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Coli-Mastitiden verlaufen mit schweren Symptomen

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Coli-Mastitiden verlaufen häufig rasant mit schweren klinischen Symptomen. Der Verlust des betroffenen Euterviertels oder sogar der Tod des betroffenen Tieres kommen in diesem Zusammenhang nicht selten vor. Schlägt das anfängliche Fieber in eine Untertemperatur um, ist eine Verwechslung mit Milchfieber leicht möglich und kann wertvolle Zeit für eine richtige Therapie kosten.

Der Begriff „Coli-Mastitis“ wird auch als Bezeichnung für Mastitiden verwendet, die mit schweren Allgemeinstörungen einhergehen. Doch solche schweren Verläufe können grundsätzlich durch alle Bakterien und auch Hefen verursacht werden. Hier kann nur eine bakteriologische Untersuchung Aufschluss darüber geben, welcher Erreger die betreffende Mastitis verursacht hat. Escherichia coli wird in 50 % der Fälle schwerer Mastitis nachgewiesen, gefolgt von Streptokokken- und Klebsiellen-Arten. Allerdings können in ungefähr einem Drittel der Milchproben von schweren Euterentzündungen keine Erreger nachgewiesen werden.

Verlauf hochakuter E.-coli-Mastitis

Die typische Mastitis, die durch E.-coli-Bakterien ausgelöst wird, geht mit schweren Allgemeinstörungen einher, die auch schon vor den Symptomen am Euter auftreten können. Dazu gehören plötzlich einsetzendes hohes Fieber (über 40 °C, es kann auch auf über 41 °C steigen) sowie eine verringerte bis vollständige Einstellung der Futteraufnahme und ein Versiegen der Milchleistung. Am Euter zeigen sich eine starke Schwellung (öfter auch mit Wassereinlagerung/Ödem), Rötung und vermehrte Wärme. Das Eutersekret ist wässrig, häufig gelblich-rötlich und zum Teil mit großen Flocken beziehungsweise Fetzen versetzt. Im weiteren Krankheitsverlauf kann das anfängliche Fieber in eine Untertemperatur umschlagen, hierbei besteht eine mögliche Verwechslungsgefahr mit Milchfieber. Außerdem kann Durchfall auftreten, auch ein Festliegen durch die Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems im Verlauf der Schocksymptomatik ist möglich. Das betroffene Euterviertel fühlt sich kalt an und kann absterben. Freigesetzte Toxine können innere Organe wie die Leber schädigen und so zum Organversagen mit Todesfolge führen. E.-coli-Bakterien können auch Mastitiden verursachen, die weniger schwer und ohne Allgemeinstörungen verlaufen, dies ist jedoch seltener der Fall.

Diagnostik durch Milchprobe

Wie bei allen Euterentzündungen kann auch hier der auslösende Erreger nur durch die Untersuchung einer Milchprobe sicher bestimmt werden. Ein Schnelltest im Stall ermöglicht zunächst eine oberflächliche Unterscheidung in gram-positiv (zum Beispiel Streptococcus uberis, Staphylococcus aureus) oder gram-negativ (zum Beispiel E. coli, Klebsiellen). Nur die Untersuchung der Milchprobe im Labor lässt eine eindeutige Differenzierung und Resistenzbestimmung zu. Aufgrund des schnellen Verlaufes und der Schwere der Erkrankung sollte unmittelbar nach der Milchprobenentnahme mit der Behandlung begonnen werden und nicht erst das Ergebnis abgewartet werden. Es ist besonders wichtig, bei der Entnahme der Milchprobe auf Sauberkeit zu achten, denn sonst weist das Labor eventuell Coli-Bakterien nach, die aus Kotverschmutzungen am Euter stammen. Je früher im Verlauf einer Erkrankung die Proben genommen werden, desto höher ist Chance, die verursachenden Bakterien eindeutig zu identifizieren, da E.-coli-Bakterien sehr schnell zerfallen und so nicht mehr nachweisbar sind. Die Toxinwirkung besteht allerdings weiterhin, auch wenn keine lebenden Bakterien mehr vorhanden sind.

Therapie variiert nach Schwere

Bei leichten und mittelgradigen Fällen (nur Veränderungen in der Milch beziehungsweise zusätzlich lokale Veränderungen am Euter wie Rötung, Schwellung und Schmerzen) reicht die Gabe von Entzündungshemmern (NSAID).

Schwere Verläufe der Coli-Mastitis können das Eutergewebe des betroffenen Viertels nachhaltig schädigen. Oft regeneriert das Viertel sich nicht von der Erkrankung und die Kuh kann lediglich auf drei Strichen gemolken werden.

Bei schweren Mastitiden mit Störungen des Allgemeinbefindens (Fieber, eventuell Festligen) sind zusätzlich zum Entzündungshemmer ein systemisch (intravenös oder intramuskulär) verabreichtes Antibiotikum und eine Flüssigkeitstherapie (Infusionen mit Glukose als Energiezufuhr, Elektrolytlösung zur Unterstützung des Mineralstoffhaushalts) notwendig. Wenn die betroffenen Tiere selbst kein Wasser mehr aufnehmen, ist das Drenchen sinnvoll (eventuell Eingabe von Präparaten zur Aufrechterhaltung der Pansenmotorik). Häufiges Ausmelken, gegebenenfalls mit Oxytocin, kann den Heilungsverlauf verbessern. Neuartige Therapieansätze mithilfe von Enzymen mit antientzündlichem Einfluss auf das Eutergewebe (Phospholipase A2) befinden sich in der Forschungsphase. Auch die Therapie mithilfe von Phagen (Bakteriophagen sind eine Gruppe von Viren, die Bakterien infizieren und abtöten können) hat wieder an Aufmerksamkeit gewonnen. Bestimmte Stämme von Phagen in einer Art Cocktail zeigten in einer Forschungsarbeit, dass sie vielversprechende antimikrobielle Wirkstoffe sind, die die Anzahl der Bakterien, der somatischen Zellen und der Entzündungsfaktoren erheblich reduzieren können, Mastitissymptome bei Kühen lindern und die gleiche Wirkung wie eine Antibiotikabehandlung erzielen können.

Der Schweregrad einer Coli-Mastitis wird hauptsächlich von Kuh-Faktoren bestimmt und nicht von der Pathogenität des Erregers. Tiere mit einem rasch einsetzenden Zellzahlanstieg entwickeln eher eine mittelgradige Mastitis als einen schweren Fall. Eine Erklärungsmöglichkeit dafür wäre, dass bei einer langsam einsetzenden Immunantwort eine höhere Vermehrungsrate der Bakterien möglich ist, die in der Folge mehr Schaden anrichten. Besonders im Zeitraum um die Abkalbung und zu Beginn der Laktation treten schwere Fälle auf. Weiterhin ist das Auftreten einer schweren Mastitis positiv korreliert mit der Milchproduktion, vorherigen Behandlungen mit Kortikosteroiden und dem vorherigen Auftreten von Mastitis und anderen Krankheiten. Auch Umwelteinflüsse beeinflussen den Schweregrad, vor allem in den Sommermonaten treten gehäuft schwere Fälle auf.

Das eigentliche Problem bei einer Coli-Mastitis sind die freigesetzten Toxine, die vor allem beim Zerfall der Bakterien entstehen. Diese können den Körper regelrecht überschwemmen, überschießende Entzündungsreaktionen belasten die Tiere unter anderem durch Schmerzen und Fieber, Körperzellen und gesamte Organe können geschädigt werden.

Zugelassener Impfstoff

In Deutschland ist ein Impfstoff zugelassen, der außer Komponenten gegen Staph. aureus und KNS auch einen Impfstoffanteil gegen E. coli enthält. Es handelt sich um einen inaktivierten Impfstoff mit dem sogenannten J5-Impfstamm. Die gebildeten Antikörper sind kreuzreaktiv gegenüber einigen anderen gram-negativen Bakterien, weshalb auch eine Schutzwirkung zum Beispiel gegenüber Klebsiellen besteht. Das komplette Immunisierungsprogramm sollte bei jeder Trächtigkeit wiederholt werden.

Zwei Wochen nach der ersten Injektion setzt die Immunität ein und hält bis etwa zweieinhalb Monate nach der dritten Injektion an (entspricht zirka vier Monaten nach dem Abkalben).

Die Erfahrungen mit dem Impfstoff in Bezug auf Coli-Mastitiden sind sehr unterschiedlich, Infektionsfälle an sich können nicht verhindert werden, allerdings wird der Schweregrad reduziert. Als einzige Maßnahme ist die Impfung nicht zu empfehlen, sie ist aber nach umfangreicher Diagnostik zur Ursache des Herdenproblems und Anpassung an den jeweiligen Betrieb in Verbindung mit Maßnahmen zur Optimierung von Fütterung und Hygiene hilfreich. Auch die Verwendung von bestandsspezifischen Impfstoffen kann in Betrieben mit wiederkehrenden Coli-Mastitisproblemen eine sinnvolle Option sein.

Fazit

Da das Immunsystem der Tiere den größten Einfluss auf Infektion und Krankheitsverlauf hat, ist es besonders wichtig, dies durch optimale Fütterungs- und Haltungsbedingungen zu unterstützen. Auch die Stall- und Melkhygiene ist ein wichtiger Faktor, bei dem sich ein konsequenter Einsatz lohnt.

Die Ginstergewächse

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Zu den als Ginster bezeichneten Pflanzen gehören Vertreter aus verschiedenen Gattungen, die überwiegend anspruchslos sind. Sie wachsen auf kargen Böden und können trockene und wasserarme Perioden gut überstehen. Sie blühen reich und prägen während ihrer Blütezeit mit ihren meist gelben Farben verschiedene Naturgebiete, aber auch manch sonniges Gartenareal.

Das Hauptverbreitungsgebiet der Ginster liegt in der warm-gemäßigten Zone des Mittelmeergebietes mit winterlichen Regen- und sommerlichen Trockenzeiten, aber auch im mediterranen Afrika und in Westasien. Es handelt sich um Sträucher oder Halbsträucher, an deren grünen Zweigen in der Regel dreizählige Blätter stehen. Alle Pflanzenteile der Ginster gelten als mehr oder weniger giftig. Der Ginster gehört in die Familie der Schmetterlingsblütler (Faba­ceae), in der es viele Arten gibt, die in Symbiose mit Luftstickstoff fixierenden Knöllchenbakterien leben, was ihnen die Möglichkeit gibt, auf besonders kargen und nährstoffarmen Böden zu existieren.

Die zunächst grünen später braunen Hülsen der Ginsterpflanzen können sich bei der Reife teilweise explosionsartig öffnen. Foto: Hans-Dieter Reinke

Aus den überwiegend gelben Schmetterlingsblüten entwickeln sich Hülsenfrüchte, die an der Bauch- und Rückennaht bei Reife aufspringen. Viele der Arten gelten mit ihrer besonderen Blütenfülle als bedeutsame Bienenweiden. Nicht zuletzt wegen seiner reichen gelben Blütenpracht, aber auch aufgrund des Vorkommens an besonderen Standorten wie Heiden, Trockenrasen und Magerwiesen erscheint der Ginster immer wieder in der Literatur und der Lyrik, wie in dem Gedicht „Wunderblüten“ des Heidedichters Hermann Löns, wo es heißt: „Zwischen hohen Ginsterbüschen ruhst du jetzt vom weiten Weg, gelbe Wunderblüten bauen um dich her ein Goldgeheg.“

Ginster der Gattung Genista

Viele der im üblichen Sprachgebrauch als Ginster bezeichneten Gewächse gehören in die Pflanzengattung Genista (Ginster), die mit etwa 90 Arten sommer- und halbimmergrüner Sträucher in Europa, im Mittelmeerraum und bis nach Westasien vorkommt. Sie bevorzugen die sonnigen und trockenen Standorte und mögliche sommerliche Dürreperioden ertragen sie in der Regel, ohne Schaden zu erleiden.

Heimisch sind beispielsweise der Behaarte Ginster (Genista pilosa), der Englische Ginster (G. anglica) und der Deutsche Ginster (G. germanica), die allesamt stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht sind. Hierbei spielt wohl die Spezialisierung auf extreme Standorte wie Küstenheiden, magere Sandrasen, Binnendünen und lichte Wälder eine Rolle.

