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Rinder aktuell: Die Bergung bewegungsunfähiger Rinder

Die Bergung bewegungsunfähiger Rinder ist ein sensibles und zugleich praxisrelevantes Thema in der Landwirtschaft. Immer wieder kommt es vor, dass Kühe oder andere Rinder aufgrund von Krankheit, Verletzung oder Erschöpfung nicht mehr selbstständig aufstehen können. Für Landwirte stellt dies nicht nur eine organisatorische Herausforderung dar, sondern wirft auch wichtige Fragen zum Tierwohl, zur Wirtschaftlichkeit und zu rechtlichen Vorgaben auf.

Rinder können aus verschiedenen Gründen festliegen. Häufige Ursachen sind:

– Stoffwechselerkrankungen wie Milchfieber (Hypokalzämie). Wenn Kühe nach der Kalbung nicht mehr aufstehen können (Festliegen), versuchen sie oft, sich in Brust- oder Seitenlage aufzurichten. Dabei kann es zu einem unkontrollierten Spreizen der Hinterbeine kommen. Dies ist häufig eine Folge von Kalziummangel (Milchfieber), der zu Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen führt.

– Geburtskomplikationen. Nerven­schäden, zum Beispiel durch Schwergeburten (Nervus obturatorius), können dazu führen, dass die Kuh die Kontrolle über ihre Hinterbeine verliert und diese seitlich wegstreckt.

– Verletzungen an Gliedmaßen oder Gelenken, die ein Aufstehen erschweren oder gänzlich verhindern

– „Ausgrätschen“. Glatte Laufflächen im Stall können dazu führen, dass Kühe ausgleiten, wobei die Beine seitlich wegknicken oder ausgegrätscht werden. Dies kann zu Zerrungen oder Muskelrissen führen.

– Infektionen oder schwere Allgemeinerkrankungen

– Erschöpfung bei älteren oder geschwächten Tieren

– Das frühzeitige Erkennen der Ursache ist entscheidend, da die Behandlungschancen stark davon abhängen.

Bedeutung schneller Maßnahmen

Ein festliegendes Rind ist ein Notfall. Bereits nach wenigen Stunden können durch den anhaltenden Druck auf Muskeln und Nerven schwere Folgeschäden entstehen. Deshalb ist schnelles Handeln erforderlich:

– Tierarzt kontaktieren

– Separieren von der Gruppe

– Tier weich lagern, zum Beispiel auf Stroh

– auf einen grifffesten Untergrund achten

– regelmäßiges Umlagern, alle vier bis sechs Stunden, um Druckstellen zu vermeiden

– Versorgung mit Wasser und Futter sicherstellen

Methoden der Bergung

Eine Herausforderung stellt das Verbringen des Tieres aus dem Stall in eine Krankenbucht mit rutschfestem Untergrund da. Dies sollte möglichst schonend erfolgen und weitere Verletzungen ausschließen. Bevor ein Transport durchgeführt wird, sollte die Genesungswahrscheinlichkeit abgeschätzt werden, um unnötiges Tierleid abzuwenden.

Das Anlegen einer Fußfessel an den Hinterbeinen trägt zur Vermeidung von Sekundärverletzungen bei. Oftmals verschlechtert sich der Zustand durch erfolglose Aufstehversuche und Herumschlagen der Gliedmaßen. Das größte Problem ist das Gewicht der Tiere. Allein oder auch zu zweit ist man kaum in der Lage, ein ausgewachsenes Rind zu bewegen. Der Einsatz von maschineller Technik setzt voraus, dass der Einsatzort dafür zugänglich ist. Kühe am Kopfhalfter oder an fixierten Gliedmaßen über den Boden zu schleifen, verschlechtert die Genesungswahrscheinlichkeit deutlich und ist auch aus Tierschutzgründen zu vermeiden.

Wenn ein Rind nicht mehr selbstständig aufstehen kann, kommen verschiedene technische Hilfsmittel zum Einsatz:

Gurte und Transportplatten für die Bergung aus dem Stall

– Hebegeschirre und Hebegeräte: Spezielle Hüftklammern oder Hebegurte ermöglichen es, das Tier vorsichtig anzuheben. Diese Methode wird oft in Kombination mit einem Schlepper oder Hoflader eingesetzt. Wichtig ist, den Druck gleichmäßig zu verteilen, um Verletzungen zu vermeiden. Bei der Verwendung einer Hüftklammer als Aufstehhilfe sind immer die Folgeverletzungen durch deren Einsatz zu berücksichtigen. Auszuschließen ist der Transport aus dem Stall mithilfe der Hüftklammer. Gurte und Tragegeschirre sind dafür die bessere Wahl. Die Palettengabel ist auf jeden Fall kein geeignetes Mittel zum Tiertransport.

– Transportmatten oder Schlitten: Zur Verlagerung innerhalb des Stalls können robuste Matten und Platten oder Schlitten genutzt werden, um das Tier schonend zu bewegen.

– Tierbergungswagen: In größeren Betrieben werden Bergungswagen eingesetzt, die ein besonders sicheres und stressarmes Anheben und Transportieren ermöglichen.

– Schaufel: Der Transport mit einer zum Beispiel mit Stroh ausgepolsterten Frontladerschaufel ist durchaus eine Alternative, wenn die Größe ausreichend ist. Die Schwierigkeit hierbei besteht darin, das Tier in die Schaufel zu bekommen und ein Herausfallen beim Anheben zu verhindern. Ein Hineinrollen ist allein unmöglich. Ein Aufsatz zum Hineinziehen des Tieres hilft hier. Der Einsatz einer Greifschaufel kommt ebenfalls in Betracht. Dabei ist natürlich das „Greifen“ des Tieres auszuschließen. Das Hineinziehen in die Schaufel bei abgedeckten Zinken mit Seilen kann durch die Hydraulik erfolgen, sodass man ein Tier allein bergen kann. Diese Technik bietet sich auch an, um Tiere von der Weide zu bergen.

– Wassertherapie (Flotationstanks): In einem neueren Verfahren wird das Tier in einen speziellen Tank mit warmem Wasser gestellt. Der Auftrieb entlastet die Gliedmaßen und kann helfen, die Stehfähigkeit wiederherzustellen. Bei bewegungsunfähigen Tieren wird es aber schwierig sein, sie in den Tank hineinzubekommen. Signifikant höhere Genesungszahlen wurden damit noch nicht erreicht.

Tierschutz und rechtliche Aspekte

Der Umgang mit bewegungsunfähigen Rindern ist klar geregelt. In der EU und damit auch in Deutschland gilt:

– Tiere dürfen nicht unnötig leiden.

– Ein Transport ist nur erlaubt, wenn das Tier transportfähig ist.

– In aussichtslosen Fällen muss eine tierschutzgerechte Nottötung erfolgen.

Das Ziel ist immer, Leiden zu minimieren und gleichzeitig verantwortungsvoll zu handeln.

Wirtschaftliche und ethische Überlegungen

Neben dem Tierwohl spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle. Die Behandlung und Bergung können zeit- und kostenintensiv sein. Dennoch steht für viele Landwirte das Tierwohl im Vordergrund. Eine gute Bestandsbetreuung, präventive Maßnahmen, zum Beispiel angepasst Klauenpflege und regelmäßige Gesundheitskontrollen, können das Risiko solcher Fälle reduzieren.

