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„Wir brauchen eine starke Landwirtschaft“

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Einen Rückblick auf die agrarpolitischen Highlights 2025, einen Überblick zu den laufenden Diskussionen sowie einen Ausblick auf die Erwartungen an das neue Jahr gibt Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), im ­Interview.

Im vergangenen November hat Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Landtagsabgeordnete und CDU-Umweltsprecherin Cornelia Schmachtenberg zur neuen Landwirtschaftsministerin ernannt. Wie macht sich die Nachfolgerin von Werner Schwarz (CDU)?

Wir sind schon traurig, dass Werner Schwarz nicht mehr Minister ist. Er hat sich um die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein, Deutschland und Europa sehr verdient gemacht – auch in seiner früheren Funktion als BVSH-Präsident. Er musste im Ministeramt sein Haus neu aufbauen. Das hat anderthalb Jahre in Anspruch genommen und war sicherlich nicht leicht zu organisieren. Nichtsdestotrotz haben unsere landwirtschaftlichen Betriebe auch Ansprüche gehabt. Die sind nur zum Teil bedient worden. Positiv ist, dass er durch Erleichterungen bei der Jagd Bewegung in die Gänsefraßproblematik gebracht hat. Die Antragsabwicklung für Entschädigungszahlungen über die Wildgänserichtlinie ist bei ihm im Haus viel besser gelaufen als über die Weißwangengansrichtlinie im Umweltministerium. Themen wie das Güllefahren auf gefrorenen Böden mit Auftauprognose, was in anderen Bundesländern funktioniert, wurden jedoch noch nicht umgesetzt.

Daniel Günther macht keine Anstalten, etwas an den Ressortzuschnitten zu ändern. Wie soll Ministerin Schmachtenberg mehr politische Kraft entfalten?

Ich durfte sie schon zwei Mal in Koalitionsverhandlungen für die CDU miterleben. Dabei habe ich gemerkt, wie gut sie für die bäuerliche Sache kämpfen kann. Aber im Prinzip hat sie genau die gleiche Ausgangssituation wie Werner Schwarz. Es kommt also viel auf politisches Geschick und auch die Unterstützung der Fraktion an, um etwas für die Landwirtschaft durchzusetzen.

Wie sollte der Ressortzuschnitt ihrer Meinung nach aussehen?

Man hätte die Chance nutzen müssen, zumindest zwei Bereiche aus dem Umweltministerium zu lösen: das sind die Wasserwirtschaft und die Zweite Säule der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik. Cornelia Schmachtenberg ist schließlich auch Europaministerin. Und Wasserwirtschaft ist nun mal ein Mega-Thema in der Landwirtschaft Schleswig-Holsteins mit unseren vielen Niederungen. Wir haben 2027 wieder Landtagswahlen und wenn sie bestehen will, dann muss sie auch liefern.

Wie liefen Ihre ersten Gespräche, seit sie Ministerin ist?

Ich bin sehr dankbar, dass sie sofort den Kontakt zu uns beim Bauernverband gesucht hat. Wenige Tage nach Ihrer Ernennung gab es den ersten Austausch in ihrem Büro. Sie ist ja schon länger eine engagierte Umwelt- und Agrarpolitikerin und kennt unsere Forderungen genau.

Wie bewerten Sie die Abstufung des Schutzstatus des Wolfs und die Aufnahme des Raubtiers ins Bundesjagdgesetz?

Damit ist ein wichtiger Schritt für den Schutz unserer Weidetiere getan.

Die Entschädigungsmittel für Gänsefraßschäden für 2026 wurden durch den Nachtragshaushalt auf 1,2 Millionen Euro aufgestockt. Befriedet das die betroffenen Landwirte?

Ich freue mich über die von der CDU-Fraktion maßgeblich vorangetriebene Mittelaufstockung. Wir fordern aber auch, dass das Grundproblem angegangen wird. Die Populationen müssen schrumpfen. Die jüngsten Erleichterungen beim Jagdrecht helfen. Um aber wirklich etwas zu erreichen, müssen wir die Eier der brütenden Gänse sammeln oder anstechen, auch in Schutzgebieten. Die Erlaubnis dafür sollten neben den Jagdausübungsberechtigten auch Gruppen haben, die angelernt werden und gemeinsam mit den Jagdausübungsberechtigten unterwegs sind.

Die Güllesaison steht vor der Tür. Was fordern Sie?

Das Ausbringen auf überfrorenen Böden steht ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Vielleicht ist eine Übergangslösung möglich, dass man unter gewissen Verhältnissen zumindest 15 Kubikmeter Gülle pro Hektar ausbringen kann, vielleicht auch mit gesonderten Abstandsregelungen zu Gewässern. Das wäre ein großes Zeichen an die Landwirtschaft. Durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zur Bayerischen Landesdüngeverordnung und die Folgen für alle anderen Bundesländer finde ich es zudem richtig, die Düngegesetzgebung komplett anzufassen. Eine Derogationsregelung, nach der wir auf bestimmten Kulturen bis zu 230 Kilogramm N pro Hektar aus Wirtschaftsdüngern ausbringen dürfen, ist fachlich sinnvoll und spart Mineraldünger. Intensiv genutztes Grünland kann diese Stickstoffmenge problemlos aufnehmen. Viele Landwirte haben zudem in modernste Technik investiert, um effizient Gülle zu transportieren und auszubringen. Das sollte sich in politischem Entgegenkommen widerspiegeln.

Welche Vereinfachungen fordern Sie mit Blick auf das Grünlandmanagement?

In diesem Bereich gibt es einige Doppelregelungen. Hier sind Umwelt- und Landwirtschaftsministerium gefordert. Es muss möglich sein, auch in Niederungen und Schutzgebieten Grünlandnarben zu haben, die für die Milchwirtschaft interessant sind. Ampferbekämpfung muss möglich sein, auch Narbenerneuerung, nicht nur Nachsaat.

Die Flächenkonkurrenz steigt. Das hat unterschiedliche Ursachen. Unter anderem sind 1.000 Hektar neue Naturschutzgebiete geplant. Wie ist Ihre Position dazu?

Wir haben überhaupt kein Problem damit, wenn auf Stiftungsflächen Naturschutzgebiete geplant werden. Die Stiftung besitzt schließlich mehr als 40.000 Hektar im Land. Wir werden aber nicht zulassen, dass wirtschaftende Betriebe verdrängt werden. Wir haben Ministerin Schmachtenberg gebeten, mit Umweltminister Goldschmidt darüber zu verhandeln, die 350 Hektar am Winderatter See wieder rauszunehmen und Flächen woanders in Schleswig-Holstein zu suchen.

Welche Rolle spielt für Sie der Konsens im Dialogprozess zur Zukunft der Landwirtschaft?

Wir haben im Dialogprozess vereinbart, dass wir Maßnahmen in die Betriebe integrieren wollen, um Biodiversität und andere Umweltleistungen zu erbringen. Dafür müssen wir honoriert werden. Wir als Bauernverband fühlen uns da daran gebunden. Beim Umweltminister habe ich das Gefühl, er hält sich nicht daran. Natürlich haben wir eine Biodiversitätsstrategie in Schleswig-Holstein, und auch die Naturwiederherstellungsverprdnung der EU wird gewisse Ansprüche stellen. Innerhalb dieses Projektes muss aber mit Landeigentümern besprochen werden, was geht und was nicht geht.

Wir bewerten Sie die bisherigen Entbürokratisierungsbemühungen?

Wir benötigen eine Plattform, in die alle Daten eines Betriebes eingegeben werden. Entscheidend ist dabei, dass die Daten den Landwirten gehören und dass die zuständigen Behörden uns immer fragen müssen, wenn sie zugreifen wollen. Das Projekt Datenportal von Staatskanzlei und Landwirtschaftsministerium ist hier ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Welche Bedeutung hat die Schließung des Schlachthofs in Perleberg für die Schweinehalter in Schleswig-Holstein?

Wir brauchen ausreichende Schlachtkapazitäten. Es muss auch möglich sein, einen Schlachthof neu zu bauen oder auszubauen. Sonst steigen die Transportkosten. Wir sind durch die sinkende Zahl an Schlachthöfen zudem sehr hellhörig, wenn es darum geht, Auflagen für Tiertransporte zu erhöhen, zum Beispiel eine Verkürzung der erlaubten Transportzeiten. Das darf nicht passieren.

Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz wurde verschoben. Die richtige Entscheidung?

Das staatliche Tierhaltungskennzeichen brauchen wir gar nicht. Wir haben es trotz aller Streitigkeiten mit dem Lebensmitteleinzelhandel geschafft, vernünftige Systeme aufzubauen. Die Haltungsstufen sind beim Kunden bekannt. Und wenn der Markt die höheren Haltungsstufen weniger nachfragt, dann produzieren wir auch Haltungsstufe 1.

Das Programm zum Umbau der Tierhaltung wurde eingestampft. Stallbauten sollen zukünftig über Mittel der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ finanziert werden. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Tierhalter in Schleswig-Holstein?

Ich sehe das total problematisch. Wir hätten ein Bundesförderprogramm gebraucht ohne Kofinanzierung – gerade in finanzschwachen Ländern wie Schleswig-Holstein. Die Abschaffung war ein Fehler von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU).

Wie zufrieden sind Sie darüber hinaus mit der Arbeit des Bundeslandwirtschaftsministers?

Er hat mittlerweile seine Abteilungsleiter ausgetauscht, aber wir merken immer noch bei vielen Papieren aus seinem Haus, dass sie eine grüne Handschrift tragen. Ich bin froh, dass wir die Agrardieselrückvergütung auf dem alten Niveau wiederbekommen. Einige andere Punkte wurden ebenfalls umgesetzt. Eine Risikoausgleichsrücklage ist aber immer noch nicht da. Auch die Düngegesetzgebung muss neu organisiert werden.

Wie bewerten Sie die jüngsten Demonstrationen gegen die Preiskämpfe im Lebensmitteleinzelhandel?

Demonstrationen sind immer eine Möglichkeit, auf ein Thema aufmerksam zu machen. Das muss natürlich immer ordentlich ablaufen. Wir brauchen eine Lieferkette, in der jeder etwas verdient. Wenn man deutsche Lebensmittel haben will, dann muss man auch den entsprechenden Preis dafür bezahlen. Als Verband setzen wir aber in erster Linie auf Gesprächsformate wie in der Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL), um Differenzen zu lösen.

Momentan gibt es jede Menge Diskussionen zum zukünftigen Mehrjährigen Finanzrahmen und der Förderstruktur der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP). Was fordern Sie?