Hierher gehört auch der etwas bekanntere sommergrüne und winterharte Färberginster (G. tinctoria), der auch als Zier- und Nutzpflanze in Gärten einige Bedeutung erlangte. Der bis zu 1 m hohe Strauch wächst mit seiner kräftigen Pfahlwurzel auf trockenen Wiesen und in lichten Wäldern. Er blüht etwas später im Sommer als andere Ginsterarten. Die Blüten hängen in reich besetzten, langen Rispen herab. Sowohl die Zweige und Blätter als auch die Blüten wurden seit alters her zum Färben benutzt. Auch als Heilkraut diente die Pflanze und die Blütenknospen konnte man als Kapern-Ersatz verwenden.

Viele der Genista-Arten werden wegen ihres Blütenreichtums auch gern als Ziersträucher im Garten verwendet, beispielsweise der Steinginster (Genista lydia), der seiner Heimat auf dem Balkan, in der Türkei und Syrien entsprechend auch als Balkanginster oder Syrischer Ginster bezeichnet wird. Es handelt sich um einen sommergrünen Zwergstrauch mit überhängenden, seitlich geneigten Ästen und Zweigen, die ihm eine typisch kugelige Wuchsform verleihen. Er wird bis 50 cm hoch und ist ideal für einen vollsonnigen, warmen, trockenen und gut durchlässigen Standort. Die weitgehend winterharte Pflanze (bis −16 °C) wächst gut auf Trockenmauern, in Stein- und Heidegärten oder in einem Kübel auf der sonnigen Terrasse. Beeindruckend ist die ginstertypische reiche gelbe Blütenpracht im Mai/Juni.

Neben der erwähnten Nutzung des Färberginsters als gelber Farbstoff werden auch andere Genista-Arten dafür genutzt, ebenso wie dafür, um Fasern zu gewinnen. Auch werden aus den Pflanzen essenzielle Öle für die Parfümherstellung gewonnen. Einige Arten werden als Kaffeeersatz oder Gewürz- und Heilpflanze verwendet. So finden die mit Essig ausgelaugten Genista-Blätter Verwendung bei der Behandlung von Hexenschuss.

Ginsterpflanzen der Gattung Cytisus

Der bekannte Besenginster wurde früher auch als Genista (oder Sarothamnus) scoparius bezeichnet, heute allerdings als Cytisus scoparius. Cytisus ist eigentlich der Geißklee, aber manche der Arten dieser 50 bis 70 Arten umfassenden Gattung werden auch als Ginster bezeichnet. Es sind ebenfalls überwiegend mediterran verbreitete Pflanzen mit sommer- oder immergrünen, unbewehrten Straucharten. Viele Ziergehölze wie die Edelginster-Sorten gehören dazu. Es sind klassische Mai-Blüher und kein anderes Blütengehölz liefert noch im Pflanzjahr mehr Blüten. Allerdings müssen die grünrindigen Jungtriebe vor Wildfraß (unter anderem durch Kaninchen) geschützt werden. Die Cytisus-Triebe vergreisen in wenigen Jahren, deshalb ist bei ihnen ein Rückschnitt um etwa ein Drittel nach jeder Blüte empfohlen.

Den Besenginster gibt es als Zierpflanze, wobei auch andere Farben als gelb im Angebot sind. Foto: Hans-Dieter Reinke

Am bekanntesten ist der erwähnte Besenginster, der auch in Schleswig-Holstein weit verbreitet ist. Die etwa 2 bis 2,5 m hohen Sträucher sind charakteristische Pflanzen der west- und mitteleuropäischen Heiden, aber auch brachliegende Sandflächen, Straßenränder und Bahndämme werden besiedelt. Durch menschliche Aktivitäten und Anpflanzungen ist der Besenginster in ganz Mittel- und Westeuropa weit verbreitet. Die Herkunft aus wintermilden, von Meeresklima beeinflussten Gebieten ist gut daran erkennbar, dass Besenginsterpflanzen außerhalb des natürlichen Vorkommens in kälteren Wintern abfrieren. Zur Blütezeit im Mai/Juni bildet diese Ginsterart zahlreiche goldgelbe Blüten und kann dann ganze Landschaften farblich prägen. In manchen Gegenden hat sich dieser Strauch aber auch zu einem lästigen Unkraut entwickelt. Der Besenginster wird mit seinen Pfahlwurzeln aber auch zur Verbesserung stickstoffarmer Böden genutzt, wobei er auch von der erwähnten Symbiose mit Luftstickstofffixierern profitiert. Dadurch lassen sich Dünen, Flussufer und Böschungen befestigen. Die lange im Boden keimfähig bleibenden Samen reifen im Sommer. Bei trockenem Wetter zerplatzen sie mit einem hörbaren Knall. Neben dieser Selbstverbreitung sorgen auch Ameisen für die Vermehrung, da sich an den Samen kleine Ölkörperchen-Anhänge befinden. Aus den Zweigen lassen sich Gerbstoffe und Fasern gewinnen. In manchen Gegenden werden die Pflanzen als Futter für anspruchslose Ziegen und Schafen genutzt. Die Zweige wurden früher auch zur Besenherstellung verwendet, was dem Besenginster seinen Namen eingetragen hat.

Für sonnige Standorte ist der Besenginster auch ein attraktives Blüten- und Ziergehölz, beispielsweise in Heidegärten, Staudenrabatten, Kübel- und Topfkultur. Es gibt inzwischen eine große Zahl von Selektionen und Züchtungen, sodass es neben den typischen gelben Blüten auch leuchtend granatrote und zweifarbige Blüten als Zierpflanze für den Garten gibt.

Zudem gibt es diverse weitere Geißkleearten, die als Zierpflanzen interessant sind, beispielsweise den Elfenbeinginster (Cytisus x praecox) eine Hybridart, die etwa 1 m hoch wird und dicht gedrängte Äste aufweist. Es sind beliebte, reich blühende und duftende Ziersträucher.

Binsenginster und Stechginster

Noch einmal aus einer anderen Gattung kommt ein weiterer Zierginster, nämlich der Binsenginster (Spartium junceum), auch als Spanischer Ginster oder Pfriemginster bezeichnet. Es ist die einzige Art der Gattung und stammt ebenfalls aus dem Mittelmeerraum. Der buschige, 2 bis 3 m hohe Strauch ist recht anpassungsfähig, allerdings frostempfindlich und vor allem wegen seiner großen, duftenden Blüten eine beliebte Gartenpflanze. Die Blütenduftstoffe werden in der Parfümindustrie verwendet und die Zweige für Flechtwerk. Ebenfalls aus den Blüten wird ein gelber Farbstoff gewonnen.

Der blütenreiche Binsenginster von der Iberischen Halbinsel ist mit seinen gelben Blüten eine beliebte Zierpflanze. Foto: Hans-Dieter Reinke

Eine weitere bekannte Ginsterart ist der Stechginster (Ulex europaeus), der von der Iberischen Halbinsel bis England beheimatet ist, in vielen Gegenden Mitteleuropas aber auch eingebürgert wurde. Er wächst als Pionierpflanze in rauen, wenig fruchtbaren Gegenden, auf sandigen bis lehmigen Untergründen, bevorzugt im windigen und salzigen Küstenklima. Ulex gilt als Charakterpflanze der atlantischen Heiden und ist bei uns beispielsweise vermehrt auf den Geestinseln der Westküste anzutreffen.

Der fast blattlose, dornige, reich verzweigte immergrüne Strauch ist zur sommerlichen Blütezeit mitunter vollständig von den goldgelben, nach Kokos duftenden Schmetterlingsblüten bedeckt. Die Hülsen öffnen sich explosionsartig und verstreuen die Samen. In Spanien dient der Stechginster als Futterpflanze für die anspruchslosen Schafe und Ziegen, wird aber auch als Heckenpflanze, für Flugsandbefestigungen, Bodenmeliorationen oder zur Brennholzgewinnung angepflanzt. Der etwa 1 bis 2 m Höhe erreichende und tief wurzelnde Strauch ist ebenso für den Garten geeignet. Allerdings ist er frostempfindlich und friert bis zum Boden zurück, von wo aus er aber meist im Frühjahr wieder austreibt. Ulex ist eine gute Bienenweide und ein bei Insekten beliebter Blütenstrauch, der in milden Gegenden durchaus sogar monatelang blühen kann.

Beim Stechginster stehen die gelben Schmetterlingsblüten zwischen den langen Dornen. An günstigen Standorten kann die Blütezeit sogar bis in den Herbst gehen. Foto: Hans-Dieter Reinke

Ende der zollfreien Agrarimporte aus der Ukraine?

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Die Ukraine hat laut ukrainischem Landwirtschaftsministerium bis zum 28. März im Wirtschaftsjahr 2024/25 insgesamt 32,4 Mio. t Getreide und Hülsenfrüchte exportiert, 1,8 Mio. t oder 5,5 % weniger als im Vorjahr. Die Weizenexporte beliefen sich auf 13 Mio. t, 507.000 t oder 4,1 % weniger als im vergangenen Jahr. Bisher haben die Getreidebestände den Winter gut überstanden. Für 2025 rechnet man in Kiew mit einer etwas größeren Weizenernte von 22,7 Mio. t (+2 %), aber um 10 % geringeren Exporten (16,8 Mio. t), weil keine überjährigen Lagerbestände mehr vorhanden sind. Der Maisertrag soll weiter auf 26 Mio. t zurückgehen (−19%), wie auch der Maisexport (−25% auf 22,1 Mio. t). Erheblich kleiner sollen auch die Ausfuhren von Sonnenblumenöl (−26 %) und generell Ölsaaten sein.

50 Prozent der Agrarexporte in die EU

Der Agrarexport ist für die Ukraine der Hauptdevisenbringer, mit rund 23,8 Mrd. € sorgte der Agrarsektor im Jahr 2024 für knapp 60 % der Exporteinnahmen. Wichtigstes Agrarexportgut 2024 war laut Landwirtschaftsministerium in Kiew Sonnenblumenöl mit fast 5 Mrd. €, dann folgen Mais (4,9 Mrd. €), Weizen (3,6 Mrd. €), Raps (1,8 Mrd. €) und Sojabohnen (1,3 Mrd. €). Damit erreichten die Exporterlöse fast das Vorkriegsniveau. Kritisch sieht man in Kiew den hohen Exportanteil in die EU mit immer über 50 % in den vergangenen Jahren (2024: 52 %).

Getreidepreise sinken wegen Waffenstillstand

Die Weizenkurse fielen am Monatsende auf neue mehrmonatige Tiefs. Ein Grund liegt im zwischen Russland und der Ukraine auf Vermittlung der USA am 24. März für das Schwarze Meer geschlossenen Waffenstillstandsabkommen. Diese Vereinbarung soll eine sichere Schifffahrt gewährleisteten, dazu wollen die USA Russland bei der Lockerung von Sanktionen für russische Agrarprodukte und Düngemittel „unterstützen“. Moskau meldet auch, dass die Wiederherstellung des Swift-Bankzugangs für die Russische Landwirtschaftsbank und weitere Finanzinstitute dazugehöre. Allerdings waren die Frachtraten bereits niedrig und der ukrainische Getreideexport per Schiff über das Schwarze Meer durch von der Ukraine eingerichtete Seekorridore hatte fast wieder zum Vorkriegsumfang zurückgefunden. Es ist natürlich erfreulich, dass nun überhaupt irgendein Waffenstillstandsabkommen zwischen der Ukraine und Russland zustande gekommen ist, dass hoffentlich auch hält, aber der Eindruck drängt sich auf, dass Russland zum Beispiel durch den wieder offenen Swift-Zugang deutlich mehr profitieren würde als die Ukraine.

Bedeutung der Solidaritätskorridore nimmt ab

Die Bedeutung der „Solidaritätskorridore“ durch benachbarte EU-Staaten zum Weiterexport auf den Weltmarkt, die die EU in 2022/23 mit etwa 300 Mio. € bezuschusste, hat in den vergangenen Monaten wegen des im August 2023 geschaffenen Seekorridors immer mehr abgenommen. Die ukrainischen Agrarexporte über EU-Staaten hatten im August 2023 ihr Allzeithoch von 3,7 Mio. t, zum größten Teil über Constanta/Rumänien. Ab dem zweiten Halbjahr 2024 ist der Umschlag durch EU-Staaten auf zirka 1 Mio. t monatlich gesunken. Nun steuern viele Schiffe per ukrainischem Seekorridor direkt EU-Länder wie Spanien an, das in den ersten neun Monaten 2024 über 4 Mio. t Mais sowie fast 5 Mio. t (Futter-)Weizen aus der Ukraine preisgünstig für seine Veredlungswirtschaft importierte.

