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Erfolgreiche Frauen im Reiterpark Max Habel

Bei strahlendem Sonnenschein und mit einer guten Besucherresonanz fand das diesjährige Frühjahrsturnier des Pferdesport- und Fördervereins Süseler Baum statt. Für die drei Vielseitigkeitsprüfungen der Klassen A* bis L hatten 240 Teilnehmer genannt. Gleich eine Woche später nutzte der Verein Northern Eventing die Anlage für ein Jungpferdeturnier.

Der Parcourschef Burkhard Beck-Broichsitter hatte im Vorfeld viele Hindernisse neu gestaltet. Teilweise mit dem schwedischen MIM-Safetysystem ausgestattet, bieten sie mehr Sicherheit für Reiter und Pferd. Beck-Broichsitter hatte anspruchsvolle Strecken ausgewählt, sagte aber beim Abgehen des Geländes mit den Richtern und der technischen Delegierten Maylin Pietzsch: „Die einzelnen Prüfungen sind gut zu schaffen. Alle Elemente wie Gleichgewicht bei Reiter und Pferd, Ausbildung, Mut und Rittigkeit werden in den jeweiligen Prüfungen abgefragt. Danach weiß jeder, wo er mit seinem Pferd steht und wie es weitergehen kann.“

Am Sonnabend starteten die Teilprüfungen Dressur und Springen auf dem Turnierplatz des Ostholsteinischen Reitvereins (ORV) Malente-Eutin. Am Sonntagmorgen ging es dann im Reiterpark Max Habel mit der Geländeprüfung L-schwer los. Die Aufgabe: 23 Hindernisse auf 3.050 m Strecke in einem Tempo von 520 m / min zu überwinden. Die Siegerdecke erritt sich Berit Schulz vom Reit- und Fahrverein (RFV) Felm, Kreis Rendsburg-Eckernförde, auf ihrer Holsteiner Stute Caja, dicht gefolgt von Isabella Roeder aus Hessen.

Für die Prüfung L-leicht wurde die Strecke auf 2.550 m verkürzt, auf 18 Hindernisse reduziert und der Prüfung entsprechend in der Höhe angepasst. In der ersten Abteilung siegte Jana Schukart aus Brandenburg mit der Holsteiner Stute Ladylike, gefolgt von Neeke Katharina Rothe vom gastgebenden Verein mit ihrem Dunkelfuchswallach Leon.

Pferdegerechtes Verhalten geehrt

Genannt hatte hier auch Mina Deirdre Mc Sherry aus Hessen. Die Reiterin war extra 400 km angereist und musste beim Springen feststellen, dass sie und ihre Stute Contessa noch nicht so weit sind. Sie hätte starten dürfen, zog aber nach dem Abgehen der Geländestrecke aus Rücksicht auf ihr Pferd den Start zurück. Dies bekamen die Richter mit und ehrten sie für ihr pferdegerechtes Verhalten. Sie fuhr dann unverrichteter Dinge, aber zufrieden wieder nach Hause.

Burkhard Beck-Broichsitter (v. li.), erster Vereinsvorsitzender und Parcourschef des Turniers, ehrte Mina Mc Sherry aus Hessen für ihr pferdegerechtes Verhalten, gemeinsam mit Hanna Huppelsberg-Zwöck, der zweiten Vorsitzenden. Foto: Alexandra Klünder

Die zweite Abteilung führte Paula Fatteicher aus Mecklenburg-Vorpommern mit der Trakehner Fuchsstute Sonnenlicht an. Den zweiten Platz belegte Desiree Schaeffer vom Pferdesport- und Förderverein Süseler Baum mit ihrer erst siebenjährigen Holsteiner Stute Belissima GP. Schaeffer hatte anfangs ihr Jackett vergessen, ihr wurde aber eins hinterhergebracht. Ein Glück, denn am Ende konnte sie es „nicht fassen“, wie souverän ihre beiden Pferde das Gelände meisterten.

Nach einer kurzen Pause und dem Umbau der Strecke für die Prüfung A* mit 15 Hindernissen und einer Länge von 2.080 m siegte Finja Maaser von der Reitsportgemeinschaft Groß Buchwald, Kreis Rendsburg-Eckernförde. „Mein erster VA-Sieg, es macht so Spaß mit so einem rittigen Pony“, freute sie sich über den Erfolg mit ihrem Hengst Petit Rock the Moment.

Gelände frei für die Jungpferde

Dicht auf den Fersen waren ihnen Lenya Beckmann aus Brandenburg und der Trakehner Wallach Fürst Unique. In der zweiten Abteilung verteidigte die Vorjahressiegerin Johanna Hengelhaupt vom Reitverein Südangeln, Kreis Schleswig-Flensburg, den Titel mit ihrer Trakehner Fuchsstute Nanunana.

Eine Woche später gab es ein Sichtungsturnier für die Bundeschampionate. Mit einer 9,0 war Kim Heitmann aus Niedersachsen die beste Reiterin der beiden Abteilungen in der Geländepferdeprüfung der Klasse A*. Sie hatte die fünfjährige Hannoveraner Stute Chiara Lolita gesattelt. Auch die Zweitplatzierte der zweiten Abteilung, Malin Hansen-Hotopp mit dem Deutschen Sportpferd Datt Fliewatüüt, schnitt mit einer 8,7 besser ab als Jan Mat­thies, Sieger der ersten Abteilung. Mit dem sechsjährigen Holsteiner Christallo verbuchte er eine 8,4.

Die Geländepferdeprüfung der Klasse L konnte mit Sabrina Mertens ebenfalls eine Frau für sich entscheiden. Im Sattel des sechsjährigen Holsteiners Bacalar siegte sie mit einer 9,2. Eine ähnlich gute Figur machten Rebecca-Juana Gerken und die sechsjährige Trakehner Stute Samba im Stilgeländeritt der Klasse A*. Sie siegten mit einer 9,0.

Termine der Hauptfeldführung

Die Trockenheit und Wärme der letzten Wochen haben die Praxisbestände, aber auch die Kulturen in den Versuchen an den Standorten der Landwirtschaftskammer sich zügig entwickeln lassen. Diese befinden sich nun langsam auf der Zielgeraden Richtung Ernte.

Daher stehen nun wie auch im vergangenen Jahr die Hauptfeldführungen an, wo einerseits die Versuche vorgestellt werden, aber auch fachlich vertiefte Gespräche geführt werden. Folgende Termine an den jeweiligen Standorten mit den genannten Themenschwerpunkten sind hierfür angesetzt:

Tensbüttel: 21. Juni, 9.30 Uhr; Treffpunkt Versuchsfeld Dellbrückweg, 25767 Tensbüttel-Röst (Koordinaten: 54.104105, 9.209498) – Winter- und Sommergetreide, Sorten und Düngung

Kastorf: 22. Juni, 9 Uhr und 13 Uhr; Treffpunkt Feldhalle– Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen, Sorten und Pflanzenschutz

Loit: 27. Juni, 9 Uhr; Treffpunkt Pultdachhalle Betrieb Krog– Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen, Sorten und Pflanzenschutz

Futterkamp: 29. Juni, 9 Uhr; Treffpunkt Reithalle– Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen, Sorten, Pflanzenschutz und Düngung

Sönke-Nissen-Koog: 4. Juli, 18 Uhr; Treffpunkt Versuchsstation– Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen, Sorten und Pflanzenschutz

Barlt: 6. Juli, 9.30 Uhr; Treffpunkt Versuchsfläche Süderhafenweg– Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen, Sorten und Düngung

Innerstädtisches Grün in Kiel

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Im Zentrum der Landeshauptstadt prägen neben dem Schrevenpark der am Kleinen Kiel befindliche Hiroshimapark, der sich anschließende Ratsdienergarten und der Schlossgarten das innerstädtische Grün. Während der zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegte Schrevenpark als bedeutender Landschaftspark der Kaiserzeit in Schleswig-Holstein gilt, ist der im 16. Jahrhundert angelegte Schlossgarten historisch gesehen die wohl älteste Grünanlage der Stadt.

Mit der boomenden Werft- und Hafenindustrie und der Ausweisung als Reichskriegshafen 1871 erfuhr die Stadt Kiel nicht nur einen wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch die Bevölkerungszahlen stiegen rapide an. Es bedurfte also im Laufe der Zeit neuer Wohngebiete.

