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Dramatische Rettung an der dänischen Nordseeküste

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Jahrhundertelang war die raue Nordsee bei Seeleuten gefürchtet. Immer wieder kam es zu Strandungen entlang der Küste, so auch vor der Landzunge Holms­land Klit im dänischen Westjütland. Die Geschichte einer Strandung wird dort auf Abe­lines Gaard erzählt. Seit 1974 ist der frühere Strandvogthof Museum. Hier lebte einst der Strandvogt Christen Christensen mit seiner Familie. Er hatte die Aufgabe, gestrandete Schiffe zu bergen und die Mannschaften zu versorgen, wie 1894, als der Großsegler „Elisabeth Rickmers“ aus Bremerhaven auf Strand lief.

Es ist am Abend des 12. Februars 1894. Abeline steht mit roten Wangen am Herd, setzt einen großen Topf Kartoffeln auf und stellt Schmalz bereit. Nahe der Küche haben sich 19 schiffbrüchige Seemänner für das Abendessen versammelt. Nach dem Mahl und einer guten Tasse Kaffee verteilen sich die Gestrandeten zur Nachtruhe in alle Nischen des Hofes.

Abelines Schwiegervater, Strandvogt Christen Christensen, sorgt sich derweil um seine Schwiegertochter. In wenigen Tagen erwartet sie ein Kind. Ist die unverhoffte Arbeit zu viel für die Hochschwangere? Doch Abeline zerstreut lächelnd alle Bedenken. Sie ist überzeugt: So eine Strandung kann für die Familie des Strandvogts ein Segen sein. Da lohnt sich alle Mühe. Aber davon später mehr. Zunächst soll es darum gehen, was an diesem Tag passiert ist.

Die „Elisabeth Rickmers“ strandetet 1894 auf dem Strandabschnitt, für den Strandvogt Christen Christensen zuständig war.
Foto: Abelines Gaard, Repro: Silke Bromm-Krieger

Die Bark „Elisabeth Rickmers“, 1877 für die Rickmers Reismühlen, Rhederei & Schiffbau Aktiengesellschaft erbaut, hatte ihre Fahrt am 6. Februar 1894 unter Ballast in Bremerhaven mit dem Ziel Cardiff in Wales begonnen. Von hier sollte es nach Ostindien gehen, um Reis zu laden. Nachdem das Schiff die Weser hinter sich gelassen hatte, nahm der Wind zeitweilig so stark zu, dass Kapitän Theodor Pflieger fortwährend kreuzen, das heißt in Zickzacklinien gegen den Wind fahren musste. Auch im weiteren Verlauf der Reise hatte das Schiff mit schweren Februarstürmen und orkanartigen Böen zu kämpfen. Es trieb mehr, als dass es steuerte.

Schon bald waren Sicherheit und Manövrierfähigkeit in höchster Gefahr. Am 12. Februar sah der Kapitän um 16 Uhr in einer Entfernung von 2 bis 3 sm die Westküste Jütlands. Er unternahm einen Versuch, seine hölzerne Bark zu retten, und ließ einen Anker auswerfen. Aber die Ankerkette riss, und die Segel flogen zerfetzt davon. Jetzt blieb dem Kapitän keine andere Wahl, als das Schiff auf Strand zu setzen. Nur so konnte er das Leben der Besatzung retten. Am Strandungsplatz stand schon die örtliche Rettungsmannschaft unter Führung des Haurviger Strandvogts Christen Christensen bereit. Einzeln mittels eines Rettungsstuhls wurden die Schiffbrüchigen binnen knapp einer Stunde an Land geholt. Der Rettungsstuhl war eine Art Rettungsring, mit dem die Rettungskräfte den zu Rettenden mit einer Leinenverbindung zwischen dem Land und dem gestrandeten Schiff zum Ufer zogen. Das funktionierte ein bisschen wie eine Schwebebahn. Als Letzter verließ auf diese Weise Kapitän Pflieger das Schiff, froh, keinen seiner Männer verloren zu haben.

Blick in das Haurviger Bootshaus von 1887: Die 19 Mann der „Elisabeth Rickmers“ wurden mit solch einem Rettungsstuhl an Land geholt.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Die durchnässte Besatzung machte sich mit den Rettern sofort zum Hof des Strandvogts auf, wo sie mit trockener Kleidung versorgt und von Abeline aufs Beste verpflegt und beherbergt wurde. Wie man bei einer Schiffsstrandung mit Besatzung und Fracht umzugehen hatte, war gesetzlich im Jyske Lov von 1241 geregelt. „Was niemandem gehört, ist Eigentum des Königs“, hieß es darin. Strandgut gehörte dem dänischen Staat, aber dieser brauchte Hilfe von verschiedenen Menschen, die für ihre Dienste entlohnt wurden. Per Gesetz wurde gleichfalls sichergestellt, dass dem Schiffseigner kein Unrecht widerfuhr. Mehrere Instanzen waren deshalb an der Abwicklung der Strandung beteiligt. Wenn ein Schiff strandete, rettete die Mannschaft der nächstgelegenen Rettungsstation die Besatzung, wenn dies irgend möglich war.

Der Strandvogt war der örtliche Vertreter der Behörden. Er sorgte für die Unterkunft der Überlebenden und Beerdigung der Ertrunkenen. Er ließ die Bergungsgilde rufen und Wachen an Schiff und geborgener Ladung aufstellen, um Plünderungen zu vermeiden. Ebenfalls sammelte er das an Land getriebene Strandgut ein. Zudem benachrichtigte er den Polizeimeister, der ein Protokoll schrieb und dem Zollbeamten Bescheid gab, damit dieser die geborgene Ware verzollen konnte.

Jeder Punkt ein Wrack: Die Karte zeigt, wie viele Schiffe allein zwischen 1858 und 1883 an dänischen Küsten strandeten. Tausende von Seeleuten verloren ihr Leben.
Foto: Abelines Gaard, Repro: Silke Bromm-Krieger

Außerdem wurde der zuständige Konsul für das Herkunftsland des gestrandeten Schiffes informiert. Im Fall der „Elisabeth Rickmers“ kam der deutsche Konsul aus Ringkøbing herüber, um Kapitän Pflieger über seine Rechte und Pflichten aufzuklären, und ihm bei nötigen Verhandlungen und dem „Papierkram“ zur Seite zu stehen. Der Kapitän (oder in seiner Abwesenheit die Reederei) zahlte für die Bergungsarbeiten, die Wachen, Zollgebühren sowie Unterbringung der Mannschaft. Er konnte gegen Zahlung der Strandungskosten die Freigabe der Ausrüstung und der Ladung verlangen oder sich einverstanden erklären, dass die gestrandeten Güter bei einer Auktion versteigert werden. Meist geschah Letzteres, so auch bei der „Elisabeth Rickmers“. Dabei war es üblich, dass am Ende nach Deckung der Kosten ein eventueller Überschuss dem Reeder zufiel.