Ganz aktuell wird gemeldet, dass Brüssel die Sonderregelungen für Agrarimporte aus der Ukraine auslaufen lassen will, so der EU-Agrarkommissar Christophe Hansen zur Nachrichtenagentur AFP. Die seit 2022 geltende „Notfall-Liberalisierung“, die den zoll- und quotenfreien Zugang zum EU-Markt ermöglicht hat, soll im Juni 2025 enden. Die Maßnahme war nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine eingeführt worden, um den Export ukrainischer Agrarprodukte auf die Weltmärkte zu sichern. In der Praxis überschwemmten diese jedoch die Märkte osteuropäischer EU-Staaten und führten dort zu Preisverfall und Bauernprotesten.

Krankheiten in Wintergerste und Winterroggen

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Die Bestände der Wintergerste und des Winterroggens sind jetzt zum Beginn des Frühjahrs überwiegend gut entwickelt. Optimale Aussaatbedingungen im Herbst sowie der milde Winter sind hierfür verantwortlich. Allerdings ist auch Ausgangsbefall mit Echtem Mehltau, Rhynchosporium-Blattflecken und insbesondere auch mit Roggen-Braunrost und mit Zwergrost zu beobachten.

Die Witterung im April und Mai wird bestimmen, wie hoch der Krankheitsdruck ausfällt.

Rhynchosporium und Netzflecken

Sowohl in der Wintergerste als auch im Winterroggen haben Rhynchosporium-Blattflecken eine große Bedeutung. Die Verbreitung der Sporen erfolgt durch Regentropfen. Mindestens zwölf Stunden Blattnässe sind für eine erfolgreiche Infektion nötig. Aufgrund des Übertragungsmediums Wasser erfolgt die Verbreitung im Bestand vergleichsweise langsam. Insgesamt ist diese Krankheit auf niederschlagreiche, milde und strahlungsarme Witterung angewiesen.

In der Wintergerste spielt in anfälligen Sorten auch die Netzfleckenkrankheit eine Rolle. Für stärkere Frühjahrsinfektionen sind sowohl eine warme Witterung und starke Sonneneinstrahlung als auch ausreichende Niederschläge nötig. Die Verbreitung erfolgt mit dem Wind, womit eine schnelle Durchdringung der Bestände möglich ist.

Gersten-Mehltau und Roggen-Mehltau sind auf die jeweilige Kultur spezialisiert. Feuchtes Mikroklima und milde, strahlungsarme Witterung sind für die Entwicklung essenziell. Ertragsverluste durch den Echten Mehltau waren in den vergangenen Jahren selten.

Große Bedeutung der Rostkrankheiten

Der Zwergrost in der Wintergerste sowie der Braunrost im Roggen hatten in den vergangenen Jahren jeweils die höchsten Befallswerte aller Blattkrankheiten. Auch die Ertragsverluste können durch Befall mit diesen Rostpilzen gerade bei frühzeitig stärkerem Befall besonders hoch ausfallen. Die Entwicklung beider Krankheiten wird durch strahlungsreiche Witterung in Verbindung mit milden Nachttemperaturen gefördert. Außerdem ist für eine erfolgreiche Infektion eine geringe Blattnässedauer von zirka sechs bis zehn Stunden ausreichend, womit vereinzelte Niederschläge und auch teilweise stärkerer Tau genügen. Schwächere Infektion können bereits bei niedrigen einstelligen Temperaturen erfolgen, weshalb auch bereits aktuell ein Ausgangsbefall zu beobachten ist. Für eine schnelle Befallsentwicklung in der Schossphase sind jedoch höhere Temperaturen nötig.

Der Zwergrost in der Gerste ist an milde Temperaturen angepasst, sodass der optimale Temperaturbereich für Infektion und Pilzwachstum bei ungefähr 15 bis 20 °C liegt. Mindestens 15 °C sollten auch beim Roggen-Braunrost für eine stärkere Infektion vorliegen. Der Temperaturbereich für eine optimale Entwicklung liegt allerdings zwischen 20 und 25 °C bei Nachttemperaturen von über 12 °C.

Rostkrankheiten sind eher auf trockene, strahlungsreiche Witterung mit vereinzelten Niederschlägen spezialisiert. Der Zwergrost in der Gerste und der Braunrost im Roggen sind bei frühzeitigem Befall besonders ertragsrelevant. Aktuell stärkerer Ausgangsbefall, wie hier mit Roggen-Braunrost, ist hierfür sehr förderlich. Wie groß die Gefahr ist, hängt nun von der Witterung in den kommenden Wochen ab. Foto: Manja Landschreiber

Ramularia schwer einzuschätzen

In der Gerste hat die Ramularia-Sprenkelkrankheit in den vergangenen Jahren bei fehlendem Fungizidschutz vermehrt deutliche Ertragsverluste hervorgerufen. Dabei nimmt die Bedeutung in Schleswig-Holstein von Norden nach Süden zu. Leider bleibt es schwierig, Infektionsbedingungen zu erkennen und die Befallssituation einzuschätzen, da einige Aspekte der Epidemiologie noch unbekannt sind. Der Hauptinfektionsweg scheinen windverbreitete Sporen zu sein, die milde Temperaturen und eine lange Blattnässedauer für eine erfolgreiche Infektion benötigen. Die Symptome der Krankheit treten jedoch nur bei intensiver Sonneneinstrahlung auf. Daher tritt die Ramularia-Sprenkelkrankheit häufig erst zur Milchreife ertragsrelevant auf.

Weniger Krankheiten durch tolerante Sorte

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein veröffentlicht jährlich die Krankheitsbonituren der Landessortenversuche in der Wintergerste. Die Toleranzunterschiede zwischen den Sorten sind in jedem Jahr und für alle wesentlichen Krankheiten groß. Dies gilt es in der Fungizidstrategie auch für den reduzierten Einsatz in gesunden Sorten zu nutzen.

Fungizidresistenz bei Netzflecken

Resistenzen entstehen durch Selektion einzelner resistenter Isolate, deren Anteile über wiederholte Anwendungen einzelner Wirkstoffe bis zur vollständigen Verdrängung des Wildtyps steigen. Die Anwendungshäufigkeit einzelner Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen ist damit der wesentliche Faktor für Resistenzentwicklungen. Besonders stark fortgeschritten sind die Resistenzen der Netzfleckenkrankheit in der Gerste. Hier sind aktuell nur noch die zwei Fungizide Pyraclostrobin (Produkte: Comet, Tomec, Balaya, Priaxor) und Trifloxy­strobin (Produkt: Delaro Forte) stärker wirksam. Diese Produkte sollten aber nur in anfälligen Sorten oder bei sehr hohem Infektionsdruck zum Einsatz kommen, um deren Wirkung möglichst lange zu erhalten.

Fungizidresistenz bei Ramularia

Auch gegenüber der Ramularia-Sprenkelkrankheit sind nur noch wenige Fungizide wirksam. Eine gute Kontrolle ist durch eine Kombination des Kontaktfungizides Folpet (Produkt: Folpan 500 SC) mit den Azol-Fungiziden Mefentrifluconazol (Beispielprodukt: Revytrex) oder Prothioconazol (Beispielprodukte: Ascra Xpro, Pioli + Soratel) in jeweils robusten Aufwandmengen möglich. Dabei sollte ein jährlicher Wirkstoffwechsel in der Abschlussbehandlung zwischen den zwei genannten Azol-Fungiziden erfolgen.

Abschlussbehandlung sichert Ertrag

Sowohl im Winterroggen als auch in der Wintergerste hat die Abschlussbehandlung zum Ährenschieben die höchste Relevanz in der Krankheitskontrolle und der Ertragsabsicherung. Des Weiteren ist der Schutz der Blattetagen F-1 und F-2 sinnvoll, wobei nur in anfälligen Sorten insgesamt mehr als zwei Behandlung wirtschaftlich sind.

Sofern die Blattetage F-2 (Stadium 31-32) voll entwickelt ist, muss auf Infektionsbedingungen für Rhynchosporium-Blattflecken geachtet werden. Hier reichen in Abhängigkeit vom Infektionsdruck und der Sortenanfälligkeit 0,3 bis 0,6 l/ha eines prothioconazolhaltigen Produktes (250 g/l Wirkstoffgehalt) gut aus. In der Wintergerste muss ab diesem Entwicklungsstadium auch auf den Zwergrost geachtet werden. Im Winterroggen kann der Braunrost ebenfalls bereits in der Schossphase auftreten. Sind Sporenlager der Rostkrankheiten sichtbar, ist die oben genannte Fungizidempfehlung ebenfalls sinnvoll. Alternativ sind speziell gegen Roste auch 0,6 bis 0,8 l/ ha eines tebuconazolhaltigen Fungizides (250 g/l Wirkstoffgehalt) möglich. Der Echte Mehltau wird in beiden Kulturen und Empfehlungen ebenfalls miterfasst.

Die Abschlussbehandlung der Wintergerste sollte so terminiert sein, dass sowohl der Blattapparat als auch Grannen direkt vom Fungizid benetzt werden. Empfehlenswert sind die Produkte 1,2 l/ha Revytrex, 1,2 l/ha Pioli + 0,6 l/ha Soratel oder 1,2 l/ha Ascra Xpro, jeweils immer in Kombination mit 1,0 bis 1,5 l/ha Folpan 500 SC, um eine ausreichende Absicherung gegen die Ramularia-Sprenkelkrankheit zu gewährleisten. Nur speziell in für Netzflecken anfälligen Sorten sollte den zuvor genannten Kombinationen 0,5 l/ha Comet/Tomec zugemischt werden oder die Wahl auf 1,5 l/ha Delaro ­Forte + 1,5 l/ha Folpan 500 SC fallen.

Im Winterroggen liegt in der Abschlussbehandlung der Schwerpunkt auf dem Braunrost sowie unter feuchten Bedingungen weiterhin auf den Rhynchosporium-Blattflecken. Idealerweise erfolgt diese Behandlung auch zum Ährenschieben des Roggens. Die Präparate Elatus Era + Traciafin (0,8 l/ha + 0,2 l/ ha) oder Pioli + Soratel (1,4 l/ha + 0,7 l/ha) sind dabei zu bevorzugen.

Fazit

Liegen kühle und feuchte Witterungsbedingungen vor, ist mit Rhynchosporium-Blattflecken zu rechnen. Strahlungsreiche und eher trockene Witterung fördert den Roggen-Braunrost sowie den Zwergrost in der Gerste, die besonders hohe Ertragsverluste verursachen können. Der Fungizideinsatz zum Ährenschieben bietet in beiden Kulturen das höchste Potenzial zur Ertragsabsicherung. Mit Ausnahme anfälliger Sorten sind mehr als insgesamt zwei Fungizidbehandlungen nicht wirtschaftlich. Daher sollte man das Einsparpotenzial durch Sortentoleranzen insbesondere in der Wintergerste nutzen. Dies gilt auch in Hinblick auf die schwierige Resistenzsituation der Ramularia-Sprenkelkrankheit sowie für die Netzfleckenkrankheit in der Gerste.

LandFrauenpräsidentin wiedergewählt

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Die Vertreterinnenversammlung (VV) der schleswig-holsteinischen LandFrauen war auch in diesem Jahr wieder ein beeindruckendes Ereignis, bei dem rund 300 engagierte Frauen zusammenkamen, um Rückschau auf das vergangene Jahr zu halten, neue Impulse für ihre Ehrenamtsarbeit zu bekommen und die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Claudia Jürgensen bleibt für vier weitere Jahre Präsidentin des LandFrauenverbandes SH e. V.

Claudia Jürgensen wurde mit großer Mehrheit für weitere vier Jahre in ihrem Amt als Präsidentin des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein e. V. bestätigt und bedankte sich in ihrer anschließenden Rede: „Ich bin schon mehr als die Hälfte meines Lebens eine LandFrau. Die LandFrauen haben mich damals stark gemacht, jetzt möchte ich die Türen noch weiter für uns öffnen.“ Claudia Jürgensen betonte allerdings auch, dass sie sich in den nächsten zwei Jahren ihrer Amtszeit auf die Suche nach einer Nachfolgerin für ihr Präsidentinnenamt machen möchte, „damit der Verband weiter in die Zukunft getragen wird“. Frischer Wind kommt durch die Neuwahl von Marie-Theres Theede in den Landesvorstand. Die 22-Jährige aus dem Organisationsteam der Jungen LandFrauen Ostholstein wurde zur neuen Beisitzerin gewählt, ihre Vorgängerin Inge Carstensen zuvor mit großem Dank und einem Blumenkorb nach zwei Jahren ehrenamtlicher Mitarbeit im Landesvorstand verabschiedet. Außerdem wurde auch Heidi Thamsen aus dem Kreis Nordfriesland für vier weitere Jahre im Präsidium bestätigt. Auf dem Programm der jährlichen großen Delegiertenversammlung standen Verabschiedungen, Begrüßungen und Auszeichnungen verdienter Ehrenamtlerinnen. Unter anderem erhielt die ehemalige Kreisvorsitzende der Dithmarscher LandFrauen, Telse Reimers, die silberne Ehrennadel, außerdem konnte der Landesverband rund 20 neue Ortsvorsitzende begrüßen.

