Bei der Milchkuh-Fütterung werden unterschiedliche Strategien mit viel und wenig Kraftfutter am Melkroboter diskutiert. Rainer Möller beschreibt die Strategie von Melkroboterexperte Jan-Hendrik Puckhaber, der eine gezielte Fütterung mit einem selbst entwickelten Kraftfutterkurven-Check empfiehlt. Diesen wendet er erfolgreich in der Beratung an und ermelkt damit auf seinem Betrieb um die 40 kg pro Kuh und Tag.
Die Absichten beim Einsatz eines Melkroboters sind klar. Die Kühe sollen „laufen“ und möglichst viel Milch geben. Die Strategien auf dem Weg dorthin sind teilweise extrem unterschiedlich. Manche empfehlen hohe Kraftfuttergaben sogar bei mittlerer Milchleistung, wodurch teilweise die Grundration verdrängt wird und die Kühe träge werden. Andere Empfehlungen wollen nur geringste Kraftfuttergaben am automatischen Melksystem (AMS), wodurch die Hochleistungskühe teils nicht ausgefüttert und die Optionen des Melkroboters nicht voll genutzt werden.
Ziel sollte sein, die technischen Möglichkeiten aus der exakten Datenerfassung des Roboters zu nutzen, die Software korrekt einzustellen und somit die Kraftfuttergaben möglichst genau am Bedarf jeder Kuh auszurichten.
Häufiger Fehler: Zu viel Kraftfutter
Die Auswertung der Kraftfutterstrategien von über 70 Melkroboterbetrieben im Rahmen des Melkroboter-Profi-Trainings zeigt, dass in vielen Betrieben die Kühe mittlerer Leistung mit Kraftfutter überfüttert werden. Die Zuteilung der Kraftfuttermenge basiert oft nicht auf einer bedarfsorientierten Kalkulation, sondern es wird eher nach Gefühl gefüttert.
Es gibt vier Fütterungsphasen am Melkroboter:
Phase 1: Anfütterung über drei bis fünf Wochen beziehungsweise zirka 28 Tage
Phase 2: festes Füttern der „maximalen“ Kraftfuttermenge – unabhängig von der Leistung. Hier ist das Ziel, jeder Färse/Kuh die Chance zu geben, die Beste zu werden. Die empfohlene Dauer schwankt stark zwischen Färsen und Kühen:
• für Färsen: mindestens bis zum 200. Laktationstag
• für Kühe: zirka bis zum 100. Laktationstag
Phase 3: Fütterung nach Leistung mit dem Kraftfutterkurven-Check
Das betrachten wir gleich im Detail: die Fütterung nach Leistung.
Phase 4: Abfütterung zirka 14 Tage vor dem Trockenstellen
Strategie: Fütterung nach Leistung
Das Ziel von Jan-Hendrik Puckhaber ist klar. Er will seine Kühe in dieser Phase 3 gezielt nach Bedarf füttern. Das bedeutet, dass die Kuh zum Beispiel genau die Energiemenge bekommt, die sie für ihre Milchleistung benötigt. Dazu geht er in drei Schritten vor.
Viele Milchviehbetriebe wissen nicht, wie hoch die Futteraufnahme der Kühe ist. Dabei ist die Berechnung relativ einfach. Wir nehmen die Futtermenge der Kühe und ziehen die Mengen für Jungvieh, Trockensteher und Futterreste davon ab. Hier helfen zwar bereits Schätzwerte, besser wäre aber das „Zurückwiegen“, um Fehler zu vermeiden.
Nun kennen wir die Futtermenge der melkenden Kühe. Der Trockensubstanzgehalt der Ration sollte einmal pro Woche kontrolliert werden. So bekommt der Betriebsleiter eine Orientierung über die Entwicklung der Futteraufnahme in Kilogramm Trockenmasse pro Tag.
Mit dieser Information berechnet man die Milchleistung der Grundration unter Berücksichtigung von Kuhgewicht und Inhaltsstoffen der Milch. In diesem Beispiel reicht die Ration am Futtertisch für 34,5 kg Milch am Tag.
Jede Kuh bekommt zusätzlich eine Minimum-Lockfuttermenge (dies ist der „Mindestlohn“). Hier kann laut Jan-Hendrik Puckhaber bereits 1,0 kg Kraftfutter am Melkroboter ausreichen. Bei einer Energiedichte von 6,9 MJ NEL/ kg und einem Energiebedarf von 3,2 MJ NEL reicht der Mindestlohn für:
1,0 kg mit 6,9 MJ NEL/kg : Energiebedarf 3,2 MJ NEL/kg Milch = + 2,2 kg Milch
Die Energie aus Grundration und Mindestlohn reicht also für 36,7 kg Milch.
