Coli-Mastitiden verlaufen häufig rasant mit schweren klinischen Symptomen. Der Verlust des betroffenen Euterviertels oder sogar der Tod des betroffenen Tieres kommen in diesem Zusammenhang nicht selten vor. Schlägt das anfängliche Fieber in eine Untertemperatur um, ist eine Verwechslung mit Milchfieber leicht möglich und kann wertvolle Zeit für eine richtige Therapie kosten.
Der Begriff „Coli-Mastitis“ wird auch als Bezeichnung für Mastitiden verwendet, die mit schweren Allgemeinstörungen einhergehen. Doch solche schweren Verläufe können grundsätzlich durch alle Bakterien und auch Hefen verursacht werden. Hier kann nur eine bakteriologische Untersuchung Aufschluss darüber geben, welcher Erreger die betreffende Mastitis verursacht hat. Escherichia coli wird in 50 % der Fälle schwerer Mastitis nachgewiesen, gefolgt von Streptokokken- und Klebsiellen-Arten. Allerdings können in ungefähr einem Drittel der Milchproben von schweren Euterentzündungen keine Erreger nachgewiesen werden.
Verlauf hochakuter E.-coli-Mastitis
Die typische Mastitis, die durch E.-coli-Bakterien ausgelöst wird, geht mit schweren Allgemeinstörungen einher, die auch schon vor den Symptomen am Euter auftreten können. Dazu gehören plötzlich einsetzendes hohes Fieber (über 40 °C, es kann auch auf über 41 °C steigen) sowie eine verringerte bis vollständige Einstellung der Futteraufnahme und ein Versiegen der Milchleistung. Am Euter zeigen sich eine starke Schwellung (öfter auch mit Wassereinlagerung/Ödem), Rötung und vermehrte Wärme. Das Eutersekret ist wässrig, häufig gelblich-rötlich und zum Teil mit großen Flocken beziehungsweise Fetzen versetzt. Im weiteren Krankheitsverlauf kann das anfängliche Fieber in eine Untertemperatur umschlagen, hierbei besteht eine mögliche Verwechslungsgefahr mit Milchfieber. Außerdem kann Durchfall auftreten, auch ein Festliegen durch die Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems im Verlauf der Schocksymptomatik ist möglich. Das betroffene Euterviertel fühlt sich kalt an und kann absterben. Freigesetzte Toxine können innere Organe wie die Leber schädigen und so zum Organversagen mit Todesfolge führen. E.-coli-Bakterien können auch Mastitiden verursachen, die weniger schwer und ohne Allgemeinstörungen verlaufen, dies ist jedoch seltener der Fall.
Diagnostik durch Milchprobe
Wie bei allen Euterentzündungen kann auch hier der auslösende Erreger nur durch die Untersuchung einer Milchprobe sicher bestimmt werden. Ein Schnelltest im Stall ermöglicht zunächst eine oberflächliche Unterscheidung in gram-positiv (zum Beispiel Streptococcus uberis, Staphylococcus aureus) oder gram-negativ (zum Beispiel E. coli, Klebsiellen). Nur die Untersuchung der Milchprobe im Labor lässt eine eindeutige Differenzierung und Resistenzbestimmung zu. Aufgrund des schnellen Verlaufes und der Schwere der Erkrankung sollte unmittelbar nach der Milchprobenentnahme mit der Behandlung begonnen werden und nicht erst das Ergebnis abgewartet werden. Es ist besonders wichtig, bei der Entnahme der Milchprobe auf Sauberkeit zu achten, denn sonst weist das Labor eventuell Coli-Bakterien nach, die aus Kotverschmutzungen am Euter stammen. Je früher im Verlauf einer Erkrankung die Proben genommen werden, desto höher ist Chance, die verursachenden Bakterien eindeutig zu identifizieren, da E.-coli-Bakterien sehr schnell zerfallen und so nicht mehr nachweisbar sind. Die Toxinwirkung besteht allerdings weiterhin, auch wenn keine lebenden Bakterien mehr vorhanden sind.
Therapie variiert nach Schwere
Bei leichten und mittelgradigen Fällen (nur Veränderungen in der Milch beziehungsweise zusätzlich lokale Veränderungen am Euter wie Rötung, Schwellung und Schmerzen) reicht die Gabe von Entzündungshemmern (NSAID).