Die Finanzmittel der EU werden von den Nationalstaaten wohl nicht aufgestockt, eher gekürzt. Und es gibt Mittel, die man zusätzlich haben will für Sicherheit, Migration und auch Verteidigung. Gleichzeitig hat die EU während der Corona-Pandemie Schulden gemacht. Und diese Schulden müssen zurückgezahlt werden. Es geht für uns aber nicht ausschließlich um Geld. Grundsätzlich muss das Fördersystem für die Landwirtschaft vereinfacht werden. Die Konditionalität könnte entfallen, wenn man zu Vertragsmustern käme, die die Landwirtschaft in die Lage versetzen, mit öffentlichen Leistungen Geld zu verdienen.

Wie stehen Sie zum Mercosur-Abkommen?

Ich schätze die Vorteile für uns Landwirte als sehr viel größer ein, als die Nachteile, sofern die Bedingungen gleich sind, zu denen produziert wird.

Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt. Wie finden Sie dieses Motto?

Ich finde das Motto super. Im Deutschen Bauernverband haben wir mit Susanne Schulze-Bockeloh bereits eine Vizepräsidentin. In Schleswig-Holstein hat sich mittlerweile ein Unternehmerinnennetzwerk in der Landwirtschaft etabliert, das von Jenny Müller, Kathrin Rehders und Dagmar Friedrichsen-Jahnke super mit Leben gefüllt wird. Wir arbeiten daran, noch mehr Frauen zur Mitarbeit in unseren Gremien zu bewegen. Dafür braucht es passende Strukturen. Wenn sich Frauen im Ehrenamt engagieren, muss der Partner auch mal auf die Kinder aufpassen. Darüber hinaus sind Sitzungen per Video eine Alternative.

Das politische Highlight zu Beginn jeden Jahres ist die Grüne Woche? Was erwarten Sie von der Hauptstadtmesse?

Die Grüne Woche hat sich für mich zu einer sehr politischen Messe entwickelt. Es gibt etliche Formate, in denen wir diskutieren und unsere Anliegen platzieren. Ich hoffe, dass diese Bundesregierung es schafft, endlich vernünftige Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen. Wir brauchen eine starke Landwirtschaft und starke ländliche Räume.

Im Verband Haben Sie mit Michael Müller-Ruchholtz einen neuen Generalsekretär. Wie ist der Übergang geglückt?

Ich bin unserem ehemaligen Generalsekretär Stephan Gersteuer sehr dankbar, dass er den Übergang hervorragend mit vorbereitet hat. Wir haben ja schon sehr frühzeitig bestimmt, dass Michael Müller-Ruchholtz sein Nachfolger wird. Er kennt sich aus im Haus, ist mehr als 25 Jahre im Verband und hat viele Jahre auf der Stellvertreter-Position sehr gute Arbeit gemacht. Wir haben zudem entschieden, dass wir zwei Stellvertreter wollen und freuen uns, dass wir mit Lisa Hansen-Flüh und Dr. Lennart Schmitt eine Agrarierin und einen Juristen für diese Ämter gewinnen konnten.

Seit dem 1. Dezember informiert der BVSH seine Mitglieder in einem eigenen Kanal innerhalb der LandApp SH. Warum dieser Schritt?

Wir brauchen die digitale Kommunikation, um die jüngeren Leute zu erreichen. Die Landfrauen sind dabei, die Landwirtschaftskammer, die Landjugend und jetzt auch wir. Wir wollen Informationen bündeln, damit nicht jeder zig verschiedene Apps haben muss. Die LandApp SH beinhaltet alle wichtigen Informationen aus der Landwirtschaft, Agrar-Termine und Marktdaten. Und wir als Verband müssen digital stattfinden. Wir entwickeln immer mal neue Formate wie zuletzt „Peter fragt …“

Mit welcher Motivation gehen Sie in das neue Jahr?

Meine Arbeit macht mir Spaß. Ich vertrete gerne die Interessen der Berufskolleginnen und -kollegen. Wir haben ein starkes Hauptamt im Bauernverband, das sehr engagiert zuarbeitet. Wir diskutieren mitunter sehr hart im Landeshauptausschuss oder auch im Landesvorstand, aber alle, die dort sitzen, sind immer lösungsorientiert. Wir sind ein Unternehmensverband mit sehr engagierten und innovativen Mitgliedern, die die Arbeit des Verbandes auch für sich selbst schätzen. Das gibt auch mir viel Energie. 

Team aus Perfektionisten

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Auf dem ersten Titelbild des Jahres ist Landwirtin Christine Kühl aus Stafstedt, Kreis Rendsburg-Eckernförde, zu sehen. Auf dem familiengeführten Milchviehbetrieb trägt sie viel Verantwortung und steht damit stellvertretend für viele Frauen in der Landwirtschaft, die wichtige Jobs übernehmen, aber oft im Hintergrund bleiben.

Die Vereinten Nationen (UN) haben zum 1. Januar das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen. Weltweit leisten laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO) Frauen rund 39 % der landwirtschaftlichen Arbeit, sind aber überproportional von Diskriminierung betroffen. Das Jahr 2026 soll daher die Gleichstellung von Frauen im Agrarsektor fördern und dazu beitragen, strukturelle Ungleichheiten abzubauen.

In Deutschland werden rund 35 % der Arbeiten in der Landwirtschaft von Frauen verrichtet. Noch geringer ist ihr Anteil an Führungskräften auf deutschen Betrieben: Nur jeder elfte Betrieb wird von einer Frau geführt.

Der Betrieb in Stafstedt

Kühl führt gemeinsam mit ihrem Mann einen Milchviehbetrieb. Auf dem seit dem 16. Jahrhundert bestehenden Hof leben drei Generationen. Neben Christine Kühl und ihrem Mann, die sich im Agrarstudium in Osterrönfeld kennengelernt haben, leben deren zwei Kinder, Seniorchef- und chefin, sowie zwei Auszubildende auf dem Hof – außerdem ein paar Kaninchen, drei Pferde, der Hund DJ sowie die 260 Schwarzbunten Holstein-Friesians, deren Nachzucht und etwa 80 Mastbullen.

Christine Kühl und ihr Agrotron sind ein starkes Team.

Gemolken wird mit vier Robotern, im Schnitt 3,3 mal pro Kuh und Tag, bei einer Milchleistung von durchschnittlich 45 kg, mit etwa 4,1 % Fett und 3,4 % Eiweiß. Das Erstkalbealter beträgt 23 Monate und das Durchschnittsalter der Herde fünf Jahre. Die Kühls bewirtschaften 220 ha, auf denen sie neben dem Dauergrünland Silomais, Roggen und Raps anbauen, auf Böden mit 18 bis 45 Bodenpunkten. Alle Flächen liegen im Umkreis von 1,5 km. Mit der aktuellen Betriebsaufstellung ist Familie Kühl sehr zufrieden, verbessern ließe sich jedoch immer etwas. So wird derzeit eine neue Komponentenhalle gebaut, in der zukünftig auch eine Futterküche für das automatisierte Füttern Platz hätte.

Umfangreiche Aufgaben

Laut Kühl ist es richtig und wichtig, dass die UN das Jahr der Landwirtin ausgerufen hat. Denn Frauen seien immer schon da gewesen, aber oft nur im Hintergrund. Beim Bauernblatt-Titelbildshooting wurde deutlich, dass Christine Kühl nicht im Hintergrund ist. Weder im Bild noch bei der täglichen Arbeit im Betrieb. Das zeigt auch ihr umfangreicher Aufgabenbereich: Sie besamt, macht die Trächtigkeitsuntersuchungen der Kühe, achtet auf Kälber- und Kuhgesundheit, ist für die Ausbildung der Lehrlinge zuständig, trägt die Verantwortung im Büro und sitzt auch gern auf dem Trecker. Zudem kümmert sich Kühl um die Maschinenpflege. Wenn beispielsweise nachts ein Melkroboter ausfällt, ist sie diejenige, die das Ersatzteil parat hat. Besonders stolz ist sie auch auf ihren neuesten Schlepper, einen Deutz-Fahr 6215 TTV Warrior, den sie für das Titelshooting gründlich gewaschen hat. Am liebsten fährt sie mit dem Agrotron und ihrer zehnjährigen Tochter Theresa Mais ab.

Auch Tochter Theresa war beim Titelbild-Shooting dabei. Mit ihr auf dem Beifahrersitz fährt Christine Kühl ihren Agrotron am liebsten.Fotos (2): Levke Kempe

Ob beim Treckerwaschen oder bei der Ausbildung der Lehrlinge, Kühl sieht sich selbst als Perfektionistin. „Aber weil alle diesen Faden aufgegriffen haben und jeder seinen Beitrag dazu leistet, sind wir alle kleine Perfektionisten, die hier für die Tiere eine sehr gute Arbeit leisten.“ Kühl betont außerdem, dass die Arbeit in gemischten Teams erfolgreicher sei. Die Ruhe und das Miteinander seien beispielsweise wichtige Eigenschaften, die Frauen in die Betriebe einbringen würden. Sowohl bei der Arbeit mit Kühen und Technik als auch bei der Mitarbeiterführung zahle sich das aus. Ihre langjährigen Mitarbeiter und ehemaligen Lehrlinge würden ihr das widerspiegeln. Für Kühls „perfektes Team“ in Stafstedt sucht die Famile für das kommende Lehrjahr noch einen weiteren Auszubildenden.

Ergebnisse des ersten Versuchsjahres Flugsaat

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Das erste Flugsaatjahr ist abgeschlossen – Zeit für eine Zwischen­bilanz. Und die Ergebnisse könnten unterschiedlicher kaum ausfallen. An neun Projektstandorten, verteilt über ganz Schleswig-Holstein, wurden in diesem Jahr Drohnenversuche angelegt. Dabei zeigen sich eindrucksvolle Erfolge ebenso wie deutliche Fehlschläge. Was entscheidet aber über Erfolg oder Misserfolg?

So gibt es Standorte, an denen die per Drohne ausgebrachte Zwischenfrucht den Vergleichsvarianten regelrecht davongewachsen ist und – abhängig von der Saatgutmischung – brusthohe, geschlossene Bestände ausgebildet hat. Gleichzeitig finden sich Flächen, auf denen die Keimung nach der Drohnensaat nahezu vollständig ausblieb. Teilweise mussten die Versuchsflächen im Anschluss sogar bearbeitet werden, weil Ausfallgetreide und Problemunkräuter überhandnahmen.

Eine erste Bilanz

Für die Zwischenfruchtaussaat wurde grundsätzlich ein Termin rund zwei Wochen vor der Ernte angepeilt. Eine häufig geäußerte Sorge, die Zwischenfrucht könne bei einer verzögerten Ernte „durchwachsen“, bestätigte sich nicht: Selbst bei Zeiträumen von bis zu fünf Wochen zwischen Aussaat und Drusch trat dieses Phänomen nicht auf. Ausgebracht wurde stets die vom Züchter empfohlene Saatstärke. Auf eine Erhöhung – wie sie in süddeutschen Versuchen teils empfohlen wird – wurde bewusst verzichtet. Zum einen, um die Vergleichbarkeit mit den weiteren Aussaatvarianten zu wahren, zum anderen, weil eine höhere Saatstärke die Betriebskosten deutlich steigen lässt und damit den entscheidenden Kostenvorteil der Drohnensaat schmälern würde.

