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Exakter Schnitt – makelloser Stamm

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Starkes Stammholz lässt sich gut vermarkten, wenn die Qualität stimmt. Bei den sogenannten Tot­ast-Erhaltern ist dazu eine aufwendige Entastung in jungen Jahren notwendig. Im Folgenden wird erläutert, welche Faktoren dabei zu beachten sind.

Das Ziel der meisten Forstbetriebe in unserem Naturraum ist es, hochwertiges und starkes Stammholz zu gewinnen. Solche Werthölzer lassen sich wirtschaftlich interessant auf den Wertholzsubmissionen oder -versteigerungen vermarkten. Nach den Jahren von Trocknis, Borkenkäferbefall und Windwürfen sind große Kulturflächen entstanden, auf denen Mischbestände mit zusehends standortgerechteren und vielfältigeren Baumarten aufgebaut werden.

Viele Punkte berücksichtigen

Mit zunehmendem Alter dieser Kulturen stellt sich in den kommenden Jahren die Frage, ob und wie diese Bäume so herausgepflegt und gefördert werden können, dass sie das angestrebte Klassenziel erreichen. Die Wertastung ist eine intensive, kostenträchtige Maßnahme, für die nur einige Baumarten und ausgewählte Zukunftsbäume infrage kommen. Wer sich dazu entscheidet, sollte einen günstigen Zeitpunkt und die richtige Technik wählen.

Die Baumarten und -auswahl

Nach einem perfekt gesetzten Astungsschnitt hat der Baum die Wunde sauber überwallt und wird sie am Ende ganz verschließen. Fotos: Dieter Scholz

Es werden grundsätzlich nur Baumarten geästet, die als „Totast-Erhalter“ gelten, also nicht über eine gut funktionierende natürliche Astreinigung verfügen. Hierzu zählen neben den Nadelhölzern vor allem die Kirsche und Nussbaumarten. Eine Ästung von Esche, Buche oder Ahorn ist dagegen weder nötig noch sinnvoll.

Vor der Maßnahme muss der Bestand gut vorbereitet sein. Dazu zählt ein fertig angelegtes Rückegassensystem. Es bewahrt davor, dass bereits geästete Bäume doch noch umgesägt werden müssen, weil sie auf einer zu spät geplanten Gasse im Weg stehen. Eine weitere zwingend durchzuführende Vorbereitung ist die Auswahl der Bäume. Hier gilt: Klasse vor Masse! Nur gute Zukunftsbaumkandidaten werden ausgesucht und markiert. Kleiner Anhalt: Mindestabstand der Z-Stämme zueinander: 7 bis 8 m; dies entspricht einer Anzahl von 150 bis 200 Z-Bäumen pro Hektar und gilt als absolute Höchstgrenze.

Da zum Erntealter ein astfreier „Speck“ von mindestens zwei Dritteln des Durchmessers erreicht werden soll, muss zeitig genug begonnen werden – etwa bei Erreichen einer „Bierkrugstärke“, also rund 15 cm Durchmesser.

Beginn der Ästung und Aststärke

So ist es richtig: Der Schnitt wird senkrecht zur Astachse ausgeführt – also nicht unbedingt parallel zur Stammachse. Der Astwulst bleibt unversehrt. Das Wulstgewebe verschließt später die Wunde.

Die maximale Aststärke bei einer Grünästung beträgt 3 bis 4 cm. Nur bis zu solchen Stärken vermag der Baum die Wunde zügig zu überwallen und zu verschließen. Sind die Äste jedoch stärker, ist dies ein Ausschlusskriterium für eine Ästung.

Die richtige Ästungshöhe

Die Bäume brauchen eine ausreichend große grüne Krone, sonst wird ihr Zuwachs zu sehr geschwächt. Bei Nadelholz sollte die Krone nach der Ästung noch etwa ein Drittel, bei Laubholz knapp die halbe Baumlänge betragen. Daher wird die Ästung auch in mehreren Schritten vorgenommen. Das Ästungsziel ist eine etwa 6 m hohe astfreie Zone, wobei diese Höhe bei Nadelholz (Douglasie) gegebenenfalls deutlich überschritten und bei Laubholz unterschritten werden kann (ein 4 m langer Furnierstamm hat auch sein Ziel erreicht).

Günstige Jahreszeit

Eine Totästung – also das Entfernen bereits abgestorbene Äste – kann ganzjährig vorgenommen werden. Bei der Grünästung gibt es zwei Zeitfenster:

– Februar bis März: ausgehender Winter vor dem Saftanstieg; zu dieser Zeit entstehen weniger Rindenbeschädigungen und die Überwallung startet bald; dies gilt für alle Baumarten.

– Juni bis August: Bei Douglasien kann durch eine Ästung während der Vegetationszeit dem Befall mit der Pilzkrankheit Phomopsis pseudotsuga (Rindenschildkrankheit) wirksam vorgebeugt werden. Auch bei der Kirsche ist eine Ästung zur Zeit der Kirschenreife um Juli/August möglich. Warum kann es sinnvoll sein, den Ästungszeitpunkt vom Winter in die Vegetationszeit zu verlegen? Im Winter sind Frostschäden möglich, das Kambium kann austrocknen und damit einhergehend drohen eine Wundvergrößerung und der Eintritt von pilzlichen Erregern. Generell wird die Wunde in der Vegetationszeit rascher überwallt.

Werkzeug und Ästungstechnik

Für die erste Ästungshöhe wird dieses Handwerkszeug gebraucht.

Im Handel gibt es ein reichhaltiges Angebot von Ästungssägen, die auf Zug arbeiten. Außerdem werden Astscheren benötigt. Hier sind Bypassscheren den Ambossscheren (Quetschungsgefahr) vorzuziehen. Neu sind Akkuscheren, die die Anwender entlasten und im besten Fall mit einem Schnittschutzsystem ausgestattet sind. Zu späteren Zeitpunkten kommen Gestängesägen und/oder die Leiter­ästung zum Einsatz. In jedem Fall ist auf gut geschärftes Material zu achten. Damit wird vermieden, dass der Schnitt ausfranst und das Überwallen und Verschließen der Wunde länger braucht.

