Start Blog Seite 12

KI im Stall und auf dem Acker

Jahrelang war Künstliche Intelligenz (KI) in der Landwirtschaft vor allem eines: ein Werkzeug für spezialisierte Rechen- und Analyseaufgaben. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die technischen Möglichkeiten jedoch deutlich erweitert. Ein Blick darauf, warum die Technik inzwischen auch Sprache verarbeiten kann und warum das für landwirtschaftliche Betriebe relevanter ist als bisher vielfach angenommen wurde.

In den vergangenen Jahren wurde das Thema KI auf Feldtagen und Messen von vielen Praktikern zunächst eher zurückhaltend aufgenommen. Für viele erschien die Technologie abstrakt oder weit von der betrieblichen Praxis entfernt. Oder sie war schlicht schon da, ohne dass sie immer ausdrücklich als KI bezeichnet wurde. Wenn die moderne Feldspritze mithilfe von Kamerasensorik Unkraut von der Kulturpflanze unterscheidet (Spot-Spraying), dann ist das bereits KI. Und wenn der Melkroboter anhand von Sensordaten Alarm schlägt, weil eine Kuh in der Brunst ist oder eine Mastitis entwickelt, bevor das menschliche Auge es erkennt, ist das ebenfalls KI. Diese Form der Künstlichen Intelligenz wird als Machine Learning bezeichnet. Sie ist sehr nützlich, aber sie ist auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiert. Sie kann genau eine Sache sehr gut: Muster in Daten erkennen. Fragt man eine Software zur Unkrauterkennung beispielsweise nach einer Zusammenfassung der neuen Düngeverordnung, kann sie darauf keine Antwort geben.

Technologische Entwicklung seit 2022

Genau hier liegt der wesentliche Unterschied zu dem, was wir seit gut zwei Jahren erleben. Mit dem Start von ChatGPT und ähnlichen Modellen hat sich die Technologie fundamental gewandelt. Die Technik ist von spezialisierten KI-Systemen zu allgemeiner einsetzbaren Modellen übergegangen.

Der Computer rechnet nicht mehr nur Nullen und Einsen aus Datensätzen um, sondern kann Sprache, Texte, Bilder und Videos verarbeiten. Die Entwicklung verläuft derzeit sehr dynamisch: Was vor zwölf Monaten noch als technische Spielerei galt, ist heute schon in vielen Bereichen verbreitet. Systeme wie Claude (Anthropic), Gemini (Google), Grok (xAI; Elon Musk) oder die Open-Source-Modelle von DeepSeek entwickeln sich schneller, als manch einer seine Fruchtfolge planen kann.

Was bedeutet das konkret für den Hof? Die KI kann sich vom reinen Werkzeug zu einer unterstützenden digitalen Anwendung entwickeln.

• Der Büro-Allrounder: Man braucht Hilfe bei der Formulierung zum Beispiel eines Widerspruchs gegen einen Bescheid? Der KI werden die Stichpunkte vorgegeben, und sie formuliert daraus in Sekunden einen Widerspruch in formellem Amtsdeutsch.

• Der Wissensmanager: Ein 80-seitiges PDF zur neuen GAP-Reform? Man lädt es hoch und fragt den Chatbot: „Was bedeutet Seite 45 konkret für meinen Betrieb in Schleswig-Holstein?“

• Der Kreative: Neue Video-KI, wie Sora oder andere kommende Modelle, können beispielsweise genutzt werden, um Inhalte für die eigene Instagram-Story zu erstellen, etwa für Betriebe mit Direktvermarktung oder Öffentlichkeitsarbeit. Egal ob Marketingvideo mit eigenen Produkten oder ein Drohnenflug über den Hof, aus einzelnen Handyfotos lassen sich Videos oder Bilder erzeugen.

Grenzen und Herausforderungen

Doch bei aller Euphorie über diese neuen Möglichkeiten ist eine nüchterne Einordnung erforderlich. KI ist kein Orakel, sie ist ein Werkzeug. Und wie jedes andere Werkzeug muss sie richtig eingesetzt werden. Besonders landwirtschaftliche Problemstellungen sind oftmals so speziell, dass der Einsatz der bekannten KI-Modelle nicht immer verwertbare Ergebnisse liefert.

Eine Herausforderung bei der Nutzung moderner Sprachmodelle besteht darin, dass sie sehr überzeugend formulierte Antworten erzeugen können, die dennoch inhaltlich nicht korrekt sind. Dieses Phänomen wird in der Fachliteratur als Halluzinieren bezeichnet. Wenn die KI eine Rechtsfrage zum Pachtvertrag beantwortet, klingt das absolut professionell, kann aber inhaltlich nicht zutreffend sein. Grundsätzlich gilt: Die Qualität der Ergebnisse hängt maßgeblich von der Qualität der zugrunde liegenden Daten ab. Ein schlecht geführter Datenschatz im Farm-Management-System führt auch bei Einsatz von KI-Funktionen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen.

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Datensouveränität. Viele Landwirte fragen sich zu Recht: Wenn ich meine Betriebszahlen in ein solches System eingebe, wo landen diese Daten? Gerade bei Cloud-Diensten können Daten außerhalb des eigenen Betriebes verarbeitet werden. Der Markt entwickelt sich hier jedoch weiter hin zu lokalen Lösungen, bei denen die Daten das Unternehmen digital nicht verlassen.

Einordnung für die Praxis

Die KI wird den Landwirt nicht ersetzen. Die Verantwortung bleibt immer beim Betriebsleiter. Das Gefühl für den Boden, der Blick für das Tier und die unternehmerische Intuition lassen sich von keinem Algorithmus simulieren. Aber wer sich den neuen Möglichkeiten komplett verschließt, verzichtet möglicherweise auf Effizienzpotenziale. Bereits etablierte KI-Anwendungen im Stall und auf der Landmaschine tragen dazu bei, Pflanzenschutzmittel oder unnötige Tierarztkosten zu reduzieren. Neue KI-Anwendungen können künftig auch administrative Abläufe im Betrieb unterstützen und Informationen strukturieren.

