Ein deutlich gestiegener Aufwand mit ungewissem Ausgang – der Rapserdfloh hat mittlerweile einen maßgeblichen Anteil daran, dass die Freude über den Anbau der Kultur Winterraps in den vergangenen Jahren einen ziemlichen Dämpfer bekommen hat. Neben der schlecht vorhersehbaren Populationsdynamik der Insekten und den Wettergegebenheiten trägt auch die deutliche Verschärfung der Resistenzsituation bei den Pyrethroiden aufgrund des Auftretens der Super-Knockdown Resistence (sKDR) zur schwierigen Lage bei.
Der Winter 2025/2026 weckte in der Praxis die Hoffnung, dass sich die Rapserdfloh-Situation etwas entspannen würde. Für einen kurzen Moment schien es tatsächlich so, bis die Realität einen im Frühjahr abrupt einholte. Ab März wurden mit Einsetzen der Vegetation zunehmend frisch eingebohrte kleine Larven in den noch vorhandenen Blattstielen beobachtet. Zum Teil zog sich die weitere Eiablage weit ins Frühjahr hinein, was man letztendlich den Rapspflanzen auch deutlich ansah.
Biologie, Überwachung und Bekämpfung
Die Fraßschäden an den Schoten, Unmengen von Rapserdflöhen auf dem Erntegut und/oder auf den Erntestoppeln weisen auf ein hohes Potenzial an Jungkäfern hin, die dann bereit für ihre Sommerruhe in angrenzenden Knicks sind. Zum Teil verbleiben die Käfer dafür aber auch auf der abgeernteten Fläche und sitzen geschützt unter dem Ausfallraps. Somit könnte in diesem Jahr eine flache Bodenbearbeitung der Rapsstoppel sinnvoll sein, um die in der 2 bis 5 cm tiefen Bodenschicht befindlichen Puppen in ihrer weiteren Entwicklung zu stören und so direkten Einfluss auf die Population zu nehmen.
Nach der Sommerruhe erfolgt die Besiedlung der neuen Rapsflächen durch die Rapserdflöhe temperaturgesteuert zwischen Mitte August und Mitte September. Dabei werden von ihnen Temperaturen von 16 bis 20 °C bevorzugt, aber auch niedrigere oder höhere Temperaturen genutzt. Nach dem Zuflug der Käfer bildet sich ihre Flugmuskulatur zurück, sodass sie sich nun hüpfend fortbewegen. Gleichzeitig wird eine Lichtempfindlichkeit ausgelöst, und die Käfer beginnen mit dem Reifungsfraß, wobei ihre Aktivität zirka eine Stunde nach der Dämmerung beginnend am stärksten ausgeprägt ist. Dieser Reifungsfraß ist für die Rapspflanzen vor allem in der Phase vom Auflauf bis zirka Vierblattstadium kritisch bis existenzbedrohend. Die Risiken steigen, wenn beispielsweise verkrustete Böden durch Starkregen, Trockenheit, Strohstreifen der Vorkultur, Herbizidstress durch aktuelle Bodenherbizide oder bis dato unzureichenden Abbau von ALS-Hemmern der Vorkultur das Rapswachstum zusätzlich hemmen. Die Pflanzen können in dem Fall der Fraßaktivität der Käfer nicht davonwachsen und verlieren innerhalb kurzer Zeit viel Blattmasse.
Insektizidmaßnahmen in dieser kritischen Phase waren auch ohne die Pyrethroidresistenz in den letzten Jahren schon eine Herausforderung. Hohe Temperaturen, sehr wenig Blattmasse und Käfer, die sich durch Sonne und Wärme aufheizen, bieten generell keine guten Anwendungsbedingungen für die Pyrethroide.
