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In Klagenfurt am Wörthersee im österreichischen Bundesland Kärnten fand Anfang August die European Rally 2023 der Rural Youth Europe (RYE) statt, einer Organisation der europäischen Landjugenden. Johann Schmidt von der neu gegründeten Landjugendgruppe Südstormarn nahm mit neun weiteren Landjugendlichen aus ganz Deutschland daran teil. Hier Johanns Bericht.
Was uns erwarten würde, war einigen von uns noch nicht so klar, da viele auch das erste Mal dabei waren und nur die Erzählungen derer kannten, die bereits öfter hingefahren waren. Wer bei „Rally“ allerdings rein sportliche Wettkämpfe erwartete, der wurde eines Besseren belehrt: Zusammen mit 52 anderen Teilnehmern aus zwölf Nationen beschäftigten wir uns eine Woche lang hauptsächlich mit den Themen Kreislaufwirtschaft und nachhaltigeres Handeln.
Dazu wurden am Anfang der Woche in Workshops die Grundbausteine gelegt: Was ist Kreislaufwirtschaft? Welche Anbaumöglichkeiten bestehen in Österreich? Aber auch die Produktion von Fleisch stand auf der Tagesordnung. Außerdem gab es Vorträge zu Themen wie Transport und Verpackung von Lebensmitteln, und es ging um die bekannte Frage, inwieweit sich der Fleischkonsum auf die Umwelt auswirke und wie viel folgenschwerer die Produktion von Laborfleisch, pflanzlicher Wurst et cetera wäre.
Es wurden Exkursionen zu verschiedensten Betrieben unternommen. Dies waren einerseits landwirtschaftliche Betriebe, die in der Direktvermarkung mit selbst hergestellten Produkten wie Bauernhofeis oder selbst gemahlenem Mehl aktiv waren, sondern auch traditionelle lokale Betriebe wie eine Brauerei und ein ansässiges Weingut. Für Interessierte gab es eine Exkursion zu einer Farm, auf der Mehlwürmer gezüchtet und dann zu Eiweißpulver verarbeitet werden. So kamen wir mit vielen Konzepten und neuen Ideen in Kontakt.
Der deutsche Tisch beim internationalen Buffet. Foto: Johann Schmidt
Um das Land und ihre Bewohner besser kennenzulernen, verbrachten wir eine Nacht und einen Tag in Gastfamilien, welche in dieser Zeit ein Programm für uns vorbereitet hatten. An den Abenden, an denen wir mit allen anderen Teilnehmern zusammen in unserer Unterkunft, der örtlichen Landwirtschaftsschule, waren, gab es ebenfalls jeden Tag ein wechselndes Abendprogramm. An einem Abend wurde das internationale Buffet präsentiert, für das jedes Teilnehmerland einen Tisch mit seinen landestypischen Spezialitäten und Getränken eingedeckt hatte, sodass sich die Teilnehmer einmal durch halb Europa durchprobieren konnten. Bei uns Deutschen befanden sich unter anderem auf dem Buffettisch Mettwurst, Braune Kuchen, Eierlikör, Schinkenbrot und Schokolade. An einem anderen Abend wurde uns von den Gastgebern Polka beigebracht. Es gab ein Kneipenquiz und Spiele ohne Grenzen, bei denen man seine Sportlichkeit und Geschicklichkeit auf die Probe stellen musste.
Alles in allem war die European Rallye eine spannende, lustige, interessante, nette und lehrreiche Woche. Es wurden viele Kontakte geknüpft und internationale Freundschaften geschlossen, neue Orte kennengelernt, und Kontakt zu anderen Kulturen wurde hergestellt.
Im nächsten Jahr geht die European Rally nach Estland. Wer mehr Informationen haben oder sich vielleicht schon einmal für einen Platz vormerken lassen möchte, kann sich gerne in der Geschäftsstelle des Landjugendverbands Schleswig-Holsteins melden.
„Landwirtschaft mit Zukunft“ – bereits zum zehnten Mal bot der LandFrauenverband Schleswig-Holstein unter diesem Titel ein Seminar an. Gastreferent war Dr. Uwe Scheper, der neue Tierschutz-Vertrauensmann des Landwirtschaftsministers. Besonderes Bonbon war der Veranstaltungsort: das Gut Immenhof in der Gemeinde Malente im Kreis Ostholstein, bekannt als Drehort für die Pferdefilme mit den Mädchen „Dick“ und „Dalli“.
Der Qualität der Veranstaltung tat der überschaubare Zuhörerinnenkreis von 16 Damen keinen Abbruch. Im Reiterstübchen des Gutes berichtete Dr. Uwe Scheper über seine ersten Erfahrungen in seinem Ehrenamt. Seit März ist der Agrarjournalist, Ökonom und Landwirt als „Vertrauensperson Tierschutz in der Landwirtschaft“ tätig – unabhängig, nicht weisungsgebunden und auch nicht berichtspflichtig, wie er betonte. Das erleichtere ihm den Aufbau von Vertrauen, das notwendig ist, bevor er überhaupt helfen kann.
Vizepräsidentin Lena Haase bedankte sich bei Dr. Uwe Scheper für den interessanten Vortrag.
Ansprechpartner sei er für alle Menschen, denen eine Situation von Tieren, egal ob auf dem Hof, auf dem Deich, auf der Koppel oder anderswo, verdächtig vorkommt, aber auch für Landwirte und Tierhalter selbst, die sich mit einer Situation überfordert fühlen. Da könne es ein Tourist sein, der Schafe auf dem Deich beobachtet, die bei Hitze auf der Seite liegen, es könne der Nachbar sein, dem auffällt, dass es zu einer prekären Lage für Nutztiere kommt – oder für den Landwirt selbst. „Es geht nicht um Petzen oder Denunzieren, sondern um Hilfen für die betroffenen Tiere.“
Allerdings, so kam es aus der Zuhörerschaft, müsse ja meist erst einmal dem Bauern geholfen werden, damit es den Tieren wieder gut gehe. Das konnte Scheper aus seiner erst wenige Monate andauernden Arbeit nur bestätigen. Denn die meisten Landwirte lieben ihre Tiere, sind aber eben in manchem Fall überfordert durch verschiedenste Lebenssituationen. Die gelte es zunächst einmal auszuloten, ins Gespräch zu kommen. „Im besten Falle komme ich auf den Hof, der Landwirt erzählt, wo der Schuh drückt, und wir suchen gemeinsam nach Lösungen“, beschrieb Scheper seine Arbeit. Dabei könne es ebenso um die Verkleinerung des Viehbestandes und die Neuausrichtung des Betriebes gehen wie um eine Sanierung oder Modernisierung.
Harald Düsterhoff erklärte bei einem Rundgang über das Gut die Geschichte der Anlage.
Seine Ausbildungen als Ökonom und Landwirt komme ihm dabei zu Gute, aber auch psychologisches Geschick sei oft notwendig. Die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen, sei gegenüber einem unabhängigen Vertrauensmann weitaus geringer, als sich gleich an das Veterinäramt zu wenden, wodurch sofort ein offizielles Verfahren in Gang gesetzt würde, erklärte Scheper weiter.
Die Frauen bestätigten, auch sie würden eher einen Vertrauensmann anrufen als das Veterinäramt. „Das ist eine sehr, sehr gute Sache, weil es niedrigschwellig ist“, schätzte Tatjana Therolf aus Bredstedt in Nordfriesland ein. Friederike Edelmann aus Schönkirchen und andere fragten, wo denn über dieses Amt näher informiert würde, denn bisher sei davon zu wenig bekannt. Scheper betonte, er mache zwar keine Werbung, aber er verfüge über ein breites Netzwerk aus Verbänden, Ministerien, der Landwirtschaftskammer, dem Bauernverband.
