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Friedlich grasen die Schafe im Mondschein auf der ökologischen Versuchsfläche in Barlt (Foto). Aber der Schein trügt. Die Vorbereitungen zur Saat der Sommerungen laufen auf Hochtouren. In den Hallen wird Saatgut abgewogen, Drillpläne werden erstellt und letzte Versuchsvarianten abgestimmt.
Auch auf Praxisflächen sieht man, dass der eine oder andere die Frosttage zum Pflügen genutzt hat. Dies sollte auch bei den nächsten Minusgraden priorisiert werden, denn Sommerungen danken einen frühen Saattermin durch bessere Bewurzelung und stabilere Bestandesdichten.
Sowohl die für angedachten Sommerungen als auch die etablierten Winterungen ist die Nährstoffversorgung zu konkretisieren. Auch bei regelmäßiger organischer Düngung sind ökologisch bewirtschaftete Flächen oft schlecht mit Kali versorgt. Besonders Leguminosen (auch Kleegras), aber auch Stoppelgetreide profitieren von einer Düngung. Der Schwefelbedarf von Getreide und Leguminosen liegt bei zirka 25 kg S/ha. Mit Schwefel in Sulfatform sollte bis Anfang März gewartet werden, da bei wenig Wachstum und viel Niederschlag eine Verlagerung in tiefere Bodenschichten droht.
Wirtschaftsdünger dürfen wie alle stickstoff- und phosphathaltige Düngemittel nicht auf gefrorenen Boden gefahren werden. Bereits Anfang Februar gab es Ausbringgelegenheiten ohne Frost. Generell gilt für die Wirksamkeit von organischen Düngern, dass ein früher Zeitpunkt von Vorteil ist. Zu beachten ist, dass bei niedriger Luftfeuchte und Wind die Ausgasung von Ammoniak am höchsten ist. Gärreste sind hier besonders gefährdet. Um möglichst viel des wertvollen Stickstoffes für die Pflanzen zur Verfügung zu haben, sollte man Verluste vermeiden. Dies geschieht am besten durch verlustarme Ausbringtechnik, schnelles Einarbeiten (eine Stunde ist Pflicht) und regnerische Witterung nach der Maßnahme. Ein Wissen um die Nährstoffgehalte von Wirtschaftsdüngern, hilft diese zielgerichtet einzusetzen. Daher empfiehlt es sich Proben zur Analyse zu ziehen.
Die im Herbst bestellten Bestände präsentieren sich aktuell ausreichend üppig. Auf den Ökoversuchsfeldern der LKSH erreicht die am 21. September gedrillte Wintergerste in Futterkamp bis zu 95 % Bodenbedeckung. Restverkrautung nach den Striegelgängen im Herbst hatte in den Warmphasen im Dezember Zeit, sich weiterzuentwickeln. Hier heißt es, bereitzustehen für die nächsten mechanischen Maßnahmen bei abgetrocknetem Boden.
In der Kieler Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung der Christian-Albrechts-Universität ist seit 2020 die Ausstellung „Female Remains – Frauenschicksale und die Vermessung der Geburt“ zu sehen. Sie zeichnet den Lebensweg von fünf armen, ledig schwangeren Patientinnen der früheren Hebammenlehr- und Gebäranstalt zu Kiel nach.
In der Präsentation befindet sich auch ein Vitrinenschrank aus dem 19. Jahrhundert mit 31 weiblichen Beckenknochen. Sie wurden im Namen der Forschung Verstorbenen entnommen, bei denen die Geburt aufgrund ihrer Beckenform Komplikationen verursachte.
Elisabeth Heimann
Ein Lebensweg in der Ausstellung erinnert an Elisabeth Heimann (1819-1847), eine Magd in der Landwirtschaft. Sie wird als Tochter eines Gutstagelöhners geboren. Ihre Mutter stirbt, als Elisabeth neun Jahre alt ist. Sie und die vier Geschwister wachsen in prekären Lebensumständen auf. Die junge Frau beschreitet deshalb den typischen Weg eines Dienstmädchens.
Gustav Adolph Michaelis Repro: Silke Bromm-Krieger
Nach verschiedenen Beschäftigungen tritt sie am 1. Mai 1844 ihre Stelle als Magd auf einem großen Milchbauernhof in Neu-Bokhorst bei Schillsdorf an. Doch wegen einer Schwangerschaft, Kindsvater unbekannt, wird sie am 8. Februar 1847 entlassen. Am 31. Mai nimmt sie die Gebäranstalt auf. Wehen setzen am 18. Juni ein, aber nach drei Tagen ist ihr Kind immer noch nicht geboren. Ihr Becken ist sehr eng, der Kindskopf groß. Der damalige Leiter der Gebäranstalt, Gustav Adolph Michaelis (1798-1848), entscheidet sich für einen Kaiserschnitt. Das Ungeborene stirbt aber bereits vor dem Eingriff im Mutterleib. Am 22. Juni ist auch die 28-jährige Elisabeth tot. Die Obduktion bestätigt eine massive Entzündung des Unterleibs und schwere Verletzungen durch die Entbindung des toten Säuglings. Das Obduktionsprotokoll endet mit den Worten „Becken conserviert“.
In Schleswig-Holstein und anderswo sind zu dieser Zeit Leichname von im Wochenbett gestorbenen, unehelich Schwangeren für den Gebrauch zu anatomischen Zwecken freigegeben. Im allgemeinen Bewusstsein werden derlei Sektionen als Strafe empfunden.
Die tragische Geschichte von Elisabeth Heimann ist kein Einzelfall. Im 19. Jahrhundert gibt es für arme, ledige, schwangere Frauen, ob in der Stadt oder auf dem Land, fast keine Unterstützungsangebote. Auf die Schwangerschaft einer unverheirateten Frau aus benachteiligten Gesellschaftsschichten reagieren Obrigkeit und Umfeld mit Härte und Unverständnis. Häufig verliert die Betroffene nicht nur die Arbeitsstelle, sondern ihren sozialen Ruf. Eine eigene Heimstatt, in der sie ein Kind zur Welt bringen könnte, hat sie oft nicht. Die Kosten für eine Hebamme kann sie nicht zahlen. In vielen Fällen als Halb- oder Vollwaise aufgewachsen, als Kostkind in eine oder mehrere Pflegefamilien gegeben, fehlt ihr ein zuverlässiges familiäres oder soziales Hilfsnetz. Zudem droht bis in das Jahr 1857 hinein eine sogenannte Unzuchtsstrafe.
Die genaue Einrichtung des Entbindungszimmers im Gebärhaus ist nicht bekannt. Entbindungsbetten wie dieses, waren aber verbreitet. Repro: Silke Bromm-Krieger
Gebäranstalten wie die 1805 in Kiel eröffnete zielen darauf ab, diese Verhältnisse langfristig zu ändern. Sie sind für manche betroffene Frauen, die hier kostenlose Geburtshilfe erhalten, der einzige Ausweg. Ein Attest über eine dort erfolgte Geburt und Taufe des Kindes ermöglicht ihnen zudem Straffreiheit.
Die Mediziner, die den Anstalten vorstehen, sehen jene zunächst hauptsächlich als Stätten der Forschung an. „Dementsprechend wurden die dort unterkommenden Frauen immer auch als Versuchspersonen verstanden und gebraucht. Ein Mitspracherecht wurde ihnen dabei kaum zugestanden. Und auch in den Gebärhäusern blieb der Tod trotz und zum Teil gerade durch die medizinische Versorgung ein ständiger Begleiter von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett“, schreiben Prof. Dr. Ibrahim Alkatout und Dr. Christian Hoffarth im Vorwort ihres Buches zur Ausstellung mit dem Titel „arm ledig schwanger – Die Kieler Gebäranstalt des 19. Jahrhunderts als Spiegel medizinischer und sozialer Herausforderungen“.
Wibke Butenschön
Diese traurige Erkenntnis trifft ebenso auf das Dienstmädchen in der Landwirtschaft Wibke Butenschön (1828-1860) zu. Sie wird am 23. Oktober 1828 in Nortorf geboren. Die Familie leidet Not. Der Vater stirbt 1838 im Armenhaus. Alle fünf Kinder sind an Rachitis erkrankt, einer Störung des Knochenstoffwechsels. Diese zeigt sich in weichen Knochen, die sich unter der Last des Körpergewichts verformen.
Im 19. Jahrhundert treten unter der armen Bevölkerung ausgeprägte Formen der Krankheit auf. Sie äußern sich zum Beispiel in einem Buckel, O- oder X-Beinen, einem eingefallenen Brustbein oder einer Beckenverformung. Die Geschwister von Wibke erreichen lediglich das Kindesalter. Sie selbst bewegt sich bis zum 12. Lebensjahr nur kriechend fort. Mit 14 Jahren schafft sie es, langsam und wackelnd ohne Stütze zu gehen. Mit ihrer körperlichen Behinderung arbeitet sie dennoch als Dienstmädchen, zunächst in Nortorf, später in Borgdorf.