Fazit

Die Bergung bewegungsunfähiger Rinder erfordert Fachwissen, schnelles Handeln und geeignete Ausrüstung. Sie ist ein wichtiger Bestandteil verantwortungsvoller Tierhaltung. Durch eine Kombination aus Prävention, frühzeitiger Diagnose und schonenden Bergungsmethoden lassen sich sowohl das Tierwohl verbessern als auch wirtschaftliche Verluste begrenzen.

20 Jahre Strohfiguren

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In den Scheunen, Schuppen, Werkstätten der kommunalen Bauhöfe und so manchem privaten Wintergarten der 19 Mitgliedsgemeinden des Tourismusverbandes Probstei (TVP) werkeln derzeit Männer, Frauen, Jungen und Mädchen, oft ganze Familien, an der aktuellen Strohfigur.

Denn seit 20 Jahren ist es gute Sitte, Jahr für Jahr im Rahmen der Probsteier Korntage eine Strohfigur zu bauen, die dann oft bis Ende Oktober zu sehen ist. Die Bauernblatt-Redaktion hat die Teams bei der Arbeit besucht und durfte hinter die Kulissen des Strohfiguren-Baus blicken. Dabei wird schnell klar: Mit den Jahren wurden die Figuren nicht nur immer größer, sondern die Strohkünstlerinnen und -künstler haben sich auch eine ausgefeilte Technik überlegt, um eine filigrane Darstellung und zugleich Langlebigkeit und vor allem Standfestigkeit zu erreichen. So werden in jedem Team zunächst für die gemeinschaftlich erdachten Figuren Unterkonstruktionen gebaut, zumeist aus OSB-Platten oder geschweißtem Baustahl.

In Wendtorf wird fleißig an „Grizzy und die Lemminge“ gewerkelt.
Foto: Astrid Schmidt

Die zweitwichtigste Zutat ist in jedem Fall der Kükendraht, der über die Grundgerüste gezogen wird. Die so entstehenden Lücken und Zwischenräume werden dann mit Stroh ausgestopft, gepolstert und vernäht. Tüftler haben dafür sogar Werkzeuge Marke Eigenbau entwickelt, um möglichst filigran arbeiten zu können. Formen und Proportionen können so modelliert und verziert werden. Auf Farbe wird in den meisten Fällen verzichtet, Akzente setzen die kreativen Männer und Frauen überwiegend aus Naturmaterial wie Heu, Gräsern oder Ähren der Gerste mit ihren langen Grannen. Das Thema für die jeweilige Figur sucht sich jedes Team selbst, der TVP lässt den Aktiven dabei freie Hand. Die Besucher können sich auch in diesem Jahr wieder auf eindrucksvolle Objekte freuen. Die Aussagen dahinter sind so vielfältig, wie die Teams unterschiedlich sind. Hier ein kleiner Auszug von dem, was ab dem 10. Juli zu sehen sein wird:

In Bendfeld zum Beispiel legt man Wert auf ein Statement. Dort wird eine etwa 5 bis 6 m hohe „Vermögensschere“ gebaut, um auf die zunehmende soziale Ungerechtigkeit zwischen dem „armen Würstchen“ und dem „reichen Sack“ aufmerksam zu machen. In Stakendorf bleibt das Team seinem Motto „unser idyllisches Landleben“ treu und setzt die Entendame „Lady Aperola“ an den Dorfteich. In Wendtorf richtet sich die Strohfigur seit jeher vor allem an den Nachwuchs. Nach dem „Dschungelbuch“ und der Tiger-Ente auf ihrer Reise nach Panama gibt es dort nun ein Treffen mit „Grizzy und den Lemmingen“.

Prasdorf greift das Motto „Probstei als Radfahrland“ auf.
Foto: Astrid Schmidt

Die Probstei als Radfahrland – das Motto greift Prasdorf auf und baute kurzerhand ein Fünfer-Rad, mit entsprechendem Witz und Esprit. In Laboe geht es um die heimische Wirtschaft, wenn die Strohfiguren-Bauer Hand anlegen. In diesem Jahr gibt es eine Hommage an die französische Küche mit dem Gockel Foghorn Leghorn als Aushängeschild. In Stein betonen die Strohfigurenbauer die Liebe zum Meer und zeigen seine Schätze. Auch aktuelle Themen in der Kommunalpolitik greifen die Strohteams auf.

So widmen die Ehrenamtler in Probsteierhagen ihre Figur in diesem Jahr der Regionalbahn Hein Schönberg, die Ende des Jahres bis Probsteierhagen, bis Ende nächsten Jahres dann bis Schönberg fahren soll. Entstanden ist eine stattliche Lok, angelehnt an die Geschichte von Lukas, dem Lokomotivführer, samt stabilem Wagen, der die Besucher einlädt, Platz zu nehmen. Dorfgeschichten werden ebenfalls in Strohfiguren erzählt, so wie die Rettung der Entenfamilie auf dem Dorfteich in Krokau oder das erste Drachenboot-Rennen in Fahren. In Wisch gibt es das „Bett im Kornfeld“ – ein Hoch auf den Sommerhit aus dem Jahr 1976 von Jürgen Drews. In vielen Teams ist es mit dem Bau der Figuren aus Stroh nicht getan. Da werden mit Elektrik und Akustik Akzente gesetzt, die Figuren illuminiert und reizvolle Fotopoints geschaffen.

In Lutterbek soll ein Ballon, der über 6 m in die Höhe ragt, für Aufsehen sorgen.
Fotos: Astrid Schmidt

Ein Hingucker dürfte auch der Ballon in Lutterbek werden, der über 6 m in die Höhe ragt und zwischen den Bäumen verkehrssicher befestigt wird. In Fiefbergen zollen die Strohfiguren-Akteure mit der Krake „Muddi-Tasking“ dem Multitalent in Haushalt, Büro, Heimwerken, Küche und Kindererziehung Respekt. Die Idee, Strohfiguren zu bauen, stammte ursprünglich aus dem thüringischen Örtchen Stadtroda. Damals waren die Probsteier Tourismus-Macher noch frisch im Geschäft und auf der Suche nach Anregungen. Sie entdeckten sogleich das Potenzial für die Probstei in der Aktion. Dass es allerdings zu einem solchen Publikumsmagnet werden würde, habe man damals nicht gedacht, erinnerte sich Pit Dorn, damals Geschäftsführer des neu gegründeten Tourismusverbandes Probstei.

Die Strohfiguren als Zugpferd der Probsteier Korntage, die in diesem Jahr am 25. Juli in Barsbek eröffnet werden, locken im Sommer Tausende Touristen in die Dörfer und haben die Probstei als touristische Region bundesweit bekannt gemacht. Im vergangenen Jahr waren etliche Figuren erstmals auf Einladung der Landeshauptstadt Kiel auch auf dem jährlichen Bauernmarkt im Oktober in Kiel zu sehen. Das soll in diesem Jahr wiederholt werden. 

Tierisch geht es in der Gemeinde Stoltenberg zu.
Foto: Astrid Schmidt
Ideengeber Titus in Wendtorf
Foto: Astrid Schmidt
In der Gemeinde Wisch erinnert man mit dem „Bett im Kornfeld“ an den Sommerhit von Jürgen Drews 1976.
Foto: Astrid Schmidt


Kein leichter Start für den Mais

Gülleausbringung sowie Saatbettvorbereitungen zur Maisaussaat liefen zunächst nur zögernd an. Nach dem für Schleswig-Holstein schneereichen Winter trockneten viele Ackerflächen nur langsam ab. Im März fielen vor allem in der zweiten Dekade und zum Monatsende hin insgesamt 40 l/m² Niederschlag. Mit regionalen Unterschieden und wöchentlicher Verteilung kamen bis zum 20. April weitere 28 l/m² Niederschlag hinzu. Die Nachttemperaturen erreichten im April vielerorts noch den Gefrierpunkt oder lagen ein wenig darüber, tagsüber wurden knapp zweistellige Temperaturen erreicht, Tage mit über 15 °C Höchsttemperatur bildeten die Ausnahme.