Rechenweg: 34,5 kg Milch aus Grundration + 2,2 kg Milch aus Mindestlohn = 36,7 kg Milch
Eine Kuh mit weniger als 36,7 kg Milch benötigt demnach kein zusätzliches Kraftfutter am Melkroboter. Im Gegenteil: Wird bereits unter 36,7 kg Milchleistung mehr Kraftfutter als Mindestlohn gefüttert, verdrängt das teure Kraftfutter am Melkroboter die günstige Grundration. Die Futterkosten steigen dadurch und die Kuh wird träge. Bei höheren Inhaltsstoffen steigt der Energiebedarf der Milcherzeugung an. Dies wird in der Kalkulation des Kraftfutterkurven-Checks berücksichtigt.
Wie sieht die optimale Futterkurve für Kühe aus, die mehr als 36,7 kg Milch geben?
Berechnung der maximalen Kraftfuttergabe
Eine Kuh frisst erfahrungsgemäß zirka 400 g pelletiertes Kraftfutter pro Minute.
Empfohlene Kalkulation zur maximalen Kraftfuttergabe pro Besuch:
Pellets: 400 g/min x 5 min = 2,0 kg pro Besuch
Mehl: 300 g/min x 5 min = 1,5 kg pro Besuch
Auch wenn die durchschnittliche Melkzeit bei zum Beispiel 7 min liegt, sollte die Kraftfuttermenge nicht zu hoch gewählt werden, da manche Kühe deutlich kürzer und andere deutlich länger melken. Ziel sollte sein, dass 80 bis 90 % der Kühe die Chance haben, die Futtermenge auch zu fressen, denn ansonsten ist eine gezielte Fütterung nicht möglich.
Maximale Kraftfuttergabe pro Tag bei drei Besuchen:
Pellets: 2,0 kg pro Besuch x 3 Besuche = 6,0 kg maximale Kraftfuttergabe
Mehl: 1,5 kg pro Besuch x 3 Besuche = 4,5 kg maximale Kraftfuttergabe
Die Berechnung der maximalen Kraftfuttermenge begrenzen wir auf drei Besuche, um die Gesundheit der Kühe zu gewährleisten.
Die richtige Einstellung am Melkroboter
Mit einigen Basisinformationen zu Herde und Fütterung berechnet der Kraftfutterkurven-Check die Futteraufnahme und leitet daraus die optimale Kraftfuttergabe für Färsen und Kühe am Melkroboter ab. Das Besondere: Tiere der ersten Laktation und Kühe ab der zweiten Laktation werden dabei differenziert betrachtet, weil die Bedürfnisse sehr unterschiedlich sind. Dadurch erhält der Betrieb für beide eine spezielle Zuteilungsempfehlung.
Die oben berechnete maximale Menge von 6,0 kg für pelletiertes Kraftfutter liefert Energie für 6,0 x 2,2 = 13,2 kg Milch pro Kuh.
Die Energie aus Grundration und der maximalen Kraftfuttermenge reicht also für 47,7 kg Milch.
Rechenweg: 34,5 kg Milch aus Grundration + 13,2 kg Milch = 47,7 kg Milch
Kühe ab der zweiten Laktation erhalten also erst ab 47,7 kg die maximale Kraftfuttermenge.
Die lineare Steigerung von 35,7 kg bei 1,0 kg Kraftfutter bis 47,7 kg mit 6,0 kg Kraftfutter errechnet die Software des Melkroboters automatisch. Zwischenschritte sind in der Kraftfutterkurve nicht notwendig.
Bei Futterumstellungen kann die Kalkulation im Kraftfutterkurven-Check einfach angepasst und dann auch im Melkroboter korrigiert werden.
Und was ist bei den Färsen?
Die Futteraufnahme der Färsen ist deutlich geringer. Zusätzlich wird Energie für das Körperwachstum benötigt. Beides wird im Kraftfutterkurven-Check berücksichtigt.
• Die Grundration reicht in unserem Beispiel für 24,5 kg Milch.
• Mit + 1,0 kg Mindestlohn steigt die Milchleistung auf 26,7 kg.
Wie bereits errechnet, steigert jedes Kilo Kraftfutter am Melkroboter die Milchleistung um zirka 2,2 kg. Die maximale Kraftfuttermenge von 5,0 kg sollten die Färsen also bei einer Milchleistung von 24,5 kg + 11,0 kg = 35,5 kg erhalten.
Fazit
Viele Milcherzeuger sind bei der Fütterung am Melkroboter verunsichert. Mithilfe weniger Zahlen ist eine gezielte Fütterung nach dem Bedarf der Kühe relativ einfach möglich. Die Milcherzeuger profitieren einerseits von der Einsparung des teuren Kraftfutters bei niedriger oder mittlerer Milchleistung und gleichzeitig von der Ausfütterung hochleistender Milchkühe.