Dr. Gisa Andresen (r.) stellte die neue gemeinsame Gesundheitskampagne mit dem LandFrauenverband vor. Fotos: Meike von der Goltz

Am Vormittag konnten sich die LandFrauen aber zunächst über Dr. Gisa Andresen auf der Bühne freuen. Die ärztliche Geschäftsführerin der Ärztekammer Schleswig-Holstein stellte die neue gemeinsame Gesundheitsaktion mit dem LandFrauenverband vor, die auf Prävention und Wohlbefinden setzt. Der Kampagnentitel: „Risiko nein danke: runter vom Sofa – warum vorbeugen besser ist als heilen!“. Ab September können Vorträge zur neuen Gesundheitsaktion von Ortsvereinen und Kreisverbänden gebucht werden, dabei soll laut Dr. Gisa Andresen auch mit Gesundheitsmythen aufgeräumt werden. „Wir wollen klären, ob Rotwein gesund ist, ob Tiere glücklich machen, ob Fett wirklich fett macht und ob Jogger tatsächlich länger leben oder nur gesünder sterben.“ Es folgte großer Applaus der rund 300 amüsierten LandFrauen. Im Anschluss hielt der Hamburger Rechtsanwalt und Spezialist für Vereinsrecht, Heiko Klages, einen sehr interessanten Vortrag über die Grundlagen des Vereinsrechts für Vorstände auf Ortsebene. Außerdem ging es um die Frage „Warum mache ich eigentlich Vereinsarbeit?“. Heiko Klages erläuterte den anwesenden LandFauen, dass laut einer aktuellen Studie die Bereitschaft zu Ehrenamtsarbeit zwar grundsätzlich steige, die Bereitschaft, ehrenamtliche Leitungsfunktionen zu übernehmen, aber deutlich sinke. Der Anwalt riet den LandFrauen, auf Orts- und Kreisebene künftig in Teamvorständen zu arbeiten.

Der alte/neue Landesvorstand: Für Inge Carstensen folgt die Junge LandFrau Marie-Theres Theede (2 v. li.) aus Ostholstein als neue Beisitzerin.

Nach einer kleinen Zeitreise durch die Entwicklung der Struktur des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein im Laufe der Jahre, geleitet durch die beiden Geschäftsführerinnen des Landesverbandes, Dr. Gaby Brüssow-Harfmann und Ninette Lüneberg, folgte am Nachmittag noch ein Ausblick auf das LandFrauenjahr 2025 mit einer ganzen Reihe neuer Bildungsangebote, vielfältiger Seminare, Netzwerktreffen und dem LandFrauentag am 14. Juni, der hoffentlich mindestens genauso gut besucht wird wie die diesjährige Vertreterinnnenversammlung in Neumünster. 

Wie jedes Jahr ein beliebtes Fotomotiv: der außergewöhnliche Blumenschmuck rund um die LandFrauenbühne

Milchkühe ohne Hörner züchten

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Der Einsatz hornloser ­Bullen in der Holsteinzucht ist in den ­vergangenen Jahren stark ­gestiegen. Die Vererbung und Anpaarungsstrategien in der Hornloszucht waren eines der Themen auf dem diesjährigen ­Milcherzeugerforum.

Hornlose Kühe sind heute ein vertrauter Anblick in Milchviehställen. Das Enthornen von Kälbern steht allerdings immer wieder in der öffentlichen Kritik. Dazu kommen der Arbeitsaufwand für das Enthornen sowie die geplante Novelle des Tierschutzgesetzes, die künftig eine lokale Betäubung durch den Tierarzt beim Enthornen vorsieht. Eine Alternative ist die Zucht auf Hornlosigkeit. Diese war eines der Themen beim jüngsten Milcherzeugerforum der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Bremervörde-Elm und Apen-Godensholt.

Dr. Christin Schmidtmann, Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung (VIT), erklärte, dass genetische Hornlosigkeit durch zwei unabhängige Mutationen entstehe. Sie werde dominant vererbt – das heißt, mischerbige (hetereozygote) Tiere sind ebenfalls hornlos. Der Ursprung der hornlosen Holsteinrinder liege in den USA. „Praktisch alle hornlosen Tiere in der Holsteinzucht gehen auf Kuhfamilien von zwei Pionierbetrieben in den USA zurück“, schilderte Schmidtmann. Der erste konkurrenzfähige hornlose Bullenvater sei der 2002 in den USA geborene „Long Boy P-Red“ gewesen. Unter den 26 hornlosen Testbullen, die es 2008 in Deutschland gab, waren 21 Söhne von ihm.

Immer mehr Tiere hornlos

Schmidtmann verdeutlichte, dass der Anteil an Besamungen mit Hornlosbullen ab 2010 deutlich gestiegen sei – bei den Rotbunten Holsteins (RB) stärker als bei den Schwarzbunten (SB), da sich das Angebot an konkurrenzfähigen Bullen hier früher entwickelte. Der Anteil an Besamungen mit Hornlosbullen lag 2023 bei SB bei 23,5 % (von 2,7 Millionen Gesamtbesamungen) und bei RB bei 66,6 % (von 560.000 Besamungen). Der weit größte Anteil der SB-Besamungen entfällt demnach immer noch auf gehörnte Bullen, gefolgt von homozygot und zuletzt heterozygot hornlosen Bullen. Bei den RB hingegen ist der größte Anteil an Besamungen homozygot hornlos, gefolgt von gehörnten und heterozygot hornlosen.

Dr. Christin Schmidtmann

Unter den zehn am häufigsten eingesetzten Bullen 2023 waren laut Schmidtmann ein ­homozygot hornloser (SB) beziehungsweise sechs homozygote sowie ein heterozygoter Bulle (RB). Der Anteil homo- und heterozygot hornloser Tiere unter den typisierten weiblichen Holsteins sei ebenfalls gestiegen auf 49,7 % (RB) und 21,5 % (SB). Angesichts neuer Reglementierungen und gesellschaftlicher Diskussionen geht Schmidtmann davon aus, dass der Einsatz an Hornlosbullen weiter steigen wird.

Beim Einstieg in die Hornloszucht sei laut Schmidtmann zu bedenken, dass die Grundprinzipien der Zucht weiter gälten:

An erster Stelle stehe das Ziel, Zuchtfortschritt zu generieren und langlebige, funktionale Kühe zu züchten. Dem sollte die Hornlosigkeit untergeordnet sein. Da es mittlerweile eine gute Auswahl an hornlosen Bullen mit gutem Zuchtwertniveau gebe, sei das aber inzwischen gut vereinbar. „Man muss nicht mehr zwischen hornlos oder Zuchtfortschritt entscheiden“, betonte Schmidtmann. Homozygot hornlose Bullen seien den gehörnten in der SB- und RB-Zucht leicht unterlegen. Im RZ€ erlösten homozygot hornlose Bullen rund 342 € (SB) beziehungsweise 145 € (RB) weniger. „Ein etwas geringeres Zuchtwertniveau nehmen die Milchviehhalter für die genetische Hornlosigkeit in Kauf“, fasste Schmidtmann zusammen.

Eine Verengung der genetischen Basis und folglich Inzucht sei zu vermeiden. Schmidtmann betonte, dass Inzucht entgegen manchen Behauptungen allgemein in der Hornloszucht bisher kein Problem sei. Das Thema müsse aber weiter beobachtet werden, vor allem bei den Rotbunten Holsteins.

So gelingt der Einstieg

Anfangs dürften neben guten hornlosen Bullen für einen Teil der Herde weiterhin gehörnte Bullen eingesetzt werden. Nach und nach lasse sich dann der Einsatz hornloser Bullen steigern und der der gehörnten senken. Je mehr homozygot hornlose Tiere in der Herde seien, desto mehr gehörnte Bullen könne man wieder einsetzen. „Umzüchten geht nicht von heute auf morgen“, betonte Schmidtmann. Eine Hilfe sei aber die Herdentypisierung, denn sie liefere sofort nach der Geburt Informationen zu Hornstatus und genomischen Zuchtwerten, was Selektion und gezielte Anpaarung erleichtere.

Sortenvielfalt im Ökomaisanbau

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Für die diesjährige Maisaussaat im Frühjahr stehen Landwirten, die nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus wirtschaften, 104 verschiedene Maissorten zur Verfügung, die ökologisch erzeugt wurden (laut Deutschem Maiskomitee). Ökosaatgut ist für den Maisanbau unter ökologischen Bedingungen vorgeschrieben.

Nach EU-Vorgabe ist Maissaatgut für den ökologischen Landbau in Kategorie I eingestuft. Das bedeutet, dass für den Anbau von Silo- und Körnermais unter Ökobedingungen nur Saatgut aus ökologischer Erzeugung eingesetzt werden darf, da ausreichend Ökosaatgut dieser Kultur zur Verfügung steht. So werden in den aufgeführten abgestimmten und länderübergreifend angelegten Ökolandessortenversuchen Silomais ausschließlich Sorten geprüft, die von den Züchtern ökologisch vermehrt angeboten werden (siehe Tabelle 1). Aktuelle Übersichten zur Verfügung stehender ökologisch vermehrter Maissorten sind unter www.organicxseeds.de und tabellarisch unter https://t1p.de/1jjd2 zu finden.

Feldaufgang ist entscheidend

Wichtig für den Maisanbau unter ökologischen Bedingungen sind ein schneller Feldaufgang und eine zügige Jugendentwicklung. Lange Feldaufgangsperioden fördern Erkrankungen durch verschiedene pilzliche Erreger wie Fusarium-, Phytium- und Rhizoctonia-Arten. Schadbilder sind Nekrosen, Fäulnis und Verdrehungen des Keimlings und der jungen Maispflanze. Hinzu kommen Befall mit tierischen Schaderregern, zum Beispiel Larven der Saaten- oder Wurzelfliege, Fritfliege, und Vögel. Zur Eiablage werden von Saaten- oder Wurzelfliegen besonders Flächen nach Kleegras- oder Zwischenfruchtumbruch und frisch gepflügte Flächen mit hohem Anteil an organischen Rückständen wie Stallmist bevorzugt. Körner werden angebohrt und keimende Samen beschädigt. Fritfliegenbefall tritt vermehrt auf, wenn kühle Witterung das Wachstum der jungen Maispflanzen bis zum Vierblattstadium deutlich verzögert. Die erste Generation legt ihre Eier im Ein- bis Zweiblattstadium des Maises ab, die Larven schlüpfen wenige Tage später und können sich bis zum Vegetationskegel der Maispflanzen durchfressen, wenn der Pflanzenwuchs deutlich verlangsamt ist. Der günstigste Aussaattermin liegt in einer anhaltend warmen Witterungsphase, in der der Mais zügig und ungehindert über das Vierblattstadium hinauswachsen kann und keinen Schaden durch die Fritfliege mehr nimmt. Auch Schadvögel haben nach dem Vierblattstadium kaum noch Interesse an den Maispflanzen. Überwiegend treten Krähen, Fasane und Kraniche als Schadvögel im Mais auf, deren Fraßschäden in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Runde, tiefe Hacklöcher entlang der Maisreihe mit ausgepickten Keimpflanzen sind charakteristisch.

In der Jugendphase hat Mais besonders im Anbau unter ökologischen Bedingungen eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern. Dieser Konkurrenzschwäche des Maises ist nur mit vorbeugender und direkter Beikrautregulierung beizukommen. Mehrmaliges Striegeln im richtigen Unkrautstadium längs und quer zur Reihe vor, zur und nach der Aussaat bis zum Auflaufen ist ratsam. Im weiteren Vegetationsverlauf werden mit Hackgeräten (Schar-, Stern-, Rollhacken) die Zwischenreihen im Mais bearbeitet, in der Reihe durch Anhäufeln mit Rollhacke die Unkräuter verschüttet.

Den Juli benötigten die Maispflanzen zur Massebildung (Foto vom 15. Juli 2024).