Etwa zwei Tage pro Woche sei er mit unterschiedlichsten Fällen befasst, so Scheper. Dieses Ehrenamt sei vertraglich geregelt und zunächst auf ein Jahr befristet. Er ist erreichbar unter Tel.: 01 51-52 78 98 40 sowie per Mail unter vertrauenspersonTierschutz@mllev.landsh.de
Vizepräsidentin Lena Haase bedankte sich für den lebendigen wie informativen Vortrag, bevor die Seminarteilnehmerinnen im Restaurant „Melkhus“ auf dem Gut Immenhof speisen und im Anschluss von Harald Düsterhoff bei einem Rundgang mehr über die Geschichte der Anlage erfahren konnten.
Rückläufige Viehbestände ließen für 2023 in den EU-Mitgliedstaaten eine sinkende Fleischerzeugung bei Schweinen und Rindern erwarten. Dies wird nun durch aktuelle Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) bestätigt. Beim Schweinefleisch ist der Produktionsrückgang deutlich stärker als vorhergesagt. Die Fleischerzeugung insgesamt sinkt um fast 9 % und damit so stark wie nie.
Im ersten Halbjahr 2023 standen in der EU 10,6 Millionen Schweine weniger für die Schlachter zur Verfügung. Demnach kamen von Januar bis Juni in den meldepflichtigen Schlachtereien der EU insgesamt 109,2 Millionen Schweine an die Haken; das ist ein Minus von 8,9 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2022. Die Schweinefleischerzeugung lag mit 10,3 Mio. t um 971.000 t oder 8,6 % unter dem Vorjahresniveau. Selten zuvor, wenn überhaupt, hat es so einendeutlichen Einbruch gegeben.
Die EU-Kommission war bei ihrer Prognose im Frühjahr für das Gesamtjahr 2023 von einem Produktionsminus von 5 % im Vorjahresvergleich bei Schweinefleisch ausgegangen und blieb im Sommer bei ihrer Einschätzung. Die aktuellen Marktdaten und Berichte aus den Mitgliedstaaten lassen jedoch einen stärkeren Rückgang erwarten. In den Schweinehochburgen Spanien und Deutschland wurden 2,44 beziehungsweise 2,2 Millionen Schweine weniger an die Schlachtstätten geliefert, was gegenüber der ersten Jahreshälfte einem Rückgang von 8,4 % bei den Iberern und 9,2 % im Bundesgebiet entsprach.
Schweineschwund in Dänemark
Besonders stark nahm das Schlachtschweineangebot im Vorjahresvergleich in Dänemark ab, und zwar um 19,1 % auf 7,44 Millionen Tiere; die dortige Schweinefleischerzeugung brach sogar um mehr als ein Fünftel ein. Der Konzern Danish Crown reagierte bereits mit Betriebsschließungen und verkürzten Schichten und muss sehen, wie er den Erzeugern einen auskömmlichen Schlachtschweinepreis zahlt, um nicht noch mehr Tiere zu verlieren.
Im zweistelligen Prozentbereich gesunken sind zudem die Schlachtungen sowie die Fleischerzeugung in Belgien, den Niederlanden, Irland, Lettland und der Slowakei. Nur unterdurchschnittlich rückläufig war im EU-Vergleich die Produktion von Schweinefleisch mit weniger als 5 % in Frankreich, Ungarn, den Niederlanden, Rumänien und Schweden. In keinem EU-Staat wurde mehr Schweinefleisch als in der ersten Jahreshälfte 2022 produziert.
Moderater als bei den Schweinen fiel der Produktionsrückgang bei den Rindern aus. Laut Eurostat wurden in der EU im ersten Halbjahr 2023 knapp 10,8 Millionen Tiere geschlachtet; das waren rund 407.000 Stück oder 3,6 % weniger als in der Vorjahresperiode. Die Rindfleischerzeugung ging dabei um 4,5 % auf 3,14 Mio. t zurück. Auch hier ist der tatsächliche Produktionsrückgang höher als von der EU-Kommission prognostiziert, die für das Gesamtjahr 2023 nur mit einem Minus von 1,6 % rechnet. Ursprünglich war erwartet worden, dass die rückläufigen Rohmilchpreise das Schlachtkuhaufkommen vergrößern. Davon ist bisher jedoch nichts zu spüren: Die Kuhschlachtungen lagen laut Eurostat um 3,7 % unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2022; es wurden rund 113.000 Tiere weniger an die Schlachthöfe geliefert. Der Abstand zum Vorjahr hat sich im zweiten Quartal noch vergrößert. Vor allem in Italien, Spanien, Frankreich und Polen wurden in den ersten sechs Monaten weniger Kühe geschlachtet; in Deutschland lag das Aufkommen in etwa auf dem Vorjahresniveau.
Produktionseinbruch in Italien
In den einzelnen EU-Staaten entwickelte sich die Rindfleischerzeugung in der ersten Jahreshälfte 2023 unterschiedlich; mehrheitlich kam es in 17 Ländern gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode zu Produktionseinbußen. Besonders stark fiel das Minus laut Eurostat in Italien mit fast 85.000 t oder 22,6 % auf 290.000 Mio. t aus. Dies trug wesentlich zum Rückgang in der gesamten EU bei. In Spanien, Portugal und Rumänien wurde zwischen 6,7 und 12,6 % weniger Rindfleisch erzeugt. In Frankreich als größtem Produzenten in der Gemeinschaft sank das Aufkommen um 2,9 % auf 662.000 t, während in Deutschland ein Anstieg um 0,9 % auf 481.000 t verzeichnet wurde. Die Niederlande meldeten ein Plus von 3 %, und in Schweden und Finnland stieg die Rindfleischerzeugung um 2,9 beziehungsweise 5 %. age
Brasilien wird größter Maisexporteur der Welt
Was bei den Sojabohnen schon lange der Fall ist, dürfte jetzt beim Mais eintreten: Brasilien wird im laufenden Vermarktungsjahr auch bei der wichtigsten Getreideart zum größten Exporteur der Welt aufsteigen und zieht an den USA vorbei mit einer Ausfuhrmenge von schätzungsweise rund 50 Mio. t aus der Ernte 2022/23. Das hat die staatliche Versorgungsgesellschaft Conab in Brasília prognostiziert. Das bestätigt die Vorhersagen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA). Wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist, dass Brasiliens Gesamtproduktion an Mais auf den neuen Rekord von 131,9 Mio. t zugelegt hat; das sind 16,6 % mehr als im Vorjahr. Die Produktionssteigerung ist auf höhere Hektarerträge im Maisanbau zurückzuführen.
Im Durchschnitt der letzten drei Erntezeiträume sind diese 2022/23 laut Conab-Schätzung gegenüber dem Vorjahr um 13 % auf 59,2 dt/ ha gestiegen. Allerdings wurde auch die Anbaufläche um 3,2 % auf 22,3 Mio ha ausgeweitet. Die dynamische Entwicklung der Maisexporte wird auf bessere Absatzmöglichkeiten der Südamerikaner in China zurückgeführt.