Noch etwas zum Einsatz der Bergungsgilde: Alle nicht vorbestraften Männer der Gemeinde durften Mitglied sein. Sobald ein Schiff strandete, begann die Bergungsgilde, Ladung, Ausrüstung, Proviant und mehr zu löschen. Materialien aus dem Wrack wurden an Land gebracht. Mit dieser Arbeit erwirtschafteten sich die Männer, die mit ihren Familien ansonsten von der Landwirtschaft, der Jagd und dem Fischfang lebten, ein gutes Zubrot.

Abeline und Laurids Jørgen Christensen hatten sechs Kinder. Eines starb jedoch schon früh.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Da sich Kapitän Pflieger für eine Auktion entschieden hatte, wurden alle Dinge vermerkt, die man von seinem Schiff noch bergen konnte, zum Beispiel 75 Säcke Getreide, 600 Stockfische, Seile, Holzplanken und Messingteile. Es kamen insgesamt 1.553 Artikel zusammen. Auch der leere Schiffsrumpf stand zum Verkauf. Es wurde ein Auktionskatalog mit allen Posten gedruckt und verteilt. Am 8. März 1894 begann die Auktion und erbrachte Einnahmen in Höhe von 25.028 dkr. Der Schiffsrumpf wechselte allein für 8.286 dkr den Besitzer. Da der zuvor intakte Rumpf jedoch vier Tage nach dem Kauf durch einen Sturm zerstört wurde, ging der Käufer letztendlich leer aus. Das Namensschild der Elisabeth Rickmers erhielt einen Platz über der Scheunentür des Strandvogthofs. Auch der Esstisch des Kapitäns fand auf dem Hof Platz und steht dort noch heute im Café.

In der guten, gekachelten Stube wurden die Gäste des Hofes empfangen.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Christen Christensen hatte durch die Strandung so viel eingenommen, dass er sich zur Ruhe setzen konnte. Die Strandung war für ihn und seine Familie tatsächlich ein Segen gewesen, wie es seine Schwiegertochter prophezeit hatte. 1895 übergab der Witwer den Hof an seinen ältesten Sohn Laurids Jørgen Christensen und dessen Frau Abeline, die fünf Jahre zuvor mit der Heirat auf den Hof gekommen war. Nun wurde Laurids Jørgen neuer Strandvogt. Doch 1904 starb er an Tuberkulose und hinterließ die erst 34-jährige Abeline mit fünf Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren. Da eine Frau die Position eines Strandvogts nicht bekleiden konnte, brach ein großer Teil der gewohnten Einnahmen für die junge Witwe weg, die das Anwesen geerbt hatte. Doch tüchtig und zupackend führte sie mit der Hilfe eines Bruders und später mit Unterstützung ihrer Kinder den landwirtschaftlichen Betrieb weiter. Ebenfalls vermietete sie im Sommer Zimmer an Badegäste.

Einer der besterhaltenen Dünenhöfe auf Holmsland Klit ist Abelines Gaard, heute ein auch von deutschen Urlaubern vielbesuchtes Museum.
Foto: Silke Bromm-Krieger

Bereits 1886 war auf dem Hof ein Notruftelefon installiert worden, das 1895 zur Telefonzentrale Haurvig ausgebaut wurde. Bis zu ihrem Tod im Alter von 87 Jahren im Jahr 1957 kümmerte sich Abeline Christensen um diese erste Telefonzentrale der Gegend. Als dessen Leiterin konnte sie sich zwar nicht weit vom Fernsprecher entfernen, die Leute kamen aber für Telefonate zu ihr, sodass sie das Leben im Ort mitverfolgen konnte. Da ihr für Restaurierungsmaßnahmen das Geld fehlte, blieb die Hofeinrichtung auf dem Stand von etwa 1904 erhalten. Als das Anwesen in ein Museum umgewidmet wurde, nannte man es in Erinnerung an die frühere Besitzerin Abelines Gaard (Abelines Hof).

Weitere Infos unter
www.abelinesgaard.dk

(Quellen: „Entscheidungen des Ober-Seeamtes und der Seeämter des Deutschen Reichs“, 1894, Wissenschaftsverlag De Gruyter, Band  11, Heft 1, Kapitel: „23. Spruch des Seeamtes zu Bremerhaven vom 17. März 1894, betreffend den Seeunfall der Bark „Elisabeth Rickmers“ von Bremerhaven“, jernkysten.dk, abelinesgaard.dk und Gert Alsted: Abelines Hof auf Holmsland Klit)

Wechsel bei „Schulklassen auf dem Bauernhof“

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Lisa Höper hat 2024 im Lehr- und Versuchszentrum der Landwirtschaftskammer in Futterkamp angefangen. Aufgewachsen in Neustadt in Holstein auf einem Ackerbaubetrieb, hat sie in Osterrönfeld im Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Kiel erst den Bachelor und dann ihren Master in Agrarmanagement gemacht.

Sie lebt auf einem Ackerbau- und Milchviehbetrieb in Ostholstein. Neben der Arbeit hilft die 28-Jährige gern im heimischen Betrieb. Nach dem Master hat unsere Kollegin erst etwas komplett anderes gemacht und war als Lehrerin an der Grundschule Neustädter Bucht angestellt. Damit und durch das Zertifikat in Bauernhofpädagogik ist sie bestens gerüstet für die neue Aufgabe, die sie nun von Christiane Wellensiek übernimmt. Das Projekt richtet sich an die Verbraucher von morgen. Bei „Schulklassen auf dem Bauernhof“ erleben Schülerinnen und Schüler, wo unsere Lebensmittel herkommen und welche Abläufe und Zusammenhänge es in Landwirtschaft, Natur und Umwelt gibt. Gefördert werden Hofbesuche von Schulklassen aller Altersstufen und aller Schulformen. Insbesondere Schulen aus dem städtischen Kontext sind eingeladen, landwirtschaftliche Betriebe zu besuchen.

Das Projekt „Schulklassen auf dem Bauernhof“ hat eine lange Tradition in Schleswig-Holstein. Schon seit Anfang der 1990er Jahre öffnen landwirtschaftliche Betriebe ihre Hoftore im Rahmen dieses Projektes und werden zu außerschulischen Lernorten. Die Idee ist bei allen Aktivitäten die Gleiche geblieben: Schulklassen auf dem Bauernhof zu empfangen, Unterrichtsinhalte lebendig zu veranschaulichen und handlungsorientiertes Lernen zu ermöglichen. Kinder und Jugendliche erfahren so mit allen Sinnen, wo die Milch herkommt, wie sich die Spreu vom Weizen trennt und wer sich im Knick tummelt.

