1909 erbaut, war die Fischauktionshalle Mittelpunkt für die prosperierende Fischereiwirtschaft in Kiel. Der Erste Weltkrieg und die folgende Wirtschaftskrise ließen den Fischhandel jedoch massiv einbrechen, und die Halle blieb in der Folge längere Zeit ungenutzt. Das vom ehemaligen Stadtbaurat Georg Pauly entworfene Gebäude mit dem charakteristischen Spitztonnendach wurde dann nach eingehender Diskussion unter Denkmalschutz gestellt. Nach aufwendigen Renovierungen 1978 und 2014 bietet die Halle Platz für das Schifffahrtsmuseum.
Foto: Imme Feldmann
Drei historische Schiffe liegen an der Museumsbrücke bei der ehemaligen Fischauktionshalle: das Feuerlöschboot „Kiel“ von 1941, das Seenotrettungsboot „Hindenburg“ von 1943 und der Dampftonnenleger „Bussard“ von 1906. In der Sommersaison bietet die ehrenamtliche Crew vom Verein Dampfer Bussard e. V. Fahrten auf der Kieler Förde an. In Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Warleberger Hof wird im Museum Fischhalle ganz maßgeblich in einer Dauerausstellung die Geschichte der Stadt Kiel vermittelt. Als „Holstenstadt tom Kyle“ zwischen 1233 und 1242 von Graf Adolf IV. von Holstein gegründet, bezeichnete die Stelle an der Förde damals aufgrund politischer Machtverhältnisse die einzige Möglichkeit für einen sächsischen beziehungsweise holsteinischen Ostseehafen.
Die ältesten heute noch stehenden Gebäude sind die Reste des Franziskanerklosters und die Nikolaikirche. Lange Jahre war Kiel eine kleine, beschauliche Stadt; immerhin erfolgte dort im Jahr 1665 die Gründung der Christian-Albrechts-Universität von Gottorf aus. Kiel-Ellerbek war einst ein idyllisches Fischerdorf. Der Krieg von 1864 brachte die Wende: Nach dem Sieg der Preußen und Österreicher über Dänemark ordnete der preußische König die Verlegung der Marinestation der Ostsee von Danzig nach Kiel an. Die „zweite Geburt“ der Fördestadt ereignete sich, fortan entwickelte Kiel sich zu einer Großstadt (heute: rund 220.000 Einwohner).
Foto: Imme Feldmann
Bereits im Jahr 1867 wurde der Standort Kriegshafen der späteren Kaiserlichen Marine. Die Kaiserliche Torpedowerkstatt wurde in Friedrichsort eingerichtet: Fortan wurde in maritimer Hinsicht forciert aufgerüstet. Mit der Deutschen Reichsgründung wurde Kiel wie Wilhelmshaven Reichkriegshafen. Manches, was in Bezug auf die Stadt heute noch populär ist, beispielsweise das große Volksfest Kieler Woche (an Aufwand und Stellenwert mit dem Oktoberfest in München zu vergleichen), hat seinen Ursprung in der Kaiserzeit.
1882 fand nämlich die erste Kieler Woche statt, seit 1885 wurde sie als Kombination von Schiffsparade, Segelregatten und Volksfest veranstaltet. Kaiser Wilhelm II. als Commodore des Kaiserlichen Yacht-Clubs besuchte sie regelmäßig, ebenso sein Bruder Prinz Heinrich, der bekanntlich im Kieler Schloss residierte.
Ein großes Ereignis war die Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals im Juni 1895. Der heutige Nord-Ostsee-Kanal wurde bald der meistbefahrene Kanal der Welt. Kiel als mit dem Kanal verbundene Hafenstadt wurde nun Haupthafen der deutschen Kriegsflotte. Ende 1918 war die Stadt Schauplatz des Matrosenaufstands – im Jahr 2018 ist dieses Datums ausführlich gedacht worden, es wurde historisch aufgearbeitet.
Foto: Imme Feldmann
Mit dem Kieler Matrosenaufstand begann am 3. November 1918 eine Revolution, die maßgeblich zum Ende des Ersten Weltkriegs beitrug. Eine zeitgenössische Karikatur, im Museum zu finden, zeigt Kaiser Wilhelm II. in bürgerlicher Kleidung gen Holland enteilen, die Uniform und die Pickelhaube unter den Arm geklemmt, während Matrosen ihm freundlich lächelnd zum Abschied winken: „Hier weht ein Kieler Wind!“
In der Zeit des Nationalsozialismus war Kiel wiederum wichtiger Stützpunkt der Kriegsmarine und Standort von drei Großwerften. Daher wurde die Stadt im Zweiten Weltkrieg durch westalliierte Luftangriffe zu weit über 80 % zerstört. Die Kieler Förde war bei Kriegsende ein riesiger Schiffsfriedhof, rund 350 Schiffe wurden dort versenkt. Nach Kriegsende gehörte die Stadt zur britischen Besatzungszone. 1946 wurde das Land Schleswig-Holstein gegründet, Kiel wurde als Hauptstadt benannt. Wiederaufbau und Wirtschaftswunder prägten die folgende Zeit. Ab 1956 war Kiel wiederum wichtigster Stützpunkt der Bundesmarine an der Ostseeküste; nach der Wiedervereinigung änderte sich dies, die U-Boote wurden beispielsweise nach Eckernförde verlegt.
Foto: Imme Feldmann
Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ wurde 1958 von der Bundesmarine als Segelschulschiff in Dienst gestellt, seitdem ist Kiel der Heimathafen dieser bekannten Dreimastbark. 1972 – also 36 Jahre nach den berühmt-berüchtigten Olympischen Sommerspielen 1936, deren Hauptaustragungsort Berlin war – war Kiel wieder Austragungsort der Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele, diesmal im neuen Olympiazentrum Schilksee. Auch die Tradition als Kreuzfahrthafen wurde in gewisser Weise schon von Kaiser Wilhelm II. begründet, er hatte ein Faible für Nordlandfahrten, besonders Norwegen hatte es ihm angetan. Außerdem richtete er eigens eine von Carl Saltzmann (einem seiner Lieblingskünstler) geleitete Klasse für Marinemalerei an der Berliner Kunstakademie ein, damit die maritime Aufrüstung mithilfe der Malerei dokumentiert werden konnte.
All diese Details, die in der Stadt heute nicht mehr unmittelbar präsent sind, wurden von Historikern aufgearbeitet. Als Besucher des Schifffahrtsmuseums gerät man ins Staunen, was sich in Kiel alles schon ereignet hat.