Auch in der Saison 2023/24 soll sich laut USDA-Prognose die Ausfuhrmenge der USA an Mais zwar wieder auf 53 Mio. t steigern; für Brasilien werden aber 59 Mio. t erwartet. Doch sind die USA nach wie vor mit Abstand der weltweit größte Maiserzeuger mit 358,5 Mio. t im Jahr 2022 und 383,8 Mio. t 2023. Brasiliens Maiserzeugung 2023/24 wird bei 129 Mio. t gesehen. age
In den vergangenen Jahren war es in vielfach schwierig, die Waldpflege in den jungen Laubholzbeständen voranzubringen, da die Maßnahmen in der Regel mit Kosten verbunden waren und es vielfach überhaupt schwierig war, geeignete Firmen und Arbeiter dafür zu gewinnen. Durch die positive Preis- und Nachfrageentwicklung nach Hackschnitzeln in Dänemark bietet die dänische Heidegesellschaft jetzt auch in Schleswig-Holstein vielfach positive Deckungsbeiträge bei der Produktion von Hackschnitzeln in jungen Laubholzbeständen.
Der Hacker – angebaut an einen landwirtschaftlichen Schlepper – hackt das Holz von der Gasse in seinen Transportanhänger.Die Hackschnitzel auf dem Anhänger werden nun in den Container eines Holzrückers umgeladen.Der Holzrücker lädt nun die Hackschnitzel in den Lkw-Container.
Das in der Försterei Rixdorf, Forstverwaltung Graf von Westphalen, gesehene Verfahren gestaltet sich folgendermaßen: Zunächst werden die Gassen motormanuell in den Bestand eingearbeitet. Die erforderliche Gassenbreite beträgt 4 m. Die Bäume werden alle in eine Richtung gefällt, damit der Schlepper das Holz so problemlos in den Hacker ziehen und weiterbearbeiten kann. Die Hackschnitzel werden durch den Hacker in den an den Schlepper gehängten Anhänger geblasen.
Ist der Anhänger voll, werden die Hackschnitzel auf einen Rückeschlepper mit aufgebautem Container umgeladen. Dieser fährt die Hackschnitzel nun weiter an den Lkw-fähigen Weg und lädt die Masse in einen Lkw-Container um, sodass die Hackschnitzel nun zu einem Lagerplatz, einem Werk oder einem Hafen transportiert werden können.
Nachdem die Feinerschließung des Bestandes hergestellt ist, kann im zweiten Schritt eine Durchforstung durchgeführt werden. Dazu wird dann ein Fällbündler (Harvester mit speziellem Fällaggregat) eingesetzt, der die zu entnehmenden Bäume aus dem Bestand nimmt und mit dem dicken Ende in eine Richtung auf die Gasse legt. So können dann die oben beschriebenen Maschinen noch einmal Hackschnitzel produzieren und für den Transport zur Verfügung stellen.
Vergilbte Blätter, Wuchsdepressionen, Pflanzenverluste – die Symptome und Auswirkungen durch tierische Vektoren übertragener Getreideviren sind vielfältig. Bestenfalls ist der Befall auf wenige Einzelpflanzen beschränkt und hat keine ertraglichen Konsequenzen. Schlimmstenfalls kann ein Umbruch stark betroffener Flächen folgen. In den vergangenen Jahren waren größere wirtschaftliche Schäden eher die Ausnahme und glücklicherweise nur auf wenige Jahre beziehungsweise Einzelflächen beschränkt.
Zu den ökonomisch wichtigsten Getreideviren gehören das Gelbverzwergungsvirus der Gerste (Barley yellow dwarf virus – BYDV) und das Weizenverzwergungsvirus (Wheat dwarf virus – WDV). Zur Ausbreitung und Übertragung sind diese Viren auf tierische Vektoren angewiesen. Bei der Übertragung von Gelbverzwergungsviren nehmen die Getreideblattläuse (zum Beispiel Große Getreideblattlaus) eine herausragende Stellung ein. Überträger des Weizenverzwergungsvirus ist die Zwergzikadenart Psammatettix alienus. Das jährliche Auftreten und die Virusbeladung der Vektoren sind nur schwer vorhersehbar, sie werden von wechselnden Umweltverhältnissen und vielen weiteren Faktoren beeinflusst. Eine Übersicht der Risikofaktoren ist in der Abbildung dargestellt.
Bewertung diesjähriger Risikofaktoren
In diesem Jahr sind die Getreideblattläuse im Sommer- und Wintergetreide etwas auffälliger in Erscheinung getreten. Mit dem abreifenden Getreide zog es geflügelte Exemplare auf andere Wirte. Die Blattlausvermehrung auf den Zwischenwirten, welche vorrangig durch das Auftreten natürlicher Gegenspieler (zum Beispiel Marienkäfer, Schlupfwespen) und die Witterung beeinflusst wird, hat auch einen wesentlichen Einfluss auf die Intensität des Zuflugs in die auflaufenden Wintergetreide im Herbst. Die diesjährige nasskühle Witterungsphase ab der zweiten Julihälfte war zweifelsohne ungünstig für die Blattlausvermehrung. Die hochsommerlichen Temperaturen in der ersten Septemberhälfte können die Blattlausvermehrung wiederum ankurbeln und einen intensiveren Blattlauszuflug in den Herbstmonaten ermöglichen.
Im diesjährigen Hafer und Winterweizen zeigten Einzelpflanzen einen symptomatischen Befall mit Gelbverzwergungsviren, deren Übertragung durch einen frühen Zuflug der Getreideblattläuse in den Frühjahrsmonaten ermöglicht wurde. Geflügelte Blattläuse übertragen das Virus auf andere Wirtspflanzen, auf denen es vermehrt wird und für andere Blattläuse eine Virusquelle darstellt.
Grüne Brücke dient Getreideblattläusen
Vorwiegend Ausfallgetreide, aber auch Zwischenfrüchte (vor allem Rauhafer), Mais und andere Gräser (auch Wildgräser) dienen Getreideblattläusen als wichtige grüne Brücke in den Sommermonaten. Getreidebestände in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Sommerwirten haben daher auch ein deutlich höheres Gefährdungspotenzial. Durch die diesjährigen widrigen Witterungsbedingungen zur Erntezeit haben es verhältnismäßig viele Körner nicht in den Korntank geschafft und sind auf dem Feld verblieben.
Die anhaltende Nässe hat eine zügige Keimung und Entwicklung des Ausfallgetreides ermöglicht mit der Folge, dass in diesem Jahr auffällig viel üppig entwickeltes Ausfallgetreide auf den Flächen steht. Durch neue politische Rahmenbedingungen (zum Beispiel Glöz 6 – „Anforderungen an die Mindestbodenbedeckung“ beziehungsweise deren Abweichungen auf schweren Böden und Glöz 8 – „Mindestanteil von nichtproduktiven Flächen und Landschaftselementen an Ackerland“) verbleibt das Ausfallgetreide auch oftmals länger auf dem Acker und bietet den Blattläusen eine ideale grüne Brücke.
Herbstwitterung entscheidend
Eine lang anhaltende warme Herbstwitterung beziehungsweise spätsommerliche Tage mit möglichst viel Zeit bei Temperaturen von über 12 bis 15 °C sind sehr förderlich für die Blattlausvermehrung. Die Nachkommenschaft verbreitet das Virus auf unmittelbar benachbarten Getreidepflanzen (Sekundärinfektionen), und es kommt zu den typischen Virusnestern als Schadsymptom.
Jedes Virusnest ist auf eine im Herbst eingeflogene infizierte Blattlaus zurückzuführen. Je wärmer und länger die Herbstwitterung, desto intensiver ist auch die Vermehrung und damit die Größe der Virusnester. Frühsaaten im September haben daher ein deutlich höheres Gefährdungspotenzial. Je früher der Bestand aufgelaufen ist, desto wahrscheinlicher sind auch eine frühe Besiedlung durch Blattläuse und die Gefahr einer stärkeren Blattlausvermehrung. Des Weiteren kommt es an Waldrändern, Baumreihen, Knicks und in windgeschützten Bereichen häufig zu einer stärkeren Blattlausvermehrung und damit einhergehenden größeren Befallsnestern.