Bis Mitte des vierten Monats wurden nur wenige Ackerflächen bestellt. Die ab der dritten Dekade vorherrschenden trockenen und sonnigen Wetterbedingungen trieben die Aussaatvorbereitungen und die Maisaussaat bis Ende April ordentlich voran. Bodentemperaturen von mindestens 8 °C waren erreicht und wurden tagsüber deutlich überschritten, trotz empfindlich kalter Nächte. Die Saatkörner konnten auf den Versuchsstandorten der Landwirtschaftskammer überwiegend ins feuchte Saatbett gelegt werden. Anfang Mai war die konventionelle Maisaussaat abgeschlossen. Mitte April gesäter Mais lief nach 14 Tagen auf. Am 3. Mai kamen regional sehr unterschiedlich Gewitter mit Niederschlag und Hagel auf, von 0 l/ m² bis über 50 l/m² war die Verteilung über Schleswig-Holstein hinweg. Bis Mitte Mai herrschten überwiegend niedrige Temperaturen vor, die jungen Maispflanzen vergilbten zusehends. Die Eisheiligen waren in diesem Jahr deutlich zu spüren, die Nachttemperaturen fielen mancherorts unter den Gefrierpunkt. Totalverluste von jungen Maisbeständen wurden nach den Frostereignissen nicht beobachtet, doch abgefrorene braune Blattspitzen, Eintütung und starke Schlingenbildung der Blätter waren nach der anhaltenden Kälteeinwirkung am bis Ende April gesäten Mais deutlich sichtbar. Die Kälteperiode führte in den letzten Maitagen bedingt auch zu temporären Blattverfärbungen der Maispflanzen nach Bläulich-Violett, Sortenunterschiede im Phosphataneignungsvermögen wurden sichtbar. Mit zunehmender Wärme nehmen Verfärbungen wieder ab. Der Wuchs von nach der Ackergrasernte gesätem Mais zeigt nach den aufgeführten extremen Witterungsverhältnissen bis Ende Mai keine abiotischen Auffälligkeiten.

Schlingenbildung und Eintütung der Blätter sowie abgefrorene Blattspitzen nach Kälteeinwirkung am 29. Mai 

Die in Praxisschlägen liegenden Landessortenversuche (LSV) wurden vom 23. April bis 6. Mai gesät. LSV Silomais früh mit Siloreife S 200-S 220 liegen in Wallsbüll (SL), Husum (NF), Scholderup (SL) und Barkhorn (RD), mittelfrühe Silomais-LSV mit Siloreife S 230-S 250 wurden in Hemdingen (PI), Leezen (SE), Kumstedt (HEI) und ebenfalls Barkhorn (RD) gesät. Landessortenversuche zu Körnermais mit Körnerreife K 200-K 230 liegen auf den Versuchsstandorten Hüsby (SL) und Futterkamp (PLÖ). Pflanzenausfälle durch Vogelfraß bilden die Ausnahme.

In den durchgeführten Landessortenversuchen Mais werden vom Bundessortenamt neu zugelassene Sorten dreijährig geprüft, nachdem die neu gezüchteten Maissorten in zweijährigen nationalen Wertprüfungen des Bundessortenamtes auf den landeskulturellen Wert hin geprüft und mit verbesserten Eigenschaften im Vergleich eine erfolgreiche Zulassung durchlaufen haben. Eine Anbauempfehlung für diese neuen Sorten spricht die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein allerdings erst aus, wenn Ertrags- und Qualitätspotenziale der Sorten in den hiesigen Landessortenversuchen bestätigt wurden. Jede neu zugelassene Sorte des Bundessortenamtes wird entsprechend der Reifegruppe in die LSV aufgenommen und dreijährig geprüft.

Im Gegensatz zum Getreide sind die Marktaussichten für Raps vergleichsweise heiter. Foto: Andreas Pohl

Außerdem können Maissorten mit einer Zulassung in einem EU-Mitgliedstaat auch in Deutschland angebaut werden. Um sicherzugehen, dass diese Sorten auch unter lokalen Bedingungen bestehen, wird ein mehrstufiges Prüfverfahren angeboten, indem die EU-Sorten in einer zweijährigen EU-Sortenprüfung (EUP) je nach Reifegruppe an bis zu 25 Standorten bundesweit getestet werden. Die operative Organisation sowie die fachliche Auswertung der EUP übernimmt die Pro-Corn Gesellschaft für Beratung und Sortenprüfung mbH. Bei nachgewiesener Leistung erfolgt gegebenenfalls die Aufnahme in die LSV. Hier müssen sich die EU-Sorten im direkten Vergleich mit national zugelassenen Sorten beweisen.

Agravis-Vorstand zur Rapsvermarktung

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Jan Heinecke von der Agravis Raiffeisen AG rät Landwirten dazu, auf dem derzeitigen Preisniveau Vorkontrakte für neuerntigen Raps abzuschließen. Die aktuelle Hausse – an der Pariser Matif wechselte August-Raps in der ersten Juniwoche in der Spitze für mehr als 530 €/t den Besitzer – könne schnell in sich zusammenfallen, sollten sich die Energiemärkte nach einer möglichen Befriedung der Lage im Nahen Osten wieder normalisieren, argumentierte das Vorstandsmitglied der Agravis bei einem Austausch mit Fachjournalisten in Hannover.

Die aktuelle Vorverkaufsquote für Raps schätzt er zu Anfang Juni auf bundesweit 50 %. Viele Rapsanbauer hätten also schon mit Vorverkäufen auf den starken Preisanreiz reagiert.

Jan Heinecke Foto: Agravis

Die aktuelle Rallye beim Raps sei Heinecke zufolge vor allem auf die hohen Gasölpreise aufgrund der gesperrten Straße von Hormus zurückzuführen, da dies die Nachfrage nach Biodiesel weltweit anheize. In den USA, Indonesien und Brasilien werde für 2026 aufgrund steigender Zumischung zum fossilen Diesel ein deutlicher Aufwuchs der Biodieselproduktion erwartet. Allein für die USA, wo Biodiesel in erster Linie aus Sojaöl hergestellt wird, quantifizierte der Marktexperte den Mehrbedarf eines Jahres an Biodiesel auf 5,6 Mio. t.

Die weltweite Rapsproduktion 2026/2027 erwartet der Marktexperte auf einem ähnlichen Niveau wie in der laufenden Kampagne, es sei aber mit regionalen Verschiebungen im Angebot zu rechnen. Hinzu komme, dass Kanada und die Ukraine immer mehr Raps im Inland verarbeiteten, statt die Saaten ins Ausland zu verkaufen. Das wiederum begrenze 2026/2027 das Exportpotenzial beider Großlieferanten.

Diese Verschiebung hin zur Eigenverarbeitung werde Heinecke zufolge absehbar auch Auswirkungen auf den deutschen Rapsmarkt haben. Bei einer Rapsernte um die 4 Mio. t liege die jährliche Verarbeitungskapazität der hiesigen Ölmühlen bei rund 10 Mio. t. Der Importbedarf werde zunächst in der Ukraine gedeckt, die aufgrund der stärkeren Inlandsverarbeitung und kriegsbedingter Logistikprobleme aber nicht wie gewohnt lieferfähig sei.

