen begutachten

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Zimmerpflanzen sollten von Zeit zu Zeit umgetopft werden, um stockendes Wachstum durch verbrauchte Erde und beengten Wurzelraum zu vermeiden. Doch wann genau ist ein Umtopfen fällig? Pauschal lässt sich das nicht beantworten, jede Pflanze muss einzeln betrachtet werden. Junge Pflanzen wachsen meist sehr schnell und durchwurzeln ihren Topf vollständig, sodass teils jedes Jahr ein größerer Topf benötigt wird. Ältere Exemplare hingegen legen oft weniger zu und kommen mit weiteren Abständen beim Umtopfen aus.

Ein deutliches Signal für das Umtopfen ist es, wenn sich die Wurzeln bereits aus dem Abzugsloch herausschieben. Da jedoch nicht alle Zimmerpflanzen so eindeutige Anzeichen aufweisen, bringt oft ein Blick auf den herausgezogenen Wurzelballen die Wahrheit ans Licht. Bei Plastiktöpfen geht das Herausziehen recht einfach. Sitzen die Pflanzen dagegen in Tontöpfen, gießt man besser einen Tag vorher durchdringend. So löst sich der Ballen leichter. Zeigen sich bei der Begutachtung mehr Wurzeln als Erde oder winden sich Wurzeln bereits ringförmig um den Erdballen, ist das Umtopfen dringend erforderlich. Der neue Topf hat einen größeren Durchmesser als der alte Topf. Als Faustregel sollten zwischen Wurzelballen und Topfrand 2 bis 3 cm liegen. Es spricht nichts gegen die Verwendung gebrauchter Töpfe, wenn sie vorher gründlich mit Wasser und Bürste von anhaftenden Erdresten und damit auch den darin lauernden Krankheitserregern und Schädlingen gereinigt wurden. Vor dem Einpflanzen in frische Blumenerde empfiehlt es sich, mit den Händen vorsichtig alte Erde rund um den Wurzelballen abzubröckeln, ohne ihn dabei zu verletzen. Gesunde Wurzeln sehen hell aus, kranke dunkelbraun bis schwarz. Häufig ist in solchen Fällen ein fauliger Geruch wahrzunehmen. Ob sich ein Rettungsversuch noch lohnt, muss im Einzelfall entschieden werden. Ist es einen Versuch wert, spült man den Ballen komplett von Erde frei, schneidet alles Kranke und Faule ab und pflanzt neu ein.

Wurzelfilz am Topfboden schneidet man mit einem scharfen Messer ab.  Foto: Karin Stern
Beim Umtopfen bröckelt man die alte Erde im oberen Ballenbereich ab.  Foto: Karin Stern
Beim Umtopfen sollten die Pflanzen auf den Blattunterseiten auf Schädlinge hin untersucht werden. Foto: Karin Stern


Alle frisch getopften Pflanzen sind in den ersten Tagen vor allzu starker Sonne zu schützen. Die erste Düngergabe erfolgt nach etwa vier bis sechs Wochen. Bis dahin genügen die Nährstoffe in der vorgedüngten Blumenerde. Von Februar bis April ist die beste Zeit zum Umtopfen. Bei älteren Zimmerpflanzen genügt alle zwei bis drei Jahre eine „Umtopfkontrolle“. Dennoch ist es vorteilhaft, alljährlich die oberste Erdschicht mit einer Gabel leicht zu lockern, abzukratzen und gegen frische Blumenerde auszutauschen.

Alte, verbrauchte Erde lässt sich im oberen Topfbereich gut mit einer Gabel lockern und entfernen.  Foto: Karin Stern
Ältere Pflanzen müssen nicht jährlich umgetopft werden. Sie freuen sich jedoch über etwas frische Erde im oberen Topfbereich. Foto: Karin Stern


Bei der Wahl des Topfmaterials gilt es die jeweiligen Unterschiede zu bedenken. Kunststofftöpfe lassen sich leicht sauber halten, zerbrechen nicht und verdunsten durch ihre Wände kein Wasser. Daher müssen die Pflanzen weniger gegossen werden. Durch das geringere Eigengewicht sind die Töpfe jedoch weniger standfest als Tontöpfe. Deren besonderer Vorteil liegt in der Luft- und Wasserdurchlässigkeit, vorausgesetzt, es handelt sich um unglasierten Ton. Das Material saugt allerdings auch Feuchtigkeit aus der Blumenerde, daher sind häufigere Wassergaben notwendig. Bevor die Pflanze in einen Tontopf gesetzt wird, sollte sich dieser für einige Stunden in einem Wassereimer vollsaugen. So zieht der Tontopf nicht sofort die Feuchtigkeit aus der frischen Blumenerde. Für die meisten Pflanzen ist eine konische Topfform angebracht. Das erleichtert das Herausziehen des Wurzelballens. Lediglich Kakteen und andere Sukkulenten fühlen sich vor allem in ihrer Jugend in flachen Schalen wohler als im Topf.
Die Qualität der gekauften Blumenerde spielt eine wichtige Rolle für Entwicklung und Gesundheit der Zimmerpflanzen. Es lohnt sich nicht, hier am falschen Ende zu sparen. Gute Erde hat ihren Preis, dafür stimmen aber auch Strukturstabilität und Nährstoffgehalt. Hochwertige Blumenerde speichert Wasser sowie Nährstoffe und gibt beides nach und nach an die Pflanzen ab. Die im Handel angebotenen Spezialerden für Kakteen, Palmen, Orchideen, Grünpflanzen oder Zitruspflanzen sind auf die speziellen Bedürfnisse der jeweiligen Pflanzengruppe abgestimmt. Für alle anderen Pflanzen wählt man eine hochwertige Zimmerpflanzenerde. In den angebotenen torffreien Substraten werden als Torfersatz Rindenhumus, Holzfaser oder andere Stoffe aus Nachwachsender Produktion eingesetzt. Tipp: Winterblühende Zimmerpflanzen wie Alpenveilchen oder Kamelien werden erst nach dem Ende der Blüte umgepflanzt. Mit dem Umtopfen von Orchideen darf man sich Zeit lassen, bis die Wurzeln oben aus dem Topf herauswachsen.

Investitionsförderung für Wirtschaftsdünger

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat eine Richtlinie zur Förderung von Investitionen in emissionsmindernde Maßnahmen bei der Vergärung von Wirtschaftsdüngern veröffentlicht. Ziel ist die Unterstützung von Biogasanlagenbetreibern bei Investitionen im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes, insbesondere von emissionsmindernden Biogastechnologien.

Mit der Förderung will die Bundesregierung den Anteil an Wirtschaftsdüngern in Biogasanlagen deutlich erhöhen, um klimarelevante Emissionen aus der Tierhaltung zu reduzieren. Die Mittel werden aus dem Sondervermögen Energie- und Klimafonds bereitgestellt. Anträge können ab sofort gestellt werden. Die Förderung richtet sich an landwirtschaftliche, gewerbliche oder kommunale Unternehmen und sieht Investitionen in langlebige Wirtschaftsgüter vor. Dazu gehören Maschinen, Geräte, Anlagen und bauliche Einrichtungen, die der verstärkten Nutzung von Wirtschaftsdüngern in Biogasanlagen dienen und so zur Reduzierung von umwelt- und klimaschädlichen Emissionen beitragen.

Die energetische Nutzung dieser Substrate soll gleichzeitig einen Beitrag zur Erhöhung der Produktion Erneuerbarer Energien leisten. Gefördert werden zum Beispiel die Abdeckungen von Gärrestlagern, die Umrüstung von Bestandsanlagen, spezifische Anlagenteile für Biogas-Neuanlagen oder investitionsbegleitende Maßnahmen. Die nicht rückzahlbare Zuwendung bedingt eine (ebenfalls förderfähige) unabhängige sachkundige Begleitung. Die Förderung ist auf 200.000 € pro Unternehmen und Investitionsvorhaben begrenzt. Dabei ist die Förderhöhe abhängig von der Unternehmensgröße: Klein- und Kleinstunternehmen können bis zu 40 %, mittlere Unternehmen bis zu 25 % und Großunternehmen bis zu 10 % der förderfähigen Investitionssumme erhalten. Bei erheblicher Steigerung des Wirtschaftsdüngeranteils nach den Vorgaben der Richtlinie kann die Förderung um weitere 10 % erhöht werden. Für die gasdichte Abdeckung von Gärrestlagern beträgt die Förderhöhe unabhängig von der Unternehmensgröße 40 % der Investitionssumme. Die Antragstellung erfolgt ausschließlich elektronisch über das Antragssystem easy-Online. Investitionen für bauliche Maßnahmen können bis zum 31. Dezember 2023 und für alle anderen Maßnahmen bis zum 30. Juni 2024 bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) beantragt werden.
Informationen und Zugang zum Antragsportal unter wirtschaftsduenger.fnr.de

Einfluss der Mastdauer und -endmasse

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Die Rindfleischerzeugung mit Mutterkühen steht häufig in der Kritik, einen im Vergleich zur Schweinefleisch- oder Geflügelfleischproduktion hohen Output an Treibhausgasen (THG) je Produkteinheit zu haben. Gegenwärtig werden deutschlandweit zirka 640.000 Mutterkühe gehalten (Statistisches Bundesamt, 2020). Es gibt jedoch keine exakten Informationen zur zugehörigen Rassenstruktur der Mutterkühe. Es darf davon ausgegangen werden, dass die meisten Muttertiere im Fleckviehtyp stehen. Mit der vorliegenden Modellstudie sollen die Einflüsse einer unterschiedlichen Mastdauer und damit verschiedener Schlachtkörpermassen auf die emissionsrelevanten Ausscheidungen in der Fleischerzeugung mit Mastbullen und -färsen am Beispiel der Mutterkuhhaltung von Fleisch-Fleckviehkühen mittels einer Computersimulation untersucht werden.