Zusätzlich kommen nun noch Resistenzen ins Spiel. Mit der „normalen“ Wirkort-Resistenz (KDR) kam man in der Praxis aufgrund der hohen intrinsischen Wirkung der Pyrethroide, vor allem des Wirkstoffs lambda-Cyhalothrin, und der eher geringen Resistenzfaktoren von 10 bis 50 überwiegend zurecht. Mit Einzug und Ausbreitung der Super-KDR, die Resistenzfaktoren von mehr als 1.000 aufweist, sieht das allerdings anders aus. Die Pyrethroide wirken in diesem Fall nicht mehr, und auch mehrmalige Pyrethroidspritzungen laufen dann förmlich ins Leere. Somit stellt sich die Frage, wie der Raps diese entscheidende, kritische Phase bis zum Vierblattstadium übersteht, damit sich überhaupt ein Rapsbestand entwickeln kann.
Es ist sicherlich nicht zweckdienlich, den Raps in expliziten Frühsaaten auszusäen mit der Hoffnung, dass der Rapserdfloh erst in die Bestände einfliegt, wenn die Pflanzen bereits mindestens vier Blätter haben. Wenn nach der Aussaat kein Anschlussregen fällt, haben die Pflanzen auch so einen schwierigen Start. Zusätzlich steigt das Risiko für Kohlfliegen- und Kohlherniebefall.
Die Saatbedingungen sind entscheidend
Wichtiger als ein früher Aussaattermin sind die Saatbedingungen. Der Rapserdfloh bevorzugt für den Reifungsfraß gestresste Rapspflanzen. Somit tragen Maßnahmen, die den Stress für die Pflanzen reduzieren, zum Beispiel eine optimale Verteilung und Einmischung des Strohs der Vorfrucht, ein gut abgesetztes, feinkrümliges Saatbett mit eventuellem Walzen, um Kluten als Verstecke des Rapserdflohs zu minimieren, sowie eine gute Nährstoffversorgung zur besseren Jugendentwicklung des Rapses bei und haben dahingehend Effekte gegen den möglichen Rapserdflohschaden.
Die Eiablage der Weibchen ist ebenfalls temperaturgesteuert und kann unter günstigen Umständen schubweise (drei bis sechs Eier pro Tag) bis ins Frühjahr hinein mit durchschnittlich 500 bis 2.000 Eiern je Weibchen in den Boden erfolgen. Aus den Eiern entwickeln sich die Larven, die sich in die Blattstiele einbohren und diese minieren. Sauerstoff-, Platz- und Nahrungsmangel führen dazu, dass die Larven die Blattstiele kurzzeitig verlassen, sich auf der Blattstieloberfläche bewegen und dann erneut einbohren. Um gegen die Larven vorzugehen, stehen die Pyrethroide sowie die Wirkstoffe Acetamiprid und Cyantraniliprole zur Verfügung, jeweils mit unterschiedlichen wirkstoffbedingten Anwendungsbedingungen.
Durch die Pyrethroide, die als Kontaktinsektizide wirken, werden Effekte nur während des Ein- und Ausbohrens und bei der Fortbewegung der Larven auf den Blattstielen erzielt. Aufgrund der deutlich niedrigeren Temperaturen im Verlauf des späteren Herbstes hält die Wirkung des Pyrethroids im Vergleich zum Zeitpunkt des Reifungsfraßes länger an. Laut englischer Literatur sollen sich die Wirkortresistenzen auch erst ab dem L-2-Larvenstadium ausprägen, sodass Pyrethroideffekte gegen erste kleine Larven durchaus denkbar sind. Inwieweit dieser Effekt auch bei der Super-KDR zum Tragen kommt, muss noch überprüft werden, gewisse Wirkungen der Pyrethroide gegen erste kleine Larven konnten im vergangenen Herbst aber nach wie vor beobachtet werden.
Der Wirkstoff Acetamiprid (Produkt Carnadine) funktioniert systemisch, kann bestenfalls aber nur erste kleine Larven erfassen. Die Temperaturen sollten dafür über 15 °C liegen. Gegen Käfer wirkt Carnadine allerdings nicht.
