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Nach seinen sportlichen Erfolgen mit Fantomas Farouche, einem Vertreter der F-Linie der Holsteiner, setzt sich der Züchter Harmut Rönnau nun mit viel Engagement dafür ein, diese Zuchtlinie wiederzubeleben.
Hartmut Rönnau hat in diesem Jahr ein Holsteiner Fohlen, „wie man es sich wünscht“. Mit diesem Urteil steht der Züchter aus Lengenbostel in Niedersachsen nicht allein da, denn der Hengst siegte beim Fohlenchampionat auf der Hengststation Maas J. Hell in Klein Offenseth, Kreis Pinneberg. Zum Championat waren rund 25 Fohlen vorgestellt worden. Rönnau heimste neben dem ersten Platz bei den Hengsten auch Platz fünf bei den Stutfohlen ein, für eine Tochter des Oldenburger Hengstes Iowa Gold aus einer Fantomas Farouche-Mutter, die zudem Urgroßmutter des Siegerhengstfohlens ist.
Für den ehemals international erfolgreichen Dressurreiter, der lange in Schleswig-Holstein ansässig war, ist vor allem der Hengst ein großer Erfolg. „Die Anpaarung ist ein Versuch, der F-Linie der Holsteiner neues Leben einzuhauchen“, erklärt er. Die Pferde dieser Linie stünden nicht nur für Sportlichkeit, sie seien auch gesund und hätten ein sehr gutes Fundament, tolle Hufe sowie ein ausgesprochen gutes Interieur und ein ausgeprägtes Doppeltalent. Beispiele dafür sind der niederländische Spitzenvererber Nimmerdor von Farn und der Weltklassevererber Jazz, der Farn in der Mutterlinie hat.
Diese Zuchtlinie geht auf den Hengst Achill zurück. Zu ihr gehört auch Farnese, der als letzter rein gezogener Holsteiner gilt. Mit einem Enkel von Farnese, dem Holsteiner Hengst Fantomas Farouche, war Rönnau sehr erfolgreich im internationalen Dressursport. Nach diversen Siegen stellte er seinen Sportpartner 15-jährig erfolgreich zur Körung vor. Sieben Jahre später starb der Hengst. „Leider ohne einen in Holstein gekörten Sohn“, bedauert Rönnau. Denn sein Farouche sei ein Ausnahmepferd gewesen.
Neben Fantomas Farouche hatte Rönnau noch einen weiteren Vertreter der F-Linie im Stall, den von Günter Bastian gezogenen Feldjunge. Ihn habe er zwar züchterisch eingesetzt, im Nachhinein betrachtet aber zu wenig. Feldjunge war ebenfalls im Sport erfolgreich: Auf sein Konto gingen 107 Platzierungen bis zur Klasse S. Über seinen Vater Feldherr entstammt auch er der Farnese-Familie.
Samen der beiden Hengste hat Rönnau noch im „Kühlschrank“. Doch damit die Blutanbindung auch gesund sein könne, müsse Farnese im Pedigree der Stute weit genug zurückliegen. Also züchtete Rönnau zwei Generationen Stuten, bis die in seinen Augen perfekte Mutter für ein Fohlen von Feldjunge dabei war: Rose FF. Sie ist eine Tochter des holsteinisch gezogenen, aber westfälisch eingetragenen Rock Forever. Der Hengst fiel Rönnau unter anderem durch seine Qualifikation für die Bundeschampionate der Dressur- und der Springpferde auf. Rose FF trägt über ihre Mutter wiederum das Blut von Fantomas Farouche und damit auch von Farnese.
Diese Stute habe perfekt gepasst, so der Pferdewirtschaftsmeister. Ihm ist die Stutengrundlage sehr wichtig. „Paare Gleiches mit Gleichem und du erhältst Gleiches“, zitiert er die Aussage eines bekannten Hippologen. Von seinem Fohlen war er von Anfang an begeistert. Nun will er es gemeinsam mit einem weiteren Hengstfohlen aufziehen. Hartmut Rönnau ist es wichtig, die Originallinien zu erhalten, „damit der Holsteiner auch ein Holsteiner bleibt“. Nach der Zukunft der beiden Youngster gefragt, bleibt der Reiter, Ausbilder und Züchter aber bescheiden: „Ich bin kein Hellseher. Er hat jetzt was gewonnen, aber die Zeit wird zeigen, wie es weitergeht.“ Wichtig sei ihm vor allem sein Beitrag dazu, die F-Linie vielleicht neu zu beleben.
Gleich zwei Stauden namens Sonnenhut gehören zu den Spätblühern, die jetzt in Sachen Farbwirkung noch einmal voll aufdrehen. Mit knalligem Rot und Gelb leuchten sie im Beet, daneben gehören sanftes Grün und dezentes Rosa zur Farbpalette. Die Rede ist von Sonnenhut (Rudbeckia) und Scheinsonnenhut (Echinacea). Sie werden häufig miteinander verwechselt. Doch es gibt einen einfachen Test, der die Unterscheidung kinderleicht macht.
Beide Arten lieben als ursprüngliche Präriepflanzen einen vollsonnigen Standort und kommen mit Trockenheit meist gut zurecht. Obwohl Sonnenhut und Scheinsonnenhut nicht nur ähnlich heißen, sondern sogar ähnlich aussehen, sind sie gar nicht so eng miteinander verwandt wie früher gedacht.
,Goldsturm‘ ist die wohl bekannteste Sorte unter den Sonnenhüten. Sie ist in vielen Gärten anzutreffen. Foto: Karin Stern
Am einfachsten unterscheidet man beide Arten voneinander durch einen Streicheltest an der jeweils nach außen gewölbten Blütenmitte. Bei Rudbeckia fühlt sich das eher weich und glatt an, bei Echinacea entsteht dagegen ein stacheliges Gefühl. Nicht ohne Grund kennt mancher die Staude unter dem Namen „Igelkopf“. Für die Unterscheidung bieten die Blütenfarben – wenn auch nur bedingt – eine weitere Orientierung. Echinacea-Arten erblühen vor allem in der vielfältigen Rotpalette, während Rudbeckia überwiegend gelbe Blüten bildet.
Echinacea ,Green Jewel‘ ist mit der ungewöhnlichen grünen Blütenfarbe tatsächlich ein „Grünes Juwel‘. Foto: Karin SternEchinacea ,Augustkönigin‘ ist eine Züchtung von Piet Oudolff, die mit Vitalität und Wüchsigkeit punktet. Foto: Karin SternEchinacea ,Purity‘ passt als kompakte Sorte perfekt in den Beetvordergrund. Foto: Karin SternEchinacea ,Irresistible‘ ist eine auffallende Schönheit mit dicht gefüllter Blüte in warmen Orange- und Rottönen. Foto: Karin SternRudbeckia laciniata ,Goldquelle‘ wächst etwa 70 cm hoch. Die standfeste Staude treibt kaum Ausläufer. Foto: Karin Stern
Scheinsonnenhut (Echinacea) liebt einen sonnigen Standort mit humosem und durchlässigem Boden. Kombiniert mit Schafgarbe (Achillea), Prachtscharte (Liatris spicata), Duftnessel (Agastache) und Prachtkerze (Gaura lindheimeri) ergibt sich ein farbenfrohes Spektakel im Staudenbeet. Perfekte Beetgenossen sind zudem Gräser wie die Blaue Rutenhirse ‚Dewey Blue‘ (Panicum amarum) oder das Kleine Lampenputzergras ‚Hameln‘ (Pennisetum alopecuroides). Sie bringen wie der Bronzefenchel (Foeniculum vulgare) eine gute Portion Leichtigkeit ins Beet. Neben der Verwendung im klassischen Staudenbeet passt Scheinsonnenhut auch gut in den Bauerngarten oder an den Gehölzrand und ist geradezu unentbehrlich im bienen- und schmetterlingsfreundlichen Garten. Die Blüten liefern Pollen und Nektar. Später im Jahr dienen die Samenstände Vögeln als Nahrungsquelle. Nicht nur deshalb sollten die standfesten abgeblühten Stängel bis zum Frühjahr stehen bleiben. Zusätzlich verleihen sie dem Garten auch im Winter noch Struktur. Wer neu pflanzt, achtet in den ersten Wochen danach auf eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit. Einmal etabliert, kommt der Scheinsonnenhut gut mit zeitweiliger Trockenheit zurecht. Gleichzeitig sollte beachtet werden, dass insbesondere neuere Hybriden empfindlich auf vernässten Boden reagieren. Heiße Sommer und lange Trockenperioden hingegen stecken die Stauden klaglos weg. Tipp: Schnecken lieben die Pflanzen, daher besonders den frischen Austrieb entsprechend schützen. Die meisten Echinacea-Arten enthalten entzündungshemmende Stoffe und stärken das Immunsystem. Als Heilkraut werden vorwiegen der Schmalblättrige Sonnenhut (Echinacea angustifolia), der Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) und der Blasse Sonnenhut (Echinacea pallida) genutzt.