Vorausgesetzt wird eine mittlere Nutzungsdauer der Mutterkühe von vier Jahren. In dieser Zeit werden ein weibliches Kalb zur Remontierung sowie drei Kälber, davon zwei männliche Kälber, zur Mast geboren. Berücksichtigt wird für männliche Nachkommen ein typisches Mastverfahren (nach Absetzen): die intensive Bullenmast (mittlere Zunahme zirka 1.350 g je Tier und Tag) mit Maissilage und Rapsextraktionsschrot.

Für die Färsenmast wurde ein Verfahren gewählt, in dem nur Grassilage und Kraftfutter eingesetzt werden. Für Mutterkühe und Färsen zur Remontierung wird im Sommer ganztägiger Weidegang angenommen (Weidedauer: 210 Tage pro Jahr). In der übrigen Zeit halten sie sich im Laufstall mit Einstreu auf. Ziel ist die Berechnung und Bewertung der auf die Produkt­einheit „kg Schlachtmasse“ bezogenen Emissionen unter Berücksichtigung des gesamten Produktionsablaufs. Da bei der Rindfleischproduktion mit Mutterkuhherden die Schlachtkörper von Altkühen, Mastbullen und Mastfärsen mit unterschiedlicher Schlachtausbeute anfallen, ist es sinnvoll, die Emissionen auf die Summe der Schlachtkörpermassen zu beziehen.

Bewertung einer Mutterkuh mit Nachzucht

Bei der Fleischerzeugung mit Mutterkühen dürfen nicht nur die zur Schlachtung vorgesehenen Tiere selbst betrachtet werden; vielmehr müssen alle im Produktionsprozess anfallenden Emissionen (einschließlich Futtererzeugung und Exkrementenbehandlung) betrachtet werden. Bei der Betrachtung einer „Familie“ aus Mutter­kuh und gemästeten Nachkommen wird die Summe aller Emissionen aus den verschiedenen Tierkategorien in Beziehung zur Summe der Schlachtkörpermasse (resultierend aus der Mutterkuh, den beiden Mastbullen und der Mastfärse) gesetzt. Die Beiträge des Muttertieres zur Gesamtsumme der entstehenden THG-Emissionen je Produkt­einheit in der Fleisch­erzeugung mit Mutterkühen (einschließlich der Nachkommen) sind von überragender Bedeutung.

Eine Mutterkuh erzeugt im Gesamtlebenszeitraum, bei vierjähriger Nutzung einschließlich zugehöriger Aufzuchtperiode, täglich etwa 390 l CH4 (Abbildung 1).

Eine unterschiedlich lange Mastdauer der Nachkommen und damit verschiedene zugehörige Mast­endmassen führen zu unterschiedlichen Schlachtkörpermassen.

In Abbildung 2 sind die Schlachtkörpersummen als Funktionen der Mastendmassen der Bullen und der Färsen zusammengestellt.

Eine längere Mastdauer der Nachkommen einer Mutterkuh erhöht die Schlachtkörpermasse (Abbildung 2). Damit verteilen sich die THG-Emissionen des Muttertieres auch regelmäßig auf eine größere Fleischmenge. Die Abbildung 3 lässt erkennen, dass die THG-Emissionen einer „Kuhfamilie“ deutlich von der Schlachtkörpermasse der gemästeten Tiere abhängen.

Unter Berücksichtigung der hohen THG-Emissionen des zugehörigen Muttertieres selbst (Abbildung 1) zeigt sich, dass ihr zugehöriger Anteil – auch bei höheren Mastendmassen – noch mehr als die Hälfte der entstehenden Treibhausgasemissionen ausmacht. Für die Praxis bleibt anzumerken: Es ist vorteilhaft, die Mastbullen und -färsen aus der Mutterkuhhaltung auf mindestens 550 kg (männliche Nachkommen) beziehungsweise 400 kg (weibliche Nachkommen) auszumästen. Noch höhere Mast­endmassen (zum Beispiel Bullen: mindestens 700 kg je Tier, Färsen: mindestens 500 kg je Tier) lassen jedoch nur noch in geringem Maß eine weitere Minderung entstehender THG je Produkteinheit erwarten (Abbildung 3).

Grünland in Diskussion einbeziehen

In der Diskussion um Emissionen aus der Rindfleischproduktion mit Mutterkuhherden wird häufig übersehen, dass der Erhalt beziehungsweise die weitere Nutzung von Dauergrünland, bei einem vergleichsweise geringen Getreideeinsatz, zur Erzeugung menschlicher Nahrung oft nur noch mit Mutterkühen dauerhaft gewährleistet werden kann. Neben der nicht möglichen ackerbaulichen Nutzung dieser vielgestaltigen Standorte sprechen zudem arbeitswirtschaftliche Gründe für die Fleischerzeugung mit Mutterkühen; üblicherweise im Fleckviehcharakter.

Hinsichtlich der anzustrebenden Mastendmasse liegen die Interessen der Mäster und der Vermarkter oft sehr weit auseinander. Folglich findet man eine erhebliche Variation der realisierten Mastendmasse in der Praxis. Mit steigenden Mast­endmassen der erzeugten Nachkommen verringert sich generell der Anteil der Kosten für die Bestandsergänzung, für die Aufzucht, aber auch sonstiger an das Tier gebundener Aufwendungen, wie zum Beispiel der Vermarktungskosten. Und auch die THG-Emissionen weisen in die gleiche Richtung (Abbildung 3).

Fazit

Es zeigt sich, dass es unter den hier widergespiegelten Bedingungen vorteilhaft ist, Mastbullen und -färsen aus der Mutterkuhhaltung mit Fleckviehtieren auf mindestens 550 kg beziehungsweise 400 kg je Tier auszumästen. Der zugehörige Beitrag des Muttertieres zur Gesamtsumme der entstehenden gasförmigen Emissionen je Produkteinheit ist so erheblich, dass in der Gesamtbetrachtung eine möglichst hohe Fleischerzeugung mit den (vergleichsweise wenigen) anfallenden Nachkommen je Mutterkuh notwendigerweise sicherzustellen ist.

Gewichtsentwicklung von Tränkekälbern

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Die Haltungs- und Fütterungsmaßnahmen während der Tränkephase von Kälbern bilden einen wesentlichen Grundstein für eine wirtschaftliche Milch­erzeugung. Daher widmete sich eine von Mai bis Juli 2020 durchgeführte Praxisstudie in 39 Betrieben Schleswig-Holsteins der Fragestellung, inwiefern sich zum einen die aktuellen Empfehlungen hinsichtlich Fütterung und Haltung von Tränkekälbern in den Betrieben etabliert haben, und zum anderen, ob es bestimmte Beziehungen zwischen einzelnen Verfahren und der Gewichtsentwicklung der Holsteinkälber gibt.

Eine gezielte Vorauswahl der Betriebe, zum Beispiel entsprechend ihrem Leistungsniveau oder bestimmten Besonderheiten bei der Kälberaufzucht, erfolgte dabei nicht. Vielmehr war die Aufgeschlossenheit des Betriebsleiters für die Mitwirkung an einer derartigen Studie bedeutsam.

Gewichtsentwicklung während der Tränkephase

In die Auswertung gingen 1.340 mittels Einzeltierwaage erfasste Gewichte von weiblichen schwarzbunten Deutsch-Holstein-Kälbern (ab dem 14. Lebenstag) ein. Im Durchschnitt aller Kälber ergab sich eine Lebendmassezunahme (LMZ) ab der Geburt bis zum Wiegedatum mit durchschnittlich 52 Tagen von 676 g pro Tag. Dabei wurde ein Geburtsgewicht von 42 kg unterstellt. Die betrieblichen Schwankungen lagen zwischen 438 und 1.002 g Tageszunahme. Bei einer Klassifizierung der Betriebe entsprechend ihrer Herdendurchschnittsleistung zeigten sich bei denjenigen mit einer Milchleistung über 10.000 kg neben einem signifikant geringeren Erstkalbealter tendenziell höhere Gewichtszunahmen der Kälber im Vergleich zu den Betrieben mit einer Herdenmilchleistung von weniger als 10.000 kg.

Selbsteinschätzung der Betriebsleiter

Die Betriebsleiter wurden zum Beginn der Studie gebeten, ihre innerbetriebliche Kälberaufzucht entsprechend einem Schulnotensystem zu bewerten. Der Übersicht 3 ist zu entnehmen, dass die ermittelten LMZ dieser Selbsteinschätzung folgten. Die Differenzen hierbei waren zwischen den drei Gruppen „gut“, „befriedigend“ und „ausreichend“ hochsignifikant.