Aufgabe von Lisa Höper ist es, das Projekt zu betreuen und beispielsweise Fortbildungen zu organisieren wie „Eine Schulklasse kommt – was nun?“ am 26. und 27. Mai in Futterkamp. Gesonderte Informationen dazu folgen noch. Mehr zum Projekt im Internet unter lernendurcherleben.de

Lisa Höper ist zudem Unternehmensberaterin am Standort Bad Segeberg. Ihre Kontaktdaten: Tel.: 0 45 51-95 96-82, lhoeper@lksh.de

Grüne Woche: Fjordpferde im Rampenlicht

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Berlin feierte in diesem Jahr ein besonderes Ereignis: Die Grüne Woche blickt auf 100 Jahre Erfolgsgeschichte zurück. Im Zeichen dieses großen Jubiläums stand auch die diesjährige Show der Fjordpferde, für die acht Pferde, neun Reiter sowie zahlreiche Helfer aus Schleswig-Holstein und Brandenburg angereist waren.

Bereits am Donnerstag kamen Lea Beeke Krey mit Ioran, Sina-Christin Joesten mit Solfin Skova, beide vom Fjordgestüt Klosterhof, sowie Sonja und Ida Koch aus Eutin, Kreis Ostholstein, mit Wallach Sjønne gemeinsam mit den Brandenburger Teilnehmern in Berlin an. Alle nutzten die ersten Stunden am Veranstaltungsort, um sich zu orientieren, den Stallbereich einzurichten und die Pferde in ihrer neuen Umgebung ankommen zu lassen. Für die Fjordpferde standen geräumige Boxen bereit, die ihnen nach der langen Fahrt ausreichend Ruhe und Komfort boten.

Schon beim Ausladen waren die Freude und Aufregung spürbar gewesen, denn für viele war es der erste große gemeinsame Auftritt in der Hauptstadt. Ein besonderes Augenmerk lag auf dem engen Zusammenhalt im Team, das sich gegenseitig unterstützte und motivierte. Einen gelungenen Start in eine ereignisreiche Woche brachte dann der Donnerstagabend. In lockerer Atmosphäre lernten sich die Reiterinnen und Reiter, Helfer und Organisatoren persönlich kennen. Die ersten Proben mit den Pferden sorgten für spannende Begegnungen: Pferde und Menschen mussten sich aufeinander einstellen, Abläufe abstimmen und gemeinsam wachsen. Besonders beeindruckend war die Zusammenarbeit mit dem Showteam der Ostseequadrille, das mit großer Professionalität und Herzlichkeit die Choreografie einstudierte. Die Helfer sorgten dafür, dass alles reibungslos funktionierte, vom Putzen bis zum Satteln und Führen der Pferde.

Der fünfjährige Hengst Ioran und die 16-jährige Lea Beeke Krey waren im Showprogramm dabei. Foto: Lilly Brandt

Täglich zeigten die Fjordpferde ihre Vielseitigkeit in verschiedenen Showblöcken, doch die Quadrille war unbestrittener Höhepunkt. Sechzehn Pferde bewegten sich synchron zur Musik. Eine beeindruckende Leistung, die nur durch perfekte Teamarbeit möglich wurde. Die Zuschauer auf der Tribüne und den Rängen waren begeistert und spendeten tosenden Applaus.

Nach ereignisreichen Tagen hieß es am Mittwoch Abschied nehmen. Die Pferde wurden liebevoll für die Heimreise vorbereitet, das Equipment verstaut und die letzten Erinnerungsfotos geschossen. Mit Stolz blicken die Teilnehmer auf eine gelungene Woche zurück. Schon jetzt ist die Vorfreude auf das nächste Jahr spürbar. Dann werden die Fjordpferde und ihre Freunde sicher wieder dabei sein, wenn Berlin seine Tore zur Grünen Woche öffnet.

Futterkamp: Automatische Einstreuanlage

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Ein gutes halbes Jahr läuft im Lehr- und ­Versuchszentrum ­Futterkamp der Landwirtschaftskammer die automatische Einstreuanlage.

Sie verteilt aus Großballen Häckselstroh. Im Abkalbestall funktioniert sie mit pneumatischen Einstreuventilen, im Liegeboxenlaufstall mit mechanischen Strohkästen. Die Kühe finden das großartig und lassen sich gern berieseln. Die Automatisierung spart einiges an Zeit, weil das Stallteam nicht mehr mit der Einstreukiste quer über den Hof fahren muss. Einmal täglich wird alles eingestreut, die Tiefboxen im Liegeboxenlaufstall sogar zweimal, und nach Bedarf kann jederzeit auf Knopfdruck der Vorgang wiederholt werden.

Weitere spannende Themen aus dem Bereich Melk-, Fütterungs- und Prozesstechnik finden sich in unserem Schwerpunkt in der Ausgabe 6/2026.

Hannes Ahlmann dominiert die Holstenhallen

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Der Februar ist in den Holstenhallen in Neumünster die erste Pferdezeit des Jahres. Los ging es mit dem Turnier des Clubs der Springreiter (CdS). Elf Prüfungen waren ausgeschrieben und die Startplätze wieder sehr schnell weg. Vor allem die Qualifikation für die zwei Wochen später stattfindenden VR Classics war heiß begehrt.

Enorm nachgefragt waren zudem die drei Amateurspringprüfungen der Klassen A bis L. „Wir haben 400 Mitglieder, die gern in die Holstenhallen kommen”, sagte Jesse Luther, der gemeinsam mit Philipp Battermann-Voss den Vorstand des CdS bildet. Der zwölfjährige Emil Meves aus Mehlbek, Kreis Steinburg, war einer der Jüngsten im Teilnehmerfeld. Er nutzte seine Chance und gewann mit der Reitponystute Mochita gleich die ersten beiden Springprüfungen, ein A**- und ein L-Springen. Seine Schwester Elina siegte vor zwei Monaten zusammen mit Vater Jan Meves im Familienspringen des CdS-Turniers in Neumünster. Familie Meves könnte also früher oder später auch eine eigene Equipe stellen.

Das M**-Springen am Sonnabend gewann ebenfalls eine Nachwuchsreiterin, die 19-jährige Fehmaranerin Tomma Thiesen. Sie saß im Sattel von Django Riff, einem Holsteiner von Diarado, und war mehr als 1 s schneller als die Konkurrenz. Thiesen ist seit knapp drei Jahren im Stall von Hinnerk und Eva-Maria Köhlbrandt zu Hause. „Tomma ist sehr selbstkritisch und mit vollem Einsatz bei den Pferden”, sagte Hinnerk Köhlbrandt über Thiesen, die vor drei Wochen bereits das Youngsterfinale beim CSI Neustadt (Dosse) in Brandenburg gewann.

Ebenfalls am Sonnabend waren zwei Youngsterspringen ausgeschrieben. In Klasse M* platzierte Hannes Ahlmann die ersten zwei Pferde des Wochenendes auf den Plätzen zwei und drei hinter Naomi Himmelreich und Flying Kiss. Die Holsteinerin Cosima war dabei einen Hauch schneller als ihr Stallnachbar Colly. Beide stammen aus der familieneigenen Zucht. Colly holte am folgenden Tag noch einen vierten Platz im M**-Youngsterspringen.