Bereits im ersten Projektjahr zeigte sich eindrucksvoll, dass der erhoffte Vegetationsvorsprung von mindestens zwei Wochen tatsächlich ins Auge fiel. In Entwicklung und Biomassebildung lagen die Drohnensaat-Varianten den verschiedensten Vergleichsverfahren wie Stoppelbruch plus Drillsaat, Direktsaat oder auch Striegelausbringung deutlich voraus. Hinzu kam ein weiterer Vorteil: Durch die ausbleibende Bodenbewegung wurde kaum Ausfallgetreide zum Keimen angeregt oder vergraben. Entsprechend war der Besatz an Ausfallgetreide über alle Standorte hinweg in der Drohnensaat am geringsten. Das wirkt sich zugleich positiv auf den Gewässerschutz aus, da ohne Bodenbewegung die Mineralisation zum Vegetationsende nicht zusätzlich angekurbelt wird. Ein sichtbarer Nachteil dieser fehlenden Bodenbearbeitung war jedoch die ausbleibende Lockerung des Bodens. Dadurch konnten die Zwischenfrüchte ihre maximale Durchwurzelungstiefe teilweise nicht erreichen, weil die Wurzeln früh auf Verdichtungshorizonte trafen und sich dort verzweigten. Besonders deutlich zeigte sich dies beim Ölrettich: Obwohl er grundsätzlich eine über 100 cm tief reichende Pfahlwurzel bilden kann, entwickelte er in den Drohnenvarianten häufig keine senkrechte Pfahlwurzel, sondern teilte sich bereits in oberen Bodenschichten horizontal auf.

Insgesamt waren die Drohnenvarianten häufig schon vom Feldrand aus durch ihren üppigen Bestand zu erkennen – ein Bild, das allerdings täuschen kann. Die großen Einzelpflanzen kaschierten in mehreren Fällen, dass die Pflanzendichte pro Quadratmeter nicht immer zufriedenstellend war. Woran liegt das?

Deutlicher Vegetationsvorsprung der Drohnensaat: links Stoppelbruch + Drillsaat, rechts Drohnensaat (Geest; Ölrettich + Wicke)

Das Saatgut

Zwischenfruchtmischungen werden in der Regel für die Drillsaat entwickelt. Der wichtigste Unterschied zur Drohnensaat besteht jedoch darin, dass das Saatgut nicht mit Boden bedeckt wird. Entsprechend eignen sich Lichtkeimer deutlich besser als Dunkelkeimer, deren Keimung durch UV-Strahlung gehemmt wird. Gleichzeitig müssen die Arten schnell Blattmasse bilden, um gegenüber Ausfallgetreide und Unkräutern konkurrenzstark zu sein – eine Regulierung über Bodenbearbeitung steht in der Drohnensaat nicht zur Verfügung. Auch ein hoher Bedarf an Keimwasser wirkt sich nachteilig aus, da die reine Oberflächenfeuchte ausreichen muss. Schwierigkeiten zeigten sich dementsprechend etwa bei großkörnigen Samen wie Sonnenblumen, die an keinem Standort zufriedenstellend keimten.

In den Saatmischungsversuchen überzeugten im ersten Jahr vor allem Ölrettich, Wicke, Erbsen, Rauhafer und Öllein. Phacelia funktionierte grundsätzlich ebenfalls gut, zeigte sich jedoch deutlich anfälliger gegenüber Störfaktoren wie Pflanzenschutzmaßnahmen und war daher standortabhängig unterschiedlich erfolgreich. Auch Kleearten erwiesen sich als vielversprechend, da sie zu den Lichtkeimern zählen. Ihre vergleichsweise langsame Jugendentwicklung wurde jedoch an Standorten mit starkem Konkurrenzdruck durch Ausfallgetreide oder Unkräuter schnell zum Nachteil: Der Klee wurde dort verdrängt. Problematisch war dies vor allem dann, wenn der Klee in der Mischung als tragende Art zur geschlossenen Bodenbedeckung vorgesehen war – diese blieb in solchen Fällen aus, und die Bestände entwickelten sich lückig.

Schnecken und Mäuse

Das größte Problem im ersten Jahr waren Schnecken und Mäuse, die teilweise sogar zu Totalausfällen führten. Die oberirdisch liegenden Saatkörner der Drohnensaat bieten beiden Schaderregern eine leicht zugängliche Nahrungsquelle. Durch die fehlende Bodenbearbeitung entfällt zudem die mechanische Regulierung der Schneckenaktivität, während die durchgehende Bodenbedeckung deren Entwicklung weiter begünstigt. Der Einsatz von Schneckenkorn gemeinsam mit der Saat vor der Ernte ist nicht zulässig und daher keine Option. Eine Verschiebung der Aussaat auf den Erntetag, um anschließend Schneckenkorn auszubringen, würde hingegen den zeitlichen Vorteil der Drohnensaat weitgehend zunichtemachen.

In den kommenden Jahren wird daher untersucht, ob bestimmte Zwischenfrüchte in der Jugendentwicklung weniger attraktiv für Schnecken sind und möglicherweise gemieden werden. Sollte sich hier kein klarer Effekt zeigen, ist der Einsatz der Drohnensaat auf Flächen mit bekannt hohem Schneckendruck bedenklich. Besonders deutlich zeigte sich das Problem auf mittelschweren bis schweren Böden an Ost- und Westküste. Dies ist auch einer der Gründe, warum die Zwischenfruchtbestände der Drohnensaat auf den leichteren Standorten der Geest am stärksten und sehr geschlossen ausgeprägt waren.

Die Strohverteilung

Die Grundidee der Drohnensaat sieht vor, dass das Stroh nicht abgefahren, sondern gehäckselt wird. Die entstehende Strohhäckseldecke soll den Keimling schützen und ihm ermöglichen, sich hindurch nach oben zu entwickeln. Im ersten Versuchsjahr zeigte sich jedoch, dass dieser Effekt bei einer Aussaat zwei Wochen vor der Ernte nicht immer zuverlässig eintritt: Vor allem bei hohen Strohmengen wurden die Keimlinge eher erstickt, anstatt geschützt zu werden. Besonders auffällig war dies auf Flächen mit großen Druschbreiten mit ungleichmäßiger Strohverteilung – hier wurden ausgeprägte Streifen sichtbar. Die Strohabfuhr hingegen funktionierte überraschend gut. Trotz mehrfacher Überfahrten mit Presse, Radlader und Ballenwagen waren die Fahrspuren bereits nach rund drei Wochen verwachsen und später nicht mehr zu erkennen.

Um auf Standorten ohne Strohbergung Probleme durch Strohmengen zukünftig zu vermeiden, wird Aussaat in den kommenden Jahren näher an den Erntetermin geschoben, damit sich die Zwischenfrucht besser anpassen kann. Eine weitere Idee, die geprüft werden soll, ist der Hochschnitt. Ein Hochschnitt nach der Drohnensaat würde vor allem zwei Vorteile bieten: Die aufliegende Strohmenge wäre geringer, und die höherstehenden Stoppeln könnten die junge Zwischenfrucht zusätzlich vor Strahlung schützen und Feuchtigkeit halten. Eine weitere Stellschraube ist die Sortenwahl. Getreidesorten mit geringerem Strohertrag sind für die anschließende Drohnensaat vorteilhafter.

Hoher Strohertrag und starker Schneckendruck führten im Hügelland zu einem lückigen Aufwuchs der Drohnensaat (Moha, Chia, Ramtilkraut).

Und der Pflanzenschutz?

Insbesondere Pflanzenschutzmittel aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe können den Feldaufgang empfindlicher Folgekulturen beeinträchtigen. Unter üblichen Bedingungen stellt das meist kein Problem dar: Wird das Mittel frühzeitig eingesetzt und erfolgt die Aussaat später mit zumindest minimaler Bodenbearbeitung, wird der eventuell noch vorhandene Spritzfilm aufgebrochen und der mikrobielle Abbau der Wirkstoffe gefördert.

Bei der Drohnensaat entfällt diese Möglichkeit jedoch vollständig. Zudem findet die Aussaat noch vor der Ernte statt, was den Abbauzeitraum nochmals verkürzt. Entsprechend muss der Wirkstoff bis zum Zeitpunkt der Drohnensaat ausreichend abgebaut sein, um Auflaufdepressionen zu vermeiden. Die Abbaurate hängt dabei sowohl vom Anwendungstermin (Anzahl Tage zwischen Applikation und Aussaat) als auch maßgeblich von den Niederschlägen in den Wochen nach der Ausbringung ab. Ein trockenes Frühjahr oder Frühsommer kann den Abbau der Sulfonylharnstoffe erheblich verlangsamen. Laut Anwendungsbestimmungen wird in sehr trockenen Jahren vor dem Nachbau empfindlicher Kulturen sogar eine tiefe, mischende Bodenbearbeitung (15 bis 20 cm) empfohlen und darauf hingewiesen, dass Schäden an Zwischenfrüchten möglich sind.

Nicht alle Sulfonylharnstoffe sind davon gleichermaßen betroffen. Vorsicht ist vor allem geboten, wenn im Frühjahr die Wirkstoffe Metsulfuron, Iodosulfuron oder auch Propoxycarbazone eingesetzt wurden. Metsulfuron kommt unter anderem in den Produkten Pointer Plus, Dirigent SX, Concert SX oder Ergon vor. Iodosulfuron zum Beispiel in Niantic oder Husar OD. Beide Wirkstoffe werden nur gering an Bodenteilchen gebunden, wirken sehr gut auf Raps und einzelne Zwischenfrüchte und besitzen eine gute Wasserlöslichkeit. Das heißt, sie können von der nachfolgenden Kultur leicht aufgenommen werden und sind bei trockenen Bedingungen seit der Anwendung in der oberen Bodenschicht vermutlich noch nicht vollständig abgebaut. Zudem ist der Wirkstoff Metsulfuron ein Metabolit von Iodosulfuron. Besonders kritisch ist es daher, wenn im Weizen Mischungen aus diesen Wirkstoffen eingesetzt wurden. Die diesjährigen Versuche erlauben hierzu keine systematische Auswertung, dennoch fiel auf, dass Phacelia – als zweikeimblättrige, sulfonylharnstoffempfindliche Zwischenfrucht – an Standorten mit entsprechenden Pflanzenschutzeinsätzen einen deutlich verhaltenen oder ausbleibenden Feldaufgang zeigte. Der Einfluss des Pflanzenschutzes wird in den kommenden Jahren als Versuchsfrage in den Versuchen aufgenommen.