Länder betonen Biogas-Potenzial

Die Bedeutung von Biogas und Biomethan als heimische Ressource soll in den Plänen und Strategien des Bundeswirtschaftsministeriums „angemessen berücksichtigt“ werden. Das haben die Agraressortchefs der Länder auf ihrer Frühjahrskonferenz (AMK) im bayerischen Bad Reichenhall gefordert.

Der Bund müsse unter anderem im Rahmen eines Biomassepaketes 2.0 konkrete Maßnahmen ergreifen, um eine praxisgerechte Ausgestaltung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) für Biogasanlagen zu ermöglichen und „somit die Zukunftsfähigkeit dieser Anlagen zu sichern“, heißt es in einem dazu gefassten Beschluss.

Darin sind mehrere konkrete Maßnahmen aufgelistet, die von der Bundesregierung nach dem Willen der Länderverantwortlichen geprüft und zeitnah umgesetzt werden sollen; darunter eine Aufnahme von Biogasanlagen in die Kraftwerkstrategie, höhere Flexibilitätszuschläge und Ausschreibungsvolumina ab 2027 sowie die Anerkennung von Biomethan als vergütungsfähigem Brennstoff. Zudem wollen sie bis zur Herbst-AMK unter anderem einen detaillierten Bericht darüber, wie der Ablauf der angekündigten Novelle des EEG geplant und wie die Länder dort eingebunden werden sollen. Neben dem Zeitplan sollen dort auch die inhaltlichen Aspekte integriert sein.

Auch im Wärmesektor soll Biogas nach dem Willen der Länder eine stärkere Rolle spielen. Laut einem weiteren AMK-Beschluss zur kommunalen Wärmeplanung äußern die Agrarminister unter anderem ihre Sorge über das Auslaufen der EEG-Förderung für viele Bestandsanlagen. Sie bitten den Bund, regelnd tätig zu werden, um deren Beitrag zur ländlichen Wärmeversorgung zu erhalten. Auch die energetische Biomassenutzung solle gestärkt werden. Darüber hinaus sollen ländliche Räume von der zusätzlichen Wertschöpfung profitieren. Bei „allen Planungen und Maßnahmen zur kurz- und langfristigen Absicherung der Energieversorgung“ müssten der AMK zufolge eine „angemessene Teilhabe“ der ländlichen Räume und deren finanzielle Unterstützung hinreichend abgesichert werden.

Deutschland müsse widerstandsfähiger und unabhängiger bei der Energieversorgung werden und die Bundesregierung sich klar zum Biogas bekennen, mahnte Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) im Nachgang zur Frühjahrs-AMK.

Gemacht wird, was bezahlt wird

0

Landwirtinnen und Landwirte haben Nachhaltigkeit im Blut. Ihr höchstes Ziel ist stets, einen wirtschaftlich gesunden Betrieb mit intakten Flächen an die nächste Generation übergeben zu können. Wenn die Gesellschaft allerdings zusätzliche Nachhaltigkeitsleistungen einfordert, die zu Bewirtschaftungseinschränkungen führen, muss das bezahlt werden – zum Beispiel im Rahmen von Vertragsnaturschutzprogrammen. Gerade hier setzt Schleswig-Holstein jedoch den Rotstift an.

Der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) reagiert irritiert. Schließlich seien sich im Dialogprozess zur Zukunft der Landwirtschaft alle Akteure einig gewesen, dass Gemeinwohlleistungen der Landwirtschaft honoriert werden müssten. Insbesondere die Streichung des Vertragsmusters Weidewirtschaft Moor sorgt für Verwunderung, stellten doch die Ziele für den Moorschutz genau auf diese Flächen ab. „Das ist wie rechts blinken und links abbiegen“, beschreibt BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht die Widersprüchlichkeit. Er fordert die Politik auf, künftig eine ausreichende Finanzierung der Vertragsnaturschutzmuster zu gewährleisten.

Dass Ergebnisse von Dialogprozessen in den Schubladen von Regierungsvertretern verstauben, ist nichts Neues. Beispiele sind die Zukunftskommission Landwirtschaft auf Bundesebene und der Strategische Dialog auf EU-Ebene. Der Vorsitzende beider Gremien, Prof. Peter Strohschneider, zeigte sich zu Beginn des Jahres auf dem Agrarkongress des Bundesumweltministeriums tief enttäuscht, dass die Kommissionen im Agrar- und Ernährungsbereich bislang kaum politische Wirkung entfaltet hätten. Für Strohschneider ist die „weitgehende politische Ignoranz“ gegenüber den jeweiligen Empfehlungen umso unverständlicher, als in beiden Kommissionen ein breites Spektrum der Interessengruppen im Agrar- und Umweltbereich vertreten gewesen sei.

Ebenfalls vom mangelnden politischen Umsetzungswillen enttäuscht zeigte sich Jochen Borchert, als er 2023 die Arbeit des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung einstellte. Die Borchert-Kommission hat in ihren Empfehlungen und der dazugehörigen Machbarkeitsstudie einen jährlichen Finanzbedarf von 3 bis 4 Mrd. € für den grundlegenden Umbau der Tierhaltung in Deutschland veranschlagt. Mit einem Budget von immerhin 1 Mrd. € startete 2024 das Programm Umbau der Tierhaltung (BUT), das – Stand jetzt – schon wieder eingestampft wird.

Es kann also niemanden verwundern, dass die Agrarbranche auch der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur mit größter Skepsis gegenübertritt. Ein geleakter Berichtsentwurf belegt eine milliardenschwere Finanzierungslücke für die Umsetzung der Maßnahmen. Das hat wenig mit Planungssicherheit zu tun.

In Zeiten, in denen viele Betriebe aufgrund geringer Marktpreise kaum kostendeckend arbeiten können, müssen zusätzliche Gemeinwohlleistungen zuverlässig honoriert werden. Anders geht es nicht.