Danach ließ Ahlmann keine goldene Schleife mehr aus. Los ging es in Klasse M** mit Cosima. Sie stammt von Cascadello I, ebenso wie Cascalido, mit dem Ahlmann auf den dritten Platz kam, und Casanderos, den der Nachwuchsstar aus Reher, Kreis Steinburg, auf den fünften Platz pilotierte. Tomma Thiesen gewann hier die zweite Abteilung im Sattel von Big Lady ZE.

Das anschließende S*-Springen sicherte sich Ahlmann ebenfalls, diesmal mit der Holsteiner Stute Cimarosa. Mit seinem KWPN-Hengst Madness blieb er außerdem fehlerfrei. Auch das zweite S*-Springen mit Stechen gewann er: die Qualifikation für die VR Classics. „International darf ich starten, aber für die nationale Tour müssen wir uns hier im Norden alle qualifizieren”, erklärte der 24-jährige Deutsche Vizemeister. Die Qualifikation gelang ihm im Sattel des Holsteiner Wallachs Tiepolo. Den Vollbruder zu Ahlmanns bereits international erfolgreicher Holsteiner Stute Tokyo reitet er zurzeit als „Ersatz-Jockey“, weil die Kanadierin Saman­tha Buirs-Darvill gerade im Mutterschutz ist.

„Tolles Pferd”, befand Ahlmann und resümierte: „Das war ein supererfolgreiches Wochenende. Ich freue mich sehr, dass ich so gut ins neue Jahr starten und meinen Sieg vom vergangenen Jahr verteidigen konnte.“ Nun hofft er, gut auf die VR Classics vorbereitet zu sein.

Unter den 30 für das große Turnier Qualifizierten befinden sich auch Ahlmanns Schwester Pheline mit dem Holsteiner Hengst Carlton, Tomma Thiesen mit Django Riff und Jan Meves mit Diamant de Celeberty.

Nicht dabei, aber trotzdem zufrieden mit dem Wochenende ist Battermann-Voss. „Diese abgespeckte Variante mit drei Tagen hat sehr gut funktioniert. Finanziell und auch organisatorisch“, erklärte er. Vor allem freute sich das Organisationsteam darüber, dass am Sonntagabend die Ränge fast voll waren und dass die Sponsoren wieder so tatkräftig dabei waren, denn „ohne die geht es nicht“. Nun stehen elf Turniere an, bevor es im November wieder in die Holstenhallen geht.
pm

Blütensträucher und Stauden kombinieren

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Die Kombination von Stauden und Blütensträuchern wird in der Gartenplanung mitunter vernachlässigt. Dabei geben Ziersträucher eine wunderbare Kulisse für Stauden ab und werden zum attraktiven Blickpunkt im Garten. Die Auswahl an Blütensträuchern ist so groß, dass sich vom Frühjahr bis zum Spätsommer blühende Akzente setzen lassen.

Als Frühblüher passt die Glockenhasel toll zu Lenzrosen. Foto: Karin Stern

Beginnen wir doch gleich mit den leuchtenden Farben des Frühlings. Das intensive Rot der Zierquittenblüten (Chaenomeles x superba) passt hervorragend zu gelb blühendem Steinkraut (Alyssum saxatile) und der Rosa Gänsekresse ‚Hedi‘ (Arabis x arendsii). Eine weitere hübsche Frühlingskombination besteht aus dem gelb blühenden Ranunkelstrauch (Kerria japonica), Tränendem Herz (Dicentra spectabilis), Kaukasusvergissmeinnicht (Brunnera macrophylla) und der Jakobsleiter (Polemonium). Tipp: Ranunkelstrauch ‚Pleniflora‘ punktet mit einer dicht gefüllten Blüte und einer maximalen Wuchshöhe von 2 m. Der Sommerflieder ‚Black Night‘ (Buddleja davidii) ist im sommerlichen Blütengarten schon fast unverzichtbar. Seine dunkelvioletten Blütenrispen ziehen Schmetterlinge in Scharen an. Ein hübscher Kontrast ergibt sich mit den gelben Blüten von Mädchenauge ‚Early Sunrise‘ (Coreopsis grandiflora).

Wer eine niedrigere und einfach blühende Sorte bevorzugt, pflanzt ‚Zagreb‘ (Coreopsis verticillata). Toll passen auch die rubinrote Sonnenbraut ‚Baudirektor Linne‘ (Helenium-Hybride) und Sonnenhut ‚Goldsturm‘ (Rudbeckia fulgida var. sullivantii). Eher selten zu sehen ist der Hänge-Schmetterlingsflieder (Buddleja alternifolia). Sein lavendelblauer, überhängender Blütenregen bildet eine schöne Kulisse für Lavendel (Lavandula angustifolia) und die rosa blühende Sterndolde ‚Elmblut‘ (Astrantia major).

Ausgezeichnete Höhenstaffelung mit Etagenprimel, Farn und Rhododendron. Foto: Karin Stern

Für sommerliche Blüten an sonnigen Standorten sorgen Deutzie, Weigelie und Pfeifenstrauch. So passen die gefüllten Blüten der Deutzie ‚Plena‘ (Deutzia scabra) ausgezeichnet zu Storchschnabel ‚Biokovo‘ (Geranium cantabrigiense), dunkelblau blühendem Rittersporn (Delphinium) und den zartblauen Blüten der Pfirsichblättrigen Glockenblume ‚Blue Boo­mers‘ (Campanula persicifolia). Tipp: Die Stauden nicht zu dicht an die Deutzie setzen, da sich ihre Wurzeln dicht unter der Erdoberfläche ausbreiten. Eine fröhlich-bunte Sommerstimmung schafft die Kombination von Margerite ‚Beethoven‘ (Leucanthemum-maximum-Hybride), Pracht-Storchschnabel ‚Rosemoor‘ (Geranium x magnificum) und violett blühender Lupine ‚Camelot Blue‘ (Lupinus polyphyllus) mit dem dunkelrosafarbenen Flor der Weigelie ‚Purpurea‘ (Weigela florida). Die stark duftenden Blüten des Pfeifenstrauchs ‚Dame Blanche‘ (Philadelphus) arrangiert man am besten mit weißem und rosafarbenem Staudenphlox (Phlox paniculata), rosa Flockenblume (Centaurea dealbata) und den Katzenminzen ‚Grog‘ oder ‚Superba‘ (Nepeta racemosa). Deren blauviolette Blüte vervollständigt das Arrangement. Tipp: Den Pfeifenstrauch alle zwei bis drei Jahre nach der Blüte stark auslichten, dann bleibt er blüh­freudig.