Der Schrevenpark

Für den lange als eines der Trinkwasserreservoire der Stadt genutzten Schreventeich gab es ab 1897 die Ideen zu einer Parkentwicklung. Angelegt wurde die Grünanlage 1900 bis 1902 nach Entwürfen des Gartenbauinspektors Ferdinand Hurtzig. Um den repräsentativen Park wurde ein großbürgerliches Wohnviertel geschaffen, wobei Ideen der Bürger Berücksichtigung fanden. Der Park wurde die grüne Mitte des neuen Wohngebietes zur Erholung, aber auch für Spiel und Sport.

Teile des Gebietes waren im Besitz des ortsansässigen Grafen, weshalb das Areal im Volksmund als des Grafen Teich (plattdeutsch „‘s Greven Diek“) bezeichnet wurde, woraus sich die Bezeichnung Schreventeich entwickelte. Dieser Name fand allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg Verwendung. Eröffnet wurde die Parkanlage 1902 zu Ehren der preußischen Herrscher unter dem Namen Hohenzollernpark. Der Schrevenpark, der heute als bedeutenster Landschaftspark der Kaiserzeit in Schleswig-Holstein gilt, war von vornherein als Grünanlage für die Bürger der umliegenden Stadtteile mit Zugängen aus allen Richtungen konzipiert, wie es der Planer Hurtzig formulierte: „Wege sollen in den Park führen und auch durch ihn; der Park soll nicht Stadtteile trennen, sondern sie verbinden.“

Rosengarten mit der Skulptur „Schlummernde“ im Schrevenpark Foto: Hans-Dieter Reinke

Der gemischte Gestaltungsstil führte zu einem Landschaftspark mit eingefügten geometrischen Schmuckgärten und bunten Blumenbeeten. In der zentralen Teichanlage befand sich eine Insel mit Brücke, und am Ufer gab es Promenaden und eine Gastwirtschaft mit Bootshaus für Ruderbootpartien auf dem Kleingewässer.

In den 1920er Jahren wurde ein Sommerblumenbeet in einen Rosengarten umgewandelt, in dem 1926 die Skulptur „Schlummernde“ aufgestellt wurde, die im Jahre 1911 von Richard Engelmann, der später Kunstprofessor in Weimar war, geschaffen wurde. Zwar wurde die Skulptur wegen Vandalismusproblemen 1950 in den nahe gelegenen Hiroshimapark umgesetzt, gelangte allerdings 2002 nach Wiederherstellung des Rosengartens in den Schrevenpark zurück.

Im Zweiten Weltkrieg gab es erhebliche Zerstörungen im Park, und alle Gebäude wurden vernichtet. Nach dem etwas reduzierten Wiederaufbau hat sich das Parkareal aber zu einem beliebten Treffpunkt und Erholungsgebiet entwickelt. Neben den Blumenbeeten mit Bergenie, Veronica, Goldrute, Chinaschilf, Buchsbaum, Hartriegel und anderen gibt es Kinderspielmöglichkeiten, ein Planschbecken, eine Hundeauslaufzone, eine Boule-Spielfläche, ausgedehnte Rasenfreiflächen und natürlich den großen Teich im Zentrum mit Uferpromenaden, Laufstegen, eine Insel am Südufer mit einer weißen Brücke und Sitzplätzen und eine kleine Wasserkaskade.

Die Stege am Wasser eignen sich nicht nur für naturnahen Erholungsgenuss, sondern auch für die Beobachtung von Klein- und Wasservögeln. Der Schreventeich gilt als einer der größten Freigehege für Wasservögel in Deutschland. 

Interessant ist der über 100-jährige Baumbestand, wozu Eichen, Platanen, Erlen, Birken, Linden, Eschen, Trompetenbäume, Walnüsse, Kastanien, Tulpenbäume, Ess- und Rosskastanien, Eiben, Schlitzblättrige Buche, Magnolien und andere gehören. Prächtige Trauerweiden säumen die Ufer des Teiches. Viele Gartenbesitzer spendeten 1901 nach einem Appell Gehölze für die Bepflanzung und Entwicklung der Parkanlage. Früher trennte ein Silberahornring um den Park die Grünanlage von der umliegenden Bebauung. Reste davon sind noch erhalten. Schön ist auch die Blüte der Rhododendren im Mai.

Der Hiroshimapark

Wenige Gehminuten vom Schrevenpark in Richtung Altstadt befindet sich an dem innerstädtischen Kleingewässer Kleiner Kiel der Hiroshimapark. Die 1934 als Bismarckanlagen eingerichtete Grünanlage, die an den Reichskanzler erinnerte, zeigt auch ein überlebensgroßes Denkmal Otto von Bismarcks von Harro Magnussen. Im Jahr 1987 erfolgte die Umbenennung in Hiroshimapark in Erinnerung an den Atombombenabwurf auf die japanische Stadt. Seit 1986 findet immer am Jahrestag des Bombenabwurfs am 6. August 1945 eine Gedenkfeier im Park statt.

Neben einigen alten Bäumen wie Ess- und Rosskastanien, Silber- und Trauerweiden sowie Spitzahorn sind die Felder blau blühender Krokusse eindrucksvoll. Die Wasserinstallation „Changing Invisibility“ des dänischen Künstlers Jeppe Hein besteht aus einer quadratischen Fläche, die von einer Springbrunnen-Wasserwand umgeben ist, die sich schließt und wieder öffnet, indem die Wasserstrahlen plötzlich aufhören, in die Höhe zu schießen. Im Nordteil des Parks befindet sich ein Gedenkstein für die 334 schleswig-holsteinischen Sinti und Roma, die dem Völkermord der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind.

Blick über den Kleinen Kiel zur Kieler Innenstadt und dem Hiroshimapark Foto: Hans-Dieter Reinke
Die Wasserinstallation „Changing Invisibility“ im Hiroshimapark Foto: Hans-Dieter Reinke


Der sogenannte Kleine Kiel ist ein ursprünglicher Meeresarm der Ostsee, dessen Meereszugang ab 1862 zugeschüttet wurde (heute zum Teil wieder geöffnet). Über das Gewässer mit einem 75 m langen, bogenförmigen Schwimmsteg eröffnen sich schöne Stadtansichten mit dem Opernhaus, dem Rathausturm und der Parkanlage.

Was wie in der Ferne auf dem Wasser treibende Segel auf dem Kleinen Kiel aussieht, ist das aus 24 Aluminium-Tetraedern bestehende Kunstwerk „Schwimmobjekt“ von Ulrich Behl, das aus dem Jahre 1987 stammt. Es gibt einen Hinweis auf die Bedeutung, die der Segelsport für die Stadt Kiel besitzt.

Der Ratsdienergarten

Der Verlauf des Kleinen Kiels setzt sich  ringförmig um die Altstadt weiter fort in den Ratsdienergarten. In der seit 1938 als Ratsdienergarten bezeichneten öffentlichen Grünanlage besaßen früher die im Umfeld wohnenden Ratsdiener von ihnen bewirtschaftete Gärten. Neben Rasenfreiflächen und einigen alten Bäumen wie Silberahorn, Platanen, Flügelnuss, Roteiche und Blutbuchen finden sich hier vor allem einige Kunstwerke und Besonderheiten, beispielsweise der Klaus-Groth-Brunnen, der 1912 zu Ehren des in Heide geborenen und in Kiel verstorbenen Dichters errichtet wurde. Neben einer Statue Groths sind bekannte Szenen und Verse aus seinen Gedichten dargestellt.

Die Skulptur „Wik“ im Ratsdienergarten erinnert an den Kieler Matrosenaufstand von 1918. Foto: Hans-Dieter Reinke

Das Kunstwerk „Granitsäulen in Stahl“ mit dem Namen „Wik“ von dem Bildhauer Hans-Jürgen Breuste erinnert an den Kieler Matrosenaufstand vom November 1918. Interessant sind auch die sechs Büsten von Kieler Nobelpreisträgern, die von dem Bildhauer Jörg Plickat aus dem Jahre 2015 stammen. So finden wir neben den drei als Professoren in Kiel tätigen Chemie-Nobelpreisträgern Eduard Buchner, Kurt Alder und Otto Diels auch den Kieler Professor Otto Fritz Meyerhof als Medizin-Nobelpreisträger. Der Historiker und Altertumsforscher Theodor Mommsen, der in Kiel studiert hat, ist mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet worden und ebenfalls mit einer Büste vertreten. Hinzu kommt der bekannte, in Kiel geborene Physiker Max Planck, der 1919 den Nobelpreis für Physik erhielt und auch Ehrenbürger der Stadt Kiel ist.