Die teilnehmenden Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter beurteilten die Qualität ihrer Kälberaufzucht sehr realistisch. Foto: Prof. Katrin Mahlkow-Nerge

Angaben zu Milchtränke

Bei der Befragung zur Versorgung neugeborener Kälber gaben sechs der 39 Betriebsleiter an, mehr als 4 l Kolostralmilch an ihre Kälber zu tränken, 20 Betriebsleiter nannten 3 bis 4 l, neun Betriebsleiter nannten weniger als 3 l und in drei Betrieben übernehmen die Muttertiere die Versorgung der Neugeborenen. Auch wenn diese Angaben, wie bei einer Umfrage üblich, nicht konkret überprüft werden konnten, wurden in denjenigen Betrieben mit der größeren verabreichten Kolostrummenge die höheren LMZ bei den Kälbern erreicht.

14 Betriebsleiter beziehungsweise Betriebsleiterinnen gaben an, im Anschluss an die Kolostrumgabe ihren Kälbern die Milchtränke ad libitum zur Verfügung zu stellen. In 25 Betrieben erfolgt eine restriktive Tränke, meistens mit 6 bis 8 l je Kalb und Tag. Wird auch hier eine gezielte Auswertung der täglichen Gewichtszunahme der Kälber entsprechend dem Tränkeregime – ad libitum beziehungsweise restriktiv – vorgenommen, so zeigt sich eine hochsignifikante Differenz von 94 g je Kalb und Tag. Die insgesamt 374 ad libitum getränkten Kälber wiesen eine LMZ von 744 g auf, die 966 restriktiv getränkten Kälber von 650 g.

Unter Annahme einer thermoneutralen Umgebung und Berücksichtigung dieser Tageszunahme von 650 g wäre hierfür eine Energiemenge von mindestens 20 bis 21 MJ ME (Proc. Soc. Nutr. Physiol. 1997; GfE 1995: 18,8 MJ ME für 600 g LMZ) notwendig. Das entspricht, je nach Fett- und Eiweißgehalt der Vollmilch, einer Menge von etwa 8 bis 8,6 l Vollmilch (Vollmilch mit 12,7 % TM und 19,2 MJ ME/ kg TM, 2,44 ME/l) oder aber zirka 1.350 bis 1.500 g Milchaustauscherpulver je Tag. Letzteres wären bei einer Milchaustauscherkonzentration von 160 g/l etwa 8,5 bis 9,4 l Milch­austauschertränke.

Allerdings gaben nur 8 % der restriktiv fütternden Betriebsleiter an, eine Milchmenge von über 8 l je Kalb und Tag zu vertränken. Hingegen wurde bei 12 % der Betriebe angegeben, den Tieren nur täglich 4 l Milchtränke zur Verfügung zu stellen. Eine derartige Tränkemenge deckt lediglich den Erhaltungsbedarf der Kälber ab.

Die gesamte Haltung der Tränkekälber unter Außenklimabedingungen erwies sich als vorteilhaft für die Gewichtsentwicklung dieser Tiere. Foto: Prof. Katrin Mahlkow-Nerge

Betreuung der Kälber

Von den in dieser Studie erfassten Kälbern wurden insgesamt 1.006 von einer festen Person betreut. Diese Kälber erreichten im Durchschnitt eine LMZ von 688 g pro Tag. Hingegen stammten 312 Tiere aus Betrieben, in denen die Kälberaufzucht einer wechselnden Betreuung unterliegt. Für diese Kälber ergab sich mit 638 g pro Tag eine hochsignifikant geringere LMZ.

Dieses Ergebnis untermauert den großen Einfluss des Menschen auf die Leistungen der Tiere. Erklären lässt sich die höhere Tageszunahme der von festen Betreuungspersonen versorgten Kälber durch ein stringenteres Fütterungsmanagement, eine wahrscheinlich genauere Beobachtung und ein höheres Spezialisierungsmaß der jeweiligen Fachkraft.

Gerade im Kälberbereich ist darüber hinaus die soziale Komponente, insbesondere die Beziehung, welche die Menschen zum Tier und daher dann auch umgekehrt die Kälber zum Menschen aufbauen, nicht zu unterschätzen. Dieser Zusammenhang wurde unter anderem von Wissenschaftlern des Institutes für Tierhaltung und Tierschutz der Vetmeduni Wien im Journal „Applied Animal Behaviour Science“ publiziert. In dieser Studie von Lürzel (2015) ergab sich ein direkter Zusammenhang zwischen menschlicher Zuwendung und mehr Vertrauen der Kälber zum Menschen, welches sich anhand geringerer Ausweichdistanz der Tiere zum Menschen zeigte. Darüber hinaus stellten die Autoren eine größere Gewichtszunahme von Tränkekälbern fest, mit denen freundlich umgegangen wurde. „Nutztiere, die immer wieder Kontakt mit dem Menschen haben, sei es, weil sie vom Tierarzt untersucht werden oder vom Bauern oder der Bäuerin gemolken werden, profitieren von einer guten Beziehung zum Menschen“, so Lürzel.

Gerade auch diesen Aspekt gilt es in Betrieben mit mehreren und eventuell auch wechselnden Personen womöglich stärker als bisher zu beachten.

Die gesamte Haltung der Tränkekälber unter Außenklimabedingungen erwies sich als vorteilhaft für die Gewichtsentwicklung dieser Tiere. Foto: Prof. Katrin Mahlkow-Nerge

Haltung der Kälber

Werden alle Kälber, die nach den ersten 14 Lebenstagen beziehungsweise nach der Umstellung aus der Einzelhaltung unter Outdoor-Haltungsbedingungen aufgestallt waren, zusammengefasst, so ergibt sich für diese Kälber (mit durchschnittlich 50 Lebenstagen am Tag der Wiegung) eine Lebendmassezunahme von 704 g. Diese unterscheidet sich statistisch höchst signifikant von den 654 g Tageszunahmen der in geschlossenen Ställen gehaltenen Kälber (mit durchschnittlich 53 Lebenstagen am Tag der Wiegung). Dieses Ergebnis entsprach den allgemeinen Erwartungen, da bekanntlich die Haltung von Kälbern unter Außenklimabedingungen für die Gesundheit und Entwicklung der jungen Tiere vorteilhaft ist. Gerade daher verwunderte es, dass bei fast 50 % der teilnehmenden Betriebe die Kälber noch in geschlossenen Ställen gehalten wurden.

Fazit

Die Gewichtsentwicklung von Kälbern wird immer multifaktoriell beeinflusst. Daher ist es kaum möglich, hierfür nur einzelne Faktoren verantwortlich zu machen. Insofern können die Kriterien, nach denen die Kälber in dieser Studie ausgewertet und verglichen wurden, auch nicht zwangsläufig für die gezeigten Unterschiede ursächlich verantwortlich gemacht werden. Vielmehr sollen die hier gezeigten Vergleiche deutlich machen, dass Betriebe, die sich intensiv mit ihrer Kälberhaltung auseinandersetzen, ein sehr gutes und besseres Ergebnis bei der Entwicklung ihrer Kälber erreichen.

Darüber hinaus offenbart diese Studie, dass die seit mehr als 15 Jahren wissenschaftlich bearbeitete und empfohlene Ad-libitum-Tränke beziehungsweise sehr intensive Tränke von kleinen Kälbern bei Weitem nicht flächendeckend in der Praxis umgesetzt wird. Infolgedessen zeigen die ermittelten Lebendmassezunahmen der Tränkekälber, dass in vielen Betrieben in diesem Bereich noch erhebliche Reserven ausgeschöpft werden können.

Fruchtfolgen im Futterbau

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Diversere Fruchtfolgen nehmen auch im Ackerfutterbau vor dem Hintergrund der Förderung Humus mehrender Anbausysteme und des durch den Klimawandel induzierten stärkeren Krankheits- und Schädlingsdrucks in Monokulturen eine immer wichtigere Rolle ein. Auch wegen der kommenden Konditionalitäten im Rahmen der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) könnte einiges auf den Ackerfutterbau zukommen.

Wird der Blick auf die auf dem Vormarsch befindlichen Krankheiten und Schädlinge gelenkt, wie zum Beispiel Fusarium, Turcicum-Blattdürre und Maiszünsler, zeigen sich gravierende Zunahmen und verheerende Folgen für den Mais in Selbstfolge. Solche ertragsmindernden Risikofaktoren lassen sich über Fruchtfolge deutlich reduzieren.

Beim Verzicht auf den Anbau von Mais in Selbstfolge verringern sich Probleme der Akkumulation von Problemunkräutern wie Nachtschatten, Gänsefuß, Storchschnabel und der teils sehr schwer bekämpfbaren Hirsearten. Durch den Anbau von Mais in einer Fruchtfolge können die immer wenigeren verfügbaren phytosanitären Wirkstoffe und die zum Teil sehr negativen Effekte einiger herbizider Wirkstoffe im Mais auf Gewässer und Grundwasser deutlich vermindert werden. Mit den richtigen Fruchtfolgegliedern kann aktiver Humusaufbau betrieben werden.