Der fast einfarbige Hintergrund bringt Echinacea perfekt zur Geltung. Foto: Karin Stern
Die gelben Blütenköpfe des Sonnenhuts (Rudbeckia) verbreiten von Juli bis Oktober gute Laune im Beet. Rudbeckia fulgida ist die wohl trockenheitstoleranteste Art. Die besonders reich blühende Sorte ‚Goldsturm‘ erfreut sich mit ihren goldgelben Zungenblüten und der samtig-schwarzen Blütenmitte großer Beliebtheit. Sie wurde in der Staudensichtung mit „ausgezeichnet“ bewertet und ist ein echter Dauerblüher. Wer dagegen ein Art zum Verwildern sucht, pflanzt den robusten Schlitzblättrigen Sonnenhut (Rudbeckia laciniata). Je nach Standort und Nachbarschaft wächst er zwischen 70 und 200 cm hoch. Diese Art gehört ebenso wie der Fallschirm-Sonnenhut ‚Juligold‘ (Rudbeckia nitida) zu den früh blühenden Arten. Sie öffnen bereits im Juli ihre Blüten. Die oben bereits erwähnte Art Rudbeckia fulgida und der Oktober-Sonnenhut (Rudbeckia triloba) starten meist erst im August. Dafür beschließen sie im Oktober den Blütenreigen der Familie. Für alle Arten ist ein durchlässiger, nährstoffreicher und feuchtigkeitsspeichernder Boden sehr wichtig. An zu trockenen Standorten legen sich die Stängel flach hin, außerdem leiden Vitalität und Lebensdauer. Tipp: Blühende Stängel sind als Vasenblumen sehr beliebt.
Echinacea und Rudbeckia vortrefflich kombiniert mit Federgras, Wasserdost, Indianernessel und Brandkraut. Foto: Karin Stern
Die leuchtend gelben Blüten des Sonnenhuts zu kombinieren, fällt nicht schwer. Schön wirken warme Töne in der Nachbarschaft. Hier empfehlen sich orangefarbene oder rote Schafgarben (Achillea), aber auch die wunderschöne Sonnenbraut (Helenium). Im Zusammenspiel mit Gräsern wie dem Reitgras ‚Karl Förster‘ (Calamagrostis x acutiflora), Diamantgras (Calamagrostis brachytricha) oder dem Dunklen Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides var. viridescens) ergeben sich schöne Pflanzungen im Prärie-Stil. Kontrastreich fallen Kombinationen mit anderen Blütenformen wie Königskerze (Verbascum) oder Fackellilie (Kniphofia) aus. Gerne wird Sonnenhut auch mit Astern vergemeinschaftet, da beide aufgrund der späten Blütezeit gut zusammenpassen. Wie bei Echinacea achtet man auch bei Rudbeckia zur Zeit des Austriebs auf Schnecken. Wichtig ist die Teilung alle vier bis fünf Jahre, um die Blühfreudigkeit der Stauden zu erhalten. Höhere Arten freuen sich an windoffenen Standorten über eine Stütze in Form eines Staudenrings, da sie ansonsten leicht umfallen.
„Ja zum Schutz der Ostsee, Nein zum Nationalpark“ – das war der Tenor der Demonstration am vergangenen Sonntag an der Geltinger Mole. Mehr als 600 Teilnehmer applaudierten den Statements von Touristikern, Landwirten, Fischern, Wassersportlern und Politikern von SPD, FDP und auch der CDU. Sie alle sahen das Vorhaben als nicht nützlich für den Schutz der Ostsee, aber schädlich für die Region an.
Die Demonstranten applaudierten den Rednern auf der Bühne.
Die Ansprachen waren im Voraus auf je 45 Sekunden begrenzt, was der Veranstaltung eine erfreuliche Straffheit, Konzentration und Aussagekraft verschaffte. „Wir bilden die größte Wertschöpfungskette ab und haben das Recht, gehört zu werden“, sagte Heinrich Nissen von der Initiative Ferienland Ostsee, die zusammen mit der Initiative Freie Ostsee zu der Demonstration aufgerufen hatte. „Lassen Sie uns die bereits vorhandenen Schutzmaßnahmen für die Ostsee besser ausschöpfen und punktuell gegebenenfalls erweitern, aber schützen Sie uns vor dem Bürokratiemonster Nationalpark“, so Moderator Nissen an Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) gerichtet. Den Nationalpark nannte er wie auch andere Redner ein „Prestigeobjekt von Umweltminister Tobias Goldschmidt“ (Grüne).
Malte Jacobsen, KBV Flensburg
Malte Jacobsen, Vorsitzender des Kreisbauernverbands (KBV) Flensburg, bekundete die Verantwortung der Bauern für die Ostsee. Mit der Allianz für den Gewässerschutz gebe es ein gemeinschaftliches Instrument für die Verbesserung der Gewässer. „Dieser Ansatz muss in eine Allianz für die Ostsee erweitert werden.“ Ein Nationalpark hingegen gebe die Entscheidungen vor Ort aus der Hand.
Für die Fischer, die womöglich Meistbetroffenen eines künftigen Nationalparks, sprach Ulrich Elsner von der Küstenfischer Nord eG: „Wir Fischer sehen jeden Tag, dass die Ostsee eine Veränderung durchmacht. Wir haben ein hohes Umweltbewusstsein.“ Ein Nationalpark würde nur 1 % der Ostseefläche umfassen, aber massive Einschränkungen für die Fischer bedeuten. „Die traditionelle Fischerei wird es dann nicht mehr geben.“
Ulrich Elsner, Küstenfischer Nord eG
Die Landtagsabgeordneten Oliver Kumbartzky (FDP), Birte Pauls (SPD), aber auch von Thomas Jepsen (CDU) sowie die CDU-Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen sprachen sich ebenfalls gegen einen Nationalpark Ostsee aus und kündigten Gegenanträge an. SPD-Frau Birte Pauls an ihre CDU-Kolleginnen und -Kollegen gewandt: „Fangen Sie Daniel Günther und Tobias Goldschmidt ein!“
Zum Abschluss bildeten die Teilnehmer eine Menschenkette auf dem Deich. Gegenüber hatten Landwirte rund 60 Trecker, darunter auch Oldie-Trecker, auffahren lassen, die ein Hupkonzert ertönen ließen. Fischkutter demonstrierten auf dem Wasser.
Landwirte hatten etwa 60 Trecker auffahren lassen. Fotos: Tonio KellerZum Abschluss drehten die Trecker noch eine Runde auf dem Acker.
Der Rapserdfloh ist in Schleswig-Holstein mittlerweile zum wichtigsten Herbstschädling im Raps avanciert. Schlecht vorhersehbare Populationsdynamik, Wettergegebenheiten und die Lage des Rapsschlages sind nur einige Punkte, die den Zuflug beeinflussen und somit große und vor allem regelmäßige Aufmerksamkeit des Landwirts beanspruchen. Eine gute Bekämpfung des Rapserdflohs ist mittlerweile zur großen Herausforderung im Rapsanbau geworden. Denn eine fortgesetzte schleichende Resistenzentwicklung gegenüber den Pyrethroiden erschwert die Bekämpfung.
Somit ist das A und O einer guten Bekämpfungsstrategie eine intensive und vor allem auch regelmäßige Bestands- und Gelbschalenkontrolle. Mit dem Auflaufen des Rapses bis weit in milde Wintermonate hinein sind Beobachtungen notwendig, um keine unliebsamen Überraschungen im Frühjahr zu erleben. Besonders die milden Wintermonate werden nach wie vor unterschätzt. Für die dann noch spät mögliche Eiablage sind die Weibchen verantwortlich, die bis dahin in den Rapsbeständen überlebt haben.
Erste Fraßschäden an den jungen Blättern des Rapses. Um hier die Behandlungsnotwendigkeit zu beurteilen, muss der Raps regelmäßig kontrolliert werden.In diesem klutigen Saatbett und bei dem starken Reifungsfraß des Rapserdflohs hat es der Raps sehr schwer.
Wie sieht die Ausgangssituation aus?
Die Beurteilung der Käfersituation für die Neuaussaat beginnt mit der Beobachtung zur Rapsernte. Aussagen wie diese: „Die Rapskörner bewegen sich auf dem Wagen“, weisen auf ein stärkeres Auftreten von Käfern hin, die für die Sommerruhe bereit sind. Nach der Ernte findet man, je nach Wetter, die Käfer noch eine gewisse Zeit in den Rapsstoppeln, bevor sie für die Sommerruhe Knick- und Waldränder aufsuchen. In diesem Jahr zieht sich die Rapsernte durch die immer wieder auftretenden Regenschauer lange hin. Auf einigen Schlägen konnten im ersten Auflaufraps Fraßschäden beobachtet werden. Stärkeres Käferauftreten wurde bei der Ernte teilweise beobachtet. Es spricht einiges dafür, dass die Rapserdflöhe für die diesjährige Sommerruhe den Raps verlassen haben und nicht wie im Sommer 2021 im Ausfallraps verblieben sind. Trotzdem sollte man umliegende/angrenzende ehemalige Rapsflächen mit im Auge behalten, damit nach der Ausfallrapsbearbeitung nicht auf einmal eine stärkere Besiedelung der eigenen neuen Rapsfläche stattfindet.