Wo Unkrautdruck hoch war, konnte sich der langsam wachsende Klee nicht behaupten und wurde zum Beispiel vom Storchschnabel überwachsen – der Bestand blieb lückig.

Wenig Wasser ist ein Thema

In diesem Jahr spielte die Witterung der Drohnensaat stärker in die Karten als den Vergleichsvarianten. Vor der Ernte fiel meist ausreichend Niederschlag, sodass die Drohnensaat häufig unmittelbar vor einem Regenguss ausgebracht werden konnte – ein deutlicher Vorteil für den Feldaufgang. Nach der Ernte stellte sich dagegen eine trockenere Phase ein, die den Zwischenfruchtaufwuchs der Vergleichsvarianten deutlich erschwerte. Trotzdem zeigte sich entlang größerer Knicks, wie empfindlich die Drohnensaat auf Feuchtigkeitsmangel reagiert: In Bereichen mit geringerer Niederschlagsverfügbarkeit beziehungsweise stärkerer Wasserentzugswirkung durch Gehölze brach der Feldaufgang spürbar ein. Auffällig war zudem, dass Komponenten der Zwischenfruchtmischung mit einem höheren Keimwasserbedarf fast ausschließlich in der Stoppelreihe keimten, da sie dort das von den Stoppeln ablaufende Wasser nutzen. Um den Einfluss der Witterung verlässlich beurteilen zu können, werden die Versuche in den kommenden Jahren fortgeführt.

Fazit

Die Flächen werden detailliert hinsichtlich Feldaufgang, Biomasseaufwuchs, Bodenbedeckung, N-Fixierung sowie der Herbst- und Frühjahrs-Nmin-Werte ausgewertet. Eine umfassende Aufbereitung der Ergebnisse des ersten Versuchsjahres folgt im Frühjahr 2026. Die gewonnenen Eindrücke zeigen bereits, wie viele Stellschrauben über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. In den kommenden Jahren werden wir diese Faktoren weiter untersuchen, um die Praxistauglichkeit und Grenzen der Drohnensaat präzise beurteilen zu können.

Das Wirtschaftsjahr der Ferkelerzeugung in Zahlen

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Im Wirtschaftsjahr (WJ) 2024/25 wurden von der Schweinespezialberatung Schleswig-Holstein (SSB) zusammen mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein 48 hiesige Ferkelerzeugerbetriebe mit angeschlossener Ferkelaufzucht ausgewertet. Im Mittel dieser Betriebe bestand die Sauenherde aus 339 Tieren.

Viele wichtige Produktionskennzahlen konnten in dem abgeschlossenen Wirtschaftsjahr verbessert werden. Besonders erfreulich ist, dass die Verluste in allen Produktionsbereichen gesenkt werden konnten. Angefangen bei den Sauenverlusten, die um 0,4 % reduziert wurden bis hin zu den Ferkelverlusten. Im Saugferkelbereich reduzierten sich die Verluste sogar um 1 % auf 13 %. Das ist bemerkenswert, weil im Allgemeinen der Zusammenhang besteht, dass mit steigender Ferkelzahl auch die Verluste steigen – begründet durch leichtere Geburtsgewichte und eine damit verbundene höhere Anfälligkeit. Dieser Zusammenhang wurde in diesem Jahr von den schleswig-holsteinischen Sauenhaltern aufgebrochen. Vor allem bei den Top-25-Betrieben nach Ökonomie, die hohe biologische Leistungen zeigten, ist beispielsweise bei der gezielten Geburtsüberwachung eine Intensivierung zu beobachten.

Schleswig-Holsteinische Ferkelerzeuger schaffen höhere Ferkelzahlen und niedrigere Verluste.

Im WJ 2023/24 hat die Hälfte des oberen Viertels die Geburten gezielt überwacht, im letzten WJ waren es schon zwei Drittel. Auf alle ausgewerteten Betriebe bezogen lagen über ein lebend geborenes Ferkel (LGF) zwischen der Gruppe mit gezielter und gelegentlicher Geburtsüberwachung sowie ebenfalls niedrigere Saugferkelverluste zugunsten der intensiven Geburtsbetreuung. Denn Ferkel profitieren davon, wenn ihnen Stress oder Belastung während der Geburt erspart bleiben und sie schneller an das Gesäuge zur Kolostralmilchaufnahme gelangen. Gestärkt werden diese Ergebnisse durch die Erzeugerringdatenbank: einer Datenbank, in der bundesweit die Erzeugerringe (auch die SSB) nach BRS (Bundesverband Rind und Schwein) – Standard ihre Zahlen einspeisen, um Ergebnisse zu vergleichen und mit einer größeren Stichprobe zu bewerten. Dort sind die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen bezüglich der Saugferkelverluste sogar noch deutlicher (12,8 % versus 14,3 %). Dennoch muss auch festgehalten werden, dass die intensive Geburtsbegleitung nur eine Maßnahme für mehr lebend geborene Ferkel und weniger Saugferkelverluste ist.

Beruhigend ist, dass auch in der Ferkelaufzucht die Verluste um 0,4 % auf 2,76 % gesenkt wurden und damit keine Verlagerung möglicher Probleme stattgefunden hat. Damit konnten im Mittel aller SSB-Betriebe 32,4 Ferkel abgesetzt (AGF) und 31,4 verkaufsfähige Ferkel (vFerkel) im letzten WJ verkauft werden. Im bundesweiten Vergleich stellt sich Schleswig-Holstein mit diesen Ergebnissen deutlich überdurchschnittlich dar.

Ökonomische Ergebnisse im Vergleich

Die ökonomischen Leistungen in der Ferkelerzeugung waren im abgeschlossenen WJ wieder auf einem sehr guten Niveau und lagen deutlich über dem 10-jährigen Mittel.

Im Vergleich zum Vorjahr konnten die zirka 40 € niedrigeren Direktkosten je Sau und Jahr (SuJ) – die maßgeblich durch günstigeres Futter erreicht wurden – die niedrigeren Ferkelerlöse (~15 €/Ferkel) nicht gänzlich auffangen, sodass die Direktkostenfreien Leistungen mit 1.140 €/ SuJ ohne Sonderzahlungen (SoZ) rund 400 € darunter lagen.

Das obere und untere Viertel

Um Leistungspotenzial zu erkennen, hilft ein Vergleich zwischen den wirtschaftlich erfolgreicheren und weniger erfolgreicheren Betrieben, das heißt zwischen dem oberen und unteren Viertel nach Direktkostenfreien Leistungen je Sau und Jahr. Deutlich wird, dass ein starker Zusammenhang zwischen den biologischen und ökonomischen Leistungen besteht. Denn das obere Viertel (nach Ökonomie!) zeigt höhere Ferkelzahlen bei gleichzeitig niedrigeren Verlusten mit zum Teil deutlichem Abstand zum unteren Viertel (siehe Übersicht 1).

Mit Blick auf die ökonomischen Leistungen ist erkennbar, dass gute biologische Leistungen erst einmal auch Geld kosten, denn für die Direktkosten und insbesondere auch für das Futter wird im oberen Viertel je Sau – bedingt durch die höhere Ferkelzahl – mehr Geld ausgegeben als im unteren Viertel (siehe Übersicht 2). Der Vorteil des oberen Viertels liegt also zum einen in den höheren Erlösen je Ferkel (+8 ct/ kg Ferkelgewicht beziehungsweise + 6,50 €/Ferkel) und zum anderen in den höheren Ferkelzahlen.

Wird der Bezug auf die verkauften Ferkel gelegt, ist am Beispiel des Futters zu erkennen, dass sich die höheren Direktkosten je Sau und Jahr schnell durch die höhere Ferkelzahl relativieren (siehe Tabelle 3).

Während im oberen Viertel beim Ferkelfutter ähnliche Mengen je Ferkel zu höheren Kosten (+ 70 ct) eingesetzt werden, wird im Sauenbereich das Futter dort deutlich effizienter genutzt. Auf die Sau bezogen benötigt das untere Viertel nur 12,8 dt Futter gegenüber 14,1 dt, doch je Ferkel bekommen die Sauen zirka 7 kg mehr Futter bei niedrigerem Ferkelverkaufsgewicht als das obere Viertel. Der kritische Blick muss daher auf der (Gesamt-)Futtermenge und den (Gesamt-)Futterkosten je kg Ferkelzuwachs liegen. Im oberen Viertel wird 390 g weniger Futter für 1 kg Ferkelzuwachs benötigt, was in 14 ct geringeren Futterkosten mündet.

Die kalkulatorischen Fixkosten

Die ökonomische Betrachtung des Betriebszweiges ist erst abgeschlossen, wenn neben den variablen Kosten und Erlösen auch die Festkosten, also die Kosten, die sich von einem zum anderen Jahr kaum verändern, wenn keine größeren Baumaßnahmen et cetera erfolgen, betrachtet werden. Vor allem unter Neubaubedingungen haben diese in den vergangenen Jahren beträchtlich zugenommen. In Tabelle 4 sind die vom BRS kalkulierten Fixkosten unter Neubaubedingungen aufgeführt.

Deutlich wird, dass mit dem im abgelaufenen Wirtschaftsjahr überdurchschnittlichen Ergebnis keine Kostendeckung unter Neubaubedingungen erreicht und in den Betrieben 195 € je Sau und Jahr Verlust eingefahren würde.

Fazit

Unter dieser Betrachtung der Betriebszweigergebnisse mit sehr guten biologischen und ökonomischen Leistungen ist es umso bedauerlicher, dass seitens des Staates große Investitionen gefordert werden (Umbau Deckzentrum und Abferkelung), aber gleichzeitig das vorzeitige Ende der Investitionsförderung zum Umbau der Tierhaltung (31. August 2026) beschlossen wurde. Zu aktuellen Marktbedingungen können sich die Ferkelerzeuger den Umbau nicht leisten.

Verlässlich durch bewegte Zeiten

Planungssicherheit, ­Praxisnähe und Perspektiven für die ­Betriebe – Präsidentin Ute Volquardsen blickt im Interview auf ein bewegtes Jahr zurück und beschreibt, welche Schwerpunkte die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) 2026 setzt.

Frau Volquardsen, 2025 war von zahlreichen Projekten und Entwicklungen geprägt. Worauf blicken Sie persönlich mit der größten Zufriedenheit zurück?