Resistente Sorten in Landessortenversuchen
In den Landessortenversuchen der Wintergerste stehen auch Sorten mit einer Resistenz gegenüber dem Gelbverzwergungsvirus, welche auf die Einkreuzung des Resistenzgens yd2 zurückzuführen ist. Im mehrjährigen Vergleich erzielten die geprüften Sorten ,Sensation‘, ,KWS Exquis‘, ,SU Virtuosa‘ und ,Integral‘ allesamt leicht unterdurchschnittliche Erträge. In deutschlandweiten Versuchen mit stärkerem Befall durch Gelbverzwergungsviren stechen die Sorten wiederum positiv hervor und sind daher in Problemregionen mit regelmäßigem Auftreten von Viruskalamitäten eine ernst zu nehmende Anbauoption.
Durch die diesjährigen widrigen Witterungsbedingungen zur Erntezeit haben es verhältnismäßig viele Körner nicht in den Korntank geschafft und sind auf dem Feld verblieben. Die anhaltende Nässe hat eine zügige Keimung und Entwicklung des Ausfallgetreides ermöglicht mit der Folge, dass in diesem Jahr auffällig viel üppig entwickeltes Ausfallgetreide auf den Flächen steht. Ausfallgetreide dient Getreideblattläusen (Foto li.) und Zikaden (Foto r.) als wichtige grüne Brücke und Virusquelle und sollte daher zeitnah und konsequent beseitigt werden.
Bestandeskontrollen wichtig
Wichtig ist, die Bestände nach dem Auflaufen, spätestens ab dem Zweiblattstadium, regelmäßig an mehreren Stellen zu kontrollieren. Besonders effektiv ist eine Bestandskontrolle an einem sonnigen Tag. Blattläuse sind dann besonders gut auf den Blättern zu erkennen. Sie schimmern durch die Blattfläche hindurch. Zur Ermittlung des Blattlausbesatzes sind an fünf zufällig ausgewählten Stellen im Schlag jeweils zehn Getreidepflanzen auf das Vorhandensein von Blattläusen zu überprüfen.
Es empfiehlt sich, alle Flächen (auch die später aufgelaufenen Saaten) in regelmäßigen Abständen bis zum Vegetationsende zu kontrollieren. Eine Behandlung mit einem zugelassenen Insektizid sollte daher nur erfolgen, wenn ohne große Mühe Blattläuse zu finden sind (Bekämpfungsschwelle Frühsaaten: 10 % mit Blattläusen befallene Pflanzen; Normalsaaten: 20 % befallene Pflanzen), um eine mögliche sekundäre Ausbreitung der Getreideviren im Bestand zu verhindern.
Der Einsatz von Insektiziden
Kommt es bei günstiger Herbstwitterung zu einer Überschreitung der Bekämpfungsschwelle, so stehen für die Vektorenbekämpfung im Herbst weiterhin Insektizide aus der Wirkstoffgruppe der Pyrethroide zur Verfügung. Die Dauerwirkung der Pyrethroide ist, abhängig von der Witterung, auf sechs bis zehn Tage begrenzt. Bei günstigen Zuflugbedingungen für Blattläuse sollte die Behandlung daher keinesfalls zu früh erfolgen.
Des Weiteren steht in der Wintergerste das Präparat Teppeki (Wirkstoff: Flonicamid) zur Verfügung. Die Wirkungsdauer von Teppeki ist länger als die der Pyrethroide. So können auch bei länger anhaltendem Flug der Blattläuse ausreichende Wirkungsgrade erreicht werden. Zur Behandlung sollten die Pflanzen möglichst zwei bis drei Blätter haben.
Bei der Insektizidauswahl sollte auf die entsprechende Indikationszulassung („Blattläuse als Virusvektoren im Herbst“), die Anwendungshäufigkeit und die unterschiedlichen Bienenschutzauflagen geachtet werden. Eine Übersicht der im Herbst im Wintergetreide zugelassenen Insektizide, einschließlich der Auflagen und sonstigen Anwendungsbestimmungen, ist auf der Homepage der Landwirtschaftskammer (www.lksh.de – Ackerbaukulturen – jeweilige Getreidekultur) verfügbar.
Fazit
Eine Prognose der jährlichen Gefährdung der Getreidekulturen durch Virusinfektionen ist nur schwer möglich. Durch einige Besonderheiten im bisherigen Jahresverlauf könnte ein etwas größeres Risiko im Vergleich zu den Vorjahren bestehen. Keinesfalls sollte ein voreiliger prophylaktischer Insektizideinsatz aus Sorge vor möglichen Herbstinfektionen erfolgen. Durch Berücksichtigung vorbeugender Maßnahmen (Beseitigung wichtiger Virusquellen, Anbau toleranter Sorten und Vermeidung zu früher Saattermine) sowie die Durchführung regelmäßiger Bestandeskontrollen können Risiken für wirtschaftliche Schädigungen durch Getreideviren größtenteils ausgeschlossen werden.
Die Stadt Schleswig verfügt über eine vielfältige und lebendige Kulturlandschaft. Doch wie schafft man es, diese auch über bestimmte Zielgruppen hinaus anderen Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen? Mit dieser Frage beschäftigte sich seit Anfang des Jahres das Netzwerk „Werkstattgespräche“, in dem von Museen über Volkshochschule und Jugendzentrum bis hin zu Pflegeleitung der Helios-Kliniken und Seniorenbeirat verschiedene Institutionen der Stadt ihre Ideen einbrachten. Erste Ergebnisse dieser Werkstattgespräche sind nun im Rahmen der Woche der Demenz vom 18. bis 24. September zu erleben.
Neben bekannten Veranstaltungen wie dem monatlichen Treffen im Café Vergiss-mein-nicht gibt es dieses Jahr erstmals auch ein Angebot für Angehörige im Schloss Gottorf beziehungsweise im Gottorfer Globus im Barockgarten des Schlosses. Unter der Überschrift „Fahrt zu den Sternen“ wird Angehörigen etwas angeboten, „das nicht mit dem Thema Demenz zu tun hat, um mal etwas anderes zu sehen und zu erleben sowie einen anderen Input zu bekommen“, so Dr. Mechthild Reußner, Seniorenbeauftragte der Stadt Schleswig.
„Normalerweise erreichen wir vom Schloss Gottorf keine Menschen mit Demenz oder deren Familien, dafür brauchen wir Mittelspersonen, die diese Angebote an entsprechende Personengruppen vermitteln“, erläutert Nicole Gifhorn von der Stiftung Landesmuseen den Hintergrund der Werkstattgespräche. Das Netzwerk biete die Möglichkeit, Verbündete in den Bereichen Kultur und Soziales zu finden, um vorhandene Angebote und Kräfte zu bündeln, mehr multilaterale Kooperationen zu haben „und um unsere Ressourcen besser einzusetzen sowie noch diverser Menschen zu erreichen“, ergänzt Gifhorn. Die Werkstattgespräche seien auf Dauer angelegt, die Woche der Demenz sei dabei das erste Projekt, das aus den beiden diesjährigen Netzwerktreffen umgesetzt werde.