Der Schlossgarten

Vorbei am Kieler Schloss folgt als weitere Grünanlage der Schlossgarten, der sich fördeparallel in Richtung Norden erstreckt. Das im Krieg stark zerstörte Kieler Schloss wurde 1961 bis 1965 als Neubau wiedererrichtet. Lediglich der Rantzaubau (ab 1697) ist vom alten Ensemble erhalten geblieben. Der Schlossgarten ist das erste Gartenkunstwerk Kiels, das unter Herzog Adolf im Zusammenhang mit dem Schlossneubau 1558 bis 1568 errichtet wurde.

Im Zuge der Universitätsgründung durch Herzog Christian Albrecht wurde hier auch der Botanische Garten „hortus botanicus“ angelegt. Es war der erste von fünf Standorten in Kiel, an denen der Botanische Garten der Universität im Laufe seiner über 350-jährigen Geschichte angelegt worden ist. Der zunächst als Renaissancegarten entwickelte Grünbereich wurde in der Folgezeit als Barockanlage, dann als französischer Garten und ab 1839/40 als Landschaftsgarten, später dann kaiserlicher Volksgarten entwickelt und ist heute öffentlicher Park.

Der Schlossgarten mit Blumenbeeten und dem Standbild von Kaiser Wilhelm I. Foto: Hans-Dieter Reinke

Der im Krieg zerstörte und in der Folgezeit vernachlässigte Gartenbereich wurde inzwischen wieder neu gestaltet und reichhaltig bepflanzt. Die im Frühjahr blühenden Nickenden Milchsterne gelten noch als Reste früherer Gartenzeiten. Neben den alten Bäumen nahe dem Schloss finden sich in der 300 m langen Gartenanlage seitlich einige alte Bäume und eine Lindenallee. Der nördliche Gartenteil mit Aussichtsplateau wurde mit vielen Beeten und reicher Blütenbepflanzung 2010 wiederhergestellt.

Die Beete rund um das Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I., das 1896 von Adolf Bütt gefertigt worden ist, sind nach historischen Plänen angelegt. Neben einem Denkmal für die Gefallenen von 1870/71 von Heinrich Moldenschardt gibt es auch ein Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Studenten und Dozenten der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Lohnend ist ein Abstecher in den nördlich gelegenen Skulpturengarten der nahen Kieler Kunsthalle.

Wer sich entlang der Förde weiter in Richtung Norden hält, kann nicht nur den Ausblick auf die Ostsee genießen, sondern auch einen Abstecher in den Alten Botanischen Garten gegenüber dem Aquarium machen oder auch der Krusenkoppel, dem Düsternbrooker Gehölz, dem Diederichsenpark oder der Forstbaumschule einen Besuch abstatten und den Tag bei einem Bad in der Seebadeanstalt Düsternbrook oder mit einem Drink in der dortigen Seebar ausklingen lassen.

Fohlengeburten in der Arche Warder

Die Fohlenzeit hat begonnen, auch in der Arche Warder, dem Zentrum für alte Haus- und Nutztierrassen im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Sechs Fohlen werden dort in diesem Jahr erwartet, fünf von ihnen sind schon gesund und munter angekommen.

Den Anfang machte im April die Posavina-Stute Neli mit einem Hengstfohlen. Nur wenige Tage später kamen zwei Schleswiger Kaltblut-Fohlen: Samba aus der Nachtigall und Snorre aus der Jasmin.

Letztere hatte im vergangenen Jahr Zwillinge bekommen. „Die beiden konnten wir gemeinsam an eine Familie in Schleswig-Holstein verkaufen“, freut sich Stefanie Klingel von der Arche Warder. Ihre Schleswiger Kaltblut-Fohlen lässt die Arche Warder beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein eintragen, in diesem Jahr im Juli.

Die Poitou-Eselstute Aleboune du Genet bekam Anfang Mai das Stutfohlen Nora de Warder. Ein weiteres Posavina-Fohlen kam im Mai: Vuca ist das erste Fohlen der aus der Zucht des Tierparks stammenden Mutterstute Josefa. Nun wartet das Team der Arche Warder noch ungeduldig auf ein Alt-Oldenburger Fohlen, welches im Juni hoffentlich gesund und munter auf die Welt kommen wird.

Der Geist ist willig, aber das Fleisch wandert ab

Vion schließt seinen Schlachthof in Bad Bramstedt zum 21. Juli. Diese Meldung trifft die Rinderhaltung in Schleswig-Holstein ins Mark. Offensichtlich klafft eine riesige Schere zwischen dem, was gesellschaftlich und politisch gewollt ist, und dem, was aus Marktmechanismen resultiert. Noch im Januar erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne), er wolle den Tierschutz durch weniger Transporte und mehr hofnahe Schlachtungen verbessern. Seine Maßnahmen: Forschungsprojekte und die Förderung von Start-ups. Auch Schleswig-Holsteins ehemaliger Landwirtschaftsminister Jan-Philipp Albrecht (Grüne) hat sich regelmäßig für die Förderung dezentraler Schlachthofstrukturen ausgesprochen und auch Förderbescheide verteilt, zum Beispiel im Frühjahr 2022 an die Landschlachterei Burmeister in Viöl, Kreis Nordfriesland. 

Mit der Vion-Entscheidung steht aber nun fest: Mindestens 80.000 Rinder jährlich werden ab August in größtenteils weiter entfernte Schlachtstätten transportiert. Das ist zwar unter den aktuellen tierschutzrechlichen Transportbestimmungen ohne Weiteres möglich, entspricht aber nicht den von vielen Politikern und Tierschutzorganisationen formulierten Zielen. Einzelne Förderbescheide und kleinere Projekte reichen definitiv nicht aus, dem Strukturwandel in der Landwirtschaft und im nachgelagerten Bereich zu begegnen. Nach Angaben des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH) verliert das nördlichste Bundesland pro Jahr zirka 4 % seiner Rinderbetriebe. Der Schweinesektor leidet gar unter einem Strukturbruch. 

Das Bestreben um immer mehr Tierwohl ist richtig und wichtig. Wenn steigende Auflagen aber dazu führen, dass die regionalen Wirtschaftsstrukturen verschwinden und die Produktion unter schlechteren Bedingungen im Ausland stattfindet, nutzt das keinem einzigen Tier, sondern schadet lediglich der regionalen Wertschöpfung. In Bad Bramstedt stehen nun 250 Mitarbeiter vor einer ungewissen Zukunft. Als Spezialisten für einzelne Arbeitsschritte werden sie bei den Landschlachtereien höchstens vereinzelt eine neue Anstellung finden können. 

Die Tierhaltung ist auf dem Rückzug, und momentan scheint es, dass sich diese Entwicklung verstetigt. Politische Entscheidungen der vergangenen Jahre haben zu einem massiven Vertrauensverlust der Bauern geführt. Die Niederungsstrategie, Extensivierungsvorgaben aus Brüssel und der Ausbau der Erneuerbaren Energien erhöhen den Druck auf die tierhaltenden Betriebe. Dabei arbeiten in Schleswig-Holstein hoch qualifizierte Bauern auf ihren Höfen mit im Vergleich hervorragenden Haltungsbedingungen.

Nur verlässliche Rahmenbedingungen können die Nutztierhaltung in Deutschland halten. Die bisherigen kleinen Schritte der Bundesregierung reichen für einen ganzheitlichen Umbau – entsprechend den Vorschlägen der Borchert-Kommission – nicht aus. Außerdem müssen Zielkonflikte innerhalb der Schlachtbranche klar benannt werden: Stimmt das Ziel langlebiger Tiere mit den aktuellen Kriterien bei der Fleischbeschau überein? Wo kann mobiles Schlachten eine Ergänzung zu Großschlachtereien sein, die eine ganz andere Logistik für Lagerung und Vermarktung vorhalten? Fest steht: Politische Lippenbekenntnisse stoppen die Abwanderung der Tierhaltung nicht.

