Auch 2023 gab es einen Landjugendaustausch mit Nordirland. Jessica Bruhn, erste Vorsitzende des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein, war im vergangenen Jahr zu Gast auf der Insel. Dieses Jahr war sie zusammen mit ihrer Familie und Jörn Bock Gastgeber für Susan Gilmour, Mitglied der nordirischen Landjugend, Young Farmers‘ Club of Ulster (YFCU). Für zwei Wochen konnte Susan Erfahrungen machen, wie es ist, in Norddeutschland zu leben und in der Landwirtschaft zu arbeiten. Jessica und Jörn haben aufgeschrieben, wie es ist, jeweils eine Woche Gastgeber zu sein.
Eine Austauschjugendliche für eine Woche aufzunehmen, hieß für Jessica zunächst, ein möglichst vielfältiges Programm mit unterschiedlichen Aktivitäten zu planen, denn sie wollte Susan in den sieben Tagen natürlich viel zeigen. „Ich habe mir Urlaub genommen, damit ich ausreichend Zeit habe, mit ihr sowohl kulturelle, informative als auch spaßige Aktivitäten zu unternehmen. Ich wollte jedoch auch nicht zu sehr im Detail planen, da ich sie zuerst ein wenig kennenlernen wollte, um die Aktivitäten auf ihr Interesse abzustimmen“, berichtet Jessica.
Dann war es so weit: Am 20. Juni holte sie ihren Gast mittags am Flughafen in Hamburg ab. So hatten die beiden schon während der Autofahrt Zeit, sich kennenzulernen. „Zu meinen regulären Freizeitaktivitäten habe ich Susan kurzerhand einfach mitgenommen. Wir haben zusammen Volleyball gespielt und einige Male meine Familie besucht. Alle waren, so wie ich, sehr interessiert, Parallelen oder auch Unterschiede zum Leben in Nordirland zu finden. Auch das Leben mit dem Brexit oder der Küsten- und Naturschutz waren dabei Themen.“
Da Susan auf dem Milchviehbetrieb ihrer Eltern groß geworden ist, hatte Jessica explizit zwei Milchviehbetriebe für Besichtigungen ausgesucht. Dabei konnte Susan viele Fragen stellen und neue Ideen und Eindrücke mit nach Hause nehmen. Aber nicht nur ihr Gast entdeckte Neues. „Auch ich habe in diesen Tagen sowohl auf den besuchten Betrieben als auch bei unseren Touren durch Schleswig-Holstein Dinge entdeckt, die ich noch nicht kannte“, so Jessica. Da das Wattenmeer, die Halligen und Gezeiten für Susan etwas ganz Unbekanntes waren, haben die beiden eine Tour nach Amrum unternommen und bei bestem Wetter die Inselwelt Nordfrieslands erkundet und sogar einige Seehunde ausgemacht. Der Ausflug war auch für die Gastgeberin eine Premiere.
„Außerdem hatte ich das Glück, dass in der Woche, in der Susan zu Besuch war, das größte Volksfest Nordeuropas stattfand: die Kieler Woche“, freut sich Jessica. Ein Ausflug dahin durfte natürlich nicht fehlen. Abgeschlossen wurde ihre Gastfamilienzeit mit einem weiteren typisch norddeutschen Event, dem Ringreiten.
Jessicas Fazit ist durchweg positiv: „Die gesamte Woche zeigte sich Nordfriesland von seiner besten Seite mit strahlendem Sonnenschein, was meine Aktivitätenplanungen natürlich sehr vereinfachte. Doch auch ungeachtet dessen war es eine tolle Erfahrung, jemandem das Leben in Schleswig-Holstein so nahezubringen. Ich habe sogar selbst neue Ecken Nordfrieslands entdeckt, Neues über die Landwirtschaft gelernt und natürlich auch einen tollen Menschen kennengelernt.“
Anschließend lernte Susan bei Jörn Bock ihre zweite Gastfamilie kennen. Jörn holte sie abends aus Hollingstedt ab, denn mit der vorherigen Gastgeberin war abgesprochen, sich in der Mitte zwischen den beiden Heimatorten zu treffen. Nach einem kurzen Austausch über die vergangene Woche ging es nach Hause auf den Milchviehbetrieb. „Als Erstes gab es natürlich eine Hofführung. Wir tauschten uns viel aus, sie konnte zwar nur wenig Deutsch sprechen, aber dafür mein zu Beginn ziemlich eingerostetes Englisch gut verstehen. So lernte ich dank Susan auch viele englische Fachbegriffe für den Milchviehbereich dazu.“ Der erste Eindruck von Jörn, dass Susan sehr sympathisch, nett und hilfsbereit ist und sehr gute Manieren hat, bestätigte sich die nächsten Tage. Am ersten Tag gab es auf dem Hof viel zu tun. Kälber wurden geimpft, Kühe gefüttert, Silo abgedeckt und Dünger gestreut. „Susan half super mit und mir fiel sofort auf, dass sie dies nicht zum ersten Mal macht“, berichtet Jörn. Abends standen dann die Sehenswürdigkeiten seiner Heimat auf dem Programm. So unternahmen die beiden eine Fahrradtour am Kanal, querten ihn in Osterrönfeld mit der Schwebefähre und durch den Fußgängertunnel. „Am nächsten Tag ging es nach getaner Arbeit nach Eckernförde, denn Susan liebt das Wasser und so wurde nach einem Strandspaziergang gebadet. Das war Susan wichtig, nach der Nordsee auch in der Ostsee zu baden“, erzählt Jörn.
Sein Fazit: „Die Zeit mit Susan war sehr interessant und schön. Sie erzählte viel von ihrem schulischen Werdegang, ihrer Freizeitgestaltung und von ihrem elterlichen Betrieb. So staunten alle maschinenbegeisterten Mitarbeiter nicht schlecht, als sie berichtete, dass ihr Vater einen eigenen John-Deere-Feldhäcksler besitze, mit dem das Gras für die 170 Milchkühe auf ihrem Betrieb gehäckselt werde. Ich freue mich schon, ihr Angebot anzunehmen und sie und ihre Familie in Nordirland zu besuchen.“