Dr. Robert Quakernack, Foto: bb

Landjugend trifft Bauernverband

0

Vertreterinnen und Vertreter der Landjugend kamen Mitte März mit Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht und Vizepräsident Malte Jacobsen zusammen. Stürmischer könnten die Zeiten für Junglandwirtinnen und -landwirte kaum sein. Dementsprechend lebendig war auch der Austausch zwischen Bauernverband und Landjugend.

Besonders gefreut hat uns, dass so viele Schülerinnen und Schüler der Berufsschule ihren Weg zu der Veranstaltung gefunden haben. So stand zunächst die landwirtschaftliche Ausbildung in Schleswig-Holstein im Mittelpunkt: Was kann verbessert werden, um angehende Landwirtinnen und Landwirte besser auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen vorzubereiten? Gleichzeitig wurde deutlich, dass Schleswig-Holstein bereits eine qualitativ hochwertige Ausbildung bietet.

Ehrenamt und Kommunikation

Ein weiterer zentraler Punkt war die Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Lucht betonte, wie wichtig es sei, Verbraucher immer wieder über die Landwirtschaft zu informieren und sich durch Kritik nicht entmutigen zu lassen. Dabei stand besonders die Öffentlichkeitsarbeit in Schulen im Fokus. Junge Menschen frühzeitig über landwirt-schaftliche Themen zu informieren, könne das Verständnis und Interesse an der Branche deutlich stärken. Unerlässlich sei hierfür das Engagement im Ehrenamt sowohl im Bauernverband als auch in der Landjugend. Es dient nicht nur dazu, die Interessen der Landwirtschaft in Politik und Gesellschaft stark zu vertreten, sondern bietet auch persönlich große Chancen. Wer sich ehrenamtlich einbringt, knüpft wertvolle Kontakte, sammelt praktische Erfahrung und kann mitgestalten, wie die Landwirtschaft von morgen aussieht. Beide Organisationen sind sich einig: Ohne ehrenamtliches Engagement gäbe es keine starke Stimme für die Landwirtschaft und weniger Gemeinschaft im ländlichen Raum.

Knackpunkt Flächenverbrauch

Im weiteren Verlauf ging es um agrarpolitische Themen, die viele Betriebe aktuell beschäftigen. So wurde intensiv über den Umgang mit Naturschutzflächen diskutiert. Dabei wurde auch über Vorkaufsrecht und Ausgleichsmaßnahmen gesprochen. Auch die Nutzung von Freiflächen-Solaranlagen wurde thematisiert. Hier hob man hervor, dass viele Flächen ohnehin bereits versiegelt seien, weshalb es sinnvoller wäre, solche Standorte gezielt zur Energiegewinnung zu nutzen. Vor allem in Bezug auf die steigende Flächenkonkurrenz sind dies wichtige Themen für die Existenz vieler Betriebe.

In der Diskussion um die Zukunft der Tierhaltung zeigte sich, dass insbesondere in der Schweinehaltung große Unsicherheit besteht. In der Rinderhaltung sei hingegen eine gewisse Stabilität abzusehen, auch weil Grünland genutzt werden müsse, was mit Kühen am besten möglich sei. Zudem wurde über Ackerprämien und EU-Förderungen gesprochen. Antragsverfahren in Schleswig-Holstein müssen, im Sinne der Entbürokratisierung, möglichst einfach bleiben. Hohe Prämien dürften nicht dazu führen, dass die eigentlich günstigsten Flächen künstlich verteuert werden.

In einem offenen Gespräch gaben die Verbandsvertreter auch Tipps an junge Landwirtinnen und Landwirte: Die Landwirtschaft sei ein schöner, abwechslungsreicher Beruf mit viel Freiraum, Eigenverantwortung und Nähe zur Familie. Auch Angestellte hätten heute viele Möglichkeiten, eigene Projekte zu leiten und Verantwortung zu Übernehmen. Gleichzeitig sehen viele das Problem, dass es für junge Menschen ohne eigenen Hof schwer bleibt, in die Selbstständigkeit zu starten. Abschließend kam das Gespräch auf die anstehenden Landtagswahlen. Kritik gab es an der derzeitigen Aufteilung der Ressorts: Die Trennung von Landwirtschafts- und Umweltministerium sei aus Sicht vieler Landwirte unglücklich, da zahlreiche agrarische Themen auch das Umweltressort beträfen. Letztlich sind wir sehr dankbar für einen solch produktiven Austausch, der einmal mehr die gute Beziehung zwischen Landjugend und Bauernverband und auch die gemeinsamen Ziele herausstellt.

Riechen wie die Profis

Die sensorische Prüfung von Lebensmitteln ist ein normierter Prüfvorgang zur Beurteilung der Produktqualität. Die Mitglieder des Qualitätsausschusses bei der Landwirtschaftskammer ließen ihre sensorischen Fähigkeiten in der KIN-Akademie in Neumünster weiter verfeinern.

Das Lebensmittelinstitut KIN e. V. beschäftigt sich mit Produktqualität und Lebensmittelsicherheit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

In der KIN-Akademie schulten die Mitglieder des Qualitätsausschusses ihre sensorischen Fähigkeiten. Foto: Sandra van Hoorn

Der Qualitätsausschuss setzt sich zusammen aus Vertretern der Land- und Ernährungswirtschaft, des Lebensmitteleinzelhandels und -handwerks, der Politik, der Verwaltung und des Verbraucherschutzes. Als unabhängiges Gremium verantwortet der Qualitätsausschuss die Vergabe des Gütezeichens Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein und die Steuerung der Qualitätsarbeit. Viele Mitglieder des Qualitätsausschusses weisen bereits eine sensorische Ausbildung und eine langjährige Erfahrung in der Prüfung von Lebensmitteln nach. Gerade aber für die neuen Mitglieder und die Vertreter aus produktionsfernen Bereichen bot das Sensorik-Seminar in der KIN-Akademie wertvolle Instrumente zur neutralen und reproduzierbaren Prüfung von Lebensmitteln.