Bei der Ästung kommt es auf die richtige Schnittführung an. Hier gelten folgende Regeln:

Korrekte Schnittführung: 1) Entlastungsschnitt unterseits, 2) Entlastungstrennschnitt oberseits versetzt, 3) Schnitt auf Astring, 4) Astkragen

– Der Schnitt wird senkrecht zur Astachse geführt; das entspricht meist nicht einer Parallele zur Stammachse.

– Trägt der Ast am Ansatz einen Wulst, so wird er glatt vor diesem Ring abgeschnitten, ohne ihn zu verletzen oder gar komplett abzuschneiden. Bei richtiger Schnittführung entsteht auf diese Weise die kleinstmögliche Wunde, die dann durch das unverletzte Wulstgewebe schnell überwallt werden kann. Ist kein Astwulst ausgebildet, wird der Ast rindeneben abgeschnitten.

– Auf keinen Fall dürfen Stummel oder „Kleiderhaken“ stehen bleiben, denn der Baum vermag diese nicht zu überwallen und richtig abzuschotten.

– Längere, stärkere Äste werden vorher durch einen Entlastungsschnitt gekürzt, um ein Einreißen zu verhindern.

Es ist ratsam, sowohl die noch zu ästenden als auch die bereits geästeten Z-Bäume gut sichtbar zu markieren. Hilfreich ist außerdem die Führung eines Baumkatasters, mit dem genau nachvollzogen werden kann, wann wo bis zu welcher Höhe bei welchem Stammdurchmesser geästet wurde.

Wer die oben genannten Hinweise beherzigt, kann nur noch wenig falsch machen. Trotzdem sei angeraten, vor Beginn der Ästung den Rat des betreuenden Försters beziehungsweise der Försterin einzuholen.

Fröhliche Weihnacht überall …

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… und auch in den Pferdeställen wird es vielerorts andächtig. Da wird mit Zweigen geschmückt, Advent gefeiert, es werden Weihnachtsmärchen eingeübt und aufgeführt, der Nikolaus, der Weihnachtsmann oder das Christkind kommen und der gute Duft nach Pferd und Heu vermischt sich mit dem von Tannennadeln, Punsch und Lebkuchen. Wir wünschen allen eine schöne Weihnachtszeit und alles Gute für Zwei- und Vierbeiner.

Den gestiefelten Kater führten die Kinder vom Reiterhof Dose-Dibbern in Elmshorn in diesem Jahr als Weihnachtsmärchen auf. Foto: Lasse Dibbern
Auf ihrem Ritt zum zweiten Advent hatten sich Annika Ohms und Regina Hammer (v. li.) weihnachtliche Outfits angezogen. Los ging es auf dem Hof Borchers in Fahrendorf, Kreis Herzogtum Lauenburg. Foto: privat
Wer noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk ist, kann sich beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg melden, denn im Rahmen der Körung findet wieder ein großer Schautag statt. Foto: Christian Beek


Auf der Holtenauer Straße in Kiel war der Weihnachtsmann mit seinem Pony zu Besuch und verzückte die Kinder. Foto: Jule Klemmer
Proud Real Pleasure feiert Weihnachten in Sievershütten, Kreis Segeberg. Foto: Arlette Witt
Auf der Anlage des Reitvereins Floggensee in Neritz, Kreis Stormarn, verbreiteten Inga Wiesner und ihre Friesenstute Noorke weihnachtliche Stimmung. Foto: Pascal Nolte


Empathie und Einsatz überzeugten die Fachjury

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Mit großem Applaus ist der Betrieb Doose als Ausbildungsbetrieb des Jahres 2025 im Beruf Landwirt/Landwirtin ausgezeichnet worden. Die Ehrung fand in diesem Jahr im Rahmen der Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein statt – ein Programm­punkt, der den Deputierten und Gästen nicht nur fachliche Impulse, sondern auch eine willkommene persönliche Note bot.

Die Wahl des Ausbildungsbetriebs des Jahres erfolgt traditionell im Schulterschluss mehrerer landwirtschaftlicher Organisationen. In der Jury arbeiten Vertreterinnen und Vertreter des Bauernverbandes, der Landwirtschaftskammer, der LandFrauen, der Landjugend, des Verbands landwirtschaftlicher Fachbildung sowie der IG BAU zusammen. Erstmals war in diesem Jahr auch die landwirtschaftliche Sozialversicherung (SVLFG) beteiligt. Damit wird dem Thema Arbeitssicherheit auf Ausbildungsbetrieben noch stärker Rechnung getragen.

Die Auszeichnung wurde von Dana Ohm, Fachbereichsleiterin Bildung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, überreicht. Unterstützt wurde sie von je einer Vertreterin beziehungsweise einem Vertreter der beteiligten Verbände, die gemeinsam mit ihr vor der Bühne standen. Ein besonderer Moment war die Premiere des Films zum Ausbildungsbetrieb des Jahres 2025, siehe unten.

Als Partnerin begleitet zudem die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) die Auszeichnung. In einem Grußwort würdigte Vorstand Dr. Michael Adamska die Arbeit des Betriebs und überreichte dem Ehepaar Doose einen Hotelgutschein inklusive An- und Abreise im Wert von 1.500 €. „Wir werden den Gutschein nutzen und unser ganzes Team mitnehmen“, erklärte Kai Doose im Anschluss.

Der Hof von Kai und Annika Doose liegt mitten in Gönnebek und ist eng ins Dorfgeschehen eingebunden. Seit 2018 bildet der Betrieb kontinuierlich Nachwuchskräfte im Beruf Landwirt/Landwirtin aus – in der Regel zwei Auszubildende pro Jahr. Mit den Betriebszweigen Schweinemast, Ackerbau und Mutterkuhhaltung sowie der Vermietung von Ferienwohnungen zählt der Betrieb zu den eher außergewöhnlichen Ausbildungsstätten. Besonders beeindruckt hat die Jury die spürbare Leidenschaft, mit der Ausbildung hier gelebt wird.

Die Auszubildenden erfahren genau die Unterstützung, die sie benötigen – und zugleich das Vertrauen, sich entsprechend ihren Interessen auszuprobieren. Möglich wird das durch Fortbildungen, freiwillige Deula-Lehrgänge oder auch durch tageweisen Einsatz auf Partnerbetrieben aus dem Netzwerk der Familie, um weitere Betriebszweige kennenzulernen. Von Beginn an übernehmen die jungen Menschen, angepasst an ihren Ausbildungsstand, Verantwortung für Tiere, Maschinen und Mitarbeitende. Damit werden nicht nur fachliche Inhalte vermittelt, sondern auch Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und Persönlichkeit gezielt gestärkt.

