In Elmshorn gab es ein fünftägiges Traumprogramm für alle Züchter, Reiter, Besitzer und Liebhaber von Holsteiner Pferden. Bei den Holsteiner Pferdetagen war für jeden etwas dabei: Youngsters und Altbewährte in Dressur- und Springprüfungen, eine Fohlenauktion, ein Freispringcup für dreijährige Stuten und die Verbandsstutenschau.
Schon am Donnerstag wurden in Elmshorn die ersten Landeschampions gekürt. Den Auftakt machten die Dressurpferde. Dabei konnte Familie Ellerbrock aus Kayhude, Kreis Segeberg, einen Doppelerfolg feiern: Nicht nur bei den Fünfjährigen, sondern auch bei den Sechsjährigen ritt Sonja Marie Ellerbrock die Pferde aus der Familienzucht zum Titel. Im Klassement der Fünfjährigen war es die Holsteiner Dressursiegerstute des Jahres 2020, Kaviera von Zack-Aljano, die sich mit einer 7,8 den Sieg sicherte. Die Silbermedaille (7,5) ging an Kesse Franzi von Franziskus-Aljano. Im Sattel der Stute von Züchter (Z.) Thomas Horns aus Bredenbekshorst, Kreis Segeberg, saß Sabrina Sievertsen-Nissen. Platz drei ging an Vasall von Voltaire-Cascari (Z.: Kersten Kühl, Seester), den Johanna Tabea Henze vorstellte (7,4).
Aus derselben Zuchtstätte wie Kaviera und ebenfalls aus einer Aljano-Mutter geht die frisch gekürte Holsteiner Landeschampionesse der Sechsjährigen hervor, Lissara von Lissaro van de Helle. 7,8 lautete das Gesamtergebnis. Damit wiederholte Lissara ihren Triumph aus dem vergangenen Jahr, als sie bereits mit der Siegerschärpe im Landeschampionat dekoriert wurde. Nur knapp dahinter rangierte Christina Ellendt im Sattel der Oldenburgerin Bella Rouge H von Bordeaux-Don Primero (7,7). Der Hannoveraner Duke of Ellington von Dante Weltino-Alabaster (7,4) kam unter Janet Maas auf den dritten Platz.
Am Freitag waren die Jüngsten dran: Bei der Auktion im Hybridformat wurden 26 Holsteiner Fohlen versteigert. „Das Konzept, die Auktion auf den Freitagnachmittag zu verlegen, ist wie erhofft aufgegangen. Nicht nur zahlreiche Zuschauer, sondern auch viele Kunden sind nach Elmshorn gekommen“, resümierte Geschäftsführer Roland Metz zufrieden.
Die Preisspitze sicherten sich Käufer aus Argentinien für 15.500 €. Dabei handelt es sich um eine Crack-Corrado-Tochter (Z.: Joachim Jürgens, Bollbrügge), die nicht umsonst auf den Namen Countess getauft wurde. Denn auch Mylene Nagels gleichnamiges Erfolgspferd Countess geht aus dieser Mutterlinie hervor.
Ein Titel für Caillan
Am Sonnabend wurden die ersten Champions im Parcours gekürt. Mit einer überragenden Wertnote von 9,2 gewann die Uriko-Newton-Tochter United b (Z.: Wolfgang Heller, Nordrhein-Westfalen) das Landeschampionat der Vierjährigen, eine Springpferdeprüfung der Klasse A*. Im Sattel saß Birgit Gärtner-Döller, die mit der Stute bereits in der Einlaufprüfung eine 8,3 erreicht hatte. Rang zwei ging an den gekörten Stakkadetto von Stakkato Gold-Acodetto I (Z.: Kersten Lutzke, Pronstorf) und Claudia Wähling mit der Wertnote 9,0. Dritter wurde der Wallach Doolittle RL von Diarado-Carthago (8,6). Im Sattel saß sein Züchter und Besitzer, Rasmus Lüneburg aus Hetlingen, Kreis Pinneberg.
Die siebenjährigen Springpferde waren in einer Springprüfung der Klasse S* am Start. Der Wallach Caillan von Casall-Carry (Z.: Gerd Ohlsen, Föhr) war mit Antonia Brinkop bereits im vergangenen Jahr Zweiter im Landeschampionat der sechsjährigen Springpferde geworden und sprang nun unter seinem neuen Reiter Rolf-Göran Bengtsson bei den Siebenjährigen zum Titel. Auf die Silberposition kamen Antonia Brinkop und Historia R von Crunch-Calato (Z.: Züchtergemeinschaft Redderberg, Ahrensbök). Bronze sicherte sich Ciselle von Cascadello I-Quidam de Revel (Z.: Reimer Detlef Hennings, Bendorf), pilotiert von Linn Hamann.
Mit Topsport im Rahmenprogramm punkteten die Holsteiner Pferdetage auch über die Landeschampionate hinaus. Aus dem S**-Springen mit Stechen ging der für den Grönwohldhof von Manfred von Allwörden reitende Diarmuid Howley als Sieger hervor. Er hatte die Clarimo-Concerto II-Tochter Be Aperle VA aus der Zucht seines Arbeitgebers gesattelt und flog pfeilschnell durch den Stechparcours.