Gelbschalen und Bestände kontrollieren
Die neuen Rapsflächen werden, je nach Wetterlage, ab Mitte August bevorzugt bei Temperaturen von 16 bis 20 °C angeflogen. Das heißt aber nicht, dass ein Zuflug nicht auch bei niedrigeren oder höheren Temperaturen stattfinden kann. Der angegebene Bereich ist das Optimum. Mit der Aussaat sollten die Gelbschalen auf dem Acker stehen, auf großen Schlägen gern mindestens zwei. Die Rapserdflöhe hüpfen dabei zufällig in die Schale und fliegen nicht explizit auf die Farbe Gelb. Ein leichtes Eingraben erhöht zwar die Fängigkeit der Schalen, allerdings verschmutzen diese auch sehr schnell. Ein Richtig oder Falsch gibt es dabei nicht. Wichtig ist, dass überhaupt Gelbschalen auf dem Feld stehen und natürlich auch regelmäßig kontrolliert werden. Besonderes Augenmerk auf die Gelbschalenüberwachung gilt für Flächen, die in der Nähe von Altrapsflächen liegen, wo im letzten Frühjahr stärkerer Befall mit Rapserdflohlarven beobachtet worden ist. Die Gelbschalen müssen dann in der Nachbarschaft zu Altrapsflächen beziehungsweise speziell in der Nähe der Sommerquartiere der Käfer (Knicks, Waldsäume et cetera) aufgestellt (eingegraben) werden. Allerdings müssen sie auch gut erreichbar sein, damit die Bereitschaft zu einer regelmäßigen Kontrolle gegeben ist. Es lohnt sich durchaus, mehrere Schalen aufzustellen/einzugraben. Bei stärkerem Zuflug innerhalb eines kurzen Zeitraums sollten die Gelbschalen täglich kontrolliert und das Wasser gewechselt werden. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei mehr als 50 Käfern innerhalb von drei Wochen. Hier gilt es, ein gewisses Händchen für die Bekämpfung zu haben.
Neben den Gelbschalen muss bis zirka zum Vierblatt-Stadium des Rapses auch der Blattfraß der Käfer im Auge behalten werden. Blattfraß wird immer dann kritisch, wenn viele Käfer auf einen sich schlecht entwickelnden Raps (Staunässe, Trockenheit, Strohstreifen, Herbizideinfluss) treffen. Die Pflanzen können den Fraßschäden nicht davonwachsen und verlieren innerhalb kurzer Zeit viel Blattmasse. Das ist umso kritischer, je kleiner der Raps ist. Hier sind manchmal Tage für die Behandlung entscheidend. Bei gut entwickeltem Raps ist der Reifungs- beziehungsweise Blattfraß selten kritisch und darf nicht überbewertet werden. Anfangs kleine Fraßlöcher wachsen mit, sodass sie optisch dramatischer wirken.
Gelbschalen gehören im Sinne des Integrierten Pflanzenschutzes auf jeden Rapsschlag.Die digitale Gelbschale bietet sich für entferntere Schläge an, die nicht regelmäßig angefahren werden können.
Biologie und Bekämpfung – Zusammenhang?
Mit dem Einflug der Käfer in den frischen Raps vollziehen diese einen Reifungsfraß an den Blättern und schreiten erst später, ab zirka Anfang Oktober, zur Eiablage. Mit Beginn des Reifungsfraßes setzt eine Lichtempfindlichkeit ein. Praxisbeobachtungen, wonach tagsüber keine Rapserdflöhe im Bestand gesichtet wurden und die Gelbschale dann morgens gut gefüllt war, bestätigen diesen Effekt der Lichtempfindlichkeit. Das bedeutet, in der Dämmerung und nach Sonnenuntergang sind die Käfer in dieser Phase besonders aktiv. Eine in diesem Zeitraum eventuell notwendige Behandlung (Bekämpfungsschwelle: 10 % Lochfraß plus Zustand der Pflanzen) sollte somit nachts erfolgen. Später, im Zuge der Eiablage, schwächt sich die Lichtempfindlichkeit ab beziehungsweise verschwindet ganz, sodass ab Oktober eine Behandlung erfolgreich/förderlich ist, wenn tagsüber Käferaktivität besteht.
Anfänglich werden bevorzugt gestresste Rapspflanzen angeflogen (Anreiz durch Duftstoffe). Somit haben günstige Aussaatbedingungen (optimale Verteilung und Einmischung des Strohs der Vorfrucht, gut abgesetztes, feinkrümliges Saatbett, Walzen des Saatbetts, um Kluten als Versteck des Rapserdflohs zu minimieren) und eine ungestörte Jugendentwicklung auch dahingehend positive Effekte.
Ab Anfang Oktober legen die Weibchen ihre Eier ab. Dies ist temperaturgesteuert. Dabei kann ein Weibchen bei günstigen Temperaturen bis ins neue Frühjahr hinein durchschnittlich 600, in Einzelfällen sogar wohl bis zu 1.000 Eier ablegen. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die sich in die Blattstiele einbohren und diese minieren. Sind die Larven einmal in den Blattstielen, ist die Bekämpfung deutlich schwieriger. Mit Pyrethroiden, die als Kontaktinsektizid fungieren, werden Wirkungseffekte nur während des Ein- und Ausbohrens und bei der Fortbewegung der Larven auf den Blattstielen erzielt. Aufgrund der deutlich niedrigeren Temperaturen im Verlauf des späteren Herbstes hält das Pyrethroid allerdings länger durch. Trotzdem ist es sinnvoller, die Behandlung der Rapserdflöhe vor der Eiablage durchzuführen, um die Eiablage zu verhindern. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei mehr als 50 Käfern pro Gelbschale innerhalb von drei Wochen. Der Fokus liegt dabei auf der Anzahl der Käfer und nicht auf der Zeitspanne. Allerdings sind 50 Käfer keine alleinige fixe Größe. Begleitumstände, wie der Zustand des Rapses, die eventuelle Lichtempfindlichkeit und das Wetter, sind weitere wichtige Einflussfaktoren. Ist beispielsweise die Bekämpfungsschwelle von 50 Käfern überschritten, der Wetterbericht verkündet aber ein Ende der warmen Phase in ein paar Tagen, so kann man durchaus, wenn es der Rapsbestand erlaubt, weiteren Zuflug zulassen und erst danach behandeln. Der Zusatz von beispielsweise Folicur verstärkt die insektizide Wirkung.
Durch Ein- und Ausbohrlöcher stark geschädigter Blattstiel, verursacht von den Larven des Rapserdflohs.
Es gibt Wirkungsunterschiede
Unter den pyrethroiden Wirkstoffen gibt es Wirkungsunterschiede. Lambda-Cyhalothrin ist der stärkste Wirkstoff gegen den Rapserdfloh. Innerhalb der Lambda-Cyhalothrine gibt es wiederum Abstufungen, basierend auf der Formulierung. Die Unterschiede äußern sich in Wirkungsschnelligkeit und -dauer.
Da die Resistenzentwicklung bei den Pyrethroiden unaufhaltsam voranschreitet, ist es besonders wichtig, die Anzahl der Pyrethroidmaßnahmen zu begrenzen und alternative Wirkstoffe zu nutzen. Für Letzteres besteht in diesem Herbst erneut die Möglichkeit. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat Notfallzulassungen für die Produkte Minecto Gold und Exirel, beide mit dem Wirkstoff Cyantraniliprole, bekannt aus der Beize Lumiposa, ausgesprochen (siehe Übersicht). Beide Produkte fungieren teilsystemisch. Es ist insgesamt eine Anwendung genehmigt (also entweder Minecto Gold oder Exirel), sodass der Termin gut gewählt sein muss. Im frühen Entwicklungsstadium des Rapses, wenn der Blattfraß im Fokus steht, haben beide Produkte nichts verloren. Hier müssen nach wie vor die Pyrethroide zum Einsatz kommen. Das Einsatzfenster für Minecto Gold und Exirel öffnet sich ab der Eiablage. Aufgrund der teilsystemischen Wirkung besteht ein Einfluss auf sich entwickelnde Larven. Dieser Effekt muss in der Bekämpfungsstrategie genutzt werden.
Hier war der Pyrethroideinsatz erfolgreich. Das ist nicht immer so, immer häufiger überleben Käfer diese Anwendung.Hier ist in einem Spritzfenster deutlich der Schaden durch den Rapserdfloh zu sehen.
Kleine Kohlfliege – Wichtiges kurz und knapp
• Der Zuflug ist starken Populationsschwankungen und Wettereinflüssen unterworfen.
• Die Eiablage erfolgt am Wurzelhals der jungen Pflanzen.
• Die Larven fressen an den Wurzeln. Befallene Wurzelfläche und Folgewitterung entscheiden über das Überleben der Pflanzen.
• Raps kann bei wüchsigen Bedingungen neue Seitenwurzeln bilden. Häufig sind aber Folgeschäden wie Wassermangel und verminderte Standfestigkeit.
• Feststellung des Zuflug mittels Gelbschalen. Bei stabilen Wetterbedingungen ist so eine Terminierung der Aussaat möglich.
• Kompromiss zwischen nicht zu frühem Drillen (erste Bestände werden angeflogen) und Etablierung von starken Einzelpflanzen, auch als Schutz vor kritischem Blattfraß des Rapserdflohs
Kleine Kohlfliege im RapsDie Larven der Kleinen Kohlfliege verursachen Fraßschäden an den Wurzeln.