Bei Alternativlieferanten wie Australien wiederum drohe das Klimaphänomen El Niño den Exportüberschuss zu schmälern, während Kanada seinen Canola verstärkt selbst verarbeite oder Rapssaat in die USA liefere. Vor dem Hintergrund schrumpfender Ausfuhrüberschüsse wichtiger Rohstofflieferanten werde es Heinecke zufolge im vierten Quartal 2026 „richtig spannend“, wie die Versorgung der Rapsmühlen in Deutschland sichergestellt werden könne.

Das Vorstandsmitglied der Hauptgenossenschaft verwies in dem Fachgespräch auf einen weiteren bullishen Faktor für den deutschen Rapsmarkt, nämlich den Wegfall der Doppelanrechnung von fortschrittlichen Biokraftstoffen und Pflanzenölen auf die Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote). Er bezeichnete den Wegfall dieses regulatorischen Importanreizes als „Geschenk der Politik“ an die heimische Landwirtschaft. Sollte die Hälfte der bisherigen Chinaimporte an Biodiesel und HVO durch heimischen Biodiesel substituiert werden, entstehe allein dadurch ein jährlicher Mehrbedarf von 1,8 Mio. t Rapssaat in Deutschland.

Mit Blick auf die guten Rapspreise wirbt die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop) unterdessen dafür, bei der Herbstbestellung Raps zu drillen. Die Preisschere zwischen Weizen und Raps habe sich zuletzt deutlich zugunsten der Ölfrucht geöffnet. Bei den Vorkontraktpreisen für Brotweizen und Raps der Ernte 2026 habe sich die Preisrelation zuletzt auf 1 zu 2,7 vergrößert – normal sei im langjährigen Vergleich ein Verhältnis von 1 zu 2,1. age

EU plant Gegenmaßnahmen

Raub von ukrainischem Getreide durch Russland

Kaja Kallas Foto: EU

Die Europäische Union will stärker als bisher gegen den organisierten Raub von Getreide aus den von Russland besetzten Gebieten vorgehen. In einer Antwort auf eine Anfrage aus dem EU-Parlament hat die Hohe Vertreterin für Außenpolitik, Kaja Kallas, auf das Ende Mai beschlossene 20. Sanktionspaket der EU gegen Russland verwiesen. Abgezielt werden soll demnach auf Maßnahmen, die bisherige EU-Sanktionen umgehen sollen. Laut der ehemaligen estnischen Regierungschefin wurden im Rahmen des Pakets zwei in Drittländern eingetragene Organisationen aufgenommen, die mit Schiffen als Teil der Schattenflotte den Abtransport von gestohlenem ukrainischem Getreide betreiben. Zudem seien Kallas zufolge fünf Personen, die an diesem Handel beteiligt seien, gelistet worden.

Kallas kündigte daneben an, zusätzliche Maßnahmen gegen den Handel mit gestohlenen ukrainischen Agrarprodukten vorzubereiten. Ergänzend sollen weitere beteiligte Personen und Organisationen in kommenden Sanktionslisten den Mitgliedstaaten zur Entscheidung vorgelegt werden. Kallas erinnert allerdings daran, dass neue restriktive Aktionen immer unter dem Vorbehalt eines einstimmigen Beschlusses des Rates stünden. age

Wild, würzig und voller Überraschungen

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Im Rahmen der Qualifizierung Kräuterkunde drehte sich in der vergangenen Woche alles um heimische Kräuter. Silke Riege, Hauswirtschaftsleiterin und Fachfrau für Ernährung, leitete die Teilnehmerinnen des ausgebuchten Kurses an und brachte sie auf den Geschmack. Brennnesseln, Giersch, Löwenzahn, Gänseblümchen, Minze, Dill, Schnittlauch, Storchschnabel und Co. wurden in der Lehrküche der Landwirtschaftsschule zu Salat, Suppe, Smoothie, zu schmackhafter Panade für Fisch und Fleisch, zu Kräuterbrot und Grüner Soße verarbeitet. „Kräuter schmecken einfach toll und sind gesund“, betonte Silke Riege. „Und es ist überraschend, was man mit ihnen alles machen kann.“ Besonders von der Vielfältigkeit der Kräuter waren die Teilnehmerinnen begeistert.

Die Qualifizierung „Kräuterkunde 2026“, die der LandFrauenverband Schleswig-Holstein in Kooperation mit dem Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume durchführt, vermittelt deutlich mehr als das Erkennen und Bestimmen kultivierter, im Garten gedeihender und heimischer Wildkräuter. Es geht auch um ihre Bedeutung für die biologische Vielfalt, ihre Nutzung und Konservierung. Außerdem stehen im Seminar methodische Kenntnisse zur Wissensvermittlung sowie Naturschutzbestimmungen und Wissenswertes über rechtliche Rahmenbedingungen für Vorträge, Führungen und Kochkurse auf dem Programm.

Der achttägige Lehrgang liefert umfassendes Wissen und hat bereits zahlreiche Teilnehmerinnen zu neuen beruflichen Ideen inspiriert.

Am Ende des Lehrgangs stand ein buntes Buffet bereit, das sich alle schmecken ließen – Fazit des Tages: Mehr Wildkräuter müssen auf den Teller!

Dialog zwischen Kunst, Raum und Publikum

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Eigentlich ist die historische Eisengießerei Carlshütte in Büdelsdorf mit ihrem morbiden Industriecharme schon ein Kunstwerk an sich. Ergänzt um Installationen, Skulpturen, Gemälde, Fotografien, Grafiken und weitere kreative Arbeiten von gut 200 Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt wird sie jedes Jahr aufs Neue zu einem einzigartigen Ort zeitgenössischer Kunst in Europa. In der vergangenen Woche öffnete die diesjährige NordArt ihre Tore und lädt bis zum 4. Oktober dazu ein, in die Vielfalt, die Kunst zu bieten hat, einzutauchen und sich von ihr bewegen zu lassen.

Inspirierend, komisch, schräg, skurril, verstörend, kreativ, nachdenklich stimmend, traurig, schön, großartig, bewundernswert – die gezeigten Werke sind so vielschichtig und verschieden wie die Bandbreite an Beschreibungen in der Sprache der Kunst. Oft bedarf es aber auch keiner Worte, denn die Werke stehen für sich in einer Ausstellung, die auch in der Größe nicht mit Superlativen geizt. Die Ausstellungsfläche in den Industriehallen beträgt 22.000 m2, dazu kommt noch das Parkgelände mit 80.000 m2.

Kurator Taso Gramm vor der schwebenden Installation aus Carbonfaser und schwarzem Edelstahl „Murmuration“ des Künstlers Ludovic Regnault
Foto: Iris Jaeger

Vor jeder Ausstellung sichten die Kuratoren Wolfgang Gramm, Inga Aru und Taso Gramm gut 3.000 internationale Bewerbungen, aus denen sie dann etwa 200 Künstlerinnen und Künstler mit ihren Arbeiten auswählen. Diese Werke wollen platziert und aufgebaut werden, auch das erfordert viel Arbeit im Vorwege. „Zugegeben, man muss schon etwas irre sein, um das jedes Jahr aufs Neue zu bewerkstelligen“, gibt Inga Aru zu. Da sich die Zahl der Bewerbungen und der dann ausgewählten Kunstschaffenden über die Jahre eingependelt habe, wisse man ungefähr, was auf einen zukomme, so Aru. Und doch stellt man sich als Außenstehende immer wieder die Frage, wie man es bewerkstelligt, aus dieser Masse an Bewerbungen eine Auswahl zu treffen. Nach welchen Kriterien findet diese Auswahl statt?

