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Schweine noch schwerer mästen?

Schweine aktuell: Welche Rolle die Futterkosten spielen
Von Andrea Meyer, Sebastian Bischoff, Landwirtschaftskammer NI
Erfassung der Tiergewichte. Fotos: Wolfgang Vogt

Die durchschnittlichen Schlachtkörpergewichte von Mastschweinen lagen in Norddeutschland in den letzten Wochen des vergangenen Jahres bei etwa 99 kg. Da einige Schlachthöfe ihre Abrechnungsmasken im vorigen Sommer angepasst haben, geht der Trend zu schwereren Tieren weiter. Hohe Endgewichte werden durchaus kritisch gesehen, da der Futteraufwand zum Mastende steigt und die höheren Futterkosten die Wirtschaftlichkeit senken. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat in der Zeit von Juli bis November 2024 geprüft, wie sich ein Schlachtkörpergewicht von 103 kg auf den Überschuss über Futterkosten auswirkt.

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden 112 Ferkel (Topigs Norsvin, Tempo x TN 70) nach Gewicht und Geschlecht auf zwei Futtergruppen verteilt und in Zweiergruppen gehalten. Für die Kontrollgruppe war ein Schlachtkörpergewicht von 98 kg und für die Versuchsgruppe von 103 kg geplant. Die Ad-libitum-Fütterung erfolgte sehr stark N-/P-reduziert nach DLG-Vorgaben und war in beiden Gruppen gleich. Die Tiere wurden bei jedem Futterwechsel gewogen.

Die Futteranalysen bestätigten die Sollwerte.

Einstallung der Ferkel in die LPA

Mehr als 1.200 Gramm Tageszunahmen

Die beiden Gruppen unterschieden sich nicht in der Mastleistung. Die Kontrollgruppe mit dem niedrigeren Schlachtkörpergewicht (SG) erreichte 1.215 g und die Versuchsgruppe 1.233 g Tageszunahmen, der Futteraufwand je Kilogramm Zuwachs lag bei 2,47 beziehungsweise 2,44 kg. Die Tiere nahmen täglich 2,99 kg (Kontrollgruppe) beziehungsweise 3,01 kg Futter (Versuchsgruppe) auf. In der Endmast ab 90 kg LM lag der Futteraufwand je 1 kg Zuwachs bei 3,13 kg in der Kontrollgruppe beziehungsweise 3,01 kg in der Versuchsgruppe. Da diese Differenz nicht signifikant war, ist daraus abzuleiten, dass das höhere Endgewicht den Futteraufwand je Kilogramm Zuwachs in dieser Phase nicht beeinträchtigte.

Die Schweine wurden im Weidemark-Schlachthof in Sögel nach Auto­FOM klassifiziert. Die geplanten Schlachtkörpergewichte wurden mit 97,6 und 103 kg sehr gut getroffen. Bedingt durch das höhere Schlachtkörpergewicht der Versuchsgruppe unterschieden sich die Gewichte der Teilstücke signifikant. Auch die Differenzen im Fleischmaß und in den Indexpunkten je Kilogramm Schlachtkörpergewicht waren abzusichern. Die leichteren Tiere erzielten 0,995 und die schwereren Schweine 0,972 Indexpunkte.

Aufstallung in Zweierbuchten

Überschuss über Futterkosten

Die Berechnung der Futterkosten beruhte auf den Nettopreisen im Versuchszeitraum. Bei einem Basispreis von 1,96 € je Indexpunkt erzielten die Tiere mit 98 kg SG einen Überschuss (netto) über Futterkosten von 112,09 € und die mit 103 kg SG von 113,43 €. Während in der Kontrollgruppe (98 kg SG) der Vorteil der weiblichen Tiere mehr als 10 € betrug, erzielten die weiblichen Schweine der Versuchsgruppe nur einen um rund 4,40 € höheren Überschuss über Futterkosten als die Kastraten. 

Schlachthälften für die Erfassung der Schlachtkörpermerkmale

Fazit

Mastschweine mit einem Schlachtkörpergewicht von 103 kg erzielten gleiche Mastleistungen wie Tiere mit einem SG von 98 kg. Die durchschnittlichen Tageszunahmen lagen bei 1.224 g, der Futteraufwand je 1 kg Zuwachs betrug 2,45 kg. Bei der Schlachtkörperbewertung traten mehrere signifikante Unterschiede auf. Die Tiere mit dem höheren Schlachtkörpergewicht erzielten 0,972 und die leichteren Schweine 0,995 Indexpunkte je 1 kg SG. In der Endmast benötigten die schwereren Tiere nicht mehr Futter je 1 kg Zuwachs als die leichteren Tiere. Das höhere Schlachtkörpergewicht führte in diesem Versuch zu einem höheren Überschuss über Futterkosten von 1,34 € je Schwein.

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