Im Rahmen der neuen GAP-Regelungen wird nach aktuellem Kenntnisstand ab 2023 ein jährlicher Fruchtwechsel auf jeder Ackerparzelle notwendig werden. Ausgenommen von dieser Regelung sind mehrjährige Kulturen, Gräser, Grünfutter, Brache und Luzerne. Eine Zweitkultur mit Ernte im selben Jahr gilt hierbei als Fruchtwechsel. Eine Zwischenfrucht oder Begrünung aus Untersaaten in der Hauptkultur zählt als Fruchtwechsel, allerdings maximal auf der Hälfte des betrieblichen Ackerlandes. Dabei müssen die Aussaat der Zwischenfrucht oder die Begrünung infolge einer Untersaat vor dem 15. Oktober erfolgen und sind bis zum 15. Februar des Folgejahres auf der Fläche zu belassen. Alle beschriebenen Regelungen können sich im Laufe des Jahres noch ändern.

Am 17. Mai 2021 war der Mais im Wuchs noch sehr verhalten, anhaltende kühle Witterung bremste eine schnelle Jugendentwicklung aus. Foto: Dr. Elke Grimme

Die zunehmenden phytosanitären Probleme von Mais in Selbstfolge sowie die sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen machen deutlich, dass sich auch die Futterbaubetriebe mit Fruchtfolgen beschäftigen müssen. Mais stellt in der Fruchtfolge aufgrund der guten Selbstverträglichkeit keine spezifischen Ansprüche. In der Vergangenheit haben viele wissenschaftliche Studien gezeigt, dass futterbaulich nutzbare Maisfruchtfolgen hinsichtlich Ertrag und Qualität, aber auch hinsichtlich ökologischer Parameter konkurrenzfähig gegenüber Mais in Selbstfolge sein können (Wulfes, 2006; Wachendorf, 2006; Manevski, 2014).

Vergleich der Fruchtfolge

Die Landwirtschaftskammer führt seit Jahren auf dem leichten, sandigen Boden der Versuchsstation in Schuby (Kreis Schleswig) einen Demofruchtfolgeversuch unter praxisüblichen Bedingungen mit Ackerfutterbaukulturen durch. Bei dem Versuch soll verdeutlicht werden, inwieweit auf der Geest Ackergras (Welsches Weidelgras) und Getreide-Ganzpflanzensilage (GPS; Winterroggen) ertraglich und qualitativ zur Futternutzung in Fruchtfolge mit Silomais herangezogen werden können.

Bei den Trockenmasseerträgen wird deutlich, dass das Welsche Weidelgras und der Winterroggen in der Fruchtfolge den Mais am Geest­standort gut ergänzen (Tabelle 1). Die Varianz der Erträge (2015 bis 2021) des Weidelgrases ist höher als die von Silomais oder Winterroggen (siehe Standardabweichung und Variationskoeffizient in Tabelle 1). Grund dafür ist der hohe Wasseranspruch des Welschen Weidelgrases, der im Zusammenhang mit der geringen Wasserhaltekapazität aufgrund einer niedrigen nutzbaren Feldkapazität (nFK) und der zurückliegenden trockenen Jahre (zum Beispiel 2018) zu Ertragsschwankungen führt. Die Wintergetreideart Roggen kann als Ganzpflanze nicht mit den erzielten Silomaiserträgen mithalten, jedoch waren die Erträge mit 154,9 dt TM/ha auf einem hohen und zufriedenstellenden Niveau. In Tabelle 1 wird zudem die sehr hohe Leistungsfähigkeit von Silomais auf der Geest sowohl in Selbstfolge als auch in der Fruchtfolge deutlich. Steht der Mais in Selbstfolge, ist die Ertragsstabilität in den Beobachtungsjahren 2015 bis 2021 nur minimal höher (siehe Variationskoeffizient) im Vergleich zum Mais in der Fruchtfolge. Allerdings ist die durchschnittliche absolute Ertragshöhe des Maises in der Fruchtfolge aufgrund positiver Vorfruchteffekte des Ackergrases höher. Weiterhin ist in der vorliegenden Betrachtungsweise noch nicht berücksichtigt, dass das Risiko von kulturspezifischen Ertragsausfällen durch den gleichzeitigen Anbau verschiedener Fruchtarten auf dem Betrieb stark gemindert ist.

Während beim Mais am 1. Juli 2021 gerade erst die Reihen geschlossen sind, steht beim Winterroggen die Ernte der Ganzpflanzensilage an. Foto: Dr. Elke Grimme

Liegt das Augenmerk auf dem Energieertrag, so sind beim Vergleich mit dem GPS deutliche Unterschiede zugunsten des Maises auszumachen (Tabelle 2). GPS selbst besteht aus Stängel- und Blattmaterial sowie stärkereichen Getreidekörnern, deren Proteinwerte mit zunehmender Kornreife sinken. Die Stärkegehalte waren beim Roggen 2021 im Vergleich zum errechneten Mittelwert über die Versuchsjahre (2015 bis 2021) niedrig (Tabelle 2). Begründet liegt dies in dem zu späten Erntetermin am 7. Juli 2021. Qualitätsanalysen des Welschen Weidelgrases konnten aus technischen Gründen im vergangenen Jahr nicht durchgeführt werden. Allerdings veranschaulichen die Trockenmasseerträge in Tabelle 3, wie hoch das Potenzial des Ackergrases in der Fruchtfolge sein kann. Nicht nur hinsichtlich des positiven Vorfruchtwertes, sondern auch als idealer Ergänzungspartner zum Silomais in der Wiederkäuerernährung ist das Ackergras sehr gut als Fruchtfolgeglied geeignet.

In der Grafik sind die kumulativen TM-Erträge der jeweiligen Fruchtfolgen aus den Versuchsjahren 2015 bis 2021 dargestellt (vergangenes Versuchsjahr 2021 oben). Die Grafik verdeutlicht, dass beim Anbau von Mais in Fruchtfolge keine Risiken hinsichtlich der Gesamttrockenmasseerträge zu erwarten sind. Insgesamt waren die durchschnittlichen Jahreserträge mit 6,3 dt TM/ha nur marginal geringer (31,7 dt TM/ha über Fünfjahreshorizont). Nicht berücksichtigt ist in diesem Versuch, dass bei einer günstigen Entwicklung des Ackergrases nach GPS ein bis zwei Schnitte oder eine Beweidung des Grases vor Wintereintritt möglich sind und die Erträge in diesem Versuch somit unterschätzt werden. Weitere nicht berücksichtigte Faktoren in dem Demoversuch, zum Beispiel die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und erhöhte Ertragssicherheit des Anbausystems, sprechen ebenfalls für eine Futterbau­fruchtfolge und sollten nicht außer Acht gelassen werden.

Produktionstechnik und Erntezeitpunkt

Zur Erzeugung von Silomais, Getreide-GPS und Ackergras sind alle ertragssteigernden und -sichernden Maßnahmen sinnvoll, die in der jeweiligen Produktion gefahren werden sollten. Dementsprechend sind Empfehlungen zu Standortansprüchen, Bodenbearbeitung, Saatbettbereitung, -technik, -termin, -stärke, Nährstoffversorgung und Pflanzenschutz zu beachten. Da die Stickstoffdüngung aufgrund hoher Düngerpreise oder im Rahmen der Gebietskulisse der Düngeverordnung gemindert werden muss, sollten besonders der pH-Wert und die Gehalte an Grundnährstoffen im Boden im Fokus stehen. Der Integration von Kleegras in die Fruchtfolge sollte wegen der N bindenden Wirkung und des hervorragenden Vorfruchtwertes besondere Beachtung geschenkt werden.

Der optimale Erntezeitpunkt stellt immer einen Kompromiss zwischen möglichst hohen Trockenmasseerträgen und guter Abreife dar. Zum optimalen Erntezeitpunkt der Getreide-Ganzpflanzensilage lässt sich das Korn noch mit dem Fingernagel eindrücken, es spritzt aber nicht mehr (Ende Milchreife, Anfang Teigreife). Die Halmknoten sind noch grün, während das Stroh bereits mit der Gelbfärbung beginnt. Der tägliche Zuwachs an Trockenmasseertrag und der Anstieg des Trockensubstanzgehaltes während der Abreife des Getreides sind bei kühler Witterung niedriger als bei warmer. Trockenphasen hingegen beschleunigen den Abreifeprozess deutlich. Angestrebt werden, wie beim Mais, 35 % Trockensubstanzgehalt der GPS. In diesem Erntestadium sind noch genügend leicht lösliche Kohlenhydrate für eine gute Vergärung enthalten. Der optimale Erntezeitpunkt beim Welschen Weidelgras zum ersten Schnitt ist erreicht, wenn zirka 50 % der Ähren im Bestand sichtbar sind.

Fazit

Der Silomais wird auch zukünftig für den Futterbau aufgrund seiner hervorragenden Qualitäts- und Futtereigenschaften nicht an Bedeutung verlieren. In Ergänzung mit Getreide-Ganzpflanzensilage und Ackergras sollte die Maisselbstfolge zukünftig jedoch aufgelockert werden, sodass Krankheitszyklen unterbrochen, Problemungräser und -unkräuter unterdrückt sowie Erosionsschutz betrieben werden können. Dies ist möglich bei einem vergleichbar hohen Ertragsniveau wie in der Maisselbstfolge. Weiterhin wird in Zukunft aufgrund der steigenden Temperaturen und verlängerten Vegetationsperioden auch der Anbau von Körnermais und Kulturen wie Hirse immer interessanter werden. Erste Versuche hierzu laufen seitens der Landwirtschaftskammer.

