Löwenmäulchen wurden wegen ihrer Blühfreudigkeit und ihrer relativ geringen Ansprüche schon früh in Bauerngärten gezogen. Heute gibt es eine große Anzahl an Sorten in vielen Farben. Ein wenig Mühe macht das jährliche Vorziehen. Am richtigen Standort und mit etwas Glück können Löwenmäulchen aber auch überdauern und so über Jahre hinweg Blütenfülle bringen.
Löwenmäulchen gehören zur Familie der Rachenblütler (Scrophulariaceae). Die etwa 35 bis 40 Arten der Gattung Antirrhinum sind teils im Mittelmeerraum, teils in Nordamerika beheimatet. Unser Gartenlöwenmäulchen stammt von Antirrhinum majus, dem Großen Löwenmäulchen, ab. Dessen wilde Verwandte sind im westlichen Mittelmeerraum zu finden, insbesondere auf der Iberischen Halbinsel, in Marokko und Frankreich, wo sie vorzugsweise in Felsspalten und auf trockenen Geröllhalden wachsen.
In mitteleuropäischen Bauerngärten wurden Löwenmäulchen schon früh als ausdauernde Schnittblumen gepflanzt. Seit dem 15. Jahrhundert entstanden durch Züchtung zahlreiche Sorten. Heute sind Löwenmäulchen in vielen Sorten und Schattierungen von Weiß, Gelb, Rosa, Orange und Rot zu haben, sowohl in leuchtenden Farben wie auch in Pastelltönen. Besonders reizvoll sind bunte Mischungen verschiedenfarbiger Löwenmäulchen. Es gibt aber auch etliche zweifarbige und changierende Züchtungen, die auch Pflanzungen aus nur einer Sorte lebhaft erscheinen lassen.
Im Garten lassen sich Löwenmäulchen vielseitig mit anderen sonnenliebenden Sommerblumen und Stauden kombinieren. Je nach Farbe passen sie gut zu Ringelblumen, Tagetes, Kosmeen, Jungfer im Grünen, Zinnien und Rittersporn. An Trockenmauern harmonieren sie mit mediterranen Kräutern wie Lavendel, Helichrysum (Currykraut) und Ysop.
Beliebte Hummelpflanze
Neben „Löwenmaul“ sind „Kalbsmaul“ und „Froschgoscherl“ (Froschmaul) regionale Bezeichnungen, die sich auf die auffällige Blütenform beziehen. Kinder (und auch manche Erwachsene) lieben es, die Blüten seitlich zusammenzudrücken, damit die „Mäuler“ sich öffnen. Beliebt sind Löwenmäulchen aber auch bei Insekten. Vor allem Hummeln haben genügend Kraft, die Blüten aufzudrücken, wozu sie auch ihr Gewicht einsetzen. Aber auch einige Wildbienenarten und manchmal auch Honigbienen zwängen sich in die Blüten, um an den Nektar zu gelangen.
Zumeist werden Löwenmäulchen als einjährige Sommerblumen gezogen, eigentlich sind die meisten Sorten aber mehrjährig. Besonders früh und lange blühen Pflanzen, die ab Februar im Haus vorgezogen werden. Alternativ kann man ab März, April direkt ins Freiland säen, auch eine Aussaat bereits im frühen Herbst ist möglich. Insbesondere bei Direktsaat sollte man darauf achten, die feinen Samen nicht zu dicht zu säen (eventuell das Saatgut mit Sand mischen), um sich viel Arbeit mit mühsamem Vereinzeln zu ersparen.
Als Lichtkeimer werden die Samen nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt. Bis zum Aufgehen muss die Aussaaterde entsprechend feucht (nicht nass!) gehalten werden. Die Sämlinge werden in kleine Töpfe pikiert und können ab Mitte April ins Beet gesetzt werden. Kurzzeitige, leichte Spätfröste können die Blätter verfärben, schaden den jungen Pflanzen in der Regel aber nicht. Gegen stärkeren Frost hilft eine vorübergehende Vliesabdeckung.
Luftiger Standort
Der Pflanzabstand sollte 20 bis 30 cm betragen, bei zu dichtem Stand sind Löwenmäulchen anfällig für Mehltau und Rostpilze. Deshalb sollte der Standort möglichst sonnig und luftig, der Boden durchlässig und nicht zu nährstoffreich sein. Ideal sind humose, eher sandige und leicht saure Böden. Eine gute Gabe reifer Kompost, die vor der Pflanzung in den Boden eingearbeitet wird, reicht in der Regel als Dünger aus. Halbschatten ist möglich; mangelt es an Licht, bleiben die Pflanzen allerdings im Wachstum zurück und blühen spärlicher.
Entsprechend ihrer Herkunft vertragen Löwenmäulchen Trockenheit prinzipiell besser als Nässe und gedeihen auch gut auf steinigen Böden und Trockenmauern. Bei anhaltender Trockenheit werden allerdings weniger Blüten gebildet, und an den Blättern kann Rost auftreten. Deshalb sollte man das Gießen in solchen Phasen nicht vernachlässigen.
Je nach Sorte und Standort werden Löwenmäulchen 15 bis 90 cm hoch. Werden sie mit einer Höhe von etwa 10 cm pinziert, wachsen die Pflanzen besonders buschig. Andernfalls müssen hohe Sorten an windigen Standorten eventuell gestützt werden. Bei früher Aussaat wachsen Löwenmäulchen im Lauf des Sommers zu kräftigen Pflanzen heran, die vom Frühsommer bis zum Herbst über viele Wochen hinweg blühen, besonders dann, wenn sie regelmäßig geschnitten werden.