Rückblick auf das Jahr 2024

Die Witterung im vergangenen Jahr war nach der Maisaussaat ab der letzten Maidekade durch erhöhte Niederschläge geprägt. Ein verstärkter Aufwand der Beikrautregulierung durch Striegel- und Hackmaßnahmen war vielerorts notwendig, da sich das kühle und feuchte Wetter bis weit in den Juni zog und die jungen Maispflanzen nur verhalten wuchsen. Doch allem voran musste die Befahrbarkeit der Maisflächen gegeben sein. Die Sommermonate Juli, August und September ermöglichten noch eine gute Entwicklung der Maispflanzen, dem Sortentyp angepasste Trockenmasseerträge und Stärkegehalte konnten erzielt werden. 

Der Ökosilomais wurde zur Ernte am 18. Oktober 2024 im Mittel mit einem Trockensubstanzgehalt von 32,3 % der Gesamtpflanze eingefahren.

Abgesprochenes Versuchssortiment

Das Sortiment des Ökolandessortenversuches Silomais wird länderübergreifend mit Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein abgestimmt. Gemittelt über die Versuchsstandorte wird das orthogonale Sortiment als Bezugsbasis der relativen Zahlen angenommen (siehe Tabelle 2). Für die aufgeführte Auswertung vom vergangenen Jahr wurden die Standorte in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gewertet. Der als Lindhöft geführte Versuchsstandort in Schleswig-Holstein liegt auf der in die Ostsee ragenden Halbinsel Dänischer Wohld im Kreis Rendsburg-Eckernförde. In Niedersachsen liegt der Versuchsstandort Bissendorf im Landkreis Osnabrück, Standort Mojenhop gehört zum Landkreis Rotenburg (Wümme). Die Versuchsstandorte liegen auf langjährig ökologisch bewirtschafteten Ackerflächen mit der Bodenart lehmiger Sand. Im Landessortenversuch Ökosilomais werden Maissorten aus der frühen Reifegruppe und als mittelfrüh eingestufte Sorten mit Siloreifezahlen bis S 230 geprüft.

Einjährige Versuchsergebnisse zeigen zwar das Leistungspotenzial der Prüfsorten, sagen aber nichts über die Ertragsstabilität der Sorten aus. So wird an dieser Stelle keine Sortenempfehlung ausgesprochen. Ist in der Ökofütterung der Anteil an Grassilage in der Grundfutterration größer als der Maissilageanteil, kann neben Trockenmasseertrag und Abreife das Hauptaugenmerk auf die Qualitätsmerkmale Energiedichte und Stärkegehalt gelegt werden. Zur Energiegewinnung in der Biogasproduktion ist neben Abreife und Trockenmasseertrag auch die Biogasausbeute interessant. Vor allem ist eine sichere, angepasste Abreife für die Sortenwahl entscheidend. Aufgrund zu erwartender späterer Aussaat im Ökolandbau sind frühe Maissorten mit Reifezahl S 200 bis S 220 für den Anbau zu bevorzugen.

Populationssorte in der Sortenprüfung

Im Ökolandbau werden überwiegend Maishybridsorten angebaut. Alternativ wird in der Sortenprüfung auch eine samenfeste und frei abblühende Populationssorte auf die Leistungsfähigkeit getestet. Seit Inkrafttreten der neuen EU-Ökoverordnung im Januar 2022 ist es möglich, Mais-Populationssorten in Verkehr zu bringen und nachzubauen. Das bedeutet, dass die genetische Vielfalt im wiederholten Nachbau von Populationssorten nicht verloren geht, sondern sich an Standort- und Anbaubedingungen anpassen kann. Maispopulationen enthalten Pflanzen mit unterschiedlichen Eigenschaften wie Pflanzenhöhe, Narbenfäden- und Kolbenfarbe, Resistenzeigenschaften gegen Krankheiten und Schädlinge. Bei Hybridsorten sind die Pflanzen im Bestand genetisch gleich. In dem aufgeführten Sortenversuch wird die Populationssorte ,Tambudzai‘ von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) mitgeprüft. Die Sorte wird als leistungsstarke und genetisch breit aufgestellte mittelfrühe Population mit Silo- und Körnerreife zirka S 230/zirka K 230 beschrieben. Nach bislang vorliegenden Versuchen der LfL „hinken die Populationssorten den Hybridsorten etwas hinterher“, das einjährig aufgeführte Ergebnis in Tabelle 2 aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen bestätigt diese Aussage.

Fazit

Zügiger Feldaufgang und schnelle Jugendentwicklung sind im Maisanbau unter ökologischen Bedingungen entscheidend. So sichern spätere Aussaaten bei anhaltend warmen Bodentemperaturen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Auflaufkrankheiten, Beikräutern und -gräsern und tierischen Schädlingen. Maissorten mit früher Siloreife (S 200 bis S 220) sind wegen sicherer Abreife zu bevorzugen.

Bedarfsplanung hilft beim Schlepperkauf

Wer in Technik investieren will, sollte sich vorher nicht nur mit Prospekten, sondern auch mit der Bedarfsplanung und den zukünftigen Kosten beschäftigen. Klingt nach (noch mehr) Schreibtisch­arbeit, bewahrt aber vor finanziellen Risiken durch unvorsichtige Investitionen.

Hier wird am Beispiel eines Schlepperkaufes analysiert, wie man mit relativ einfachen Berechnungen klären kann, was sich lohnt. Beim Kauf von Technik sollten nicht nur psychische, sondern vor allem auch ökonomische Gründe den Ausschlag geben.

Wie ging das doch gleich? Neue Technik ist attraktiv, aber spätestens im Fachschulunterricht werden auch die Maschinenkosten in den Blick genommen, folgende Daten sind nötig:

absehbare Auslastungen (Eigenbedarf + überbetrieblicher Einsatz)

Anschaffungspreise (inklusive sämtlicher Extras wie GPS-System und Zulassung)

zu erwartende Restwerte bei Nutzungsende oder Verkauf

Zinssatz (der von alternativen Anlagen beziehungsweise des Kredites; Rentenbank als Maß der Dinge)

Betriebsmittelkosten (Mengen und Preise von Diesel, Öl, AdBlue und anderen Verbrauchsstoffen)

Unterhaltungsaufwand (Reparaturen, Service, Wartung)

sonstige Betriebskosten (Steuern, Unterbringung, Untersuchung, Versicherung)

gegebenenfalls Zeitbedarfswerte bei Kalkulation von Schlepper und Gerät

Wer es sich einfach machen will, nutzt dafür pauschale Daten, zum Beispiel die der KTBL-Datensammlung Betriebsplanung (zum Beispiel 2024/2025), die bislang alle zwei Jahre immer zur EuroTier erscheint. Dabei sind die einleitenden Hinweise zu Restwerten, Reparaturkosten und vor allem die vielen Rechenbeispiele sehr informativ und ausgesprochen hilfreich. Diese Rechengänge mit eigenen Daten selbst nachzuvollziehen, ist immer sinnvoll und genauer, auch wenn die Beschaffung dieser Zahlen Arbeit macht.

Wenn man nach mehr Theorie zum Beispiel zur Gruppierung der Kostenpositionen in variable oder feste Kosten fragt, so ist die Antwort: Das gibt es hier nicht. Die Positionen werden ohne akademische Diskussionen einfach abgearbeitet. Eine Anmerkung vorab dazu: „feste“ Kosten sind nicht immer wirklich fest. Sie sind vielleicht pro Jahr konstant (und selbst das nicht immer), nicht aber pro Nutzungseinheit (h, ha, km, m3, t et cetera). Und variable Kosten variieren auch nicht immer proportional zum Nutzungsumfang.

Technische und ökonomische Basisdaten

Folgende Annahme wird hier unterstellt: ein Schlepper mit 138 kW, für den ein Durchschnittsverbrauch von 16,1 l Diesel pro Betriebsstunde gilt sowie 4 % AdBlue- und 0,25 % Ölverbrauch vom Dieselverbrauch angenommen werden. Schwierig ist die Festlegung der Anschaffungskosten, die entscheidend von Ausstattungsmerkmalen, aktuellem Marktumfeld und der Farbe abhängen und hier mit hart verhandelten 158.000 € Neupreis angenommen werden. Dafür gibt es rote, blaue, schwarze und hellgrüne Ausführungen, die im „schöneren“ Grün sind teurer, ob sie technisch überlegen und haltbarer sind, kann hier nicht beurteilt werden. Die Daten sind in Tabelle 1 ausführlich gezeigt. Dort befinden sich auch die Definitionen zu den Nutzungsdauern und jährlichen Auslastungen in den analysierten Szenarien.

Zunächst wird berechnet, welche Restwerte zu erwarten sind, wenn ein neuer Traktor drei, sechs, neun beziehungsweise zwölf Jahre mit 1.200, 1.000, 800 beziehungsweise 600 Stunden pro Jahr pro Jahr eingesetzt wird. Um die Suche nach den angesprochenen Werten zu erleichtern, sind analog zu Tabellenkalkulationsprogrammen die Spalten mit Buchstaben und die Zeilen mit Nummern bezeichnet. Bei 15 Jahren beziehungsweise 12.500 Stunden Lebensleistung wird für einen Schlepper, der sechs Jahre mit 1.000 Schlepperstunden (Sh) pro Jahr genutzt wurde, ein Restwert von 69.779 € (B8) prognostiziert – Stand heute. Er kommt zustande, indem ein immer bestehender Restwert von 10 % des Neupreises, also 15.800 € gesetzt wird und von den verbleibenden 142.200 € sowohl nach Alter als auch nach Abnutzung abgeschrieben wird. Für das erste Nutzungsjahr werden 12 % altersbedingter Wertverlust angenommen, dann für jedes weitere Jahr 3 % vom insgesamt abzuschreibenden Betrag (142.200 €), sodass ein nicht genutzter Schlepper nach 15 Jahren noch einen (theoretischen) Restwert von 81.212 € hätte [(158.000 € − 15.800 €) x (100 % − 12 % − 14 Jahre x 3 %/Jahr) + 15.800 €). Bis zu 54 % des abschreibbaren Wertes können also altersbedingt verschwinden, die anderen 46 % gehen durch Abnutzung verloren. Da eine Auslastung von 1.200 Sh pro Jahr über zwölf Jahre insgesamt 14.400 Stunden auf die Uhr bringen würde, wird für diese Kombination kein Wert ausgewiesen (D9), wohl wissend, dass es genug Betriebe gibt, die mit viel Geschick Schlepper in allen Farben mit noch höheren Laufleistungen am Leben halten.

In den Spalten E bis L der Tabelle 1 sind in Zeile 5 geschätzte Kaufpreise für die Gebrauchten genannt, die auf im Internet gefundenen Angebotspreisen basieren. Die Differenz zu den Restwerten in den Zellen A6 bis B9 ist die angenommene Händlermarge (ohne aufgeschobene oder vorsorgliche Reparaturen; Erstere würden den Restwert mindern, Letztere die anfänglichen Reparaturkostenansätze bei den Zweibesitzenden). Zwischen L5 und B9 besteht kein Unterschied, weil hier angenommen wird, dass das eine Inzahlungnahme bei Neugeschäft war, die ohne jegliche Aufbereitung und Gewährleistung weitergegeben wird – „schnell weg, bevor Zinskosten entstehen“.

In den Spalten E bis H werden dreijährige Gebrauchte mit 1.800 bis 3.600 Stunden Laufleistung umgesetzt und vom Zweitnutzenden weitere drei Jahre mit Auslastungen zwischen 600 und 1.200 Sh pro Jahr eingesetzt. In den Spalten I bis L wechseln sechs Jahre alte Schlepper die Besitzenden und werden weitere sechs Jahre mit 600 bis 1.200 Sh pro Jahr genutzt. Da die drei Varianten mit sehr hohen Auslastungen die maximale (theoretische) Lebensleistung von 12.500 Sh überschreiten, gibt es in K9, L8 und L9 ebenfalls keine Restwertangaben.

Natürlich sind die Annahmen zu Lebensleistung und Restwerten ein Blick in die Glaskugel, denn in den letzten Jahren haben nicht nur die Neu-, sondern auch die Gebrauchtmaschinenpreise stark angezogen. Hält sich das Niveau? Steigt es noch oder fallen Gebrauchtschlepperpreise bald wieder? Schließlich redet man hier über Beträge, die erst in drei, sechs, neun oder zwölf Jahren Realität werden.