Hinter den Kulissen einer Lehrmeierei

Staatssekretärin Dr. Dorit Kuhnt (Melund) besuchte kürzlich die Traditionseinrichtung der Landwirtschaftskammer im Ostholsteinischen Malente. Sie wollte sich ein Bild von diesem Kammerstandort machen. Wir stellen das LVZM aus diesem Anlass vor.

Gemeinsam mit Präsidentin Ute Volquardsen erfuhr der Besuch von der Leiterin Meike von Bergen, was war, was ist und was noch sein könnte. Denn die engagierte Molkereifachfrau und Molkereiingenieurin hat zahlreiche Pläne für das LVZM. Dort ist seit 1946 die Landesberufsschule für Molkereifachleute (davor von 1935 an Fortbildungen für Molkereimeister und Untersuchungstätigkeit) untergebracht; die erste in Schleswig-Holstein, die kleinste und nördlichste. Seitdem kamen viele Funktionen und Neuerungen hinzu.

Kleine Pilotanlagen

Wer sich bei einem Rundgang einen Einblick verschaffen möchte, der muss sich zunächst vermummen, und das hat ausnahmsweise einmal nichts mit Corona, sondern mit Hygiene im Umgang mit Lebensmitteln zu tun. Neben dem mittlerweile üblichen medizinischen Mundschutz tragen die Auszubildenden Gummistiefel, die ähnlich wie vor dem Betreten sensibler Stallgebäude bei jedem Eintritt desinfiziert werden. Hinzu kommen noch ein Haarnetz und ein Kittel. So eingepackt geht es dann hinunter in den Keller. Dort findet sich alles, was auch in einer großen Meierei zu finden ist, nur eben in kleinerer Ausgabe: die Erhitzungsanlage für Milch und Sahne, ein Joghurtbereiter und die Buttermaschine. Dort sind die Auszubildenden zum/zur Milchtechnologen/-in gerade damit beschäftigt, Süßrahmbutter zu produzieren. Neben dem Geschmack muss auch immer die Konsistenz stimmen. So darf die Butter nicht zu viel Wasser enthalten, muss aber streichbar sein. Durch einen Gang mit milchkannengesäumter Wand geht’s in die Käserei. Dort wird gerade der für den Norden typische Käse hergestellt: der Tilsiter. Die festen Bestandteile der Milch werden von den Auszubildenden von der Molke geschöpft und in Formen zum weiteren Abtropfen gegeben.

Blick in die Trommel der Butterungsmaschine Foto: Isa-Maria Kuhn
In diesen Formen wird gerade der würzige Tilsiter hergestellt. Foto: Isa-Maria Kuhn
Die Membranfiltrationsanlage aus dem Jahr 2013 ist eine der wichtigsten Anlagen in Malente. Foto: Isa-Maria Kuhn
Meike von Bergen leitet seit acht Jahren das LVZM und zeigt Ute Volquardsen, Frank Koschinski und Dr. Dorit Kuhnt, beide Melund, das renovierte Labor (v. li.) Foto: Isa-Maria Kuhn


Lernen mit Technik für mehr Wertschöpfung

In der Käserei steht auch die Membranfiltrationsanlage. Dahinter verbirgt sich eine Technik für bessere Wertschöpfung, wie es sie in jeder modernen Meierei gibt, und daher ist die Ausbildung daran so wichtig.
Die Maschine kann vielseitig eingesetzt werden. In der Be- und Verarbeitung von Milch und Milchprodukten dient sie der Aufkonzentrierung oder Trennung zuvor definierter Inhaltsstoffe eines Rohmaterials. Abhängig von der Größe und den Eigenschaften der vorhandenen Moleküle werden entsprechende Filtereinheiten verwendet. Ziel ist es, durch diese Bearbeitung eine verbesserte Wertschöpfung einzelner Produkte zu erreichen. So kann aus Milch beispielsweise Laktose oder Kasein aufkonzentriert werden, die dann als Einzelkomponenten zu Konzen­traten weiterverarbeitet werden. Die Filtration löst die Inhaltsstoffe heraus und kann zugleich das Volumen verringern, was sich natürlich bei eventuellen Transporten wirtschaftlich auswirkt. Weitere Anwendungsmöglichkeiten liegen in der Standardisierung von Käse­reimilch oder Milch mit verlängerter Haltbarkeit, in der Bearbeitung von Molke sowie bei der Joghurt- und Speisequarkproduktion. In der modernen Molkereitechnik ist diese Anlage unverzichtbar: gut, dass die Auszubildenden auch in Malente daran arbeiten können.
Auf den ersten Blick wirkt die gesamte Ausbildung praktisch, wenn etwa die Erhitzungsanlage mit ihren unzähligen Rohren ummontiert werden muss. Aber sie hat auch einen theoretischen Aspekt, denn Mathekenntnisse sind zwingend notwendig, wenn es beispielsweise um Fett- und Eiweißberechnungen geht.

Milch kommt von den Kammerkühen

Im ganzen Komplex duftet es nach warmer Milch auf dem Herd. Und die liefert übrigens ein anderer Kammerstandort nach Malente. Mehrere 100 l pro Woche kommen von der Herde aus dem Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp im Kreis Plön. Und wer weiß, ob sie dort nicht auch von einem Auszubildenden in der überbetrieblichen Ausbildung zum/zur Landwirt/in ermolken wurde.

Moderne und helle Labore

Bei dem Rundgang ging es auch in die Labore. Eines wurde gerade saniert und man spürt die Freude der Leiterin Meike von Bergen, dass sie den Auszubildenden dieses moderne und arbeitsfreundliche Umfeld bieten kann. Alle Laborarbeitsplätze der Mikrobiologie haben hell­blaue Keramikarbeitsplatten. Sie sind so zu reinigen, dass dort nahezu keimfrei gearbeitet werden kann. Im Labor können die Milcherzeugnisse von den milchwirtschaftlichen Laboranten mikrobiologisch untersucht werden.

Lebendiges Internat und Berufsschule

Neben Lehrmeierei und Unterrichtsräumen verfügt der Komplex auch über einen Speisesaal und ein Internat. Die meisten Jugendlichen reisen zu Montag an und bleiben bis freitags. Auszubildende Milchtechnologen durchlaufen die überbetriebliche Ausbildung in elf Wochen innerhalb ihrer dreijährigen Ausbildungszeit. Insgesamt gibt es 24 Meiereien und Labore in Schleswig-Holstein und Hamburg, die zurzeit Milchtechnologen/-innen und Milchwirtschaftliche Laboranten/-innen ausbilden. Im Durchschnitt sind zirka 20 bis 25 Schüler in einer Klasse.
Kontakt gibt es auch zu anderen Berufen, denn die Kammer hat eine Kooperation mit dem Kreis Ostholstein. Im LVZM sind auch die Landesberufsschulen für Reise-, Tourismus- und Immobilienkaufleute sowie Buchhändler/-innen untergebracht.
Die Landwirtschaftskammer hat, um für die Ausbildung immer auf dem aktuellen Stand zu sein, in der Milcherzeugervereinigung einen großen Förderer. Diese hat die eine oder andere Anschaffung der letzten Jahre erst möglich gemacht. Und so stellte Dr. Kuhnt beim Besuch auch fest: „Die Meiereien haben einen Benefit, weil sie durch Malente Spitzenmitarbeiter haben.“

Ausblick

Stünde mehr Personal zur Verfügung, sei es auch vorstellbar, die landwirtschaftlichen Direktvermarkter zu schulen. Das sei ein Zukunftsmarkt. Ganz praktisch ist Meike von Bergen auf der Suche nach Fördermitteln für eine Eis- oder Mozzarellamaschine. Derzeit läuft die Anerkennung als Lebensmittelproduzent. Dann dürften die erzeugten Produkte auch offiziell in den Verkehr gebracht werden.

Das Wirtschaftsjahr aus Sicht der Mastbetriebe

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Die Schweinespezialberatung Schleswig-Holstein wertete in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein im Wirtschaftsjahr 2020/2021 Daten von insgesamt 953.713 Mastschweinen beziehungsweise 190 Betrieben aus. Im Verhältnis zum Vorjahr ist sowohl ein Rückgang in der Anzahl der Mastbetriebe als auch eine Abnahme in der Anzahl der Mastschweine zu verzeichnen (Vorjahr: 210 Betriebe, 1.060.517 Mastschweine). Dies spiegelt unter anderem auch den landesweiten Rückgang in den Schweinemastbeständen wider, der laut Viehzählung vom 3. Mai 2021 des Statistikamts Nord bei –4,10 % liegt. Im Gegensatz dazu stieg die durchschnittliche Anzahl Mastplätze pro Betrieb leicht von 1.762 auf 1.782.

In diesem Wirtschaftsjahr verdeutlichen die Ergebnisse der ökonomischen Auswertung die Folgen der derzeitigen Krise für die Schweinehaltung. Im Jahr 2020 bewirkten zahlreiche Corona-Fälle die vorübergehende Schließung vieler Schlachthöfe. Zudem wurden erste Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland dokumentiert, die die Absatzprobleme des Schweinestaus noch verstärkten. Pandemie und ASP zeigen nach wie vor direkte als auch indirekte Auswirkungen auf den Schweinemarkt, beispielsweise in Form steigender Futtermittelpreise, und verursachen so massive monetäre Verluste bei allen Schweinehaltern. So sanken bei den Mastbetrieben die Direktkostenfreien Leistungen – DKfL – (ohne Sonderzahlungen) pro verkauftem Mastschwein um knapp 18 € auf 7,78 € im Vergleich zum Vorjahr. Bezogen auf 100 kg Zuwachs sanken die Direktkostenfreien Leistungen von 38,6 € auf 8,10 €. Das kalkulatorische Betriebszweigergebnis, abzüglich der kalkulatorischen Festkosten Arbeits-, Gebäude- und Gemeinkosten, lag im Durchschnitt bei –22,5 € je 100 kg Zuwachs.