„Wir reden im Alltag immer von Nachhaltigkeit. Es gibt auch eine soziale Nachhaltigkeit mit dem Ziel, öffentliche Veranstaltungen zu nutzen, um die Werte der Nachhaltigkeit zu transportieren: Zusammenhalt, Partizipation und Achtsamkeit mit unseren Ressourcen. Nicht nur mit finanziellen Ressourcen, sondern auch im Umgang miteinander“, erklärt Nicole Gifhorn.
Man müsse keine Themen suchen, sondern nehme das, was man vor Ort finde. „Wir haben genug Themen in unseren eigenen Reihen durch alle Institutionen hinweg, bei denen wir gemeinsam einen Mehrwert schaffen können“, so Gifhorn.
„Man kann auch sagen: Das Beste ist, dass wir voneinander wissen“, ergänzt Dr. Dörte Beier, Leiterin des Stadtmuseums Schleswig. Auch dort plane man Angebote für Demenzkranke und Angehörige, die aber später im Jahr geplant seien. „Wir besitzen zum Beispiel mit unserem alten Spielzeug Anknüpfungspunkte, womit wir Erinnerungen hervorrufen können. Vieles geschieht über das Haptische und durch Geräusche. Wir haben einen Koffer zusammengestellt, mit dem wir auch in die Einrichtungen gehen können“, so Beier. Mit den Programmpunkten schaffe man ein Bewusstsein für das Thema und verlasse durch die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen auch einmal den eigenen Kosmos. „Ich finde es wunderbar, dass es solche Projekte gibt.“
Info
Das Programm zur Woche der Demenz startet am Sonnabend, 16. September, mit einem Treffen von Erkrankten und Angehörigen im Café Vergiss-mein-nicht um 15 Uhr. Am 17. September findet um 10 Uhr ein Gottesdienst im St. Petri-Dom statt, am 19. September um 10 Uhr begeben sich die Angehörigen im Gottorfer Globus auf eine „Fahrt zu den Sternen“, am 20. September zeigt das Capitol-Kino um 20 Uhr den Film „Still Alice“. Die Band „LiederHerzen“ gibt am 21. September um 15 Uhr ein Konzert für Betroffene und Angehörige im Gemeindehaus Friedenskirche, informative Vorträge über Demenz gibt es am 22. September im Helios-Klinikum um 16 Uhr, sportlich wird es für Angehörige und Erkrankte am 23. September um 15 Uhr beim TSV Schleswig.
Der Umbau der Tierhaltung bleibt für Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) ganz oben auf der agrarpolitischen Agenda in Deutschland. „Ich erwarte, dass die Vorschläge der Borchert-Kommission die maßgebliche Richtschnur für die Weiterentwicklung der Tierhaltung bleiben“, erklärte der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz (AMK) im Vorfeld des Herbsttreffens mit seinen Länderkolleginnen und -kollegen nächste Woche in Kiel.
Ziel müsse es sein, den Landwirtinnen und Landwirten Planungssicherheit zu geben und eine verlässliche Perspektive aufzuzeigen. „Gerade kleine und familiengeführte Betriebe gilt es dabei in den Blick zu nehmen“, forderte der CDU-Politiker.
Strukturbrüche vermeiden
Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Werner Schwarz ist Vorsitzender der AMK.Foto: jh
Schwarz warnte davor, den Rückgang der Tierhaltung einfach laufen zu lassen: „Der gesellschaftlich gewünschte Umbau der Tierhaltung darf nicht zu weiteren Strukturbrüchen führen.“ Dies hätte nach seiner Einschätzung weitreichende Folgen für die Landwirtschaft und die gesamten ländlichen Räume. Der Minister verwies auf den enormen Veränderungsdruck, der auf den landwirtschaftlichen Betrieben laste. Viele seien bereit, ihre bisherigen Geschäftsmodelle und Produktionsverfahren im Stall und auf dem Feld zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Allerdings werde ein Umbau ohne Berücksichtigung der Belange der landwirtschaftlichen Betriebe nicht funktionieren, ist Schwarz überzeugt.
Es gehe darum, gemeinsam den Blick auf die Herausforderungen zu schärfen und über Lösungswege zu diskutieren, die sich in der Tierhaltung, im Ackerbau und auf den Märkten entwickelten. Dies sei in der Borchert-Kommission, der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) und in Schleswig-Holstein mit dem Dialogprozess zur Zukunft der Landwirtschaft erfolgt. „Lösungen liegen auf dem Tisch – die Branche erwartet nun, dass die Politik liefert.“
Folgen der GAK-Kürzungen
Kritik äußerte Schwarz erneut an den geplanten Kürzungen der Mittel in der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK): „Sollten die Kürzungen in Höhe von 293 Millionen Euro im parlamentarischen Verfahren so beschlossen werden, hätte dies massive finanzielle Auswirkungen für die Länder und damit auf die Umsetzung von zahlreichen die ländliche Entwicklung stärkenden agrarstrukturellen und forstlichen Förderprogrammen und Fördermaßnahmen in vielen Bereichen der ländlichen Räume.“ Laut Schwarz wären damit nicht nur die ambitionierten Ausbauziele im Ökolandbau massiv gefährdet, sondern auch die Stärkung der ländlichen Räume insgesamt. Der Minister befürchtet verzögerte Auszahlungen und einen Stopp elementar wichtiger Maßnahmen für die ländlichen Räume. Gefährdet seien auch die Vorhaben des Waldumbaus.
Schließlich bekräftigte Schwarz sein Ziel, frühzeitig Eckpunkte für den Strategieplan 2025 zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) festzulegen. Es gehe vor allem darum, das neue Instrument der Ökoregelungen attraktiver zu gestalten und damit Gemeinwohlleistungen innerhalb der GAP zu honorieren. „Wir müssen daher die Ökoregelungen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, ihrer Zielerreichung, ihrer Attraktivität und Umsetzbarkeit erneut überprüfen“, so der Minister. Für ihn ist dabei besonders wichtig, dass es „eine attraktive Ökoregelung für Milchviehbetriebe mit Weidehaltung geben muss“.
Lemke muss liefern
Agrarpolitische Entscheidungen mahnte im Vorfeld der AMK auch der Präsident des Landvolks Niedersachsen, Dr. Holger Hennies, an. „Ob Wolf, Pflanzenschutz oder Herkunftskennzeichnung – geredet wurde viel, gehandelt wenig“, kritisierte Hennies. Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) verwies auf die wachsende Ungeduld auf den Betrieben: „Die Land- und Forstwirtschaft wartet auf Antworten.“
Hennies rechnet damit, dass auch der Wolf auf der AMK wieder eine große Rolle spielen wird. Bis Ende September müsse Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) ein Konzept vorlegen, wie ein regionalisiertes Bestandsmanagement aussehen könne. Sie könne Anpassungen am Bundesnaturschutzgesetz auf den Weg bringen. Ziele müssten insbesondere sein, Wolfsentnahmen künftig zeitnah zu ermöglichen und die regionale Verträglichkeit, zum Beispiel für die Deichschäferei, zu berücksichtigen. age
Info zur Demo
Während der AMK, die vom 20. bis 22. September im Kieler Atlantic-Hotel (gegenüber dem Hauptbahnhof) stattfindet, veranstaltet der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) eine Demonstration. Die Protestaktion beginnt am Donnerstag, 21. September, um 9.30 Uhr auf dem Platz der Kieler Matrosen am Kieler Hauptbahnhof. Um 10 Uhr ist eine Kundgebung vorgesehen, auf der BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht und Vertreter anderer Verbände ihre Anliegen vortragen. „Landwirtschaft in Schleswig-Holstein, Deutschland und Europa hat nur eine Zukunft, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen“, erklärt der BVSH-Präsident und ruft zur Teilnahme an der Demonstration auf.