Der in den vergangenen Jahren aufgrund einer Notfallzulassung einsetzbare und inzwischen essenzielle Wirkstoff zur Bekämpfung der Larven ist Cyantraniliprole (Produkte Minecto Gold und Exirel). Dieser Wirkstoff funktioniert teilsystemisch und translaminar. Das bedeutet, dass er von der Blattstieloberfläche zur Blattstielunterseite und begrenzt innerhalb des Blattstiels transportiert wird. Das Einsatzfenster für Minecto Gold und Exirel öffnet sich mit der beginnenden Einwanderung der Larven in die Blattstiele und Überschreiten der Bekämpfungsschwelle „Anzahl Larven je Pflanze“. Hinsichtlich des Termins ist dabei die Herausforderung, einerseits den überwiegenden Teil der bereits eingebohrten Larven zu erreichen (ohne dass sie inzwischen schon zu groß geworden sind) und andererseits nicht zu früh zu applizieren, weil möglicherweise ein noch größerer Teil der Larven über die weitere Eiablage und den Larvenschlupf aus dem Boden kommen könnte. In den vergangenen Jahren erwiesen sich Termine im Zeitraum Ende Oktober bis Mitte November als vorzüglich.
Für eine gute Wirksamkeit müssen die Produkte die Blattstiele auch erreichen. In üppigen Beständen mit aufrecht stehenden Blattstielen besteht die Gefahr des Ablaufens der Spritzbrühe. Der Zusatz des genehmigten Additivs Hasten kann in solchen Konstellationen die Wirkung verbessern. Auch sollten die Pflanzen/Blätter nicht zu groß sein, da sonst ein Großteil der Spritzbrühe vom dichten Blätterdach abgefangen wird. Auch eine Kombination mit dem Herbizid Kerb Flo passt nicht, da unterschiedliche Ziele verfolgt werden – das Insektizid muss in die Blattstiele, das Herbizid in die oberste Bodenschicht bei möglichst feuchten Bedingungen.
Einzelne Faktoren einer Bekämpfungsstrategie
1. Ackerbauliche Aspekte:
• Bodenbearbeitung: 2 bis 5 cm tief, um Rapserdfloh-Puppen im Boden zu zerstören
• Vorfrucht: Sulfonylharnstoffeinsatz im Winterweizen kann unter Umständen die Rapsentwicklung hemmen.
• Saattermin: Bodenfeuchtigkeit und nachfolgender Regen müssen einen zügigen Auflauf und nachfolgende Rapsentwicklung gewährleisten.
• Saatbett: wenig Kluten, um Rückzugsmöglichkeiten für die Käfer zu reduzieren
• Bodenherbizide: Hohe Niederschlagsmengen können einen zwischenzeitlichen Wachstumsstopp des Rapses verursachen.
• Sorten: schnelle Herbstentwicklung
• Wachstumsregler: Ziel sind gedrungene Pflanzen mit gut zugänglichen Blattstielen für den Einsatz von Minecto Gold oder Exirel.
• Stickstoffdüngung: im Herbst durchführen (N-Bedarf zur Strohrotte und DÜV beachten)
2. Überlegungen bezüglich der chemischen Maßnahmen:
• Beize: Lumiposa gegen Kleine Kohlfliege, bei Saatterminen ab Ende August Buteo Start
• Pyrethroideinsatz: Wirkstoff lambda-Cyhalothrin hat die höchste intrinsische Wirkung; Behandlung gegen den Reifungsfraß (nachts) beziehungsweise nach Gelbschalenwerten vor der Eiablage; bei Wirkungslosigkeit keine erneute Behandlung durchführen – Spritzfenster anlegen!
• Resistenzen: Beim Vorliegen der sKDR erzielen auch die Kombination von zwei Pyrethroiden, die Nutzung von Zusatzstoffen oder der Einsatz von Sherpa Duo (Pyrethroid+PPO-Hemmer) keine Wirkungsverbesserung.
• Einsatz von Carnadine: Bei ersten kleinen Larven kann eine geringfügige Wirkung erzielt werden, gegen adulte Tiere nicht. Einsatzbedingungen für Carnadine: Temperaturen über 15 °C
• Einsatz von Minecto Gold oder Exirel: in der Regel erst ab Ende Oktober, um auch noch nachfolgende sich einbohrende Larven zu erfassen. Kleine, gedrungene Pflanzen sind gegenüber großen aufrecht stehenden Pflanzen für eine bestmögliche Wirkung im Vorteil.