„Beim Anschauen kristallisiert sich einiges schon selbst heraus, und man hangelt sich dann da durch“, versucht es Taso Gramm zu beschreiben, der in diesem Jahr hauptsächlich als Kurator auftritt und damit in die Fußstapfen seiner Eltern Wolfgang Gramm und Inga Aru tritt. Dabei gehe es nicht darum, was einem selbst gefalle, sondern wie die Werke das aktuelle Weltgeschehen widerspiegelten. „Wie mein Vater schon sagte, ist die NordArt ein Seismograf der Geschichte und der Dinge, die in der Welt passieren“, so Taso Gramm.

Für Inga Aru ist es ein Glücksfall, dass Taso als Kurator mit eingestiegen ist: „Wer das hier macht, muss das Wesen und das Prinzip der NordArt verstanden haben, das kann nicht jeder.“ Für das Sonderprojekt „Landscape of Thought“ mit zeitgenössischer chinesischer Kunst reiste Taso Gramm sogar extra nach China. „Die NordArt versteht sich als ein zusammenhängendes Kunstwerk. Die besondere Atmosphäre der Carlshütte bildet den Rahmen für einen vielschichtigen Dialog zwischen Kunst, Raum und Publikum. Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Kulturen präsentieren ihre Sichtweisen auf aktuelle politische und philosophische Fragen und zeigen zugleich, dass viele Hoffnungen und Herausforderungen Menschen weltweit verbinden“, wird es treffend in einer Presseinformation zusammengefasst.

„Ironie des Schicksals“ lautet der Titel der großformatigen Multimedia-Installation von Bernd Reiter.
Foto: Iris Jaeger

Der Länderfokus liegt in diesem Jahr auf dem Baltikum. Unter dem Titel „Vilnius – Riga –Tallinn: Notes from the Fringe“ zeigen 22 baltische Künstlerinnen und Künstler, wie sie mit Verletzlichkeit, Zugehörigkeit und Spannungen in einer sich schnell verändernden und zunehmend instabilen Welt umgehen. Die Ausstellung in der ACO Wagenremise im Skulpturenpark ist dieses Jahr ausschließlich Frauen gewidmet und zeigt Werke von sieben Künstlerinnen aus Zentralasien. Nachdenklich stimmt die großformatige Multimedia-Installation von Bernd Reiter mit einem ausrangierten MiG-21-Kampfjet und zwei amerikanischen Oldtimer-Limousinen. Auf den Bildschirmen laufen in Endlosschleife Aufnahmen aus aktuellen Krisen- und Kriegsgebieten. Auf die Frage, was Kunst in einer Zeit anhaltender Krisen und Unsicherheiten leisten könne, antwortet Chefkurator Wolfgang Gramm in einem Interview: „Kunst löst keine Krisen, aber sie weigert sich, uns durch sie kleiner werden zu lassen. (…) Und: Sie erinnert uns daran, dass wir einen freien Willen haben. Wir reagieren nicht nur auf die Welt, wir sind in der Lage, sie zu gestalten, allein und gemeinsam.“

Weitere Informationen auch zum Begleitprogramm mit Sonderveranstaltungen, Konzerten und Führungen unter www.nordart.de

Blick in den Raum mit dem diesjährigen Sonderprojekt aus China – „Landscape of Thought“ mit zeitgenössischer chinesischer Kunst vereint unterschiedliche Perspektiven und inszeniert sich als begehbare Gedankenwelt.
Foto: Iris Jaeger
Unterschiedliche Perspektiven bietet auch die große Ausstellungshalle der ehemaligen Eisengießerei, mit der sich bewegenden Aluminium-Installation „Mann und Frau“ von Tamara Kvesitadze und der an der hinteren Wand befindlichen Skulpturengruppe „Universale“.
Foto: Iris Jaeger
„Air“ von Ronald A. Westerhuis besteht aus hochglanzpoliertem Edelstahl.
Foto: Iris Jaeger
Aus Papier, Kleister und Pigmenten bestehen die wolkenartigen Gebilde der Installation „Excuvie“ der Künstlerin Anna Myga Kasten.
Foto: Iris Jaeger
Die Panorama-Video-Installation „Checkpoint“ von Ronen Sharabani fasziniert durch Spiegelungen im Wasser.
Foto: Iris Jaeger
„Secret Garden Nr. 325“, Digitalfotografie im Leuchtkasten von Michelle Blancke
Foto: Iris Jaeger
Die Mauern der historischen Eisengießerei bieten eine einzigartige Kulisse für die Kunstwerke.
Foto: Iris Jaeger
Unter dem Titel „Zwischen Wind und Geist – Spuren im Raum“ zeigt das Projekt Mongolei Werke von 13 mongolischen Künstlerinnen und Künstlern, darunter „Geist ruft“ von Lkhajav
Foto: Iris Jaeger

„Teilen & Bewahren“ von Odmaa Uranchimeg aus der Mongolei
Foto: Iris Jaeger
Assemblage aus Holz, Leinwand, Papier, Sand, Metall und Acryl, „Paramount“ von Marko Tusek aus Slowenien
Foto: Iris Jaeger
„Hörst du nichts kommen“ lautet diese Arbeit von Sylvie Wozniak aus der Schweiz
Foto: Iris Jaeger
„Die Legende der Karosta-Meerjungfrau“ basiert auf einer lokalen Erzählung aus dem Marinehafen Karosta in Liepāja, Lettland.
Foto: Iris Jaeger
Die Installation „The Board“ von Robertas Narkus zeigt lebensgroße Fotografien und Objekte, die als inszenierte Kompositionen arrangiert sind.
Foto: Iris Jaeger
„Container“ nennt Martynas Gaubas aus Litauen seine Skulptur, da der gelbe Kopf an einen Abfallbehälter erinnert, den er mit dem menschlichen Geist gleichsetzt, der bis zum Rand mit Informationen gefüllt ist. Wie beim Haushaltsabfall ist es notwendig, den stetigen Strom von Gedanken, Eindrücken und Medienlärm zu sortieren und zu entsorgen.
Foto: Iris Jaeger
Die ACO Wagenremise auf dem Gelände des Skulpturenparks ist in diesem Jahr ausschließlich Frauen vorbehalten. Gezeigt werden unter dem Titel „Silsila“ Werke von sieben Künstlerinnen aus Zentralasien. Im Fokus von Dilyara Kaipova steht die usbekische Textiltradition Ikat.
Foto: Iris Jaeger
„Kiyik“, Stickerei auf Stoff von Munisa Kholkhujaeva aus Usbekistan
Foto: Iris Jaeger
„Marjam“ – handbestickte Leinwände von Äsel Kadyrkhanova aus Kasachstan
Foto: Iris Jaeger
Die Werke der Künstlerinnen sind vielfach aus Textilien und Stoffen gefertigt.
Foto: Iris Jaeger
Detailaufnahme vom Holzrelief„Matti and the Birds“ von Hanna Sass aus Deutschland, die durch Abtrag Bilder schafft.
Foto: Patrick Mühling
Die Malerei von Liu Yaming zeichnet sich durch monumentalen Maßstab und eine visionären Ansatz aus. „Das Auge am Himmel“ erstreckt sich über die gesamte Wand.
Foto: Patrick Mühling
„Toroid“, eine Skulptur aus Cortenstahl von Jan Dostál aus der Tschechischen Republik
Foto: Iris Jaeger
Bronzeskulptur von Su Xingping
Foto: Patrick Mühling
Dieses Bild von Manuela Grupe mit dem Titel „Kaninchenfreunde e.V.“ zaubert ein Lächeln ins Gesicht.
Foto: Iris Jaeger


Einmal quer durchs Amt der Schriftführerin

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Die Aufgaben der Schriftführerinnen in den LandFrauenvereinen sind so vielfältig wie die Vereine selbst: Je nach Strukturen, Absprachen und Vorlieben übernehmen Schriftführerinnen beispielsweise die Mitgliederverwaltung, die Programmgestaltung, die Erstellung von Protokollen und die Öffentlichkeitsarbeit. Vielfach kümmern sie sich auch um den Social-Media-Auftritt ihres Vereins.