Bei der sensorischen Beurteilung kommt es nicht darauf an, dass das Produkt den Prüfenden besonders gut schmeckt. Es geht vielmehr um die neutrale Prüfung der zu erwartenden Eigenschaften und der angegebenen Produktspezifikation. Als Messinstrumente werden die fünf menschlichen Sinne eingesetzt. Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Tasten sind die Fertigkeiten, die es zu schulen gilt. Welche Farbe hat ein Produkt, wie riecht und schmeckt es, knackt es beim Abbeißen, und wie fühlt es sich an? Dabei ist es wichtig, das eigene Urteilsvermögen einschätzen zu können. Nicht alle Menschen können die Grundgeschmacksarten süß, salzig, sauer, bitter und umami gleich gut unterscheiden. Bei der Vergleichbarkeit der Ergebnisse ist zudem ein einheitliches Vokabular wichtig. Aromaräder für spezielle Produktgruppen helfen bei der Wortfindung: Schmeckt es buttrig oder fettig, erdig oder muffig?

Yvonne Spethmann (KIN; r.) demonstrierte den Einfluss der Nasenschleimhaut auf die Wahrnehmung von Aromen. Foto: Sandra van Hoorn

Ähnlich komplex geht es bei der Schulung der weiteren Sinne zu. Auch ein gutes Vermögen für die Farberkennung ist wichtig, denn „das Auge isst mit“. Hier spielt auch der Instinkt eine große Rolle, denn er schützt vor Lebensmittelvergiftungen durch die Aufnahme verdorbenen Essens. Eine systematische Methodik hilft bei der Reproduzierbarkeit von Ergebnissen. Bei Unterschiedsprüfungen können Rangordnungen nach Ausprägung des Merkmals festgelegt werden. Paarweise Vergleichsprüfungen und Dreiecksprüfungen werden häufig in der Produktentwicklung eingesetzt.

Das Seminar gab den Mitgliedern des Qualitätsausschusses einen guten Überblick über objektive Bewertungsmethoden und eine Einschätzung eventueller eigener Schwächen in der sensorischen Wahrnehmung. Die geschulten Fähigkeiten werden in Zukunft eingesetzt, um neue Produkte mit dem Gütezeichen noch professioneller bewerten zu können.

Vielseitig und mental stark im Pferdesport

Einmal im Jahr lädt der Pferdesportverband Schleswig-Holstein (PSH) zu seiner Landesbreitensporttagung ein. In diesem Jahr stand die „zukunftsorientierte Basisausbildung“ im Mittelpunkt. Die Sportpsychologin und Pferdewirtin Sophia Völcker, die Trainerin und Richterin im Fahren Sabine Leistikow und der langjährige Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter, Martin Plewa, referierten.

Die Federführung für die Veranstaltung lag bei Miriam Engel-Zinßius, Referentin Breitensport, Vereine und Betriebe beim PSH, die schon im vergangenen Jahr mit Unterstützung zahlreicher engagierter Helfer die Tagung ausgerichtet hatte. Das Programm lockte mehr als 100 Teilnehmer – Richter, Ausbilder, Jugendleiterassistenten, aber auch aktive Reiter – auf das Gut Immenhof in Malente, Kreis Ostholstein. Dort beschäftigten sie sich mit einer vielseitigen und auch mentalen Ausbildung des Reiters sowohl in der Theorie als auch in der Praxis.

Mit besonderer Spannung wurde der Vortrag von Martin Plewa erwartet. Er erläuterte, warum es so wichtig sei, in der reiterlichen Ausbildung den Schwerpunkt auf Vielseitigkeit und Abwechslung zu legen. In der praktischen Vorführung erklärte er, wie man Anfänger schon von der ersten Reitstunde an ans Springen heranführt. Reit­unterricht bestehe nicht vordergründig darin, technische Fähigkeiten wie das Angaloppieren, sondern in erster Linie Bewegungsgefühl zu vermitteln. Das bedeute insbesondere, einen geschmeidigen und zügelunabhängigen Sitz im Schritt, Trab und Galopp zu erlernen. Wie die Ausbildung des Anfängers in der Praxis aufgebaut wird, demonstrierte er nach seinem Vortrag mit drei jungen Probandinnen und ihren Ponys.

Früh springen

Das Voltigieren an der Longe auf einem mit Sattelpad und Voltigiergurt ausgerüsteten Pferd sei ideal, um sich mit allen drei Grundgangarten vertraut zu machen und sich auszubalancieren. Er selbst sei ein großer Fan des Führzügelunterrichts, so der Reitmeister. Kleine „Hindernisse“ wie Stangen oder Bodenwellen können an der Hand zunächst nur im Schritt, später auch im Trab überwunden werden, um das Gefühl für Veränderungen in der Bewegung zu spüren und sich in der Körperhaltung anzupassen. Der Reiter sitzt dabei ohne Bügel auf dem Pferd.

„Wer schon im Pad ausbalanciert sitzt, fällt nicht so schnell runter“, erklärte Martin Plewa der kleinen Ebba. Foto: Assia Tschernookoff

Ebba Schweiger, selbst keine Anfängerin mehr, demonstrierte einen ausgesprochen gut ausbalancierten Sitz auf ihrem Pony Tanja nur auf einem Pad. Martin Plewa lief immer dicht neben den beiden her, erst an der Hand, dann an der Longe. „Mit meiner Nähe kann ich als Ausbilder Vertrauen und Sicherheit vermitteln“, sagte er.