Biologische Leistungen und Ökonomie

Nach der Auswertung des Wirtschaftsjahres 2020/2021 aus Sicht der Ferkelerzeuger (KW 3) haben Schweinespezialberatung und Landwirtschaftskammer nun die Ergebnisse aus der Mast ausgewertet. Foto: Dr. Ariane Horst

Im aktuellen Wirtschaftsjahr verblieben die biologischen Leistungen stabil auf einem hohen Niveau. Verglichen zum Vorjahr konnten darüber hinaus minimale Steigerungen in der Masttagszunahme (916 g) sowie in der Futterverwertung (1 : 2,80 kg) notiert werden.
Zwischen den 25 % ökonomisch erfolgreichen und weniger erfolgreichen Betrieben sind in einigen Kennzahlen starke Unterschiede zu erkennen. Die erfolgreichen Betriebe wiesen um 26 g höhere Tageszunahmen auf, wodurch sich unter anderem die Mastdauer im Vergleich zu den weniger erfolgreichen Betrieben um sieben Tage verkürzte. Auch die Futterverwertung ist bei den erfolgreichen Betrieben um 0,16 kg besser zu bewerten. Bei den weniger erfolgreichen Betrieben fallen die höheren Verluste von 3,57 % auf, welche deutlich über denen der erfolgreichen Betriebe (2,26 %) liegen. Außerdem verzeichneten die weniger erfolgreichen Betriebe in den Direktkosten pro verkauftem Mastschwein höhere Veterinär- und Futterkosten. Die Zahlen zeigen, dass die erfolgreichen Betriebe im optimalen Gewichtsbereich vermarkten konnten, sodass diese um 12 € höhere Leistungen je verkauftem Mastschwein erwirtschafteten als die weniger erfolgreichen Betriebe.
Bezogen auf die Rentabilität zeigt sich, dass größere Betriebe (über 5.500 verkaufte Mastschweine pro Jahr) bei gleichen Direktkosten wesentlich höhere Direktkostenfreie Leistungen (ohne Sonderzahlungen) pro verkauftem Mastschwein von 8,84 € erzielten als kleinere Betriebe (unter 3.300 verkaufte Mastschweine pro Jahr) mit 5,75 €. Ursachen dafür sind die deutlich höheren Masttagszunahmen (über 900 g) sowie die kürzere Mastdauer (unter 102 Tage), die wiederum zu mehr Umtrieben (drei) führte. Zudem lag die Verlustrate der großen Betriebe mit 2,63 % unterhalb der Verlustrate kleiner Betriebe mit 3,16 %.

Die Initiative Tierwohl und Zukunft

In dem vorliegenden Wirtschaftsjahr nahmen von den 190 ausgewerteten Mastbetrieben 98 Betriebe an der Initiative Tierwohl (ITW) teil. Durch die zusätzlichen Einnahmen aus der ITW konnten so im Mittel 3,75 € je verkauftem Mastschwein erlöst werden; knapp 0,30 € mehr als im Vorjahr. In Zukunft möchte der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) sein Frisch­fleischangebot aus an der ITW teilnehmenden Betrieben deutlich erhöhen. Ein Großteil der Handelsketten hat bereits oder wird bis spätestens 2025 die Haltungsform 1 aus dem Angebot nehmen. Einige Unternehmen wollen bis 2030 den Anteil des Frisch­fleischangebots der Haltungsformen 3 und 4 deutlich vergrößern. Dabei ist nach wie vor unklar, wie viel Fleisch aus höheren Haltungsformen zukünftig vom Verbraucher abgenommen wird und wie hoch die Zahlungsbereitschaft tatsächlich ist. Seitdem die Ausgleichszahlungen der ITW im Sommer 2021 auf die Schlachthöfe verlagert wurden, wird der Absatz von ITW-Schweinen durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Eine Herausforderung ist dabei die Vermarktung der weniger wertvollen Teilstücke auf dem Weltmarkt, der den Mehraufwand komplexer Haltungsformen gegenwärtig nicht erstattet.
Hinsichtlich der Umsetzbarkeit von mehr Tierwohl in den Mastställen ist die Praxis vor allem mit der Frage konfrontiert, wie die geforderten Kriterien Außenklimareiz (Haltungsform 3) und Auslauffläche/Freilandhaltung (Haltungsform 4) unter Berücksichtigung der seit Sommer 2021 verschärften TA Luft realisiert werden sollen. Für die Zukunft müssen demnach Wege gefunden werden, die einen Kompromiss zwischen den umweltpolitischen Forderungen und Tierwohl zulassen, um notwenige Genehmigungen für die Stall(um)bauten erteilen zu können. Es ist unabdingbar für den Erhalt deutscher Mastbetriebe, dass zeitnah zuverlässige Antworten hinsichtlich der praktischen Umsetzbarkeit gefunden werden. Kaum ein Landwirt wird im Schatten einer wirtschaftlichen Krise neue Wege gehen und große Investitionen tätigen, wenn nicht die entsprechende Planungssicherheit gegeben ist. Bei Fragen und Problemen stehen die Berater den Betrieben gern zur Seite. Der vollständige Schweinereport 2021 findet sich auf den Internetseiten der Landwirtschaftskammer und der Schweinespezialberatung.

Fazit

Das Wirtschaftsjahr 2020/2021 war eines der ökonomisch schlechtesten der vergangenen zehn Jahre. Sowohl die Corona-Pandemie als auch die ASP verursachten und verursachen nach wie vor extreme wirtschaftliche Zahlen. Trotz der sehr guten biologischen Mastleistungen gaben einige schleswig-holsteinische Betriebe aufgrund des finanziellen Drucks die Schweinehaltung auf. Die fortlaufenden Diskussionen über die zukünftige Schweinehaltung in Deutschland müssen in eine Planungssicherheit überführt werden. Damit auch künftig Begriffe wie „regional“ und „Strohschwein“ eine Zukunft haben, muss die Gesellschaft den Betrieben, die trotz wirtschaftlicher Krise den Schritt einer Investition wagen, entsprechende Sicherheiten gewährleisten.

Erträge auf gutem Niveau – Qualitäten schwankend

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Die schleswig-holsteinische Haferanbaufläche ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. So wurde laut Statistikamt Nord im Jahr 2021 eine Anbaufläche von 19.000 ha verzeichnet. Die vorläufige Ertragsschätzung liegt mit 64 dt/ha etwa auf dem Niveau des Vorjahres und somit rund 12 % über dem mehrjährigen Durchschnitt. Insbesondere resultiert dieser Boom aus dem Lebensmittelbereich, wo entsprechende Qualitäten gesucht werden. Inwiefern mit der Sortenwahl auf den Ertrag, besonders auf die Qualität, gezielt eingegangen werden kann, beleuchtet folgender Artikel.

Hafer erlebt in den vergangenen Jahren deutschlandweit, aber besonders auch hierzulande einen Aufschwung. Gründe hierfür sind in erster Linie die attraktivere Erlöslage gegenüber früheren Jahren, aber auch die Tatsache, dass Alternativen für bestehende Fruchtfolgesysteme gesucht werden. So sind beispielsweise hohe Winterweizen- oder Rapskonzentrationen in der Fruchtfolge oft mit Lösungen des Pflanzenschutzes allein nicht mehr tragbar, wie anhand der aktuellen Ackerfuchsschwanzproblematik auf vielen schweren Ackerbaustandorten deutlich wird. Nicht zuletzt steht nun mit der bevorstehenden GAP-Reform 2023 ein verpflichtender Fruchtwechsel an. Dies bedeutet, dass der immer noch im Anbau bedeutende Stoppelweizen so nicht mehr umsetzbar sein wird. Diese Lücke könnte beispielsweise Hafer schließen, da er sowohl mit einer Weizenvorfrucht gut harmoniert als auch zu einem möglicherweise folgenden Weizen einen hohen Vorfruchtwert, vergleichbar einer Blattfrucht, aufweist.

Das Anbaujahr im Rückblick

Das Anbaujahr für den Hafer war im Frühjahr zur Aussaat weitestgehend günstig, da oftmals frühe Saattermine bei gleichzeitig guten Bodenbedingungen realisiert werden konnten. Von der folgenden kühlen und feuchten Witterung im Mai konnte der Hafer insgesamt profitieren. So gab es hier, wie auch bei den anderen Getreidearten, keine Probleme mit zu geringen Bestandesdichten. Dennoch fiel das Rispenschieben etwa in die Hitzephase der zweiten Junihälfte. Dies in Kombination mit strahlungsarmer Witterung in der Folge war nicht optimal. Nach starkem Wind und hohen Niederschlagsmengen war häufig auch Lager zu verzeichnen. Zudem kam es in vielen Beständen in der Abreife zu Beeinträchtigungen der Strohstabilität. Hierdurch wurden einerseits Erträge etwas in Mitleidenschaft gezogen und es blieben teilweise die Qualitäten durch geringes Hektolitergewicht und stellenweise pilzliche Verfärbungen des Korns hinter den Erwartungen zurück. In den Versuchen führte die verringerte Strohstabilität zu größerer Streuung innerhalb der Versuche, sodass die Standorte Kastorf und Loit nicht in die Auswertung mit einbezogen werden konnten.