Dr. Robert Quakernack

Schlachtvieh: Unterschiedliche Entwicklungen

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Während die Schlachtschweinekurse in der Vorwoche neue Rekordmarken erreicht haben, stehen die Preise für Schlachtrinder unter Druck. Zu dieser Jahreszeit, wenn eher Grillartikel vom Schwein gefragt sind als Rinderbraten, ist diese Entwicklung nicht ungewöhnlich. In diesem Jahr sorgen verschiedene Faktoren jedoch für eine sehr ausgeprägte Ausbildung.

Im Rinder- wie auch im Schweinebereich sind die Bestände in den letzten Jahren in Deutschland und auch in der Europäischen Union zurückgegangen. In Deutschland werden die Schlachthofkapazitäten nur zögernd reduziert. Derzeit profitierten vor allem die Schweinemäster von dieser Entwicklung, da sich die Abnehmer einen starken Konkurrenzkampf um das knappe Schlachtschweineangebot liefern.

Schlachtschweinekurse auf neuem Rekordhoch

Bereits im Vorjahr nahmen die Schweineschlachtungen in Deutschland um 9 % ab. Der Basispreis für Schlachtschweine stieg von 1,20 €/kg SG zu Beginn des Jahres 2022 auf 2,00 €/kg SG zum Jahresende. Im laufenden Jahr erhöhte sich der Kurs bis März auf 2,33 €/ kg SG und stieg in der Vorwoche auf 2,38 €/kg SG. Dieser Preisaufschlag ist nicht nur eine Folge der knappen Angebotsmengen zu Beginn der Grillsaison. Ein weiterer Impuls war die Meldung, dass aus Regionen in Deutschland ohne Fälle von Afrikanischer Schweinepest nun Schweinefleisch nach Südkorea geliefert werden kann. Damit kann erstmals seit 2,5 Jahren wieder ein namhafter Kunde in Asien beliefert werden. Obwohl zunächst nur wenige Schlachtbetriebe von dieser Regelung profitieren, erhöhte sich der Vereinigungspreis. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass auch mit China bald ein sogenanntes Regionalisierungsabkommen abgeschlossen werden kann.

Während die Schlachtschweinekurse somit einen neuen Rekordwert erreicht haben, tendieren die Notierungen für Schlachtrinder aktuell eher nach unten. Obwohl das aktuelle Lebendangebot nicht gerade umfangreich ausfällt, übersteigt es die Nachfrage. Auch die Schlachtkuhnotierungen geben nach. Im Sommer steigen die Kurse hier eigentlich an. Als Hauptgrund für diese Ursache wird die durch die hohen Lebenshaltungskosten aktuell geringe Rindfleischnachfrage gesehen.

Rinderschlachthof vor der Schließung

Ein weiterer Faktor, der die Rindernachfrage hierzulande reduziert, ist die angekündigte Schließung des Schlachthofes in Bad Bramstedt, der zum Vion-Konzern gehört. Begründet wird dieser Schritt mit Überkapazitäten an Schlachthaken im Rinderbereich und der „allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung zu weniger Fleischkonsum“. Bereits Ende Juli dieses Jahres soll die Arbeit eingestellt werden. Den hiesigen Landwirten bereitet diese Entwicklung Sorgen, da jetzt ein großer Handelspartner im Rinderabsatz fehlt. Obwohl in Bad Bramstedt große Stückzahlen aus anderen Bundesländern geschlachtet wurden, muss ein Teil der hiesigen Schlachtrinder an deutliche weiter entfernte Abnehmer geliefert werden. Damit verlängern sich die Transportwege, da die verbleibenden hiesigen Schlachtbetriebe bereits jetzt gut ausgelastet sind. Dies betrifft vor allem den Absatz von Jungbullen. Bislang gibt es wenig Hoffnungen, dass ein Wettbewerber den Schlachthof übernimmt. Für rund 250 Angestellte bedeutet dies den Verlust des Arbeitsplatzes. Bereits seit einiger Zeit wurden in Bad Bramstedt die vorhandenen Kapazitäten nicht voll ausgeschöpft. Als eines der Probleme sieht man die behördlichen Auflagen, die dort schärfer gehandhabt werden sollen als anderswo. Dazu werden eine zu geringe Zerlegung der Fleischartikel und ein Investitionsstau angeführt. Große Abnehmer von Fleischartikeln sollen zuletzt als Kunden abgesprungen sein. Hinzu kämen die bundesweite Erhöhung des Mindestlohns und die Einschränkungen bei der Vergabe von Arbeiten im Schlachtbetrieb an osteuropäische Zeitarbeitsfirmen.

Diese Nachricht hat den norddeutschen Schlachtviehhandel verunsichert. Es gibt jedoch auch viele Stimmen, die eine rasche Marktberuhigung erwarten. Es sollten schnell neue Handelswege gefunden werden. Die Landwirte sollten jetzt keinesfalls Schlachtvieh überstürzt abliefern. Alle Beteiligten arbeiten an Lösungen für den Rinderabsatz in Schleswig-Holstein.

Marktlage für die Woche vom 29.5. bis 4.6.2023

Getreide: Nach dem jüngsten Preiseinbruch konnten sich die Matif-Weizenpreise in der Vorwoche wieder etwas erholen.

Raps: Auch die Rapskurse stiegen in der Vorwoche wieder an. Die Märkte für pflanzliche Öle haben sich etwas erholt.

Futtermittel: Die US-Sojakurse konnten sich nach dem jüngsten Einbruch wieder etwas erholen.

Kartoffeln: Die Nachfrage über Pfingsten entsprach nicht den Erwartungen. Gute Qualitäten bleiben im Preis stabil.

Schlachtrinder: In der Vorwoche gaben die Kurse sowohl für Schlachtkühe als auch für Jungbullen nach.

Schlachtschweine/-sauen: In der Vorwoche wurden der Vereinigungspreis um 5 ct erhöht. Neue Exporte werden möglich.

Ferkel: In der Vorwoche blieb der Basispreis noch unverändert. Die Zuschläge stiegen jedoch weiter an.

Milch: Die Milchanlieferung hat die Saisonspitze erreicht und sollte Anfang Juni zurückgehen.

Schlachtlämmer/-schafe: Es werden vergleichsweise wenige Lämmer gehandelt. Die Kurse blieben unverändert.

Markttendenz für die Woche vom 5. bis 11.6.2023

Getreide: Der verlängerte Getreidedeal sorgt für Preisdruck. Neue Wetterrisiken haben die Kurse wieder steigen lassen.

Raps: Die Preiserholung wird durch neue Ernteschätzun­gen der EU und der Ukraine gebremst.

Futtermittel: Futtergetreide und Sojaschrot gaben im Kurs nach. Rapsschrot wurde in Hamburg etwas teurer.

Kartoffeln: Erste überregionale Frühware kommt in den LEH, hierzulande nur vereinzelt im Ab-Hof-Verkauf.

Schlachtrinder: Rindfleisch ist wenig gefragt. In der laufenden Woche hält der Preisdruck für alle Kategorien weiter an.

Schlachtschweine/-sauen: Die Mäster setzen auf weitere Preisaufschläge und haben die Ablieferungen reduziert.

Ferkel: Entsprechend der Entwicklung im Schweinehandel wurden auch die Ferkelkurse deutlich erhöht.

Milch: Die Großhandels- und Börsennotierungen bewegen sich seit Wochen seitwärts.

Schlachtlämmer/-schafe: Die Schäfer hoffen auf höhere Kurse und halten Stückzahlen zurück.

Eigenkapital zielgerichtet einsetzen

Gerade Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten, mit schwankenden Preisen und einem Zinsanstieg im Darlehensbereich, erfordern eine stabile Planung und Finanzierung in landwirtschaftlichen Unternehmen. Einer der Schlüssel hierzu liegt im Einsatz von Eigenkapital und Eigenleistungen. Der folgende Artikel beschreibt, was es zu beachten gilt.

