Starkes Stammholz lässt sich gut vermarkten, wenn die Qualität stimmt. Bei den sogenannten Totast-Erhaltern ist dazu eine aufwendige Entastung in jungen Jahren notwendig. Im Folgenden wird erläutert, welche Faktoren dabei zu beachten sind.
Das Ziel der meisten Forstbetriebe in unserem Naturraum ist es, hochwertiges und starkes Stammholz zu gewinnen. Solche Werthölzer lassen sich wirtschaftlich interessant auf den Wertholzsubmissionen oder -versteigerungen vermarkten. Nach den Jahren von Trocknis, Borkenkäferbefall und Windwürfen sind große Kulturflächen entstanden, auf denen Mischbestände mit zusehends standortgerechteren und vielfältigeren Baumarten aufgebaut werden.
Viele Punkte berücksichtigen
Mit zunehmendem Alter dieser Kulturen stellt sich in den kommenden Jahren die Frage, ob und wie diese Bäume so herausgepflegt und gefördert werden können, dass sie das angestrebte Klassenziel erreichen. Die Wertastung ist eine intensive, kostenträchtige Maßnahme, für die nur einige Baumarten und ausgewählte Zukunftsbäume infrage kommen. Wer sich dazu entscheidet, sollte einen günstigen Zeitpunkt und die richtige Technik wählen.
Die Baumarten und -auswahl
Es werden grundsätzlich nur Baumarten geästet, die als „Totast-Erhalter“ gelten, also nicht über eine gut funktionierende natürliche Astreinigung verfügen. Hierzu zählen neben den Nadelhölzern vor allem die Kirsche und Nussbaumarten. Eine Ästung von Esche, Buche oder Ahorn ist dagegen weder nötig noch sinnvoll.
Vor der Maßnahme muss der Bestand gut vorbereitet sein. Dazu zählt ein fertig angelegtes Rückegassensystem. Es bewahrt davor, dass bereits geästete Bäume doch noch umgesägt werden müssen, weil sie auf einer zu spät geplanten Gasse im Weg stehen. Eine weitere zwingend durchzuführende Vorbereitung ist die Auswahl der Bäume. Hier gilt: Klasse vor Masse! Nur gute Zukunftsbaumkandidaten werden ausgesucht und markiert. Kleiner Anhalt: Mindestabstand der Z-Stämme zueinander: 7 bis 8 m; dies entspricht einer Anzahl von 150 bis 200 Z-Bäumen pro Hektar und gilt als absolute Höchstgrenze.
Da zum Erntealter ein astfreier „Speck“ von mindestens zwei Dritteln des Durchmessers erreicht werden soll, muss zeitig genug begonnen werden – etwa bei Erreichen einer „Bierkrugstärke“, also rund 15 cm Durchmesser.
Beginn der Ästung und Aststärke
Die maximale Aststärke bei einer Grünästung beträgt 3 bis 4 cm. Nur bis zu solchen Stärken vermag der Baum die Wunde zügig zu überwallen und zu verschließen. Sind die Äste jedoch stärker, ist dies ein Ausschlusskriterium für eine Ästung.
Die richtige Ästungshöhe
Die Bäume brauchen eine ausreichend große grüne Krone, sonst wird ihr Zuwachs zu sehr geschwächt. Bei Nadelholz sollte die Krone nach der Ästung noch etwa ein Drittel, bei Laubholz knapp die halbe Baumlänge betragen. Daher wird die Ästung auch in mehreren Schritten vorgenommen. Das Ästungsziel ist eine etwa 6 m hohe astfreie Zone, wobei diese Höhe bei Nadelholz (Douglasie) gegebenenfalls deutlich überschritten und bei Laubholz unterschritten werden kann (ein 4 m langer Furnierstamm hat auch sein Ziel erreicht).
Günstige Jahreszeit
Eine Totästung – also das Entfernen bereits abgestorbene Äste – kann ganzjährig vorgenommen werden. Bei der Grünästung gibt es zwei Zeitfenster:
– Februar bis März: ausgehender Winter vor dem Saftanstieg; zu dieser Zeit entstehen weniger Rindenbeschädigungen und die Überwallung startet bald; dies gilt für alle Baumarten.
– Juni bis August: Bei Douglasien kann durch eine Ästung während der Vegetationszeit dem Befall mit der Pilzkrankheit Phomopsis pseudotsuga (Rindenschildkrankheit) wirksam vorgebeugt werden. Auch bei der Kirsche ist eine Ästung zur Zeit der Kirschenreife um Juli/August möglich. Warum kann es sinnvoll sein, den Ästungszeitpunkt vom Winter in die Vegetationszeit zu verlegen? Im Winter sind Frostschäden möglich, das Kambium kann austrocknen und damit einhergehend drohen eine Wundvergrößerung und der Eintritt von pilzlichen Erregern. Generell wird die Wunde in der Vegetationszeit rascher überwallt.
Werkzeug und Ästungstechnik
Im Handel gibt es ein reichhaltiges Angebot von Ästungssägen, die auf Zug arbeiten. Außerdem werden Astscheren benötigt. Hier sind Bypassscheren den Ambossscheren (Quetschungsgefahr) vorzuziehen. Neu sind Akkuscheren, die die Anwender entlasten und im besten Fall mit einem Schnittschutzsystem ausgestattet sind. Zu späteren Zeitpunkten kommen Gestängesägen und/oder die Leiterästung zum Einsatz. In jedem Fall ist auf gut geschärftes Material zu achten. Damit wird vermieden, dass der Schnitt ausfranst und das Überwallen und Verschließen der Wunde länger braucht.
Bei der Ästung kommt es auf die richtige Schnittführung an. Hier gelten folgende Regeln:
– Der Schnitt wird senkrecht zur Astachse geführt; das entspricht meist nicht einer Parallele zur Stammachse.
– Trägt der Ast am Ansatz einen Wulst, so wird er glatt vor diesem Ring abgeschnitten, ohne ihn zu verletzen oder gar komplett abzuschneiden. Bei richtiger Schnittführung entsteht auf diese Weise die kleinstmögliche Wunde, die dann durch das unverletzte Wulstgewebe schnell überwallt werden kann. Ist kein Astwulst ausgebildet, wird der Ast rindeneben abgeschnitten.
– Auf keinen Fall dürfen Stummel oder „Kleiderhaken“ stehen bleiben, denn der Baum vermag diese nicht zu überwallen und richtig abzuschotten.
– Längere, stärkere Äste werden vorher durch einen Entlastungsschnitt gekürzt, um ein Einreißen zu verhindern.
Es ist ratsam, sowohl die noch zu ästenden als auch die bereits geästeten Z-Bäume gut sichtbar zu markieren. Hilfreich ist außerdem die Führung eines Baumkatasters, mit dem genau nachvollzogen werden kann, wann wo bis zu welcher Höhe bei welchem Stammdurchmesser geästet wurde.
Wer die oben genannten Hinweise beherzigt, kann nur noch wenig falsch machen. Trotzdem sei angeraten, vor Beginn der Ästung den Rat des betreuenden Försters beziehungsweise der Försterin einzuholen.