Vorgeschlagen wurde der Betrieb von den Auszubildenden Berit Tralau und Tjelle Graf. Sie hoben besonders das außergewöhnliche Engagement des Betriebsleiterehepaares hervor. „Für uns ist das, was wir machen, selbstverständlich“, zitierte Dana Ohm die beiden Betriebsleiter. Gerade dieses Selbstverständnis mache die Ausbildung auf dem Hof Doose so besonders: Ausbildung wird hier nicht als Pflicht, sondern als Herzensangelegenheit verstanden – mit sichtbarer Freude auf beiden Seiten.

Weitere Informationen zum Beruf Landwirt/-in und zu aktuellen Ausbildungsplätzen finden sich auf der Webseite der Landwirtschaftskammer.

Verbundprojekt präsentiert Ergebnisse

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Nach viereinhalb Jahren ist die Arbeit des „Innovationsnetzwerkes Rind“ – kurz „InnoRind“ – vorerst abgeschlossen. Für eine „Zukunftsfähige Rinderhaltung in Deutschland unter Berücksichtigung von Tierwohl, Umweltwirkungen und gesellschaftlicher Akzeptanz“ sind mehrere Versuche im Bereich der Kälberaufzucht, des Abkalbe­managements und der Rindermast durchgeführt worden. Am 20. Januar 2026 präsentiert „InnoRind“ seine Ergebnisse in Berlin und lädt Interessierte dazu ein.

Das „InnoRind“ ist ein bundesweites Netzwerk, das viele namhafte Akteure mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Rinderhaltung vereint und sich das Ziel gesetzt hat, die Rinderhaltung in Deutschland zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Insgesamt besteht „InnoRind“ aus zwölf Projektpartnern. Dabei handelt es sich um neun wissenschaftliche Institutionen sowie neun landwirtschaftliche Versuchsbetriebe. Die Betriebe repräsentieren sowohl weitgehend die Hauptregionen der Rinderhaltung in Deutschland als auch verschiedene Betriebsformen (siehe Abbildung). Die Koordination des Verbundvorhabens hat das Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) übernommen.

Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft hat die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Rahmen des Bundesprogramms Nutztierhaltung.

Ziele des Projekts

Das Verbundvorhaben „InnoRind“ nutzt die Expertise der Projektbeteiligten, um innovative Haltungs- und Managementmaßnahmen für eine zukunftsfähige Rinderhaltung in Deutschland zu entwickeln, zu testen und dazu Empfehlungen in Form von Leitfäden für die Praxis zu erarbeiten. Im Fokus stehen dabei:

Verbesserung des Tierwohls

Verringerung der negativen Umweltwirkungen

Erhöhung der gesellschaftlichen Akzeptanz

Verbesserung der arbeitswirtschaftlichen Situation der Betriebe

Wissenstransfer und Erarbeitung von Empfehlungen für die landwirtschaftliche Praxis

Haltungs- und Managementkonzepte

Arbeitsgruppe (AG) Milchkühe – optimierte Abkalbebuchten mit Separee

Auf den Versuchsbetrieben Karkendamm (CAU), Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, LKSH) und dem Gut Dummers­torf (in Zusammenarbeit mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern) sind die Abkalbeställe umgebaut worden. Gruppenabkalbebuchten mit Separees sollen dem natürlichen Verhalten der Kühe Rechnung tragen, sodass sich die Tiere vor der Abkalbung in einen geschützten Bereich zurückziehen können. Es sind Untersuchungen zum Verhalten der Kühe und zum Kalbeverlauf durchgeführt worden. Zudem wurde der Frage nachgegangen, ob sich die Abkalbebuchten mit Rückzugsmöglichkeiten für einen verlängerten Verbleib von Kuh und Kalb (24 bis 48 Stunden) eignen und wie sich dieser auf die Tiergesundheit und das Kälbermikrobiom auswirkt. Welche Vorteile verspricht dieses System?

Kühe haben die Möglichkeit, ihrem natürlichen Verhalten nachzugehen. Sie können sich selbstständig separieren (kein zusätzlicher Buchtenwechsel unmittelbar vor der Kalbung nötig).

Ein Sichtschutz kann insbesondere für rangniedere oder kranke Kühe Stress reduzieren (positive Effekte auf Kalbeverlauf und Tiergesundheit/-wohl).

Bei Systemen mit Kuh-Kalb-Kontakt ist durch einen Sichtschutz der Bindungsaufbau zwischen Kuh und Kalb nach der Kalbung intensiver ausgeprägt.

Kuh und Kalb im Separee der Abkalbebucht auf dem Uni-Versuchsbetrieb Karkendamm. Foto: Töbke Tammen

AG Kälber – Kälberaufzucht neu gedacht

Das Thünen-Institut hat auf seinem Versuchsbetrieb Trenthorst ein stressarmes Absetz- und Separationsverfahren mithilfe eines smarten Selektionstors für Kälber in der muttergebundenen Kälberaufzucht entwickelt. Der Zugang der Kälber zu ihren Müttern wird dabei im Absetzzeitraum schrittweise eingeschränkt. Im Vergleich zum abrupten Absetzen (gleichzeitiger Entzug von Milch und Kontakt zur Mutter) werden die täglichen Zunahmen der Kälber durch dieses Vorgehen weniger stark beeinflusst. Die Verhaltensreaktion der Kühe und der Kälber auf die zwei getesteten Absetzvarianten unterschied sich jedoch.

Auf fünf Milchviehbetrieben wurde die frühe Gruppenhaltung von Kälbern untersucht (CAU, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern, LKSH, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Hochschule Rhein-Waal): Untersuchung der Auswirkung der Haltung von Kälbern zu zweit oder in Kleingruppen ab der ersten Lebenswoche auf Leistung, Tiergesundheit und Stress sowie Untersuchungen zu Verhalten, Gesundheit und Stress bei der Umstallung der Kälber aus der Paar- und Kleingruppenhaltung in die weitere Gruppenhaltung. Das ausführliche Gesundheitsscoring ergab, dass sich die Kälber in der frühen Gruppenhaltung des Lehr- und Versuchszentrums (LVZ) Futterkamp sehr vital und aktiv mit ausgeprägtem Sozialverhalten während der gesamten Aufzucht zeigten.