Mit 31 Jahren erwartet die Unverheiratete ein Kind vom Webergesellen Heinrich Brandt. Daraufhin verliert sie vermutlich ihre Arbeit auf einem Hof des Gutes Emkendorf. Wibke weiß nicht wohin. Acht Wochen vor der Geburt sucht sie die Kieler Gebäranstalt auf. Sie ist sehr klein (120 cm), blass und hat einen ausgeprägten Hängebauch. Die Vermessung des Beckens ergibt eine hochgradige Verengung. Schwierigkeiten bei der Niederkunft sind absehbar.
Carl Conrad Litzmann Repro: Silke Bromm-Krieger
Am 23. Oktober 1860 wird Wibke durch einen damals hochriskanten Kaiserschnitt von Carl Conrad Litzmann (1815-1890), Leiter der Gebäranstalt von 1849-1885, entbunden. Drei Tage später stirbt sie, doch ihre kleine Tochter Caesarine Caroline lebt. Sie wird zunächst von anderen Wöchnerinnen gestillt. Am 15. Dezember 1860 teilt die Gutsverwaltung Emkendorf dem Pastorat Nortorf mit, dass sie die Heimatrechte des Mädchens anerkennt. Damit verpflichtet sich das Gut, für seinen weiteren Unterhalt zu sorgen.
Im gesamtgesellschaftlichen Kontext waren die armen, unverheirateten Schwangeren, die in die Gebäranstalt kamen, eine überschaubare Gruppe. Meist stammten sie aus ländlichen Gebieten, waren von früher Jugend an als Gesinde tätig, arbeiteten bei wechselnden Arbeitgebern als Hilfskräfte für Kost und Logis in Landwirtschaft, Handwerk und Haushalt.
Noch heute ist wenig über sie und ihre beklemmenden sozialen Bedingungen bekannt. „Zum einen wurde in den ländlichen Regionen und über ihre Bewohner wesentlich weniger Schriftgut produziert als im städtischen Raum, zum anderen ist auf dem Land zumeist weniger davon bewahrt worden. In den Archiven und Bibliotheken Schleswig-Holsteins und seiner Nachbarländer finden sich folglich nur relativ wenige Unterlagen, die einen tiefen Einblick in die Lebensumstände armer Menschen im 19. Jahrhundert, insbesondere in den ländlichen Regionen, erlauben“, bemerken Alkatout und Hoffarth in ihrer Publikation.
Litzmann untersuchte die seltensten Beckenformen. Dieses schräg-verschobene Becken überließ ihm ein Kollege aus Dresden. Repro: Silke Bromm-Krieger
Trotzdem gelang es den Autoren, 14 Lebenswege von Wöchnerinnen der Gebäranstalt, denen man posthum das Becken entnommen hatte, als ein Zeugnis ihrer Existenz zu rekonstruieren. Unter ihnen sind die fünf Patientinnen aus der Ausstellung: Elisabeth, Wibke, Magdalena, Engel und Katharina.
Die sehenswerte Schau beschäftigt sich außerdem mit dem Verhältnis zwischen Patientinnen, Hebammen und Geburtshelfern und erläutert die historische Forschung zum Verständnis des Geburtsvorgangs. Sie regt die Museumsbesucher interaktiv an, den Umgang mit den Frauen und ihren sterblichen Überresten zu diskutieren und sich selbst eine Meinung zu bilden. Mehr Infos unter med-hist.uni-kiel.de
Literatur
Ibrahim Alkatout und Christian Hoffarth: „arm ledig schwanger – Die Kieler Gebäranstalt des 19. Jahrhunderts als Spiegel medizinischer und sozialer Herausforderungen“, Solivagus Verlag, 28 €
ISBN: 978-3-947064-19-9
Die Autoren vollziehen in 14 Patientinnengeschichten ihr Leben und Sterben nach. Sie erklären die gesetzlichen Bedingungen, unter denen sich ledige Schwangere bewegten, und informieren über Geburtshilfe ab dem 19. Jahrhundert.
Ein Blick in die Ausstellung Foto: Silke Bromm-KriegerKamen bei der Geburt zum Einsatz: Hörrohr, Chloroform-Besteck, Dusche und eine Mühle für Mutterkorn, das als Wehenmittel diente Foto: Silke Bromm-KriegerLange führten Hebammen Geburten allein durch. Die Karikatur von Isaac Cruikshank (Wellcome Collection London, 1784) polemisiert gegen den damals neuen, männlichen Geburtshelfer. Repro: Silke Bromm-KriegerOP-Instrumente waren für eine Entbindung bei verengtem Becken unentbehrlich. Die Zange wurde zum Symbol der medizinischen Geburtshilfe. Foto: Silke Bromm-Krieger
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, entdeckte Silke Zuba früh ihre Leidenschaft für Pferde. Mit 18 Jahren konnte sie ihren Vater überzeugen, sich gemeinsam eine Stute zu kaufen. Die damals begonnene Zucht besteht bis heute und wird inzwischen in der nächsten Generation betrieben.
Ihr erstes Pferd kaufte Silke Zuba, damals noch Gehrts, mit ihrem angesparten Konfirmationsgeld. „Leider reichte es nicht, aber mein Vater legte den Rest dazu“, erinnert sich die heute 62-Jährige. Klaus-Wilhelm Gehrts war ebenfalls auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen und kannte noch die Arbeit mit den Pferden auf dem Acker. Doch nun sollte es kein Arbeitspferd sein. Sie fanden eine tragende Holsteiner Stute mit hohem Vollblutanteil: Marotte von Sacramento Song xx-Korenbleem xx aus dem Stamm 18a2.
Sechs Wochen nach dem Kauf wurde das erste Fohlen von Calando I bei Familie Gehrts geboren. Kurz wurde überlegt, ob Silke Zuba nun auf Marotte reiten könnte, doch die Stute hatte eine Narbe an der Schulter. Vor allem aber nahm sie ihren Namen genau. „Sie war sehr eigen“, erinnert sich Zuba heute lachend. Das Reiten gab sie trotzdem nicht auf. „Witzigerweise war mein erfolgreichstes Pferd ein Hannoveraner“, berichtet sie. Sie habe viele L- und M-Springen gewonnen und sei auch in Klasse S platziert gewesen.
Doch vor allem begann damals eine schöne Züchtergeschichte, denn die Liebe zu Pferden sollte Vater und Tochter in den nächsten Jahren zusammenschweißen. Marotte wurde Linienbegründerin mehrerer Hengste und erfolgreicher Sportpferde. Sie bekam noch fünf weitere Fohlen. „Wir haben viermal Landgraf und einmal Caletto II eingesetzt“, erinnert sich Zuba. Für die Besamung fuhr man damals noch auf die Hengststationen, alles passierte im Natursprung. Doch die Stute ließ sich kaum anfassen. „Einmal sollten wir zur Nachbesamung, konnten sie aber nicht einfangen“, erzählt Zuba. Zum Glück war Marotte schon tragend.
Von den Fohlen behielten die Züchter Winnipeg und Zürich. Winnipeg brachte die gekörten Hengste Lasandos und Larson sowie mit Orchidee eine Staatsprämienstute und über ihre Tochter Fair Lady mit Littlefield und For Ever G zwei weitere gekörte Hengste. Fair Lady ist über ihre Tochter My Cash auch die Großmutter von Cheppetta, die unter Kevin Staut unter anderem den CSI5* Hermès Grand Prix in Paris gewann.
„Verrückte Stute“
Auch Zürich machte Zuba und ihren Vater glücklich. Aus einer Anpaarung mit Concerto II kam der in Holstein bekannte Calle Cool, der zweimal mit Nisse Lüneburg das Hamburger Spring-Derby gewann. Beide Male waren seine Züchter nicht anwesend. „Wenn wir in Hamburg zugeschaut haben, war er immer nicht so gut“, erinnert sich Zuba. Aber auch vor dem Fernseher seien die Siege spannend gewesen. „Man flippt schon aus“, gibt sie zu.
Calle Cool, der mit Nisse Lüneburg zweimal das Hamburger Springderby gewann, stammt aus der Zucht von Klaus Gehrts und Silke Zuba.Foto: Imago
Eine Stute aus der Zürich verkauften die beiden nach Föhr: Perle von Carry. Aus einer Anpaarung mit Cassini I bekam sie die Tochter Ariane, die von Silkes Mann Günther Zuba zurückgekauft wurde. Genau wie eine ihrer Töchter von Casall ist sie noch in der Zucht bei Silke Zuba.
In den 1980er Jahren machte Silke Gehrts eine Ausbildung bei der Bank. Ein Arbeitskollege wusste, dass die Familie Holsteiner züchtete, und brachte sie mit einem Bekannten zusammen, der eine „verrückte Stute“, tragend von Corleone, verkaufen wollte. Vater und Tochter fuhren nach Eckernförde und man wurde sich schnell handelseinig. Die einzige Bedingung: Die Stute müsse sofort mitgenommen werden. „Am Ende war sie gar nicht so schlimm, aber die Pferde wurden durch das ganze Vollblut natürlich griffiger. Damit konnte nicht jeder umgehen“, sagt Zuba heute.