Schneeball-Hortensie ,Annabelle‘ und ihre weißblühenden Begleiter wirken edel. Foto: Karin Stern
Hortensie, Dahlie und Schmuckkörbchen sorgen für ein wahres Blütenfeuerwerk. Foto: Karin Stern

Doch auch in schattigen Bereichen lassen sich Sträucher und Stauden zu tollen Blickfängen zusammenstellen. Hier ergeben sich unendlich viele Kombinationen mit den großen, weißen Blüten der Ballhortensie ‚Annabelle‘ (Hydrangea arborescens). Möglich wird dies dank ihrer langen Blütezeit von Ende Juni bis Anfang September. So bieten sich Sommer- und Herbsteisenhut gleichermaßen als Pflanzpartner an. Aconitum napellus streckt seine blauen Blüten von Juni bis Juli in bis zu 120 cm Höhe. Für Ton-in-Ton-Effekte sorgt die weiß blühende Sorte ‚Album‘. Herbsteisenhut ‚Arendsii‘ (Aconitum carmichaelii) wächst sogar noch etwas höher. Seine Blüten öffnen sich von September bis Oktober. Eine wunderschöne Ergänzung sind die früh blühende Herbst-Anemone ‚Praecox‘ (Anemone hupehensis) oder die Prachtspiere ‚Amethyst‘ (Astilbe-arendsii-Hybride) mit ihren violettrosafarbenen, schlanken Blütenrispen. Wenn sich deren Flor langsam verabschiedet, öffnen sich die Blüten der China-Astilbe ‚Finale‘ (Astilbe-chinensis-Hybride).

Wer Stauden und Sträucher miteinander kombinieren möchte, sollte auf einen ausreichenden Pflanzabstand achten. Zu berücksichtigen ist die Wuchsbreite der Sträucher in einigen Jahren. Man setzt die Stauden in entsprechendem Abstand oder pflanzt sie in zwei, drei Jahren wieder um. Pflanzlücken lassen sich ganz unkompliziert mit Einjährigen und Zwiebelblumen schließen.

Die rotblättrige Fasanenspiere bildet einen schönen Hintergrund für Pfingstrosen und Phlox. Foto: Karin Stern
Die beeindruckende Rose wirkt mit ihren Begleitern gleich nochmal so schön. Foto: Karin Stern
Die gelben Früchte der Gewöhnlichen Pimpernuss (Staphylea pinnata) passen farblich prima zur Blüte des Frauenmantels. Foto: Karin Stern
Die einjährigen Gewürztagetes zu Füßen der Hortensie blühen unermüdlich bis zum Frost. Foto: Karin Stern
Der Japanische Blumen-Hartriegel ,Satomi‘ wurde hier mit Kerzen-Goldkolben und Funkie kombiniert. Foto: Karin Stern
Die verschiedenen Arten des Blumen-Hartriegels bieten auch Varianten fürs Staudenbeet. Foto: Karin Stern


Einigung auf Handelsabkommen steht

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Nach rund zwei Jahrzehnten der Verhandlungen haben die EU und Indien sich auf den Abschluss eines Handelsabkommens geeinigt. In Neu-Delhi unterzeichneten beide Seiten am Dienstag die „Mutter aller Deals“, wie EU-Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen (CDU) die Vereinbarung bezeichnete.

Geschaffen wird ein Wirtschaftsraum mit knapp zwei Milliarden Menschen, der etwa ein Viertel der Weltwirtschaft umfasst. „In dieser zunehmend volatilen Welt entscheidet sich Europa für Zusammenarbeit und strategische Partnerschaften“, erklärte von der Leyen im Anschluss an die Zeremonie.

Nach Angaben der Kommission erreicht der Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen Indien und der EU bislang jährlich einen Wert von mehr als 180 Mrd. €. Durch das Abkommen entfallen für europäische Exporteure Zölle in Höhe von rund 4 Mrd. €. Erwartet wird, dass sich die EU-Ausfuhren im Laufe der Zeit dadurch mehr als verdoppeln. Davon dürften vor allem der europäische Maschinenbau sowie die Automobil- und Chemiebranche profitieren.

Der Agrarsektor ist von der Handelsliberalisierung größtenteils ausgenommen. Der EU-Kommission zufolge beliefen sich die Agrar- und Lebensmittelexporte nach Indien 2024 auf insgesamt 1,3 Mrd. €, was lediglich einem Anteil von 0,6  % an den gesamten Ausfuhren dieser Sektoren entsprach. Es besteht damit erhebliches Potenzial für eine Ausweitung des Handels. Zwar gibt es auch im EU-Agrarsektor Vorbehalte gegenüber einer vollständigen Marktöffnung. Sorgen um die Ernährungssicherung auf indischer Seite dürften aber den Ausschlag gegeben haben, dass sensible Bereiche wie Reis, Rind- und Hühnchenfleisch und auch Zucker vollständig ausgeklammert bleiben.

Vor diesem Hintergrund konnten sich die indischen und europäischen Verhandler dennoch auf viele Handelserleichterungen für einzelne Produkte des Agrar- und Ernährungssektors einigen. Für die EU-Seite senkt Indien beispielsweise seine bislang außerordentlich hohen Zölle auf Wein, Spirituosen, Bier, Olivenöl, Wurstwaren sowie verarbeitete Lebensmittel wie Pasta, Backwaren und Schokolade. Konkret reduziert werden die Zölle mit einer Übergangszeit wie folgt:

– Wein: aktueller Zollsatz 150 %; künftiger Zollsatz 20 % im Premiumsegment beziehungsweise 30 % im mittleren Segment

– Spirituosen: aktueller Zollsatz bis zu 150 %; künftiger Zollsatz 40 %

– Bier: aktueller Zollsatz 110 %; künftiger Zollsatz 50 %

– Olivenöl: aktueller Zollsatz bis zu 45 %; künftiger Zollsatz 0 %

– Kiwis und Birnen: aktueller Zollsatz 33 %; künftiger Zollsatz 10 % innerhalb festgelegter Quoten

– Fruchtsäfte und alkoholfreies Bier: aktueller Zollsatz bis zu 55 %; künftiger Zollsatz 0 %

– verarbeitete Lebensmittel: aktueller Zollsatz bis zu 50 %; künftiger Zollsatz 0 %

– Schaffleisch: aktueller Zollsatz 33 %; künftiger Zollsatz 0 %

– Würste: aktueller Zollsatz bis zu 110 %; künftiger Zollsatz 50 %

Betroffen sind damit vor allem Produkte, die einerseits nur wenige Bedenken bezüglich der heimischen Lebensmittelversorgung in Indien auslösen dürften, andererseits aber wegen ihres hohen Wertschöpfungsgrades großes ökonomisches Potenzial aufweisen.

Dass sensible Teile der EU-Landwirtschaft ausgeklammert werden, begrüßen die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (Copa) und ländlichen Genossenschaften (Cogeca). „Das Abkommen stärkt den Zugang zu einem wichtigen Wachstumsmarkt und erkennt gleichzeitig eindeutig die Notwendigkeit an, die sensibelsten Bereiche der europäischen Landwirtschaft und ihr Produktionsmodell zu schützen“, teilten die Dachverbände mit. Demonstriert werde, dass eine „ambitionierte Handelspolitik“ möglich sei, bei der gleichzeitig Schlüsselaktivitäten der heimischen landwirtschaftlichen Erzeugung geschützt würden.