Rapserdfloh – Wichtiges kurz und knapp
Bekämpfungsschwelle:
• mehr als 10 % Blattfraß des Rapses. Besonders kritisch im Keimblattstadium bis ES 14
• mehr als 50 Käfer innerhalb von drei Wochen pro Gelbschale
Einfluss insektizider Beizen besteht nur, wenn der Rapserdfloh schon in der Auflaufphase des Rapses zufliegt. Buteo Start hat dann gegenüber Lumiposa Vorteile, diese äußern sich in einem Entwicklungsvorsprung, der besonders bei späteren Saatterminen von Vorteil ist.
Behandlung:
(1) Bekämpfung mit zugelassenem Pyrethroid, Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin, hat höchste intrinsische Wirkung.  Anwendungshäufigkeit der einzelnen Produkte beachten
(2) ab dem Zeitpunkt der Eiablage und besonders dann, wenn aufgrund starken Zufluges schon Pyrethroidbehandlungen erfolgt sind, auf Notfallzulassung von Minecto Gold oder Exirel zurückgreifen
Hinweise zur Behandlung:
• Behandlungen nach Überschreitung der Bekämpfungsschwelle. Blattfraß (1); zur Eiablage (1) oder (2)
• In der Phase des Reifungsfraßes besteht Lichtempfindlichkeit der Käfer.  Nachts behandeln!
• Zuflug aus dem Sommerquartier im Herbst bei Temperaturen von 16 bis 20 °C. Schubweise in Abhängigkeit von vorheriger Larvenentwicklung (Herbst- oder Frühjahrslarven)
• mildes Winterwetter beachten. Bei starker Aktivität (Eiablage) kann weitere Behandlung im November oder Dezember notwendig werden.
Rapserdfloh beim Reifungsfraß auf Keimblättern des Rapses
Blattläuse – Wichtiges kurz und knapp
• Blattläuse (Grüne Pfirsichblattlaus, Mehlige Kohlblattlaus) sind einerseits Saugschädlinge und andererseits Überträger des Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV).
• vermehrte Blattlausaktivität bei höheren Temperaturen im Herbst sowie milden Wintern
• Starkes Auftreten führt zu Saugschäden mit Pflanzenverlusten. Besonders in Einflugschneisen erkennbar
• Blattläuse sitzen hauptsächlich an der Blattunterseite. Bekämpfung mit Pyrethroiden nicht wirksam!
• Es gibt keine Bekämpfungsschwellen. Für die Behandlungsentscheidung sind Befallsstärke, Wüchsigkeit des Rapses und die Folgewitterung maßgebend.
• zugelassen gegen Grüne Pfirsichblattlaus: 100 g/ha Teppeki (ES 12-18). Teppeki hat keine Wirkung gegen Rapserdfloh.
• Anbau von TuYV-resistenten Sorten, um Virusschäden zu minimieren
Mehlige Kohlblattlaus verursacht bei stärkerem Befall Saugschäden und übertragt das Wasserrübenvergilbungsvirus.
Maissilage ist aus der Rinderfütterung nicht wegzudenken, besticht sie doch vor allem mit einem in der Regel hohen Energiegehalt. Einen großen Anteil daran besitzen die Kohlenhydrate, insbesondere die Stärke, welche nahezu zu 100 % verdaulich ist.
Der hauptsächliche Abbau der Stärke einer Maissilage findet im Pansen der Kuh statt. Ein gewisser Anteil der Maissilagestärke entgeht aber dieser bakteriellen Fermentation und gelangt unabgebaut in den Dünndarm. Diese Durchflussstärke, auch pansenstabile Stärke genannt, wird dann mittels körpereigener Enzyme im Dünndarm verdaut. Dieser Verdauungsvorgang ist energetisch effizienter als eine „bakterielle“ Verdauung im Vormagen. Auch kann die Durchflussstärke den Pansen in gewisser Weise entlasten, gerade bei sehr energie-, zucker- und stärkereichen, strukturärmeren Rationen.
Grundsätzlich stehen diesen Vorteilen auch Nachteile eines zu hohen Anteils an pansenstabiler Stärke gegenüber. Das wären eine eventuell unzureichende Mikroorganismentätigkeit im Pansen und gegebenenfalls eine Überlastung der Dünndarmkapazität durch diese pansenstabile Stärke. Diese Aspekte sind stets in Abhängigkeit vom Rationstyp, der Rationsgestaltung sowie der Leistung und Futteraufnahme der Kühe abzuwägen.
Anteil an Durchflussstärke bei Maissilage
Auf den Anteil an pansenstabiler Stärke einer Maissilage nehmen grundsätzlich die Sorte, vor allem der Sortentyp (Zahnmais (Dent) beziehungsweise Hartmais (Flint)) und die damit verbundene Stärketextur Einfluss. Maisstärkekörner sind in einer Proteinmatrix eingekapselt, die eines der Haupthindernisse für die Stärkeverdaulichkeit im Pansen darstellt. Außerdem ist die Schale (Perikarp) des Maiskorns resistent gegen den Abbau im Pansen.
Im Hartmais ist die Stärke „dichter“ als im Zahnmais. Ursache dieses Unterschiedes ist die Eiweißhülle (Endosperm), welche die Stärkemoleküle umgibt. Diese unterscheidet sich in der Zusammensetzung bei Hart- und Zahnmais. Während Hartmais ein kleines, weiches Endosperm in der Mitte des Korns besitzt, welches von einem harten, glasigen Endosperm umgeben ist, ist das Endosperm beim Zahnmais nur an der Seite glasig. Maissorten mit glasigerem Endosperm (Hartmais) haben eine geringere ruminale Stärkeabbaubarkeit. Gerade frühe Sorten weisen in der Regel einen höheren genetischen Hartmaisanteil auf, wohingegen spätere Sorten oftmals einen größeren Zahnmaisanteil haben.
Darüber hinaus ist die Körnerzerkleinerung (Cracken) von großer Bedeutung für die Stärkeverdaulichkeit. Einen weiteren sehr bedeutenden Einfluss bezüglich der Stärkebeständigkeit stellt der Silierprozess dar.
Silierdauer beeinflusst Abbaubarkeit
Bereits frühere Untersuchungen zeigten, dass während der Vergärung von Mais eine teilweise Auflösung der Proteinmatrix, welche die Stärke im Maiskorn umgibt, stattfindet. Damit wird die Maisstärke besser für die Pansen-Mikroorganismen angreifbar, sodass der hydrolytische Stärkeabbau im Vormagen schneller beginnen kann. Zudem wirkt auch die mit der Vergärung einhergehende Quellung der Stärke förderlich auf den Stärkeabbau. Die Silierdauer hat ebenfalls einen großen Einfluss hierauf. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass mit steigendem Feuchtegehalt der Silage die Gärprozesse umso schneller und intensiver ablaufen und daher umso zeitiger nach dem Einsilieren bereits die höchste ruminale Stärkeabbaubarkeit erreicht wird.
Die verwendete Untersuchungsmethode kann einen großen Einfluss auf die geschätzte Stärkeabbaurate haben, was direkte Vergleiche zwischen verschiedenen Laboren erschwert.
Verschiedene Untersuchungsmethoden
Ergebnisse zum Einfluss verschieden langer Silierzeiten auf die Stärkeabbaurate in Maissilagen aus bisherigen Studien basieren nach Aussagen von Autoren einer aktuell publizierten Untersuchung (Cueva et al., 2023) auf In-vitro-Untersuchungen. Diese In-vitro-Untersuchungen basieren international meistens auf der Verwendung von Pansensaft und dem im Labor gemessenen Gasbildungspotenzial der Futterproben. Möglicherweise aber bilden In-vitro-Tests zur Bestimmung der Stärkeverdaulichkeit das Milieu und die Abbauvorgänge im Pansen nicht genau genug ab.
Daher wurde von einigen Autoren zur Messung der Veränderung der ruminalen Stärkeverdaulichkeit die In-situ-Methode favorisiert. Bei einem solchen Verfahren – auch als Pansenbeuteltechnik oder Nylonbeutelmethode bezeichnet – werden die zu prüfenden Futterproben in kleinen Nylonbeuteln für bestimmte Zeiten direkt in den Pansen fistulierter Tiere gelegt. Nach einer bestimmten Inkubationszeit wird ermittelt, welcher Probenanteil verdaut wurde.
Auch bei solchen In-situ-Methoden bestehen einige Unzulänglichkeiten, wie zum Beispiel der Einfluss der Verweilzeit (die zu wählende Passagerate), Partikelgrößeneffekte oder besonders ein Verlust von kleinsten Futterpartikeln, etwa Stärke, durch die Maschen der dafür verwendeten Nylonbeutel. Gerade der letzte Aspekt könnte zu einer Überschätzung der schnell abgebauten Stärkefraktion im Pansen führen, insbesondere wenn die Proben vor der Inkubation fein gemahlen werden. Ebenso kann die Trennung des Stärkekorns von der Proteinkomponente während des Silierprozesses dazu führen, dass Stärkekörner aus dem Nylonbeutel ausgespült werden, ohne zu fermentieren, was ebenfalls die scheinbare Abbaurate von Stärke erhöhen würde.