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat auf dem Versuchsbetrieb in Achselschwang die Gruppenhaltung von Kälbern im Außenklimastall getestet. Ziel war die Optimierung des Stallklimas unter den Gesichtspunkten des Tierwohls und Tierverhaltens.

AG Mastrinder – innovative Rinder­mast

Das Thünen-Institut für ökologischen Landbau hat die silvopastorale Weidemast von Holstein-Ochsen im ökologischen Landbau untersucht. Es wurde die Kombination aus zweisömmriger Weidehaltung mit Futterhecken sowie einer dazwischenliegenden Winterstallhaltung erprobt. Ein derartiges Mastverfahren könnte das Tierwohl durch Schatten (Hecken), erhöhte Bewegungsfreiheit und Außenklimazugang (Weidehaltung) verbessern; positive Ökosystemleistungen der Hecken für Luft- und Wasserqualität sowie für die Kohlenstoffbindung sind aus der Literatur bereits bekannt. Die Ergebnisse zeigen, dass mit vergleichsweise kurzer Mastdauer (zirka 21 Monate), begrenztem Kraftfuttereinsatz und Weidehaltung sehr gute Leistungen bei gleichzeitig hoher Fleischqualität erzielt werden können. Die silvopastorale Mast bietet damit eine nachhaltige und praxisnahe Möglichkeit, männliche Kälber tiergerecht in regionale Wertschöpfungssysteme zu integrieren.

Mastrinder in der Außenbucht auf dem Betrieb Groß Kreutz. Foto: Kay Fromm
Ochsen auf der Weide zwischen den für den Versuch angebauten Futterweiden. Foto: Dr. Tony Krebs

Auf den Betrieben in Grub (LfL) und Groß Kreutz (in Zusammenarbeit mit dem ATB Potsdam – Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie) wurden bestehende Systeme der intensiven Mastrinderhaltung auf ihr Potenzial zur Verbesserung des Tierwohls und der Tiergesundheit durch Anpassungen in den Bereichen Buchtengestaltung, Stallklima, Außenklima und Auslauf optimiert. In Groß Kreutz wurde die typische Stallhaltung mit der Außenhaltung verglichen. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Werte in Bezug auf Lebendmasse, tägliche Zunahmen, Schlachtgewicht, Bemuskelung und Fettklasse zwischen beiden Systemen vergleichbar sind. Die Tiere in Außenhaltung zeigten jedoch weniger starke Verschmutzungen und einen besseren Klauenzustand im Vergleich zur Haltung auf gummiertem Vollspaltenboden. Zudem ist eine Einstufung des Fleisches in Haltungsform 3 oder 4 möglich, was einen Mehrerlös von bis zu 0,22 €/kg Schlachtgewicht bringen kann.

AG Tierwohlplanung – Managementkonzept zur Verbesserung des Tierwohls

Das Thünen-Institut hat in der AG Tierwohlplanung ein präventiv orientiertes Managementkonzept für eine strukturierte und systematische Tierwohlplanung für die Praxis entwickelt. Dieses kann in Rinder haltenden Betrieben zur kontinuierlichen Verbesserung und Sicherstellung des Tierwohls eingesetzt werden. Hintergrund: Viele sogenannte Produktionskrankheiten in der Rinderhaltung, beispielsweise Lahmheiten, Eutergesundheits- und Stoffwechselstörungen, sind fast immer multifaktoriell bedingt. Das heißt, eine Vielzahl von Ursachen führt zu einer Erkrankung oder einer Verletzung. Die Einflussfaktoren liegen in der Regel auf Betriebsebene: in der Haltung, der Fütterung oder dem Management. Eine entscheidende Rolle in der Sicherstellung und Aufrechterhaltung des Wohlergehens der Nutztiere kommt daher der Vorbeugung von Gesundheitsstörungen und anderen Tierwohlproblemen zu. Konzept, Hintergründe und Praxisumsetzung der Tierwohlplanung werden in dem im Projekt erstellten Ratgeber und auf der dazugehörigen Webseite erklärt. Letztere bietet zudem eine Übersicht über verfügbare Tools für die Tierwohlplanung (www.tierwohlplanung.de).

Gemeinsame Abstimmung zur praktischen Tierwohlplanung. Foto: Dr. Solveig March

Ganzheitliche Konzepte für die Praxis

Alle Versuche und Entwicklungen sind ganzheitlich evaluiert worden, sodass auch die Auswirkungen auf das Tierwohl und die Tiergesundheit, der Antibiotikaeinsatz sowie die Tierhygiene, der mögliche Hitzestress sowie das Stallklima, die praktische Umsetzbarkeit, die Umweltwirkungen, die gesellschaftliche Akzeptanz und die ökonomische Bewertung mit in die Auswertungen einbezogen worden sind. Aktuell werden Leitfäden von jeder Arbeitsgruppe erstellt, in denen Schritt für Schritt über die bearbeiteten Haltungs- und Managementkonzepte berichtet wird. Diese werden allen Interessierten ab Mitte Januar 2026 zur Verfügung stehen.

„InnoRind“-Abschluss­veranstaltung in Berlin

Die Ergebnisse werden am 20. Januar 2026 in den Räumlichkeiten der Vertretung des Landes Schleswig-Holstein beim Bund (In den Ministergärten 8, 10117 Berlin) präsentiert. Interessierte sind eingeladen, mit den Beteiligten über die Zukunft der Rinderhaltung in Deutschland zu diskutieren. Den Impulsvortrag dazu wird Prof. Harald Gre­the von der Humboldt-Universität zu Berlin halten. Anmeldung über folgenden Link: https://forms.gle/rwazs6RfL2PLtSRs9 (bitte die begrenzte Teilnehmerzahl beachten).

