Die Probstei ist wieder geschmückt. 18 der 19 Dörfer des Tourismusverbandes Probstei warten mit ihrer Strohfigur auf, die von vielen fleißigen ehrenamtlichen Helfern in den vergangenen Monaten erdacht und kunstvoll gefertigt worden ist.
Wer sich auf Strohfiguren-Tour durch die Probstei begibt, kann eine Menge entdecken und zugleich erfahren. Denn jede Strohfigur hat einen besonderen Hintergrund, ein Thema oder eine Botschaft. Die Bandbreite reicht vom Klimawandel über die Verschwendung von Steuergeldern bis hin zu den historischen Bezügen des jeweiligen Dorfes. In Fiefbergen erinnern die Strohfiguren zum Beispiel an das Sterben der Höfe und die Wandlung der Landwirtschaft. Dort hat das Stroh-Team „Rosalie, das Fiefbergener Fleckvieh“ auf dem Dorfplatz aufgestellt. Mit lustiger Schleifen und niedlichem Augenaufschlag zaubert es den Besuchern ein Lachen aufs Gesicht.
Ebenso wie die „Ottifanten“, die am Stakendorfer Dorfteich stehen und verliebt um die Wette rüsseln. Gesäumt werden die beiden Dickhäuter mit ihrer für Otto Waalkes typischen Form – eine schöne Hommage an den Komiker, der gerade seinen 75. Geburtstag feierte.
Ein wenig spezieller geht es in Bendfeld zu. Dort ragt, zunächst für viele überraschend, das Laboer Ehrenmal auf dem Dorfplatz empor. Doch auf den zweiten Blick erschließt sich die Bedeutung dieser Figur. Denn am Fuße des Ehrenmals ist das Schwimmbad dargestellt, liebevolle Details wie die Badeleiter und die Startblöcke komplettieren das Bild. Vom Sprungbett purzeln die Euro-Zeichen ins Wasser, über der ganzen Szenerie schwebt schon der Pleitegeier. Die Kritik: Seit Jahren diskutiert man in Laboe über das Schwimmbad, das mittlerweile geschlossen ist, und einen Zweckverband, trifft aber keine Entscheidung.
In Passade können die Besucherinnen und Besucher sich einmal musikalisch ausprobieren. Dort stehen nämlich, in Anlehnung an die Bremer Stadtmusikanten, die Passader Dorfmusikanten. Die Kuh, das Schwein, die Ziege und das Huhn sind kunstvoll geformt. Eine Gitarre steht für die Besucher bereit und so mancher lässt sich so als „Passader Dorfmusikant“ fotografieren.
In Stein liegt der Wal, mit dem die Schnecke auf Reisen geht. Hintergrund ist ein Kinderbuch, in dem die kleine Schnecke dem mächtigen Wal aus der Not hilft. Die Botschaft: Bist du auch klein, so kannst du mit Klugheit und Willensstärke doch etwas bewegen. In Wendtorf und Probsteierhagen stehen Shaun, das Schaf und seine Gefährten, in Lutterbek schwimmt ein Entenhaus auf dem Dorfteich und in Wisch zeigen die Strohkünstlerinnen und -künstler, wie die Bauersfrau vor 100 Jahren mit einem Hundegespann zum Melken ging.
Wie kamen die Strohfiguren eigentlich in die Probstei? Sie entstehen Jahr für Jahr im Rahmen der Probsteier Korntage, die durch den vor 23 Jahren gegründeten Tourismusverband Probstei in Leben gerufen worden waren. Diese vierwöchige Veranstaltungsreihe zeigt den Gästen, dass sich ein Besuch nicht nur in den Strandgemeinden der Probstei lohnt, sondern dass auch das Binnenland so manchen Hingucker zu bieten hat. Als Höhepunkt dieser Korntage gelten die Strohfiguren, die bis Ende Oktober in den Orten zu sehen sind. An jeder Figur weist ein Plan den Besuchern den Weg.
Eines allerdings ist nach der Corona-Pause anders geworden: Es gibt keinen Wettbewerb mehr unter den Dörfern. Dafür hängen an jeder Figur Stempel und Karten, die die Besucher dazu animieren sollen, jede Figur anzuschauen und dies auf der Stempelkarte zu vermerken. Wer die Karte vollständig ausgefüllt hat, kann sie an den Tourismusverband Probstei schicken und hat die Chance, einen Gutschein für ein Restaurant der Region zu gewinnen.