Ute Volquardsen: 2025 war ein arbeitsreiches Jahr, in dem viel gleichzeitig in Bewegung war. Besonders zufrieden blicke ich darauf zurück, dass es uns gelungen ist, die Landwirtschaftskammer in einer Phase großer Unsicherheiten als verlässlichen Partner für die Betriebe zu positionieren. Ob in der Beratung, in der Bildung oder im Versuchswesen – wir haben konsequent daran gearbeitet, praxisnah zu bleiben und Orientierung zu geben. Gleichzeitig haben wir wichtige strukturelle Weichen gestellt, etwa mit Blick auf langfristige Planungssicherheit und die Weiterentwicklung unserer Angebote. Dieses Zusammenspiel aus Stabilität und Weiterentwicklung ist für mich ein starkes Signal. Gesundheit ist unser höchstes Gut. Auch in meiner Familie und auf unserem Hof haben wir in den vergangenen Jahren erlebt, wie schnell sich vermeintliche Sicherheiten verändern können. Das schärft den Blick für das Wesentliche – im Privaten wie im beruflichen Handeln.

Die neue Zielvereinbarung mit dem Land gibt der Kammer und den Betrieben mehr Planbarkeit. Was bedeutet dieses Signal konkret für Beratung und Bildung?

Die neue Zielvereinbarung ist ein starkes und wichtiges Signal des Landes an die Landwirtschaft und an die Kammer. Sie schafft Vertrauen und vor allem Planungssicherheit – sowohl für unsere Organisation als auch für die Betriebe. Im Alltag bedeutet das spürbare Entlastung, weil wir Beratung und Bildungsangebote langfristiger planen, Schwerpunkte gezielter setzen und unsere Mitarbeitenden verlässlich einsetzen können. Das kommt letztlich direkt bei den Betrieben an: durch kontinuierliche Ansprechpartner, stabile Angebote und mehr Fokus auf Inhalte statt auf kurzfristige Rahmenbedingungen. Besonders wichtig ist dabei, dass wir im Rahmen der Zielvereinbarung keine Kürzungen hinnehmen mussten.

Wenn Sie auf das kommende Jahr blicken: Welche Prioritäten setzen Sie 2026 für die Kammer – und wo liegen die größten Herausforderungen für die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein?

2026 wird für die Kammer ganz klar im Zeichen von Verlässlichkeit, Praxisnähe und Zukunftsfähigkeit stehen. Unsere Priorität ist es, die Betriebe noch gezielter dabei zu unterstützen, wirtschaftlich tragfähig zu bleiben und gleichzeitig die steigenden Anforderungen zu bewältigen. Die größten Herausforderungen sehe ich weiterhin im Spannungsfeld zwischen ökonomischem Druck, politischen Vorgaben, gesellschaftlichen Erwartungen und den aktuellen Preisentwicklungen. Hinzu kommen der Fachkräftemangel und die Frage, wie wir junge Menschen dauerhaft für die Landwirtschaft gewinnen. Genau hier kommt der Kammer eine wichtige Rolle zu – als Brücke zwischen Politik, Praxis und Gesellschaft. 2026 steht zudem ein Wechsel in der Geschäftsführung an. Herr Dr. Klaus Drescher hatte von Beginn an deutlich gemacht, dass er für eine begrenzte Amtszeit zur Verfügung steht. Diesem Wunsch sind wir nachgekommen und haben im Sommer auf der Hauptversammlung Frau Stephanie Wetekam zur neuen Geschäftsführerin bestellt. Mit ihr gewinnen wir eine sehr erfahrene Führungspersönlichkeit, die Theorie, Praxis und Management in besonderer Weise verbindet.

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein begleitet die Betriebe mit Beratung, Bildung und Versuchswesen. In welchen Bereichen möchten Sie 2026 Impulse setzen, die für die Betriebe konkret spürbar werden?

Mir ist wichtig, dass die Betriebe unsere Arbeit ganz konkret im Alltag spüren. Im Versuchswesen haben wir unsere bestehenden Beiräte neu aufgestellt, damit Fragestellungen in der Praxis zeitnah umgesetzt werden können. 2026 möchten wir Impulse in den Bereichen betriebswirtschaftliche Beratung, Klimaanpassung, Digitalisierung und Tierwohl setzen, genauso wie in den Bereichen der Führung und Kommunikation.

Dabei geht es nicht um abstrakte Konzepte, sondern um umsetzbare Lösungen: Wie können Betriebe ihre Produktionsverfahren weiterentwickeln? Wo lassen sich Ressourcen effizienter nutzen? Und wie können Innovationen aus dem Versuchswesen schneller in die Praxis gelangen? Wie schaffe ich es, Mitarbeitenden zu gewinnen und zu halten? Genau hier wollen wir noch enger mit den Betrieben zusammenarbeiten.

Die Ausbildung bleibt ein zentrales Fundament der Kammerarbeit. Was ist Ihnen mit Blick auf die jungen Menschen, die 2026 in die Landwirtschaft starten, besonders wichtig?

Die Ausbildung ist und bleibt ein zentrales Fundament unserer Kammerarbeit. Mir ist besonders wichtig, dass junge Menschen, die 2026 in die Landwirtschaft starten, echte Perspektiven sehen – fachlich, wirtschaftlich und persönlich. Sie sollen erleben, dass Landwirtschaft ein moderner, vielseitiger und zukunftsfähiger Beruf ist. Dazu gehören gute Ausbildungsbedingungen, engagierte Ausbilderinnen und Ausbilder sowie eine enge Begleitung durch die Kammer. Ein gutes Beispiel dafür ist die Einweihung unseres AgriSkill Lab in Futterkamp. Dort ermöglichen moderne Trainingsmodelle in der überbetrieblichen Ausbildung, theoretisches Wissen direkt praktisch anzuwenden. Auszubildende – ebenso wie Praktikerinnen und Praktiker – können ihre Handgriffe vertiefen und gewinnen dadurch zusätzliche Sicherheit und Kompetenz.

Und wie möchten Sie Betriebe und Nachwuchs künftig noch enger zusammenbringen?

Wir möchten Betriebe und Nachwuchs noch stärker miteinander vernetzen – durch praxisnahe Bildungsangebote, moderne Kommunikationsformate und vor allem durch den direkten Austausch. Betriebspraktika, Mentoring-Ansätze und der persönliche Kontakt zwischen Auszubildenden, jungen Fachkräften und erfahrenen Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern spielen dabei eine zentrale Rolle. Ziel ist es, Verständnis füreinander zu fördern und junge Menschen frühzeitig mitzunehmen – damit sie erleben, wie vielfältig und verantwortungsvoll Landwirtschaft ist und sich bewusst und mit Überzeugung für diesen Beruf entscheiden.

2026 ist das „Jahr der Bäuerin“. Was verbindet die Kammer mit diesem Schwerpunktjahr?

Das „Jahr der Bäuerin“ ist eine große Chance, die Vielfalt und Bedeutung der Frauen in der Landwirtschaft sichtbar zu machen. Bäuerinnen leisten tagtäglich einen entscheidenden Beitrag – im Betrieb, in der Familie, in der Ausbildung und oft auch in der Öffentlichkeitsarbeit. Für die Kammer ist dieses Jahr Anlass, diese Leistungen stärker hervorzuheben, Netzwerke zu fördern und Frauen gezielt zu unterstützen. Es geht um Anerkennung, Sichtbarkeit und darum, Vorbilder zu zeigen. Gemeinsam mit unterschiedlichen Interessengruppen sind wir bereits im Gespräch, um bundesweit verschiedene Formate auf den Weg zu bringen.

Wenn Sie an die Kammer, die Betriebe und die Menschen denken, mit denen Sie täglich arbeiten: Was wünschen Sie sich persönlich für die Betriebe und für die Kammer im Jahr 2026?

Ich wünsche mir für die Betriebe, dass sie 2026 mit mehr Zuversicht und Planungssicherheit in die Zukunft blicken können – und dass ihre Leistungen weiterhin Anerkennung finden und ein auskömmliches Einkommen ermöglichen. Für die Kammer wünsche ich mir, dass wir auch künftig als starke Fachexpertise wahrgenommen werden: engagiert, fachlich kompetent und nah an den Menschen. Dazu gehört, unsere guten Netzwerke weiter zu pflegen und gezielt auszubauen sowie bei politischen Entscheidungen als fachlicher Ansprechpartner gefragt zu sein. Wenn wir diesen Weg gemeinsam weitergehen, bin ich überzeugt, dass wir die Herausforderungen des kommenden Jahres gut meistern.

Ostseebeiräte legen Umsetzungspläne vor

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Die Umsetzung der Zielvereinbarung Landwirtschaft im Rahmen des Aktionsplans Ostseeschutz (APOS) erreicht einen wichtigen Zwischenschritt: Knapp ein Jahr nach der Unterzeichnung liegen die regionalen Umsetzungspläne der fünf Ostseebeiräte vor, denen die Steuerungsgruppe – bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der landwirtschaftlichen Verbände sowie des Landwirtschafts- und Umweltministeriums – zugestimmt hat.

Im Rahmen einer Presseveranstaltung in Kiel schilderte Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) einige Hintergründe. Ihren Angaben zufolge geht es darum, die Nährstoffeinträge in die Ostsee gemeinsam mit der Landwirtschaft vor Ort zu reduzieren. „Dort sitzen die Kenner der Regionen“, betonte die Ministerin. Aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheit in den Regionen brauche es auch unterschiedliche Maßnahmenpläne. Ihr Haus habe deren Entwicklung durch verschiedene Formate wie Feldtage unterstützt. Schmachtenberg lobte: „Die Landwirtschaft ist hier schon ein Stück weit in Vorleistung gegangen und hat den Prozess konstruktiv begleitet.“

Der Erfolg der Maßnahmen soll durch ein intensives Monitoring begleitet werden. Modell- und Demonstrationsvorhaben sollen dabei unterstützen. Rund 1,1 Mio. € stehen dafür 2026 bereit. Gegen Ende des Jahres soll eine erste Evaluation stattfinden.

Mix aus Maßnahmen

Der stellvertretende Leiter der Abteilung Landwirtschaft, Dr. Thorsten Reinsch, erklärte, dass die Verringerung der Eutrophierung grundsätzlich mit einem Mix aus ordnungsrechtlichen und freiwilligen Maßnahmen erreicht werden soll. Dazu zählten neben einem Wirkungsmonitoring verschiedene Beratungswerkzeuge. Die kostenlose Gewässerschutzberatung soll fortgesetzt und der Nitratmessdienst ausgebaut werden. Zudem sei ein Online-Beratungstool geplant. Im Bereich der Flächennutzung sollen Gewässerrandstreifen, feuchte Ackersenken und Waldgebiete gefördert werden. Weitere freiwillige Maßnahmen würden nun im Rahmen der Ostseebeiräte umgesetzt.