In Tabelle 2 wird deutlich, dass wegen der nach Zeit und nach Abnutzung gesplitteten Abschreibung diese bei einer Neumaschine mit drei Jahren Verbleib und einer Auslastung von nur 600 Sh pro Jahr mit 23,55 €/Sh (B3) um 43 % höher ausfällt als bei 1.200 Sh im Jahr (16,44 €/Sh; E3). Die sonstigen Festkosten, die aus 2.765 € für Versicherung, Prüfung und Unterbringung und den restwertbedingt variierenden Zinsen bestehen, fallen mit 13,27 €/Sh (B4) beziehungsweise 6,37 €/Sh (E4) noch unterschiedlicher aus.

Bei längerem Verweilen im Betrieb sinken sowohl Abschreibung als auch sonstige Festkosten deutlich: Bei sechs Jahren Nutzung beträgt die Abschreibung zwischen 13,64 €/ Sh (1.200 Sh/a; I3) und 18,97 €/Sh (600 Sh/a; F3; +39,1 %) und bei zwölf Jahren Nutzung geht die Abschreibung auf 11,59 €/Sh (1.000 Sh/a; H31) beziehungsweise 15,14 €/Sh (600 Sh/a; F31; +30,6 %) zurück. Die sonstigen Festkosten sinken bei sechs Jahren auf 12,45 €/ Sh (600 Sh/a; F4) bis 5,75 €/ Sh (1.200 Sh/a; I4) und bei zwölf Jahren Nutzung auf 11,16 €/ Sh (600 Sh/a; F32) bis 6,13 €/ Sh (1.000 Sh/a; H32).

„Variable“ Kosten sind nicht exakt proportional

Variable Kosten variieren parallel zum Einsatzumfang. Diese Lehrbuchregel gilt für den Betriebsstoffverbrauch, der sich pro Schlepperstunde zwar durch die Belastungsintensität und Modifikationen in der Motorentechnik ändern kann; aber Änderungen aufgrund von Alter und Abnutzung sind hier eher gering.

Der Unterhaltungsaufwand hingegen steigt meist überproportional. Ein gewisser Teil, etwa die Wartung, ist immer erforderlich, einiger Aufwand ist nutzungsproportional (normaler Verschleiß, zum Beispiel Abnutzung der Reifen) und andere Anteile steigen bei zunehmender Nutzung überproportional, weil irgendwann bei höherer Abnutzung mehr repariert werden muss.

Das KTBL hat dafür einen Berechnungsmodus entwickelt, der durchschnittliche Unterhaltungskosten mit Faktoren multipliziert, die in Abhängigkeit von bisheriger Nutzung und geplanter Gesamtnutzung variieren. In Tabelle 2 wird dies (als Methode, nicht mit der genauen, vermutlich komplexen Formel) aufgegriffen und der durchschnittliche Unterhaltungsaufwand ebenfalls mit einem Faktor multipliziert.

Deswegen sind bei drei Jahren Nutzung und 600 Sh/a Auslastung die variablen Kosten mit 28,30 €/Sh (B5) am niedrigsten und steigen bei zunehmender Auslastung auf 30,36 €/Sh (E5). Kommt der Schlepper als Neumaschine und bleibt sein Arbeitsleben lang im selben Betrieb, steigen die variablen Kosten auf bis zu 36,18 €/Sh (zwölf Jahre; 1.000 Sh/a; H33).

Diese Werte fallen noch höher aus, wenn zwischendurch der Schlepper verkauft wird. Erstbesitzende haben den Nutzungsabschnitt mit den geringeren Reparaturkosten (Werte in Zeile 5 beziehungsweise C33 bis F33), nachfolgende Besitzende müssen öfter „schrauben“ (Zeilen 12, 19 und 26).

Was ist die günstigste Variante?

Bei den Gesamtkosten zeigen sich zunächst zwei allgemeingültige Effekte:

Mit zunehmender jährlicher Auslastung sinken die Gesamtkosten, weil sich die theoretisch festen Beträge für Abschreibung und Zinsen und die wirklich festen sonstigen Festkosten auf den höheren jährlichen Einsatzumfang verteilen und dieser Effekt größer ist als der Anstieg der variablen Kosten.

Mit zunehmender Nutzungsdauer gehen die Kosten ebenfalls zurück, weil der Wertverlust in den späteren Jahren geringer ist (und so die durchschnittliche Abschreibung sinkt) und durch den niedrigeren Restwert das durchschnittlich gebundene Kapital niedriger ausfällt (und so die durchschnittliche Zinsbelastung zurückgeht).

Der erste Effekt ist am deutlichsten beim drei Jahre genutzten Traktor. Wird er mit 600 Sh pro Jahr genutzt, liegen die Kosten bei 65,12 €/Sh (B6), eine Verdopplung der Auslastung führt zu einem Rückgang um 11,95 €/Sh (−18,4 %) auf 53,17 €/Sh (E6).

Wird die Nutzungsdauer verdoppelt, wirkt sich das bei geringerer Auslastung durch einen Rückgang um 3,34 €/Sh (−5,13 %) auf 61,78 €/ Sh (G6) aus. Wird eine neunjährige Nutzung angestrebt, sinken die Kosten um weitere 1,32 €/Sh auf 60,46 €/Sh (B34) und bei zwölf Jahren Verbleib auf 59,59 €/Sh (G34; − 0,87 €/Sh). Sechs statt drei Jahren Nutzung sind fühlbar, danach ist der Effekt längeren Nutzens von untergeordneter Bedeutung.

Die erste Verdoppelung der Nutzungsdauer führt aber schon bei 800 Sh im Jahr zu einem mit 2,02 €/ Sh deutlich geringeren Gesamtkostenrückgang (von 58,88 €/Sh (C6) auf 56,86 €/Sh; G6). Die nochmalige Verdoppelung von sechs auf zwölf Jahre bringt nur noch eine Kostensenkung um 1,10 €/Sh (−1,9 %; von 56,86 €/Sh (G6) auf 55,76 €/Sh; G34). Zwischen den Varianten „sechs Jahre“ und „zwölf Jahre“ à 1.000 Sh im Jahr beträgt der errechnete Unterschied nur noch 0,31 €/Sh und wird deshalb mit 310 € pro Jahr beziehungsweise 1.860 € insgesamt eher theoretische Spielerei.

Da die Variante „drei ­Jahre à 600 Sh im Jahr“ eher selten sein dürfte und solche Traktoren deshalb kaum zu bekommen sind, wird die Kostenstruktur der Weiternutzung als junger Gebrauchter ab 800 Sh jährlicher Auslastung analysiert. Wird nach 2.400 Sh Vornutzung der Traktor noch einmal drei Jahre mit 800 Sh pro Jahr ausgelastet, sind Kosten von 56,11 €/ Sh (−1,77 €/Sh; C13) zu erwarten. Bei sechs Jahren beziehungsweise 5.400 Sh Vornutzung errechnet sich mit 55,28 €/Sh (G13) eine Kostensenkung um 1,58 €/Sh für die gleiche Nachnutzung. Bei jeweils drei Jahren und 1.000 Sh im Jahr beträgt das Sparpotenzial nur noch 1,15 €/Sh (55,36 €/ Sh (D6) zu 54,21 €/Sh; D20). Weitere Kombinationsmöglichkeiten zeigt die Tabelle.

Kannst du uns mal mit deinem Trecker helfen?

Wenn man für die Hilfe unter Freunden die zusätzlich dadurch entstehenden Kosten ersetzt haben möchte, kann man nach dem Grenzkostenprinzip abrechnen. Je nach Konstellation liegen diese zwischen 40 und 48 €/Sh. Aber berücksichtigen sollte man dabei, dass dieser Tarif nicht vollkostendeckend ist und die ungedeckten Anteile der zum Freundes-Tarif abgerechneten Stunden von den verbleibenden Stunden (meistens also den selbst genutzten) mitgetragen werden müssen. Ökonomisch nachhaltig ist das nicht – man wird es merken, wenn die Ersatzinvestition ansteht und die Rücklagen dafür dann nicht da sind.

Tipp zur schnellen Schätzung der Mindestauslastung

Kaufen sollte man eine umfangreiche Datenquelle, in der auch Daten zu den jährlichen Festkosten und den variablen Kosten für die geplante Investition enthalten sind (zum Beispiel die aktuelle Ausgabe der KTBL-Datensammlung Betriebsplanung, zurzeit 2024/2025).

Besorgen sollte man sich den für die eigenen Verhältnisse passenden durchschnittlichen Verrechnungssatz des Maschinenringes oder des Lohnunternehmers.

Dann dividiert man: jährliche Festkosten in Euro pro Jahr (zum Beispiel nach KTBL) Maschinenringsatz (€/h; €/ ha) − variable Kosten (€/h; €/ha; zum Beispiel nach KTBL)

Das Ergebnis hat die Einheit Stunden pro Jahr oder ha/a und gibt die Höhe des Einsatzumfanges an, ab dem sich eine Technik lohnt. Mit den KTBL-Daten (siehe Seite 100 im Buch) geht das dann so:

Zuerst müssen die jährlichen Festkosten ermittelt werden. Das KTBL weist für die Leistungsklasse 130-147 kW (Ø 138 kW) 150.000 € Anschaffungs- und 14.132 € jährliche Festkosten aus. Das passt noch nicht ganz zu den 158.000 € Anschaffungskosten. In der Leistungsklasse darüber sind es 165.000 € und 15.519 € im Jahr. Jetzt hilft der Dreisatz: Weil bei 15.000 € höheren Anschaffungskosten die Festkosten um 1.387 € im Jahr (15.519 − 14.132) höher ausfallen und man hier mit 158.000 € aber nur 8.000 € höhere Anschaffungskosten hat, kommen zu den 14.132 € noch 8/15 der 1.387 € (= 740 €/a) dazu, also in Summe 14.872 €/a. Die variablen Kosten betragen beim KTBL 31,52 €/ Sh. Nun braucht man noch einen Leihmaschinen-Verrechnungssatz, für den man besser nicht den KTBL-Wert von Seite 205 (39 €/Sh) nimmt, sondern den eigenen Maschinenringsatz von hier 54 €/Sh. Nun noch saldieren (54 – 31,52 = 22,48 €/Sh) und dann dividieren: 14.872 €/a / 22,48 €/Sh = 662 Sh/a. Das ist die erforderliche Mindestauslastung, die erreicht werden sollte, damit die Kosten des eigenen Schleppers nicht höher sind als die eines Leihschleppers.

Fazit

Je nach geplanter Nutzungsvariante wird ein Traktor mit zirka 138 kW beziehungsweise 158.000 € Anschaffungskosten bei sinnvollen jährlichen Auslastungen zwischen 52 und 65 €/Sh an Gesamtkosten verursachen.

Bei niedriger Auslastung kann man durch Auslastungssteigerung die spezifischen Kosten pro Einheit deutlich stärker senken als durch eine Verlängerung der Nutzungsdauer. Bei hohem Auslastungsniveau kann eine Verlängerung der Einsatzdauer die Gesamtkosten nur noch gering reduzieren, weil in den letzten Jahren die Gebrauchtpreise zuerst stabil waren und zuletzt sogar deutlich angestiegen sind und mit zunehmendem Alter die „Gebrechlichkeit“ (hier: Reparaturkosten) signifikant steigt. Wer fast alles in der Werkstatt machen lassen muss, orientiert sich besser in den Segmenten der neuen oder jungen Gebrauchten. Wer mit seiner eigentlich freien Zeit nichts anderes anfangen kann und gern „schraubt“, kann hier durch das Sparen von Werkstattlohnkosten zusätzliches Einkommen generieren – reich wird man schließlich nicht nur durch das Einnehmen von Geld, sondern auch durch das Geld, das man nicht ausgibt.

Stabiles Betriebsergebnis im Zuchtgeschäft

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Die Vertreter der Rinderzucht Schleswig-Holstein eG (RSH) sind am 4. März in das Congress-Center der Holstenhallen Neumünster geladen worden, um sich über das Ergebnis des abgeschlossenen Geschäftsjahres (GJ) 23/24 sowie die Perspektiven im laufenden Jahr zu informieren. Pünktlich begrüßte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Claus Solterbeck, die erschienenen 57 von 76 Vertretern sowie die zahlreichen Gäste aus Politik, Wissenschaft, Verbänden, befreundeten Organisationen und ehemalige Wegbegleiter der RSH. Vor Einstieg in die weitere Tagesordnung wurde aller verstorbenen Mitglieder und ehemaliger Mitarbeiter mit einer Schweigeminute gedacht.

Geschäftsführer Olaf Weick berichtete über den Jahresabschluss 2023/24 und informierte, dass die Zahl der Rinder haltenden Betriebe in Schleswig-Holstein dem weiterhin rückläufigen Bundestrend gefolgt sei, sodass auch die RSH einen Rückgang um 4 % auf nunmehr 3.728 Mitglieder zu verzeichnen habe.