Spannung im Stechen
Einen Tag später zeigte sich der Ire immer noch gut in Form. Mit den Wertnoten 9,0 und 9,2 in den beiden Umläufen der finalen Springpferdeprüfung Klasse M stellte Howley den Fuchshengst Valenzano (Z.: Kai Wullweber, Todesfelde) als deutlichen Sieger heraus. Der Sohn des Vagabond de la Pomme-Christian überzeugte die Richter: „Genau solche Runden möchten wir sehen“, lobte die Jury. Die Silbermedaille im Championat ging ebenfalls an Diarmuid Howley mit einem Pferd vom Grönwohldhof, Kreis Stormarn: Quintino LMK von Quintago-Clearway (Z.: Loenie Kock, Hamburg) sprang auf Rang zwei. Dritter wurde das ehemalige Holsteiner Auktionspferd Davis von Diarado-Casall (Z.: Timm Peters, Bargenstedt, Kreis Dithmarschen) mit Thibaut Huyvaert im Sattel, der für Rolf-Göran Bengtsson reitet.
Die sechsjährigen Springpferde zeigten in der Finalprüfung, einer Spezialspringpferdeprüfung der Klasse M** mit Stechen, schon einmal, welche Qualitäten sie für die schwierigeren Aufgaben vorzuweisen haben. Nachdem sie im Umlauf eine Wertnote erhielten, folgte ein Stechen um Sieg und Platzierungen. Als Führender ging der Hengst Duplexx ins Stechen. Seine große Fangemeinde war nicht zu überhören, als der Holsteiner Hengst von Diarado eine 9,0 im ersten Umlauf bekam. Umso größer war dann die Enttäuschung, als er mit Michael Grimm vier Fehler in Kauf nehmen musste. Fehlerfrei und pfeilschnell waren hingegen Tiepolo von Toulon-Cassini I (Z.: Jürgen Böge, Bunsoh) und Hannes Ahlmann. Der Holsteiner Hengst hatte unter seinem jungen Reiter schon im ersten Umlauf mit einer 8,6 auf sich aufmerksam gemacht. Nun bewies das Paar, dass es nicht nur schön, sondern auch schnell kann.
Platz zwei ging an Iowa von Barcley-Cassilano (Z.: Hans-Adolf Witthöft, Preetz) und Jesse Luther. Die Stute wurde im ersten Umlauf mit einer 8,3 bewertet. Joachim Jürgens aus Bollbrügge, Kreis Ostholstein, ist Züchter der Holsteiner Stute Carlesta von Casall-Corrado I. Sie wurde unter Sven Gero Hünicke an dritter Stelle platziert.
Junge Stuten im Fokus
Im Freispringchampionat für dreijährige Holsteiner Stuten wurde My Dream von Del ’Arko d’Henvet-Carnute (Z.: Bernhard Hobe, Kollmar) mit der Siegerschärpe ausgezeichnet. Sie erhielt für ihre Vorstellung die Wertnote 9,2. Nur knapp dahinter rangierte mit einer 9,0 Minett (Z.: Niko Detlef, Fehmarn). Die Stute ist ebenfalls eine Tochter des ursprünglich französischen Vererbers und hat eine Mutter von Connor.
Auch am Sonntag waren die dreijährigen Stuten gefragt: 35 Vertreterinnen des Jahrgangs 2019 traten zur Verbandsstutenschau an. Elf von ihnen gelang der Sprung in den Endring. Als Siegerin verließ die bereits leistungsgeprüfte Melypsa von Barcley-Armand xx-Calypso I-Ladalco aus dem berühmten Holsteiner Stamm 223B den Herbert-Blöcker-Platz. Züchterisch verantwortlich für die typvolle Dunkelbraune ist Sönke Eggers aus Struvenhütten, Kreis Segeberg. „Wir haben hier heute ein Pferd mit einem ganz wachen Auge und viel Aufsatz gesehen“, lobte Zuchtleiter Stephan Haarhoff.
Zur Reservesiegerin kürte die Kommission Mia von Clarksville-Stanfour-Canterburry-Quinar. Zur Welt gekommen ist sie bei Ernst Otto Christiansen in Struckum, Kreis Nordfriesland, der Mia auch ausstellte. Als „wahrhaftes Ausnahmepferd mit exquisiten Grundgangarten“ bezeichnete Haarhoff die Stute, die einst den dritten Platz beim Landesfohlenchampionat in Bad Segeberg belegte. Auch die Reservesiegerin ist bereits leistungsgeprüft und fiel beim Stutentest mit einem sehr guten Ergebnis auf.
Im Dressurring wurde ebenfalls die beste Stute herausgestellt, nämlich My Romanciera von Fürst Romancier-Aljano. Sie schloss ihre Leistungsprüfung mit der Wertnote 8,98 ab und wurde zudem Siegerstute im Körbezirk Segeberg. Der Spitze des Dressurrings attestierte Stephan Haarhoff „ganz besondere Qualitäten“. Die typvolle Rappstute stammt wie die Landeschampionessen in der Dressur aus der Zucht von Sonja und Nina Ellerbrock. Damit machte die Züchterfamilie ihr Wochenende komplett: „Viermal angetreten und viermal gewonnen“, freute sich Sonja Ellerbrock. Denn auch der Sieg von Christina Ellendt und Robby Brown in der Qualifikation für das Bundeschampionat der vierjährigen Holsteiner Reitpferde ging auf das Konto der Schwestern: Der Rock Forever I-Aljetto-Sohn stammt ebenfalls aus ihrer Zucht.
Als „ganz auffällig“ bezeichnete Haarhoff darüber hinaus die Reservesiegerin der Dressurstuten, Mariendal’s Pari-Al von Almoretto-Loran-Astaire DK-Raimondo (Z.: Karen Kappel, Dänemark). Auch sie wurde mit der Staatsprämie ausgezeichnet. pm