Das Jahr 2026 startete mit starkem Schneefall und Frösten. Grundsätzlich kommen unsere Rinder gut mit kalten Temperaturen zurecht, jedoch gilt es einige Dinge zu beachten, um die Tiere fit durch die kalte Jahreszeit zu führen.
Mutterkuhherden von Robustrassen werden oft ganzjährig auf der Weide gehalten und kommen damit für gewöhnlich gut zurecht. Vor allem trockene Kälte wird sehr gut vertragen. Besonders bei ganzjähriger Weidehaltung sind die Tiere an verschiedene Witterungsbedingungen gewöhnt und bilden rechtzeitig ein Winterfell aus. So sind sie in der Lage, die Körpertemperatur zu halten. Bei nasskalter Witterung kann das Winterfell jedoch durchnässen und verliert seine isolierende Wirkung, ebenso beim Liegen auf einem feuchten Untergrund. Ohne Eingreifen des Tierhalters kann es zum Kältestress kommen. Dieser zeigt sich durch Zittern und verringerte Bewegungsaktivität. Die Wiederkauaktivität nimmt ab.
Witterungsschutz bei Weidehaltung
Aus diesem Grund sollte ein geeigneter Witterungsschutz vorhanden sein, den die Rinder aufsuchen können, um ihr Fell zu trocknen. Dies können Weidezelte, Unterstände oder Nadelbaumbestände sein. Laubbäume und -hecken bieten im Winter keinen ausreichenden Schutz. Auch isolierte Liegeflächen sollten den Tieren angeboten werden. Besonders wichtig ist auch die genetische Anpassung der Tiere. So sind Rassen, die ein besonders langes und dichtes Winterfell ausbilden, besser für eine Außenhaltung im Winter geeignet. Grundsätzlich sollten im Winter auch ausschließlich gesunde Rinder draußen gehalten werden. Kranke Tiere sollten im Stall untergebracht werden. Auch sollte die Herde so gemanagt werden, dass im Winter keine Kälber zur Welt kommen. Diese können die Körpertemperatur schlechter regulieren als adulte Tiere und sollten nicht auf einer Winterweide geboren werden. Eine weitere Herausforderung bei der Weidehaltung im Winter ist die Futter- und Wasserversorgung. Ist ausreichend Vegetation vorhanden, können die Rinder sie unter einer dünnen Schneedecke durchaus erreichen. Liegt der Schnee jedoch hoch oder ist er durch einen Wechsel von Frost und Tauwetter zu Eis gefroren, müssen die Tiere mit geeignetem Futter versorgt werden können. Auch muss sichergestellt sein, dass die Tränken nicht einfrieren und die Rinder auch bei Minusgraden Zugang zu frischem Trinkwasser haben.
Foto: Jan-Hinnerk Templin
Kälber fit durch den Winter bringen
Milchviehbetriebe halten ihre Kühe im Winter geschützt im Stall. Für die adulten Tiere ist das Winterwetter daher kein Problem. Besonders Kälber in den ersten drei Lebenswochen sind jedoch anfällig für Kältestress. Sie haben wenig Körperfett und müssen es erst mit der Zeit ansetzen. Auch das Fell ist in dieser Zeit noch vergleichsweise dünn. Vor allen noch nasse, neugeborene Kälber kühlen bei Frost schnell aus und sollten daher schnellstmöglich getrocknet werden. Daher sollten die Kälber mit Stroh oder besser einem Handtuch abgetrocknet werden und anschließend unter einer Wärmelampe durchtrocknen. Der Einsatz von Kälberdecken ist eine sinnvolle Maßnahme. Durch sie verlieren die Kälber weniger Wärme und können die Körpertemperatur besser konstant halten. Kälberdecken sollten jedoch erst dem getrockneten Kalb angezogen werden, und es muss darauf geachtet werden, dass das Kalb am Tag oder bei steigenden Temperaturen nicht darunter schwitzt. Auch sollte bei den Kälbern auf ausreichend trockene Einstreu geachtet werden. Die Strohmatte sollte so dick sein, dass die Gliedmaßen des liegenden Kalbes vollständig im Stroh eintauchen und so besser isoliert sind (Nesting Score 3).
