Seit Jahrhunderten prägen Knicks das Landschaftsbild Schleswig-Holsteins. Die typischen Wallhecken dienten ursprünglich vor allem dazu, einzelne Parzellen voneinander abzugrenzen und Holz als wichtigen Rohstoff zu gewinnen. Auch heute haben Knicks für die Landwirtschaft einen hohen praktischen Wert. Sie bremsen den Wind, schützen angrenzende Flächen vor Bodenerosion und tragen zu einem ausgeglicheneren Kleinklima bei.
Knicks erfüllen jedoch weit mehr als nur diese ursprünglichen Funktionen: Sie leisten einen wichtigen Beitrag zu Klima- und Bodenschutz, fördern den Naturhaushalt und sind ein prägendes Element der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft.
Knicks bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum. Besonders ihre Bedeutung für die Artenvielfalt ist hervorzuheben. In Knicks finden mehrere Hundert Pflanzenarten sowie rund 7.000 verschiedene Tierarten geeignete Lebensbedingungen. Damit gehören Knicks zu den ökologisch besonders wertvollen Strukturen unserer Landschaft. Aufgrund ihrer großen Bedeutung sind sie gemäß Bundes- und Landesnaturschutzgesetz als geschützte Biotope eingestuft.
Damit diese wertvollen Lebensräume langfristig erhalten bleiben, ist eine fachgerechte Pflege unerlässlich. Dazu gehören insbesondere das regelmäßige „Auf-den-Stock-Setzen“ der Gehölze sowie ein sachgerechter seitlicher Rückschnitt. Gleichzeitig müssen die gesetzlich vorgeschriebenen Pflegezeiträume und Schutzvorgaben eingehalten werden.
Seitlicher Rückschnitt: ab 17. September zulässig
Der seitliche Rückschnitt von Knicks ist derzeit vom 17. September bis einschließlich 14. Februar zulässig, in Schaltjahren bis einschließlich 15. Februar.
Dabei darf der Knick senkrecht bis zu einer Höhe von 4 m und seitlich bis zu einem Abstand von 1 m vom Knickwallfuß zurückgeschnitten werden. Bei ebenerdigen Gehölzpflanzungen ist ein Abstand von 1 m zum Wurzelhals der am Rand des Gehölzstreifens stehenden Gehölze einzuhalten.
Ein seitlicher Rückschnitt ist frühestens drei Jahre nach dem „Auf-den-Stock-Setzen“ zulässig. Danach darf er im Abstand von jeweils drei Jahren wiederholt werden.
Knickwallflanken und Schutzstreifen pflegen
Auch die Flanken des Knickwalls benötigen regelmäßige Pflege. Sie dürfen vom 15. November bis einschließlich des letzten Tages des Monats Februar fachgerecht durch Mahd und Mulchen gepflegt werden.
Darüber hinaus ist zum Schutz der Knicks auf Ackerflächen ein 50 cm breiter Schutzstreifen entlang des Knickwallfußes einzuhalten. Dieser Bereich darf weder ackerbaulich genutzt noch mit Kulturpflanzen bestellt, gedüngt oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Die Pflege des Schutzstreifens durch Mahd und Mulchen ist ganzjährig zulässig. Aus Artenschutzgründen sollte dabei der Zeitraum von Mitte Juli bis Ende Februar bevorzugt werden. Ebenso darf der Streifen etwa alle drei Jahre gegrubbert werden. Dies sollte nicht zu tief erfolgen.
Auf Dauergrünlandflächen ist die Anlage eines Schutzstreifens nicht vorgeschrieben.
Der Schutzstreifen trägt dazu bei, den empfindlichen Übergangsbereich zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Knick zu schützen und damit auch die ökologische Funktion des Knicks zu erhalten.