Der deutliche Rückgang der Schweinehaltung in Deutschland spiegelt sich in den Zahlen zur Mischfutterherstellung wider. Laut Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) wurden von den 276 meldepflichtigen Betrieben im vergangenen Wirtschaftsjahr insgesamt 8,21 Mio. t Schweinemischfutter produziert; das waren rund 817.000 t oder 9,1 % weniger als 2021/22. Insgesamt nahm das Mischfutteraufkommen um gut 977.000 t beziehungsweise 4,3 % ab. Die Zahl der meldepflichtigen Betriebe verringerte sich um fünf.
Die gewerbliche Herstellung von Rindermischfutter wurde ebenfalls zurückgefahren, aber nur marginal. Die Produktion sank hier gegenüber 2021/22 um rund 25.000 t oder 0,4 % auf 6,48 Mio. t. Der nur schwache Rückgang lässt sich laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), bei der die BZL angesiedelt ist, auf die schlechte Grundfutterernte im Jahr 2022 zurückführen. An Mischfutter für Kälber wurden 324.000 t erzeugt, was einer Abnahme um knapp 11.000 t oder 3,2 % entsprach.
Auch das Aufkommen an Geflügelmischfutter war weiter rückläufig: Davon wurden im Wirtschaftsjahr 2022/23 insgesamt rund 6,20 Mio. t hergestellt – ein Rückgang von 161.000 t oder 2,5 %. Im Einzelnen verringerten sich hierbei die Herstellung von Mischfutter für Legehennen um 2,2 % auf 2,28 Mio. t und die für Mastgeflügel um 2,7 % auf 3,93 Mio. t.
Entgegen dem negativen Gesamttrend wuchs die Nachfrage nach Futtermitteln für Pferde. Hiervon setzte die deutsche Mischfutterindustrie fast 268.000 t ab; das waren gut 32.000 t beziehungsweise 13,2 % mehr als 2021/22.
Geringerer Rohstoffbedarf
Für die Herstellung des Mischfutters wurden im vergangenen Wirtschaftsjahr den BZL-Angaben zufolge insgesamt rund 19,2 Mio. t an meldepflichtigen Rohstoffen verarbeitet. Davon entfielen 51,8 % auf Ölkuchen beziehungsweise Ölschrote, Hülsenfrüchte, andere Eingangsstoffe wie Dried Destillers Grains with Solubles sowie Zuckernebenerzeugnisse. Bei knapp der Hälfte der meldepflichtigen Rohstoffe, nämlich 48,2 %, handelte es sich um Getreide. Während 2021/22 noch 11,1 Mio. t Getreide verfüttert wurden, waren es zuletzt nur noch rund 10,5 Mio. t. Bezogen auf die Ernte 2022 waren das 24 %, verglichen mit 26 % im Vorjahr.
Mehrheit im Norden
Mit 163 meldepflichtigen Betrieben lagen im Berichtsjahr die meisten Mischfutterhersteller in der Region Nord, welche die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein umfasst. Dort wurden 2022/23 insgesamt 15,72 Mio. t Mischfutter hergestellt, womit die Vorjahresmenge um 4,6 % verfehlt wurde.
Rund 22 % der Betriebe befinden sich in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland in der Region Süd. Diese schränkten die Mischfuttererzeugung um 2,4 % auf 2,88 Mio. t ein. Der moderatere Rückgang im Vergleich zum Norden ist darauf zurückzuführen, dass Schweinemischfutter im Süden weniger als ein Zehntel des gesamten Futteraufkommens ausmacht, im Norden aber 46 %.
Die 53 Betriebe in der Region Ost produzierten 2022/23 insgesamt 3,09 Mio. t Mischfutter und damit 5,8 % weniger als im Vorjahr. Dabei brach dort die Herstellung von Schweinemischfutter relativ besonders stark ein, und zwar um fast 18 % auf rund 748.000 t. age
Artenschwund, Vermüllung, Munitionslasten und Eutrophierung – die Herausforderungen beim Schutz der Meere sind komplex. Um über mögliche Lösungen zu diskutieren, luden der schleswig-holsteinische EU-Parlamentarier Rasmus Andresen und die Landtagsabgeordnete Silke Backsen von den Grünen vergangene Woche Sonnabend zum Meeresschutzkongress ins Kieler Landeshaus.
„Wir wollen nicht nur ins Gespräch kommen, sondern in Handlungsoptionen“, präzisierte Andresen. Aus Brüssel gehe der Blick in Sachen Meeresschutzpolitik nicht nur Richtung Mittelmeer, sondern auch Richtung Nord- und Ostsee. Ihm sei ein Anliegen, Menschen zu vernetzen, die jetzt schon im Meeresschutz engagiert seien. Er plädierte dafür, Debatten sachlich zu führen, mahnte aber auch, dass zügig Maßnahmen zum besseren Meeresschutz notwendig seien.
Backsen erläuterte, das insbesondere Nord- und Ostsee stark ge- und benutzt würden. „Wir Schleswig-Holsteiner haben eine große Verantwortung, beide Meere zu schützen“, betonte sie. Dies müsse deutlich stärker und besser als aktuell geschehen. Aus ihrer Sicht kann der Schutz von Meeresökosystemen nur international gelingen. Dennoch müssten auch regionale und nationale Maßnahmen vorangehen. Backsen zeigte sich überzeugt: „Eine starke Wirtschaft kann nur mit einer intakten Natur funktionieren.“
Sebastian Unger, Meeresbeauftragter der Bundesregierung, sprach von einer „globalen Dreifachkrise“, die sich vor allem in den Meeren widerspiegle: Klimakrise, Verschmutzung und Artensterben. „Klimaschutz ist Meeresschutz, weil die Meere einen Großteil der Erwärmung aufnehmen, aber auch die Meere werden wärmer und saurer“, so Unger. Ziel des Naturschutzes sei es, Seegraswiesen in den Meeren zu renaturieren, aber auch Salzwiesen an den Küsten.
„Wir haben 1,6 Millionen Tonnen Altmunition in den Meeren verklappt – davon 300.000 Tonnen in der Ostsee“, unterstrich er die riesige Herausforderung der Munitionsbergung. Die Munition korrodiere. Manche Stoffe fänden sich mittlerweile in den Lebensmitteln, die aus dem Meer kommen. Er erklärte: „Man hat das Thema lange vor sich hergeschoben, weil niemand eine direkte Verantwortung hatte.“ Jetzt soll es mit einem Sofortprogramm der Bundesregierung losgehen. Nach einem Pilotprojekt 2024 solle 2025 die Bergung im größeren Maßstab beginnen.
Unger erläuterte, dass in Deutschland zwar schon mehr als 40 % der Meeresgebiete unter Schutz stünden. Die Gebiete würden aber nicht gut gemanagt. „Wir brauchen mehr Nullnutzungszonen, mindestens zehn Prozent der gesamten Meeresfläche“, so seine Forderung.
Er erklärte, dass das Umweltministerium das Vorhaben Nationalpark Ostsee unterstütze. Aber es müsse mit den Beteiligten vor Ort funktionieren. Zuletzt kündigte Unger eine Meeresschutzstrategie der Bundesregierung an, die aktuell in der Entwicklung stecke.