Bei schweren Mastitiden mit Störungen des Allgemeinbefindens (Fieber, eventuell Festligen) sind zusätzlich zum Entzündungshemmer ein systemisch (intravenös oder intramuskulär) verabreichtes Antibiotikum und eine Flüssigkeitstherapie (Infusionen mit Glukose als Energiezufuhr, Elektrolytlösung zur Unterstützung des Mineralstoffhaushalts) notwendig. Wenn die betroffenen Tiere selbst kein Wasser mehr aufnehmen, ist das Drenchen sinnvoll (eventuell Eingabe von Präparaten zur Aufrechterhaltung der Pansenmotorik). Häufiges Ausmelken, gegebenenfalls mit Oxytocin, kann den Heilungsverlauf verbessern. Neuartige Therapieansätze mithilfe von Enzymen mit antientzündlichem Einfluss auf das Eutergewebe (Phospholipase A2) befinden sich in der Forschungsphase. Auch die Therapie mithilfe von Phagen (Bakteriophagen sind eine Gruppe von Viren, die Bakterien infizieren und abtöten können) hat wieder an Aufmerksamkeit gewonnen. Bestimmte Stämme von Phagen in einer Art Cocktail zeigten in einer Forschungsarbeit, dass sie vielversprechende antimikrobielle Wirkstoffe sind, die die Anzahl der Bakterien, der somatischen Zellen und der Entzündungsfaktoren erheblich reduzieren können, Mastitissymptome bei Kühen lindern und die gleiche Wirkung wie eine Antibiotikabehandlung erzielen können.
Der Schweregrad einer Coli-Mastitis wird hauptsächlich von Kuh-Faktoren bestimmt und nicht von der Pathogenität des Erregers. Tiere mit einem rasch einsetzenden Zellzahlanstieg entwickeln eher eine mittelgradige Mastitis als einen schweren Fall. Eine Erklärungsmöglichkeit dafür wäre, dass bei einer langsam einsetzenden Immunantwort eine höhere Vermehrungsrate der Bakterien möglich ist, die in der Folge mehr Schaden anrichten. Besonders im Zeitraum um die Abkalbung und zu Beginn der Laktation treten schwere Fälle auf. Weiterhin ist das Auftreten einer schweren Mastitis positiv korreliert mit der Milchproduktion, vorherigen Behandlungen mit Kortikosteroiden und dem vorherigen Auftreten von Mastitis und anderen Krankheiten. Auch Umwelteinflüsse beeinflussen den Schweregrad, vor allem in den Sommermonaten treten gehäuft schwere Fälle auf.
Das eigentliche Problem bei einer Coli-Mastitis sind die freigesetzten Toxine, die vor allem beim Zerfall der Bakterien entstehen. Diese können den Körper regelrecht überschwemmen, überschießende Entzündungsreaktionen belasten die Tiere unter anderem durch Schmerzen und Fieber, Körperzellen und gesamte Organe können geschädigt werden.
Zugelassener Impfstoff
In Deutschland ist ein Impfstoff zugelassen, der außer Komponenten gegen Staph. aureus und KNS auch einen Impfstoffanteil gegen E. coli enthält. Es handelt sich um einen inaktivierten Impfstoff mit dem sogenannten J5-Impfstamm. Die gebildeten Antikörper sind kreuzreaktiv gegenüber einigen anderen gram-negativen Bakterien, weshalb auch eine Schutzwirkung zum Beispiel gegenüber Klebsiellen besteht. Das komplette Immunisierungsprogramm sollte bei jeder Trächtigkeit wiederholt werden.
Zwei Wochen nach der ersten Injektion setzt die Immunität ein und hält bis etwa zweieinhalb Monate nach der dritten Injektion an (entspricht zirka vier Monaten nach dem Abkalben).
Die Erfahrungen mit dem Impfstoff in Bezug auf Coli-Mastitiden sind sehr unterschiedlich, Infektionsfälle an sich können nicht verhindert werden, allerdings wird der Schweregrad reduziert. Als einzige Maßnahme ist die Impfung nicht zu empfehlen, sie ist aber nach umfangreicher Diagnostik zur Ursache des Herdenproblems und Anpassung an den jeweiligen Betrieb in Verbindung mit Maßnahmen zur Optimierung von Fütterung und Hygiene hilfreich. Auch die Verwendung von bestandsspezifischen Impfstoffen kann in Betrieben mit wiederkehrenden Coli-Mastitisproblemen eine sinnvolle Option sein.
Fazit
Da das Immunsystem der Tiere den größten Einfluss auf Infektion und Krankheitsverlauf hat, ist es besonders wichtig, dies durch optimale Fütterungs- und Haltungsbedingungen zu unterstützen. Auch die Stall- und Melkhygiene ist ein wichtiger Faktor, bei dem sich ein konsequenter Einsatz lohnt.