Durch die niedrigen Temperaturen steigt der Energiebedarf von Kälbern stark an, da ein größerer Teil als Wärmeenergie benötigt wird. So kann bei Frost der Erhaltungsbedarf um bis zu 30 % gesteigert sein. Aus diesem Grund sollte die Tränkemenge bei restriktiver Tränke im Winter erhöht werden, oder aber die MAT-Konzentration sollte gesteigert werden. Zum Beispiel könnte eine Tränkemenge von 8 l am Tag auf 10 l gesteigert werden. Bei ad libitum getränkten Kälbern sollte die Milch nach Möglichkeit mehrmals am Tag nachgefüllt werden, um das Einfrieren zu vermeiden.
Da Kälber oft in Iglus im Freien gehalten werden und das Wasser in den Tränkeschalen rasch einfriert, sollte auch hier das Wasser mehrmals am Tag nachgefüllt werden. In den Iglus besteht außerdem die Möglichkeit, dass bei Schneefall und Wind das Innere zuschneit und so die Liegefläche feucht wird. Um Abhilfe zu schaffen, könnten Strohballen den Wind vor den Iglus abfangen, oder es können Windschutznetze an den Gittern montiert werden.
Kuhstall im Wintermodus
Die Kuhställe in Norddeutschland sind mit ihrer offenen Bauweise meist nicht dauerhaft frostfrei zu halten, sodass bei anhaltender Kälte rasch Probleme auftreten. Zwar kommen die Kühe gut mit der Kälte zurecht, kommt jedoch starker Wind hinzu, der im Stall für Zugluft sorgt, leiden die Tiere unter Kältestress, und die Milchleistung sinkt. Offene Ställe ohne Curtains oder Jalousien sollten also rechtzeitig geschützt werden. Auch hier können Strohballen zur Wetterseite gestapelt werden oder Windschutznetze provisorisch installiert werden. Bei anhaltendem Frost kann der Mist auf den Laufflächen festfrieren, sodass der Schieber diese nicht mehr räumen kann. Werden die Laufgänge zur Buckelpiste, laufen die Kühe unsicher und das Verletzungsrisiko steigt. Eine Möglichkeit ist es, die Schiebehäufigkeit zu erhöhen, sodass der Mist vor dem Festfrieren geräumt ist. Alternativ sollte der Gang zweimal täglich mit dem Hoflader freigeschoben werden, dieser kommt mit dem festgefrorenen Mist meist besser zurecht.
Besonders nach dem Melken besteht ein Risiko für Erfrierungen an den Zitzen. Sind sie noch feucht, wenn die Kuh den Melkstand verlässt, kann es schmerzhaft enden. Vor allem wässrige Dippmittel können hier zur Gefahr werden. Eine Möglichkeit ist es, das Dippen an den besonders kalten Tagen einzustellen. Alternativ kann ein Dippmittel mit hohem Glyzeringehalt eingesetzt werden. Glyzerin hat einen niedrigeren Gefrierpunkt als Wasser, und es weist sehr gute Pflegewirkung auf. Es schützt die Haut davor, rissig zu werden.
Fazit
Unvorbereitet kann ein Kälteeinbruch die Rinderhaltung deutlich erschweren, auch wenn vor allem ausgewachsene Rinder recht gut mit der Kälte zurechtkommen. Je nach Haltungsform stehen die Tierhalter vor unterschiedlichen Herausforderungen. Zusammenfassend lässt sich jedoch festhalten, dass Witterungsschutz und eine ausreichende Versorgung mit Futter und Wasser essenziell sind, um die Tiere fit durch den Winter zu bekommen.