Das Programm findet sich unter: https://t1p.de/xr20m


„InnoRind“-Abschluss­veranstaltung und Webinarreihe

• 20. Januar 2026 von 10 bis 17 Uhr: „InnoRind“-Abschlussveranstaltung in Berlin, Anmeldung über https://forms.gle/rwazs6RfL2PLtSRs9

Zusätzlich zur Abschlussveranstaltung werden die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse in einer Webinarreihe vorstellen:

• 8. Januar 2026 von 19 bis 21 Uhr: AG Mastrinder „Mast have – innovative Rindermast im Fokus“ unter anderem mit Vortrag von Landwirt Benedikt Ley (Mühlenhof Zeppelin) und AG Tierwohlplanung „Tierwohlplanung – ein präventiv orientiertes Managementkonzept zur Verbesserung des Tierwohls in der Praxis“

• 22. Januar 2026 von 19 bis 20.30 Uhr: AG Milchkühe „Abkalbebuchten neu gedacht – was wünschen sich die Kühe?“

• 29. Januar 2026 von 19 bis 20.30 Uhr: AG Kälber „Gemeinsam fit – Kälberaufzucht neu gedacht“

Anmeldung für diese Veranstaltungen über https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSf3leChKtk12n2V8au52Wa7V9Emx58z2NEpL5mX4SePvOdd0A/viewform

­Zusätzlich wird am 15. Januar die Baulehrschau in Futterkamp stattfinden, in der es um die „Frühe Gruppenhaltung von Kälbern“ aus dem Projekt „InnoRind“ geht.


Rodemaßnahmen auf Fehmarn

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Der Pflanzenschutzdienst bei der Landwirtschaftskammer hat ein weiteres Auftreten des Rundköpfigen Apfelbaumbohrers (Saperda candida) im Norden Fehmarns entdeckt. In den kommenden Monaten muss daher der Befall mit dem Rundköpfigen Apfelbaumbohrer getilgt werden.

Erneut gab es Larvenfunde des Quarantäneschädlings Saperda candida zwischen Puttgarden und Johannisberg im September dieses Jahres. Eine amtliche Untersuchung bestätigte den Befall von Weißdornpflanzen mit dem Käfer.

Im Rahmen von amtlichen Monitoringmaßnahmen durch den Pflanzenschutzdienst sind die befallenen Pflanzen in einem Knick an der K 63 zwischen Puttgarden und Johannisberg entdeckt worden. Aus den bestätigten Larvenfunden ergeben sich ausgehend von den befallenen Pflanzen zwei Befallszonen mit einem Radius von je 200 m. Das aktuelle Befallsgeschehen ist zwischen drei bereits in der Vergangenheit getilgten Befallszonen lokalisiert. Die Pufferzone, die die Befallszonen umgibt, muss daher nicht vergrößert werden.

Eine herauspräparierte Larve, die dem amtlichen Nachweis dient

Rodemaßnahmen notwendig

Um den Befall mit dem Rundköpfigen Apfelbaumbohrer zu tilgen, sind im neuen Jahr weitere Fäll- und Rodemaßnahmen notwendig. Dazu wird eine aktualisierte Allgemeinverfügung veröffentlicht, die auch eine Karte mit den bisherigen und den beiden neuen Befallszonen enthält und unter anderem Regeln für den Umgang mit Wirtspflanzen im abgegrenzten Gebiet umfasst (siehe unter https://t1p.de/nn7vm)

Damit der Befall getilgt werden kann, werden die Wirtspflanzen innerhalb der errichteten Befallszonen in den kommenden Monaten gerodet. Betroffen sind neben Knicks auch Alleebäume an der K 63 sowie Bäume und Sträucher auf einem Privatgrundstück.

Weitere Arbeiten sind in einigen bereits getilgten Befallszonen vorgesehen. Ziel ist, die Befallszonen frei von Wirtspflanzen zu halten, weshalb dort Wurzelschosser und Sämlinge der Wirtspflanzen entfernt werden.

Die notwendigen Maßnahmen werden im Rahmen der geltenden Gesetze durch den amtlichen Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein durchgesetzt, Kompensationspflanzungen sind geplant. Des Weiteren werden das Befallsgebiet und dessen Umgebung weiterhin regelmäßig durch den amtlichen Pflanzenschutzdienst auf das Vorhandensein typischer Befallssymptome kontrolliert. Dabei kommen auch speziell ausgebildete Spürhunde und Pheromonfallen zum Einsatz.

Der Rundköpfige Apfelbaumbohrer (Saperda candida) ist ein in Nordamerika beheimateter Bockkäfer. Er ist seit 2019 als Quarantäneschädling in der EU gelistet (Pflanzengesundheitsverordnung (EU) 2016/2031 und Durchführungsverordnung (EU) 2019/2072). Der Schädling gefährdet den europäischen Erwerbsobstbau, indem die Käferlarven Bohrgänge im Holz völlig gesunder Bäume anlegen, die zum Absterben der Bäume führen können. Wirtspflanzen sind unter anderem neben Obstgehölzen wie Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume und Quitte auch Feuerdorn, Cotoneaster, Schlehe und Weißdorn sowie die auf Fehmarn häufige Schwedische Mehlbeere. Natürliche Gegenspieler oder chemische Bekämpfungsmöglichkeiten sind nicht verfügbar, weshalb der Käfer nur durch die Rodung der Wirtspflanzen in den Befallszonen und die anschließende Vernichtung des Pflanzenmaterials ausgerottet werden kann.

Mithilfe der Bevölkerung

Um weitere mögliche Befallsstellen aufzuspüren und so die Verbreitung des Schädlings zu verhindern, bittet der amtliche Pflanzenschutzdienst um Mithilfe aus der Bevölkerung Fehmarns. Pflanzen, die dem Rundköpfigen Apfelbaumbohrer als Wirt dienen können, dürfen in den Befallszonen und in der Pufferzone bis auf Weiteres nicht neu gepflanzt werden. Außerdem ist die Verbringung von Holz und Wirtspflanzen aus der Pufferzone heraus nur mit einer amtlichen Genehmigung möglich. Werden typische Befallssymptome wie etwa bleistiftdicke, kreisrunde Ausbohrlöcher am Stamm oder das sogenannte Genagsel (Holzspäne und Larvenkot) am Stammfuß von Obstbäumen oder Weißdornhecken entdeckt, besteht Meldepflicht. Verdachtsfälle können beim zuständigen Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Grüner Kamp 15-17, 24768 Rendsburg gemeldet werden bei Stephan Monien, Tel.: 0 43 31-94 53-390, E-Mail: smonien@lksh.de

Zitterpappel ist Baum des Jahres 2026

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Die Zitterpappel (Populus tremula) wird der Baum des Jahres 2026. Mit dieser Wahl rückt eine Baumart in den Fokus, die aktuell in den Wäldern Schleswig-Holsteins noch selten vorkommt, aber zukünftig wichtiger wird. Dank ihrer Robustheit und ausgeprägten Verjüngungsfähigkeit rechnen die Förster damit, dass sie bei der Wiederbewaldung von Kahlflächen im Klimawandel einen wichtigen ökologischen Beitrag für die Waldentwicklung leisten kann.