Am 18. Mai reisten rund 30 Frauen zum Seminar des LandFrauenverbandes (LSV) Schleswig-Holstein in der Landwirtschaftskammer an, um sich entweder mit den Aufgaben ihres neuen Amtes vertraut zu machen oder bereits vorhandenes Wissen aufzufrischen. Bei der Breite an möglichen Aufgaben überraschte es nicht zu hören, dass diese mancherorts mittlerweile auf mehrere Schultern verteilt werden.

Sitzungsprotokolle kann man sich bildhaft als „Gedächtnis des Vereins“ vorstellen.
Foto: KI-generierte Illustration

Ein zentrales Thema des Seminars war die Erstellung von Sitzungsprotokollen. Ergebnisse einer konstruktiven und guten Sitzung können durch schlechte Protokolle regelrecht verpuffen. Doch was macht ein gutes Protokoll aus? Wie geht man mit Unstimmigkeiten um? Diese und andere Fragen rund um „das Gedächtnis des Vereins“ wurden besprochen.

Darüber hinaus wurden Grundlagen der Öffentlichkeitsarbeit in einer sich verändernden Medienwelt vorgestellt und diskutiert. Was können LandFrauenvereine tun, um weiterhin öffentlich stattzufinden? Eine wachsende Rolle spielen hier Online-Portale und Social-Media-Kanäle. Es wurde deutlich, dass für eine bleibende Wirkung jedoch immer Inhalt, sprachliche und optische Gestaltung entscheidend sind.

Das ganztätige Seminar wurde von Mitarbeiterinnen des LandFrauenverbandes gestaltet und durchgeführt.

Nach einem umfassenden Programm dankte Präsidiumsmitglied Heidi Thamsen den Teilnehmerinnen für ihr Engagement: „Jedes Mitglied, das ein Amt übernimmt, trägt zum Erhalt des größten Netzwerks von Frauen auf dem Land bei“, betont sie. „So bekommen die Belange der LandFrauen Gewicht – das stärkt auch politisch die Stimmen für den ländlichen Raum.“

Wir dreschen, Chicago macht die Preise

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Wer wissen will, wohin sich die Getreidepreise in den kommenden Monaten entwickeln, sollte derzeit weniger auf die Felder Schleswig-Holsteins schauen als auf die Wetterkarten des amerikanischen Mittleren Westens. Während hierzulande die Bestände überwiegend ordentlich dastehen und die Ernte näherrückt, entscheidet sich ein großer Teil der Stimmung an den internationalen Agrarmärkten derzeit Tausende Kilometer entfernt im Corn Belt der USA.

Auf den ersten Blick mag das überraschen. Schließlich exportiert allein Russland inzwischen doppelt so viel Weizen wie die Vereinigten Staaten. Dennoch richten Händler, Verarbeiter und Investoren ihren Blick weiterhin auf Chicago. Der Grund: Die USA sind nicht nur ein bedeutender Weizenexporteur, sondern vor allem die zentrale Drehscheibe für Mais, Sojabohnen und die internationale Preisbildung. An der Börse in Chicago werden die wichtigsten Agrarrohstoffe gehandelt, hier sind die großen Investmentfonds aktiv, und hier entstehen die Preissignale, die letztlich auch in Europa ankommen.

Mais und Soja bestimmen die Richtung

Besonders deutlich zeigt sich dies derzeit am Maismarkt. Die Aussaat in den Vereinigten Staaten ist weitgehend abgeschlossen. Hohe Temperaturen und rechtzeitige Niederschläge haben die Entwicklung der Bestände begünstigt. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium bewertet einen Großteil der Maisflächen als gut bis ausgezeichnet. Damit wächst die Hoffnung auf eine große Ernte.

Für die Börsen ist das zunächst eine schlechte Nachricht. Die Aussicht auf reichliche Versorgung drückt die Preise. Innerhalb weniger Wochen haben die Maisnotierungen deutlich nachgegeben. Gleichzeitig zogen sich Investmentfonds aus ihren zuvor aufgebauten Long-Positionen zurück und verstärkten damit den Abwärtstrend. Weil Mais weltweit das wichtigste Futtergetreide ist, wirkt sich diese Entwicklung unmittelbar auf die Bewertung anderer Getreidearten aus.

Auch der Sojamarkt sendet derzeit eher bärische Signale. Zwar wird die Nachfrage nach Pflanzenölen durch Biodieselprogramme in vielen Ländern unterstützt. Gleichzeitig rechnen die Marktteilnehmer aber auch hier mit einer guten Versorgung. Die günstigen Vegetationsbedingungen in den USA und die große Konkurrenz aus Südamerika begrenzen das Aufwärtspotenzial.

Warum Chicago wichtiger ist als Moskau

Die Bedeutung der USA ergibt sich daher nicht allein aus ihren Weizenexporten. Während Russland vor allem den physischen Weizenhandel dominiert, bestimmen die Vereinigten Staaten über Mais, Soja, Ethanol und die Aktivitäten der Finanzinvestoren maßgeblich die Richtung an den internationalen Agrarbörsen. Fällt der Maispreis in Chicago, geraten häufig auch Weizen und Gerste unter Druck. Steigen die Kurse dagegen aufgrund von Trockenheit oder Wetterrisiken, zieht dies oftmals die Märkte weltweit mit nach oben.

Genau deshalb reagieren die Märkte derzeit so sensibel auf jede neue Wetterprognose aus dem amerikanischen Mittleren Westen. Die jüngsten Regenfälle haben nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern auch in den USA die Sorgen vor Trockenstress gemildert und den Börsen den Wind aus den Segeln genommen. Für die Landwirte bedeutet dies: Die Ernte 2026 wird nicht allein auf den Feldern Europas entschieden. Ein wichtiger Teil der Preisbildung findet weiterhin auf den Mais- und Sojafeldern der USA statt.

Hier wird Gutes gesät

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Bereits zum fünften Mal rollte Ende Mai der 7,5-Tonner des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost vor den Eingang der Mehrzweckhalle in Merkendorf, Kreis Ostholstein. Eine komplette Blutspendezentrale passt in den Laderaum des Lkw, an dessen Seitenwand ein kleines Blutspende-Maskottchen die alles entscheidende Frage stellt: „Ich spende Blut! Und Du?“

Empfangen wurde das sechsköpfige DRK-Team von den Helferinnen und Helfern der Landjugend Neustadt in Holstein und Umgebung. Die Gruppe um die Vorstandsmitglieder Sarah Schlimmermann und Lukas Rakow hatte in der Halle bereits alles für den Aufbau der mobilen Blutspendeaktion vorbereitet. Und auch auf der Wiese neben der Halle liefen die Vorbereitungen für die Verpflegung der Spenderinnen und Spender auf Hochtouren: Im Anschluss an ihre Spende sollten sich alle Lebensretter auf eine Stärkung mit deftigem Fleisch, gesundem Obst und selbst gebackenem Kuchen freuen.

