Im Frühjahr 2025 kam es zu einem außergewöhnlich starken Auftreten des Kohlschotenrüsslers, größere Schäden blieben jedoch aus. Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke treten nicht jedes Jahr in großem Umfang auf, da sonst bestehende Bekämpfungslücken stärker sichtbar würden. Besonders für den Zuflug der Kohlschotenmücke ist die Witterung der entscheidende Faktor.
Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke waren lange Zeit unzertrennlich, jedenfalls ist das so in älteren Veröffentlichungen nachzulesen. Tatsächlich können beide Arten jedoch unabhängig voneinander auftreten. Zwar erleichtern die Eiablage-Löcher des Kohlschotenrüsslers in den Schoten die Eiablage der Mücke, aber das schafft sie, solange das Schotengewebe noch weich ist, auch ganz gut allein. Jahre mit stärkerem Auftreten der Mücke und damit verbundenen Schotenschäden ohne das Zutun des Rüsslers zeigen dies.
Biologie und Schadwirkung
Der Kohlschotenrüssler legt pro Schote ein Ei ab, und seine Larve frisst nur drei bis fünf Samenkörner, sodass das Schadpotenzial erst bei stärkerem Befall relevant wird. Der Kohlschotenrüssler fällt durch seine Größe in einem blühenden Raps durchaus optisch ins Auge, aber die genaue Zahl der Käfer lässt sich nur schwer feststellen, da sie sich bei Bewegungen im Bestand sehr schnell fallen lassen.
Die Pyrethroid-Resistenz der Kohlschotenrüssler ist mittlerweile weit verbreitet. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Typ-I- (Mavrik Vita/Evure) oder Typ-II-Pyrethroide (zum Beispiel Karate Zeon) verwendet werden. Historisch gesehen ist dies leicht erklärbar. Ein zeitlich frühes Auftreten des Kohlschotenrüsslers bedeutet zwangsläufig auch einen unfreiwilligen Pyrethroid-Einfluss aufgrund der bis dato durchgeführten Stängelrüssler- beziehungsweise Rapsglanzkäferbehandlungen. Mit zunehmender Anwendungshäufigkeit steigen Selektionsdruck und damit auch Resistenzgefahr. Zusätzlich war in der Vergangenheit die Blütenbehandlung eine kombinierte Maßnahme aus Fungizid und Insektizid, begünstigt durch praktische Packlösungen.
Nach mehreren Jahren mit durchaus stärkerem Auftreten der Kohlschotenmücke war in den letzten Jahren, mit Ausnahme einzelner Schläge im südlichen Dienstgebiet Schleswig-Holsteins, ein etwas geringerer Zuflug zu beobachten. Nur ganz selten wurde im Nachhinein von größeren Schäden und nachfolgenden Ertragseinbußen berichtet. Die Kohlschotenmücke kann ein oder zwei Jahre auf ehemaligen Befallsflächen im Boden als Kokon überdauern. Für den Schlupf benötigt sie feuchten Boden und fliegt erst bei warmem, windstillem Wetter in die Rapsbestände ein. Je näher der aktuelle Raps an solchen Überdauerungsflächen liegt, umso größer ist die Gefahr. Die Zuflugsbedingungen sind vorhersagbar, welche tatsächliche Befallstärke daraus resultiert, aber nicht. Der Zuflug kann auch nur einige Stunden andauern, dafür aber in mehreren Wellen (Generationen) erfolgen. Die Schlagränder sind am stärksten betroffen, da die Mücke nur selten weit in die Fläche vordringt. Das Schadpotenzial der Mücke ist deutlich höher als beim Rüssler, da pro Schote mehrere Eier abgelegt werden können. Die sich im Inneren entwickelnden Larven saugen an der Innenwand der Schote und der Körner, was häufig zum Totalausfall der gesamten Schote führt.