„Zitterpappeln gehören zu den Weichlaubhölzern und zählen zu den klassischen Pionierbaumarten“, erklärt Dr. Chris Freise, Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. „Gerade bei der Erstbesiedlung von Störflächen können Zitterpappeln gemeinsam mit Birken einen wichtigen ökologischen Beitrag für die Waldentwicklung leisten.“ So werden nach Störungsereignissen Nährstoffkreisläufe schnell wieder geschlossen und ein Waldinnenklima aufgebaut, in dem sich auch langlebige Arten besser ansiedeln können. Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse, Trockenphasen und Sturmschäden rechnen Forstexperten damit, dass Störungen in den Waldökosystemen weiter zunehmen werden – auch in Schleswig-Holstein. In solchen Situationen seien Pionierarten besonders wertvoll: Sie sorgten für eine rasche Wiederbewaldung und bereiteten so in einem schnell wachsenden Jungwald den Weg für nachfolgende Baumarten, so Freise. Das sei eine Art Risikoversicherung für das Waldökosystem. Mit Blick auf den Klimawandel und auf die Erwartung, dass einige Baumarten mit den steigenden Temperaturen nicht zurechtkommen könnten, richten die Landesforsten ihre waldbauliche Strategie zunehmend auch auf Risikostreuung aus. Dadurch gewinnen Pionierbaumarten an Bedeutung. „Wir integrieren sie bewusst in unsere Waldbaukonzepte“, erklärt Freise.

Die rundlichen, teilweise herzförmigen Blätter der Zitterpappel sind grün glänzend, die Unterseite ist matt hellgrün. Foto: H.-R. Müller

Die Zitterpappel sei aber nicht nur aus waldbaulicher, sondern auch aus naturschutzfachlicher Perspektive ein Gewinn, denn die Förderung früher Sukzessionsstadien steigere die Biodiversität in den Wäldern. So überzeugt die Zitterpappel in puncto Artenvielfalt: Über 60 Schmetterlingsarten – darunter der farbenprächtige Große Schillerfalter – nutzen sie als Futterpflanze. Zahlreiche Vogelarten profitieren von dem reichen Insektenvorkommen an der Zitterpappel, und auch viele Pilzarten sind eng mit ihr vergesellschaftet und übernehmen so wichtige Funktionen im Waldökosystem.

Die Zitterpappel findet man in Schleswig-Holstein vor allem auf den reicheren Böden des Hügellandes. Sie kommt dort auch gut mit Stauwassereinfluss zurecht. Ihren Namen hat die Pappelart von ihren zitternden Blättern, die sich sehr leicht und schnell mit raschelnden Geräuschen im Wind bewegen.

Das LandFrauenjahr 2025

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Die LandFrauen haben sich im Jahr 2025 an unterschiedlichsten Veranstaltungen beteiligt. Hier eine Auswahl schöner Bilder.

Im März trafen sich die Mitglieder des Arbeitskreises Molfsee im Jahr100Haus.
Mehr als 120 LandFrauen kamen in diesem Jahr zur großen Arbeitstagung in die Stadthalle Neumünster.
Wie jedes Jahr Erfolg versprechend: Unser BAFF-Aufbaukurs war auch 2025 wieder komplett ausgebucht.
Die LandFrauen verewigen sich bei der Baumpflanz-Challenge an der Landwirtschaftskammer in Rendsburg.
Sportlich unterwegs: Claudia Jürgensen absolvierte unzählige Termine als LandFrauenpräsidentin.
LandFrauenvizepräsidentin Sylke Messer-Radtke (Mitte) nahm für uns in Köln am bundesweiten Hauswirtschafts-Kongress teil.
Unsere Verbands-Geschäftsführerinnen Ninette Lüneberg (li.) und Dr. Gaby Brüssow-Harfmann auf der Grünen Woche in Berlin
Im November machten sich die Infoblätter 2026 auf die Reise in die LandFrauenortsvereine.
Auch in diesem Jahr war unser LandFrauenpavillon auf der Norla an allen Messetagen bestens besucht.
Die LandFrauengeschäftsstelle setzt zum Orange Day im November ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.
Im März hieß es wieder: Herzlich willkommen zur Vertreterinnenversammlung 2025 in den Holstenhallen Neumünster!


Neues Förderangebot für den Privatwald

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Seit Juni 2025 gibt es das neue Förderangebot „Wiedervernässung von Waldmooren“ im Privatwald. Das Förderangebot ist Teil des Landesprogramms „Biologischer Klimaschutz durch Moorschutz und Neuwaldbildung“ und soll dazu beitragen, auch in Waldmooren durch Wiedervernässung Gewinne für Klima- und Biodiversitäts-
schutz zu erzielen.

Entwässerte Moorböden sind mit einem Anteil von rund 18 % an den landesweiten Emissionen eine wesentliche Treibhausgas (THG)-Quelle in Schleswig-Holstein. Die Wiedervernässung entwässerter Moorböden spielt daher im biologischen Klimaschutz eine besondere Rolle. Neben den Mooren im Offenland haben auch Waldmoore ein großes Potenzial für den Klima- und Biodiversitätsschutz. In Schleswig-Holstein gibt es rund 15.000 ha Waldmoore. Der Großteil dieser Waldmoore ist entwässert, um eine forstwirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen. Durch die Entwässerung emittieren diese Flächen erhebliche Mengen THG. Mit Vernässungsmaßnahmen können die THG-Emissionen aus entwässerten Waldmooren deutlich reduziert werden.

Förderangebot für Waldmoore

Um das Potenzial von Waldmooren für den Klima- und Biodiversitätsschutz nutzen zu können, wurde gemeinsam vom Waldbesitzerverband Schleswig-Holstein, der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und dem Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN) ein Förderangebot für die Wiedervernässung von Waldmooren entwickelt. Umsetzungspartnerin ist die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Im Rahmen des Förderangebots wird das Vernässungsrecht für eine Waldmoorfläche per Vertrag über eine Laufzeit von 30 Jahren an die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein übertragen. Im Gegenzug erhält der Eigentümer oder die Eigentümerin ein Entgelt, das sich am Klimaschutzpotenzial der Waldmoorfläche orientiert. Das Förderangebot richtet sich an private Eigentümer und Forstbetriebsgemeinschaften.

