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Dem Landwirt darf der Spaß nicht genommen werden!

Rinder aktuell: Landestagung 2025, Teil 2
Von Josephine Hahn, Landwirtschaftskammer SH
Gibt es etwas Neues? – Diese Frage stellten sich anlässlich der Landestagung 2025 nicht nur die Kühe auf der Weide. Foto: Jan-Hinnerk Templin

Bei der Landestagung in der Halle der Landwirtschaftskammer in Rendsburg am 4. Februar konnten rund 150 Besucher aus den spannenden Vorträgen zum Thema „Lohnen sich Investitionen in Tierwohl und CO2-Effizienz?“ einiges mitnehmen. In Teil 2 des Berichts geht es unter anderem um die Vollkostenauswertung.

Die einzelnen Vorträge der Referenten wurden in der vorherigen Ausgabe vorgestellt: Dr. Thomas Bahr widmete sich im ersten Vortrag des Tages der Vollkostenauswertung der Betriebe der Rinderspezialberatung. Prof. Andreas Melfsen ging auf die bautechnischen Lösungen für mehr Tierwohl und CO2-Effizienz ein. Die Wege zur nachhaltigeren Milchwirtschaft, die von Arla angestrebt werden, wurden von Dr. Thomas Kröber dargestellt. Jörg Riecken stellte zum Abschluss der Vorträge die praktische Seite zum automatischen Melken bei einer Vollweide vor.

Vollkostenauswertung 2023/2024

Die Vollkostenauswertung 2023/24 wurde von Dr. Thomas Bahr, Agrarberatung Mitte, vorgestellt und basiert auf den Betriebszweigauswertungen (BZA), die viele Betriebe mithilfe der Beratungsringe der Rinderspezialberatung erstellen. Bei der BZA werden Leistungen und Kosten eines Betriebszweigs miteinander verrechnet, um das kalkulatorische Ergebnis für diesen Betriebszweig zu ermitteln. Die vorgestellte Auswertung umfasst Daten von 506 Betrieben und zeigt, dass die Kuhzahlen in den letzten Jahren jährlich um zirka 5 % steigen. Auch die Milchleistung und die Milchproduktion aus dem Grundfutter werden immer effizienter.

Dr. Thomas Bahr, Agrarberatung Mitte, präsentierte die Ergebnisse der Vollkostenauswertung 2023/24.
Foto: Isa-Maria Kuhn

Für das Jahr 2023/2024 wurden auch die ökonomisch stärkeren und schwächeren 25 % der Betriebe betrachtet. Erfolgreiche Betriebe haben im Durchschnitt 266 Kühe, eine Milchleistung von über 10.600 kg und eine Grundfutterleistung von über 4.088 kg. Die weniger erfolgreichen Betriebe haben durchschnittlich 150 Kühe, eine Milchleistung von etwa 8.700 kg und eine geringere Grundfutterleistung. Auch die Kuhverluste sind mit 8 % deutlich höher. Bahr betonte jedoch, dass die einzelnen Faktoren durch verschiedene Einflüsse bestimmt würden. Nicht jeder kleine Betrieb sollte daher als unwirtschaftlicher angesehen werden als ein großer Betrieb.

Einen der größten Kostenfaktoren stellt die Grundfuttergewinnung dar. Aber auch im Vergleich der Kostenstrukturen von Betrieben, die im Melkstand melken oder in automatischen Melksystemen (AMS), zeigen sich Unterschiede. Das ausgerechnete Betriebszweig­ergebnis (BZE) ist im Vergleich beim AMS um 1 ct/kg ECM schlechter als in Betrieben, die im Melkstand melken. Dies liegt vor allem an den höheren Arbeitserledigungs- und Gebäudekosten. Jedoch können Betriebe, die mit AMS melken, durch die häufigere Melkung ihrer Tiere auch eine Milchleistungssteigerung bewirken.

Aus der Vollkostenauswertung wird deutlich, dass im vorigen Wirtschaftsjahr 2022/23 hohe kalkulatorische BZE erzielt werden konnten. Dies ist auf die sehr hohen Milchpreise in der Zeit zurückzuführen. Für das Wirtschaftsjahr 2023/24 wurde ein leicht negativer Wert von −3,31 ct/kg ECM als kalkulatorisches BZE errechnet. Dies zeigt, dass diese Ergebnisse über die Jahre hinweg natürliche Schwankungen aufweisen und auch ein leicht negatives Jahr insgesamt kompensiert werden kann.

Angeregte Podiumsdiskussion

In der Podiumsdiskussion, die nach den Kurzvorträgen von Prof. Katrin Mahlkow-Nerge moderiert wurde, gab es einige Fragen aus dem Publikum zu verschiedenen Ansätzen, zu denen die Referenten ihre fachliche Meinung kundtaten. Die Zukunftsfähigkeit und Umsetzbarkeit der verschiedenen Impulse standen hier vor allem im Mittelpunkt der Diskussion.

