Erst war Thekla Lisowsky noch ein bisschen skeptisch, aber dann ließ sie sich von den Springreiterinnen ihres Hofes dazu überreden, den neuen Platz mit einem Hausturnier einzuweihen. Inzwischen hat schon das zweite stattgefunden und das dritte ist in Planung. Was macht eigentlich ein Hausturnier aus und was ist bei der Planung zu berücksichtigen? Das Organisationsteam der Reitanlage Ekhof weiß mittlerweile Bescheid.
„Im vergangenen Frühjahr hat unser Springplatz einen neuen Boden bekommen. Da kam die Idee in der Springreitergruppe auf, den Platz mit einem kleinen Hausturnier einzuweihen“, erinnert sich Thekla Lisowsky. Sie sei erst skeptisch gewesen: Würden sich auch genug Leute einbringen? Wie viele Autos fahren dann auf dem Hof herum? Ist danach alles dreckig und matschig? Doch ihre „Truppe“ war so engagiert, dass sich die Hofbesitzerin von der Begeisterung anstecken ließ.
Schnell war klar, dass es ein Turnier nach der Wettbewerbsordnung (WBO) und nicht nach der Leistungsprüfungsordnung (LPO) werden sollte. „Ein WBO-Turnier ist für jeden offen. Es ist egal, ob man ein Reitabzeichen hat oder nicht, und es ist egal, ob das Pferd eingetragen ist oder nicht“, erklärt Lisowsky. Ein weiterer Vorteil für die Veranstalter sei, dass so kein Tierarzt in Rufbereitschaft sein müsse. Auch müssten keine Sanitäter anwesend sein und insgesamt falle weniger Bürokratie an als bei einem LPO-Turnier. Dadurch seien die Kosten für die Veranstalter geringer.
Ein WBO-Turnier eröffnet also Möglichkeiten für Menschen, die einfach mal in das Turniergeschehen hineinschnuppern wollen, sowohl auf der Veranstalter- als auch auf der Teilnehmerseite. Letztere wollen vielleicht nur mal ihr Pferd präsentieren, den Leistungsstand überprüfen oder gucken, ob Turnierreiten etwas für sie ist. „Es ist eine Turnierprobe in stressfreier Umgebung“, fasst Lisowsky zusammen. Nur auf Ranglistenpunkte müsse man dabei natürlich verzichten.
Viel Arbeit
Für das erste Hausturnier in Ekhof hat sich das Organisationsteam um Brigitte Sievers ein Programm bis zur L-Dressur ausgedacht. „Die Ausschreibung muss dann einmal bei der Landeskommission eingereicht und abgesegnet werden“, erklärt Sievers. Anschließend verteilten sie und ihr Team die Ausschreibung in den benachbarten Vereinen. „Da gab es schon guten Zuspruch“, erinnert sie sich an das vergangene Jahr. Genannt werden konnte nur auf Papier. Nach und nach lagen die Nennungen im Briefkasten. Ein Vereinsmitglied sammelte diese und gab sie in eine Excel-Tabelle ein.
Natürlich müssen auch auf einem Hausturnier Richter die Prüfungen beurteilen. „Wir haben verschiedene Richter angefragt, die wir kannten, und uns am Ende sehr gefreut, dass jeder Ritt kommentiert wurde. So bekommt jeder etwas an die Hand und kann danach weitertrainieren“, erzählt Lisowsky. Die Richter seien für ihren Einsatz bezahlt worden, das Geld dafür komme aus den Nenngeldern. Wer selbst keine Richter kenne, könne bei der Landeskommission nach Adressen fragen.
Die Organisatoren mussten auch diverse Sponsoren fragen. „Wir haben sehr viel herumtelefoniert“, erinnert sich Brigitte Sievers. Jeder Teilnehmer sollte ein kleines Geschenk bekommen. Damit war das Ziel natürlich hoch gesetzt. Am Ende spendeten viele Firmen aus dem Dorf und dem Umfeld, sogar die Einsteller gaben etwas dazu. „Uns war es wichtig, ein richtiges Turniergefühl zu schaffen. Also gab es Siegerdecken und Schleifen, die wir von dem gespendeten Geld gekauft haben“, erklärt Lisowsky.
Das alles sei viel Arbeit gewesen. Ein Team von zehn Leuten habe dafür viel Freizeit geopfert, nicht nur für die Vorbereitung, sondern auch während des Turniers. Von Parkplatzeinweisern über Parcourshelfer bis zu Kuchenverkäufern – auf einem Turnier gibt es viele Jobs.
Positive Rückmeldungen
„Ich glaube, es gibt immer weniger Menschen, die Lust haben, ihre Freizeit in Gemeinschaftsarbeit zu verbringen“, sagt Lisowsky, die umso stolzer auf das Turnier ist. „Es gab auch Vereinsmitglieder, die erst gemerkt haben, dass es Spaß macht, als sie dabei waren.“
Das erste Turnier im vergangenen Jahr lief sehr gut. Das Wetter war „bombastisch“, die Teilnehmerzahl war überschaubar und so waren immer etwa 30 Hänger auf dem Hof. Der Hof wurde sauber hinterlassen und es blieb sogar ein bisschen Geld übrig. Davon kaufte der Verein ein paar Stangen und Hindernisständer und sponsorte einen Lehrgang für die Mitglieder.
In diesem Jahr hat das Organisationsteam noch einen draufgelegt und bis zur M-Dressur ausgeschrieben. Die Überlegung: Vielleicht gibt es ein paar ältere Reiter, die zu Hause auf diesem Niveau reiten und das mal präsentieren wollen. Im Parcours ging es bis zur Klasse L. Wieder war das Team mehr als zufrieden. „So eine Veranstaltung steht und fällt natürlich mit dem Wetter und wir hatten so ein Glück. Vorher und nachher nur Regen, aber an den zwei Prüfungstagen schien die Sonne“, berichtet Lisowsky. Die Organisation klappte wieder reibungslos, sodass es danach viele positive Rückmeldungen gab. Alle wollten gern wiederkommen und es blieb wieder ein Plus für die Vereinskasse übrig.
„Ich würde allen empfehlen, so ein Hausturnier mal auszuprobieren“, resümiert Thekla Lisowsky und fügt hinzu: „Man kann gut steuern, wie groß es wird. Es kann ja auch nur ein Nachmittag sein.“