Aufgrund wüchsiger Witterung in Verbindung mit kräftigem Wind und Stark­niederschlägen ist vielerorts, wie hier in der Marsch im Kreis Nordfriesland, Lager aufgetreten. Foto: Achim Seidel

Erträge in den Landessortenversuchen

An den Standorten des Östlichen Hügellandes und der Marsch konnten gute Erträge erreicht werden (Übersicht 1). In Futterkamp wurden rund 84 dt/ ha, in Barlt 93 dt/ ha und im Sönke-Nissen-Koog 78 dt/ha erreicht. An den sandigen Standorten Schuby und Schafstedt (Rotes Gebiet, N-Düngung um 20 % reduziert) wurde ein mittlerer Ertrag von 56 dt/ha und 71 dt/ha erreicht (Übersicht 2).
Dabei zeigte ‚Max‘ als anbaubedeutende Sorte vereinzelt schwächere Erträge, die aber auch mit der höheren Lageranfälligkeit einhergegangen sein könnten. Insgesamt liegt diese Sorte ertraglich nun bei relativ 97 in allen Naturräumen. ‚Lion‘ als weitere wichtige Qualitätssorte zeigte etwas stabilere Erträge auf hohem Niveau und ist damit mehrjährig bei relativ 99 einzuschätzen. ‚Armani‘ zeigte gute, jedoch streuende Erträge und ist nun mehrjährig mit relativ 100 auf den lehmigen und Marschstandorten sowie relativ 99 an den sandigen Standorten einzuschätzen. Die Erträge von ‚Sym­phony‘ streuten auch auf einem geringeren Niveau als in Vorjahren, womit die Sorte nun bei relativ 99 an allen Standorten einzuschätzen ist. ‚Apollon‘ erreichte stabil durchschnittliche Erträge und wird somit mehrjährig mit relativ 98 bewertet. In diesem wie auch in den Vorjahren starke Erträge zeigte ‚Delfin‘, die nun an den besseren Standorten mit relativ 102 und an sandigen Standorten mit relativ 101 einzuschätzen ist. Die neu im Sortiment geprüfte Sorte ‚Fritz‘ zeigte gute, womöglich aufgrund der als schlecht zu bewertenden Standfestigkeit leicht streuende Erträge und ist damit mehrjährig leicht überdurchschnittlich einzustufen. Die ebenfalls neu im LSV geprüfte ‚Magellan‘ zeigte insgesamt durchschnittliche bis sehr starke Erträge und wird somit mehrjährig für alle Standorte mit relativ 104 eingeschätzt.

Die Qualitäten konnten nicht überzeugen

Das für die Vermarktung nach wie vor wichtigste Kriterium ist das Hektolitergewicht, da es einerseits einfach und sehr schnell zu erfassen ist, andererseits indirekt Aussagen über die weitere Qualität des Hafers geben soll. Die ermittelten Hekt­olitergewichte aus den Versuchen sind in der Übersicht 3 dargestellt.
Insgesamt waren die Werte relativ niedrig mit Ausnahme des Standortes Futterkamp. An den anderen Standorten konnten aber insbesondere mit den Sorten ‚Max‘ und ‚Lion‘ vergleichsweise hohe Werte erreicht werden. Auch die Sorte ‚Delfin‘, ebenso wie die neu zugelassene Sorte ‚Fritz‘, zeigten günstigere Hektolitergewichte. Neben dem Hektolitergewicht wird in der Schälindustrie aber insbesondere auf eine leichte Schälbarkeit, also wie leicht sich die Spelze vom Kern abtrennen lässt, großer Wert gelegt. Zudem ist von entscheidender Bedeutung, dass ein hoher Kernanteil von idealerweise 74 % erreicht wird. Diese beiden Parameter sind in der Industrie wesentliche Effizienz- und Kostenfaktoren und bestimmen die wirtschaftliche Vorzüglichkeit einer Haferpartie bedeutend mit. Regelmäßig sehr gute Werte werden hier von den Sorten ‚Lion‘, ‚Max‘ und ‚Apollon‘ erzielt.

Sortenempfehlungen der Landwirtschaftskammer

Zum Anbau sollten in der Regel solche Sorten kommen, die bereits mehrjährig erfolgreich geprüft wurden oder mit denen im Betrieb gute Erfahrungen gemacht wurden. Zu differenzieren ist in erster Linie nach der Verwertungsrichtung Industriehafer oder Futterhafer. So hat sich als Hafer für die Futternutzung aufgrund ihrer Ertragsstärke und der hohen Blattgesundheit die Sorte ‚Delfin‘ bewährt. Hierbei muss jedoch auf die deutliche Reifeverzögerung des Strohs in Verbindung mit guter Blattgesundheit geachtet werden, sodass hier ein Fungizideinsatz mit Fingerspitzengefühl erfolgen muss und auf Strobilurine verzichtet werden sollte.
Für eine Nutzung als Schälhafer empfiehlt sich die Sorte ‚Max‘, die ein hohes Hektolitergewicht mit sicherer Strohabreife kombiniert, jedoch hinsichtlich der Standfestigkeit abgesichert werden muss. Auch auf sehr hohem Niveau beim Hektolitergewicht und leicht günstigeren Schäleigenschaften befindet sich die Sorte ‚Lion‘ mit etwas höherem Ertragsniveau. Hier gilt es, Mehltau im Blick zu behalten. Die Sorte ‚Apollon‘ liegt ertraglich etwas niedriger als ‚Lion‘ und besitzt gute Schäleigenschaften, zeigt jedoch teilweise im Hektolitergewicht Schwächen. Mit Einschränkungen empfohlen ist ‚Symphony‘, da hier zwar ein gutes mittleres Ertragsniveau erreicht wird, aber die Erträge jahresabhängig schwanken. Zudem liegen die erzielten Hektolitergewichte oftmals nur im mittleren Bereich. Als neu im LSV geprüfte Sorte erzielte ‚Magellan‘ ein deutlich überdurchschnittliches Ertragsniveau. Hinsichtlich der Verarbeitung ist die Sorte gut eingestuft, weist jedoch nur ein mittleres Niveau im Hektolitergewicht auf. Sie empfiehlt sich dennoch für den Probeanbau.

Bei der Aussaat beachten

Zur Sicherung hoher Erträge und auch guter Qualitäten ist eine möglichst frühe Saat ab Anfang März unter guten Bodenbedingungen erforderlich. Zu feuchte Bedingungen können Strukturschäden des Bodens nach sich ziehen und eine sichere Entwicklung ist nicht gewährleistet. Eine Kalkung vor der Saat sollte unterbleiben. Die Aussaatstärke kann bei früher Saat Anfang März unter günstigen Bedingungen standortangepasst 300 K./ m2 betragen, sollte bei späteren Saatterminen bis Ende März/Anfang April aber auf bis zu 400 K./m2 gesteigert werden. Hafer sollte mit 3 bis 4 cm tendenziell etwas tiefer als andere Getreidearten ausgesät werden, da er aufgrund der Spelze einen höheren Keimwasserbedarf hat.

Süße Milch aus saurem Teig

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Traubenzucker (Glukose) ist der universelle Brennstoff für alle tierischen Zellen. Jede Zelle kann Glukose verwerten und viele sind dringend auf Glukose als einzig möglichen Brennstoff angewiesen. Zugleich ist Zucker nicht selten der begrenzende Faktor der Milchbildung. Doch gerade beim Wiederkäuer ist Zucker hart umkämpft, da die Mikroben des Pansens den ersten Zugriff auf alle leicht verdaulichen Kohlenhydrate haben. Sie nutzen diese für ihren eigenen Stoffwechsel. Wie die Milchkuh es trotz dieser Konkurrenz schafft, ihren Zuckerbedarf zu decken, und wann das nicht gelingt, soll im Folgenden dargestellt werden.

Wiederkäuer sind bekanntlich darauf spezialisiert, schwerer verdauliche Pflanzenteile in ihre Bestandteile zu zerlegen und bestmöglich für Wachstum und Milchleistung zu nutzen. Grundlage dieses Erfolgskonzeptes ist ein Vormagensystem mit unzähligen verschiedenen Mikrobenarten, deren Zusammenspiel sich über die vielen Schritte der Wiederkäuer­evolution immer weiter verbessert hat. Mikroben und Wiederkäuer leben in einer sogenannten Symbiose, also einer Win-win-Situation: Der Wirt sorgt für Futter, während die Gäste dieses vorverdauen und für ihr eigenes Wachstum nutzen. Der Wirt wiederum nutzt die Nebenprodukte des Mikrobenstoffwechsels sowie den Überschuss an eiweißreichen Mikroben für seine eigene Ernährung. Zwar bleibt so für den Wirt weniger übrig als wenn er alles selbst verdauen würde, jedoch verfügen die Mikroben über Stoffwechseltricks, die den Wert des „Restes“ massiv erhöhen. So entstehen viele wertvolle Eiweißbausteine und Vitamine erst durch mikrobielle Umsetzung des Futters im Pansen. Allein die Verdauung der Zellulosefasern wird erst durch Mikroben möglich.