Franziska Saalmann, Meeresbiologin und Campaignerin bei Greenpeace, monierte „viel zu viele Nutzungen, die das Meer an den Rand des Kollapses bringen“. Die aktuellen Schutzgebiete schützten nicht. Die Ostsee sei in einem katastrophalen Zustand. Mit einem Nationalpark und zugehörigem Management könnten die Schutzgebiete aus ihrer Sicht ihrem Namen „endlich gerecht werden“. Saalmann warnte, dass sich die Todeszonen durch Nährstoffeinträge ausbreiteten und die Fischbestände kollabierten. „Wir müssen die Nährstoffeinträge mindestens halbieren, sonst ist die Ostsee vielleicht nicht mehr zu retten“, prophezeite die Campaignerin.
Greenpeace fordert, auf 50 % der Schutzgebietsflächen die wirtschaftliche Nutzung komplett zu verbieten und Grundschleppnetze abzuschaffen. Saalmann kritisierte zudem den „überdimensionierten LNG-Ausbau“ und die Pläne für Kohlenstoffspeicherung im Meeresboden.
Etwas moderater waren anschließend die Worte von Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne). Er erklärte: „Wir überprägen nicht nur unsere Kulturlandschaften menschlich, sondern auch unsere Meeresgebiete. Wir müssen unsere Meeresgebiete sich selbst mehr erholen lassen.“ Dass der Mensch der Natur in den Meeren keinen Raum gebe, sei für ihn auch ein ethisches Problem. „Wenn wir unsere Meere komplett nutzen, können wir den Brasilianern nicht abverlangen, dass diese ihren Regenwald schützen“, so Goldschmidt.
Nach seiner Einschätzung ist Umweltschutz auf der abstrakten Ebene sehr beliebt. Im Konkreten werde es aber oft schwierig. Keiner wolle den ersten Schritt machen, dabei müssten die Probleme der Munitionslasten, die Erholung der Fischbestände und die Reduktion der Nährstoffeinträge gleichzeitig angegangene werden.
Mit Blick auf die Pläne zum Nationalpark Ostsee bezeichnete er den Konsultationsprozess als Gesprächsangebot. Dabei seien auch viele Gegenargumente vorgetragen worden. Dennoch zeigte er sich enttäuscht, dass dort teilweise unkonstruktiv und mit Polemik aufgetreten worden sei.
Rund 70 Personen nahmen am Meeresschutzkongress der Grünen im Kieler Landeshaus teil.Sebastian UngerFranziska Saalmann
In den nächsten Wochen steht die Silomaisernte an, und aufgrund der teilweise knappen Futterressourcen gewinnen die möglichst verlustarme Silierung und Lagerung an Bedeutung. Der Einsatz von Siliermitteln sowie Optimierungen im Ernte- und Silomanagement helfen, gute Qualitäten zu erzielen.
Silomais gehört zu den leicht vergärbaren Futterpflanzen, da ausreichend leicht umsetzbare Kohlenhydrate enthalten sind. Je nach Art und Zusammensetzung des natürlichen Besatzes mit Milchsäurebakterien (MSB) ist die Gärung eher milchsäurebetont oder es liegen in der fertigen Silage auch gewisse Mengen Essigsäure vor. Zum Zeitpunkt der Ernte gibt es jedoch keine Kenntnis darüber, welche und wie viele MSB auf den Pflanzen vorhanden sind oder wie potent diese sind. Wer sich also allein auf Mutter Natur verlässt, überlässt das Ergebnis der Silierung dem Zufall und erlebt nach der Siloöffnung vielleicht eine böse Überraschung.
Denn die große Menge leicht umsetzbarer Kohlenhydrate macht Maissilagen anfällig für aeroben Verderb nach der Siloöffnung. Hauptursächlich für den Verderb ist die Stoffwechselaktivität der säuretoleranten Hefen, die Zucker und Milchsäure umsetzen, was mit Wärmebildung, der sogenannten Nacherwärmung, einhergeht. Durch den Milchsäureabbau steigt der pH-Wert der Silage an und andere Schadkeime werden wieder aktiv. Da im Nachhinein, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, keine wirksamen Maßnahmen getroffen werden können, gilt es, mit möglichst geringen Keimgehalten im Erntegut zu starten und die Hefen von Anfang an zu unterdrücken.
Siliermittel verbessern aerobe Stabilität
Eine Möglichkeit, sowohl die Gärung in Richtung der gewünschten Gärqualität zu steuern als auch die Hefen zu hemmen, bietet der Einsatz biologischer Siliermittel, die entweder ausschließlich oder zumindest teilweise heterofermentative MSB enthalten. Bei der Gärung bilden diese neben der Milchsäure auch Essigsäure, welche hemmend auf Hefen wirkt. Je höher die Essigsäurekonzentration ist beziehungsweise je schneller deren Bildung erfolgt, desto größer ist der Effekt. Essigsäuregehalte zwischen 2 und 3 % in der Trockenmasse (TM) sind wünschenswert. Höhere Konzentrationen können die Schmackhaftigkeit der Silagen negativ beeinflussen und je nach Gewöhnungsgrad oder Sensibilität der Milchkühe verringerte Futteraufnahmen zur Folge haben. Die Reaktion der Tiere ist jedoch von Herde zu Herde verschieden, wie die positiven Erfahrungen der vergangenen Jahre am LVG Futterkamp zeigen.
Die Dosiertechnik muss für die einzusetzenden Siliermittel und die auszubringenden Volumina geeignet sein. Bei Mikrodosierern ist die Siliermittellösung hochkonzentriert, und es werden nur geringe Mengen pro Tonne Frischmasse verwendet, deshalb reicht ein kleiner Siliermitteltank aus. Mikrodosierer eignen sich für biologische Siliermittel.
Um sich im Dschungel der verschiedenen Anbieter von Siliermitteln zurechtzufinden und die Auswahl zu erleichtern, bietet das Entscheidungsschema der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) eine gute Unterstützung (siliermittel.dlg.org/). Das Siliermittel muss zur Situation auf dem Betrieb, insbesondere zur Silogeometrie, zur Lagerdauer und zum Vorschub passen. DLG-geprüfte Siliermittel haben in diversen unabhängig durchgeführten Tests ihre Wirksamkeit bewiesen und werden kontinuierlich überwacht. Derzeit führen insgesamt 50 Mittel von 19 Herstellern das Prüfzeichen, wovon 27 Präparate die aerobe Stabilität der Silagen verbessern (Wirkungsrichtung 2). Der überwiegende Anteil sind biologische Präparate, in denen heterofermentative MSB enthalten sind.
Um den MSB die nötige Zeit zu geben, ausreichend Essigsäure zu bilden, ist eine Lagerdauer von acht Wochen erforderlich, bevor das Silo geöffnet werden kann. Für Betriebe, die aufgrund knapper Futterressourcen gezwungen sind, das Silo schneller zu öffnen, bieten sich Siliermittel an, die zusätzlich für eine frühzeitige Siloöffnung geeignet sind. Seit vergangenem Jahr gibt es auch in diesem Wirkungsbereich DLG-geprüfte Siliermittel.
Besonderheiten chemischer Siliermittel
Mit einer größeren Wirkungssicherheit überzeugen chemische Siliermittel, dabei handelt es sich entweder um organische Säuren, die in gepufferter Form vorliegen können, oder um Salzlösungen. Siliersäuren senken bereits von Beginn an den pH-Wert und hemmen Schadkeime. Bei den Salzlösungen werden aufgrund der natürlichen pH-Wert-Absenkung nach wenigen Tagen aus den Salzen die korrespondierenden organischen Säuren gebildet, zum Beispiel Benzoesäure aus Benzoat oder Propionsäure aus Propionat. Die Säuren hemmen ihrerseits die Schadkeime.