Reinsch berichtete: „2025 fanden deutlich mehr als 20 Sitzungen statt.“ Dabei sei ausführlich diskutiert worden, welche Maßnahmen sinnvoll sind und eine hohe Akzeptanz erzielen könnten. So finden sich im Katalog insgesamt 34 Maßnahmen, die jeweils einen eigenen Reduktionswert haben. Beispielsweise zählen dazu Innovationen in der Bodenbearbeitung, Precision Farming und die Aussaat von Zwischenfrüchten mit Drohnen.

Das Minderungspotenzial für Nährstoffeinträge bis 2035 betrage 470 t N und 13 t P, was sogar etwas mehr als den vereinbarten Zielen entspreche. Dafür müssten bis 2035 auf rund 90.000 ha Maßnahmen durchgeführt werden.

Innovationen nutzen

Landwirt Richard Bonse ist Vorsitzender des Ostseebeirats Eckernförder Bucht und Baltic-Probstei. Er erklärte: „Die Landwirtschaft vor Ort ist unglaublich motiviert mitzumachen, weil es ein innovatives Verfahren ist und kein Ordnungsrecht.“ Die Erarbeitung von regional passenden Maßnahmen in kleinen Gruppen von weniger als zehn Personen habe sich als sehr kon-struktiv herausgestellt. Bonse stellte klar, dass man trotz der Einsparziele die Lebensmittelversorgung sicherstellen wolle, also Mindererträge vermeiden. Das gehe beispielsweise mithilfe teilflächenspezifischer Düngung und Fruchtfolgeumstellungen. „Wir wollen uns auch mit Filtersystemen und Drainagen auseinandersetzen“, schilderte Bonse. Der innovative Ansatz sei der, den man gehen wolle.

Ostseebeiräte im Überblick, Grafik: MLLEV

Heinrich Mougin aus dem Vorstand des Bauernverbandes Schleswig-Holstein sitzt dem Ostseebeirat Wagrien-Fehmarn und Neustädter Bucht vor. Er berichtete: „Ostholstein ist von Grund- und Endmoränen geprägt. Wir werden im Wesentlichen über den Oldenburger Graben entwässert.“ Dort sei die Wiedervernässung von Mooren eine Möglichkeit, Nährstoffeinträge zu reduzieren. Auch er setzt auf innovative Ansätze. „Technologie und Digitalisierung helfen der Effizienzsteigerung“, so Mougin. Beispielsweise seien Mergelkuhlen bereits vorhandene natürliche Filter. „Wir müssen diese ,technischen Anlagen‘ wieder aktivieren und neu aufbauen.“ Den Wasser- und Bodenverbänden misst er eine besondere Rolle zu. Und auch die Schützerverbände müssen aus Sicht von Mougin eingebunden werden.

Wichtiger Schritt

Schmachtenberg unterstrich die hohe Motivation der Landwirte. Sie zeige, dass es der richtige Weg sei, nicht auf Ordnungsrecht zu setzen. Auch das Kieler Umweltministerium unterstützt diese Strategie. Umweltstaatssekretärin Katja Günther sagte: „Es ist gut, dass wir den gemeinsam formulierten Zielen zur Reduzierung der Nährstoffeinträge mit den Umsetzungsplänen der Ostseebeiräte nun einen Schritt näherkommen.“

CDU-Agrarsprecherin Rixa Kleinschmit bewertete die Umsetzungspläne positiv. Sie erklärte nach der Presseveranstaltung: „Heute ist ein guter Tag für den Ostseeschutz. Denn mit den von den fünf Ostseebeiräten vorgelegten Umsetzungsplänen ist ein großer Schritt getan, den Eintrag von Stickstoff und Phosphor in die Ostsee zukünftig zu reduzieren.“ Gleichzeitig machten die Pläne deutlich, dass es richtig war, im Rahmen der Zielvereinbarung Landwirtschaft auf Freiwilligkeit und Dialog zu setzen. 

Die Zielvereinbarung und alle Details zu den Maßnahmen

Gedanken zum vorigen LandFrauenjahr

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„Zukunft ist eine innere Entscheidung“ mit diesem Zitat des Zukunftsforschers Matthias Horx starteten wir als Landesverband in das Jahr 2025, geprägt durch unterschiedliche Veranstaltungen des Vorjahres, in denen sich viele LandFrauen mit der Aufstellung ihrer Vereine und des LandFrauenverband für die Zukunft beschäftigt haben.

Umbruch und Veränderung sind unvermeidlich – Zukunft aber beginnt dort, wo wir uns bewusst dafür entscheiden, weiterzugehen. Ich habe mich in diesem Jahr bewusst dazu entschieden, mich noch einmal für die Wahl zur Präsidentin aufstellen zu lassen, weil ich einen festen Glauben daran habe, dass unsere LandFrauen-Gemeinschaft uns durch den Wandel tragen kann.

„Auch ich bin Gesellschaft“

Mir liegt es am Herzen deutlich zu machen, in welchen Strukturen wir arbeiten und seit mehr als 75 Jahren erfolgreich LandFrauenarbeit betrieben haben. Unsere 151 Ortsvereine bilden die Basis. Sie schaffen Gemeinschaft vor Ort, sind der soziale Kitt, wie es der Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) einmal so passend formuliert hat. Der Landesverband arbeitet auf einer anderen Ebene, macht seine Mitglieder durch Fortbildung und Qualifizierung stark. Wir schaffen und erhalten Netzwerke, wir horchen auf, mischen uns ein. Wir als Landesverband machen uns stark für die Frauen in Schleswig-Holstein. Und ja, wir sind die da oben, denn wir stehen oben in der Strukturpyramide. Und doch sind wir als Vorstand auch einfach nur LandFrauen, die sich ehrenamtlich engagieren.

Claudia Jürgensen
Fotos (2): Meike von der Goltz

Unser Jahresmotto 2025 lautet „Auch in bin Gesellschaft – Zukunft ist unsere Entscheidung“ – dieser Slogan erinnert uns daran, dass jeder von uns eine Verantwortung trägt und dass die Gesellschaft nicht nur aus den großen Entscheidungen besteht, sondern aus den vielen kleinen, die wir tagtäglich treffen. Wir als LandFrauen sind nicht nur Teil dieser Gesellschaft, wir gestalten sie aktiv mit. Durch unser Engagement, unsere Fürsorge und unseren Einsatz leisten wir einen wertvollen Beitrag.

Anfang des Jahres nahm ich an der Bundesvorstandsitzung des dlv teil. In diesem Jahr gab es bei den Landesverbänden aus den sogenannten „neuen“ Bundesländern richtige Existenzängste, denn durch die Wahlen und dadurch neu aufgestellte Parteienverhältnisse sollen nun die Fördermittel, durch die die Frauenverbände in erheblichen Maßen finanziert sind, gestrichen werden. In dieser Diskussion wurde mir etwas einmal mehr bewusst, und ich möchte es gern mit auf den Weg geben: Es ist so wichtig, dass wir uns alle für die Stärkung unserer Demokratie einsetzen!

Aus dem Grund freue ich mich sehr auf ein neues Angebot in 2026 in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale SH. Wir werden Demokratielotsinnen qualifizieren. Denn jeder einzelne Schritt, der dazu führt, dass wir unsere Gemeinschaft stärken, ist wertvoll. Obgleich es stets eine Herausforderung darstellt, als rein mitgliedsbeitragsfinanzierter Verband zu agieren: selbst finanzierte Frauenpolitik zu haben ist in Zeiten, die auf uns zukommen, wichtiger denn je. Daher ist und bleibt es wichtig, dass wir alle als großer Verband von Ortsverein die Arbeit des Landesverbandes und des dlv unterstützen, weil wir mit unserem Netzwerk eine starker Multiplikator sind.

Zusammenhalt und Stärke

Wir LandFrauen sind eine starke Gemeinschaft. Ich bekomme das in meinem Kontext als Präsidentin sehr oft gespiegelt und möchte es an dieser Stelle gern weitergeben: die LandFrauen-Arbeit ist von unschätzbarem Wert und prägt das Leben auf vielen Ebenen. Es sind die Werte von Zusammenhalt und Stärke, die uns als LandFrauen immer wieder zusammenführen in unserem gemeinsamen Bestreben nach einer besseren Zukunft. Auch wenn die Welt um uns herum oft  –und aktuell ganz besonders – von Unsicherheiten geprägt ist, können wir mit dem Wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können, eine stabile und lebenswerte Zukunft für uns und die kommende Generation schaffen! Lasst uns weiter ein starkes Netzwerk der Solidarität und des Engagements sein – für uns, unsere Familien und für die Zukunft der ländlichen Gemeinschaften. WIR, unsere Gemeinschaft – mir gibt das ein positives, zuversichtliches Gefühl!

Und ich möchte uns allen mit auf den Weg geben: Lasst uns stets achtsam miteinander umgehen, lasst uns immer wieder positive Ziele setzen, und uns in unserem Tun und Handeln bestärken! Mit den Worten der Pilotin Amelia Earhart, die als erste Frau den Atlantik überflogen hat, möchte ich uns alle zum Handeln für unsere demokratische Gemeinschaft auffordern. Die effektivste Art, es zu tun, ist, es zu tun! Gemeinsam sind wir die Gesellschaft, und gemeinsam entscheiden wir über unsere Zukunft! In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein anpackendes, zuversichtliches Jahr 2026.

Vizepräsidentin

Sylke Messer-Radtke:

Begeisterung und Verantwortung

Meinen Jahresrückblick auf das Jahr 2025 schreibe ich mit einem vollen LandFrauen-Herzen und den Nachwirkungen einer tollen 75igsten Jubiläumsfeier. Auf dem Jubiläum wurde deutlich, was unsere gemeinsame LandFrauen-Arbeit ausmacht, Begeisterungsfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft für die Frauen im ländlichen Raum.

Wenn Frauen es schaffen, in siebeneinhalb Jahrzehnten abwechslungsreiche Programme und starke Vereinsvorstände zu stellen, sind wir ein Sprachrohr für Frauen und Familien im ländlichen Raum und können zuversichtlich in die Zukunft gehen.

Bereichernde Aufgaben

Die Einladung zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen in den örtlichen LandFrauenvereinen ist eine der bereicherndsten Aufgaben für mich als Vizepräsidentin. Besonders gern bin ich in diesem Jahr nach Pellworm gefahren. LandFrauenarbeit auf unseren Inseln ist nochmal eine andere Herausforderung, einerseits ist man unter sich, aber andererseits verhindert die Insellage den Austausch mit anderen LandFrauen. Ich war begeistert von der schwungvollen Jahreshauptversammlung der Insel-LandFrauen und nebenbei einmal tatsächlich zu erleben, was es heißt, mit den vielen Gänsen vor der Haustür zu leben und zu arbeiten, war auch sehr erhellend.