Klimapunkte-Verfahren

Beim Klimapunkte-Verfahren (KP-Verfahren) überträgt der Flächeneigentümer die Vernässungsrechte an die Stiftung Naturschutz. Im Gegenzug erhält der Flächeneigentümer ein Entgelt. Grundlage für die Anwendung des KP-Verfahrens ist die Bewertung einer Fläche hinsichtlich ihres Klimaschutzpotenzials (gemessen in Klimapunkten, ein Klimapunkt entspricht 1 t CO2-Äq. pro Jahr). Das Klimaschutzpotenzial entspricht der Menge an THG, die die Fläche im aktuellen Zustand emittiert. Es fließt in die Berechnung des Entgelts ein.

Für die Beratung und weitere Informationen steht die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein unter beratung@stiftungsland.de zur Verfügung.

Exportschlager Gerste

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Die Kurse für Ackerfrüchte reichen aktuell nicht aus, um alle Kosten im Marktfruchtbau zu decken. Meist liegen die Preise unter den ebenfalls unzureichenden Erlösen der beiden Vorjahre. Nur bei Raps und Futtergerste wird die Preislinie des Vorjahres erreicht. Der stetige Absatz des Rapses an die Biodieselproduktion stützt den Handel. Für die Gerste zeigt sich dagegen in diesem Jahr eine besondere Entwicklung: Der Grund ist vor allem eine rege Nachfrage im Nahen Osten und in Nordafrika. Dort wird die Gerste benötigt, um die großen Mengen an Kamelen, Schafen und Ziegen mit Futtermitteln zu versorgen. Zudem haben sich auch die Geflügelbestände in diesen Regionen in den vergangenen Jahren erhöht. Die Länder der Europäischen Union haben in den ersten fünf Monaten der Saison bereits 5,56 Mio. t Gerste (einschließlich Malz) exportiert, das sind 66 % mehr als im Vorjahreszeitraum.

Gerstenpreise auf Weizenniveau

Für Deutschland weist die Statistik Gerstenexporte in Drittstaaten von 440.000 t aus. Hinzu kommen rechnerisch 172.000 t Braugerste, die zu Malz verarbeitet und in Drittstaaten geliefert wurden. Während in Schleswig-Holstein die Gesamterntemenge an Wintergerste leicht über dem Vorjahresergebnis liegt, ist die bundesweite Ernte kleiner als im Vorjahr ausgefallen. Auch in der Schwarzmeerregion sind die Anbauflächen und die Erträge hinter die Ergebnisse des Vorjahres zurückgefallen. Somit war das norddeutsche Angebot an Gerste im internationalen Handel gefragt. Unterstützung für die Gerstenpreise kommt auch durch die kleine Körnermaisernte in Deutschland und in der EU. Auch die hiesigen Mischfutterwerke zeigen mit Blick auf die schwinden Vorräte an Gerste eine erhöhte Nachfrage. Allein über die ostdeutschen Häfen wurden im November bis Anfang Dezember 160.000 t Gerste verschifft. Dies entspricht etwa 25 % der Gerstenernte von Schleswig-Holstein. Die Kurse für Gerste lagen zwischenzeitlich über den Geboten für Futterweizen und erreichten fast das Niveau von Brotweizen. Das hohe Transportaufkommen sorgte für logistische Engpässe. Es fehlte vor allem an Lkw. Viele Transporte sind jetzt in den Januar verschoben worden. Händler bieten attraktive Preise auch für spätere Lieferungen.

Wie geht es weiter?

Der Blick auf das neue Jahr ist dagegen etwas getrübt. Der weltweite Getreidehandel schaut vor allem auf Australien. Dort wurde mit 15,8 Mio. t eine Rekordernte an Wintergerste eingefahren. Damit wird der Zehn-Jahres-Schnitt um 33 % übertroffen. Auch die kanadische Rapsernte übersteigt das Vorjahresergebnis um 19 %. Dazu kommen Meldungen über eine umfangreiche Gerstenernte in Argentinien. So könnte die Exportnachfrage hierzulande im kommenden Jahr nachlassen. Ob die Kurse wieder unter Druck geraten, hängt auch davon ab, wie viel von der Gerstenernte dann bereits vermarktet worden ist.

Nachdem in den vergangenen Jahren rückläufige Tierbestände auch die Mischfutterproduktion reduziert haben, erhöhte sich das Futtermittelangebot im laufenden Jahr wieder leicht. Nach einer Erhebung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung wurde vor allem der Anteil an Gerste im Mischfutter erhöht. Damit zeigt sich, dass deren hoher Futterwert hierzulande wie international geschätzt wird.

Historische Alltagsobjekte im Dialog mit neuem Design

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Unter dem Titel „Alltagsanmut: Sammlung inspiriert Kunsthandwerk“ lädt das Freilichtmuseum Molfsee zu einer neuen und spannenden Ausstellung ein. Im Jahr100Haus trifft altes und traditionelles Handwerk auf Kunst und modernes Design.

Die Schau basiert auf Dinge des Alltags aus vergangenen Jahrhunderten – und inspirierte Künstlerinnen und Künstler des Berufsverbands Angewandte Kunst Schleswig-Holstein (BAK SH) zu ganz eigenen Werken.

Eva Koj stellt dem uralten Bienenkorb ihre Vasenkreationen gegenüber.
Foto: Sven Tietgen

Auf die lange Bank schieben sollten Interessierte den Besuch in dem imposanten Museumsneubau aber nicht: Bis zum 18. Januar 2026 öffnet die ungewöhnliche Schau, sie ist damit die kürzeste Ausstellung, die von Kuratorin Dr. Babette Tewes und Museumsdirektorin Dr. Kerstin Poehls auf die Beine gestellt wurde. Deutlich länger war der Vorlauf, seit Sommer 2024 tüftelte das Organisationsduo an der Ausstellung. Auslöser waren Silke Lazarević, Goldschmiedin und Schmuckdesignerin, sowie die Keramikerin Eva Koj. Beide klopften an die Tür des Freilichtmuseums – und wurden mit offenen Armen empfangen.