Diese Argumente haben letztlich dazu geführt, dass in kommerziellen Futtermittellaboren die Untersuchungen zum Stärkeabbau auf In-vitro-Verfahren unter Verwendung von Pansensaft basieren. Darüber hinaus werden heute vielfach Nahinfrarot-Reflexionsspektroskopie (NIRS)-Techniken bei der Futtermittelanalyse und damit ebenfalls zur Bestimmung von Stärkeabbauraten eingesetzt.
Aktuelle Untersuchung zur Silierdauer
Derzeit besteht jedoch nach Aussagen von Cueva et al. (2023) kein Konsens darüber, welche der drei genannten Methoden die beste ist. Daher haben diese Autoren in einer aktuellen Studie die Auswirkungen der Silierdauer auf den Stärkeabbau (gleichbedeutend mit ruminaler Stärkeverdaulichkeit) von unterschiedlichen Maissilagen mittels verschiedener Methoden und in unterschiedlichen Laboren (in vitro, in situ und NIRS) untersucht.
Nährstoffgehalte und Gärparameter
Der durchschnittliche Stärkegehalt der Silagen wurde mit 35,2 % in der TM im Labor 1 tendenziell höher (P = 0,09) analysiert als mit 34,4 % in der TM im Labor 2. Auch bei den ermittelten Gehalten an Zucker, Milch- und Essigsäure gab es zwischen beiden Laboren Unterschiede, die sich dann ebenfalls im pH-Wert widerspiegelten (Übersicht 1).
Davon abgesehen zeigten sich in beiden Laboren die gleichen Entwicklungen der Nährstoffgehalte und Gärparameter vom Tag der Einlagerung bis zum 150. Siliertag. Während der Rohproteingehalt infolge des Gärprozesses weiter abnahm, gab es keinen Effekt der Lagerungsdauer auf die Stärkekonzentration.
Silierzeit und Stärkeabbau
Die Silierdauer führte zu einem erhöhten In-situ-Stärkeabbau (P ≤ 0,001), was zugleich bedeutet, dass die Stärkebeständigkeit der Maissilagen mit der Lagerungsdauer abnahm (Übersicht 2). Im Vergleich zum unvergorenen Mais (Ausgangsmaterial für die Silierung) wiesen die Maissilagen aller fünf geprüften Sorten am 150. Siliertag die höchste Stärkeabbaurate auf. Während im frischen, nicht silierten Zustand die verschiedenen Maissorten unterschiedliche Abbaugeschwindigkeiten der Stärke aufwiesen, verschwanden diese Differenzen nach 60 Tagen der Silierung.
In den ersten 60 Siliertagen fand eine stärkere Veränderung der Stärkeabbaurate statt als in den weiteren Tagen, obwohl die Stärkeabbaurate auch danach noch etwas zunahm.
Im Durchschnitt über sämtliche Silierzeiten war die gemessene Gesamt-Abbaurate der Stärke im aktuellen Versuch für alle untersuchten Sorten mit mindestens 89 % sehr hoch (Übersicht 3), entspricht aber den Ergebnissen einer Meta-Analyse von Moharrery et al. (2014), wonach der ruminale Stärkeabbau von Maissilagen 90,9 % betrug.
In den beiden Laboren 1 und 2 war die mittels NIRS analysierte Sieben-Stunden-Stärkeverdaulichkeit zwar nicht identisch, aber in ähnlicher Größenordnung. Sie nahm mit längerer Silierdauer zu, jedoch – zumindest entsprechend den Ergebnissen des Labors 2 – in einem größeren Ausmaß während der ersten zwei Monate des Silierens. Auch die durchschnittliche Sieben-Stunden-in-vitro-Stärkeverdaulichkeit war zwischen den beiden Laboren 2 und 3 tendenziell ähnlich (P = 0,09) und nahm mit längerer Silierdauer zu.
Deutliche Unterschiede wurden aber zwischen den eingesetzten Untersuchungsmethoden sichtbar. So waren die mittels NIRS ausgewiesenen Stärkeabbaugehalte ungefähr um 7 %-Punkte höher als die in vitro gemessenen Werte. In dieser Studie wurde der In-vitro-Stärkeabbau unter der Annahme einer mittleren Verweilzeit der Stärke im Pansen von sieben Stunden gemessen, während die Abbaugeschwindigkeit der Stärke unter der Annahme einer Verweildauer im Pansen von etwa 16 Stunden (das heißt Passagerate von 6 % pro Stunde) berechnet wurde. Dies könnte sich auf die absoluten Werte der Stärkeabbaurate ausgewirkt und die Korrelation zwischen den Methoden beeinflusst haben.
Interpretation der Ergebnisse
Faktoren wie die angenommene Passagegeschwindigkeit, die technische Verarbeitung der Proben (Mahlfeinheit bei der Probenaufbereitung) und die Silierdauer können die Schätzungen des ruminalen Stärkeabbaus von Maissilagen beeinflussen. Daher sind auch die Werte für den ruminalen Stärkeabbau und die Abbauraten der Stärke von Maissilagen in der Literatur nicht einheitlich. Dennoch weisen alle Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass bei siliertem Mais ein höherer ruminaler Stärkeabbau im Vergleich zu frischem Mais vor der Einsilierung erwartet werden kann und dieser mit längerer Silierdauer zunimmt.
Der Anstieg des In-situ-Stärkeabbaus mit fortschreitender Silierdauer war bei den in der vorgestellten Studie untersuchten Maissorten ähnlich. Die beim frischen Ausgangsmaterial noch bestehenden Unterschiede zwischen den Sorten verschwanden mit zunehmender Silierdauer allmählich.
Die verwendete Untersuchungsmethode kann einen großen Einfluss auf die geschätzte Stärkeabbaurate haben. Das erschwert auch direkte Vergleiche zwischen verschiedenen Laboren. Im vorgestellten Versuch wurden deutliche Unterschiede in der Stärkeabbaubarkeit zwischen den NIRS- und In-vitro-Methoden beobachtet. Dies betraf aber hauptsächlich die weniger vergorenen Maissilagen.
Fazit
Obwohl die unterschiedlichen Untersuchungsmethoden zu verschiedenen Ergebnissen bezüglich des Stärkeabbaus führten, zeigte sich eine enge Korrelation zwischen den drei angewandten Methoden (in vitro, in situ, NIRS). Dieses deutet darauf hin, dass alle Methoden grundsätzlich für die Untersuchung der Stärkeverdaulichkeit von Maissilagen geeignet erscheinen.
Die Stärkeabbaurate (in situ) war bei unvergorenem Mais (Ausgangsmaterial für die Silierung) am niedrigsten und stieg um 10 % von Tag 0 bis zum 60. Siliertag und um 3,6 % vom 60. bis zum 150. Siliertag (und nur etwa um 1 % vom 120. bis zum 150. Siliertag) an. Der Effekt der Silierdauer auf die Stärkeabbaurate war auch stets mit NIRS nachweisbar.
Das bedeutet, dass Veränderungen in der ruminalen Stärkeabbaubarkeit von Maissilagen in den ersten Stadien der Vergärung am intensivsten sind, aber mit einer langsameren Rate auch nach zwei Monaten des Silierens noch weiterhin stattfinden. Daher werden nach Aussagen der Autoren regelmäßige Bewertungen des Stärkeabbaus in Maissilagen empfohlen, insbesondere während der ersten zwei Monate des Silierens.
Auch wenn in dieser Woche die Getreideernte etwas vorangekommen ist, ist die Stimmung der Landwirte eher getrübt. Die Witterung der letzten Wochen hat nicht nur die Ernte verzögert, sowohl Ertrag als auch Qualität haben deutlich gelitten. Zudem liegen die Erlöse weit unter den Getreidepreisen des Vorjahres, während die aktuelle Ernte mit einem hohen Kostenaufwand erstellt wurde. Zu all diesem Kummer kommt für die verbliebenen Schweine haltenden Betriebe jetzt auch noch ein Rückgang der Notierungen für Schlachtschweine hinzu.
Während die Erlöse für Rindfleisch, Milch und Ackerfrüchte bereits in den Vorjahren Rekordmarken erreicht haben, blieben die Schweinekurse auf einem maximal überdurchschnittlichen Niveau. Erst zu Beginn dieses Jahres setzte auch im Schweinehandel ein außergewöhnlicher Preisanstieg ein. Aufgrund der in den letzten Jahren verringerten Bestände nahm der Wettbewerb um die verbliebenen Schweinepartien zu. Der Basispreis stieg von 2,00 €/kg SG im Januar auf ein Rekordniveau von 2,50 €/kg SG im Juli.