Anschließend kamen Aurelia Schmeiser und Hermine von Wintzingerode mit ihren Ponys Duke of Hallali und Tewdwr Chumbawamba in die Bahn. Als fortgeschrittene Reiter zeigten sie, wie man im Sattel mit verkürzten Bügeln und im leichten Sitz verschiedene Sprünge im Gleichgewicht überwinden kann, und zwar ohne die Zügel anzufassen. Die Reiterinnen griffen stattdessen in den Halsriemen oder stützten sich mit den Händen am Hals ab. Plewa plädiert für das frühzeitige Erlernen des Springens, weil es das Gleichgewicht schule und Beweglichkeit und Losgelassenheit verbessere: „Wer springen kann, ist sattelfester.“ Marie Nehring, die in Oelixdorf, Kreis Steinburg, eine Kinderreitschule betreibt, erzählte: „Ich habe Sprünge in meinem Unterricht immer erst später eingebaut, aber ich werde es jetzt ausprobieren, meine Kleinsten schon am Anfang an das Springen heranzuführen.“

Selbstbewusst im Sattel

Der Workshop mit Sophia Völcker ergänzte Plewas Ausführungen aus der Sicht der Sportpsychologie. Die Expertin erarbeitete mit den Teilnehmern, wie man als Trainer das Selbstvertrauen der Reitschüler stärken und ihre Motivation fördern kann. Die Reiter wiederum durften in dieser Hinsicht ihre Wünsche an die Ausbilder formulieren. Denn Lob und Anerkennung fördern den Spaß und die Freude am Reiten in Verbindung mit dem Pferd und stärken das Vertrauen des Reiters in die eigenen Fähigkeiten, um sich neue Ziele zu stecken. Motivierend sei, nicht nur den Blick auf das zu richten, was man erreichen wolle, sondern auch immer zurückzuschauen, was man alles erreicht habe und was inzwischen viel besser klappe als noch vor ein paar Wochen.

Unter der Anleitung von Sabine Leistikow demonstrierten Anne Rahlf und ihre neunjährige Tochter Imke mit der Haflingerstute Maja und dem erst sechsjährigen Pony Nina, wie man vielseitige Arbeit mit dem Pferd vom Boden aus gestalten und insbesondere in den Wintermonaten für Abwechslung im Training sorgen kann. Am langen Zügel meisterten sie die verschiedensten Übungen in einem Parcours aus Kegeln und Stangen. Da ihre Pferde nicht nur geritten, sondern auch gefahren werden, kennen sie die langen Leinen.

„Reitpferde brauchen in der Regel kaum 10 min, um mit dieser Zügelführung zurechtzukommen. Sie gewöhnen sich ebenso schnell daran, dass der Reiter hinter ihnen geht“, versicherte Leistikow. Man solle darauf achten, langsam den Schwierigkeitsgrad zu steigern und in kleinen Schritten mit vielen kurzen Pausen zu beginnen: „Die Pferde müssen sich sehr konzentrieren und ermüden schnell.“

Zum Abschluss informierte Anna-Sophie Laurenz aus der Abteilung Pferdesportentwicklung über breitensportlich relevante Neuerungen.

Datenübermittlung vereinfachen

0

Ein gemeinsames Projekt des Kieler Landwirtschaftsministeriums (MLLEV), der Staatskanzlei und des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH) prüft, wie die Datenübermittlung der landwirtschaftlichen Betriebe im Rahmen von Meldepflichten und Antragsverfahren vereinfacht und die Benutzerfreundlichkeit verbessert werden können. Ziel ist es, den Arbeitsaufwand für die Betriebe spürbar zu reduzieren und doppelte Dateneingaben zu vermeiden.

„Unsere landwirtschaftlichen Betriebe leisten täglich wertvolle Arbeit. Mit dem geplanten Datenportal Landwirtschaft wollen wir Melde- und Antragsverfahren für staatliche Leistungen vereinfachen, doppelte Dateneingaben vermeiden und IT-Zugänge nutzerfreundlicher gestalten“, so Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU). Ziel sei es, den Betrieben mehr Zeit für ihr Kerngeschäft zu verschaffen.

Dirk Schrötder. Foto: Land SH

Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (CDU) sagte: „Um unseren Staat weiter zu modernisieren, wollen wir mehr Tempo in die digitale Transformation unseres Landes bringen.“ Die Menschen in Schleswig-Holstein hätten zu Recht den Anspruch an die Verwaltung, dass sie schnell und serviceorientiert agiere – dies gelte im Privaten ebenso wie in Unternehmen und den zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben im Land. Die Dokumentation und Übermittlung von Daten seien wichtig, aber gerade an langen, intensiven Arbeitstagen in der Landwirtschaft müsse dies vollständig digital, medienbruchfrei und möglichst intuitiv geschehen. Aus diesem Grund habe das Projekt eine große Bedeutung.

Geprüft wird darin die Einführung eines zentralen „Datenportals Landwirtschaft“. Dieses soll bestehende Fachverfahren um eine vereinfachte Zugangsstruktur und zentrale Funktionen ergänzen, sodass Landwirtinnen und Landwirte ihre Daten künftig schneller und einfacher übermitteln können – ohne dass alle IT-Verfahren neu entwickelt oder zusammengeführt werden müssen.

Aktuell sind die Betriebe verpflichtet, regelmäßig Daten an verschiedene Landesbehörden und den Bund zu übermitteln. Dazu gehören etwa Tierbestandszahlen, Angaben zur Flächennutzung, Düngedaten oder Daten für Förder- und Ausgleichszahlungen, zum Beispiel im Rahmen der Agrarförderung. Die Meldungen erfolgen über verschiedene IT-Verfahren wie das Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HIT) oder den Tierseuchenfonds Schleswig-Holstein. Dadurch kommt es teilweise zu mehrfachen Dateneingaben gleicher Informationen.

Zudem muss für jedes Verfahren ein eigener Zugang genutzt werden, was die Dateneingabe erschwert. Technische Einschränkungen können die Prozesse zusätzlich verlangsamen und den Arbeitsalltag der Betriebe belasten.

In der ersten Projektphase werden Schwachstellen identifiziert und Ansatzpunkte für Verbesserungen erarbeitet. Anschließend wird geprüft, wie ein mögliches Datenportal die Übermittlung effizienter und nutzerfreundlicher gestalten kann.