Der Verband des Agrarhandels (DAH) betonte dagegen, dass der Deal lediglich ein „Sprungbrett“ für weitere Verhandlungen sein dürfe, um eine „echte Freihandelszone“ einschließlich des Agrarsektors zu schaffen. Sensible Agrarprodukte zunächst auszunehmen, sei aber ein pragmatischer Schritt gewesen, um das Abkommen zum Abschluss zu bringen, Indien enger an Europa zu binden und um Abhängigkeiten von China und Russland zu verringern. age

Parlament legt Beratungen auf Eis

EU-US-Deal

Das Gesetzgebungsverfahren zum EU-US-Deal liegt auf Eis. Die Verhandlungsführer aus den politischen Fraktionen haben vergangene Woche vorzeitig den Stopp der Beratungen beschlossen. Hintergrund sind die jüngsten Zoll-Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen mehrere EU-Mitgliedstaaten, die sich hinter die territoriale Integrität Dänemarks und Grönlands gestellt hatten.

Das Abkommen sollte die Zölle auf alle US-Industriegüter aussetzen. Zudem sollte ein Zollkontingentsystem für eine Vielzahl von in die EU importierten US-Agrar- und Lebensmittelprodukten etabliert werden. Der Rat hatte sich Ende November bereits auf einen Standpunkt zur politischen Übereinkunft zwischen EU-Kommission und den USA verständigt. Gefordert wurden darin nur kleinere Anpassungen.

Derweil wird das Abkommen im federführenden EU-Handelsausschuss losgelöst von der Grönland-Frage um einiges skeptischer gesehen. Bereits im Oktober hatte der Vorsitzende des Gremiums, Bernd Lange (SPD), unter anderem Sicherheitsklauseln sowie eine zeitliche Begrenzung des Abkommens eingefordert. Vor Pressevertretern sprach er von einem Angriff der USA auf die Souveränität der EU. Nach Meinung Langes würde das US-amerikanische Zollgebaren in der Grönland-Frage auch die Aktivierung des Instruments gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen rechtfertigen. age

Ein Frühwarnsystem für die Praxis

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Das Innovationsprojekt „DeTail” (Detection of Tail Biting) hat zum Ziel, durch den Einsatz moderner Video- und Analyseverfahren ein frühzeitiges Erkennen von Schwanzbeißen bei Schweinen zu ermöglichen. In den vergangenen Monaten wurden dabei wichtige Fortschritte erzielt – sowohl in der Datenerhebung als auch bei der Entwicklung leistungsfähiger Auswertungsalgorithmen sowie eines praxistauglichen Prototyps. Langfristig soll ein verlässliches Früherkennungssystem in Schweine haltenden Betrieben etabliert werden, das eine frühzeitige und gezielte Unterstützung ermöglicht.

Die Datenerhebung am Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (LVZ) sowie auf drei konventionellen Praxisbetrieben in Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist abgeschlossen. Ein vierter Betrieb der operationellen Gruppe (OG) musste seine Teilnahme aus betrieblichen Gründen beenden. Als Ersatz konnte im Herbst 2025 ein Biobetrieb in das Projekt eingebunden werden. Die dort praktizierte Außenklimahaltung mit Auslauf und Einstreu unterscheidet sich hinsichtlich der Haltungsform von den anderen Betrieben im Projekt. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, den Algorithmus zur Erkennung der Schwanzhaltung auch unter abweichenden Haltungsbedingungen zu erproben.

Entwicklung von Algorithmus und Prototyp

Digitale Unterstützung im Stall soll die frühzeitige Erkennung von Schwanzbeißen ermöglichen.
Foto: Dr. Ariane von Mallinckrodt

Das umfangreiche Datenmaterial bildet die Grundlage für die Entwicklung des digitalen Früh­erkennungssystems. Unter der Leitung von Prof. Jorge Marx Gómez entwickelt die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg (UOL) kontinuierlich den Algorithmus zur automatisierten Erfassung der Schwanzhaltung weiter. Parallel dazu arbeitet die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) unter Verantwortung von Prof. Imke Traulsen an der Definition und Umsetzung eines praxistauglichen Alarmzeitpunktes, der den Betrieben frühzeitig Handlungsspielräume eröffnet.

Im September 2025 wurde am Standort Futterkamp erstmals ein Prototyp direkt im Stall implementiert. Seitdem wird das System im laufenden Betrieb getestet und weiterentwickelt. Langzeitauswertungen unter Praxisbedingungen liefern wichtige Erkenntnisse für die weitere Optimierung.

Am Ende des Projektes sollen die Daten direkt auf den Betrieben ausgewertet und über ein übersichtliches Dashboard bereitgestellt werden. So sollen die Betriebe frühzeitig auf mögliche Schwanzbeißereignisse hingewiesen werden und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten können.

Nächste Schritte im Projekt

In den kommenden Projektphasen werden sowohl standortspezifische Modelle für die beteiligten Betriebe als auch ein übergreifendes, generalisiertes Modell entwickelt werden. Darauf aufbauend ist die Einführung des Prototyps zur Echtzeit-Auswertung in den Stallanlagen der Praxisbetriebe geplant.

Fazit

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines digitalen Assistenzsystems für Schweine haltende Betriebe. Eine umfangreiche Datenerhebung bildet dafür die Grundlage zur Entwicklung und Erprobung der Algorithmen. Darauf aufbauend macht das Projekt gute Fortschritte bei der Entwicklung eines Frühwarnsystems zur Erkennung von Schwanzbeißen. Ein erster Prototyp wird bereits unter realen Stallbedingungen eingesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt.

Wirkungsvoll Insekten das Leben schwer machen

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Der Sommer 2025 war in Schleswig-Holstein ungewohnt feucht. Viele Betriebe mussten ihre Ernte mehrfach unterbrechen, und selbst in kurzen Erntefenstern blieb das Korn selten richtig abgetrocknet. Der Trocknungsbedarf lag deutlich über dem, was wir aus den Vorjahren kannten. Nach mehreren vergleichsweise unkomplizierten Ernteperioden sind dadurch in diesem Jahr wieder Lücken in der Lagertechnik sichtbar geworden, vor allem dort, wo Belüftung und Trocknung nicht mehr ganz zur aktuellen Situation passten.

Hinzu kam, dass in einigen Betrieben neue Mitarbeiter erstmals Verantwortung im Handling des frisch eingelagerten Getreides übernommen haben. Erfahrungslücken bei Feuchteeinschätzung, Lüftungsmanagement und Reinigungsabläufen haben die Situation zusätzlich erschwert. All das führte dazu, dass in manchen Lagern wieder typische Probleme wie Kondensation, warme Nester oder unruhige Temperaturverläufe aufgetreten sind.