So zog 1986 Liberia von Sacramento Song xx-Heidgraf aus dem Stamm 2383 ein. Sie ist die Mutter der Staatsprämienstute Gitania von Capitol, die 2006 das erfolgreichste Holsteiner Pferd war. Gitania gewann mit Markus Ehning mehrere Große Preise und Weltcupspringen und machte Klaus-Wilhelm Gehrts 2005 zum Züchter des Jahres. Bevor sie im Sport Erfolge sammelte, wurde sie in der Zucht eingesetzt. Dabei hätte sie nach einem überragenden Stutentest mit einer 10,0 im Springen und einer 9,0 in der Rittigkeit leicht verkauft werden können. Doch vorher sollte sie den Züchtern eine Stute bringen.
Das erste Fohlen wurde ein Hengst: Lupo ging ebenfalls erfolgreich im internationalen Sport. Dann kam My Conny von Concerto II. Über sie wird bei Silke Zuba der Stamm 2383 weitergeführt. My Conny brachte unter anderem Velvet Brown von For Pleasure, die ebenfalls international erfolgreich war. Auch zwei weitere Töchter hat Zuba noch in ihrer Zucht.
Nächste Generation
Nach der Bankausbildung arbeitete sie eine Zeit lang in Fulda bei einer Brauerei, doch es zog sie zurück in den Norden. Mit 30 Jahren heiratete sie Günther Zuba. „Er hat von Anfang an gesagt, dass es in Ordnung sei mit den Pferden“, berichtet sie lachend. Günther Zuba habe früher sogar selbst im Sattel gesessen, vor allem aber habe er ein sehr gutes Auge für Tiere. Nur sollte der Stall nicht voll sein mit Pferden, die nichts einbrächten.
Seit Zuchtbeginn mit der Stute Marotte züchtete sie gemeinsam mit ihrem Vater unter seinem Namen, aber irgendwann wollte sie auch selbst genannt werden. „Wenn ich mich nach der Hochzeit mit meinem neuen Namen gemeldet habe, wusste niemand, wer ich bin“, erinnert sie sich. Deshalb wurde nach der Hochzeit für die gemeinsamen Pferde eine Zuchtgemeinschaft von Vater und Tochter gegründet.
Die ersten Jahre standen auch noch Stuten bei Gehrts in Zennhusen, Kreis Dithmarschen. Silke Zubas Bruder Timm Gehrts übernahm 2004 den Hof der Eltern und damit auch die Hälfte der Pferde aus dem Stamm 18a2. „Er züchtet noch, aber während er reduziert hat, haben wir es weiter ausgebaut“, erklärt Zuba. Nach der Hofübergabe zogen die Stuten von Silke und ihrem Vater nach Wesselburen. Seit etwa zehn Jahren läuft die gesamte Zucht unter Silke Zubas Namen. Ihr Vater wird in diesem Jahr 88 Jahre alt und kommt immer noch gern vorbei, um Anpaarungen zu besprechen oder die Fohlen zu begutachten.
Zu seiner großen Freude ist auch die nächste Generation voll mit eingestiegen. Silke und Günther Zuba haben zwei Söhne, die beide schon seit ihrer Kindheit züchten. „Mein Chef aus Fulda hatte eine Cassini-Stute, die farblich nicht in seinen Vierspänner passte. Die hat er den Kindern geschenkt, als sie zehn und 13 Jahre alt waren“, berichtet Zuba. Mit ihr begannen die Brüder zu züchten: „Wir haben die Kosten ausgelegt, dafür mussten die Jungs im Stall helfen.“ Die Stute bekam Hengstfohlen, die verkauft wurden. So hatten die Jungs im Herbst ein bisschen Geld und blieben bei der Sache. Als die Stute starb, schenkte ihr Opa ihnen eine andere, mit der sie weiterzüchteten.
Zehn Fohlen erwartet
Martin Zuba, der ältere der beiden, ließ sich konfirmieren. Doch Stefan, der jüngere, wollte statt der Konfirmationsfeier lieber ein Fohlen. Heute hat er zwei tragende Stuten im heimatlichen Stall, den inzwischen Martin Zuba übernommen hat. Er ist ebenfalls noch in der Zucht aktiv. Seine Stute Bonny ist tragend von Million Dollar. „Pferdeaffin sind sie beide. Auch ihre Freundinnen haben etwas für Pferde übrig“, freut sich Zuba. In diesem Jahr erwartet die Familie insgesamt zehn Fohlen. „Der Zauber hört nie auf“, sagt die Züchterin. Jedes Fohlen sei etwas Besonderes.
Damit sie nicht ständig aufstehen muss, hat sie Bildschirme in der Küche und im Schlafzimmer, auf denen die Abfohlboxen per Video überwacht werden. Im vergangenen Jahr kaufte Zuba noch einmal eine besondere Stute von der Stoeterij van de Helle in Belgien: Ustina van de Helle von Casello aus der Diamantina. „Da musste ich zwei Jahre betteln“, erzählt sie lachend. Diese Stute ist nun tragend von United Way. „Auf das Fohlen bin ich in diesem Jahr am neugierigsten“, gibt sie zu.
Züchterisch hat Zuba schon viel erreicht. Nun würde sie sich freuen, wenn der bei ihr geborene und nach Belgien verkaufte Casquetto van de Helle, der wiederum über Fair Lady auf Marotte zurückgeht, noch einmal im Fernsehen zu sehen wäre. Die Chancen stehen gut, denn der Zehnjährige läuft unter Kevin Jochems in Springen über 1,50 m.
Doch bei all dem Stolz, der Liebe und den tollen Fohlen leben die Zubas nicht von den Pferden. Die Landwirtschaft mit Ackerbau und Mutterkuhhaltung sowie die Kartoffeln bringen das Geld ein. Dennoch sind sie eine Pferdefamilie durch und durch.
Die Abfohlboxen bei Silke Zuba sind videoüberwacht, sodass sie nicht ständig in den Stall laufen muss, wenn sie auf die Fohlen wartet. Foto: privat
Der neue Vorstand des Landjugendverbandes (LJV) ist seit November im Amt und die neuen Gesichter der Runde werden nach und nach vertrauter mit den Aufgaben und Herausforderungen, die das Amt mit sich bringt.
Neben repräsentativen Aufgaben und der Planung und Gestaltung von Veranstaltungen und Projektgruppen ist eine zielführende Kommunikation mit dem Hauptamt unverzichtbar. Um die Zusammenarbeit im Team weiter zu verbessern, kamen vorige Woche Ehren- und Hauptämter mit der Referentin Babette Bendsen in der Geschäftsstelle zusammen. Nach einem Snack sowie einer Vorstellungs- und Einführungsrunde, in der sich alle Anwesenden auf einem Stimmungsbarometer einordnen durften, begann eine interaktive Stationsarbeit, in deren Zuge sich Kleingruppen mit Fragen zur Zusammenarbeit auseinandersetzten. Die Stellwände mit den Aufgaben waren dabei im Büro verteilt, sodass sich alle Gruppen in Ruhe beraten konnten, ehe die Antworten und Ideen verschriftlicht wurden. Wie können wir als Team noch besser effektiver und positiver zusammenarbeiten und welche Spielregeln ließen sich hierfür aufstellen? Was stört die Leute im Team aktuell und behindert eine gute Zusammenarbeit? Wo liegen unsere Stärken und wie setzen wir sie bestmöglich ein? Fragen wie diesen gingen die Dreierteams auf den Grund und erarbeiteten dabei viele aufschlussreiche Punkte, die im Anschluss präsentiert und diskutiert wurden. Zwar wurde deutlich, dass es hinsichtlich des landjugendlichen Backgrounds, des Alters und auch der Arbeitszeiten im Landjugendkontext Unterschiede zwischen Ehren- und Hauptamt gibt, jedoch kann man diesen mit Verständnis und einer respektvollen Kommunikation auf Augenhöhe sowie verbindlichen Absprachen begegnen.
Die Gruppe war sich zudem einig, dass ein gutes Arbeitsumfeld im Büro für ein besseres Arbeitsklima sorge und dass mithilfe von Digitalisierung bürotypische Aktenberge vermieden werden könnten. Auch das Modernisieren und Verschönern des Büros solle vorangetrieben werden. Die sinnvolle Kürzung von Vorstandssitzungen und die Integration eines beruflichen und persönlichen Stimmungsbarometers zu Beginn einer solchen Veranstaltung könnten sich positiv auswirken und für konstruktive Kritik sorgen.
Die Stärken im Team wurden insbesondere in der Improvisation, dem wertschätzenden Umgang und der optimistischen Arbeitseinstellung gesehen, mit der die Herausforderungen angepackt werden.