Klaus-Peter Lucht. Foto: rq

Da die Dokumentationspflichten nicht in den Zuständigkeitsbereich der Landesverwaltung fallen, liegt der Fokus des Projekts auf den Meldepflichten und dem Antragswesen der Landwirtinnen und Landwirte.

Die Konzeption des Datenportals Landwirtschaft ist bis Ende September 2026 vorgesehen. Im Anschluss soll die technische Umsetzung der konzipierten Lösung für das Datenportal Landwirtschaft erfolgen. Die konkrete Dauer wird von den Ergebnissen der Analysephase abhängen.

BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht untestrich: „Unsere landwirtschaftlichen Betriebe verbringen heute viel zu viel Zeit mit der Eingabe und Übermittlung von Daten in unterschiedliche Systeme. Daher freuen wir uns, dass auf unsere Initiative hin nun ein Datenportal entwickelt werden soll.“ Wenn das Portal dazu beitrage, Informationen künftig nur einmal eingeben zu müssen, und Verfahren einfacher und schneller würden, sei das ein wichtiger Schritt zur Entlastung der Betriebe. „Entscheidend ist für uns, dass das System wirklich praxistauglich ist und Bürokratie nicht nur digitalisiert, sondern tatsächlich reduziert wird“, so Lucht.



Im Bonbonbeet riecht und schmeckt es verführerisch

0

Warum nicht gemeinsam mit den Kindern ein „Bonbonbeet“ anlegen, wo nach Herzenslust geschnuppert, probiert und beobachtet wird? Schließlich duftet und schmeckt so manche Pflanze nach Schokolade oder anderen Süßigkeiten. Und so ganz nebenbei kommen Kinder dem Garten und dem Gärtnern näher.

Die Minze ‚Erdbeere‘ hält, was ihr Name verspricht. Sie riecht und schmeckt nach reifen Erdbeeren. Foto: Karin Stern

In ein solches Beet gehört allein schon wegen ihres Namens die Gummibärchen-Blume (Cephalophora aromatica). Der aus Chile stammende Korbblütler wird hierzulande einjährig kultiviert. Im April gesät, zeigen sich im Sommer kleine, gelbe Blütenbälle. Beim ­Zerreiben duften sie traumhaft nach Gummibärchen. Die etwa 40 cm hohe Pflanze benötigt einen sonnigen Standort auf magerem, sandigem und durchlässigem Boden. Tipp: Mit etwas Glück bekommt man vorgezogene Pflanzen im Gartenmarkt oder bestellt sie im Internet. Auch in dem breiten Sortiment der Minzen (Mentha) finden sich ei­nige interessante Vertreter fürs Bonbonbeet. Der klassische Pfefferminzduft reißt Kinder nicht unbedingt vom Hocker, aber interessanter wird es bei der Erdbeer-Minze ‚Erdbeere‘ (Mentha species) oder der Schoko-Minze ‚Schoko‘ (Mentha x piperita var. piperita). Letztere erinnert vom Geschmack her ein wenig an Minz-Schokolade und schmeckt prima zu Eis oder Süßspeisen. Und auch die Erdbeer-Minze hält, was ihr Name verspricht: Bei Berührung verströmen die Blätter einen süßen Duft, und auf der Zunge entfaltet sich das Aroma reifer Erdbeeren.

Wenn man die Blütenbälle der Gummibärchenblume zerreibt, riecht es nach Fruchtgummi. Foto: Karin Stern

Apropos Erdbeeren – Walderdbeeren sind ein guter Pflanzpartner zu Minzen. Beide kommen gut im Halbschatten zurecht und bevorzugen einen ausreichend feuchten Boden. Sortentipp: ‚Waldkönigin‘ mit schmackhaften, hocharomatischen Früchten. Die ersten Blüten der Walderdbeeren erscheinen im April, die letzten öffnen sich im Juni. Entsprechend lang ist der Erntezeitraum, in dem immer wieder leckere Früchtchen genascht werden können, sobald sie sich rot eingefärbt haben. Tipp: Bei heißem, trockenem Wetter ausreichend feucht halten.

Walderdbeeren sind zwar klein, aber hocharomatisch. Foto: Karin Stern
Die Blätter des Marienblattes duften auch getrocknet angenehm nach Kaugummi. Foto: Karin Stern

Die Kaugummipflanze (Chrysanthemum balsamita) riecht genau wie der bekannte Spearmint-Kaugummi. Die 60 cm hohe Staude wird häufig auch unter der Bezeichnung „Marienblatt“ angeboten. Früher verwendete man die getrockneten Blätter als duftende Lesezeichen im Gesangbuch. Ab August zeigen sich gelbe Korbblüten, die an Rainfarn erinnern. Man gibt der unkomplizierten Staude einen sonnigen Standort.

Natürlich darf in einem Bonbonbeet auch das Schokoladen-Aroma nicht fehlen. Für diese Duftrichtung bieten sich einige interessante Vertreter an. Beginnen wir mit der Schokoladen-Kosmee (Cosmos atrosanguineus), die manchmal auch als „Schokoladenblume“ angeboten wird. Die herrlich dunkelbraunroten Blüten verströmen einen Zartbitter-Duft. Die Pflanze blüht von Juli bis Oktober an sonnigen Plätzen. Leider ist die duftende Schönheit nicht sicher winterhart. Die Knollen der etwa 60 cm hohen Pflanze sind daher wie die der Dahlien zu behandeln. Sie kommen nach den Eisheiligen ins Beet (alternativ im Topf vorziehen) und werden im Herbst wieder ausgegraben. Den Winter verbringen die Knollen kühl und frostfrei im Keller. Tipp: Die Schokoladen-Kosmee als Kübelpflanze kultivieren, dann muss nur der Topf ein- und ausgeräumt werden.