Gerade weil das Wetter immer unberechenbarer wird, gewinnt die Hygiene im Getreidelager weiter an Bedeutung. Die letztjährige Ernte hat klar gezeigt, wo Systeme an ihre Grenzen kommen und welche Abläufe im Betrieb nachjustiert werden müssen, um Qualität und Lagerstabilität zuverlässig zu sichern.

Mehlkäfer treten häufig in Altgebäuden auf. Aufgrund des langen Generationenintervalls gestaltet sich die Bekämpfung schwierig.

Typische Schädlinge im Getreidelager

Kornkäfer

Der bekannteste Schädling im Getreidelager ist der Kornkäfer (Sitophilus granarius). Er befällt nahezu alle Druschfrüchte, geht jedoch an Hülsenfrüchten zugrunde und ist dort selten anzutreffen. Kornkäfer gelangen oft mit der Erntekette ins Getreidelager und sind an ihrem 2 bis 5 mm großen, dunkelbraunen Körper mit einem rüsselförmigen Kopf erkennbar. Typische Schäden sind angefressene Körner. Auch scheinbar unbeschädigte Körner können befallen sein, da der Kornkäfer das Eiablage-Loch wieder verschließt. Die Aktivitäten der Käfer erhöhen die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Lager, was Sekundärschäden durch Milben und Schimmelpilze fördern kann. Kornkäfer bevorzugen Getreidearten, aber auch Nüsse, Trockenobst und -gemüse und benötigen eine Mindesttemperatur von 13 °C für ihre Mobilität. Ihre Weibchen legen 200 bis 300 Eier. Wenn die Erntetemperatur von etwa 25 °C nicht schnell genug heruntergekühlt wird, dauert die Entwicklung vom Ei bis zum Käfer etwa einen Monat. In unseren Lagern entwickeln sich etwa drei bis vier Generationen pro Jahr. Kornkäfer sind verhältnismäßig langlebig. Auch wenn ein Getreidelager nach guter fachlicher Praxis auf unter 10 °C gekühlt wird, kann dieser Käfer bis zu zwei Jahre überleben. Dies bedeutet, dass bei einem Befall nicht nur das Lagergut zu behandeln ist, sondern auch eine gründliche Leerraumbehandlung stattfinden muss.

Getreideplattkäfer

Ein weiterer wichtiger Schädling ist der Getreideplattkäfer (Oryzaephilus surinamensis), der mit 2 bis 3 mm etwas kleiner als der Kornkäfer ist, aber ebenso gefährlich. Dieser Käfer ist flugfähig, jedoch nur bei Temperaturen über 18 °C. Befall mit Getreideplattkäfern deutet meist auf eine unzureichende Kühlung hin. Die Käfer werden von der Aromafahne des gelagerten Getreides angezogen und können aus bis zu 2 km Entfernung das Lager besiedeln, wenn die Außentemperatur über 18 °C liegt. Technisch unzureichende Kühlsysteme, wie etwa Drainage-Schläuche, benötigen zu viel Zeit, um die Ernte- beziehungsweise Trocknungstemperatur im Endlager herunterzukühlen, sodass das Risiko eines Befalls mit Getreideplattkäfern gegeben ist. Dieser Käfer verfügt über verhältnismäßig schwache Mundwerkzeuge und bevorzugt bereits angefressene Körner und Bruchkorn. Die Verringerung des Bruchkornanteils durch eine Vorreinigung ist eine bewährte prophylaktische Maßnahme.

Getreidekapuziner

Der dritte Käfer im Bunde ist der Getreidekapuziner (Rhizopertha dominica), dessen Halsschild, wie der Name schon vermuten lässt, über den Kopf wie eine Art Kapuze herüberragt. Dieser Käfer ist 2,5 bis 4 mm groß, hat eine zylindrische Gestalt und ist rotbraun gefärbt. Im Gegensatz zu den vorher genannten Käfern ernährt sich dieser von den eiweißhaltigen Bestandteilen des Korns und ist für eine Qualitätsminderung verantwortlich. Der Getreidekapuziner ist relativ unempfindlich gegenüber den handelsüblichen Kontaktinsektiziden, benötigt jedoch eine Temperatur von über 20 °C. Bei konsequenter Kühlung nach guter fachlicher Praxis ist ein Befall im Getreidelager daher eher unwahrscheinlich.

Mehlkäfer

Vornehmlich in älteren Speichern mit einem großen Anteil an Holzbauten findet man in regelmäßiger Häufigkeit den Mehlkäfer (Tenebrio molitor). Dieser ist in Mitteleuropa weit verbreitet und auch im Freiland zu finden, wo diese Art unter anderem in Vogelnestern und Totholz vorkommt. Mehlkäfer sind mit bis zu 18 mm relativ groß. Sie sind zwar flugfähig, machen jedoch selten davon Gebrauch. Einer der häufigsten Besiedelungswege führt über bereits befallene Ware oder aber über das Eindringen von Vögeln ins Getreidelager, die im Federkleid Eier oder Puppen transportieren. Daraus folgt unter anderem, dass ein Getreidelager vogeldicht sein sollte. Die Bekämpfung ist relativ schwierig, da durch Kontaktinsektizide meist nur die adulten Käfer erreicht werden. Der Entwicklungszyklus beträgt etwa ein Jahr, was die Behandlung erschwert. Als nachhaltige Lösung hat sich gerade in Getreidespeichern eine Kieselgurbehandlung in Kombination mit Pheromonfallen bewährt.

Motten und Milben im Getreidelager

Mehl- und Speichermotte

Zu den weit verbreiteten Lagerschädlingen gehören auch die Mehlmotte (Ephestia kuehniella) und die Speichermotte (Ephestia elutella). Man findet sie vornehmlich in Flachlagern und Altgebäuden. Das Schadbild ist gekennzeichnet durch Gespinste, die Förderwege verstopfen und Kondensatbildung begünstigen, was sekundäres Pilzwachstum fördert. Motten werden vornehmlich mit gasförmigen Kontaktinsektiziden wie Dedevap Green und Insektinil bekämpft. Zur Regulierung des Auftretens der Motten in Altgebäuden kann mit UV-Licht- und Lockstofffallen gearbeitet werden.

Mehl- und Staubmilben

In den vergangenen Jahren traten in neueren Lagergebäuden manchmal Staub-, vornehmlich jedoch Mehlmilben (Acarus siro) als sogenannte sekundäre Lagerschädlinge auf. Da es sich hierbei nicht um Insekten, sondern um Spinnentiere handelt, ist eine Behandlung mit Kontaktinsektiziden sinnlos. Als gut funktionierend hat sich eine Behandlung mit Phosphorwasserstoff erwiesen, jedoch ist dieses Verfahren nur etwas für professionelle Schädlingsbekämpfer. Mehlmilben treten aufgrund zu hoher relativer Luftfeuchtigkeit im Getreidelager auf. Wird die relative Luftfeuchtigkeit konstant unter 75 % gehalten, sind die Lebensbedingungen für die Mehlmilbe so verschlechtert, dass sie sich nicht im Getreidelager etablieren kann. Die relative Luftfeuchtigkeit oberhalb des Getreidestapels mit einem Feuchtegehalt von 15 % und 20 °C Stapeltemperatur beträgt nicht mehr als 67 %. Das bedeutet für die Praxis: Sind Mehlmilben zu finden, liegt im Lager ein feuchtes Nest oder ein unzureichend arbeitendes Kühlsystem vor.