Im Gegensatz zu biologischen Mitteln, die in der Regel eine einheitliche Dosierempfehlung haben, ändert sich die erforderliche Einsatzmenge chemischer Siliermittel mit dem TM-Gehalt. Je nach Produkt können zum Beispiel bis zu 5 l/t Frischmasse nötig sein. Unterdosierungen sind unbedingt zu vermeiden, da sie zu selektiven Hemmungen der potenziell schwächeren Schadkeime und dadurch aufgrund mangelnder Konkurrenz zur Förderung der überlegeneren Keime führen können. So stellt beispielsweise unterdosierte Propionsäure eine zusätzliche Nahrungsquelle für Hefen dar. Insofern sind im Vorfeld der Ernte Absprachen mit dem Lohnunternehmen ratsam, um zu klären, ob die vorhandene Ausbringtechnik für einen höheren Siliermitteldurchsatz geeignet ist.
Der klare Nachteil chemischer Siliermittel liegt in ihrem Preis, zumal aufgrund der höheren Einsatzmengen größere Volumina benötigt werden. Je nach Silogeometrie und Vorgehensweise bei der Befüllung sind Kosteneinsparungen möglich, indem gegebenenfalls nur eine Teilbehandlung des oberen Silodrittels vorgenommen wird. Diese Möglichkeit besteht beispielsweise bei Siloanlagen mit Wänden, durch die die Erntewagen zum Abladen hindurchfahren.
Mit dem Ziel, hohe Verdichtungen durch gute Walzarbeit zu erreichen, steuert der Walzschlepper die Häckselkette. Da kann es auch schon mal zum Stau vor dem Silo kommen. Verglichen mit den Kosten, die aerober Verderb der Silage verursacht, sind die Stillstandszeiten des Feldhäckslers zu verschmerzen.
Walzschlepper steuert die Erntekette
Da die Verdichtung im Silo nach Siloöffnung die Eindringtiefe der Luft bestimmt, ist auf die Walzarbeit ein besonders großes Augenmerk zu legen. Geringe Häcksellängen von maximal 10 mm, dünne Schichten von maximal 20 cm, hohe Walzgewichte (Bergeleistung in t FM je Stunde geteilt durch 4) und geringe Geschwindigkeiten (4 bis 6 km/h) tragen dazu bei. Da jede Schicht nach Möglichkeit drei- bis viermal zu überfahren ist, kann es sinnvoll sein, mit zwei oder mehr Walzfahrzeugen parallel zu arbeiten, sofern die Silobreite das zulässt. Wenn Parallelbetrieb oder auch das parallele Befüllen mehrerer Silos nicht möglich ist, bleibt als einzige Lösung die Verringerung der Bergeleistung oder aber ein Stau vorm Silo.
Optimierungen im Ernte- und Silomanagement
Auf größeren Milchvieh- oder Biogasbetrieben dauert die Silomaisernte oft mehrere Tage. Häufig wird auf ein Zwischenabdecken bei Befüllpausen verzichtet, um den damit verbundenen Arbeitsaufwand zu sparen. Das kann jedoch fatale Folgen haben, wie verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen und Praxiserfahrungen zeigen. In den Schichten, die über längere Zeit der Luft ausgesetzt sind, kommt es zu einer exponentiellen Vermehrung von Hefen und anderen aeroben Keimen. Das heißt, der Keimdruck, mit dem diese Schichten in den Silierprozess starten, ist deutlich erhöht.
Im geschlossenen Silo, also unter anaeroben Bedingungen, führt die Aktivität der Hefen zu alkoholischer Gärung und damit einerseits zu einer Abnahme des Futterwerts, andererseits entstehen dadurch massive Trockenmasseverluste. Neben Alkoholen können auch andere flüchtige organische Verbindungen, zum Beispiel Ester, gebildet werden, deren Auswirkungen auf die Futteraufnahme und die Tiergesundheit bislang nur ungenügend untersucht sind.
Insofern ist es von essenzieller Bedeutung für die spätere Silagequalität, bei Befüllpausen eine Zwischenabdeckung zumindest aus Unterziehfolie zu installieren, um die unerwünschte Vermehrung von Mikroorganismen zu unterbinden.
Ein weiterer qualitätsbestimmender Faktor ist die gasdichte Abdeckung, die über die gesamte Lagerdauer aufrechtzuerhalten ist. Diese besteht entweder aus einer Kombination aus dünner Unterziehfolie (Saugfolie) und dickerer Silofolie (aus PE) oder aber aus einer flexibleren, mehrlagigen Sauerstoffbarrierefolie. Wenn das Silo über Wände verfügt, ist darüber hinaus eine Wandfolie erforderlich. Vom alleinigen Verwenden normaler PE-Silofolie ist unbedingt abzuraten, da sich diese nur schlecht an die Unebenheiten der Silooberfläche anschmiegt. Darüber hinaus weisen selbst DLG-geprüfte PE-Silofolien eine gewisse Durchlässigkeit für Sauerstoff von bis zu 250 cm³/m² am Tag auf, was durchaus ausreichend sein kann, um Hefen und Schimmelpilze während der Lagerperiode am Leben zu erhalten. In der Folge ist das Nacherwärmungsrisiko erhöht.
Am LAZBW in Aulendorf (Baden-Württemberg) wird auf Reifen als Beschwerungsmaterial verzichtet. Stattdessen drücken Querbarrieren in Abständen von 5 m aus sich überlappenden Kiessäcken die Silofolien auf das Erntegut. Bei Silos mit steilen Flanken können die Kiessäcke mittels Einschieben in spezielle Schläuche oder Einhängen in Gurte am Abrutschen gehindert werden.
Kiessäcke statt Reifen als Beschwerung
Die Folien werden um das ganze Silo herum mit sich dachziegelartig überlappenden Kiessäcken beschwert. Zur Vermeidung von Schäden durch Vögel dienen Nicosilnetze oder Vliesbahnen. Um die Folie fest auf das Erntegut zu drücken, eignen sich Kiessäcke am besten, die in Abständen von 5 m als durchgängige Querriegel über das Silo verlegt werden. Um ein Verrutschen an den Flanken zu verhindern, können sie mittels Einhängen in Gurte oder Einschieben in Nicosilschläuche einfach und sicher positioniert werden.
Reifen oder Reifenscheiben sind zwar günstig und auf jedem Betrieb in größeren Mengen vorhanden, eignen sich aber nicht als Beschwerungsmaterial. Einerseits werden alte Reifen brüchig, wodurch Metalldrähte zum Vorschein kommen, andererseits präferieren Nager die Reifen als Nistplätze. Sowohl die Drähte als auch die Nager sowie jagende Katzen können die Folie beschädigen. Hinzu kommt das sehr arbeitsaufwendige Verlegen der Reifen auf Stoß, um damit eine ähnliche Wirkung wie mit Kiessäcken zu erzielen.
Nach der Siloöffnung tragen ein hoher Vorschub, ein daran angepasstes maßvolles Aufdecken mehrmals pro Woche, eine nicht auflockernde Entnahmetechnik und die Schaffung durchgängiger Querbarrieren auf der Folie an der Anschnittkante zur Vermeidung von aerobem Verderb bei.
Fazit
Mit dem Einsatz des richtigen Siliermittels lassen sich Schadkeime wie Hefen oder Schimmelpilze während der Silierung wirksam unterdrücken. Jedoch handelt es sich nicht um Wundermittel, Fehler im Ernte- und Silomanagement lassen sich auch damit nur bedingt ausgleichen.