Christian-Patrick Schmetzer kam aus Eutin zum ersten Mal zur Spendeaktion nach Merkendorf. Foto: DRK Blutspendedienst Nord-Ost

Zu Spendebeginn um 16.30 Uhr passierte der erste Schwung eintreffender Blutspenderinnen und –spender zunächst den Anmeldebereich am Halleneingang. Auch diese erste Station im Ablauf einer Blutspende war selbstverständlich von der Landjugend besetzt. Sarah Schlimmermann, Philipp Wieczorek und Bennett Knoop empfingen alle Besucher mit einem freundlichen Lächeln und gaben erste Informationen zum Spendeablauf.

Zum zweiten Mal war Katharina Hansen in diesem Jahr eine der Mitorganisatorinnen aufseiten der Landjugend. Unter anderem rührte sie die Werbetrommel für den Termin, auch in den Sozialen Medien, und war selbstverständlich eine der Ersten, die an diesem Blutspendenachmittag auf der Spendeliege Platz nahmen. Die 500 ml ihrer Blutspende liefen in rekordverdächtigen rund 4 min in den Blutbeutel auf der Blutmischwaage neben der Liege. Rund 5 bis 7 min werden durchschnittlich für die reine Blutentnahme angesetzt. „Ich hatte mich gut vorbereitet und viel getrunken“, erklärte die 24-Jährige. Ihr gefällt der Gedanke, mit diesem geringen Aufwand etwas Gutes für die Gemeinschaft tun zu können. „Blutkonserven sind ein knappes Gut, und in der Landjugend sind wir eine starke Gemeinschaft, die zusammen viel bewegen kann.“

Aber nicht nur Spenderinnen und Spender aus der Landjugend nutzten die Aktion in Merkendorf für ihr Engagement. Christian-Patrick Schmetzer aus Eutin weiß als ehemaliger Fahrer im Rettungsdienst genau, wie dringend Blut gebraucht wird, und leistet mehrere Blutspenden jährlich an unterschiedlichen Orten. Nach Merkendorf zum Termin der Landjugend kam er zum ersten Mal. „Ich fühle mich hier sehr gut betreut, und dass es nach der Spende sogar noch Leckeres vom Grill gibt, finde ich super.“

Das Team der Landjugend setzt mit der DRK-Blutspendeaktion eine Tradition fort, die 2022 ihre Premiere hatte. Vor vier Jahren war erstmalig mit diesem Engagement eindrücklich bewiesen worden, dass die Landjugend viel mehr kann, als Scheunenfeten zu feiern. Damals wurden knapp 70 Menschen motiviert, die mit jeweils einem halben Liter Blut einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Patientenversorgung in der Region leisteten.

Sarah Schlimmermann, Philipp Wieczorek und Bennett Knoop (v. li.) an der Spenderanmeldung Foto: DRK Blutspendedienst Nord-Ost

Sarah Schlimmermann aus dem Landjugend-Vorstand erklärte, wie ihr Team den DRK-Blutspendetermin zusätzlich zur Win-win-Situation macht: „Im Nachgang der Aktion leisten wir jedes Jahr eine Spende an eine Organisation hier im nahen Umkreis. Die gespendete Summe erhöht sich, je mehr Blutspender vor Ort sind, denn zur Deckung der Unkosten für die Lebensmittel, die wir besorgen, erhalten wir vom Blutspendedienst pro Spender einen kleinen Geldbetrag. Die Gesamtsumme wird von uns in diesem Jahr an das Karl-Schütze-Heim, eine Wohnmöglichkeit für Menschen mit Behinderung hier in Merkendorf, gespendet.“ Sarah und ihr Team hätten sich allerdings eine höhere Teilnehmerzahl gewünscht, denn in diesem Jahr blieb die Besucherzahl bei knapp unter 40 Personen.

Till Quint, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Blutspendedienst und für die Terminorganisation im Kreis Ostholstein auf DRK-Seite zuständig, freut sich dennoch über das vorbildliche Engagement der jungen Generation: „Gerade in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen fehlen uns regelmäßige Spenderinnen und Spender. Mit Blick auf die langfristige Absicherung der Blutversorgung sind die aber unverzichtbar, denn die Generation der Baby-Boomer wird in den kommenden Jahren aus der Gruppe der Spender ausscheiden. Und deren Risiko steigt mit zunehmendem Alter, selbst auf Blutspenden angewiesen zu sein.“ Das Weitertragen der Spende-Erfahrung junger Menschen in deren eigenen Netzwerken sei ein wesentlicher Pfeiler bei der Werbung um Erstspenderinnen und -spender, so Quint.

Wer Blut spenden möchte, kann sich auf der Webseite des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost über die Blutspende informieren und sich Termine in seiner Nähe suchen: www.blutspende-nordost.de


Wer kann Blut spenden?

Gesunde Menschen ab 18 Jahren können Blut spenden. Bei einer ärztlichen Voruntersuchung wird die Eignung zur Blutspende jeweils tagesaktuell auf dem Termin geprüft. Bis zu sechs Mal innerhalb eines Jahres dürfen gesunde Männer spenden, Frauen bis zu vier Mal innerhalb von zwölf Monaten. Zwischen zwei Spenden müssen mindestens 56 Tage liegen. Bitte zur Blutspende den Personalausweis mitbringen.

In Deutschland werden jeden Tag rund 15.000 Blutspenden benötigt, um den Bedarf zu decken. Schleswig-Holstein und Hamburg gehören zum Versorgungsgebiet des DRK-Blutspendedienst Nord-Ost. Hier sind es rund 500 Blutspenden täglich, die Kliniken und beispielsweise onkologische Arztpraxen zur Sicherstellung der lückenlosen Patientenversorgung in der Region brauchen. Blutpräparate haben eine kurze Haltbarkeit von teilweise nur wenigen Tagen. Deshalb ist eine kontinuierlich hohe Spendebereitschaft so wichtig. Rund ein Fünftel aller Blutpräparate wird heutzutage bei der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt.

Schmerzbeurteilung bei Rindern

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Schmerz zu definieren oder zu objektivieren ist sehr schwierig, da er eine individuelle Erfahrung darstellt. Ein möglichst frühzeitiges Erkennen von Schmerzen ist eine grundlegende Voraussetzung für deren Linderung und damit für das Wohlergehen und eine hohe Leistung. Bei Milchkühen allerdings – abstammend von Wildtieren, die als Beutetiere von Natur aus stoisch reagieren, um nicht die Aufmerksamkeit von Raubtieren auf sich zu ziehen – ist die Erkennung besonders schwierig.

Es wird oft fälschlicherweise angenommen, dass Kühe weniger empfindlich seien, daher wird eine Schmerzbeurteilung häufig gar nicht vorgenommen. Das Schmerzempfinden ist aber bei allen höheren Wirbeltieren ähnlich. Der Unterschied von Rindern zu anderen Tierarten und dem Menschen liegt in ihren Verhaltensreaktionen auf Schmerzen.

