Resilienz nennt man die Widerstandskraft gegen Belastungen, Krisen und Schicksalsschläge. Unterstützen kann dabei eine Beschäftigung abseits vom Beruf, die Freude bereitet, den Kopf frei macht und Kraft schöpfen lässt. Das Bauernblatt hat Landwirte und Landwirtinnen mit ungewöhnlichen Hobbys befragt. Heute: Corinna Möller aus Klein Königsförde, Gemeinde Krummwisch, spielt Handball.
„Einzelaktionen führen nicht zum Erfolg, man muss mit den anderen harmonieren.“ Der Teamgeist, der beim Mannschaftsport das A und O ist, ist für Corinna Möller auch im Betrieb unerlässlich. Die Familie hält in Klein Königsförde am Südrand des Nord-Ostsee-Kanals zwischen Rendsburg und Kiel rund 3.000 Mastschweine an drei Standorten, bewirtschaftet 160 ha Ackerbau und 20 ha Grünland. Corinna wird den Betrieb übernehmen, den derzeit noch Vater Kay Möller führt. Die heute 25-Jährige hat nach dem Abitur Landwirtin gelernt und vergangenes Jahr die Höla abgeschlossen.
Handball spielt sie, seit sie 13 Jahre alt ist, damals bei der C-Jugend der SG Schülldorf-Audorf, später beim TSV Vineta Audorf. Ab 2018 setzte sie aus, unter anderem wegen der Entfernung zu ihren Lehrbetrieben in Groß Wittensee und Taarstedt, aber auch wegen einer Knieverletzung. Im Herbst 2021 reizte es sie aber dann doch wieder. „Ich habe beim Fitnesstraining gemerkt, dass es mit dem Knie besser geht, und bin mit voller Euphorie wieder eingestiegen“ – nun beim TUS Felde. Die dortige Frauenmannschaft, eine junge Mannschaft, die gerade aufgestiegen war, spielte vergangenes Jahr noch in der Kreisoberliga, musste dann aber absteigen. So ist das nun mal im Sport.
Zwei Mal die Woche ist Training, eineinhalb plus zwei Stunden, derzeit eigentlich drei Mal, aber sie kann nur zwei Mal hingehen. In der Saison von September bis April/Mai findet dann jedes Wochenende ein Punktspiel statt. Das dauert 60 min, insgesamt sind sie dafür etwa zweieinhalb Stunden unterwegs. Dass die Spielorte fast alle im Südkreis Rendsburg-Eckernförde liegen, kommt den Anforderungen der Landwirtschaft zeitlich entgegen, und dass gerade der Sommer spielfrei ist, ebenfalls. Trainiert wird im Sommer gleichwohl. Manchmal gibt es zusätzliche Turniere gegen Mannschaften auch außerhalb des Kreises, die nicht in die Kreiswertung eingehen, „damit man auch mal gegen andere spielt“.
Wie lässt sich das zeitlich vereinbaren? „Die Spiele und Trainingszeiten liegen ja fest, und die Arbeit auf dem Betrieb ist auch planbar“, sagt Corinna. „Wenn ich arbeitsbedingt mal nicht zum Training kann, kann ich mich in der Regel zwei bis drei Tage vorher abmelden. Das ist okay.“ Einsatz bei den Spielen wird natürlich verlangt, da zählt, wie überhaupt, die Verlässlichkeit im Team.
In der Familie hat man für den Sport viel Verständnis, schließlich hat Vater Kay selbst gespielt und ist „handballbegeistert“. Corinnas Schwester Svenja (23), die gerade in Husum ihre Lehre zur Groß- und Außenhandelskauffrau abschließt, spielt auch Handball, und zwar in Corinnas früherem Verein TSV Vineta Audorf.
Wenn sie auf dem Spielfeld ist, hat Corinna Möller den Kopf frei. Ob auf dem Betrieb gerade etwas schiefgelaufen ist – eine Maschine defekt, ein Schwein krank –, das hat dann keinen Platz. „Es ist wichtig, dass man in Gedanken ganz beim Sport ist, sonst wird man unkonzentriert und macht Fehler. Der Fokus geht woandershin.“ Eventuelle Sorgen und Probleme, die kommen dann nachher wieder und müssen aufgegriffen und angegangen werden. Aber für die Spielzeit, da kann, ja, da muss sie einmal komplett abschalten.