Schlussendlich waren sich in einem Punkt wirklich alle einig: der Liebe zu den ländlichen Räumen und zum Bundesland Schleswig-Holstein, das man mit seinen Angeboten bereichern möchte. Rückblickend lässt sich der Teamabend als eine sinnvolle, bereichernde und kurzweilige Veranstaltung beschreiben, durch die die künftige Zusammenarbeit sicherlich positiv beeinflusst wird.
Vier Tage lang von morgens um 8 Uhr bis spät in die Nacht gab es in den Holstenhallen in Neumünster Spring- und Dressursport, Vielseitigkeit, Kostüme und Show. Mit dabei waren Nachwuchsreiter, die zum ersten Mal in den Holstenhallen starteten, aber auch viele Routiniers und natürlich alles dazwischen. Sie alle boten den 45.000 Zuschauern viele spannende Stunden.
Josch Löhden und der Cornet Obolensky-Sohn EIC Schabernack gewannen das wichtigste Springen der VR Classics, den Großen Preis am Sonntagabend. Nachdem sie in der Qualifikation noch vier Fehler zu verzeichnen hatten, blieben sie im Finale fehlerfrei und setzten sich an die Spitze des 40-köpfigen Starterfelds. „Mein Plan war natürlich, null und superschnell zu reiten”, verriet der 33-Jährige aus Niedersachsen. Der Plan ging auf: Den Zweitplatzierten, Robin Naeve und Carlito H, nahm das Paar 5 s ab. Die Dänin Caroline Rehoff Pedersen blieb mit Golden Eye ebenfalls fehlerfrei und sprang auf Rang drei.
Als vierter Starter im zweiten Umlauf hatte Löhden keine Gelegenheit, sich andere Reiter vor ihm anzuschauen. „EIC Schabernack ist ein sehr, sehr schnelles Pferd, das sich nicht lange am Sprung aufhält und mitkämpft. Nach meiner Runde habe ich die ganze Zeit mitgefiebert und das Glück war dann auch noch auf meiner Seite”, erzählte er im Anschluss an seinen Sieg.
Robin Naeve, der 28-jährige Sohn des Nationenpreisreiters Jörg Naeve aus Bovenau, Kreis Rendsburg-Eckernförde, freute sich sichtlich über seinen zweiten Platz. Er gab zu, dass Carlito H „nicht das schnellste Pferd” sei, aber immer alles gebe. Neumünster sei für ihn als Schleswig-Holsteiner ein sehr spezielles Turnier: „Es gibt so viele Turniere an diesem Wochenende, ein Viersterneturnier in Opglabbeek, fünf Sterne in Hongkong, zwei Sterne in Oliva, aber mit dieser Stimmung in den Holstenhallen können die alle nicht mithalten. Es ist jedes Mal ein Genuss, hier zu reiten.“
Schon die Qualifikation für den Großen Preis war anspruchsvoll: Parcourschef Christian Wiegand und sein Team hatten für das Championat von Neumünster, ein internationales Weltranglistenspringen, einen Parcours über 1,55 m aufgebaut. Für das Stechen qualifizierten sich 17 der 51 Starterpaare. Der 26-jährige Bas Moerings und seine KWPN-Stute Kivinia siegten vor dem Sachsen Michael Kölz mit Catch Me P und Tobias Schwarz aus Baden-Württemberg mit Lugano.
Knappe Entscheidungen
Hannes Ahlmann aus Reher, Kreis Steinburg, triumphierte im Championat der Pferdestadt Neumünster. Der neunjährige Holsteiner Hengst Coquetto holte mit der schnellsten fehlerfreien Runde im Stechen seinem 24-jährigen Reiter den Titel, den Ahlmann noch auf seiner „Bucket List“ hatte, wie er im anschließenden Interview zugab. Sechs der 25 Teilnehmer in der nationalen Springprüfung der Klasse S* waren fehlerfrei geblieben und traten zum Stechen an. Die ersten drei Starterpaare mussten jeweils einen Abwurf in Kauf nehmen. Nisse Lüneburg und Chill Out RL gelang die erste Nullrunde in genau 39,0 s, doch ihre Führung währte nicht lang. Ahlmann und Coquetto benötigten lediglich 38,11 s. „Ich hatte mir ein, zwei Paare angeguckt und gesehen, dass vor mir relativ viele Fehler gemacht wurden. Nisse war der erste Nuller und ich wusste, dass ich auf Risiko, aber nicht total verrückt reiten muss”, beschrieb Ahlmann seine Strategie.
Hannes Ahlmann gewann das Championat der Pferdestadt Neumünster der Springreiter auf dem Holsteiner Hengst Coquetto. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Bei der 20. Auflage des Indoor Eventing traten Olympiasieger, Europameister und Landesmeister zur Zweiphasenspringprüfung der Klasse M* über Naturhindernisse an. Getragen von der Begeisterung und dem Applaus der Reitsportfans lieferten sich die 17 Teilnehmer ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Zuerst übernahm der 16-jährige Lukas Goertz aus Schwentinental, Kreis Plön, auf dem Schimmel Mon Ami Brillante die Führung von Rebecca-Juana Gerken. Seine Zeit konnte erst der Fehmaraner Mathies Rüder auf seinem Irish Sport Horse Poynstown Porsch unterbieten. Reitmeisterin Ingrid Klimke und Equistros Siena just do it als drittletzte Starter waren allerdings fast 2 s schneller. „Ich wusste ja, dass Mathies vorn liegt und Lukas auch schnell geritten ist. Da habe ich gedacht, wer nicht wagt, der nicht gewinnt”, verriet die zweimalige Olympiasiegerin und fügte hinzu: „Das hat irre Spaß gemacht.“
Zum ersten Mal wurde das HGW Bundesnachwuchschampionat der Springreiter in den Holstenhallen ausgetragen. Unter den 25 qualifizierten Reitern aus ganz Deutschland waren auch drei Schleswig-Holsteiner: Lukas Goertz, Sophie Kessel aus Fleckeby, Kreis Rendsburg-Eckernförde, und Fritz Brunk aus Niebüll, Kreis Nordfriesland. In der Einlaufprüfung, einem Stilspringen der Klasse M**, überzeugten Kessel und der Holsteiner Crossfire mit einer 8,5 auf dem dritten Platz. Im Finalumlauf am Sonnabend zeigten alle drei Schleswig-Holsteiner schöne Runden, hatten aber jeweils einen Fehler. Bei Kessel wurde so aus einer 8,5 eine 8,0 und bei Goertz aus einer 8,2 eine 7,7. Platz neun und Platz 13 bedeutete das am Ende. Brunk kam mit F Casalita auf Platz 17. Das Nachwuchschampionat wird auch in den kommenden zwei Jahren in Neumünster stattfinden.
Nachwuchs im Fokus
Für den Nachwuchs aus der Region standen wie immer mehrere Prüfungen auf dem Programm. Im Championat der Ponyreiter überzeugten Amy Carlotta Reinfandt und ihr erst sechsjähriger Deutscher Reitponyhengst Nandoo N. Sie bekamen eine 8,8. „Ich kann es noch gar nicht richtig glauben“, gestand die 14-jährige Reiterin des Reit- und Fahrvereins Höllnhof Schülp, Kreis Rendsburg-Eckernförde, und berichtete, wie aufgeregt sie gewesen war. Henrike Beckmann und Crazy-Hardbreaker SP WE sprangen mit einer 8,5 auf den zweiten Platz vor Phelina Lage auf Gaarzer Casimir (8,4).
Drei Starts, ein Sieg und zwei zweite Plätze: Mathies Rüder dominierte den ersten Tag der VR Classics. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Der 20-jährige Mathies Rüder gewann im Sattel der Holsteiner Stute Flora V das Championat der Pferdestadt Neumünster der Junioren und Jungen Reiter. Leni Hansen und Lillet Wild Berry blieben ebenfalls fehlerfrei und belegten den zweiten Rang. Moritz von Hessen und L. B. Fashino komplettierten die Top drei. Für die Ehrenrunde tauschte Rüder den Sattel von Flora V gegen das Fahrrad, das er als Sonderehrenpreis bekommen hatte.
Zum Mannschaftsstilspringen der Klasse A**, dem Finale der Röschmann Team Trophy, waren die sechs besten Mannschaften eingeladen worden. Auch Bettina Roge mit den Reitern des Reitvereins Westwalddistrikt Nettelsee, Kreis Plön, war dabei. Das sehr junge Team hatte im vergangenen Jahr schon einmal teilgenommen. Diesmal behielten alle die Nerven, zeigten vier Toprunden und holten sich vor den Titelverteidigern des Fehmarnschen Ringreitervereins um Inga Czwalina den Sieg.
Im Youngster Cup standen die jungen Pferde im Mittelpunkt. Tjade Carstensen aus Sollwitt, Kreis Nordfriesland, gewann mit dem achtjährigen Mastermind sowohl die Einlaufprüfung als auch das Finale. Philipp Battermann-Voß aus Schülp, Kreis Rendsburg-Eckernförde, der Kasuarina HHL gesattelt hatte, kam nach Platz zwei in der Einlaufprüfung am Ende auf Platz drei. Dazwischen schob sich Tobias Schwarz mit Chakatol Boy.