Eigenkapital und Eigenleistungen reduzieren den Fremdkapitaleinsatz, was in der Regel zu günstigeren Konditionen und geringerer Kapitalbelastung führt. Zudem können Reserven für Unvorhergesehenes gebildet werden und so zur Stabilität des Betriebes beitragen.

Der Umgang mit volatilen Märkten ist für Landwirte eine bekannte Herausforderung und kann als Teil des Handwerks betrachtet werden. Allerdings werden die Preis- und Einkommensschwankungen deutlich verstärkt durch einen zu erwartenden Anstieg von Extremwetterlagen aufgrund des Klimawandels sowie durch Auswirkungen der Corona-Pandemie und durch Folgen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. In einem solchen Umfeld eine angemessene Eigenkapitalausstattung zu bilden, ist schwierig und wurde oftmals nicht umgesetzt. In der Praxis zeigt die Erfahrung, dass diejenigen, die Eigenkapital gebildet und eingesetzt haben, stabiler durch Krisen kommen.

Investitionen gezielt planen

Bei einem niedrigen Zinsniveau, wie es in den vergangenen Jahren vorherrschend war, hatte fehlendes Eigenkapital kaum merkliche Auswirkungen auf die Ausgestaltung eines Kredits, da der maßgebliche Teil des Kapitaldienstes aus Tilgung bestand. Das ändert sich jetzt. Mit den steigenden Zinsen wird der Zinsanteil des Kapitaldienstes deutlich höher, und somit sind Vollfinanzierungen im Vergleich zur Niedrigzinsphase deutlich teurer. Mit einer angemessenen Ausstattung an Eigenkapital haben Landwirte ein Instrument an der Hand, aktiv auf die Finanzierungsstruktur und Konditionen ihrer Kredite einzuwirken und damit auch ihren Betrieb langfristig stabil aufzustellen. 

Investitionen sollten rechtzeitig geplant und vorbereitet werden. Die entsprechenden Planzahlen aus den Liquiditäts- und Rentabilitätsplänen erleichtern die Entscheidungen der Betriebsleitung, ob und wann Investitionen umgesetzt werden sollen. Die Entscheidung über eine Kreditvergabe kann seitens der Bank meist schneller erfolgen, wenn mögliche Entwicklungen des Betriebs nachvollziehbar dargestellt werden. Bei größeren Investitionen wird diese Planung sogar vorausgesetzt.

Eigenleistung eindeutig beziffern

Eine transparente Kommunikation sorgt nicht nur dafür, dass die Bank ein Projekt besser einschätzen kann. Sämtliche Kosten eines Investments anzugeben, hat oftmals auch direkten Einfluss auf die Ermittlung der Darlehenszinssätze. In der Praxis erlebt man häufig, dass nur die konkret benötigten Darlehensmittel angefragt werden. Eigenleistung ist für Landwirte oft selbstverständlich und wird entsprechend nicht erwähnt. Die Bank erkennt die Eigenleistung an, weil sie die Kosten eines Projekts verringern kann.

Die Auswirkungen, die die Eigenleistung von Landwirten haben kann, lassen sich leicht anhand des Beispiels eines Hallenbaus erkennen: Der Landwirt reicht das Angebot zum Neubau bei der Bank zur Finanzierung ein. Mögliche Abrissarbeiten für eine alte Halle oder die vorbereitenden Erdarbeiten beziffert er nicht, weil sie in Eigenregie erfolgen. Die Bank betrachtet aber das Gesamtprojekt und bewertet, was der Bau der Halle kosten würde, wenn die Gesamtleistung durch eine externe Firma erbracht wird. Die Eigenleistung wird bei Betrachtung des gesamten Projekts also als Einsatz von Eigenkapital angesehen.

Darlehenszinssatz beeinflussen

Darlehenszinssätze werden aus den wirtschaftlichen Verhältnissen (Bonität) und den Kreditsicherheiten ermittelt. Die Bonität wird über ein Rating errechnet, für das der Jahresabschluss und die Kontoführung der vorigen zwölf Monate die maßgeblichen Faktoren darstellen. Je besser die ermittelte Bonitätsnote, desto geringer ist die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kunden aus Sicht der Bank. Dies führt zu einem günstigeren Zinssatz.

Für die Bestimmung der Kreditsicherheiten ist entscheidend, was die Bank gemäß ihren Vorgaben ansetzen darf. Die sogenannte Werthaltigkeit der Sicherheiten gibt an, welcher Erlös im Falle eines Verkaufs, auch in der mittel- oder langfristigen Zukunft, erzielt werden kann. Je höher der Anteil der werthaltigen Besicherung des Darlehens, desto positiver wirkt sich das auf den Kreditzins aus.

Aus der Kombination der Besicherung und der Bonitätsnote wird bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank nach klaren Vorgaben die Preisklasse ermittelt, aus der sich der individuelle Zinssatz für Kreditnehmer ergibt. Die Spannweite der Preisklassen umfasst die Preisklasse A (beste Kondition) bis Preisklasse I (siehe Tabelle).


Eine Beispielrechnung dazu:

 Welchen Einfluss der Einsatz von Eigenkapital hat, wird hier anhand der Anschaffung eines neuen Traktors verdeutlicht.

Folgende Annahmen werden getroffen:

Betrieb mit Bonitätsklasse 3 gemäß Landwirtschaftlicher ­Rentenbank

Anschaffungskosten Traktor (netto): 150.000 €

Sicherheitenansatz: 60 % des Netto-Anschaffungspreises = 90.000 € 

Traktor als einzige Sicherheit für den Kredit

zehn Jahre Kreditlaufzeit mit entsprechender Zinsbindung

ohne den Einsatz von Eigenkapital:

Darlehensbetrag: 150.000 €

Sicherheiten: 90.000 € 

es ergibt sich Besicherungsklasse 2 (Sicherheitenquote 40-70 %)

und damit Preisklasse D

Zinssatz: 5,3 %*

Zinskosten: 43.722,75 €*

mit Einsatz von 25.000 € Eigenkapital:

Darlehensbetrag: 125.000 €

Sicherheiten: 90.000 € 

es ergibt sich Besicherungsklasse 1 (Sicherheitenquote > 70 %)

und damit Preisklasse B

Zinssatz: 4,5 %*

Zinskosten: 30.933,76 €*

* Stand 20. März 2023


Die Höhe der Sicherheit ist wertmäßig in beiden Beispielen gleich, aber im Verhältnis Darlehenssumme zur Besicherung steigt beim Einsatz des Eigenkapitals die Sicherheitenquote. Das Risiko für die Bank sinkt entsprechend durch den geringeren Fremdkapitalanteil, und entsprechend besser fällt die Besicherungsklasse aus.

Im Beispiel ergibt sich daraus ein Zinsvorteil von 0,8 Prozentpunkten oder ganz konkret eine Reduzierung der Zinskosten für die gesamte Kreditlaufzeit um insgesamt 12.788,99 €.

Das Vorhalten und der Einsatz von Eigenkapital sorgen aus Sicht der landwirtschaftlichen Betriebe für günstigere Konditionen bei der Finanzierung. Durch die Verringerung der Zinskosten werden unnötige Mehrausgaben vermieden. So lässt sich Kapital bilden, das an anderer Stelle sinnvoll eingesetzt werden kann, um beispielsweise auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Mit einem entsprechenden Vorgehen tragen Landwirte zur Stabilisierung ihrer Betriebe bei. Vor diesem Hintergrund ist es absolut sinnvoll, eine angemessene Eigenkapitalausstattung zu bilden.

Eigenkapital bilden und separat verwahren

Es ist empfehlenswert, für die Bildung von Eigenkapital eigene Konten einzurichten und auf das Verwahren auf dem laufenden Betriebskonto zu verzichten. So wird das Risiko verringert, dass Geld, welches eigentlich für den Aufbau einer Eigenkapitalausstattung vorgesehen ist, im laufenden Betrieb eingesetzt wird. Die allgemeine Zinssteigerung hat anlegerfreundliche Auswirkungen, sodass auch auf Tagesgeldkonten wieder Guthabenzinsen ausgezahlt werden.

Der regelmäßige Austausch mit dem Bankberater hilft, die richtige Anlagestrategie für die Eigenkapitalausstattung zu finden.