Die gelben Blüten der Schokoladenblume duften nach Vollmilchschokolade. Foto: Karin Stern
Die noch nicht geöffneten Blüten der Schokoladenblume sind optisch äußerst reizvoll. Foto: Karin Stern


Eher Richtung Vollmilchschokolade tendiert der Duft der Schokoladenblume (Berlandiera lyrata). Ihre gelben Blüten erscheinen ab Juni und duften bei starker Sonnenstrahlung besonders intensiv. Im Handel bekommt man Jungpflanzen, Samen und Knollen. Die Anzucht aus Samen ist recht unkompliziert. Am besten kultiviert man die Schokoladenblume als Kübelpflanze, da sie aufgrund ihrer mexikanischen Herkunft nicht sicher winterhart ist. Als Substrat empfiehlt sich eine gute, mit Sand vermischte Blumenerde. Die Schokoladenblume schätzt einen eher trockenen, wasserdurchlässigen und mäßig nährstoffreichen ­Boden.

Der Name der Zitronenmelisse verrät bereits ihre Duftnote. Foto: Karin Stern

Was die Winterhärte angeht, völlig unkompliziert präsentiert sich die heimische Zitronenmelisse (Melissa officinalis). Ihren Duft setzt sie frei, wenn man mit den Händen leicht über die Blätter streicht. Die anspruchslose Zitronenmelisse kommt auch noch an halbschattigen Standorten zurecht und wächst etwa 80 cm hoch. Wer nicht überall im Garten den Nachwuchs finden möchte, schneidet die Pflanze gleich nach der Blüte zurück.

Milchpreise stabilisieren sich

0

Die Milchanlieferung hat sich zuletzt noch deutlich weiter erhöht. Sie liegt nach wie vor um mehr als 6 % über der Vorjahreslinie. Die Milchpreise für den Abrechnungsmonat Februar sind daher auch erneut etwas gefallen, allerdings nur noch minimal. Die Talsohle ist somit erreicht.

Die Meiereien haben ihren Grundpreis überwiegend unverändert zum Vormonat belassen. Nur bei fünf Meiereien kam es zu weiteren Absenkungen zwischen 1 und 5 ct/kg Milch. Der Durchschnittspreis liegt nun bei 33,16 ct/ kg und damit um 0,79 ct unter dem Vormonatsniveau. Die Spanne bewegt sich zwischen 25,20 und 40,00 ct/ kg und ist somit unverändert zum Vormonat. Sie klafft damit hierzulande deutlich weiter auseinander als in anderen Gebieten Deutschlands. In Süddeutschland werden zwischen 30,46 und 43,29 ct/kg gezahlt. In Ostdeutschland liegt der Auszahlungsgrundpreis zwischen 30,00 und 34,00 ct/kg. Bei den westdeutschen Meiereien ist die Spanne im Bereich von 31,68 bis 36,05 ct/ kg. Für Süd- und Ostdeutschland lagen zu Redaktionsschluss allerdings noch nicht alle Auszahlungspreise vor.

Leichte Steigerungen für Butter und Käse

Im Butterbereich waren die Märkte in den vergangenen Wochen immer etwas zweigeteilt. Für Blockbutter kam es kontinuierlich zu kleinen Preissteigerungen, während der Preis für abgepackte Butter regungslos auf seinem Tiefpunkt verharrte. Seit vergangener Woche gibt es aber auch hier wieder etwas Bewegung. Viele Verbraucher haben bereits bemerkt, dass die Butter in den Discountern wieder etwas teurer geworden ist. Der Anstieg der Notierungen an der Butter- und Käsebörse ist bisher allerdings nur minimal. Die Butternachfrage befindet sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Auch im Export wird von einer anhaltend hohen Nachfrage berichtet, lediglich aus dem Nahen Osten ist aufgrund des Krieges ein Einbruch der Nachfrage zu verzeichnen. Ebenso wie im Bereich der abgepackten Butter, hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten preislich auch im Käsebereich nichts bewegt. Aber auch hier kommt das Preisniveau etwas in Bewegung. Grund dafür ist die anhaltend hohe Nachfrage in Kombination mit den sehr knappen Lagerbeständen. Die Nachfrage hat in den vergangenen Wochen sogar noch weiter zugelegt, sodass nicht einmal mehr alle Nachfragen bedient werden können. Dies gilt auch für den Export. Gerade hier konnten auch Preiserhöhungen durchgesetzt werden. Das Zugpferd in den einzelnen Teilmärkten ist nach wie vor der Pulverbereich. Für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität haben wir inzwischen das Preisniveau von Anfang 2024 erreicht, und die Kurve geht weiter steil nach oben. Da mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen ist, besteht eine erhöhte Nachfrage nach längerfristigen Kontraktabschlüssen.

Milchmenge steigt weltweit

Das einzige Problem der Meiereien bei den Preisverhandlungen sind die weiterhin deutlich ansteigenden Milchmengen, und das nicht nur, weil die Verarbeitungskapazitäten allmählich an ihre Grenzen stoßen. Solange keine deutlichen Anzeichen einer Verknappung zu erkennen sind, finden die Forderungen nach Preiserhöhungen in den Preisverhandlungen kaum Gehör. Der Pulverbereich allein wird es nicht schaffen, den Milchpreis deutlich nach oben zu treiben. Auch liegt leider nicht nur in Deutschland die Milchanlieferung derart über dem Vorjahresniveau. Diese Steigerungen sind EU-weit zu verzeichnen. In den Niederlanden und Frankreich ist die Anlieferung ähnlich hoch wie in Deutschland, in den meisten anderen EU-Staaten um die 4 % über Vorjahresniveau. Beim Blick in die anderen wichtigen Milchregionen dieser Welt ändert sich ebenfalls nichts an dieser Situation: überall steigende Milchmengen. In den USA +3,2 %, in Argentinien sogar +9,7 %, in Australien +1,5 % und in Neuseeland +2,0 %. Mit einem schnellen Anstieg der Milchauszahlungspreise ist also vorerst nicht zu rechnen.