Weltklasse im Viereck
Auch die Dressurreiter kamen in Neumünster auf ihre Kosten. Im FEI Dressage World Cup Grand Prix gingen am Sonnabend die Spitzenreiter des Vierecks an den Start. Die besten 15 Paare durften am Sonntag die Kür reiten. Dazu gehörten auch die Sieger vom Sonnabend, die Norwegerin Isabel Freese und ihr Oldenburger Total Hope. Die beiden mussten in der Kür nur die Dänin Nanna Skodborg Merrald und ihren Blue Hors Zepter an sich vorbeiziehen lassen, denn Merrald führte wie schon 2023 die Ehrenrunde an. Mit 81,465 % sicherte sie sich den Sieg und die maximale Anzahl an Punkten für den Weltcup.
Freese und Total Hope waren auf 81,265 % gekommen, es war also eine knappe Entscheidung. Dabei hielten alle erst einmal kollektiv den Atem an, als Total Hope zu Beginn der Prüfung kurzzeitig scheute. Doch Freese führte ihren Hengst vorsichtig zurück in die ursprüngliche Choreografie. Dass das Paar dennoch mehr als 81 % erreichen konnte, beweist die Qualität der restlichen Prüfung.
Im 30. Neumünsteraner Schauwettbewerb boten die acht teilnehmenden Reitvereine mehr als 90 min lang ganz viele Facetten des Pferdesports. Rund 550 Akteure mit 200 Pferden, Ponys und Hunden bevölkerten das Oval der Holstenhallen. Sie verzauberten die Zuschauer und eine Jury aus prominenten Teilnehmern mit ihren Choreografien und fantasievollen Kostümen. Der Reit- und Fahrverein Bad Segeberg nahm zum ersten Mal teil und konnte sich mit dem Schaubild „Tatort Segeberg – Mord auf dem Landesturnier“ den Sieg in der Jurywertung sichern. Publikumsliebling war die Reitgemeinschaft Augustenhof mit „So schön ist Schleswig-Holstein”. Der Applaus erreichte stolze 108 dB.
Veranstalter Francois Kasselmann befand am Ende des Turniers: „Es waren Gänsehautmomente dabei und das macht uns als Veranstalter sehr stolz. Die Stimmung in den Holstenhallen ist weltweit nicht zu toppen.”
pm
Runde Formen setzen ein optisches Gegengewicht zu geraden Grundstücksgrenzen und kantigen Gebäuden. In weiten Bögen angelegte Beete, geschwungene Rasenflächen, kugelförmig geschnittene Gehölze und Blütenbälle lassen sich leicht in die Gartengestaltung integrieren. Der Lohn für die geringe Mühe ist eine harmonische, sehr ausgeglichene Optik.
Im „runden Garten“ stellt der Kreis das formgebende Element dar. Kreisförmige Details lassen sich leicht integrieren. Der runde Tisch, die runde Terrasse, das kreisrunde Wasserbecken oder das runde Inselbeet mitten im Rasen sind nur einige Beispiele dafür. Dabei muss es aber nicht immer geometrisch zugehen. Auch der sich schlängelnde Kiesweg oder geschwungene Beetränder bringen Harmonie in den Garten und vermeiden gerade, kantige Linien. Diese wirken sich besonders in schmalen Gartenbereichen nachteilig aus, denn die erscheinen noch schlauchförmiger.
Die runde Feuerschale nimmt die Form des Weges und des Teiches auf. Foto: Karin SternDie rund geformten Eiben bringen Ruhe ins Beet. Foto: Karin Stern
Hier wirkt es ausgleichend, mit geschwungenen Formen und Kreisen zu arbeiten. Sie lassen ein einheitliches Gesamtbild entstehen und verbreitern den Garten optisch. So stellt die halbrunde Terrasse direkt an der geradlinigen Hauswand einen sanften Übergang zu den weichen Konturen des Gartens dar. Für die perfekte Wirkung verläuft auch das Muster des Terrassenbelags in Bögen oder Kreisen. Aber Vorsicht: Ovale oder schnörkelige Konturen bringen eher Unruhe in den Bodenbelag. Dagegen wirken die wie vom Zirkel gezogenen Kreise deutlich harmonischer. Erfahrene Pflasterer beherrschen Kreis- und Bogenmuster auch mit Natursteinen perfekt. Alternativ bietet der Handel kreisförmig verlegbares Betonpflaster.
Die halbrunde Rückwand des Sitzplatzes sorgt für eine behagliche Atmosphäre.Foto: Karin Stern
Runde Formen lassen sich nicht nur über entsprechend gestaltete Flächen, Wege oder Gartenmöbel einbringen. Auch Pflanzen und verschiedene Dekorationselemente tragen zur „Abrundung“ bei. Sehr beliebt sind die kugeligen Kronen von Robinie ‚Umbraculifera‘ (Robinia pseudoacacia), Ahorn ‚Globosum‘ (Acer platanoides), Ginkgo ‚Mariken‘ (Ginkgo biloba), Trompetenbaum ‚Nana‘ (Catalpa bignonioides), Platane ‚Alphens Globe‘ (Platanus hispanica) und Sumpfeiche ‚Green Dwarf‘ (Quercus palustris). Ob Sonne oder Halbschatten, hoher oder geringer Schnittaufwand, kleiner oder großer Kronendurchmesser – hier findet jeder nach der Beratung in der Baumschule seinen Favoriten. Niedrigere Gehölze wie Bergkiefer ‚Mops‘ (Pinus mugo), Lebensbaum ‚Danica‘ (Thuja occidentalis) oder die Zwerg-Eibe ‚Renke‘s Kleiner Grüner‘ (Taxus baccata) bleiben mit geringem Schnittaufwand kugelförmig. Sie bieten als immergrüne Gehölze auch im Winter noch etwas Grün und Struktur. Als Zugabe eignen sich die drei genannten Sorten perfekt für die Kübelkultur. Links und rechts vom Eingang aufgestellt sorgen sie für eine einladende Atmosphäre oder bringen frischen Schwung in so manche leer stehende Ecke.
Der Samenstand des Blauzungenlauchs hat eine kugelrunde Form. Foto: Karin SternKontrastreiches Farbspiel mit der runden Blütenform des Sternkugellauchs. Foto: Karin SternBalldahlie ,L’Ancresse‘ präsentiert sich in runder Form. Foto: Karin SternTolle Deko-Idee: Kugelrunde Blüten der Ballhortensie in hängenden Glasvasen. Foto: Karin SternDer Trommelstock (Craspedia globosa) fasziniert mit seiner außergewöhnlichen Blüte. Foto: Karin Stern
Einen ganz eigenen Reiz üben Pflanzen mit kugelförmigen Blütenständen aus. Man denke nur an die Blütenbälle des Blauzungenlauchs ‚Ivory Queen‘ (Allium karataviense), die aufgrund ihrer Wuchshöhe leider nicht so sehr ins Auge fallen wie die des repräsentativen Sternkugellauchs (Allium christophii). Seine Blütenkugeln erreichen einen Durchmesser von bis zu 25 cm und schweben etwa 0,5 m über dem Beet. Auch die verschiedenen Sorten der Ball-Dahlien (Dahlia), Kugeldisteln (Echinops) oder die Ballhortensie ‚Annabelle‘ (Hydrangea arborescens) überzeugen mit wunderschönen Blütenbällen. Mit Wuchshöhen von bis zu 1,3 m fügen sie sich überall im Garten perfekt ein. Unter den Einjährigen ist die Trockenblume Trommelstock (Craspedia) erwähnenswert, die sich leicht aus Samen heranziehen lässt. Allerdings sollten neben all den geometrischen Kugeln auch ein paar Kontraste in Form von kerzenförmigen Blütenständen wie denen des Leinkrauts oder aufrecht wachsenden Gräsern nicht fehlen.
Die schraubenförmig gewundenen Schneckenhäuser drehen sich normalerweise nach rechts.Foto: Karin Stern
Auch in der Natur finden sich runde, geschwungene Formen eher als eckige und gerade Linien. Ob mäandernde Flüsse, sanft geschwungene Hügel, Schneckenhaus, Kirsche, Tomate, Apfel oder Vogelnest – runde Formen finden sich überall in unserer Umgebung. Aus gutem Grund: Für ein gegebenes Volumen bietet die Kugel die kleinstmögliche Oberfläche. Mutter Natur arbeitet schließlich effizient und steckt ihre Produkte daher gerne in die kleinstmögliche Menge an „Verpackungsmaterial“, sprich Schale. Psychologen konnten nachweisen, dass runde Formen als schön und angenehm empfunden werden. Designer, Innenarchitekten und Gartenplaner nutzen diese Erkenntnisse und vermeiden möglichst eckige, scharfkantige Linien. Ob rund, geschwungen oder wellenförmig, diese Formen stehen für ländlichen Charme und Natürlichkeit. Und verschlungene Pfade machen auch neugierig auf das, was hinter der nächsten Kurve wartet.