Fazit

Der Einsatz von Eigenkapital sorgt für günstigere Konditionen bei der Kreditvergabe. Eine transparente Kommunikation zur Gestaltung von Finanzierungsprojekten kann eine Eigenleistung aufzeigen, die dem Einsatz von Eigenkapital gleichwertig ist und damit auch zu günstigeren Finanzierungskonditionen führen kann. Die Vermeidung unnötiger Zinskosten durch das Einbringen von Eigenkapital in eine Finanzierung trägt zur Stabilisierung des landwirtschaftlichen Betriebs bei.

Agri-Photovoltaik kann Erträge sichern und Dürrefolgen abschwächen

Der durch Agri-Photovoltaik (PV)-Anlagen gespendete Schatten kann in Pflanzenbeständen die negativen Folgen von Dürreperioden abschwächen. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die Prof. Andreas Schweiger von der Universität Hohenheim zusammen mit seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Lisa Pataczek durchgeführt hat.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Beschattung durch die PV-Anlage zwar die Erträge verringere, wenn ausreichend Wasser für das Pflanzenwachstum zur Verfügung stehe. Bei Wasserknappheit profitierten die Pflanzen jedoch von der geringeren Verdunstung und damit einem geringeren Wasserverlust. „Der Ertrag ist höher als auf den unbeschatteten Flächen“, erläuterte Pataczek. „Allerdings fällt dieses Potenzial je nach den klimatischen Bedingungen sehr unterschiedlich aus und hängt stark von den Pflanzen ab, die in solchen dualen Landnutzungssystemen angebaut werden“, ergänzte Schweiger.

So tolerieren ihm zufolge die meisten der bislang untersuchten Kulturen eine Beschattung von bis zu 15 % ohne nennenswerte Ertragseinbußen. Beeren, Obst und Fruchtgemüse profitierten sogar vom Schatten, während die Erträge von Futterpflanzen, Blattgemüse, Knollen- und Hackfrüchten sowie der meisten Getreidearten minimal darunter litten. Starke Ertragseinbußen gebe es hingegen beispielsweise bei Mais, Ackerbohnen, Soja und Lupinen – selbst bei geringer Beschattung, so die Pflanzenökologen. Der positive Effekt auf die Erträge könnte besonders für Regionen wichtig werden, in denen es gleichzeitig ein starkes Bevölkerungswachstum und ausgeprägte Dürreperioden gebe, schlussfolgern Schweiger und Pataczek.

Besonderes Potenzial sehen sie in den trockenheitsanfälligen Regionen der Welt, beispielsweise in Afrika und Indien. Aus Sicht der Forschenden macht die Stabilisierung der Erträge Agri-Photovoltaik zu einer vielversprechenden Technologie. Denn anders als bei Freiflächen-PV-Anlagen, die auf dem Acker in Konkurrenz zum Anbau stehen, könnten hier Nahrung und Energie auf einer Fläche parallel produziert werden. Würden Photovoltaik-Paneele auf Ständer gestellt, könnten darunter Nutzpflanzen angebaut werden. Alternativ könnten die Module in Bodennähe so installiert werden, dass zwischen ihnen Landwirtschaft betrieben werden könne.

Stroh, Luft und Wasser – die günstigsten Medikamente

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Wie lässt sich Lungenentzündungen bei Kälbern vorbeugen? Eine landwirtschaftliche Beraterin und ein praktischer Tierarzt geben Schweizer Landwirten Tipps aus ihrem Erfahrungsschatz.

Die Rinder- oder Kälbergrippe ist die häufigste Lungenerkrankung beim Jungvieh. Eine Lungenentzündung führt nicht nur zu kurzfristigen Leistungseinbußen, sondern oft auch zu bleibenden Lungenschäden. Man bemerkt diese nicht immer, doch wirken sie sich später in einer verminderten Leistungsbereitschaft der Tiere aus.

Keine Angst vor Frischluft! Kälber ertragen niedrige Temperaturen, wenn sie daran gewöhnt sind und sich im Stroh „einnisten“ können. Foto: Nathalie Roth

Vorsorge beginnt beim Trockenstehen

„Die Kälbergesundheit beginnt schon bei der Mutter“, erklärt Nathalie Roth von der Fachstelle Rindvieh des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen (LZSG). Bereits die Gesundheit und Versorgung der trockenstehenden Kuh wie auch ein sauberes „Geburtsbett“ und eine ruhige, stressfreie Geburt geben dem Kalb einen guten Start ins Leben. Das Ablecken durch die Mutter oder das Abreiben mit Stroh durch den Landwirt fördern die Durchblutung und damit den Kreislauf. „Legt das Kalb dorthin, wo die Mutter frisst“, empfiehlt die Tierhaltungsberaterin. So wird diese zum Ablecken des Kalbes motiviert. In Brustlage kann sich die Lunge besser entfalten.

Das Kalb habe von Natur aus schlechte Karten, da es im Verhältnis zu seinem Körper nur über eine kleine Lunge verfüge. Hinzu komme, dass die Rinderlunge sich nur langsam entwickele. Sie ist erst nach etwa einem Jahr ausgereift. „Stroh ist ein günstiges Medikament“, wirbt Roth. Auch später bietet es dem Kalb Wärme, Witterungsschutz und ein trockenes Nest. Es muss aber immer reichlich vorhanden sein, damit das Liegebett trocken bleibt. Regelmäßiges Entmisten und Einstreuen reduzieren zudem die Bildung von Ammoniak, das die Atemwege des Kalbes reizt. „Es sind viele kleine Dinge, die die Gesundheit des Kalbes unterstützen“, unterstreicht Roth.

„Keine Angst vor Frischluft“

Woran sieht man, ob ein Kalb gesund ist? „Aufmerksame Kälberohren sagen viel über den Allgemeinzustand aus“, weiß die Kuhsignal-Trainerin aus Erfahrung. Einem Kalb, das Kopf und Ohren hängen lässt, ist es nicht wohl. „Tragt im Stall immer einen Fiebermesser bei euch“, empfiehlt sie. Tränende Augen, Nasenfluss, Husten oder verstärkte Atmung weisen auf eine Erkrankung der Atemwege hin. Kranke Kälber lägen eher am Rand der Gruppe und entlang einer Wand, hat sie beobachtet.

Der erste Eindruck zählt: Aufmerksame Ohren geben wichtige Hinweise, ob es dem Kalb gut geht. Foto: Nathalie Roth

Um die Kälber vor Auskühlung zu schützen, lassen sich Betonwände mit Holz- oder Wärmedämmplatten verkleiden. Kälber mit zirka 120 bis 150 kg Lebendgewicht geben pro Tag etwa 4 l Wasserdampf an die Umgebung ab. Dieses Wasser muss mit der Lüftung aus dem Stall entfernt werden. Da im Winter die Luft kälter ist, kann sie weniger Wasser aufnehmen, und man muss häufiger lüften, was nicht unproblematisch für die Gesundheit der Kälber ist. Stoßlüften dauert nur kurz. Am besten lüftet man dann, wenn sich die Tiere in einem geschützten Bereich, beispielsweise am Fressgitter, aufhalten oder sich bewegen.

„Keine Angst vor Frischluft“, ermuntert die Beraterin. Frischluft ist gesund, denn sie ist frei von Staubpartikeln, die Träger von Bakterien, Viren und Pilzen sind. Kälber, die sich dauernd in der Kälte befinden, zum Beispiel in einem Offenfrontstall, haben ein dickes Haarkleid, und die Kälte macht ihnen nichts aus. Probleme gibt es dann, wenn es zu Zugluft kommt oder die Tiere die Kälte nicht gewohnt sind. So könne ein Wechsel vom warmen Stall in den kalten, winterlichen Auslauf zu Erkältungen führen.

Zwischenwände und große Strohballen in Form von Quader- oder Rundballen bieten den Kälbern Schutz vor Kälte und Zugluft. Sauberes Wasser ist nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter wichtig. „Stroh, Luft und frisches Wasser sind die günstigsten Medikamente“, fasst die Beraterin zusammen.