Sylke Messer-Radtke Foto: LFV

Alle zwei Jahre findet der Hauswirtschafts-Kongress statt, diesmal in Köln, und ich konnte dabei sehen, wie sich die aktive Hauswirtschafts-Community mit dem Thema „Hauswirtschaft – Zukunft – Transformation“ auseinandersetzt. In dem Forum mit dem Thema „Wandel in den Köpfen und Töpfen. Die Kopenhagener Ernährungsstrategie“, wurde eindrucksvoll geschildert, wie unsere dänischen Nachbarn das Thema Gemeinschaftsversorgung in Schulen angehen, und dabei regionale und Bio-Lebensmittel einsetzen.

Digitale Patin

Im Juni gab es eine weitere tolle Veranstaltung, bei der unsere pragmatische LandFrauenarbeit für ein breites Publikum sichtbar wurde. Gemeinsam mit dem Breitbandkompetenzzentrum SH, in Person von Maxim Schmuck, durften wir auf dem Tech-Festival der Körber Stiftung in Hamburg unsere Kooperation der Digitalen Patin vorstellen. Große Bühne, viele Scheinwerfer, verkabelt mit dem Mikrofon und nicht so ganz genau wissen, ob das Gegenüber bei den vorbereiteten Fragen bleibt, war es eine tolle Erfahrung. Unser Projekt wurde als einfach, niedrigschwellig, praktikabel gelobt und auch die Kooperation aus dem Ehrenamt und der Hauptamtlichkeit des BKZ wurde erstaunt wahrgenommen. Die Digitale Patin durfte sich auch bei der „Digitalen Woche” in Kiel vorstellen und mit Unterstützung der Aukruger LandFrauen wurde dieser Termin mit Leben gefüllt. Zum Netzwerktreffen der Digitalen Patin im September konnte der neue Imagefilm, der mit Unterstützung von Mitteln des Kieler Landwirtschaftsministeriums erstellt wurde, vorgestellt werden und ist auf der Homepage des LandFrauenverbandes einzusehen.

Lebendige Dörfer

Viel Zeit hat für mich in diesem Jahr die Juryarbeit eingenommen. Als erstes stand „Unser Dorf mit Zukunft” im Jahresplan und wir haben uns sehr über die vielen Bewerbungen gefreut. Mit Unterstützung von Julia Kortum hat sich die Akademie für die ländlichen Räume an neue Bewerbungskriterien gewagt und damit die Dörfer angesprochen und uns die Juryarbeit erleichtert. Zur Auftaktveranstaltung in Bordesholm konnten 38 Dörfer eingeladen werden. 31 Bewerber nutzten die Plattform, sich kurz vorzustellen und untereinander auszutauschen mit großer Begeisterung. Ende Juni war es dann so weit, und die zehn nominierten Dörfer wurden an drei Tagen bereist. Ich teile mir die Aufgabe mit unserer Präsidentin Claudia Jürgensen und wir waren hellauf begeistert von den tollen Dorf-Vorstellungen und den innovativen Lösungen vor Ort im ländlichen Raum und die Einbindung der Dorfgemeinschaften in unterschiedlichsten Formen. Das Siegerdorf Osterby hat dann im Oktober eine würdige Siegesfeier ausgerichtet, bei der unsere Präsidentin die Laudatio auf das zweitplatzierte Dorf halten durfte – „Loop, klein aber fein”.

Als zweites war in diesem Jahr der Nachhaltigkeitspreis des Landes Schleswig-Holstein dran. Ausrichter ist hier das Umweltministerium und es gab sagenhafte 68 Bewerbungen. Hierbei unterstützte unsere Geschäftsführerin Dr. Gaby Brüssow-Harfmann und wir waren gut beschäftigt, die zahlreichen und auch fachlich so unterschiedlichen Bewerbungen rund um den Nachhaltigkeitsgedanken in ein Ranking zu bringen. Gemeinsam sind wir stark und haben auch hier unseren Blick aus der Frauen- und Familiensicht auf die soziale Nachhaltigkeit, die Umweltbildung und den Klimaschutz auf die Bewerbungen gerichtet. Die Preisträger wurden bei der IB.SH-Bank in Kiel geehrt und damit war meine Juryarbeit für den LandFrauenverband in diesem Jahr erledigt.

Weite Wege brücksichtigen

Des Weiteren haben mich in diesem Jahr zahlreiche Termine in Molfsee beschäftigt, unser AK Archiv Molfsee hat seine Treffen abgehalten und wir haben uns beim LandFrauentag und beim Erinnerungs-Nachmittag zu den aktuellen Museumsthemen berichtet. Ich habe noch zahlreiche weitere Termine im Freilichtmuseum Molfsee wahrgenommen, um die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen zu untermauern. Unterstützung haben wir auch den Kreisverbänden Dithmarschen und Nordfriesland zukommen lassen, die sich für den Erhalt der Perinatalzentren Level 1 der Kliniken in Heide, Flensburg und Itzehoe eingesetzt haben. Eine für uns nicht zu verstehende Entwicklung in der Krankenhausversorgung in der Fläche, wobei die Wege, die wir zurücklegen müssen, keine Bewertung finden. Wir werden auch im kommenden Jahr nicht müde werden, uns für die Frauenthemen einzusetzen und ich freue mich schon auf die im Kalender notierten Termine in den LandFrauen-Ortsvereinen.

Sylke Messer-Radtke packte als LandFrauen-Vizepräsidentin auch bei der Baumspende-Pflanzaktion im Freilichtmuseum Molfsee tatkräftig mit an. Foto: Frank Zarp

Präsidiumsmitglied Lena Haase:

mehr positives Flair

Lena Haase Foto: privat

Wieder liegt ein buntes LandFrauenjahr 2025 hinter uns und wir blicken gespannt ins neue Jahr 2026. Dieses Jahr startete, als was es ist – ein Jahr der Jubiläen in unseren LandFrauenvereinen und Verbänden.

Erfolgreicher Dialog

Wir haben als Vorstand vielerorts mitgefeiert. Immer im Austausch untereinander und mit anderen Verbänden und Institutionen lernen wir viel Neues, erfahren von der Wertschätzung, die uns LandFrauen entgegengebracht wird und vernetzen uns stetig weiter. Im April konnten wir den Dialogprozess des Kieler Landwirtschaftsministeriums abschließen. Nach Ulrike Röhr durfte ich mit unserer Präsidentin Claudia Jürgensen an diesem Prozess mitwirken, und das hat wirklich viel Spaß gemacht.

Wertvoll ist auch die Ausschussarbeit bei uns im Landesverband oder auch im Bundesverband. Aus diesen sind immer wieder wichtige Positionspapiere und eine Kampagne gegen die Altersarmut von Frauen hervorgegangen. Unser „LandFrauenTag“ war wieder ein riesiger Blumenstrauß aus tollen Frauen, munteren Gesprächen, gutem Input, schöner Musik, guter Unterhaltung und so vielen kreativen und informativen Ständen. Wir haben die Holstenhallen mit so viel positivem Flair gefüllt – davon immer gerne mehr.

Auch die diesjährige Norla konnte daran anschließen, mit neuen Ideen diente unser Pavillon als Raum für guten Austausch und als Bühne für einige unserer Partner.

Pinktober

In diesem Jahr war nicht nur Frauenpolitik mein persönliches LandFrauenthema, sondern auch der Pinktober – natürlich hat auch dieser 2025 ein Jubiläum gefeiert – seinen 40. Jahrestag – immer mit dem Motto „Gib auf dich Acht“. Es fanden vielerorts Veranstaltungen statt – in Heide tauchte ein großes Team um Inken Stoffmehl die ganze Stadt in Pink und pinke BHs. In Kiel haben Claudia Jürgensen, Ninette Lüneberg, Iris Christensen und ich am „Pink-Run“ der sehr engagierten Kieler Brustkrebssprotten teilgenommen. Diese engagierten Frauen sind Mutmacherinnen.

Mit dieser positiven Energie im Gepäck starte ich in ein neues Jahr. Ich wünsche Ihnen allen das Beste fürs neue Jahr und die Power sich zu engagieren für ihr und euer Herzensthema.

Präsidiumsmitglied Heidi Thamsen:

wir werden gehört

Heidi Thamsen Foto: privat

Das vergangene Jahr war geprägt von vielfältigem Engagement, zahlreichen Begegnungen und wichtigen Impulsen für die Zukunft der LandFrauenarbeit.

Frauen sozial absichern

Nach längerer Pause nahm der Facharbeitskreis Agrar- und Umweltpolitik, ländliche Räume seine Arbeit wieder auf. Als Vorsitzende des Fachausschusses in Zusammenarbeit mit Anette Störtenbecker, Bildungsreferentin Agrarwirtschaft, konnten mit engagierten Teilnehmerinnen aus den Kreisen zentrale Themen neu belebt werden – insbesondere die soziale Absicherung der Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben sowie deren Sichtbarkeit innerhalb der Branche und Gesellschaft.

Die Teilnahme an der Informationsveranstaltung zur Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) bot aktuelle Einblicke in agrarpolitische Entwicklungen. Die Einladung zum parlamentarischen Abend in das Landeshaus war ein weiteres Highlight für alle anwesenden LandFrauen. In allen Ansprachen kam die Wertschätzung der LandFrauen deutlich zum Tragen. Wir LandFrauen werden gehört und bekleiden eine positive Reputa­tion im Land.

Verbundenheit gestärkt

Ein besonderer Schwerpunkt lag in der Mitarbeit im Facharbeitskreis Einkommenskombination, in dem praxisnahe Perspektiven der landwirtschaftlichen Betriebe eingebracht werden konnten. Hier stellt sich immer wieder heraus, wie sich Frauen auf den Höfen etablieren und ihren eigenen Geschäftszweig entwickeln können. Hervorzuheben war das Netzwerktreffen der Unternehmerinnen, das durch den Besuch eines landwirtschaftlichen Betriebes einer engagierten jungen Landwirtin bereichert wurde. Die Gespräche und Einblicke vor Ort sowie das Netzwerken und die Fachvorträge stärkten die Verbundenheit und Motivation der teilnehmenden Frauen.

Vorfreude auf 2026

In diesem Zusammenhang wächst auch die Vorfreude auf das für 2026 geplante Forum für Frauen in der Landwirtschaft, das wichtige Impulse und Austausch auf Landesebene verspricht. Hier wird es ein breites Angebot für alle Themen rund um die Frauen in der Landwirtschaft geben. Angesprochen sind alle Frauen, die mit dem landwirtschaftlichen Sektor in Berührung kommen. Dieses sind Betriebsleiterinnen genauso wie Ehefrauen, Mitarbeiterinnen und alle die sich der Landwirtschaft verbunden fühlen.