Die runden Formen mildern die Strenge der geraden Linien.Foto: Karin Stern
Der Wald der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten ist wieder erfolgreich nach dem Nachhaltigkeitsstandard des FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert worden. „Dieser Standard wird von externen Prüfern wie eine Grüne TÜV-Plakette nach einer gründlichen Durchsicht vergeben“, sagt Dr. Chris Freise, Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. Das international anerkannte FSC-Siegel stehe für anspruchsvolle ökologische und soziale Standards der Waldwirtschaft. Seit 1999 bestehen die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, die auch parallel den PEFC-Standard erfüllen (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes), diese Zertifizierung erfolgreich.
Diese externen Qualitätschecks dokumentieren die besonders naturnahe und nachhaltige Waldbewirtschaftung und das vorbildliche Engagement, die Lebensgemeinschaft Wald als Ökosystem für nachfolgende Generationen zu erhalten. Die deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinausreichenden Anforderungen beziehen sich auf eine ganze Liste von Indikatoren, die von Ökologie über Ökonomie bis hin zu Sozialem reichen und auch Partnerunternehmen, Dienstleister und Stakeholder in den Zertifizierungsprozess mit einbinden.
Während der Zertifizierungsprozesse wurden die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten von externen, unabhängigen Auditoren verschiedener Zertifizierungsgesellschaften über mehrere Monate hinweg geprüft. Sowohl die praktische Arbeit in den Forstrevieren als auch die Fachabteilungen der Zentrale in Neumünster waren Gegenstand der Audits. Ebenso wurden alle Unternehmen, die für die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten tätig sind, auf ihre Unternehmenszertifizierung hin überprüft, sodass eine gesicherte Kette des Zertifizierungsstandards besteht. Sogar die Zertifizierungsgesellschaften selbst unterliegen wieder bestimmten Kontrollen. Das aktuelle FSC-Zertifikat ist nun fünf Jahre gültig. Während dieser Zeit werden die Landesforsten allerdings weiterhin jährlich auditiert. pm
Die Regierung aus SPD, Grünen und FDP ist am Abend des 6. November 2024 gescheitert. Jetzt geht es darum, den Ärger über die zerbrochene Ampel-Koalition und alles, was politisch auf der Strecke blieb und regulatorisch übertrieben wurde, zur Seite zu stellen und das höchste Bürgerrecht wahrzunehmen. Von 195 Staaten der Erde sind 63 Staaten demokratisch. Einer davon ist Deutschland, wo am 23. Februar freie Wahlen zum Bundestag stattfinden. Das Zahlenverhältnis zeigt: Wählen ist ein Privileg.
Mit dieser Wahl werden wichtige Weichen gestellt für die künftige Entwicklung in der Bundesrepublik. Wie geht es weiter bei Arbeit, Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und Alterssicherung? Wie werden Flüchtlingspolitik, innere und äußere Sicherheit, Klimaschutz und Umweltschutz gestaltet? Gerade die Landwirtschaft braucht schnell wieder tragfähige Perspektiven und eine Politik, die ökonomische, ökologische und soziale Belange in Einklang bringt. Einen Überblick dazu bringt unser Schwerpunkt zur Bundestagswahl ab Seite 10.
Jedes dieser Themen ist für sich bedeutend, aber diesmal geht es um mehr bei der Bundestagswahl. Das haben die Landtagswahlen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen gezeigt. Es geht um ein Bekenntnis zur Demokratie. Machen zu wenig Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch oder enthalten sich, besteht eine deutlich höhere Gefahr, dass in erster Linie extremistische Parteien gestärkt werden und wichtige Entscheidungen fällen oder beeinflussen können. Bei der Bundestagswahl 2021 waren gut 61 Millionen Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt. 76,4 % machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Obwohl die Wahlbeteiligung im Vergleich zu den vorherigen Bundestagswahlen gestiegen war, waren die Nichtwähler mit 23,6 % sozusagen die zweitstärkste „Partei” knapp hinter der damaligen Wahlsiegerin SPD (25,7 %). Rund ein Viertel der Berechtigten verzichteten also darauf, Einfluss auf die Geschicke im Land zu nehmen.
Bereits jetzt ist sicher, der größte Teil der Opposition im Bundestag wird an den extremen Rändern angesiedelt sein. Die traditionellen demokratischen Volksparteien haben versichert, auf keinen Fall mit ihnen zu koalieren. Stimmen an Kleinstparteien sind in der Regel verloren. Wenn Parteien mit extremistischen Ansichten in nennenswertem Umfang Stimmen erhalten, stärkt das die Ränder und es wird umso schwieriger, eine stabile Regierung zu bilden. Dann bleibt als Ausweg nur erneut eine breite Koalition einzugehen, verbunden mit der Gefahr, sich nur auf minimale Kompromisse verständigen zu können, aber keine großen Reformen anzupacken.
Die Betriebe stehen unter Druck ob Agrarpolitik, Wettbewerbsbedingungen, Klimaauflagen. Die Landwirtschaft braucht eine klare und starke Stimme im Bundestag, die ihre Anliegen ernst nimmt und daraus zukunftsfähige Lösungen schafft. Nicht jeder ist für ein politisches Amt geschaffen, aber wählen gehen kann jeder. Das Wahlrecht wahrzunehmen ist Ausdruck von Freiheit und Verantwortung. Mechthilde Becker-Weigel
Ein Entwurf der agrarpolitischen „Vision“ von EU-Agrarkommissar Christophe Hansen wurde in Brüssel geleakt. Der Plan soll in der kommenden Woche offiziell vorgestellt werden. In dem Papier werden für die nächste GAP-Reform mehr Förderanreize in Aussicht gestellt. Gleichzeitig soll am Instrument der Direktzahlungen festgehalten werden. Zudem dürfte deren Obergrenze wohl weiterhin fakultativ bleiben. Darüber hinaus hat sich Hansen das Thema Generationenerneuerung auf die Fahnen geschrieben.
Werden den Landwirten in der nächsten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) mehr anreizbasierte Fördersysteme als bisher angeboten? Darauf könnte zumindest ein Entwurf der für den 19. Februar angekündigten agrarpolitischen Vision von EU-Agrarkommissar Christophe Hansen hindeuten. In einer vorab bekannt gewordenen Version, heißt es unter der Überschrift „gerechtere und besser ausgerichtete öffentliche Unterstützung“, dass das Gleichgewicht zwischen ordnungspolitischen und anreizbasierten Maßnahmen verbessert werden soll.
Demnach soll die GAP-Unterstützung nach 2027 stärker auf Landwirte ausgerichtet werden, die „aktiv zur Ernährungssicherheit, zur wirtschaftlichen Lebensfähigkeit der Betriebe und zum Erhalt unserer Umwelt beitragen“.
Gleichzeitig scheint die Kommission aber weiterhin auf das Instrument der Direktzahlungen setzen zu wollen. So wird unter anderem darauf verwiesen, dass beispielsweise im Jahr 2020 die Direktbeihilfen im Durchschnitt etwa 23% des landwirtschaftlichen Einkommens ausgemacht hätten. Möglicherweise wird damit auf eine klarere Trennung von Beihilfen zum Umweltschutz und sozioökonomischen Beihilfen wie den Direktzahlungen gezielt. Dies hatte in vergleichbarer Form auch der Strategische Dialog (SD) in seinen Abschlussempfehlungen angeregt.
Kappung bleibt wohl fakultativ
Ohne konkrete Details zu nennen, wird im Entwurf der agrarpolitischen Vision auch das Thema Vereinfachung angesprochen. Die Instrumente der künftigen GAP sollten „einfacher und gezielter“ eingesetzt werden, um eine ehrgeizige und zukunftsorientierte EU-Agrarpolitik zu unterstützen. Dies soll insbesondere für kleine und mittlere Landwirte gelten. Hingewiesen wird auf deren besondere Bedeutung für „das soziale Gefüge des ländlichen Raums“ und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Dem Leak zufolge soll es kleineren landwirtschaftlichen Betrieben ermöglicht werden, ohne administrative Überlastung zu wirtschaften. Dazu könnten unter anderem die bisherigen GAP-Kontrollen stärker „gestrafft“ werden.
Wie der SD-Abschlussbericht sieht auch der Entwurf der Vision vor, die GAP-Beihilfen noch stärker auf diejenigen Landwirte auszurichten, die sie am dringendsten benötigen. Als Beispiele genannt werden hier Betriebe in benachteiligten Gebieten, Jungbauern, Neueinsteiger sowie Gemischtbetriebe.