Auf Biestmilch und Wasser achten

Hanspeter Fässler, Inhaber der Großtierpraxis im appenzellischen Stein, betont ebenfalls die Bedeutung der Geburt und der ersten Lebenstage für die spätere Entwicklung des Kalbes. In seiner Praxis stellt er fest, dass die Versorgung mit Kolostrum oder Biestmilch oft vernachlässigt wird. Die Biestmilch soll man innerhalb der ersten drei Lebensstunden verabreichen, und davon mindestens 3 l. Je später das Kalb die Milch bekommt, desto weniger Antikörper nimmt es auf und desto anfälliger ist es gegenüber krank machenden Keimen.

In Kaltställen sind Wärmejacken sinnvoll, sie sollten aber sauber sein. Foto: Michael Götz

Kälber müssen jederzeit Zugang zu Wasser haben. Wie sollen Bakterien im Pansen die Rohfaser aufschließen können, wenn kein Wasser vorhanden ist? Kälber, die Zugang zu Wasser haben, nehmen schneller Heu auf als solche, die nur Milch erhalten. Wasser ist den Kälbern aus einem Eimer oder Selbsttränke-Becken anzubieten, wo sie von oben trinken können, aber nicht an einem Nuckel, damit das Wasser nicht in den Labmagen gelangt. Ein Eisenmangel erhöht die Krankheitsanfälligkeit. Heu ist ein natürlicher Eisenlieferant. Eine Eiseninjektion oder eine orale Eisengabe in den ersten zwei Tagen nach der Geburt sowie in der dritten Lebenswoche bieten einen guten Schutz vor Eisenmangel.

Nur wirksame Antibiotika verwenden

„40 Prozent der Aufzuchtkälber erkranken an Rindergrippe“, hält Fässler fest. Am Anfang steht eine Infektion durch Viren, wobei nur milde Symptome auftreten. Nach etwa drei bis vier Tagen, wenn die Abwehr des Körpers geschwächt ist, siedeln sich Bakterien an. „Die Bakterien räumen auf“, bringt es Fässler auf den Punkt. Es kommt zu Fieber und Atemnot. „Wir müssen schauen, mit welchen Erregern wir es zu tun haben“, erklärt der Tierarzt.

Aufgrund von Abstrichtupfern oder mittels Bronchiallavage lässt er im Labor den Erreger bestimmen und ein Antibiogramm erstellen. Damit lässt sich feststellen, welche Antibiotika gegen die Erreger wirksam sind. Die Bestimmung muss schnell gehen, denn es können Lungensegmente absterben. Antibiogramme seien zwar ein guter und vom schweizerischen Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) vorgeschriebener Weg zur Verringerung von Antibiotikaresistenzen, aber leider seien die Laboranalysen nicht immer rechtzeitig verfügbar. In dieser Zeit schreite die Entzündung fort.

Kälber saugen von unten her, Wasser nehmen sie aber von oben auf. Es darf nicht am Nippel angeboten werden. Foto: Michael Götz

Schutzimpfung als Alternative

Eine Möglichkeit, Lungenentzündungen vorzubeugen, bildet die Schutzimpfung. Die intranasale Impfung schützt vor dem Bovinen Parainfluenza-Virus und BRSV-Infektionen. Der Schutz hält zwölf Wochen an und muss dann erweitert werden. Es gibt aber je nach Bestand viele andere Viren, welche eine Lungenentzündung auslösen können und bei welchen diese Schutzimpfung nicht hilft. Fässler sieht die Zukunft der Immunprophylaxe in einem bestandesspezifischen Impfstoff. Damit ließe sich der Einsatz von Antibiotika verringern, aber die Herstellung solcher Impfstoffe sei aufwendig und der Erwerb für Betriebe mit wenigen Tieren finanziell kaum tragbar.

Dem praktischen Landwirt rät der Tierarzt, nicht zu warten, wenn er Kälber mit Husten oder Atemnot beobachtet, sondern den Tierarzt zu rufen. Je früher, desto besser, denn wie erwähnt, je fortgeschrittener die Lungenentzündung ist, desto mehr kann es zu bleibenden Schäden der Lunge kommen, die sich dann auswirken, wenn das Tier in Stress kommt. Saubere Stallluft, ein warmes Strohbett und bei Kälte vorgewärmtes Wasser sind ein guter Schutz vor Erkrankungen der Atemwege.

Fazit

bestimmen, wer für die ­Kälber verantwortlich ist

• Kurze Arbeitswege und eine gute Stallübersicht erleichtern die Arbeit.

Eine trockene Matratze wärmt die Tiere.

Viel Stroh ermöglicht den Tieren, sich „einzunisten“.

Betonwände gegen das Auskühlen der Kälber dämmen

Frischluft auf Nasenhöhe

genügend Platz geben, um eine Anreicherung von Keimen zu vermeiden

Ruhezonen helfen, Stress zu vermeiden.

dauernder Zugang zu frischem Wasser

Belüftungsschläuche können helfen, frische Luft in Ställe zu bringen und schlechte Luft zu verdrängen. Doch ist darauf zu achten, dass sie hoch genug angebracht sind und keine Zugluft entsteht. Nicht zuletzt kommt es auf die Verteilung und Größe der Löcher im Schlauch an.

Siliermitteleinsatz bei der Heulageproduktion

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Für Pferde mit Stauballergien oder Atemwegserkrankungen stellt die Fütterung von Heulage eine gute Alternative zum Heu dar, da sie etwas feuchter ist und damit weniger Staub enthält. Bei sehr trockener Heulage wird jedoch häufig die Bildung von Schimmelpilzen und Hefen beobachtet. Versuche während der Raufutterproduktion für einen Pferdebetrieb zeigen, warum gute hygienische Qualität bei Heulage so schwierig ist und welche Effekte das Silieren bei etwas geringeren Trockenmassegehalten und der Einsatz von biologischen Siliermitteln haben.

Auch wenn sich bei der Konservierungsart von Raufutter für Pferde die Geister scheiden, zeigen sowohl die Praxis als auch wissenschaftliche Untersuchungen, dass Heulage insbesondere für die Fütterung von stauballergischen Pferden hervorragend geeignet ist. Olave und andere fütterten in einer Pilotstudie für sechs Wochen jeweils drei beziehungsweise vier gesunde Rennpferde entweder mit gutem Luzerneheu oder Luzernegras-Heulage und führten dabei unter anderem Messungen zur Staubexposition der Tiere, zum ß-Glucan-Gehalt (Marker für Schimmelpilze) des einatembaren Staubs und zum Auftreten von verschiedenen Entzündungsmarkern in der Lunge durch. Die Pferde befanden sich während der Studie in Einzelboxen in einem klimatisierten, mit Holzspänen eingestreuten Stall und wurden täglich trainiert. Abgesehen vom Futter war die Haltung aller Pferde identisch.

Die einatembare Staub- sowie die ß-Glucan-Belastung waren bei den Pferden der Heugruppe dreimal beziehungsweise zweimal höher als bei den Pferden, die mit Heulage gefüttert wurden. In Korrelation mit der höheren Staubbelastung kam es zu einer Zunahme der Entzündungsmarker in der Lunge, während bei Heulagefütterung eher eine Abnahme zu beobachten war.

Lohnunternehmer Florian Reese setzt eine neue Rolle Stretchfolie ein. Raufutter für die Pferdefütterung sollte mindestens achtlagig mit Qualitäts­folie gewickelt werden.

Produktion von Silage und Heulage

Der empfohlene Schnitttermin für die Pferdefütterung ist erreicht, wenn sich die Hauptbestandsbildner des Grünlandes im Stadium Beginn bis Mitte der Blüte befinden. Für Silage- oder Heulageproduktion wird eine deutlich kürzere Feldliegezeit benötigt, da das Erntegut nur angewelkt und nicht wie beim Heu über Trocknung konserviert wird. Insofern können sowohl kürzere Erntezeitfenster gut ausgenutzt werden als auch Randbereiche der Flächen, auf denen die Trocknung nicht ausreichend ist, zur Heulageerzeugung dienen.

Um eine hohe Verdichtung im Ballen zu erreichen, ist ein hoher Pressdruck erforderlich. Schneiden des Ernteguts auf etwa 25 cm Länge wirkt sich positiv aus. Besondere Anforderungen bestehen an die Folienqualität und die Anzahl der Folienlagen (mindestens acht), da für eine gute Futterqualität eine absolut gasdichte Lagerung gewährleistet sein muss.