Bedeutung der Nützlinge
Nützliche Insekten tragen zur Bekämpfung von Rapsschädlingen bei. Bodenräuber, wie räuberische Laufkäfer, Kurzflügler und Spinnen, ernähren sich von zur Verpuppung abwandernden Larven. In der Blüte sind Schlupfwespen-Arten (Tersilochus ssp., Phradis ssp.) aktiv, die die Larven des Rapsglanzkäfers besiedeln und dort ihrerseits ihre Eier ablegen. Hier haben Insektizidspritzungen direkten Einfluss auf die Population der Schlupfwespen. Mavrik Vita/Evure würde diese Schlupfwespen teilweise schonen, andere Pyrethroide aber nicht.
Bekämpfungsstrategie
Eine zuverlässige Bekämpfung beider Schädlinge ist nicht mehr möglich. Die zugelassenen Pyrethroide wirken auf Kohlschotenrüssler aufgrund der Pyrethroid-Resistenz (kdr) nur noch sehr eingeschränkt. Eine genaue Vorhersage, auf welchen Flächen mit welcher Intensität die Pyrethroid-Resistenz auftritt, ist nicht möglich. Gegen die Kohlschotenmücke sind die Pyrethroide zwar theoretisch voll wirksam, allerdings stellt sich die Frage nach dem praktischen Erfolg der Kontaktmittel. Es drängt sich zum einen die Frage auf, inwieweit die Kohlschotenmücke möglichst viel Wirkstoff aufnehmen kann. Zum anderen sind die mehreren Zuflugswellen problematisch. Da die Mücke nur bei warmem, windstillem Wetter fliegt, kann der Zuflug auch phasenweise über nur wenige Stunden erfolgen. Dann ist eine optimale Terminierung der Behandlung unmöglich. Versuchsergebnisse aus vergangenen Jahren haben den Pyrethroiden nur geringe Wirkungsgrade beschieden. Zusätzlich hat ein Pyrethroid-Einsatz negative Auswirkungen auf die die Rapsglanzkäfer parasitierenden Schlupfwespen. Eine gewisse Ausnahme bietet Mavrik Vita/Evure (Pyrethroid Typ I), das einige Schlupfwespen-Arten schont.
So gesehen besteht bei starkem Zuflug zur Schadensbegrenzung die einzige vertretbare Möglichkeit im Einsatz von Mavrik Vita/Evure als Randbehandlung zum Hauptzuflug der Mücke.
Pyrethroid-Typ-II-Produkte (Karate Zeon und Co.) werden nicht empfohlen. Aufgrund der NT-Auflage ergibt es besonders in kleinräumigen Strukturen keinerlei Sinn, da 5 m Abstand zu Wäldern und Saumstrukturen, die breiter sind als 3 m, eingehalten werden müssen. Andere Produkte haben keine Zulassung. Mospilan SG/Danjiri als Neonicotinoid darf nur gegen Rapsglanzkäfer bis zum Stadium 59 eingesetzt werden.
der Rapsglanzkäfer und nehmen so auf natürliche Weise Einfluss auf die Population der Tiere – vorausgesetzt, sie
werden nicht durch Pyrethroide in Mitleidenschaft gezogen.
Fazit
Das Schadpotenzial der Kohlschotenmücke ist stark abhängig von den jährlichen Bedingungen – Lage der Fläche und Witterung. Kleinräumige Strukturen, aktuelle Rapsschläge in der Nähe zu Flächen mit Vorjahresbefall sowie günstige Schlupf- und Zuflugsbedingungen sind dafür ausschlaggebend. Da die Mücke erst in die Bestände einfliegen muss und dabei keine weiten Strecken zurücklegt, sind klein strukturierte Schläge besonders stark gefährdet. Bei großen, windoffenen Flächen beschränkt sich die Gefährdung auf die Randbereiche. Mit Wegfall von Wirkstoffen und weiterer Zunahme von Resistenzen treten Bekämpfungslücken zutage. Tritt der selten gewordene Fall ein, dass Rüssler und Mücke in bekämpfungswürdigem Umfang zum Zeitpunkt der Blüte auftreten, ist der Bienenschutz dringend zu berücksichtigen.