Bestandesüberwachung
Neben der eigenen visuellen Bonitur, um den Reifungsfraß im Blick zu haben, sollten nach der Aussaat zügig Gelbschalen aufgestellt werden. Diese geben frühzeitig einen Überblick über die Intensität des Käferzuflugs. Die Rapserdflöhe hüpfen dabei eher zufällig in die Schale und fliegen nicht explizit auf die Farbe Gelb. Ein leichtes Eingraben erhöht die Fängigkeit der Schalen, allerdings verschmutzen sie auch schneller. Auf größeren Schlägen bieten sich immer mehrere gut platzierte Gelbschalen an verschiedenen Stellen an.
Besonderes Augenmerk muss den Neuaussaaten gelten, die in der Nähe von Altrapsflächen liegen, wo im vergangenen Frühjahr ein stärkerer Befall mit Rapserdflohlarven auftrat. Die Gelbschalen müssen dann in der Nachbarschaft dieser Altrapsflächen beziehungsweise speziell in der Nähe der möglichen Sommerquartiere (Knicks, Waldsäume et cetera) aufgestellt (eingegraben) werden. Bei stärkerem Zuflug innerhalb eines kurzen Zeitraums sollten die Gelbschalen täglich kontrolliert und das Wasser (plus Spülmittel) gewechselt werden. Die Bekämpfungsschwelle liegt nach dem Vierblattstadium bei mehr als 50 Käfern innerhalb von drei Wochen.
Die Nutzerzahlen für die digitalen Gelbschalen sind stark angestiegen. Die Fängigkeit ist nicht so gut wie die der herkömmlichen Schalen, aber sie können besonders auf weit entfernten Schlägen ein mögliches Tool sein. Generell gilt aber, dass die eigene Bestandskontrolle durch nichts zu ersetzen ist.
Zur Feststellung des Einsatztermins von Minecto Gold oder Exirel müssen hingegen die Blattstiele auf Vernarbungen und auf Larvenbesatz (durch das Aufschneiden der Blattstiele) kontrolliert werden. Auch wenn sie aufwendig ist, bietet diese Maßnahme deutlich mehr Sicherheit für die anstehende Terminwahl.
Für jede Behandlung, auch gegen den Reifungsfraß, sollte ein Spritzfenster angelegt werden. Drei bis vier Wochen nach dem Einsatz von Minecto Gold oder Exirel kann der Erfolg der Maßnahme durch das Aufschneiden der Blattstiele oder die Austreibemethode beurteilt werden. Für die Austreibemethode spricht, dass auch kleinste Larven festgestellt werden, die man beim Aufschneiden der Blattstiele übersieht. Dazu werden Rapspflanzen auf ein Gitter gelegt (Auffanggefäß mit Wasser darunter) und an einen warmen Ort gestellt. Durch das langsame Vertrocknen der Pflanzen werden die Larven aus den Blattstielen getrieben und fallen nach unten in das Gefäß, wo sie dann ausgezählt werden können.
Bekämpfungsschwellen
• Bekämpfungsrichtwert Reifungsfraß: mehr als 10 % zerstörte Blattfläche bis zirka Vierblattstadium
Kontrolle: Bei kritischen Rahmenbedingungen in kurzen Intervallen (täglich); bei wüchsigem Raps reichen zwei bis drei Mal die Woche.
• Bekämpfungsrichtwert Gelbschale zum Zeitpunkt der Eiablage: ab ES 14 mehr als 50 Käfer innerhalb von drei Wochen je Gelbschale
Kontrolle: mindestens einmal pro Woche, auch in milden Wintern, da weitere Eiablage möglich ist (Kühlbrüter)
• Bekämpfungsrichtwert Larven: mehr als fünf bis sechs Larven je Pflanze bei gut entwickeltem Raps und drei bis vier Larven je Pflanze bei geschwächtem Raps
Kontrolle: Aufschneiden der Blattstiele und Auszählen der Larven ab zirka Anfang/Mitte Oktober; nach der Behandlung eine Erfolgskontrolle zum Beispiel durch die Austreibemethode durchführen