Kampf um den Zucker

Die Kehrseite dieser engen Zusammenarbeit ist die Tatsache, dass Zucker und einfache Stärkeverbindungen aus Gras oder Getreide sowohl vom Rind selbst als auch von den Mikroben schnell und einfach verdaut werden können. Somit stehen Mikroben und Rind hier in direkter Konkurrenz um den Zucker und schnell verfügbare Stärke (Speicherzucker). Daher ist das Rind sehr gut in der Lage, einfachen Zucker direkt über die Pansenzotten in das Blut aufzunehmen und so einen Teil davon den Mikroben zu entziehen. Dennoch ist die Zuckeraufnahme des Rindes aus der Nahrung im Vergleich zu anderen Tieren (Pferd, Schwein) oder dem Menschen viel geringer und deckt kaum den Bedarf seines Körpers. Bekanntlich vertragen Rinder zudem auch nur begrenzte Mengen an Zucker und leicht abbaubarer Stärke, da es sonst zu Übersäuerungen des Pansens (Azidose) kommt. Diese problematischen Säuren, vor allem Milchsäure, entstehen bei der schnellen mikrobiellen Umsetzung unter den sauerstofffreien Bedingungen des Pansens als Gärung. Die aggressive Milchsäure schädigt die Pansenwand und tötet viele säureempfindliche Bakterien im Pansen ab, sodass deren Giftstoffe frei werden und das Rind zusätzlich schädigen.

Zucker aus Säuren

Glukose ist als Energieträger für alle Zellen des Körpers verwertbar, doch ist Glukose für bestimmte Zellen die einzige Option. Dies betrifft vor allem das Gehirn- und Nervengewebe, die Blutzellen einschließlich der weißen Blutkörperchen und die Milchdrüse zur Bildung des Milchzuckers.
Der erschwerte Zugang zu Glukose hat zur Folge, dass die Kuh hocheffektiv Zucker aus „minderwertigen“ Vorstufen oder Resten der mikrobiellen Verdauung neu aufbauen muss. Dabei nutzt die Kuh vor allem das Propionat, welches bei der normalen Vergärung von Zucker und Stärke im Pansen entsteht. Aber auch Milchsäure (Laktat), die über die Pansenzotten aus dem Vormagen abgezogen wird, kann gut zum Aufbau von Zucker genutzt werden. So ist eine Hochleistungskuh heutzutage in der Lage, 3,5 bis 4 kg Glukose pro Tag aus einfachen Vorstufen neu aufzubauen und diese den Geweben zur Verfügung zu stellen, die ohne Zucker nicht auskommen können.

Knappe Zuckerbilanz

Auch wenn die Rate an neu gebildetem Zucker zunächst erstaunlich hoch erscheint, zeigt der Blick auf den Zuckerbedarf, wie knapp dies bei den heutigen Milchleistungen zur Bedarfsdeckung ausreicht. So benötigt die durchschnittliche gesunde Kuh nur 290 bis 380 g Zucker pro Tag für die Erhaltung der lebenswichtigen Funktionen (Gehirn- und Nervenfunktion, Blutzellen), solange die anderen Gewebe auf andere Brennstoffe wie Fett zurückgreifen können. Jedoch werden für die Milchbildung 70 bis 75 g Zucker je Kilo Milch benötigt. Aus Glukose wird in der Milchdrüse der Milchzucker (Laktose) gebildet. Laktose ist dabei nicht nur wertvolle, schnelle Energie für das Kalb, sondern auch wichtig, um Milch überhaupt flüssig und somit melkbar zu machen, da sie Wasser in das Innere der Alveole nachzieht. Die Menge des verfügbaren Zuckers bestimmt also entscheidend die Menge der überhaupt erzielbaren Milchmenge. Bei einer Kuh mit einer Tagesleistung von 50 kg Milch sind somit mindestens 3,5 kg Glukose pro Tag zur Milchzuckerbildung nötig. In Summe mit dem Erhaltungsbedarf kann dies schnell zum vollständigen Verbrauch der täglichen Zuckerneubildung führen. Dabei ist zu bedenken, dass diese Zuckerbilanz nur ausgeglichen ist, wenn die Kuh auch ausreichend frisst. Bekanntlich haben Kühe in den ersten Wochen der Laktation noch nicht ihre volle Futteraufnahme erreicht, während die Milchleistung oft schon sehr schnell auf den Leistungspeak ansteigt. Dies führt zu einer negativen Bilanz und die Kuh muss auf Reserven zurückgreifen (Abbildung 1).

Schwere Zeiten

Reichen die Futteraufnahme und die Kapazitäten der Leber zur Zuckerneubildung nicht aus, könnte die Kuh auf Zuckerspeicher und andere Bausteine zurückgreifen. So ist bei der Kuh, wie bei anderen Tieren auch, die Leber in der Lage, Zucker in der Speicherform Glykogen einzulagern. Allerdings sind hier maximal 300 g Glukose eingelagert, mit denen die Kuh höchstens einen Tag ihren Erhaltungsbedarf decken kann. Stattdessen kann die Rinderleber in begrenztem Maß auf Laktat aus dem Muskelstoffwechsel und in kleinsten Mengen auch auf Aminosäuren und Glyzerin aus dem Fettabbau zurückgreifen. Diese Quellen scheinen nach aktuellem Forschungsstand aber keinen wesentlichen Beitrag zu leisten.

Treibstoff der Abwehrzellen

Besonders problematisch wird die Lage der Hochleistungskuh, wenn die körpereigene Infektionsabwehr gefordert wird. Hier zeigt sich, dass eine starke experimentelle Alarmierung des Immunsystems, beispielsweise durch die Toxine von Kolibakterien, einen Anstieg des Glukoseverbrauchs um 1 kg pro Halbtag für die Aktivierung der weißen Blutkörperchen zur Folge hat. Wenn man bedenkt, dass eine solche Reaktion mit starkem Unwohlsein, Fieber und beginnendem Kreislaufschock einhergeht, wird klar, dass die Futteraufnahme der kranken Kuh deutlich absinkt. Die Folge sind Stoffwechselentgleisungen wie die Ketose und deutliche Leistungsrückgänge.
Befindet sich das Abwehrsystem hingegen längere Zeit in einem mittleren Alarmniveau, geht es der Kuh möglicherweise nicht sichtbar schlecht. Dennoch bleibt die Futteraufnahme infolge des Unwohlseins zu niedrig und der Zuckernachschub aus der Leber reicht nicht aus, um den erhöhten Bedarf der Abwehrzellen und der hohen Milchleistung zu decken. Gerade in der Frühlaktation reagiert die Kuh aber nur auf starke Einflüsse mit sinkender Milchleistung. Mittelgradige Störungen reichen oft nicht aus, die genetisch programmierte Leistung zu dämpfen, und die negative Energie- und Zuckerbilanz verschlimmert sich. Die Körperabwehr hat dann oft eine geringere Priorität bei der Zuteilung der Glukose, sodass die Immunzellen nur eingeschränkt arbeiten können und durch Abwehrschwäche Infektionskrankheiten entstehen.

Den Dünndarm füttern

In den vergangenen Jahren wurde zunehmend versucht, durch hohe Gehalte pansenstabiler Stärke in der Ration gezielt die Dünndarmverdauung zu nutzen und bestehende Grenzwerte zu hinterfragen. Kurzfristige Milchleistungssteigerungen sind dabei zwar zu erreichen, doch ist die Frage der Langzeitverträglichkeit noch offen. Nach bisherigem Kenntnisstand ist die Umwandlung der Durchflussstärke in Blutzucker mit 40 % eher wenig effizient und scheint auch auf tägliche Höchstmengen von gut 1 kg begrenzt zu sein. Zugleich besteht durch größere Mengen unverdauter Stärke, die den Mikroben des Dickdarms zugeführt werden, die Gefahr einer Dickdarmazidose, die gesundheitliche Probleme mit sich bringt.

Fazit

Als Wiederkäuer kann die Kuh kaum direkt den Zucker aus dem Futter aufnehmen. Sie steht hier immer in Konkurrenz zu den Pansenmikroben, von denen sie in vielen anderen Aspekten profitiert. Daher ist die Kuh besser als viele andere Tiere in der Lage, aus Vorstufen neuen Traubenzucker zu bilden und bestimmten Zellen zur Verfügung zu stellen, die nur Glukose als Energieträger verwerten können. Bei Hochleistungskühen ist die Versorgung dennoch nicht immer ausreichend und in Phasen verminderter Futteraufnahme drohen gefährliche Engpässe, die zu Abwehrschwäche und Krankheit führen können. Es wird daher weiterhin empfohlen, die Zufuhr von Zuckervorstufen aus dem Vormagensystem als den effektiveren Weg weiter zu optimieren. Die wichtigsten Grundlagen dafür sind eine hohe Futteraufnahme mit stabilem und schmackhaftem Grundfutter sowie eine balancierte Ration für eine optimal angepasste Mikrobenbesiedlung des Pansens.

Gezielte Ergänzungsfütterung von Kühen mit hohem Bedarf kann helfen, den Stoffwechsel im Gleichgewicht zu halten. Foto: Dr. Ole Lamp