Alle Ebenen in guter Verbindung

0

Wie funktionieren die Kreisverbände der LandFrauen, was sind ihre Aufgaben, was bieten sie an und worin bestehen ihre Besonderheiten? Dazu startet das Bauernblatt eine Serie, für die der frühere Bauernblatt-Redakteur Tonio Keller alle zwölf Kreisverbände bereist. Zunächst aber erklärt Präsidentin Claudia Jürgensen im Rahmen einer Veranstaltung die Verbindung des Landesverbandes zur Kreis- und zur Ortsebene der LandFrauen.

„Je höher man auf den Ebenen des Verbandes agiert, desto mehr nimmt der politische Auftrag zu – und der Bildungsauftrag und die Geselligkeit nehmen ab“, ist die Erfahrung von Claudia Jürgensen, Präsidentin des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein (LFV SH). Weniger Geselligkeit und schon gar nicht weniger Bildung müssen die 17 LandFrauen aber befürchten, die zum Infotag für neue oder künftige Vorstandsmitglieder nach Rendsburg gekommen sind.

Klönschnack-Abende, Ausflugsfahrten, Infoveranstaltungen und einmal im Jahr die Jahreshauptversammlung – das Leben im Ortsverein bietet viele Gelegenheiten zum Kennenlernen und zum Austausch, aber auch zur Weiterbildung. Von der Landesebene kommen die meisten fachlichen Bildungsangebote. „Wir bereiten unsere Vorstandsdamen gut vor, etwa auf die Planung einer Jahreshauptversammlung“, betont Jürgensen. Ein passwortgeschützter interner Bereich für Vorstände auf www.landfrauen-sh.de bietet Informationen zu Themen wie Rechte und Pflichten, Finanzen, Datenschutz oder Öffentlichkeitsarbeit.

Bildung – Digitales bis Diabetes

Präsidentin Claudia Jürgensen erklärt die Grundzüge des LandFrauenverbandes.

„Digitalisierung – wir wollen sie alle, aber wir müssen auch alle dabei mitnehmen“, betont die Präsidentin. So können Interessierte qualifiziert werden als „Digitale Patinnen“ – ein Kurs in Kooperation mit dem Breitband-Kompetenzzentrum Schleswig-Holstein. Gesundheit – ein weites Feld, das die LandFrauen beackern mit Fachvorträgen von Diabetes bis Depression, von Sturzprävention bis Telemedizin, von Hörproblemen bis zu frauenspezifischen Themen. „Telemedizin war für mich vorher ein Fremdwort, wir haben alle gestaunt, was sie für Möglichkeiten eröffnet“, berichtet Jürgensen. Auch eine Schulung zur Büroagrar-Fachfrau (Baff) wird angeboten, ein Kurs in Kräuterkunde in Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNUR) und – neu! – eine Weiterbildung zur Demokratie-Lotsin mit den Beratungsteams gegen Rechtsextremismus. Nur Rechtsberatung könne der Verband selbst nicht leisten, aber er frage dazu Anwälte an, wenn das Thema für viele Ortsvereine von Belang sei.

„Wir sind unparteiisch, aber nicht unpolitisch“, betont Präsidentin Jürgensen. Es gibt auf Landesebene drei Facharbeitskreise in den Bereichen Agrar und Umwelt, für Soziales, Frauen und Gesellschaft sowie für Hauswirtschaft und Verbraucherthemen. Der LFV wird eingeladen zu Anhörungen der Landesregierung, führt Gespräche mit Ministerien und findet laut Claudia Jürgensen dort auch Gehör. Zusätzlich gibt es den Arbeitskreis LandFrauenArchiv im Freilichtmuseum Molfsee und die Jungen LandFrauen – sie werden in der Serie als Unterorganisationen der Kreisverbände zu Gehör kommen.

Unparteiisch, aber nicht unpolitisch

„Wir sind unabhängig, da wir uns nur aus Mitgliedsbeiträgen finanzieren“, betont Jürgensen. Fördergelder seien immer projektbezogen. So konnte im vergangenen Jahr mit der Akademie für die ländlichen Räume verhindert werden, dass der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ aus Spargründen gestrichen wurde. Aber auch in den Kreisverbänden werden gesellschaftliche Themen angegangen, etwa in Dithmarschen zur drohenden Schließung des Pränatalzentrums der Westküstenkliniken.

Der Vorstand des LFV, der für vier Jahre gewählt wird, besteht derzeit aus Präsidentin Claudia Jürgensen, Vizepräsidentin Sylke Messer-Radtke und den Präsidiumsmitgliedern Heidi Thamsen und Lena Haase. Laut Satzung gehören dem Vorstand auch die Geschäftsführerinnen Dr. Gaby Brüssow-Harfmann und Ninette Lüneberg an. Dazu kommen vier Beisitzerinnen. Diese werden im jährlich versetzten Zyklus ebenfalls für je vier Jahre von den Kreisverbänden gestellt, derzeit Frauke Krohn (Pinneberg), Marie-Theres Thede (Ostholstein) und Petra Heide (Schleswig). Für den vierten Posten, derzeit unbesetzt, hat Plön das Vorschlagsrecht. Unter anderem bereitet der Gesamtvorstand mit den Kreisvorsitzenden die jährliche Vertreterinnenversammlung vor – quasi die Jahreshauptversammlung des Verbandes. Dort nehmen außer den Genannten Delegierte der Ortsvereine teil. Außerdem gibt es im November eine Arbeitstagung.

Die Kreisverbände sind das Bindeglied zwischen den Ortsvereinen und dem Landesverband. Sie bündeln die Interessen, Belange und Meinungen vor Ort, und sie vermitteln die Bildungsangebote und die politischen Positionen aus dem Landesvorstand an die Basis. Dabei haben alle Kreise ihre eigene Struktur und ihr eigenes Gesicht. Das soll in der kommenden Serie sichtbar werden.

LandFrauenverband SH

Kreisverbände12

Ortsvereine150

Mitglieder26.000

Deutscher
LandFrauenverband

Landesverbände 22

Mitglieder400.000