Bei einer Befragung unter britischen Veterinären ergab sich, dass es zum einen deutliche Unterschiede in der Schmerzbeurteilung bei Rindern zwischen Männern und Frauen und zum anderen Unterschiede im Hinblick auf das Abschlussjahr gibt: Weibliche Befragte und jüngere Absolventen neigten dazu, für die meisten Erkrankungen einen höheren Schmerz-Score abzugeben. Auch gaben Rinderpraktiker, die routinemäßig mit Schmerzmitteln behandelten, höhere Schmerzpunktzahlen als diejenigen, die keine Schmerzmittel einsetzten.

Schmerzsignale bei Rindern

Gut wahrnehmbar sind Zähneknirschen und Stöhnen, der Blick ins Leere („Schmerzgesicht“: leicht gerunzelte Augenlider, Ohren zurückgestellt, weite Nasenöffnungen) und – allerdings sehr selten – Schmerzbrüllen. Diese Verhaltensweisen treten bei starken Schmerzen auf, die auch sofort behandelt werden sollten. Allerdings ist es ebenso notwendig, auch auf subtilere Schmerzverhaltensweisen zu achten, um auch geringe bis mäßige Schmerzen erkennen zu können und so zu verhindern, dass die Schmerzen über längere Zeit anhalten und im schlimmsten Fall nicht mehr therapierbar sind.

Abweichungen von den normalen täglichen Aktivitätsmustern (sowohl erhöhte als auch reduzierte tägliche Liegezeit) können auch auf schmerzhafte Zustände und Krankheiten bei Kühen hinweisen. Je nach Schmerzursache, Schweregrad und Zeitpunkt kann es zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, die entsprechend interpretiert werden sollten. So verkürzen Kühe mit klinischer Mastitis aufgrund der Schmerzen, die durch das geschwollene Euter beim Liegen verursacht werden, ihre Liegezeit. Lahme Kühe zeigen jedoch im Vergleich zu nicht lahmen Kühen längere Liegezeiten. Technische Hilfsmittel, beispielsweise digitale Sensoren und Herdenmanagementprogramme, unterstützen das Erfassen und Auswerten der gewonnenen Daten beziehungsweise der Beobachtungen.

Durch Schmerzen kann auch das Liegeverhalten negativ beeinträchtigt werden, was Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit mit sich bringt.

Gibt es einen Schmerz-Biomarker?

Obwohl eine genaue Schmerzeinschätzung für das Wohlergehen der Tiere von großer Bedeutung ist, wurde bislang noch kein endgültig validierter Biomarker für Schmerzen bei Rindern etabliert. Um die objektive Schmerzerkennung voranzubringen, untersuchte eine Forschungsgruppe (Cohen-Zinder, Miri et al., Biotinidase as a novel biomarker for pain assessment in dairy cattle. Pain Rep. 2025) die Dynamik der Blutplasmawerte des Enzyms Biotinidase bei Milchkühen als Reaktion auf drei unterschiedliche schmerzauslösende Reize (Kältebrandmarkierung, Capsaicin-Creme, spontane Mastitis) im Vergleich zu Cortisol und Substanz P.

Eine grundlegende Einschränkung dieser Studie, die für die gesamte Schmerzforschung bei Tieren gilt, ist die Schwierigkeit, die Sensitivität von Biomarkern ohne subjektives Feedback wie selbst berichtete Schmerzwerte zu bestimmen. Es zeigten sich erhöhte Biotinidase-Werte sowohl bei den experimentell hervorgerufenen als auch bei natürlich auftretenden Schmerzreizen innerhalb einer halben Stunde nach Schmerzeintritt, was diesen Wert als zuverlässigen Schmerzbiomarker qualifiziert (während die Aussagekraft von Cortisol und Substanz P in mehreren Bereichen eingeschränkt war).

Allerdings reagiert Biotinidase – ähnlich wie Cortisol und Sub­stanz P – bei zahlreichen physiologischen Signalwegen und nicht ausschließlich schmerzspezifisch. Daher schlagen die Studienautoren vor, mehrere Biomarker und verhaltensbezogene Indikatoren zu kombinieren, um eine aussagekräftige Schmerzerkennung auf hohem Level zu ermöglichen. Eine Möglichkeit dazu bietet die Schmerzskala, die von einer Gruppe von Forschenden aus Dänemark entwickelt wurde (Gleerup, Karina Bech et al., Pain evaluation in dairy cattle, Applied Animal Behaviour Science, 2015). Sie bietet eine Schmerzbeurteilung auf der Grundlage von Verhaltensweisen. Unter anderem werden hier die Aufmerksamkeit der Kuh, ihre Rücken- und Kopfhaltung, die Position der Ohren und der Gesichtsausdruck beobachtet und mit Punkten bewertet.

Möglichkeiten im Schmerzmanagement

Als erste Maßnahme sollte die Schmerzursache beseitigt werden. Aber häufig ist das nicht vollständig möglich und reicht allein nicht aus, um das Wohlbefinden des Tieres wiederherzustellen.

Das Schmerzempfinden lässt sich mittels verschiedener Wirkstoffe (Analgetika) im Rahmen einer symptomatischen Therapie auf mehreren Wegen beeinflussen. Bei entzündlichen Prozessen, beispielsweise Lungenentzündungen, Durchfallerkrankungen und Euterentzündungen, bieten sich Kortikosteroide und Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAID, beispielsweise die Wirkstoffe Meloxicam, Ketoprofen, Flunixin) an. Sie reduzieren Entzündungssymptome, sodass die Tiere eher wieder fressen. Da sie auch die Sensibilität der Schmerzrezeptoren herabsetzen, werden sie beispielsweise auch im Vorfeld des Enthornens von Kälbern eingesetzt (Verabreichung ungefähr eine halbe Stunde vorher, damit sie bereits während des eigentlichen Enthornens ihre Wirkung entfalten können, einige Minuten vor dem Enthornen Gabe von Xylazin zur Stressverminderung). Um das Entzündungsgeschehen abzuschwächen, das oftmals bei Kühen mit Schwergeburten gesehen wird, und um das Wohlbefinden zu verbessern, werden häufig Kortikosteroide verabreicht. In einer Studie führte das Kortikosteroid Dexamethason zu Veränderungen der Verhaltensmessungen, die auf eine Verringerung der Beschwerden hindeuten könnten, allerdings verringerte sich auch die Milchleistung im ersten Monat nach dem Abkalben. Daher wird diese Behandlung nicht für den routinemäßigen Einsatz empfohlen. Krampflösende Medikamente (Spasmolytika) lösen die Verkrampfungen der glatten Muskulatur, zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt im Rahmen eines Durchfallgeschehens oder bei einer Kolik. Wirkstoffbeispiele in diesem Bereich sind Butylscopolamin und Metamizol. Lokalanästhetika betäuben die Schmerzrezeptoren und verhindern so ein Weiterleiten des Schmerzreizes in das Gehirn. Sie werden zur örtlichen Betäubung des Operationsfeldes, zum Beispiel bei einem Kaiserschnitt oder einer Labmagenoperation, beim Enthornen (bei Kälbern über sechs Wochen Pflicht), bei Klauenoperationen oder in Kombination mit Xylazin bei Nabeloperationen eingesetzt. Xylazin dient der Analgesie, Sedation und zur Muskelentspannung, allein reicht es allerdings nicht zur Schmerzausschaltung.

Fazit

Schmerzen führen immer zu einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens, was letztendlich das Erbringen einer hohen Leistung unmöglich macht. Wachstumsverzögerungen, eine verringerte Fruchtbarkeit und eine sinkende Milchleistung können die Folgen sein. Genaues Hinsehen und das Hineindenken in die besonderen Verhaltensweisen von Rindern lohnen sich also in jedem einzelnen Fall.