Die Bilanzsumme der RSH hat im Vergleich zum Vorjahr von 18,7 auf 18,5 Mio. € leicht abgenommen. Der operative Umsatz zeigte sich hingegen sehr positiv und erreicht 24,3 Mio. €. „Die Umsatzentwicklung im Zuchtviehhandel hat das Betriebsergebnis positiv beeinflussen können“, bilanzierte Weick seine Erläuterungen zur Umsatzentwicklung.

„Aurelia“ (VG 85) ist eine „Nougat“-Enkelin von der Andersen-Voigt GbR und steht hier vor der Orangerie des Schlosses Glücksburg. Foto: Alex Arking
„Zamora“ (VG 86) hat ihre Wurzel in der Zuchtstätte Thormälen, Holtsee, von der ihre Großmutter „TH Sarotti“ den Weg zum Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Solterbeck aus Beringstedt gefunden hat. Foto: Alex Arking

Die Erlöse im Bereich Besamungsdienstleistung und Spermaverkauf kamen auf insgesamt 14,6 Mio. €. Die notwendige Anpassung der Erstbesamungsgebühr sowie die Einführung einer Einsatzpauschale wurden zum 1. September 2023 umgesetzt und haben trotz sinkender Inanspruchnahme der Besamungsdienstleistung zur kostendeckenden Erhöhung des Umsatzvolumens geführt. Im Bereich der Spermavermarktung konnte das Umsatzvolumen bei geringerer Absatzmenge, trotz eines durchschnittlich gestiegenen Verkaufspreises je Portion, sowohl im eigenen Zuchtgebiet als auch an andere Stationen nicht ganz das Vorjahresniveau halten.

Eine erfreuliche Entwicklung der Umsatzerlöse war im Zuchtviehhandel zu verzeichnen. Die Steigerung von 6,7 auf 7,6 Mio. € ist sowohl ein Ergebnis der starken Nachfrage im In- und Ausland insbesondere nach Fleischrindern als auch auf die positive Resonanz des neuen Auktionskonzeptes zurückzuführen. Insgesamt wurden über 7.300 Tiere über die Absatzkanäle der RSH verkauft. Das sind rund 860 mehr als im Vorjahr.

Die Umsätze der Handelsware valutieren per Stichtag auf 1,1 Mio. € und sind mit einer positiven Entwicklung des Brunst- und Gesundheitsmonitoringsystems Afimilk zu erklären.

Unter Berücksichtigung von Steuern ergibt sich daraus im Geschäftsjahr 2023/24 ein Jahresüberschuss in Höhe von 147.015,81 €.

Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat

Nach Verlesung des zusammengefassten Prüfberichtes mit uneingeschränktem Bestätigungsvermerk durch Volker Lukrafka vom Genoverband e. V. wurde der Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat für die Verwendung des Jahresüberschusses vorgestellt. Bei Hinzuziehung des Gewinnvortrages aus dem Geschäftsjahr 2022/23 von 123.624,36 € soll der Bilanzgewinn von 270.640,17 € auf neue Rechnung vorgetragen werden. Die Beschlüsse zur Verwendung des Bilanzgewinns wie auch zur Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat erfolgten einstimmig.

Auswirkungen von BTV-3 und MKS im Fokus

„Die Blauzungenkrankheit (BTV-3) hat auch vor Schleswig-Holstein und unserer RSH nicht haltgemacht. Die Station in Schönböken war für die Produktion über Wochen gesperrt und unsere nationale sowie internationale Spermavermarktung kam zeitweise zum Erliegen. Neben der Blauzunge hat uns der bekannte Einzelfall der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Brandenburg stark beeinflusst. Handelswege für Zuchtrinder und Sperma waren geschlossen und wir wissen aktuell noch nicht, wann Deutschland seinen Status der MKS-Freiheit wiedererlangen wird“, begann der Vorstandsvorsitzende Volker Kaack seine Rede zum aktuellen Geschäftsjahr und ergänzte den Wunsch nach klaren politischen Vorgaben mit praktikablen Lösungsansätzen für alle beteiligten Wirtschaftspartner.

Der Vorstand der RSH (v. li.): Hans-Hartwig Ketels, Volker Kaack (Vorstandsvorsitzender), Thies Magens, Christina-Johanna Paulsen-Schlüter, Karsten Kaack, Hans Andresen und Heiko Wendell-Andresen. Foto: RSH
Leitende Mitarbeiter der RSH. (v. li.): Dr. Heiner Kahle, Ingo Schnoor, Dr. Tina Kesselring, Olaf Weick (Geschäftsführer), Bastian Bornholdt. Foto: RSH

Bericht zum laufenden Geschäftsjahr

Er berichtete kurz über die intensive Arbeit der Gremien zur zukünftigen Ausrichtung der Phönix Group und der Möglichkeit einer intensiveren Zusammenarbeit. „Alle Gespräche haben wir vor dem Hintergrund der Anforderungen unserer Mitgliedsbetriebe von heute und morgen geführt“, stellte Volker Kaack deutlich heraus.

Die Auswirkungen des starken Arbeitnehmermarktes sind auch bei der RSH immer stärker zu spüren. Die Stichworte mobiles Arbeiten, flexible Arbeitszeiten, Attraktivität des Arbeitsplatzes und der Ruf nach geregelter Freizeit werden immer wichtiger und sind Voraussetzungen dafür, hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden und sie langfristig an die RSH binden zu können. „Im Namen der Gremien möchte ich mich daher ausdrücklich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie insbesondere dem Betriebsrat für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit und ihr Engagement im Interesse der Rinderhalter in Schleswig-Holstein bedanken. Sie sind das Fundament eines erfolgreichen Unternehmens“ schloss Volker Kaack seine Ausführung zum Personal ab.

Nach einem kurzen Blick auf die verschiedensten Veranstaltungen sowie Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen richtete er einen Appell an die anwesenden Vertreter: „Werden sie aktiv für die RSH als unsere Genossenschaft vor Ort!“

Aktuelles aus den Abteilungen

Abteilungsleiter Bastian Bornholdt gab einen gewohnt lebhaften Einblick in die Bereiche Spermavertrieb, Marketing und Betriebsberatung. Gleichbleibende Erstbesamungszahlen bei gestiegenen Gesamtbesamungen sowie einem Zuwachs verkaufter Spermaportionen im Zuchtgebiet sind direkte Auswirkungen des seit August 2024 bestehenden BTV-Geschehens. Zur Betriebsberatung SVN-Optipro berichtet Bastian Bornholdt über den erfolgreichen Zuschlag der neuen Eler-Förderung bis zum 31. Dezember 2026. Ziel der kostenlosen Beratung sind die Minimierung von Produktionskrankheiten und die Förderung des Tierwohls. „Jeder Betrieb ist aufgerufen teilzunehmen“, beendete er seine Ausführungen.

Ingwer Martin Carstensen (li.) und Klaus Heldt wurden verabschiedet. Foto: RSH

Ingo Schnoor, Abteilungsleiter Zucht, begann seinen Vortrag mit dem aktuellen Status der Herdentypisierung und stellte das RSH-Genom-Scan-Kennlernpaket als interessanten Einstieg vor. Anschließend gab Ingo Schnoor Informationen aus dem Zuchtprogramm der Rassen Angler und Rotbunt DN sowie die Ergebnisse im gemeinsamen Holstein-Zuchtprogramm der Phönix Group bekannt. Ein Ausblick auf die Verbesserung der Sicherheit in der Zuchtwertschätzung (ZWS) durch Einführung des Single-Step-Verfahrens rundete den Vortrag ab.

Der Abteilungsleiter Viehvermarktung und Herdbuch, Dr. Heiner Kahle, ging in seinen Ausführungen auf die Entwicklung der Rindervermarktung im aktuellen Geschäftsjahr ein und klärte die Vertreter über die Tierseuchensituation in der Rindervermarktung in Bezug auf Bovine Virusdiarrhoe (BVD), Blauzungenerkrankung (BTV) sowie die Maul- und Klauenseuche auf. Zum Bereich Zuchtwertschätzung wurden aktuelle Informationen zur gemeinsamen Umsetzung der European Bovine Evaluation (EBE) der EuroGenomics-Länder ergänzt. „Die Einführung einer europäischen Zuchtwertschätzung für die Holsteins ist für 2028 vorgesehen“, gab Dr. Kahle abschließend bekannt.

Dr. Tina Kesselring, Abteilungsleiterin Produktion und Besamung, gab einen kleinen Einblick in die Produktion und Bullenhaltung unter den aktuellen Bedingungen. „Dank der frühzeitigen Impfung haben alle Stationsbullen das Blauzungen-Virus gut überstanden und befinden sich fast komplett wieder in Produktion“, ergänzt sie ihre Ausführungen.

Unter Berücksichtigung der aktuellen Rahmenbedingungen fasste Olaf Weick die eingeleiteten Maßnahmen sowie Entwicklungspotenziale zusammen und unterstützte den Appell, dass jedes Mitglied der RSH zu einer positiven Entwicklung der Genossenschaft beitragen sollte.

Wahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat

Für den Vorstand wurden Hans Andresen (Böklund) sowie Thies Magens (Kollmar) und im Aufsichtsrat Michael Petersen (Taarstedt) im Amt einstimmig bestätigt. Für die turnusmäßig ebenfalls ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglieder Ingwer Martin Carstensen (Lütjenholm) und Klaus Heldt (Groß Schlamin) wurde keine Nachwahl durchgeführt. Der Aufsichtsrat hat auf die sinkende Mitgliederzahl reagiert und das Gremium daher von dreizehn auf elf Mitglieder verringert. Beide ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglieder wurden anschließend von der Versammlung zu Ehrenmitgliedern der RSH ernannt.

Gründung der Phönix GmbH

Olaf Weick stellte die bereits seit vier Jahren vertraglich etablierte Kooperation der Phönix-Partner im Holstein-Zuchtprogramm vor und berichtete, dass die Weiterentwicklung in Form eines gemeinsamen Beteiligungsunternehmens, der Phönix GmbH, fortgesetzt werden solle. Im Fokus stehen eine weitere Bündelung des Know-hows, eine Stärkung der Marktposition, der Erhalt eines breiten Angebots für die Kunden und Mitglieder, zielgerichtetere Investitionen mit einer breiteren Risikoverteilung auf alle Gesellschafter sowie insgesamt eine effizientere Ausschöpfung der vorhandenen Ressourcen in schrumpfenden Märkten. Die Planungen der letzten Monate haben gezeigt, dass die Phönix-Partner die Bearbeitung der Bereiche Durchführung des Holstein- und Beef-on-Dairy-Zuchtprogramms, Bullenbesitz und -haltung, Spermaproduktion und Drittvermarktung von Sperma gemeinsam erfolgreich in einer GmbH bearbeiten können. „Vorstand und Aufsichtsrat der RSH sehen in der Entwicklung der Phönix GmbH einen wichtigen Schritt zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, um auch in Zukunft unseren Mitgliedsbetrieben hochwertige Genetik anbieten zu können“, ergänzte der Vorstandsvorsitzende Volker Kaack die Erläuterungen von Olaf Weick. Die Vertreterversammlung konnte sich nach einer offenen Diskussion dieser Meinung anschließen und gab grünes Licht für diese richtungsweisende Entscheidung.

Versammlungsleiter Claus Solterbeck bedankte sich abschließend bei allen Mitgliedern im Ehrenamt der RSH für ihre Zeit und ihr Engagement für die Belange der Genossenschaft. Im Namen von Vorstand und Aufsichtsrat ging zudem ein Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die geleistete Arbeit sowie an alle anwesenden Vertreter für die sachliche Diskussion zu den aktuellen Herausforderungen der Rinderzucht Schleswig-Holstein eG.

Die Ernte im Blick

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Diese Frage war Gegenstand ­eines Vortragsabends des VFL Plön – Beratungsring Lütjenburg und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein kürzlich in Lütjenburg.

Die Trends bei der Druschfruchternte sind eindeutig: Mehr Druschleistung und Effizienz durch höhere mechanische Kapazität und mehr Intelligenz. Dies geht einher mit volatileren Märkten für Druschfrüchte sowie einer abnehmenden Anzahl von Technikanbietern bei zunehmender Ausrüstungsvariabilität. Der Traditionshersteller Deutz-Fahr hat seine Mähdrescherproduktion in Kroatien Ende Februar eingestellt. Die Nachfrage und damit die Stückzahl hatten einen kritischen Wert erreicht.