UV-Lichtfallen sind ein probates Mittel zur Regulierung von Motten im Getreidelager.
Technisch bedingte Restmengen müssen schnellstmöglich entfernt werden.
Einregnungen im Getreidelager erhöhen die biologische Aktivität des Lagergutes, was in der Folge zum Attraktor für Schadinsekten wird.

Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung

Eine fachgerechte Kühlung ist der Schlüssel, um die Besiedelung und Etablierung von Schädlingen im Lager zu verhindern. Wenn ein Befall festgestellt wird, ist es wichtig, die Schädlinge korrekt zu identifizieren und eine geeignete Bekämpfungsstrategie zu wählen. Eine weit verbreitete Methode ist die Begasung mit Phosphorwasserstoff, die jedoch nur in geschlossenen Räumen möglich ist. Bei Befall im Flachlager werden die betroffenen Partien luftdicht mit Folie verschlossen. Dieses Verfahren ist sehr aufwendig und wird, wie schon gesagt, nur von professionellen Schädlingsbekämpfern angewendet. Eine mehrmalige Behandlung ist immer notwendig, da die Larven der beschriebenen Käfer eine sehr geringe Atemfrequenz haben und die Mortalität pro Behandlung nur bei zirka 50 % liegt.

Bei akutem Befall ist eine Behandlung mit Kontaktinsektiziden wie K-Obiol EC 25 möglich. Dabei sollte das behandelte Getreide noch einige Tage in der Lagerzelle verbleiben, da die Behandlung den Feuchtegehalt um etwa 0,5 % erhöht. Eine anschließende Kühlung ist notwendig, um die Feuchtigkeit wieder zu entziehen. Eine mechanische Reinigung des behandelten Getreides über einen Windsichter ist ratsam, jedoch nicht zwingend notwendig. Behandlungen mit 99 % Stickstoff oder Kohlendioxid sowie die Heißluftentwesung sind Verfahren, die zwar in der Lagerhaltung vorzufinden sind, jedoch in der Landwirtschaft nur selten angewandt werden.

Prophylaxe statt Nachbehandlung

Da Getreidelager in der Regel nur temporär gefüllt sind und eine überjährige Lagerung selten stattfindet, sollte die Schädlingsprophylaxe ein wesentlicher Bestandteil der Lagerhaltung sein. Prophylaktische Maßnahmen sind deutlich günstiger als die Reaktion auf einen Befall und verhindern die Verschleppung von Schädlingen in die nächste Lagerperiode.

Mechanische Reinigung des Lagers

Vor jeder prophylaktischen Maßnahme ist eine gründliche mechanische Reinigung des Getreidelagers notwendig. Alle Lagergut­rückstände sollten entfernt werden, auch an schwer zugänglichen Stellen. Risse und Spalten können mit Silikon verschlossen werden, da Bauschaum zu porös ist und als Reservoir für Schädlinge dienen kann. Auch von einer Reinigung mit einem Baukompressor, wie man es häufiger sieht, ist abzuraten, da hier der Staub lediglich gleichmäßig über die gesamte Getreideanlage verteilt wird. Rundsilos sollten je nach Umschlagshäufigkeit alle fünf bis acht Jahre eine intensive Innenreinigung erfahren, denn gerade hier sammeln sich Staub- und Kaffbestandteile im Dachbereich an und bilden dort ein Reservoir für Lagerschädlinge.

Chemische Leerraumbehandlung

Produkte wie K-Obiol EC 25 oder pyrethrinhaltige Nebelpräparate eignen sich gut zur Leerraumbehandlung. Diese Präparate erreichen auch versteckte Schädlinge, jedoch sind mehrmalige Behandlungen notwendig, da der Wirkstoff durch Licht zersetzt wird. Nebelpräparate eignen sich darüber hinaus hervorragend, um baulich schwer zugängliche Stellen wie Entnahme-Trogkettenförderer und Vollbelüftungsböden in Rundsilozellen in die Leerraumbehandlung einzubeziehen, sodass kein Reservoir für Lagerschädlinge übrig bleibt.

Kieselgur als effektive Maßnahme

Der Einsatz von amorpher Kieselgur ist nach EU-Richtlinien zulässig und eine effektive Maßnahme gegen Schädlinge. Kieselgur zerstört die Fett- und Wachsschicht der Insekten, wodurch diese austrocknen. Untersuchungen des Bundesinstitutes für Risikobewertung haben ergeben, dass selbst der Getreidekapuziner nach spätestens neun Tagen eingeht. Kieselgur kann in Konsumgetreide mit bis zu 1 kg/t und in Futtergetreide mit bis zu 2 kg/t eingesetzt werden. Auch wenn der Einsatz von Kieselgur zulässig ist, sollte diese Maßnahme mit der aufnehmenden Hand besprochen werden, da einige Abnehmer den Einsatz von Kieselgur aufgrund der verschlechterten technischen Verarbeitung ablehnen.

Einsatz von Nützlingen

Nützlinge wie die Lagererzwespe, das Getreideplattkäfer-Wespchen und die Getreideraubmilbe sind eine elegante Methode, um vor Schädlingsbefall zu schützen. Der Einsatz von Nützlingen ist jedoch zeitlich und räumlich begrenzt und muss vor der Besiedelung des Getreidelagers mit Schädlingen erfolgen. Gerade in großen konventionellen Flachlagern mit Volumen von mehr als 2.000 t oder bei diskontinuierlicher Befüllung ist der Nützlingseinsatz nur schwerlich realisierbar. Eine gründliche mechanische Reinigung des Getreidelagers, eine chemische Leerraumbehandlung sowie ein gut funktionierendes Kühlsystem sind wesentliche Garantien dafür, dass auch die Ware verkauft werden kann, die in der Ernte eingelagert wurde.

Fazit

Eine fachgerechte Lagerhaltung und Hygiene im Getreidelager sind entscheidend, um Qualitätsverluste und Schädlingsbefall zu verhindern. Durch die Kombination von prophylaktischen Maßnahmen wie gründlicher Reinigung, chemischer Leerraumbehandlung und dem Einsatz von Nützlingen sowie einer sorgfältigen Überwachung und Behandlung bei Befall kann die Lagerung von Getreide optimiert werden. Letztendlich sichern diese Maßnahmen die Qualität und Handelsfähigkeit des Getreides über die gesamte Lagerperiode hinweg.