Formenreich und farbenfroh sind die Tomaten von Eggers Gemüsehof in den Vier- und Marschlanden in Hamburg-Ochsenwerder. Auf relativ kleiner Fläche unter dem Einsatz von Technik, Erfahrung und viel Handarbeit produziert die Familie regionale Tomaten für den Raum Hamburg. Um die wertvollen Früchte auch zu verwerten, wenn die Nachfrage mal nicht ganz so groß ist, geht Eggers Gemüsehof neue Wege.
„Mein Großvater betrieb hier noch eine klassische Landwirtschaft mit verschiedenen Tieren und Getreideanbau. Als mein Vater den Hof übernehmen sollte, haben sie gemeinsam den Familienbetrieb zu einem Gemüsehof umgebaut. Meine Mutter hat die Blumen mit in das Sortiment gebracht. Ich bin nun kein Landwirt mehr wie mein Opa, sondern ein Gemüsegärtner.“
Arne Eggers hat den Familienbetrieb weiterspezialisiert. Neben Blumen und Kräutern, die vor allem in der Verantwortung seiner Mutter Anke liegen, sind heute Tomaten und Staudensellerie die Hauptkulturen, mit denen Eggers Gemüsehof am Markt bekannt ist. Auch Vater Arnold und Arnes Frau Gabriela arbeiten mit im Betrieb. So sind Arne und Gabriela Eggers schon die sechste Generation, die auf diesem Land Lebensmittel erzeugt. Zwei fest angestellte Mitarbeiter und bei Bedarf einige Saisonkräfte unterstützen die Familie bei der Pflege und der vielen Handarbeit.
Gerade die Tomaten verkauft Arne Eggers unter eigener Marke in regionalen Supermärkten und an Wiederverkäufer auf den Hamburger Wochenmärkten. Damit betont er die Regionalität seiner Produkte. In zwei Gewächshäusern auf insgesamt 5.000 m² wächst dieses ursprünglich mittelamerikanische Gemüse in verschiedenen Sorten, Formen und Farben. Von der gelben Cherrytomate über die ‚Vierländer Platte’ bis hin zur Flaschentomate und ‚Tiger’-Tomate ist das Sortiment mit 14 Sorten umfangreich. Dieses Edelgemüse, das man im süddeutschen Sprachraum auch Paradiesapfel nennt, wurde einst von Kolumbus aus der neuen Welt mitgebracht. Heute sind die Tomaten aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken. Die Vielfalt an Sorten und Formen in Eggers´ Gewächshäusern bietet für jeden kulinarischen Wunsch und verschiedenste Rezepte das Richtige. „Wir machen keine Massenproduktion, unsere Tomaten sind etwas für Kunden, die auf Regionalität achten. Dafür bieten wir die Tomaten alle zum gleichen Preis als sogenanntes Pick und Mix an. Der Kunde sucht sich aus allen Sorten aus, wie viele er wovon haben möchte. Alle zum gleichen Preis.“
Von Mitte März bis in den November hinein gibt es frische Tomaten von Eggers Gemüsehof. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal, dass es unsere Tomaten so lange gibt. Dafür haben wir auch investiert. Durch eine eigene Photovoltaik-Anlage und ein Blockheizkraftwerk, das mit Biomethan betrieben wird, sind wir CO2-neutral.“ Mithilfe dieser Energiequellen kann Arne Eggers seine Tomaten je nach ihren Bedürfnissen mit Licht, Wasser und vor allem Wärme versorgen, schon bevor die Sonne die Gewächshäuser von allein wärmt.
„Um die Tomatenpflanzen muss man sich kümmern wie um Tiere. Ich gehe mehrmals am Tag durch die Gewächshäuser und schaue, ob die Blätter sich rollen oder die Spitzen hängen. Dann weiß ich, ob sie mehr oder weniger Wasser und Wärme brauchen.“ Und Tiere hält er hier übrigens auch: Unzählige Hummeln schwirren durch die Tomatentriebe und bestäuben die Pflanzen, sodass die Früchte sich überhaupt entwickeln können.
Auf der relativ kleinen Fläche werden in den Gewächshäusern über das Sommerhalbjahr sehr viele Tomaten erzeugt. Aber die Nachfrage ist nicht immer gleichbleibend stabil. Zum Beispiel in der Urlaubszeit wird weniger gekauft. „Letztes Jahr, als die Energiepreise anzogen, da ging durch die Kaufzurückhaltung auch bei uns der Absatz zurück“, erzählt Arne Eggers. Eine Tomatenpflanze kann man aber nicht einfach drosseln wie eine Maschine. Um die wertvollen, mit Mühe produzierten Früchte ihrer Arbeit nicht wegschmeißen zu müssen, hat sich Familie Eggers als Notlösung überlegt, die Überproduktion erst einmal einzufrieren. „Ein Koch hat mich dann auf die Idee gebracht, unsere Tomaten selbst weiterzuverarbeiten und das Produkt somit zu veredeln.“
Über den Winter hat Arne Eggers eine Manufaktur gefunden, die nun Tomatensoßen, Ketchups und Suppen exklusiv von den eigenen Tomaten, eigenen Kräutern und regionalen Zutaten für den Hof Eggers produziert. Mit vielen Ideen, Versuchen und Verkostungen sind jetzt 13 Produkte mit dem Label des Gemüsehofs Eggers im regionalen Handel erhältlich. „Mein Lieblingsprodukt ist das Tomaten-Pflaumen-Ketchup. Aber auch die Tomaten-Kräuter-Soße hat einen festen Platz in unserer Küche bekommen“, schwärmt Arne Eggers, der sich selbst als Fan von Brotaufstrich, Soßen und Suppe offenbart.
„Der Vorteil für uns ist, dass wir keine Ware mehr entsorgen müssen, und wir können die Soßen je nach Bedarf produzieren lassen. Dass die Tomaten zwischendurch eingefroren werden, schadet der Qualität überhaupt nicht.“ Jetzt kann man die Tomaten von Eggers Gemüsehof auch im Winter zum Fondue oder das ganze über Jahr als Brotaufstrich genießen. „Dadurch, dass wir unsere eigene Ernte selbst veredeln, können wir das ganze Jahr über regionale Produkte aus den Vier- und Marschlanden anbieten. Das wird sehr gut angenommen und die Produkte schmecken für sich.“