Weniger Nachfrage durch Regen und Ferienzeit
Anfang August begannen die Schlachtbetriebe, den Druck auf die Einkaufspreise für Schweine zu erhöhen. Während das sonnige Wetter im Juni die Grillfleischnachfrage noch belebt hat, sorgten der Wetterwechsel und der Ferienbeginn ab Juli für ein abflauendes Grillfleischgeschäft. Dennoch reichte das stetig rückläufige Schweineangebot nur knapp aus, den reduzierten Bedarf der Schlachtbetriebe zu bedienen. Anfang August zogen die Abnehmer jedoch die Notbremse. Die reduzierten Gebote wurden durch eine geringere Lebendnachfrage bekräftigt. Der Vereinigungspreis wurde Anfang August auf 2,40 €/IP verringert. Nach einer Woche mit einem unveränderten Kurs gab es am 16. August einen erneuten Preisabschlag von 10 ct auf 2,30 €/IP. Während die rote Seite mit diesem Preisabschlag die Fleischgeschäfte beleben will, sieht die Erzeugerseite die Lage im Fleischabsatz gar nicht so negativ. In vielen Bundesländern sorgt das Ferienende für erhöhte Umsätze im LEH. Dazu verspricht die Wettervorhersage durchaus noch eine grilltaugliche Witterung. Vom Hamburger Großmarkt wird bereits über eine erhöhte Schweinefleischnachfrage berichtet. Von einem Angebots- und Preisdruck war hier in der Vorwoche keine Rede. Viele Verarbeitungsbetriebe haben die Produktion von Fleischartikeln nach der Urlaubsphase wieder aufgenommen. Dennoch könnte der Preisabschlag der Schweinekurse den Handel vorerst etwas verunsichern. Es wird von zusätzlichen Anmeldungen von Schweinen berichtet. Die Nachfrage an der ISN-Schweinebörse ist zuletzt ruhig geblieben.
Ferkel deutlich günstiger
Die Kurse für Mastferkel wurden entsprechend der Entwicklung im Schlachtschweinehandel nach unten korrigiert. Zu Monatsbeginn wurde der Ferkelpreis um 3 € pro Tier verringert. Zu Beginn dieser Woche werden deutlich größere Preiskorrekturen genannt. Namhafte Ferkelvermarkter reduzieren die Basispreise deutlich um 8 € bis 9 € pro Ferkel. Viele Mäster scheuen aktuell das Risiko, jetzt teure Ferkel einzukaufen, die dann Anfang nächsten Jahres geliefert werden. Zu dieser Jahreszeit ist die Nachfrage nach Schweinefleisch eher etwas ruhiger. Auch in den EU-Nachbarländern gab es Preisabschläge für Ferkel in einer ähnlichen Größenordnung.
Die Borchert-Kommission, das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung, wirft hin (siehe Seite 10). Dass die Kommission ihr Mandat beendet, hat am Dienstag dieser Woche der Vorsitzende und ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert (CDU) nach einer mehrstündigen Sitzung des Gremiums erklärt. Eingesetzt wurde die Kommission von der vorherigen Regierung, der ehemaligen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und der damaligen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (beide CDU).
Das Expertengremium, besetzt mit Vertretern aus Landwirtschaft, Tier- und Umweltschutz und Wissenschaft, also einem Querschnitt durch sämtliche Interessengruppen, hat tatsächlich innerhalb kurzer Zeit ein Konzept vorgelegt, das tragbar schien zum Umbau der Tierhaltung. Die Beschlüsse der Borchert-Kommission standen nicht für radikale Strukturbrüche und haben bewusst die vor- und nachgelagerte Wirtschaft mit eingebunden.
Jetzt hat die Brochert-Kommission die Reißleine gezogen, weil der politische und finanzielle Wille der Regierung zur Umsetzung der Empfehlungen nach fast vier Jahren nicht erkennbar ist. Oder sind die Empfehlungen des Kompetenznetzwerks einfach abgeprallt am politischen Ideologiedenken und Koalitionsstreitereien um Etats?
Nach der Wahl im September 2021 übernahm Cem Özdemir (Grüne) als Landwirtschaftsminister das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung mit großer Geste. Mit genauso großer Geste hat er es jetzt verabschiedet. Klingt es nicht fast schon wie Hohn, wenn Özdemir das Kompetenznetzwerk jetzt so überschwänglich lobt, sich bedankt und betont, wie sehr es gebraucht werde, und gleichzeitig nicht in der Lage oder Willens ist, die Voraussetzungen zu schaffen, um mit dem Umbau der Nutztierhaltung schneller und weiter voranzukommen?
Zwei zentrale Voraussetzungen und entscheidende Forderungen sind vom Grünen Landwirtschaftsministerium nicht angegangen worden: ein langfristiger und rechtssicherer Rahmen für Tierwohlprämien und ein ausreichendes Finanzierungsmodell für die Umstellung von Betrieben. Der Entwurf des Bundeshaushalts 2024 lasse den notwendigen Durchbruch nicht erkennen, schreiben die Mitglieder der Kommission in ihrem Statement zum Abbruch.
Özdemir hätte den Zug auf die Schiene setzen und zeigen können, wie Umbau in der Tierhaltung einvernehmlich geht. Jetzt bleibt ein fader Geschmack und ein angeschlagener Bundeslandwirtschaftsminister, der sich die Frage stellen lassen muss, ob der Umbau der Tierhaltung in den Leitungsebenen seines Ministeriums Abbau durch Verschleppung bedeutet? Der jetzt vom BMEL bevorzugte Plan kann gut dazu taugen, Tierhaltung ins Ausland zu verlagern und später über weite Tiertransporte wieder zu importieren. Das würde weder dem Tierwohl, Einkommenssicherheit der Landwirtinnen und Landwirte und auch nicht der Versorgungssicherheit dienen. mbw
„Die Tierhaltung ist das Rückgrat der Landwirtschaft“, sagte Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht vor den Teilnehmern der Rindermastbereisung in der Vortragsrunde. Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) betonte die Bedeutung der Wertschöpfung in der Viehhaltung.
„In der Veredelung liegt die größte Wertschöpfung für die Landwirtinnen und Landwirte, genauso wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im vor- und nachgelagerten Bereich, verfügen über die besten Ausbildungen“, stellte Lucht heraus. Auch habe sich die Qualität der Kommunikation zwischen Vertretern aus der Landwirtschaft und dem Lebensmittelhandel in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.
Er hob die Bedeutung hervor, die Qualität der tierischen Erzeugung und die Leistungsfähigkeit der Branche positiv zu kommunizieren und nannte als Beispiel die Initiative Milch. Außer Frage steht für ihn die Notwendigkeit der Transparenz. Das heißt für die Landwirtschaft, ihre Produktionsmethoden darzustellen und zu dokumentieren. Er setzt dabei auf Freiwilligkeit und ein gemeinsames Vorgehen mit der Verarbeitungswirtschaft. Besonders betonte er seine Zufriedenheit, dass auch die Branchenkommunikation Fleisch kurz vor dem Start stehe.
Kritische Schlachthofstruktur
Schwarz machte deutlich, dass im Landwirtschaftsministerium (MLLEV) die wirtschaftenden Betriebe im Fokus stehen. „Landwirtschaft hat immer etwas mit Wirtschaft zu tun“, so Schwarz. Die hohe Gänsepopulation in Schleswig-Holstein sieht er als Herausforderung. Sie sei bekannt in der Staatskanzlei bis zu den Veterinärämtern. Aber in Berlin sei das Thema nur untergeordnet bekannt. Im MLLEV sei die Jagd angesiedelt als ein Punkt, über den aktuell besprochen würde, so Schwarz, und dass die Möglichkeit von Verordnungen oder Erlassen durch sein Ministerium bestehe. Alles andere, was mit der Nonnengans zu tun habe, betreffe das Umweltministerium (MEKUN). Schwarz erinnerte an die Koalitionsverhandlungen, die keinerlei Bewegung in diesem Thema zeigten und wies dadurch auf die Schwierigkeit von Veränderungen hin. Die Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete deckten nicht die zusätzlichen Kosten für Transporte zwischen Insel und Festland. „Das betrifft die Inselbauern“, hob Schwarz hervor, musste aber auf den schmalen Landeshaushalt verweisen.
Auch Schwarz sieht die Schlachthofstruktur in Schleswig-Holstein kritisch. Das Land verliere, wenn es um die Transportdauer gehe, die Möglichkeit, dass jeder Betrieb einen Schlachthof in den vorgegebenen Zeiten erreichen könne. Er forderte die Vertreter der Schlachtwirtschaft auf, sich dazu Gedanken zu machen. Es sei keine Option, wenn in Husum mehr Rinder geschlachtet würden und dafür die Lämmer nach Hessen gefahren werden müssten.
Gänsepolitik ist Inselthema
Die Nonnengans stellt in Schleswig-Holstein ein zunehmendes Problem dar aufgrund ihrer Bestandszahlen und der nur beschränkten Bejagungsmöglichkeit, erläuterte Dr. Susanne Werner vom Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH). Aktuelles Zahlenmaterial zu Bestandszahlen zu erhalten ist schwierig, so Werner. „Die Daten des Artenschutzberichtes hängen in der Regel ein Jahr hinterher. Die höchsten Bestandszahlen, die gemeldet wurden, lagen im März 2019 bei 303.000 Nonnengänsen“, so Werner. Der jährliche Bestandszuwachs liegt bei 10 %, diese Zahlen seien bestätigt vom MEKUN und EU-Institutionen. Der Graugansbestand liegt bei 80.000 Gänsen. Diese Zahlen verdeutlichten das hohe Schadenspotenzial durch die Nonnengans.