„Es hat einfach gepasst, wir wollten verstärkt die Sammlung des Freilichtmuseums und ihre Bedeutung für die Gegenwart deutlich machen, da kamen die beiden Kunsthandwerkerinnen gerade richtig“, erzählt Kuratorin Tewes. Zusammen entwickelte das Quartett die Idee, ausgewählte Objekte aus der Museumssammlung in einen direkten Dialog mit den Arbeiten von Mitgliedern des Berufsverbands Angewandte Kunst zu bringen. Für das Projekt streiften 15 Kunsthandwerker durch die Sammlung des Freilichtmuseums auf dem Hesterberg in Schleswig. Unter den rund 100.000 Teilen fanden sie schließlich die Objekte, bei denen es bei den organisierten Künstlern „klick“ gemacht hat.

Historische Mangelbretter

Silke Lazarević hatten es historische Mangelbretter angetan, die oft von Brautwerbern als Geschenk an ihre Zukünftigen in die Ehe eingebracht wurden. „Viele Mangelbretter haben Griffe in Form von Meerweibchen, das hat mich zu Leuchtobjekten inspiriert“, erzählt die Husumer Künstlerin, die auch als Vorsitzende des Berufsverbands fungiert. Als Schirmmaterial griff sie zu Pergament aus Tierhaut und schnitt mit einem Laser-Cutter Linien und Kurven hinein, die je nach Beleuchtungseinstellung unterschiedliche Motive zeigen.

Den blau unterlegten Kohle-Bügeleisen stehen in Kontrast zu Boot-Formen aus Keramik.
Foto: Sven Tietgen

Der Textilkünstler Andreas Möller suchte sich ein altes Röhrenradio aus – aber nicht wegen des technischen Innenlebens. Der Hamburger interessierte sich für die Bespannung und schuf als Gegenüber vier Stoffquadrate, die auf einem selbst entwickelten Webstuhl entstanden. Katharina Böttcher wiederum entdeckte im Museumsdepot in einem Regal aneinandergereiht alte, mit Kohle betriebene Bügeleisen. Die Künstlerin sah vor ihrem inneren Auge Boote, die nebeneinander an einer Kaimauer schaukeln, und entwickelte eine Reiheninstallation mit Objekten aus schwarz glasierter Steinzeugkeramik – inklusive einem Kreuzfahrtschiff im Miniformat.

Eva Koj, ebenfalls Keramikerin, hat sich in der Sammlung in einen uralten Bienenkorb verliebt. „Ich fand das Stück einfach unglaublich schön“, sagt die Künstlerin aus Mielkendorf. Sie griff die Struktur aus Stroh, Lehm und Kuhdung auf und ließ sich auch von der Form zu großformatigen Vasen inspirieren. Manche Künstler lassen eine humorvolle Ader erkennen: Jan Koberstein ließ sich von norwegischen Würfelstühlen zu einem Kunstwerk mit dem Titel „Der widerborstige Kern“ inspirieren: Sein Pendant ist ein Stück Baumstamm, aus dem er den Kern herausgesägt hat. Dort könne nun kein Pilz mehr das Holz zersetzen, schreibt der Künstler – und verschloss die Öffnung mit einer Blume aus Keramik.

Pfiffige Abwandlungen

Jan Koberstein schuf außerdem eine pfiffige Abwandlung der Kohle-Bügeleisen: Aus Granit, Jasmin und Draht baute er ein Modell, das den mächtigen Bügelkörper betont. „Jeder Künstler hat seinen eigenen Weg gefunden, mit den historischen Dingen umzugehen. Und dieser neue Blick zeigt den Museen auch, wie viel Handwerk in den Dingen steckt“, erklärt Museumsdirektorin Dr. Kerstin Poehls. Die Ausstellung hat für sie einen besonderen Clou: „Der Verfremdungseffekt durch die Arbeiten der Künstler schafft einen neuen Fokus auf die Alltagsdinge aus alter Zeit.“

Diese historische Hutschachtel weckte das Interesse der Künstlerin Astrid Schessner.
Foto: Sven Tietgen

Deutlich wird dies auch an den Arbeiten von Astrid Schessner: Die Holzkünstlerin ließ sich von den Hutschachteln aus dem Museumsbestand inspirieren. Sie interessierte sich besonders für die Fertigungstechniken und die Materialeigenschaften. „Astrid Schessner ging dabei der Frage nach, wie weit sich das Holz biegen und verformen lässt, ohne zu brechen“, erzählt Babette Tewes. Herausgekommen sind feine Holzgefäße, die sie mit Näh- und Leimtechniken aus Biege- und Birkensperrholz in Form brachte – und die über keine bestimmte Nutzungsvorgabe mehr verfügen.

Die im Berufsverband organisierten Künstler sehen aber auch eine gewisse Verwandtschaft mit den Herstellern der teils über 500 Jahre alten Gebrauchsgegenstände. Jedes Produkt, das in den Werkstätten vergangener Jahrhunderte entstand, war oft auch ein Unikat. „Die frühen Kunsthandwerker haben die Dinge verziert, damit eine eigene Handschrift hinterlassen und ihnen so einen besonderen Wert zugewiesen“, erläutert Silke Lazarević. Weitere Informationen zu der Ausstellung, zu Workshops und Führungen unter
www.freilichtmuseum-sh.de

Eva Koj, Kerstin Poehls, Babette Tewes und Silke Lazarević (v. li.) organisieren eine spannende Ausstellung im Freilichtmuseum Molfsee.
Foto: Sven Tietgen
Neuer Blick auf historische Bügeleisen: Ein Kreuzfahrtschiff im Miniformat aus Keramik – inklusive Passagieren.
Foto: Sven Tietgen
Astrid Schessner gestaltete aus Sperrholz ungewöhnliche Aufbewahrungsformen.
Foto: Sven Tietgen
Vor allem aus Granit entstand diese Bügeleisen-Arbeit.
Foto: Sven Tietgen
Auch diese Würfelstühle aus Norwegen inspirierten zu Neuinterpretationen.
Foto: Sven Tietgen
Antwort auf die Würfelstühle: „Der widerborstige Kern“ von Jan Koberstein.
Foto: Sven Tietgen