Auch das umstrittene Thema einer Obergrenze der Direktzahlungen wird im vorliegenden Entwurf nicht ausgespart. Wer auf einen konkreten EU-weit gültigen Betrag gehofft hat, dürfte allerdings enttäuscht werden. Eine Kappung soll lediglich „unter Berücksichtigung der unterschiedlichen strukturellen und sektoralen Gegebenheiten in den Mitgliedstaaten“ zum Einsatz kommen. Das weist nicht auf eine Änderung des Status quo hin. Aktuell liegt die Obergrenze in der GAP fakultativ bei jährlich 100.000 € je Betrieb. Agrarkommissar Hansen dürfte hier den konservativen Mehrheiten im Europaparlament entgegenkommen wollen.Zudem soll es weiterhin Instrumente wie Zahlungen für Ökosystemleistungen geben, die „gestrafft und vereinfacht werden“. Auch soll offenbar an Instrumenten für das Krisen- und Risikomanagement festgehalten werden. Darüber hinaus soll den Mitgliedstaaten mehr Verantwortung im Hinblick auf gemeinsam definierte Ziele übertragen werden.
Investitionsrückstände angehen
Unterstrichen werden im vorliegenden Visionsentwurf zudem die erheblichen Investitionsrückstände in vielen landwirtschaftlichen Betrieben. Laut dem Leak fehlten dem Agrarsektor allein im Jahr 2022 rund 62 Mrd. € an Finanzmitteln. Zudem sei es insbesondere für Junglandwirte und Frauen ein Problem, entsprechendes Fremdkapital zu erhalten. Gründe seien unter anderem die wirtschaftliche Lage kleiner Betriebe, die stark schwankende Rentabilität und Risiken wie die Volatilität beim Wetter und auf den Rohstoffmärkten. Erneut wird daher auf die geplante verstärkte Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) verwiesen. Ziel soll es sein, Investitionen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht nur in der Landwirtschaft anzukurbeln.
EU-Beobachtungsstelle für landwirtschaftliche Nutzflächen
Wie Hansen in mehreren Redebeiträgen bereits hat durchblicken lassen, soll in den kommenden fünf Jahren auch das Thema Erneuerung der Generationen verstärkt in Angriff genommen werden. Um die Attraktivität des Agrarsektors für Junglandwirte und Neueinsteiger zu verbessern, müssten vor allem Themen wie der Zugang zu Agrarland angegangen werden, heißt es im Entwurf. In diesem Zusammenhang will die Kommission auf die Einrichtung einer EU-Beobachtungsstelle für landwirtschaftliche Nutzflächen hinarbeiten. Diese soll die Transparenz bei Landtransaktionen, Rechten, Preistrends und anderen Faktoren verbessern.
Gestärkt werden sollen auch der Beitrag der EU zur globalen Ernährungssicherheit sowie die europäische Ernährungssouveränität. Vor allem sollen die strategische Abhängigkeit verringert und Lieferketten breiter aufgestellt werden. Als Negativbeispiel wird auf die Situation bei Futterproteinen hingewiesen; hier soll ein Maßnahmenplan Abhilfe schaffen.
Erzeuger in der Kette stärken
Im Abschnitt über eine „faire und gerechte Lebensmittelkette“ wird die Forderung der Agrarbranche nach einem höheren Markteinkommen unterstrichen. Im Einklang damit stehen die bereits im Dezember vorigen Jahres präsentierten Vorschläge zur Anpassung der Rechtsvorschriften in der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) und der Durchsetzung grenzüberschreitender Vorschriften der Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP). Laut dem Visionsentwurf sollen damit die derzeitigen Ungleichgewichte in der Lebensmittelkette, die vor allem zulasten der Primärerzeuger gingen, korrigiert werden.
Zudem wird für Ende 2025 die Vorlage einer Bioökonomie-Strategie angekündigt. Deren Ziel soll es sein, die Europäische Union als weltweit führenden Akteur auf diesem Gebiet zu positionieren. Darüber hinaus wird erneut Carbon Farming als „zusätzliche Einkommensquelle“ genannt.age
Der erste Smart Cattle Day bot eine Plattform für digitale Lösungen in der Rinderhaltung. Es wurden die Trends und Technologien vorgestellt, die helfen können, die Betriebe nachhaltiger und effizienter zu führen.
Die Digitalisierung in der Landwirtschaft gewinnt zunehmend an Bedeutung und verändert die Art und Weise, wie Betriebe ihre täglichen Aufgaben bewältigen. In der Tierhaltung setzen immer mehr Landwirte auf innovative Assistenzsysteme, um die Effizienz und das Tierwohl zu steigern. Vor einiger Zeit veranstaltete das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) den ersten Smart Cattle Day in Köllitsch. Präsentiert wurden die Ergebnisse und Erfahrungen aus der fast fünfjährigen Projektlaufzeit des Experimentierfeldes „CattleHub“.
Nach der Begrüßung durch Gerold Blunk, Leiter des Referats 74 Tierhaltung des LfULG, übernahm Prof. Dr. Wolfgang Büscher, Lehrstuhl für Tierhaltungstechnik am Institut für Landtechnik der Universität Bonn, das Wort. Als Leiter und Sprecher des Experimentierfeldes „CattleHub“ stellt er die Beweggründe und Ziele dieses innovativen Projektes vor. „CattleHub“ verfolgt das Ziel, verschiedene digitale Techniken in der Rinderhaltung systematisch zu untersuchen und aktiv an deren Weiterentwicklung und Verbesserung mitzuwirken. Der Fokus liegt dabei auf der Integration moderner Technologien, die den Landwirten dabei helfen sollen, Betriebsabläufe zu optimieren und das Tierwohl nachhaltig zu steigern.
Der erste Smart Cattle Day war mit 70 Teilnehmern als wichtiger Treffpunkt für Experten und Praktiker ein voller Erfolg. Foto: Roxana Eberlein
Arbeitsalltag effizienter gestalten
Den Anstoß für das Experimentierfeld „CattleHub“ gab eine Befragung von Landwirten zu ihren Erwartungen an die derzeit auf dem Markt verfügbaren Assistenzsysteme in der Rinderhaltung. In erster Linie wünschten sich die Landwirte eine Verbesserung ihres Arbeitsalltags. Dabei ging es sowohl um physische Entlastung als auch insbesondere um Stressreduktion bei wichtigen Managemententscheidungen. Das Projekt „CattleHub“ konzentriert sich vor allem auf die Strukturierung des Herdenmanagements, um den Arbeitsalltag der Landwirte effizienter zu gestalten. Vier zentrale Bereiche stehen dabei im Mittelpunkt: Melken, Fütterung, Fruchtbarkeitsmanagement und Tiergesundheit.
Aufgabe von Martin Wagner vom LfULG war es, die Wirksamkeit von am Tier angebrachten Assistenzsystemen für die Bewegungs-, Fress- und Wiederkauaktivität sowie zur Ortung zu bewerten. Zusätzlich wurden tier- und technikbezogene Kennwerte ermittelt, die als Entscheidungsgrundlage für die Auswahl geeigneter Systeme dienen. Die Ergebnisse zeigten, dass alle Betriebe von ihren Systemen überzeugt waren.
Hilfe im täglichen Herdenmanagement
Torsten Schlunke vom Milchhof Diera in Sachsen stellte den Einsatz verschiedener Assistenzsysteme und Digitalisierungsarten in seinem Betrieb mit 1.500 Milchkühe und einer Jahresproduktion von 18 Mio. kg Rohmilch vor. Bei den Milchkühen werden die Pedometer AfiTag II zur Brunsterkennung und der Fullexpert IMA eingesetzt. Bei den Jungrindern wird seit 2022 SenseHub verwendet. Diese Systeme erleichterten Schlunke das Management erheblich, vor allem bei der Brunstkontrolle und der frühen Erkennung kranker Tiere. Für die nahe Zukunft wünscht er sich eine firmenübergreifende Datenplattform und eine stärkere Integration der Assistenzsysteme in die Ausbildung von Nachwuchskräften.
Einen weiteren Einblick in die Praxis gab Matthias Ludwig vom Landwirtschaftsbetrieb Am Bieleboh in Beiersdorf (Oberlausitz). Seit 2015 nutzt der Betrieb Heatime von SenseHub zur Brunsterkennung und Gesundheitsüberwachung. Der Landwirt erläuterte anhand tagesaktueller Daten und Grafiken aus dem Milchviehstall die kontinuierliche Verbesserung der tierbezogenen Kennzahlen nach der Installation von Heatime. Das System half ihm, Schwachstellen in der Tiergesundheit wie Ketose aufzudecken, und führte zu einer Verringerung der Zwischenkalbezeit und der Reproduktionsrate.
Einfluss auf die Tiergesundheit
Marie Lamoth vom Thünen-Institut für Agrartechnologie in Braunschweig berichtete über die Untersuchung des Einflusses von Assistenzsystemen auf die Tiergesundheit. Für die Auswertung wurden Jahresberichte der Milchleistungsprüfung und Gesundheitsdaten aus dem Herdenmanagement von Milchviehbetrieben herangezogen und die tierbezogenen Kennzahlen Merzungsrate, Abgangsursachsen, Gesundheitsmeldungen und Medikamenteneinsatz verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass es nach Einführung der Systeme zu einem Rückgang verschiedener Abgangsursachsen und zu einem Anstieg der Gesundheitsmeldungen von Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen kam. Lamoth schlussfolgerte, dass die Einführung von Assistenzsystemen einen positiven Einfluss auf die Dokumentation und Erkennung von Erkrankungen und somit auf die Reduktion von Abgängen hatte. Aufgrund der Ergebnisse kann also davon ausgegangen werden, dass die eingesetzten Assistenzsysteme einen positiven Einfluss auf einige Aspekte der Tiergesundheit hatten.