Prognosen, dass die Gänse entlang der Wassergebiete Eider und Nord-Ostsee-Kanal, die als Ruhegebiete genutzt werden, stärker ins Landesinnere ziehen, bestätigten sich mittlerweile. Dort erfolgt auf landwirtschaftlichen Flächen die Nahrungsaufnahme.
Trotz Vergrämungsjagd auf die Nonnengans sieht Werner weiter ein Ungleichgewicht der Bestände und keine anhaltende Reduktion.
Seit 2016 besteht auf Landtagsbeschluss der Runde Tisch Gänsemanagement, mit Vertrern aus Ministerien, Behörden, Naturschutz, Bauernverband, Jägern und Schäfern, der zuvor als Arbeitskreis Wildgänse tagte. Hier sollte regelmäßig eine Abstimmung zu Gänsethemen stattfinden.
Seit Corona und im Jahr 2021 fand keine Tagung statt, die letzte im Januar 2022. Seitdem sind viele Themen aufgelaufen, wie der Vertragsnaturschutz. Aufgrund der wenigen Treffen fandzu wenig Abstimmung statt.
Weil der Erhaltungszustand der Nonnengans erreicht ist, setzt der BVSH in seinen Forderungen auf Bestandsmanagement und Regulierung der Bestände, dazu könnte eine Anpassung der Jagdzeiten zählen.
Rinderbestände nehmen ab
Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte und Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch, machte deutlich, dass die Rinderschlachtungen in Deutschland zwischen 2000 und 2022 um 22,1 % zurückgangen sind. In Schleswig-Holstein lag der Rückgang sogar bei 39,8 %. Damit einher gehen Strukturveränderungen in der Schlachtbranche, die durch weitere Kostensteigerungen anhalten könnten.
Als einen Grund für den Rückgang der Tierhaltung nannte er die mangelnde Kostendeckung, vor allem in Relation zu steigenden Tierwohlanforderungen. Daran knüpfte er die Befrüchtung an, dass Fleisch aus Haltungsform 3 und 4 künftig mehr im Ausland erzeugt würde. Insgesamt erwartet er weiter abnehmende Rinderbestände, höhere Kälberkosten, ein schwächeres EU-Konsumklima und höhere Umweltkosten. mbw
Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverandes Schleswig-Holstein. Foto: mbwWerner Schwarz, Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein Foto: mbwDr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte und Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch. Foto: mbwDr. Susanne Werner, Referentin beim Bauernverband Schleswig-Holstein.Foto: mbw
Die Rindermastbereisung, zu der der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) und die Arbeitsgemeinschaft Vieh und Fleisch Schleswig-Holstein (Landesmarktverband) einladen, führte in diesem Jahr auf die Insel Föhr. Die Traditionsveranstaltung fand am vorigen Freitag statt. Die Teilnehmer aus Landwirtschaft, Politik, Zucht, Handel, Schlacht- und Fleischgewerbe diskutierten und informierten sich über die Entwicklung und Marktsituation in der Rindermast und die Bedeutung der Gänsefraßschäden für Landwirte und Viehhalter auf den Inseln und in den Küstenregionen.
Klaus-Peter Dau, Präsidiumsmitglied des BVSH und Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Schleswig, betonte in seiner Begrüßung die hohe Teilnehmerzahl mit über 60 Personen und freute sich über das große Interesse. „Durch die Exkursion auf die Insel Föhr wollen wir den Stellenwert Landwirtschaft hier betonen und uns mit den besonderen Gegebenheiten und Herausforderungen der Insellandwirtschaft beschäftigen“, betonte Dau in seiner Begrüßung.
Kampf um freie Flächen
Die Busfahrt vom Schiffsanleger in Wyk bis zu seinem Betrieb in Alkersum nutzte Landwirt Jens Olufs dazu, die Probleme der Insellandwirtschaft mit der hohen Gänsepopulation darzustellen. „Gänse sind erst seit 25 Jahren auf der Insel. Das Problem begann mit den Graugänsen“, erläuterte Olufs und zeigte Grünlandflächen, auf denen bis zum 19. August erst ein Schnitt möglich war, weil der gesamte Aufwuchs von den Graugänsen „abgeerntet“ wurde. Er erklärte das Phänomen, dass sich Naturschutzflächen in der Nachbarschaft als Nachteil erweisen, weil die Gänse auf die bewirtschafteten als Futterflächen ausweichen.
Kleine Käufergruppe aktiv
Hinzu komme die Verknappung von Kaufflächen durch vier große Investoren. „Vier große Player sind Käufer auf Föhr. Die Stiftung Naturschutz, der BUND, der Kreis in Zusammenarbeit mit dem Hegering und der Verein Elmeere, der sich zur Aufgabe gemacht hat, landwirtschaftlich genutzte Flächen zu kaufen, um ihren ursprünglichen Charakter wiederherzustellen. Dem Verein gehören zu 95 % auswärtige Mitglieder an und kaum Insulaner“, erläuterte Olufs. Die Landpreise würden durch diese Ankäufe so in die Höhe getrieben, dass ansässige Landwirte mit ihren Geboten auf der Strecke blieben.
Die Fahrt ging vorbei an Milchviehbetrieben, die aufgehalten haben, weil die Erträge der Futterflächen nicht mehr ausreichten, die Tiere zu ernähren.
Olufs hat seine Ausbildung 1989 auf dem elterlichen Betrieb begonnen. Zu der Zeit waren auf Föhr 115 Vollerwerbsbetriebe. 2023 sind noch 25 Milchviehbetriebe und sieben Exoten, wie er es nennt, mit Schweinehaltung, Geflügel und Ammenkuhhaltung aktiv. Die Fläche der Insel umfasst 9.000 ha, davon sind 6.000 ha landwirtschaftlich nutzbar. Zu den 9.000 Einwohnern kommen 30.000 Gästebetten. Damit beschreibt der Landwirt ein wichtiges Standbein der meisten Betriebe. Olufs Lindenhof hat drei Standbeine. Nach der Milchviehhaltung ist das älteste Standbein die Vermietung von Fremdenzimmern und Gästewohnungen, später kam eine Photovoltaikanlage hinzu, die jährlich 450.000 kW Strom erzeugt.
Rinder und Inselwhisky
Auf dem Betrieb von Jonas und Jan Hinrichsen in Dunsum ist die Direktvermarktung ein Bestandteil des Unternehmenskonzeptes. Der Betrieb hält eine Shorthornherde mit 30 Mutterkühen, Kälbern, zwölf Mastochsen, weiblicher Nachzucht, sowie Schweinehaltung. Das Fleisch der Tiere wird im eigenen Hofladen vermarket und im Restaurantbetrieb angeboten. Zur Schlachtung müssen die Tiere aufs Festland und kommen als Steaks zurück.
Nach Bio-Richtlinien wird Getreide angebaut. Die Gerste wird auf dem Malzboden gemälzt, gebraut und in der hofeigenen Destillerie zu Whisky gebrannt. So entstehen seit zwei Jahren jährlich 8.000 l Whisky aus 50 t eigener Biogerste.
Die Idee entstand bei einer Reise in die USA, wo Hinrichsen einen Betrieb kennenlernte, der alle Schritte zur Whiskyherstellung selbst machte. Diese Idee adaptierte er auf Föhr. Seine Herstellung sei klein, zehnmal so klein wie die kleinste schottische Destille, aber lastet den Betrieb aus, so Hinrichsen. Er sei mit dieser Methode, alles aus einer Hand zu produzieren, der einzige in Deutschland und weltweit einer unter 20 Betrieben. Das einzige, was ihm das Leben schwer mache, sie Überbürokratisierung und die Gänseproblematik.