Bezüglich der Vollkostenrechnung kam aus dem Auditorium die Frage, ob die Betriebe, die seit vielen Jahren eine BZA rechnen, innerbetriebliche Effekte und Entwicklungen erkennen lassen. Bisher werden nur die einzelnen Betriebe in einem Jahr verglichen. Warum werden ein oder mehrere Betriebe nicht über einen längeren Zeitraum betrachtet? Dieses Feedback wurde von den Referenten aufgenommen und wird in gewisser Form in der Zukunft berücksichtigt.  

An Dr. Kröber von Arla richteten sich Fragen zur Verpflichtung und Vergütung von CO2 reduzierenden Maßnahmen. Es wurde deutlich, dass eine Verpflichtung nur mit einer entsprechenden Vergütung der gewünschten Maßnahme einhergehen kann. Diese Maßnahme muss jedoch von der Regierung und den Verbrauchern auch entsprechend honoriert werden.

Dem Referenten Jörg Riecken wurden Fragen gestellt zum Thema Grünlandpflege bei einer Vollweide und dazu, wie die Kuhverluste beziehungsweise Abgangsraten in einer Saison ab Kalbung zustande kommen. Auch das Trockenstellschema und die Besamungen waren ein Teil der regen Diskussion.

Zukunft der Milchviehhaltung

Ihre Schlussfrage stellte Katrin Mahlkow-Nerge an alle Referenten, die so ein rundes Bild über alle Bereiche hinweg passend zum Thema der Veranstaltung brachte. Es ging darum, wie der Zukunftsstall aussehen könnte und wie viele Betriebe in Zukunft noch in der Milchwirtschaft agieren würden.

Hierzu stellte Thomas Bahr vor allem in den Vordergrund, dass zum Beispiel die Tierarztkosten im Durchschnitt nicht weiter ansteigen würden. Im Gegenteil, sie sänken sogar. Investitionen oder Maßnahmen, die das Tierwohl im Stall verbessern, werden immer bewusster und häufiger in den Betrieben getätigt. Tiere, die gesünder sind durch eine verbesserte und angepasste Umwelt, haben auch ein höheres Potenzial, ihre Leistung zu steigern und bei hoher Nutzungsdauer voll auszuschöpfen.

Andreas Melfsen stellte ebenfalls fest, dass das Bewusstsein bei der Mehrzahl der Landwirte im Bereich Tierwohl schon vorhanden sei. Jetzt müsse man aber den Faktor Emissionen praktisch mit einbringen und beides zusammendenken. Aber auch im Stallbau bedürfe es noch des Umdenkens beziehungsweise neu gedachter Ansätze. So nannte er das Beispiel, dass die großen Stallstrukturen, wo alle Tiere unter ein Dach gebracht werden, anders strukturiert werden könnten. Warum nicht auf mehrere kleinere Stallungen mit Auslauf setzen?

Thomas Kröber ergänzte, dass die Milch in Zukunft in der Gesellschaft und der Wirtschaft einen wichtigen Stellenwert einnehmen werde.

Jörn Siemann, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Rinderspezialberatungsringe, wandte sich zum Abschluss besonders an die zukünftigen Landwirte und Beratungskräfte. Foto: Isa-Maria Kuhn

Jörg Riecken brachte zudem ein, dass Tierwohl auch mit der Weidehaltung eng verzahnt sei. Jedoch sei eine Weidehaltung nur mit gewissen Flächenstrukturen und bis zu einer gewissen Kuhzahl umsetzbar. Außerdem betonte er, dass dem Landwirt nicht der Spaß an seiner Arbeit genommen werden dürfe durch zu viele, in der Regel bürokratische Hürden oder Auflagen. Vergeht dem Landwirt der Spaß, kann der Betrieb noch so gut aufgestellt sein und laufen. Dieser Betrieb wird dann jedoch nicht lange existieren.

Zum Abschluss der Veranstaltung wendete sich Jörn Siemann als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Rinderspezialberatungsringe an das Publikum. Er knüpfte direkt an seinen Vorredner Jörg Riecken an und betonte, dass Freude an der Arbeit ein wichtiger Bestandteil des Alltags der Milchviehhalter sei. Auch er verwies auf die zunehmende Bürokratisierung, die vielen als Hindernis im Wege stehe. Mit dem Appell: „Wir brauchen Sie für unsere Zukunft in Landwirtschaft und Beratung!“, wendete er sich an die anwesenden Schülerinnen und Schüler sowie die anwesenden Studierenden. Nur durch gut ausgebildeten Nachwuchs könne die Milchproduktion weiter bestehen bleiben, schloss Siemann.

Fazit

Gehen die Leidenschaft und der Spaß in der Landwirtschaft verloren, ist die Existenz der Betriebe und der Landwirtschaft in der Zukunft immer mehr gefährdet. Das wäre für das Milchland Schleswig-Holstein, das doch durch seine vielen Milchviehbetriebe ein Stück weit geprägt ist, fatal.

Lesen Sie hier Teil 1 der Landestagung 2025: https://www.bauernblatt.com/tierwohl-und-co2-effizienz-gehen-hand-in-hand/

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