Der Markt wird nun ausschließlich von den drei großen aktiennotierten Unternehmen Agco, CNH und John Deere sowie der Claas KgaA mbH dominiert. Sampo aus Finnland spielt nach der Investition von Mahindra aus Indien sowie dem Ende der Zulieferung an John Deere eine geringe Rolle. Diese Entwicklung mag ein Indikator für den Kundenwunsch nach leistungsstarken Mähdreschern mit Informations- und Regeltechniken auf neuestem Stand sein.

Korrekt eingestellte Schneidtischlänge – keine Straußbildung vor der Einzugsschnecke und ein gleichmäßiger Gutfluss

Unterschiedliche Assistenzsysteme

Grundsätzlich stellt sich die Frage, welchen Nutzen ein Assistenzsystem bringt. Dieser kann je nach Fahrerqualifikation und Erntebedingungen unterschiedlich sein. Falls die Erntebedingungen denen für die Grundeinstellung eines Mähdreschers entsprechen, kann der Nutzen der Regeltechnik unter Umständen null betragen. Falls der Bediener des Mähdreschers über sehr gute Einstellkenntnisse verfügt, kann sich der Nutzen ebenfalls in Grenzen halten – doch wie lange? Der Einstellregler wird nicht müde und passt stets die Einstellungen an, wenn sich die Erntebedingungen ändern. Auch schwanken Erntebedingungen aufgrund zunehmender Witterungseinflüsse und teilflächenspezifischer Anbau- und Pflegeverfahren immer mehr, sodass auf die Einstell-Regeltechnik in der oberen Mittelklasse sowie in der Oberklasse nicht verzichtet werden sollte.

Auswertungen von Teleservice-Leistungsprotokollen zeigen, dass ein aktueller Rotormähdrescher der zweithöchsten Leistungsklasse (Chassisbreite fünf Schüttler) mit Vollautomat die Tagesleistungen eines gut eingestellten, älteren Mähdreschers der höchsten Leistungsklasse (Chassisbreite sechs Schüttler) nicht nur erreicht, sondern teilweise überschreitet. Bei einer Ersatzbeschaffung ist also zu überlegen, ob es nicht doch besser die schmalere, aber intelligentere Maschine sein sollte. Sie bringt zusätzlich den Fahrwerk-Kostenvorteil, da sie bei Nutzung von 800er Frontbereifung innerhalb der gesetzlichen Transportbreite bleibt. Die breitere Maschine kann dagegen nur mit Raupenlaufwerk bodenschonend genutzt werden.

Im Detail gibt es jedoch große Unterschiede zwischen den Versionen der verschiedenen Anbieter. Das umfangreichste Gesamtpaket aus mehreren Einzelautomaten bietet Claas mit Cemos an. Im Dialogmodus hilft der Assistent bei allen Einstellungen vom Schneidwerk bis zum Häcksler. Die Regeltechnik ist ein Baukastensystem aus mehreren Automaten, die je nach Erfordernis individuell zusammengestellt werden. In den selbstlernenden Dreschwerkautomaten sind sogar die Schaltungen von Intensivdreschleisten und Korbklappen einbezogen. Die Verlustsensorik kann über ein gesondertes Menü maschinenspezifisch kalibriert werden.

New Holland IntelliSense und Case AFS Harvest Command sind quasi baugleich. Von der gegebenen Einstellung ausgehend optimieren sie die Rotor- und Reinigungseinstellungen. Bei manuell eingestelltem Dreschspalt werden je nach gewählter Strategie Rotordrehzahl und Durchflussgeschwindigkeit (Winkel der Leitschienen oben im Rotorgehäuse) optimiert. Kernstück ist die Drucksensorik zur Messung der Beladung der Siebe. Danach und nach der Überkehrmenge sowie den Kornverlusten wird die Einstellung der Reinigung optimiert.

John Deere Harvest Settings Automation basiert auf den Daten von zwei Kameras. Zusätzlich zu der allen Systemen gemeinsamen Kamera im Kornelevator befindet sich eine zweite Kamera im Überkehr­elevator. Der Mähdrescher wird manuell eigenständig oder mithilfe des Dialogsystems ICA eingestellt. Passen die Kamerabilder zu den Vorstellungen des Bedieners, werden diese Bilder als Sollbilder gespeichert. Stimmen die Ist- und die Sollbilder nicht überein, passt die Regeltechnik die Maschineneinstellungen entsprechend an.

Agco Idealharvest basiert auf Sensoren zur Detektion der Längsverteilung der abgeschiedenen Körner in der Maschine als Grundlage für die Rotoren- und Reinigungseinstellung. Diese prinzipiell sehr gute Methode zur Messung der Abscheidefunktionen ist nicht neu, scheiterte in der frühen Forschungsentwicklung jedoch an ihrer Einsatzsicherheit. Aktuell ist das System noch nicht so weit entwickelt wie beim Wettbewerb.

Ein neuerer Trend ist die vorausschauende Technik am Mähdrescher. Case stellte dazu auf der letzten Agritechnica ein System mit Radarsensoren vor dem Schneidwerk vor. Claas nutzt einen Bestandesscanner am Kabinendach für das System AutoHeader. John Deere schaut mit Kameras und Satellitendaten vor den Mähdrescher, sodass er quasi sieht, welche Art von Fruchtbestand er gleich ernten wird. Vorteil: Die Einstell-Regeltechnik kann frühzeitig reagieren, vor allem wenn der Durchsatzregler seine Signale erst erhält, wenn das Erntegut bereits verarbeitet wird. Großflächige Einsatzerfahrungen von Unabhängigen liegen noch nicht vor.

Mit einem Volumen von 20 m³ verfügt der CR 11 über den größten Bunker der Längsfluss-Mähdrescher, nur Nexat bunkert mehr – die Maschinenmassen werden grenzwertiger.

Grenzen der neuen Mähdrescher

Die Leistungsfähigkeit beziehungsweise Leistungsdichte der Mähdrescher, vor allem der Rotor­mähdrescher (Axial-Rotor- und Tangential-Axial-Rotor- beziehungsweise Hybridmähdrescher) nimmt weiter zu. Dies geht einher mit höheren Motorleistungen und selbstverständlich stärker dimensionierten Antrieben. Das erhöht die Maschinenmasse. Einige Mähdrescher sind daher bereits mit Heck-Stützachse oder Gegengewicht am Schrägförderer auf der Straße unterwegs. Ob das der richtige Weg in die Zukunft ist, bleibt fraglich.

Zur Steigerung der Druschleistung wurden unter anderem die Durchmesser der Dreschtrommeln vergrößert und die der Rotorrohre bei unverändertem Außendurchmesser verkleinert. Letzteres steigert zwar den Strohdurchsatz von Axialrotoren, aber auch das Risiko von Ausdrusch- und Abscheideverlusten unter schwierigen Erntebedingungen. Große Dreschtrommeldurchmesser erhöhen das Durchsatzvermögen, die Abscheidung am Dreschkorb nimmt jedoch prinzipiell ab, weil die Beschleunigung nach außen abnimmt. Folglich werden die Kapazitäten der nachgeschalteten Axialrotoren oder Abscheidetrommeln erhöht. Die Kapazitätsgrenzen der Schüttler sind bereits seit etwa 30 Jahren erreicht.

Die Antriebsingenieure setzen auf Zentralgetriebe wie einerseits bei Agco und CNH, andererseits auf Riemenantriebe wie bei Claas und John Deere (X9). Zentralgetriebe bieten den Vorteil der sehr guten Zugänglichkeit aller Baugruppen und sparen Platz zwischen Chassis und Fahrwerk (NH CR 11). Sie erhöhen jedoch die Maschinenmasse und verlagern den Schwerpunkt nach hinten oder sogar auch zur Seite. Riemenantriebe zeichnen sich durch geringe Massen und die höchsten Wirkungsgrade aus. Ist ein Riemen defekt, wird er getauscht, auch in der Ernte. Ein Zentralgetriebe wird wohl kein Händler bevorraten. Ein Defekt außerhalb der Garantie- oder Kulanzzeit wird teuer.

Strohernte – Rotor oder Schüttler?

Über Strohqualität wird zwar oft gesprochen, sie ist jedoch nirgends definiert. Fakt ist: je kürzer das Stroh, desto dichter das Schwad und desto länger die Nachtrocknungszeit. Ob langes, quasi unbeschädigtes Stroh abgelegt wird, hängt viel mehr von seiner Brüchigkeit als vom Dresch- und Abscheidesystem ab. Selbst das strohschonendste Standard-Dreschsystem mit Dresch-, Wendetrommel und Schüttlern kann sprödes Stroh derart zerstören, dass die Reinigung mit Kurzstroh überlastet wird.

Der Anteil an Kurzstroh, das zwischen den Stoppeln zu Boden fällt, ist bei Schüttler- und Rotormähdreschern mit baugleichem Dreschwerk gleich hoch. Rotormähdrescher erzeugen mehr Kurzstroh im Langstroh. Das dichter liegende Schwad muss folglich eher gelüftet/gewendet werden. Dann entstehen Strohverluste. Kann das Stroh direkt nach dem Drusch gepresst werden, bleibt der Strohertrag etwa gleich.

Schüttler-Mähdrescher mit zusätzlichen Abscheiderotoren zerstören das Stroh oft ähnlich intensiv wie Rotor-Mähdrescher.

Hier einige Anmerkungen kurz gefasst:

Bei mehr als 12 m Arbeitsbreite und Anbau von Leguminosen können Bandschneidwerke mit geteiltem Rahmen sinnvoll sein. Bei hohem Rapsanteil empfiehlt sich das Schneckenschneidwerk. Eine höhere Druschleistung im Vergleich zum korrekt eingestellten Schneckenschneidwerk mit variabler Tischlänge konnte in stehendem Getreide und Raps bisher nicht nachgewiesen werden.

In Ostholstein sollte ein Mähdrescher auf jeden Fall mit einer Hangausgleichstechnik ausgerüstet sein. Ein Fahrwerks-Hangausgleich funktioniert nicht mit einem Raupenlaufwerk. Mähdrescher mit Raupe werden mit Regeltechnik für die Reinigung und die Beschickung des Rücklaufbodens ausgerüstet. 

Bei zunehmenden Arbeitsbreiten nehmen die Ansprüche an die Querverteilung des Häckselgutes zu. Claas und New Holland nutzen zur Präzisierung indirekt beziehungsweise direkt messende Regeltechniken.

Mähdrescher werden immer teurer. Pro 100.000 € Anschaffungspreis sollten bei zehnjähriger Nutzung mindestens 100 ha/a Kampagneleistung erreicht werden. Anderenfalls bleiben Eigenmechanisierern die längere Nutzungsdauer oder der junge Gebrauchte.

Der Dieselverbrauch von Mähdreschern wird in der zeitkritischen Ernte oft vernachlässigt. Unter den Erntebedingungen in Schleswig-Holstein kann bei einer Kampagnenleistung von 600 ha/a ein Unterschied von 1,5 l/t Druschgut bei einem Dieselpreis von 1,5 €/l die Erntekosten um mehr als 11.000 €/a erhöhen.

Fazit

Die Anzahl der Mähdrescher fertigenden Unternehmen nimmt ab, die Varianten- und Ausstattungsoptionen nehmen zu. Dies schafft für die Landwirte und Lohnunternehmer eine zunehmende Intransparenz. Die Strukturen vergrößern sich. Der Anteil an Eigenmechanisierern nimmt zu. Für Lohnunternehmer ist es wenig attraktiv, Druschkapazität für die Ansprüche der Kunden mit kürzeren Erntezeiträumen vorzuhalten.

Rotormähdrescher mit geringer Chassisbreite (fünf Schüttler) erreichen höhere Druschleistungen als Schüttlermähdrescher der Oberklasse (sechs Schüttler). Noch zähes, feuchtes Stroh wird von Rotormähdreschern in kompakteren Schwaden abgelegt und trocknet verzögert oder nicht ohne Wendevorgang ab.

Zwischen den Assistenz- und Regeltechniksystemen bestehen große technische Unterschiede. Beim Vergleich ist zu berücksichtigen, wie viele Nonstop-Einstellungen ein System beinhaltet, die womöglich bei anderen Systemen Stop-Einstellungen sind, also zum Anhalten zwingen.

Die zunehmenden Massen von Mähdreschern werden vor dem Hintergrund der aktuell nicht größer dimensionierten Raupen und begrenzten Hinterachslasten sowohl auf dem Acker als auch auf der Straße zum begrenzenden Faktor.