Auch er bestätigte, dass der Gänsebestand in den letzten Jahren stark zunimmt. Das kann sein Geschäftsmodell gefährden. Wenn die Getreideernte eingeschränkt wird, ist die Kreislaufwirtschaft des Betriebes für das Standbein Brennerei in Gefahr. Dann helfen auch keine Ausgleichszahlungen. mbw
Jan Hinrichsen hält auf seinem Betrieb 30 Mutterkühe der Rasse Shorthorn mit Kälbern, zwölf Ochsen und zwölf Tieren für die weibliche Nachzucht, dazu kommen sechs Landsauen mit Nachzucht für die Mast. Futterbestandteil neben der Weide ist Biertreber aus der eigenen Whiskyproduktion. Foto: mbwan Hinrichsen hält auf seinem Betrieb 30 Mutterkühe der Rasse Shorthorn mit Kälbern, zwölf Ochsen und zwölf Tieren für die weibliche Nachzucht, dazu kommen sechs Landsauen mit Nachzucht für die Mast. Futterbestandteil neben der Weide ist Biertreber aus der eigenen Whiskyproduktion. Foto: mbwShorthornherde auf dem Betrieb von Jonas und Jan Hinrichsen in Dunsum. Foto: mbwDie Shorthornherde auf dem Betrieb von Jonas und Jan Hinrichsen in Dunsum hat zwar Weidegang satt, aber wird ab und zu verwöhnt mit Treber aus der Whiskyherstellung. Foto: mbwBlick in den Laufstall von Jens Olufs in Alkersum auf Föhr. Foto: mbwJens Olufs hat einen Kälberstall nach Bio-Richtlinien gebaut, um sich für die Zukunft alle Möglichkeiten offen zu lassen. Foto: mbwIm Kälber- und Jungviehstall von Jens Olufs wandern die Tiere mit zunehmenden Alter innerhalb des Stalls weiter bis es auf die Weide geht. Foto: mbwBlick in den Milchviehstall von Jens Olufs. Foto: mbwKlaus-Peter Lucht (r.) und Klaus-Peter Dau (2. v. r.) danken Karen und Jens Olufs für ihre Gastfreundschaft bei der Rindermastbereisung 2023. Foto: mbwRinder- und Whisky-Bauer Jan Hinrichsen mit Landwirtschaftsminister Werner Schwarz. Foto: mbwMinister Werner Schwarz (2. v. li.), Jan Hinrichsen (4. v. li.), Dr. Klaus Drescher (vorn) und Astrid Damerow (r.) begutachten die Shorthornherde. Foto: mbwKlaus-Peter Dau bei der Rindermastbereisung 2023 auf Föhr. Foto: mbwKlaus-Peter Lucht bei der Rindermastbereisung 2023 auf Föhr. Foto: mbwDr. Albert Hortmann-Scholten bei der Rindermastbereisung 2023 auf Föhr. Foto: mbwDr. Susanne Werner bei der Rindermastbereisung 2023 auf Föhr. Foto: mbwDie Teilnehmer der Rindermastbereisung konnten sich von der Qualität des Inselfleisches beim Mittagstisch im Farmrestaurant überzeugen. Fotos: mbwDie Teilnehmer der Rindermastbereisung konnten sich von der Malzherstellung für die Whiskybrennerei einen Eindruck machen. Foto: mbw Whiskydestille auf dem Hof Hinrichsen auf Föhr. Foto: mbwDie diesjährige Rindermastbereisung war sehr gut besucht. Die Teilnehmer interessierten sich für die unterschiedlichen Konzepte der landwirtschaftlichen Betriebe. Foto: mbw
Inselbauern kritisieren Gänsepolitik
Die beiden Junglandwirte Oke Martinen von der Insel Amrum und Gerrit Nickelsen von Föhr kritisierten als Inselbauern die Gänsepolitik des Landes.
Martinen betonte, dass viele Maßnahmen ergriffen wurden, aber der Gänsefraß von Jahr zu Jahr zunehme. Die Flächen seien mittlerweile so dicht besiedelt, abgefressen und verkotet, dass ihm keine ausreichende Futtergrundlage geblieben sei. Martinen hat seinen Hof umgestellt von Milchvieh auf Mastrinder und Legehennen.
Der Milchviehhalter Nickelsen machte deutlich, dass die Betriebe auf den Inseln durch den Gänsefraß 30 % mehr Futterfläche vorhalten müssten als normalerweise erforderlich sei, um ihre Tiere satt füttern zu können. Bei Futterzukäufen verwies er auf die zusätzlichen Kosten, die durch den Schiffstransport entstehen, wenn Kraftfutter oder generell Futter vom Festland zugekauft wird. Er wies auf die zu knappen Mittel aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) hin, die unter anderem diese Transportkosten kompensieren sollen.
Auf Martinens Betrieb sind Mais und Winterhafer die einzigen Früchte, die noch angebaut werden können aufgrund der Gänseproblematik. Die Anträge auf Entschädigungszahlung kritisierte er hart. So sei nur ein Bruchteil der vorgesehenen Zahlungen bei den Landwirten angekommen, weil weder Winterungen noch gängiger Getreideanbau förderfähig waren.mbw
Durch die verregnete Ernte wird Mahlweizen zur Mangelware. Die globalen Weizenreserven schrumpften auf ein Fünfjahrestief, berichtet der Internationale Getreiderat (IGC) in seinem aktuellen Report, der am vorigen Donnerstag veröffentlicht wurde. Ukrainischer Weizen findet wohl seinen Weg in den Export. An den internationalen Weizenbörsen bleibt der Grundton deshalb bärisch.
Der Internationale Getreiderat (IGC) hat seine Prognose für die EU-Weizenernte 2023/24 nach unten korrigiert. Die Londoner Experten erwarten nun eine Gesamtmenge von 133,3 Mio. t; Mitte Juli waren noch 1,3 Mio. t Weizen mehr vorausgesagt worden. Die insgesamt nur minimale Korrektur täuscht darüber hinweg, dass es durch die in weiten Teilen Europas verregnete Druschkampagne zu starken Verschiebungen bei den Qualitäten kommt.
Auch wenn es einzelne Ausreißer gibt, taugt unter dem Strich deutlich mehr EU-Weizen als in Normaljahren nur zur Verfütterung.Bekanntlich hat es seit Ende Juli in Nord- und Mitteleuropa immer wieder in die druschreifen Bestände geregnet, wodurch Qualitätsweizen absehbar knapp ist.
In Russland ist die Weizenernte nach ebenfalls verregnetem Start bei jetzt wärmeren, meist trockenen Bedingungen besser in Schwung gekommen. Die bisher von dort gemeldeten Erträge liegen über dem Durchschnitt, aber unter den Rekordwerten der vorherigen Saison.
Aufgrund starker Niederschläge in Teilen der Zentral- und Wolgaregion besteht nach wie vor eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Qualität. Dafür passt die Menge: Der IGC hat seine Produktionsschätzung für Russland deshalb jetzt um 0,8 Mio. t auf 84,4 Mio. t gegenüber Juli angehoben. Der Getreiderat liegt damit auf einer Linie mit dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA), das die russische Weizenproduktion zuletzt auf 85,0 Mio. t taxiert hat.
Ordentliche Erträge in der Ukraine
In der Ukraine unterbrechen indes – wie in Deutschland – Niederschläge immer wieder den Weizendrusch. Immerhin werden dort ordentliche Erträge erwartet, was der Getreiderat auf die gleichmäßige Wasserversorgung während der Vegetationsperiode zurückführt. Entsprechend haben die Londoner Experten ihre Produktionsschätzung für das vom Krieg gebeutelte Land jetzt um 1,3 Mio. t auf 24,5 Mio. t angehoben.
Die nassen Druschbedingungen dürften jedoch auch in der Ukraine zu Qualitätseinbußen führen: Nur rund 40 % des dortigen Weizenaufkommens sollen 2023/24 mühlengängig sein, während es laut IGC in den Jahren davor bis zu 70 % waren.
Die globale Weizenerzeugung für 2023/24 sieht der Getreiderat in seiner August-Schätzung bei 784 Mio. t. Das wären zwar 2 % weniger als der Allzeitrekord im Wirtschaftsjahr zuvor; es wäre aber immer noch die zweitgrößte Ernte aller Zeiten. Dem dürfte 2023/24 nach aktuellem Stand ein weltweiter Weizenverbrauch von 805 Mio. t gegenüberstehen.
Beim IGC geht man davon aus, dass die globalen Weizenreserven durch den Nachfrageüberhang im Saisonverlauf von 282 Mio. t auf 261 Mio. t sinken werden, womit ein neues Fünfjahrestief markiert würde.
Besonders stark soll der Bestandsabbau dabei in den großen Exportländern – neben der EU sind dies Argentinien, Australien, die USA, Kanada, Russland, die Ukraine sowie Kasachstan – ausfallen. Unter dem Strich könnten die Reserven bei den Großexporteuren auf ein 16-Jahres-Tief von 51,7 Mio. t abnehmen, dabei am stärksten in Russland und der EU.
Schwacher Rubel beflügelt russische Weizenexporte
An den internationalen Weizenbörsen waren die frischen IGC-Zahlen von den Händlern bereits weitgehend eingepreist. Der Grundton an der Euronext (Matif) in Paris ist allerdings weiterhin bärisch: Binnen vier Wochen hat der September-Weizen rund 30 €/t an Wert verloren. Für latenten Kursdruck sorgen die absehbar großen Mengen an russischem Weizen, der durch den schwachen Rubel zu äußerst wettbewerbsfähigen Preisen am Weltmarkt offeriert werden kann – den hohen Transportkosten zum Trotz.
Der IGC hat deshalb seine Exportprognose 2023/24 für Russland um 1,5 Mio. t auf 46,5 Mio. t erhöht. Diese Menge würde fast an den 2022/23 erreichten Rekordumfang heranreichen.
34 Millionen Tonnen Weizen aus der EU?
Derweil rechnet der IGC aber auch damit, dass nach dem Auslaufen des Getreideabkommens ukrainischer Weizen ebenso seinen Weg auf die Importmärkte finden wird, vermutlich größtenteils über Schiene und Straße sowie die Donau. Die Londoner Fachleute haben deshalb an ihrer bisherigen Prognose von 12 Mio. t für den ukrainische Weizenexport 2023/24 festgehalten.
Die EU-Weizenausfuhren taxiert der Getreiderat für 2023/24 aktuell auf 34,3 Mio. t. Ob diese Menge am Ende tatsächlich fließt, ist vor allem eine Frage der aktuell auch in Deutschland eingefahrenen Qualitäten.