„Auf-den-Stock-Setzen“
Eine zentrale Maßnahme der Knickpflege ist das sogenannte „Auf-den-Stock-setzen“. In Schleswig-Holstein ist diese Pflege frühestens alle 10 Jahre im Zeitraum vom 1. Oktober bis einschließlich des letzten Tages des Monats Februar erlaubt. Dabei werden die Gehölze etwa eine Handbreit über dem Boden zurückgeschnitten. Es ist darauf zu achten, glatte Schnitte auszuführen, damit ein optimaler Neuaustrieb stattfinden kann. Gegebenenfalls ist ein händisches Nachschneiden mit der Motorsäge notwendig.
Überhälter: Wertvolle Bäume im Knick erhalten
Des Weiteren ist darauf zu achten, im vorgegebenen Abstand von 40 bis 60 m Überhälter stehen zu lassen. Als Überhälter gelten Bäume erst ab einem Stammumfang von mindestens 1 m, gemessen in 1 m Höhe über dem Boden. Überhälter dürfen nur im Zuge des Knickens gefällt werden. Erreicht ein Überhälter einen Stammumfang von über 2 m, darf dieser dauerhaft nicht gefällt werden.
Mehrstämmige Überhälter
Sind auf einem Abschnitt keine einstämmigen Überhälter vorhanden, können auch mehrstämmige Bäume als Überhälter gelten, wenn deren zwei kräftigsten Stämme, gemessen in 1 m Höhe über dem Boden, einen Stammumfang von mindestens 1 m betragen. Wenn der Stammumfang der beiden kräftigsten Stämme mehr als 2 m beträgt, gilt der Baum ebenfalls als dauerhaft geschützt.
Hohe Nachfrage nach Knickausgleich!
– Für jeden entfernten Knick (Eingriff) muss ein neuer Knick als Ausgleich angelegt werden.
– Wer eine geeignete Fläche dafür hat, kann solche Kompensationsknicks selbst anlegen und die Ausgleichsmaßnahme anschließend verkaufen.
– Dafür ist zunächst eine Anerkennung durch die Untere Naturschutzbehörde erforderlich. Die Kosten der Anlage müssen selbst getragen werden.
– Die Nachfrage nach Knickausgleich ist derzeit deutlich höher als das Angebot, vor allem im Naturraum Geest.
– Die Landwirtschaftskammer unterstützt bei Beratung, Antragstellung, Umsetzung und Vermarktung von Kompensationsknicks.
Jetzt unverbindlich und kostenlos informieren: Hannah Röhlig hroehlig@lksh.de oder unter 0 45 51-95 98 48.
Fazit
Fachgerechte Pflege schützt den Lebensraum Knick und ist entscheidend, damit Knicks ihre vielfältigen ökologischen Funktionen dauerhaft erfüllen können. Der richtige Rückschnitt trägt dazu bei, die typische Struktur der Knicks zu erhalten und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu sichern.
Der seitliche Rückschnitt ist vom 17. September bis einschließlich 14. Februar, in Schaltjahren bis einschließlich 15. Februar, zulässig. Das „Auf-den-Stock-Setzen“ bleibt weiterhin im Zeitraum vom 1. Oktober bis Ende Februar erlaubt. Für beide Pflegemaßnahmen gelten dabei klare Vorgaben, die zum Schutz der Knicks und ihrer Biodiversität einzuhalten sind.
Wer Knicks fachgerecht pflegt, leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft und ihrer Artenvielfalt. Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben ist dabei nicht nur eine rechtliche Verpflichtung, sondern ein wichtiger Bestandteil des aktiven Naturschutzes.
Nicht ordnungsgemäß durchgeführte Pflegemaßnahmen können Ordnungswidrigkeitsverfahren und Bußgelder zur Folge haben und zudem zu Kürzungen der Agrarzahlungen führen.
Der Fachbereich Umwelt der Landwirtschaftskammer SH steht unter der E-Mail-Adresse knick@lksh.de für weitergehende Beratungen zur Verfügung.