Im Laufe des vergangenen Jahres erfolgten zahlreiche Besuche von Jubiläen und Jahreshauptver-sammlungen der LandFrauenvereine auf Orts- und Kreisebene, die die Vielfalt und Stärke der LandFrauenarbeit in den Regionen erneut sichtbar machten. Darüber hinaus erfolgte eine engagierte Begleitung von Seminaren, welche die Weiterbildung und persönliche Entwicklung der Mitglieder unterstützen. Molfsee feierte im Juni sein 60jähriges Jubiläum. Hier bot sich mir die Gelegenheit, Kontakte zu pflegen und die Bedeutung der LandFrauen im kulturellen und gesellschaftlichen Bereich hervorzuheben.

Bewährtes und Neues

Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Messeauftritt bei der Norla. Der LandFrauenpavillon präsentierte sich in einem neuen Erscheinungsbild, das sowohl Bewährtes als auch neue Angebote vereinte. Die vielfältigen Aktionen und Gespräche verdeutlichten erneut die zentrale Rolle der LandFrauen im ländlichen Raum. Eine Vielzahl von Veranstaltungen sowie Facharbeitskreisen und Besuche auf Orts- und Kreisebene lassen mich wertschätzend zurückblicken auf ein ereignisreiches Jahr 2025. Mit dieser angenehmen Erfahrung blicke ich optimistisch und zuversichtlich auf das Jahr 2026 und freue mich auf viele interessante Begegnun-gen und Gespräche mit LandFrauen und allen Gremien, in denen ich mitwirken darf.

China torpediert europäischen Milchmarkt

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Der Himmel am Milchmarkt ist aktuell bereits mit dunklen Wolken behangen. Grund dafür ist bekanntlich die nicht nur in Deutschland, sondern auch EU-weit enorm gestiegene Milchmenge. In Deutschland und den Niederlanden fällt der Produktionsanstieg europaweit gesehen aber am stärksten aus. In beiden Ländern liegen wir nach wie vor mehr als 7 % über der Vorjahreslinie. EU-weit gesehen sind es immerhin 5 %. Blicken wir nach Nordamerika fällt der Abstand zur Vorjahreslinie noch dramatischer aus. Die Milchpreise befinden sich entsprechend in einer Abwärtsspirale, die erst stoppen wird, wenn sich die angelieferte Milchmenge signifikant verringert. Dass ein so deutliches Überangebot die Preise abstürzen lässt, haben wir in der jüngsten Vergangenheit unter anderem auch beim Getreide, den Kartoffeln und den Schweinen miterlebt. Da kann man sich drüber ärgern, dagegen protestieren und auch an die Moral des LEH appellieren: Die Gesetze des Marktes lassen sich dadurch aber nicht aushebeln.

Chinesische Strafzölle auf EU-Milchprodukte

Ein wichtiges Entlastungsventil ist aktuell der Export. Aufgrund des inzwischen niedrigen Preisniveaus für Milchprodukte ist die EU auf dem Weltmarkt durchaus konkurrenzfähig. Auch wenn der gerade in den vergangenen Tagen noch stärker gewordene Euro diese Konkurrenzfähigkeit etwas dämpft. Aber gerade im Export ziehen aus China nun zusätzliche dunkle Wolken heran. Relativ spontan, mit Wirkung vom 23. Dezember 2025 hat die chinesische Regierung teilweise sehr hohe Strafzölle auf die Einfuhr europäischer Milchprodukte verhängt. Diese wurden zwar schon seit Längerem angedroht, bisher gerieten aber nur einzelne Meiereien in den Niederlanden, in Belgien, Frankreich und Italien in den Fokus. Nun trifft es aber auch einige deutsche Meiereien, wie zum Beispiel das DMK, Arla Foods Deutschland oder die Meierei Ammerland. Insgesamt betroffen sind über 50 europäische Milchverarbeiter, deren Produkte mit einem zusätzlichen Zollsatz von 21,9 bis 42,7 % belastet werden. Der Grund für diese Zölle ist der E-Auto-Streit zwischen China und der EU. Es sind von diesen Strafzöllen aber nicht nur Milchprodukte betroffen, auch der Schweinefleischsektor wird belastet. Damit müssen die europäischen Landwirte mal wieder für die Autoindustrie die Zeche zahlen, die sich mithilfe ihrer großen Lobby erfolgreich gegen billige Import-E-Autos aus China wehrt.

Rinderbestände stabil

Die Exportzölle sind aber nicht die einzige Meldung, die dieser Tage neu aufkommt und das Leiden am Milchmarkt in die Länge ziehen könnte. Auch die neuesten Zahlen zur Entwicklung der Rinderbestände gehen in diese Richtung. Nachdem die Mai-Zählung noch deutliche Rückgänge verzeichnete, kommt es nach den neuesten Zahlen der November-Zählung erstmals seit Jahren wieder zu einer Seitwärtsbewegung. Die Gesamtzahl der Rinder in Deutschland hat sich nur um 0,4 % auf 10,4 Millionen Tiere nach unten entwickelt. Bei den Milchkühen ist sogar ein minimales Plus von 0,2 % zu verzeichnen. Rechnet man nun noch die jährliche Leistungssteigerung hinzu, verschiebt sich die Hoffnung auf eine baldige Verknappung der Milchmenge immer weiter nach hinten.

Umweltbundesamt: Wertvolle Agrarflächen erhalten

Der Zubau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen (PV-FFA) sollte aus Sicht des Umweltbundesamtes (UBA) so gestaltet werden, dass er nicht zulasten der Ernährungssicherung oder des Umwelt- und Naturschutzes geht. Das hat die Behörde in einem nun veröffentlichten Positionspapier betont. Grundsätzlich sollten PV-Module zur Erreichung der Ausbauziele demnach vorrangig auf Gebäuden und sonstigen versiegelten Flächen installiert werden, um möglichst wenig unversiegelte Flächen in Anspruch zu nehmen.

Ungeachtet dessen ist laut UBA zu erwarten, dass vor dem Hintergrund der gesetzlichen Ziele ein weiterer Zubau von PV-FFA stattfinden werde. Dafür sollten dann landwirtschaftlich genutzte Flächen verwendet werden, die „ökologisch weniger wertvoll sind und eine geringere bis mittlere Bodengüte aufweisen“, heißt es im Papier. Für UBA-Präsident Dirk Messner sind Wind- und Sonnenenergie bedeutend, um der Abhängigkeit von fossilen Energien zu entkommen. „Es ist jedoch wichtig und möglich PV-Anlagen so zu installieren, dass die Fruchtbarkeit unserer Böden und wertvolle naturnahe Bereiche erhalten werden“, bekräftigte Messner.

Mittelfristig sollte aus Behördensicht die energetische Nutzung von Anbaubiomasse zugunsten einer Stromerzeugung durch PV-FFA reduziert und „der Ausbau von Agri-PV als sinnvolle, flächeneffiziente Hybridnutzung vorangebracht werden“, schreibt das UBA. Begründet wird dies durch die deutlich höhere Flächeneffizienz von PV-Anlagen. „Photovoltaik erzeugt pro Hektar auch bei umweltschonendem Ausbau ein Vielfaches an Strom gegenüber Energiepflanzen“, unterstrich Messner.

Klimaschutz und GAP in der Hauptstadt

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Beim Winter-Arbeitskreis Agrar des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) im Dezember in Berlin nahmen aus Schleswig-Holstein Wiebke Wendt und Malte Blöcker teil. Schwerpunktthemen waren der Klimaschutz in der Landwirtschaft sowie die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU ab 2028.

Einen zentralen Beitrag lieferte Thomas de Witte vom Thünen-Institut, der in seinem Vortrag die Komplexität des Klimaschutzes verdeutlichte. Viele Bereiche tragen zu Emissionen bei. Besonders der Energiesektor zählt zu den größten Verursachern, bietet jedoch gleichzeitig erhebliche Potenziale zur Reduktion – etwa durch den Einsatz von Wärmepumpen oder den Ausbau der Elektromobilität. Langfristig wird der Anteil der Energie- und Industrieemissionen daher sinken, während der relative Anteil der Landwirtschaft stärker ins Gewicht fallen dürfte.

Auch in der Landwirtschaft gibt es zahlreiche Stellschrauben zur Einsparung von Emissionen. Allerdings besteht weiterhin großer Forschungs- und Erprobungsbedarf. Rund 25 % der landwirtschaftlichen Emissionen stammen aus der Tierhaltung. Maßnahmen wie Humusaufbau, Wiedervernässung von Mooren oder eine effizientere Stickstoffdüngung können wichtige Beiträge zum Klimaschutz leisten.

Im Bereich der Emissionsminderung gibt es sowohl staatliche Verpflichtungen als auch freiwillige Maßnahmen. Die staatlichen Vorgaben werden global, beispielsweise im Pariser Klimaschutzabkommen, sowie auf EU- und nationaler Ebene festgelegt. Deutschland ist verpflichtet, jährlich über seine Emissionen zu berichten, wobei unterschiedliche Berechnungsgrundlagen zur Anwendung kommen.

Insgesamt gehen die Treibhausgasemissionen zurück: 1990 lagen sie noch bei rund 1 Mio. t CO2-Äquivalent, 2024 nur noch bei etwa 0,5 Mio. t. Global trägt Deutschland etwa 1,6 % zu den Emissionen bei, hat aber trotzdem eine Vorreiterrolle beim Schutz. Früher fungierten Wälder als große CO2-Speicher, insbesondere aufgrund umfangreicher Wiederaufforstungen. Da die Bäume mittlerweile älter sind, können sie jedoch weniger CO2 aufnehmen; entsprechend wird ihnen heute weniger Speicherleistung angerechnet.

Danach wurde das HumusKlimaNetz vorgestellt. Die Organisation bietet Landwirtinnen und Landwirten die Möglichkeit, sich anzuschließen und bei Klimaschutzmaßnahmen unterstützt zu werden – etwa beim Humusaufbau durch Zwischenfrüchte oder bei der Anlage von Agroforstsystemen. Zudem lädt das Netzwerk regelmäßig zum „Humus-Club“ ein, um den fachlichen Austausch unter den teilnehmenden Betrieben zu fördern.

Mit der GAP 2028 setzte sich der Arbeitskreis ebenfalls auseinander. Die Vorschläge der EU-Kommission sehen weniger Budget vor, bündeln Fördermittel in einem einzigen Fonds und richten Zahlungen stärker auf kleinere Betriebe, Umweltleistungen und junge Landwirte aus. Parallel dazu verfolgt die EU eine Strategie für den Generationenwechsel: Sie soll Neueinsteiger mit Starthilfen, besserem Zugang zu Land, Finanzierung, Ausbildung und einer attraktiveren ländlichen Infrastruktur unterstützen.