Vor allem die niedrigen Sorten gedeihen auch in sonnig stehenden Kübeln und Balkonkästen, müssen dann aber, wie (fast) alle Topfpflanzen, regelmäßig bewässert werden. Weil Löwenmäulchen auf Kalk empfindlich reagieren, werden sie idealerweise mit Regenwasser, sonst mit abgestandenem Wasser gegossen. Sowohl im Kübel wie auch auf dem Beet sollte man wegen der Pilzgefahr darauf achten, beim Gießen nach Möglichkeit die Blätter nicht zu benetzen.
Traditionelle und neuere Sorten
Entsprechend der beliebten Verwendung als Schnittblume sind unter den traditionellen Sorten vor allem hochwachsende zu finden, so etwa die rubinrot blühende ‚Ruby‘, die bereits im frühen 20. Jahrhundert in Saatgutkatalogen beschrieben wurde und 50 bis 90 cm hoch wird. Auch ‚Snowflake‘ (‚Schneeflocke‘), eine reinweiß blühende Sorte bis 80 cm Höhe, ist mindestens seit den 1920er Jahren im Handel. Aus der gleichen Zeit stammt ‚The Rose‘, eine Sorte mit besonders großen, roséfarbenen Blüten.
Die Sorte ‚Altgold‘ von 1946 blüht zweifarbig in Altrosa und warmem Gelb, dazu ist die Sorte besonders resistent gegen Löwenmäulchenrost. Zu den hohen Sorten gehört auch ‚Appleblossom‘, die mit ihren Blüten in Weiß und Blassrosa gut in romantische Gärten passt. Die neuere ‚Orange Wonder‘ blüht in Orange- und Rottönen, dazu passt die hellgelbe ‚Canary Bird‘, die sich durch relativ gute Winterhärte (bis −8 °C) und kräftigen Wuchs auszeichnet. Die Pflanzen werden 60 bis 80 cm hoch.
Zu den mittelhoch wachsenden Sorten gehört mit etwa 50 cm Wuchshöhe die alte Sorte ‚Rembrandt‘, deren zweifarbig rot-gelbe Blüten süß duften. Noch etwas niedriger bleibt mit 40 cm ‚Défiance‘, eine reinrot blühende Sorte aus den 1930er Jahren. ‚Black Prince‘ wurde erstmals 1923 in einem englischen Samenkatalog erwähnt. Nicht nur sind ihre Blüten dunkelsamtrot, auch das Laub ist purpurfarben bis schwärzlich, was einen schönen Kontrast mit helleren Blumenfarben ergibt.
Es gibt auch gefüllte Hybriden wie ‚Madame Butterfly‘, deren Blüten aber nicht mehr die typische Löwenmaulform haben (azaleenblütige Löwenmäulchen). Auch die pfirsichrosafarbene ‚Twinny Peach‘ und die blassrosa ‚Twinny Appleblossom‘ (nicht zu verwechseln mit der hohen, ungefüllten, samenfesten Sorte) blühen gefüllt und bleiben dazu mit 25 cm sehr niedrig. Somit eignen sie sich besonders gut für Topfkultur und Blumenkästen. Die ungefüllte Zwergsorte ‚Scarlet‘ wird sogar nur 15 cm hoch und blüht kräftig hellrot.
Blütezeit verlängern
Löwenmäulchen blühen an den Stängeln von unten nach oben auf, wobei die unteren Blüten nach dem Verblühen rasch Samen bilden. Regelmäßiges Entfernen der abgeblühten Blüten lenkt die Kraft in die Bildung neuer Blüten und verlängert so die Blütezeit. Schneidet man Blütenstiele für die Vase, sollte man die Stängel oberhalb einer Verzweigung schneiden. Aus diesen entwickeln sich dann bald neue Blütentriebe. Löwenmäulchen sind haltbare Schnittblumen. Am längsten halten sie sich in der Vase, wenn sich beim Schnitt erst ein Drittel bis die Hälfte der Knospen am Stiel geöffnet hat.
Dass Löwenmäulchen oft nur einjährig gezogen werden, liegt daran, dass sie nur einigermaßen milde Winter überstehen. Schon eine kurze, strenge Frostperiode überleben die ursprünglich mediterranen Stauden meist nicht, allerdings kommen kräftige Pflanzen, die im Herbst schon etwas verholzt sind, besser mit niedrigen Temperaturen zurecht. Auch scheinen die traditionellen, samenfesten Sorten in dieser Hinsicht robuster zu sein als die hochgezüchteten F1-Hybriden.
Eine Reisigabdeckung bei Frostgefahr erhöht die Überlebenschance. Auch magerer, trockener Boden und ein geschützter Standort im Winter, etwa vor einer Mauer, tragen dazu bei, dass Löwenmäulchen mit höherer Wahrscheinlichkeit überdauern. Sie verholzen dann teilweise und werden dadurch im Folgejahr nochmals kälteunempfindlicher. Zu Beginn des neuen Austriebs im Frühjahr sollten die vorjährigen, eingetrockneten Triebe der Staude dann entfernt werden. Werden Löwenmäulchen zum Ende der Saison nicht mehr geschnitten, vermehren sie sich auch gern durch Selbstaussaat. Die Samen sind winterhärter als die Pflanzen.