Kristina Höse von der Technischen Universität Chemnitz stellte die Ergebnisse der Nachhaltigkeitsbewertung von Assistenzsystemen vor. Die Ergebnisse ergänzen die Erkenntnisse aus den Untersuchungen zum Tierwohl und den Betriebsbefragungen. Es wurde deutlich, dass die Nachhaltigkeitsbewertung ein komplexes Thema ist, auch aufgrund bestehender Zielkonflikte.
Ortungs- und Trackingsysteme wurden besonders intensiv untersucht, weil sie eine Schlüsseltechnologie für Verhaltensbeobachtungen und somit zur Tierwohlbeurteilung darstellen. Quelle: Universität Bonn, Christiane Engels
Bewertung von Assistenzsystemen
Die technische Untersuchung der Assistenzsysteme wurde von Christiane Engels von der Universität Bonn vorgestellt. Sie konzentrierte sich vor allem auf die Genauigkeit der Systeme. Zur Ermittlung und Verifizierung der Werte wurden Referenzsysteme entwickelt, unter anderem OpenCattleHub zur Validierung von Indoor-Trackingsysteme. Darüber hinaus wurde mit CattleSense ein Referenzsystem zum Tracken von Verhaltensmustern geschaffen, das mithilfe eines barometrischen Sensors aus Luftdruckänderungen das Abliegen und das Aufstehen von Kühen detektiert.
Maria Trilling von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen stellte unter anderem einen „CattleHub“-Leitfaden vor, der Landwirte bei der Auswahl des für ihren Betrieb geeigneten Assistenzsystems unterstützen soll. Dabei wurden die Aspekte der Investitionsbereitschaft, die Wünsche und Erwartungen der Landwirte sowie die notwendigen Vorlaufzeiten für Ein- und Umbaumaßnahmen der Assistenzsysteme berücksichtigt.
Baulehrschau mit digitalen Innovationen
Die Besucher konnten sich anschließend zu verschiedenen Themen in der Baulehrschau Köllitsch informieren. Im „Digitalen Kälberdorf“ stellten Johannes Kordesee, Franziska Deißing und Jasmin Baranowsky Erfahrungen und Erkenntnisse im Umgang mit digitalen Systemen vor. Sie zeigten, welche Daten sie mit Vitalcontrol (Tieridentifikationssystem mit Thermometer) erfassen können. Dank der elektronischen Ohrmarke, die in die Lebensohrmarke integriert ist, können Daten wie Geburtsgewicht und Rasse schnell erfasst werden. Das Thermometer zeigt zudem die gemessene Körpertemperatur farblich digital an, was eine schnelle und unkomplizierte Kontrolle ermöglicht.
Der „Digitale Zwilling“, der von Christoph Statz vorgestellt wurde, ermöglicht die Simulation des eigenen Betriebs bei anstehenden baulichen Veränderungen, zum Beispiel hinsichtlich der Arbeitszeit oder geeigneter Installationspunkte für WLan-Hotspots. Voraussetzung hierfür ist die vorherige Eingabe von Grundwerten wie Stallgrundriss, Anzahl der Liegeboxen mit Abmessungen sowie weiterer betriebsspezifischer Einrichtungen und Materialien. Darüber hinaus ist der „Digitale Zwilling“ in der Lage, alle erfassten Daten zu einem Ergebnis zusammenzufassen, was dem Nutzer eine vereinfachte Interpretation und Auswertung der Daten ermöglicht. Projektpartner ist die TU Dresden.
Plastische Darstellung der Datenströme
Das Projekt „Farmmanagement- und Informationssystem“ (FMIS), vorgestellt von Tobias Pohl und Hendrik Burghardt vom LfULG, verfolgt das Ziel, die Datenströme innerhalb eines landwirtschaftlichen Betriebes zu erfassen und dabei die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung zu diskutieren. Die Vorgehensweise wirkt durch die verwendeten Materialien wie Kinderspielteppiche, Spielzeugtraktoren, Miniaturtiere und Luftballons zunächst sehr einfach, ermöglicht aber in hervorragender Weise eine plastische Darstellung der Datenströmen. Dabei werden alle Betriebszweige berücksichtigt, was aufgrund der vielen internen Besonderheiten oft nur der Betriebsleiter überblickt. Für ihn sind die Datenflüsse oft klar und präsent, aber es fehlen die Verschriftlichung und der Blick von außen. Letzteres kann mit dieser Methode zweifelsohne erreicht und damit die Grundlage für die weitere inner- und zwischenbetriebliche Digitalisierung gelegt werden.
Das Projekt „Internet of Livestock“ (IoL) verbindet die Sensorik am Tier mit der Auswertung wichtiger Produktionsdaten durch digitale Lösungen. Ausgangspunkt ist ein intelligenter Multisensor, der am Tier angebracht wird. Aufgrund seiner Position wird er auch als Necktag bezeichnet. Dieser zeichnet biologische, chemische und physikalische Kennzahlen aus der Haltungsumgebung der Tiere auf und kann sie auch auswerten. Zusätzlich wird die Aktivität erfasst und eine Echtzeitlokalisierung des Tieres durchgeführt. Eine Besonderheit ist es, dass die Energieversorgung des Sensors autark mittels Energy-Harvesting erfolgt. Projektpartner ist die Firma Schneider GmbH & Co. KG aus Großhartau.
Mit Beschleunigungs- und Luftdrucksensor
Mittlerweile gibt es zahlreiche Referenzsysteme zur Bewertung von Sensoren. Dies ist das Ergebnis jahrelanger Forschung im Rahmen des „CattleHub“-Projekts. Beispielsweise ist CattleSense ein Referenzsystem zur Erfassung des Verhaltens einer Kuh, das während der Beobachtungszeit am Halsband der Kuh befestigt wird. Mithilfe eines Luftdrucksensors, eines Gyroskops und eines Beschleunigungssensors können Positionsänderungen der Kuh wie Abliegen, Aufstehen, Fressen und Aufspringen gemessen werden. CattleSense erlaubt dann Rückschlüsse auf die Aktivität der Tiere und liefert Referenzdaten zur Bewertung von am Markt verfügbaren Assistenzsystemen.
CattleSpec wiederum gibt einen Überblick über die Sendeleistung auf freien Frequenzbändern, um Komplikationen bei der Datenübertragung zu vermeiden. Darüber hinaus stellt OpenCattleHub ein Referenzsystem für die Ortungsgenauigkeit von Sensoren mit Ortungs- beziehungsweise Tracking-Funktion dar. Bei den Teilprojekten „CattleTent“ und „CattleWind“ handelt es sich um zwei Messstationen für eine autarke Energieversorgung durch Energy-Harvesting über Photovoltaik und Windenergie.
Mit „CattleTent“ und „CattleWind“ wurden Anwendungsfälle für digitale Assistenzsysteme im Weidebetrieb demonstiert. Die autarke Stromversorgung betreibt neben einer Wasserpumpe und einer Wetterstation auch eine Antenne zur Ortung der Tiere mit einem LTE-Hotspot und lokalem WiFi zur Datenübertragung auf einer stallfernen Weide. Der Informationsstand wurde von PD Dr. Harald Hoppe von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Achim Sorg und Martin Wagner vom LfULG vorgestellt.
Interaktives Lernen mit VR-Brille
Beim simulationsbasierten Lernen erfolgt die Wissensvermittlung mittels VR- oder AR-Technologie. Die VR-Version (Virtual Reality) erfolgt mit typischen VR-Brillen durch virtuelles Eintauchen in eine Lernwelt. Dabei können das Lerntempo individuell eingestellt und die Inhalte nach eigenen Interessen ausgewählt werden. Zielgruppe sind Landwirte, aber auch Berufs- und Fachschüler. Ergänzend gibt es die AR-Lernrouten (Augmented Reality) mit standortspezifischen Lerninhalten. Diese Lernrouten erzeugen eine intensive Wirkung und damit ein erfolgreiches Lernerlebnis. Zielgruppen sind hier Auszubildende in der Berufsausbildung, Studierende in der Weiterbildung und durch den hohen methodischen Anspruch auch Lehrkräfte. Das Learning Management System funktioniert über eine Cloud, aber auch App-basiert und als Open Source. Zudem können die Inhalte auch autark ohne ständige Internetverbindung genutzt werden. Das simulationsgestützte Lernen wurde von Maria Trilling und Enrico Billich vorgestellt.
Darüber hinaus präsentierten die Firmen SmaXtec (Pansenbolus) und Lemmer Fullwood ihre technischen Neuheiten im Bereich der digitalen Assistenzsysteme an ihren Ausstellungsständen in der Baulehrschau Köllitsch.