Sobald der Ballen verschlossen ist, wird zunächst der noch vorhandene Sauerstoff veratmet, das dabei entstehende Kohlendioxid (CO2) reichert sich an. Im oberen TM-Bereich beruht die Konservierung vor allem auf der CO2-Atmosphäre, im unteren TM-Bereich (bis etwa 60 %) findet noch echte Gärung statt. Im Idealfall setzen sich die auf dem Erntegut in unbekannter Anzahl und Güte vorhandenen Milchsäurebakterien (MSB) gegen die anderen Mikroorganismen durch und führen zu einer pH-Wert-Absenkung, wobei das Ziel ein pH-Wert von 5 ist, um Schadkeime zu unterdrücken.

Da die MSB unterschiedlich trockentolerant sind und Wasser zum Leben benötigen, ist die Gärintensität meist nicht stark genug, sodass Schadkeime weiterhin aktiv sein können. Dann finden sich in der Heulage neben den erwünschten Gärprodukten Milchsäure und Essigsäure (in geringer Menge wünschenswert) auch Buttersäure und Alkohole.

Je nach TM-Gehalt und Intensität der Milchsäuregärung sind die erzeugten Heulageballen nach dem Öffnen oder bei Folienverletzungen nur wenige Tage lagerfähig, es kommt sehr schnell zum aeroben Verderb durch Hefen (Nacherwärmung) und Schimmelpilze.

Pferdehalter Holger Wohlert lädt die Rundballen vorsichtig auf den Hänger. Der Transport von Rundballen zum endgültigen Lagerort erfolgt idealerweise sofort nach dem Wickeln, um das Risiko für Beschädigungen der Folie zu minimieren.

Mit Siliermittel Gärqualität verbessern

Zur Qualitätsverbesserung bieten sich im oberen TM-Bereich nur chemische Konservierungsmittel wie Propionsäure oder spezielle Salzmischungen an, bei deren Applikation während der Ernte sowohl auf die Dosierung als auch auf eine homogene Verteilung zu achten ist. Biologische Siliermittel enthalten MSB, deren Stoffwechselaktivität zumindest einen gewissen Anteil Wasser im Erntegut und vor allem Zucker als Nahrung voraussetzt.

Trockene Heulage verdirbt sehr schnell, wenn sie der Luft ausgesetzt ist, da die Konservierung fast ausschließlich auf der Kohlendioxidatmosphäre im Ballen beruht. Schon kleine Löcher können verheerende Folgen haben. Dieser Ballen gehörte jedoch nicht zum beschriebenen Versuch.

Um die Obergrenzen der Wirksamkeit eines MSB-Präparates auszutesten, wurden bei der Ernte einer extensiv bewirtschafteten Grünlandfläche bei Schlesen im Juni 2021 und 2022 sowohl unbehandeltes als auch mit Siliermittel behandeltes Gras in Rundballen einsiliert. Die Applikation in den Gutstrom erfolgte oberhalb der Pick-up der Rundballenpresse. Das Siliermittel enthält sowohl homo- als auch heterofermentative MSB, es wird im Gärverlauf also eine gewisse Menge Essigsäure gebildet, welche die Aktivität von Hefen hemmt.

Zur Ermittlung der TM-Verluste wurden die Ballen nach dem Wickeln und vor dem Öffnen gewogen. Vor dem Verfüttern wurden mit einem Bohraufsatz an verschiedenen Stellen der Ballen Proben gezogen, um den Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten, die Gärqualität, den Keimbesatz und die aerobe Stabilität (Labormaßstab) zu untersuchen. Öffnen und Beprobung erfolgten jeweils in den Wintermonaten entsprechend dem Raufutterbedarf auf dem Pferdebetrieb. Jeder Ballen wurde innerhalb von einer Woche aufgebraucht.

Die Ballengewichte zum Start waren 2021 mit durchschnittlich 510 kg höher als 2022 (384 kg), da das Gras weniger stark angewelkt war (57 % TM beziehungsweise 73,9 % TM, Tabelle 1). In Bezug auf das physiologische Alter waren die Gräser 2021 älter, was sich am höheren Rohfaser- und geringeren Protein- und Energiegehalt zeigt. Der epiphytische Besatz mit MSB war in beiden Jahren eher gering (77.000 KBE/g, 1.800 KBE/g), dafür waren die Keimgehalte an Hefen und Schimmelpilzen hoch. Die Gehalte an wasserlöslichen Kohlenhydraten im frischen Gras waren sehr hoch, die Fruktangehalte waren sogar als riskant einzustufen (6,3 % TM, 7,8 % TM).

Durch die Silierung wurden sowohl Zucker als auch Fruktane abgebaut, wobei im feuchteren Erntegut ein stärkerer Abbau zu verzeichnen war (Tabelle 2). Die Stoffumsetzungen hatten einen messbaren Gewichtsverlust der Ballen zur Folge, die TM-Verluste lagen 2021 bei 2,6 bis 4 %. Beim trockeneren Erntegut waren die TM-Verluste geringer (Kontrolle 0,9 %, Behandlung 0,6 %).

Im feuchteren Ausgangsmaterial (2021) bewirkte die Zugabe der MSB über das Siliermittel eine intensivere und gerichtetere Gärung (pH-Wert 4,7) als bei der Kontrolle (pH-Wert 5,4). Während in der Kontrollvariante Fehlgärungen auftraten (Buttersäure- und starke Ethanolbildung), je nachdem welche Mikroorganismen in Aktion traten, konnten diese durch die Behandlung sicher vermieden werden (Abbildung 1). Durch die während der heterofermentativen Milchsäuregärung gebildete Essigsäure wurden die Hefen sowohl in der anaeroben Phase als auch bei der aeroben Lagerung während der Verfütterung wirksam unterdrückt. Die hygienische Qualität war bei beiden Varianten einwandfrei, die Keimgehalte waren wirksam reduziert worden.

Der stärkere Anwelkgrad im Jahr 2022 repräsentiert eher die Praxis auf den hiesigen Pferdebetrieben. Durch die nur noch geringere Wasserverfügbarkeit fanden fast keine Gärprozesse mehr statt, was an der nur geringen Absenkung der pH-Werte (Kontrolle 5,7, Behandlung 5,6) und der geringen Säurebildung zu erkennen ist (Abbildung 2). Die mit dem Siliermittel behandelten Ballen wiesen nur leicht höhere Milch- und Essigsäure sowie geringfügig geringere Ethanolgehalte auf. Buttersäure war in beiden Varianten nicht nachweisbar, wahrscheinlich war es den Clostridien ebenfalls zu trocken.

Allerdings war die hygienische Qualität der Ballen trotz der vorsichtigen Handhabung der Ballen leicht herabgesetzt. Der Inhalt eines Ballens wurde als verdorben eingestuft. Als mögliche Ursache kann angenommen werden, dass die Restatmung nicht stark genug war, sodass sich die CO2-Atmosphäre nicht schnell genug ausgebildet hat. Durch Kondensation von Wasser an der Folieninnenseite stand dort mehr Wasser zum Leben zur Verfügung, sodass sich besonders in den Randschichten Hefen und Schimmelpilze vermehren konnten. Die betroffenen Partien wurden großzügig verworfen, es wurde nur sensorisch einwandfreie Heulage verfüttert.

Die Heulagen wurden in beiden Jahren gern von den Pferden gefressen. Der Pferdehalter war von der sehr guten Futterqualität im Jahr 2021 begeistert und setzt nun weiterhin auf eher feuchte Heulage/Silage und den Einsatz biologischer Siliermittel.

Fazit

Aufgrund der geringeren Staubentwicklung ist Heulage besonders für die Fütterung von stauballergischen Pferden geeignet, eine gute Gärqualität vorausgesetzt. Die durchgeführten Versuche zeigen, dass Mut zu feuchteren Heulagen unter 60 % TM mit einer intensiveren Gärung belohnt wird. Zudem bewirkt der Einsatz geeigneter biologischer Siliermittel die Minimierung des Fehlgärungsrisikos und eine bessere aerobe Stabilität bei der Verfütterung. Bei geringerer Wasserverfügbarkeit ist das Leben der beteiligten Mikroorganismen nur noch eingeschränkt möglich, wodurch trockene Heulage auch zum „Problemkind“ werden kann.