StartNachrichtenMarktRindfleischpreise in neuen Dimensionen – wie lange geht das gut?

Rindfleischpreise in neuen Dimensionen – wie lange geht das gut?

Marktkommentar
Von Björn Wiencken, LKSH-Markt
Foto: Imago

Die Rindfleischpreise erreichen aktuell immer höhere Niveaus. Von Woche zu Woche werden neue Rekordmarken erreicht. Gründe dafür gibt es gleich mehrere. Da ist natürlich zum einen der seit Jahren rückläufige Rinderbestand, von dem bereits vielfach berichtet wurde und der auch erstmalig zu deutlichen Bestandsreduzierungen im Milchkuhbereich führte. In den aktuellsten Zahlen schlug er sich aber auch besonders im Mastbullenbereich nieder. Diese Verknappung an Masttieren ist nicht nur auf Betriebsaufgaben zurückzuführen, sondern auch auf eine veränderte Strategie im Milchviehbereich. So arbeitet man in den hochleistenden Herden inzwischen mit einer bewusst deutlich längeren Zwischenkalbezeit als noch vor wenigen Jahren. Auch der kontinuierlich gestiegene Anteil an Fleischrinderbesamungen kann die fehlenden Tierzahlen im Mastbereich nicht wettmachen. Zudem verstärkt er noch den regelrechten Kampf um die Stückzahlen im Bereich der Holstein-Bullenkälber, denn auch hier gibt es eine parallele Preisspirale nach oben. Der Bedarf der Exporteure für die holländische Kälbermast kann bei Weitem nicht bedient werden. Eine weitere Hemmschwelle, die einer Ausweitung der Mastkapazitäten hierzulande im Wege steht, sind die exorbitant hohen Baukosten. Viele Bullenmäster müssen aufgrund von gesetzlichen Vorgaben und Anforderungen von Qualitätsprogrammen in den Umbau vorhandener Stallkapazitäten oder einen Neubau investieren. Davor scheuen viele Landwirte aufgrund der hohen Baukosten zurück. Es rechnet sich für viele Bullenmäster schlichtweg nicht. Auch ist mit den hohen Schlachtrinderpreisen in erster Linie nur den kombinierten Mastbetrieben geholfen, die ihre Masttiere aus eigener Produktion beziehen. Müssen Absetzer für die Weitermast inzwischen für bis zu 1.400 € pro Tier zugekauft werden, fällt die Marge ungleich kleiner aus.

Biorinder im Preis teilweise abgehängt

Verfolgt man die amtlichen Schlachtrindernotierungen, so fällt unweigerlich auf, dass die Bio-Notierungen um mehr als 20 ct/ kg SG unter den entsprechenden konventionellen Notierungen liegen. Im Biobereich muss das Preisgefüge allerdings deutlich differenzierter betrachtet werden oder, anders gesagt, die Biobetriebe sollten bei der Vermarktung etwas genauer nachfragen. Es gibt dort je nach Abnehmer deutliche Unterschiede in der Preisfindung und dementsprechend auch Preismodelle mit festen, an die konventionellen Preise gekoppelten Bio-Aufschlägen. Diese liegen aktuell zwischen 30 und 50 ct/kg SG. Auch im Biobereich besteht ein deutlicher Nachfrageüberhang, der teilweise sogar noch dadurch verstärkt wird, dass Biorinder als konventionelle Rinder mit Haltungsform-3-Zuschlägen vermarktet werden.

Rindfleischnachfrage unerwartet hoch

Entgegen älteren Prognosen weist der Pro-Kopf-Verbrauch von Rindfleisch für 2024 und 2025 keine fallende, sondern eine leicht steigende Tendenz auf. Dies bestätigen auch die aktuellen Absatzmengen, die für diese Jahreszeit eher ungewöhnlich hoch sind. Es hat nicht, wie sonst üblich, einen Einbruch der Absatzmengen zu Jahresbeginn gegeben. Noch sind die hohen Rindfleischpreise allerdings auch nicht beim Verbraucher angekommen. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die deutlich höheren Preise auf das Verbraucherverhalten auswirken werden. Es wird jedenfalls vonseiten des Handels mit deutlichen Absatzrückgängen gerechnet. Dies ist bereits jetzt in einer größeren Zahl an Abbestellungen durch den Handel zu erkennen. Dies führt auch dazu, dass die Schlachtbetriebe massiv in die roten Zahlen gedrängt werden, denn zum einen können die hohen Preise nicht uneingeschränkt an den Handel weitergegeben werden und zum anderen ist es nicht mehr möglich, vorhandene Kapazitäten auszulasten. Es besteht also die deutliche Gefahr der Marktüberhitzung, was am Ende zu einem Bumerang werden könnte: Der Verbraucher sucht nach Alternativen zum Rindfleisch und die Schlachtkonzerne ziehen sich noch weiter aus dem deutschen Rindfleischmarkt zurück. Was dann bleibt, ist nur noch ein Scherbenhaufen.

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